Page 1

auf.bruch


AuSSer.  europäisch


Alte Musik


Tanz. Performance


Neue Musik


auf.bruch


Das 29. OSTERFESTIVAL TIROL macht Innsbruck und Hall über drei Wochen lang zu Orten internationalen Austausches. Unter dem Motto auf.bruch werden Alte und Neue Musik, Tanz, Performance sowie Film und Gespräche betrachtet. Wir befinden uns in einer Zeit von Veränderungen, von Aufbrüchen, die wir am besten gemeinsam schaffen. Dafür ist Respekt und das Verstehenwollen des jeweils Anderen grundlegend – entgegen Verhetzung, Misstrauen und Gleichgültigkeit. Bereits im Vorfeld des OSTERFESTIVAL TIROL lassen das OrgelSPIEL (an 5 Samstagen ab dem 11. März) und die 15 Orte (vom 26. März bis zum 9. April) mit Text und Musik Inseln der Stille erleben – ein Innehalten in der sonst so getriebenen Zeit. .daneben, eine Reihe mit Gerhard Crepaz, verführt Sie mit kleineren und größeren Impulsen in vergessene Welten abseits des Konsums und hilft, die Inhalte der Veranstaltungen tiefer zu erfahren. Das Festival wird dieses Jahr mit einem ungewöhnlichen Projekt eröffnet (30./31. März): Boris Charmatz’ Hommage an den großen Choreographen Merce Cunningham, der für den Aufbruch der Kunstform Tanz von großer Bedeutung war. Auf der Bühne stehen bewegungsbegeisterte Menschen aus Tirol. Gemeinsam entwickeln sie ein originelles und humorvolles Stück zu und über den amerikanischen Künstler in Form eines Fotoromans.

Starke Emotionen finden sich in den Passionen (Passionssonntag, 2. April; Karfreitag, 14. April) mit zwei selten zu hörenden Wunderwerken von Georg Philipp Telemann und Alessandro Scarlatti. Telemanns Markus-Passion (Leitung: Bernhard Sieberer) beginnt mit der Ölberg-Szene und endet mit der Kreuzigung; immer wieder geben allegorische Figuren wie Glaube, Eifer oder Religion Kommentare zum Geschehen. Scarlattis Johannes-Passion – ein kleines Meisterwerk an schlichter Anmut – ist unter der Leitung von Leonardo García Alarcón (Tirol-Premiere) zu hören. Judas, eine der zwiespältigsten Figuren


christlichen Glaubens, steht in Gespräch, Musik und Film im Zentrum mehrerer Abende (Palmsonntag, 9. April: Oh du armer Judas, PerSonat, Concerto Palatino, Timna Brauer und Jasmin Meiri-Brauer; 11. April Gespräch / Dialog: Judas als Sündenbock?). Mit Tanz, Performance, Film und Theater beleuchten wir die Um- und Aufbrüche in derzeitigen Krisenländern. In Form getanzter Bilder, eines Dokumentarfilms und Unausgesprochenem wird auf die Situation in Syrien (1. April: Déplacement, Mithkal Alzghair), Ägypten (12. April: Forbidden, Amal Ramsis) und dem Iran (15. April: Hearing, Amir Reza Koohestani) aufmerksam gemacht. Salvatore Sciarrino, einer der wichtigen Erneuerer der zeitgenössischen Musik, wird 70. Ihm widmen wir einen Abend mit Werken aus seinen ersten Jahren bis heute, dazu Morton Feldman (6. April: Ensemble Phace). Sciarrino ist um die Öffnung der Sinne durch seine Musik bedacht, das will auch Georg Friedrich Haas. in vain spielt mit Dunkelheit, der Intensität des Lichts und dem Einfluss auf unser Wahrnehmen (13. April: Windkraft, Konstellation, Leitung: Kasper de Roo). Der Aufbruch von Genres ist dem belgischen Künstler Thierry De Mey in seinem neuen Stück Simplexity (8. April) auf wunderbare Weise gelungen. Als Komponist, Filmemacher und Choreograph lässt er die Kunstformen – Tanz, Live-Musik (fünf Musiker des Ensemble intercontemporain) und Lichtdesign ineinander verschmelzen. Ziel ist die Schönheit des Ausdrucks, der Geste. Den Endpunkt setzt – wie auch den Beginn – Merce Cunningham. Seine beliebte Choreographie Sounddance bildet mit Werken von Twyla Tharp und William Forsythe den großen Abschluss des Festivals (Ostersonntag, 16. April: Ballet de Lorraine).

Wir wünschen viel Freude beim Lesen, Hören, Sehen und anregende gemeinsame Erfahrungen. Hannah Crepaz und Team


OrgelSPIEL

Die Reihe von 30-minütigen Orgelkonzerten weist auf das Orgelfest 2018 hin. Fünf Tiroler Organisten laden ab dem 11. März an fünf aufeinander folgenden Samstagen um 11 Uhr für eine halbe Stunde zu freudiger Sinnlichkeit in die Haller Pfarrkirche ein. Zu hören ist Musik vom 17. Jahrhundert bis in unsere Zeiten.

Five well-known organists of the Tyrol are playing music from the 17th century to our times. Short 30 minutes concerts at the Parish church of Hall at 11 o’clock. Free admission.


Samstag

11. 08. März bis Samstag

April

11.00 Uhr Hall i.T. Pfarrkirche KONZERTE Dauer: ca. 30’ Freier Eintritt.

Sa, 11. März OrgelSPIEL_1 ​ Sa, 18. März OrgelSPIEL_2 Sa, 25. März OrgelSPIEL_3 Sa, 01. April OrgelSPIEL_4 Sa, 08. April OrgelSPIEL_5

14 • 15


15 Orte

An 15 Tagen wird ab dem 26. März etwa 30 Minuten lang jeweils um 15 Uhr der banalen Zeit widersprochen: inmitten öffentlicher Anstrengung finden sich Inseln des Innehaltens. Im Zentrum der kurzen Aktionen stehen u.a. Text und Musik, gelegentlich wird vielleicht auch Widerstand provoziert. Kunst lässt Utopie, Harmonie in den rauen Räumen unserer Gesellschaft, aufleben. 15 Orte – ein Spiel im Öffentlichen, Teil unserer Aktivitäten ohne Einschaltquote.

On 15 days, a contrast to banal times is provided for around 30 minutes at 3 pm: in the midst of public endeavours, there can be found islands of reflection. At the centre of the brief activities lie, among other things, text, sounds and actions, and sometimes, even resistance is provoked. Art enables utopia to create harmony in the rough surroundings of our society. 15 Orte – a public play, part of our activities without audience rate.


