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STANDORT  ORTENAU Maschinenbau Zulieferindustrie Fahrzeugbau Elektroindustrie Design IT & Medien Druck & Papier Handel Logistik Blick ins Elsass Bauwesen Dienstleister Banken Tourismus Nahrungsund Genussmittel Index


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16.06.2009

9:56 Uhr

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www.zeit-areal.com

Wir sind die WRO: 53 Kommunen IHK, HWK, Ortenaukreis

150 Firmen 45 000 Mitarbeiter 14 Mrd Euro Umsatz Schl端sselfertiges Bauen mit Tradition

Stahl

Maschinen

Werkzeuge

Bauelemente


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ie Ortenau. Das klingt nach Weinland, nach beschaulichen Spaziergängen vorbei an alten Schwarzwald-Höfen und nach dem Blick hinüber nach Straßburg und ins benachbarte Elsass. Alles richtig. Auch dass Tourismus und Land- und Holzwirtschaft wichtige, aber nicht die wichtigsten Wirtschaftsfaktoren sind. Denn gleichzeitig ist die Ortenau der industriestärkste Kreis am Oberrhein: Maschinenbau, Metallverarbeitung, Automotive, Medien und Logistik prägen den Standort. Hier zu arbeiten macht einfach Spaß – also gut, meistens. „Wo Arbeit und Leben befreundet sind“, sagt die Wirtschaftsregion Offenburg/Ortenau (WRO) dazu. Die WRO ist ein Zusammenschluss aus über fünfzig Kommunen, den Kammern und den wichtigsten 150 Unternehmen; das ist einmalig in Deutschland. Die Ortenau hat eine sogenannte Arbeitslosenquote, die man eher Vollbeschäftigung nennen sollte. Deshalb wollen wir Sie anregen, sich dieser Region zu nähern. Zum Beispiel auch über die Webseite der WRO: www.wro.de Die Ortenau bietet Platz, sie ist der flächengrößte Kreis in Baden-Württemberg, daneben bezahlbare Grundstücke, eine Bildungslandschaft und eine Gesundheits-Infrastruktur, um die wir beneidet werden. Stellen Sie sich einmal eine Großstadt mit 400 000 Einwohnern vor, deren Fläche zu 90 Prozent aus Wald und Wiesen, aus Weinbergen und Seen besteht. So ist das hier. Die Ortenau ist doppelt so groß wie Berlin und das bei einem Zehntel der Einwohner. Normalerweise kommt man hierher, um Urlaub zu machen, die Schweizer für die Wellness und unsere französischen Nachbarn immer öfter, um gut zu essen und unsere hochprämierten Weine zu trinken. Ihr Manfred Hammes

EDITORIAL

Herzlich willkommen!


Maschinenbau

Herrenknechtbohrer wird für den Einsatz bei Metro-Bauarbeiten in Singapur montiert

Ortenau goes 4.0 Innovatoren, Marktführer und Ideenschmieden – Ortenauer Unternehmen im Maschinenbau In Verbindung mit der vierten industriellen (R)evolution eröffnen sich neue Wege

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Standort Ortenau


Foto: www.shutterstock.com/ Kirill__M Foto: Herrenknecht

Industrie 4.0 - Was ist das eigentlich?

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er Maschinenbau ist im Wandel. Deutschlands Vorzeigebranche wird unter dem Stichwort Industrie 4.0 zu einer Branche der Smart Factories, in der die Roboter nicht mehr nur die körperlichen Arbeiten übernehmen, sondern auch noch mitdenken. Für die vielen erfolgreichen Maschinenbauunternehmen im Ortenaukreis heißt das: die Umsetzung des lang diskutierten Technologietrends Industrie 4.0 und der damit einhergehenden Smart Factory. In der Theorie ist alles ganz einfach: Intelligente Maschinen und ganze Produktionsstraßen arbeiten unabhängig und optimieren sich selbst-

ständig. Kürzere Produktionszyklen und die Vereinfachung von Arbeitsabläufen sind das Ergebnis. Dass es sich lohnt, auch bei diesem Thema technologisch die Nase vorn zu haben, zeigen beispielsweise Peter Huber Kältemaschinen aus Offenburg oder Julabo aus Seelbach. Beide Unternehmen bedienen weltweit Kunden aus Wissenschaft, Forschung und Industrie mit hochpräzisen Temperiergeräten. Und beide Unternehmen setzen intelligente und vernetzte Produkte und Produktionsstätten ein. Im Fall von Huber Kältemaschinen sind vernetzte Werkbänke im Einsatz,

Maschinen, die selbstständig lernend in der Lage sind, Arbeitsabläufe auszuführen und intelligent auf unvorhergesehene Ereignisse reagieren: Das ist Industrie 4.0 im Einsatz. „CyberPhysische Systeme“ lautet hier das Stichwort. Darunter versteht man, dass Produkte (physisch) mit anderen Produkten und dem Internet vernetzt sind. Sensorik und die Verbindung aller Maschinen in einer Fertigungsstrecke gewährleisten beispielsweise die Minimierung von Verschnitt, sparen Energie und Zeit und letztlich auch Geld. Im Alltag integriert, könnten uns durch Industrie 4.0 intelligente Fahrzeuge begegnen. Die Kommunikation untereinander ermöglicht Echtzeithinweise über Staus, Blitzeis, Regen auf der Strecke oder die Mitteilung zu einem freiwerdenden Parkplatz am Zielort. Die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt und Deutschland steht als Vorreiter dieses innovativen Technologietrends in erster Reihe.

die es gestatten, die Produkte bereits an der Fertigungsstätte zu prüfen und zu dokumentieren. IT hilft, manuelle Arbeitsabläufe zu automatisieren, Durchlaufzeiten zu optimieren und gewährleistet eine lückenlose Dokumentation. Bei Julabo kommt Industrie 4.0 vor allem in Form von intelligenter Lagerlogistik zum Einsatz. Ein Bestand neigt sich dem Ende? Kein Problem, dann bestellt die Lagerbox einfach selbstständig Nachschub. Auch in Offenburg wird gekühlt. Hier allerdings speziell für medizinische Zwecke oder um Gefahrenstoffe sicher aufzubewahren. Ob Blut, Medikamen- ❯

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Maschinenbau

Offenburg: pulsierendes Wirtschaftszentrum der Ortenau. Hier haben nicht nur Peter Huber Kältemaschinenbau (1) und der Spültechnikriese Meiko (2) ihren Firmensitz. In Kehl sorgt die Geschäftsleitung (3) der Kronen GmbH (von links) Stephan Zillgith, Robert Lankhart, Johannes Günther und Eric Lefebvre für Obst und Gemüse Schneide- und Schälmaschinen. Die hochdynamischen Temperiersysteme der Julabo GmbH (4) reisen von Seelbach in die ganze Welt,(5) Zielschacht in Düsseldorf für die Wehrhahnlinie – ein (nur mittelgroßer) Herrenknechtbohrer im Einsatz

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4 ❯ te, Laborkühlung oder die dazugehörige

Dokumentation – bei Philipp Kirsch ist man mit diesen Themen an der richtigen Adresse. Das Universitätsklinikum Ulm, Krankenhäuser in Brunei und die Air France nutzen die speziellen Kühl­ einheiten aus der Ortenau. Mit speziellen Geräten geht es auch gleich weiter. Tunnelbohrmaschinen der Herrenknecht AG aus Schwanau werden derzeit weltweit in rund 2300 Projekten eingesetzt. Ob Pipeline, Autobahntunnel oder unterirdisches Abwassersystem, mit Tunnelvortriebsmaschinen ist die Herrenknecht AG Marktführer. In Zahlen sieht das so aus: 5000 Mitarbeiter, 78 Tochter- und geschäftsnahe Beteiligungsgesellschaften, mehr als 1,1 Milliarden Euro Gesamtleistung. Und das nicht nach 150 Jahren Firmengeschichte, sondern als Lebenswerk eines Mannes: Dr. Martin Herrenknecht. Während man in Schwanau die größten Bohrmaschinen der Welt baut, steht Offenburg mit den größten Geschirrspülern im Guiness Buch der Re-

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Standort Ortenau

5 korde. Bei Meiko und Hobart werden XXL-Geschirrspüler produziert, die auf Kreuzfahrtschiffen und Flughäfen, in Kantinen, Krankenhäusern und Hotels zum Einsatz kommen. Wer viel reist und dabei etwas isst, kann also ziemlich sicher sein, dass Teller und Besteck anschließend in einer Geschirrspülmaschine aus Offenburg gereinigt werden. Warum? Weil die großen Fluggesellschaften, Eisenbahnlinien und Reedereien strengste Maßstäbe beim Thema Hygiene voraussetzen. Die Industriegeschirrspüler aus der Ortenau erfüllen diese Kriterien und genau deshalb sind Meiko und Hobart die Weltmarktführer von hier. Untermauert wurde dies zu-

43 000 43 000 Golf GTI bringen es gemeinsam auf das Drehmoment eines einzigen Tunnelbohrers von Herrenknecht, dessen Elektromotoren 15,05 Millionen Newtonmeter schaffen

letzt 2013 mit der Verleihung des Mercury Award für Meiko. Verliehen wird er durch die International Travel Catering Association (ITCA), die die Interessen der gesamten Reisebranche vertritt. Bleiben wir beim Thema Essen. Die Zeiten, in denen man Kartoffeln und Karotten, Äpfel und Ananas von Hand schälte, sind vorbei. Zumindest bei den Profis. Die Kronen GmbH stellt in Ihrem Werk in Kehl Spezialmaschinen zur Nahrungsmittelverarbeitung her. Gewürfelte Karotten, gemischter Obstsalat, frische Pommes Frites – mit Kronen Maschinen ein Kinderspiel. Das Ortenauer Unternehmen beliefert seine Kunden über 85 Vertretungen weltweit und gehört damit längst zu den führenden Unternehmen der ConvenienceBranche. Das Thema Lebensmittel ist auch in Kehl-Goldscheuer an der Tagesordnung. Die 1925 gegründete Maja-Maschinenfabrik Hermann Schill produziert hier Großgeräte für die Eiserzeugung und zur Fleischveredelung. Ob Enthäutung, Entfettung oder Schneidemaschinen,


Foto: Fraunhofer IAO Fotos: Huber Kältemaschinenbau GmbH , Meiko GmbH & Co. KG , Kronen GmbH, Julabo GmbH, Herrenknecht AG

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hier wird alles dafür getan, dass der Endverbraucher geschmackvolles und frisches Fleisch in der Kühltheke präsentiert bekommt. Einem ganz anderen Thema widmet man sich bei der Firma Kasto Maschinenbau in Achern-Gamshurst. Hochwertige Bügel-, Band- und Kreissägen für die industrieelle Nutzung sowie Lagersysteme werden hier in der Region für die ganze Welt gefertigt. Mit mehr als 1400 installierten Lageranlagen und 130 000 verkauften Sägen glänzt der Technologieführer in Punkto Langgutund Blechlager international und beschert seinen 550 Mitarbeitern sichere Arbeitsplätze. Um die Verarbeitung von Metall dreht es sich im warsten Sinne des Wortes auch in Renchen bei Maschinen Wagner. Ob drehen, bohren, fräsen oder schleifen, hier werden seit 1967 Präzisionsgeräte für Kunden im In- und Ausland gefertigt. Mehr als 100 Werkzeugmaschinen begeistern interessierte Kunden und tragen dazu bei, dass die Ortenau weltweit ein Begriff ist.

Dr.-Ing. Sebastian Schlund, Leiter Competence Center Produktionsmanagement Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Die vierte industrielle Revolution Bis zu 30 Prozent mehr Produktivität: Der Fraunhofer-Forscher Dr. Sebastian Schlund über die Chancen von Industrie 4.0 Sebastian Schlund arbeitet sozusagen am maschinellen Puls der Zeit. Ob Produktion und Produktentstehung, integrierte Planung und Optimierung oder Produktionsarbeit der Zukunft, mit seinen Tätigkeitsfeldern ist der Leiter des Kompetenzzentrums Produktionsmanagement beim Fraunhofer-Institut mitten im innovativen Technologie-Boom des Maschinenbaus beheimatet. So ist auch die technologische Revolution Industrie 4.0 eines seiner Schwerpunktthemen, zu dem wir ihm einige Fragen stellen konnten. Industrie 4.0 ist ein Reizthema. Einerseits eine faszinierende Vision – für viele mittelständische Unternehmer aber so etwas wie die sprichwörtliche Sau, die durchs Dorf getrieben wird. Können Sie das nachvollziehen? Sebastian Schlund: ◦Ja und nein. Selbstverständlich handelt es sich um einen tendenziell sehr verheißungsvollen Begriff, der momentan noch sehr im Visionären liegt und erst einmal mit Leben gefüllt werden muss. Allerdings wird mit Hochdruck an Anwendungen gearbeitet. Die Entwicklung des Internets zeigt, welches Potenzial in intelligenter Vernetzung liegt – warum nicht auch in der Produktion? Wir werden in den nächsten Jahren viele neue und spannende Beispiele dafür sehen

– smarte Produkte, immer weiter vernetzte Maschinen und Anlagen sowie die Ad-hoc-Vernetzung der Mitarbeiter über Mobilgeräte. Wieviel Potenzial hat Ihrer Meinung nach die Weiterentwicklung des Maschinenbaus mit I 4.0? Schlund: Genau diese Frage untersuchen wir momentan. Unsere Einschätzung und die zahlreicher Experten bewegt sich zwischen 10 und 30 Prozent Produktivitätspotenzial über die Wertschöpfungskette. Der Zeitraum, dies zu realisieren, wird sich jedoch sicher über das nächste Jahrzehnt erstrecken. Dann wird wahrscheinlich der Begriff „Industrie 4.0“ schon wieder in Vergessenheit geraten sein. Gibt es in Deutschland schon ein Best-Practice-Unternehmen, das die neuen Ansätze lebt und davon profitiert? Schlund: ◦Das Thema ist in den Unternehmen angekommen. Neben Konzernen wie Siemens, Bosch und SAP sind es Mittelständler wie beispielsweise Trumpf, Festo, Kärcher oder Wittenstein, die allesamt bereits interne Umsetzungen konzipieren. Diese und viele weitere Unternehmen leben bereits Industrie 4.0 und richten ihre Innovationsprojekte daran aus. Für eine Aussage, wer nachhaltig davon profitiert, ist es aber definitiv noch zu früh.

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Zulieferer

8500 8500 Menschen sind in der Ortenau in der Zulieferer-Branche besch채ftigt

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Standort Ortenau


Foto: Carl Leipold GmbH

Ortenauer Know-how Fachkompetenz und Wandlungsfähigkeit – Das macht die Zuliefererbranche in der Ortenau aus

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eltweit haben sich die Zulieferer aus der Ortenau einen Namen gemacht. Mehr als 8500 Menschen sind hier im Bereich Metallverarbeitung, Kunststoffspritzguss und Präzisionstechnologie beschäftigt. Die etwa 70 Unternehmen der Region beliefern die großen Automobilhersteller, Chemie- und Industriefirmen. Vom Kugellager bis zum Edelstahltank entstehen hier Komponenten für weltweit agierende Großkonzerne. Heute steht die Branche vor einer neuen Herausforderung: Nicht nur die Abnehmer machen Druck – auch die asiatische Konkurrenz wird immer stärker. Doch die ansässigen Zulieferer sind wandlungsfähig. Wo früher nur Stanz-

Präzision: CNC-Fräse von Leipold im Einsatz

teile und Muttern produziert wurden, stellen Unternehmen heute ganze Baugruppen her. Die Progress Werk Oberkirch AG (PWO) ist einer der ältesten Zulieferer der Ortenau. Das 1919 gegründete Unternehmen hat 2013 mit einem neuen Rekordumsatz von 377 Millionen Euro abgeschlossen, beschäftigt global 3100 Mitarbeiter und ist sehr optimistisch für die Zukunft: Neue Aufträge im Volumen von mehr als 450 Millionen Euro stehen in den Büchern. Begonnen hat das Unternehmen mit der Herstellung von Stanz-, Zieh- und Pressteilen für die Automobilindustrie. Mittlerweile entwickelt PWO ganze Metallkomponenten und Subsysteme ❯

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Zulieferer

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für Komfort und Sicherheit in Autos und beliefert damit unter anderem Volkswagen, BMW und Daimler. Neben dem Stammwerk in Oberkirch hat der Ortenauer Branchenriese Standorte in Kanada, Mexiko, Tschechien und China. Doch PWO bleibt seinem Stammsitz treu: „Die Ortenau ist ein attraktiver Standort“, sagt Bernd Bartmann, Vorstand bei PWO. „Durch die Verkehrsanbindung und die Qualifikation der Mitarbeiter.“ Zeitgleich mit Gründung der PWO legte auch Carl Leipold aus Wolfach einen Grundstein für die Region. Mittlerweile betreibt die Gruppe außerdem zwei weitere Werke in Deutschland sowie in den USA und beschäftigt rund 400 Mitarbeiter. Der Hersteller von Präzisionsteilen und Kupferlegierungen kümmert sich, auf Wunsch, um gesamte Wertschöpfungsketten – von der Entwicklung der Komponenten bis zur Logistik. „Binnen zehn Jahren haben wir sowohl die Zahler unserer Kunden als auch unser Branchenspektrum verdoppelt“, sagt Pascal Schiefer, Geschäftsführer der Carl Leipold GmbH. Vor allem im Bereich Forschung und Entwicklung hat das Unternehmen investiert: „Früher lag der Aufwand für Forschung und Entwicklung bei 1,5 Prozent“, sagt Schiefer. „Jetzt sind es zwei – Tendenz steigend.“ Für die Ortenauer Zuliefererbetriebe geht es um mehr als nur Mithalten: „Nicht in allen Bereichen ist die Preisführerschaft unser Ziel, sondern der größte Kundennutzen“, sagt Schiefer. „Deshalb werden immer mehr komplexe statt einfache Teile produziert.“ Das Konzept geht auf: Die Gruppe erzielt jährlich einen Umsatz von etwa 70 Millionen Euro und reiht sich damit in die erfolgreiche Geschichte der Ortenauer Zulieferer ein. Die Produktpalette weitete sich seit 1962 von Schnitt- und Stanzwerkzeu-

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gen, über Biegeteile bis zu ganzen Baugruppen aus. Heute produziert Erdrich in Deutschland, Tschechien, China und den USA. Trotz der starken globalen Aufstellung, hält Erdrich Umformtech-

Das Stammwerk in der Ortenau – Dazu Fabriken auf der ganzen Welt nik am Standort Ortenau fest: „Die Automobilbranche kämpft“, sagt Nicolas Erdrich, geschäftsführender Gesellschafter. „Als Zulieferer bekommen wir das natürlich zu spüren. Trotz der Standorte

