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Zauberhafte belgische Ardennen

Willkommen in der Wallonie

Dinant - Collégiale et Citadelle - ©WBT - Bruno D’Alimonte


Nordsee

Niederlande

Flandern

Belgien

Tournai

Deutschland

Brüssel

Namur

Mons

1 Charleroi 4

2

Wallonie Maastal

Frankreich

Lüttich Hohe Venn

5

3

Luxemburg

WALLONIE Amtssprache: Französisch, Deutsch

Bevölkerungsdichte: 214 Einwohner pro km 2

Verwaltungssitz: Namur

Regionaler Feiertag: dritter Sonntag im ­S eptember

Fläche: 16.844 km 2 Einwohner: ca. 3,6 Millionen

Hymne: Le Chant des Wallons ( „Das Lied der Wallonen“)

1 Hennegau 2 Lüt tich 3 Luxemburg

4 Namur

5 Wallonische Provinzen

5 Wallonisch-Brabant

Illustrationen © AdobeStock/charlesperrault, gz_1301, rea_molko

REGION


Inhalt

Kunststädte

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GENUSS

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AK TIV

Sommer in der Stadt

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Aktiv in den Ardennen

Die Menschen im Süden Belgiens wissen zu leben und lassen ihre Gäste gerne am Savoir-vivre teilhaben.

Die Städte in der Wallonie atmen viel Historie und präsentieren gleichzeitig ihre moderne Urbanität.

Für Naturtouristen bietet die Wallonie eine malerische Kulisse sowie ein sehr gut ausgebautes Wander- und Radfahr-Netz.

GENER ATION W

NAMUR

WANDERN

06 Von Meistern und Sternen 18

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KUNSTSTÄDTE

04 Genuss am Fluss

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Aktiv Foto Dominik Ketz

Foto WBT/Denis Erroyaux

Foto WBT/Bruno D´ Alimonte

Genuss

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Die Kunst der Langsamkeit

Das Netzwerk von Meister- und Sterneköchen will die kulinarischen Stärken der Wallonie gemeinsam weiterentwickeln.

Die wallonische Gelassenheit findet in ihrer Hauptstadt Namur ihren ­Höhepunkt.

GENUSS-TOUR

MA ASTAL

Zeit für eine Tour de Wallonie

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Genuss in den Aktivpausen steht für Wanderer in den Ardennen noch vor dem Gipfelsturm.

20 Leben am Fluss

In der Wallonie ist das Herstellen von Nahrungsmitteln ein Kunsthandwerk.

Prächtige Täler, trutzige Schlösser und malerische Städte laden an der Maas und ihren Nebenflüssen zum Verweilen ein.

BIER-ROUTE

CHARLEROI

Blonde, Ambre, Brune oder mit Schuss

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Die größte Stadt der Wallonie war das Herz der Montanindustrie. Heute bestimmt das Kulturangebot den Pulsschlag.

PROVINZ LÜT TICH

MONS

Vier neue Genussrouten, eine Reihe von Sehenswürdigkeiten und die unmittelbare Nähe machen die Provinz Lüttich zum Ziel der Wahl.

R ADFAHREN

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Immer der Trasse nach Die Vennbahn bietet 125 Kilometer ­Radelgenuss fast ohne Steigungen. Eine alte Bahntrasse macht es möglich.

Kunst statt Kohle

Das belgische Bier zählt zu den ­sortenreichsten der Welt.

Vier Wege zum Genuss

Wildschwein, Schinken, Trappistenbier

24 Viel Zeit für moderne Tradition

We it e re

In fo s u

n te r

NBE LG IE S .DE U SM TO U R I

Im wandelbaren Mons trifft Mittelalter auf Kulturhauptstadt, UNESCOWelterbe auf Kunstbiennale.

Foto Cover © WBT/Bruno D´ Alimonte

Impressum Herausgeber Markt1 Verlagsgesellschaft mbH Markt 1, 45127 Essen Tel.: +49 201 1095-195 E-Mail: info @ markt1-verlag.de Konzeption und Realisation CP/COMPARTNER Markt 1, 45127 Essen Tel.: +49 201 1095-0 www.cp-compartner.de

Chefredaktion Guido Schweiß-Gerwin Redaktion Petra Lapps, Heike Reinhold, Michael Sänger (freier Autor) Art Direction Carsten Cimander

Schlussgrafik Sigrid Herffs, Katja Müller Redaktioneller Beirat Belgien-Tourismus Wallonie Marc Goulier, Eva Claushues, belgien-tourismus.de

Das Magazin Reisewelt ist eine Beilage der WELT am SONNTAG. Erscheinungstermin ist der 4. Juni 2017. Herstellung und Druck Roto Smeets, Weert, Niederlande


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Genuss

Genuss am Fluss Die Menschen im Süden Belgiens wissen zu leben und lassen ihre Gäste gerne am Savoir-vivre teilhaben: belgisches Bier, eine französisch inspirierte Küche und eine traumschöne ­L andschaft in direkter Nachbarschaft.


Foto © WBT/Bruno D´ Alimonte

Genuss

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Genuss

Von

Meistern und Sternen

Die Wallonie im Süden Belgiens gilt als Genuss­ region, ist aber für deutsche Touristen oft noch ein Geheimtipp. Die „Generation W“, ein Netz­ werk von Meister- und Sterneköchen, will die ­kulinarischen Stärken der Wallonie gemeinsam präsentieren und weiterentwickeln. Alle 22 Köche bilden beim diesjährigen Foodfestival in Namur Anfang Juli zusammen mit ihren Lieferanten eine lange Tafel. Wir haben schon vorher probiert. Text GUIDO SCHWEISS-GERWIN Foto © Antoine Mélis

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Fotos Antoine Mélis

Genuss

Maxime Collard

Eric Martin

V

or uns sitzt ein junger Mann. Fast schüchtern fragt er freundlich, was wir trinken möchten. Und lässt es sich nicht nehmen, uns selbst den bestellten Kaffee zu machen und zu servieren. Dabei ist er ein Star. Mit 25 Jahren eröffnet Maxime ­Collard sein erstes eigenes Restaurant, nur ein Jahr später folgt der erste Michelin-Stern für das „La Table de ­Maxime“. Heute ist er 33 Jahre alt und Chef von vier Häusern, neben dem Stammhaus betreibt er „Les Terrasses de l’Our“, „Les Jardins de Maxime“ und „La Fabrique du Pré Maho“. Das Kochen wurde ihm in die Wiege gelegt. „Schon als Kind habe ich meiner Oma über die Schulter geschaut, mit ihr Konfitüre zubereitet, ihr beim Dessert geholfen“, erzählt er mit leiser Stimme. Schon bald ist sein Entschluss klar: Der Traumberuf heißt Koch. Bereits mit 14 Jahren geht er auf eine Hotelfachschule. Bevor er sich in seiner Heimatstadt Paliseul an der Our selbstständig macht, arbeitet er fünf Jahre in dem Drei-Sterne-Haus Karmeliet in Brügge, zuletzt als Sous-Chef. „Bei uns im Ort gab es kein Restaurant, nur eine Bar und einen Imbiss.“ Das wollte Collard ändern. Genuss bedeutet für ihn, die Natur seiner Heimat zu spüren, die Gerüche von Garten und Kräutern aufzunehmen und dadurch Inspirationen für seine Küche zu bekom-

Julien Lahire

men. Schlüssel für eine regional orientierte, aber zugleich weltoffene Küche sind die heimischen Lieferanten von Fleisch, Obst und Gemüse. „Kräuter und weitere Zutaten stammen je nach Saison aus dem eigenen Garten. Das Wild kommt aus den nahe gelegenen Wäldern, die Forellen aus der Our“, erzählt Collard. Der Bezug zur Region, die Authentizität seiner Kreationen sind ihm sehr wichtig. Auch im „La Table de Maxime“ ist diese Echtheit spürbar. Das umgebaute Bauernhaus versprüht eine gelungene Kombination aus Rustikalität und dem gehobenen Ambiente eines Sternerestaurants – einfach zum Wohlfühlen. Sechs Zimmer im Stammhaus und eine Reihe weiterer Übernachtungsmöglichkeiten ergänzen das Portfolio.

STA DT, L A N D, SCH LOSS Für Eric Martin gibt es keine Rivalität zwischen den ­Köchen der „Generation W“. „Warum auch“, fragt er uns. „Gemeinsam können wir viel mehr erreichen.“ Und das, obwohl manche Häuser nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen. Ein Schlüssel der Zusammenarbeit sind die lokalen und regionalen Lieferanten. Zwar gibt es keine Einkaufsgemeinschaft, aber wenn jemand einen neuen Produzenten entdeckt, teilt er es den anderen der Gruppe mit und alle profitieren bei Bedarf davon. »

Foto Antoine Mélis

Foto © WBT/Denis Erroyaux

Stilvoll geht es in den Restaurants der Meister- und Sterneköche der „Generation W“ zu. Ein grüner Gruß aus der Küche, modernes Ambiente und herzliche Gastfreund­ lichkeit bilden den Rahmen zu einem köstlichen Menü.


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Genuss

Fotos (oben, rechts und Seite 9) © Antoine Mélis

Authentizität steht im Mittelpunkt der Küche der „Generation W“. Hingabe zu den regionalen Produkten und ihrer traditionellen wie ebenso innovativen Zuberei­ tung stehen im Mittelpunkt – und natürlich der Gast.

