Page 1

2

DIE PROVINZ NAMUR INMITTEN DES ERSTEN WELTKRIEGS

Axel Tixhon Mélodie Brassinne Philippe Bragard

GUNGSFÜHRER DEUTSCH


2

Provinizialdenkmal


LEITARTIKEL «Unter dem Befehl des Kapitänkommandanten Lentrée stieß der eingedrungene Feind auf erbitterten Widerstand. Die Garnison zeichnete sich durch Tapferkeit und Standhaftigkeit aus. Die Festung fiel erst, nachdem die feindliche Artillerie sämtliche Kuppeln restlos zerstört hatte». Fort Saint-Héribert, Provinz Namur, 1919 (Auszeichnung «Citation à l’Ordre de l’Armée»). Der Erste Weltkrieg, aus dem nicht nur Gewalt und großes Leid, sondern auch illustre Beispiele gegenseitiger Hilfe und Solidarität überliefert sind, hat den Lauf der Geschichte nachhaltig geprägt. Die Spuren der Kampfhandlungen sind teilweise in Vergessenheit geraten, ziehen sich aber durch die gesamte Provinz. Friedhöfe, Festungen, Stelen und Denkmäler laden Besucher aller Generationen und Staaten dazu ein, auf die Vergangenheit zurückzublicken und innezuhalten. Das Ausmaß zu spüren, während die Finger über die in Marmor und Stein gemeißelten Namen der Gefallenen streichen. Mit diesem Beitrag möchten die Provinz Namur und ihr Tourismusverband an die historischen Ereignisse erinnern, die in unserer Erinnerung leider schon stark verblasst sind. Der vorliegende Besichtigungsführer ist Teil einer Aktionsreihe lokaler, provinzialer, regionaler und föderaler Projekte anlässlich der Gedenkfeiern, die von 2014 bis 2018 stattfinden: Ausstellungen, Aufführungen, Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche, Lehrwanderungen usw., damit all jene, die für den Frieden starben, und auch die ihnen errichteten Mahnmale noch lange Zeit gebührend geehrt werden. Mit dieser Initiative möchte die Provinz Namur nun den eingekehrten Frieden feiern und anmahnen.

3


EINLEITUNG EIn den Jahren 1914 bis 1945 erlebte Europa die dunkelsten Kapitel seiner Geschichte. Während der beiden Weltkriege zog mehrere Male ein Orkan der Gewalt durch die Provinz Namur.

4

Drei bedeutende Geschichtsmomente hatten die Provinz Namur zum Schauplatz: der August 1914, der Mai und Juni 1940 und die Monate von Juni bis Dezember 1944. Da die Kontrolle über die Täler der Sambre und der Maas strategisch überaus wichtig war, trafen die militärischen Operationen gerade die Gegend von Namur mit extremer Härte. Mit der überraschenden Invasion durch die Ardennen in beiden Weltkriegen stand auch der Süden der Provinz, der bis dahin militärisch kaum in Erscheinung getreten war, plötzlich im Mittelpunkt des Geschehens. Insbesondere der Erste Weltkrieg hinterließ tiefe Spuren in der Provinz Namur, zu denen die vorliegende Informationsschrift den Besucher hinführen möchte. Die Besichtigungsstätten wurden vor allem nach zwei zusammenhängenden Kriterien ausgewählt: die Tragweite oder Bedeutung der militärischen Ereignisse und die Existenz eines entsprechenden Denkmals. Das Besichtigungsprogramm ist sowohl chronologisch als auch thematisch geordnet.


DIE FORTS DER BEFESTIGTEN STELLUNG NAMUR Geschichte Die Maas-Festungen waren geschickt in der Namurer und Lütticher Landschaft getarnt und spielten eine Schlüsselrolle in der belgischen Verteidigungsstrategie vom späten 19. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 18701871 hatte sich die militärische Situation Belgiens grundlegend verändert. Als die belgische Armee für diesen Krieg mobilisiert werden sollte, traten große Schwächen zutage. Die Neutralität zum Schutz des kleinen Königreichs zeigte zwar Wirkung, doch offenbarte der Konflikt eine beunruhigende Anfälligkeit der Truppen bei einem Angriff aus südlicher oder östlicher Richtung. In den Jahrzehnten nach diesem Krieg verstärkten die einstigen Widersacher außerdem die Festungsanlagen zu beiden Seiten des neuen Grenzverlaufs zwischen deutschem Kaiserreich und französischer Republik. Das belgische Königreich rückte damit als möglicher Schauplatz eines eventuellen neuen Konflikts zwischen den beiden Großmächten in den Vordergrund. Um seine Neutralität offen zu bekunden, sah sich Belgien veranlasst, den Durchmarsch des eigenen Territoriums zu erschweren, wenn nicht gänzlich zu unterbinden, und den Maaskorridor, das heißt das einzige echte natürliche Hindernis, das einem Durchmarsch im Wege stände, zu befestigen. Die befestigten Stellungen Namur und Lüttich sollten die Invasion einer Armee verzögern und die Zusammenführung der alliierten Truppen ermöglichen, um dem Eindringling Einhalt zu gebieten. Lufthaufnahme von Malonne. Heute versteckt in den Wäldern von Vecquée, 1914 beobachtete es das Tal der Sambre aus einer Höhe von 200 Metern

5


Im Land selbst lehnten viele den Bau dieser Festungsanlagen aufgrund der hohen Kosten ab. Dennoch entschied man sich von politischer Seite für eine Kostenübernahme und unterwanderte damit die Pläne zur Reform des Militärs. Nach dem damaligen Motto: „Lieber Festungsanlagen als Kasernen! Mit dem Befestigungsprojekt von Brialmont ging man zugleich auf die Verunsicherung der Bewohner innerhalb der Festungsanlagen ein. So gab man die alten Festungsmauern auf, die zwar die Städte umschlossen, aber die Bewohner nicht vor den Geschossen des Angreifers schützten. Statt dessen errichtete man kleinere Festungsanlagen, die einen Schutzgürtel in gehöriger Entfernung zum Stadtkern zogen, sodass dieser nicht mehr Ziel der Angriffe sein konnte.

6

Die Forts dienten ihrerseits dazu, die Verbindungswege zur Stadt unter Beschuss zu nehmen. Mit ihren Geschützen konnten sich die Forts gegenseitig decken. Zusätzliche Sicherheit bot ein solides Betongewölbe, das den größten Geschützkalibern Stand hielt, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts zum Einsatz kamen.

Emines 190 m

Marchovelette 195 m

4150 m

6850 m

5850 m

6250 m

4750 m

Suarlée 115 m

4000 m

Cognelée 200 m

3775 m

5100 m 6700 m

NAMUR

4700 m

La Meuse

La Sambre

4700 m

Malonne 195 m

Maizeret 195 m

6050 m

4100 m

5700 m

Andoy 220 m

6400 m 4230 m

4000 m

4300 m

Saint-Héribert 245 m

Dave 190 m

Der Festungsring Namur


LIm Juni 1887 nahm das Parlament den Vorschlag an, zwei Festungsringe um Namur und Lüttich anzulegen. Die ersten Arbeiten begannen Ende 1888 und fanden im Oktober 1891 ihren Abschluss. Die 21 Forts (9 in Namur und 12 in Lüttich) wurden also in weniger als 3 Jahren errichtet und kosteten über 72 Millionen Franken. Hierzu mussten nahezu 100 km Schmalspur-Bahnstrecke gebaut, 4 Millionen Kubikmeter Erde ausgehoben oder aufgeschichtet sowie mehr als 1 Million Kubikmeter Beton bereitet 7

Bau von Fort Cognelée

und gegossen werden. Die Bauarbeiten gerieten allerdings durch eine Reihe mehr oder weniger gravierender Zwischenfälle ins Stocken. So kam es zu Schlägereien zwischen stehlenden Erdarbeitern und ortsansässigen Eigentümern, zu einem Streik sowie zu kleinen Bränden, die mehrere Baubuden zerstörten und sogar Todesopfer forderten. Der schlimmste Unfall ereignete sich im Mai 1890 in Emines und kostete 4 Menschenleben, als ein Betongewölbe einstürzte und 15 Arbeiter unter sich begrub.


