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01/2004 · gesundsitzen

Schweizer Magazin für Ergonomie am Arbeitsplatz und zu Hause Ausgabe 2004

Der Kantensitzer! Ein unterhaltsames Interview zum Thema «Sitzen» mit Frank Baumann

Ein starker Rücken – keine Schmerzen

Ergonomisches Design

Mit Physiotherapie und Rückentraining zum Erfolg.

Die Form kommt an letzter Stelle. Design vs. Ergonomie. Gegensatz oder Ergänzung?

Ergonomie im Arbeitsalltag

Die Wirbelsäule

Beim Sitzen beweglich bleiben – verhindert Rückenbeschwerden.

Eine hochkomplexe Architektur.


01/2004 · gesundsitzen

Inhaltsverzeichnis 15 Editorial 16 Life Style Sitzvolk mit Luxusproblem

17 Life Style Beim Sitzen beweglich bleiben

10 Life Style Entspannungs- und Dehnübungen fürs Büro

7 Life Style: Beim Sitzen beweglich bleiben Die Wahl des richtigen Stuhls kann Fehlbelastungen und Beschwerden beim Sitzen verhindern. Noch mehr nützt aber, sich während der Arbeit zu bewegen.

11 Promitalk Der Kantensitzer. Ein unterhaltsames Interview mit Frank Baumann

14 Medizin & Rücken Die Wirbelsäule – eine hochkomplexe Architektur

16 Medizin & Rücken Wenn die Hexe trifft ...

17 Medizin & Rücken Stechen in der Brust?

19 Medizin & Rücken Ein starker Rücken kennt keine Schmerzen

22 Design Die Form kommt an letzter Stelle

14 Medizin & Rücken: Die Wirbelsäule Die Wirbelsäule als tragendes Element hat eine anspruchsvolle Tragfunktion im menschlichen Körper.

Interview mit dem norwegischen Star-Designer Peter Opsvik

24 Design Wohntrends: Filigrane Stühle und orientalische Sitzlandschaften

25 Design Design oder Ergonomie? Promis geben Auskunft

26 Trends & Wissen Ein Autositz kann Leben retten

27 Trends & Wissen Richtiges Sitzen beginnt in der Schule

28 Trends & Wissen Training mit Tiefenwirkung

29 Trends & Wissen

22 Design: Die Form kommt an letzter Stelle Muss ein ergonomisch angepasster Stuhl aussehen wie eine Sitzmaschine beim Zahnarzt?

Rauchen verursacht Rückenschmerzen

30 Trends & Wissen Sling Exercise Therapy Schlafen mit Ergonomie-Vorsprung

33 Trends & Wissen Nordic-Walking

34 Trends & Wissen Test: Sitzen Sie richtig am Pult? IMPRESSUM gesundsitzen • Magazin für Ergonomie am Arbeitsplatz und zu Hause • Erscheint 1x jährlich • Ausgabe 1 • Auflage 110 000 Exemplare • Erscheinung: Oktober 2004 • Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Gesundes Sitzen, Kurt Schneider (Ergonomische Beratungen), Postfach 252, CH-3612 Steffisburg, Mobile 079 651 67 61, E-Mail: info@anatom.ch • Redaktion und Gestaltung: FRU!TCAKE Werbeagenturen, Worb-Bern; Redaktion/Koordination/Realisation: Urs Berger, Lahor Jakrlin, Lea Moser; Gestaltung/Mise en page: John Alonso, Roberto Pena; Fotos Lea Moser u. div. zvg • Druck: bentelihallwag AG, Wabern-Bern • Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung.

Inhalte

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Design: Olaf Eldøy

PEEL TM – schöner entspannen. Bringen Sie gesunde Bewegung ins Sitzen, Liegen und Entspannen. Der PEELTM versetzt Sie – dank patentierter Mechanik – in jeder Position in die beste Lage. Erhältlich in verschiedenen Farben.

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01/2004 · gesundsitzen

Liebe Leserinnen, liebe Leser Kurt Schneider

Rückenprobleme sind weit verbreitet. Die Ursachen sind ebenso vielfältig wie das Problem selbst. Für Personen mit vorwiegend sitzender Tätigkeit in Büro, Gewerbe oder zu Hause sind meistens mangelnde Bewegung und eine schlechte Sitzhaltung dafür verantwortlich. Leider wird diese Problematik an vielen Arbeitsplätzen immer noch stark unterschätzt. Mit unseren Fachbeiträgen wollen wir sowohl Arbeitnehmer wie Arbeitgeber vertieft über eine ergonomisch richtige Arbeitsplatzgestaltung informieren und beraten. Darüber hinaus versuchen wir, mit Anregungen und Vorschlägen allen «sitzenden» Menschen einen Überblick über ergonomische Sitzmöbel und -systeme zu verschaffen. Um die Leserführung zu optimieren, ist «gesundsitzen» in die Hauptrubriken

Life Style – Promitalk – Medizin & Rücken – Design – Trends & Wissen gegliedert. So wird beispielsweise das ewig alte Lied vom «gesunden» Stuhl oder Sessel, aber mit dem schrecklichen Design, thematisiert. Anerkannte Stuhl-Designer nehmen unter dem Titel «Die Form kommt an letzter Stelle» dazu Stellung. «Ein starker Rücken kennt keine Schmerzen» – eine gewagte Aussage? Nein, sagen wir und zeigen anhand einiger praktischer Beispiele, wie mit einfachsten Mitteln zum Beispiel muskuläre Dysbalancen durch Verkürzungen der Muskulatur infolge einseitigen Sitzens gezielt verhindert werden können. Rund 30% unserer Schulkinder klagen regelmässig über Rückenbeschwerden. Hier müsste unbedingt eingegriffen werden – zu Hause wie auch in der Schule. Ein aktuelles Thema, das wir unter Trends & Wissen angehen. Was wäre «gesundsitzen» ohne Produktinformation. Im Mittelteil zeigen

wir Ihnen eine Auswahl der unterschiedlichsten Wohlfühl-Sitzmöbel von Herstellern ergonomischer Produkte aus aller Welt. Wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihre Beratungsstelle auf der letzten Umschlagseite. Wir würden uns freuen, wenn Sie sich für Fragen oder Anregungen zu dieser und auch zukünftigen Ausgaben an die Redaktion von «gesundsitzen» wenden würden. Bis dahin wünschen wir Ihnen viel Erfolg und eine gute Zeit. Arbeitsgemeinschaft Gesundes Sitzen

Editorial

Es ist Zeit für Neues. Und «gesundsitzen» geht einen neuen Weg. Die Konzentration auf ein Thema macht es einfacher, Sie, liebe Leserinnen und Leser, fachlich fundierter über das ergonomische Sitzen zu informieren.

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Sitzvolk mit Luxusproblem Am Ende eines Arbeitstags melden sich oft Verspannungen und Kopfschmerzen. Der Grund: Einseitige Belastungen und langes Sitzen. Doch auch in vergangenen Jahrhunderten hat Arbeit krank gemacht.

Life Style

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mws. Wer mit Wehmut an jene Zeiten zurückdenkt, wo echtes Handwerk Trumpf war, wo noch mit Sense und Heugabel an steilen Hängen gewirtschaftet wurde, romantisiert die Vergangenheit. Die Arbeitstage der Handwerker und Bauern waren lang und hart, und die physisch anstrengenden Tätigkeiten wie etwa Heben, Halten oder Stemmen provozierten körperliche Verschleisserscheinungen. Bereits im 18. Jahrhundert bestanden aber auch Arbeitsformen, beispielsweise in Manufakturen, welche die arbeitenden Menschen während längerer Zeit in immer gleiche Positionen zwangen – was zu einseitigen körperlichen Belastungen führte. Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert verschärfte sich diese Problematik. Die Fabrikarbeiterinnen und Fabrikarbeiter sassen oder standen bei niedrigstem Lohn 12 bis 14 Stunden in den klimatisch ungesunden Produktionshallen, der Arbeitsrhythmus und die

Körperhaltung wurden ihnen von den Maschinen aufgezwungen. Mit der Einführung der Fliessbandarbeit 1910 monotonisierte sich der Arbeitsprozess weiter.

Schmerzen und Verspannungen Beschäftigen wir uns also mit einem Luxusproblem, wenn Tipps für richtiges Sitzen, ergonomisch ausgeklügelte Sitzmöbel in Büro oder Werkstatt und Entspannungsübungen am Arbeitsplatz zum Thema werden? Mit Blick auf die Vergangenheit und physisch fordernde Berufe: ja. Die bisher bekannten «klassischen» Gesundheitsbelastungen am Arbeitsplatz gingen tendenziell zurück, heisst es beim Staatssekretariat für Wirtschaft (seco). Aber die heutige Spezialisierung der Arbeitsplätze und die oft damit verbundene einseitige Sitzhaltung über längere Zeit provoziert dennoch eine Reihe von Beschwerden. Eine

EU-Umfrage ergab 2000, dass ein Drittel der Beschäftigten unter Rückenschmerzen litt, in vorwiegend sitzenden Berufen trifft es immerhin jeden fünften.

Immer weniger Grund zum Aufstehen «Seit etwa 100 Jahren wächst die Bürokratie in Mitteleuropa unaufhaltsam», sagt der Zürcher Arbeitssoziologe Hans Geser. Nicht nur in den öffentlichen Ämtern, auch in der Industrie wird immer mehr verwaltet. Während man bis in die 50er Jahre auch während der Büroarbeit oft aufstehen musste, um etwa Karteikästen einzusehen oder Ordner aus dem Archiv zu holen, hat sich der Büroalltag mit dem Aufkommen des PC seit den 80er Jahren entscheidend verändert. Geser: «Es gibt im elektronischen Zeitalter immer weniger Grund, am Arbeitsplatz aufzustehen.» Gleichzeitig ermöglichen die veränderten Kommunikationsmittel Laptop, Handy und E-Mail, die Büroarbeit zu flexibilisieren: Noch vor zehn Jahren war man sogar der Meinung, zu Hause zu arbeiten werde zur neuen Arbeitsform, was sich bisher aber nicht durchsetzte. Doch ob im Büro, im trauten Heim oder im Park: Wer am Bildschirm arbeitet, setzt sich dazu meist hin. Ewig gleiche Sitzhaltungen, zu wenig Bewegung, Verspannungen durch krampfhafte Konzentration sind die Folge. Schätzungen gehen davon aus, dass in der Schweiz heute über 50 Prozent der Arbeitnehmenden Bildschirmarbeit verrichten. «Deshalb wird die Bewegung während der Arbeit, unabhängig von der Tätigkeit, seit einigen Jahren zum Thema», sagt Geser. ■


Arbeitsumgebung

01/2004 · gesundsitzen

Beim Sitzen beweglich bleiben Die Wahl des richtigen Stuhls kann Fehlbelastungen und Beschwerden beim Sitzen verhindern. Noch mehr nützt es aber, sich während der Arbeit zu bewegen.

mak/mws. Wer sich nach stundenlanger Bildschirmarbeit oder ewig gleicher Arbeitshaltung ächzend aus dem Stuhl erhebt, dem wird eines schlagartig bewusst: Sitzen belastet die Wirbelsäule mindestens so sehr wie langes Stehen. Deshalb ist es unabdingbar, bei der Wahl des Sitzmöbels darauf zu achten, dass es sich an den Menschen und dessen Bedürfnissen während der Arbeit anpassen lässt. «Man sollte so sitzen, dass der Bewegungsapparat nicht einseitig belastet wird und sowohl genügende Unterstützung wie genügend Bewegungsfreiheit vorhanden ist», sagt

Hansjörg Huwiler, Ergonom beim Zentrum für Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene in Zürich.

Rückenlehne Ein ergonomisch sinnvolles Sitzmöbel sollte deshalb dynamisch und flexibel sein. So sollte eine hohe Rückenlehne den Oberkörper ständig unterstützen, gleichzeitig aber seinen Dreh-, Seitwärts- und Rückwärtsbewegungen folgen können, um eine statische Belastung der Wirbelsäule zu vermeiden. Auch ein höhenverstellbarer Lendenbausch im Kreuz unterstützt die

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Sitzfläche

Aufrichtung des Beckens und verhindert, dass man mit Rundrücken am Tisch sitzt, was die Bandscheiben auf Dauer belastet.