Foto © Dominik Ketz


Genuss

Gemeinsam mit seinem Sohn Tristan betreibt Eric Martin das „Lemonnier“ in Lavaux-Sainte-Anne. Auch bei ihm hat das Kochen Tradition in der Familie. Seine Mutter war Chefköchin im Restaurant von Schloss LavauxSainte-Anne, sein Vater Direktor im Schloss. Zunächst übernahm Eric die Position von der Mutter, später machte er sich mit dem „Lemonnier“ im Ort selbstständig. Sein Sohn Tristan hat das Talent und die Passion geerbt. Ausgangspunkt ihrer Küche sind authentische Produkte. „Wir wollen, dass unsere Gäste das Terroir schmecken und fühlen“, sagt Eric. Ähnlich ist es mit den neun Gästezimmern. Auch diese sollen den Charakter des Dorfes und der Natur in der Region widerspiegeln.

VE R STECK T U N D WI E D E RG E FU N D E N Im Wald von Noirefontaine, einem Ortsteil von Bouillon, ganz im Süden der Wallonie unweit der französischen Grenze, ist die „Auberge Du Moulin Hideux“ – der Name sagt es – versteckt. „Meine Eltern hatten ein Restaurant in La Roche-en-Ardenne. Im Zweiten Weltkrieg wurde es zerstört. Sie haben sich hierhin zurückgezogen und ein neues Restaurant aus der Mühle gemacht“, erzählt Julien Lahire und zeigt auf die Fotos an der Wand, die ein ein-

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faches steinernes Landhaus abbilden. Kaum vorstellbar, wie viel Energie nötig war, diesen Zufluchtsort für Gäste aus halb Europa mitten im Nichts zu schaffen. „Viele deutsche Urlauber nutzen unser Haus als Station auf dem Weg nach Frankreich und lassen sich hier verwöhnen“, freut sich Julien. Die Autokennzeichen auf dem Parkplatz zeugen von einer Mischung aus niederländischen, flämischen, französischen, englischen und auch deutschen Gästen. Wie in vielen Häusern der Sternegastronomie in der Wallonie nehmen wir einen Aperitif im Salonbereich – hier im Wintergarten. Während wir mit kleinen Köstlichkeiten verwöhnt werden, wählen wir aus der Karte unser Gericht – das Menü Gourmand mit Weinbegleitung. Wir geben uns ganz in die Hände von Julien Lahire und seinem aufmerksamen Team und werden nicht enttäuscht. Dreieinhalb Stunden dauert unser Mahl. Zum Dessert ziehen wir uns in die Clubsessel vor dem Kamin im Salon zurück. Nach diesem intensiven Erlebnis für alle Sinne fallen wir erschöpft ins Bett – die Moulin Hideux bietet zwölf komfortable Zimmer, die den romantischen Aufenthalt im Waldversteck komplettieren.

D I E M E I S T E R K Ö C H E D E R G E N E R AT I O N W. generationw.be

Benoit Neuzy L’Impératif in Roucourt limperatif.be

Oliver Bourguignon Le d’Arville in Wierde ledarville.be

Carl Gillain L’Agathopède in Namur theroyalsnail.com

Philippe Fauchet Restaurant Philippe Fauchet in Saint-Georges philippefauchet.be

Christophe Pauly Le Coq aux Champs in Soheit-Tinlot lecoqauxchamps.be

Philippe Meyers Restaurant Philippe Meyers in Braine L’Alleud philippe-meyers.be

Clément Petitjean La Grappe d’Or in Torgny lagrappedor.com Didier Galet Restaurant Didier Galet in Sprimont didier-galet.be Eric und Tristan Martin Lemonnier in Lavaux Sainte-Anne lemonnier.be Fabrizzio Chirico Le Délice du Jour in Gerpinnes le-delicedujour.be Jean-Baptiste und Christophe Thomaes Le Chateau du Mylord in Ellezelles mylord.be

Jean-Philippe Watteyne iCook! in Mons restaurant-icook.be Julien Lahire Auberge du Moulin Hideux in Noirefontaine moulinhideux.be Laury Zioui L’Eveil des Sens in Montigny-le-Tilleul l-eveildessens.be Mario Elias Le Cor de Chasse in Wéris lecordechasse.be Martin Volkaerts L’Armandier in Genval amandier.be Maxime Collard La Table de Maxime in Our ( Paliseul) maximecollard.be

Pierre Résimont l’Eau Vive in Riviere ( Profondeville) eau-vive.be Sang Hoon Degeimbre L’Air du Temps in Liernu airdutemps.be Stéphane Diffels L’Air de Rien in Fontin lairderien.be Thomas Troupin La Menuiserie in Waimes lamenuiserie.eu Ludovic Vanackere Atelier de Bossimé in Loyers atelierdebossime.be


Genuss

Wallonie Zeit für eine

Tour de

Artisanal – der Begriff beschreibt perfekt die Haltung der Wallonen zur Produktion von Nahrungsmitteln. In der ge­ nussorientierten Wallonie geht es nicht um die Herstellung, sondern das Kunsthandwerk, das eine Vielzahl von Delika­ tessen im ganzen Land gebiert. Eine kulinarische Tour. Text GUIDO SCHWEISS-GERWIN

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ir folgen Philippe Bouillon in die Tiefen seines Kellers. „Gespenster und Geheimnisse“, sagt er mit einem schelmischen Grinsen auf dem runden Gesicht und führt uns auf einer schmalen Steintreppe weiter hinunter. Philippe hat die Schinkenmetzgerei Bouillon & Fils in La Roche-en-Ardenne von seinem Vater übernommen. Das stattliche Geschäft mit kleiner Probierstube nebenan besteht seit 62 Jahren. In den Gewölben angekommen erklärt er uns en Detail den Weg vom Schwein zum traditionellen Jambon d’Ardenne. „Ardenner Schinken gibt es seit 2.500 Jahren“, sagt Philippe. Schon die alten Römer sollen Geschmack daran gehabt haben. Nur Fleisch aus der Region, nur Eichen- und Buchenholz zum Räuchern, nur Meersalz mit einer eigenen Mischung von Kräutern – Philippe Bouillon möchte die Tradition und das Besondere am Ardenner Schinken erhalten. „Das eigentliche Geheimnis aber ist Geduld und Zeit“, sagt er. Rund neun

Philippe Bouillon. Inhaber der Schinkenmetzgerei Bouillon & Fils in La Roche-en-Ardenne.

Monate Reifezeit, je nach Größe des Schinkenstücks sind nötig, damit der Schinken seinen ganz eigenen Charakter entwickeln kann. Wir probieren ein paar Scheiben unterschiedlicher Reifegrade – je älter, je besser lautet das Urteil. Rund 1.000 Jambon d’Ardenne stellt Bouillon im Jahr her und beliefert damit abseits des Verkaufs im eigenen Geschäft auch eine Reihe weiterer Metzger im Umkreis von rund 80 Kilometern. „Ich habe viele Kunden aus Flandern, den Niederlanden und auch aus Deutschland. Aber man muss schon persönlich herkommen, OnlineVersand mache ich nicht.“

R AU H E S L A N D – FE I N E KÖSTLI CH K E ITE N Um die „Saucisson d’Ardenne“, die traditionelle Mettwurst aus den Ardennen, gab es zuletzt öffentliche Streitereien mit Produzenten aus dem benachbarten Flandern, die ihre Massenprodukte mit der Bezeichnung schmücken wollen. Wer die handwerklich erstellte, luft-

Foto © WBT/Denis Erroyaux

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Genuss

Foto WBT/ Emmanuel Mathez

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Foto WBT/ Denis Erroyaux Foto WBT/David Samyn

getrocknete Salami aus den Ardennen kostet, kann den Unterschied schmecken, denn eine echte Saucisson braucht Zeit, um ihren Charakter zu entfalten. Vielerorts kann man die Wurst probieren und sich ein Bild von der Herstellung machen. Beispielsweise in „La Ferme des Sanglochons“ in Verlaine, einem Ortsteil von Neufchâteau. Bis vor zwei Jahren ist bei Christine Schumann – die ­Eltern stammen aus dem Elsass – Fleisch von Mischlingen von Wild- und Hausschweinen verarbeitet worden, einer Züchtung, die auf den Gründer der „Ferme“ zurückgeht. Daher stammt der Name „Sanglochon“. Die typische ­A rdenner Taverne wirkt sehr einladend, die Fenchel­ salami ist gut durchgereift und würzig, der Schinken aus Entenbrust ein Gedicht, dazu ein hauseigenes Bier. Wir lassen es uns gut gehen.

D E R D U F T D E R G RÜ N E N WI E S E N Der Genießer ahnt es – auch der Käse aus der Wallonie braucht Zeit für sein volles Aroma. Der „Fromage de Herve“, eine ebenso geschützte Ursprungsbezeichnung, reift bis zu sechs Wochen in den feuchten Kellern der Käsereinen in Herve in der Provinz Lüttich. Der „­ Piquant Extra“ braucht mindesten zwei Monate, um seine ganze Würze zu entfalten. Freunde milderer Sorten schätzen den intensiven Geruch nicht so sehr. Für Käseliebhaber ist es ein ganz besonderer Duft. Daneben gibt es eine Reihe weiterer Käsesorten. Auch der Ziegenkäse aus den Ardennen zählt in der Spitzengastronomie des Landes zur abschließenden Käseplatte.

