Issuu on Google+

18 | identity 1_10

identity 1_10 | 19

höchst individuell...

Im Seitenzahnbereich findet man zum Beispiel oft einen stark geschwungenen Mukosaverlauf. Dafür haben sich individualisierte zweiteilige Abutments bewährt. Gerade das Anpassen an die jeweiligen Schleimhautverhältnisse – ebenso wie die natürliche Darstellung des Emergenzprofils – lassen sich damit hervorragend realisieren, wie

Höchste Ästhetik auch im Seitenzahnbereich.

nachfolgend gezeigt wird.

Individuelles Emergenzprof il für Ankylos C/X

Zweiteilige Abutments bestehen aus der Kombination einer Basis aus Metall als Grundkörper und Ankopplung zum Implantat und einem individuellen Stumpfaufbau

| Karin Rütten | Carsten Fischer

4_

aus Zirkondioxid-Keramik. Durch diese Materialkombination lässt sich auch im Seitenzahnbereich der Wunsch nach „Vollkeramik“ realisieren, ohne auf die bewährte Sicherheit verzichten zu müssen. Die gezielte Individualisierung durch Zirkondioxid in diesem Bereich erfüllt höchste ästhetische Standards und bietet durch die Kraftaufnahme im Metallanteil die größtmögliche Sicherheit für den Patienten. An einem Fallbeispiel soll das Vorgehen illustriert werden. Die Vorbereitung

Der Patient wünschte für den Ersatz der im Oberkiefer fehlenden Seitenzähne eine festsitzende Versorgung mit höchstem ästhetischem Anspruch. Der fehlende zweite Prämolar und der erste Molar sollten durch implantatgetragene Keramikkronen ersetzt werden. Damit war klar, dass für ein anatomisch korrektes Emergenzprofil individuelle Abutments erforderlich sind. Nur auf diesem Weg kann man den zervikalen Bereich so gestalten, dass er dem natürlichen Vorbild möglichst nah kommt. Die schlecht passende Metallkeramikkrone auf dem ersten Prämolaren war ebenfalls auszutauschen. In der Vorbereitung der Implantation erfolgte das Ausmessen der Dicke der Schleim-

5_

haut, damit später vom Zahntechniker das Knochenprofil auf dem Modell simuliert werden kann. Für die späteren Arbeitsschritte ist es erforderlich, dass die Implantate achsenparallel ausgerichtet werden. Das ist bei der Anfertigung der BohrschabloEinleitung

ne auf einem Duplikat des Planungsmodells zu berücksichtigen (Abb. 1). Auf den

Für die Implantate von DENTSPLY Friadent stehen eine große Menge an standardi-

Einsatz der Innenhülsen wurde verzichtet, um entsprechenden Spielraum zu haben.

sierten Aufbauten mit unterschiedlichen Angulationen und Schulterhöhen zur Ver-

Unmittelbar nach der Implantation sollte die Indexregistrierung erfolgen. Auf diese

fügung. Damit lassen sich eine Vielzahl von Versorgungen realisieren. Ist der Verlauf

Weise kann man die Einheilzeit zur Herstellung individueller Sulkusformer nutzen.

der Gingiva stark geschwungen oder benötigt man ein der jeweiligen Zahnanatomie

Dazu ist das Anfertigen einer zweiten Schablone für die Indexregistrierung notwen-

entsprechendes Durchtrittsprofil, stößt man mit konfektionierten, runden Abutments

dig. Diese hat die Funktion eines kleinen individuellen Löffels.

auch an Grenzen. Das Anpassen von Abutments an den jeweiligen Gingivaverlauf

Vor der Präparation des Mukoperiostlappens wurde dessen palatinale Ausdehnung an

sowie die entsprechende Ausformung des Emergenzprofils sind Parameter für den

der Schleimhaut markiert (Abb. 2). Nach dem Abklappen des Lappens (Abb. 3) konnten