Die richtige Einstellung

Life Style

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Natürlich nützt die Verstellbarkeit eines Stuhls in allen Ebenen nichts, wenn man ihn nicht tatsächlich an die individuelle Körpergrösse und ans Gewicht anpasst. Folgende Tipps sind bei der richtigen Einstellung zu beachten: • Die Rückenlehne sollte bis unter die Schulterblätter reichen und so eingestellt sein, dass sie den unteren Teil des Rückens stützt. • Die Sitzfläche muss so geneigt werden können, dass die Oberschenkel wenn möglich leicht nach vorne abfallen und die Füsse (Schuhe mit Absatz) ganz auf dem Boden stehen. • Zwischen Kniekehle und Sitz sollte ein zwei Finger breiter Abstand bleiben. • Die Tischhöhe sollte so auf den Stuhl abgestimmt sein, dass die Unterarme des Arbeitenden flach auf demTisch liegen können, ohne dass die Schultern hochgezogen werden müssen.

Bei einem guten Arbeitsstuhl sollte die Sitzfläche in der Höhe zwischen 42 und 55 Zentimetern verstellbar sein, rät die SUVA (Schweizerische Unfallversicherungsanstalt). Auch die Sitztiefe sollte man wenn möglich an die Körpergrösse der Arbeitenden anpassen können. Dabei ist es sinnvoll, die Sitzflächen so einzustellen, dass man die Füsse abstellen kann. Wenn die Beine nämlich vom Stuhl ins Leere hängen, wird der venöse Rückfluss behindert. Schwere Beine und Krampfadern können die Folge sein. Eventuell können auch Fussstützen eingesetzt werden. Die Sitzfläche sollte zudem vorne leicht abgerundet und immer etwas nach vorne geneigt sein – auch damit wird verhindert, dass das Becken nach hinten kippt.

zurückklappen, dann kann man sich auch mal verkehrt oder seitwärts hinsetzen.

Polsterung Wenn man zu lange auf einem harten Stuhl sitzt, macht sich die unterschiedliche Druckverteilung auf Knochen und Weichteilen schmerzhaft bemerkbar. In zu weicher Polsterung wird jedoch die erforderte Beweglichkeit eingeschränkt und der Wärmeaustausch zwischen Körper und Raumluft behindert.

Abwechslung im Sitzalltag Neben dem klassischen Rolldrehstuhl auf stabilen fünf Rädern gibt es auch für den

Synchronmechanismus Wenn Sitzfläche und Lehne synchron verstellbar sind, ermöglichen sie ein freies Wechseln zwischen aufrechter und zurückgelehnter Haltung, ohne dass man gleich vom Sitz rutscht. Dieser so genannte Synchronmechanismus passt sich jeweils automatisch mittels Federkraft an die angenommene Haltung an.

Armlehnen Armlehnen sind nicht zwingend notwendig, aber oft nützliche Entspannungshilfen, so Ergonom Huwiler. Schwere Arme können darauf abgestützt werden und entlasten so die Schultermuskulatur. Bei manchen Stühlen kann man die Armlehnen

HÅG Capisco. Dank dem speziellen Sattelsitz sind die verschiedensten Sitzpositionen möglich.

Arbeitsplatz andere Sitzmöglichkeiten wie etwa den Sitzball, den beweglichen Einbeinhocker mit rundem Fuss oder einen Balance-Stuhl. Diese Alternativen sorgen für Abwechslung, sollten aber nicht auf Dauer eingesetzt werden. Am besten sollte man in jedem Fall das Sitzen regelmässig unterbrechen und eine gewisse Zeit im Stehen arbeiten.

Der ideale Stuhl Grundsätzlich gilt, dass das ausgeklügeltste Sitzmöbel wenig nützt, wenn man sich nicht bewegt. Aufstehen, sich strecken, eine Entspannungsübung machen oder eben im Nebenzimmer etwas zu holen sind das A und O des gesunden Sitzens. ■


01/2004 · gesundsitzen

«Mit Top-Mobiliar allein ist nichts gewonnen»

Welches sind denn die häufigsten Probleme bei Möblierungen am Arbeitsplatz? Die Anpassung an die äusseren Bedingungen wie etwa Organisation, Technik, verlangte Leistung? Oder die Anpassung an die individuellen Leistungsvoraussetzungen? Für mich als Mediziner stehen jene Beschwerden, die sich mit ungünstigen Arbeitshaltungen ergeben können, im Vordergrund: Rückenschmerzen, Schmerzen in den Handgelenken, Augenschmerzen. Kommen Mitarbeitende damit zum werksärztlichen

Martin Kuster, Arbeitsmediziner und Leiter Gesundheitsschutz beim Pharmakonzern Novartis in Basel.

Dienst, werden sie und ihr Arbeitsplatz vermessen, und wir beraten sie bei der Arbeitsplatzgestaltung. So können individuelle Leistungsvoraussetzungen möglichst gut berücksichtigt werden. Richtig zu sitzen ist zentral, alle anderen Parameter werden darum herum gebaut. Aber ich persönlich bin fest davon überzeugt, dass eine gesunde Arbeitsposition mit Top-Mobiliar allein nicht zu gewinnen ist. Auch der Arbeitsprozess muss angepasst werden, das heisst, die Mitarbeitenden müssen Pausen machen, aufstehen, sich bewegen. Natürlich werden beim Einkauf von Mobiliar auch äussere Bedingungen beachtet, in manchen Bereichen sind zum Beispiel abwaschbare oder explosionssichere Stühle nötig.

Spüren Sie bei den Mitarbeitenden eine Sensibilität bezüglich gesunden Sitzens oder gesunder Haltung während der Arbeit? Manche sind sich bewusst, dass eine bewusste Sitzhaltung wichtig ist, andere werden erst durch unsere Risikoanalysen darauf gebracht. Wir bauen aber auch auf die Selbstverantwortung der Mitarbeitenden. Wie sieht Ihr eigener Arbeitsplatz aus? Ich sitze sehr viel und habe meinen Arbeitsplatz getreu meiner eigenen Vorgaben mit einem Kollegen eingerichtet: Er ist ganz auf meine Bedürfnisse abgestimmt, und ich achte darauf, nicht länger als zwei Stunden hintereinander vor dem Bildschirm zu sitzen. Meine Glaubwürdigkeit wäre ganz schön angekratzt, wenn mich Mitarbeitende mit krummer Haltung und glasigen Augen am Schreibtisch überraschen würden. Zudem fahre ich jeden Tag eine Stunde Fahrrad. Das ist auch gut für meinen Rücken. ■

Interview

gesundsitzen: Martin Kuster – Sie sind bei der Erstellung von Richtlinien beteiligt, die für den Kauf von Arbeitsmobiliar in den Büros, Labors und Produktionsräumen von Novartis berücksichtigt werden. Kann man heutzutage überhaupt noch Fehler machen beim Kauf von Büromöbeln? Sind nicht alle Tische und Stühle höhenverstellbar und die Stuhllehnen flexibel? Martin Kuster: Bei Novartis werden für jeden Arbeitsplatz Risiko-Analysen durchgeführt, wovon die Ergonomie ein Teil ist. Das gilt nicht nur für die Labors und die Produktion, sondern wird auch auf Büro-Arbeitsplätze ausgedehnt. Die Höhenverstellbarkeit von Tischen und Stühlen ist ein wichtiges Element, um den Arbeitsplatz ergonomisch einzurichten. Viele der heute angebotenen Modelle erfüllen diese Anforderungen tatsächlich. Aber wir wollen unsere Mitarbeitenden ganzheitlich beraten, das heisst, auch die Position von Bildschirm, Tastatur, Dokumenten auf dem Tisch ist wichtig, der Lichteinfall, Luftzug, die Büropflanzen und mehr sind zu berücksichtigen. Neue Möbel werden nach diesen Richtlinien eingekauft. Älteres Mobiliar wird möglichst gut eingesetzt. So könnte zum Beispiel ein nicht höhenverstellbarer Tisch mit einem besonders guten Stuhl ergänzt werden, und wenn die Mitarbeiterin eher klein ist, könnte man zusätzlich einen Fussschemel anbieten.

Ist es überhaupt möglich, individuelle Vorgaben wie zum Beispiel Konstitution, Alter, Geschlecht bei einem grossen Betrieb zu berücksichtigen? Wir verbinden Ergonomie mit dem Grundsatz «fit the task to the man» – passe die Aufgabe dem Mitarbeitenden an. Die Frage erübrigt sich damit: Wir müssen die individuellen Vorgaben berücksichtigen.

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Entspannungs- und Dehnübungen fürs Büro Nehmen Sie sich zwischendurch einen Moment Zeit, im Büro oder am Arbeitsplatz einige Entspannungs- und Dehnungsübungen durchzuführen. Die Dehnübungen kann man etwa 20 bis 30 Sekunden halten, wer will, kann zwei bis drei Durchgänge machen. Die Entspannungsübungen können etwa 20 Sekunden bis maximal eine Minute durchgeführt werden. Der letzten Übung «Sich aufrecht sitzend entspannen» kann man etwas mehr Zeit widmen. Für alle Übungen gilt: Normal fliessend und tief atmen. Verbinden Sie diese Übungen wenn möglich mit einem kleinen Treppenlauf oder einem Botengang; das bringt den Kreislauf in Schwung.

1. Den Kopf ablegen Life Style

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Sich auf die Stuhl-Vorderkante setzen, den Kopf auf die verschränkten Hände auf dem Tisch ablegen, Rücken rund machen, loslassen.

2. Den Oberkörper nach unten hängen lassen Sich auf die Stuhl-Vorderkante setzen, die Beine hüftbreit geöffnet, den Oberkörper auf die Oberschenkel legen, Arme und Kopf locker hängen lassen, entspannen.

4. Den Oberkörper strecken, die Brustmuskulatur dehnen

5. Die Waden dehnen, den Rücken strecken

Sich aufrecht im Stuhl nach hinten setzen, die Hände am Hinterkopf verschränken, die Ellbogen aufmachen und nach hinten ziehen, sachte den Oberkörper nach hinten lehnen, Kopf in der Verlängerung der Wirbelsäule lassen, strecken und dehnen.

Gewicht auf das vordere Bein verlagern, beide Füsse parallel stellen, Fersen auf den Boden stemmen, Bauch nach innen ziehen, Arme in der Verlängerung der Wirbelsäule nach oben führen, dehnen. Die Seite wechseln.

3. Hals/Schultern dehnen Sich gerade hinsetzen, mit der linken Hand über den Kopf fassen und den Kopf sanft nach links ziehen, den rechten Arm hängen lassen, mit der rechten Hand gegen den Boden ziehen, dehnen. Die Seite wechseln.

6. Sich aufrecht sitzend entspannen Sich auf den Boden setzen, die Fusssohlen gegeneinander legen, mit geschlossenen Augen und lockerer Haltung tief atmen, jedes Körperteil bewusst entspannen.


01/2004 · gesundsitzen

Fürs Prominenten-Interview hat «gesundsitzen» eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens gewählt, die sich bewusst und oft zwischen alle Stühle setzt: Frank Baumann. Er war Reporter und Radio-Journalist; heute ist er Entertainer, Standup Comedian, Macher von TV-Sendungen, Kommunikationsausbildner und Werber. Und auf welchem Parkett er sich auch immer bewegt, es ist immer ein Grenzbereich. Frank Baumann, das enfant terrible der Schweizer Kommunikation, ist

der Kantensitzer

Promitalk

Lahor Jakrlin (Text) Lea Moser (Fotografie)

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Klarer Blick für die Komik des Alltags.

Frank Baumann, 47, Kommunikator. Oder?

Promitalk

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Welches Prädikat umschreibt den «Ventilator» Baumann am besten? Ist er einfach der begnadete Provokateur? Oder der charmante Causeur? Ein feinsinniger Selbstdarsteller? Oder einer jener Zeitgenossen wie Harald Schmidt oder Stefan Raab, die sich schlicht weigern, «erwachsen» zu werden (was immer man darunter verstehen möge)? Dem Interviewer, selbst ein ehemaliger Radiomann und seit zwanzig Jahren Werber, fällt eine schlüssige Definition schwer. Am besten lässt sich Frank Baumann als «kreativer Generalist der Kommunikation» umschreiben, denn er tanzt auf vielen Hochzeiten, und auf allen tanzt er mit Erfolg.

einem Moderator, der die Anliegen mit Ironie und Satire ins Absurde bog und ... die Intelligencija klopfte sich auf die Schenkel. Unvergessen jene Episode, als ein Anrufer sich mehr «Römerfilme» wünschte (als würden wir nicht alljährlich – an Weihnachten, Ostern und Pfingsten – von Ben Hur, Quo vadis und Cäsar und Kleopatra in die Schlafzimmer vertrieben), oder die unzähligen Intermezzi, in denen sich verkannte Entertainer präsentieren ... und blamieren konnten. Was war der Reiz von «Ventil»? Die Umkehr ins Gegenteil! Ventil war eine Medien-Installation. Eine Spiegelung der Realität. Da sass einer buchstäblich am «Hebel der Macht» und praktizierte die reine Willkür. Daraus resultierten zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen, 1999 gar die «Rose d’Or» von Montreux.