So, 26.03., Innsbruck Hofburg (Rennweg 1) Mo, 27.03., Innsbruck Synagoge (Sillgasse 15) Nur mit Anmeldung unter +43 5223 53808 (bis 2 Tage vorher) möglich. Di, 28.03., Innsbruck Josephskapelle Altes Landhaus (Maria-Theresien-Straße 43) Mi, 29.03., Innsbruck Theologische Fakultät (Karl-Rahner-Platz 1) Do, 30.03., Innsbruck GEA (Anichstraße 22) Fr, 31.03., Innsbruck Galerie A4 (Angerzellgasse 4, neben Treibhaus) Sa, 01.04., Innsbruck

Sonntag

26. 09. März bis Sonntag

April

15 Uhr Hall i.T. und Innsbruck Musik. Aktion Dauer: ca. 30’

Liber Wiederin (Erlerstraße 6) So, 02.04., Hall in Tirol Salvatorkirche (Salvatorgasse 23)

Freier Eintritt.

Mo, 03.04., Innsbruck Caritas (Heiliggeiststraße 16) Di, 04.04., Hall in Tirol Städtische Bücherei (Salvatorgasse 4) Mi, 05.04., Innsbruck Literaturhaus am Inn (Josef-Hirn-Straße 5) Do, 06.04., Innsbruck Wagner’sche Buchhandlung (Museumstraße 4) Fr, 07.04., Innsbruck Haus der Begegnung (Rennweg 12) Sa, 08.04., Innsbruck Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (Museumstraße 15) So, 09.04., Innsbruck Volkskunstmuseum (Universitätsstraße 2)

16 • 17


Roman Photo (2009/2017) Choreographie: Boris Charmatz Mit Laien aus Tirol Österreichische Erstaufführung Eine Produktion des Musée de la danse, mit Dank an LiFE (St Nazaire) | HZT (Berlin) | Centre de Développement Chorégraphique (Toulouse). Eine Produktion des Osterfestival Tirol 2017.

Das Arbeiten mit begeisterten Laien ist für das Osterfestival Tirol immer schon ein Anliegen gewesen und wurde bereits in vielen Projekten umgesetzt, seit 2015 auch im Tanz. Zu Beginn des diesjährigen Festivals arbeiten Tiroler Tanzliebhaber an Roman Photo von Boris Charmatz – einem der wichtigsten europäischen Choreographen unserer Zeit. Als Form verwendet er einen bewegten Fotoroman, inspiriert vom Kultbuch Merce Cunningham, fünfzig Jahre – eine fotografische Sammlung. Für die Performer ist dies eine tänzerische wie auch künstlerische Herausforderung. Das Publikum erlebt ein originelles und humorvolles Stück, das nach ähnlichen choreographischen Methoden entstanden ist, wie sie der US-amerikanische Altmeister des postmodernen Tanzes angewandt hat. Spannendes Ergebnis ist eine Hommage à Merce Cunningham, ein Denkmal der zeitgenössischen Tanzgeschichte.


Donnerstag

30. März

20.15 Uhr Hall i.T. Salzlager Vorpremiere Dauer: ca. 35’

Karten €5

Freitag

31. März

20.15 Uhr Hall i.T. Salzlager Eröffnung Dauer: ca. 60’

Boris Charmatz created Hommage à Merce Cunningham, an icon of contemporary dance history. He interprets it in the form of a lively photo novel with enthusiastic amateur dancers from the Tyrol, inspired by the cult book Merce Cunningham, Fifty Years – a Photographic Collection. For the performers it is a dancing and artistic challenge. For the audience an original and humorous piece that was created using similar choreographic methods to those employed by the doyen of post-modern dance.

Karten € 19

18 • 19


Déplacement (2015) Choreographie: Mithkal Alzghair Mit Rami Farah, Shamil Taskin, Mithkal Alzghair Österreichische Erstaufführung Eine Co-Produktion von: La Nouvelle Aventure (SMartFr) Godsbanen, Aarhus | Musée de la Danse-CCN | AFAC Stiftung Les Treize Arches-Scène conventionnée de Brive.

Déplacement/Vertreibung, das neue Werk des syrischen Choreographen Mithkal Alzghair, zeigt in poetisch-berührenden Bildern den Körper zwischen Verwurzelung und Vertreibung. Alzghair ist von der syrischen Kultur und ihrer musikalisch-tänzerischen Folklore geprägt. Mit Hilfe von Fragmenten des traditionellen Tanzes Dabke – der in Syrien, Palästina, Jordanien, im Libanon und Teilen des Irak wie auch der Türkei beheimatet ist – macht er Verweise auf die aktuelle Situation, gestaltet einen friedlichen Protestakt und eine berührende Geschichte von Flucht und der darauffolgenden Unsicherheit im Exil. Für mich gibt es die Notwendigkeit, die Realitäten des syrischen Konflikts zu zeigen wie auch die Hoffnung auf Freiheit. (Mithkal Alzghair)


Samstag

01. April

20.15 Uhr Hall i.T. Salzlager Tanz Dauer: ca. 55’

Karten Kat. I € 29 Kat. II € 19

Displacement, a new work by the Syrian choreographer Mithkal Alzghair, shows the human body between belonging and displacement with the help of moving poetic images. Alzghair is rooted in the Syrian culture and its traditions in music and dance. A poignant narrative of flight and resulting uncertainty in exile. For me, it is necessary to show the realities of the Syrian conflict and the hope of freedom. (Mithkal Alzghair)

20 • 21


G.Ph. Telemann Markus-Passion (1759) Susan Hamilton – Sopran Nicole Pieper – Alt Johannes Chum – Tenor Marcus Niedermeyr – Evangelist (Bariton) Dominik Wörner – Jesus (Bass) Vokalensemble Vocappella Innsbruck Aura Musicale Budapest Ltg: Bernhard Sieberer Eine Produktion des Osterfestival Tirol 2017.

Dieses aber weiß ich wol / daß ich allemahl die KirchenMusic am meisten werth geschätzet / am meisten in andern Autoribus ihrentwegen geforschet / und auch das meiste darinnen ausgearbeitet habe. (Georg Philipp Telemann) Telemann ist uns heute meist als Komponist von Instrumentalmusik bekannt, von seinen Passionen ist vor allem die Brockes (1719) geläufig. Als Kantor und Musikdirektor gehörte es zu Telemanns Aufgaben, jährlich Passionsmusiken für die fünf Hamburger Hauptkirchen zu verfassen. Insgesamt komponierte er 46, erhalten ist nur noch die Hälfte. Diese Version der Markus-Passion entstand 1759, sie beginnt mit der Ölberg-Szene und endet mit der Kreuzigung. Besonders ist der Bariton als Evangelist und die eindringliche Auseinandersetzung mit den menschlichen Schwächen: von Personen der Leidensgeschichte, bis hin zu allegorischen Figuren, gefolgt von einem Duett zweier Engel, der Arie der Religion und einem „Chor der Menschen“.


Sonntag

02. April

19.30 Uhr Hall i.T. Salzlager 18.30 Uhr Einstimmung Alte Musik Dauer: ca. 100’

Karten Kat. I Kat. II Kat. III Kat. IV Kat. V

Telemann’s St Mark Passion was written thirty years after Bach’s St Matthew Passion. It opens with the Mount of Olives scene and finishes with the crucifixion. What makes it special is the opportunity to have the Evangelist sung by a baritone and its powerful treatment of our human weaknesses: as actors in the Passion and allegorical figures following the death of Jesus.

