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02/2005/06 · gesundsitzen

Wie sehen bei den SBB die Sitze der Zukunft aus? Die Formen und die Beschaffenheit werden sich nicht gross verändern. Ich denke, dass es Unterschiede geben wird, ob es

sich um Regionalzüge (S-Bahnen) handelt mit einer Reisezeit von bis zu einer Dreiviertelstunde oder um Fernzüge, die über diese Zeitdauer hinaus unterwegs sind. Bei den Nahverkehrszügen wird das Schwergewicht auf einfache Bequemlichkeit, Funktionalität und praktische Handhabung für die Reinigung und Reparaturarbeiten gelegt werden. Bei den Reisezügen wird verstärkt den sich laufend verändernden Gewohnheiten und Anforderungen der Reisenden Beachtung geschenkt werden müssen. Und beim Bezugsmaterial – wird künftig mehr Leder eingesetzt? Unter den bereits genannten Kriterien ist der Komfort in Eisenbahnwagen irgendwo begrenzt. Mit dem kontinuierlichen Anheben des Komforts in der 2. Klasse ist die Klassenunterscheidung fast nur noch in der kleineren Anzahl Sitzplätze und der damit verbundenen grosszügigeren An-

ordnung ersichtlich. Da nun in der 2. Klasse aus Unterhaltsgründen ebenfalls der strapazierfähigere Veloursstoff eingesetzt wird, ist die Verwendung von Leder in der 1. Klasse ein weiterer Versuch, den Klassenunterschied wieder etwas deutlicher zu machen.

Konventionelle Vis-à-vis-Sitzanordnung.

Kennen Sie die Sitzqualität aus eigener Erfahrung? Ja, als SBB-Mitarbeiter bin ich viel im Zug unterwegs. Zudem bin ich Mobility Genossenschafter (Carsharing) und brauche das Auto nur als Ergänzung zur Eisenbahn. Ich bin somit immer mit unserer gemachten Arbeit konfrontiert, und als selbstkritischer Designer ärgere ich mich natürlich, wenn mir etwas auffällt, das nicht gut gelungen ist, und versuche es bei nächster Gelegenheit zu verbessern. Zudem ist meine Körpergrösse von 1.90 m eher für einen Gardisten der Schweizergarde des Papstes geeignet als für ein durchschnittliches SBB-Reisenden-Modell. Darum sitze ich auch am liebsten in den Vis-à-vis-Abteilen, weil ich da meine langen Beine am bequemsten unterbringen kann. Wir sind gespannt, was sich punkto Sitzkomfort im Zug noch ändern wird. Herr Thalmann, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Reihensitzanordnung.

Life Style

Wir stellen fest, dass die Vis-à-visAnordnung der Sitze überwiegt. Ist diese Sitzform nicht etwas antiquiert? Im Gegenteil. Umfragen bei den Reisenden belegen, dass diese Sitzanordnung bei 80% der befragten Personen auf grosse Zustimmung stösst. Die Reihenbestuhlung schränkt stärker ein und ermöglicht beispielsweise die Veränderung der Sitzposition nur schlecht. Bei der Vis-àvis-Bestuhlung ist es immerhin möglich, je nachdem, wie viele Fahrgäste im gleichen Abteil sitzen, auch mal die Füsse auf den gegenüberliegenden Sitz zu legen. (Aber bitte vorher die Schuhe ausziehen oder eine Zeitung zum Schutz des Polsters ausbreiten. Anm. der Red.)

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gesundsitzen_2005  
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Der Mensch ist nicht zum Sitzen geboren Life Style Schweizer Magazin für Ergonomie am Arbeitsplatz und zu Hause Medizin & Rücken Ausgabe...

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