Der Motivator

Der «Ventilator» Seine Karriere am Mikrofon startete Baumann bei Radio 24. Zusammen mit Roger Schawinski sendete er vom Comersee aus und begründete einen neuen Sendestil – die Schweizer Lokalradios und auch DRS 3 haben ihr Dasein dem Trotz und der Beharrlichkeit der Radiopiraten von Radio 24 zu verdanken. Doch Töne sind mächtiger, wenn das Bild dazu kommt – dem grossen Deutschschweizer Publikum präsentierte sich Baumann 1996 mit einer Sendung, die so völlig anders wurde als erwartet: «Ventil». Das Format spaltete die Fernsehnation. Frustrierte Seelen erhofften sich eine «Instanz», um wirksam ihre Kritik an der Programmstruktur von SFDRS zu platzieren ... und landeten bei

Erlaubten suchen. Baumann schweift zwar nie ins Geschmacklose oder – noch schlimmer – in Sauglattismen ab, doch sein Name ist für viele Marketingleute die Garantie für «Werbung mit Schockwirkung». In England, dem Land des Humors in der Werbung, würden Baumanns Konzepte nicht derart auffallen. In der Schweiz, «wo jeder jeden kennt» (Zitat), schalten beunruhigte Bürgerinnen und Bürger bei Baumanns Motiven gar Anwälte ein. So geschehen bei der Werbekampagne für einen Apfelsaft-Hersteller. Resultat: Der Kunde bekam kalte Füsse, die Kampagne wurde gestoppt. Dito auch TV-Spots fürs Humorfestival von Arosa: Baumann liess das Komikerduo «Lapsus» auf Gran Canaria an der Playa del Ingles mit Massentouristen kalauern. Und wieder meldeten sich selbst ernannte Moralapostel. Doch deren vermeintliche Erfolge sind keine, denn Baumann kalkuliert bewusst mit der Kritik und lenkt sie in breitenwirksame Publicity um.

Der Ventilator und sein Folterinstrument, der gefürchete «Hebel der Macht».

Vier Jahre lang, 74-mal, gab Baumann den «Ventilator», dann war Schluss. Baumanns letzte Ventil-Sendung (2000) zeigte eine halbe Stunde lang nichts – ausser ein verlassenes Studio. Die völlige Verweigerung gegenüber dem Quotenwahn.

In der Werbung: Irritation bis zum Gehtnichtmehr Baumanns Ruf als Provokateur zieht im Werbebereich vor allem jene Kunden an, die die totale Provokation, also die Irritation in den Grenzbereichen des

Baumanns Vielseitigkeit und seine rhetorischen Fähigkeiten verschaffen ihm auch Beratungsmandate in der Ausbildung, er schult exponierte Führungskräfte der Wirtschaft in der Kommunikation und im Verkauf. Der Offizier (Baumann ist Oberleutnant und diente in der «APF» – Abteilung Presse und Funkspruch) ist sich den Umgang mit starken Persönlichkeiten gewohnt, hat jedoch den nötigen Abstand, um sie von einer unabhängigen Warte aus kritisch zu beurteilen.

Grenzgänger auch im Showbusiness Frank Baumann ist auch als Kabarettist aktiv, sein Programm «Bilder im Kopf» gastiert in allen grösseren Deutschschweizer Städten. Welcher Art ist der Inhalt der zweistündigen Show? Eigentlich handelt es sich um einen «DiaAbend», Baumann zeigt beispielsweise


Fotos von so genannten Homestories aus der Schweizer Illustrierten, also jene Bildergeschichten, welche die hierzulande geheiligte Cervelatprominenz wie Stefan Anghern, Nella Martinetti, Kurt Felix, Rolf Knie oder irgendwelche Skifahrer/innen oder eine der austauschbaren Schweizer «Missen» in ihrem trauten Heim zeigt. Baumann macht sich den Spass, diese Artikel gar nicht mal besonders zu kommentieren. Er zeigt sie einfach in überdimensionierter (Leinwand-) Grösse und macht auf diese Weise die ganze Szenen-Komik und Irrelevanz sichtbar. Denn was, bitte sehr, ist so interessant an einer Martina Hingis oder Monika Fasnacht oder Susanne Klee, die alle jeweils auf einem Sofa liegen und scheinbar entspannt ins Weitwinkelobjektiv lächeln? Wir wissen es nicht. Ausser dass, Baumann hats bemerkt, diese «Stars» immer barfuss sind ... Doch auch das ist nicht das Erfolgsgeheimnis der Show. Es ist der Spiegel, mit dem Baumann die Banalität des «Boulevard» reflektiert – das Zelebrieren des Voyeurismus.

Promitalk

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Und wie «sitzt» Frank Baumann? Der Kommunikator arbeitet in einem klassisch modernen Bau des Architekten Eduard Neuenschwander im zürcherischen Gockhausen, die Möblierung ist schlicht und elegant, sein Arbeitsplatz aufs Funktionelle reduziert. Für die Fotoaufnahmen zum «Sitzen» aufgefordert, setzte sich Baumann, wie könnte es anders sein, in unkonventionelle Pose. «Und überhaupt», so der Hobby-Alpinist und Motorradfreak Baumann, «am liebsten hänge ich an einem Felsen oder sitze auf dem Töff.» ■

Hat keine Angst, sich weit an den Rand zu setzen, Frank Baumann am Teich vor seinem Büro in Gockhausen.


Die Wirbelsäule – eine hochkomplexe Architektur! Die Wirbelsäule als tragendes Element hat die Aufgabe, den Körper gegen die Schwerkraft zu stützen und mittels Bandscheiben, Wirbelgelenken und Muskulatur die Bewegungsfähigkeit des Rückens zu ermöglichen. Dr. med. Beat Wälchli, Facharzt für Orthopädische Chirurgie FMH, Uniklinik Balgrist, Zürich

Das Rückgrat besteht aus Wirbelkörpern mit Gelenken und Bandscheiben, Bändern, Muskulatur und Nerven und ist so miteinander verbunden, dass der Körper gegen die Schwerkraft gestützt wird. Dieser ständige «Kampf» ermüdet die Muskulatur und kann zur Überlastung der Wirbelgelenke und zum Verschleiss der Bandscheiben führen.

Medizin

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Schutz der Bewegungsfunktionen Der Wirbelkanal beherbergt das Rückenmark und die Nervenwurzeln, welche Signale vom Gehirn zu Armen und Beinen weiterleiten. Wird der Wirbelkanal durch einen Bandscheibenvorfall (Diskushernie), eine Wirbelverschiebung (Spondylolisthese) oder durch knöcherne Auswüchse (Spondylosen) eingeengt, treten neben Schmerzen auch Lähmungen auf, die oft nur noch operativ zu beheben sind. 1) 1. Halswirbel (Atlas) 2) 2. Halswirbel (Axis) 3) Wirbelbogengelenk 4) Dornfortsatz 5) Gelenkflächen für die Rippen 6) Wirbelkörper 7) Bandscheibe 8) Querfortsatz 9) Zwischenwirbelloch 10) Gelenkfläche des Iiosakralgelenks 11) Kreuzbein 12) Steissbein

Bandscheiben – Stossdämpfer des Rückens Die Wirbelsäule ist kein starres Gebilde. Die Anordnung der Bandscheiben, der Gelenke und der Muskulatur ermöglicht es uns, mit dem Kopf zu nicken, einen Rundrücken (Katzenbuckel) zu machen oder sich zum Heben eines Gegenstandes zu

bücken. Jede Bewegung des Körpers wirkt sich auch auf die Belastung der einzelnen Bausteine der Wirbelkörper aus. Dabei spielt die Bandscheibe eine zentrale Rolle. Sie gewährleistet die Bewegung zwischen den Wirbelkörpern und wirkt zudem als Stossdämpfer, was die Belastbarkeit der Wirbelsäule erhöht. Langes Sitzen, wiederholtes Heben und Tragen von schweren Lasten, aber auch das Rauchen führen zu einer Überbelastung oder vorzeitigen Abnutzung der Bandscheiben. Auch genetische Faktoren können den Aufbau der Bandscheibe beeinflussen.

Diskushernie Der Bandscheibenvorfall (allgemein als Diskushernie bekannt, Anm. der Red.) zählt zu den häufigsten Erkrankungen der Wirbelsäule. Er ereignet sich hauptsächlich bei Patienten im Alter von 20 bis 50 Jahren, wobei auch Kinder und Senioren nicht davor verschont bleiben. Charakteristisch für den Bandscheibenvorfall ist der plötzlich auftretende, einseitige Bein- und Rückenschmerz mit Gefühlsstörungen in Bein und Fuss. Bevor man sich jedoch für eine Operation entscheidet, sollte der eindeutige Befund


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Diskushernie in der Halswirbelsäule Ein Teil des gallertartigen Kerns (1) der Bandscheibe dringt durch den gerissenen Faserring (2) nach aussen und beengt eine Nervenwurzel (3). Ebenfalls auf unserer Illustration: das Rückenmark (4), die oberen Wirbelfazetten oder -gelenkflächen (5), der Wirbelkörper (6) und der hintere Dornfortsatz (7).

vorliegen. In den Händen eines erfahrenen Wirbelsäulenchirurgen ist die Diskushernienoperation ein sicherer und Erfolg versprechender Eingriff. Die meisten operierten Patienten können nach einer Erholungsphase von sechs bis acht Wochen das Leben ganz normal weiter führen. Die Rehabilitation ist meistens nach drei Monaten abgeschlossen.

Vorbeugung und Therapie Genügend Bewegung, ergonomisches Sitzen am Arbeitsplatz, kontrolliertes Anheben von Gewichten und Verzicht auf übermässigen Tabakkonsum sind die besten Voraussetzungen zur Vorbeugung von Rückenschmerzen. Über 80% der Bandscheibenvorfälle lassen sich jedoch auch ohne operativen Eingriff erfolgreich behandeln. Zu den Massnahmen gehören chiropraktische Therapien, Physiotherapie, Akupunktur und schmerzlindernde, entzündungshemmende Medikamente. Führt dies nicht zu einer nachhaltigen Verbesserung des Beschwerdebildes, ist der operative Eingriff meist unumgänglich. ■

Interview mit Dr. med. Beat Wälchli

zu verhindern. Bei Hochleistungssport habe ich gelegentlich meine Bedenken.

gesundsitzen: Dr. med. B. Wälchli, nehmen die Rückenprobleme in der heutigen Zeit zu? Dr. med. B. Wälchli: Ja. Bereits heute erfolgt jeder dritte Arztbesuch wegen Rückenschmerzen. Vor 50 Jahren warens noch bedeutend weniger. Diese Entwicklung kostet die Gesundheitsversorgung unglaubliche Summen, und ein Ende ist kaum abzusehen. Leider kennen wir die Faktoren nicht, die zu dieser Entwicklung führten.

Welche Eigenschaften muss Ihr idealer Stuhl haben? Grundsätzlich muss ich mir überlegen, wozu ich den Stuhl benutze. Ein Bürostuhl muss primär andere Anforderungen erfüllen als ein Freizeitstuhl. Ich setze mich immer zuerst auf den Stuhl und merke sofort, ob ich ein angenehmes Sitzgefühl habe. Ist dies erfüllt, kommt der Stuhl in die engere Auswahl. Ein Bürostuhl sollte meiner Meinung nach verstellbar sein, mit gut abstützender Rückenlehne. Auch die Sitzfläche sollte verstellbar sein.