Foto WBT/Jean-Paul Remy

vinz Luxemburg gekommen. „Ich wollte eigentlich nur einen Freund in Luxemburg besuchen, war auf der Suche …“ Er ist ein Quereinsteiger. Seine Pralinen jedenfalls sind köstlich und die Zusammensetzung der Zutaten ist nicht selten kreativ. Die Besonderheit ist die Frische, denn er produziert immer nur für die Folgewoche. Der Laden hat nur mittwochs und freitags am Nachmittag sowie am Samstag geöffnet. Die übrige Zeit benötigt Jean für die Herstellung der süßen Verführer. Der Produktionsraum befindet sich direkt im Anschluss an den Verkaufsraum, dazu noch ein kleiner Lagerraum – mehr ist es nicht. Während unseres Gesprächs werden wir immer wieder von Kunden unterbrochen. Das Konzept scheint aufzugehen. Auch für Biertrinker, die oft eher etwas Salziges zum Biergenuss favorisieren, hat er mit seinem Freund Chris nicht nur ein eigenes Bier unter dem Label „jeanchris“ entwickelt, sondern verschiedene passende Pralinés dazu, u.a. mit Meersalz, Mandeln und Nougat oder eine Mischung aus Zartbitter und Sesam.

1.000-JÄHRIGE WEINBAUREGION

U N D ZU M SCH LU SS ET WA S SÜ SS E S

A L S W E I N BAU L A N D ist die Wallonie nicht übermäßig bekannt. Es existieren erst seit wenigen Jahren drei offizielle Appellationen (AOC). Die bekannteste AOC hat die Herkunftsbezeichnung „Côtes de Sambre et Meuse“ (seit 2004). Laut den Studien des belgischen Historikers Joseph Halkin aus dem 19. Jahrhundert begann der Weinbau mit der Ausbreitung der Christianisierung. Messwein war gefragt. Der Anbau von Wein in Wépion, bekannt auch durch die Erdbeeren, jährt sich 2018 zum tausendsten Mal. Noch vertrauen die Gastronomen mehr den französischen Weinen – auch hier wird es seine Zeit brauchen.

Die Schokolade tropft von der Decke. Nicht nur bildlich. Überdimensionale dunkelbraune Tropfen hängen über unseren Köpfen, nachdem wir die kleine Manufaktur von Jean-Francois Vaux in Habay-la-Neuve betreten haben. Er nennt sich selbst nur „Jean le Chocolatier“, das ist seine Marke. Er ist vor ein paar Jahren von der Côte d’Azur ins kleine, etwas verschlafene Habay in der Pro-

D E U T L I C H B E K A N N T E R DAG E G E N I S T D E R P E K E T, ein Wacholder­ brand, der dem Leben dem Wort nach die richtige Würze verleiht. Peket darf auf keinem Fest fehlen. In Namur gibt es an der Place du Marché aux Légumes einen null Kilometer Grenzstein für Peket. Ab dort kann jeder Interessierte messen, wie weit er beim Genuss des Wacholderbrandes beim Stadtfest noch kommt. Zurück findet am gleichen Tag sicher keiner mehr. Und apropos Erdbeeren von Wépion: Peket mit Erdbeergeschmack gibt es neben vielen weiteren Sorten auch.


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Genuss

Blonde, Ambre, Brune oder mit Schuss


Genuss

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Als Emile Vandervelde als belgischer Justizminister 1919 den Verkauf von Spirituosen in Bars verbot, nahm die Sortenvielfalt der belgischen Biere zu, vor allem die Nachfrage nach Bier mit höherem Alkoholgehalt. Heute zählt das belgische Bier zu den sortenreichsten der Welt. Etwa 140 Brauereien mit insgesamt rund 1.000 Biervarianten stehen zur Auswahl. Eine Stippvisite. Text GUIDO SCHWEISS-GERWIN

Foto © WBT/Denis Erroyaux

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ur eine Flasche am Tag – und nur das Leichtbier in den grünen, nicht frei verkäuflichen Flaschen. Die Trappisten-Mönche von Orval ganz im Süden der Wallonie in der Provinz ­Luxemburg kurz vor der französischen Grenze haben es nicht leicht. Und auch für die Besucher ist das Bier limitiert. Das muss es auch, denn es ist sehr begehrt und daher nicht einfach zu bekommen – dafür aber sehr bekömmlich. Das offene Geheimnis des obergärigen Malzgetränks aus dem Kloster Orval ist die Zugabe von Karamellmalz im Produktionsverfahren und der zweimalige Zusatz von flüssigem Kandiszucker. Das Bier wird erst im Tank und später in Flaschen für Gärung und Reifeprozess mehrere Wochen gelagert, bis es in den Verkauf geht. Die Jahresproduktion hat sich in den vergangenen Jahren verdoppelt und liegt nun bei rund 22 Millionen Flaschen (72.000 Hektoliter). Die Kapazitätsgrenzen der Brauerei sind erreicht. Etwa 90 Prozent der Flaschen bleiben im belgischen Markt. Orval ist neben Chimay und ­Rochefort eine von drei Trappisten-Brauereien in der Wallonie. Insgesamt gibt es elf, davon sechs in Belgien. Mit 6,2 Prozent Alkohol ist das Orval nicht so schwer und durch den Einsatz des Kandis schön süffig. Der Besuch des Klosters im goldenen Tal ist aber auch nüchtern ein großes Erlebnis. Im Anschluss kann man im Klosterladen einige Flaschen und auch den ­leckeren Klosterkäse mitnehmen.

Orval ist eine von drei ­Trappisten-Brauereien in der Wallonie. Nicht nur wegen des Bieres ist ein Besuch des Klosters im goldenen Tal sehr ­e mpfehlenswert.

K R E ATIV O H N E G R E NZE N Auch das „La Binchoise“ aus Binche westlich von Charleroi stammt aus einer Mirkobrauerei. Wir probieren ein „Bière des Ours“, das mit Honig versetzt ist und daher, wie auf dem Etikett zu erkennen, auch Bären schmecken würde. Die Auswahl an Bieren in Brasserien und Bars ist außergewöhnlich gut. Da viele Biersorten in der Flasche reifen, wird die Mehrzahl in selbigen verkauft und in der Regel immer mit dem passenden Glas ausgeschenkt – stilvoll für echte Genießer.

„Biertrinken ist etwas Geselliges. Wir teilen gerne.“ GRÉGORY VERHELST (Bierbrauer)

Foto © WBT/Denis Erroyaux

Foto © WBT/Bruno D´ Alimonte

M I K RO M IT M A XI M A LE M G E N U SS Auch in der Wallonie hat es in den letzten Jahren ein rasantes Wachstum von Hausbrauereien und Mikrobrasserien gegeben. Beispielsweise das „La Rulles – Bière de Gaume“ aus dem kleinen Ort Rulles. Grégory Verhelst, von Beruf eigentlich Archäologe, hat mit einem Freund im Jahr 2000 halbtags angefangen, Bier zu brauen. Im ersten Jahr produzierten sie 130 Hektoliter. Mittlerweile bieten sie zwölf Sorten von 4,8 bis 10,0 Prozent Alkohol an. Die Jahresproduktion liegt bei 3.500 Hektoliter und soll weiter wachsen.

Bierproben sind in der Wallonie ­b eliebt. Die Auswahl ist nahezu endlos – und i­ mmer gibt es das ­p assende Glas dazu.

„La Rulles“ gibt es nur in großen 750 ml Flaschen. „Biertrinken ist etwas Geselliges. Wir teilen gerne“, erklärt Verhelst die Flaschengröße. Auch das Rulles reift nach der Abfüllung noch drei bis vier Wochen in der F ­ lasche, bevor es in den Handel geht. Verhelst ist stolz auf den Erfolg, 55 Prozent der Produktion gehen ins Ausland, den Hopfen importiert er aus den USA. „Unser Rulles wird in Skandinavien, Italien, den USA und sogar in Japan getrunken.“ Wir probieren ein Rulles Blonde (sieben Prozent) – schon lecker. Bemerkenswert sind auch die Etiketten, die vom wallonischen Karikaturisten Palix gestaltet sind, der ebenso Fan des Rulles ist. Wir jetzt auch.

In Namur, der wallonischen Hauptstadt und ehemaligen Hauptstadt des wallonischen Bieres (siehe Beitrag Seite 18) gibt es neben der Brauerei „L’Échasse“ mit dem leckeren „La Houppe“ noch die „Brasserie Du Clocher“ im benachbarten Malonne. Das Bier mit dem Namen „La Philomène“ wird seit 2015 in der ehemaligen Kirche von Piroy gebraut – ein Brauereibesuch der besonderen Art. Wir probieren das Philomène Florale: kein Blumenbier, sondern mit Kräutern versetzt, die dem Bier eine besondere Würze verleihen sollen. „La Philomène“ wird eines von 60 Bieren sein, das am 30. und 31. Juli in Namur zur „Fête de la bière du Namuroise“ präsentiert wird – für Freunde des belgischen Biers ein Pflichttermin. À votre santé.


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Provinz Lüttich

Vier Wege zum Genuss Text GUIDO SCHWEISS-GERWIN

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elch ein Empfang! Nach kaum einer halben Stunde Fahrzeit mit dem Zug von Aachen steht man in einem futuristischen Bauwerk, das ein Bahnhof ist. Santiago Calatrava, der spanische Meisterarchitekt, hat das Gebäude entworfen, dass seit 2009 das Lütticher Stadtbild ergänzt. Die Provinz Lüttich ist ebenso wie die Stadt geprägt durch seine Vielfältigkeit und dem Nebeneinander von Moderne und Historie.

