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MACH ES DIR SELBST

Hallo,

GRAicTh bIin S

HANDGEMACHTES AUS OSNABRÜCK

DR.PAS GRAFFITIKÜNSTLER

OLDIES BUT GOLDIES

UPCYCLING - DER NEUE TREND

THOMAS JANKOWSKI ZURÜCK ZU DEN WURZELN


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TITELTHEMEN 10

THOMAS JANKOWSKI Zur端ck zu den Wurzeln

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MACH ES DIR SELBST Handgemachtes aus Osnabr端ck

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DR. PAS Graffitik端nstler

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OLDIES BUT GOLDIES Upcycling als neuer Trend

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WAS IS NOCH DRIN? 4

Was geht ab?

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Arnaldos Blog

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Welt zu Gast

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OS.FERN

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Northern Greenhouse

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Der Flirtcoach

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Kreative Minderheiten als Motor der Gesellschaft

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Fit mit Dirk

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Impressum

„Einfach machen!“ Eine Stadt braucht Menschen, die etwas erschaffen. Dazu muss man nicht immer der größte Erfinder oder der kreativste Kopf sein. An diesem Punkt schaltet der ein oder andere meistens schon ab. „Ich kann sowas nicht, ich habe kein Talent für sowas“, ist dann meistens die Ausrede. Es gibt aber eine Eigenschaft, die über dem Talent steht: und das ist der Fleiß. Harte Arbeit und Zielstrebigkeit können mangelndes Talent immer ausgleichen. Das gilt vielleicht nicht für alle Künste und Tätigkeiten, aber für die Meisten. Als Kind hat man sich auch nicht ständig gefragt: „Kann ich das überhaupt?“ Man hat es einfach getan. Und wenn man auf die Fresse fiel, ist man halt wieder aufgestanden und hat es noch einmal versucht. Jedes Kind malt die kuriosesten Dinge auf Papier und trotzdem hängen diese Kunstwerke dann an den Kühlschränken und Bürowänden der Eltern. Wo, wann und warum diese Kreativität verloren geht, kann ich nicht beantworten. Aber ich kann sagen, dass es nie zu spät ist, wieder damit anzufangen. Der Sinn des Lebens ist es sicher nicht, auf der Couch zu sitzen und RTL zu sehen. Vielleicht sollte man an dieser Stelle einen großen deutschen Philosophen zitieren, H.P. Baxxter: „Beweg deinen Arsch!“ Am wichtigsten ist es, einfach anzufangen und vor allem am Ball zu bleiben. Wer stets auf halber Strecke schlapp macht, der wird seine Ziele auch nie erreichen. Viel Erfolg dabei! An diesem Punkt möchte ich mich außerdem für das tolle Feedback auf die erste Ausgabe bedanken. Es läuft zwar noch nicht alles rund, aber wir arbeiten daran. Ich freue mich über jeden neuen Leser. Für Fragen und Wünsche schickt mir gerne eine Mail: cowie@osnah.de James McKenzie Cowie (Herausgeber)

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Was geht ab?

Statements von Osnabrückern

Euer Magazin ist super, aber ich kann es nirgendwo finden und mein IPhone Display ist kaputt, kann nur die Hälfte lesen. Sven R. via Mail Der soll sich mal Gedanken über die Eintrittspreise im Stadion machen! Hammed K. via Facebook

Boah! Alter! Ich bin begeistert. Das hat gefehlt. Vielen Dank fuer euer Engagement fuer unsere Stadt. Das brauchen wir viel oefters. Allergroeßter Respekt! Kein halbherziger Dreck, sondern von Osnabrueckern fuer Osnabruecker. Interessante Themen, schoenes Layout, umsonst. Weitermachen. Timm S. via Facebook Reinhart Koselleck hat einmal untersucht, wie Geschichtsschreibung von Siegern und von Verlierern funktioniert und dabei festgestellt, dass die Unterlegenen langfristig die weiseren und klügeren Deuter der Vergangenheit sind: „Die Erfahrung des Besiegtwerdens enthält Erkenntnischancen, die ihren Anlass überdauern.“ ... da hat Reinhart wohl Recht aber er verpasst dann als Verlierer auch Prinz Pi! so nich Gewinnspielkommentar von Sören G.

facebook.com/osnahmagazin

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Arnaldo Latorre ist leidenschaftlicher Italiener, Inhaber und Pizzabäcker von La Chiesa an der Parkstraße in Osnabrück. Neben seiner Kochkunst wird er für seinen Humor, seinen Fußballsachverstand und seinen guten Wein geschätzt... Wer bei Arnaldo essen geht, bekommt nicht nur original italienisches Essen serviert, sondern wird auch ordentlich bespaßt. Hallo und herzlich Willkommen bei meiner zweiten Kolumne im OS.NAH. Heute erzähle ich Euch, warum ich zum bekanntesten Pizzabäcker Osnabrücks wurde. Vor genau dreißig Jahren, da war ich noch Schüler… Ich weiß es noch genau, als wäre es gestern erst gewesen... Da war an meiner Schule eine Projektwoche, in der wir uns irgendwo einen Job suchen sollten. Ziemlich schnell habe ich einen Job für die Projektwoche gefunden. (Schon damals habe ich, wenn ich was wollte, es bekommen. Man muss nur gut reden können). Ihr glaubt jetzt bestimmt alle, mein erster Job wäre in einer Pizzeria gewesen. Falsch. Ich fing an als Maurer. Mann, habe ich da gut Geld verdient :-) 5,- Deutsche Mark in der Minute! (Glaubt ihr nicht? Lest erstmal weiter!) Da könnt Ihr euch ja ausrechnen was ich in 5 Stunden verdient hätte. HÄTTE. Mein erster Arbeitstag war so: Ich kam rein und sagte: „Hallo ich bin Arnaldo!“ Ich konnte noch nicht mal meinen Nachnahmen

aussprechen, da sagte der Chefmaurer zu mir: „Junge, komm mal her. Hier sind 5,- DM. Hol uns fünf Flaschen Bier vom Kiosk und bring den Rest zurück!“ Ich dachte: „Boah, nicht mal eine Minute hier und der Meister geht mir jetzt schon voll auf den Sack.“ Ich sagte ihm: „Okay, mach ich doch gerne.“ (Schade, dass er mir nicht den Zehner gegeben hat...) Ich nahm das Geld und dachte mir: „Du Penner! Ein Arnaldo Latorre soll Bier holen?!“ Kannst Du vergessen, das Geld war hart verdient. Ich holte gar nichts. Ich ging einfach mit meinen 5,00 DM nach Hause. Schade, ich hätte gerne die doofen Gesichter gesehen, wie die auf das Bier gewartet haben. Maurer war also irgendwie nicht mein Ding, deshalb musste ich Pizzabäcker werden. Ich hoffe, die Kolumne hat Euch wieder gefallen! Ciao, Euer Arnaldo Latorre!

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DIE WELT Michael Nowatkowsky, 22, aus Polen, Lebensmitteltechniker Wieso hat es Dich nach Osnabrück verschlagen? Über Internet fand ich heraus, dass Osnabrück eine Friedensstadt ist und dass es hier viele gute Angebote für Migranten gibt. Deswegen wollte ich hierher kommen. Außerdem lebt seit 25 Jahren ein großer Teil meiner Familie hier. Sie haben mir geholfen, am Anfang Fuß zu fassen. Was ist Dein erster Eindruck von Osnabrück? Als ich nach Osnabrück kam, hat mich die Stadt sofort an meine Heimatstadt erinnert. Sie ist ungefähr gleich groß und das Stadtbild ist auch sehr ähnlich. Nur sprechen die Leute hier viel besser Englisch als in meiner Heimatstadt. Was ist hier noch anders als in Polen? In Polen habe ich ein gutes Abitur abgelegt und danach eine Ausbildung zum Lebensmitteltechniker abgeschlossen. Nach der Ausbildung gab es aber einfach keinen Arbeitsplatz für mich. Ich musste bei meinen Eltern wohnen. Ich bin nach Osnabrück gekommen, um hier endlich einen guten Job zu finden und auf