Nehmen die Rückenbeschwerden auch bei Kindern zu? Wenn ja, wie sind diese am effektivsten zu behandeln? Ja, auch bei Kindern nehmen die Rückenschmerzen zu und erreichen bei Jugendlichen schon fast die Zahlen der Erwachsenen. Leider konnte dieser Trend auch nicht durch all die vorbeugenden Massnahmen wie Rückenschule, korrekte Haltung und Rückenturnen aufgehalten werden. Es ist wichtig, dass Kinder mit andauernden Rückenschmerzen gründlich untersucht und die Ursachen genau abgeklärt werden. Das beinhaltet auch Spezialuntersuchungen wie Röntgenbilder und nicht zuletzt auch Magnetresonanzuntersuchungen der Wirbelsäule. Erst beim Ausschluss von Tumoren, Entzündungen, Diskushernien und anderen seltenen Erkrankungen darf man den natürlichen Verlauf der Beschwerden beobachten. Hat sich unser Rücken im Vergleich zu früher durch das häufige Sitzen verändert? Ich denke nicht. Es ist nicht erwiesen, ob häufiges Sitzen oder Feldarbeit in gebeugter Haltung, Schlafen auf Strohmatten oder Schleppen von schweren Lasten schwerwiegender ist. Ich kann nur sagen, dass wir heute den Rücken stärker als zentrales Element ansehen und deswegen oft zum Arzt gehen. Wie kann mit Sport Rückenbeschwerden vorgebeugt werden? Sport im vernünftigen Rahmen betrieben kann sicher mithelfen, Rückenschmerzen

Haben Sie auch Rückenbeschwerden? Wenn ja, was tun Sie dagegen? Zum Glück wurde ich bis jetzt nur ganz selten von echten Rückenschmerzen geplagt. Es kommt manchmal nach einer mehrstündigen Operation vor, dass mich das Kreuz schmerzt und sich die Muskeln verkürzt anfühlen. Durch etwas Bewegung klingen die Schmerzen meistens auch wieder ab. Gelegentlich halten die Schmerzen jedoch an, so lasse ich mich durch einen Chiropraktor manipulieren. ■

Studium der Chiropraktik am Canadian Memorial Chiropraktik College (CMCC) in Toronto, Kanada; zweijährige Assistenz als Chiropraktor in Zürich; Medizinstudium – Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie; seit Juli 2000 Oberarzt für Wirbelsäulenchirurgie an der Uniklinik Balgrist in Zürich. Ab 1. November 2004 Belegarzt am Spital Zollikerberg, zuständig für Wirbelsäulenchirurgie.

Interview

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Wen(n) die Hexe trifft ... Aus den Märchen unserer Kindheit erinnern wir uns, dass es neben den bösen Hexen auch gute geben soll. Weshalb es wohl meist die guten Taten sind, die eine Hexe zum heimtückischen Schuss ins Kreuz eines Ahnungslosen Dr. Jean-Pierre Cordey, Chiropraktor veranlassen?

darin, festzustellen, wie der Hexenschuss – in der Fachsprache Lumbago genannt – entstanden ist. Liegt die Quelle der Schmerzen in der Muskulatur, in einem blockierten Wirbelgelenk oder einer beschädigten Bandscheibe?

Ein Hexenschuss hat meist eine Vorgeschichte

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Man hebt einen schweren Gegenstand, verschiebt einen Kasten oder trägt die schwere Einkaufstasche – und wird zum Dank blitzschnell und schmerzhaft «verhext»: Eines der Lendenwirbelgelenke ist nach einer Fehlbelastung, oft nach einer alltäglichen Bewegung, akut blockiert und entzündet. Betroffene Patienten sind einfach zu erkennen: sie streben der Praxis ihres Chiropraktors in einer typischen, mehr oder weniger gekrümmten Haltung zu und suchen jede Bewegung zu vermeiden, weil jedes Rühren schmerzt. Indem sie eine Schonhaltung einnehmen, strapazieren sie aber die Muskulatur und beeinträchtigen wiederum andere Gelenke.

Nicht nur die näheren Umstände, wie die Beschwerden aufgetreten sind, sind wichtig, sondern auch die länger zurückreichende Krankengeschichte. Kann der Schmerz vom Chiropraktor durch das Bewegen der einzelnen Wirbel ausgelöst werden, denkt man an blockierte Wirbelgelenke. Tritt der Schmerz zusätzlich beim Husten und Niesen auf, rückt die Bandscheibe als Verursacherin der Beschwerden in den Mittelpunkt der Möglichkeiten. Trifft keiner dieser beiden Fälle zu, wird es sich eher um ein muskuläres Problem handeln. «Kombinationen» sind ebenfalls möglich. Falls nötig, verschafft sich der Chiropraktor mit einem Röntgenbild endgültige Klarheit.

Finden des Schmerzzentrums

Schnelle Behandlung – grösserer Heilungserfolg

Nach der Lokalisierung des Beschwerden auslösenden Wirbelsegmentes besteht die erste Aufgabe des Chiropraktors

Die Behandlung richtet sich dem Befund entsprechend auf den Hauptauslöser der Symptome, also auf Muskulatur, blockierte

Wirbelgelenke oder Bandscheibe. Das Vorgehen des Chiropraktors und die Aussichten auf die zukünftige Belastung der Wirbelsäule im täglichen Leben sind unterschiedlich. Ein bandscheibenbedingter Hexenschuss benötigt am meisten Zeit zur Genesung, da die Bandscheiben keine direkte Blutversorgung aufweisen. Schneller geht es bei einem blockierten Wirbelgelenk. Es kommt immer wieder vor, dass man in solchen Fällen rasche Erfolge erlebt: Bereits nach einmaliger Behandlung verlässt der Patient die Praxis in aufrechter Haltung und beschwerdefrei. Der Vergleich mit einer blockierten Schublade ist durchaus statthaft und erklärt das biomechanische Geschehen eindrücklich: Nach dem «Richten» funktioniert sie sofort wieder. Allen Varianten des Hexenschusses ist eigen, dass eine unverzügliche Behandlung schnellere Linderung bringt und geringere Kosten verursacht. Klingt der Hexenschuss nicht innerhalb von drei Tagen ab, ist davon auszugehen, dass er nicht von selbst heilt. Wie verhindert man ihn in Zukunft? Am besten mit einer korrekten Haltung, richtigem Heben von Lasten und indem man Überbelastungen, besonders beim Sport, vermeidet. ■


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Was ist Chiropraktik?

Stechen in der Brust? Schmerzen in der linken Brustregion, wie wenn man einen Reifen um den Oberkörper gelegt hätte: Wer denkt dabei nicht alarmiert an Herzbeschwerden! Doch eine sorgfältige Untersuchung des Herzens zeigt, dass dieses kerngesund ist. Trotzdem bleiben die Schmerzen «am Herzen». Dr. Marc E. Faigaux, Chiropraktor

Beschwerden in der oberen Brustwirbelsäule äussern sich gelegentlich mit Symptomen, die denen von Herzbeschwerden ähnlich sind. Sie sind aber meistens vom Bewegungsapparat abhängig und haben nichts mit dem Herz-Kreislauf-System zu tun. Die moderne neurophysiologische Forschung weist auf komplexe Reflexmechanismen zwischen dem zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) und inneren Organen, Haut, Muskeln und Gelenken hin: Informationen aus inneren Organen und aus Gelenken und Muskeln der Wirbelsäule fliessen bei ihrem Eintritt ins Rückenmark zusammen, so dass ihre Herkunft nicht immer klar auseinander

gehalten werden kann. So kann man sich vorstellen, dass der von einem blockierten Wirbelgelenk ausgelöste Schmerz als Schmerz in einem inneren Organ empfunden wird. Indem der Chiropraktor Funktionsstörungen korrigiert, vor allem indem er Blockierungen der Wirbelgelenke löst und die Muskulatur entspannt, greift der Chiropraktor in dieses komplexe Reflexgeschehen ein. Er stellt Gelenkblockierungen im Bereiche der Hals- und oberen Brustwirbelsäule, Muskelverspannungen und schmerzhafte Druckpunkte fest, die den beschriebenen Brustschmerz auslösen. ■

Der Schweizer Chiropraktor absolviert mit dem ersten medizinischen Propädeutikum (Vorprüfung) eine medizinische Vorausbildung in der Schweiz. Es folgen ein zehnsemestriges Hauptstudium an einer anerkannten Hochschule in Kanada oder den USA, die erste interkantonale Prüfung und mindestens zwei Jahre Assistenzzeit mit Weiterbildung in der Schweiz. Den Abschluss seiner Ausbildung bilden das zweite interkantonale Staatsexamen sowie eine Röntgenstrahlenschutzprüfung. Damit ist der Chiropraktor befugt, selbständig eine Praxis zu führen. Er ist auch nach Abschluss seiner Ausbildung zur ständigen fachlichen Fortbildung verpflichtet. Die Leistungen des Chiropraktors werden im Allgemeinen von der obligatorischen Grundversicherung der Krankenkassen und von den Unfallversicherungen bezahlt, ohne dass der Hausarzt oder eine andere Medizinalperson den Patienten überweisen. ■

Das Rückenlexikon der Chiropraktoren Das praktische Rückenlexikon der Schweizer Chiropraktoren erhalten Sie kostenlos, wenn Sie einen mit CHF 1.10 frankierten Briefumschlag an die Schweizerische Chiropraktoren-Gesellschaft, Sulgenauweg 38, 3007 Bern, senden. Die Adressen der Schweizer Chiropraktoren und viel Wissenswertes über Ihren Rücken auf www.chirosuisse.info

Medizin & Rücken

Die Chiropraktik ist eine eigenständige Disziplin der wissenschaftlichen Heilkunde. In vielen Fällen ermöglicht sie es, auf Medikamente und auf chirurgische Eingriffe zu verzichten.

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Rückenzentrum

ergonomie Bei uns finden Sie ...das richtige Bett mit individueller Körper-Anmessung, ...den richtigen Stuhl und Relax-Sessel ...das passende Massivholzmöbel Der menschliche Körper ist nun mal nicht zum Sitzen und schon gar nicht zum Stillsitzen geschaffen. Er braucht Bewegung + Variation.

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01/2004 · gesundsitzen

Rückenschmerzen gehören heute zu den häufigsten Gesundheitsproblemen. Oft entstehen Rückenleiden durch Fehlbelastungen am Arbeitsplatz sowie durch den Mangel an Bewegung. Wie kann die Physiotherapie bei Rückenbeschwerden helfen? Der Schweizer Physiotherapie Verband und die Fachkommission Ergonomie setzen sich intensiv mit dieser Thematik auseinander. Lucia A. Pozzi, Hansjörg Huwiler, Schweizer Physiotherapie Verband

Im 3. European Working Conditions Survey 2000 (Bericht über die Arbeitsbedingungen in Europa) gaben 33 Prozent der Arbeitnehmer an, unter Rückenschmerzen zu leiden: Weitere 23 Prozent klagten über Muskelschmerzen, vor allem im Nacken- und Schultergürtelbereich. Rund 90 Prozent aller Menschen haben mindestens einmal in ihrem Leben «etwas im Kreuz». Am häufigsten klagen Menschen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren über Rückenschmerzen. Die Kosten infolge von Arbeitsunfähigkeit sowie die Behandlungskosten stiegen seit 1970 Jahren stark an. Die Kosten, die durch Rückenleiden verursacht werden, belaufen sich in den industrialisierten Ländern auf 3 Prozent des Bruttosozialproduktes. Viele PatientInnen leiden unter Rückenschmerzen, die direkt mit ihrer Arbeit zusammenhängen. Das Heben von Gewichten und langes gleichmässiges Sitzen sind die häufigsten Ursachen. Trotzdem kann in wissenschaftlichem Sinne kein direkter Zusammenhang zwischen einer bestimmten Arbeit und Rückenschmerzen festgestellt werden. Jedoch wurden verschiedene arbeitsassoziierte Faktoren gefunden, die das

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Physiotherapie

Ein starker Rücken kennt keine Schmerzen

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Risiko von Rückenschmerzen erhöhen. Man spricht hier auch von multifaktoriellen Gründen der Beschwerden, dies im Gegensatz zu Arbeitserkrankungen. Mit diesen Faktoren können durchschnittlich 30 Prozent der Ursachen von Rückenbeschwerden erklärt werden.

