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absolute Herausgegeben von Klaus Theweleit und Rainer Hรถltschl


absolute Paul Feyerabend Herausgegeben und mit einem biografischen Essay versehen von Malte Oberschelp

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Die Deutsche Bibliothek – CIP-Einheitsaufnahme Ein Titeldatensatz für diese Publikation ist bei der Deutschen Bibliothek erhältlich. absolute — eine Reihe hg. v. Klaus Theweleit und Rainer Höltschl absolute Paul Feyerabend Hg. v. Malte Oberschelp Freiburg: orange-press 2002 Copyright für die deutsche Ausgabe 2002 bei © orange-press GmbH Alle Rechte vorbehalten Buchgestaltung: Annette Schneider Hergestellt in Deutschland Die im Text angegebenen URLs verweisen auf Websites im Internet. Der Verlag ist nicht verantwortlich für die dort verfügbaren Inhalte, auch nicht für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität der Informationen. ISBN 3-936086-06-0 orange-press.de


Die Wissenschaften in einer freien Gesellschaft

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Biografie I – Die Diskutiermaschine (1924 – 1955)

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Das Problem der Existenz theoretischer Entitäten

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Biografie II – Der Dadaist (1955 – 1975)

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Über Erkenntnis

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Wider den Methodenzwang

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Der Galileiprozess – einige unzeitgemäße Betrachtungen

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Bemerkungen zur Geschichte und Systematik des Empirismus

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Biografie III – Der Popstar (1975 – 1990)

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Platonische Phantasien

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Wissenschaft als Kunst

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Biografie IV – Der Buddhist (1990 – 1994)

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Die Kolonisation der Vielfalt

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Das letzte Interview

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Quellenverzeichnis, Textnachweise, Dank

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Personenregister


Biografie I – Die Diskutiermaschine (1924 – 1955)

»Herr Feyerabend, entweder Sie halten das Maul oder Sie verlassen den Vorlesungssaal!« Mit diesen Worten versuchte 1949 der Wiener Philosophie-Professor Erich Heintel einen jungen Studenten der Naturwissenschaften loszuwerden, der sich interessehalber in der philosophischen Fakultät herumtrieb. Heintel war nicht irgendein Dozent, sondern ein bekannter Hegel-Spezialist und der Doyen des Wiener Instituts. Sein vorlautes Gegenüber zählte gerade einmal 25 Jahre, hatte ein wenig Theaterwissenschaft betrieben, später ein Studium der Geschichte und Soziologie abgebrochen, sich seither auf die Fächer Astronomie, Physik und Mathematik verlegt, nahm nebenbei Gesangsunterricht und verbrachte jede freie Minute in der Oper. Paul Karl Feyerabend, so der Name des jungen Querulanten, war durchaus an den philosophischen Grundlagen der exakten Wissenschaften interessiert, aber eigentlich hielt er Metaphysik für ausgemachten Unsinn. Und das sagte er selbst den Autoritäten des Fachs, ob sie es hören wollten oder nicht. Die respektlose Einstellung hat Paul Feyerabend sich später in seinem eigenen Metier, der Wissenschaftstheorie, bewahrt. Er studierte ein Jahr bei Karl Popper in London, lehnte es aber ab, Assistent des damals bereits bekannten Erkenntnistheoretikers zu werden. Im Laufe der 60er Jahre, als Feyerabend in Berkeley selber Professor geworden war, entfernte er sich immer weiter von den Lehrmeinungen seiner Zunft und verwirrte durch provokante Thesen. Aus der gleichen Datenmenge, behauptete Feyerabend beispielsweise, seien unterschiedliche und miteinander unvereinbare Theorien konstruierbar. Auch sei der wissenschaftliche Fortschritt methodologisch nie so rational verlaufen, wie die Wissenschaftstheoretiker hinterher behaupteten. Sein eigenes Werk war das beste Beispiel dafür, dass vermeintlich außerwissenschaftliche Faktoren in den Er kenntnisprozess hineinspielen, denn Feyerabend überzeugte nicht nur mit Inhalten, sondern auch durch seine Performance: eine Mischung aus scharfsinniger Argumentation, Polemik, sophistischen Spitzfindigkeiten, Improvisation und der Fähigkeit, im Zweifelsfall einfach länger reden zu können als der jeweilige Diskussionspartner. Mit seinem Buch Wider den Methodenzwang, im englischen Original Against Method erschienen 1975, hat Feyerabend dann die gesamte Institution Universität ver-

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lassen. Die »Skizze einer anarchistischen Erkenntnistheorie« machte ihren Autor weit über das akademische Milieu hinaus bekannt und verschaffte ihm die Reputation eines Popstars. Dass Feyerabend im Laufe seines Lebens vier Mal verheiratet war, sich als Wrestling-Fan outete und in den 80er Jahren chinesische Akupunktur, Astrologie und die Kosmologie der Hopi-Indianer protegierte, um die dominante Stellung der Wissenschaft in der westlichen Zivilisation zu hinterfragen, macht seine Story umso attraktiver. Er selbst wurde darüber zeitweilig depressiv, weil das Schlagwort »Anything goes« ihm fortan nicht nur anhing wie eine Klette, sondern von Kollegen und Medien flugs zur Meta-Methode erhoben wurde, obwohl es lediglich als Zustandsbeschreibung gedacht war. »Diskutiermaschine« hat Feyerabend sich selbstironisch in seiner Autobiographie Zeitverschwendung genannt, die er 1993 kurz vor seinem Tod beendete. Zu dieser Zeit hatte er seine akademische Karriere schon weit hinter sich gelassen, in der er sich vom erkenntnistheoretischen Enfant terrible zum vehementesten Kritiker der Wissenschaft entwickelte. Er widmete sich ganz dem Privatleben mit seiner vierten Frau Grazia, wollte sogar noch eine Familie gründen und betrachtete den Universitätsbetrieb mit noch größerer Distanz als 1949 – in der PhilosophieVorlesung von Professor Heintel. Damals beugte er sich noch den Autoritäten, »hielt das Maul« und blieb im Saal – nach seiner Erinnerung allerdings nur, weil es draußen viel zu kalt gewesen sei. Paul Karl Feyerabend wurde am 23. März 1924 in Wien geboren. Er war ein Einzelkind und wuchs in alles andere als glamourösen Verhältnissen auf. Sein Vater war Beamter im einfachen Staatsdienst, seine Mutter hatte vor der Heirat als Näherin gearbeitet, die weitläufige, zum Teil slowenische Verwandtschaft bestand hauptsächlich aus Eisenbahnern. In seiner Autobiographie zeichnet Feyerabend ein schillerndes und schrulliges Bild von Familie und Nachbarschaft, in denen Alkoholismus, Selbstmordversuche, rituelle Feiertagsstreitereien und der ausgiebige Gebrauch von Schimpfwörtern (»Du Tachinierer! Du Oasch!«) auf der Tagesordnung standen. »Ich nahm es als selbstverständlich hin, dass die Welt ein seltsamer Ort ist, an dem ständig unerklärliche Dinge passieren«, schreibt Feyerabend über seine Kindheit – egal, ob Tante Pepi gerade den Gashahn aufgedreht hatte, der Bettler des Quartiers abends mit dem größten Stück aus der Fleischhauerei kam oder während des Bürgerkriegs 1934 Leichen auf den Wiener Bürgersteigen herumlagen. In der Schule hatte Feyerabend zunächst Probleme: Sobald der Lehrer etwas an die Tafel schrieb, musste er sich übergeben. Nachdem dieses Problem verschwunden war, entpuppte sich Feyerabend zwar nicht als bequemer, aber als äußerst