Fort Cognelée

8

Das in den Jahren 1888 bis 1891 erbaute Fort liegt in unmittelbarer Nähe zum Autobahnkreuz von Daussoulx, ein wenig abseits des Dorfes Cognelée direkt am ehemaligen örtlichen Bahnhof, zu dem das Material für den Bau des Forts gebracht wurde, welches Teil des Festungsrings Namur war. Eine provisorische Eisenbahnstrecke verband zudem sämtliche Forts untereinander. Der Bahnhof steht heute noch, doch wurde die Bahnstrecke zu einem Ravel-Wanderpfad umfunktioniert.

Das Fort hat eine Dreiecksform, ist aber größer als das Fort von Emines und blieb genau wie letzteres in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen unverändert. Das Fort Cognelée ist allerdings nicht so gut erhalten wie das benachbarte Fort. Ein Teil der Räume an der Innen- und Außenwehrmauer ist in einem schlechten Zustand, und die Gräben sind starküberwuchert. Einige Bereiche des Forts stehen inzwischen unter Wasser oder sind unter Dickicht verschwunden und somit nicht mehr zugänglich. Das Fort kann nicht besichtigt werden (Privateigentum). Zur Zeit der deutschen Besatzung befand sich zudem eine Zeppelin-Basis in der Nähe des Forts. Einer dieser Zeppeline stürzte in der Nacht vom 20. auf den 21. Februar 1916 nahe dem Dorf Daussoulx ab.

Rue Del’ Grete - 5020 Namur


Der Planer der Forts an der Maas, HenriAlexis Brialmont, erlebte übrigens eine ganz persönliche Niederlage. Im Mai 1892 musste er sein Amt niederlegen, weil die letztendlichen Kosten seiner Anlagen (72 Millionen Franken) das zugeteilte Budget (50 Millionen Franken) weit überstiegen. Dennoch brachte ihm dieses Projekt ein gewaltiges Prestige und 1892 einen Sitz in der Deputiertenkammer ein. Außerdem trat er fortan als Berater für Festungsanlagen im Ausland auf, so in Bulgarien, im Osmanischen Reich und in Japan. Die Nachwelt sah in ihm den „ belgischen Vauban», auch wenn seine Wehranlagen den deutschen Invasionen 1914 und 1940 nicht lange standhielten.

Henri-Alexi Brialmont (25 Mai 1821- 21 Juli 1903). Foto von der Royal Army Museum Büste erhalten

9


Österreichische 305-mm Kanone Skoda, Modell von 1911. Diesen Haubitzentyp setzten die deutschen Truppen beim Angriff auf den Festungsring Namur ein.

10

Am 31. Juli 1914 war die Mobilisierung der belgischen Armee beschlossen. Die Festung Namur sollte die 4. Armeedivision aufnehmen. Insgesamt waren diese Truppen 38.000 Mann stark. Die Mobilisierung verlief zügig und war am 6. August abgeschlossen. Der offensichtliche Mangel an Material und Kadern plagte jedoch die gesamte Armee. Die meisten Forts wurden von pensionierten Offizieren geführt. Die Geschütze waren zwar 1890 auf dem neuesten Stand der Technik gewesen, galten 1914 aber bereits als veraltet, sowohl vom Kaliber (maximal 21 cm) als auch von der Reichweite her (maximal 7 bis 8 km). Als Treibladung verwendete man noch Schwarzpulver, das beim Abschuss eine dichte Rauchwolke erzeugte. Der gesamte Festungsring besaß etwa 30 Maschinengewehre sowie 170 Feldgeschütze unterschiedlichster Modelle, von denen zwei Drittel veraltet, aber funktionstüchtig waren. Besonders schwerwiegend waren die unzureichenden internen und externen Kommunikationsmittel. Die nur oberflächlich eingegrabenen Telefonleitungen waren sehr anfällig und die Verbindungen alles andere als zuverlässig. Auch die eigenen Flugzeuge waren kaum eine Hilfe. Konkret bestand keine Möglichkeit, die Einsätze der Forts zu koordinieren und gegenseitige Deckung zu gewährleisten. Die Geschosse erreichten die zweifache Kraft dessen, was eine Fort-Kuppel aushielt.


Ab dem 15. August erwartete das Kommando des Festungsrings Namur den Angriff des deutschen Heeres. Feindliche Flugzeuge überflogen bereits die Stadt. Immer näher lagen die Ortschaften, zu denen die Telefonverbindung abbrach. Am Abend des 18. August beschloss König Albert I., die Feldarmee nach Antwerpen abzuziehen, da der Druck der deutschen Armeen auf die belgischen Truppen zu groß wurde. Die Namurer Forts sahen sich somit alleingelassen und an vorderster Front vor hunderttausend deutschen Soldaten, die 400 Artilleriegeschützen. Die Briten hatten es erst bis Maubeuge geschafft, während die Franzosen an der Sambre in Stellung gingen und die Brücken der Maas zwischen Namur und Dinant bewachten.

Deutsche Abbildung des Angriffs auf Namur

11


Noville sur Mehaigne Eghezée Grand-Leez

Gembloux

Cognelée Corroy le Château Emines

Suarlée

NAMUR

12 Jemeppe Floriffoux

Malonne

Im Osten des Festungsrings waren die deutschen Geschütze bereits nahe herangerückt und ab dem 19. August schussbereit. Einige von ihnen befanden sich zwar in Reichweite der Forts Marchovelette, Maizeret und Andoy, doch wurden ihre genauen Positionen nicht gemeldet. Diese beruhten auf lange vor Kriegsausbruch erstellten Plänen und waren sorgfältig vorbereitet. Die Infanterie blieb beim Vormarsch in Deckung und nutzte dabei die bewaldeten Ufer der Maas und ihrer Nebenflüsse. Ab dem 21. August morgens wurden die Stellungen zwischen Maizeret und Andoy sowie in der Nähe von Marchovelette angegriffen. Saint-Héribert

Die 3 Forts wurden zudem intensiv bombardiert. An mehreren Stellen gerieten belgische Soldaten durch die Wucht der Einschüsse in Panik. Die 42-cm-Haubitzen waren auf das Fort Marchovelette gerichtet und fügten ihm beträchtlichen Schaden zu. Ein Teil seiner Garnison ergriff die Flucht und musste durch 200 Artilleristen ersetzt werden, die man zur Verstärkung hinbeorderte. Das deutsche Oberkommando beschloss nun, den Angriff auf den Nordostsektor zwischen der Straße von Hannut und der Maas zu konzentrieren.

Dave


Hemptinne

DeutscheTruppen amle20. Troupes allemandes 20 August août auabends soir Troupes françaises le am 20 août au soirabends Französisch Truppen 20. August Avant postes troupesder de 4laArmeedivision 4 D.A. Vorposten undetTruppen Zones par les troupes forteresses Von denoccupées Festungstruppen besetztes Gelände

Bierwart

Forts Festungen

Franc-Warêt

Marchovelette

Andenne

Sclayn

13 Maizeret Haltinne

Andoy

Sart Bernard

Karte des Tages 20. August Florée

Kriegerdenkmal von Boninne Kriegerdenkmal von Boninne zu Ehren der Soldaten, die an den Intervallstellungen des Sektors 4 im August 1914 gefallen sind. Die Inschrift besagt, dass die Kämpfe um Namur zur Wiederherstellung der Lage an der Marne beigetragen haben.