Viele Möglichkeiten der Physiotherapie

Medizin & Rücken

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In der modernen Physiotherapie beschäftigt man sich intensiv mit Rückenbeschwerden und Haltungsschäden. Im Praxisalltag gehört die Therapierung von Rückenleiden inzwischen zu den häufigsten Aufgaben. Die Physiotherapie setzt sich mit den Zusammenhängen der Biomechanik der Gelenke des menschlichen Skelettes sowie mit den physikalischen Gesetzen, die auf den Menschen einwirken, auseinander. Ebenso sind die Probleme und die Auswirkungen von Fehlbelastungen, die bei der Arbeit oder im Sport auf den Bewegungsapparat einwirken, bestens bekannt. Zudem ist die Schmerztherapie ein wichtiges Behandlungsfeld.

Physiotherapie und Prävention Die Physiotherapie verfügt über eine Vielzahl von Behandlungsmethoden, um Rückenschmerzen präventiv anzugehen. Neben Rückenberatung gehören das spezifische Rückentraining, Gymnastik oder medizinische Trainingsprogramme zu den erfolgreichen Therapien. Die Physiotherapeutin/der Physiotherapeut kann auf umfangreiche Fachliteratur zurückgreifen und die Patienten bei Fragen betreffend Rückenhaltung, -beschwerden und das richtige Sitzen fundiert Auskunft geben. Der Schweizer Physiotherapie Verband und die Kommission Ergonomie informieren periodisch über die Gefahren von Rückenbeschwerden und deren Folgen.

Individuelle Rückenberatung Vor jeder Behandlung wird die Wirbelsäule genau untersucht. So kann beurteilt werden, wo die Defizite und Ressourcen des Körpers liegen. Die Untersuchung wird mit einer Befragung über die Gewohnheiten im Alltag, über die beruflichen Tätigkeiten, das tägliche

Faktoren, die Rückenschmerzen verursachenen können: • Ganzkörpervibrationen (Presshammer) • Hantieren mit zu schweren Lasten • schwere körperliche Arbeit • häufiges Beugen und Drehen des Rumpfes mit Lasten • statische Zwangshaltung (Sitzen) • Stürzen und Fallen • schlechte Arbeitszufriedenheit • sozioökonomischer Status • Alter, medizinische Vorgeschichte und Rauchen

Bewegungsverhalten und die sportlichen Aktivitäten ergänzt. Diese Erkenntnisse ermöglichen, eine kompetente Beurteilung der Schwere der Beschwerden vorzunehmen und die geeignete Behandlung einzuleiten.

Rückenschulen und Rückenkurse In den Rückenschulen erfahren die PatientInnen alles über die Wirkung von Belastungen und über die Belastbarkeit der menschlichen Wirbelsäule sowie die komplexen Gründe, wie und warum Rückenschmerzen entstehen. Man erfährt, wie man seinen Alltag ergonomisch und rückengerechter gestalten kann und wie Fehlbelastungen durch richtiges Sitzen, Stehen, Gehen, Liegen oder Tragen vermieden werden können.

Rückengymnastik und Bewegungsgruppen Regelmässiges Bewegungstraining stärkt die Muskeln und macht die Gelenke beweglich. So bleibt die Wirbelsäule in allen Teilen funktionstüchtig. Am einfachsten gehts zusammen in einer Gymnastikgruppe. Trainieren von funktionellen Bewegungsmustern, Kräftigen der Muskulatur sowie Beweglichkeits- und Entspannungsübungen gehören zu solchen «Bewegungsstunden». Das Training kann durch Geräte


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wie Gymnastikbälle, Therabänder oder Hanteln verstärkt werden. Ein wichtiges Ziel dabei ist es, dass die Freude an der Bewegung geweckt werden kann.

Klagt eine Person über Rückenschmerzen, so liegt das in vielen Fällen daran, dass die nötige Stützmuskulatur schwach oder schlecht ausgebildet ist. Mit einem gezielten Gewichtstraining kann die fehlende Kraft kontinuierlich aufgebaut und die Muskulatur entwickelt werden. Denn nur ein kräftiger Rücken kennt keine Schmerzen. Gezieltes und schonendes Krafttraining bedingt, dass die Trainingsprogramme auf die individuelle Leistungsfähigkeit der Trainierenden abgestimmt werden. Zusätzlich muss darauf geachtet werden, dass die Übungen genauestens instruiert und die Ausübung kontrolliert werden, um Fehlbelastungen zu vermeiden. Das individuelle Trainingsprogramm sollte regelmässig besprochen und allenfalls korrigiert werden.

Ergonomie und Physiotherapie Die Ergonomie als Wissenschaft beschäftigt sich mit dem Verständnis der

Wechselwirkung zwischen dem Mensch und anderen Elementen eines Systems. Die berufliche Tätigkeit der Ergonomie wendet die Theorie, Prinzipien, Daten und Methoden an, um das menschliche Wohlbefinden und die gesamte Systemleistung zu verbessern. In der modernen Physiotherapie ist die ergonomische Beratung zu einem wichtigen Bestandteil geworden. PhysiotherapeutInnen wissen Bescheid über die Prinzipien des anatomisch richtigen Sitzens, die Grundgesetze der Ergonomie betreffend die Sitzhaltung. Eine gute, individuell angepasste Sitzmöbelberatung mit begleiteter Instruktion für ein dynamisches Sitzverhalten stellt eine wertvolle Leistung der Physiotherapie dar.

Physiotherapie und Rehabilitation Treten Rückenbeschwerden auf, ist es wichtig, das Schmerzproblem schnell in den Griff zu bekommen. Meist werden die PatientInnen durch den/die Hausarzt/Hausärztin in die Physiotherapie geschickt. Dort wird zuerst mit der Schmerztherapie begonnen, um die Mobilität der Patienten so rasch als möglich wieder herzustellen. Die Schmerzbehandlung mit manuellen Techniken ist bei einer Rückenschmerzattacke ein wesentlicher Teil der physioterapeutischen Erstbehandlung. Sie verlangt von behandelnden Personen sehr

gute Kenntnisse der Anatomie und der Biomechanik sowie der Neurologie und des Schmerzes. Ist der schlimmste Schmerz gelindert, beginnt die aktive Bewegung. Aus der genauen Krankengeschichte wird ein optimales Rehabilitationsprogramm zusammengestellt. Die geschädigten Körperstrukturen und Körperfunktionen werden mit physiotherapeutischen Massnahmen regeneriert und behoben. Kaum Ist der Schmerz besiegt, schwindet bei den Patienten oft die Motivation, die Übungen weiter zu machen. Hier ist es entscheidend, dass die Patienten motiviert werden, auf die Automatisierung gesunder Bewegungsabläufe zu setzen, damit die Schmerzen nicht wieder zum Vorschein kommen. Schritt für Schritt werden die PatientInnen an die Belastung der Berufstätigkeit herangeführt. Dies macht häufig Sinn, da oft alternative Tätigkeiten fehlen oder der Unterschied zwischen der individuellen Belastbarkeit und der Belastung bei der Arbeit nicht zu gross ist. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, den Arbeitsplatz zu optimieren. Hier wird versucht, die Arbeit und die Arbeitsbedingungen soweit an die ganzheitlichen Bedürfnisse der Menschen anzupassen, dass diese nicht übermässig oder fehlbelastet werden. ■

Physiotherapie

Medizinische Trainingstherapie, Krafttraining

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Die Form kommt an letzter Stelle Muss ein ergonomisch angepasster Stuhl aussehen wie eine Sitzmaschine beim Zahnarzt? Nein – meinen Produktedesigner. Gute Stühle gibts für jeden Geschmack.

Design

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mws. «Design» ist hip, der Begriff wird inflationär gebraucht. Nicht nur Bahnhofsplätze, Schuhe oder Klobrillen, sondern auch Medikamente oder Joghurts werden heute «designt». «Design» meint jedoch ursprünglich lediglich die Gestaltung von Industrieprodukten; seit der Industrialisierung lag nämlich die Herstellung etwa eines Stuhls nicht mehr allein bei der Person des Handwerkers, sondern verlangte die Arbeitsteilung von Entwurf und Produktion. Design ist also ein Prozess, in dessen Verlauf die Form eines Produkts entsteht. Dabei müssen zum Teil widersprüchliche Anforderungen wie zum Beispiel Komfort, Technik, Ökologie, Ökonomie – und natürlich Ästhetik und Ergonomie berücksichtigt werden. Denn nur gutes Design erfüllt die Balance aller dieser Forderungen.

Unbequem bei Le Corbusier Sind diese Anforderungen jedoch wirklich vereinbar? «Die Form kommt an letzter Stelle», sagt der Büroplaner und Designer Ueli Biesenkamp. Denn bevor man ein Möbelstück entwickle, stelle sich immer zuerst die Frage nach dessen Funktion. Wenn deshalb ein Sessel von Le Corbusier unbequem ist, hängt das damit zusammen, dass der Gestalter für

dieses Sitzmöbel den Auftrag hatte, es für eine Eingangshalle zu entwickeln.

Kauf ist Geschmackssache Die Funktion eines Arbeitsmöbels aber besteht darin, langes, möglichst unbelastetes Arbeiten zu ermöglichen. Zudem müssen punkto Ergonomie SUVAEmpfehlungen und Euro-Norm erfüllt werden. «Und wenn Funktion und Ergonomie optimal einbezogen sind, dann stimmt auch die Form», sagt der Designer bestimmt. Wenn also ergonomisch angepasste Arbeitsstühle aussehen wie Sitzmaschinen beim Zahnarzt, dann deshalb, weil sie bewusst so gestaltet wurden. «Mit der Form eines Möbelstücks verbindet man immer eine Aussage», sagt Frédéric Dedelley, Produktedesigner und Professor für Möbeldesign an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel. «Und solche Stühle teilen dem Betrachter mit: Ich bin ein ergonomischer Stuhl.» Der Kauf ist Geschmackssache. Es gibt auch weniger definierte Sitzmöbel, die ergonomische Parameter völlig genügend berücksichtigen.

Sitzen wie ein Fragezeichen Doch manche Möbelstücke müssen ganz verschiedene Funktionen erfüllen. Auf einem Sofa zum Beispiel möchte man

sich nicht nur mit seinem Besuch zusammen setzen und Smalltalk machen, man legt sich auch gern für eine Siesta hin, vielleicht auch zu zweit. Bequemlichkeit und Ergonomie sind aber nicht zu trennen. «Wenn die körperlichen Voraussetzungen und die ergonomischen Parameter nicht berücksichtigt werden, ist ein Sitzmöbel selten bequem», sagt Frédéric Dedelley. Es sei zwar schwierig, ein Sofa für alle zu konzipieren, das verschiedene Körpermasse berücksichtigt. Meist richtet man das Sitzmöbel auf den Durchschnitt aus, und Accessoires wie Armlehnen, Kissen müssen aushelfen. Doch geschickte Tüftler finden auch für die Heterogenität menschlicher Erscheinungen Lösungen. Und mit einer geschickten Polsterung kann man beinah jedes Sitzmöbel bequem machen. Allerdings sollten Menschen, die Rückenbeschwerden haben oder nur unter Mühe aufstehen können, bei der Anschaffung eines Sofas auf ihre Einschränkungen Rücksicht nehmen. Ein hoher Sessel oder bequemer Esszimmerstuhl ist in diesem Fall einer tief liegenden Sitzlandschaft vorzuziehen. ■


01/2004 · gesundsitzen

gesundsitzen: Peter Opsvik, Sie sind ein bekannter Designer und widmen sich stark der Entwicklung ergonomischer Sitzmöbel. Was treibt Sie an, woraus schöpfen Sie Innovation und Motivation? Peter Opsvik: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es grundsätzlich zwei Ausgangspunkte für Innovation gibt: Den Wunsch, sich mit neuen Formen und Strukturen auszudrücken, und den Wunsch, ein Problem zu lösen. Bei der Neuentwicklung eines Sitzobjekts steht die Ergonomie anfänglich nicht zuoberst auf der Kriterienliste, doch sobald es sich zeigt, dass es sich beim Möbel um ein Sitzmöbel handelt, auf dem längere Zeit gesessen und gearbeitet wird, wird Ergonomie zum zentralen Leitmotiv. Ich setze mich aufs Modell – auf den realen Entwurf oder mental – und gleichzeitig betrachte ich das Objekt von aussen. Sind Ergonomie und gutes Design überhaupt vereinbar? Ja, natürlich.