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eigene Faust leben zu können. Welche positiven oder negativen Überraschungen gab es für Dich bisher? Mir gefällt Osnabrück wirklich sehr gut. Die Leute sind so hilfsbereit und nett. Ich werde hier gar nicht als Ausländer, sondern als richtiger Osnabrücker behandelt. Als ich einige Zeit in London gelebt und gearbeitet habe, war das ganz anders. Hast Du schon einen persönlichen Lieblingsplatz in der Stadt? Ich fahre gerne nach Eversburg mit dem Bus. Dort gibt es gleich links neben der Wersener Straße einen schönen Park und einen kleinen Teich. Was sind Deine Pläne für die Zukunft? Im Januar beende ich den Deutschkurs und dann will ich am liebsten eine Ausbildung zum Rettungssanitäter beginnen. Wenn ich damit fertig bin und Geld verdiene, kann ich mir auch vorstellen, nebenbei ein Studium anzufangen. Interview: Rita Schmidt


ZU GAST Natalia Kuznetsova, 22, aus Čeljabinsk, Russland Wieso hat es Dich nach Osnabrück verschlagen? Ich mache hier ein Jahr als Au-Pair. In Russland habe ich Interkulturelle Kommunikation studiert und dabei auch Deutsch gelernt. Hier kann ich meine Sprachkenntnisse noch verbessern und die deutsche Kultur kennenlernen. Ich wollte dabei bewusst in eine kleinere Stadt, in der man sich gut zurechtfindet. Was ist Dein erster Eindruck von der Stadt? Die erste Woche hier war wirklich schwierig, weil ich noch niemanden kannte und großes Heimweh hatte. Mittlerweile habe ich über die Couchsurfing-Website viele Leute kennengelernt und mich eingelebt. Die Menschen in Deutschland reden aber sehr schnell. Da fällt es mir oft schwer, sie zu verstehen. Es ist aber ganz angenehm, dass es hier nicht so kalt ist wie in Russland. Da sind es im Winter oft minus 20 Grad. Welche positiven oder negativen Überraschungen gab es für Dich bisher?

Interview: Vivien Nikolic

Positiv überrascht hat mich, dass viele der typischen Klischees über Deutsche gar nicht stimmen. Sie sind zum Beispiel nicht so verschlossen und ernst, wie ich dachte. Meine Au-Pair-Familie ist sehr nett und offen und es wird viel gelacht. Außerdem ist es wirklich sauber hier. Ich glaube das ist der größte Unterschied zu meiner Heimatstadt. Hast Du schon einen persönlichen Lieblingsplatz in der Stadt? Ich habe früher professionell Leichtathletik gemacht und treibe immer noch viel Sport. Deshalb bin ich froh, dass es in der Nähe meiner Wohnung eine schöne Allee und einen Wald gibt. Da gehe ich oft mit dem Hund meiner Gastfamilie joggen und genieße die Ruhe und die Natur. Was sind Deine Pläne für die Zukunft? Erstmal freue ich mich auf das kommende Jahr. Ich bin gespannt darauf wie hier Weihnachten und Ostern gefeiert wird. Nach meinem Au-Pair-Jahr möchte ich noch weiterstudieren, vielleicht in Deutschland oder anderswo in Europa.

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OS.FERN - KAI HOCHOW IN

SINGAPUR Bestand meine bisherige Asien-Erfahrung nur in Form von Bestellungen bei Asia Bambusstäbchen in der Meller Straße (Schweinefleisch süß-sauer!), sollte dieser Zustand ab August 2013 in Form eines Auslandssemesters an der Nanyang Technological University in Singapur grundlegend geändert werden. Text und Fotos: Kai Hochow Der direkt an Malaysia angrenzende Stadtstaat mit über 5 Millionen Einwohnern ist als Finanzmetropole vor allem für seinen Reichtum bekannt und wartet in Downtown mit einer beeindruckenden Skyline auf. Die für asiatische Verhältnisse relativ hohen und mit europäischen Großstädten vergleichbaren Lebenshaltungskosten, das tropische Klima ohne spürbare Jahreszeiten und die enorme kulturelle Vielfalt sind weitere Merkmale für die „Löwenstadt“. Innerhalb kürzester Zeit kann man beim Besuch im arabischen Viertel, Little India und Chinatown, die verschiedenen Einflüsse Singapurs kennenlernen und Einblicke in die Eigenarten der jeweiligen Herkünfte und Religionen

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erhalten. Das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlichen Glaubens auf dem in Singapur sehr begrenzten Raum ist in dieser Form sicherlich einzigartig. So überrascht auch ein mitten in Chinatown gelegener Hindu-Tempel nicht. Durch das Dasein als kultureller Schmelztiegel verfügt Singapur zudem über eine äußerst abwechslungsreiche Küche. Auch für den kleinen Geldbeutel ist in einem der unzähligen Foodcourts für jeden Geschmack etwas dabei. Soweit zu den allgemeinen Fakten. Aber wie gestaltet sich das Leben als Europäer in einem asiatischen Land? Durch die englische Amtssprache wird man zumindest im Bereich der


Kommunikation vor keine großen Hürden gestellt, auch wenn das von den Singapurern gesprochene „Singlisch“, eine Art Mischform aus dem Englischen gepaart mit einem Hauch chinesischer Aussprache, zunächst mehr als gewöhnungsbedürftig ist. Die Einwohner sind an Touristen und westlich aussehende Menschen gewöhnt, besonders gemustert wie in manch anderen asiatischen Ländern wird man als Europäer daher nicht. Singapur genießt weltweit den Ruf, besonders sauber zu sein, was in weiten Teilen der Stadt auch tatsächlich zutrifft. Vor allem Downtown, in dem sich neben dem Finanzgeschäft auch ein Großteil des Nachtlebens abspielt, ist hochmodern und herausgeputzt. Für meinen Geschmack in mancher Hinsicht sogar zu sehr und es kommen Momente auf, in denen ich mir etwas mehr „Seele“ und weniger Schein wünsche und eine Atmosphäre wie beispielsweise in der Kleinen Freiheit herbeisehne. Das hiesige Leben ist strukturiert, organisiert und zielstrebig. Dafür sorgt auch der Staat selbst, der stets die weitere Entwicklung im Blick und zum Ziel hat und neben dem sozialen Wohnungsbau, in dem ethnische Gruppenquoten eingehalten werden um Ballungszentren zu vermeiden, auch die Presse und Medien reguliert. Davon abgesehen lohnt sich in jedem Fall der zweite Blick abseits der Touristenpfade. Vor al-

lem in den angesprochenen kulturellen Vierteln wie Chinatown oder nahe der Arab Street finden sich interessante Bars und auch die lokale Künstlerszene ist in diesen Arealen vertreten. Auch musikalisch ist man hier besser versorgt, zumal in den Clubs in Downtown überwiegend „Charts“ gespielt wird. Die meiner Meinung nach bisher beste Musik lief überraschender Weise am Pool auf dem weltbekannten Marina Bay Sands Hotel. Classics aus den Neunzigern von A Tribe Called Quest, De La Soul oder den Beastie Boys hatte ich dort oben wahrlich nicht erwartet. Singapur bietet sich durch den westlichen Standard als perfekter Start für Asien-Neulinge an. Wen dann das Reisefieber packt, kann von hier aus günstig tiefer in den vielseitigen Kontinent eintauchen. Ob Bali, Kambodscha oder Vietnam – die Reihe der schnell zu erreichenden Reiseziele ist schier unzählig. Fest steht: Singapur und vor allem Asien hat mehr zu bieten als Schweinefleisch süß-sauer. Weitere Fotos und Berichte: www.alltheplaces.net/asia

Du möchtest einen Reisebericht schreiben? Dann melde Dich bei uns: redaktion@osnah.de

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TH

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HOMAS JANKOWSKI „ZURÜCK ZUR WURZEL“ Text und Fotos: James Cowie Nach der Schule wollte Thomas eigentlich Kunst studieren, hat aber stattdessen erst einmal eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann im Schallplattenladen gemacht und nebenbei gemalt. Damals merkte er aber schon, dass das Leben als Angestellter nichts für ihn ist.