14

Deutsch Soldaten posieren auf den Kuppeln zerstört Forts Maizeret und Marchovelette

Am nächsten Tag setzten sich die Kämpfe noch heftiger fort. Drei französische Bataillons trafen im Festungsring ein und wurden sogleich in den Nordostsektor entsandt, um die dortigen Intervallstellungen zu verteidigen. Der Schwerpunkt der Angriffe lag diesmal bei den Forts Maizeret und Andoy, während auch Cognelée unter Beschuss geriet. Das Fort Maizeret war Ziel der schweren 42-cm-Kaliber, und am Ende des Tages befanden sich sämtliche Kuppeln außer Gefecht. Als sich der Kommandant jeglicher Offensivkraft beraubt sah, beschloss er, die Besatzung zu evakuieren. In vier aufeinander folgenden Angriffswellen versuchte die deutsche Infanterie vergeblich, das Fort Marchovelette einzunehmen. Immer wieder wurde sie zurückgedrängt. Um den Nordostsektor von dem ungeheuren Druck der deutschen Artillerie zu entlasten, befahl General Michel einen gemeinsamen Gegenangriff der belgischen und französischen Truppen auf das Dorf Wartet, doch wurden sie durch den geschickt koordinierten Einsatz der feindlichen Maschinengewehre und Feldgeschütze aus sicheren Stellungen heraus dezimiert.


Mit dem 23. August nahte die Entscheidung. Nach einer intensiven Artillerievorbereitung, die den gesamten Nordostsektor vernichtete und schwerste Geschütze gegen die Forts Cognelée und Marchovelette auffuhr, zogen die Infanteriereihen gegen 10 Uhr ab. Der Widerstand war hoffnungslos. Um 12.30 Uhr befahl General Michel den vollständigen Rückzug. Die Truppen aus dem Nordosten überquerten die Maas bei Namur und schlugen den Weg zwischen Sambre und Maas ein. Dabei zogen sie durch einen nur wenige Kilometer breiten Korridor zwischen den siegreichen deutschen Armeen an der Sambre und der Maas. Während die Hälfte der 4. Armeedivision am 24. August Mariembourg erreichte und wie ein Wunder der deutschen Offensive entkam, erlitt ihre Nachhut empfindliche Verluste in der Gegend von Bioul, wo sie schließlich in Gefangenschaft geriet.

General Michel In der Avenue de la Plante, nur wenige Meter vom Namurer Kasino entfernt, erinnert ein imposanter Felsen an Generalleutnant Michel, Kommandant der befestigten Stellung Namur im August 1914. Die Skulptur schuf der Namurer Künstler Victor Demanet im Jahr 1933.

15


16

Die Festungstruppen standen weiter unter deutscher Bombardierung. Mit besonderer Härte traf es erneut das Fort Marchovelette, das nach dem Einschlag eines 42-cm-Geschosses gegen 14.00 Uhr explodierte. Rund hundert Soldaten verbrannten. In Cognelée stürzten die Gewölbe unter den Treffern von 30,5-cm-Geschossen ein. Allgemeine Verwirrung brach aus. Während die Hälfte der Garnison der befestigten Stellung, ließ der Kommandant des Forts gegen 13.00 Uhr die weiße Flagge hissen. An den darauf folgenden Tagen ereilte auch die anderen Forts dasselbe Schicksal. Nur das Fort Malonne konnte der Feind widerstandslos einnehmen. In der Nacht vom 23. auf den 24. August floh ein Großteil seiner Garnison, als Kriegslärm aus der Stadt bereits zu hören war. Entsetzt über die Meldungen von den Bombardierungen der Forts Marchovelette und Cognelée, verließen die Soldaten ihre Posten. Am Morgen des 24. August hatte der Kommandant des Forts nur noch 30 Mann zur zur Verfügung. Gegen 13.00 Uhr wurde er kampflos von einer deutschen Patrouille gefangen genommen.

Diese Stele, die zum Gedenken an die Anhänger von Sankt-Heribert während der zwei Kriege errichtet wurde, ist der einzige Hinweis auf das nahegelegene Fort.


Friedhof von Champion In der Nähe des Forts Marchovelette wurde ein Friedhof mit den Grabstätten von 491 belgischen und 32 französischen Kriegsteilnehmern angelegt. Die meisten Männer, die hier beigesetzt sind, fielen bei den Kämpfen um die Festung Namur oder bei dem darauf folgenden Rückzug. 2

Der Friedhof wurde 1923 von König Albert I. eingeweiht und ist der französisch-belgischen Allianz gewidmet, symbolisiert durch das Bildnis eines französischen Soldaten (erkennbar an den Wickelgamaschen und dem Käppi) Seite an Seite mit dem Bildnis eines belgischen Infanteristen, der einen Tschako trägt. Über diesen beiden Figuren legt eine kniende Frau einen Blumenkranz nieder, um die Gefallenen zu ehren, die „für Recht und Freiheit (frz. „pour le droit et pour la liberté) gestorben sind, wie die Inschrift uns in Erinnerung ruft.

Rue de Fernelmont 20- 5020 Namur

17


Die befestigte Stellung Namur heute

18

Die neun Forts erwarten den Besucher noch heute am Rande des Großraums Namur. Die Militärstraße, die diese Forts ursprünglich miteinander verband, ist nur noch streckenweise erhalten. Einige Straßennamen zeugen bis heute von der einstigen Festung (Rue du Fort de Dave, Route Militaire, Rue du Fort d’Andoy, Chemin du Fort de Marchovelette, Rue du Fort de Cognelée, Rue du Fort d’Emines, Chemin Militaire, Chemin du Fort de Suarlée, Route Militaire, Route des Forts). Von der Zitadelle aus stößt man als erstes auf das viereckige Fort Malonne im Bois de la Vecquée. Aus einer Höhe von 200 Metern wacht es über das Tal der Sambre. Wie im Jahr 1914 ist die Zufahrt zum befestigten Eingang erhalten. Das Fort ist Eigentum der Abteilung Natur und Forstwesen und inzwischen ein Naturschutzgebiet für Fledermäuse.

Die Überreste des Forts Suarlée beherbergen heute zahlreiche Dickkopffalter.


19

Innengraben des Forts Emines

Nördlich des Zusammenflusses von Sambre und Maas verbergen sich vier Forts gleicher Form, aber unterschiedlicher Größe, inmitten der fruchtbaren Landschaft der Hespengauer Hochebene. Das Groß-Fort Suarlée in der Nähe des Gewerbegebiets von Rhisnes ist nur noch teilweise zu sehen. Nicht weit von dem bereits erwähnten Fort Cognelée liegt auf der Grenze zwischen den zwei Gemeinden La Bruyère und Namur das Fort Emines, das vom gesamten Festungsring am besten erhalten ist. Das Fort Marchovelette in verborgener Waldlage wird bis heute von der belgischen Armee für Sprengübungen genutzt, die große Schäden an der Bausubstanz verursacht haben.


Fort Emines Das in den Jahren 1888 bis 1892 erbaute Fort liegt weniger als 5 km vom Stadtzentrum Namur entfernt zwischen den Dörfern Emines und Saint-Marc. In etwa 200 Metern Höhe gelegen überwachte es die Straße Namur-Wavre sowie die Chaussée de Perwez.