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wissbegieriger Schüler. Lesen hatte er mithilfe von Comics schon zuhause gelernt, und im Alter von neun Jahren verschlang er jedes Buch, das ihm in die Finger kam: Rübezahl, Struwwelpeter, Edgar Wallace, Jules Verne, Arthur Conan Doyle, Alexandre Dumas, Karl May. In einem Brief an seinen Kollegen und besten Freund Imre Lakatos erinnert sich Feyerabend, dass ihm sein Vater zeitweilig gar das Lesen verbieten musste, weil er nach der Lektüre vor Aufregung schlecht einschlief. Später auf dem Realgymnasium ging es mit Goethe, Schiller, Ibsen, Kleist und Shakespeare weiter – ein bibliophiler Input, dessen enormen Umfang und dessen Heterogenität Feyerabend sein Leben lang beibehielt. Weil er als Schüler seine Lektüre im Antiquariat gleich stapelweise einkaufte, befanden sich darunter auch bisweilen wissenschaftliche Publikationen, die er mit derselben Neugierig und Wissbegierigkeit durcharbeitete. »An die Philosophie geriet ich durch reinen Zufall«, schrieb er später in Hinblick auf diese frühen Anfänge. Mit der Physik und Astronomie verhielt es sich ähnlich. Feyerabends Physiklehrer Oswald Thomas begeisterte den Jungen für das Fach und machte dabei gleich Bekanntschaft mit einer Eigenschaft, die in Zukunft noch anderen Gelehrten Kopfschmerzen bereiten sollte. »An meinem dreizehnten Geburtstag erlaubte er mir, einen eigenen Vortrag zu halten«, erinnert sich Feyerabend. »›Zwei Minuten‹, sagte Professor Thomas. Nach zehn Minuten musste man mir das Wort entziehen.« Weniger anekdotisch, aber inhaltlich übereinstimmend hat diese Zeit Paul Hoyningen-Huene beschrieben, der Feyerabend während seiner Zeit an der Zürcher Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) 1980 kennen lernte. »Schon während seiner Schulzeit arbeitete er Mathematik-, Physik- und Astronomielehrbücher auf Universitätsniveau durch«, schreibt Hoyningen-Huene. Ein Selbststudium mit Folgen. »Als ich etwa 16 war, hatte ich den Ruf, mehr von Physik und Mathematik zu verstehen als unsere Fachlehrer. Sie schienen den Gerüchten zu glauben und ließen mich in Ruhe«, so Feyerabend in Zeitverschwendung. Etwa zur gleichen Zeit begann Feyerabend, in einem Chor zu singen, Gesangsstunden zu nehmen und die Oper zu entdecken. Die Liebe zur Musik blieb eine Konstante in seinem Leben. Bis weit in die 50er Jahre liebäugelte Feyerabend damit, als Sänger Karriere zu machen, und bedauerte wiederholt, diesen Plan nicht energisch genug verfolgt zu haben. »Das Singen bedeutete für mich ein Vergnügen, an das keine intellektuelle Tätigkeit heranreichte.« Während seiner Zeit in Berkeley nahm er erneut Stunden und ging so weit, lukrative Lehrangebote im Osten der USA auszuschlagen, weil er in der Nähe seiner Gesangslehrerin bleiben woll-

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te. 1968 schrieb er die Linernotes für eine Schallplatte des italienischen Komponisten und Musiktheoretikers Ferruccio Busoni, und seine Autobiographie gibt seitenlang Aufschluss über Feyerabends musikalische Passion: Jahrzehnte zurückliegende Operninszenierungen samt Sängern und ihren Rollen referiert er mit einer Begeisterung und Detailtreue, wie man sie sonst nur aus der Welt des Fußballs kennt. Nach dem Abitur 1942 wollte Feyerabend Astronomie und Gesang studieren und beide Berufe zugleich ausüben. Der Zweite Weltkrieg machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Österreich war bereits 1938 dem Deutschen Reich ›angeschlossen‹ worden, Feyerabend wurde im April 1942 zum Arbeitsdienst in die Bretagne abkommandiert, im Dezember 1942 erhielt er seinen Einberufungsbefehl. In einer Fußnote seines Buches Erkenntnis für freie Menschen hat er 1979 seine Kriegserlebnisse wie folgt beschrieben: »Ich meldete mich zur Offiziersschule, um die Front so lange wie nur möglich zu vermeiden. Die Sache gelang nicht ganz, ich fand mich inmitten des deutschen Rückzugs an der Ostfront, umgeben von flüchtenden Zivilisten, Infanterieeinheiten, einer Panzereinheit, polnischen Hilfssoldaten, die ich plötzlich alle kommandierte (die höheren Offiziere waren wohlweislich verschwunden). Das ganze farbenreiche Chaos kam mir damals wie eine Bühne vor, und ich vergaß die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen. Eine Kugel traf mich an der rechten Hand, eine zweite Kugel im Gesicht, eine dritte Kugel im Rückgrat, und ich saß im Schnee mit dem beglückenden Gedanken ›Für mich ist der Krieg aus, jetzt kann ich endlich wieder meine geliebten Astronomiebücher lesen‹.« Die Verwundung im Januar 1945 bescherte dem 21-jährigen Feyerabend nicht nur das Ende des Krieges, sondern auch eine bleibende Lähmung unterhalb der Hüfte. Für den Rest seines Lebens konnte er sich nur mit einer Krücke fortbewegen und war darüber hinaus immer wieder auf starke Schmerzmittel angewiesen. »Aber«, so Feyerabend 1993, »ich habe mich sogar an diese Behinderung gewöhnt. Heute frage ich mich, wie die Leute ohne eine zusätzliche Hilfe stehen und gehen können. Ihr Zustand, nicht meiner, erscheint mir erklärungsbedürftig.« Die gesamte Kriegszeit hat Feyerabend damals (»Ich bin nie auf den Gedanken gekommen, etwas zu hinterfragen«) wie viele andere Menschen schnell hinter sich gelassen: »Meine Zeit in der Armee, von 1942 bis 1945, war eine Unterbrechung, ein Ärgernis. Ich vergaß sie in dem Augenblick, als sie vorbei war.« Erst gegen Ende seines Lebens sollte Feyerabend einen differenzierteren Blick auf seine Vergangenheit im Dritten Reich werfen. Insbesondere seine Autobiographie scheint er nicht zuletzt deshalb begonnen zu haben, um latente

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»Gegen die Vernunft habe ich nichts, ebensowenig, wie gegen Schweinebraten. Aber ich möchte nicht ein Leben leben, in dem es tagaus tagein nichts anderes gibt als Schweinebraten.« Brief an Hans Albert (1970)