22 • 23

€ € € € €

59 49 39 29 19


Dziga Vertov Der Mann mit der Kamera (1929) Stummfilm Regie: Dziga Vertov | Kamera: Michail Kaufman Schnitt: Jelisaweta Swilowa In Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Filmmuseum.

Ich bin das mechanische Auge. Ich, die Maschine, zeige euch die Welt so, wie nur ich sie zu sehen imstande bin. Von heute an und in alle Zukunft befreie ich mich von der menschlichen Unbeweglichkeit. (Dziga Vertov) In diesem bahnbrechenden Experiment zeigt der russische Filmemacher Dziga Vertov die Bewegungen einer großen Stadt und des Lebens in ihr, zusammenmontiert aus drei Städten: Moskau, Kiew und Odessa. Der Stummfilm soll nach Dziga Vertov das Leben so zeigen, wie es ist: Ohne Erzählstrang oder Inszenierung, durch reine Montage, da alles andere Verfälschung wäre und das Publikum unterschätzen würde.


Montag

03. April

20.30 Uhr Innsbruck Leokino Film Dauer: ca. 80’

Karten sind über das Kino erhältlich.

I’m an eye. A mechanical eye. I, the machine, show you a world the way only I can see it. I free myself for today and forever from human immobility. (Dziga Vertov) In this pioneering experiment, the Russian filmmaker shows the movements of a big city and life in it in a montage involving three cities: Moscow, Kiev and Odessa. For Dziga Vertov, the silent movie was meant to show life as it is – without a narrative thread or staging, simply through montage, as everything else would be a falsification and would underestimate the audience. 24 • 25


Spuren/T(h)races Jean-Guihen Queyras – Violoncello Keyvan & Bijan Chemirani – Daf, Zarb Sokratis Sinopoulos – Lyra In Zusammenarbeit mit dem Osterfestival Imago Dei.

Gemeinsame Wege mit Musik unterschiedlicher Kulturen gehen Jean-Guihen Queyras (2016 in Hall mit Bach), die Jugendfreunde des Cellisten – Keyvan und Bijan Chemirani (2011 zu Gast) – und der griechische Künstler Sokratis Sinopoulos. Als Metapher dient Thrakien, eine Gegend der Balkanhalbinsel, die sich teilweise über die Türkei, Bulgarien und das heutige Griechenland erstreckte. Die Thraker waren ein Volk von Entdeckern, offen für die gegenseitige Befruchtung mit Vielen und Brückenbauer zu anderen Kulturen. (Jean-Guihen Queyras) Es erklingen unter anderem klassisch persische, türkische und griechische Werke wie auch zeitgenössische Stücke Westeuropas. Eine unbeschreibliche Reise in verschiedene, ferne und doch verwandte Welten.


Dienstag

04. April

20.15 Uhr Hall i.T. Salzlager 19.15 Uhr Einstimmung Neue Musik Dauer: ca. 70’

Karten Kat. I Kat. II Kat. III Kat. IV

A common approach with music from different cultures is adopted by Jean-Guihen Queyras (in Hall with Bach in 2016), the Chemirani brothers from Iran (in Hall 2011) and the Greek musician Sokratis Sinopoulos. As a metaphor, their shared theme is the Thracians, a people of explorers with an open mind for mutual cultural influences. An exciting journey through classical and contemporary music of different cultures.

26 • 27

€ € € €

49 39 29 19


Ross Lipman Notfilm (2015) Regie: Ross Lipman | Musik: Mihály Víg

Samuel Beckett Film (1965) Regie: Alan Schneider | Drehbuch: Samuel Beckett Kamera: Boris Kaufman | Schnitt: Sydney Meyers Filmpatenschaft: Peter Hörmanseder In Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Filmmuseum.

Lipman – Notfilm Vom Genie Becketts zu jenem von Dziga Vertov; vom Mann mit der Kamera (1929) und Keatons The Cameraman (1928) zu jenem heißen Drehtag in New York, 36 Jahre später, als Beckett und Regisseur Alan Schneider den Film Film (1965) drehten. All dies verknüpft Ross Lipman in seinem mächtigen Filmessay mit Fragen nach dem menschlichen Bewusstsein in der Medien-Moderne, mit sensationellen Beckett-Dokumenten und mit einer Reflexion über das Kino. Beckett – Film Der Beobachter wünscht sich nichts sehnlicher als zuzuschauen, während der Beobachtete verzweifelt versucht, sich zu verbergen. Am Ende gewinnt einer der beiden. (Samuel Beckett) 1965 unternahm der zukünftige Nobelpreisträger Samuel Beckett seinen einzigen Ausflug in filmisches Terrain. Das Resultat dieser Zusammenarbeit – der Kurzfilm Film – wurde eines der ungewöhnlichsten Kinostücke aller Zeiten.


Mittwoch

05. April

19.30 Uhr Innsbruck Leokino Film Dauer: ca. 170’ inkl. Pause

Karten sind über das Kino erhältlich.

Lipman – Notfilm From the genius of Beckett to that of Dziga Vertov; from Man with a Movie Camera (1929) and Keaton’s The Cameraman (1928) to a blisteringly hot film shoot in New York 36 years later when, under the guidance of Beckett and director Alan Schneider shoot Film (1965). In this powerful film essay, Ross Lipman combines all this with questions on human consciousness in the modern media-driven age, with sensational Beckett documents and a reflection on the cinema.

Beckett – Film The perceiver desires like mad to perceive, and the perceived tries desperately to hide. Then, in the end, one wins. (Samuel Beckett) In 1965 the future Nobel laureate Samuel Beckett collaborated with the ageing silent film star Buster Keaton on Beckett’s only excursion into the world of film. The result of this venture – the short film simply entitled Film – is one of the most remarkable cinema films of all time. 28 • 29


Sciarrino wird 70 Morton Feldman Salvatore Sciarrino – u.a. Lo spazio inverso (1985) und Omaggio a Burri (1995) Morton Feldman – Why Patterns? (1978) Ensemble Phace Ivana Pristašová – Violine Roland Schueler – Violoncello Sylvie Lacroix – Flöte Walter Seebacher – Klarinette Berndt Thurner – Schlagwerk Mathilde Hoursiangou – Klavier Eine Produktion des Osterfestival Tirol 2017.

Die Öffnung der Sinne ist der Hintergrund meiner Musik. (Salvatore Sciarrino) Sciarrino, Autodidakt, ist ein wunderbarer Erneuerer der zeitgenössischen Musik. Er selbst meinte: Ich musste ganz von vorne beginnen, mir den Umgang mit den Instrumenten mit Hilfe einer unberührten Hand und eines jungfräulichen Ohrs auf der Grundlage eines Experiments zwischen Primitivismus, Ordnung und Futurismus erfinden. Zu seinem 70. Geburtstag lässt das Ensemble Phace Kompositionen von den 80ern bis heute erklingen. Ihm eigen ist unter anderem die Verbindung mit und der Bezug auf ältere Epochen und Kulturen sowie feine musikalische Texturen und Gesten. Im zweiten Teil ist Morton Feldmans – von anatolischen Nomaden-Teppichen beeinflusstes – Why Patterns? zu hören.