ästhetischen und funktionellen Erfolg implantatprothetischer Arbeiten. Solche Anfor-

die Ankylos-Implantate inseriert werden (Abb. 4). Die Kontrollaufnahme bestätigte

derungen lassen sich in höchster Präzision nur mit individuellen Abutments erfüllen.

das korrekte Platzieren der Implantate (Abb. 5). Um so wenig wie möglich an den

6_

7_ 1_Die laborgefertigte Schablone zum Inserieren der Implantate 2, 3_Nach der Markierung der palatinalen Ausdehnung des Muko-Periost-Lappens wird diese nach vestibulär abgeklappt. 4, 5_Das Inserieren der Ankylos-C/X-Implantate und die Kontrollaufnahme 6_Die Schablone für die Indexregistrierung ist durch ein Autopolymerisat verstärkt. Die Hohlräume zwischen der Schablone, dem Kieferkamm und den Einbringpfosten wurde mit einem Kunststoff für provisorische Kronen aufgefüllt. 7, 8_Sind die Implantate achsenparallel inseriert, lässt sich die Registrierungsschablone ohne Probleme entfernen. 1_

2_

3_

8_


20 | identity 1_10

identity 1_10 | 21

9_

frisch inserierten Implantaten manipulieren zu müssen, wurden anstelle der Übertra-

sich die perfekte Ausformung der Gingiva (Abb. 13). Die individuellen Abutments

gungsaufbauten die Einbringpfosten für die nächsten Arbeitsschritte belassen.

wurden anprobiert und einige Feinkorrekturen durchgeführt. Die Präparationsgrenze

Die Indexregistrierung erfolgte mit der besagten zweiten, durch ein Autopolymerisat

liegt geringfügig subgingival. Da in diesem Fall auch noch der erste Prämolar mit

verstärkten Schablone. Zur sicheren Fixierung der Einbringpfosten und zum Aus-

einer Keramikkrone zu versorgen war, konnte nicht auf dem ursprünglichen Modell

gleich des Hohlraums zwischen der Unterseite der Schablone und der Knochenober-

weitergearbeitet werden. Es musste noch eine Abformung genommen werden.

fläche sind die gängigen Abformmaterialien nicht stabil genug. Aus diesem Grunde

Auf dem neuen Arbeitsmodell (Abb. 14) erfolgte die Herstellung der Keramikkronen

wurde zur Fixierung und Abformung ein Kunststoff für provisorische Kronen benutzt

(Abb. 15). Keramik ermöglicht nicht nur eine hervorragende Ästhetik (Abb. 16),

(Abb. 6). Bei adäquater Ausrichtung der Implantate lässt sich die Schablone für die

sondern ist auch durch seine sehr glatte und dichte Oberfläche die beste Wahl für

Indexregistrierung problemlos entfernen (Abb. 7). Mit dieser intraoperativen Index-

den Kontakt zur Gingiva. Bemerkenswert ist die gute Passung der Krone auf den in-

registrierung spart man eine Sitzung (Abformen der Implantate) ein und ermöglicht

dividuellen Abutments (Abb. 17). Nach der Eingliederung der zweiteiligen Abutments

dem Zahntechniker, schon in der Einheilzeit die weiteren Schritte vorzubereiten.

(Abb. 18) konnten die Kronen zementiert werden. Die leicht subgingivale Lage der

15_

Kronenränder ermöglicht das einfache Entfernen der Zementüberschüsse und eine

10_

Ausformen der Gingiva

sehr gute Kontrolle dieses Schrittes. Die Keramikkronen sind nicht von natürlichen

Auf die Einbringpfosten steckt man die Laborimplantate (Abb. 8). In das Arbeitsmodell

Zähnen zu unterscheiden und haben ein Emergenzprofil, das in nichts dem Vorbild

wurden die Laborimplantate eingepasst und die Zahnfleischmaske aus Polyäther her-

nachsteht (Abb. 19 und 20).

16_

gestellt (Abb. 9). In die Maske präpariert der Techniker das Emergenzprofil (Abb. 10).

