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Oranienburgs wiederbelebte Mitte ERWEITERTER BAROCKER STADTGRUNDRISS 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren 2003 - 2013 Ausstellungsbrosch端re


iese Br sch端re

urde aus

itteln der St dtebau rderung nanziert


Oranienburgs wiederbelebte Mitte ERWEITERTER BAROCKER STADTGRUNDRISS 10 JAHRE DISKURSIVES PLANUNGSVERFAHREN 2003 - 2013

Ausstellungsbrosch端re

Februar 2014


2009 Luftbild: Hansa Luftbild M端nster


VORWORT Hans-Joachim Laesicke ls nde des

ahrhunderts Berlin

einen gewaltigen Aufschwung nahm, pr

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etz aus Stra en,

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ransp rt

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material, Lebensmitteln und Rohstoffen für die unersättliche

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des Schl sses au die Stadt

Gleichzeitig erhalten Sie in r ati e inblicke in die

ranienburg i

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und

die anschlie ende Sanierung des ltesten Bar ckschl sses der Mark Brandenburg, das mit der international beachtender den

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z gene nt icklung der letzten ahre

Die Hoffnung der Stadt, dass allein das ab 2001 museal ge-

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hochwertige Aufwertung und Belebung der historischen

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hrleisten, entstand n ang des derne Stahlbrücke, ür deren r-

bardierungen ranienburgs

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Das erfolgreiche Bemühen um die Austragung der Landes-

Bausubstanz und Bausünden

scha en, u

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ranienburgs

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hrend der

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Hans-Joachim Laesicke

ünscht hnen


ZUR AUSSTELLUNG ahre iskursi es Planungs er ahren

r eiterter Bar cker Stadtgrundriss

Im Rahmen des 10-jährigen Jubiläums des „Diskursiven

und neu errichtet, die Stra en und

Planungsverfahrens Erweiterter Barocker Stadtgrundriss“

saniert, der Schlosspark denkmalgerecht saniert und ein

dokumentiert und würdigt die Stadt Oranienburg mit einer

neuer Park angelegt

Ausstellung die Bedeutung des Planungsverfahrens und dessen Ergebnisse mit den in den letzten 10 Jahren erfolgreich umgesetzten Baumaßnahmen. ach der und

rschl ge zur u

ertung

iederbelebung der in der Kriegs und achkriegszeit

zerst rten bar cken nnenstadt, aber auch teil eise sehr rstellungen

ie nnenstadt

wurde bereits sehr früh als Sanierungsgebiet förmlich festgelegt

n den ersten ahren k nzentrierte sich der in-

satz der zur

er ügung stehenden

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lung, zur Geschichte des Schl sses und zeigt isi nen ür die Stadtent icklung aus erschiedenen ahrzehnten

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ir

ünschen hnen iel Spa bei der Lektüre

waltung, wichtigen gesellschaftlichen Gruppen und der Öffentlichkeit in einem gemeinsamen Diskurs Einigkeit über

ichtige iele und

a nah en ür die nt icklung

dieses zentralen Bereiches hergestellt und mit einem breiten Konsens ein nt icklungsk nzept erabschiedet des K nzeptes

ar es, die hist rische

iel

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unter Berücksichtigung st dtebaulicher, denk alpflegerischer, erkehrlicher und au zu erten und st dtischen

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irtscha tlicher n rderungen

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Ausstellung in der „Schaustelle“ der neuen Stadtbibliothek am Schlossplatz 2, vom 26.10. - 27.10.2013

den uschlag durch das Land Brandenburg

erteilt beka ahezu alle zeptes aus de den letzten hang

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it der Landesgartenschau k nnten der Schl ssplatz

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a elu ern neu ge rdnet und au ge ertet, die

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Ausstellung und Broschüre urden unterstützt durch die Städtebauförderung des Landes Brandenburg

inige der abgebildeten rhaben wurden aus dem Europäischen Fonds für regionale nt icklung ge rdert


Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

12.-17.Jh. DER ORT BÖTZOW VON DEN ANFÄNGEN BIS ZUM 30-JÄHRIGEN KRIEG Der Ort Bötzow Um 1200 wird von den Askaniern zur Sicherung der Havel am westlichen Ufer eine Burg errichtet. Südlich davon lag der Ort „Bothzowe“. 1402 ist B tz eine arkgr fliche Burg gliederten Siedlung Burgflecken

it einer kleinen ange-

1411 wird die Burg Bötzow der Herrschaft des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich I. unterstellt. 1485 werden Burg und Stadt Bötzow kurfürstliches Amt. 1535 - 1571 nter achi Geschlecht der henz llern , Kur ürst n Brandenburg, ird die e r ati n einge ührt 1543, 1548 ird das St dtlein durch euersbrünste zerst rt ahre erneuert achi die st dtischen Pri ilegien z B reie ischerei, reih lz, Leinen eberpri ileg

Modell des Ortes Bötzow, um 1200, mit Burg und einem Knüppeldamm als Haupterschließung, angefertigt vom Lehrer Kurt Rücker, gestiftet zur 700-Jahrfeier und Eröffnung des Heimatmuseums, 1932 KREISMUSEUM OBERHAVEL

Jagdschloss im Stil der Renaissance um 1550 lässt der Kurfürst die verfallene Burg überbauen und ein Jagdschloss errichten. Es gehört zu einer Anzahl verschiedener agdschl sser, it denen er seine Berliner esidenz u gab 1571, 1579, 1590 überni t hann Ge rg, S hn n achi , die egentscha t und ird Kur ürst n Brandenburg l sst er das enaissanceschl sschen i nneren k plett u bauen. ird B tz durch einen Brand ernichtet

Zerstörung im 30-jährigen Krieg 1618 - 1648 überni t Ge rg ilhel die egierung des Kur ürstentu s Brandenburg und des erz gtu s Preu en flieht er it de gesa ten staat nach K nigsberg, er stirbt hrend des hrigen Krieges ird B tz n eiteren euersbrünsten s ie der Pest hei gesucht

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Erweiterter10 Barocker 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren Erweiterter Barocker Stadtgrundriss Jahre Stadtgrundriss Diskursives Planungsverfahren

1651-1667 ORANIENBURG ZUR ZEIT LOUISE HENRIETTES SCHILDERUNGEN VON THEODOR FONTANE

K

„ aum war die Schenkungsurkunde ausgestellt, so begann auch die Tätigkeit der hohen Frau, die durch den Anblick frischer Wiesen nicht nur an die Bilder ihrer Heimat erinnert sein, die vor allem auch einen Wohlstand, wie ihn die Niederlande seit lange kannten, hier ins Dasein rufen und nach Möglichkeit die Wunden heilen wollte, die der Dreißigjährige Krieg diesen schwer geprüften Landesteilen geschlagen hatte. Kolonisten wurden ins Land gezogen, Häuser gebaut, Vorwerke angelegt und alle zur Landwirtschaft gehörigen Einzelheiten alsbald mit Emsigkeit betrieben. Eine Meierei entstand und Gärten und Anlagen faßten alsbald das Schloß ein, in denen der Gemüsebau, die Baum- und Blumenzucht ebenso das Interesse der Kurfürstin wie die Arbeit der Kolonisten in Anspruch nahmen. [...]

Eine Musterwirtschaft nach holländischem Vorbild sollte hier ent-

stehen, aber die Hauptaufmerksamkeit der hohen Frau war doch dem Schloßbau, der Gründung eines Waisenhauses und der Aufführung einer Kirche zugewendet.“

THEODOR FONTANE, WANDERUNGEN DURCH DIE MARK BRANDENBURG, BAND 3 HAVELLAND, DIE GESCHICHTE DES SCHLOSSES ORANIENBURG, 1873

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Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

1651-1667 UNTER LOUISE HENRIETTE DIE GEBURTSSTUNDE ORANIENBURGS Ausbau zur Residenzstadt Bau eines Wasserschlosses und Ansiedlung von niederländischen Kolonisten 1651 schenkt Kurfürst Friedrich Wilhem (ab 1675 „Großer Kurfürst“) seiner Frau Louise Henriette von Oranien die „Domaine Bötzow“. Das Amt Bötzow vollzieht durch ihre Förderung eine enorme wirtschaftliche, bauliche und kulturelle Entwicklung. 1651 bis 1655 lässt Louise Henriette das Jagdschloss zu einem Lustschloss umbauen - die „Oranien-Burgk“ (Baumeister J.G. Memhardt). 1653 wird die ehemalige Stadt Bötzow in „Oranienburg“ umbenannt. Zudem lässt sie einen Schlossgarten bzw. Lustgarten diagonal zum Schloss anlegen. Er wird von Mauern und Laubengängen umschlossen und orientiert sich am Stil der Barockgärten. Durch Landzukäufe wird der Garten noch erweitert. Allegorie auf die Gründung Oranienburgs, Willem van Honthorst, um 1655 KREISMUSEUM OBERHAVEL

Ebenso vergrößert sie das Amt durch weitere Dörfer und lässt reformierte, niederländische Kolonisten ansiedeln. Sie legt eine Musterwirtschaft östlich der Havel an. Es entstehen eine Brauerei, Schäferei, Meierei, Ziegelei und eine Papiermühle. Im Schloss wird die erste Porzellankammer eingerichtet.

wird das kurfürstliche Jagdzeughaus an der Stelle des späteren Rathauses (Kopfbau zwischen Breite Straße und späterer Berliner Straße) errichtet. 1657 wird das Amtshauptmannshaus gebaut. 1658 - 1663 wird die St. Nikolai Kirche erneuert. 1659 gibt Louise Henriette der Stadt eine Verfassung.

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1665 stiftet Louise Henriette der Stadt ein Waisenhaus, welches in Blickachse des Schlosses errichtet wird. Zudem wird ein Marstall gebaut.

MARTIN ZEILLER / MATTHÄUS MERIAN, TOPOGRAPHIA ELECTORATUS BRANDENBURGICI FRANKFURT A. M., 1652

1671 wird, nach dem Tod der Kurfürstin (1667), ein Großteil der Stadt durch einen Brand zerstört. Auch das Waisenhaus ist davon betroffen. Die wahrscheinlich in Angerform angelegte „Breite Straße“ wird nach dem Brand ostwärts verbreitert und neu aufgebaut. Das Waisenhaus wird 1678 wieder errichtet.

Amtshauptmannshaus von 1657, Foto, vor 1945

Königliches Waisenhaus Oranienburg von 1665, Foto, um 1915

KREISMUSEUM OBERHAVEL

KREISMUSEUM OBERHAVEL

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Erweiterter Barocker Stadtgrundriss Jahre Stadtgrundriss Diskursives Planungsverfahren Erweiterter10 Barocker 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

1667-1711 BLÜTEZEIT UNTER KURFÜRST FRIEDRICH III. SCHILDERUNGEN VON THEODOR FONTANE

S

„ chloß Oranienburg wuchs alsbald aus seiner engen Umgrenzung heraus und ein Prachtbau stieg empor, wie die Marken damals, mit alleiniger Ausnahme des Schlosses zu Cölln an der Spree, keinen zweiten aufzuweisen hatten. Von 1688 bis 1704 dauerte der Bau, und das Schloß nahm im wesentlichen die Gestalt und Dimensionen an, worin wir es noch jetzt erblicken. An ein reich ornamentiertes Mittelstück (corps de logis) lehnten sich zwei Vorder- und zwei Hinterflügel, zwischen denen ein nach einer Seite hin geöffneter Hofraum lag. Ganz wie jetzt. [...]