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Wider den Methodenzwang

Eine Untersuchung historischer Episoden und eine abstrakte Analyse des Verhältnisses von Denken und Handeln zeigt: Der einzige allgemeine Grundsatz, der den Fortschritt nicht behindert, lautet: Anything goes. Die Idee einer Methode, die feste, unveränderliche und verbindliche Grundsätze für das Betreiben von Wissenschaft enthält und die es uns ermöglicht, den Begriff» Wissenschaft« mit bescheidenem, konkretem Gehalt zu versehen, stößt auf erhebliche Schwierigkeiten, wenn ihr die Ergebnisse der historischen Forschung gegenübergestellt werden. Dann zeigt sich nämlich, dass es keine einzige Regel gibt, so einleuchtend und erkenntnistheoretisch wohlverankert sie auch sein mag, die nicht zu irgendeiner Zeit verletzt worden wäre. Es wird deutlich, dass solche Verletzungen nicht Zufall sind; sie entstehen nicht aus mangelndem Wissen oder vermeidbarer Nachlässigkeit. Im Gegenteil, man erkennt, dass sie für den Fortschritt notwendig sind. Einer der auffälligsten Züge der neueren Diskussionen in der Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftstheorie ist ja die Erkenntnis, dass Ereignisse und Entwicklungen wie etwa die Erfindung der Atomtheorie im Altertum, die Kopernikanische Revolution, der Aufstieg der modernen Atomtheorie (kinetische Theorie, Dispersionstheorie, Stereochemie, Quantentheorie), das allmähliche Entstehen der Wellentheorie des Lichts nur deshalb stattfanden, weil einige Denker sich entweder entschlossen, nicht an gewisse »selbstverständliche« methodologische Regeln gebunden zu sein, oder weil sie solche Regeln unbewusst verletzten. Diese liberale Praxis, ich wiederhole es, ist nicht bloß eine Tatsache der Wissenschaftsgeschichte. Sie ist sowohl vernünftig als auch schlechthin notwendig für den Erkenntnisfortschritt. Genauer, man kann folgendes zeigen: Zu jeder Regel, sei sie noch so »grundlegend« oder »notwendig« für die Wissenschaft, gibt es Umstände, unter denen es angezeigt ist, die Regel nicht nur zu missachten, sondern ihrem Gegenteil zu folgen. Beispielsweise gibt es Umstände, unter denen es angezeigt ist, ad-hoc-Hypothesen einzuführen, auszubauen und zu verteidigen; oder Hypothesen, die gut bestätigten und allgemein anerkannten experimentellen Ergebnissen widersprechen; oder Hypothesen, deren Gehalt geringer ist als der einer bestehenden und mit der Erfahrung übereinstimmenden anderen Hypothese; oder widerspruchsvolle Hypothesen; und so weiter.1

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Es gibt sogar Umstände – und sie treten recht häufig ein –, unter denen die Argumentation ihre Vorwärtsgerichtetheit verliert und zum Hindernis des Fortschritts wird. Niemand würde behaupten, die Belehrung kleiner Kinder sei ausschließlich eine Sache der Argumentation (obwohl diese in sie eingehen sollte, und zwar in größerem Umfang als üblich), und fast jedermann erkennt heute an, dass das, was wie ein Ergebnis der Vernunft aussieht – die Beherrschung der Sprache, das Vorhandensein einer reich gegliederten Wahrnehmungswelt, die Fähigkeit zur Anwendung der Logik –, teils auf Einübung und teils auf einen Entwicklungsvorgang zurückzuführen ist, der mit naturgesetzlicher Macht abläuft. Und wo Argumente doch eine Wirkung zu haben scheinen, da liegt es öfter an ihrer physischen Wiederholung als an ihrem semantischen Gehalt. Hat man einmal so viel zugestanden, so muss man auch die Möglichkeit nicht argumentbedingter Entwicklungen beim Erwachsenen wie auch bei den (theoretischen Teilen der) Institutionen wie Wissenschaft, Religion, Prostitution usw. zugeben. Man kann sicher nicht einfach davon ausgehen, dass etwas, das einem kleinen Kind möglich ist – die Aneignung neuer Verhaltensweisen beim geringsten Anlass, das Hinübergleiten in sie ohne merkliche Anstrengung –, dem Erwachsenen unmöglich sein sollte. Vielmehr sollte man erwarten, dass katastrophenhafte Veränderungen der physischen Umwelt, Kriege, der Zusammenbruch umfassender Moralsysteme, politische Revolutionen auch die Verhaltenssysteme Erwachsener verändern, wichtige Argumentationsformen eingeschlossen. Ein solcher Wandel kann wiederum ein rein natürlicher Vorgang sein, und die einzige Funktion der vernünftigen Argumentation könnte darin bestehen, die geistige Spannung zu erhöhen, die dem Verhaltensschub vorangeht und ihn verursacht. Wenn es nun Ereignisse gibt, die bewirken, dass wir neue Grundsätze – darunter neue und kompliziertere Argumentationsformen – annehmen, müssen dann nicht die Verteidiger des Status quo nicht bloß Gegenargumente, sondern auch entgegenwirkende Ursachen liefern? (»Tugend ohne Schrecken ist wirkungslos«, sagt Robespierre.) Und wenn es sich herausstellt, dass die alten Argumentationsformen zu schwache Ursachen sind, müssen dann nicht jene Verteidiger entweder aufgeben oder zu stärkeren und mehr »irrationalen« Mitteln Zuflucht nehmen? (Es ist äußerst schwierig, vielleicht überhaupt unmöglich, den Wirkungen einer Gehirnwäsche mit Argumenten entgegenzutreten.) Auch der puritanischste Rationalist wird dann gezwungen sein, mit dem Denken aufzuhören und Propaganda und Zwang anzuwenden, nicht weil seine Gründe nicht mehr gültig wären, sondern weil die psychologischen Bedingungen nicht mehr bestehen, die ihnen Wirkung und