Donnerstag

06. April

20.15 Uhr Hall i.T. Salzlager Einstimmung 19.15 Uhr Neue Musik Dauer: ca. 105’ inkl. Pause

Karten Kat. I € 29 Kat. II € 19

Unfolding the senses is the background of my music. (Salvatore Sciarrino) Sciarrino, an autodidact, has made a wonderful contribution to the renewal of contemporary music. He himself puts it like this: I had to start right at the beginning and invent an approach to the instruments with the help of an untouched hand and a virgin ear on the basis of an experiment between primitivism, order and futurism. To mark his 70th birthday, the Ensemble Phace is performing compositions from the 1980s to the present. The second part of the programme is devoted to Morton Feldman’s Why Patterns?, a work that was influenced by the carpets of the nomads of Anatolia.

30 • 31


Buster Keaton The Cameraman (1928) Stummfilm mit Live-Musik Gerhard Gruber – Klavier Regie: Buster Keaton, Edward Sedgwich Drehbuch: Clyde Bruckman, Lew Lipton, Joseph Farnham Kamera: Elgin Lessley, Reggie Lanning | Schnitt: Hugh Wynn

Mit The Cameraman, gelingt Keaton das letzte unumschränkte Meisterwerk seiner Karriere, eine große Zusammenfassung seiner Ideen über Probleme und Prinzipien des Filmemachens, zugleich die prophetische Konzeption seines Abstiegs. Keaton selbst spielt einen Fotografen, der sich aus Liebesgründen als Wochenschaukameramann versucht, obwohl die Firmenbosse keine Verwendung für ihn haben. Wie auch Dziga Vertov, verwendet Keaton in The Cameraman für seine Zeit besonders spektakuläre Filmtechniken und betrachtet die Schnelllebigkeit der mittlerweile laufenden Bilder kritisch. (Christoph Huber)


Freitag

07. April

20.30 Uhr Innsbruck Leokino Film Dauer: ca. 80’

Karten sind über das Kino erhältlich.

The Cameraman was the last true masterpiece of Buster Keaton’s career, a compendium of his thoughts about the problems and principles of filmmaking, and at the same time a prophetic draft for his decline. He plays a photographer who tries to get work as a cameraman for a newsreel company although the bosses there have no interest in him. Like Dziga Vertov, Keaton employs what for those days were particularly spectacular filming techniques in The Cameraman and takes a critical view of the evanescence of what had become moving images. 32 • 33


Simplexity: La beauté du geste (2016) Choreographie, Musik, Idee: Thierry De Mey Ensemble intercontemporain, IRCAM, Charleroi Danses Produktion: Charleroi Danses – Centre chorégraphique de la Fédération Wallonie-Bruxelles Eine Co-Produktion von: Ensemble intercontemporain Ircam - Les Spectacles vivants-Centre Pompidou Kunstenfestivaldesarts | Théâtre de Liège | Ars Musica. Erstaufführung im deutschsprachigen Raum

Simplexity: Die Schönheit der Bewegung hat Thierry De Mey gemeinsam mit fünf Tänzern von Charleroi Danses, fünf Musikern des Ensemble intercontemporain (von Pierre Boulez gegründet) und dem Zentrum für Elektronische Musik (IRCAM) erarbeitet. In ihm lässt De Mey Genres verschmelzen: Musik, Tanz und Elektronik fließen ineinander. Tänzer und Musiker, Musik und Choreographie, Hören und Sehen werden eins. De Mey ist Komponist, Filmemacher und Choreograph. Seit Jahren arbeitet er u.a. mit Wim Vandekeybus zusammen. Simplexity ist ein Gesamtkunstwerk und Wende- und Höhepunkt seiner Karriere, die eine neue Arbeitsphase eröffnet: atemberaubend und voller Abenteuer.


Samstag

08. April

20.15 Uhr Innsbruck Congress (Dogana) Tanz. Performance Dauer: ca. 80’ Karten Kat. I € 39 Kat. II € 29 Kat. III € 19

Simplexity: Thierry De Mey reveals the beauty of movement with five dancers from Cie Charleroi Danses, five musicians from the Ensemble intercontemporain (founded by Pierre Boulez) and the IRCAM centre for electronic music. In this work, De Mey employs a fusion of genres: Music, dance and electronic music merge; dancers and musicians, music and choreography, hearing and seeing become as one. De Mey is a composer, film director and choreographer. He has worked for years with Wim Vandekeybus and others. 34 • 35


Oh du armer Judas PerSonat Concerto Palatino Timna Brauer Jasmin Meiri-Brauer U.a. mit Musik von Orlando di Lasso, Ludwig Senfl, Heinrich Isaac sowie jüdischen Psalmen. Eine Produktion des Osterfestival Tirol 2017. 0 du armer Judas, was hast du geton? / daß du deinen Herren also verraten hast / Darumb mueßt du leiden hellische Pein / Lucifers Geselle muß du ewig sein/ Kyrie eleison. Christe eleison. Kyrie eleison, Christe eleison. Kyrie eleison.

Der Palmsonntag ist diesmal besonders zu erleben: von 11 bis ca. 22 Uhr wird im Zentrum der Leidensgeschichte Christi eine Frage gestellt, die seit Jahrhunderten die Menschen beschäftigt: Wer war dieser Judas Iskariot, ohne dessen Verrat am Ölberg Jesus nicht gekreuzigt worden wäre? (Judas als Sündenbock auch am Dienstag 11.4. in der theologischen Fakultät) Das Sein Blut komme über uns und unsre Kinder – in Bachs Matthäus-Passion auch Fernstehenden zum Kulturgut geworden – hat in der Kirche von Anfang an für Missachtung und Verfolgung der Juden gesorgt. Im Abendkonzert führen Musik der Zeit Kaiser Maximilians, aber auch von Timna Brauer und Tochter Jasmin im Original gesungene Psalmen in unsere Gegenwart, in der die Kirche die Juden endlich als „erste“ Hörer Gottes anerkannt hat. Weitere Informationen über den gesamten Ablauf des Tages ab Anfang Februar unter www.osterfestival.at.


Sonntag

09. April

20.15 Uhr Innsbruck, Hofkirche Volkskunstmuseum Einstimmung 18.30 Uhr ALte Musik Dauer: ca. 70’ Karten Kat. I € 39 Kat. II € 29 Kat. III € 19

This year’s programme includes a special item for Palm Sunday: From 11 a.m. to about 10 p.m., we address a question at the heart of the Passion of Christ that has been debated for centuries: Who was Judas Iscariot, without whose treachery on the Mount of Olives Jesus would not have been crucified? In the Church, the curse His blood be on us, and on our children led from the start to contempt and persecution of the Jews. Music from the time of Emperor Maximilian as well as psalms sung in the original by Timna Brauer and her daughter Jasmin lead up to the present, in which the Church has finally recognised the Jews as the first hearers of God’s word.