Dass die Provinz Lüttich neben der großartigen Naturlandschaft der Ardennen und des Hohen Venns auch eine industrielle Prägung erfahren hat, zeigen eine Reihe von Museen in Stadt und Land. Beispielsweise lässt die Zeche Blegny, heute mit drei weiteren Zechen auf der Liste der

UNESCO-Welterbestätten, die Zeit des Bergbaus in der Region wieder lebendig werden. Ausgerüstet mit Helm und entsprechender Kleidung geht es für die Besucher mit dem Förderkorb in eine Tiefe von bis zu 60 Metern. Dort erfährt man viel über das harte Leben der „gueules noires“, zu deutsch schwarzen Fratzen. Im Château du Val Saint-Lambert in Seraing bekommt man in der Cristal Discovery Einblicke in das Handwerk der alten Glasbläsermeister. Höhepunkt der Sammlung sind 250 Exponate aus Kristallglas, die die handwerkliche Virtuosität des Handwerks präsentieren. Besucher machen so eine Zeitreise durch die Geschichte der Manufaktur. Die Geschichte der Region atmen kann man auch in der Abtei von Stavelot (siehe Kasten rechts) sowie im Malmundarium,

Das Gras grüner Wiesen wird zu goldenem Käse veredelt – ­einer von vier Wegen zum ­G enuss in der Provinz Lüttich.

Foto © MT Pays de Herve, André Servaty

Besucher der Provinz Lüttich profitieren von der Nähe zu Deutschland, den Niederlanden, Luxemburg und Frankreich. Die Provinz ist schnell erreichbar und bietet gleichzeitig eine Vielzahl von Sehenswürdigkeiten. Zudem sind die Lütticher Genießer und lassen ihre Gäste über die vier neuen Genussrouten am Savoir-vivre teilhaben.


Provinz Lüttich

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das seit 2011 auf insgesamt 3.000 Quadratmetern der regionalen Folklore, der industriellen Vergangenheit in der Leder- und Papierherstellung und weiteren Geschichtsthemen im Umfeld der Grenzregion von Malmedy gewidmet ist. Mit einem Audio-Guide wird der Rundgang zum besonderen Erlebnis.

Die Abtei von Stavelot in der Provinz Lüttich zählt zu den ältesten Klöstern des Landes. Gleich drei Museen unter einem Dach machen die Abtei zu einem der beliebtesten Ausflugsziele der Region. Das Museum des Fürstentums Stavelot-Malmedy bietet einen modernen, intelligenten und spielerischen Parcours zur Geschichte. Die Sonderausstellung „Die Tempelritter“ wurde gerade bis Oktober verlängert. In den prächtigen Kellergewölben der Abtei erzählt das Museum Circuit de ­S pa-Francorchamps die großartige Geschichte der noch immer schönsten Rennstrecke der Welt in den Ardennen. Zuvor noch nie veröffentlichtes Bildmaterial und eine Präsentation von außergewöhnlichen Rennfahr­ zeugen lassen die Leidenschaft der Rennsportpioniere bis heute lebendig erscheinen: Ferrari, March, Chevron, Porsche oder Cooper. Das Museum Apollinaire ist dem Aufenthalt des Poeten Guillaume Apollinaire in Stavelot gewidmet. abbayedestavelot.be

Fotos © Abbaye de Stavelot

In Verbindung mit den vielen Sehenswürdigkeiten lässt sich die Provinz Lüttich aber auch bestens als Genießer bereisen. Vier neue Genussrouten – eine Weinroute, eine Käseroute, eine Bierroute und eine Schokoladen-Route – mit einer Reihe von Touren stehen zur Auswahl. Die entsprechende Broschüre mit über 100 Seiten ist sowohl online durchblätterbar als auch unter provincedeliege.be bestellbar. Ein besonderer Service, um nach einer Unterkunft und Attraktionen in der Provinz Lüttich zu suchen, ist das Webangebot ouftitourisme.be, wo Gäste über eine Suchmaske genau auf sie zugeschnittene Programme erstellen können.

DREI MUSEEN UNTER ­E I N E M DAC H

I N R U H E AU S S PA N N E N Im deutschsprachigen Teil der Wallonie, nicht weit entfernt zur belgisch-deutschen Grenze in der Provinz Lüttich, liegt das Dorf Bütgenbach am gleichnamigen See. Direkt am Markt­ platz, nur einen kurzen Spaziergang vom See entfernt, bietet das Hotel Bütgenbacher Hof 34 moderne Zimmer und Suiten. Das familiär geführte Haus verwöhnt seine Gäste mit einem großzügigen Wellnessbereich: Sauna, Infrarot-Kabine, Whirl­ pools, Dampfbad, Solarium und ein großer Pool sowie ein Fit­ ness-Center stehen zur Entspannung vom Alltag bereit. Das Restaurant, ausgezeichnet mit 14 Punkten im Gault Millau, hält regionale Klassiker mit französischer Anmutung ebenso wie mit Kreativität zubereitete Saisongerichte bereit. Ergänzt wird das Angebot durch einen gut sortierten Weinkeller.

Fotos © Christian Charlier

Eindrücke ganz anderer Art bekommen Besucher im Naturpark Botrange. Das Naturparkzentrum im Herzen des Hohen Venns setzt sich für sanften Tourismus ein und will so Naturschutz und die Entwicklung der touristischen Infrastruktur in Einklang bringen. In der Ausstellung „Fania“ wandeln Besucher auf den Holzstegen, die auch den Wanderern in der freien Natur bekannt sind. Im Sinnestunnel entdeckt man die unterschiedlichen Bodentypen mit nackten Füßen.

Bei schönem Wetter lädt die hübsche Terrasse zum Entspan­ nen in ruhiger Umgebung ein. An kühleren Tagen ist der ­W intergarten ein guter Ort zum Lesen. Die sehr gute Lage im Ort wird abgerundet durch die optimale Anbindung an Wander- und Radfahrstrecken in der Provinz Lüttich. Mehr als 180 K ­ ilometer warten auf der in den letzten Jahren einzig­ artig a­ ngelegten RAVeL-Route – der für Radsportbegeisterte ­a usgebauten Vennbahntrasse (siehe Beitrag Seite 30). Das Hohe Venn, das größte Hochmoor Europas, bietet zudem ­b eeindruckende Wege zum Wandern durch endlose erschei­ nende Wälder ebenso wie an Wiesen und Feldern vorbei. hbh.be


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Kunststädte

Sommer in der Stadt

Die Städte in der Wallonie atmen viel Historie und präsentieren ­g leich­z eitig ihre moderne Urbanität: große Plätze, gute Aussichten und vielerlei Kunstangebote prägen sie.

Lüttich


Foto © www.wapinature.be/Coralie Cardon

Foto © Visitmons/Gregory Mathelot

Foto © WBT/Morgane Vander Linden

Foto © WBT/Denis Erroyaux

Foto © WBT/Denis Erroyaux

Kunststädte

Namur

Charleroi

Mons

Tournai

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Kunststädte

Kunst

Die der Langsamkeit Namur liegt wie eine Perle in der Beuge am Zusammenfluss von Sambre und Maas. Die strategisch günstige Lage verleiht der Stadt eine mehr als 2.000-jährige Geschichte mit vielen Momenten der Zerstörung. Der stetige Wiederaufbau gilt als Wurzel der wallo­ nischen Gelassenheit, die in Namur, Hauptstadt der Wallonie, Text GUIDO SCHWEISS-GERWIN ­ihren Höhepunkt findet. d’Armes – wieder nur ein paar Ecken weiter – empfangen uns Djoseph und Francwès mit den Petits-Gris de Namur am Halsband. Nur so laufen den ulkigen Gestalten in Bronze die kleinen, graugestreiften Schnecken, die Delikatesse der Region, nicht weg. Langsamkeit im besten Sinne und mit einer großen Portion Augenzwinkern – dafür steht N ­ amur. Und die Besucher lassen sich gerne selbst von diesem

Foto © WBT/Denis Erroyaux

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ir stehen an der Place du Marché aux Légumes, dem ältesten Platz der Stadt, vor der Brasserie „Le Ratin-Tot 1616“. „Der Name der Brasserie bedeutet ‚Alles erwarten‘.“ Valérie Tryoen, die Gästeführerin lacht herzhaft. „Eigentlich heißt es: Warten auf die Frau, die gerade auf dem Markt einkauft.“ Sie zwinkert mit den Augen. Und was machen die Männer derweil? „Sie gehen in die Brasserie und trinken ein frisches Bier.“ Diese Leichtigkeit des Seins trifft man in Namur vielerorts. Nur zwei Straßenecken weiter begrüßt uns in der Rue Saint-Loup die Boutique „Il fera beau demain“, frei übersetzt: „Es wird schön Morgen“ mit allerlei Gebrauchsgegenständen, die im Alltag nötig sind – oder eben auch nicht. Und auf dem Place

Schneckentempo anstecken, denn nur so führt ein Städtetrip zur Entschleunigung.