Warum sind einige Sessel von Le Corbusier so unbequem? Wenn sie Ihnen unkomfortabel erscheinen, dann kann das eine individuelle Ursache haben. Ein Grund könnte sein, dass die Sitzposition oder der Sitzwinkel nicht für Sie gedacht sind. In Ihren Sitzmöbel-Entwürfen schaukeln, wackeln und strecken sich die Menschen. Ihre Kreationen heissen bezeichnenderweise «Pendulum» (Schwingen) oder «Balans» (Gleichgewicht). Sollen wir nicht mehr ruhig sitzen? Wer still sitzen will, kann das auch auf meinen Stühlen tun. Der menschliche Körper aber will sich bewegen können. Nehmen wir die Stehposition als Beispiel. Wenn Geradestehen die angenehmste Art wäre, um auf den Zug zu warten, die Wartenden würden aussehen wie Säulen. Doch schauen wir hin – auch im Stehen sind alle und immer in Bewegung. Wir verhalten uns nie still, auch wenn es sich manchmal um geringe Rührungen handelt, wir wechseln unaufhörlich die Position, von einem Fuss auf den andern, oder wir wippen ... das gilt alles auch fürs Sitzen, wir sind immer in Bewegung. Hat das verwendete Material einen Einfluss auf die Ergonomie eines Sitzmöbels? Ja. Nur um ein Beispiel zu nennen: auf einem lackierten, glatten Holzstuhl rutscht man mehr als auf einem gepolsterten. Beide Kriterien haben, je nach Funktion, ihre Berechtigung und beeinflussen damit auch das Design. Welche Eigenschaften zeichnen Ihrer Meinung nach einen idealen Bürostuhl aus? Ein Bürostuhl muss Ihnen jede für den Arbeitsprozess gewünschte Bewegung erlauben und Sie in jeder Sitzposition richtig stützen. Wie arbeiten Sie – stehend oder sitzend? Ich arbeite überall, und das geschieht sowohl stehend wie auch sitzend; ich mache täglich so viele verschiedene Dinge und bin, wie jedermann, ständig in Bewegung.

Peter Opsvik wurde 1939 geboren. Nach Besuch der Kunstfachschule in Bergen und der Norwegischen Hochschule für angewandte Kunst in Oslo war die erste Station seines Arbeitslebens eine Stelle als Industriedesigner bei der Tandberg Radiofabrik in Oslo. Bereits in dieser Zeit erhielt er Stipendien, die ihm Aufenthalte in London und Essen ermöglichten. Seit 1970 ist Peter Opsvik als freischaffender Möbeldesigner tätig.

Wie wird man in der Zukunft arbeiten – etwa liegend? Das hängt wie bisher so auch in Zukunft von der Tätigkeit oder von den verwendeten Geräten und Arbeitshilfsmitteln ab. Wobei ich nebenbei sagen kann, dass manche Geräte statt zu Aktivität eher zu Monotonie und Passivität verleiten. Darum hoffe ich, dass im Design aller Arbeitsgeräte (Maschinen, Computer, Instrumente, Möbel und so weiter) darauf geachtet wird, dass dem Benutzer genügend Bewegungsfreiheit gewährt wird und der Mensch – und nicht das Arbeitsgerät – die beste Arbeitsposition bestimmt. Und das gilt eben bereits für einen Stuhl; wenn er gut ist, dann fühlen Sie sich darauf in jeder üblichen Position wohl. Schlussfrage – was ist für Sie «gutes Design»? Gutes Design ist eine Anwendung. Eine Anwendung zu Produkten, welche gefallen und alle an sie gestellten Bedürfnisse kurzfristig und langlebig bestmöglich erfüllen. ■ Aus dem Englischen von Lahor Jakrlin

Interview

Interview mit dem Designer Peter Opsvik

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Wohntrends: Filigrane Stühle und orientalische Sitzlandschaften Bürostühle werden wieder einfacher, auf Sofas sitzt man orientalisch tief. Und wer zum Sitzen keine Zeit mehr hat, setzt auf Stehhilfen.

Design

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mws. Während Jahren war man der Meinung, dass Ergonomie mit der perfekten Form zu tun hätte. Deshalb baute man Sitzmöbel, die wie Rennautositze beinah jede Körperkurve umhüllten. Doch seit einigen Jahren setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Ausformung des menschlichen Körpers unvollkommen und höchst verschieden ausfällt. «Deshalb favorisiert man beim Design von Sitzmöbeln nun ein aktiveres Verhältnis zum Möbelstück», sagt Frédéric Dedelley, Produktedesigner und Professor für Möbeldesign an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel. Als Konsequenz führt der Trend wieder hin zu weniger elaborierten Stühlen, die Bewegungsfreiheit lassen, meint Dedelley. Der Körper müsse aktiv etwas leisten, und das Möbelstück wird so gestaltet, dass er den Körper zum dynamischen Sitzen zwingt. Auch bei diesen Sitzmöbeln müssten aber Sitzhöhe, -neigung und -tiefe verstellbar sein.

Zeitlos schlichte, tiefe Sofas Beim Möbelhaus Wohnbedarf in Zürich ist man denn auch der Meinung, dass der ausgeformte Stuhl immer noch sehr aktuell sei. Dabei werde das Design aber wieder filigraner. Ein an der Rückenlehne gespanntes luftdurchlässiges Netz ersetzt zum Beispiel zunehmend die

dicke Polsterung. Und die Neigung der Sitzfläche könnte bei immer mehr Modellen verstellt werden. Im Wohnbereich liegen die Sofas schon seit längerer Zeit orientalisch tief, Ergonomie ist hier sekundär. Opulente Sitzlandschaften haben sich aber bei uns nicht richtig durchgesetzt – «dafür ist in der Schweiz im Allgemeinen zu wenig Platz», sagt René Abt vom Schweizer Polstermöbelhersteller Alinea. Im Trend liegt die zeitlos schlichte Form mit sanft gerundeten Ecken in Natur-Farben – die vielgliedrige Polstergruppe ist schon länger out.

Kurzes Sitzen für unruhige Geister Und wem die Zeit fehlt, sich richtig hinzusetzen, lehnt sich auf Stehhilfen. «Das Verhalten unserer informellen Gesellschaft verlangt nach neuen Sitztypologien», meint Dedelley. Vor allem im öffentlichen Raum würden neue Sitze entstehen, die die Funktion einer kleinen Stützmauer hätten. Und in Zukunft könnte sich der Trend für Möbel, die sich nur für das kurze Sitzen unruhiger Geister eignen, auch im Wohnraum durchsetzen. ■

Move von STOKKE, ein Stuhl, der sich anpasst als Sitz oder als Stehhilfe. Ein Drehwinkel von 360° gibt absolute Bewegungsfreiheit. Ganz nebenbei bringt Move Sie in eine gute Sitzhaltung. Sie finden dieses Produkt auf Seite 10 im Katalog Sitzen heute in der Heftmitte dieser Ausgabe.


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Christa Markwalder, Nationalrätin, Burgdorf

Dr. Thomas Zeltner, Direktor des Bundesamtes für Gesundheit BAG, Bern

Barbara Megert, Spiez, ist Assistentin im Benissimo von SFDRS und Vize Miss Schweiz 03

«Als Politikerin sitze ich täglich auf verschiedensten Stühlen im Bundeshaus, im Institut für Europarecht an der Uni Bern oder in Sitzungszimmern verschiedenster Organisationen. Seit meinem Skiunfall letzten Frühling, bei dem ich mich an der Wirbelsäule verletzt habe, achte ich zwangsläufig viel mehr auf meine Sitzgelegenheiten und schenke meiner Haltung grosse Beachtung. Obwohl ich Design und Ästhetik sehr schätze, ist es für mich primär wichtig, dass ich meinen Rücken schonen kann. Umso besser, wenn mein Stuhl oder Sessel schön aussieht, doch in erster Linie achte ich auf den Komfort und die Ergonomie. Ein gesunder und schmerzfreier Rücken ist halt nicht gegen ein schönes Design einzutauschen! Gut und bequem sitzen bedeutet in meiner Tätigkeit viel Lebensqualität.» ■

«Gott sei Dank treffen sich Ergonomie und Design immer häufiger, so dass auch schöne Stühle gesundes Sitzen ermöglichen. Nacken- und Rückenbeschwerden habe ich persönlich praktisch keine mehr, seit ich regelmässig Krafttraining für die Rückenmuskulatur mache und mir gelegentlich eine Massage gönne. Das ist ganz wichtig für meinen Arbeitsalltag, denn ich nehme an sehr vielen Sitzungen teil, bei denen – wie der Begriff schon ausdrückt – natürlich viel zu häufig und viel zu lang gesessen wird. Ich versuche zwar, Sitzungen möglichst kurz zu halten und bei längeren Treffen regelmässig Pausen einzubauen, während deren die Teilnehmenden aufstehen und sich für ein paar Minuten bewegen können. Im BAG bieten wir den Mitarbeitenden Beratung an, wie sie ihren Arbeitsplatz für eine richtige Sitzstellung einrichten können. Ausserdem führen wir interne Seminare für Rückengymnastik durch und bieten auf Wunsch eine Sitzmassage an.»■

Kurt Schneider, Herausgeber von «gesundsitzen», traf Barbara Megert an der OHA (OberländerHerbstmesse) in Thun und fragte sie spontan: «Was ist für Sie bei einem Sitzmöbel wichtiger – das Design oder die Ergonomie des Objekts»? Die sympathische Vize-Miss-Schweiz antwortete ebenso spontan: «Im Moment bin ich im Begriff, eine neue Wohnung zu beziehen und setze mich, weil ich neue Möbel brauche, intensiv mit der Auswahl von Stühlen auseinander. Für mich steht an erster Stelle das Aussehen, das Design. Erst an zweiter Stelle muss das Sitzmöbel bequem und folglich auch ergonomisch sein. Und zum Schluss spielt auch der Preis eine Rolle. Müsste ich mich aber zwischen Design und einem «gesunden» Stuhl entscheiden, so ziehe ich das tolle Aussehen einem ergonomischen Stuhl vor.» Lakonisch meint sie: «Sehen Sie, ich bin ja noch jung und das bisschen Unbequemlichkeit, das vielleicht ein Designerstuhl verursacht, hält mein Körper schon noch aus.» ■

Kurzinterview

Design oder Ergonomie? Promis geben Auskunft

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Ein Autositz kann Leben retten Dr. Bruno Gröbli, Chiropraktor

Sattelfest in der Spur – zwölf Tipps Rückenstütze Ein Lordosekissen oberhalb des Beckens kann die Rückenwirbelsäule im Bereich des Kreuzes abstützen. Ob ein solches Kissen empfehlenswert ist und wie es geformt sein soll, hängt von der Krümmung des Rückens (Lordose) und von der Form der Sitzlehne ab. Persönliche Masse Bevor man losfährt, sollte man den Autositz auf die eigenen Körpermasse einstellen. Übrigens: Auch die Sitzhöhe sollte sich verstellen lassen.

Trends + Wissen

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Perfekte Sitzhaltung in den ergonomisch geformten Sitzen des Lexus RX 300.