Viele kennen den sympathischen Typen mit den Rastas wahrscheinlich aus dem Mondflug, die Älteren noch aus der Qulisse. In die Gastronomie ist Thomas allerdings eher zufällig reingerutscht, im Grunde ist er Künstler.

Mit 18 zog es ihn zum ersten Mal an die Plattenteller eines Clubs in Bad Iburg, später auch ins Cincinatti. Schallplatten wurden zu seiner Leidenschaft. Bei einer Ausstellung, wo er ein paar Arbeiten vorstellte, lernte Thomas Andreas kennen, der damals als Auftragsmaler unterwegs war. Sie verstanden sich gut und fingen an, Auftragsarbeiten zusammen zu bearbeiten. Der erste lukrative Auftrag war in Mühlheim an der Ruhr, bei Olymp und Hades. Zwei große Wände, jeweils 17x2,5 m. Dafür gab es dann 70.000 DM, für sechs Wochen Arbeit. „Da dachte ich mir: Cool! Jetzt mache ich erst mal gar nichts. Allerdings sprach sich die gute Arbeit im Einkaufszentrum herum und schon kamen die nächsten Aufträge. Und noch mehr Geld. Da dachte ich mir, was soll ich da noch Kunst studieren?“, sagt Thomas mit einem Lachen.

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Der neue Auftrag bestand darin, die Rolltore des Einkaufszentrums zu bemalen. Da Thomas und Andreas nur abends und nachts arbeiten konnten dauerte das Ganze dann etwas länger. Vielleicht aber auch deshalb, weil die Beiden aus Langeweile tagsüber manchmal in der Kneipe versackten und dann abends nicht mehr malen konnten. Sie wohnten einen Monat bei einem Typen, der Andreas dann auch mit anderen Rauschmitteln versorgte. Dies führte dazu, dass er anstatt der skizzierten Gänse auf einmal Elefanten an die Tore malte. Thomas musste den restlichen Auftrag dann alleine zu Ende bringen und ihre Wege trennten sich.

Die erste Galerie Nach einer Weile eröffnete er dann seine erste Galerie in der Martinistraße, Die Galerie an der Blitzanlage. Als Gag hat er den „Opfern“ der Blitzanlage ihre Beweisfotos zu Kunstwerken verarbeitet. Ein Redakteur der Presseagentur fand das Ganze witzig und machte ein Foto von Thomas´ Atelier. Es dauerte nicht lange bis die BILD und RTL vor der Tür standen. Auf einmal wurde der „Freak“ auch von seinen Nachbarn nett begrüßt. Ein Ladenbauer war begeistert von seiner Arbeit und bot Thomas ein paar Aufträge auf der Internorga, einer Hotel- und Gastronomiemesse in Hamburg, an. Auch dies führte zu weiteren Aufträgen und diese zu noch mehr Aufträgen. Schließlich wurde ein größeres Atelier in Voxtrup bezogen. Als es dort dann auch zu eng wurde, mietete Thomas einen Raum an der Neulandstraße, die „Qulisse“.

Als dann monatlich gefeiert wurde, stand das Ordnungsamt vor der Tür. Keine Konzession, keine Party, hieß es dann. Aus Wut und Trotz baute Thomas die Location schließlich um. Das Atelier wurde kleiner und der Club Qulisse entstand, diesmal mit Konzession. Der Zeitpunkt passte gut. Die meisten Malaufträge waren für Firmen, die immer wieder dieselben Motive für ihre neuen Filialen in Auftrag gaben. „Das hat mich dann irgendwann genervt“, sagt Thomas. Partys schmeißen war der neue Reiz, das machte mehr Spaß.

„Es ist okay, wenn jemand sagt: Mal mir mal einen Hirsch. Ich mache das dann wohl, aber nur auf meine Art.“

Multitasking Die Qulisse lief top, die Konzepte kamen super an und belebten die damals eher einfallslose Clublandschaft in Osnabrück. Ein Jahr später übernahm er das „Büro“ in der Karlstraße. Das Mondflug war geboren. Wenig später startete Thomas, inspiriert durch zahlreiche Spanienbesuche, die Tapasbar „Pferde haben keine Flügel“ am Nikolaiort und schließlich noch das Restaurant „Wale träumen vom Fliegen“. Sein einziger gastronomischer Misserfolg bis dato, gibt er offen zu. Auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen, empfand Thomas schließlich als Problem. Vier Läden gleichzeitig zu führen ist schwierig, wenn man gerne die Kontrolle behalten möchte.

Ab ins Nachtleben

„Ich bin nicht der typische Chef. Über 100 Angestellte zu haben, das war nichts für mich. Ich bin eigentlich eher ein Chaot.“

Nach einer Weile brachte ihn ein Freund auf die Idee, mal eine Party in den Räumen zu veranstalten. Eine Theke für seine Gäste hatte er vor einer Weile eh schon eingebaut. Gesagt, getan. Die erste Party lief ganz gut, die nächste noch besser.

Einen Laden zu erschaffen, das reize ihn. Das Tagesgeschäft weniger. „In der Kunst ist es ja auch so, ich male ein Bild, dann ist es fertig, danach mache ich wieder was Neues. Ich plane auch nie weit voraus, eigentlich lebe ich von Tag zu Tag.“

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Also verkaufte er die Tapasbar, das Restaurant und die Qulisse und führte nur noch das Mondflug weiter. Zwischendurch hat er immer wieder Malaufträge angenommen, aber nur die, die ihm auch gefallen haben. Mit Auftraggebern wie Enchilada und viel kreativer Freiheit war es reizvoll, sich wieder mehr auf die Kunst zu konzentrieren. „Es ist okay, wenn jemand sagt: Mal mir mal einen Hirsch. Ich mache das dann wohl, aber nur auf meine Art. Eigentlich mache ich alles immer auf meine Art, egal, was mir jemand dazu sagt, sei es in der Kunst, in der Gastronomie oder beim Auflegen. Bei den meisten Projekten, die ich gestartet habe, rieten mir immer Leute davon ab. Sie sagten: Mach das nicht. Oder: Das kann nicht funktionieren. Aber wenn ich von etwas überzeugt bin, dann mache ich das einfach.“ Wenn Thomas an eine Idee geglaubt hat, hat er sie auch realisiert. Nachgerechnet hat er vorher meistens nicht. „Zahlen interessieren mich weniger“, erklärt er. Geld verdienen ist für ihn schön, aber es ist nicht das Wichtigste. Wenn ihm ein Auftrag oder der Auftraggeber nicht zusagt,

dann lehnt er halt ab. „Wenn ich keinen Bock auf den Auftrag habe kann ich auch keine gute Arbeit abliefern und das ist mir wichtig.“ Oft war er einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Gleich zu Anfang seiner Künstlerkarriere in den Goldtopf zu greifen und immer genug Aufträge haben, ist natürlich auch glückliche Fügung. Von Geldsorgen, wie sie viele Künstler plagen, ist Thomas weitestgehend verschont geblieben. Und wenn er dann doch in finanzielle Nöte kam, dann hat es seinen Erfindungsreichtum gestärkt.

Die Ibiza Situation So erzählt er mir von einem Urlaub auf Ibiza, kurz vor seinem ersten großen Auftrag. Er und sein Kumpel flogen mit 1000 DM Taschengeld auf die Insel, One Way! Gleich zu Beginn des Urlaubs wurde ihnen das gesamte Geld am Strand geklaut und sie waren mittellos. Alles was sie noch hatten waren ihre Klamotten, Malsachen, Gitarre und Mundharmonika. Tagsüber versuchten die Beiden, kleinere Malaufträge an Land zu ziehen, malten in den Gassen mit selbstgemachten Farben, aus

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Sand, Gewürzen und Eigelb. Abends sangen sie vor den Restaurants und Cafés für die Touristen. Die Nächte verbrachten sie auf Booten. Das Geld wurde allerdings nie gespart, sondern direkt in den Bars verprasst. Von Tag zu Tag leben halt. Durch Zufall landeten die Beiden dann schließlich im Fernsehen, im Balearen TV. Als Statisten bei einer Band, die gerade einen Hit hatten. Dadurch folgten dann noch ein paar weitere Auftritte auf Volksfesten und das Geld für den Rückflug war schließlich beisammen.