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im Ausland versuchen wir möglichst große Teile der Produktion in Deutschland zu halten.“ Zukunftsweisende Lösungen aus Partikelschaum bietet das innovationsund technologieführende Unternehmen Ruch Novaplast aus Oberkirch. „Seit mehr als 50 Jahren und der Erfahrung von jährlich mehr als 300 Neuprodukten stellen wir Lösungen für die Fahrzeug-, Heizungs- und Lüftungsindustrie sowie für Anwendungen im Bereich Leichtbau, Hobby und Motorsport her“, sagt Geschäftsführerin Andrea RuchErdle. Fischer Rohrtechnik ist vorwiegend für die Automobilbranche, aber auch für die Chemie- sowie die Haushaltsindus-


5 Der Firmensitz von Otto Nussbaum in Kehl-Bodersweier (1), Edelstahltanks von Möschle Behälterbau (3), die Produktion bei PWO (2) und Leipold (4), sowie die Werkshalle von Erdrich Umformtechnik (5)

trie tätig. Die 1550 Mitarbeiter verteilen sich auf den Stammsitz in AchernFautenbach sowie weitere Werke in acht Ländern und 20 internationale Tochtergesellschaften. Der Experte für Edelstahlrohre produziert heute Komponenten und Produkte für die Industrie weltweit. Mit der Ernst Umformtechnik GmbH sitzt in der Ortenau ein weiterer bedeutender Zulieferer. 1970 startete das Unternehmen mit der Produktion von Werkzeugen und Vorrichtungen für Stanztechnik. Heute fertigen 550 Mitarbeiter ganze Baugruppen der spanlosen Formung an. Was die Zulieferer in der Ortenau längst erkannt haben: In dieser Bran-

che muss man anpassungsfähig sein. So wandelte sich auch die NussbaumGruppe vom (austauschbaren) Zulieferer zum (unverzichtbaren) Systemlieferanten. Angefangen hat das Kehler Unternehmen 1975 mit der Produktion von Hebebühnen. Heute ist Nussbaum als Komplettanbieter in Bereichen von Werkstattausrüstung, über industrielle Anwendungen bis Public Transport tätig. Die Gruppe beschäftigt 1300 Mitarbeitern und wickelt sämtliche Produktionsabläufe intern ab. Auch die Erfolgsgeschichte von Ernst Möschle Behälterbau fand ihren Ursprung in der Ortenau. Das Unternehmen stellt Edelstahltanks und -behälter für Lebensmittel und Industrie

Fotos: Otto Nussbaum GmbH & Co. KG, Progress-Werk Oberkirch AG, Möschle Behälterbau GmbH,Carl Leipold GmbH, Erdrich Umformtechnik GmbH

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her. Mit seinen innovativen Produkten ist Möschle weltweit erfolgreich. Ein weiteres Unternehmen im Bereich Behälterbau ist Ucon in Hausach. Den Grundstein für die Firmengeschichte legte der Betrieb bereits 1740 mit einem Hammerwerk. Heute stellt Ucon Containersysteme für die Baustoffbranche oder beispielsweise die Lebensmittelindustrie her. Die Kammerer Gewindetechnik in Hornberg hat sich auf Gewindespindeln und Muttern spezialisiert. Das 1938 gegründete Unternehmen deckt nicht nur die Automotivebranche ab. Kammerer

Kaffeemaschinen oder Solaranlagen – die Ortenau ist eingebaut fertigt sowohl Gleit- und Kugelteile für Automobile, als auch Bewegungselemente für Kaffeemaschinen oder Solaranlagen. 1962 gründet Dr. Rolf Kratzer seine Präzisionstechnikfirma. Mit 325 Mitarbeitern beliefert Kratzer eine Vielzahl von Branchen: Medizintechnik und Maschinenbau, Automotive sowie Luft- und Raumfahrtindustrie mit Dreh-, Fräs- und Schleifteilen. Weiss Automotive in Appenweier wiederum ist auf die Automobilbranche spezialisiert. Der Betrieb mit seinen rund 450 Mitarbeitern beliefert namhafte Premiumhersteller mit Kunststoffteilen und lackiert Premiumfahrzeugteile, etwa von Bugatti und Porsche. Die Richard Neumayer Gesellschaft für Umformtechnik in Hausach ist Zulieferer für die Automobilindustrie, den Maschinenbau sowie den Berg- und Tunnelbau. Etwa 40 000 Tonnen Präzisionsschmiedeteile, Baugruppen, und Systemlösungen fertigt das Unternehmen jährlich an.

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Fahrzeugbau

Die Ortenau macht mobil Bei Fahrzeugbau denkt man an Stuttgart, München, Wolfsburg. Tatsächlich aber ist auch die Ortenau reich gesegnet – auch wenn manche Fahrzeuge etwas ungewöhnlich aussehen…

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harli Langsam hat seine ewige Ruhe gefunden. In Biberach/ Baden. Das hätte man als ausgemusterte Tupolew nach ein paar Jahrzehnten in Diensten der DDR nicht unbedingt erwarten müssen – aber so bleibt man der Luftfahrt zumindest als Besprechungsraum mit Cockpit und Flügeln erhalten. Zumal bei Hydro Systems in Biberach in Sachen Luftfahrt wirklich die Post abgeht. Seit fast 50 Jahren entwickelt und produziert Hydro innovative Lösungen für den Bau, die Wartung und die Reparatur von Zivil- und Militärflugzeugen – mit Ground Support Equipment und Maintenance Tooling gilt die von Peter Prinz, Barbara Huttegger und Thomas Besch geführte Firma inzwischen als Marktführer. Und das nicht etwa im Schwarzwald oder in Süddeutschland – sondern weltweit. Wenn ein Airbus mal die Flügel hängen lässt, ruhen diese auf Dreibeinen aus Biberacher Produktion. Und wenn ein Triebwerk ausgetauscht werden muss, nutzen die Monteure dafür das Cobra-System aus dem Schwarzwald. Insgesamt mehr als 3000 Produkte hat Hydro im Progroamm – von Dreibockhebern über Schleppstangen und Radwechselheber bis zu Wartungswerkzeugen. Mehr als 350 Mitarbeiter arbeiten für weltweit 700 Kunden in 170 Ländern. Und damit der Steigflug des Un-

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Standort Ortenau

ternehmens weitergeht, hat Hydro nicht nur ein Flugzeug vor dem Firmensitz stehen – sondern auch einen eigenen Betriebskindergarten eingerichtet: die „Fliegerkiste“ betreibt Hydro gemeinsam mit Karl Knauer (siehe Seite 24) und der Stadt. Wer zu Bürstner fährt, weiß sofort, was hier hergestellt wird: Reisemobile und Wohnwagen. Kurz vor Beginn der Saison stehen mitunter ein paar hundert gut geschützt unter Hagelnetzen und warten auf ihre neuen Besitzer. 1100 Mitarbeiter in Kehl und dem elsässischen Wissembourg bringen es im Jahr auf rund 5000 Wohnmobile, 2200 Wohnwagen und 200 Mobilheime. Rund 350 Händler sind europaweit für Verkauf und Service der Marke zuständig Allerdings hat Bürstner auch schon bessere Zeiten erlebt: Als der eiserne Vorhang fiel, hat Bürstner fast 2000 Einheiten verkauft – dann brach der Markt

63 Meter misst der größte Maibaum Deutschlands. Die Schwarzwälder Douglasie wurde 2013 am Stück nach Norderham bei Bremen gebracht – per Dreiachs-Selbstlenkanhänger von Doll

zusammen und wandelte sich. Einfache Wohnwagen waren nicht mehr gefragt, das Unternehmen geriet in Schwierigkeiten und wurde letztlich von Hymer übernommen. Heute steht Bürstner vor allem für hochwertige Reise­mobile mit pfiffigen Details. Ein Premiumhersteller mit rund 60 Prozent Exportanteil und rund 300 Millionen Euro Umsatz. So komfortabel wie ein Reisemobil von Bürstner sind die Fahrzeuge von Ladog nicht. Dafür sind sie robust, kompakt und extrem praktisch. Kaum eine Kommune in Deutschland kommt ohne die kleinen Schmalspur-Lastwagen aus, mit denen man Schnee schiebt, Blumen gießt, die Rabatten mäht oder Baumaterial in die Fußgängerzone fährt. Ladog ist 1920 in Nordrach gegründet worden, hat mit dem Bau von 4 PS starken Dreirad-Schleppern für Obstbauern begonnen und beschäftigt aktuell 55 Mitarbeiter in Nordrach und dem neuen Standort Zell am Harmersbach. „Vorsprung durch Innovation“ ist das Motto – auch und gerade im Kleinserien­ bau und bei der Einzelanfertigung. Auf dem Flughafenvorfeld und in der Straßenunterhaltung gilt auch Mulag mit 80 Mitarbeitern und Werken in Bad Peterstal sowie Oppenau als führender deutscher Hersteller. Der Name Mulag hat nichts mit der Unternehmerfamilie zu tun – sondern setzt sich aus Motor-Universal-Lasten-Arbeits-Gerät

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Fotos: Siemens, Mulag, Ladog, Bürstner, Hydro, Doll

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Schwarzwälder Tüftlergeist auf vier Rädern oder mehr – ganz nach Bedarf: Spezialauflieger von Doll (1) für den Transport von Windrädern, (2) Flugzeug-Schlepper von Mulag,Blick in die Ladog-Produktion (3), ein Wohnmobil von Bürstner (4) und Dreibeine von Hydro (5) für die Wartung moderner Flugzeuge

zusammen. Mulag ist in den 1950er Jahren entstanden, hat mit kleinen Motorfahrzeugen für die Landwirtschaft begonnen und sich mit fahrbaren Gangways für den boomenden Luftverkehr schnell ein zweites Standbein aufgebaut. Containertransporter und Schlepper, Grabenbagger, Tunnel- und Photovoltaikwaschgeräte, Mähraupen und Leitpfostenausmähgeräte hat Mulag inzwischen ebenfalls im Programm. Eine Nischenstrategie vom Feinsten.

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Was die Dreirad-Schlepper bei Ladog und Mulag, sind die Holztransporter bei Doll in Oppenau. Auch so ein Schwarzwalddorf, in dem die Menschen ein eigenes Gen für Tüftlergeist zu haben scheinen. Über Dolls Firmen- und Familiengeschichte könnte man ein Buch schreiben. Aus der 1878 gegründeten Wagenschmiede für Kutschen entwickelte sich um 1910 einer der ersten Hersteller von Anhängern und Aufbauten für motori-

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sierte Fahrzeuge. In den 1950er Jahren war Afrika das große Thema. Holztransportfahrzeuge für unwegsames Gelände – ein Exportschlager. Und Doll forschte weiter. Tieflader für Schwertransporte, Sonderlösungen fürs Militär, Spezialfahrzeuge fürs Flughafenvorfeld und teleskopierbare Auflieger für extra lange Lasten. Wenn heute ein 50 Meter langer Windradflügel auf Reisen geht, ruht das Teil in der Regel auf einem Auflieger von Doll.

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elektro

Energieeffizient in der Ortenau Die Energiewende bekommt Substanz. Immer mehr Unternehmen setzen auf รถkologisch erzeugten Strom, handeln nachhaltiger und optimieren dadurch ihre Wertschรถpfungskette

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437 630 Mit rund 1 470 000 000 Kilowattstunden im Jahr verbraucht ein Stahlwerk in etwa so viel Energie wie 437 630 zwei Personen Musterhaushalte

ring wird im Unternehmen festgestellt, wo sich die Energiefresser verstecken. Anschließend werden durch Presscontrol Lösungen erarbeitet, um den Energieverbrauch bei erhöhter Effizienz zu optimieren. „Das aufgedeckte Potenzial ist meist überraschend hoch“, sagt Geschäftsführer Bernhard Honauer. Auch im eigenen Unternehmen sind so versteckte Energieverbraucher aufgespürt worden. „Um 10 Prozent haben wir unseren Verbrauch ohne zusätzliche

Investitionskosten gesenkt“, erläutert Bernhard Honauer. Großtransformatoren des Unternehmens verrichten auch direkt im Epizentrum der Energiewende ihre Arbeit. Sie kommen bei Windkraftanlagen in Offshore-Parks zum Einsatz und glänzen mit Qualität und Langlebigkeit. Bei der Freistetter Firma Klotter Elektrotechnik hat ein anderes Nachhaltigkeitsprinzip Hochkonjunktur. Eine ausgeprägte Nachwuchsförderung und Fachkräftebindung ist das Erfolgsrezept. Die Handwerkskammer honorierte dies mit der Auszeichnung zum „Handwerksunternehmer des Jahres“. Als Spezialist für regenerative Energie setzt Klotter nicht nur in diesem Segment ein Statement, sondern stärkt auch den Arbeitsmarkt der Region Ortenau. Kunden wie Burda, Daimler oder SAP bestätigen den Erfolg des Mannes, der ❯

Foto: Siemens

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anze 525 Kilowattstunden pro Tonne Stahl werden hier in Hitze umgewandelt, um das Metall einzuschmelzen. Damit ist der Verbrauch etwa so groß wie der einer gesamten Stadt. Dass es hier Einsparpotenzial im großen Stil gibt, liegt auf der Hand und wird auch von den Unternehmen umgesetzt. Automatisierungslösungen, SPS-Steuerungen sowie Mittelspannungsschaltanlagen der Presscontrol Elektrotechnik GmbH aus Kehl verrichten in Stahlwerken weltweit ihre Arbeit und sorgen für einen reibungslosen und effizienten Ablauf in der Produktion. Bei den Großkunden des Unternehmens wie Siemens, Piller und ABB ist das Thema Energiewende schon im Fokus der CIOs. Deshalb wird hier auch ein neuer Weg gegangen. „Full-Service“ heißt die Devise. Via Energiemonito-

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Firmengebäude der Vega Grieshaber KG (1) , hier produziert der Marktführer für Füllstandsmessungen. Große Gerätschaften, J. Schneider Elektrotechnik repariert vor Ort (2). Auch bei Klotter (3) und Presscontrol (4) sind die Mitarbeiter für die Kunden im Einsatz. Im Wasserkraftwerk von Willstätt sorgt Klotter-Technik für Energie in der Region ❯ schon als junger Existenzgründer seinen

Männern vorgab: „Wir wollen sein wie der FC Bayern München. Engagiert, leidenschaftlich und erfolgreich!“ J. Schneider Elektrotechnik aus Offenburg produziert Transformatoren, Stromversorgungen und Hochspannungs-Netzgeräte. Das Unternehmen setzt auf Komplettlösungen, übernimmt Planung, Entwicklung und Produktion in Eigenregie. Der Erfolg bestätigt die von Bettina Schneider und Arnd Becker gelebte Firmenpolitik. 2012 erweitert sich die Firma über den großen Teich und gründet eine Tochtergesellschaft in Denver, Colorado. Für die Kunden des Elektrogroß­ handels Streb der Bruder-Gruppe heißt es: Selbst ist der Mann. Von der Ader­ endhülse bis zum Schaltschrank können sich hier Bastler und Fachkräfte mit allem Nötigen für den anstehenden Arbeitseinsatz rüsten. 1954 von Franz Bruder gegründet, umfasst die Bruder-

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Standort Ortenau

Gruppe mittlerweile zehn Standorte im südwestdeutschen Raum sowie Luxemburg. „Gesamtlösung aus einer Hand“: bei Fritsch Elektronik geht es nicht nur um das Bestücken von Leiterplatten, sondern um das Beherrschen der gesamten Prozessvielfalt in der Elektrofertigung. Ob fachgerechte Prüfung,

Typisch Ortenau: Die Energiewende beginnt im eigenen Betrieb

Reparatur oder Fehleranalyse, die Spezialisten aus Achern gehen Problemen auf den Grund. Dabei werden die Auswirkungen der eigenen Aktivitäten auf die Umwelt nicht aus den Augen gelassen. Das hauseigene Umweltmanagementsystem erfasst alle relevanten Tätigkei-

ten und regelt die zugehörigen Abläufe. Hier heißt es also nicht nur der Energiewende zuarbeiten, sondern sie auch im eigenen Unternehmen zu leben. Die Vega Grieshaber KG ist ein weltweit führendes Unternehmen für die Messung von Füllstand, Grenzstand und Druck. Auf dem Weg in diese starke Position hatte das Unternehmen immer eine klare Zielvorgabe: die Entwicklung innovativer und richtungsweisender Produkte. Das Unternehmen beschäftigt 1100 Mitarbeiter in mehr als 70 Ländern, am Stammsitz in Schiltach sind es 600. Selbst unter schwierigsten Prozessbedingungen wie Staub, Hitze und Befüllungslärm sorgen die Präzisionsgeräte für zuverlässige Messwerte. Seit 1997 werden neuste Radarsensoren eingesetzt. Damit erweitert sich das bisherige Spektrum an herkömmlichen Füllstand-, Grenzstand, Druck- und Dichtemessern maßgeblich.