36 • 37


Je danse parce que … (2015) Choreographie: Kaori Ito. Mit Kaori und Hiroshi Ito Co-Produktion: Théâtre Garonne scène européenne (Toulouse) | Théâtre de Saint-Quentin-en-Yvelines – Scène nationale | Théâtres de la Ville de Luxembourg | Ménagerie de verre (Paris) | ADC Genève (Schweiz) | Lieu Unique (Nantes) | Klap Maison pour la danse (Marseille) Avant-Scène Cognac (Scène conventionnée) | Le Channel (scène nationale de Calais) | La Filature (Scène nationale de Mulhouse)

Kaori Ito, Tänzerin und Choreographin, tanzte unter anderem bei Philippe Découflé, Angelin Preljocaj wie auch Sidi Larbi Cherkaoui und choreographierte für Alain Platels Les Ballets C de la B. In ihrem Tanz verbindet sie die japanische mit der europäischen Kultur. Eine gewisse Herausforderung, da das Körperzentrum jeweils anders positioniert ist. Mit Je danse parce que je me méfie des mots (Ich tanze, weil ich der Sprache kein Vertrauen schenke) gelang ihr eine unglaublich berührende Inszenierung der VaterTochter-Beziehung, vor allem als erwachsene Frau. Itos Vater Hiroshi ist in Japan ein sehr berühmter Künstler, er war gleichsam Autorität, Vorbild und Überfigur. Mit Fragen und Antworten, Witz und gemeinsamem Tanz geht Kaori Ito der Beziehung früher und heute auf den Grund.


Montag

10. April

20.15 Uhr Hall i.T. Salzlager Tanz. Performance Dauer: ca. 60’

Karten Kat. I € 29 Kat. II € 19

Kaori Ito, dancer and choreographer, has performed with Philippe Découflé, Angelin Preljocaj, Sidi Larbi Cherkaoui and others and choreographed with Alain Platel’s Les Ballets C de la B. This work is an incredibly moving presentation of the father-daughter relationship, above all as a grown-up woman. Kaori Ito’s father Hiroshi is a noted artist in Japan; for her, he was both an authority and a person to be overcome. With questions and answers, through wit and dance, Kaori Ito explores their earlier and present relationship.

38 • 39


Judas als Sündenbock Mit Dr. Bernhard Dieckmann (Marburg) und Univ.-Prof. Dr. Józef Niewiadomski (Innsbruck) Literatur: Dieckmann, Bernhard (1991): Judas als Sündenbock: Eine verhängnisvolle Geschichte von Angst und Vergeltung. München, 25-41, 195-197. Schwager, Raymund (2015): Heilsdrama. Systematische und narrative Zugänge (= Raymund Schwager Gesammelte Schriften. Bd. 4). Hrsg. von Józef Niewiadomski. Herder, Freiburg in Breisgau 2015. In Zusammenarbeit mit der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck.

Zwei Impulse werden der Frage nachgehen, ob und wie von Judas als Sündenbock gesprochen werden kann. Bernhard Dieckmann wird die mittelalterliche Judaslegende vorstellen, eine Version des ÖdipusMythos, und dann einen Text von Anatol France von 1895, in der Judas erstmals als Sündenbock bezeichnet wird. Józef Niewiadomski wird auf Raymund Schwagers Deutung der Judasgeschichte eingehen, wie sie dieser in seinem Jesus-Roman Dem Netz des Jägers entronnen vorgenommen hat.


Dienstag

11. April

19.30 Uhr Innsbruck Theologische Fakultät Gespräch Eintritt frei.

Two inputs will centre on the question whether and to what extent one can speak of Judas as a scapegoat. Bernhard Dieckmann will present the medieval Judas legend, a version of the Oedipus myth, and a text written by Anatol France in 1895, in which Judas is first called a scapegoat. Józef Niewiadomski will address Raymund Schwager’s interpretation of the Judas story as formulated in his Jesus novel Dem Netz des Jägers entronnen.

40 • 41


Amal Ramsis Forbidden (2011) Dokumentarfilm (Ägypten / Spanien) Arabisch mit engl. Untertiteln Regie, Buch, Bildgestaltung: Amal Ramsis Schnitt: Octavio Iturbe | Ton: Nacho R. Arenas Musik: Mostafa Mohamed, Ahmed Younis

Als ich mit dem Drehen von Forbidden begann, lebten wir noch in einer Diktatur, die fast alle politischen Rechte und Aktivitäten verbot. Die Polizei und die repressive Staatsicherheit kontrollierten das ganze Land. Das Wort Forbidden war allgegenwärtig. Nichtsdestotrotz gab es eine ziemlich starke gesellschaftliche und politische Bewegung und genau das wollte ich mit meinem Film zeigen. Trotz aller Verbote sind wir auf unsere Weise fähig, Schranken zu durchbrechen. Aus diesem Grund entschied ich mich gegen den Versuch, eine Dreherlaubnis von der Filmzensur zu bekommen, und ich deklarierte diese Entscheidung in der Dokumentation als einen rebellischen Akt. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, war die Tatsache, dass die Revolution den finalen Punkt meiner Arbeit setzen sollte, indem sie just am letzten Drehtag begann. Damit veränderten sich die Aussage und die Richtung des Films radikal. Schließlich konnte man den Film plötzlich problemlos in Kairo aufführen. Gleichzeitig ist er historisches Gedächtnis der letzten Tage vor der Revolution. (Amal Ramsis)


Mittwoch

12. April

20.30 Uhr Innsbruck Leokino Film Dauer: ca. 70’

Karten sind über das Kino erhältlich.

When I began filming Forbidden, we still lived in a dictatorship in which almost all political rights and activities were banned. The police and the repressive state security apparatus controlled the entire country. The word ›Forbidden‹ was everywhere. Nevertheless there was quite a strong social and political movement, and this was precisely what I wanted to show in my film. For this reason I decided not to try and obtain permission for filming from the film censorship board, and in the documentation I declared this decision a rebellious act. What I didn’t know at the time was the fact that the revolution was going to set the final scene of my work, since it started on the very day that shooting was concluded. Because of this the statement and the direction of the film was radically altered. It was possible to screen the film in Cairo without problem. At the same time it functions as a historical reminder of the last days before the Revolution. (Amal Ramsis)

42 • 43


G. F. Haas in vain (2000) Ensemble Windkraft, Konstellation Ltg: Kasper de Roo Eine Produktion des Osterfestival Tirol 2017.