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Einfluss auf andere verleihen. Und was hilft ein Argument, das die Leute kalt lässt? Natürlich stellt sich das Problem nie genau in dieser Form. Das Lehren von Grundsätzen und ihre Verteidigung besteht nie bloß darin, dass man sie dem Lernenden vorstellt und möglichst klarmacht. Die Grundsätze sollen auch möglichst große kausale Wirksamkeit besitzen. Das macht die Unterscheidung zwischen der logischen Kraft und der materiellen Wirkung eines Arguments äußerst schwierig. Ganz wie ein gut dressiertes Haustier seinem Herrn gehorcht, wie verwirrt es auch immer sein mag, genauso gehorcht ein gut dressierter Rationalist dem Vorstellungsbild seines Herrn, er hält sich an die Grundsätze des Argumentierens, die er gelernt hat, und zwar auch dann, wenn er sich in der größten Verwirrung befindet, und er kann überhaupt nicht erkennen, dass das, was er als »die Stimme der Vernunft« ansieht, nichts anderes ist als eine kausale Nachwirkung seines Trainings. Es kommt ihm nicht in den Sinn, dass die Berufung auf die Vernunft, der er sich so bereitwillig unterwirft, ganz einfach ein politisches Manöver ist. Dass Interessen, Macht, Propaganda und Gehirnwäschemethoden in der Entwicklung der Erkenntnis und der Wissenschaft eine viel größere Rolle spielen, als allgemein angenommen wird, das lässt sich auch an einer Analyse des Verhältnisses von Denken und Handeln erkennen. Es wird oft für selbstverständlich gehalten, dass ein klares und deutliches Verständnis neuer Ideen ihrer Formulierung und Institutionalisierung vorangeht und vorangehen sollte. (Eine Untersuchung beginnt mit einem Problem, sagt Popper.) Zuerst hat man einen Gedanken oder ein Problem, dann handelt man, d.h. redet, baut oder zerstört. Doch so entwickeln sich gewiss nicht kleine Kinder. Sie gebrauchen Wörter, verbinden sie, spielen mit ihnen, bis sie eine Bedeutung erfassen, die ihnen bisher unzugänglich war. Und die anfängliche spielerische Tätigkeit ist eine wesentliche Voraussetzung für das schließliche Verstehen. Es gibt keinen Grund, warum dieser Mechanismus beim Erwachsenen nicht mehr arbeiten sollte. Es ist beispielsweise zu erwarten, dass die Idee der Freiheit erst im Verlauf jener Handlungen klar wird, die nötig sind, um die Freiheit zu schaffen. Die Schaffung eines Gegenstands und die Schaffung und das vollständige Verständnis einer richtigen Vorstellung von dem Gegenstand gehören sehr oft zu ein und demselben unteilbaren Vorgang und lassen sich nicht trennen, ohne diesen zu unterbrechen. Der Vorgang selbst wird von keinem wohldefinierten Programm geleitet, denn er enthält die Bedingungen für die Verwirklichung möglicher Programme. Er wird vielmehr von einem unbestimmten Drang geleitet, einer »Leidenschaft« (Kierkegaard). Aus ihr entspringt ein bestimmtes Verhalten, das wiederum die

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Umstände und die Ideen hervorbringt, die für die Analyse und Erklärung des Vorgangs nötig sind, also nötig sind, um ihn »rational« zu machen.2 Die Entwicklung des Kopernikanischen Standpunktes von Galilei bis ins 20. Jahrhundert ist ein gutes Beispiel für die Situation, die ich beschreiben möchte. Man beginnt mit einem starken Glauben, der der Vernunft und der Erfahrung der Zeit zuwiderläuft. Der Glaube breitet sich aus und findet Stützen in anderen Anschauungen, die ebenso unvernünftig oder noch unvernünftiger sind (Trägheitsgesetz, Fernrohr). Die Forschung wird jetzt in neue Richtungen gelenkt, man baut neue Instrumente, setzt »Daten« in neue Beziehungen zu den Theorien, bis eine Ideologie zustande kommt, die reich genug ist, um unabhängige Argumente für jeden ihrer Teile bereitzustellen, und beweglich genug, um solche Argumente jederzeit bei Bedarf zu finden. Heute kann man sagen, dass Galilei auf einem engen Gebiet der Erkenntnis, nämlich dem der Bewegungslehre, auf der richtigen Spur war, denn seine hartnäckige Verfolgung einer zunächst als völlig abwegig erscheinenden Kosmologie hat inzwischen das notwendige Material zu ihrer Verteidigung gegenüber all denen herbeigeschafft, die einer Auffassung nur dann zustimmen, wenn sie in bestimmter Art vorgebracht wird, und die ihr nur dann Vertrauen entgegenbringen, wenn sie bestimmte magische Formeln, so genannte »Beobachtungsaussagen«, enthält. Und das ist keine Ausnahme – es ist der Normalfall: Theorien werden klar und »vernünftig«, erst nachdem inkohärente Bruchstücke von ihnen lange Zeit hindurch verwendet worden sind. Ein solches unvernünftiges, unsinniges, unmethodisches Vorspiel erweist sich also als unerlässliche Vorbedingung der Klarheit und des empirischen Erfolgs.3 Wenn man nun derartige Entwicklungen in allgemeiner Form beschreiben und verstehen will, dann muss man sich natürlich der vorhandenen Sprachformen bedienen, die ihnen nicht entsprechen und die verbogen, missbraucht, gewaltsam umgeformt werden müssen, um auf unvorhergesehene Situationen zu passen (ohne ständigen Sprachmissbrauch keine Entdeckung und kein Fortschritt). »Weiter: Da die herkömmlichen Kategorien das Evangelium des Alltagsdenkens (einschließlich des gewöhnlichen wissenschaftlichen Denkens) und der Alltagspraxis sind, liefert [ein solcher Verstehensversuch] faktisch Regeln und Formen falschen Denkens und Handelns – und zwar falschen vom Standpunkt des (wissenschaftlichen) Alltagsverstands aus.« 4 So entsteht das dialektische Denken als eine Denkform, die »die Bestimmungen des Verstands in Nichts auflöst«,5 eingeschlossen die formale Logik. (Es sei übrigens darauf verwiesen, dass mein häufiger Gebrauch von Wörtern wie »Fortschritt«, »Verbesserung« usw. nicht bedeutet, dass ich ein besonderes Wis-

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sen darüber zu besitzen behauptete, was in den Wissenschaften gut und was schlecht ist, und dieses Wissen meinen Lesern oktroyieren möchte. Jeder kann die Ausdrücke auf seine Art verstehen und gemäß der Tradition, der er angehört. Für einen Empiristen bedeutet also »Fortschritt« den Übergang zu einer Theorie, die unmittelbare empirische Prüfungen für die meisten ihrer Grundannahmen ermöglicht. Einige halten die Quantentheorie für eine solche Theorie. Für andere könnte »Fortschritt« Vereinheitlichung und Harmonie bedeuten, möglicherweise sogar auf Kosten der empirischen Stimmigkeit. So sah Einstein die allgemeine Relativitätstheorie. Und meine These ist, dass der theoretische Anarchismus zum Fortschritt in jedem Sinne beiträgt, den man sich aussuchen mag. Selbst eine »Gesetzund Ordnungs«-Wissenschaft wird nur dann Erfolg haben, wenn gelegentlich anarchistische Schritte zugelassen werden.) Es ist also klar, dass der Gedanke einer festgelegten Methode oder einer feststehenden Theorie der Vernünftigkeit auf einer allzu naiven Anschauung vom Menschen und seinen sozialen Verhältnissen beruht. Wer sich dem reichen, von der Geschichte gelieferten Material zuwendet und es nicht darauf abgesehen hat, es zu verdünnen, um seine niedrigen Instinkte zu befriedigen, nämlich die Sucht nach geistiger Sicherheit in Form von Klarheit, Präzision, »Objektivität«, »Wahrheit«, der wird einsehen, dass es nur einen Grundsatz gibt, der sich unter allen Umständen und in allen Stadien der menschlichen Entwicklung vertreten lässt. Es ist der Grundsatz: Anything goes. Diese Situation müssen wir jetzt in ihren konkreten Einzelheiten untersuchen und erklären.