20

Das dreieckige Fort weist noch eine gut erhaltene Umwallung auf. Es ist über ein Eingangstor mit Rollbrücke zugänglich und zu besonderen Anlässen für Besucher geöffnet. Die Räume in der äußeren Grabenwand, durch die das Eingangstor führt, sind weitgehend erhalten. Die Gräben zwischen der Umwallung und dem zentralen Massiv laden zu einem Rundgang ein. Im Hauptteil ist die Zweckbestimmung der verschiedenen Räume noch gut erkennbar, wie der große Versammlungsraum, die Waffenstände und der Maschinenraum. Von der Bewaffnung ist leider nichts erhalten. Der Scheinwerferturm befindet sich heute im Fort de Lantin bei Lüttich. Das Fort blieb vor dem Zweiten Weltkrieg bis auf den Einsatz eines Metalltors in der Umwallung unverändert. In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen diente es als Munitionslager. Das Fort befindet sich also größtenteils im Zustand von 1914.

Chemin du fort d’Emines - 5020 Namur


2

21

Rekonstruktion der Festung Maizeret im Jahre 1940

Südlich des Zusammenflusses wurden drei Forts in einem hügeligen Gelände errichtet. Das kleine viereckige Fort Maizeret wachte über die Täler der Maas und des Samson. heute überragt es einen Steinbruch, der im Jahr 2002 stillgelegt wurde. Das große dreieckige Fort Andoy überblickt die Straße, die in Richtung Ardennen hinaufführt. Im Ersten Weltkrieg wurde es von den Deutschen und in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen von der belgischen Armee zu großen Teilen umgestaltet. Das kleine dreieckige Fort Dave überragt das MaasTal. Wie das Fort Andoy wurde es in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen weitgehend umgeändert und ist heute praktisch eine Ruine. Gelegentlich wird es noch von den in Marche-les-Dames kasernierten Para-Commando-Truppen genutzt. Das Fort Saint-Héribert in der Ortschaft Wépion wurde in den 1970er Jahren dem Erdboden gleichgemacht und ist heute kaum noch zu erkennen.


MASSAKER UND GRÄUELTATEN: DAS LEID DER ZIVILBEVÖLKERUNG

22

Am Morgen des 4. August überquerte die deutsche Kavallerie die belgische Grenze und versuchte, zwischen Visé und Lüttich über die Maas zu setzen. Ziel war es, möglichst schnell die Kontrolle über die Verbindungswege zu übernehmen, damit die fünf Armeen (eine Million Soldaten) ins nördliche Frankreich durchmarschieren konnten. Mit Überschreiten der Grenze schien das deutsche Heer in einem regelrechten Wettlauf gegen die Zeit gefangen, der keinerlei Verzögerung duldete.

Bewegung der deutschen Truppen August 1914

An der befestigten Stellung von Lüttich, dern zwölf Forts den Zugang zum Maas-Tal versperrten, stieß die einfallende Kriegsmacht auf ein erstes Hindernis. Am Morgen des 7. August waren die Stadt Lüttich und ihre Brücken eingenommen, doch sollten die Kanonen der Forts die Operationen der deutschen Truppen noch bis zum 16. August aufhalten..


Am Morgen des 18. August befahl König Albert I. den Rückzug auf der Linie Aarschot-Beauvechain und anschließend auf der Dijle. Des Weiteren wurde Andenne an der Maas evakuiert, während man die Brücken hinter sich zerstörte und den wichtigen Eisenbahntunnel von Seilles sperrte. Trotz der Wucht des deutschen Einfalls gelang den belgischen Soldaten in der Nacht vom 19. auf den 20. August die Flucht in die Festung von Antwerpen, ohne dass diese von Norden aus eingekreist wurde, wie es das feindliche Oberkommando eigentlich geplant hatte. Aufgrund der ausbleibenden Unterstützung durch die Alliierten leistete König Albert I. zwei Wochen nach Beginn der Invasion Belgiens Widerstand von den beiden letzten verbliebenen Festungen Antwerpen und Namur aus. Eine französische Armee bezog vorsichtig Stellung südlich der Sambre und wachte über die Brücken zwischen Namur und Givet. Eine weitere Armee sammelte sich im Süden der Provinz Luxemburg, während das britische Expeditionskoprs in Richtung Mons aufbrach. Der erste große Zusammenstoß der Heere warf seine Schatten voraus.

Denkmal von Le Roux Am Ort «Les Bruyères» in der Gemeinde Le Roux erinnert ein bescheidenes Kreuz an den Tod des Unterleutnants Georges Cotelle. Seine Eltern errichteten das Kreuz genau dort, wo ihr Sohn in den Kämpfen des 22. August 1914 gefallen war. Erst vor Kurzem wurde das Kreuz versetzt, damit die Besucher es erneut erreichen und im Gedenken ikönnen Rue des Bruyères - 5070 Fosses-la-Ville

23


24

Die Erzählungen vom Widerstand der Belgier bei Lüttich, die Teilnahme der Zivilbevölkerung an den Kämpfen und die Vergeltungsschläge gegen sie verbreiteten sich in den deutschen Grenzgebieten und darüber hinaus wie ein Lauffeuer. Auch die Presse berichtete über die Ereignisse, die von den einfallenden Truppen noch dramatischer aufgenommen wurden. Die deutschen Soldaten wussten jetzt um die Gefahr, die von der belgischen Zivilbevölkerung ausging, welche jederzeit bereit schien, zu den Waffen zu greifen und brutal zurückzuschlagen. Die deutschen Truppen waren überzeugt, dass sie Gefahr liefen, von Heckenschützen angegriffen zu werden, die sich mittlerweile zu regelrechten ArmeeEinheiten zusammengefunden hatten, welche von zivilen und vor allem religiösen Amtsträgern angeführt wurden. Das, was bei der Invasion Belgiens geschah, ähnelte einem von Heckenschützen und Freischärlern geführten Guerillakrieg, der die deutschen Truppen in ihrer Überzeugung bestärkte und sie noch brutaler gegen die belgische Zivilbevölkerung vorgehen ließ. Abbildung aus einer deutschen Zeitung, welche die Festnahme der «belgischen Meuchelbauern» zeigt. Die Deutschen rechtfertigten ihre Ausschreitungen bei der Invasion mit dem Beschuss durch Freischärler..

Illustration issue de la presse allemande montrant l’arrestation des


Am 19. August erreichte die 2. deutsche Armee die Stadt Andenne, wo belgische Pioniere soeben die Maas-Brücke zerstört hatte. Den ganzen Tag lang trafen Soldaten im Zentrum der kleinen Stadt ein, wo sie sich betranken. Bis auf den Bürgermeister und den Dechanten der Stiftskirche, die als Geiseln gehalten wurden, zeigten sich die Einwohner nicht weiter besorgt. Als die eutschen Pioniere am Nachmittag des 20. August mit dem Bau der Brücke fertig waren, machten sich die Truppen zum Weitermarsch nach Namur auf. Gegen 18.00 Uhr jedoch ertönten Schüsse in Seilles. Unter den Soldaten, die gerade den Fluss überquerten, brach Panik aus. Hals über Kopf machten sie kehrt und rannten durch die Straßen von Andenne, wo es nun ebenfalls zu Schießereien kam. Die Einwohner beider Ortschaften hielt man plötzlich für Freischärler, obwohl die ersten Schüsse vermutlich von belgischen Soldaten ausgingen, die im Hinterhalt lauerten, oder möglicherweise sogar von den betrunkenen deutschen Soldaten selbst.

Denkmal in Seilles Das Denkmal der Gemeinde Seilles auf dem Place Joseph Wauters zeigt ein Triptychon zum Gedenken an die Märtyrer des Jahres 1914. Die Bildnisse erinnern an die Zerstörung der Ortschaft und das Massaker an seinen Einwohnern. Das Flachrelief wurde im Juli 1930 eingeweiht und im Zweiten Weltkrieg zerstört. An seine Stelle traten schwarze Marmorplatten, die noch heute an der Gedenkstätte zu sehen sind.