Daß der Kurfürst häufig hier verweilte, geht weniger aus der Reichtumsfülle hervor, mit der er das Schloß ausstattete (...) als aus dem Eifer, mit dem er die Herrschaft Oranienburg zu erweitern und einige der im Umkreis gelegenen Dörfer in einen gewissen Einklang mit dem Schlosse selbst zu bringen suchte. Diese sorgliche Fassung, die er dem Edelsteine gab, bewies am besten, wie sehr er an demselben hing.“

THEODOR FONTANE, WANDERUNGEN DURCH DIE MARK BRANDENBURG, BAND 3 HAVELLAND, DIE GESCHICHTE DES SCHLOSSES ORANIENBURG, 1873

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Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

1667-1711 BLÜTEZEIT UNTER KURFÜRST FRIEDRICH III. AUSBAU ZUR RESIDENZSTADT Höhepunkt der barocken Schloss- und Stadtentwicklung

Schloss Oranienburg, altcolorierter Kupferstich von Peter Schenk, 1705 KREISMUSEUM OBERHAVEL

1688-1711 wird durch Kurfürst Friedrich III. (ab 1701 König in Preußen) das Schloss zu einer der schönsten Anlagen Brandenburgs um- und ausgebaut (Baumeister: Johann Arnold Nering, nach seinem Tod J. F. Eosander). b erden rd estflügel, rd stflügel, rkardengalerie zwischen den Kopfbauten, Pavillons im südlichen Vorhof, Porzellangalerie, Favorite und Orangerie im Lustgarten s ie das Parkp rtal zu Park erbaut 1702 folgt die Errichtung von Orange Saal, Haupttreppenhaus, Menagerie, Kleiner Tiergarten mit Eremitage. b erden Schl sskapelle, Pa ill ns a n rdlichen Schl ssh , Bel ederetür e und ab die Südflügel des Schlosses erstellt. eitgleich ird die Stadtanlage baulich eiterent ickelt und zum Grundriss des Schlosses hin orientiert. Nach einem Brand 1688 werden die zur Havelseite der Breiten Straße hin stehenden Ställe als massive Hinterhäuser ieder au gebaut und bilden den Grundst ck der sp teren Berliner Straße. 1696 erfolgt mit dem „Neuen Marstall“ eine Bebauung entlang der Berliner Straße (damals Königs- bzw. Friedrichstraße). Zudem werden ein Amtshaus (ab 1834 „Gemeindeschule“, ab 1949 „Goetheschule“, 1974 abgerissen) und der Eosandersche Wasserturm gebaut. 1708 entsteht das Berliner Tor am Stadtgraben (ehem. Poststra e , eine Brücke über die a el bei a elhausen ird erbaut und ein Dammweg durch das Luch gelegt. 1711 ird das kur ürstliche agdzeughaus a heutigen Schl ssplatz zum ersten repräsentativen Rathaus der Stadt umgebaut, mit Schaufassade zum Schloss hin und als bauliches Bindeglied zwischen Berliner und Breite Straße. Ab 1867 wird dieses Gebäude als Hotel / Restaurant Eilers (1962 abgerissen) umgenutzt.

Schloss Oranienburg, Park und Stadt, 1713, Rekonstruktion WILHELM BOECK. ORANIENBURG - GESCHICHTE

Ansicht Schloss und Stadt - Federzeichnung von Daniel Petzold, 1711 „ANSICHTEN

MÄRKISCHER UND POMMERSCHER

STÄDTE

AUS DEN

JAHREN 1710

BIS

1715“. IN: „PETZOLDSCHE SAMMLUNG“,

HRSG. VON

H. MEISNER; BERLIN 1913

EINES PREUSSISCHEN

KÖNIGSSCHLOSSES, BERLIN 1938 , S.80

Wasserturm, Amtshaus und Rathaus. Aquarell, um 1795, unbekannter Künstler KREISMUSEUM OBERHAVEL

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Erweiterter Barocker Stadtgrundriss Jahre Stadtgrundriss Diskursives Planungsverfahren Erweiterter10 Barocker 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

18.-19.Jh. BEDEUTUNGSVERLUST ALS RESIDENZSTADT UND UMNUTZUNG DES SCHLOSSES SCHILDERUNGEN VON THEODOR FONTANE

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„ er Tod König Friedrichs I. traf keinen Punkt des Landes härter als Oranienburg; bis dahin ein Lieblingssitz, wurde es jetzt von der Liste der Residenzen so gut wie gestrichen. Schloß und Park verwilderten. Wie das Schloß im Märchen, eingesponnen in undurchdringliches Grün, lag Oranienburg da (...). 1802 wurde der prächtige alte Bau (...) für zwölftausend Taler mit all und jeglichem Zubehör verkauft (...). Schloß Oranienburg wurde eine Kattunmanufaktur. Wo die Edeldamen auf Taburetts von rotem Damast gesessen und der Vorlesung des alten Pöllnitz gelauscht hatten, während die Königinmutter Goldfäden aus alten Brokaten zog, klapperten jetzt die Webstühle und lärmte der alltägliche Betrieb. Aber noch tristere Tage kamen, Krieg und Feuer, bis endlich in den zwanziger Jahren ein chemisches Laboratorium, eine Schwefelsäurefabrik, hier einzog. Die Schwefeldämpfe ätzten und beizten den letzten Rest alter Herrlichkeit hinweg. Ich entsinne mich der Jahre, wo ich als Kind dieses Weges kam und von Platz und Brücke aus ängstlich nach dem unheimlichen alten Bau herüberblickte, der, grau und verkommen, in Qualm und Rauch dalag, wie ein Gefängnis oder Landarmenhaus, aber nicht wie der Lieblingssitz Friedrichs I.

Nun ist das alte Schloß die Kolben und Retorten wieder los und

ledig, und frisch und neu, beinahe sonntäglich, blickt es drein. Aber es ist das moderne Allerweltskleid, das es trägt; die Borten und Kanten sind abgetrennt und der Königsmantel ist ein Bürgerrock geworden.“ THEODOR FONTANE, WANDERUNGEN DURCH DIE MARK BRANDENBURG, BAND 3 HAVELLAND, DIE GESCHICHTE DES SCHLOSSES ORANIENBURG, 1873

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Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

18.-19.Jh. BEDEUTUNGSVERLUST ALS RESIDENZSTADT UND UMNUTZUNG DES SCHLOSSES Leerstand und Verkauf des Schlosses 1713 – 1740 lässt Friedrich Wilhelm I., König in Preußen und Markgraf zu Brandenburg („Soldatenkönig“), die teils noch unvollendeten Bauarbeiten abbrechen und das Schloss leerstehen. 1718 - 1720 wird eine Neustadt für Kolonisten (heutige Kanalstraße bis Luisenstraße) angelegt. 1742 schenkt König Friedrich II. („Alter Fritz“) seinem Bruder Prinz August Wilhelm das Schloss, der es erneuert und erweitert (ab 1754 Bau der Orangerie). Das Schloss erfährt eine letzte Blütezeit bis der Prinz 1758 stirbt. 1801 wird die Stadt in Altstadt und Neustadt aufgeteilt. Es gibt insgesamt 202 Häuser, 80 Scheunen, 39 Häuser auf der Amtsfreiheit (heute Bernauer Straße), 12 Braustellen, 13 Branntweinblasen, 4 Jahr- und Viehmärkte, ein Postamt und ein Hauptlandzollamt. 1802 wird das Schloss durch das Königliche Hofmarschallamt nebst 290 Morgen Acker, Wiesen und Gärten für nur 12.000 Thaler an den p theker r e pel it der uflage, eine Bau wollweberei im Schloss einzurichten, verkauft.

Bürgerliche Nutzung des Schlosses Situationsplan vom Schlosse und den Anlagen der neuen Fabrik-Gebäude des Herrn Doctor Hempel zu Oranienburg. Aufgenommen 1821 durch Müller STADTARCHIV ORANIENBURG

1807 schließt die Baumwollweberei und das Schloss verfällt zunehmend. 1814-1848 wird eine Schwefelsäurefabrik im Schloss (Leblanc-Soda-Fabrik) gegründet. 1833 entdeckt Prof. Dr. Friedlieb Ferdinand Runge hier Anilin und Carbolsäure im Teer, 1834 entsteht die erste Stearinfabrik, ab 1835 werden Stearinkerzen und ab Parra nkerzen hergestellt 1833 und 1842 vernichten Brände Teile des Mittelbaus und den havelseitigen flügel des Schl sses ie berreste erden abgebr chen und nie wieder aufgebaut. 1848 zieht die chemische Fabrik aus. Die Preußische Seehandlung übernimmt das Schloss. 1851 wird das Schloss durch den Intendanten der Königlichen Schlösser und Gärten übernommen. 1858 – 1861 wird das Schloss zum Lehrerseminar ausgebaut - mit Ausnahme der Räumlichkeiten des Hauptgeschosses im Nordestflügel, die de K nig zur zeit eisen L gis rbehalten waren. Der Schlossgraben wird zugeschüttet. 1861 – 1925 wird das Schloss als Lehrerseminar genutzt.

Stadtplan von Oranienburg, 1868 KREISMUSEUM OBERHAVEL

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Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

ab 1877 ZÜGIGE STADTENTWICKLUNG MIT ERÖFFNUNG DER NORDBAHN Schwerpunkt der Stadtentwicklung im Osten 1858 wird das Amtshauptmannshaus durch den Magistrat der Stadt für Rathausnutzungen umgebaut. Es gibt umfangreiche Erweiterungspläne Richtung Luisenplatz (heute Schlossplatz), die jedoch aus Kostengründen verworfen werden. 1864/65, 1920 erfolgt die Abtretung von Schloss und Park an die Staatsverwaltung unter Eigentumsvorbehalt. 1920 geht das Schloss endgültig in den Besitz des preußischen Staates über. 1877 wird die Nordbahnlinie eröffnet und das erste Bahnhofsgebäude gebaut. Damit liegt der Schwerpunkt der Stadtentwicklung östlich der Havel. Oranienburg hat zu dieser Zeit rd. 4.800 Einwohner. 1878 wird der Lustgarten zum Landschaftspark nach Plänen des Hofgartendirektors Ferdinand Jühlke umgestaltet. 1882 wird ein Zweigwerk der Chemischen Werke Dr. Heinrich Byk Berlin (gegr. 1873) in Oranienburg eingerichtet. 1891 nimmt die Berliner Vorortbahn ihren Betrieb auf. Dies fördert die wirtschaftliche Entwicklung. Oranienburg wird zum beliebten Wohn- und Erholungsort. Um 1900 hat die Stadt rd. 7.800 und 1905 bereits rd. 10.600 Einwohner. Ab 1891 nutzt die 1889 gegründete Sparkasse Oranienburg das Amtshauptmannshaus. Es wird ein Tresor eingebaut.

Vorschlag eines Generalbebauungsplans für die Stadt Oranienburg von Henry Groß, Berlin 1927 STADTARCHIV ORANIENBURG

1895 werden Elektrizitäts- und Wasserwerke gebaut. Die Straßen erhalten elektrisches Licht. 1901 wird die Holzklappbrücke am Schloss durch eine Stahlbrücke ersetzt. Das Stadtbauamt mit Sitz im Rathaus II (Berliner Straße) wird gegründet. 1905-1907 wird das Amtsgerichtsgebäude (Berliner Straße) errichtet.

Bahnhof Oranienburg, Foto, 1915 KREISMUSEUM OBERHAVEL

KREISMUSEUM OBERHAVEL

1912 – 1927 erfolgt vorwiegend zwischen Havel und Bahnhof eine rasante Stadtentwicklung, u.a. durch den Bau weiterer chemischer Fabriken im Bereich der Lehnitzstraße, den durch Höherlegung der Bahntrasse in Jahren 1911-1915 notwendig gewordenen Umbau des noch heute bestehenden Bahnhofsgebäudes von 1877 (s.o.) sowie Bau des Gymnasiums 1912/13. Mit Inbetriebnahme der S-Bahn vom Stettiner Bahnhof (Berlin) 1925 kommt es zur Ansiedlung weiterer Fabriken und Gesellschaften und das Postamt am Bahnhof wird gebaut. 1925 hat Oranienburg 15.000 Einwohner. 1927 wird ein Generalbebauungsplan für die wachsende Stadt erarbeitet, dessen Schwerpunkte auf der Entwicklung des Wohnungsbaus und der Neuordnung der innerstädtischen Verkehrsführung liegt. Im Bereich der barocken Altstadt sind u.a. geschwungene Grünwege entlang der Havel vorgesehen und der Schlosspark soll auf das neu entwickelte Achsensystem ausgerichtet werden.