„Man kann immer was machen. Ich verstehe die Leute nicht, die Zuhause auf der Couch sitzen und vom Amt kassieren. Irgendwie kann man immer Geld verdienen, man muss einfach machen!“

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Manchmal ist ein Schritt nach vorne auch der Schritt zurück, zurück zu den Wurzeln. Nach zehn Jahren gibt Thomas nun das Mondflug in neue Hände und wird sich wieder ausschließlich der Malerei widmen. Der Mietvertrag für das neue Atelier ist schon so gut wie unterschrieben. Eine Theke wird er aber erst mal nicht einbauen, hat er mir versichert.


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Mach es dir

selbst

HANDGEMACHTES AUS OSNABRÜCK

Foto: Nadine Vieker

Text: Rita Schmidt

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„Rockabilly bis ins Detail“

Foto: Nadine Vieker

Foto: Nadine Vieker

Kennen Sie die Bezeichnung „kleinkariert sein“? Es steht für engstirniges, spießbürgerliches Denken. Das Label Kleinkariert aus Osnabrück hat mit dieser Definition nichts am Hut. Wenn man in das Atelier von Nadine Vieker, der Gründerin von Kleinkariert, tritt, wird man von einer Farbenflut überwältigt. Seit 2009 kreiert das Label Schmuck und Kleidung im Stile der 50er Jahre und stößt mit den farbenfrohen, kreativen und außergewöhnlichen Designs auf stetig wachsende Resonanz. Nicht nur die Detailverliebtheit ihrer Unikate zeichnet Nadines Label aus, sondern auch ihre Methode des Upcyclings. Ketten, Ringe und Ohrringe bestehen aus altem (Sammler-)Spielzeug und die Röcke und T-Shirts aus mindestens einem alten Stoff aus den 50er Jahren herum. Fündig wird Nadine auf Flohmärkten, in Second- Hand- Läden oder

KLEINKARIERT

bei Freunden, die Stoffe von Reisen mitbringen. Kleinkariert schafft sozusagen Rockabilly-Designs der Gegenwart. Wie kam es dazu? „Ich war schon immer ´ne kleine Rocklady. Als ich 14 war hatte ich lila Haare und Dreadlocks“, sagt Nadine „und ich komme aus einem Selbermacher-Haushalt. Meine Oma hat gestrickt und meine Mutter hat genäht.“ Da Nadine ihre Designs auch selber trägt, wurden schnell Freunde und Bekannte darauf aufmerksam und aus dem Freizeithobby wurde ein lukratives Nebengeschäft. Mittlerweile ist das Label nicht mehr nur auf Messen quer durch Deutschland vertreten, sondern bietet seine ästhetischen Kostbarkeiten vermehrt im Einzelhandel wie zum Beispiel im Laden „made in osnabrueck“ an. Wer den ausgefallenen Messestand von Kleinkariert selbst begutachten möchte, der geht am 9./10. November zum Martins-Markt auf dem Ferienhof Groneick in Gehrde. Wer nicht bis dahin warten möchte, informiert sich unter www.kleinkariert-klunker.de oder bei DaWanda.

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DIELINGER

Text und Fotos: James Cowie

Max Schriever, der autodidaktische Feierdrache Es ist Samstagabend, ich betrete eine chaotische aber stilvolle Wohnung in der Altstadt von Osnabrück. Unzählige leere Flaschen zeugen von einer langen Partynacht und auch das Gesicht meines Interviewpartners spricht Bände. „Wer feste arbeitet, darf auch feste feiern!“ Ich sprach mit Max über sein neues Label „Dielinger“.

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Wie bist Du dazu gekommen T-Shirts zu machen? Ich habe vorher schon ein kleines Label gehabt im Paintball-Bereich. Als Grafiker bin ich da auch aktiv, aber ich hatte irgendwann keine Lust mehr ständig neue Kunden zu suchen. Jetzt habe ich einfach wieder Bock Klamotten zu gestalten, was zum Anziehen zu haben was von mir selbst ist und nicht immer nur Klamotten von der Stange zu tragen. Warum selber Siebdrucken und nicht nur gestalten und das Drucken einer Firma überlassen? Vor allem hab ich einfach Bock drauf was mit den eigenen Händen zu erschaffen. Ich möchte auch nicht jemand anderen einen Großteil der Fertigung überlassen. So kann ich von Anfang bis Ende die Kontrolle über die Qualität behalten und habe das Resultat selber in der Hand. Es ist mein Anspruch, dass bei diesem Projekt alles handgemacht ist. Abgesehen von den Textilien, die kaufe ich fertig ein. Ich habe schon immer gerne selber gebastelt und mir viele Dinge einfach selber beigebracht.

Welche Produkte planst Du? Geplant sind T-Shirts, Tanktops für Mädels, Pullis und natürlich der allgegenwärtige Beutel. Klassische Schnitte, einfache monochrome Drucke, wie schwarz auf weiß. Bei den meisten Klamotten ist mir zu viel los. Ich finde, mit einem etwas simpleren Look ist man manchmal besser bedient. Wie sieht der Produktionsablauf aus? Also am Anfang steht natürlich die Ausarbeitung eines Entwurfs. Dieser wird dann auf eine Folie gedruckt. Dann beschichtet man ein Sieb mit einer Fotoemulsion, dies muss in einer Dunkelkammer passieren, dann wird das Motiv der Folie auf das Sieb belichtet. Die Emulsion, welche nicht mit dem Motiv verdeckt ist, härtet aus. Den Rest kann man dann auswaschen. Was bleibt ist also das Motiv auf dem Sieb, eine Art Schablone durch die man drucken kann. Jetzt kann man das Textil auf die Maschine ziehen, legt das Sieb auf den Träger und presst die Farbe hindurch. Danach muss das Ganze noch mittels Hitze fixiert werden. Fertig!

facebook.com/dielinger OS.NAH NOVEMBER 2013 | 19


LIEBLINGSBUCHMACHER „Es war einmal, vor langer Zeit…“ Wir alle kennen und lieben sie: gute Kindergeschichten. Von Hanni und Nanni, TKKG bis hin zu den Drei ???. Doch bei den meisten von uns verstauben die Kinderbücher auf den hintersten Regalreihen. Wer aus längst vergessenen Zeiten neue Erinnerungen machen will, der fragt ihn: den Lieblingsbuchmacher.

Mehr Auswahl und Infos gibt es unter www. lieblingsbuchmacher.de. Wer ihn einmal live erleben möchte, geht am 24.11. auf den Weihnachtsmarkt in Gretesch.

Foto: Michael Beyer-Rother

Seit zwei Jahren bastelt der Lieblingsbuchmacher Michael Beyer-Rother in seiner Freizeit an alten Kinderbüchern. Angefangen hat es damit, dass seine Frau eine Buchbindemaschine gekauft hat. Irgendwann hat es ihn dann selbst gereizt, etwas Kreatives zu machen. Seine Wahl fiel auf Kinderbücher, „weil mich diese alten Cover und Titel schon immer fasziniert haben. Je abgedrehter, desto besser“, sagt er. Die alten Bücher bekommt er von der MÖWE, die mittlerweile extra für ihn sammelt, von Flohmärkten oder

Text: Rita Schmidt von den Kunden selbst. Wenn wieder eine neue Kiste voller alter Bücher vor ihm steht, „dann setze ich mich mit einer Tasse Tee davor, sehe sie durch und lache mich manchmal schlapp, wenn Bücher mit Titeln wie ‚Birgit schafft sie alle‘ auftauchen“, so Michael. Die Bücher recycelt er zu 100%. Die Hardcover verwendet er, um Notizbücher oder Terminkalender anzufertigen und aus dem alten Papier macht er Briefumschläge, Gutscheine oder Postkarten. Weil gerade die Notizbücher auf sehr viel Anklang stoßen, sind sie bereits dauerhaft in Osnabrück in den Läden „made in osnabrueck“ und „Schöngeist Dekoration“ oder in Münster im „Jippieh“ zu finden.