Ü BER DEN DÄCH ERN VON NA MU R Auf dem Bergsporn am Zusammenfluss von Sambre und Maas thront die Zitadelle von Namur über der Stadt. Sie zählt zu den mächtigsten Festungsanlagen in Europa und ist Teil einer 80 Hektar großen Grünfläche. Von der Zitadelle aus hat man einen großartigen Blick auf die Stadt, die Flusstäler und das Umland. Die Festung, erstmals erwähnt im 9. Jahrhundert, wurde in ihrer Historie mehrfach vergrößert. Heute ist sie Heimat des Besucherzentrums „Terra Nova“, das europäische Stadtund Militärgeschichte zeigt. Weiterer Anziehungspunkt in der Zitadelle ist die Parfümmanufaktur von Guy Delforge. In den Kellern kann man dem Maître de Parfum bei seiner Arbeit zuschauen. Place d’Armes. Die Bronzefiguren Djoseph und Francwès mit den Petits-Gris de Namur am Halsband (oben). Pousse-Pousse. Mit der Rikscha an Maas und Sambre entlang. Abfahrt ab Place de l’Ange (links).

Foto © WBT/Denis Erroyaux

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Fotos © Dominik Ketz

Kunststädte

Die Altstadt. Im Abendlicht liegt Namur friedlich am Wasser der ruhig dahinfließenden Sambre. Im Hintergrund die Kathedrale Saint Aubain.

EIN BUMMEL DURCH DIE ALTSTADT Wie in vielen anderen Städten der Wallonie zählt auch der Beffroi von Namur zu den Stätten des UNESCO-Welterbes. Genutzt wurde er als Glockenturm. Die Galerie du Beffroi direkt gegenüber ist ein beliebter Ausstellungsort, beispielsweise für die „Artisan Namur“, bei der lokale und regionale Kunsthandwerker ihre Produkte ausstellen und verkaufen, darunter Schmuck, Kleidung und Puppen. Den stetigen Wandel der Stadt, in deren Kern nur 15.000 der insgesamt rund 110.000 Namurer wohnen, erlebt man beispielsweise in der Rue des Brasseurs. 18 Brasserien – Brauhäuser – säumten die vormals längste Straße der Altstadt. Heute erinnern einige Lokale und Inschriften an den Häusern an die Geschichte der Brauerstraße. Einzig das Houppe wird wieder, allerdings mit neuer Rezeptur und außerhalb des Stadtzentrums, gebraut (dazu mehr auf Seite 13). Das Straßenbild der Altstadt prägen hingegen eine Reihe von schönen Geschäften, darunter verschiedene Feinkostläden, Epicerie fine genannt, in denen man die lokalen Pro-

dukte – Käse, Wurst, Pralinen und natürlich Bier – als Pausenfüller an ein paar nett dekorierten Tischen zu sich nehmen kann. Bei einem pâté au pain d'épices lernt man die ungewöhnliche Kombination von Lebkuchen und Leberpastete kennen und schätzen, ja lieben. Und wer es lieber nur süß möchte: Unter anderem im Maison des Desserts findet man das knusprige Nusskaramell Biétrumés oder die ebenfalls hausgemachten Macarons, ein Baisergebäck aus Mandelmehl, in allen Geschmacksrichtungen und Farben. Eine Spezialität in Namur sind zudem die Erdbeeren von Wépion, ein kleines Städtchen f lussaufwärts der Maas, wo den Früchten sogar ein Museum gewidmet ist. Neben den kulinarischen Verlockungen bietet Namur auch Mode, Schuhe und Schmuck, teilweise ebenfalls von lokalen oder regionalen Designern. Ein echter Hingucker ist die Filiale von „Scotch & Soda“ in der Saint-Jacques Kirche in der gleichnamigen Straße – dort bekommt das Wort „Modetempel“ seine wahre Bedeutung. Und wer der Sünde des Einkaufens unterliegt: Der Beichtstuhl in der ehemaligen Kirche ist noch intakt.

Die Zitadelle von Namur oberhalb der Brücke von Jambes wo Sambre und Maas ­z usammenfliessen.

REISEINFOS NAMUR ENTDECKEN Neben einem Spaziergang oder einer Themen­ führung gibt es ganz unterschiedliche Möglich­ keiten, die Stadt zu entdecken. Auf einer MaasKreuzfahrt kann man Namur vom Wasser aus erleben. Oder man nutzt im Sommer die kleinen Namourettes als Wassertaxi. Auch eine Art ­S pazierfahrt zwischen Maas und Sambre bieten die neuen Rickschas. Wenn man die Stadt auf dem Sattel erobern möchte, ist auch eine Rad­ tour mit dem E-Bike möglich. Alle Rundgänge und Angebote finden Sie unter namurtourisme.be oder im Informationszentrum von Visit Namur am Bahnhof, täglich von 9:30 bis 18 Uhr geöffnet.


Maastal

Foto © Dominik Ketz

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Fluss

Bouvignes-sur-Meuse blickt auf eine lange Geschichte zurück, ebenso wie die Kirche Saint Lambert.

Leben am Die Maas und ihre Nebenflüsse Sambre, Ourthe, Lesse oder ­Semois prägen einen Großteil der Wallonie und ebenso die Arden­ nen. Prächtige Täler, trutzige Schlösser auf majestätischen ­Felsen sowie malerische Städte und Dörfer warten einladend am Wegesrand. Ein Blick in ihre Ge­ schichte. Text GUIDO SCHWEISS-GERWIN

E

her träge strömt das Wasser der Maas dahin. Der längste und einer der wasserreichsten Nebenflüsse des Rheins hat in Namur schon eine beträchtliche Breite. Flussaufwärts in Richtung Dinant sind es rund 30 Kilometer Wegstrecke. Die N 92 führt auf der Westseite fast komplett nah am Fluss entlang. Die Sonne scheint, teilweise spiegeln sich die immer wieder auftürmenden schroffen Felsen im Wasser. Kleinere Ortschaften liegen auf unserem Weg. Wir möchten am liebsten in jedem dieser Orte Rast machen, auf die Maas schauen und eine ähnliche Trägheit wie das Wasser annehmen.

Nach einem Besuch in Annevoie (siehe Kasten) ist Bouvignes-sur-Meuse unser Ziel – ein Geheimtipp. Der heutige Vorort von Dinant war bis 1964 eine eigenständige Gemeinde und im Mittelalter gleichbedeutend wie ihre große Nachbarstadt. Auch Bouvignes profitierte vom blühenden Messinghandwerk und hatte nach örtlichen Quellen bis zu 3.500 Einwohner, heute sind es noch 800. Die Ruinen von Crèvecoeur auf der Bergkuppe oberhalb der spätgotischen ­Kirche Saint Lambert sowie das sogenannte Spanische Haus am Marktplatz – heute das Stadtmuseum – zeugen von einer prächtigen Historie. Mit seinen engen Gassen und den gut erhaltenen Natursteinhäusern hat die Gemeinde viel von ihrem Charme erhalten. Auf der kleinen Terrasse des „Les Mougneûs d'As“ in Verlängerung des Spanischen Hauses gönnen wir uns ein Glas kühlen Weißwein und ein paar Leckereien von Madame Bothy. Die Patronin ist in vierter Generation Köchin. „Zu Zeiten mei-

ner Großmutter war das Haus eine Epicerie“, erzählt sie uns. Schwarz-Weiß-Fotografien an den Wänden im Restaurant zeigen uns ihre Geschichte. Der Gasthof ist einfach, aber sehr gemütlich – ein perfekter Ort der Entschleunigung.

U NVE RG E SS E N E B LI CK E In Dinant hingegen pulsiert das Leben in höchsten Tönen. Hinter der Nummer 3226 beim französischen Patentamt verbirgt sich die Erfindung von Adolphe Sax. Wahrscheinlich ist es kein Zufall, dass er 1840 das Saxophone aus Messing gerade in Dinant erfunden hat, ist doch die Stadt an der Maas schon seit dem 14. Jahrhundert als Wiege des Messingkunsthandwerks bekannt in ganz Europa. Die aus der Stadt stammenden Messingwaren waren als sogenannte Dinanderien selbst in Paris sehr begehrt. Heute erinnern bunte Saxophone-Skulpturen auf der Brücke nahe der Stiftskirche Notre-Dame an den berühmten Sohn der Stadt. Der Blick


Maastal

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WA S S E R - T R I F F T ­G A RT E N K U N S T Etwa auf halber Strecke zwischen Namur und Dinant liegen die Gärten von A ­ nnevoie. Charles-Alexis de Montpellier ließ sie vor rund 250 Jahren anlegen. ­I nsgesamt 50 Wasserspiele sind auf einer Fläche von rund 28 Hektar zu entdecken. Basis dieses einzigartigen Wassergartens ist ein 400 Meter langer Wasserspeicher, der aus vier Quellen gespeist wird, auf dem höchsten Punkt der Parkanlage. Ein ausgeklügeltes System unterir­ discher Kanäle sowie das Flüsschen Rouillon sammeln und verteilen das Wasser und nutzen dabei das natürliche Gefälle des Geländes. Auf diese Weise kommt der riesige Wassergarten ganz ohne Pumpen aus. Zehn ­G enerationen von Montpelliers haben an dem Schauspiel mitgewirkt. Die Gartenanlage ist daher durch französische, italienische und englische Gartenkunst geprägt. Die strenge Symmetrie des Französischen Stils findet man im ältesten Teil des Parks am Château. Elemente im italienischen Stil harmonieren mit der Natur und sorgen gleichzeitig für Abwechslung, Kontraste und Überraschungseffekte. Ein Weg unter tunnelförmigen ­H aselbüschen imitiert im „englischen“ Teil des Gartens die Natur. Mittlerweile sorgt ein gemeinnütziger Verein in Zusammenarbeit mit der Region Wallonien, der Kommunalverwaltung und mit der Provinz Namur für die Gärten von Annevoie. Seither ist der Park deutlich kinderfreundlicher geworden: Ein Spielplatz, ein Tiergehege und ein Himbeerhain zum Selberpflücken (im Juli und September) ergänzen den Wassergarten.