Straßenplan der Stadt Oranienburg (Ausschnitt), 1928 STADTARCHIV ORANIENBURG

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Königliches Amtsgericht, Foto,1907


Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

IMPRESSIONEN DER BAROCKEN ALTSTADT VOR DEM ZWEITEN WELTKRIEG Fassadenansichten Berliner Straße, Zustand vor dem 2. Weltkrieg ZUSAMMENSTELLUNG

NACH

BAUAKTEN

DURCH

GRUPPE PLANWERK, BERLIN

Ostansicht

Westansicht

Fassadenansichten Breite Straße, Zustand vor dem 2. Weltkrieg ZUSAMMENSTELLUNG

NACH

BAUAKTEN

DURCH

GRUPPE PLANWERK, BERLIN

Ostansicht

Westansicht

Luftbild mit Blick auf das Schloss und die Schlossbrücke, Foto, um 1930

Luftbild mit Blick auf die Altstadt, Foto, um 1930

KREISMUSEUM OBERHAVEL

KREISMUSEUM OBERHAVEL

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Erweiterter Barocker Stadtgrundriss Jahre Stadtgrundriss Diskursives Planungsverfahren Erweiterter10 Barocker 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

IMPRESSIONEN DER BAROCKEN ALTSTADT VOR DEM ZWEITEN WELTKRIEG

Schloss Oranienburg von Süden, Foto, um 1910 KREISMUSEUM OBERHAVEL

Anlegestelle nlegestelle an der Havel und I. Gemeindeschule, Foto, um 1900

Bernauer Straße, Foto, 1920 KREISMUSEUM OBERHAVEL

KREISMUSEUM OBERHAVEL

Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges mit Hotel Eilers, Foto, um 1932

Schloss und Schlossbrücke, Foto, um 1910 KREISMUSEUM OBERHAVEL

KREISMUSEUM OBERHAVEL

Stadtplan von 1920 STADTARCHIV ORANIENBURG

Breite Straße, Foto, 1935

Restaurant Havelschlösschen, Foto, 1934

KREISMUSEUM OBERHAVEL

RUDOLF BEHRING, PRIVATARCHIV JÖRG BEHRING

Berliner Straße, Foto, um 1910 KREISMUSEUM OBERHAVEL

I. Gemeindeschule, ab 1946 Goetheschule, Foto, um 1935

Luisenplatz (heute Schlossplatz), Foto, 1934

Standort der neuen Stadtbibliothek

KREISMUSEUM OBERHAVEL

KREISMUSEUM OBERHAVEL

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Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

1933-1945 ORANIENBURG IM NATIONALSOZIALISMUS Bau des KZ Sachsenhausen und Entwicklung zum Zentrum der Rüstungsindustrie 1933 errichten die Nazis kurz nach der Machtergreifung in der Berliner Straße auf dem Gelände einer ehemaligen Brauerei ein Konzentrationslager (heute Gedenktafel). 1934 erfolgt der Abbruch der 1901 am Luisenplatz erbauten Stahlbrücke mit Fachwerkbögen, die den neuen Anforderungen des Fahrzeugverkehrs nicht mehr entsprach. Die neu errichtete Schlossbrücke wird eingeweiht. Sie wird zugunsten der Schiffbarkeit der Havel angehoben und nach Norden zum Schloss verlegt. Dies verändert die stadträumliche Situation des heutigen Schlossplatzes nachhaltig.

Lagerhäftlinge im KZ Sachsenhausen bei einem Zählappell, Foto, 1936 KREISMUSEUM OBERHAVEL

1935 wird der Luisenplatz (heute Schlossplatz) neugestaltet. Die Platzbildung erfolgt in Abstimmung mit dem Konservator. Der Luisenplatz soll alleiniger städtebaulicher Mittelpunkt bleiben. Vor dem Eingang zum Schlosspark und dem Hotel Eilers sowie hinter dem Kriegerdenkmal werden Baumgruppen ergänzt. Oranienburg entwickelt sich durch den Ausbau der Auerwerke und dem Aufbau der Ernst-Heinkel-Flugzeugwerke (ca. 15.000 Arbeitskräfte und später auch Zwangsarbeiter) zu einem wichtigen Standort der Rüstungsindustrie. 1936 wird Konzentrationslager Sachsenhausen errichtet, in dem zehntausende Häftlinge ermordet werden. 1937 / 1938 wird die Weiße Stadt - Werksiedlung für die Mitarbeiter der Ernst-Heinkel-Werke - erbaut. 1938 - 1944 erfolgt die Übernahme des Schlosses durch den Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei H. Himmler, eine Polizeischule wird eingerichtet. Die SS ist bereits seit 1933 im Schloss stationiert. 1938 ird ein z eiflügeliger r eiterungsbau in S etrie zu Schloss errichtet. Bis 1945 wird dieses Gebäude als Kolonialpolizeischule genutzt.

Heinkel-Werke Oranienburg, Werk 2 (Unterwerk) Annahof, Blick aus dem Speisesaal des Gefolgschaftsgebäudes der Endmontagehalle auf die heute noch bestehen e nfl egehalle oto HERMANN MÄCKLER, EIN

DEUTSCHES

FLUGZEUGWERK. DIE HEINKELWERKE ORANIENBURG, BERLIN 1938

1944 - 1945 werden die Altstadt und andere Stadtteile durch Bombenangriffe schwer zerstört. April 1945 wird die Schlossbrücke durch die Nazis gesprengt (1947 wird sie aus der Havel gehoben und wieder aufgebaut). 23. / 24.04.1945 besetzt die Rote Armee die Stadt. 1945-1950 wird das ehemalige KZ Sachsenhausen vom sowjetischen Gehei dienst K als nternierungs und Straflager eiter genutzt.

Die 1938 /39 errichtete Polizeischule für Auslandsverwendung - ab 1941: Kolonialpolizeischule (heute Sitz der Stadtverwaltung), Foto, 2005 GRUPPE PLANWERK, BERLIN

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Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

1945 STUNDE NULL Zerstörung großer Teile der Innenstadt 1945 Aufgrund der ansässigen Chemie- und Rüstungsindustrie sowie der Atomforschung in den Auerwerken ist Oranienburg vorrangiges Ziel von Luftangriffen durch die US und die Royal Air Force. Die Stadt wird durch vier große und weitere kleine Bombenangriffe bis zu 60 Prozent zerstört. Allein beim Angriff vom 15.03.1945 sterben 352 Menschen. Neben tausenden Bomben mit konventionellen Aufschlagzündern gehen insgesamt rund 10.500 Großbomben schwerpunktmäßig auf die Auer-Werke in der Lehnitzstraße, den Bahnhof, die Heinkel-Flugzeugwerke, den Militär- und Wirtschaftskomplex der SS und den Flughafen nieder. ch i er be nden sich ca Blindg nger i B den Sie stellen eine Gefahr sowie ein Hemmnis für die Stadtentwicklung dar.

Luftbild der Innenstadt nach den Bombenangriffen, März/April 1945 LANDESVERMESSUNGSAMT BRANDENBURG, US AIRFORCE LUFTBILD

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Wiederaufbau des Schlosses nach dessen Beschädigung durch Bombenangriffe, Foto, 1953

Kriegszerstörung in der Berliner Straße, Foto, 1944

KREISMUSEUM OBERHAVEL

KREISMUSEUM OBERHAVEL


Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

1948 VISIONEN ZUR NEUGESTALTUNG DES HISTORISCHEN STADTKERNS Wettbewerb Oranienburg, Kennwort „EVA“ 1948 wird der Wettbewerb „EVA“ ausgelobt. Anlass ist die schwierige verkehrliche Situation in der Innenstadt. Die Wettbewerbsaufgabe sieht eine neu anzulegende Brücke in Verlängerung der Kremmener Straße vor. Die Schlossbrücke wird nicht mehr benötigt. Der Luisenplatz (heute: Schlossplatz) sowie die angrenzenden Baufelder der barocken Innenstadt sollen unter dieser Maßgabe neugeordnet werden. Das Hotel Eilers gilt als Maßstab der zukünftigen Platzbebauung. Im Erläuterungsbericht wird zudem der Gedanke formuliert, eine dritte Achse im Sinne des im Barock geplanten Radialstraßensystems anzulegen. Die Wettbewerbsbeiträge zeigen z.T. großräumige Strukturen und Blöcke.

Wettbewerb EVA 1948, Auszug aus der Bewertung einer Wettbewerbsarbeit STADTARCHIV ORANIENBURG

Wettbewerbsarbeit zu EVA 1948, Lageplan für die Neuordnung des barocken Stadtgrundrisses mit 16geschossigen Gebäuden, Dipl.-Ing. Kreich, Potsdam

1949 erfolgt der Totalabriss der Bebauung zwischen Berliner Straße, Havelufer und ehem. Poststraße. Geplant sind großmaßstäbliche Neubauten an der Berliner Straße, an der neu projektierten dritten Achse und der Havelstraße. Die Ideen werden jedoch nicht umgesetzt.

STADTARCHIV ORANIENBURG

Wettbewerbsarbeit zu EVA 1948, Fassadenentwicklung Berliner Straße STADTARCHIV ORANIENBURG

Wettbewerbsarbeit zu EVA 1948, Lageplan Grünufer, Prof. Klaus Müller-Rehm, Berlin STADTARCHIV ORANIENBURG

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Erweiterter Barocker Stadtgrundriss Jahre Stadtgrundriss Diskursives Planungsverfahren Erweiterter10 Barocker 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

1961 „DIE ANKLAGENDE“ AUF DEM PLATZ DES FRIEDENS SCHILDERUNGEN VON PROF. H. MATTHES

E

„ twa zeitgleich mit dem Bau der 1959* eingeweihten Nationalen Gedenkstätte Sachsenhausen kam man zu der Überlegung, mit Cremers „Anklagende“ im Zentrum der historischen Altstadt Oranienburg selbst als ein Mahnmal die Menschen im täglichen Vorübergehen darauf aufmerksam zu machen, dass diese „Kleinstadtidylle“ mit Schloss am Fluss nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass, unweit von hier, das faschistische Konzentrationslager Sachsenhausen, Oranienburg in der Zeit des Faschismus ein Ort schrecklichen Geschehens war mit Zehntausenden von Toten und die Stadt im Bombenhagel schwere Zerstörungen und Menschenverluste erlitt. So war [...] diese Plastik mit der Wandinschrift „Schmerz - gebäre Tat“ von E. Toller an diesem Ort ein eindringliches Zeichen von hoher künstlerischer Qualität.“

PROF. HUBERT MATTHES, LANDSCHAFTSARCHITEKT, FEBRUAR 2009

*

Anmerkung der Redaktion: Die Nationale Gedenkstätte Sachsenhausen wurde 1961 eingeweiht.

STADTARCHIV ORANIENBURG

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Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Jahre Planungsverfahren Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Diskursives Jahre Diskursives Planungsverfahren

1950er JAHRE ORANIENBURG MAHNT UND GEDENKT Mahnmale auch im Stadtzentrum 1952 wird die Stadt Oranienburg zur Kreisstadt. 1948 - 1954 wird das Schloss teilweise wiederhergestellt. Es beherbergt von 1953 bis 1958 die „Luftverteidigungsschule der `Kasernierten Volkspolizei´“, von 1958 bis 1963 die „Streitkräfte der `Zivilverteidigung Luftschutz´“ und von 1963 bis 1990 das „NVA-Grenztruppenausbildungsregiment Mitte (GAR 40)“. 1949 - 1951 wird der Wettbewerb „Mahnmal für die Opfer des Faschismus“ durchgeführt. Einer der Preisrichter ist Hans Scharoun. Ein Wettbewerbsbeitrag positioniert das Mahnmal auf dem Platz des Friedens (heutiger Schlossplatz). 1961 wird das Denkmal „Die Anklagende“ von Fritz Cremer am Vorabend der Gedenkstätteneröffnung auf dem Platz des Friedens (heutiger Schlossplatz) feierlich eingeweiht. Die Gestaltungskonzeption zur Aufstellung der „Anklagenden“ wurde von Hubert Matthes (Mitglied Architektenkollektiv Buchenwald) entworfen. 1961 wird die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen eröffnet.

Beiträge zum Wettbewerb „Mahnmal für die Opfer des Faschismus“ STADTARCHIV ORANIENBURG

Entwurf zur Aufstellung der Anklagenden vor dem Schloss von Hubert Matthes

Einweihung der „Anklagenden“ am 22.04.1961 KREISBILDSTELLE MEDIENZENTRUM LANDKREIS OBERHAVEL, KREISMUSEUM OBERHAVEL

STADTARCHIV ORANIENBURG

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Erweiterter Barocker Stadtgrundriss Jahre Stadtgrundriss Diskursives Planungsverfahren Erweiterter10 Barocker 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

BIS 1989 BEDEUTUNGSVERLUST DER BAROCKEN INNENSTADT Neuordnung der barocken Innenstadt scheitert Weiterer Verlust von Teilen der barocken Innenstadt durch Abbruchmaßnahmen, der Schlossplatz verliert seine städtische Prägung und das Havelufer verwildert 1959 wird das im Krieg unversehrte Gebäude des Hotels Eilers (ehem. Jagdzeughaus, ab 1711 Rathaus) restauriert und als Kulturhaus der Stadt wiedereröffnet. zu Beginn der 1960er Jahre gibt es Planungen zur Neuordnung der Innenstadt mit dem Ziel neuen Wohnraum zu schaffen. Im Bereich der barocken Innenstadt war eine Verlängerung und Verbreiterung der Breiten Straße, die den Abriss des Waisenhauses zur Folge gehabt hätte, sowie die Schaffung eines neuen Stadtzentrums mit Gastronomie, Dienstleistung und Handel, eingebettet in eine gr fl chige u g ngerz ne, rgesehen In diesem Zusammenhang sollte das Hotel Eilers am Platz des Friedens (heutiger Schlossplatz) abgerissen werden. Die zwei „Grütter´schen Häuser“ und die Goetheschule sollten im Rahmen dieser Planung jedoch erhalten werden. 1962 A Gesellschaftshaus mit ca. 800 Plätzen B Klubgaststätte C Hochhaus D Verwaltungskomplex E Deutsche Notenbank F Hotel G Speise- und Tanzgaststätte H Einrichtungshaus I Kaufhalle K Läden L Kreispolizeiamt

werden das Hotel Eilers und einige Jahre später weitere Gebäude am heutigen Schlossplatz abgebrochen, so wie die Goetheschule 1974, die „Grütter´schen Häuser“ aus dem 19. Jh. und das „Havelschlösschen“. 1969 / 1971 wird in Anlehnung an den städtebaulichen Entwurf zur Neuordnung der Innenstadt eine Filiale der Staatsbank der DDR von W. Gude am Schlossplatz auf den Fundamenten des barocken Jagdzeughauses (ehem. Hotel Eilers) gebaut.