Fotos: Michael Bode, J. Schneider Elektrotechnik GmbH, Klotter Elektrotechnik GmbH, Presscontrol GmbH

elektro

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H체bsch ist gefragt Kann man eigentlich Waschbecken an der Fifth Avenue in New York pr채sentieren? Aber klar! Und dass es sich lohnt, hat der Badausstatter Duravit aus Hornberg bewiesen. Mit Design als Wettbewerbsvorteil ist in der Ortenau nicht nur die Marke mit dem blauen Auerhahn erfolgreich

D E S I G N Standort Ortenau

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ieser Thron ist einmalig. Zwölf Meter hoch und über drei Etagen in die Fassade des Duravit Design Centers in Hornberg integriert steht die größte Kloschüssel der Welt für das Selbstbewusstsein einer traditionsreichen Marke, die inzwischen weltweit von sich reden macht. 4000 Toiletten und Bidets mit Duravits blauem Auerhahn sind im höchsten Gebäude der Welt, dem Burj Khalifa in Dubai installiert. Auf Duravit verzichtet kaum ein großes Hotel mehr. Ob Radisson Blu in Sotchi, das Fogo Island Inn auf Neufundland oder die MS Europa 2: Sanitärmöbel, Waschbecken und Toiletten sind aus dem Schwarzwald. Duravit ist ein Unternehmen mit Weltruf. Mit eigenem Showroom an der Fifth Avenue in New York, gar nicht

die Fifth Avenue in New York: Gucci, Prada und Duravit

weit weg von Prada, Gucci und Hugo Boss. Und dieses Unternehmen hat nicht nur seinen Sitz in Hornberg – es investiert auch in den Standort. Aktuell arbeiten 5700 Mitarbeiter für den Konzern, bringen es gemeinsam auf 378 Millionen Euro Umsatz und dürfen auf eine Eigenkapitalquote von 42,4 Prozent stolz sein. Duravit produziert längst nicht mehr nur in Deutschland – sondern bedient mit Werken in China und Ägypten, in der Türkei, Tunesien, Frankreich und Indien die ganze Welt. Beste Voraussetzungen also, um 2017 das 200-jährige Bestehen des Unternehmens zu feiern. Vom kleinen Steingutproduzenten zum Weltmarktführer im Badezim-

mer – Duravits Erfolgsgeschichte ist in den vergangenen Jahren eng mit dem Thema Design verknüpft. Und das wiederum verbindet Duravit mit anderen Hidden Champions aus der Region. mit Hiller Objektmöbel zum Beispiel. Auf Stühlen aus Kippenheim dürfte statistisch gesehen jeder Deutsche schon einmal gesessen haben. Der klassische Vierfuß-Stuhl in Jugendherbergen und Gemeindehäusern – das war Hiller in den 1980er Jahren. Ein unverwüstlicher und praktischer Stuhl, bei dem das Design nicht im Vordergrund stand. Seit der Jahrtausendwende hat Hiller ein neues Gesicht. Gilt als hippe Marke für Konzerthäuser und Flughäfen, Messen, Hotels und Kongresszentren. In der Stuhl- und Tischmanufaktur reichen die Wurzeln ins Jahr 1936 zurück. Mit den Kernkompetenzen Stapeln, Klappen, Falten werden mit modernster Technik Qualitätsmöbel „Made in black forest“ hergestellt. Seit Anfang 2010 entwickelt sich Hiller gleichzeitig zum Interiorspezialisten: durch die Erweiterung des klassischen Portfolios mit individuellen Raum- und Shopkonzepten von der Bera­tung über Entwicklung und Konstruktion bis zur Fertigung und Auslieferung. Was Hiller im Bereich der Objekt­ möbel, ist Hund fürs Büro. Mit rund 150 Mitarbeitern fertigt das Unternehmen aus Biberach seit 1919 Arbeitsplatzsys-

5000 Euro Prämie bekommt bei Ditter Plastic ein Auszubildender, der einen sehr guten Abschluss macht. Für gute Noten gibt es indes auch etwas: eine Festanstellung nach der Lehrzeit

teme – qualitätsbewusst, ergonomisch und praxisorientiert. Mit seinem neuen zweiten Standort in Sulzdorf (Unterfranken) beweist das Unternehmen in der vierten Generation, dass es wichtig ist, mit modernsten Entwicklungen Stand zu halten – und dass manchmal neue Pfade beschritten werden müssen, um auf dem Markt zu bestehen. Die Zehnder Group Deutschland ist Fußballfans als früherer Hauptsponsor des SC Freiburg bekannt – und hat als Komplettanbieter von Design-Heizkörpern für Bad und Wohnraum bei Bauherren und Architekten einen guten Ruf. Erst 2011 hat Zehnder durch den Bau eines neuen Logistikzentrums den Standort Lahr gestärkt. Auch bei Stinova in Achern geht es um Gestaltung: Aus der 1966 als Familienbetrieb gegründeten Sitzmöbelmanufaktur ist heute ein weit über die regionalen Grenzen hinaus tätiger Objekteinrichter geworden. Die Integration mehrerer Fachwerkstätten unter einem Dach ermöglicht eine Fertigung bis zur schlüsselfertigen Montage von Einrichtungs- und Architekturprojekten. Schwergewichtiger geht es bei Presstec in Kehl zur Sache. Die Profis für mechanische und hydraulische Pressen produzieren nicht nur neue Produkte, sondern sorgen auch dafür, dass ihre Bestandspressen auf zukunfsweisende Technologie generalüberholt werden. Wenn es um Hitze, Strom und Stahl geht, ist man bei den Badischen Stahlwerken in Kehl an der richtigen Adresse. Das Großunternehmen beschäftigt mehr als 1300 Mitarbeiter und produziert rund 2,2 Millionen Tonnen Stahl pro Jahr. Auch Helia Ladenbau mit Geschäftsführer Klaus Göppert an der Spitze hat sich inzwischen mehr als einmal neu erfunden. Auch räumlich. Shops

Spezialisiert auf Formgebung und Design: der Kunststoffverarbeiter Schäfer aus Ortenberg (1). Bei Hiller aus Kippenheim stehen Formen und Farben ebenfalls im Mittelpunkt. Das Unternehmen fertig Möbel für den öffentlichen Raum wie fürs private Wohlbefinden

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Fotos: Duravit AG, Schäfer Kunststofftechnik, Hiller Objektmöbel

Selbstbewusster kann man kaum demonstrieren, wofür man als Unternehmen steht: das von Philippe Starck entworfene Duravit Design Center in Hornberg mit der größten Kloschüssel der Welt. Ganz oben gibt es übrigens eine Aussichtsplattform

für WMF und Edeka, für Mediamarkt, Rewe, Klier, Bonita und viele andere große Marken entstehen nicht mehr in Bad Peterstal sondern in Oberkirch. Der neue Standort bietet mit der Nähe zur Autobahn nicht nur logistische Vorteile – er erlaubt durch den Neubau vor allem eine Lean Production auf nur einer Ebene. Zurück zum Thema Design: Auch für Schäfer Kunststofftechnik sind Formgebung und Gestaltung ganz zentrale Themen. Das Unternehmen konstruiert und fertigt mit knapp 100 Mitarbeitern hochwertige Produkte aus Kunststoffhalbzeugen. Ob Abdeckhauben für den Maschinenbau, ausgefallene Diffusoren für die Leuchtenindustrie oder komplexe Präzisionsteile für die Labor- oder Automatisierungstechnik. Für rund 900 Kunden erledigt Schäfer jährlich mehr als 8000 Aufträge, verarbeitet 700 Tonnen Rohmaterial und weist seit Jahren zweistellige Wachstumszahlen aus. Bei Ditter Plastic in Haslach sind die Stückzahlen ein paar Nummern größer als bei Schäfer in Ortenberg. Wenn der Phaeton von VW vergoldete Armaturen für die Klimaanlage haben soll oder Audi metallisch glänzende Drehknöpfe für die Mittelkonsole braucht – dann kommen die aus Haslach. Das 1947 gegründete Unternehmen mit Standorten in Haslach, Hausach und Meissen sowie insgesamt 600 Mitarbeitern entwickelt und fertigt technische Kunststoffteile von 0,5 bis 14 000 Gramm Gewicht. Auch das Etol-Werk aus Oppenau kennt sich mit Kunststoff bestens aus. Seit mehr als 60 Jahren ist das Familienunternehmen Partner des Handels und der Industrie. In Oppenau und Oberkirch entstehen technische Teile und Speisetransportsysteme aus Kunststoff, zudem aber auch Gesundheitspflegeund Pharmaprodukte sowie Reinigungsund Spülmittel für Großverbraucher. Das von Hanspeter Söllner Tripp und Wolfgang Riehle geleitete Unternehmen beschäftigt inzwischen mehr als 80 Mitarbeiter.

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IT und Medien Foto: www.shutterstock.com / cosma

Drehen wir mal alte Ansichten durch den Wolf und erfinden uns neu: die Medienbranche am Oberrhein ist fit fürs 21. Jahrhundert

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Standort Ortenau


Beständig ist nur der Wandel Internet, Smartphones und Tablets haben die Medienbranche auf ein völlig neues Geschwindigkeitslevel gebracht. Wer hier rastet, ist ganz schnell weg vom Fenster

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uch bei einer mehr als 100-jährigen Geschichte, 9200 Mitarbeitern (1900 in Offenburg), rund 35 Magazinen und bis zu 700 Millionen Druckseiten pro Tag ist man vor dem Wandel nicht sicher und muss sich Veränderungen anpassen. Die Rede ist von Hubert Burda Media. Deutschlands führender Zeitschriftenverlag, der allerdings längst nicht mehr nur auf Gedrucktes setzt. Der Geschäftsbereich „Digital“ erwirtschaftet mittlerweile die Hälfte des Konzernumsatzes und der lag zuletzt bei rund 2,5 Milliarden Euro. In Burdas Bilanz zeigt sich deutlich, wie wichtig und vor allem umsatzstark neue Medien geworden sind. Burda verlegt den Playboy und verkauft Hundefutter, stellt online Business-Kontakte her und druckt Kochrezepte, hat den Deutschen das Thema Mode beigebracht und sieht sich jetzt in einem Zeitalter der Bilder. Kurz und knapp: Vielfalt ist Trumpf. Und Glo-

balität. Burda produziert Zeitschriften nicht nur für den nationalen Markt, sondern für halb Europa, für Thailand und Russland. Xing und die Digital-Life-Design Konferenzen sind hier auch passende Stichwörter. Die Community des Unternehmensnetzwerks ist mittlerweile bei deutschsprachigen Führungskräften hoch im Kurs und nicht wenige informieren sich dort über neue Trends oder picken sich die passenden Mitarbeiter für neue Stellen heraus. Daneben gibt es in Offenburg mit Reiff medien einen innovativen Regionalverlag, der das Offenburger Tageblatt und die Mittelbadische Presse herausgibt. Die Zeitung hat ihren Ursprung im 1812 erstmals verlegten Offenburger Intelligenz- und Wochenblatt und ist entsprechend tief verwurzelt in der Region. Gleichzeitig wissen aber auch Peter und Rouven Reiff um den rasanten Wandel in der Branche: „Regionalität,

Unverwechselbarkeit und Glaubwürdigkeit. Dies sind die Garanten dafür, dass wir die großen Veränderungen als Zukunftschance ergreifen können.“ Es ist die Chance, Reiff Medien als Medienhaus mit einer Multi-Kanal-Strategie weiterzuentwickeln. Reiff ist erfolgreich mit Zeitung und Hörfunk, mit Wirtschaftsmagazin und Nachrichtenportal, mit Internet-Fernsehen und amtlichen Nachrichtenblättern. Die in der Ortenau befindlichen Mediendienstleister sind ebenso vorne mit dabei, wenn es um das Aufgreifen von Trends geht. „Wir haben immer schon den Ehrgeiz, in punkto Innovation ganz vorn mitzuspielen“, heißt es bei Kresse & Discher. 1989 gegründet ist das Unternehmen mittlerweile eine Größe unter den Corporate Publishern in Deutschland und generiert einen Jahresumsatz von rund drei Millionen Euro. Intelligentes Storytelling, also Journalismus als ❯

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❯ Dienstleistung, bietet Kresse & Discher

IT und Medien

seinen Kunden wie Edeka, WeberHaus, Bürstner, BCT, und der Hochschule Offenburg an – um einige aus der Region zu nennen. Bei Vioma ist der Name Programm. Das Akronym steht für Vertrauen in Online-Marketing. Und damit ist eigentlich alles gesagt – oder: fast. Vioma hat sich unter Führung von Swen Laempe darauf spezialisiert, Hotels die Betten zu füllen. Damit ist Vioma so erfolgreich, dass der halbe Alpenraum auf der Kundenliste steht – und Vioma auf der anderen Seite für Google, Facebook und Konsorten ein wichtiger Partner ist. Auch die klassichen Printmedien aus der Ortenau wie der Guller am Sonntag und der Stadtanzeiger am Mittwoch, sind nicht nur mit ihren 184 000 Exemplaren die auflagenstärksten, kostenlosen Zeitungen in der Region, sie kombinieren zunehmend Print und On-

Zwischen Innovation und Tradition: Badens Medienindustrie line. Denn für die 42 Verlagsmitarbeiter ist das Internetzeitalter mehr Segen als Fluch. Die Qualität und örtliche Nähe der Themen sichern die feste Leserschaft, während das Internet für Tempo sorgt. Kleinanzeigen beispielsweise werden fast ausschließlich online aufgegeben. „Wir gehen im wahrsten Sinne des Wortes mit der Zeit und versuchen, uns den heutigen Gegebenheiten anzupassen“, sagt Isabel Obleser, Geschäftsführerin Stadtanzeiger Verlag. Auch 15 Kilometer südlich von Offenburg darf man auf seine mediale Geschichte stolz sein. Seit 1794 erscheint hier die Lahrer Zeitung und auch wenn das Blatt inzwischen zum „Schwarzwälder Boten“ gehört: Lahr hat für eine Stadt mit rund 40 000 Einwohnern eine beeindruckende Zeitungsvielfalt. Neben der Lahrer Zeitung und dem Lahrer Anzeiger hat auch die Badische Zeitung mit eigener Lokalausgabe ihre Leser. Innovativ und das schon 1877 – die auf deutsch und auf französisch erscheinende Dernières Nouvelles d’Alsace aus Straßburg führte als erste Zeitung im Elsass Kleinanzeigen für Gewerbe-

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treibende und Privatleute ein. Heute beschäftigt der Verlag France Est Médias 900 Mitarbeiter und deckt mit 26 Lokalausgaben das gesamte Elsass ab. Medial ganz oben mit dabei – aber auf einer ganz anderen Bühne – ist Kimmig Entertainment. 1973 von Ursula und Werner Kimmig ins Leben gerufen, hat sich die einstige Management- und Promotion-Agentur 1981 neuen Ufern zugewandt. Die TV-Serie „Verstehen Sie Spaß?“ war der Einstieg in die Welt der bewegten Bilder. Heute zählen Produktionen und Live-Shows mit Frank Elstner und Stefan Raab, mit Markus Lanz und Florian Silbereisen oder auch die Bambi-, Oscar- und Echo-Verleihung zu Kimmigs Referenzen. Das Unternehmen aus Oberkirch zählt in der schnelllebigen Branche zu den erfolgreichsten. Bis zu 130 TV-Sendungen werden pro Jahr produziert und das alles choreographiert vom Firmensitz in der Ortenau. Mit den neuen Medien sind natürlich auch neue Geräte wie Smartphones und Tablets auf dem Markt aufgetaucht. Ob Privatanwendung oder Steuerung von Produktionsketten, die kleinen Helfer können so ziemlich alles leisten,

28 646 137 Exemplare „Bunte“ wurden 2013 insgesamt verkauft. Bei etwa 82 Millionen Bundesbürgern ist somit rein rechnerisch jeder dritte Deutsche einer von Burdas Bunte-Lesern

Medien- oder Designpreis? – Die Firmensitze von Kresse & Discher (1) und des Reiff Verlags (2) machen auch optisch etwas her. Für Erfolg im TV sorgt Kimmig Entertainment, hier bei „Wetten das?“ (3). Erfolg: dafür steht eines der Wahrzeichen Offenburgs, der Burda-Tower (4).

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men auf die Fahnen geschrieben und ist damit seit 1984 erfolgreich im Geschäft. Ähnlich verhält es sich bei der Leitwerk-Gruppe aus Appenweier. 270 Mitarbeiter sorgen an fünf Standorten dafür, dass die regionale Wirtschaft mit umfassenden IT- und Kommunikationslösungen ausgestattet ist. Mit ihrer Methoden- und Prozesskompetenz sind sie zuverlässiger und

vertrauter Partner von überwiegend mittelständischen Kunden als auch von internationalen Konzernen. Durch die konsequente Umsetzung professioneller und vertragsbasierender Services erzielt das Unternehmen mit und bei seinen Kunden eine messbare Wertschöpfung. Die Leitwerk-Gruppe arbeitet mit marktführenden und innovativen Technologie-Partnern zusammen.

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Fotos: Kresse & Discher GmbH, Reiff Verlag KG, Kimmig Entertainment GmbH, Hubert Burda Media GmbH

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„wenn“ die richtige Software zum Einsatz kommt. Genau hier, beim Thema Software klinkt sich Actimage ein. Der 1995 in Straßburg gegründete Marktführer von mobilen Lösungen im Business sorgt dafür, dass unsere mobilen iOS, Android und Blackberry-Plattformen effiziente Ergänzungen im Arbeitsleben sind. Das Unternehmen kombiniert die Vorteile mobiler Informationslösungen und begleitet als Technologiedienstleister die Kunden von der Beratung, über die Entwicklung bis zur Einführung der Systemlösung im Unternehmen. Im Bereich der Maschinen-Software hat die Ortenau ein wichtiges Unternehmen zu bieten: Schrempp EDV. Die Lahrer Software-Profis sorgen seit 1980 mit individuell zugeschnittenen ERP- und Business Intelligence Lösungen dafür, dass die Wertschöpfungskette in Unternehmen gut geölt läuft. Dass es auch bei Schrempp hervorragend läuft, ist an der wachsenden Mitarbeiterzahl abzulesen. 50 sind es derzeit. „Wir werden an dieser kontinuierlichen, gesunden Wachstumsstrategie festhalten und unseren Kunden ein verlässlicher Partner sein“, sagt Brigitta Schrempp. „In kaum einer anderen Branche ist Wissen kurzlebiger, und deshalb lebenslanges Lernen wichtiger als im IT-Bereich“, heißt es bei Haake & Partner. Das Fullservice Sytemhaus aus Offenburg hat sich den Aufbau und die Betreuung von System- und Netzwerklösungen, sowie die Softwareentwicklung für Fir-

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Druck, Papier und holz

Mut zur Nische Individualität sichert Zukunft. Das beweisen die Ortenauer Unternehmen, die sich in ihrer Branche von der Masse gelöst und einen neuen Markt erschlossen haben

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ochglanzpapier. Das braucht man, um bis zu 700 Millionen Seiten am Tag zu drucken. 30 Kilometer Papier sind auf einer Rolle, das reicht für eine halbe Stunde. Wie auch immer. Burda Druck ist eines der leistungsfähigsten Tiefdruckunternehmen Europas. Vier Standorte in Offenburg, Nürnberg, im französischen Vieux-Thann und seit 2010 in Neu-Dehli. Mehr als 600 Mitarbeiter verarbeiten alleine am Stammsitz Offenburg jährlich 180 000 Tonnen Papier. Mit Burda weist die Ortenau eines der erfolgreichsten Druckunternehmen Deutschlands auf. Doch damit nicht genug: 42 Prozent der südbadischen Druckereien sind im Landkreis ansässig, mehr als 9000 Menschen arbeiten in der Branche. Scheint, als würden die Firmen etwas richtig machen. Was? Das Zauberwort für gute Umsätze und auskömmliche Margen lautet: Spezialisierung. Aktuelle Magazine mit hohen Auflagen wie „Lisa“, „Freizeit-Revue“ oder „Glücks-Revue“ werden in Offenburg auf vier Rotationen mit Dimensionen von 3,30 Metern bis 3,68 Metern Papierbogenbreite gedruckt; vor 50 Jahren lag die Breite noch bei 1,40 Metern. „Neben technischen Veränderungen wie dem Papierwechsel bei laufender Maschine oder Photoshop haben sich die betriebswirtschaftlichen Anforderungen geändert“, sagt Egon Weimer, Geschäftsführer von Burda-Druck. Der