Autofahrten sind unnatürliche Reisen für den menschlichen Körper. Wir setzen ihn gewaltigen Energien aus und zwingen ihn in eine unbequeme Haltung. Besonders gefährdet sind Bandscheibenpatienten – weil der Bandscheibendruck im Sitzen stark erhöht ist und die Schläge beim Fahren eine zusätzliche Belastung sind. Autofahrten erzwingen eine starre Sitzhaltung. Schläge von der Fahrbahn wirken direkt via Gesäss auf den Rücken. Je stärker die Sitzlehne nach hinten geneigt ist und je runder und schlaffer der Rücken in der Lehne hängt, desto stärker wirken seitliche Schwerkräfte auf die Bandscheiben. Die Rückenmuskeln versuchen das aufzufangen und verkrampfen sich. Deshalb lautet die goldene Regel: Lehnen von Autositzen nur ganz leicht nach hinten kippen und möglichst aufrecht sitzen! ■

Haltung im Sitz Aktive Haltung, nicht passiv, heisst die Devise: Kopf, Hals und Schulterbereich sollten – wie von einem unsichtbaren Band hochgezogen – möglichst gerade aufgerichtet sein. Das Becken richtet sich auf und der Druck ruht nicht mehr hinten auf dem Gesäss, sondern mehr vorn gegen die Unterseite der Oberschenkel hin. Das verschafft den inneren Organen mehr Raum, und die Bandscheiben richten sich so aus, dass sie Vibrationen ideal abfangen können. Abstand zu den Pedalen Gesäss so dicht wie möglich an die Sitzlehne rücken. Sitz horizontal so verschieben, dass das Bein bei durchgetretenen Pedalen noch leicht angewinkelt ist. Neigung der Lehne Schultern so dicht wie möglich an die Sitzlehne rücken. Rückenlehne so weit

nach vorn oder hinten kippen, dass die Arme am Lenkrad leicht angewinkelt sind und beim Griff an die 12-Uhr-Position die Schultern immer noch die Lehne berühren. Sitzhöhe So hoch wie möglich einstellen, um ein optimales Blickfeld auf Strasse und Bordinstrumente zu haben. Sitzfläche Zwischen vorderer Sitzkante und Kniekehle sollte etwa zwei bis drei Fingerbreit Freiraum sein. Die Länge der Sitzfläche lässt sich bei den meisten Seriensitzen nicht verstellen; wenn nötig sich mit zusätzlichen Rückenstützen behelfen. Kopfstütze Die Oberkante soll genau so hoch sein wie der Scheitel. Der Zwischenraum zwischen Kopf und Kopfstütze sollte nicht mehr als etwa zwei Zentimeter betragen. Auch die Rücksitze müssen mit Kopfstützen ausgerüstet sein. Kinder Bis sieben Jahre gehören sie angeschnallt auf den Kindersitz, am sichersten auf dem Rücksitz. Erst ab 140 Zentimetern Körperlänge kann ein Kind auf den «normalen» Sitzen und angeschnallt mitfahren. Eltern, die ihre Kinder auf den Knien oder zwischen den Sitzen stehend mitfahren lassen, handeln grobfahrlässig. Wird der Kindersitz auf dem Beifahrersitz montiert, muss der Airbag ausgeschaltet werden. ■


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Richtiges Sitzen beginnt in der Schule Unsere Kinder sitzen zu viel. Sie bewegen sich zu wenig, und wenn sie sitzen – meist in der Schule –, werden sie an ergonomisch ungünstige Pulte und auf unzweckmässige Stühle gezwungen. Dr. Andreas Messmer, Chiropraktor

Folgen schlechter Sitzhaltung Rückenschmerzen im Erwachsenenalter haben ihren Ursprung oft im Schulalter: Das bewegungsarme Sitzen lässt die Muskulatur rasch ermüden und der Rücken verkrümmt sich. Das hat negative Folgen für die Bänder der Wirbelsäule, für die Bandscheiben, Wirbelkörper und Wirbelgelenke. Fehlhaltungen können sich verfestigen, das Wachstum behindern und zum Beispiel zu einem Rundrücken führen. Verspannungen, chronische Rückenschmerzen, Muskelschwächen, eine verminderte Belastbarkeit, Kopfschmerzen und Konzentrationsschwäche können die Auswirkungen ungünstigen Sitzens sein. Häufig klagen betroffene Kinder auch über Atem- und Verdauungsbeschwerden.

Erfolgreiche Behandlung Eine Behandlung – etwa durch den Chiropraktor – kann nur erfolgreich sein, wenn die Beschwerden früh erkannt und

ihre Entwicklung beobachtet wird. Mit aktiven und passiven Therapien wird die Haltung korrigiert. Das Kind lernt seine Haltung wahrnehmen, und es trainiert seine Muskulatur unter fachkundiger Anleitung. Allenfalls werden Gelenke, die bereits beeinträchtigt sind, chiropraktisch behandelt. Regelmässige Wärmeanwendungen und Massagen unterstützen die Durchblutung und Lockerung verspannter Muskeln.

Vorsorge ist besser als heilen Die Vorsorge für einen gesunden Rücken beginnt in der Kindheit – zu Hause und besonders in der Schule. Ein wichtiger Teil der Beratung ist es deshalb, Kindern in der Schule und zu Hause einen optimalen Arbeitsplatz einzurichten. Der gute Schulstuhl verfügt über eine rutschfeste Sitzfläche, die sich um fünf bis zehn Grad neigen lässt, über eine abgerundete Vorderkante und eine gewölbte Rückenlehne mit Lendenstütze. Er ist höhenverstellbar und dank fünf Füssen standfest. Wer darauf sitzt, kann seine Füsse auf den Boden stellen. Optimales Mobiliar erlaubt den möglichst waagrechten Blick nach vorne. Pulte sind höhenverstellbar und schränken die Beinfreiheit nicht ein; die Schreibfläche lässt sich neigen. Langes Sitzen sollte häufig von kurzen Pausen und Bewegung unterbrochen werden. Sitzkissen und Sitzbälle bringen Abwechslung in den Schul- und Arbeitstag:

Die Kinder verändern unbewusst ihre Sitzposition laufend und verharren weniger lang in ungünstigen Haltungen. Das bewegte und bequemere Sitzen schafft eine ruhigere Atmosphäre im Schulzimmer, denn das Suchen nach einer angenehmeren Haltung fällt weg. ■ Der Rücken

Besonders nachteilig wirkt sich aus, dass sie das in der Zeit des Wachstums erdulden müssen. Die Folgen: 40 bis 50 % unserer Kinder und Jugendlichen leiden an Haltungsschwächen und Fehlhaltungen. Häufig entstehen daraus Kopfschmerzen und andere Beschwerden. Eine beträchtliche Zahl von Kindern nimmt deswegen Schmerzmittel.

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Publireportage

Neues Training mit Tiefenwirkung Was zum Muskeltraining für Astronauten in der Raumfahrt entwickelt und erfolgreich angewandt wurde, setzt sich immer mehr in den Therapie- und Fitnessstudios durch.

Funktion und Wirkung Trends + Wissen

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Die Power-Plate ist eine dreidimensional vibrierende Platte. Nach dem Prinzip des Stretch-Reflexes kontrahieren alle Muskeln durch die Vibration im Megahertz-Bereich. Die Vibrationsenergie von 30–50 Schwingungen in der Sekunde setzt die Energie frei, die sich auf den Körper überträgt. Muskeln und Sehnen ziehen sich in rasantem Tempo zusammen und lockern sich sofort wieder. Die Folge davon ist eine starke Durchblutung sowie die einzigartige Stimulation der Tiefenmuskulatur.

Power-Plate eröffnet neue Therapiemöglichkeiten bei Rückenproblemen Die Rückenbeschwerden sind in der Bevölkerung weit verbreitet und nehmen zu. Sie haben primär ihren Ursprung in einer degenerierten Stützund Haltemuskulatur und zu wenig Pumpbewegung der Bandscheiben. Die dreidimensionalen Schwingungen der Power-Plate aktivieren die Tiefen-

muskulatur auf intensive und gleichzeitig schonende Weise. Zusätzlich erfolgt durch die spezielle Ganzkörpervibration eine so genannte «Neuprogrammierung» des zentralen Nervensystems mit Auswirkung auf die spannungsregulierenden Systeme im Körper. Disbalancen werden ausgeglichen. Durch Spezialübungen kann die Wirbelsäule «freihängend» statisch über den Muskelspideldehnreflex (30–50 Muskelkontraktionen pro Sekunde) mit rund 95 % der Muskelfasern aktiviert werden.

Reha und Prävention Die enorme Reizdichte und kurze Einwirkdauer macht das Training so interessant für Reha und Prävention. Ein gleichzeitig verstärkter Pumpeffekt in Gelenken und Bandscheiben erhöht die Ernährung des Knorpelgewebes und den Abtransport von Stoffwechselendprodukten. Durch die hohe Frequenz von Informationen an den Golgi-Sehnenapparat können Verspannungen schnell abgebaut und der Tonus gesenkt werden.

Wirksame Osteoporoseprophylaxe durch Vibrationstraining In einer jetzt veröffentlichten LangzeitStudie über sechs Monate gelang Wissenschaftlern der Universität Leuven, Belgien, der Nachweis, dass Ganzkörper-Vibrationstraining den altersbedingten Abbau der Knochensubstanz nicht nur verlangsamt oder stoppt, sondern sogar die Knochendichte wieder erhöht. ■

Aus der Praxis

Martin Leuenberger, dipl. med. Masseur

gesundsitzen: Martin Leuenberger, Sie haben in Ihre AntiAging-Praxis PowerPlate-Trainingsgeräte integriert. Warum? Martin Leuenberger: Das Power-PlateTraining ist eine perfekte Ergänzung unserer Therapien. Für die Cellulitebehandlung wirkt sich die erhöhte Durchblutung des Bindegewebes sehr positiv aus. Auf was muss beim Power-PlateTraining besonders geachtet werden? Es ist wichtig, dass die Übungen konsequent und regelmässg ausgeführt werden. Die Trainierenden müssen gut über die Übungen instruiert werden. Wie viele Personen trainieren bei Ihnen auf der Power-Plate? Vor zwei Jahren habe ich mit PowerPlate angefangen. Heute trainieren rund 200 Personen, vorwiegend Frauen, regelmässig bei uns. Power-Plate im Raum Bern: bodywell, Ostermundigen, Tel. 031 931 77 33, www.body-well.ch Weitere Informationen über Trainingsmöglichkeiten in Ihrer Nähe finden Sie unter www.power-plate.ch


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Héloise Léger

In unserem Teil der Welt ist das Rauchen die mit Abstand wichtigste Ursache vermeidbarer Krankheiten und vorzeitigen Todes. Betroffen ist neben Lunge und Atemwege sowie Herz und Gefässen auch der Bewegungsapparat (Gelenke, Muskeln, Bänder, Bandscheiben). Man weiss heute, dass Rauchen das Risiko degenerativer Erkrankungen der Wirbelsäule erhöht: Die Blutgefässe, besonders in Armen und Beinen, verengen sich, das Gewebe des Rauchers – und Passivrauchers! – wird mit weniger Sauerstoff versorgt. Die mangelnde Durchblutung führt zu Gelenk- und Rückenschmerzen, fördert Osteoporose und verzögert oder verhindert die Ausheilung von Verletzungen. Eine «ungefährliche Dosis» gibt es beim Tabak nicht. Stark gesundheitsgefährdend ist auch das passive Rauchen, das Einatmen fremden Tabakrauchs. ■

Ihr Rücken spürt den Unterschied zwischen liegen und richtig liegen.

Ecco 2 – das Bettsystem als Massanzug Jeder Mensch ist einzigartig. Auch im Liegen. Ecco2-Lattenrost und -Matratze werden darum mit einem MessSystem genau auf Ihre Körperkontur und Ihre Schlaflage abgestimmt. Damit Ihre Wirbelsäule im Liegen ideal entlastet wird. Und Sie erholsam schlafen können. Probieren Sie es einfach bei Ihrem Fachhändler aus. Oder fordern Sie mit dem Coupon weitere Informationen an.