11_

Obwohl so vom Hersteller nicht vorgesehen, verwendeten wir den Einbringpfosten

Zusammenfassung

auch zur Herstellung der individuellen Einheilkappen. Die Einbringpfosten bieten

Anhand eines klinischen Fallbeispiels wurden die Möglichkeiten eines zweiteiligen

erstens eine sichere Ankopplung zum Implantat und zweitens ermöglichen sie eine

Abutments im Rahmen eines veränderten Ablaufprotokolls in der Implantatprothetik

gute Retention für die individuelle angefertigten Gingivaformer. Nach dem Kürzen der

gezeigt. Die optimale Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Zahnarzt

Einbringpfosten auf die gewünschte Länge modelliert man die individuellen Gingiva-

und Zahntechniker ermöglicht die anatomische Ausformung des Weichgewebes

former. Mittels Kopierfräsen wurde die Modellation in rosa eingefärbtes Zirkondioxid-

und ein naturkonformes Emergenzprofil. Die gute Retention der Kronen und die für

Keramik umgesetzt und mit den Einbringpfosten verklebt. Nach dem Freilegen der

das Auge spaltfreie Verbindung zwischen den Kronen und Aufbauten sind weitere

Implantate schraubt man die individuellen Sulkusformer in die Implantate (Abb. 11).

Faktoren für die Stabilität des Ergebnisse. n

17_

Ker amik – Gewebefreundlichkeit und perfekte Ästhetik

Das ursprüngliche Arbeitsmodell wurde auch zur Anfertigung der individuellen Abutments benutzt. Die Basis dafür waren Ankylos-Regular-/X-Aufbauten (Abb. 12). Nach der Modellation der individuellen Aufbauten wurden sie in Zirkondioxid-Keramik (Cercon) überführt und mit den Aufbauten verklebt (Abb. 13). Hierbei sind die Her12_

stellerangaben bei Modifikationen an den Abutments zu beachten. Das Verkleben im Labor hat den großen Vorteil, dass dies unter idealen Bedingungen erfolgen kann.

Dr. Karin Rütten Vorstadt 18, 61440 Oberursel/D info@dr-ruetten.com

18_

Denn beim Verkleben müssen alle Teile absolut trocken sein und exakt zusammengefügt werden. Die Ausführung der Arbeit und die Kontrolle unter dem Stereomikroskop sind für eine hohe Präzision eine unabdingbare Voraussetzung. Zweieinhalb Wochen nach der Eingliederung der individuellen Sulkusformer zeigt

13_

14_

9_In das bestehende Arbeitsmodell wurden die Laborimplantat integriert und die Zahnfleischmaske hergestellt. 10_In die Maske präpariert man das Emergenzprofil. 11_Die individuellen Sulkusformer bestehen aus dem gekürzten Einbringpfosten und den aufgeklebten Formteilen aus rosa Zirkondioxid. 12_Während der Ausformung der Gingiva stellt der Zahntechniker die individuellen Abutments her. Die Metallbasis dieser zweiteiligen Abutments sind Ankylos-Regular-/X-Aufbauten. 13_Nach zweieinhalb Wochen ist die Gingiva gut ausgeformt und der Zahn 14 präpariert. 14_Die individuellen Cercon-Aufbauten sind mit der Metallbasis verklebt. Der Vorwall verdeutlicht die Platzverhältnisse.

ZT Carsten Fischer Lyoner Straße 44-48, 60528 Frankfurt/D info@sirius-ceramics.com

15_Das Auftragen der Keramik 16_Die fertigen Kronen auf dem Modell 17_Die Ansicht von zervikal zeigt die hervorragende Passung zwischen den individuellen Abutments und den Keramikkronen. 18_Die individuellen Abutments im Mund 19, 20_Die Keramikkronen sind in Form, Farbe und im zervikalen Bereich nicht von natürlichen Zähnen zu unterscheiden.

19_

20_


Höchste Ästhetik auch im Seitenzahnbereich