Place Joseph Wauters 9 - 5300 Andenne

25


26

In der Nacht wurde der Bürgermeister Camus hingerichtet. Am frühen Morgen des 21. August mussten die Einwohner von Andenne und Seilles ihre Häuser verlassen, die daraufhin geplündert und niedergebrannt wurden, um «ein Exempel zu statuieren». Ganze Familien exekutierte man an Ort und Stelle, während man die übrigen Einwohner am Place des Tilleuls zusammentrieb. Der Hauptmann Junge ließ Männer und Frauen voneinander trennen, wobei alle Verdächtigen mit einem Kreuz auf dem Rücken markiert und am Maas-Ufer gemeinsam niedergeschossen wurden.

Mauer der Erschossenen auf dem Place des Tilleuls in Andenne An einer der Mauern auf dem Place des Tilleuls, nahe am Rathaus, findet sich eine imposante Kalksteinplatte mit einer besonders scharfen Inschrift über das Kriegsverbrechen der deutschen Armee. An diesem Platz wurde die Andenner Zivilbevölkerung im August 1914 zusammengetrieben, bevor man sie zum Maas-Ufer abführte und dort erschoss. Das Denkmal wurde im August 1920 eingeweiht und bringt die Entrüstung über den «germanischen Banditen» zum Ausdruck.

Place des Tilleuls - 5300 Andenne


Zwischen dem 18. und 26. August, das heißt während der Grenzenschlacht, starben rund 3.500 Einwohner durch deutsches Gewehrfeuer. Der Süden Belgiens war zu dieser Zeit Schauplatz eines ungeheuerlichen Zusammenstoßes zwischen den 5 deutschen Armeen und den alliierten Truppen, die sich aus dem britischen Expeditionskorps, der in Namur verschanzten belgischen Armee und drei französischen Armeen zusammensetzten. Der Feind zog mit doppelter Truppenstärke in den Kampf, da die Schlacht entschieden werden musste, bevor man zur zweiten Phase des Schlieffen-Plans übergehen konnte, der darin bestand, die Alliierten gewaltsamin den Osten Frankreichs zurückzudrängen.

Karte der Orte, die während der Invasion im August 1914 erheblich beschädigt wurden (nach dem Buch von John Horne und Allan Kramer.)

Vorfälle mit weniger als zehn zivilen Opfern Vorfälle mit weniger als zehn zivilen Opfern und mindestens zehn zerstörten Gebäuden Vorfälle mit mindestens zehn toten Zivilisten und der Zerstörung von zehn oder mehr Gebäuden Märtyrerstädte

27


An der Sambre stießen die deutschen und französischen Armeen mit aller Gewalt aufeinander. Im Westen der Stadt Namur griffen die deutschen Truppen ebenfalls mit schwerem Geschütz an, worauf die 5. französische Armee in die Offensive gegen die 2. deutsche Armee gehen wollte, die sich nach Süden vorkämpfte.

28

Beide Seiten suchten mit aller Härte die Kontrolle über die Sambre und insbesondere ihre zu erlangen. Das deutsche Oberkommando hatte es vor allem auf die Brücken von Tamines, Auvelais und Châtelet abgesehen, da sie in einigem Abstand zu den Forts Suarlée und Malonne lagen und nicht wie etwa im Großraum Charleroi in ein dichtes Stadtgefüge eingeflochten waren.

Soldatendenkmal Pierre Lefeuvre in Tamines Am 21. und 22. August 1914 kam es zu einem gewaltigen Zusammenstoß der französischen und der deutschen Armee an den Ufern der Sambre. Die blutigsten Kämpfe wüteten in Tamines und Auvelais. Vor allem auf französischer Seite waren große Verluste zu beklagen. Im Juli 1923 wurde ein Denkmal an der Route de Falisolle eingeweiht, dort, wo die französischen Truppen sich im August 1914 verschanzt hatten. Das Bildnis zeigt einen Soldaten, der den Blick gen Horizont gerichtet hat, das Gewehr in der Hand hält und seine Standarte verteidigt. Es ist dem jungen bretonischen Soldaten Pierre Lefeuvre gewidmet, einem Scharfschützen, der bei den Kämpfen sein Leben ließ. Avenue des Français - 5060 Sambreville


Der deutsche Angriff begann am 21. August und wurde durch das Gelände begünstigt. Die auf den Höhen postierte Artillerie zerschlug die französischen Streitkräfte, die unten im Tal die Übergänge wachten. Das deutsche Heer konnte relativ schnell die Brücken von Auvelais, Tamines und Ham einnehmen, geriet danach jedoch unter das Feuer der französischen Artillerie. Beide Seiten erlitten empfindliche Verluste. Die von den Deutschen kontrollierten Übergänge standen den gesamten 22. August lang unter Beschuss, während die Franzosen mehrere Gegenangriffe unternahmen. Dennoch mussten sie am Morgen des 23. August die Kontrolle über die Sambre aufgeben und sich in das Gebiet zwischen Sambre und Maas zurückziehen.

Soldatenfriedhof zum bretonischen Leuchtturm Dieser Soldatenfriedhof wurde 1917 vom deutschen Besatzer angelegt und mehrere Gegenangriffe unternahmen unter anderem deutsche Gräber, die in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen verlegt wurden, auf. Der Friedhof liegt auf dem Gipfel eines kleinen Hügels oberhalb des Sambre-Tals und ist über eine steile Treppe zugänglich, die von der Rue du Cimetière des Français ausgeht. Die 415 Einzelgräber sind auf unterschiedliche Weise in Kreisen oder Reihen angelegt, ohne besondere Symmetrie. 1934 wurde am Eingang desFriedhofs ein Monument errichtet, das einen «bretonischen Leuchtturm» darstellt. Die ehemaligen Kämpfer wollten hiermit, 20 Jahre nach den Ereignissen, der vielen bretonischen Mitstreiter gedenken, die im August 1914 im Sambre-Tal ihr Leben ließen. Rue du Cimetière des Français 87 - 5060 Sambreville

29


30

An der Maas belagerte die 2. deutsche Armee die Stadt Namur von ihren Stellungen im Nordosten aus. Am Abend des 23. August drang sie in die Stadt ein, während es den belgischen und französischen Truppen durch einen Rückzug nach Südwesten gelang, sich nicht einkreisen zu lassen. Die Forts des Festungsrings wurden nach dem Beschuss durch schwere deutsche Artillerie vom 23. bis 25. August eingenommen. In der Stadt behandelte man die Zivilbevölkerung wie Freischärler und hielt die Amtsträger als Geiseln. Als im Zentrum der Stadt ein Schuss ertönte, breitete sich Panik aus. Etwa 30 Zivilisten wurden erschossen. Am 24. August brach ein Feuer im Rathaus aus und griff auf die Wohnhäuser am Grand’place über.

Soldatengräber auf dem Gemeindefriedhof von Belgrade Neben dem bereits erwähnten Soldatenfriedhof von Marchovelette wurden auch auf dem Ehrenfeld des großen Gemeindefriedhofs von Belgrade zahlreiche Gefallene der beiden Weltkriege beigesetzt. Sie stammten aus Frankreich, Italien, Russland, dem Commonwealth und natürlich Belgien.