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FEIER D IE HE I S S E ST E PAR TY D ER STA DT . NEO | club & cuisine Pagestecherstraße 48 49090 Osnabrück Fon Fax:

0541 68553855 0541 68553854

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kontakt@neo-cc.de www.neo-cc.de facebook.com/neoosnabrueck

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Wer steckt hinter der wohl umstrittensten Kunstform der Neuzeit? Handelt es sich überhaupt um Kunst oder ist Graffiti, wie uns jeder verärgerter Bürger bestätigen wird, nur Vandalismus? Ich hatte das Glück mich im letzten Monat mit einem Protagonisten der Osnabrücker Sprüherszene unterhalten zu können und einigen Fragen, die mir auf der Seele brannten, auf den Grund gehen zu können.

INTERVIEW MIT

DR. PAS

Text: Steve Weber Fotos/Illustration: Dr. Pas Als wir uns trafen, erwartete ich eigentlich einen Menschen mit weiten Jeans und umgedrehter Baseballmütze – gebt es zu – wir denken alle in Klischees. Stattdessen kam mir ein freundlicher adrett gekleideter und gar nicht mehr so junger Herr entgegen. Freundliches Lächeln und intelligente Augen – der Traum einer jeden Schwiegermutter, welchen wir von nun an respektvoll mit Dr. Pas anreden. „Die Wüste, die Wüste“, natürlich nicht die Sahara sondern der westliche Stadtteil Osnabrücks, war es laut Dr. Pas, der ihn in jungen Jahren prägte. „In der Schule schon fing ich an zu zeichnen, da ich ein großer Comic- und FilmFan war und bin. Und es waren vor allem jene Figuren, die den Weg auf mein Zeichenpapier fanden. Ich konnte schon besser zeichnen als meine Klassenkameraden“, sagt er nicht ohne ein spitzbübisches Lächeln. „Und dann sah ich

überall in meinem Stadtteil Buchstaben an den Wänden kleben, das wollte ich es dann auch mal versuchen.“ Was erst kläglich scheiterte wurde mit der Zeit immer besser. Dr. Pas gibt an dieser Stelle den Tipp, dass Neulinge zuerst viel zeichnen und sich mit den Basiskenntnissen ausein-


andersetzen sollten. „Wie ein Buchstabe aufgebaut ist, ist wichtig. Guckt euch die Buchstaben an und verändert erst, wenn ihr das begriffen habt, die Dynamik und macht das Ganze wilder.“ Dr. Pas redet nun wie ein Professor von seinem Fachgebiet und

ich würde mich mit Freude in eine seiner Vorlesungen setzen. „Ja, ich war viel unterwegs.“, kommt seine Antwort schnell auf die Frage, wo ihn die Malerei hingebracht habe. „Ich sehe mich mittlerweile als Kosmopolit und habe Freunde auf der ganzen Welt.“ L.A., New York, Istanbul nennt er als wichtige Stationen. „In New York gingen wir einfach in das Tattoo Studio einer Graffiti-Legende und sprachen CES, so heißt er, an.“ Ziemlich aufregend sei das gewesen. Der Meister wollte erst einmal ihr Blackbook sehen. So nennen Sprüher ihr Skizzenbuch, welches wie ein Heiligtum behandelt wird und neben Zeichnungen auch Fotos der Kunstwerke enthält. Dann die Überraschung. Der New Yorker, überzeugt von den Sprühkünsten der beiden, lädt sie spontan in seine Hall of Fame ein (eine private und legale Wand auf der nur die Besten sich verewigen dürfen) – ein Ritterschlag. Seit mindestens zehn Jahren sprüht Dr. Pas nun ausschließlich legal und hat seine Berufung gefunden. „Ich lebe komplett von Aufträgen, bucht mich und ich verschönere, verziere, verändere. Von A wie Autogarage bis Z wie Zwischenwände.“ Aus dem Professor von vorhin mutiert kurzerhand zum junger BWLer. Auf die Ausgangsfrage, ob das Ganze nun Kunst oder Vandalismus sei, findet auch Dr. Pas keine richtige Antwort. Na klar gäbe es auch die 14-jährigen Vandalen, aber mit denen habe er mittlerweile weder was gemein noch könne er das gutheißen, da solche „Kids“ auch immer sein Ansehen mit runterziehen würden. Dennoch kann er natürlich die Anziehung verstehen. „Jeder war mal jung und hat Blödsinn gebaut. Viele kommen da selber hinter und nutzen im besten Fall ihr bis dahin angeeignetes Wissen für ihre Zukunft und werden z.B. Grafiker oder sogar Lackierer.“ Jetzt also ganz der Sozialarbeiter, denke ich mir. Sehr vielfältig, sehr vielfältig. Kurz bevor Dr. Pas geht sagt er augenzwinkernd: „Von fünfzig, die anfangen, wird einer Künstler.“ Und das wäre doch schon mal was.

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Wie kommt es, dass zwei Bremer eine Party in Osnabrück veranstalten? Wie es so typisch ist für Osnabrück: Das Studium hat Baris in die Studentenstadt verschlagen, wodurch für uns Bremen und Osnabrück in Frage kamen. Bei der Suche nach passenden Locations parallel in beiden Städten lief uns dann die Skatehalle über den Weg - es war Liebe auf den ersten Blick! Habt ihr vorher schon Partys gemacht? Gibt es Vorbilder? Bis 2010 haben wir, damals noch zu fünft, unter dem Namen *anbeigemengt Events für bis zu 2000 Gäste im Umland von Bremen veranstaltet. Damals wurde zu jedem Event ein völlig neues künstlerisches Konzept entworfen und monatelang geplant und vorbereitet – ein schier wahnsinniger Aufwand!

Beschreibt bitte Euer ja etwas außergewöhnliches Partykonzept. Wer ist Teil der Greenhouse? Um wirklich zu verstehen, was das Northern Greenhouse ist, muss man es wohl gesehen haben. Versuchen wir es trotzdem zu beschreiben: Wer sich dem Northern Greenhouse nähert, erkennt durch den glühenden Lampion am Eingang schon von Weitem, dass hier Wert auf Design gelegt wird. Gestärkt von einem Dünger und Leckereien, die den Gast an der Kasse erwarten, wird der entspannte Außenbereich mit Lagerfeuer-Atmosphäre betreten. Hier könnte man durchaus länger verweilen, würden einen die treibenden Bässe aus dem Innenleben der Greenhouse nicht schnurstracks nach drinnen ziehen. Beim Betreten der Location fällt der Blick gleich auf das Kernstück des Greenhouses: Die gigantische Wand aus Bambuspflanzen,

G n r e h t Nor

vember feiert sie ih r Partyszene. Im No de in n he fse Au r paar Jahren fü ouse sorgt seit ein Northern Greenh Schon damals gab es da aber diese Sehnsucht, einen eigenen Laden mit festem Konzept zu eröffnen und sich nicht ständig selbst neu erfinden zu müssen. 2010 wurde dann vor allem aus Zeitmangel beschlossen, das Projekt *anbeigemengt vorerst aufzulösen. Unser Weg führte uns beide für ein Jahr ins Ausland, wo wir durch die Arbeit in verschiedenen Bars in Sydney lernten, wie Gastronomie hinter den Kulissen funktioniert. Nach der Reise durch Australien, Südostasien und die Türkei kamen wir inspiriert und voller Tatendrang zurück in die kalte Heimat. Das Northern Greenhouse ist gewissermaßen der Versuch, etwas tropischen Regenwald ins eisige Norddeutschland zu transportieren!