Zum Beispiel kann man Hypothesen verwenden, die gut bestätigten Theorien und/oder experimentellen Ergebnissen widersprechen. Man kann die Wissenschaften fördern, indem man kontrainduktiv vorgeht. Die Situation in ihren konkreten Einzelheiten untersuchen heißt, die Konsequenzen von »Antiregeln« verfolgen, die bekannten Regeln des wissenschaftlichen Vorgehens widersprechen. Sehen wir zu, wie das läuft. Nehmen wir die Regel, dass der Erfolg unserer Theorien durch die »Erfahrung« oder die »Tatsachen« oder durch »experimentelle Ergebnisse« gemessen wird; Übereinstimmung zwischen Theorie und »Daten« spricht für die Theorie (oder lässt die Situation unverändert), während Nichtübereinstimmung sie erschüttert und womöglich zu ihrer Aufgabe zwingt. Diese Regel ist ein wichtiger Bestandteil aller Theorien der

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Bewährung. Sie ist der Kern des Empirismus. Die ihr entsprechende »Antiregel« weist uns an, Hypothesen einzuführen und auszubauen, die gut bestätigten Theorien und /oder Tatsachen widersprechen. Sie weist uns an, kontrainduktiv vorzugehen. Das kontrainduktive Vorgehen wirft folgende Fragen auf: Ist es vernünftiger als die Induktion? Gibt es Umstände, die seine Anwendung erfordern? Und welchen Argumenten folgen wir, wenn diese Umstände vorliegen? Oder ist vielleicht doch die Induktion immer besser? Und so weiter. Diese Fragen sollen in zwei Schritten beantwortet werden. Zunächst untersuche ich die Antiregel, die verlangt, Hypothesen zu entwickeln, die anerkannten und bestens bestätigten Theorien widersprechen. Danach beschäftige ich mich mit der Antiregel, nach der man Hypothesen entwickeln soll, die wohlbestätigten Tatsachen widersprechen. Die Ergebnisse lassen sich folgendermaßen zusammenfassen. Im ersten Fall stellt es sich heraus, dass Daten, die eine Theorie widerlegen könnten, oft nur mit Hilfe einer dieser Theorie widersprechenden Alternative gewonnen werden: Der Grundsatz (der auf Newton zurückgeht und heute noch sehr beliebt ist), Alternativen nur dann zu gebrauchen, wenn die orthodoxe Theorie bereits durch Widerlegungen erschüttert ist, fängt die Sache am falschen Ende an. Auch erkennt man einige der wichtigsten formalen Eigenschaften einer Theorie nicht durch Analyse, sondern durch Kontrast. Ein Wissenschaftler, der den empirischen Gehalt seiner Ideen möglichst groß machen und sie möglichst klar verstehen möchte, muss daher andere Ideen einführen; das heißt, er muss eine pluralistische Methodologie verwenden. Er muss Ideen mit anderen Ideen vergleichen, nicht mit der »Erfahrung«, und er muss versuchen, die Auffassungen, die im Wettbewerb unterlegen sind, zu verbessern und nicht fallenzulassen. Wenn er so vorgeht, wird er die Theorien über den Menschen und den Kosmos beibehalten, die sich in der Genesis oder im Pimander finden, er wird sie weiterentwickeln und an ihnen den Erfolg des Darwinismus und anderer »moderner« Auffassungen messen. Er macht dann vielleicht die Entdeckung, dass die Abstammungstheorie gar nicht so gut ist, wie allgemein angenommen wird, und durch eine verbesserte Fassung der Schöpfungsgeschichte ergänzt oder völlig ersetzt werden muss. Erkenntnis in diesem Sinne ist keine Abfolge in sich widerspruchsfreier Theorien, die gegen eine Idealtheorie konvergieren; sie ist keine allmähliche Annäherung an eine »Wahrheit«. Sie ist ein stets anwachsendes Meer miteinander unverträglicher (und vielleicht sogar inkommensurabler) Alternativen; jede einzelne Theorie, jedes Märchen, jeder Mythos, der dazugehört, zwingt die anderen zu deutlicherer Entfaltung, und alle tragen durch ihre Konkurrenz zur Entwicklung unseres Bewusstseins bei. Nichts

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wird jemals endgültig entschieden, keine Auffassung kann je aus einer umfassenden Darstellung weggelassen werden.6 Plutarch, Diogenes Laertius und Hegel (oder Bohr), nicht aber Dirac oder von Neumann sind Vorbilder für die Darstellung einer Erkenntnis dieser Art, in der die Geschichte einer Wissenschaft ein untrennbarer Teil der Wissenschaft selbst wird7 – sie ist wesentlich für ihre weitere Entwicklung wie auch zur Konstruktion des Gehalts der ihr angehörenden Theorien. Fachleute und Laien, Professionelle und Dilettanten, Wahrheitsnarren und Lügner – sie alle sind zu dem Wettbewerb eingeladen und sollen das Ihre zur Bereicherung unserer Kultur beitragen. Der Wissenschaftler aber hat nicht mehr die Aufgabe, »die Wahrheit zu suchen« oder »Gott zu loben«8 oder »Beobachtungen zu systematisieren« oder »Voraussagen zu verbessern«. Das sind nur Nebenergebnisse einer Tätigkeit, auf die sich seine Aufmerksamkeit jetzt hauptsächlich richtet, nämlich, »die schwächere Sache zur stärkeren zu machen«, wie es die Sophisten ausgedrückt haben, und so das Ganze in Bewegung zu halten. Die zweite »Antiregel«, zugunsten von Hypothesen, die Beobachtungen, Tatsachen und experimentellen Ergebnissen widersprechen, bedarf keiner besonderen Verteidigung, denn es gibt keine einzige interessante Theorie, die mit allen bekannten Tatsachen auf ihrem Gebiet übereinstimmt. Die Frage ist daher nicht, ob kontrainduktive Theorien in der Wissenschaft zugelassen werden sollen, sondern ob die bestehenden Unstimmigkeiten zwischen Theorie und Tatsachen vermehrt oder vermindert werden sollen, oder was sonst mit ihnen geschehen soll. Um diese Frage zu beantworten, genügt es, sich daran zu erinnern, dass Beobachtungsaussagen, experimentelle Ergebnisse, »Tatsachenaussagen« entweder theoretische Annahmen enthalten oder sie durch die Art ihres Gebrauchs machen. Wir sind gewohnt zu sagen: »Der Tisch ist braun«, wenn wir ihn unter normalen Bedingungen und mit scharfen Sinnen sehen, dagegen: »Der Tisch scheint braun zu sein«, wenn die Beleuchtung schlecht ist oder wir unsicher bezüglich unserer Beobachtungsfähigkeit sind; darin drückt sich die Auffassung aus, es gebe wohlbekannte Umstände, unter denen unsere Sinne die Welt wahrnehmen, »wie sie wirklich ist«, und andere, ebenso wohlbekannte Umstände, unter denen sie sich täuschen. Es drückt sich die Auffassung aus, dass manche unserer Sinneseindrücke wahrheitsgetreu sind und andere nicht. Wir halten es auch für ausgemacht, dass das materielle Medium zwischen dem Gegenstand und uns keine Verzerrungen hervorruft, und dass der physikalische Vermittler – das Licht – ein richtiges Bild überträgt. Das alles sind abstrakte und höchst zweifelhafte Annahmen, die unser Weltbild gestalten, aber nicht unmittelbar kritisiert werden können. Gewöhnlich ist man sich ihrer gar nicht bewusst und erkennt ihre Wirkungen erst, wenn man

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»Take care of his mistress« – Feyerabends Antwort auf die Frage, was er täte, wenn während der Studentenunruhen in Berkeley einer seiner Assistenten von der Polizei auf dem Campus erschossen würde.

