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02/2005/06 · gesundsitzen

«Ischias» – der gereizte Nerv Text: Dr. Bruno Gröbli, Chiropraktor, St. Gallen

Ischiasbeschwerden: Was sie auslöst • Krankhafte Veränderungen der Wirbelsäule wie Bandscheibenvorfall oder -vorwölbung, Wirbelgleiten mit Einengung des Nervs • Statische Fehlhaltungen, etwa wegen eines verkürzten Beines, und Haltungsstörungen • Abrupte Drehungen oder Schläge • Einseitige sportliche oder berufliche Aktivitäten • Übermässige Beweglichkeit

Ischiasbeschwerden: Vorbeugen ist besser ... • Beobachten, was die Beschwerden auslöst – und entsprechende Aktivitäten vermeiden. • Nur kleinere Gewichte heben und tragen. • Körper gerade halten. • Nicht abrupt bewegen. • Oberkörper nicht in der Hüfte abdrehen, sondern immer mit dem ganzen Körper «auf den Füssen» drehen. • Muskeln, vor allem des Rückens, unter kundiger Anleitung trainieren – gesunde Muskulatur stützt und schützt den Rücken! • Arbeitsposition häufig wechseln. • Vibrationen vermeiden. • Sind bereits Beschwerden zu spüren: Den Chiropraktor oder Arzt so rasch als möglich aufsuchen.

kel und oft in den Fuss aus. So heisst denn Ischias korrekt Ischialgie oder Ischiasneuralgie und damit «Beinschmerz». Weitere Symptome sind Spontan- und Dehnungsschmerzen, Ausfälle der Reflexe und der Motorik oder gar Lähmungen sowie Verhärtung der Muskulatur und Wirbelsäulenstarre. In der Regel folgt die Ischialgie einem Problem in der Lendenwirbelsäule; meist ist ein Hexenschuss der Vorbote.

Rasches Handeln lindert Schmerzen Besonders weil die Ursache der Ischialgie nicht auf den ersten Blick klar ist, muss sie rasch abgeklärt werden. Denn auch hier gilt, dass ein rascher Behandlungsbeginn Spätfolgen und -kosten reduziert: Chronische Ischialgie – etwa fünf Prozent aller Fälle – verursacht später 80% der Heilungskosten. Und dazu gewaltig Schmerzen, die meist zu verhindern gewesen wären.

Wie kommt es zum Druck auf den Ischiasnerv und zu seiner Reizung? Vor allem wenn Material aus den Bandscheiben den Nerv einengt, etwa bei einer Diskushernie oder wenn Abnützungen in der Wirbelsäule dem Nerv zu wenig Raum lassen. Mit Röntgenbildern, Computertomografie und Magnetresonanz lässt sich heute präzise feststellen, wo die Quelle der Ischialgie liegt. Chiropraktische manuelle Behandlung und allenfalls das sorgfältige Strecken der Wirbelsäule vermindern den Druck auf den eingeengten Nerv.

Behandlung oder Operation? Manchmal helfen Schmerzmittel und Entzündungshemmer. Chiropraktik befreit viele Patienten von ihren Beschwerden. Nur in überaus seltenen Fällen drängt sich eine Operation auf. Oft kann der Patient auch selbst etwas zur Besserung beitragen: In akuten Fällen kühlt er die entzündeten Stellen mit Eis, er hält Bettruhe und entlastet seine Wirbelsäule beziehungsweise die Bandscheibe in der «Böcklistellung»: In Rückenlage werden Hüftgelenke und Beine jeweils im 90-Grad-Winkel gehalten und die Unterschenkel entsprechend unterstützt.

Medizin & Rücken

Vom Rückenmark führen zahlreiche Nerven in alle Teile des Körpers. Der längste und dickste dieser Nerven, der Ischiasnerv, verläuft aus der Lendenwirbelsäule durch die Beine bis in die Füsse. Wird er eingeengt und gereizt, macht er sich sofort bemerkbar – mit Kribbeln, Schwäche oder Schmerzen: Vom Kreuz strahlen die Schmerzen in den Ober- und Unterschen-

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Der Mensch ist nicht zum Sitzen geboren Life Style Schweizer Magazin für Ergonomie am Arbeitsplatz und zu Hause Medizin & Rücken Ausgabe...

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