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Druckmarkt an sich ist rückläufig, umso wichtiger ist es, hohe Qualität flexibel und in großen Mengen zu liefern. 22 Kilometer südöstlich von Offenburg liegt das im Kinzigtal eingebettete, kleine und überschaubare Biberach. Größter Arbeitgeber: Karl Knauer mit 400 Mitarbeitern und einem Fertigungsarel von 26 000 Quadratmeter. Das Unternehmen ist im Bereich Notiz-Werbemittel und bei Präsentverpackungen die Nummer Eins in Deutschland und exportiert seine Produkte europaweit. Große Firmen wie Wilkinson, Syngenta, Bayer und Hansgrohe zählen zu den Kunden. „Die Suche nach außergewöhnlichen Lösungen entlang der Supply Chain versetzt uns immer wieder in die Lage, neue Kunden zu gewinnen“, sagt Richard Kammerer, der geschäftsführende Gesellschafter. Das Unternehmen sieht sich auch künftig als lösungsorientierter Dienst­ leister rund um Papier, Karton und Wellpappe. Kammerer: „Wir sind Spezialist für Spezialitäten und heben uns damit ❯

950 Meter Papier fressen die großen Tiefdruck­ maschinen bei Burda pro Minute. Große Magazine wie Playboy oder Focus laufen mit 57 Stunden­ kilometern von der Rolle


Fotos: www.shutterstock.com / AlexAnnaButs

„Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist“ Victor Hugo (1802-1885)

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Druck, Papier und Holz

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von der Masse ab“. Auf Masse mit Klasse setzt die in Oberkirch ansässige Papierfabrik August Koehler. Als Kassenbeleg, Speisekarte, Etikett oder Fahrschein spielen die Spezialpapiere von Koehler für jedermann im Alltag eine kleine, aber dennoch wichtige Rolle. Das Unternehmen geht zurück auf eine 1751 erbaute Papiermühle nahe

Als Spezialist für Spezialitäten bezeichnet sich Karl Knauer Oberkirch, die 1807 von Kaufmann Otto Köhler ersteigert wurde. Acht Generationen später hat sich Köhler zu einem Weltunternehmen entwickelt, das mit Selbstdurchschreibepapier groß geworden ist und den Siegeszug der Thermodrucker ermöglicht hat. Heute produziert die Koehler Paper Group mit 1800 Mitarbeitern an vier Standorten in Oberkirch, Kehl, Greiz und Weisen-

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bach mehr als 500 000 Tonnen Papier pro Jahr und setzt 725 Millionen Euro um. Damit gehört das Unternehmen zu den wenigen unabhängigen deutschen Unternehmen in der Papierindustrie. Als Weltmarktführer im Bereich Thermopapiere und Marktführer für Bierdeckel in den USA und Europa hat das Unternehmen gleich mehrere Nischen für sich entdeckt, die ausgezeichnet funktionieren. Das bestätigt auch der Exportanteil von mehr als 70 Prozent. Wer wissen möchte, wo die Suppenpäckchen von Knorr oder die Bonbontüten-Folien von Werthers hergestellt werden, fährt in die Vorberge des

3 Milliarden Bierdeckel produziert die Koehler Paper Group jährlich. Theoretisch wäre die Weltbevölke­ rung also nach knapp zwei Jahren komplett ausgestattet …

Schwarzwalds nach Kippenheim, sieben Kilometer von Lahr entfernt. Das Unternehmen Janoschka steht für höchste Expertise im Prepress-Bereich und zählt mit mehr als 1400 Mitarbeitern, 26 Niederlassungen in 14 Ländern und einem Jahresumsatz von 121 Millionen Euro zu den Weltmarktführern in der Druckbranche. Namhafte Kunden wie Unilever, Storck oder Nestlé arbeiten in Kooperation mit Janoschka. Für manche Marken-Hersteller übernimmt Janoschka das komplette „Brand Management“. Neben den Sektoren ‚flexible Verpackung‘ für Lebensmittel und für die Tabakindustrie entwickelt Janoschka Dekore, etwa für Laminat. Eine weitere Nische besetzt Janoschka mit „Lösungen für den Druck von Sicherheitselementen auf Banknoten, Dokumenten oder Verpackungen für Fälschungssicherheit“, so Geschäftsführer Manfred Janoschka. Auch in Lahr macht man Druck. Das seit fast 200 Jahren bestehende Druckhaus Kaufmann produziert im Rollen-


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und Bogenoffsetdruck täglich Kataloge, Prospekte, Zeitschriften und Bücher. Vor allem im Rollenoffset-Bereich hat sich das Druckhaus europaweit einen Namen gemacht. Innovation steht für die Brüder Markus und Andreas Kaufmann sowie ihre 300 Mitarbeiter an erster Stelle. Mit dem Slogan „Das Mehralsdruckhaus“ bieten sie Kunden integrierte Lösungen rund um das Thema Unternehmenskommunikation an. Auch die Pappenfabrik Albert Köhler in Gengenbach ist ein ganz besonderes Unternehmen. Rund 34  000 Tonnen hochwertige Pappen für Aktenordner, Buchdeckel und Ravensburger Puzzles wird das Unternehmen 2014 mit seinen 96 Mitarbeitern produzieren. Das Außergewöhnliche dabei: als Rohstoff wird zu 95 Prozent Altpapier verwendet, das aus einer eigenen Altpapieraufbereitung stammt. Nachhaltigkeit wird bei Köhler groß geschrieben und trägt zum Erhalt von Wäldern bei. Die Abfallstoffe, die bei der Reinigung des Papiers anfallen, nutzt Köhler ebenfalls: für die Energiegewinnung. Ein fast

geschlossener Wasserkreislauf bei der Pappenherstellung und neueste Technologien eine gewässerschonende Produktion erlauben. Damit wären wir beim nächsten Thema – denn was wäre die Papierund Druckbranche ohne den Rohstoff Holz? Natürlich ist die waldreiche Ortenau vom Rohstoff Holz geprägt. Vom Baum über den Transport bishin zu den Sägewerken und der Veredelung ist in der Region jedes Gewerbe vertreten. Zu nennen wären hier beispielsweise der Sägenhersteller Linck, Doll Fahrzeugbau, German Pellets und WeberHaus. „Made in Grafenhausen“ steht auf den Produkten des Laubholz-Sägewerks Ohnemus geschrieben. „2011 spezialisierten wir uns auf die Weiterverarbeitung von Holz. Durch den Kauf einer Spezialmaschine, mit der massive Holzplatten hergestellt werden, produzieren wir Zuschnitte nach Kundenwunsch“, sagt Geschäftsführer An­dreas Rombach. In der 600 Quadratmeter großen Halle werden nicht nur selbst vorgefertigte Bretter gehobelt, geschnitten, leim-

Fotos: Köhler Papier, Ohnemus, Sägewerk Streit, janoschka, Karl Knauer, Burda Druck, Köhler Pappe

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(1) In einem Hochregal lagern Tiefdruckzylinder der Firma Janoschka, bis zu 15 000 Festmeter schlägt Ohnemus (2) jährlich um, das Sägewerk Steit in Hausach (3) sogar bis zu 360 000 Festmetern. (4) Altpapier wird beim Unternehmen Albert Köhler weiterverarbeitet. 25 Awards kassierte Karl Knauer für die weltweit erste leuchtende Verpackung „Bom­ bay Saphire“ (5). Die Papierfabrik August Koehler ist vor allem für die Herstellung von Spezialpapieren bekannt (6)

gepresst und geschliffen, sondern auch Holz für Kunden gelagert. Bis zu 15 000 Festmeter werden jährlich umgeschlagen: in der Hauptsache Linde, Ahorn und Eiche. Auch in Hausach riecht es herrlich nach frischem Holz. Das Sägewerk Streit zählt mit mehr als 360 000 Festmeter Jahreseinschnitt und 80 Mitarbeitern zu den führenden holzverarbeitenden Betrieben Baden-Württembergs. Als Vollsortimenter handelt die Forstwirtschaftliche Vereinigung Schwarzwald. Die FVS ist mit 50 Forstbetriebsgemeinschaften, 3700 Waldbesitzern und einer Gesamtfläche von 76  000 Hektar der größte forstliche Zusammen­ schluss Baden-Württembergs. Holz für die Industrie, wie Papierund Zellstoffwerke, die Spanplattenherstellung und die Energiegewinnung wird meist regional vermarktet. Die Genossenschaft verhandelt mit holzabnehmenden Kunden und übernimmt die Vermarktungslogistik. Und wer will, kann seinen Forst sogar von der FVS pflegen lassen …

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Foto: Edeka S端dwest


Angriff aus dem Netz In der Ortenau hat man sich über die Zukunft des Handels schon immer Gedanken gemacht. Auch in Sachen Online-Handel haben Edeka, Markant, Printus und Kollegen viel vor…

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um Anbeißen: Pralle Trauben, zart und grün, schmiegen sich an zuckrig duftende Ananas. Daneben wetteifern Bananen wie frisch von der Staude mit gelben Honigmelonen. In der Edeka-Filiale kaufen Augen und Nase mit ein. Hände prüfen Schwere und damit Frische von Orangen. Daumen erkennen, wie reif Kiwis oder Mangos sind. Unvorstellbar, dass ein solches Einkaufserlebnis jemals durch ein paar Klicks am Computer ersetzt werden könnte. Oder? 33 Milliarden Euro haben die Deutschen 2013 im Internet ausgegeben, das sind 3,6 Milliarden Euro mehr als 2012, und knapp 414 Euro für jeden Deutschen. Babys und Rentner inklusive. Und ein Ende des Online-Booms ist nicht abzusehen. Am liebsten bestellen die Deutschen Kleidung im Netz, aber auch andere Branchen holen mächtig auf. Zum Beispiel Möbel: 2012 kam die Branche auf einen Online-Umsatz von 1,23 Milliarden Euro, 58 Prozent mehr als 2011. Und Lebensmittel? Noch eine Nische, sagt Rainer Huber, Geschäftsführer Edeka Südwest. Die beiden Online-Shops der Handelsgesellschaft, edeka24.de und eworld24.de, tragen sich zwar selbst, machen aber nur einen geringen Anteil am Gesamtumsatz aus. „Gerade der Einzelhandel findet nach wie vor überwiegend im Ladengeschäft statt“, bestätigt Utz Geiselhardt, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Südbaden. Doch Fakt ist: Ob Bananen für 3,08 Euro pro Kilo oder ein Drei-

Pfund-Steak vom Kanadischen Bison für 139,90 Euro – im Internet können Sie einfach alles haben. Und der Angriff auf den stationären Handel hat gerade erst begonnen, sagen Experten wie Manuel Jahn, Leiter Real Estate Consulting beim Marktforschungsriesen GfK. Jahn legt in einem White Paper dar, dass Konsumenten nur selten bewusst zwischen stationär und online unterscheiden. Meist seien es praktische Erwägungen, die über die Art des Einkaufs bestimmen. Die Zukunft des Handels. In der Ortenau ist es gute Tradition, sich hierüber Gedanken zu machen. Die Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler (heute besser bekannt als Edeka) hat sich 1927 in Offenburg zusammengeschlossen, um als Gemeinschaft bessere Einkaufskonditionen zu haben. Aus ehemals 27 selbständigen Kaufleuten ist eine Genossenschaft mit 43  500 Mitarbeitern geworden. Mit 3000 Auszubildenden und 1400 Märkten, die gemeinsam mit rund 540 selbständigen Kaufleuten geführt werden.

40 000 Pakete verschickt Deutschlands führender Büroartikelhändler, die PrintusGruppe, jeden Tag. 70 Lastwagen sind nötig, um alle Bestellungen auf den Weg zu bringen. Bestseller im Sortiment: Papier. 35 000 Tonnen liefert Printus jährlich aus

Und diese Edeka Südwest setzt Trends. Regionalität? Seit den 1990er Jahren ein Thema. Dosenpfand und Umweltschutz? Edeka hat die Büchsen als Erster aus dem Sortiment genommen. Eigenmarken? Haben bei der Edeka gute Tradition – es ist kein Zufall, dass der größte Weinkeller Badens (der Ortenauer Winzerkeller) seinen Sitz in Offenburg hat. Dazu gibt es eigene Fleischwerke, Bäckereien und mit Schwarzwaldsprudel sogar eine eigene Mineralquelle. Entschieden wird bei der Edeka Südwest in Offenburg, auch darüber, dass kühlpflichtige Ware bei Edeka noch nicht per Mausklick zu haben ist. Huber: „Bisher gibt es keine praktikable und bezahlbare Lösung, die unsere Ansprüche an Frische erfüllt.“ Aber Offenburg hat in Sachen Lebensmitteleinzelhandel ja noch einen Hidden Champion: Markant. Auch so ein Unternehmen, dessen Historie voller Innovationen steckt. Durchsichtige Verpackungen und SB-Ware in haushaltsüblichen Mengen? Eine Idee der Unternehmerfamilie Spinner, aus deren Handelsdynastie sich Markant später entwickelte. Der zweite Handels-Riese neben Edeka organisiert heute mit seinen Tochterunternehmen den Wareneinkauf für mehr als 100 Handelspartner. Diese generieren im Einzel- und Großhandel europaweit rund 80 Milliarden Euro Brutto-Umsatz. Online aktiv? Aber ja, vor allem im Bereich B2B-Service: Mit dem Internet-Angebot markant.net ❯

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Dienstleistungen, die Kosten senken und Zeit sparen sollen. Darunter: der MRO Beschaffungsmarktplatz, ein Online-Bestellsystem für C-Artikel wie Bürobedarf, Verbrauchsmaterial und standardisierte Investitionsgüter. Mit Markant Internet-Trading werden Online-Auktionen und -Ausschreibungen möglich. Auch bei der digitalen Archivierung von Daten, dem Datenaustausch der Partner untereinander, der Rechnungsprüfung und dem Marketing ist Markant seinen Kunden mit Online-Lösungen behilflich.

Der internet-handel ist für viele noch ein nischengeschäft

Die größten Ortenauer Händler (von oben): Firmengebäude von Edeka Südwest, Markant und Printus in Offenburg sowie Aliseo in Wolfach

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Ein Marktführer ohne Online-Shop ist Aliseo, weltweit tätiger Händler für Produkte des Hotel- und Gastronomiegewerbes mit Sitz in Wolfach und einst der Erfinder eines Haartrockners mit fester Wandhalterung für Hotelzimmer. „Wir haben zwar bereits vor mehr als zehn Jahren einen Online-Shop aufgesetzt“, sagt Nina Hellfritz, Inhaberin der Aliseo GmbH. „Nach wenigen Jahren Probelauf haben wir ihn allerdings wieder vom Netz genommen.“ Die Zeit war damals noch nicht reif. Obwohl immer wieder Anfragen kommen, verkauft Aliseo seine Artikel nicht direkt an Endkunden. „Wir werden in den kommenden Jahren wieder einen Online-Shop für Business-Kunden anbieten.“ Hier werde der Kunde mit persönlichem Zugangs-Code einkaufen. Zurück nach Offenburg. Genauer: nach Elgersweier. Hier hat die Printus GmbH ihren Sitz, einer der größten Büroartikelhändler Deutschlands. Wenn man so will ein Burda-Spin-Off, entstanden aus dem Know-how um Abo-Werbung und Zeitschriftenvertrieb, heute aber zuverlässiger Partner für kleine und mittelständische Unternehmen. Mit rund 1000 Mitarbeitern setzt Printus mehr als 500 Millionen Euro im Jahr um. Printus betreibt 15 verschiedene Online-Shops. Rund um die Uhr nimmt Printus seit 1995 Bestellungen entgegen, als der 24-Stunden-Service noch eine Ausnahme war.

Auch Schwarzwaldeisen in Lahr, Anbieter von Walzstahl, Edel- und Betonstahl, Werkzeug-Maschinen sowie Arbeitsschutz, setzt auf E-Commerce. Hier lassen sich Batterien und Hecken­ scheren ebenso online bestellen wie ganze Betonmischmaschinen oder Schweißanlagen. Und die Unternehmensentwicklung zeigt: Es lohnt sich. In den vergangenen zehn Jahren legte der Umsatz jährlich um zehn Prozent zu. Ziel für 2014: 50 Millionen Euro. Auch beim Elektrogroßhandel Streb der Bruder-Gruppe gibt es ein OnlineAngebot mit mehr als 30 000 Artikeln, allerdings nur für registrierte Kunden. Der Käsehändler Scheer aus Willlstätt hat mehr als 2000 Käsesorten aus 15 europäischen Ländern im Angebot und vertreibt sie – selbstverständlich – auch per E-Mail-Bestellung. Ihre Website ist auch für die Alfred Linck Automobil, die Hermann Asal Baubeschlag GmbH, Stinus Orthopädie aus Achern sowie die Pfeiffer & May Gruppe (Bäder, Heiz- und Haustechnik) inzwischen unverzichtbar. „Ohne einen Internetauftritt mit Informationen zu Sortiment und Service kommt heute kein Handelsunternehmen mehr aus“, sagt Hauptgeschäftsführer des Handelsverband Südbaden e.V. Utz Geiselhardt. Denn jeder Dritte – bei den unter 30-Jährigen sogar jeder Zweite – informiert sich online und kauft dann stationär ein. Gleichzeitig haben neun von zehn Deutschen mittlerweile übers Internet eingekauft. Von hybriden Kunden sprechen Wirtschaftswissenschaftler in diesem Zusammenhang. Und wer als Händler nicht abgehängt werden will, investiert in sein Ladengeschäft und den Online-Shop. Bäder, Heizung, Haustechnik, Elektro, Fliesen – in diesen Sparten präsentiert sich die Pfeiffer & May — Gruppe als führender Sanitär-Großhändler im Südwesten Deutschlands. Aus einer bescheidenen, 1906 in Karlsruhe gegründeten Eisenwarenhandlung hat sich eine kontinuierlich expandierende Unternehmensgruppe entwickelt, mit 21 jeweils rechtlich selbstständigen Häusern an 26 Standorten in 6 Bundesländern. Mit rund 1800 Mitarbeitern, darunter 220 Auszubildende, ist das in vierter Generation geführte Familienunternehmen ein wichtiger Arbeitgeber und Ausbildungsbetrieb.