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die die Tanzfläche umrahmt und der Party den botanischen Flair verpasst. Neben der explodierenden Tanzfläche fallen außerdem ein extravagantes Lichtdesign und natürlich unser einzigartiger Schlagzeuger ins Auge. Wer Teil des Greenhouses ist? Ohne sich jetzt einschleimen zu wollen, müssen wir sagen, dass unsere Gäste einen sehr großen Teil zum Gesamtpaket der Greenhouse beitragen. Unser Publikum ist schlichtweg großartig, feiert ausgelassen und ist sozial – das kann man sich nur wünschen! Geprägt wird das Greenhouse natürlich von unseren Resident DJs: Trixa, Smiles, Dave Bodega und Jonspecta liegen ständig auf Lauer nach neuen Tunes und bringen die Leute mit Reggae, Dancehall, Worldbeat,

Hip Hop, Electro-Swing, Moombahton, Trap und Dubstep zu den Beats von unserem Hausdrummer Ugge immer wieder zum Ausrasten. Wie viele Pflanzen mussten schon ihr Leben lassen? Unglaublicherweise: Keine einzige! Die Leute haben großen Respekt vor den Pflanzen. Wie schafft man es in einer totgeglaubten Location eine erfolgreiche Party zu etablieren, habt ihr mit dem Erfolg gerechnet? Die Skatehalle ist natürlich eine Off-Location, aber genau das macht sie für uns so reizvoll. Wer zu uns kommt ist nicht zufällig da, sondern weiß genau wofür er den weiten Weg auf

e s u o h Green

. ämer, zu sprechen Özel und Max Kr ris Ba , rn he ac M n se eenhou g, einmal mit de / Foto: Northern Gr rtstag. Grund genu wie / Steve Weber Co es hren zweiten Gebu Jam w: vie ter In sich nimmt. Die Leute kommen gezielt zur Greenhouse – auch bei Schnee und Regen! Das war aber nicht immer so. Am Anfang hatten wir es uns zum Ziel gesetzt die Party innerhalb von fünf Monaten zum Laufen zu bringen. Zu Beginn gab es da schon Schwierigkeiten, da der Aufwand für jede einzelne Greenhouse sehr hoch ist. Doch die 5. Northern Greenhouse war dann ein voller Erfolg! Gibt es schon neue Pläne? Derzeit sind wir mit unserem Studium und der Northern Greenhouse gut bedient. Aber den einen und anderen Plan gibt es natürlich schon.

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DER FLIRTCOACH

TEIL 1

Dominik van Awe ist mehrfach ausgezeichneter Coach im Bereich der Kommunikation. Dazu gehört auch das sog. Dating, Flirten und Führen einer Beziehung. Er hält europaweit Vorträge zu diesen Themen und seine Coachings und Workshops sind weit vor Beginn ausgebucht. Für Euch hat er im OS.NAH ein paar Tipps zum Thema „Ansprechen“.

Ansprechen – Die bessere Variante Immer wieder muss ich in meinen Coachings folgende Situation beobachten: Ein Mann sieht eine hübsche Frau die Straße entlang laufen, er schaut ihr hinterher und lässt die Chance, sie kennenzulernen, vorbei ziehen. Abends in einer Bar oder einem Club muss er sich darüber hinaus viel „Mut“ antrinken, um überhaupt in der Nähe einer Frau den Mund aufzumachen. Was dann dabei herauskommt, sind entweder lächerliche Flirtsprüche, die nur witzig sind, wenn man sie seinem Kumpel erzählt. Sprüche, wie: „Ich hab meine Telefonnummer vergessen. Kann ich deine haben?“ Aber auch Frauen tun sich oft schwer, auf sich aufmerksam zu machen. Neben ihren non-verbalen Signalen, die sie dem Mann senden, kommen von ihnen so brillante Ideen, wie „ein Wasser bestellen“, wenn sie den Barkeeper heiß finden.

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Nun gibt es allerdings nicht DIE eine Technik, die immer zieht. Sowieso halte ich mich generell von Techniken fern und stelle lieber persönliche Wege heraus, die für jeden individuell zum Erfolg führen. Allerdings findest Du hier zusammengefasst vier Methoden, ein Gespräch zu eröffnen. Die Methoden sind so allgemein gehalten, dass Du keine Angst haben musst, jemand könnte dahinter eine böse Absicht vermuten. Darüber hinaus handelt es sich lediglich um Gesprächseröffnungen und diese haben nur einen Zweck: Ein Gespräch zu eröffnen. Die direkte Methode: Beim direkten Ansprechen startet man meistens mit einem Kompliment. Und dabei ist es wichtig, dass das Kompliment das ERSTE ist, was der Frau gesagt wird. Wenn ich meinen Teilnehmern in Coachings oder auf Workshops diese Aufgabe gebe, sehe ich dann oftmals leider, dass sich Männer für so wahnsinnig krasse Komplimente entscheiden, wie: „Das ist eine


schöne Handtasche.“ oder „Du kennst dich hier aber gut aus...“ Ich rede aber hier von richtigen Komplimenten. Dabei stellt sich die Frage, was gefällt Dir besonders an ihr? Ist es die Art, wie sie lacht? Ihre Haare? Ihr Style? Ihre Ausstrahlung? Vielleicht ist es sogar ihr Hintern oder Du findest sie generell sehr sexy. Sag ihr genau DAS! Was ist es, was dich so an ihr fasziniert hat, dass es den Impuls in Dir geweckt hat, sie einfach ansprechen zu müssen? Du wirst merken, dass genau dies das Richtige ist, weil Du es mit Emotion und Überzeugung aussprichst. Das Leuchten in Deinen Augen und das Adrenalin, was dann durch Deinen Körper jagt, werden Dir genau die richtigen Worte in den Mund legen. Die direkte Art des Ansprechens verlangt Dir also Eier ab, aber genau das ist es, was eine Frau sucht. Glaubst Du, eine Frau sucht einen Mann, der Angst davor hat sie anzusprechen? Sie sucht einen selbstbewussten Mann, der sie als Frau wahrnimmt. Und das kommunizierst Du, mit der direkten Methode. Wie oft höre ich von Frauen, dass sie sich einfach nur mal wünschen ganz normal von einem Mann angesprochen zu werden. Du brauchst dafür keine krassen Sprüche oder ein extrem hohes Energielevel. Du siehst eine Frau, die Dir gefällt, in einem Café sitzen? Dann geh zu ihr rüber und sag ihr etwas, wie: „Hi, ich hab dich hier gerade sitzen sehen und du gefällst mir, da dachte ich, ich komm mal rüber und sag hallo. Wie heißt du denn?“ Wichtig ist es, danach die Luft heraus zu nehmen. Also die aufgebaute Spannung zu reduzieren. Du musst bedenken, Du „überfällst“ die Frau mit Deinem Ansprechen gerade und sie ist nicht darauf gefasst. Leite das Gespräch also dann direkt auf eine neutrale Sache. Was macht sie hier? Mit wem ist sie hier? Was liest sie gerade? Wohin ist sie unterwegs?

Habe also eine normale Unterhaltung mit ihr, ohne Sprüche, Techniken oder Strategien. Du siehst also, Dein Einsatz hier ist hoch, aber dafür wirst du auch die krassesten Reaktionen bekommen und schnelle Erfolge ernten. Es ist generell nicht die Aufgabe einer Frau, einen Mann anzusprechen, mit dem Ziel ihn kennenzulernen, da es doch eher ein männliches Verhalten ist, Frauen zu beeindrucken, auf sich aufmerksam zu machen und den ersten Schritt zu machen. Aber auch Frauen wollen, dass ein toller Typ auf sie aufmerksam wird. Für Frauen, die gerne mal die Führung übernehmen oder einfach keine Lust mehr haben, dass der Kerl ihre „ganz offensichtlichen“ Signale nicht wahrnimmt, für die gelten dieselben Tipps zum Ansprechen wie für Männer. „Du gefällst mir. Lass uns was trinken gehen!“, ist ein super Satz, den Männer gerne hören. Wichtig aber dabei ist, dass ihr auch selbst bezahlt, sonst wirkt ihr eher wie ein sog. „Golddigger“, eine Frau, die sich abends in Clubs nur von irgendwelchen Typen aushalten lässt. Jedoch ist es nicht immer von Vorteil direkt vorzugehen. Wer es dazu etwas risikoärmer mag, für den habe ich noch weitere Tipps in der Dezemberausgabe! Wenn Du mehr darüber erfahren möchtest oder Fragen hast, dann schau Dir unseren Blog an. Auf www.authentic-charisma.de findest Du jede Woche einen neuen Artikel zu den Themen Dating, Lifestyle, Persönlichkeitsentwicklung und mehr. Oder schreib eine Mail an: dominik.vanawe@ authentic-charisma.de Für eine direkte und schnelle Hilfe, trag Dich hier ein: erfolg.authentic-charisma.de Bis dann, Euer Dominik.