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Rauchen verursacht Rückenweh

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Rössle & Wanner Schweiz AG Rebrainstrasse 10, CH-5600 Ammerswil

gesund sitzen


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Sling Exercise Therapy S-E-T

Trends + Wissen

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Mit dem TerapiMaster lässt sich ein umfassendes Übungs- und Trainingsprogramm zur Kräftigung des ganzen Körpers durchführen. Der TerapiMaster ist eine norwegische Erfindung und wurde in Zusammenarbeit mit Physiotherapeuten und Ärzten entwickelt. Dieses effizient und einfach zu handhabende Therapie- & Trainings-Gerät konnte sich innerhalb von wenigen Jahren in 80% aller Physiotherapie-Praxen durchsetzen. S-E-T beinhaltet die systematische Anwendung des TerapiMasters. Ziel ist es, ein effektives Modell zu etablieren, das zur dauerhaften Besserung von Beschwerden im Muskel- und Skelettsystem beiträgt. S-E-T umfasst den gesamten Rehabilitationsprozess mit Funktionstest, aktiver Behandlung, Entspannung und Entlastung, Vergrös-

serung der Bewegungsfreiheit sowie Übungen und dynamisches Training der Muskulatur. Das Eigentraining kann sowohl in der Klinik als auch zu Hause erfolgen, und zwar mit der gleichen TerapiMaster-Ausstattung, die während der Behandlung verwendet wird. Der TerapiMaster ist leicht, einfach zu bedienen und kann überall an der Decke montiert werden. Das S-E-T-Konzept eignet sich für Personen jeden Alters. Wird der TerapiMaster ohne Schlingen verwendet, so hat er die Eigenschaften eines Trainingsgerätes, bei dem die Übungsbelastung beliebig variert werden kann. So ist der TerapiMaster eine Alternative zum konventionellen Krafttraining mit Kräftigungsmaschinen. Mit einer einfachen Verstellung wird aus dem TerapiMaster ein Zugapparat mit Gewichten von 1 bis 7 kg. ■

Kauf und Informationen: Rücken- & Relaxzentrum Burgdorf, Lyssachstrasse 83, 3400 Burgdorf, Tel. 034 420 08 98 und Rückenzentrum Bern, Rodtmattstrasse 90, 3014 Bern, Tel. 031 331 44 88

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Schlafen mit Ergonomie-Vorsprung Das erste Bettsystem, das mit persönlichen Daten «gefüttert» werden kann. Ecco 2 lässt sich individuell auf verschiedene Körperformen und Grössen abstimmen. Wie sieht der spezifische Anspruch an ein gutes Bett aus? Die Matratze darf nicht zu hart, aber auch nicht zu weich sein und sie sollte die Nacht so erholsam und angenehm wie möglich gestalten. Auch sollte der Tag weder mit Rückenschmerzen noch mit Verspannungen beginnen. Auf welche Details muss also beim Kauf einer neuen Matratze geachtet werden? Im gleichen Masse wie die Matratze ist auch der Lattenrost für einen guten Schlaf verantwortlich. Beides sollte auf

den/die zukünftige/n Schläfer/in abgestimmt sein. Mit Hilfe des neuen Mess-Systems (RW 1000) können nun persönliche Angaben wie Körpergewicht, Grösse, Lieblingsschlafposition und Krümmung der Wirbelsäule erfasst werden. Lattenrost und Matratzenfestigkeit werden aufgrund der Daten individuell an den eigenen Körper angepasst. ■

Mehr Informationen gibt es im Fachhandel oder direkt bei Rössle & Wanner Schweiz AG, Rebrainstrasse 10, 5600 Ammerswil oder www.roewa.com, e-mail: info@roewa.de


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Rotary Continous Passiv Motion RCPM Die RCPM-Erfindung ist die Lösung schlechthin für Rückenschmerz-Betroffene. Aus wissenschaftlichen Studien geht hervor, dass Schmerzen in der unteren Rückenpartie wesentlich verringert und in manchen Fällen sogar vermieden werden können. Passives Bewegen RCPM steht für «Rotary Continuous Passive Motion», was auf Deutsch heißt: rotierende, fortwährende, passive Bewegung. Die Sitzfläche eines FitformSessels mit RCPM macht drei bis fünf Mal pro Minute kleine Drehbewegungen (0,8° nach rechts und nach links), während die Rückenlehne still steht. Die rotierende Bewegung wird durch einen Elektromotor erzeugt, der in der Sitzfläche eingebaut ist. Passives Bewegen heißt in diesem Fall, dass der Benutzer

die Drehbewegung nicht selbst hervorzurufen hat. Die Drehbewegung setzt ein, wenn der Benutzer im Sessel Platz nimmt. Nicht spürbare Bewegungen Die Bewegungen infolge des RCPMSystems, die nahezu nicht spürbar sind, sorgen dafür, dass der Rücken fortwährend in Bewegung ist. Der Stoffwechsel in den Zwischenwirbelscheiben wird dadurch angeregt, genauso wie beim Wandern oder Fahrradfahren der Fall ist. RCPM sorgt in Kombination mit einer gut unterstützten Sitzhaltung für eine wesentliche Linderung von Rückenschmerzen infolge des Sitzens. Auch eine etwaige Schwellung der Unterschenkel und Füße – durch längeres Sitzen hervorgerufen – lässt mit Hilfe des Rotary Continuous Passive MotionSystems nach.

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Sofortige Abhilfe Aus wissenschaftlichen Studien geht hervor, dass Drehbewegungen in der Längsachse im Vergleich zu sonstigen Rückenbewegungen die geringste Belastung für den Rücken darstellen. Diese Drehbewegungen kann fast jedermann ungeachtet des Alters oder der Kondition machen. Das Höchstresultat wird bei Menschen mit Diskusdegeneration, akuten Rückenschmerzen, chronischen Rückenbeschwerden oder den sogenannten unspezifischen Kreuzbeschwerden erzielt. Für diese Gruppe von Menschen schafft das RCPM-System in der Regel sofort Abhilfe. Weiter Informationen erhalten Sie bei: Rückenzentrum Basel, Rückenzentrum Bern, Kieser Wohnen Lenzburg und Rückenzentrum Lugano (siehe Adressen auf letzter Umschlagseite).

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Rücken- & Relaxzentrum Burgdorf Lyssachstrasse 83 3400 Burgdorf Tel. 034 420 08 98 Fax 034 420 08 99 info@rueckenzentrum-burgdorf.ch www.rueckenzentrum-burgdorf.ch

Laden-Öffnungszeiten Vormittag Mo Di–Do Fr Sa

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Nachmittag

geschlossen geschlossen 09.00–12.00 13.30–18.00 Uhr 09.00–12.00 13.30–20.00 Uhr 09.00 durchgehend bis 16.00 Uhr

(Andere Zeiten nach telefonischer Vereinbarung)

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01/2004 · gesundsitzen

Interview mit Urs Gerig zum Thema Nordic-Walking gesundsitzen: Urs Gerig, viele Menschen klagen über Rückenschmerzen. Die Ursachen können vielfältig sein – ist Nordic-Walking eine Trainingsform, die Rückenschmerzen zu beheben hilft? Urs Gerig: Zu wenig körperliche Bewegung kann die Ursache von vielen Beschwerden sein. Bewegung bedeutet auch Durchblutung, Mobilisation und Kräftigung. Mit regelmässigem Sporttreiben sind diese Eigenschaften ziemlich schnell erreichbar und wirken sich bei Personen, die unter chronischen Rückenbeschwerden leiden, sehr positiv aus. Braucht es für Nordic-Walking eine gute Kondition? Nicht unbedingt. Wenn man jedoch trainiert ist, umso besser. Ansonsten bietet Nordic-Walking die perfekte Gelegenheit, Fitness und Gesundheit zu steigern oder wieder zu erlangen. Wichtig dabei ist, dass Häufigkeit und Intensität gut gewählt werden. Für wen ist Nordic-Walking nicht geeignet? Eignet sich dieser Sport auch für ältere Menschen? Nordic-Walking ist eigentlich für alle geeignet, die Spass daran haben. Die besten Langläufer der Welt üben NordicWalking schon seit Jahren aus und für ältere Menschen und Personen, die sich selbst als «unsportlich» bezeichnen würden, ist diese Sportart ideal. Der Unterschied zeigt sich allein in der Geschwindigkeit und im Schwierigkeitsgrad des Geländes. Was raten Sie den Leuten, die mit Nordic-Walking anfangen möchten? Für eine Sportart, die so effektiv ist wie Nordic-Walking und die bis ins hohe Alter ausgeübt werden kann, lohnt es sich bestimmt, etwas Zeit zu investieren. Nordic- Walking auszuüben ist superleicht, es gut zu machen, ist schon schwieriger. Besuchen Sie einen Kurs. Es gibt eine Vielzahl speziell ausgebildeter LeiterInnen.

Welches Gelände eignet sich am besten für Nordic-Walking? Nordic-Walking kann in jedem Gelände ausgeführt werden. Am besten eignet sich immer das vor der eigenen Haustüre, dazu müssen keine grossen Anfahrtswege in Kauf genommen werden. Welche Körperpartien/Muskeln werden beim Nordic-Walking besonders trainiert? Beim Gehen mit Spezialstöcken wird vor allem die häufig vernachlässigte und unterentwickelte Oberkörpermuskulatur trainiert. Voraussetzung dafür ist aber, dass man die Stöcke auch mit der richtigen Technik und vor allem mit dem nötigen Druck einsetzt. Was ist für Sie beim Kauf eines Sitzmöbels wichtiger, das Design oder die ergonomische Funktionalität? Es ist wie bei einem Nordic-WalkingStock: An erster Stelle sollte immer Funktionalität und Ergonomie stehen. Wenn das Aussehen auch noch passt, umso besser! ■

Urs Gerig ist Multisportler mit Spitzensporterfahrung als Aktiver im Lauf-, Triathlon- und Mountainbikesport. In seinen Anfangszeiten als Sportlerbetreuer war er Masseur von OlympiaSilbermedaillengewinner Markus Ryffel und leitet mit ihm Lauf- und Walking-Seminare. Urs Gerig ist langjähriger Betreuer von WeltklasseMountainbiker Thomas Frischknecht. Er ist Autor diverser Fachbücher, (Nordic) Walking-Pionier und Ausbildner von Walking- und Nordic-Walking-Leiterinnen.

Urs Gerig, Der Sport Coach Kurse, Aktivferien, Privat Coaching alte Blindenholzstr. 5 CH-8616 Riedikon Tel. Fax 01 940 35 97, gerig@sportcoach.ch www.sportcoach.ch


Sitzen Sie richtig am Pult? Sie sitzen bei der Arbeit – wie viele andere. Sie haben einen Bildschirm vor Augen. Wenn Sie wollten, müssten Sie sich fast nie von Ihrem Stuhl erheben. Sitzen Sie aber auch richtig? Der Lesertest von «gesundsitzen» zeigt Ihnen, wie es bei Ihnen ums Sitzen steht.

stimmt nicht

stimmt teilweise

trifft zu

Dr. Bernhard Lohri, Chiropraktor

7. Ihre Schultern sind am Arbeitsplatz hochgezogen, weil die Tischplatte zu hoch ist.

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2. Sie achten nicht auf eine gute, aufrechte Sitzhaltung, und Sie bleiben oft lange in derselben Sitzhaltung.

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12. Sie haben Kopfschmerzen – hinten vom Nacken herauf oder vorne über der Stirne, ein- oder beidseitig.

8. Sie haben in Ihrer Freizeit keinen körperlichen Ausgleich (Bewegung, Sport) zu ihrer sitzenden beruflichen Tätigkeit. 2

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11. Ihre Nackenbeweglichkeit (Drehung oder Neigung) ist seit längerem eingeschränkt.

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9. Sie leiden unter Nackenverspannungen, -schmerzen oder Rückenschmerzen.

13. Sie leiden unter Schwindel oder einer verschwommenen Sicht.

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5. Sie müssen bei Ihrer Arbeit zum Bildschirm aufschauen. 2

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6. Sie halten Kopf und Nacken bei der Arbeit häufig in derselben Richtung gedreht. 2

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14. Sie sind wegen der oben beschriebenen Beschwerden krank und gehen nicht zur Arbeit. 6

4. Sie machen nicht alle zwei Stunden 15 bis 20 Minuten Arbeitspause, um sich zu erheben und ein paar Schritte zu gehen.

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10. Sie wachen bereits am Morgen mit Nackenverspannungen oder -schmerzen auf.

3. Wenn Sie lange sitzen, machen Sie keine Ausgleichsbewegungen oder Übungen auf dem Stuhl oder am Arbeitsplatz. 2

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0 bis 2 Punkte Wir gratulieren! Trotz ihres sitzenden Berufes scheint Ihr Bewegungsapparat gesund zu sein. Achten Sie weiterhin auf eine wirbelsäulenfreundliche Arbeitsumgebung (Stuhl, Pult usw.) und regelmässigen Ausgleich mit viel Bewegung.

11 bis 19 Punkte Wir empfehlen Ihnen, demnächst einen Chiropraktor oder einen spezialisierten Arzt zu konsultieren. Er wird Ihre Beschwerden abklären und Ihnen zeigen, wie Sie die Bedürfnisse Ihres Körpers besser erfüllen.

3 bis 10 Punkte Achten Sie darauf, dass Ihre Arbeitsumgebung (Stuhl, Tisch usw.) rückenfreundlich ist und dass Sie sich regelmässig bewegen, um Ihren sitzenden Beruf auszugleichen. Ihr Chiropraktor berät Sie gerne. Sollten Sie Beschwerden verspüren, die auch nach einer Umstellung Ihrer Gewohnheiten nicht abklingen, konsultieren Sie bei Gelegenheit einen Arzt oder Chiropraktor.

20 und mehr Punkte Bitte schieben Sie die Konsultation beim Chiropraktor oder Arzt nicht mehr weiter hinaus. Ihre Symptome können auf eine harmlose Erkrankung hinweisen, verdienen aber eine rasche und gründliche Abklärung.

Dieser Test ersetzt die Diagnose durch einen ausgewiesenen Fachmann nicht. Bei Beschwerden suchen Sie Ihren Chiropraktor oder Arzt auf.


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