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Platonische Phantasien (Schauplatz des folgenden Dialogs ist das Seminargebäude einer berühmten Universität. Die Seminarsitzung findet in einem schäbigen kleinen Raum mit Tisch und Stühlen statt. Allmählich füllt sich der Raum: Arnold, ein ernster Student, Brillenträger, mit einem Stapel Bücher unter dem Arm und verächtlichem Blick; Maureen, eine attraktive Rothaarige, die anscheinend etwas verwirrt ist; Leslie, ein Gammler (oder sonst wenigstens ein Typ – vermutlich ein weiterer Student – der wie ein Gammler aussieht und nur darauf wartet, beim geringsten Anlass den Raum verlassen zu können); Donald, ein schwer einzuordnendes Individuum mit Schreibblock und gut gespitztem Bleistift; Charles, ein koreanischer Student mit spöttischen Augen hinter seiner Hochglanzbrille; Seiden berg, ein älterer Herr mit starkem mitteleuropäischem Akzent, der sich in dieser Umgebung sichtlich nicht ganz wohl fühlt; Li Feng, ein chinesischer Student, Physiker oder auch Mathematiker, wenn man die Titel der Bücher, die er vor sich auf den Tisch legt, als Anhaltspunkt nimmt; Gaetano, ein schüchterner Junge, der so aussieht, als würde er Gedichte schreiben; Jack, ein Logiker, mit den lässigen Umgangsformen und der präzisen Ausdrucksweise der amerikanischen Spielart dieser Spezies und mit einer großen Aktentasche … Dr. Cole, der Seminarleiter, kommt herein. Er ist etwa 32, neu in der Fakultät, intelligent, wenn auch eher im engeren Sinne, und hat soeben bei Donald Davidson mit einer Arbeit über den Skeptizismus promoviert. Jetzt ist er bereit, seine neue Weisheit unter die Leute zu bringen.)

David und Bruce (erscheinen in der Tür): Ist dies das philosophische Seminar? Dr. Cole (leicht irritiert): Ein Seminar. Es gibt noch andere … David (sieht ins Vorlesungsverzeichnis): … Ich meine das über Epi… Epi… Bruce: Epistemologie. David: Ja, genau; da wollen wir rein Dr. Cole (stärker irritiert als zuvor): Ich hoffe, Sie wissen, worauf Sie sich da einlassen. Nehmen Sie bitte Platz. (Setzt sich selbst hin und nimmt Notizen und sein Exemplar des Theaitetos heraus.) Nun, ich halte es für das Beste, wenn wir für

unsere Diskussion einen klaren Fokus haben und deshalb habe ich mir gedacht, dass wir uns heute Platons Dialog Theaitetos vornehmen. Jack: Bleiben wir damit nicht etwas hinter der Zeit zurück? Dr. Cole: Was wollen Sie damit sagen?

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Jack: Nun, (nimmt sein Exemplar des Dialogs aus der Aktentasche) dieser Mensch

hat vor über zweitausend Jahren gelebt, er hat die moderne Logik und Wissenschaft nicht gekannt; was können wir da schon über Erkenntnis von ihm lernen? Bruce: Und du meinst, dass die Wissenschaftler wissen, was Erkenntnis ist? Jack: Die reden nicht drüber, die bringen sie hervor. Bruce: Ich weiß ja nicht, an welche Wissenschaften du jetzt denkst, aber in meinem Fachgebiet, der Soziologie, wird immer noch über die »richtige Methode« gestritten. Auf der einen Seite sagt man uns, dass es ohne Statistik keine gesicherte Erkenntnis geben könne. Doch andere sagen, dass man ein »Gefühl« für seinen Untersuchungsgegenstand entwickeln muss; deshalb studiert man Einzelfälle im Detail und schreibt dann drüber, fast wie ein Romanschriftsteller. Und in der Psychologie haben wir die Behavioristen oder die auf Introspektion Festgelegten oder die Neurologen oder die klinischen Psychologen … Jack: Na ja, die Sozialwissenschaften … Bruce: Aber das sind doch auch Wissenschaften, oder? Jack: Habt ihr da etwa jemals etwas so Einfaches, Schönes und Erfolgreiches zustande gebracht wie Newtons Theorie? David: Natürlich nicht! Menschen sind eben komplizierter als Planeten! Und was deine wunderbaren Naturwissenschaften anbetrifft, so kommen sie ja noch nicht mal mit dem Wetter klar … Arthur: (der bisher an der Tür zugehört hat und jetzt hereinkommt, zu Jack): Entschuldigung, aber da musste ich einfach die Ohren spitzen. Ich bin Wissenschaftshistoriker. Meiner Ansicht nach stellst du dir die Sache mit Newton etwas zu einfach vor. Erstens ist das, was du »einfach und schön« nennst, nicht dasselbe wie das, was du »erfolgreich« nennst – wenigstens nicht bei Newton. »Einfach und schön« – das sind seine Grundprinzipien selbst. »Erfolgreich« aber ist die Art, wie er sie anwendet. Dabei benutzt er jedoch ein ziemlich zusammenhangloses Sammelsurium neuer Annahmen; zum Beispiel nimmt er an, dass Gott periodisch in das Planetensystem eingreift, um es vor dem Auseinanderfallen zu bewahren. Außerdem philosophiert Newton tatsächlich. Er hat eine Anzahl von Prinzipien über die korrekte Vorgehensweise. Er stellt Forschungsprinzipien auf und insistiert beharrlich darauf. Das Problem ist nur, dass er gegen ebendiese Prinzipien in dem Augenblick verstößt, wo er mit der praktischen Forschungsarbeit beginnt. Und dasselbe gilt für viele andere Physiker. In gewisser Weise sind sich die Wissenschaftler gar nicht klar darüber, was sie tun … Jack: Wenn sie zu philosophieren anfangen … Ich kann ganz gut verstehen, warum sie selbst konfus werden, wenn sie sich auf dieses Gebiet begeben.