Georg Friedrich Haas’ Komposition für 24 Instrumente ist bereits ein Klassiker innerhalb der Ensemblemusik des 21. Jahrhunderts. Wie auch in anschließenden Stücken (z.B. sein 3. Streichquartett In iij. Noct. oder seine im Mai 2016 uraufgeführte Oper Koma) arbeitet Haas mit der Intensität des Lichts bis zum nicht mehr vorhanden sein. Bei in vain war das die Betroffenheit über die schwarz-blaue Regierungsbildung im Jahr 2000, wo ich eine Musik gemacht habe, die formal so abläuft, dass das als überwunden Geglaubte am Ende wieder zurückkehrt. (G.F. Haas)


Donnerstag

13. April

20.15 Uhr Hall i.T. Salzlager 19.15 Uhr Einstimmung Neue Musik Dauer: ca. 65’

Karten Kat. I € 39 Kat. II € 29 Kat. III € 19

Georg Friedrich Haas’ composition for 24 instruments is already a classic in 21st century ensemble music. As in subsequent pieces (e.g. his 3rd string quartet In iij. Noct.), Haas works with the intensity of light including its absence. In in vain, it was dismay at the formation of the Conservative-Freedomite coalition government in Austria in 2000 which led me to make music with a formal structure showing the return of something thought to have been overcome. (G.F. Haas)

44 • 45


Karfreitagsliturgie Cantori Gregoriani Milano Ltg: Fulvio Rampi Zelebrant: Friedrich Prassl SJ

Am Karfreitag wird in den christlichen Kirchen etwas gepriesen und besungen, was man kaum je nur denken möchte, nämlich die Ohnmacht des allmächtigen Todes. Jener Tod Gottes am Kreuz, der qualvolle Tod des Menschensohns, wird genau erzählt, in wunderbarer Harmonie feierlich besungen im ersten Jahrhunderte alten lateinischen Gesang der Kirche: Alles Heil für die Welt geht von ihm aus – vom Kreuz, dem Ort schlimmsten Endes. Immer wieder singen sie O crux, ave – sei gegrüßt, Kreuz – und in langer Klage über sein Leid fragt Christus selbst Popule meus, quid feci tibi? aut in quo contristavi te? responde mihi. – O du mein Volk, was tat ich dir? Betrübt’ ich dich? Antworte mir! An diesem Nachmittag um 15 Uhr ist die Passion, die Tragödie der Menschen und alle Hoffnung zu erleben. Still und machtvoll wie selten.


Karfreitag

14. April

15.00 Uhr Hall i.T. Herz-JesuBasilika (ehem. Stiftskirche) Eintritt frei.

In Christian churches on Good Friday, the praises are sung of something which the average person can hardly contemplate – the powerlessness of the death of the Almighty. This death of God on the cross, the painful death of the Son of Man, is recounted in detail, His praises sung solemnly in wonderful harmony in the first, centuries-old Latin chants of the church: Everything that is good in the world emanates from Him – from the cross, site of the most terrible death. Again and again, they sing O crux, ave – Hail to the Cross – and during a lengthy lamentation of his suffering, Christ asks himself: Popule meus, quid feci tibi? aut in quo contristavi te? responde mihi. – O my people, what have I done to you? Wherein have I offended you? Answer me! The Passion, the tragedy of humanity and all hope, can be experienced on Good Friday at 3pm. Rarely is one of our many complaints as silent and powerful as this lamentation.

46 • 47


Alessandro Scarlatti Johannes-Passion (ca. 1700) Giuseppina Bridelli – Evangelistin Salvo Vitale – Christus Chœur de Chambre de Namur Millenium Orchestra Cappella Mediterranea Ltg: Leonardo García Alarcón

Wir kennen von ihm eine Johannes-Passion, ein kleines Meisterwerk an schlichter Anmut, in dem die Chöre die Farbe satten Goldes haben, das so lieblich die Madonnengesichter auf zeitgenössischen Fresken umspielt. Das ist viel weniger ermüdend als Rheingold, und das besänftigende Gefühl, das von ihm ausgeht, hat etwas wohltuend Tröstliches. (Claude Debussy) Wenn man bei uns von der Johannes-Passion spricht, so ist die erste und meist einzige Assoziation J.S. Bach. Dass Alessandro Scarlatti, der Meister der neapolitanischen Oper, mit seiner Johannes-Passion dem italienischen Barock ein Denkmal setzte, ist weniger bekannt. Um 1700 entstanden, folgt sie streng den Richtlinien der katholischen Liturgie der Zeit. Zum ersten Mal kommt Leonardo García Alarcón, der bereits in ganz Europa für seine Interpretation Alter Musik anerkannt ist, nach Tirol.


Karfreitag

14. April

20.15 Uhr Hall i.T. Salzlager Alte Musik Dauer: ca. 90’

Karten Kat. I Kat. II Kat. III Kat. IV Kat. V

When the St. John Passion is mentioned, we tend to think firstly – and often only – of Bach. What is less well known is the fact that the father of Neapolitan Opera created an icon of Italian Baroque with his St. John Passion. The concert is the first appearance in the Tyrol of the Argentinian conductor Leonardo García Alarcón, who has a fine reputation in the whole of Europe for his interpretations of Early Music.

48 • 49

€ € € € €

59 49 39 29 19


Trauermette Cantori Gregoriani (Mailand) Ltg: Fulvio Rampi

Eine Leuchte lässt du strahlen, in mein Dunkel bringst du, o Gott, das Licht. (Psalm 17) Die Wasser des Todes umwogten mich. Da gähnten offen die Tiefen des Abgrunds… Er strecke die Hand aus der Höhe und fasste mich, heraus zog er mich, aus den großen Wassern. Er führte mich hinaus in die Weite, er brachte Rettung mir, weil er mich liebte. Ich sehe ihn. Aber nicht jetzt. Ich erblicke ihn, aber nicht nah. Ein Stern geht auf in Jakob, ein Zepter erhebt sich aus Israel. (Num 24,17a) Er hat mich geführt und lassen gehen in die Finsternis und nicht in das Licht. Er hat seine Hand gewendet wider mich, und handelt gar anders mit mir für und für. Er hat mein Fleisch und Haut alt gemacht, und mein Gebein zerschlagen. Er hat mich verbauet, und mich mit Galle und Mühe umgeben. Er hat mich in die Finsternis gelegt, wie die Toten in der Welt. Er hat mich vermauert, dass ich nicht heraus kann, und mich in harte Fesseln gelegt. Und wenn ich gleich schreie und rufe, so stopft er die Ohren zu vor meinem Gebet. (Klagelieder Jeremiae)


Karsamstag

15. April

07.00 Uhr Hall i.T. Herz-JesuBasilika (ehem. Stiftskirche)

Eintritt frei.