Planung für den Wohnungsneubau in der Innenstadt aus den 1960er Jahren, Ausschnitt barocke Innenstadt STADTARCHIV ORANIENBURG

Staatsbank am ehem. Platz des Friedens (heute: Schlossplatz), Foto, 2003

Luftbild von 2000 mit der 2007 abgebrochenen Staatsbank

GRUPPE PLANWERK, BERLIN

STADT ORANIENBURG

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Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

ab 1991 DIE INNENSTADT WIRD SANIERUNSGEBIET Beginn der Aufwertung der Innenstadt 1991 erfolgt die Aufnahme Oranienburgs ins Städtebauförderprogramm des Landes Brandenburgs, um die durch Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und in der DDR-Zeit, mangelnde Bauunterhaltung sowie teilweise maßstabsstörende Neubebauung in Funktion und Erscheinungsbild beeinträchtigte Innenstadt zu sanieren. 1994 wird das Sanierungsgebiet „Oranienburg-Innenstadt“, ca. 44 ha, förmlich festgelegt. Sanierungsziel Das Ziel der Erneuerung ist es, den Kern der Innenstadt in seiner Zentrumsfunktion wiederherzustellen. Dabei soll die traditionelle und noch vorhandene Mischung von Bewohnern, Gewerbetreibenden, Kunden und Stadtbesuchern erhalten werden. Monofunktionen sollen deshalb ausgeschlossen, ein Nebeneinander unterschiedlicher Nutzungen stattdessen angestrebt werden.

Abgrenzung Sanierungsgebiet „Oranienburg - Innenstadt“, 2004 STADT ORANIENBURG

Schloss in einem desolaten Zustand, 1995

Schloss im neuen Glanz, 2009

PROF. DR. K. WESTPHAL UND DIPL.-ING. G. SCHLOTTER, BÜRO TUR, STADTGESCHICHTE UND DENKMALPFLEGE, BERLIN

GRUPPE PLANWERK, BERLIN

FÜR

ARCHITEK-

Leitziele sind u.a.: • eubebauung unge rdneter, untergenutzter Baufl chen unter Bezugnahme auf den historischen Stadtgrundriss und die architektonische Ausprägung und Maßstäblichkeit der historischen Bebauung • Erhalt der Parzellenstruktur bei Neubebauung • Stärkung der Verknüpfung zwischen dem westlichen und dem östlichen Zentrum durch Neugestaltung der Flächen um die Schlossbrücke • Neugestaltung des Schlossplatzes • Wiederherstellung der Gestaltungsqualität der historischen Straßenräume • Erlebbarmachung des Havelufers und Vernetzung der innerstädtischen Freiräume • Sicherung des Wohnens in der Innenstadt u.a. durch Beseitigung von Leerständen, Modernisierung, Ausbau und Neubau • Fortentwicklung der Nutzungsmischung von Wohnen und Gewerbe • Schaffen eines vielseitigen, attraktiven Angebotes an Gewerbe, Handel und Dienstleistungen • Herausnahme des Durchgangsverkehrs und Ausbau des Zentrums als „Ort der kurzen Wege“ Wichtigste erfolgte Maßnahmen bis 2003 1995 - 1996 Umgestaltung Bahnhofsvorplatz und Sanierung Bahnhofsgebäude

Bahnhof mit Vorplatz vor der Sanierung zu Beginn der 1990er Jahre

Schöner ankommen - Bahnhof und Vorplatz nach der Sanierung

STADT ORANIENBURG

GRUPPE PLANWERK, BERLIN

1997–1999 Grundlegende Sanierung und Restaurierung des Schlosses 1999 - 2001 Ausbau und Neugestaltung der Bernauer Straße 2003 Verlagerung der B 96 als Umgehungsstraße und damit Herausnahme eines Teils des Durchgangsverkehrs in der Innenstadt (Abwidmung der Berliner Straße zur Stadtstraße)

Bernauer Straße in den 1990er Jahren eine unattraktive Geschäftsstraße

Seit 2001 ein attraktiver Boulevard STADT ORANIENBURG

STADT ORANIENBURG

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Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

Exkurs IDEEN UND KONZEPTE FÜR DIE INNENSTADT SEIT DER WENDE Viele Ideen, aber keine Umsetzung Seit der Wende gab es eine umfangreiche Diskussion, wie die barocke Innenstadt aufgewertet und wiederbelebt werden sollte. Verschiedenste Konzepte wurden erarbeitet und diskutiert. Keines wurde jedoch umgesetzt, zu unterschiedlich waren die Vorstellungen von Stadt, enk alpflege, Grundstückseigentümern und Investoren. Beispielhaft werden hier vier Konzepte kurz dargestellt und erläutert: 1992 Atrium Shopping Center Im Block zwischen Berliner und Breiter Straße soll ein dreigeschossiges Shopping Center entstehen. Die Fassadengestaltung soll in Reminiszenz an die historische Bebauung den Eindruck vermitteln, dass das Shopping Center aus verschiedenen, trau st ndischen Geb uden besteht

Planung eines Einkaufs- und Dienstleistungszentrums aus dem Jahr 1992

1995 Gutachterverfahren „Schlossplatz - 3. Achse“ Kny & Weber, Berlin ie Parzellierung der Grundstücke rientiert sich an den historischen Typologien. In den zwei Baublöcken zwischen Breiter Straße und der neuen 3. Achse soll eine 3-geschossige Blockrandbebauung mit einem Staffelgeschoss und Läden i G und a a elu er eine ene Bebauung it geschossigen Wohnhäusern errichtet werden. Der Schlossplatz wird neugeordnet und orientiert sich zum Schlosseingang, dazu soll der Verlauf der Breiten Straße verändert und mit einem Knick auf die Berliner Straße geführt werden. Die 3. Achse wird als „Schlosspromenade“ konzipiert. 1996 Gutachten zum Schlossplatz vom Büro Eichstädt, Berlin Der Entwurf sieht eine zwei- bis dreigeschossige Wohnbebauung mit Satteldach - zum Straßenraum in geschlossener, zu a elu er in ener Bau eise it pri aten nnenh en vor. Die 3. Stadtachse wird als Wohnstraße ausgebildet. 2008 Gestaltungsvorschlag barocke Innenstadt, Manfred Prasser, Oranienburg Der Entwurf sieht im Bereich des Schlossplatzes die Anlage eines a elsees it a en s ie eine er nderte erkehrsführung für den gesamten barocken Stadtraum vor.

Havelsee statt steinerner Schlossplatz, Manfred Prasser, 2008

Beitrag Kny & Weber zum Gutachterverfahren „Schlossplatz - 3. Achse“, 1995

Gutachten Schlossplatz vom Büro Eichstädt - Städtebauliches Leitbild Variante 1, 1996

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Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

2003 AUSGANGSLAGE DES DISKURSIVEN PLANUNGSVERFAHRENS Die Planungen zur Belebung der Innenstadt stocken Trotz vieler verschiedener Planungen seit Anfang der 1990er Jahre konnten bis 2003 kaum Projekte und Maßnahmen zur Wiederbelebung und Aufwertung der im Krieg bzw. in der Nachkriegszeit zerstörten barocken Innenstadt realisiert werden. Daher entschied sich die Stadt, gemeinsam mit dem „Ministerium für Stadtentwicklung, Wohnen und Verkehr“ des Landes Brandenburg, ein diskursives Planungsverfahren in Form eines konzertierten Planungsschrittes durchzuführen. Mit diesem besonderen Verfahren sollten möglichst viele Vertreterinnen und Vertreter von betroffenen Ämtern, Behörden, der Politik und wichtiger Institutionen an einem gemeinsamen, streng ergebnisorientierten Planungsschritt beteiligt werden. Verfahrensziel des Prozesses war, dass die im Konsens zu entwickelnden Ziele und Maßnahmen in möglichst großer Mehrheit mitgetragen werden können. Es sollte eine fachlich und politisch tragfähige konzeptionelle Basis als Grundlage für weitere unmittelbar anschließende Realisierungsprojekte erlangt werden. Verschiedene bereits erarbeitete Untersuchungen bildeten die Grundlage für die Planungen im Rahmen des Diskursiven Verfahrens.

In einem europaweiten Vergabeverfahren nach VOF erhielt eine interdisziplinär zusammengesetzte Arbeitsgemeinschaft den Auftrag für Planungen im Rahmen des Diskursiven Verfahrens: Federführung: GRUPPE PLANWERK Stadtplaner Architekten Ingenieure, Berlin Landschaftsplanung: bgmr Becker Giseke Mohren Richard Landschaftsarchitekten, Berlin Verkehrsplanung: HOFFMANN-LEICHTER Ingenieurgesellschaft mbH, Berlin Wasserbau: Prof. Ludwig Obermeyer, Potsdam Das Verfahren wurde von Prof. Dr.-Ing. D. Machule von der TU Hamburg-Harburg moderiert.

Oranienburg, Ende der 1990er Jahre STADT ORANIENBURG

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Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

2003 DREI WORKSHOPS IN 10 WOCHEN Gemeinsam und ergebnissoffen diskutieren Das Diskursive Verfahren ist ein diskurs-ethisches Verfahren, welches allen Beteiligten eine ergebnisoffene und transparente, inhaltlich durch die Gutachter unterfütterte Diskussion ermöglicht, die schließlich zu gemeinsam abgestimmten Ergebnissen führt. Im Planungsprozess fanden drei ca. sechsstündige, moderierte Treffen der Arbeitsgemeinschaft mit ca. 40 Beteiligten aus Verwaltung, Wirtschaft und Politik (u.a. Städtische Ämter, Kreis-

verwaltung, Vertreter der verschiedenen Ministerien des Landes und der Landesämter, Beigeordnete der Stadt, Stiftung der Gedenkstätten in Brandenburg) in Workshopform statt. Zwischen den Arbeitstreffen wurden die jeweiligen Ergebnisse von der Arbeitsgemeinschaft in die Planung eingearbeitet, diese weiterentwickelt und neu zur Diskussion gestellt.

1. Workshop

19.08.2003

Das erste Arbeitstreffen galt der Einführung in das Verfahren. Es wurden die Rahmenbedingungen vorgestellt und diskutiert sowie Ideen, Anregungen und Hinweise für die Entwicklung des Planungsbereiches und für die weitere planerische Bearbeitung durch die Arbeitsgemeinschaft zusammengetragen.

2. Workshop 25.09.2003 Das zweite Arbeitstreffen diente der Vorstellung und Erörterung der auf der Ergebnisgrundlage des 1. Workshops von der Arbeitsgemeinschaft zwischenzeitlich erarbeiteten Konzeptideen. Nach einer Diskussion mit kritischen Hinweisen, Anregungen, Ideen und Vorschlägen stimmten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mehrheitlich den vorgestellten Arbeitsergebnissen zu. Sie wurden bis zum dritten Treffen von der Arbeitsgemeinschaft überarbeitet. Darstellung der Ergebnisse aus dem 1. Workshop, 3. Meinungsabfrage GRUPPE PLANWERK, BERLIN

3. Workshop 30.10.2003 Auf dem dritten Arbeitstreffen wurden die vertieften und überarbeiteten Konzepte vorgestellt und ausführlich diskutiert. Das Plenum stimmte abschließend positiv darin überein, die Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit im diskursiven Planungsverfahren der Stadt Oranienburg als Grundlage für ihr weiteres Handeln zu empfehlen.