Chaussée de Waterloo 458 - 5002 Namur


31

Fotos aus dem Jahr 1915 mit dem zerstörten Ortskern von Tamines

Am 21. und 22. August überquerte der Feind die Sambre bei Auvelais und Tamines nach grausamen Kriegsverbrechen an den dortigen Einwohnern. Etwa 50 Zivilisten wurden in Auvelais und Arsimont hingerichtet. Am Morgen des 22. August nahmen die deutschen Truppen ohne großen Widerstand die Brücke in Tamines ein, wobei sie die örtliche Bevölkerung als menschlichen Schutzschild und als Arbeitskräfte zur Räumung der Wege einsetzte. Am Abend flüchteten mehrere Hundert Bürger aus Tamines in die Kirche, als man ihr Dorf in Brand steckte. Die Männer wurden aus dem Gotteshaus gezerrt und auf dem Place Saint-Martin am Ufer der Sambre zusammengetrieben. Dort zwang man sie «Es lebe Deutschland» zu rufen, bevor man sie erschoss. In dieser Gruppe von 500 Männern gelang einigen die Flucht, während andere in der Sambre ertranken. Die meisten Überlebenden jedoch ereilte der Todesstoß mit dem Bajonett. So kamen allein in Tamines 383 Zivilisten zu Tode, die meisten auf dem Place Saint-Martin.


Denkmal der Erschossenen auf dem Place Saint-Martin in Tamines

32

Nach Kriegsende hatten die verbliebenen Bürger von Tamines das dringende Bedürfnis, der Tragödie vom August 1914 auf dem Place Saint-Martin zu gedenken. Sie errichteten zunächst ein Kreuz aus Holz, das 1923 in Beton ausgeführt wurde. Im August 1926 wurde dann in aller Feierlichkeit ein Denkmal mit einer originellen Skulptur eingeweiht. Eine weibliche Figur ragt aus der Komposition hervor, die Hände gen Himmel erhoben, während sie im Rücken getroffen scheint. Zu ihren Füßen liegen bereits die Leichen dreier Männer. An der Stützmauer der Brücke am Rande des Platzes wurden 3 Gedenktafeln eingelassen. Sie tragen die Namen der Opfer dieses Massakers. Die Gedenkstätte aus Kreuz, Denkmal und Stelen ist in eine Parkanlage eingebettet.

Place Saint-Martin 9 - 5060 Sambreville


Ansichtskarte mit den Kämpfen des 15. August in Dinant

33

Zwischen den Kriegshandlungen an der Sambre und in der Provinz der Provinz Luxemburg erhielt die 3. deutsche Armee den Befehl, die Maas zwischen Namur und Givet zu überqueren. Während die übrigen deutschen Streitkräfte sich nach Süden vorrückten, war die 3. Armee die einzige, die der Marschroute von Osten nach Westen folgen sollte. Zur Flussüberquerung wählte man die Übergänge bei Dinant, Houx und Hastière. Dort stieß die deutsche Armee jedoch auf heftigen Widerstand, den sie kleineren französischen Truppen mit Unterstützung der örtlichen Bevölkerung zuschrieb. Am 15. August und in der Nacht vom 21. auf den 22. August waren bereits mehrere Versuche fehlgeschlagen, Dinant einzunehmen und die Brücke zu erobern. Während das Oberkommando die Offensive vom 23. August vorbereitete, machten Gerüchte von Kämpfen mit der Zivilbevölkerung aus Marche und Dorinne die Runde. Die deutschen Truppen gingen bei der Einnahme Dinants daher von heftigen Kämpfen mit den Einwohnern aus.


An der Marschroute wurden Zivilisten aus ihren Wohnungen gezerrt und ihre Häuser geplündert und in Brand gesteckt. Die Männer wurden auf der Stelle erschossen oder erst an anderen Orten zusammengetrieben und dort gemeinsam hingerichtet. Selbst Frauen, Kinder und alte Leute blieben nicht verschont. Die Vororte nördlich und südlich der Stadt traf es besonders hart, während die deutschen Truppen es unter anhaltendem französischen Beschuss nicht schafften, in das Zentrum einzudringen. 34

Die Mauer der Erschossenen in Dinant Im August 1914 wurden in Dinant 674 Zivilisten an mehreren Stellen der Stadt hingerichtet. Die meisten starben in der Nähe des Gefängnisses an der Hauptstraße vor der Mauer eines Privatanwesens («Propriété Tschoffen»). Nicht weit vom MaasUfer entfernt wurden über hundert Bürger aus Dinant vor einem Erschießungskommando in eine Reihe gestellt und mit Waffen niedergestreckt. Um an diese Tragödie zu erinnern, wurden nach Kriegsende Schrifttafeln an der Gedenkmauer angebracht, zu der in der Folgezeit viele Besucher pilgerten. Im August 1927 wurde dann eine große Bronzetafel an der Mauer befestigt. Sie ist ein Werk des Brüsseler Bildhauers Franz Huygelen.

Rue Alexandre Daoust 19 - 5500 Dinant


Denkmal von Spontin

2

Das Dorf Spontin wurde 1914 restlos zerstört. Die deutschen Truppen exekutierten mehr als 40 Einwohner, darunter den Bürgermeister und den Pfarrer. An diese Tragödie erinnert ein elegantes Denkmal eingangs des Dorfes an der Straße HuyDinant. Es wurde auf einem kleinen Platz zwischen dem ehemaligen Bahnhof und der mittelalterlichen Burg errichtet und trägt die Namen der Märtyrer von Spontin. Oben auf dem Sockel legt eine weibliche Figur, die sich an einen Obelisken lehnt, einen Blumenkranz nieder. Das Denkmal wurde im August 1922 eingeweiht. Chaussée de Dinant 25 - 5530 Yvoir

Den ganzen 23. August lang und auch am nächsten Tag tobten die Kämpfe an der Oberen Maas bei Dinant und in der Umgebung mit ungeheuerlicher Brutalität. Zwei Drittel der Häuser in Dinant wurden zerstört und 674 Einwohner hingerichtet. In den Dörfern entlang der Maas war der Schaden gewaltig. Bouvignes hatte rund 30 Todesopfer zu beklagen, während die Dörfer Houx, Hermeton und Hastière dem Erdboden gleichgemacht wurden. Auch das Dorf Spontin auf der Hochebene wurde völlig zerstört, wobei der Feind etwa 40 Einwohner hinrichtete. Die Gräueltaten setzten sich am linken Maas-Ufer fort. Am 25. August 1914 wurde auch das Dorf Surice an der Straße zwischen Dinant und Philippeville zerstört, wobei 50 Einwohner zu Tode kamen. Am nächsten Tag verließ die 3. deutsche Armee das belgische Territorium und vernichtete dabei das Dorf Frasnes-lez-Couvin, wo etwa 10 Zivilisten starben.

35


DIE SOLDATENFRIEDHÖFE

36

Die blutigen Auseinandersetzungen in der zweiten Hälfte des Monats August 1914 haben das Gebiet bis an die Grenzen der Provinz weiträumig mit Grabstätten übersät. Heute noch sind auf zwei Namurer Friedhöfen Soldatengräber aus dem Ersten Weltkrieg zu besichtigen. Es handelt sich dabei um den Soldatenfriedhof von Marchovelette und den großen Gemeindefriedhof von Belgrade, welche bereits beide erwähnt wurden. In Auvelais zählt der Friedhof zum bretonischen Leuchtturm 345 Grabstätten französischer Gefallener, die 1914 zu Tode kamen. Das erschreckendste Beispiel findet sich jedoch an der Grenze der Gemeinden Fosses-la-Ville, Sambreville und Aiseau-Presles zwischen den Provinzen Namur und Hennegau.