Fotos: Edeka Südwest, Markant, Printus, Aliseo

❯ bietet Markant seinen Handelspartnern


Foto: Michael Bode

Offenburg im Frühling: Eis essen, spazieren gehen, bummeln. So wird einkaufen zum Erlebnis

Nichts ist beständiger als der Wandel Damit ihre Innenstädte für Einwohner und Händler attraktiv bleiben, müssen sich die fünf Großen Kreisstädte der Ortenau beständig ändernden Bedingungen anpassen Ob Grenzstadt, Ober- oder Mittelzentrum – eine belebte Innenstadt wünschen sich die Verantwortlichen in Offenburg ebenso wie in Kehl, Oberkirch, Lahr und Achern. Nach Kehl bringen zu 45 Prozent die französischen Nachbarn Leben und Kaufkraft. Klar für die Kehler Einzelhändler, dass ihr Verkaufspersonal französisch spricht. Zumal der Besucherstrom aus Frankreich zukünftig noch stärker fließen wird. 2016 soll die Tram von Straßburg bis zum Kehler Bahnhof fahren. Außerdem entsteht auf den Entwicklungsflächen im Straßburger Viertel „Port du Rhin“ in den nächsten Jahren Wohnraum für 18 000 Menschen, denen die Kehler Innenstadt viel näher ist als die Straßburger. Das Bild Lahrs, der zweitgrößten Stadt im Ortenaukreis, hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Grund dafür waren umfangreiche Sanierungsmaßnahmen und Neuansiedlungen sowie die Neugestaltung

ganzer Straßenzüge. Die Aufenthaltsund Verweilqualität sollte so verbessert werden, auch um dem Rückgang inhabergeführter Geschäfte und der Abwanderung von Kunden ins Internet zu begegnen. Zukünftig will die Stadt mit Angeboten wie der bereits 2011 erprobten König-Kunde-Zertifizierung und beliebten Veranstaltungen wie der Chrysanthema oder der PuppenParade punkten. Auch Oberkirch an der Badischen Weinstraße versucht, seine Kunden mit besonderen Veranstaltungen an die Stadt zu binden. Dazu zählen das Erdbeerfest und die lange Einkaufsnacht. Und die Strategie scheint aufzugehen: Einem aktuellen Einzelhandelsgutachten zufolge ist die Kaufkraft der Oberkircher Einwohner vor Ort gebunden. Für das Mittelzentrum Achern sind neben der eigenen Bevölkerung vor allem die Besucher aus den umliegenden Gemeinden wichtig. Die Herausforderung ist daher, die In-

nenstadt attraktiver zu machen und gleichzeitig Erreichbarkeit und Parkmöglichkeiten zu erhalten. Und die größte Stadt im Ortenaukreis? Sie wächst und wächst und wächst – sowohl die Bevölkerung als auch die Zahl der Einzelhändler haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Zuletzt wurden rund 500 Geschäfte mit 19 Hektar Laden- und Einzelhandelsfläche gezählt. Zusammen erzielen diese einen jährlichen Umsatz von 500 Millionen Euro. So viel Geld können die Offenburger alleine gar nicht ausgeben. Freundlicherweise helfen „Einkaufstouristen“ aus den Nachbargemeinden sowie dem Elsass. Wie die Offenburger Innenstadt zukünftig aussehen soll, durften übrigens die Bürger mitentscheiden: Anfang 2013 hat die Stadt das „Entwicklungskonzept Innenstadt“ auf den Weg gebracht. Ziel ist es, eine ganzheitliche Weiterentwicklung zu gewährleisten.

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Standort Ortenau

Foto: www.shutterstock.co m / Don Pablo

Logistik


Die Welt ist ein Dorf Nach Auto und Handel ist die Logistikbranche der drittwichtigste Wirtschaftsbereich Deutschlands. Auch die Ortenau hilft mit, dass die Welt immer kleiner wird

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m Wochenende war Umzug. Schwesterherz und ihre DreiZimmer-Wohnung. Möbel und Waschmaschine, Kartons, Klamotten und Krimskrams – alles zusammen drei Tonnen Gewicht. Viel Arbeit für ein Wochenende, zumindest für Laien. Logistik-Profis zucken bei solchen Zahlen nur mit der Schulter. Drei Tonnen. Ja, und? In Deutschland werden jedes Jahr 3,7 Milliarden Tonnen bewegt. Sprudelkisten und Windräder. Zulieferteile und Rohstoffe. Autos, Maschinen und Baumaterial.

3,7 Milliarden Tonnen bedeuten, dass für jeden der 81 Millionen Deutschen 45 700 Kilogramm Waren im Jahr bewegt werden. Inklusive Sonntagsfahrverbot sind das 148 Kilogramm pro Tag. Und das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht – bis 2050 werde das Güterverkehrsaufkommen auf 5,5 Milliarden Tonnen steigen, prophezeit die Progtrans AG. Die Progtrans AG mit Sitz in Basel erstellt forschungsgestützte Analysen und Prognosen und bietet Verkehrspolitik- und Strategieberatung für Transport und Verkehr.

Mit 230 Milliarden Euro Umsatz im Jahr ist die Logistikbranche nach Automobil und Handel der drittgrößte Wirtschaftsbereich in Deutschland – noch vor der Elektronikbranche und dem Maschinenbau. Mit mehr als 2,8 Millionen Beschäftigten übertrifft Logisitik die Beschäftigtenzahl im Maschinenbau sogar um das Dreifache. Und die Ortenau? Ist ganz dick dabei. Dafür sorgen schon die Rahmenbedingungen: die Autobahn A5 als eine der wichtigsten Routen von Südeuropa Richtung Benelux und Skandinavien. ❯

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Logistik ❯

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Der Rhein als Europas größte Wasserstraße mit den Hafenanlagen in Kehl und Straßburg. Dazu die Rheintalbahn, das Flughafengelände in Lahr als größtes Industriegebiet in Baden-Württemberg mit vielen Logistikern und die zentrale Lage in Europa. Und die Hochschule Offenburg hat seit dem Wintersemester 2007 einen Stiftungslehrstuhl für Logistik. Bei Klumpp + Müller in Kehl zum Beispiel beschäftigt man sich damit, wie man jeden Tag ein bisschen besser werden kann. Etwa wenn es darum geht, eine Papierfabrik mit Zellstoff zu versorgen. Man könnte Spezial-Lastwagen konstruieren, um pro Fahrt einen Ballen mehr … gute Idee! Genau diese TheStandort Ortenau

men sind es, die Klumpp + Müller (130 Mitarbeiter) als individuelle Logistiklösungen auffasst und behandelt. Oder sei es, dass eine große Geschirrspülmaschine aus Offenburg nach Port Louis auf Mauritius muss. Passend zum Slogan

71 Prozent aller bewegten Güter in Deutschland rollen auf Lastwagen durchs Land. Mit 114 Milliarden Tonnenkilometern macht der Eisenbahnverkehr 16 Prozent aus

„Logistik ohne Grenzen“ organisiert Klumpp + Müller den Transport per Luftfracht, damit es zur Hotel-eröffnung saubere Teller gibt. Wenn es um frische Früchte geht, ist die Acherner Spedition Fresh Logistics am Zug. Spezialisiert auf sensible, temperaturgeführte Transporte bringt die Fresh Logistics System (FLS) Obst, Gemüse, Blumen und Pflanzen sicher ans Ziel. Der Logistikdienstleister ist ein Tochterunternehmen der Landgard Gruppe und als Spezialist für hochverderbliche Produkte seit seiner Gründung 2007 dynamisch gewachsen. Von Fresh Logistics System bis zur Spedition Decker & Co in Achern ist es


Fotos: Müller + Klumpp, Decker & Co.

nur ein Katzensprung. Das Unternehmen beschäftigt 190 Mitarbeiter, verfügt über mehr als 100 Zugfahrzeuge und eine extrem leistungsfähige Umschlagsanlage. Das macht Decker & Co zum Spezialisten für Teilladungen und Langmaterial, außerdem gilt die Spedition mit offenem Zollager als exportorientiert und extrem stark im Schweizverkehr. Die Spedition Seiler aus Berghaupten im vorderen Kinzigtal setzt dagegen in erster Linie auf Silofahrzeuge und ist stolz, einen besonders modernen und umweltschonenden Fuhrpark zu besitzen. Neben silierfähigen Gütern hat sich Seiler mit Getränkelogistik und Möbeln einen Namen gemacht.

Mitten in Europa, in unmittelbarer Nachbarschaft zur elsässischen Metropole Straßburg, liegt der Rheinhafen Kehl. Hier am Rhein – im Schnittpunkt der wichtigsten Verkehrswege für den europäischen Warenaustausch. Seit mehr als 60 Jahren ist die Hafenverwaltung Kehl erfolgreicher Dienstleister. Mit 70 Mitarbeitern bietet das Unternehmen besten Service in den Bereichen Grundstück- und Standortmanagement und sorgt für eine perfekte Hafeninfrastruktur. Auf dem 320 Hektar großen Güterverkehrszentrum Rheinhafen Kehl zählt die Hafenverwaltung als Spezialist beim Umschlag und Lagern von Massen- und Stückgut.

Geschäftsführer Michael Klumpp im gerade erweiterten Umschlaglager von Klumpp + Müller auf dem Areal des Kehler Hafens: das mittelständische Unternehmen beschäftigt rund 130 Mitarbeiter. Die Acherner Spedition Decker & Co (kleines Bild) verfügt über 4500 qm Umschlagfläche und 3000 qm Lagerfläche

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Elsass

Rüber machen Drei Staaten, zwei Sprachen, sechs Millionen Einwohner: Der Oberrhein hat Potential. Als grenzenloser Wirtschaftsstandort muss die Region jedoch noch zusammenwachsen.

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orgens 7.15 Uhr in Straßburg: Bruno Lami steigt in seinen Peugeot 207 und macht sich auf den Weg zur Arbeit. Jeden Tag fährt der 32-jährige SoftwareEntwickler rund 50 Kilometer bis zu seinem Arbeitsplatz bei Bosch in Bühl. Das Pendeln macht dem Grenzgänger nichts aus. Er mag seinen Job in dem deutschen Unternehmen. Wie Lami pendeln täglich rund 60  000 Elsässer in die Nordschweiz und nach Baden, darunter rund 6500 in die Ortenau. Tendenz seit 2011 wieder steigend. Der Grund ist schnell erzählt:

Die Arbeitslosigkeit im Elsass nimmt seit 2001 kontinuierlich zu und nähert sich heute mit einer Quote von 9,2 Prozent gefährlich dem französischen Landes-

96 000 Arbeitskräfte pendeln in der Trinationalen Metropolregion Oberrhein über Staatsgrenzen hinweg. Davon kamen 63 Prozent aus dem Elsass und 36 Prozent aus Baden

durchschnitt (10,9 Prozent). Auf der anderen Seite der Grenze boomt dagegen die Wirtschaft, Arbeitskräfte sind knapp. Nach dem Motto „Gemeinsam sind wir stark“ wollen die politischen Akteure auf beiden Seiten des Rheins nun beide Probleme lösen. Dazu haben sie im Dezember 2010 die Trinationale Metropolregion Oberrhein (TMO) gegründet. Ein Gebilde, das die Südpfalz, das Elsass, Baden sowie die fünf Kantone der Nordwest-Schweiz umfasst, und in vier Säulen organisiert ist – Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Jede Säule bildet ❯

Grenzüberschreitende Wirtschaft in Zahlen · Im Elsass sind insgesamt 50 Niederlassungen badischer Unternehmen angesiedelt, 15 davon sind aus dem Ortenaukreis. Darunter: WeberHaus, Hilzinger, Kasto Maschinenbau, Bürstner, Leitwerk, Burda Druck und Duravit. · Mehr als 50 Prozent der badischen Niederlassungen im Elsass sind im Großraum Straßburg konzentriert.

·1  12 Arbeitnehmerzahl beschäftigt jede Niederlassung im Schnitt. ·8  5 Prozent der 50 befragten Unternehmen sehen in ihrer elsässischen Niederlassung eine Stärke. ·2  7 Prozent der Unternehmen gehören zu einem Cluster beziehungsweise ihre Niederlassung zu einem „Pôle de compétitivité“ wie zum Beispiel die Cluster-Initiative „Ener-

gie und Umwelt“ oder „Life Sciences“. ·9  0 Prozent der Befragten halten vor allem deutsche, aber auch englische Sprachkenntnisse für wichtig. · F ür 45 Prozent ist die mangelnde Mobilität der Mitarbeiter eine Hürde für die Beschäftigung im Elsass und für die Entwicklung der Gesellschaften am Oberrhein. Quelle: Ernst & Young, November 2012

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Foto: Michael Bode

Sinnbild für den neuen Geist am Oberrhein: die Mimram-Brücke zwischen Kehl und Straßburg und der Garten der zwei Ufer

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❯ eine Arbeitsgruppe und vereint Vertre-

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ter aus den drei Partnerländern. Auftrag der Wirtschaft bis 2020: den Arbeitsmarkt durchlässiger machen, Technologie- und Wissenstransfer erleichtern. Die Unternehmen in der Ortenau und im Elsass haben das Potenzial des Nachbarn schon viel früher erkannt. Viele von ihnen sind bereits seit Jahren grenzüberschreitend aktiv. So zieht beispielsweise die Strasbourg événement als Geschäftsführung des Musik- und Kongreszentrums PMC sowie des Messegeländes „Parc des expositions“ mit ihren Veranstaltungen und der Zusammenarbeit mit den besten Cateringservices viele Grenzgänger aus Deutschland an. Beispiel Actimage: 1995 entstand der Dienstleister für Informations- und

Existenzgründer setzen auf ein Europa ohne Grenzen

Kommunikationstechnologie in Paris und Straßburg. 1997 folgte die Gründung von Actimage Luxemburg, 2001 die von Actimage Deutschland. Warum? Ganz einfach. „Es handelt sich um unterschiedliche Märkte mit unterschiedlichen Bedürfnissen“, sagt Firmengrün-

der Marc Lott. „Da muss man einfach vor Ort präsent sein, um entsprechend agieren zu können.“ Die lokale Präsenz sorge für eine bessere Akzeptanz am Markt und eine engere Vernetzung mit anderen Unternehmen sowie Universitäten und Forschungseinrichtungen. Beispiel Nussbaum-Gruppe: Der Hebebühnen-Hersteller aus Kehl arbeitet seit zwei Jahren mit der Ecole de Management, einem Teil der Straßburger Universität, zusammen. „Wir beschäftigen Praktikanten, Diplomanden und Absolventen der französischen Hochschule“, sagt Marketingleiter Jürgen Maier. „Außerdem kommt schon seit Jahren etwa ein Drittel unserer Belegschaft aus dem Elsass.“ Geschäftsführer Steffen Nussbaum liegt die grenzüberschreitende Zusammenarbeit am Herzen. Deshalb engagiert er sich seit 2007 als Präsident des deutsch-französischen Wirtschaftsclubs. Beispiel Hilzinger Fenster und Türen GmbH: „Ich habe 1990 eine kleine Firma für Fensterproduktion in Ostwald bei Straßburg übernommen“, so HansWerner Hilzinger, dessen Bruder Helmut in Willstätt Fenstersysteme, Haustüren, Rollläden und Innentüren baut und vertreibt. Er habe immer eine Affinität zu Frankreich gehabt, wollte sich selbstständig, dem Bruder aber keine Konkurrenz machen. „Da war schnell klar, dass ich den Namen Hilzinger und

mit ihm das Familienunternehmen auf den französischen Markt führen würde.“ Heute produziert Hilzinger France an vier Standorten und beschäftigt 300 Mitarbeiter.

Frankreichs Problem: Zu viel Bürokratie bremst die wirtschaft aus Fest steht aber auch, dass der reibungslosen Zusammenarbeit über den Rhein hinweg noch einige Hindernisse im Weg stehen. „Wettbewerbshemmnisse, die zum Beispiel durch baurechtliche Vorschriften entstehen, treffen vor allem deutsche Handwerker“, sagt Réne Meier, Koordinator der Säule Wirtschaft bei der TMO. Der Marktzugang nach Frankreich und in die Schweiz wird nach Erfahrung des Experten durch relativ viel nationalstaatliche Bürokratie erschwert. Auf den 21 529 Quadratkilometern der Trinationalen Metropolregion Oberrhein leben 2,9 Millionen Erwerbstätige, darunter 96 000 Grenzgänger. Das Brutto-Inlandsprodukt der Region liegt deutlich über 210 Milliarden Euro. Außerdem bieten 167 Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen 170 000 Studierenden 30 bioder trinationale Studiengänge.

Hans-Georg Nussbaum unterstützt seit jeher den grenzübergreifenden Arbeitnehmeraustausch mit dem Elsass

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Foto: shutterstock.com/andronow

Die Gebäude des Europäischen Parlaments in Straßburg – wenn es nach den Industrie- und Handelskammern in Baden und im Elsass geht, soll die Trinationale Metzropolregion Oberrhein ein Stück Europa im Kleinen werden. 

Sprache als Schlüssel Herr Schalck, ein Ziel Ihrer Bemühungen ist es, den Arbeitsmarkt an der Grenze durchlässiger zu machen. Warum? Schalck: In Südbaden und in der Nordschweiz herrscht quasi Vollbeschäftigung, im Elsass liegt die Arbeitslosenquote bei über 9 Prozent, unter Jugendlichen sogar bei 20. Allen drei Ländern ist daher daran gelegen, die Pendlerzahl zu erhöhen. Die liegt derzeit bei 60 000 Elsässern, die täglich rüber machen ... Schalck: Tatsächlich arbeiten bereits viele Elsässer im Nachbarland. Allerdings sind das meist ältere, die in den kommenden Jahren in Rente gehen. Die junge Generation wächst leider nicht schnell genug nach. Woran liegt das? Schalck: Viele junge Elsässer sprechen schlicht nicht gut genug Deutsch. Doch auch die Anforderungen an die Berufsausbildung sind heute weit höher als noch in den 1970er und 1980er Jahren.

Stichwort: Berufsabschlüsse. Diese stellen eine weitere Hürde da … Schalck: Eine Herausforderung für die Zukunft ist die Vergleichbarkeit der Berufsabschlüsse. Was wird dafür getan? Schalck: Seit Herbst 2013 ist es möglich, eine grenzüberschreitende Berufsausbildung zu machen. Dabei wird der praktische Teil in einem Betrieb im Nachbarland, die Theorie weiterhin im Mutterland absolviert. Wird das ausreichen? Schalck: Wir müssen außerdem Berührungsängste abbauen. Dazu dient das Projekt „Wirtschaft macht Schule“, bei dem elsässische Collèges mit deutschen Unternehmen eine Partnerschaft eingehen und die Schüler im Unternehmen an Praktika und Projekten teilnehmen. Welchen Erfolg versprechen sich die Akteure von den Maßnahmen? Schalck: Sozialpolitische Errungenschaften wie die 35-Stunden-Woche und der flächendeckende Mindest-

Quelle: CCI Alsace

„Um einen gemeinsamen Wirtschaftsraum am Oberrhein zu schaffen, müssen wir vor allem die Menschen mitnehmen“, sagt Patrick Schalck von der elsässischen IHK

Patrick Schalck, Direktor für Industrie und grenzüberschreitende Zusammen­ arbeit bei der elsässischen IHK  

lohn in Frankreich motivieren junge Leute derzeit nicht, im liberaleren Deutschland zu arbeiten. Wichtig ist uns daher, sie von der Idee eines Europas im Kleinen zu überzeugen. Die Sprache des Nachbarn ist dabei ein Schlüssel. Das gilt übrigens für beide Partner. Also, liebe Badener, lernt Französisch! Es lohnt sich.