During the Holy Week it is above all the singing of the early morning mass that impresses the people. The decor is simple with the altar uncovered. One can only see a big candelabrum, the six candles on the altar and in the middle of the choir there is lectern the “lessons� are sung from. In course of the church service the priest snuffs one candle after the other. At the end, the last candle is hidden behind the altar while the visitors are simulating some kind of tumult by knocking on their chairs in order to force the reappearance. (Report 16th century)

50 • 51


Hearing/Anhörung Text & Regie: Amir Reza Koohestani Mehr Theatre Group Mit Mona Ahmadi, Ainaz Azarhoush, Elham Korda, Mahin Sadri Co-Produktion: La Bâtie – Festival de Genève | Künstlerhaus Mousonturm (Frankfurt am Main) | BOZAR – Centre for Fine Arts Brussels Österreichische Erstaufführung Persisch mit Untertiteln

Männerbesuch in einem Wohnheim für Studentinnen? Unvorstellbar im Iran! In seinem Stück Hearing nimmt der iranische Theatermacher Amir Reza Koohestani dieses Gerücht zum Anlass für eine Anhörung und die darauf folgenden Schuldzuweisungen. Er zieht uns in ein kafkaeskes Labyrinth von Gerüchten und Bezichtigungen, Text- und Videofragmente fließen in- und durcheinander und die Grenzen zwischen Fakten und Erfindung verwischen zunehmend. Das Gespenst der Überwachungsgesellschaft verfolgt den Raum. Mit einfachen Mitteln und ohne klare Anschuldigungen erzählt er, welche lebenslangen Auswirkungen es haben kann, wenn man unter extremen und repressiven Bedingungen aufwächst.


Karsamstag

15. April

20.15 Uhr Hall i.T. Salzlager Anschließendes Gespräch Theater Dauer: ca. 70’

Karten Kat. I € 29 Kat. II € 19

Men in a female student residence? A no go in Iran! In Amir Reza Koohestani’s play, we see how a rumour can trigger a hearing and serious accusations. Using simple means and avoiding explicit allegations, he shows the life-long results that are possible for people growing up in a repressive society with extremist tendencies.

52 • 53


Merce Cunningham Sounddance (1975) Twyla Tharp The Fugue (1970) William Forsythe Steptext (1985) Ballet de Lorraine Österreichische Erstaufführung

Die französische Kompanie vertanzt die Stücke dreier großer Choreographen des 20. und 21. Jahrhunderts. Merce Cunningham bildet Anfangs- und Endpunkt des Festivals: Zu Beginn lässt Boris Charmatz in Roman Photo 50 Jahre Tanzgeschichte amüsant und spritzig Revue passieren. Am Ende sieht man Cunninghams Sounddance, das zu seinen beliebtesten Choreographien gehört, energiegeladen und stark. Tharp und Forsythe arbeiten in The Fugue und Steptext mit der Musik Bachs, mit der Fuge und Wiederholungen, rasant, spannend und bewegend.


Ostersonntag

16. April

20.15 Uhr Innsbruck Congress (Dogana) Tanz Dauer: ca. 80’ inkl. Pause

Karten Kat. I € 39 Kat. II € 29 Kat. III € 19

The French ensemble performs pieces by three great choreographers of the 20th and 21st centuries. Merce Cunningham marks the beginning and end: For starters, Boris Charmatz offers a lively and amusing retrospective of fifty years of dance in Roman Photo, while the finale takes the form of Sounddance, one of the most popular of all choreographies, energy-packed and powerful. In The Fugue and Steptext, Tharp and Forsythe work with the music of Bach, with the fugue and repetition.

54 • 55


Informationen & Karten Kartenbüro Adresse Schmiedgasse 5 6060 Hall in Tirol, Österreich Öffnungszeiten Mo-Fr, 09.00 – 12.00, 14.00 – 17.00 Uhr Telefon +43 (0)5223  /  53 808 E-Mail office@osterfestival.at

Karten •• österreichweit in allen Vorverkaufsstellen von Ö-Ticket •• In Innsbruck u.a. Innsbruck Ticketservice Burggraben 3, 6020 Innsbruck, +43 (0)512 / 5356 IVB Kundencenter Stainerstraße 2, 6020 Innsbruck, +43 (0)512 / 5307 500 •• In Hall u.a. Tourismusverband Region Hall-Wattens Unterer Stadtplatz 19, 6060 Hall i.T., +43 (0)5223 / 45 544 •• In allen Sparkassen und Raiffeisenkassen (österreichweit) •• Sowie im Internet www.osterfestival.at

ErmäSSigungen Rabatte und Ermäßigungen sind nicht kombinierbar. •• 50% Ermäßigung für junge Menschen unter 26 •• 50 % Ermäßigung für Rollstuhlfahrer sowie 20% für die Begleitperson •• 20% Ermäßigung auf zwei Karten pro Aufführung am 8., 13. und 16. April für TT-Club-Mitglieder •• 20% Ermäßigung auf zwei Karten pro Aufführung am 8. und 14. April für Presse-Club-Mitglieder •• 10% Ermäßigung auf zwei Karten pro Aufführung für Ö1 Club-Mitglieder

ABO: Mehr Veranstaltungen = Mehr Rabatt Bonusstufe 1 Bonusstufe 2 Bonusstufe 3

5-6 Veranstaltungen 7-8 Veranstaltungen ab 9 Veranstaltungen

= 15 % Rabatt = 20 % Rabatt = 25 % Rabatt


Kultur schenken Unsere Gutscheine sind in beliebiger Höhe ausstellbar, für 3 Jahre gültig und können bei allen Veranstaltungen des Osterfestival Tirol eingelöst werden. Gutscheine können Sie im Kartenbüro und telefonisch erwerben.

Kulinarik Die Kunstpause Innsbruck verwöhnt Sie bei Veranstaltungen im Salzlager ab 19.00 Uhr, sowie im Anschluss mit besonderen Spezialitäten aus aller Welt.

Barrierefreiheit Das Osterfestival Tirol ist bemüht, einen barrierefreien und unkomplizierten Zugang für alle Menschen zu gewährleisten. Wir bitten Sie, sich bei Fragen rund um die Barrierefreiheit telefonisch im Kartenbüro zu melden. Wir unterstützen Sie gerne bei der Planung Ihrer Anreise bis zur richtigen Platzwahl.

Spielstätten Salzlager Hall, Saline 18, 6060 Hall i.T. •• Das Salzlager Hall erreichen Sie in zwei Minuten von der Autobahn A12, Ausfahrt Hall Mitte oder direkt über die Bundesstraße B171. Rund um das Gelände stehen ausreichend Gratis-Parkflächen sowie eine gebührenpflichtige Parkgarage zur Verfügung. •• Öffentliche Verkehrsmittel: Der Bahnhof Hall i.T. sowie die Bushaltestelle der Linie 504 befinden sich nur wenige Gehminuten vom Salzlager Hall entfernt. Informationen und Fahrpläne: www.vvt.at. Congress Innsbruck, Rennweg 3, 6020 Innsbruck Das Congress Innsbruck erreichen Sie über das Leitsystem der Stadt Innsbruck. Mit dem Zusammenschluss der City Tiefgarage stehen Ihnen über 700 Parkplätze zur Verfügung (kostenpflichtig). Hofkirche / Volkskunstmuseum, Universitätsstraße 2, 6020 Innsbruck Leokino, Anichstraße 36, 6020 Innsbruck Theologische Fakultät Innsbruck, Karl-Rahnerplatz 1, 6020 Innsbruck Pfarrkirche Hall i.T., Pfarrplatz 1, 6060 Hall i.T. Herz-Jesu-Basilika (ehem. Stiftskirche) Stiftsplatz, 6060 Hall i.T.