Die Kraft des Wassers hat auch in den Grotten von Han beeindruckende Felsformationen gestaltet. Vor mehr als 500.000 Jahren hat hier die Lesse einen unterirdischen Skulpturenpark erschaffen, der einmalig in Westeuropa ist. Die miteinander verbundenen Grotten sind von einzigartiger Schönheit und locken jährlich mehr als 300.000 Besucher an. Der angeschlossene Wildtierpark ist das Zuhause von Wölfen, Luchsen, Bären, Büffeln, Hirschen, Damwild, Wildschweinen, Steinböcken und einer Reihe von weiteren Tieren, die hier auf 250 Hektar in der Natur fast wie in Freiheit leben. Seit der Jungsteinzeit wird die Gegend von Han und die Stelle, an der die Lesse wieder aus dem Berg tritt, als Kultund Pilgerstätte verehrt. G ­ efunden wurden zahlreiche archäologische Objekte auf dem Grund der Lesse und an ihren Ufern, die wahrscheinlich als Opfergabe ins Wasser geworfen worden waren. Die interaktive ­A usstellung PrehistoHan lässt die Urgeschichte der Grotten von Han wiederaufleben. Dem Michelin-Führer sind die Grotten, der Wildtierpark und das Museum als Ausflugsziel drei Sterne wert. grotte-de-han.be

Foto © Domaine des Grottes de Han

Fotos © Jardins d’Annevoie

D I E TRO PFSTE I N H Ö H LE VO N H A N

annevoie.be

über Brücke und Stiftskirche auf die Zitadelle ist das berühmte Postkarten-Motiv, dass in keiner Sammlung von Urlaubsfotos fehlen darf. Ebenso vermittelt der berühmte Bayard­felsen die spektakuläre Felsenkulisse, die über die Jahrtausende durch die Maas geschaffen wurde. In Dinant ist auch der Ursprung der bekannten Biersorte Leffe zu finden, die aus der Abtei Notre-Dame de Leffe am Rande der heute rund 13.000 Einwohner zählenden Stadt stammt. Mittlerweile hat aber ein internationaler Bierkonzern die Markenrechte übernommen.

fen wir auf kleine Ortschaften, darunter Celles, das zu den 30 schönsten Dörfern der Wallonie zählt – und das zu Recht. Nahezu alle Häuser sind in dem typischen Haustein gemauert. Heraus ragt seit nun fast 1.000 Jahren nur die Kirche Saint Hadelin. Das wehrhafte, große Bauwerk ist ein Beispiel maasländischer Romanik

und zeugt von einer Zeit, als die Christen häufig weite Märsche für den sonntäglichen Gottesdienst in Kauf nahmen. Das gleichnamige Hotel im benachbarten ehemaligen Pfarrheim und der dazugehörige Landgasthof sorgen in Celles für eine hohe Verweilqualität. beauxvillages.be

Von Dinant aus folgen wir der Lesse flussaufwärts tiefer in die Ardennen hinein. Die Wälder links und rechts scheinen nicht mehr aufhören zu wollen. Die Gegend zeichnet sich durch einige Schlösser, unter anderem das Château de Vêves und das Château de Walzin, aus. Ebenso tref-

Foto © Dominik Ketz

TRUTZB U RG E N U N D ­R OM A NTI SCH E DÖ R FE R Madame Bothy bietet ihren Gäs­ ten auf der kleinen Terasse ihres Landgasthofes ­n eben leckerem Essen pure Ent­ schleunigung.


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Kunststädte

Charleroi Kunst statt Kohle

Die größte Stadt der Wallonie, Charleroi, war einst das Herz des ehemaligen ­riesigen Steinkohlegebiets. Heute besticht die Stadt in der Provinz Hennegau ­beiderseits der Sambre durch ein breitgefächertes Kulturangebot. Text GUIDO SCHWEISS-GERWIN

Foto © WBT/Christophe Vandercam

Wie damals die Kohle- und Stahlindustrie die Menschen nach Charleroi zog – in der Regel Arbeiter aus aller Herren Länder – so sind es heute die Kunst- und Kulturschätze der Stadt, die Besucher aus aller Welt locken. Die Ursprünge der Stadt sind indes noch immer erkennbar: So beherbergt die ehemalige Zeche Bois du Cazier im süd­

Asphalte – die Kunstbiennale von Charleroi verleiht der ehemaligen Industriestadt urbanes Flair. Graffiti- und Fassaden-Künstler zeigen ihre Werke (oben und rechts).

INFORMATIONEN VOR ORT: M A I S O N D U T O U R I S M E D U PAYS D E C H A R L E RO I Place Charles II, 20 6000 Charleroi maison.tourisme @charleroi.be paysdecharleroi.be

lichen Vorort Marcinelle zwei Museen – eines über die Geschichte der industriellen Revolution, eines über die Glasproduktion. Darüber hinaus gibt es an dieser Stelle eine Gedenkstätte, die an das schwere Grubenunglück vom August 1956 erinnert, bei dem 262 Bergleute starben. Die drei Abraumhalden rund um das denkmalgeschützte Gebäude wurden von der Natur zurückerobert und laden jetzt zum Wandern und Entspannen ein. Kunstliebhaber kommen in den beiden sehenswerten Kunstmuseen der Stadt auf ihre Kosten. Sowohl das ­Musée des Beaux-Arts als auch das BPS22, Le Musée d'art

Foto © WBT/Denis Erroyaux

K

ohle prägte die drittgrößte Gemeinde Belgiens seit sie im 19. Jahrhundert Zentrum der wallonischen Kohle- und Stahlindustrie wurde. Ebenfalls im 19. Jahrhundert entstand hier ein bedeutender Standort für die Flachglasproduktion.


Kunststädte

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Damit nicht genug der (musealen) Sehenswürdigkeiten. Wer sich für Fotografie interessiert, für den ist ein Besuch im Museum der Fotografie in Mont-sur-Marchienne bei Charleroi ein Muss: Das Museum ist in einem ehemaligen neogotischen Karmeliterkloster untergebracht. Als größtes seiner Art in Europa beherbergt es auf rund 6.000 Quadratmetern etwa 80.000 Fotografien und drei Millionen verwahrte Negative sowie vierteljährlich wechselnde Ausstellungen und eine Fachbibliothek mit knapp 13.000 Werken. Auch Comic-Fans dürften bei dem Ortsnamen Marcinelle aufhorchen. Die „École de Marcinelle“ gilt als zweites Zentrum der frankobelgischen Comics. Außerdem hat hier das Verlagshaus Depuis seinen Sitz, bekannt für seine Titelhelden wie Lucky Luke, Gaston und andere. Bei einem Spaziergang durch die Stadt kommen Besucher unweigerlich am 1936 errichteten Belfried vorbei. Der etwa 70 Meter hohe Turm ist Teil des Rathauses von Charleroi, besteht aus blauen und weißen Steinen sowie aus Backsteinen und wird von einem bronzenen Türmchen gekrönt. Jede Viertelstunde erklingt ein Glockenspiel des zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Gebäudes. Am besten lassen sich die Sehenswürdigkeiten der Stadt bei einem geführten Rundgang kennenlernen.

Foto © B. Carbonneaux

de la Province de Hainaut, zeigen regelmäßig spannende Ausstellungen bekannter Künstlerinnen und Künstler.

N O S TA L G I S C H R E I S E N U N T E R DA M P F Die Dampflokomotive der 3 Täler, eine Museumsbahn, nimmt ihre Gäste mit auf eine nostalgische Reise zwischen Mariembourg und Treignes, dem letzten Bahnhof vor der französischen Grenze. Mit dem Chemin de fer à vapeur des 3 vallées, einer originalgetreuen Dampflok, geht es durch die atemberaubende Landschaft der drei Täler in den Ardennen. Auf der 14 Kilometer langen Route fühlen sich Reisende in eine andere Zeit versetzt und können am Ziel – bei Interesse – gleich das 1994 eröffnete Eisenbahnmuseum von Treignes besuchen. Auf dem Gelände des ehemaligen internationalen Bahnhofs finden sie themen­b ezogen gestaltete Vitrinen, Uniformmützen aus verschiedenen Ländern und Arbeitsgerät der Eisenbahner. Besonders beliebt ist das immer am 4. September-Wochenende stattfindende ­„ Dampf-Festival“, das jedes Jahr unter einem anderen Motto Freunde ­h istorischer Eisenbahnen in seinen Bann zieht. cfv3v.eu

JEAN -MICHEL FOLON Zarte Aquarelle, Federzeichnungen, aber auch poetische S­ kulpturen nehmen die B­ esucher mit auf eine Reise durch die 40-jährige Schaffenszeit des 2005 verstor­b enen Künstlers. Immer wieder neue Eindrücke erschließen sich den Besuchern der Stiftung und zeigen die u­ nterschiedlichsten ­F acetten von Jean-Michel ­F olon, der unter anderem durch seine Illustrationen von ­Werken ­b ekannter Künstler wie Franz Kafka oder Boris Vian sowie durch ­P oster- und A ­ nzeigengestaltungen inter­n ational bekannt wurde. Ein i­ nteraktiver Parcours, gestaltet mit ­F ilmen, Musik und ­o ptischen E­ ffekten, b­ eschert ein einmaliges Kunsterlebnis. Aktuell widmet die Fondation Folon dem berühmten belgischen Comic­ zeichner Peyo, dem Schöpfer der Schlümpfe, eine Retrospektive. Noch bis zum 27. August 2017 ist eine Vielzahl seiner Zeichnungen, Skizzen und Fotos zu sehen. Wer nach so reichhal­t igem ­Kunstgenuss ­E ntspannung in der Natur sucht, findet diese in der umliegenden Landschaft der ­D omaine Solvay rund um das Schloss von La Hulpe. Wanderwege, ­s eltene Bäume, Wiesen und Seen runden den Besuch in der Stiftung Folon ab. I N F O R M AT I O N E N : Geöffnet Dienstag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr, ­S amstag, Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. fondationfolon.be

Foto © Fondation Folon

Er war Grafiker, Maler und Bildhauer. Die Stiftung Folon im Schlosspark La Hulpe, nur 20 Minuten von Brüssel entfernt, zeigt 300 Werke des b­ elgischen Ausnahmekünstlers.