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Die Natur als Vorbild In der Ortenau will man die Welt retten – mit Fenstern, die Energie gewinnen und Häusern, die Müll vermeiden. Eine ganze Branche nimmt sich die Natur zum Vorbild…

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ans Weber ist schuld. Er hat mit dem Thema angefangen. Mit nachhaltigem Bauen. Als kaum ein Kunde etwas davon wissen woll­ te, hat der Grand Seigneur der Fertig­ hausszene schon Niedrigenergiehäuser bauen lassen. Und das 1991. Als es den Liter Sprit noch für eine Mark gab. Zugegeben: Nachhaltigkeit ist mehr als Energiesparen. Und Hans Weber darf man es auch nicht ankreiden, dass sich in der Baubranche inzwischen alle über Nachhaltigkeit definieren. Er ist all die Jahre einfach seiner Überzeugung ge­ folgt, entwickelte 1996 das erste NullHeiz-Energiehaus und 2006 die ökolo­ gische Außenwand ÖvoNatur. Damit ist es möglich, dass ein Haus mehr Energie gewinnt als es verbraucht. Eine Devise von Weber lautet: Nur aus der Natur nehmen, was nachwächst – Holz statt Beton. Eine andere: Müll vermeiden – recycelte Mineralwolle statt auf Erdöl basierender Dämmstoffe. Für ihn selbstverständlich, dass sein Un­ ternehmen nachhaltig wirtschaftet. So baut Weberhaus Fertighäuser mit Strom aus Solarenergie, schont dabei Ressour­ cen und spart auch noch Geld. Drei Säulen gehören zum nachhal­ tigen unternehmerischen Handeln, sagt Hans Weber: ökologische, soziale und ökonomische Verantwortung. Also neben dem Umweltschutz auch das lange Leben des Unternehmens und

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die Belange der Mitarbeiter. Die fühlen sich bei Weberhaus wohl: Mehr als die Hälfte der 850 Mitarbeiter ist bereits seit zehn Jahren und länger im Unter­ nehmen. Und auch der Nachwuchs wird gepflegt: 1600 Jugendliche hat der Fertighausbauer binnen 50 Jahren aus­ gebildet. 70 allein in 2013. Mit innovativen Produkten umwelt­ schonend Energie gewinnen? Kann man in Willstätt auch. Hilzinger pro­ duziert nicht nur günstige Fenster aus Kunststoffprofilen, was ihn über die Jahre zu Europas größtem Hersteller von Fenstern und Türen gemacht hat – er hat auch Fenster für Energiesparund Passivhäuser im Programm. Spitze des Eisbergs: Fenster, die mehr Energie gewinnen, als durch sie verloren geht. Das funktioniert, in dem auftreffende Solarenergie eingefangen wird – und gleichzeitig die Fensterrahmen extrem gut wärmegedämmt ist. Nachhaltig sind aber auch die ganz normalen Hilzinger-Fenster. Hält doch ein Kunststofffenster bis zu 40 Jahre und ist zudem wartungsfrei und recycel­ bar. Ein langes und erfolgreiches Dasein ist auch dem Unternehmen selbst be­ schieden: 1946 als Glaserei und Holz­ fensterschreinerei gegründet unterhält Hilzinger heute Standorte in ganz Deutschland sowie weitere Fabriken in Frankreich und Tschechien. Das Famili­ enunternehmen beschäftigt knapp 1000 ❯


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BauWirtschaft

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❯ Mitarbeiter. Der Umsatz lag zuletzt bei

170 Millionen Euro. Die Hansgrohe SE (mit Sitz in Schil­ tach) ist in der Sanitärbranche einer der Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit, Um­ welt- und Klimaschutz. Die Firma blickt auf eine jahrzehntelange „grüne“ Fir­ mengeschichte zurück und steckt ihre Ziele für eine ökologische Zukunft hoch. Zu Hansgrohes Selbstverständnis Zielen gehört es, gesellschaftliche Ver­ antwortung zu übernehmen und Nach­ haltigkeit zu leben. Als „Anwalt des Wassers“ ist Hansgrohe ein „grünes“ Unternehmen aus Überzeugung, hat es Siegfried Gänßlen zu seiner Zeit als Vor­ standsvorsitzender formuliert. Und aus Tradition. Seit den 1980er Jahren entwickelt der Schwarzwälder Badspezialist verstärkt Wasser- und Energie sparende Produkte. Darüber hinaus beschreitet der Branchenvor­ reiter in allen Unternehmensbereichen

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nachhaltige Wege und setzt mit um­ weltfreundlichen Konzepten Standards. Dass die Firmenziele erreicht – und messbar – werden, dafür sorgt ein Len­ kungsausschuss aus Unternehmensvor­ stand und Abteilungsleitern. Nachhaltiger Wohnungsbau, schön und gut. Aber was macht die Industrie?

Nachhaltigkeit zahlt sich aus – wenn man vorher investiert 80 Prozent der gesamten Lebenszyklus­ kosten eines Industriebaus entstehen nach dessen Fertigstellung, weiß man bei Freyler in Kenzingen. „Für welche Zukunft bauen wir?“, fragen daher die Spezialisten für Stahl- und Metallbau sowie Projektentwicklung. Und bei

einer Frage bleibt es selten. Welches Wachstum ist zu erwarten? Wie sind Logistikabläufe zu optimieren? Wie kön­ nen Kosten für Heizung, Kühlung und Beleuchtung gesenkt werden? All das ist nicht nur bei Großprojek­ ten wie der Allianz Arena in München zu bedenken – hier lieferte Freyler 16 000 Quadratmeter Stahlkonstruktion –, sondern gerade beim Bau von Pro­ duktions- und Lagerhallen für Mittel­ ständler in der Region. In der Branche geht was. Bewegung bringen aber nicht nur die Unterneh­ men. „In den vergangenen 20 Jahren haben sich vor allem unsere Kunden verändert“, sagen Edith Chrobok und Wilhelm Schillinger von der Oberwol­ facher Fensterbau Erich Schillinger GmbH. „Viele hinterfragen heute die Herkunft unserer Rohstoffe.“ Das Fami­ lienunternehmen setzt daher bewusst auf Naturwerkstoffe und verarbeitet


Weißtannenholz aus dem Schwarzwald. Auch die Kunden vom Architektur­ büro Müller und Huber in Oberkirch wollen eine nachhaltige Planung, dar­ unter die Edeka-Gruppe und die Stadt Oberkirch. Nachhaltigkeit heißt für Ge­ schäftsführer Jürgen Huber, dass er als Architekt weiter denken muss als sein Bauherr. „Den Trend-Begriff Nachhaltig­ keit verwenden zwar alle in der Bran­ che, aber einige planen Gebäude mit ei­ nem immobilenökonomischen Horizont von nur 12 bis 15 Jahren. Das ist keine nachhaltige Arbeit“, sagt er. Ähnlich sieht es der Architekt und Geschäftsführer der Grossmann Group, Jürgen Grossmann. Er ist überzeugt, dass sich Nachhaltigkeit lohnt – nur muss vorher investiert werden. „Abrei­ ßen und neu bauen, ist meist einfacher und preiswerter, als mit der Bestandsim­ mobilie zu arbeiten“, sagt der Mann, der für die Entwicklung von Projekten

wie der Umnutzung des Kehler Bahn­ hofs verantwortlich ist. „Aber am Ende benötige ich für Abriss und Neubau ein Vielfaches an Energie und Rohstoffen. Das ist das Gegenteil von Nachhaltig­ keit.“ Viele Projekte der Lehmann Ar­ chitekten aus Offenburg sprechen in punkto Nachhaltigkeit für sich: zuletzt die neue Wasserkraftanlage des E-Werks Mittelbaden. Spatenstich „Am Mühl­ bach“ in Offenburg war im Januar 2014. Von Herbst 2014 an gibt es von hier grünen Strom. Nachhaltiges Arbeiten und Wohnen ist auch auf dem 30 000 Quadratmeter großen Gelände der Areal Industriehof GmbH & Co. KG problemlos möglich. Innovative Produkte, weitsichtige Planung, ganzheitliche Arbeitsweise – und wozu das Ganze? Um die Welt zu retten! Für unsere Kinder. Klar, dass die Ortenauer Baufamilien da mitmachen. Neben Weberhaus und Hilzinger Fenster & Türen ist auch Claus Schma­ gers WSK Kälte- und Klimatechnik oder das Bauunternehmen Rendler aus Ober­ kirch in Familienhand: Der Betrieb hat 160 Jahre auf dem Buckel und wird in fünfter Generation von Familie Rendler geleitet. Heute beschäftigt das Bauzentrum 170 Mitarbeiter. Oder das Bauunterneh­ men Bold aus Achern. „Bold ist Familie“ sagt Sebastian Bold. In vierter Generati­ on geführt, „arbeitet“ die Familie nicht nur unermüdlich am Erfolg der Firma, sondern auch an der fünften Generati­ on. Bold prophezeit: „Mindestens die nächsten 50 Jahre Familienunterneh­ men Bold sind gesichert.“ Die Eichner Baugesellschaft mit Sitz in Lahr steht seit 1919 für Kompetenz und Qualität im Baugewerbe. Hier wird Ökologie und Ökonomie miteinander verflochten, denn sie arbeiten mit ge­ räuscharmer und umweltverträglicher Technologie. Die Weiter- und Ausbil­ dung des Nachwuchses haben bei Eich­ ner einen hohen Stellenwert.

Fotos: www.shutterstock.com/dugdax, Grossmann Group, Weberhaus, Schillinger, Freyler

Kehler Bahnhof, ein Projekt der Grossmann Group (1), Fensterproduktion bei Hilzinger in Willstätt (2), (3) Holz-AluFenster von Schillinger in Oberwolfach, (4) Stahlbau bei der Freyler GmbH in Kenzingen

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Fotos: www.shutterstock.com/rangizzz

Dienstleister

Passende Köpfe Demografie ist keine Prognose. Und auch in der Ortenau kämpfen Unternehmen gegen chronischen Fachkräftemangel. Aber immerhin: Not macht erfinderisch…

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ie sucht. In der Ortenau, in ganz Deutschland, sogar in Polen und Spanien. Auch er und seine 278 Mitarbeiter suchen – in ihren Datenbanken und denen ihrer elsässischen Kollegen. Auf der Suche sind beide nach Köpfen – und zwar den besten. Die Rede ist von Sylvia Selinger von der Acrobat GmbH für Personaldienstleistungen und Horst Sahrbacher, dem Chef der Agentur für Arbeit Offenburg. Beiden gemeinsam ist: Sie kommen bei der Vermittlung von qualifizierten Arbeitskräften kaum noch nach. „Der Vermittlungsbereich wird seit Mitte 2013 immer maßloser“, sagt Selinger. Und das ist ein gutes Zeichen. Immer, wenn es mit der Konjunktur bergauf geht, nimmt bei Acrobat die Vermittlung von Arbeitskräften zu. Acrobats Headhunter spüren für die Unternehmen in der Ortenau Personal und Fachkräfte auf: von der Reinigungskraft, über den Controller bis hin zum Geschäftsführer. Einen echten Mangel sieht Sylvia Selinger derzeit nur bei Facharbeitern und Handwerkern. Und auch Horst Sahrbacher bestätigt: „Einen generellen Fachkräftemangel gibt es in der Ortenau noch nicht.“ Ob Energie, Gesundheit, Werbung oder Bildung – die Dienstleister der Region investieren in Belegschaft und Nachwuchs, damit der prophezeite Fachkräftemangel bei ihnen möglichst lange ausbleibt. Derweil warnt die IHK. Dem südlichen Oberrhein dürften in den kommenden Jahren 25  000 Fachleute fehlen. Das hat mit demografischer Entwicklung zu tun und dem Wirtschaftswachstum. Das E-Werk Mittelbaden mit Sitz in Lahr und der regionale Gasversorger Badenova setzen daher auf eigenen Nachwuchs und bilden kräftig aus. Elektroniker, Fachleute für Energieund Gebäudetechnik sowie Industriekaufleute. Die Ausbildungsquote beim E-Werk liegt derzeit bei rund neun Prozent. Bei der Badenova investiert man außerdem in Kooperationen mit den Fachhochschulen und Universitäten der Region, denn der Fachkräftemangel sei

seit fünf Jahren immer deutlicher spürbar. Außerdem wichtige Ausbildungsbetriebe unter den Dienstleistern in der Region: die Südwestdeutsche VerkehrsAktiengesellschaft (SWEG) mit knapp 800 Mitarbeitern und Azubis im technischen und kaufmännischen Bereich, die WSK Kälte- und Klimatechnik GmbH mit Sitz in Kehl-Leutensheim (Bürokaufleute und Kälteanlagenbauer), die Mittelbadischen Entsorgungs- & Recyclingbetriebe oder die MSG Krandienst GmbH (Berufskraftfahrer), die Partner der Beruflichen Schulen Kehl ist. Auch das Derpart Reisebüro Rade mit Büros in Kehl, Offenburg und Achern bildet seit mehr als 30 Jahren jedes Jahr fünf bis acht junge Leute aus. Neue Kräfte suchen und ausbilden steht auf der einen, vorhandene Kräfte halten und weiterbilden auf der anderen Seite. Beim E-Werk Mittelbaden liegt die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit der 300 Mitarbeiter bei 18 Jahren. Darauf ist man stolz. Und deshalb investiert der Energieversorger in Gesundheitsmanagement und Altersvorsorge. Andere Dienstleister sagen, sie wollen nur die Besten und bieten deshalb Außergewöhnliches. So wie F & S Marketing, die Dialogmarketingund Vertriebs-Gesellschaft mit Sitz in Offenburg, die ihren Mitarbeitern u.a. freie Zeiteinteilung ermöglicht und eine hausinterne, kostenlose Kinderbetreuung anbietet oder die Werbeagentur Kalisch & Partner aus Offenburg, die branchenbedingt zurzeit nicht über Fachkräftemangel klagen kann. Im Marketingbereich sind Jürgen und Ga-

94 304 Menschen waren Mitte 2013 bei Ortenauer Dienstleistern beschäftigt. Das entspricht rund 59 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten

briele Siegloch und ihr Unternehmen C & S Marketing in Appenweier keine unbekannte Größe mehr. Der ehemalige offensive Mittelfeldspieler des VfB Stuttgart war ebenso offensiv wie erfolgreich im Burda-Konzern tätig und lässt auch mit 63 Jahren die Zügel nicht locker. Auch bei den Beratungsunternehmen Energie Consulting GmbH in Kehl mit derzeit 40 Mitarbeitern sowie Moser & Partner in Offenburg ist die Qualifizierung und Weiterbildung der Mitarbeiter zentraler Dreh- und Angelpunkt. Innovative Start-ups unterstützt in Offenburg der Technologiepark Offenburg (TPO) mit kostenloser Beratung, Räumlichkeiten und den für einen erfolgreichen Unternehmensstart wichtigen Kontakten, schon seit 1987. Außerdem immer wichtiger für Arbeitnehmer: die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die AOK Baden-Württemberg trägt seit 2011 ein Zertifikat, das eine familienbewusste Personalpolitik bescheinigt. „Dazu gehören Hilfen beim Wiedereinstieg nach der Elternzeit, flexible Arbeitsmodelle, Kinderbetreuung und Teilzeit auch für Führungskräfte“, sagt Petra Spitzmüller, stellvertretende Geschäftsführerin der AOK Südlicher Oberrhein. Zur Frauenförderung gehört das Mentorinnen-Programm der AOK, das sich an Frauen wendet, die trotz familiärer Herausforderungen Führungsaufgaben übernehmen möchten. „Unternehmen müssen umdenken, wenn sie weibliche Fachkräfte haben wollen“, sagt Spitzmüller. Bei der AOK hat man verstanden: In den 22 Kundencentern am südlichen Oberrhein – neun davon in der Ortenau – arbeiten 700 Menschen. 75 Prozent davon sind weiblich, 35 Prozent tragen Führungsverantwortung. Stichwort Familienförderung. Hier setzt die Stadt Offenburg seit Jahrzehnten Maßstäbe. Schon vor der Wende war Politikern und Unternehmern klar, dass der demographische Wandel Realität ist und Geld kosten wird, speziell im Bereich Kinderbetreuung. Gesagt und tatsächlich was getan – über alle Wahlperioden und drei ❯

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❯ Bürgermeister hinweg, und zwar so:

Dienstleister

Gewerbesteuer rauf und dieses Geld zweckgebunden in den Ausbau von 160ge000 Krippen und Kindertagesstätten steckt. Ergebnis: Lange vor der gesetzlichen Regelung gab es in Offenburg einen 140 000 Anspruch auf einen Kindergartenplatz ab dem zweiten Lebensjahr und ein be120 000 darfsentsprechendes Angebot an Betreuungsplätzen ab dem ersten Lebensjahr. 100 000 Für Kinder unter einem Jahr vermittelt der Offenburger Tagesmütterverein eine 80 000 qualifizierte Tagesbetreuung. In einigen Branchen reichen die Bemühungen vor Ort allerdings 60 nicht 000 mehr aus. „Seit gut zwei Jahren rekru-

Arbeitslose und Beschäftigte im Ortenaukreis 8 756 10 149

9 990

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40 000 Führungskräfte 20 000 in teilzeit – ein modell mit zukunft? 0

2000 2005 2010 2013 Beschäftigte

tieren wir europaweit Handwerker und Facharbeiter“, sagt Sylvia Selinger von Acrobat. Der Fokus liegt auf Polen und Spanien. „In Osteuropa finden wir Facharbeiter, die gut Deutsch sprechen.“ In Spanien sei die Sprache ein Problem. „Die Leute sind gut und arbeitswillig, aber Unternehmen müssen zunächst mal Geld in die Hand nehmen, um sie für das Arbeitsleben in Deutschland fit zu machen“, so Selinger. Langfristig komme man ihrer Meinung nach um diese Investition nicht herum. Unternehmen müssen sich darauf einstellen, zukünftig noch mehr Geld

Arbeitslose Quelle: Agentur für Arbeit

für gute Mitarbeiter auszugeben, meint auch Alexander Reichert, Leiter Energien und Infrastruktur bei der Betreibergesellschaft Industriepark Willstätt. Nicht nur Personalkosten werden langfristig steigen. „Man muss viel früher akquirieren, mehr für Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter tun und mehr alternative Arbeitsmodelle anbieten“, sagt er. Nur wer das beherzigt und sich im Ausland nach passenden Köpfen umschaut, werde langfristig am Markt bestehen.