ALLE

FOTOS

20

UND

DARSTELLUNGEN: GRUPPE PLANWERK, BERLIN


Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

2003 ERGEBNISSE DES DISKURSIVEN VERFAHRENS Gemeinsame Grundsätze und Ziele Von allen TeilnehmerInnen wurden gemeinsam und einvernehmlich die folgenden Grundsätze und Ziele formuliert: • -

kung der Brückenrampen und der Verlegung der Brücke weg vom Schloss, um einen räumlichen und höhenmäßigen Platzzusammenhang wiederherzustellen • Neuanlage und Gestaltung des Havelufers mit Uferpromenaden und einem Schiffsanleger • Wiederherstellung des Schlossparks unter Berücksichtigung -

• die Einheit von Schloss, Schlossplatz und Park unter Ein-

-

Interimslösungen

• städtebauliche Entwicklung wurden folgende

chitektursprache aufweisen kann

Uferpromenade

Mischverkehrsfläche 3. Achse Mischverkehrsfläche

Straßenraumgestaltung - Bebauungsabwicklung

Uferpromenade Simulation Neubebauung 2 geschossig plus Dach Wohnen Simulation Neubebauung 2 geschossig plus Dach Wohnen

12.00

14.42

Simulation Neubebauung 3 geschossig plus Dach Gewerbe/Dienstleistung

Platzraumgestaltung - Bebauungsabwicklung

3.Achse - Variante 1

26.50

Fahrbahn / Berliner Straße

3 (+ Dach) Geschosse

3. Achse

Mischverkehrsfläche

A

8.40

8.40

3. Achse

Mischverkehrsfläche

Gehweg

Gehweg

12.00

Gehweg

Gehweg

Simulation Neubebauung 2 geschossig plus Dach Gewerbe/Dienstleistung

Fahrbahn / Berliner Straße

14.42 Platzgestaltung Bebauungsabwicklung

Gehweg

Gehweg

Fahrbahn / Breite Straße

5.04

Fahrbahn / Breite Straße

9.90 9.90

Fahrbahn / Berliner Straße

Gehweg

Gehweg

Stellplatzanlage

Entwicklungskonzept

26.50

9.90

12.00

14.42

Oranienburg Sanierungsmaßnahme historische Innenstadt - Diskursives Planungsverfahren "Erweiterter barocker Stadtgrundriss"

9.90

Gehweg

Gehweg

26.50

-

Fahrbahn / Berliner Straße

Stellplatzanlage

Gehweg

Gehweg

Fahrbahn / Breite Straße

Die erarbeiteten Zielehistorische und Innenstadt Grundsätze wurden"Erweiterter in ein EntOranienburg Sanierungsmaßnahme - Diskursives Planungsverfahren barocker Stadtgrundriss wicklungskonzept übertragen und einzelne Maßnahmen zur Umsetzung dieser Ziele benannt.

-

Fahrbahn / Breite Straße

Kernpunkte •

-

Uferpromenade

Uferpromenade

truppen der DDR genutzt wurden, zu stärken,

26.50

8.40

8.40

Skizze Herstellung Blickbeziehung zum Schloss, Berliner Straße

3. Achse

Uferpromenade

Simulation Neubebauung 2 geschossig plus Dach Wohnen

3. Achse

Gehweg

Simulation Neubebauung 3 geschossig Gewerbe/Dienstleistung

Gehweg

Gehweg

26.50

8.40

Mischverkehrsfläche

3.Achse - Variante 2 Fahrbahn / Breite Straße

A

12.00

14.42

8.40

2 (+Dach) - 3 (+Dach) Geschosse

8.40

Gehweg

Gehweg

Gehweg

5.04

Gehweg

9.90

Fahrbahn / Berliner Straße

8.40

9.90

Gehweg

Oranienburg Sanierungsmaßnahme historische Innenstadt - Diskursives Planungsverfahren "Erweiterter barocker Stadtgrundriss"

12.00

14.42

5.04 8.40

8.40 2 (+Dach) Geschosse

3.Achse - Variante 3

5.04 4.00

4.00

4.00

8.40 1 (+Dach) Geschosse

GRUPPE PLANWERK

Stadtplaner Architekten Ingenieure

bgmr

Becker Giseke Mohren Richard

Landschaftsarchitekten

HL Hoffmann-Leichter Beratende Ingenieure

1 : 250 Oktober 2003

Skizze Herstellung Blickbeziehung zum Schloss, Bernauer Straße

Ingenieurbüro Obermeyer

Wasserbau und Wasserwirtschaft

A

Skizze Freilegung des Havelufers ALLE

DARSTELLUNGEN: GRUPPE PLANWERK, BERLIN

Entwicklungskonzept

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Erweiterter Barocker Stadtgrundriss Jahre Stadtgrundriss Diskursives Planungsverfahren Erweiterter10 Barocker 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

2003 ERGEBNISSE DES DISKURSIVEN VERFAHRENS Die Vision für die barocke Innenstadt

„Oranienburg an der Havel – eine Stadt zeigt wieder ihr Herz. Das kurfürstliche Oranier-Schloss leuchtet weit in Brandenburgs Havellandschaft. Die über Straßen und Wege, über Schienen, Flüsse und Kanäle gut erreichbare Stadt im Norden Berlins wirbt mit eindrucksvollen Zeugnissen ihrer Vergangenheit. Sowohl das barocke Ensem- ble mit Schloss, Schlossplatz und Schlosspark, als auch die Gedenkstätte am Ort des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen repräsentieren hier wie unter dem Brennglas Licht und Dunkelheit deutscher und europäischer Geschichte. Oranienburg, die ruhiglebendige kleine Stadt an der Havel, bietet sichtbar einzigartige Lebensqualitäten zum attraktiven Wohnen, Arbeiten und Sich-Erholen in der von Wasser, Wiesen und Wald geprägten weiten Landschaft einer historischen Hauptstadtregion. Oranienburg an der Havel – diese Stadt gibt, was ihr Name verspricht.“

Ergebnisbericht „ Oranienburg Diskursives Planungsverfahren Erweiterter Barocker Stadtgrundriss“, Berlin, Falkensee, Potsdam, 2004

22 22


Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

Schlossbrücke NEUBAU AN NEUEM STANDORT Neubau ermöglicht Aufweitung des Schlossplatzes Die Schlossbrücke ist innerstädtisch zwischen der historischen Innenstadt und dem Geschäftszentrum in der Bernauer Straße die einzige Verbindung über die Havel. Sie ist ein Teil der B 273. Die aus dem Jahr 1935 stammende alte, bereits marode Schlossbrücke wird durch eine neue, etwa 50 m südlich verlaufende, Brücke ersetzt. Die in einer sog. Verbundrahmenkonstruktion erbaute Brücke hält sich zugunsten des Ensembles aus Schlossplatz und Schloss in ihrer Gestaltung zurück. Durch die Neutrassierung der Straße im Platzbereich, die neue Brückenlage und die Absenkung der Brückenrampen kann der Schlossplatz in seinem historischen, räumlichen und funktionalen Zusammenhang wieder hergestellt werden. Straßenplanung: HOFFMANN-LEICHTER Ingenieurgesellschaft mbH, Brückenplanung: Prof. Dr.-Ing. Hilbers Ingenieurgesellschaft mbH, Berlin Bauzeit: Oktober 2007 - August 2008 Baukosten: 1,6 Mio. € (Straßenbau) + 2,2 Mio. € (Brückenbau) Finanzierung: Bund über Landesbetriebe Straßenwesen GmbH Brandenburg (Fahrbahn und Brücke); Städtebauförderung (Nebenanlagen)

Lageplan mit neuer Straßenführung, 2007

Alte Schlossbrücke, 2005

HOFFMANN LEICHTER INGENIEURGESELLSCHAFT

GRUPPE PLANWERK, BERLIN

MBH,

BERLIN

Der Abbruch schafft neuen Stadtraum, 2009 GRUPPE PLANWERK, BERLIN

Noch steht die alte Brücke (rechts), die neue Brücke ist schon in Betrieb, 2008 GRUPPE PLANWERK,

BERLIN

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Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren DE

Schlossplatz ORANIENBURGS WIEDERENTDECKTE MITTE

B 8

A

62 104

62 96 BP

Mo H-Bord Gr

BP

Gestaltungskonzept

H-Bord Gr

A

A Mo

alt

Mo

A

A

Mo

KP (alt)

Bauanfang

Der Schlossplatz ist ein sehr wichtiger Bestandteil des barocken Stadtgefüges als Schnittpunkt zwischen Breiter Straße, Berliner Straße und Havelübergang. Er hatte die Funktion eines wichtigen Verkehrsknotens und war gleichzeitig lebendige Mitte der Stadt und ein Ort merkantiler Bedeutung. Mit dem Verkauf des Schlosses und seinen unterschiedlichen nicht feudalen Nutzungen seit Beginn des 19. Jh. verlor der Ort seine repräsentative Bedeutung. Durch die Umgestaltung der Platzfl che it Grünfl chen und B u en itte des 19. Jh., durch den Brückenneubau 1935, der zur Zerschneidung des Platzraums führte, sowie durch die Zerstörung der Platzrandbebauung im Zweiten Weltkrieg bzw. in den 1960er ahren erl r der Schl ssplatz sein st dtisches Gepräge und das Havelufer verwilderte. Ziele waren daher: • Neubau und Verlegung der Schlossbrücke und damit Neurdnung der ahr erkehrsfl chen, u einen r u lichen und höhenmäßigen Platzzusammenhang wiederherzustellen • durch einheitliche Be estigung it atursteinpflaster einen einheitlichen Charakter zu erreichen • Sichtbarmachung der Havel mittels einer „harten“ Uferkante in Verbindung mit der Neuanlage eines attraktiven Uferweges • Beseitigung von Bäumen, um Sichtachsen zum Schloss freizulegen Durch die Neuordnung und Neugestaltung des Platzes ist es gelungen, die historische Mitte der Stadt wiederzugewinnen und zu beleben.

alt

Urbaner Stadtplatz voll Leben

GRUPPE PLANWERK, BERLIN

Planung: G PP PL K Stadtplaner rchitekten ngenieure, Berlin Bauzeit: rz pril Baukosten: 2,1 Mio. € Finanzierung: Städtebauförderung

Schlossplatz im „alten Gewand“, el tra enfläche er l ert GRUPPE PLANWERK, BERLIN

chloss lat GRUPPE PLANWERK, BERLIN

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chloss lat n rt t hoher GRUPPE PLANWERK, BERLIN

enthalts

al tät


Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

Die Anklagende FINDUNG EINES NEUEN STANDORTES Workshop im Freien mit Prof. H. Matthes

„Die Anklagende“, alter Standort, 2005 GRUPPE PLANWERK, BERLIN

Standortsimulation

Luftbild mit altem

GRUPPE PLANWERK, BERLIN

GRUPPE PLANWERK, BERLIN

Standortsimulation GRUPPE PLANWERK, BERLIN

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und neuem Standort

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GRUPPE PLANWERK, BERLIN

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Im Zuge der Neugestaltung des Schlossplatzes musste für das Denkmal „Die Anklagende“ ein neuer Standort gefunden werden. Die 1961 eingeweihte Plastik des Bildhauers Fritz Cremer sollte die Vorübergehenden an das KZ Sachsenhausen und die Opfer der Bombenangriffe erinnern. Das Mahnmal war direkt nördlich der Schlossbrücke als Ensemble von Plastik, Mauer und der Inschrift „Schmerz – gebäre Tat“ nach Plänen des Landschaftsarchitekten Prof. H. Matthes errichtet worden. Der Standort war bewusst an der Schnittstelle von Brücke, Gehweg und Schloss gewählt worden. Mit der geplanten Verlegung von Brücke und Straße in den südlichen Bereich des Schlossplatzes änderten sich die Standtortbedingungen des Mahnmals, es lag nun abseits der Verkehrsströme. Außerdem sollte mit der Neuordnung des Schlossplatzes der historische Grundriss des Schlosses freigelegt und die historische Schlossmauer auch im Bereich des Mahnmals wieder hergestellt werden. Mit Unterstützung der Denkmalbehörden wurde das Mahnmal zu Beginn der Bauarbeiten für die Neugestaltung des Schlossplatzes denkmalgerecht abgebaut und gesichert. In einem fast zweijährigen Planungs- und Abstimmungsprozess wurden alternative Standorte und Neuinterpretationen des Mahnmal-Ensembles untersucht und bewertet. Alle Beteiligten waren sich einig, dass als neuer Standort nur der Schlossplatz in Betracht kam. Ansonsten bestanden sehr unterschiedliche Vorstellungen, wo und wie das Ensemble im Platzbereich im Sinne seiner ursprünglichen Bedeutung aufgestellt werden sollte. Es war zu klären, ob Mauer und Inschrift unverzichtbare Bestandteile des Mahnmals sein müssen, ob die Mauer als Plafond der Skulptur wieder errichtet werden muss oder ob eine Neuinterpretation zulässig wäre. Hierin waren sich Denkmalbehörden, Verwaltung, die Tochter von Fritz Cremer und Vertreter der politischen Parteien nicht einig. Gemeinsam mit dem Landeskonservator des Landes Brandenburg gelang es, Prof. Matthes, der in den 1950er Jahren das Konzept für das Mahnmal und seinen Standort entwickelt hatte, in den Entscheidungsprozess für den neuen Standort einzubeziehen. Prof. Matthes entschied, die Plastik ohne Mauer, aber wieder in der Nähe der Verkehrsströme, in einem Bereich, der die Würde des Mahnmals unterstreicht, aufzustellen. Alle Beteiligten trugen diese Entscheidung mit.