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Kunststädte

Viel Zeit für moderne

Tradition

Die mittelalterliche Stadt Mons pflegt das „Savoir-vivre“ und ist zudem für ihr UNESCO-Welterbe bekannt. 2018 feiert eine neue Form der Kunstbiennale in der Stadt Premiere. Text HEIKE REINHOLD

M

ons, die charmante Hauptstadt der wallonischen Provinz Hennegau, liegt 65 Kilometer südwestlich von Brüssel, nahe der französischen Grenze. 2015 begeisterte Mons als Kulturhauptstadt Europas mit fünf neuen Museen, hochkarätigen Ausstellungen und einem neuen Bahnhof nach Plänen des spanischen Stararchitekten Santiago Calatrava. Auch zwei Jahre später ist die Stadt mit ihren zahlreichen Welterbestätten zu jeder Jahreszeit eine Reise wert.

ATE M B E R AU B E N D E AU SS I CHTE N Das identitätsstiftende Wahrzeichen der Stadt und UNESCO-Weltkulturerbe ist der 87 Meter hohe Belfried von Mons. Der einzige barocke Belfried Belgiens wurde im 17. Jahrhundert auf den Überresten des eingestürzten Uhrenturms errichtet. Im Kulturhauptstadtjahr 2015 wurde im Belfried selbst ein neues Museum eröffnet, das einen Einblick in die Geschichte des Bauwerks gibt. Absolut empfehlenswert ist auch eine Fahrt mit dem gläsernen Fahrstuhl, der Besucher bis in die Spitze des Glockenturms bringt. Von dort bietet sich eine atemberaubende Aussicht auf die Stadt und ihre zahlreichen Sehenswürdigkeiten.

eine Prozession, die der Schutzheiligen Waltrudis gewidmet ist, die die Stadt im Jahr 1349 vor der Pest rettete. Als Dank werden die Reliquien der Heiligen mit einer goldenen Kutsche durch die Straßen gefahren. Die im Volksmund „Doudou“ genannte Tradition ist seit 2005 Teil des UNESCO-Kulturerbes. Das Musée du Doudou am Grand Place beleuchtet die geschichtliche, anthropologische und religiöse Tradition aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Ebenfalls lohnenswert ist ein Abstecher in die benachbarte Gartenanlage Jardin du Mayeur aus dem Jahr 1930, die auch den berühmten Brunnen Fontaine du Ropieur beherbergt.

M I N E N E R LE B N I S FÜ R SCHWI N D E LFR E I E Das mit mehr als 6.000 Jahren älteste Welterbe des Hennegaus sind die Feuersteingruben von Spiennes. Das SILEX’S bietet eine Fülle von Informationen rund um die Feuersteinminen und lädt zu einer Zeitreise in die erste Besiedlung der Region ein. Auf einer Fläche von mehr als 100 Hektar findet sich die größte und früheste Ansammlung von Minen Europas. Experten gehen davon

Das kulturelle Vermächtnis der Region spiegelt sich nicht nur in beeindruckenden Baudenkmälern wider. Auch Tänze, Sprache, Musik, Theater und eben die folkloristische Tradition des „Ducasse de Mons“ sind als immaterielles Kulturerbe schützenswert. Bei letzterer handelt es sich um

Foto © WBT/Anibal Trejo

FO LK LO R I STI SCH E TR A D ITI O N

aus, dass der Abbau in Spiennes bereits um 4.000 vor Chr. begann. Der Abstieg in die Minen erfolgt über eine 10 Meter lange, senkrechte Leiter und ist nicht für Kinder unter zehn Jahren und Menschen, die unter Klaustrophobie oder Schwindel leiden, geeignet. Da die Besichtigung der Minen pro Jahr auf 5.500 Besucher begrenzt ist, empfiehlt sich die vorherige Anmeldung im Tourismusbüro Mons.

I N D U STR I E LLE S E R B E Jüngeren Datums, aber nicht weniger beeindruckend ist das industriekulturelle Erbe der Region. Das ehemalige Kohlebergwerk Grand Hornu, das seit 2012 auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes zu finden ist, zeigt das perfekte Zusammenspiel von Vergangenheit und Zukunft. Bei dem Komplex am Rande von Mons handelt es sich um ein Paradebeispiel funktionaler Städteplanung im 19. Jahrhundert. Neben dem Bergbauindustriekomplex in neoklassizistischer Backsteinarchitektur sind Arbeiterquartiere mit 425 Wohnhäusern im Stil der englischen Gartenstädte, sowie Stallgebäude, eine ehemalige Zuckerfabrik, Läden, Cafés, eine Schule und sogar ein Tanzsaal zu besich­ tigen. Das Museum Grand Hornu ist in einem restaurierten Gebäudekomplex ­u ntergebracht und bietet neben Erinnerungen an die Bergbauvergangenheit auch Raum für Ausstellungen in zeitgenössischer Kunst und Design. Doudou – jedes Jahr am Dreifaltigkeitssonntag, also am Sonntag nach Pfingsten, findet zu Ehren der Schutzheiligen Waltrudis das Folklore-Fest statt.


Das Mundaneum von Mons gilt als das erste Schlagwortarchiv der Welt. Es wurde 1895 von dem belgischen Bibliothekar Paul Otlet erfunden. Gemeinsam mit Henri La Fontaine perfektionierte er das System bis in die 1930er-Jahre. Das Schlagwortarchiv besteht aus sechs Kilometern Archivdokumenten mit rund zwölf Millionen Karteikarten. Es beherbergt Dokumente aus allen Wissensgebieten und Epochen. Der Katalog „Répertoire Bibliographique Universel“ zählt zum „Memory of the World“ der UNESCO.

INFORMATIONEN VOR ORT: V I S I TM O N S Grand Place 27 7000 Mons Tel. : +32 65 33 55 80 Info.tourisme @ville.mons.be visitMons.co.uk

Der Belfried zählt zu den UNESCO-Welter­ bestätten und ist seit dem Kultur­ hauptstadtjahr 2015 auch Muse­ um (links).

Foto © HCT/C. Carpentier

Foto © Visitmons/Gregory Mathelot

Foto © Visitmons/Gregory Mathelot

SU CH M A SCH I N E AU S PA PI E R

Die Grand-Place bietet ein perfek­ tes mittelalter­ liches Gebäudeen­ seble und ist Mittelpunkt des bunten Treibens in der Kulturstadt. (oben).

D I E WA S S E RW E G E D E S H E N N E G AU Die vier imposanten Schiffshebewerke, die zwischen 1882 und 1917 auf dem historischen Canal du Centre erbaut wurden, funktionieren auch heute noch nach der gleichen revolutionären Technik wie vor über 100 Jahren. Alle vier gehören heute zum UNESCO-Welterbe. Im derzeit weltgrößten Schiffshebewerk Strépy-Thieu werden selbst schwerste Lastkähne auf einen Zug rund 73 Meter elektromechanisch nach oben oder unten gehievt. Eine Besichtigung des futuristischen Bauwerks bietet fantastische Einblicke in Technik und Geschichte und führt interaktiv per Film durch ein „Land der Genies“. Eine Besonderheit ist auch das Schiffshebewerk Ronquières ( „Schiefe Ebene“): Mit seiner Hilfe lässt sich ein Höhenunterschied von 68 Metern ausgleichen, wodurch er im Zuge des Kanals Charleroi-Brüssel insgesamt 14 Schleusen ersetzt. voiesdeau.hainaut.be/de


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Aktiv

Aktiv in den Ardennen Fßr Natur- und Aktivtouristen bietet die Wallonie nicht nur eine malerische Kulisse, sondern ein sehr gut ausgebautes Wander- und Radfahr-Netz – Genuss in den Aktivpausen inklusive.


La Roche-en-Ardenne

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Foto © Dominik Ketz

Aktiv


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Aktiv Genuss gehört in den Arden­ nen zum Aktivprogramm dazu, wie hier auf einer Terrasse im beschaulichen Durbuy.

Foto © Dominik Ketz

Wildschwein, Schinken, Trappistenbier

Kulinarische Fußstreifzüge im Südosten der Wallonie Text MICHAEL SÄNGER

E

s gibt zwei Möglichkeiten für eine fußläufige Feinschmeckerroute durch die Provinz L uxemburg: Sieben Etappen ­ vom idyllisch in einer Ourthe-Schleife ­gelegenen La Roche-en-Ardenne über Nassogne nach St. Hubert, der „Kathedrale der Jagd“ und weiter ins Tal der Semois nach Bouillon auf der Transardennaise wandern oder verschiedene kleine aber feine Tagesrundtouren, garniert mit Geschmackshöhepunkten.