Von oben nach unten: Gesundheitsmanagement bei der Ortenauer AOK, Elekroniker-Auszubildende bei der Badenova und beim E-Werk Mittelbaden, Personaldienstleisterin und Chefin der Acrobat GmbH Sylvia Selinger

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Die Wirtschaft in der Ortenau boomt nicht nur, ihre Struktur ist außerdem zukunftsfähig, heißt es von der Agentur für Arbeit Offenburg: „Ein starker Kern leistungsfähiger Firmen im verarbeitenden Bereich ist die Voraussetzung dafür, dass sich auch ein starker Dienstleistungssektor entwickelt“, sagt Agentur-Chef Horst Sahrbacher. 33 Prozent aller Beschäftigten arbeiten im verarbeitenden Gewerbe – damit ist die Ortenau das industrielle Herz Badens.

Gleichzeitig sei der Dienstleistungssektor in den vergangenen zehn Jahren deutlich gewachsen – heute arbeiten hier 8,6 Prozent mehr Menschen als noch vor fünf Jahren –, in den einzelnen Branchen allerdings unterschiedlich stark. „Die Mitarbeiterzahl im Gesundheits- und Sozialwesen hat seit dem Jahr 2008 um 15 Prozent zugenommen, die Beschäftigtenzahl der Finanz- und Versicherungsdienstleistungen dagegen nur um 4,1 Prozent.“

Fotos: AOK, badenova, E-Werk Mittelbaden, Acrobat

Wirtschaftsstruktur der Ortenau


Foto: Hochschule Offenburg

Der Campus Gengenbach, einer von vier Standoren der Hochschule Offenburg: Hier befindet sich die Fakultät für Betriebswirtsschaft und Wirtschaftsingenieurwesen

Aus der Region für die Region Ob Studium, Aus- oder Weiterbildung – wer in der Ortenau lernt, findet oft auch hier eine Anstellung. Weil die Ausbildung überzeugt, genau wie die Unternehmen.

tung in Kehl. Bis zu 75 Prozent haben zum Zeitpunkt der letzten Prüfungen bereits einen Vertrag in der Tasche. Die öffentliche Verwaltung leidet besonders unter dem demographischen Wandel, weshalb die Zulassungszahl in Kehl zum Sommersemester 2014 von 318 auf 403 erhöht wurde. Ein dritter Hochschulstandort in der Ortenau ist Lahr im Schwarzwald. Dort ist die private Wissenschaftliche Hochschule Lahr ansässig, die der AKAD-Bildungsgesellschaft mbH angehört. Schwerpunkte sind die Fachrichtungen Wirtschaft, Technik, Management und Wirtschaftssprachen. Die AKAD Bildungsgesellschaft ist außerdem Trägerin der AKADHochschule Stuttgart sowie weiterer Außenstellen und Studienzentren in ganz Deutschland. Bei der Messe Offenburg beobachtet man Auswirkungen des drohenden Fachkräftemangels: Die Aussteller der BIM, der größten Berufsinformationsmesse im Südwesten, vergrößern nach und nach ihre Standflächen und werben mit auffälligen

4300

Entwicklung der Studierendenzahlen:

3742

2789 1922 Quelle: Hochschule Offenburg

„Im Ländle studieren, war genau die richtige Entscheidung“, sagt Lea Treick, Studentin der Verfahrenstechnik an der Hochschule Offenburg. „Der Bekanntheitsgrad der Hochschule bei den Unternehmen sowie der gute Ruf der praktischen Ausbildung sind einfach zwei unschlagbare Argumente.“ Wovon sich im Wintersemester 2013/14 weitere 1140 Studienanfänger überzeugen ließen. Der große Standortvorteil der Einrichtung ist die Nähe zu zahlreichen Hightech-Firmen im Bereich Maschinenbau und Elektrotechnik – zwei Studienfächer, die seit der Gründung vor 50 Jahren gelehrt werden. Außerdem sind Fachkräfte, die in Offenburg in sogenannten MINTBerufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) ausgebildet werden, mehr als gefragt: Zwei Drittel bleiben nach dem Studium in der Region und kommen noch vor den Abschluss-Prüfungen in einem Unternehmen unter. Ähnlich geht es den Studenten der Hochschule für öffentliche Verwal-

1028 72 1964 1993 - 2002 - 2009 - 2011 - 2013 1994 2003 2010 2012 2014

Messeauftritten um die Aufmerksamkeit von Schülern und Studenten. Für die Unternehmen der Region werde es immer wichtiger, sich auf der Plattform zur Rekrutierung von Nachwuchs- und Fachkräften zu präsentieren, sagt Katharina Burgmaier von der Messe. Begonnen hat die BIM im Jahr 2001mit 95 Ausstellern und 5500 Besuchern. 2013 waren es 345 Aussteller und 26 000 Besucher, davon waren 70 Prozent Schüler.

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BANKEN

Genug Geld für neue Ideen

Foto: www.shutterstock.com /  Maksim Shmeljov, Sparkasse Offenburg/Ortenau, Sparkasse Hanauerland, Sparkasse Gengenbach

In Baden-Württemberg gibt es durchschnittlich 1,2 Sparkassen je Landkreis.In der Ortenau sind es fünf. Hinzu kommen leistungsstarke Volksbanken – ein Segen für den Mittelstand

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ür eine alte Dame von 150 Jahren ist die Volksbank Offenburg ziemlich rüstig. Jeden Tag im Internet unterwegs und einen Haufen neuer Ideen im Kopf. 150 Millionen Euro haftendes Eigenkapital und eine Solvabilitätskennziffer von 16,1 bedeuten, dass man in der Okenstraße schon heute so sicher im Sattel sitzt, wie es die Basel-IIIVorschriften ab 2019 verlangen. Eine Selbstverständlichkeit? Von wegen! Ob Commerzbank oder Deutsche Bank, Credit Agricole oder Societé Genérale: Viele europäische Großbanken gelten nach einer aktuellen OECD-Studie als unterkapitalisiert. Und damit ist unsicher, ob sie ihre originäre Funktion als Kreditgeber für die Wirtschaft vollumfänglich erfüllen. In Offenburg geht man das Thema mit breiter Brust an. „Wir sind und bleiben DIE Bank des Mittelstands“, schreibt Vorstandsvorsitzender der Volksbank Offenburg, Markus Dauber. „Unser gewerbliches Kreditvolumen 2020 wird dem entsprechen, was unsere Kunden benötigen.“

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Standort Ortenau

Derzeit hat die Volksbank Offenburg 520 Millionen Euro gewerbliche Kredite in den Büchern stehen, gut 50 Millionen Euro mehr als noch vor sieben Jahren. Hinzu kommen 44 Millionen Euro an Förderdarlehen – für Existenzgründer, zur Wachstumsfinanzierung oder für Unternehmensnachfolgen. Dauber: „Wir fördern Investitionen und sichern somit die Zukunft von Arbeitsplätzen und Wohlstand.“ Doch weil auch die Volksbank weiß, dass Geld allein nicht glücklich macht, setzt die Mannschaft auf Beratung. Mit Erfolg: Focus Money weist für die Volksbank eine Kundenzufriedenheit von 1,51 aus – der bundesweit beste gemessene Wert. Bleiben wir bei den Superlativen. Größte regionale Bank im Ortenaukreis ist die Sparkasse Offenburg/Ortenau, entstanden nicht zuletzt durch die Fusion mit der früher selbständigen Sparkasse Lahr-Ettenheim. Von Sasbach im Norden bis Ringsheim im Süden decken die Offenburger flächenmäßig gut zwei Drittel des Landkreises ab. 880 Mitarbeiter legen sich für 208 000 Kunden


ins Zeug. Vier Milliarden Euro Bilanzsumme und l,1 Milliarden Euro gewerblicher Kredite stehen in den Büchern. Jährlich gewährt die Sparkasse Unternehmen neue Darlehenszusagen im Volumen von mehr als 200 Millionen Euro. „Das hält den Wirtschaftsmotor hochtourig am Laufen“, so Vorstandschef Helmut Becker. Die Sparkasse Offenburg/Ortenau sieht sich als größten und wichtigsten Pfeiler in der Finanzierung des regionalen Mittelstands. Mit 178,5 Millionen Euro Eigenkapital wird man diese Rolle auch künftig spielen können, denn die Stabilitätskriterien nach Basel III erfüllt die Sparkasse bereits. Und mehr als das: die Sparkasse unterstützt ihre Kunden bei Auslandsaktivitäten, ist Türöffner für das Frankreich-Geschäft und schult Mitarbeiter von Firmenkunden bei speziellen Fragen wie etwa dem Exportakkreditivgeschäft. Apropos Ausland: Die Sparkasse Hanauerland mit Sitz in Kehl geht hier noch einen Schritt weiter. Naturgemäß, könnte man sagen, denn Kehl und Straßburg verbindet mehr, als der Rhein trennt. Die Sparkasse Hanauerland jedenfalls kooperiert eng mit

der Caisse d`Epargne aus dem Elsass und steht Sparkassenkunden aus ganz Deutschland als Frankreichspezialist im Netzwerk S-Country-Desk mit Rat und Tat zur Seite. Ihrer regionalen Verantwortung für die Unternehmen vor Ort kommen die Kehler gleichermaßen nach: Mit 1,5 Milliarden Euro Bilanzsumme liegt die Sparkasse mit der Offenburger Volksbank auf Augenhöhe. Eigene Umfragen zur regionalen Konjunkturentwicklung und die Begleitung von Firmenkunden bei der Finanzierung einer neuen Fabrik in Nordamerika – für den Vorstandsvorsitzenden Joachim Parthon gehört das zu den Aufgaben einer Sparkassen. „Es ist ganz einfach“, sagt er. „Wenn es der Region gut geht, geht es auch der Sparkasse gut. Und wenn der Wind mal ungünstig bläst, muss man eben mehr rudern.“ Direkter Wettbewerber der Sparkasse Kehl im Hanauerland ist die Volksbank Bühl mit ihrem Vorstandsvorsitzenden Claus Preiss, neben der Volksbank Achern, eine der zwei Genossenschaftsinstitute ganz im Norden des Landkreises. Bei der Volksbank Achern hat Vorstandsvorsitzender Clemens Fritz 192 Mitarbeiter in Lohn und Brot, die Bilanzsumme liegt bei knapp unter 900 Millionen Euro. Die Volksbank Bühl wiederum weist eine knappe Milliarde Euro Bilanzsumme aus, dazu 120 Millionen Euro Eigenkapital und eine gute Ertragslage. 280 Millionen Euro für den Mittelstand stehen in den Büchern, hinzu kommen 50 Millionen Euro Förderdarlehen und seit Oktober 2013 eine eigene Crowdfunding-Plattform im Dauerbetrieb. Zertifizierte GenerationenBerater (IHK) beraten von Bühl aus ❯

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3 Mit 880 Mitarbeitern ist die Sparkasse Offenburg-Ortenau das größte regionale Geldinstitut (1). Die Sparkasse Hanauerland mit Sitz in Kehl (2) ist traditionell im Frankreichgeschäft stark, die Sparkasse Gengenbach (3) im vorderen Kinzigtal

Standort Ortenau

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Fotos: Volksbank Offenburg, Volksbank Lahr, Volksbank Bühl, Volksbank Kinzigtal

BANKEN

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Alles gute Adressen: Die Haupstelle der Volksbank Offenburg (1), die Zentrale der Volksbank Lahr (2) in der Schillerstraße, das Hauptquartier der Volksbank Bühl (3) und die Volksbank Kinzigtal in Wolfach (4)

❯ bundesweit Mitglieder und Kunden bei

Themen wie Vorsorge und Betreuungsvollmachten. Um mit solchen (und weiteren) innovativen Ideen zu punkten, hat die Bank eine Innovationswerkstatt mit elf Trendscouts eingerichtet. Im Süden der Ortenau ist die Volksbank Lahr mit Frank Peter Rottenecker an der Spitze der Platzhirsch. Früher gab es hier einen Flickenteppich von 42 selbstständigen Volks- und Raiffeisenbanken – dann kam Manfred Basler, der ein Institut mit mehr als zwei Milliarden Euro Bilanzsumme daraus machte, mit 181 000 Kunden und 157 Millionen Euro Eigenkapital. Und auch der aktuelle Vorstand verfolgt ehrgeizige Ziele. Auf rund 250 Millionen Euro beläuft sich das gewerbliche Kreditvolumen derzeit – bei fünf Prozent Wachstum jährlich sollen es 2020 rund 360 Millionen Euro sein. Geld, mit dem neue Arbeitsplätze entstehen.

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Standort Ortenau

Eine Spur kleiner – aber nicht unbedingt weniger erfolgreicher sind die selbstständigen Volksbanken und Sparkassen im Kinzigtal unterwegs. Die Sparkasse Gengenbach (90 Mitarbeiter) mit ihrem Vorstandsvorsitzenden Thomas Laubenstein weist 500 Millionen Euro Bilanzsumme aus – und hat das Firmenkundengeschäft in den vergangenen zehn Jahren um gut 50 Prozent ausgedehnt. Im mittleren Kinzigtal hat die Sparkasse Haslach-Zell (VV Mathias

13 Milliarden Euro Bilanzsumme weisen die zehn selbstständigen Volksbanken und Sparkassen gemeinsam aus. So unterschiedlich sie alle sind – der Mittelstand ist allen wichtig

Wangler) mit rund 1,08 Milliarden Euro Bilanzsumme ihr Geschäftsgebiet, oben im Schwarzwald dann die Sparkasse Wolfach unter Vorsitz von Günter Rauber die drittkleinste Sparkasse im Land mit rund 450 Millionen Euro Bilanzsumme. Die Volksbank Kinzigtal wiederum (ebenfalls mit Sitz in Wolfach) beschäftigt 160 Mitarbeiter bei einer Bilanzsumme von 562 Millionen Euro und einem gewerblichen Kredit­ volumen von 141 Millionen Euro. „Wir betreuen unsere Firmenkunden umfassend und nachhaltig. Unser Wettbewerbsvorteil ist die schnelle Entscheidung direkt vor Ort, da wir in der Region unseren Mittelstand und seine Situation gut kennen und beurteilen können“, sagt Vorstand Martin Heinzmann. „Der gelebte Genossenschaftsgedanke schafft, was uns unterscheidet: die Nähe zum Menschen und zum Mittelstand.“


Fotos: Timo Hengst

Schöne Heimat New York – Rio – Gengenbach? Deutschland wird als Reiseziel immer beliebter, auch bei ausländischen Gästen. Mit neuem Image erlebt auch der Schwarzwald sein Comeback Standort Ortenau

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I Tourismus

n der Nähe von Gengenbach, zwi­ schen Streuobstwiesen und Wald: ein Bauernhaus mit weit herabge­ zogenem Walmdach und einem aus Naturstein gemauerten Kellergeschoss. Hier wohnt und wirtschaftet Familie Sester. Mitbewohner sind Ziegen, Kühe, Hühner – und immer wieder: Touristen. Seit mehr als 20 Jahren empfangen die Sesters Gäste aus ganz Deutschland, seit ein paar Jahren auch immer mehr Franzosen, Finnen und Israelis. Warum zieht es Menschen aus aller Welt auf ei­ nen kleinen Bauernhof? „Die wollen ‚ty­ pisch Schwarzwald‘“, sagt Irene Sester. „Hier kriegen sie das.“ Die vier Ferien­ wohnungen der Sesters sind oft schon ein halbes Jahr im Voraus ausgebucht.

1 Urlaub in deutschland ist in, im Schwarzwald erst recht

Die Besucherzahlen steigen, so wie überall in Deutschland: Fast 411 Milli­ onen Übernachtungen, davon mehr als 70 Millionen aus dem Ausland, waren es bundesweit 2013. Schon seit zehn Jahren kennen die Tourismuszahlen nur einen Weg: nach oben. Besonders im Südwesten. „Zwischen 2002 und 2012 haben die Gästeübernachtungen in der Ortenau um 39 Prozent zugenommen“, sagt Martin Knauer vom Tourismusver­ band Baden-Württemberg. Die Zahl der Übernachtungen aus dem Ausland hat sich in dieser Zeit mehr als verdoppelt. Nicht unschuldig daran ist Deutsch­ lands zweitbeliebteste Sehenswürdig­

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Standort Ortenau

keit. Hinter Schloss Neuschwanstein, aber noch vor dem Kölner Dom und dem Brandenburger Tor rangiert ein unscheinbarer Ort zwischen Offenburg und Freiburg. Das 3831 Einwohner klei­ ne Rust punktet mit 16 Themenberei­ chen auf rund 940 000 Quadratmetern, mehr als 100 Fahrgeschäften und mitt­ lerweile fünf exklusiven Hotels. Wer sich vergnügen will, denkt an Euro­mir, Pegasus und Silverstar, und fährt in den Europa-Park. Seit der Gründung stei­ gen die Besucherzahlen kontinuierlich: 1975 waren es 250 000, 2013 wurde die Fünf-Millionen-Besuchermarke fast geknackt. Neben den vielen Fahrge­ schäften bietet der Europa-Park aber noch mehr: Gaumenfreuden kredenzt das Küchenteam des „Ammolite - The Lighthouse Restaurant“ um Küchenchef

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Peter Hagen, dessen Kochkünste vom renommierten Michelin-Führer mit ei­ nem Stern geadelt wurden. Das Kontrastprogramm zum EuropaPark finden Besucher in den beliebtes­ ten Hotels der Ortenau. Ob auf dem Dollenberg, dem Schliffkopf, im 4-Ster­ ne-Hotel und Restaurant Sonnenhof in Lautenbach oder in Durbach im traditi­ onsreichen Ritter oder in der Traumlage des Rebstocks – was in den 4-SterneHäusern zählt, ist vor allem eins: Ruhe! Im best geführten Familienhotel Deutschlands nimmt man das wörtlich: Jedes der Zimmer im Relais und Cha­ teaux Hotel Dollenberg hat schalldich­ te Wände. „Die ruhige Lage ist einer unserer größten Pluspunkte“, sagt der Maître de Maison, Meinrad Schmiede­ rer. „Deshalb achten wir darauf, dass es


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ruhig bleibt.“ Störelemente wie zu viel Autoverkehr oder gar Windräder kann der Hotelier auf dem Dollenberg nicht

remidemmi oder ruhe? im schwarzwald finden gäste beides gebrauchen. Denn: „Natürlich kommen heute mehr Gäste als vor 20 Jahren. Die bleiben aber immer kürzer.“ In den 1990er Jahren buchten sie noch drei bis vier Wochen am Stück. „Heute sind die Zimmer nur noch für zwei bis fünf Tage belegt.“ Ruhe allein wird da langfristig als Argument nicht ausreichen, pro­ phezeit Schmiederer. Er wünscht sich

deshalb: Skizirkus, Naturschutzgebiet und einen Ausbau des öffentlichen Per­ sonennahverkehrs. 1025 Meter über dem Alltag. Hier fährt keine Bahn hin. Mit Ruhe, Natur und Genuss lockt das Wellness- und Natur-Hotel Schliffkopf seine Gäste. Reizklima, gepflegte Gastlichkeit und vier Hotelsterne sind Grund genug. „Die Übernachtungszahlen steigen. 90 Prozent unserer Gäste kommen aus Deutschland“, sagt Doreen Fahrner. Der „Ritter“ in Durbach unter Füh­ rung des Ehepaars Müller blickt auf mehr als 350 Jahre gastliche Tradition zurück. Helmut Kohl und François Mit­ terrand haben hier schon getafelt. Und wenn Burda zum Bambi lädt, steigen die Stars in Durbach ab. Ob Wellness, Ausfahrt mit dem Oldtimer oder Verkös­

Fotos: www.shutterstock.com/RALPHOTO, Hotel Ritter, Europa-Park, Hotel Dollenberg, Hotel Schliffkopf

Gourmet- und Sterne-Koch Peter Hagen in der Küche des Ammolite (1), Riesengaudi mit dem Silverstar im Europa-Park (2), entspanntes Saunieren auf dem Dollenberg (3) sowie viel Ruhe und Erholung im Schliffkopf Hotel auf 1025 Metern Höhe (4)

tigung im Hauseigenen Gourmet-Res­ taurant „Wilder Ritter“, durbachs Ritter hat viel zu bieten. Eingebettet im eigenen Landschafts­ park liegt das Hotel-Restaurant Rebstock in Durbach. Die Küchenchefs, Vater und Sohn Baumann, achten darauf dass möglichst Produkte aus der Regi­ on verarbeitet werden und legen Wert auf höchste Qualität. Ob Golfen, Para­ gliden, Schwimmen oder Klettern – die Freizeitmöglichkeiten sind nahezu un­ begrenzt. Seit 200 Jahren steht die Zeller Ke­ ramik Manufaktur aus Zell am Hamers­ bach für hochwertige Qualitätsarbeit in der Fertigung von Keramikgeschirren. Als Mitbringsel aus dem Schwarzwald sind die handbemalten Hahn und Hen­ ne-Dekore weltberühmt.