„Die Anklagende“ mahnt am neuen Standort, 2009 GRUPPE PLANWERK, BERLIN

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Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

Barocke Stadtachsen NEUGESTALTUNG & AUFWERTUNG Breite und Berliner Straße im neuen Gewand Die Breite Straße ist eine der ältesten Straßen Oranienburgs. Sie war bereits im 13. Jh. ein wichtiger Handelsweg. Eindrucksvoll veranschaulicht das auch der archäologische Fund des sechslagigen Knüppeldamms, der bei der Sanierung der Straße zum Vorschein kam. Kurfürst Friedrich Wilhelm ließ die Straße nach dem Stadtbrand von 1671 verbreitern, seitdem heißt sie „Breite“ Straße. Sie führt ab der Havelstraße als eine von zwei realisierten barocken Stadtachsen direkt auf das Schloss zu. Ein Teil der Bürgerhäuser mit ihren dekorativen Fassaden haben den Krieg überstanden und wurden mittlerweile saniert, Baulücken konnten durch Neubebauung geschlossen werden. Die Breite Straße ist Bestandteil der Bundesstraße 273. Die aufgrund des Durchgangsverkehrs stark belastete Fahrbahn war ebenso erneuerungsbedürftig, wie die wenig attraktiven Gehwege. Zudem verstellten die vorhandene Begrünung und die Beleuchtungsanlagen auf dem Mittelstreifen den Blick auf das Schloss. Mit der Neugestaltung der Breiten Straße im Vorfeld der Landesgartenschau 2009 konnte der gesamte Straßenraum durch eine einheitliche, städtische Gestaltung au ge ertet und durch die u pflasterung des ittelstreifens die Blickachse zum Schloss freigelegt werden. Planung: H&W Ingenieurgesellschaft mbh, Mühlenbeck Bauzeit: März 2007 - September 2008 Baukosten: 1,5 Mio. € inanzierung: Ge einde erkehrs nanzierungsgesetz ittel (Fahrbahn); Städtebauförderung (Nebenanlagen) Die Berliner Straße ist die zweite barocke Stadtachse. Sie wurde mit dem Bau des Marstalls 1696 unter dem Namen Königstraße (später Friedrichstraße) angelegt, führt direkt auf das Schlossportal zu und war über viele Jahre der alleinigen Benutzung durch Mitglieder des Königshauses vorbehalten. Spätestens nach dem Tode Friedrichs I., 1713, erfolgte ihre zielle reigabe ür die llge einheit und et a ab die Umbenennung in Berliner Straße entsprechend der Trassenführung in Richtung Berlin. Sie war bis zur Fertigstellung der B 96a Teil der B 96. Nach ihrer Abwidmung konnte sie als Stadtstraße neugestaltet und aufgewertet werden. Planung: Ingenieurbüro Börjes GmbH & Co.KG, Oranienburg Bauzeit: Oktober 2004 - November 2005 Baukosten: 670.000 € Finanzierung: Städtebauförderung

Breite Straße, 2005 - Blick Richtung Schloss

Breite Straße, 2009

GRUPPE PLANWERK, BERLIN

GRUPPE PLANWERK, BERLIN

Berliner Straße, 2005

Berliner Straße, 2009

GRUPPE PLANWERK, BERLIN

GRUPPE PLANWERK, BERLIN

Lageplan zur Neugestaltung der Breiten Straße H&W INGENIEURGESELLSCHAFT

Berliner Straße - neugestaltete barocke Stadtachse, 2009 GRUPPE PLANWERK, BERLIN

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MBH,

MÜHLENBECK


Archäologie SCHICHTEN DER STADTGESCHICHTE IM BODEN

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Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

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Spuren früherer Bebauung und Straßen Südostflügel des Schlosses (1842 abgebrochen)

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ARCHÄOLOGIE MANUFAKTUR GMBH, WUSTERMARK

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332

Schichten der Straßenbefestigung, 2008

Fund eines Rinderskeletts, 2004

ARCHÄOLOGIE MANUFAKTUR GMBH, WUSTERMARK

INGENIEURBÜRO BÖRJES GMBH & CO.KG, ORANIENBURG

Ab Herbst 2005 wurde mit vorbereitenden Maßnahmen für die Neugestaltung des Schlossplatzes und verschiedener Straßen- und Hochbauvorhaben begonnen, die auch archäologisch begleitet wurden. Neben der bereits bekannten Ansiedlung aus der Zeit um 1200 wurden frühe Siedlungsspuren aus den ersten nachchristlichen Jahrhunderten gefunden. Vor allem offenbarten sich bei den Ausgrabungen Einblicke in das stadtbürgerliche Leben des 14.-17. Jahrhunderts. Bei zahlreichen Fundamentsanierungen an Gebäuden zeigten sich Fundamente von Vorgängerbauten (z.B. Amtshauptmannshaus, ehem. Gaststätte Breite Str. 7). Diese gaben Aufschluss über frühere, z.T. leicht veränderte Straßenlagen. Ein Schwerpunkt der archäologischen Arbeiten war die Untersuchung der Berliner Straße, der Breiten Straße und der Havelstraße. Der Bereich der heutigen Berliner Straße zwischen Havelstraße und Burg wurde im Mittelalter noch als bäuerliches Gartenland (ca. 5,5 m breite Parzellen) genutzt. In der Breiten Straße wurden Knüppeldämme, sechsschichtige Holzlagen, freigelegt, die vermutlich wegen der vernässten Ortslage (Mühlenstau, Klimaveränderung) im 14. Jh. eingebracht wurden. Unterhalb der ältesten Knüppeldämme wurden Spuren der Stadtgründungszeit im 13. Jh. sichtbar, wie Gebrauchsgegenstände (Schlüssel, Schmuck, Werkzeug, Bestecke usw.), aber auch Pfosten, Gräben, Gruben / Kadavergruben (Haustiere), Brunnen etc.. Die Gräben deuten darauf hin, dass die Straßen damals in den noch heute bestehenden Verläufen angelegt wurden. Dies zeigt auch, dass die Lage der Havelüberquerung bereits damals etwa an der Stelle lag, an die nun die neue Schlossbrücke – zugunsten der Schlossplatzaufweitung - verlegt wurde.

105 C

ent des Kriegerdenkmals

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241

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Archäologen legen den Knüppeldamm im Bereich der Breiten Straße frei, 2007 BIG-STÄDTEBAU GMBH B

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Schloss

Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

Die 3. Stadtachse REPARATUR DES STADTGRUNDRISSES e ck rü lb ve a H

Schlossplatz

Neubau der Neringstraße

SPOK - STADTPLANUNG B. KRAUSE, BERLIN

Kanals traße

Berliner Straße

Breit e Str aße

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Ungestaltete Grünfläche ohne Aufenthaltsqualität, 2005

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Die Wiederherstellung des barocken Stadtgrundrisses ist ein wesentliches Ziel der Stadtsanierung. Während mit der Breiten Straße und der Berliner Straße zwei auf das Schloss zulaufende barocke Achsen als Straßen angelegt und erhalten geblieben sind, wurde eine dritte barocke Achse parallel zur Havel nie realisiert. Im Rahmen des Diskursiven Planungsverfahrens wurde die Neuanlage einer dritten Straßenachse nach Versailler Vorbild als wichtiges Planungsziel vereinbart. Diese Straßenachse sollte nicht nur eine nunmehr dreifächerige Stadtstruktur begründen, sondern auch das Landratsamt östlich der Berliner Straße besser mit Schloss und Innenstadt verbinden. Das größtenteils ungestaltete Areal zwischen Berliner Straße und Havel, welches eher Stadtrandcharakter aufwies, wurde beräumt, wodurch sowohl Platz für die neue Straßenachse, als auch für die neu anzulegende Uferpromenade geschaffen wurde. Die Neuanlage der Neringstraße erfolgte in einer Breite von 15 m und verfügt über eine 5,10 m breite Fahrbahn sowie über beidseitig angelegte Parkstreifen und großzügige Gehege it Bau pflanzungen bgerundet ird das Bild durch eine moderne Straßenbeleuchtung. Mit dieser neuen Straßenachse wird nun auch eine Erschließung attraktiver Baugrundstücke an der Havel ermöglicht.

Memhardtweg

Neu angelegte Neringstraße, 2009 SPOK - STADTPLANUNG B. KRAUSE, BERLIN

Planung: SPOK - Stadtplanung B. Krause, Berlin Bauzeit: 2007 - November 2008 Baukosten: ca. 731.000 € Finanzierung: Städtebauförderung Havelstraße

Romantisch - Memhardtweg bei Nacht, 2009

Lageplan zur Neuanlage der 3. Stadtachse SPOK - STADTPLANUNG B. KRAUSE, BERLIN

SPOK - STADTPLANUNG B. KRAUSE, BERLIN

Herstellung eines dreifächrigen barocken Stadtgrundrisses durch die Anlage der Neringstraße als dritte barocke Stadtachse, 2009 GRUPPE PLANWERK, BERLIN

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Havel


Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

Amtshauptmannshaus und Blumenthalsches Haus PERLEN WIEDER AUFPOLIERT Das älteste Haus der Stadt

Amtshauptmannshaus durch Leerstand und mangelnde Instandhaltung sichtlich gezeichnet, 2007

Das „barocke Kleinod im alten Glanz“, 2009 RALF KRETZSCHMAR, ORANIENBURG

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RALF KRETZSCHMAR, ORANIENBURG

Ein fr - M iedun au - M erso g, best ckel etal ehen lz (s. Det aun zum G d au ailz elän s: eich deau nung sgle ) ic

Das unter Denkmalschutz stehende Amtshauptmannshaus in der Breiten Straße 1 wurde 1657 erbaut und ist wohl das älteste erhaltene Gebäude in Oranienburg. Das frühbarocke Gebäude wurde um 1700 umgebaut und erweitert und ist seither als zweigeschossiger Putzbau mit Mittelrisalit (zur Hofseite) erhalten geblieben. Die Nutzungsgeschichte des Hauses ist vielseitig. Erst diente es dem jeweiligen Amtshauptmann als Wohnhaus, zwischen 1851 - 1923 als Rathaus, dann zog die örtliche Sparkasse in das Gebäude, die einen Tresorraum einbauen ließ. Ab 1935 wurde es museal genutzt, zuletzt bis 2001 durch das Kreismuseum Oberhavel. Der darauf folgende Leerstand schadete der Bausubstanz erheblich. Mit dem Erwerb des Hauses durch die Stadt 2006 wurde es denkmalgerecht saniert. Ziel war es, einerseits viele historische Bauteile zu sichern und andererseits, ein Bürogebäude herzustellen, das den aktuellen Anforderungen entspricht. Zudem erhielt das Haus wieder einen geschlossenen Innenhof, der neugestaltet Raum für vielfältige Nutzungen bietet. Bis 2009 hatte die Landesgartenschau Oranienburg 2009 GmbH ihren Sitz im Haus, heute wird es durch die Industrie- und Handelskammer als Bürohaus genutzt.

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Planung: Architekturbüro Ralf Kretzschmar, Oranienburg (Gebäude); GRUPPE PLANWERK Stadtplaner Architekten Ingenieure, Berlin (Hof)

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Bauzeit: November 2007 bis März 2009 Baukosten: 614.000 € Finanzierung: Stadt Oranienburg, Gebäudehülle: Städtebauförderung

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Neugestalteter Innenhof mit Platanen, 2012

Gestaltungsplan Innenhof, 2008

GRUPPE PLANWERK, BERLIN

GRUPPE PLANWERK, BERLIN

Das ehem. barocke Hofgärtnerhaus

„Blumenthal‘sche“ Haus vor der Sanierung, 2007

Heute Schmuckstück am Schlossplatz, 2013

GRUPPE PLANWERK, BERLIN

GRUPPE PLANWERK, BERLIN

vgl. Detailplan K€c h e n e i n r i c h t u n g

Eis/Kuchen

Planung: Ingenieurbüro Hedel, Berlin Bauzeit: Mai 2007 - Juli 2008 Baukosten: 474.000 € Finanzierung: Wohnungsbaugesellschaft mbH Oranienburg, Zuschuss für Gebäudehülle: Städtebauförderung

mb-Viewer Version 5.0 - Copyright 2000 - mb Software AG

Tresen

as Blu enthal sche aus be ndet sich in direkter achbarschaft zum Amtshauptmannshaus am Schlossplatz 5. Es wurde um 1800 erbaut und ursprünglich vom Hofgärtner Bartsch als Wohnhaus genutzt. Die jüdische Bankiersfamilie Blumenthal, die seit 1862 ein Tuchwaren- und Bankgeschäft in der Breiten Straße führte, kaufte das Haus Schlossplatz 5 im Jahr 1875. Louis Blumenthal bewohnte das Haus. Nach dessen Tod, 1901, wurde die Bank von der Breiten Straße in dieses Haus verlegt. Der heutige Name ist eine Schöpfung der Nachwendezeit. 2007 bis 2008 wurde das Haus umfassend saniert. Auftraggeber war die Wohnungsbaugesellschaft mbH Oranienburg, der das Haus heute gehört. bergesch ss be nden sich Bür r u e und i rdgeschoss ein Restaurant, welches gut frequentiert ist und bei schönem Wetter zur Belebung des Schlossplatzes beiträgt.