Soldatenfriedhof Soldatenfriedhof von Marchovelette Soldatenfriedhof von Belle-Motte


Soldatenfriedhof Belle Motte in Le Roux-Aiseau

2

Am Rande der Dörfer Le Roux und Aiseau sind auf einem Soldatenfriedhof mehr als 4.000 französische Soldaten in 1.179 Einzelgräbern, 3 Massengräbern und 2 Beinhäusern beigesetzt. Der Friedhof wurde 1923 von General Passaga, Kommandant in Rennes, eingeweiht. Hier ruhen vor allem Gefallene aus der Bretagne, der Normandie und Nordfrankreich. Da der Friedhof 1917 vom deutschen Heer angelegt wurde, fanden sich hier auch deutsche Grabstätten, die jedoch Ende der 1950er Jahre nach Langemark verlegt wurden. Das Hauptdenkmal, das diesen Friedhof heute ziert, besteht aus einem gotischen Bogen. Es handelt sich dabei um ein Kernstück aus einer Gedächtniskapelle, die 1917 von den Deutschen errichtet wurde. Eine Gedenktafel erinnert an die französisch-belgische Freundschaft, eine weitere wurde als Hommage der Arbeiterklasse von Aiseau «an die glorreichen französischen Soldaten» («aux glorieux soldats français») und eine dritte zu Ehren eines aktiven Mitglieds der Pilgerschaften Belle Motte angebracht, nämlich Ernest Cotelle, Vater eines im August 1914 in Le Roux gefallenen Offiziers.

Rue Belle-Motte 3 - 5070 Fosses-la-Ville

37


Französischer Soldatenfriedhof in Dinant + ehemalige deutsche Nekropole

38

Auf einem weiteren großen Soldatenfriedhof in Dinant liegen 1.104 Soldaten, die 1914 in dieser Gegend fielen. Die meisten von ihnen sind in Beinhäusern beigesetzt. Der 1923 von Marschall Franchet d’Esperey eingeweihte Friedhof ist mit einem Denkmal des Bildhauers Daoust aus dem Jahr 1927 dekoriert: «Der Ansturm» («L’assaut»).

In der Nähe dieses Friedhofs zeugt ein kreisförmiges deutsches Monument, das mit militärischen und religiösen Symbolen geschmückt ist, von einem ehemaligen deutschen Friedhof, der im Ersten Weltkrieg angelegt wurde. In dem einstigen Graben, der den Eingang der Zitadelle schützte, ist noch eine Gedenkstätte des Besatzers aus dem Jahr 1918 als Mahnmal an die Kämpfe vom 15. August 1914 zu sehen. Laut deutscher und französischer Inschrift enthält es die Asche von 12 deutschen und 58 französischen Soldaten.

Chemin de la Citadelle 15 - 5500 Dinant


Deutscher Soldatenfriedhof in Tarcienne

2

39

Weiter südlich, in Tarcienne, liegt ein kleiner Friedhof mit den menschlichen Überresten von 394 französischen Soldaten, 153 deutschen Soldaten und 2 russischen Kämpfern. Er ist praktisch in seinem Originalzustand erhalten, im Unterschied zu den anderen Friedhöfen, die im Ersten Weltkrieg von den Deutschen angelegt und in der Folge weitgehend umgestaltet wurden. Diese Ruhestätte weist zudem eine Kapelle und eine Reihe besonderer Monumente auf. Besonders erwähnenswert sind vielleicht das Grabdenkmal zu Ehren des Prinzen Friedrich von Sachsen-Meiningen, der am 23. August 1914 in Tarcienne zu Tode kam, und das Beinhaus mit den Überresten von 123 Franzosen und 71 Deutschen. Die Inschrift ermahnt den Besucher: «Jeder Tote könnte dein Bruder sein» («Chaque mort pourrait être ton frère»). Rue du Bois 20 - 5651 Walcourt


DIE FRIEDHÖFE DER ERSCHOSSENEN

40

Die Zivilbevölkerung der Provinz Namur musste bei der deutschen Invasion im August 1914 einen hohen Tribut zahlen. In wenigen Tagen wurden mehr als 1.500 Einwohner erschossen. Die meisten begrub man notdürftig an der Stelle ihrer Hinrichtung. Erst später erhielten sie eine geziemende Grabstätte auf dem örtlichen Friedhof. In einigen Fällen blieben die Toten auch zusammen an ihrer ersten Grabesstelle bestattet, die ursprünglich nicht als Friedhof gedacht war und sich so zu einer Nekropole entwickelte zum Gedenken an die Erschossenen. Die zwei beeindruckendsten Beispiele finden sich in Tamines und Andenne. Ansichtskarte


Friedhof der Erschossenen in Tamines

2

In Tamines wurden die Opfer der Massenerschießung auf dem Place Saint-Martin kurzerhand auf dem ehemaligen Friedhof um die Kirche begraben, die auf dem Platz selbst steht. Auf einer relativ engen Fläche mussten 384 Leichen in mehreren Massengräbern beigesetzt werden. Die Familien legten anschließend Kreuze mit Inschriften auf den Boden dieses Gräberfeldes oder brachten Gedenktafeln an der Kirchmauer gegenüber diesen Grabstätten an. Am Eingangstor der Einfriedung ist die Inschrift «Friedhof der Erschossenen» («cimetière des fusillés») zu erkennen. Bei einem Spaziergang über den leider stark überbelegten Friedhof entdeckt man zahlreiche weitere Inschriften mit den Namen der Verstorbenen und dem Todesdatum «22. August 1914». Einige Inschriften prangern die «deutsche Barbarei» an («la barbarie allemande»). Die meisten begnügen sich jedoch mit der Trauer um ein «Opfer» («victime») oder einen «Erschossenen» («„fusillé»). Einige Inschriften wurden 1916 vom Besatzer zensiert und tragen noch Spuren der Zensur. Der Friedhof steht seit Juli 2009 unter Denkmalschutz.

Place Saint-Martin - 5060 Sambreville

41


Friedhof der Erschossenen in Andenne

42

In Andenne geschah Ähnliches wie in Tamines, nur zwei Tage früher. Auch dort kam es zur Massenerschießung an der Maas, wo am Quai Pastor Zivilisten in Zehnergruppen hingerichtet wurden. Am Abend selbst und am nächsten Tag hob man Massengräber aus, um die Erschossenen zu beerdigen. Die Opfer waren schwer zu identifizieren, und auch nach dem Krieg ließ sich nicht genau feststellen, wie viele Andenner hingerichtet und auf diesem Friedhof begraben wurden. In den ersten Jahren nach dem Krieg brachte man Kreuze und Gedenktafeln an, bevor die Stätte 1920 eine komplett neue Gestalt annahm. Am 21. August 1920 wurde der Friedhof mit Kalksteinen und einer eleganten Stele eingeweiht. Die Namen der Opfer sind in die Randsteine der Blumenbeete eingraviert. Ein formschönes Flachrelief mit einer beflügelten weiblichen Figur ziert die Erschießungsmauer, an der sich die Tragödie abspielte. Die Einfriedung der Grabstätte ist im Art déco gehalten. Der bis heute sorgfältig gepflegte Friedhof steht seit September 1993 unter Denkmalschutz.