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Arthur: Und ihre Forschungen bleiben von ihrer Konfusion unberührt? Jack: Wenn ihre Philosophie zu Konfusion in ihrer Forschung führt, dann ist das

wieder ein Grund mehr, die Philosophie aus der Wissenschaft herauszuhalten. Arthur: Und wie willst du das machen? Jack: Man soll sich so eng wie möglich an seine eigenen Beobachtungen halten. Arthur: Und was ist mit Experimenten? Jack: Natürlich braucht man beides, Beobachtungen und Experimente! Arthur: Aber warum denn Experimente? Jack: Weil man sich auf Beobachtungen mit dem bloßen Auge nicht immer verlassen kann. Arthur: Und woher weißt du das? Jack: Das sagen mir andere Beobachtungen. Arthur: Heißt das, eine Beobachtung sagt dir, dass du einer anderen Beobachtung nicht trauen kannst? Wie das? Jack: Das weißt du nicht? Na, dann halt mal einen Stock ins Wasser, dann sieht er krumm aus. Aber du weißt trotzdem, dass er gerade ist, weil du es fühlen kannst. Arthur: Wie kannst du das wissen? Das Gefühl des Geradeseins könnte doch trügen. Jack: Stöcke biegen sich nicht, wenn man sie ins Wasser hält. Arthur: Wirklich nicht? Auch nicht, wenn man seinen Beobachtungen folgt, wie du mir geraten hast? Hier (er nimmt ein Glas Wasser, das vor Dr. Cole gestanden hat, und hält einen Bleistift hinein) – schau her! Jack: Aber was fühlst du, wenn du ihn berührst? Arthur: Nun, ganz ehrlich, ich spüre die Kälte, und ich bin mir nicht ganz sicher, dass ich die Gestalt des Bleistifts beurteilen kann. Aber nehmen wir mal an, ich wäre dazu in der Lage – dann wäre doch alles, was ich tun kann, wenn ich deinen Vorschlägen folge, dass ich eine Liste aufstelle: Bleistift gekrümmt, wenn ich ihn anschaue, während er im Wasser ist; Bleistift gerade, wenn ich ihn anfühle, während er im Wasser ist; Bleistift unsichtbar, wenn ich meine Augen schließe … und so weiter. »Bleistift« ist dann also durch eine solche Liste definiert. Jack: Das ist ja absurd. Da ist doch der Bleistift! Arthur: Okay. Wenn du über etwas sprechen willst, das feste Eigenschaften hat, selbst wenn niemand es anschaut, dann kannst du das gerne tun; aber dafür musst du über reine Beobachtungen hinausgehen. Jack: Okay. Da hast du recht. Aber das ist doch reiner, gesunder Menschenverstand; das hat doch nichts mit Philosophie zu tun. Arthur: Und ob! In vielen philosophischen Debatten, auch in dem Dialog, der hier vor uns liegt, geht es um genau diese Frage!

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Jack: Ja, wenn du das unter Philosophie verstehtst, meinetwegen. Für mich aber hat die Annahme, dass Objekte nicht nur aus Listen von Beobachtungen bestehen, sondern Einheiten mit eigenen Merkmalen sind, allein mit dem gesunden Menschenverstand zu tun – und genau nach diesem Maßstab richten sich die Wissenschaftler. Arthur: Aber das stimmt doch gar nicht. Was wir vor uns haben, sagte Heisenberg bei der Arbeit an einem seiner frühen wissenschaftlichen Artikel, sind Spektrallinien, ihre Frequenz und ihre Intensität – lasst uns also nach einem Schema suchen, das uns sagt, wie diese Dinge zusammenhängen, ohne dass wir irgendwelche zugrundeliegenden »Objekte« postulieren. Und dann führte er die Matrizen ein – Listen, wenn auch ziemlich komplizierte Listen. Jack: Okay. Dann sage ich also, dass Wissenschaftler dem gesunden Menschenverstand folgen – es sei denn, ihre Erfahrung legt ihnen etwas anderes nahe. Dann brauchen wir die Philosophie aber immer noch nicht. Arthur: Moment mal, ganz so einfach ist die Sache nicht! Du sprichst jetzt von »Erfahrung« – doch was du meinst, sind komplizierte experimentelle Ergebnisse. Jack: Ja. Arthur: Und komplizierte Experimente sind oft voller Tücken, besonders wenn wir uns mit einem neuen Forschungsgebiet beschäftigen. Tücken praktischer Art – etwa, wenn Geräteteile nicht so funtionieren, wie sie sollen – und Tücken theoretischer Art – etwa, wenn einzelne Effekte übersehen oder falsch kalkuliert wurden. Jack: Dafür haben wir doch Computer. Arthur: Auch da gibt es Unsicherheitsfaktoren. Computer sind so programmiert, dass sie mit Annäherungswerten arbeiten, und diese können so kumulieren, dass verzerrte, ungenaue Resultate herauskommen. Es gibt jede Menge Probleme. Denk doch nur an die vielen Versuche, magnetische Monopole oder isolierte Quarks zu finden. Manche Leute haben sie gefunden, andere nicht, und wieder andere haben Dinge gefunden, die irgendwo dazwischen liegen. Jack: Und was hat das alles mit Philosophie zu tun? Arthur: Darauf komme ich gleich! – Aber würdest du zugestehen, dass es nicht unbedingt klug wäre anzunehmen, dass alle Experimente in einem neuen Bereich auf Anhieb dieselben Resultate ergeben? Jack (zögernd): Jaaaa? Arthur: Dann könnte also eine gute Theorie, eine ausgezeichnete Theorie wegen dieses Phänomens in Schwierigkeiten geraten. Und unter einer »guten« Theorie verstehe ich eine, die mit allen fehlerlosen Experimenten übereinstimmt. Und weil es manchmal Jahre, wenn nicht gar Jahrhunderte dauert, bis alle Fehler und

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»Inzwischen lese ich mit Genuss allerlei historische Klatschgeschichten, z.B., dass ein siegreicher römischer Feldherr als Teil der Siegeszeremonie von einem Sklaven geohrfeigt wurde, um seine Bescheidenheit nicht zu sehr zu verlieren. Das wäre ein nützlicher Zusatz bei der Verleihung von Nobelpreisen, und ich wäre gerne bereit, selbst die Watschen auszuteilen.« Brief an Hans Peter Duerr (1983)

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Personenregister Adorno, Theodor W. 141 Agassi, Joske 193 Aischylos 145 Albert, Gretl 141 Albert, Hans 26, 32, 70f, 73f, 75, 78, 140f, 147, 197 Alberti, Giovanni Battista 183, 189 Ali, Muhammad 147 Anaximenes 132 Aristarch 15 Aristophanes 145 Aristoteles 13ff, 68, 76, 103, 105f, 129, 131f, 159 Arp, Hans 75 Augustinus 90 Ayer, A. J. 57 Bacon, Roger 107, 130 Bakunin, Michail Aleksandrowitsch 74 Ball, Hugo 75 Baum, Wilhelm 197 Beethoven, Ludwig van 147 Bellarmin, Roberto Francesco Romolo 101 Berkeley, George 46 Bernoulli, Daniel 178 Blackman, Honor 147 Blumenberg, Hans 123, 129 ff Bohr, Nils 34, 85, 87, 213, 216 Bok, Bart J. 17 Boltzmann, Ludwig 116 Borrini-Feyerabend, Grazia 140, 182, 194f, 217 Brahe, Tycho 106 Brecht, Bertolt 32, 34, 199 Brouwer, Luitzen Egbertus Jan 207 Brown, F. R. 18 Bruno, Giordano 97 Burr, George Lincoln 91 Busoni, Ferruccio 31 Butterfield, Herbert 132 Ceausescu, Nikolaji 212 Chandler, Raymond 147 Cohn-Bendit, Daniel 74 Conan Doyle, Arthur 30 Darwin, Charles 207 Demokrit 154, 180, 203, 209 Derrida, Jacques 157, 196 Descartes, René 13, 90 Dewey, John 147 Diderot, Denis 25 Dingler, Hugo 195 Diogenes 85 Dirac, Paul Adrien Maurice 85 Döring, Eberhard 140 Donaldson, Davis 156 Drake, Stillman 130 Duchamp, Marcel 75