Grundriss EG (gastronomische Nutzung) INGENIEURBÜRO HEDEL, BERLIN

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Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

Uferpromenade DAS HAVELUFER WIRD ERLEBBAR Die Stadt wendet sich dem Wasser zu Oranienburg hat das stadträumliche Potenzial erkannt, das die a el, die itten durch die Stadt flie t, bietet, und baut dieses it iel ltigen a nah en k ntinuierlich aus Dazu gehört der Neubau und die Neugestaltung der uferbegleitenden u und ad ege, die das a elu er zug nglich und den Fluss und seine umgebenden Freiräume erlebbar achen ch bis r enigen ahren ar das a elu er i Schl ssbereich eine nahezu undurchdringliche ildnis inhergehend mit dem Neubau der Schlossbrücke und der Neuordnung des Schl ssplatzes urden attrakti e erpr enaden zu beiden Seiten der Havel angelegt, die zum Flanieren und rh len i erzen der ranienburger nnenstadt einladen ber die er ege estlich der a el besteht eine attrakti e u l u ge und ahrrad reundliche erbindung, die n Norden über den Schlossplatz zum Louise-Henriette-Steg und eiter nach Süden ührt

Vor dem Umbau, 2005

GRUPPE PLANWERK, BERLIN

Östliches Ufer und Schlossfreiheit: Planung: bg r Becker Giseke hren ichard Landscha tsarchitekten, Berlin Bauzeit: 2006 - 2009 Bauk sten: Finanzierung: Städtebauförderung

Verwilderte Flusslandschaft entlang des Schlosses, 2005

Städtische Ufergestaltung lädt zum Flanieren ein, 2009

GRUPPE PLANWERK, BERLIN

BIG-STÄDTEBAU GMBH

Schloss

Havel

Havelpromenade Schlossfreiheit e

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Westliches Ufer zwischen Louise-Henriette-Steg und Schlossplatz: Planung: G PP PL K Stadtplaner rchitekten ngenieure, Berlin Bauzeit: 2007 - 2009 Bauk sten: Finanzierung: Städtebauförderung

Neue Uferpromenaden holen das Wasser bis ans Schloss, 2009

GRUPPE PLANWERK, BERLIN

Lageplan zur Neugestaltung der Uferpromenade nördlich der Schlossbrücke, 2005 bgmr Landschaftsarchitekten, Berlin

Grüne Idylle mitten in der Stadt - Promenieren entlang des Havelufers, 2013 GRUPPE PLANWERK, BERLIN

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Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

Schlosshafen AUF DER HAVEL WANDERN UND IN ORANIENBURG PAUSIEREN Attraktion für Wassertouristen Der neu entstandene „Schlosshafen“ nördlich des Schlosses ist eine Attraktion für Wasserwanderer und bietet ihnen nicht nur einen angenehmen Aufenthalt, sondern auch durch den neu gebauten August-Wilhelm-Steg kurze Wege in die Innenstadt. Zudem ist das ehemalige Landesgartenschaugelände bzw. der Schlosspark, das Schloss sowie die Orangerie, mit ihrem vielfältigen kulturellen Programm, u l u g be ue zu erreichen Der Wasserwanderstützpunkt gliedert sich in einen „Liegehafen“ (5.200 m²) mit Zeltplatz und sanitären Anlagen sowie in einen kleineren „Servicehafen“ (1.400 m²) mit Servicegebäude, Hafenmeisterei und Slipanlage. Zudem be nden sich hier ara anstellpl tze, eine PK Stellplatzanlage, eine Fahrradverleihstation und ein Zeltplatz für 50 Zelte. Der Liegehafen liegt am westlichen und der Servicehafen am östlichen Havelufer. Schlosshafen Planung: Rose Fisch Landschaftsarchitektur, Berlin; Seebauer | Wefers und Partner GbR, Berlin mit Ingenieurbüro Prof. Ludwig Obermeyer, Potsdam; HYDRO-Planungsgesellschaft mbH, Wandlitz (Schlosshafen); Rail & Road Protec GmbH, Flensburg (August-Wilhelm-Steg); Dietz-Joppien Architekten AG, Frankfurt a.M.(Hochbau) Bauzeit: 2008 - 2009 Baukosten: 6,47 Mio. € Finanzierung: Förderung der wirtschaftsnahen Infrastruktur, Wirtschaftsministerium

Lageplan Liegehafen und Servicehafen, 2009 SEEBAUER | WEFERS

UND

PARTNER GBR, BERLIN

Caravanstellplatz, 2010

Liegehafen zur LaGa 2009

TOURISMUS

TOURISMUS

UND

KULTUR ORANIENBURG GGMBH (TKO)

Liegehafen lädt zum Verweilen ein, 2013 TOURISMUS

UND

KULTUR ORANIENBURG GGMBH (TKO)

UND

KULTUR ORANIENBURG GGMBH (TKO)

August-Wilhelm-Steg, kurze Verbindung zwischen Innenstadt, Hafen und Schlossgarten, 2009 BIG-STÄDTEBAUI GMBH

31


Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

Fischerparkplatz NEUORDNUNG UND NEUGESTALTUNG Mehr als nur ein Parkplatz

Fischerparkplatz vor dem Umbau, 2005

Heute zentraler Parkplatz in der Innenstadt und ... (2009)

GRUPPE PLANWERK, BERLIN

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GRUPPE PLANWERK, BERLIN

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Im Zuge des Brückenneubaus bzw. der Verlegung der B 273 wurde der ehemalige Parkplatz an der Fischerstraße im nördlichen Teil überbaut. Daraus ergab sich die Chance, die östlich der neuen Straßentrasse gelegenen Flächen neuzuordnen und zu erschließen. Ziel war es, einen einheitlich gestalteten Platz anzulegen, der sowohl als innerstädtischer Parkplatz zwischen der barocken Innenstadt und der zentralen Einkaufsstraße Bernauer Straße dient, als auch multifunktional genutzt werden kann. Um diese zwei Nutzungsansprüche zusammen zu bringen, ird die Platzfl che durch Bau reihen über iegend Linden) in zwei Teilbereiche gegliedert - zum einen in eine zusa enh ngende l che ür eranstaltungen auch zu Parken nutzbar) im Inneren und zum anderen in einen Parkplatz an den äußeren Rändern zur Fischerstraße hin. Während die Platzfl chen it Gr steinpflaster aus aturstein gestaltet sind, urde ür die ischerstra e Kleinsteinpflaster verwendet. ine eitere Bau reihe de niert eine Platzseite gegenüber der Bernauer Straße. Eine öffentliche Toilettenanlage wurde im nördlichen Bereich an der Bernauer Straße errichtet. Planung: G PP PL K Stadtplaner rchitekten ngenieure, Berlin Bauzeit: März 2008 - November 2008 Baukosten: 390.000 € Finanzierung: Städtebauförderung

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... multifunktional nutzbar, 2009 55

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GRUPPE PLANWERK, BERLIN

Lageplan zur Neugestaltung des Bereiches Fischerparkplatz und -straße, 2008 GRUPPE PLANWERK, BERLIN

Der neugestaltete Fischerparkplatz eröffnet neue Sichtbeziehungen, 2009 GRUPPE PLANWERK, BERLIN

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Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

Landesgartenschau 2009 DER SCHLOSSPARK ERBLÜHT Traumlandschaften einer Kurfürstin Das Konzept für die Landesgartenschau umfasste von Anbeginn drei Parkbereiche – den alten Schlosspark, den „Neuen Park“ auf den ehemaligen Flächen der Grenztruppen der DDR und den Hafen zwischen Havel und früheren Panzerhallen - insgesamt 7 ha. Die im diskursiven Verfahren entwickelte gestalterische Grundidee basierte auf den von Prinzessin Louise Henriette von Oranien-Nassau im 17. Jh. umgesetzten Konzepten zu Gartenbau, Gartenkunst und Landwirtschaft. Daher mutet die Gestaltung des Parks in Teilbereichen an eine holländische Polderlandschaft mit Gräben, Kanälen, Baumreihen und Brücken an. Der hinter dem Parkeingang am Schloss liegende Hauptweg wird von einem großen Graben begleitet. Nördlich davon liegt der „Neue Park“. Die teilweise an ursprünglicher Stelle wiedererrichteten Gräben dienten damals der Entwässerung und sind heute, wie auch der große Teichgarten, Bestandteil eines ausgefeilten Bewässerungssystems für die Parkanlage. Innerhalb des Graben- und Wegesystems liegen 16 sog. „Gartenzimmer“. Quadratische, mit Hecken umgebene, intime Flächen wurden jeweils einer Facette des Lebens von Louise Henriette bzw. ihrer Zeit gewidmet. Gräben, Baumreihen, Wegeachsen und Gartenzimmer werden durch Stauden, Sträucher und Wiesen, z.T. für Aufenthalt und Spiel, ergänzt. Der westliche Teil des Geländes wird vom denkmalgeschützten historischen Schlosspark gebildet, dessen Grundstruktur auf eine barocke Anlage zurückgeht, die jedoch kaum noch erkennbar war. Sechs Boskette (Wäldchen) spiegeln das Thema der „Gartenzimmer“ wider. Der Schlossteich wurde erneuert und durch Streuobstwiesen und Küchengarten ergänzt. Der dritte Teil des Landesgartenschaugeländes ist der Wasserwanderstützpunkt am Hafen. Zwei ehemalige Panzerhallen wurden erhalten bzw. umgebaut und während der Gartenschau als Blumen- und Ausstellungshallen genutzt.

Lageplan Landesgartenschau, 2009 SEEBAUER | WEFERS

UND

PARTNER GBR, BERLIN

Ehemaliges Kasernengelände, 2007 LANDESGARTENSCHAU ORANIENBURG 2009 GMBH

Planung: Rose Fisch Landschaftsarchitektur, Berlin, Seebauer | Wefers und Partner GbR, Berlin, Atelier Orangenhain, Temmen-Ringenwalde (neuer Park); DR. Jacobs & übinger Bür ür Gartendenk alpflege und Landscha tsarchitektur, Berlin (Schlosspark); Dietz-Joppien Architekten AG, Frankfurt a.M. (Hochbau); Ingenieurbüro Prof. Ludwig Obermeyer, Potsdam (Ingenieurbauwerke)

„Gartenzimmer Traum“, 2009

Bauzeit: November 2006 - April 2009 Finanzierung: EU Programm Integrierte ländliche Entwicklung (ILE), Landwirtschaftsministerium

Luftbild der „Gartenzimmer“, 2009 LANDESGARTENSCHAU ORANIENBURG 2009 GMBH

BIG-STÄDTEBAU GMBH

„Gartenzimmer Herkunft“, 2009

Hauptkanal, 2009

SEEBAUER | WEFERS

BIG-STÄDTEBAU GMBH

UND

PARTNER GBR, BERLIN (FOTOGRAFEN: MATTHIAS FRANKE, GÖTZ HAASE)

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Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

Stadtbibliothek EIN BAUSTEIN FÜR KULTURELLES LEBEN IN DER BAROCKEN INNENSTADT Stadtbibliothek und Touristeninformation in einem Gebäude z

TOURISTENINFORMATION

Periodika GALERIE BIBLIOTHEK Verbuchung Information

Multifunktionale Zone

Kinderbibliothek Belletristik

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34

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Haupteingang

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Grundriss EG mit Galerie und Touristeninformation im Kopfbau und „Saalbau“ der Bibliothek im hinteren Gebäudeteil, 2013 GRUPPE PLANWERK, BERLIN

Ansicht der Bibliothek von der Havelpromenade, 2013 GRUPPE PLANWERK, BERLIN

Bibliothek und Touristeninformation am neuen Standort Schlossplatz 2, März 2014 GRUPPE PLANWERK, BERLIN

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Planung: GRUPPE PLANWERK Stadtplaner Architekten Ingenieure, Berlin Bauzeit: August 2012 - Anfang 2014 Baukosten: 4,58 Mio. € Finanzierung: EFRE - Nachhaltige Stadtentwicklung, Bauministerium