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Oldies but Goldies: Upcycling als neuer TrenDd Upcycling ist ein relativ junger Trend und unterstützt ein umweltfreundliches und nachhaltiges Denken. Anstatt die alten Sachen, die nicht mehr gebraucht werden, wegzuwerfen, werden diese wieder neu benutzt, aber mit anderer Anwendung. Wer upcycelt wann, wo, wie und weshalb? Text: Sigrid Lehmann-Wacker Aus Alt mach Neu, aus einem Rock zwei, aus Ärmeln Handstulpen… Für Frau Kahlo sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Sabine Kahlo, studierte Malerin und Besitzerin von „Frau Kahlo´s Art” in der Bierstraße 7: „Wenn ich irgendwas sehe, was mir gefällt, dann sammel ich das. Alte Broschen, Spitzen, Bänder, Borten. Ich kann davon leben. Habe aber auch neue Ware und Secondhand. Nur von meinen Eigenkreationen zu leben, das ginge hier nicht. Dafür ist das Osnabrücker Publikum zu klein und (lacht) – auch nicht mutig genug. Leute, die in den Laden kommen, sehen meine Eigenkreationen, finden das dann toll, trauen sich aber nicht, die anzuziehen.” Upcycling ist auch die Maxime von Katrin Lazaruk, gelernte Gestalterin für visuelles Marketing und Steve McGuire, seit 28 Jahren frei schaffender Künstler. Seit vier Jahren führen Katrin und Steve den herrlich originellen Laden made in osnabrueck in der Redlinger Straße. Lampen aus Porzellantassen oder aus einer Waschmaschinentrommel, gebrauchte Skateboards, umfunktioniert als Garderoben, liebevoll bunt bemalte Tischchen. Steve: „Da wir davon leben, Ideen zu haben und diese fest zu halten müssen wir die Ideen

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schnell umsetzen, da Ideen ja mit Zeitgeist zu tun haben.” Die meisten Produkte sind von Katrin und Steve hergestellt, der Rest von anderen Anbietern. Hier gibt es die kultigen Taschen aus LKW-Planen von arthurkopf.de, Schmuck und Textilien (Nadine Viekers Modeabel Kleinkariert wird hier ebenfalls ausgestellt, siehe Artikel „Rockabilly bis ins Detail“ in dieser Ausgabe). Bei allen Produkten sei der Produktionsweg transparent, erklärt Steve. „Man kann in Erfahrung bringen, woher die Produkte kommen und unter welchen Bedingungen sie hergestellt worden sind, da wir nur mit Leuten aus der Umgebung, die wir gut kennen, zusammen arbeiten.” Für die meisten Kundinnen und Kunden von made in osnabrueck seien politische Gründe für eine Kaufentscheidung aber nicht vordergründig, so Katrin, gesucht würde überwiegend das Außergewöhnliche. Das Klientel von made in osnabrueck ist breit gefächert wie die gesellschaftliche Akzeptanz für Upcycling-Produkte im Allgemeinen. Upcycling-Läden, -Messen und -Workshops boomen.


Anleitung zum Selbermachen: Davids Workshops für Kinder und Jugendliche David Quitmann ist Student im Masterstudiengang „Kultur- und Non-Profit-Organisation” an der TU Kaiserslautern und u.a. seit 2005 im Kulturverein Basementsound e.V. aktiv. Dazu engagiert er sich als Leiter für Upcycling-Workshops an Schulen und in Jugendzentren. Dort wird mit den Kids aus vermeintlichem Müll alles Mögliche zusammengeschraubt, genagelt, gelötet und angemalt: Spielzeug. Lampenschirme, Kühlschrankmagnete usw. Auch wenn die Upcycling-Bewegung gerade trendy ist, ist Davids Interesse politisch motiviert. „Wir schmeißen zu viel weg. Die Mission ist, den Kids auf spielerische Art und Weise einen kritischen Umgang mit Ressourcen beizubringen.” Manche Jugendzentren halten die erstaunlichsten Materialien zum Verarbeiten wie Holzreste, einen Bauwagen oder gar eine Telefonzelle parat. Aus letzterer wurde eine „Tauschrauschbox” gebaut. Die Idee dahinter: Man tut allen möglichen Krams, den man nicht mehr braucht, in die Box, hier die Telefonzelle, und darf sich im Gegenzug herausholen, was man benötigt. Tauschrauschboxen werden in Großstädten schon oft mit Büchern gefüllt angeboten, David hat das Modell nun auf alles Mögliche ausgeweitet. Wir hoffen, dass es bald auch in Osnabrück Einzug hält! Wo Interessierte sich Inspiration für Upcycling-Modelle herholen könnten? Im Internet? In Upcycling-Läden?

David: „Wenn man interessiert ist und die Augen aufhält findet man schon bei sich zu Hause genug Sachen, die man bearbeiten könnte. Da braucht man gar nicht vor die Tür gehen.” www.upcycle-project.org

David vor einem Gewürzregal aus alten Europaletten. Der Plattenspieler wurde zu einer Uhr umfunktioniert.

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Trash or Treasure? Ein Umdenken findet nun auch in reichen Ländern statt Noch einmal zur Erinnerung: Beim Upcycling werden im Gegensatz zum Downcycling Abfallprodukte oder „nutzlose“ Stoffe nicht einfach nur in höherwertige Produkte umgewandelt. Bei dieser Form des Recyclings kommt es zu einer stofflichen Aufwertung. In armen Ländern wurde und wird aus wirtschaftlicher Not schon lange viel re- und upcyclet. In vielen Entwicklungsländern sind zum Beispiel Flechttechniken verbreitet, mit denen sich aus alten Gummi- und Plastikprodukten neue Produkte fertigen lassen. Während Upcycling in der sogenannten Wegwerfgesellschaft bis vor Kurzem kaum üblich war gewinnt es nun auch im ehemals satten Westen zunehmend an Bedeutung. Dies hat mehrere Gründe: Durch den Schwund natürlicher Ressourcen und stark gestiegener Energiepreise werden schon allein aus rein ökonomischen Gründen Stoffe re- oder upgecycelt. Immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten interessieren sich aus ökologischen Gründen für wiederverwertete Produkte, um mit ihrem Konsumverhalten dazu beizutragen, den Energieverbrauch zur Herstellung zu reduzieren. Auch werden durch kürzere Transportwege, dem Wegfall von aufwändiger Verpackung und der Vermeidung von ebenfalls energieaufwändiger Müllbeseitigung die Umwelt geschont. Unter den Bastlern ist der Spaß an kreativen Herausforderungen vorrangig. Einige haben auch einfach die 08/15-Konfektionsware satt und freuen sich über das Originelle an den Neuverarbeitungen. Manch einer kann sich aus nostalgischen Gründen nicht von der malerischen, aber kaputten Uralt-Badewanne trennen und funktioniert den Oldie deshalb kurzerhand in einen Blumenkübel um. Wer wenig Geld hat kommt auf die Idee, eine Holzkiste in ein Regal umzu-

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funktionieren. Wer künstlerisch einfallsreich ist bemalt und verziert die Eigenkreation. Gründe für Upcycling sind so vielfältig wie die Palette an neuen Produkten.