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Duerr, Hans Peter 71, 141, 144, 147, 190, 192, 195 Dürrenmatt, Friedrich 144 Dumas, Alexandre 30 Eccles, John 25 Ehrenburg, Ilja 89 Ehrenhaft, Felix 32 Einstein, Albert 67, 130, 169, 171, 174, 181, 203, 208 f, 215 ff Eissler, Hans 34 Empiricus, Sextus 126 Engels, Friedrich 88 Euklid 207 Euler, Leonhard 178 Evans-Pritchard, Edward Evan 8 Faraday, Michael 116, 186, 188 Favoro, Antonio 97 Fichte, Johann Gottlieb 197 Foucault, Michel 196 Frank, Philipp 68, 73 Freud, Sigmund 208 Galen 209 Galilei, Galileo 13 f, 32, 68, 73, 82, 95 –136, 146, 159, 196 f, 207 Gerlach, Walter 95 Gigon, Olof 155 Giotto 183 Glasersfeld, Ernst von 213 Gödel, Kurt 178 Goethe, Johann Wolfgang 30 Goodman, Nelson 114 Hamilton, William Roven 178 Hammet, Dashiel 147 Hegel, Georg Friedrich Wilhelm 60, 85, 88, 91, 197 Heidegger, Martin 157 Heintel, Erich 28 Heisenberg, Werner 67, 151, 170 Hitler, Adolf 196 Hollitscher, Walter 34 Homer 14 Horky, Martin 124 Hoyningen-Huene, Paul 30, 196 Huelsenbeck, Richard 75 Humboldt, Wilhelm von 87 Ibsen, Hendrik 8, 30 Innozenz VIII 17 Ionesco, Eugene 31 Jackson Brothers 147 Jacob, Francois 200 James, Henry 147 Johnson, Ben 129 Johnson, Lyndon B. 74 Jung, Joachim 212 Kant, Immanuel 89, 107, 218 Katz, David 45 Kautsky, Karl 140


Kepler, Johannes 19, 90, 99 Kierkegaard, Sören 82, 89 Kleist, Heinrich von 30, 89 Kleisthenes 206 Koestler, Arthur 124 König, Franz 95 Kopernikus, Nikolaus 8, 15, 19, 98 ff, 108, 113, 115, 119, 122, 128, 130, 161 Kraft, Viktor 32 f Kropotkin, Pjotr Aleksejewitsch 8 Küng, Hans 142 Kuhn, Thomas S. 68 f, 72, 155, 158, 196, 213 Lagrange, Joseph Louis de 178 Lakatos, Imre 30, 66, 71 ff, 77, 92, 139, 141 f, 146 f, 193, 195 Laktantius 131 Las Casas 25 Leger, Ferdinand 184, 188 Leighton, Robert 38 Lenin, Wladimir Iljitsch 74 Lévi-Strauss, Claude 8 Lugosi, Bela 147 Mach, Ernst 195 Magini, Giovanni Antonio 124 Mao Tse Tung 74 Marcuse, Herbert 91 Marx Brothers 147 Marx, Karl 74 Maturana, Umberto 213 f Maxwell, James Clerk 37, 52 May, Karl 30 Medawar, Peter Brian 155 Melville, Herman 197 Merleau-Ponty, Maurice 131 Mill, John Stuart 23, 70, 74, 146, 215 Miller, Henry 147 Mirabeau, Honoré-Gabriel Rigueti 89 Neumann, John von 85 Newton, Isaac 37, 68, 84, 99, 116, 149, 155, 158, 160, 164, 178, 207 Nietzsche, Friedrich 157 O’Neill, Mary 140 Orwell, George 206 Oswald, Thomas 30 Pabst, Georg Wilhelm 34 Pap, Arthur 35 Parmenides 180, 208, 218 Philolaos 15 Piccardi, Luigi 18 Piccoli, Michel 193 Pindar 183 Planck, Max 67, 203, 209 Platon 60, 76, 88, 145, 148, 155ff, 172 f, 179, 181f, 183, 203, 218 Plinius 132

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Plutarch 85 Podolsky, Boris 169, 167 Polanyi, Michael 72 Popper, Karl 25, 28, 33 ff, 67, 69 ff, 75, 81, 193, 195, 214 f Protagoras 145, 159 f, 167 f, 172 ff, 179 Ptolemäus 13, 98, 105f, 119, 122, 207 Reagan, Ronald 74 Reaven, Sheldon J. 141 Reichenbach, Hans 195 Richmond, George 186 Riegl, Alois 184 ff, 188f Robespierre, Maximilien 80 Ronchi, Vasco 125, 129 Rosen, Nathan 169, 174 Rosseau, Jean-Jacques 25 Russell, Ken 90 Schelling, Friedrich Wilhelm Josef 197 Schiller, Friedrich 30 Schlick, Moritz 60, 62 Schrödinger, Erwin 67, 70 Searle, John 71 Shakespeare, William 30, 129 Singer, Peter 217 f Sokrates 155 f, 160 f, 164 ff, 172 ff, 176, 179 Sontag, Susan 72 Spillane, Mickey 147 Spinner, Helmut 142, 196 Spinoza, Baruch 215 Stanislavskij Konstantin, 199 Stevens, Thaddeus 147 Stevens, Ray 197 Strauss, Johann 147 Taylor, Harriet 215 Terpstra, Bert 195 Thales 131 Theaitetos 156, 162f, 165 ff Theodorus 154, 160, 166 Thirring, Hans 32 f Thomas, Christian 144 Thomas von Aquin 90 Thoreau, Henry David 147 Trevor-Roper, Hughes 90 Varela, Francisco 213 f Vasari, Giorgio 183f, 186 Velikovsky, Immanuel 98, 147 Vernes, Jules 30 Wagner, Richard 147 Wallace, Edgar 30 Watzlawick, Paul 213 Weber, Max 208 Weizsäcker, Carl Friedrich von 72, 212 Wittgenstein, Ludwig 33 ff, 62, 70, 130, 195, 217 Xenophanes 131 Zanussi, Krystof 144, 147

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absolute Paul Feyerabend  

Herausgegeben von Malte Oberschelp 15 x 20 cm | 224 S. | Schweizer Broschur, illustriert € 15,- | ISBN 978-3-936086-06-5 Der Beamtensohn P...

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