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Der Neubau der Stadtbibliothek bildet eine Schlüsselmaßnahme für die räumliche Neufassung des barocken Schlossplatzes und für seine Wiederbelebung. Das städtebaulich-bauliche Grundkonzept sieht eine Bebauung mit zwei architektonisch abgesetzten, aber ineinander greifenden Gebäudeteilen zwischen der Neringstrasse (3. Achse) und dem Havelufer vor. Während der vordere, straßenzugewandte, zweigeschossige Gebäudeteil mit ausgebautem Dach, stehenden Fensteröffnungen und einer Putzfassade ein Bestandteil der geplanten einheitlichen Platzrandbebauung am Schlossplatz darstellt (die Gebäudestruktur war durch den B-Plan Nr. 45 vorgegeben), stellt sich das hintere Gebäude als ein eigenständiger Bauteil mit großen senkrecht stehenden Fensteröffnungen nach Süden und zur Havel hin dar. Die wechselnden Höhen der Fensteröffnungen greifen das Motiv von „Bücherstapeln“ auf. Die Fassade besteht aus Zinkblech. Das Raum- und Funktionsprogramm wurde prozesshaft mit den künftigen Nutzern des Gebäudes entwickelt und abgestimmt. Mit dem Neubau der Stadtbibliothek wird der Schlossplatz von Oranienburg wieder zu einer guten Adresse. Der Zugang erfolgt vom Schlossplatz (Schlossplatz 2). Über das eingeschossige Foyer im Kopfbau mit der Touristeninformation erreicht der Besucher den Bibliotheksbereich im hinteren Gebäudeteil („Saalbau“). Dieser erstreckt sich über zwei Ebenen in Form einer Galerie. Er präsentiert sich als offener und durch die großzügige Verglasung zur a el hin als lichtdurchfluteter Saal as er und die offen gestalteten Funktionsbereiche im Kopfbau sowie der Multifunktions- und Galeriebereich im hinteren Gebäude bilden im Inneren eine räumliche und funktionale Einheit. Insgesamt rd. 65.000 Medien werden ihren Platz in der neuen Bibli thek nden, n Belletristik, Kinderliteratur, Sachliteratur bis zu audiovisuellen Medien und Periodika. Bei eubau der Bibli thek urde ein energiee zientes Gebäudekonzept (u.a. Wärmepumpe (Geothermie), optimierte Gebäudehülle) realisiert.


Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Jahre Planungsverfahren Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Diskursives Jahre Diskursives Planungsverfahren

Ausblick ENTWICKLUNG EINES NEUEN QUARTIERS AM HAVELUFER Wohnen am Schlossufer

LEGENDE

Gebäude (Bestand) Gebäude (Planung) M

F 34.52

(im Bau)

34.29

Nebenanlage (Fahrradhäuschen / Müll) Nebenanlage (Blockheizkraftwerk)

BKW

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35.23 34.3 8

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35.10

Fußweg

3

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34,20

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34,50

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15,90

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16,28

33.55

33.50

10

37 Parkplatz Havel-Passage

34,70

161/1 BKW

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156

34.08

M

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35.15

34.14

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2,37

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5

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F

34.23

35.18

150

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34,40

Havel-Passage

35.16 34.44

I

34,80

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34.52 g: Eingan0 34,5

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5

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2367/86

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III

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640/86

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3605/86

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Flur

V

86/12

ARCHITEKT

23 137/4

21

Kaiser-Friedrich-Straße 90 10585 Berlin BAUHERR

19

auer

Bern

2

Straße

17 UNTERSCHRIFT

15

Lageplan / Übersichtsplan

96

PLANUNGSSTAND

Entwurf

B 1594/86

GRUNDLAGE Amtlicher Lageplan - Stand 28.09.2011 des Öffentlich bestellten Vermessungsingenieurs Bernd Sinnhöfer

Lageplan des neuen Wohnquartier am Havelufers, Sachsenhausener Straße, 2013 714/86

2783/65

1593/86

M 1:500 URBANISTICA

UNTERSCHRIFT

PLAN

13

697/143

Tel.: 030 - 421 21 67 Fax.: 030 - 421 21 69 e-mail: info@urbanistica.de

ARCHITEKT

183

344/86

Tel.: 03301 - 59 72 0 Fax.: 03301 - 59 72 60 e-mail: info@woba.de

urbanistica berlin

Martin Frieling - AL 11290

35

6

Wohnungsbaugesellschaft mbH Oranienburg (WOBA) Villacher Straße 2 16515 Oranienburg

1373

34.78

III

I

Sachsenhausener Straße - 16515 Oranienburg BAUHERR

3019/137

1590/86 V 4 86/13 182

eg

Radw

I

II

86/30

und

18

16

I

I I

Neubau von fünf Mehrfamilienwohnhäusern und einer Stellpatzanlage

14

Geh-

III

III

I

III

12

ur 31

10r 31 Fl Flu 35 Flur

VORABZUG

II

II

PROJEKT

35.15

I

III II

II

3021/137

86/27 86/29

853/86

3606/86 33.21

3602/86

II

III I I

III

I

F

I

I 3604/86 3603/86

I

I

E III

I

I

I

II

C

18

III

86/22

34.47

34.22

34.20

III Parkplatz

34.96

16

Parkplatz

184

Parkplatz

34.38

34.10

181

33.92

86/28

34.82

II

B96

5,34

34,30

D

34.96

86/2

34.75

86/21

34.56

ner Straße

34.35

24

34.12

nhause

34,60

34,40

86/18

B

BB

35.15

Sachse

18,15

34,10

33.85

86/3

34.76

86/19

III

35.14

86/5

28

Haus E V

Weitere Vorhaben im Bereich der barocken Innenstadt: • Gewerbe- und Dienstleistungsgebäude Breite Straße Ecke Havelstraße • weiterer Wohnungsbau am westlichen Havelufer

Gehw eg

35,00

M

33.76

ART DER ÄNDERUNG

I

33.21

822

GEZ.:

39

5

7,34 33.47

6,00

5,00

60

DATUM

40

33.31

INDEX

34,70

37

7,72 33.43

34,45

g: Eingan0 34,5

Haus C IV

ÄNDERUNGEN

B96

M

33.63

34,10

raße

34.03 33

ner St

152

33,90

Havel

14 34,50

33.83

33.55

5

33.45

38

F

Haus D V

34,15

154

ause

18,15

33.38

FW

senh

g: Eingan0 34,3

tze -Stellplä 52 PKW

5

8,09

276282

Sach

34,40

Havel

33,90

6,00

60 5,00

NORDEN

33.47

lätze

158

5,00

34.70

5

Parkp

34,45 43

372/90

33.81

Auftraggeber: Wohnungsbaugesellschaft mbH Oranienburg (WOBA) Planung: urbanistica / PLK, Berlin Umsetzungszeitraum: 2015

Grenze Bodendenkmal (Bebauungsplan)

931

40

Haus B IV

34,00

33.80

Nutzungsänderung (Bebauungsplan)

35.51

35.12

M

371/90 33.69 BB

Höhenlage Eingangsbereich im Haus

35.23

35.06

160

Höhenlage (DHHN92) Bestand / Planung

Baugrenze (Bebauungsplan)

35.11

F 33.78

Eingang: 34,30

35.27

6

34,90

33.90

Stellߊche fŸr die Feuerwehr 34,80

FW: Flächen für die Feuerwehr

35.17

34.48

III

alle Nebengebäude einheitliche Außengestaltung

35.26

34,90

35,10

34,36

38

33.77

35.26

Geschosszahl

F

BKW: Vorhalteߊche (5,0m / 6,5m) für Blockheitzkraftwerk

369/89

35.22

34.14

F: Fahrradhäuschen (14 Stellplätze (60cm Abstand) bzw. 18 Stellplätze (45cm Abstand))

50

35,30 34.94

M: Platz für Müllgefäße (240l-Tonnen) (8 Tonnen bzw. 10 Tonnen) 35.11

35,20

1059

39

Eingang: 35,30

35.32

38

F

IV

lätze

15,905

Haus A IV

Flurstücksnummer Umgrenzung Grundstück

35.10

35,30 M

35.32

lätze

35,30

34.98

194

35.29

52

Parkp

35,10

Flurstückslinie 149

35.14

1

lätze

5,00

70

2,30

Parkp

2,00

14,905

35.14

35.12

35,30 34.85

Bäume (Fällen)

III

35.55

Parkp

34.85 34.14

35.13

34.87

34.54

5,50

34,40

Bäume (Bestand) // Bäume (Neuanplanzung)

35.19

34.51

34,50 34,20

III

II

I

I

34,70 34,50

34,70

34,70

121

34.75

Parkplatz mit Stellplatzanzahl

1

36

Pla n

I

e öff en

34,60

34,40

34,60 34,60

private Erschlie§ungsߊche (Stra§e / Parken)

35.34

122

tlic h Parkplatz

Auf dem Grundstück entlang dem östlichen Havelufer, visà-vis dem Schloss Oranienburg, sollen fünf gegeneinander versetzte Stadtvillen mit insgesamt 45 Mietwohnungen errichtet werden. Schwerpunktmäßig werden Zwei- und DreiZimmer-Wohnungen mit 73 bis 95 m² angeboten. Alle Wohnungen sind zur Havel orientiert. Baum- und Strauchpflanzungen binden das Grundstück in den Landschafts- und Stadtraum ein.

GrundstŸck - GrŸnߊche (Planung) 34.96

mit Aktualisierungen (Baumbestand, Caravanstellplatz) durch urbanistica

PLANNUMMER BLATTGRÖSSE GEZEICHNET

OR_LA-ÜB_500 59,4 / 59,4

MAßSTAB

1 : 500

ERSTELLUNGSDATUM M. Frieling

0

5

10

15

ÄNDERUNGSDATUM / INDEX

27.09.2013

/ PLK, BERLIN

Ansicht Stadtvillen (o.M.), 2013 URBANISTICA

/ PLK, BERLIN

35 35


Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

Oranienburg von oben LUFTBILD 2000

Luftbild 2000 HANSA LUFTBILD MĂœNSTER

36


Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Jahre Planungsverfahren Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Diskursives Jahre Diskursives Planungsverfahren

Oranienburg von oben LUFTBILD 2009

Luftbild 2009 HANSA LUFTBILD MĂœNSTER

39 37


Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

Stadtansichten INNENSTADT IM WANDEL DER ZEIT

KREISMUSEUM OBERHAVEL

KREISMUSEUM OBERHAVEL

KREISMUSEUM OBERHAVEL

KREISMUSEUM OBERHAVEL

KREISMUSEUM OBERHAVEL

38


Erweiterter Barocker Stadtgrundriss 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren

Schloss Oranienburg, Blickrichtung Westen 1901 | 2005 | 2009

Blick auf das Hotel Eilers I Staatsbank I LaGa Pavillon 1928 | 2005 | 2009

Breite Straße Blickrichtung Schloss 1953 | 2005 | 2009

Ehem. Schlossbrücke Blickrichtung Bernauer Straße 1920 | 2005 | 2009

Havel - Blickrichtung Louise-Henriette-Steg 1904 | 2005 | 2013 ALLE

FOTOS V. GRUPPE PLANWERK, BERLIN

39


Ausstellung VERANSTALTER

AUFTRAGGEBER

Der Bürgermeister

Treuhänderischer Sanierungsträger der Stadt Oranienburg, Regionalbüro Perleberg Wollweberstraße 20 19348 Perleberg

Schlossplatz 1 16515 Oranienburg

Oranienburg, Oktober 2013

GEFÖRDERT DURCH

Städtebauförderung des Landes Brandenburg

KOORDINATION & LAYOUT

GRUPPE PLANWERK Stadtplaner Architekten Ingenieure Pariser Straße 1 10719 Berlin


IMPRESSUM HERAUSGEBER Stadt Oranienburg Der Bürgermeister Schlossplatz 1 16515 Oranienburg MIT BIG-Städtebau GmbH Treuhänderischer Sanierungsträger der Stadt Oranienburg, Regionalbüro Perleberg Wollweberstraße 20 19348 Perleberg LAYOUT GRUPPE PLANWERK Stadtplaner Architekten Ingenieure Pariser Straße 1 10719 Berlin DRUCK Druckerei & Werbeagentur Scherwinski, Oranienburg AUFLAGE 1.000 Stück Wir danken allen, die bei der Vorbereitung der Ausstellung bzw. der Broschüre durch Bereitstellen von Textbeiträgen, Informationen, Fotos oder Plänen mitgeholfen haben. Oranienburg, Februar 2014


Oranienburgs wiederbelebte Mitte  

Erweiterter barocker Stadtgrundriss – 10 Jahre Diskursives Planungsverfahren (2003-2013) in der Stadt Oranienburg

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