PR A LI N E N U N D B I E R Ich wählte die Tagesrundtouren. Schon die Anreise über das hübsch bei Libin gelegene Bücherdorf Redu war aufregend. Mehr als 20 Antiquariate und Buchhandlungen in dem 400-Seelendorf animieren zum stundenlangen Stöbern. Mein Freund Manuel Andrack hatte mir auf dem Weg zu der berühmten Abtei Orval den Stopp bei Monsi-

INFORMATIONEN VOR ORT: T O U R I S M U S V E R BA N D D E R P ROV I N Z B E L G I S C H L U X E M B U RG Quai de l’Ourthe 9 6980 La Roche-en-Ardenne luxembourg-belge.be Pocketguide „Wandertouren in den Ardennen“ mit diesen beiden und 24 weiteren Tourentipps, kostenlos bei belgien-tourismus.de bestellen.

eur Edouard in Florenville dringend ans Herz gelegt. Edouard Bechoux betreibt sein Café und die Chocolaterie „Les Chocolats d'Edouard“ am Marktplatz. Die perfekte Einstimmung zur geplanten Tour um ­Orval: filigrane Trüffel- und Schokoladeköstlichkeiten serviert mit einer Flasche Trappistenbier – sensationell. Die Vorfreude auf die ausführliche Besichtigung der Abtei und der Klosterbrauerei wurden durch die Wandertour nach Williers noch gesteigert. Das Mittagessen im historischen Ortskern, eines der kleinsten belgischen Dörfer mit römischen Ausgrabungen, war mit Liebe zum Detail und Sinn für Geschmackskompositionen gekocht. So geriet der Rückweg der insgesamt 11,5 km kurzen Rundtour zum kulturellen Amuse Gueule für den Nachmittag. Denn die Abteiruinen des Zisterzienserklosters Orval datieren ins Jahr 1132 zurück. Das würzig gehopfte Klosterbier, noch heute von den Mönchen im Kloster gebraut, trägt ebenfalls den ­Namen Orval. Einfach köstlich.

WI LDSCHWE I N U N D SCH I N K E N Am folgenden Tag machte ich auf der Reise nach La Roche-en-Ardenne erst Station im Ardenner Wald im Schatten der gewaltigen Doppeltürme der Basilika St. Peter und Paul in der europäischen Hauptstadt der Jagd St. Hubert. Jules Bay war mir als Wildschweinf lüsterer empfohlen worden. ­Unglaublich aber wahr, dem 76-Jährigen fraßen auf einer Waldlichtung zwei- oder

dreihundert Wildschweine, darunter mehrere Dutzend Frischlinge, sprichwörtlich aus der Hand. Derlei inspiriert vom Wildreichtum und nach einer mehrstündigen Brauereibesichtigung und Bierverkostung in der idyllisch in einem Seitental der O urthe Orientale gelegenen Brauerei ­ Achouffe erreichte ich am späten Nachmittag das wunderschön in einer Ourtheschleife gelegene Burgenstädtchen La ­Roche-en-Ardenne. Maître Bouillon, er ist der Chef über mehrere tausend würzig geräucherte Ardenner Schinken in den Räucherschränken und Trockenräumen seiner Schinkenräucherei, ließ mich von den Schätzen aus seinem Schinkenparadies im angeschlossenen Restaurant probieren. „Schmeckt´s?“ Ich nickte heftig. Für die am kommenden Tag geplante Wandertour von La Roche-en-Ardenne über Maboge und Borzée zurück in die Stadt im schönen Ourthetal stellte mir dann der Meister höchst persönlich ein Brotzeitpackerl zusammen. „Merke Dir: Oben am Aussichtspunkt Gisant de Cohan genießt Du die Aussicht, die Ruhe und meinen Schinken.“

Die Abtei von Orval – beliebt als ­Wanderziel und unter Bierliebhabern (rechts oben). Bekanntestes unter den wallonischen Wanderzielen: das Hohe Venn in Ost­ belgien, Provinz Lüttich, im Grenzgebiet Ardennen-Eifel (rechts unten).


Foto © eastbelgium.com/Dominik Ketz

Foto © WBT/Jean-Luc Flemal

Aktiv

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Aktiv

Fotos (links und Mitte) © WBT/Denis Erroyaux

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Trasse nach

Immer der Radeln auf der Vennbahn Text MICHAEL SÄNGER

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Foto © WBT/Denis Erroyaux

uer durch den Osten Belgiens führt die 125 km lange Vennbahn-Radroute, die nahezu vollständig auf einer ehedem bedeutenden Bahntrasse durch die eindrucksvolle Grenzregion zwischen Belgien, Luxemburg und Deutschland verläuft.

VO N D E R KO H LE ZU M E R Z

Die Kohle musste zum Erz und Erz wiederum zu den Hütten, um Stahl produzieren zu können. 1882 erteilte Kaiser Wilhelm I. die Order, zwischen den Aachener Kohlerevieren und den luxemburgischen Eisenerzgruben eine Bahnstrecke über das Hohe Venn zu bauen. Mit der Eisenbahn kam der Wohlstand in die anliegenden Dörfer und Städte, wie St. Vith, Sourbrodt oder Waimes, die nun dank der Vennbahn mit den wichtigen Wirtschafts-, Stahl- und Kohlezentren verbunden waren. Die Vennbahnhöfe hatten bis zu 20 Gleise und tausende Men-

Wer es etwas hügeliger beim Radfah­ ren mag, wird mit tollen Panorama-Aus­ blicken belohnt – wie hier in La Roche-­ en-Ardenne.

schen fanden Arbeit. Noch bis in die 1920er Jahre hielt die Blütezeit an, dann verlor die Bahnstrecke zunehmend an Bedeutung. Spätestens in den 90er Jahren war der Niedergang der Bahnstrecke endgültig besiegelt. Das war die Geburtsstunde einer genialen Idee: Man nutze die steigungsarme Bahntrasse der Vennbahn als Radweg für alle Radelfans, die sehenswerte Natur und aufregende Geschichte mit dem Drahtesel verbinden wollten. Gesagt – getan.

E A SY R A D E LN Ü B E R N B E RG Prima, denkt sich so manch ein Radler, der heute über die babypopoglatte, asphaltierte Bahntrasse gleitet und die Annehmlichkeiten eines flachen, nur unmerklich ansteigenden Bahntrassen-Radweges genießt. Mit zwei Prozent durchschnittlicher Stei-


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Foto © Bruno D´ Alimonte

Aktiv

Foto © Bruno D´ Alimonte

gung werden auch G ­ enussradler kaum vor große Herausforderungen gestellt. Was heute noch von der bewegten Vergangenheit übrig ist, sind alte Signalanlagen, Stellwerke oder stillgelegte Drehscheiben und Gleise, prächtige Viadukte und einige der alten Bahnhöfe, wie beispielsweise die in Kornelimünster oder Sourbrodt, in dem heute Restaurants die durstigen Radler versorgen. Und natürlich sind da die kleinen und großen Geschichten, von denen die Vennbahn-Stories an verschiedenen Orten

entlang der Strecke erzählen. Von den Tuchmachern in Monschau, dem einzigartigen Heckenland, den Torfstechern vom Hohen Venn oder vom einst florierenden Schmuggel. Geschichten, wie die von den 47 Mützenicher Kaffeeschmugglern im Kölner „Klingelpütz“ aus dem Dorf an der „sündigen“ Grenze untermalen das Grenzlandflair der Vennbahn.

E I S E N BA H N ROM A NTI K PE R STA H LROSS Drei bis sechs entspannte Etappen, die immer direkt oder in Nähe der ehemaligen Bahntrasse verlaufen, können Tagestouren oder Streckenradler unter ihre Räder nehmen. Je mehr Zeit man sich für Land, Leute und Geschichte nimmt, desto eindrück­ licher bleibt die Fahrt von Aachen nach

Auch Durbuy und die Famenne verfügen über ein großes Angebot für Radfahrer und Mountainbiker.

Nie war Radeln über ein Mittel­ gebirge anstrengungsloser! Die auch international inzwischen be­ kannte Radstrecke von Deutsch­ land über das Dach der Belgier nach Luxemburg folgt der ehemaligen Bahnstrecke der Vennbahn. Stoff für allerbeste Radträume (oben links und Mitte). Auch für Radfahrer und Moun­ tainbiker gibt es in der Wallonie tolle Ausblicke – wie hier auf das Maastal in der Provinz Namur. (oben rechts).

Troisvierges in Erinnerung. Radverleih, Bett & Bike-Betriebe, moderne Radraststationen, Radeln-ohne-Gepäck-Pauschalen, Reparaturservice und Shuttleservice entlang der Strecke sorgen für eine ­perfekte Serviceinfrastruktur. Eisenbahnromantik per Stahlross, naturnah, geschichtenreich und mit einem Rundum-Sorglos-Service. Dass man dabei nicht weniger als ein bis zu 700 Meter hohes Mittelgebirge per pedale überwindet – ohne große Kraftanstrengung – ist außergewöhnlich und daher besonders empfehlenswert. eastbelgium.com/de


Tournai - Grand Place - Š WBT - Denis Erroyaux

Die Wallonie

zum AnbeiĂ&#x;en nah!

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Zauberhafte belgische Ardennen  

Die belgischen Ardennen im Land der Genießer liegen zum Anbeißen nah und sind (noch) ein Geheimtipp. In diesem Magazin machen wir Ihnen Lust...

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