Ein Upcycling-Projekt in Osnabrück mit Studierenden und LangzeitErwerbslosen Auch dieses Projekt soll Mensch und Umwelt rauf- und nicht runterziehen: „Verwertung Altmaterialien” heißt es etwas spröde, geht aber gut nach vorne. Studierende im Fach Textiles Gestalten und Langzeit-Erwerbslose stellen Upcycling-Bekleidungs- und Accessoirkollektionen her. Die zwei Universitäts-Dozentinnen Anke Beccard und Eva Dankenbring geben theoretisches und praktisches Know-how im Seminar weiter. Gewerkelt wird in der „Möwe” im Gebäude am Hauswörmannweg. Ab dem 16. Januar werden die Upcycling-Kollektionen dann im Forum am Dom zu besichtigen sein. Die Dozentin und Textildesignerin Eva Dankenbring hofft, dass das Projekt nicht nur weiter gefördert wird, sondern auch weitere Kreise zieht. Wir drücken die Daumen!


Kreative Minderheiten als Motor der Gesellschaft Umweltschützer, Nerds und experimentelle Künstler kommen irgendwann in die Mitte der Gesellschaft an. Warum wir Außenseiter anhören und kreative Menschen fördern sollten. Text: Sigrid Lehmann-Wacker „Das Schicksal einer Gemeinschaft hängt immer von kreativen Minderheiten ab“, mahnte der Kulturhistoriker und wohl einer der letzten großen Universalhistoriker Arnold Joseph Toynbee. Tatsächlich stellten und stellen kreative Minderheiten oft den Motor für jede kulturelle Entwicklung einer Gesellschaft dar. Gerade die, die gestern noch belächelt oder gar ausgegrenzt worden sind, stellen die Avantgarde von morgen dar. Querdenkern wurde früher selten schon zu Lebzeiten Respekt für ihr Engagement entgegen gebracht. Kein Wunder, haben Sozialpsychologen der Universität Bielefeld in Untersuchungen zum sozialen Einfluss der Mehrheiten durch Minderheiten festgestellt. Sozialer Wandel sei immer erst einmal gegen die Mehrheitsmeinung gerichtet. Und damit zwangsläufig gegen die nachgewiesene Tendenz der meisten Mitglieder einer Gesellschaft zu Konformität. Zu den eher zur Nicht-Konformität neigenden Kreativen gehören Intellektuelle, Künstlerinnen und Künstler. Menschen, die im Privaten und in der Öffentlichkeit ganz neue Wege gehen. Irgendwann kommen diese kreativen Minderheiten, Umweltschützer, Nerds und andere in der Mitte der Gesellschaft an, da ihre Ideen zündend und auch im wahrsten Sinne des Wortes not-wendend wurden. Heutzutage ist nichts Kapriziöses mehr, Vegetarier zu sein, und wo bitte schön ist der nächste Laden, in dem man vegan essen kann? Leider sind viele Menschen im kreativen Bereich trotz hoher Verantwortung und vielfältiger Verwertung ihrer Leistungen immer noch prekär beschäftigt. Ein Stückeautor z.B. verdient selbst mit am we-

nigsten in der ganzen Produktion seines Theaterstückes. Nicht fest angestellte Hochschul-DozentInnen, die vor vollen Hörsäle stehen und Dutzende von Arbeiten ihrer Studierenden betreuen, werden nicht selten mit 400 Euro pro Semester abgespeist oder erhalten manchmal gar kein Honorar für ihre Tätigkeit. Musiker, Filmemacher, Autoren, bildende und darstellende Künstlerinnen und Künstler oder Entwickler von Computerspielen: Die Kultur- und Kreativwirtschaft mit rund 238.000 Unternehmen und knapp einer Million Erwerbstätigen ist eine vielfältige Branche. Kreative Berufe stehen auf der Beliebtheitsskala ganz oben, viele wollen in diesem Bereich arbeiten. Die Wirtschaft weiß um den großen Pool von nicht organisierten Musikern, Künstlern, Freelancern und kleinen Agenturen und nutzt den sich im Kampf um Aufträge und Jobs gegenseitig unterbietenden Markt an billigen Arbeitskräften manchmal gnadenlos aus. Die gute Nachricht: Osnabrück vergibt zwei Mal im Jahr Fördergelder an freie Kulturträger, Initiativen und Kulturschaffende. Auf der Website der Stadt ist nachzulesen: „Ziel der Projekte können zum Beispiel ein bürgerschaftliches Engagement, der Umgang mit innovativen oder experimentellen Formen der Kunst und Kultur, die Nachwuchsförderung, die interkulturelle Begegnung oder die Beschäftigung mit aktuellen Prozessen in der Stadtgesellschaft sein.“ Zum 1. März und zum 15. September sollen sich Kreative ermutigt fühlen, beim städtischen Fachbereich Kultur Zuschüsse für ihre Projekte zu beantragen. Das Anmeldeformular kann sich jeder hier herunterladen: http://www. osnabrueck.de/71425.asp. Viel Erfolg!

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FIT MIT DIRK

TEIL 2

Hi, ich bin Dirk, ich bin 39 Jahre alt und seit 1998 Fitness- und Personaltrainer. Jeden Monat möchte ich Euch eine neue Übung vorstellen und versuchen Euch zu motivieren!

Liegestütz ohne Hilfsmittel Zielmuskeln: Großer Brustmuskel Unterstützende Muskulatur: Trizeps (Armstrecker), vorderer Teil des Deltamuskels (Schulter) Ausführung der Übung: Die Liegestütze, auch Push Ups genannt, trainieren die Brustmuskeln und den Trizeps. Zunächst begibst Du Dich auf Deine Knie und stützt Dich etwas mehr als schulterbreit mit den Händen ab. Deine Hände sollten auf Höhe Deiner Brust sein. Wenn Du bereit bist, dann streckst Du Deine Beine nach hinten aus und stellst Deine Füße auf die Zehenspitzen.

Achte darauf, dass Dein Kopf, Dein Oberkörper und Deine Beine eine gerade Linie bilden. Du darfst Deinen Hintern nicht nach oben strecken, aber auch nicht ins Hohlkreuz fallen. Dein Kopf bildet die Verlängerung der Wirbelsäule. Während Du die Spannung hältst, beugst Du Deine Ellenbogen und wanderst mit Deinem Körper Richtung Boden. Die Muskelkraft wird vollständig von der Brust und den Armen ausgeübt. Deine Ellenbogen zeigen nach außen und Du atmest ein. Die Endposition ist erreicht, wenn Deine Nase fast den Boden berührt. Anschließend drückst Du Dich wieder nach oben und atmest dabei aus. Dabei ist es wichtig, Dass Deine Ellenbogen nie ganz durchgestreckt werden, um sie zu schonen und um die Muskelspannung zu halten. Liegestützvariationen: Schaffst Du durch regelmäßiges Training mehr als 25 Liegestütze, dann stelle Deine Füße während der Übung auf eine Erhöhung, zum Beispiel auf ein Bett oder einen Stuhl. So verlagerst Du Deinen Körperschwerpunkt nach vorne und musst mehr Gewicht bewältigen. Schaffst Du nicht so viele Liegestütze oder kannst Deine Körperspannung nicht halten, dann eignen sich die sogenannten „Frauen-Liegestütze“. Hierfür legst Du ein Handtuch auf den Boden und setzt Deine Knie drauf. Diese Variante funktioniert genauso wie die Standardvariante. Oberschenkel und Oberkörper bilden eine Gerade und Dein Kopf bildet die Verlängerung der Wirbelsäule. Egal, welche Variante Du wählst, ich wünsche Dir viel Erfolg und viel Spaß. Dein Trainer Dirk

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Titel/Satz/Gestaltung/Layout: James Cowie cowie@osnah.de Redaktion und Mitarbeiter der Ausgabe: James Cowie, Steve Weber, Timo Pieper, Sigrid Lehmann-Wacker, Rita Schmidt, Vivien Nikolic, Dirk Rabe, Mitch Conner, Arnaldo Latorre, Dominik van Awe Anzeigenberatung: Timo Pieper Tel.: 0541 3475857 pieper@osnah.de Auflage: 10.000 Stück OS.NAH erscheint monatlich

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OS.NAH - #2 November 2013  

Themen: Thomas Jankowski, Dr.Pas, Mach es dir selbst, Upcycling, Northern Greenhouse, uvm.

OS.NAH - #2 November 2013  

Themen: Thomas Jankowski, Dr.Pas, Mach es dir selbst, Upcycling, Northern Greenhouse, uvm.

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