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Nahrung & Genuss

So schmeckt der Schwarzwald Für Verbraucher ist regional wichtiger als bio. Wobei sich beide Begriffe natürlich nicht ausschließen – aber der Schwarzwälder Genussindustrie eben neuen Auftrieb geben

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ie Hubers haben es schon immer gewusst. Oder zumindest: Sie haben schon immer so gearbeitet. „Wir wirtschaften seit mehr als 500 Jahren regional“, sagt Rolf Huber, Geschäftsführer der Hubermühle in Hohberg. Bei ihm entstehen Mehle, die nicht beim Discounter zu bekommen

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sind. Dazu Grieße, Schrote, Müsli-Zutaten und verschiedene andere Getreideprodukte. „Geiz ist geil“ gab es hier nie, denn Qualität stand schon immer an erster Stelle. Aber dass die über Generationen gelebte Strategie der Hubers nun der große Trend in der Lebensmittelbranche ist, dass Regionalität für viele

Verbraucher an erster Stelle steht – das freut die Hubers natürlich: „Unsere Kunden wollen wissen, wo die Produkte herkommen und wie sie verarbeitet werden.“ Und weil man das bei den Hubers erfährt, steigen die Umsätze. Einer von Hubers Kunden ist Volker Gmeiner. Für den Chocolatier und Kon-


Foto: Winzergenossenschaft Durbach

Keller zum Verlieben: Nicht nur bei den Durbacher Winzern machten schon urige Weinkeller Lust auf eine ausgiebige Verkostung der heimischen Spezialitäten

ditormeister ist klar, dass er seine Rohstoffe soweit möglich aus der Ortenau bezieht. Das allerdings nicht in erster Linie aus Liebe zur Region, eher aus Liebe zum Produkt. „Das Zeitfenster zwischen Produktion und Verzehr muss so klein wie möglich sein, denn mit jeder Minute geht Geschmack verloren.“ Daher ist es kein Zufall, dass Gmeiners 400 Quadratmeter große Back- und Schokoladenwerkstatt in Appenweier und damit mitten in der Toskana Deutschlands steht. Ob Mehl, Äpfel, Himbeeren, Nüsse oder Milch – alles vor der Haustür. Und binnen Stunden zu liefern. Denn mit seinen rund 100 Mitarbeitern produziert Gmeiner Pralinen, Tafelschokolade und Osterhasen nicht auf Halde. Ein Lager gibt es nicht. „Wir fertigen auftragsbezogen und immer frisch. Unsere Hasen werden bis in die Osterwoche hinein gegossen.“ Mit einer entsprechenden Maschine? Nein, natürlich von Hand. Neben Regionalität ist Handarbeit auch so ein Zauberwort, das Verbraucher anmacht.

Und um sich davon zu überzeugen, kommen sie auch gerne vorbei. Bei Gmeiner in Appenweier monatlich etwa sechs bis acht Gruppen. Besonders gerne schauen und kosten die Kunden bei den Ortenauer Winzern. Ob in Durbach, Gengenbach, Oberkirch oder rund um den sagenumwobenen Felsvorsprung Dasenstein – die Winzergenossenschaften der Region bieten mehr als Wein, sie bieten Weinerlebnisse. Im Steinberghäuschen mitten in den Reben haben Weinliebhaber bei Johannes Himmelsbach einen zauberhaften Blick über das Durbachtal. Auch die Vinothek ist gut besucht. „Hier bieten wir unseren Gästen Produkte, die sie

200 Liter Sahne verarbeitet der Oberkircher Chocolatier Volker Gmeiner pro Woche. Sein Lieferant ist die Schwarzwaldmilch aus Offenburg

so nur bei uns bekommen“, sagt Johannes Himmelsbach, geschäftsführender Vorstand der Winzergenossenschaft Durbach. Haben Sie schon mal einen Durbacher Riesling-Senf probiert? Nein? Dann ab nach Durbach. Die 240 Winzer setzen bei all ihren Produkten auf ein optimales Preis-Genuss-Verhältnis. Bei zuletzt zehn Millionen Euro Umsatz scheint das Rezept zu munden. Die Gengenbacher Winzergenossenschaft hingegen wurde 1951 mit 44 Winzern gegründet. 63 Jahre später zählt die WG 687 Mitglieder, eine Gesamtfläche von 253 Hektar und einer Kapazität von insgesamt 4,5 Millionen Litern – Vom Müller-Thurgau über den Weißburgunder bishin zum Sauvignon blanc sind bei der Gengenbacher Winzergenossenschaft alle Rebsorten der Ortenau vertreten. Ebenfalls 1951 gegründet wurde die Oberkircher Winzer eG. Durch die einmalige Kombination von Steillage und granithaltigem Boden entstehen in Oberkirch sehr edle Weine mit speziellem Charakter. Die Weine, die den ❯

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Nahrung und Genuss

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❯ hohen Anforderungen und die Qualität

erfüllen erhalten das Siegel für die Weinserie „Vinum Nobile“. Auch das Weingut Schloss Ortenberg ist mit seinen erlesenen Weinen und der jahrhundertlangen Historie nicht nur regional bekannt. Zahlreiche Auszeichnungen wie der internationale Steillagenpreis 2012 und 2013 unterstreichen den Erfolg. Einen ordentlichen Medaillenspiegel vorzuweisen hat der Winzerkeller Hex vom Dasenstein aus Kappelrodeck. Im In- und Ausland ist der Weinmacher aus dem Achertal sehr erfolgreich. Mit einem Platz im Club der Besten bei den Bundesweinprämierungen des DLG wird die Kontinuität in Qualität und Sortenreinheit immer wieder bestätigt. Dauerhaft gehört die Hex zu den 100 besten Betrieben in Deutschland. Weinbergwanderung, Weinseminar und Weinprobe stehen auch bei der Alde Gott Winzer eG hoch im Kurs. „Die Menschen heute sind neugierig, wie das

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Produkt entsteht“, sagt Geschäftsführer Günter Lehmann. „Vor zehn Jahren waren Weine aus Südamerika schick. Da konnte man nicht so schnell vorbei fahren. Wollte man auch nicht.“ Heute will man und bei Alde Gott kann man. Mit der Weinsparte wurden zuletzt neun Millionen Euro erwirtschaftet. Ein zweites Standbein der Winzergenossenschaft sind Edelbrände und Liköre. Umsatz 2013: vier Millionen Euro. Ein Renner ist der Alde Gott Eierlikör. Die Eier für den hochprozentigen Tropfen kommen übrigens vom Hühnerhof in Sasbachwalden und werden alle von Hand aufgeschlagen. Schlappe 600 000 Eier pro Jahr. Riesenerfolg ohne Prozente? Können die Ortenauer auch. Mit einem stillen Mineralwasser haben die Peters­taler Mineralquellen den bis dato marktbeherrschenden Wässern aus Frankreich Marktanteil abgenommen. Modernes Design, sanfter Geschmack und dazu ein Name, der schon Marke ist: Black Forest. Von 200 stillen Wäs-

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sern in Deutschland belegte Peterstaler 2013 Platz drei der regionalen und Platz Neun der nationalen Mineralwasser. Dass Regionalität bei deutschen Kunden eine immer größtere Rolle spielt, kommt einem Traditionsunternehmen aus dem Schwarzwald gelegen. Das Rezept überzeugt aber auch außerhalb Europas: Das in die USA und an den Golf exportierende Unternehmen setzte mit 170 Mitarbeitern zuletzt 30 Millionen Euro pro Jahr um. Ein ähnlicher Exportschlager sind die Produkte vom Obstgroßmarkt Mittelbaden (OGM). Äpfel und Steinobst, Beeren und Birnen – vieles ist schon 24 Stunden nach der Ernte im Einzelhandel. Das Schwimmbecken in der Apfelsortieranalge ist nicht viel kleiner als eine Turnhalle – und voll mit neuester Computertechnik. Elstar, Jonagold, Boskoop und Fuji werden während der Saison tonnenweise sortiert, verpackt, verkauft – oder eingelagert. Die Kühlzellen des Obst-

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Fotos: Gmeiner, Hubermühele, OGM, Peterstaler, Durbacher Winzergenossenschaft

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großmarkts, in denen die Früchte ohne Sauerstoff bis Ostern frisch bleiben, sind größer als ein Haus. Und dann die Kirschen! Mittelbaden gilt als bestes Anbaugebiet Europas – in Verbindung mit dem technischen Know-how der Ortenau ist klar, dass die Piemont-Kirschen (der Name bezieht sich aufs Verfahren, die Früchte in Alkohol einzulegen) für Ferreros Mon Cherié aus Oberkirch stammen … Wie könnte es anders sein? Auch beim Bier ist Regionalität in. Wo der Gerstensaft gebraut wird, ist fast wichtiger als Bio, Nachhaltigkeit und Fair Trade zusammen. Das freut die Inhaber der 1852 gegründeten Familienbrauerei Bauhöfer in Renchen-Ulm. Deren Winter-Bock, das Ulmer Pilsener und das Kristall-Weizen dürfen sich mit DLGGold (Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft) schmücken. Bundesweit gehört die Ulmer Brauerei damit zu den Top 50 Gerstensaftproduzenten in Deutschland. Die Brau-

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erei, zwar äußerlich als AG, aber im Besitz eines Privatmannes, entwickelte sich sehr schnell zur größten Brauerei des Ortenaukreises. Die Offenburger Kronenbrauerei erzeugt jährlich rund 100 000 Hektoliter Bier. Dass Brot in seinem festen Aggregatzustand ebenfalls Leib und Seele erfreut, beweist Familie Dreher aus Gengenbach seit über 50 Jahren. Markus Dreher mit Filialen am Stammsitz in Gengenbach und in Offenburg, sein Bruder Thomas mit Backstuben in Kehl und seit Herbst 2013 auch in Straßburg. Durch die gelungene Verbindung aus Know-how und Tradition entstehen bei Bimmerle Edelbrände höchster Qualität. Als mittelständisches Unternehmen sind ihre Produkte in Deutschland sowie auf dem europäischen Markt gefragt. Ein großer Vorteil ist Bimmerles Standort in Achern: Mitten in Schwarzwälder Obstplantagen gelegen, begleitet die Firma die edlen Früchte bei ihrem Reifeprozess.

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In der Schokoladenwerkstatt von Volker Gmeiner (1), bei Hubers in der Mühle (2), die Kronen-Brauerei in Offenburg (3), die Apfelsortieranlage des Obstgroßmarktes Mittelbaden (4), Peterstaler medium von den gleichnamigen Mineralquellen (5), die neue Dreher-Filiale in Straßburg (6) und die Lage Alde Gott bei Sasbachwalden (7)

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A Acrobat 45 Actimage 23, 36 Agentur für Arbeit Offenburg 45 AKAD Bildungsgesellschaft 47 Albert Köhler 27 Alde Gott Winzer 56 Alfred Linck Automobile 30 Aliseo 30 AOK Südlicher Oberrhein 45 Areal Industriehof43 ASAL 30  B Badenova 45 Badische Stahlwerke BSW 18

Guller

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H Haake und Partner 23 Hafenverwaltung Kehl 34 Hansgrohe SE 42 Helia Ladenbau 18 Hermann Schill 06 Herrenknecht 06 Hiller Objektmöbel 18 Hilzinger Fenster & Türen 38, 40 Hochschule Offenburg 47 Hochschule für Öffentliche Verwaltung Kehl 47 Hobart 06 Hotel Dollenberg 52

INDEX Alle Firmen von A bis Z

Badische Zeitung 22 Bauhöfer Familienbrauerei 57 Bimmerle, Schwarzwälder Edelbranntweinbrennerei 57 Bold Baubetriebe 43 Burda Druck 24 Bürstner 12  C C & S Marketing 45 Carl Fr. Scheer Käsespezialitäten 30 Carl Leipold 10 D Decker & Co 34 Dernières Nouvelles d‘Alsace 22 DERPART Reisebüro Rade 45 Ditter Plastic 19 Doll Fahrzeugbau 13 Dreher Stadtbäckerei 57 Druckhaus Kaufmann 26 Duravit 18  E ECG Energie Consulting 45 Edeka Südwest 29 Eichner Baugesellschaft 43 Erdrich Umformtechnik 10 Ernst Möschle Behälterbau 11 Ernst Umformtechnik 11 Etol-Werk Eberhard Tripp 19 Europa-Park Rust 52 Europ. Parlament Straßburg 39 E-Werk Mittelbaden 45  F Fensterbau Erich Schillinger 42 Fischer Rohrtechnik 10 Forstwirtschaftliche Vereinigung Schwarzwald 27 France Est Médias 22 Fresh Logistics System 34 Freyler Industriebau 42 Fritsch Elektronik 16 F & S Dialogmarketing 45 G Gmeiner Konditorei Grossmann Architekten

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Standort Ortenau

54 42

Hotel-Restaurant Rebstock Hotel Schliffkopf Huber Kältemaschinenbau Hubermühle Hubert Burda Media Hund Büromöbel Hydro Systems

53 53 05 54 21 18 12

I Industriepark Willstätt (BIW) 46 J J. Schneider Elektrotechnik Janoschka Julabo

16 26 05

K Kalisch und Partner Werbeagentur Kammerer Gewindetechnik Karl Knauer Kasto Maschinenbau Kimmig Entertainment Klotter Elektrotechnik Klumpp + Müller Koehler Paper Group Kratzer Kresse & Discher Kronen Kronenbrauerei Offenburg 

45 11 24 07 22 15 34 26 11 21 06 57

L Ladog Fahrzeugbau Lahrer Zeitung Landgard Obst & Gemüse Lehmann Architekten Leitwerk

12 22 34 43 23

M Maja-Maschinenfabrik 06 Markant 29 Meiko Maschinenbau 06 Messe Offenburg-Ortenau 47 Mittelbadische Entsorgungs- und Recyclingbetriebe 45 Moser & Partner 45 MRO Beschaffungsmarktplatz 30 MSG Krandienst 45 Müller und Huber 42 Mulag Fahrzeugbau 12

O Oberkircher Winzer 55 Obstgroßmarkt Mittelbaden 56 Ohnemus Sägewerk 27 Ortenauer Winzerkeller 29 Otto Nussbaum 11, 38 P Peterstaler Mineralquellen Pfeiffer & May  Philipp Kirsch Presscontrol Elektrotechnik Presstec  Printus Progress Werk Oberkirch

56 30 06 15 18 30 09

R Reiff Medien Rendler Bauzentrum Richard Neumayer Ritter Durbach Ruch Novaplast

21 43 11 53 10

S Sägewerk Streit 27 Schäfer Kunststofftechnik 19 Schrempp EDV 23 Schwarzwaldeisen 30 Seiler Spedition 34 Sonnenhof Restaurant Hotel 52 Sparkasse Gengenbach 50 Sparkasse Hanauerland 49 Sparkasse Haslach-Zell 50 Sparkasse Offenburg/Ortenau 48 Sparkasse Wolfach 50 Stadtanzeiger Verlag 22 Stinova 18 Stinus Orthopädie 30 Strasbourg événement 38 Streb Elektrogroßhandel 16, 30 SWEG 45 T TechnologiePark Offenburg Tourismusverband BW Trinationale Metropolregion Oberrhein

45 52 36

U Ucon Containersysteme

11

V Vega Grieshaber Vioma Volksbank Achern Volksbank Bühl Volksbank Kinzigtal Volksbank Lahr Volksbank Offenburg

16 22 49 49 50 50 48

W Wagner Maschinen 07 Weberhaus 40 Weingut Schloss Ortenberg 56 Weiss Automotive 11 Winzergenossenschaft Durbach 55 Winzergenossenschaft Gengenbach 55 Winzergenossenschaft Hex vom Dasenstein 56 WSK Kälte - und Klimatechnik 45 Z Zehnder Group Deutschland 18 Zeller Keramik Manufaktur 53

IMPRESSUM Standort Ortenau, eine Veröffentlichung der Wirtschaftsregion Offenburg/Ortenau (WRO)

Herausgeber Wirtschaftsregion Offenburg/ Ortenau (WRO) Manfred Hammes In der Spöck 10 77656 Offenburg Telefon 07 81/9 68 67 30 info@wro.de www.wro.de

Tietge Publishing Redaktionsleitung Ulf Tietge Tietge GmbH Wilhelmstraße 31 77654 Offenburg Telefon 0 78 1/91 97 05 - 0 info@tietge.com Redaktion Sabine Klüber Alexander Buggisch Sarah Späth Sarah Steen Layout Susanne Bertonnaud Helena Kirchner

Redaktionsschluss: 1.Oktober 2014


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Eine Branchenübersicht mit den wichtigsten Unternehmen des industriestärksten Landkreises am Oberrhein.

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