JETZT BUCHEN:

OSTERFESTIVALPACKAGE TIROL 2017 INKLUSIVLEISTUNGEN: ➜ 2 ÜN in der Region Hall-Wattens ➜ Eintrittskarte für eine Veranstaltung des Osterfestivals ➜ Stadtführung Hall in Tirol ➜ Eintritt Münze Hall in Tirol und Münzerturm Buchbar nur ab EUR 100,– unter www.hall-wattens.at/osterfestivalpackage TOURISMUSVERBAND REGION HALL-WATTENS office@hall-wattens.at, www.hall-wattens.at

IROL STIVAL T,– p.P. E F R E T S O ab € 69 PACK AGE inkl. Frühstück

chtung chten 1 Überna karte zur gewüns ts it 1 Eintr ltung ges.com Veransta ck-packa ru b s n n .i www

clusinfivo e Allw.iin nnsbruck.

CARD ww

INNSBRUCK TOURISMUS GRAFIK h. a.

dd 3

_final.in

x54_RZ

ard_85,6

_IBK-C

151116

Final_20

INNSBRUCK CARD – ALL INCLUSIVE • Inkl. einer „Per Pedes“ Führung • Freie Fahrt mit dem Sightseer-Bus • Eintritte in alle 18 Museen und Sehenswürdigkeiten • Freie Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und vieles mehr. Weitere Infos unter: www.innsbruck.info


.daneben .daneben ist eine Reihe von und mit Gerhard Crepaz, die Sie mit kleineren und größeren Impulsen in vergessene Welten abseits des Konsums verführt. .daneben hilft, die Inhalte der Veranstaltungen und das Thema des Festivals tiefer zu erfahren. Nähere Informationen unter www.osterfestival.at

Vor den Veranstaltungen des Osterfestival Tirol im Salzlager können Sie ab 19:00 Uhr auch speisen. Köstliche Leckereien aus aller Welt werden Ihnen von unserem Gastronomiepartner Kunstpause Innsbruck serviert.


Die gemeinsame Sprache der Menschheit. 2016/17 u.a. FELDMAN Patterns in a Chromatic Field SCHUBERT Sonaten B-Dur und G-Dur C. & R. SCHUMANN | BRAHMS Lieder Ensemble Phace, Ingrid Marsoner Peter Waldner, Herspèrion XXI, Jordi Savall

Werner Güra & Christoph Berner Karten zwischen € 19 und € 59, unter 26 Jahren -50%, für Ö1-Clubmitglieder - 10%. In allen ÖTicket-Vorverkaufsstellen sowie unter www.musikplus.at — office@musikplus.at Tickethotline +43(0)5223-53808.


Sommerszene 2017 20. Juni – 1. Juli

18.07. — 27. 08. 2017

INNSBRUCKER FEST WOCHEN DER ALTEN MUSIK Die Liebe, sprach sie ...

www.altemusik.at


Übersicht 11.03.– 08.04.

OrgelSPIEL � Samstags, 11 Uhr, Hall, Pfarrkirche

→14

26.03.– 09.04.

15 Orte � 15 Uhr, Hall und Innsbruck

→16

30. & 31.03.

Roman Photo � 20.15 Uhr, Hall, Salzlager | Eröffnung

→18

Sa 01.04.

Déplacement (2015) � 20.15 Uhr, Hall, Salzlager

→20

So 02.04.

Georg Philipp Telemann Markus-Passion � 19.30 Uhr, Hall, Salzlager

→22

Mo 03.04.

Dziga Vertov Der Mann mit der Kamera � 20.30 Uhr, Innsbruck, Leokino

→24

Di 04.04.

Spuren/T(h)races � 20.15 Uhr, Hall, Salzlager

→26

Mi 05.04.

Ross Lipman Notfilm Samuel Beckett Film � 19.30 Uhr, Innsbruck, Leokino

→28

Do 06.04.

Sciarrino wird 70 Morton Feldman � 20.15 Uhr, Hall, Salzlager

→30

Fr 07.04.

Buster Keaton The Cameraman � 20.30 Uhr, Innsbruck, Leokino 

→32

Sa 08.04.

Simplexity: La beauté de geste (2016) � 20.15 Uhr, Innsbruck, Congress

→34

Bildnachweise: S. 2/3 © Amir Hossein Shojaei; S. 4/5 © Franck Ferville; S. 6/7 © Franck Ferville; S. 8/9 © Substantia Jones; S. 15 Pirchner-Orgel 1999, Pfarrkirche Hall i.T.; S. 19 © Arturo Fuentes; S. 21 zVg; S. 23 zVg; S. 25 © Österreichisches Filmmuseum; S. 27 © Thomas Dorn; S. 29 © Österreichisches Filmmuseum; S. 31 © Mauro Fermariello; S. 33 © Österreichisches Filmmuseum; S. 35 © Franck Ferville; S. 37 © Sabrina Flauger; S. 39 © Gregory Batardon; S. 41 zVg; S. 43 zVg; S. 45 © Substatia Jones; S. 49 © Franck Ferville; S. 53 © Amir Hossein Shojaei; S. 55 © Arno Paul Impressum Medieninhaber: OSTERFESTIVAL TIROL, Galerie St. Barbara, Schmiedg. 5, 6060 Hall in Tirol Gestaltung: © 2016 www.patrickbonato.com Übersetzung: Chris Marsh (außer S. 14, 16, 46 & 50). Druck: Alpina Druck GmbH Änderungen, Fehler und Irrtümer vorbehalten.


� Tanz/Performance  � Neue Musik  � Alte Musik  � Aktion/Film/Gespräch

So 09.04.

Oh du armer Judas � 20.15 Uhr, Innsbruck, Hofkirche

→36

Mo 10.04.

Je danse parce que je me méfie des mots � 20.15 Uhr, Hall, Salzlager

→38

Di 11.04.

Judas als Sündenbock � 19.30 Uhr, Innsbruck, Theolog. Fakultät

→40

Mi 12.04.

Amal Ramsis Forbidden � 20.30 Uhr, Innsbruck, Leokino

→42

Do 13.04.

Georg Friedrich Haas in vain � 20.15 Uhr, Hall, Salzlager

→44

Fr 14.04.

Karfreitags-Liturgie 15 Uhr, Hall, Herz-Jesu-Basilika

→46

Alessandro Scarlatti Johannes Passion � 20.15 Uhr, Hall, Salzlager

→48

Trauermette 07 Uhr, Hall, Herz-Jesu-Basilika

→50

Hearing/Anhörung � 20.15 Uhr, Hall, Salzlager

→52

Sounddance | The Fugue | Steptext � 20.15 Uhr, Innsbruck, Congress

→54

Sa 15.04.

So 16.04.

Wir danken unseren Förderern und Partnern:


osterfestival.at Ticket-Hotline +43 5223 53 808

Ă–sterreichische Post AG SP 02Z030674 S Galerie St. Barbara, Schmiedgasse 5, 6060 Hall i.T.

Folder Osterfestival Tirol 2017  
Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you