Rue Malevé 5 - 5300 Andenne


Friedhof der Erschossenen in Surice

2

Das Dörfchen Surice besitzt einen ähnlichen, wenn auch deutlich kleineren Friedhof. Im August 1914 machten die deutschen Truppen das Dorf dem Erdboden gleich, weil sie ein junges Mädchen beschuldigten, auf einen Offizier geschossen zu haben. Die Einwohner wurden einzeln hingerichtet und 37 von ihnen vorher aus dem Dorf auf eine Weide geführt. Dort wurden sie kaltblutig exekutiert. Nach dem Krieg friedete man die Stelle ein, um der Opfer dieses Kriegsverbrechens zu gedenken. Ein Kreuz aus Gusseisen erinnert düster an das Schicksal der Vermissten. Rue des fusillés 2 - 5600 Philippeville

Friedhof der Erschossenen in Heure Der vierte, eher bescheidene «Friedhof der Erschossenen» in der Provinz Namur liegt am Rande des Dorfes Heure. Diese Männer aus dem Nachbardorf Briscol wurden beschuldigt, auf die deutschen Truppen geschossen zu haben. Daher führte man sie vor einen Kriegsrat im Dorf Noiseux, wo sie zu Tode verurteilt und dann in Heure ein wenig außerhalb des Dorfs hingerichtet wurden. 1919 unternahmen die Bewohner von Heure eine Unterschriftensammlung, um ein Denkmal an der Hinrichtungs- und Grabstätte der Opfer errichten zu lassen. Dieses Denkmal wurde am 21. August 1920 eingeweiht..


KRIEGERDENKMÄLER

44

Die Denkmäler in der Provinz Namur zeichnen ein stylisiertes Bild vom Krieg. Der Palmenzweig und das Kreuz fassen die Kriegsgeschehnisse oft in Gegenden zusammen, die mehr oder weniger verschont blieben. Das Bildnis des Soldaten ist stoisch, freimütig oder stolz, solange man fernab vom Kampfgetümmel blieb. In den Märtyrerstädten oder den zerstörten kleinen Dörfern hingegen führt man die düsteren Schrecken vor Augen. Das Mahnmal spiegelt dann schlicht und einfach die erlittene Geschichte wider oder bringt, gelinde ausgedrückt, die Besonderheiten des Kriegsgeschehens in der Provinz zum Ausdruck. Die Denkmäler erzählen von Besatzung, Deportation und französischer Unterstützung. Die Denkmalkunst ist mannigfaltig und vieldeutig, doch haben die Monumente eines gemeinsam: Sie versinnbildlichen einen «großen» Krieg (im Französischen wird der Erste Weltkrieg auch als «La Grande Guerre», d. h. «der große Krieg», bezeichnet), weil er von hohen Idealen geprägt war. Man bringt Opfer im Namen der Erlösung, die der damalige «Kathopatriotismus», eine Art doppelspurige Religion, versprach. All diese Darstellungen handeln von Gott und Vaterland und reflektieren letzten Endes eher die Nachkriegszeit als den Krieg selbst. Oder anders ausgedrückt : Zwei Jahrzehnte der Sinn - und Identitätssuche finden hier ihren Ausdruck.


Unter den Opfern werden allen voran die Krieger geehrt. In ihrem Namen gehen die Gedenkinitiativen aus. An dem Provinzialdenkmal («Monument provincial») ist das Bildnis von fünf Soldaten festgehalten, als Infanterist mit der Waffe im Anschlag oder als Kavallerist im Kampf mit dem Feind. Sie sind die Helden, die an vorderster Front standen, die gelitten, durchgehalten und gesiegt haben oder ihr Leben auf dem Altar des Vaterlands opferten. Vor allem in der Provinz Namur beherrscht der Soldat die Szenerie in der Bildhauerkunst (37 %). Natürlich wird sein Tod auch beweint. Der Tod wird erneut still und rein dargestellt, ohne Leid, Blut und Schlamm. Die Uniform ist unversehrt, der Gesichtsausdruck kühl, die Agonie ästhetisch. Außerdem ist der Sterbende niemals allein. In Pontillas hält eine in sich gekehrte Jungfrau seinen Leichnam in den Armen. In Jambes sinkt er in die Arme einer dankbaren «Patria». Am Fuße des Denkmals von Couvin scheidet der junge Soldat unter den Blicken seines Waffenbruders dahin, ein Lächeln auf den Lippen, den Oberkörper entblößt, die Muskeln im Detail definiert. Der antike Faltenwurf und die Gelassenheit im Leiden verleihen seinem Tod etwas Passionshaftes.

45


Kriegerdenkmal von Assesse

46

Sehr oft (in 25 % der Bildnisse) wartet der Soldat stoisch auf den Abmarsch zur Front. Er ist aufrecht, emotionslos, ruhig, entschlossen. Er fürchtet sich nicht vor dem Grabenkrieg. In Assesse erhebt sich ein französischer Frontsoldat auf einem sechs Meter hohen Obelisken mit entschlossenem Blick und geballter Faust. Er steckt in einer sauberen, perfekt sitzenden Uniform und hat das Gewehr in der Hand, während er sich von dem Meilenstein 16 entfernt, von dem die Soldaten aus Assesse loszogen, um das Vaterland zu verteidigen, wie die Inschrift verrät. In Malonne ist der Soldat in voller Montur, mit aufgesetztem Helm, Patronentasche an der Hüfte und aufgepflanztem Bajonett. Fast schon priesterlich hält er Wache. Diese standardisierten Kriegerbildnisse sind in der ganzen Provinz zu finden, wie Exemplare einer Sammlung gleicher kleiner Zinnsoldaten. Die gravierten Schwerter an 10 % der Denkmäler haben etwas Ritterliches oder sogar Poetisches, wie im Fall des jungen Mannes im Lendenschurz, der auf dem Denkmal in Sclayn den Feind mit dem Schwert herausfordert. Die Krieger verharren nicht in einer Verteidigungshaltung. Vielmehr greifen sie an, wie die aufgesessenen Kavalleristen auf dem Provinzialdenkmal. Soldat des Kriegerdenkmals von Gembloux


Die Angriffsbereitschaft des Soldaten, wie sie in den Bildnissen der Provinz immer wieder vorzufinden ist (20 %), stellt eine bemerkenswerte Besonderheit dar, die auf die Dichte der Märtyrerstädte innerhalb der Provinz zurückgeht. In Tamines stürmen die Soldaten in den Kampf, das Bajonett aufgepflanzt, angetrieben von einer furchtlosen «Patria».

2

Auf dem Triptychon von Andenne nehmen drei Krieger, die sich mit furchterregendem Ungestüm in den Kampf werfen, eine zentrale und dominante Stellung ein. Am Eingang des Friedhofs von Dinant ist der abgebildete französische Frontsoldat entschlossen und bereit, den ersten Feind, der sich der Bevölkerung zu nähern wagt, mit dem Bajonett aufzuspießen. Kriegerdenkmal des Place du Chapitre in Andenne

w

Der Ansturm («L’Assaut») Dieses Werk aus dem Jahr 1927 stammt von dem Bildhauer Daoust. Es stellt einen französischen Soldaten dar, der einen Felsen erklimmt. Es trägt den Namen «Der Ansturm» («L’Assaut») und wurde von Marschall Pétain eingeweiht, den einst kein geringerer als Hauptmann Charles de Gaulle begleitete, der 1914 auf der Brücke von Dinant selber verletzt wurde.

47


48

Anderswo teilt der französische Frontsoldat die Ehren mit seiner gesamten Armee oder seinen belgischen Alliierten. So sticht im Kirchenfenster von Le Brûly ein gewisser Georges Wilmart mit französischem Käppi unter den wallonischen Kämpfern hervor. In Marchovelette ist es die Uniform, die den «1914 im 4. Sektor des Festungsrings Namur für Recht und Freiheit gefallenen» Belgier und Franzosen unterscheidet. Denkmal auf dem Soldatenfriedhof von Champion

Kollektives Gedenken ist vor allem dort vorzufinden, wo ein einfacher französischer Helm neben dem belgischen Pendant abgebildet ist, wie auf der Gemeindestele von Hastière oder am Denkmal des Rathauses von Dinant. Eingangs des französischen Friedhofs in der kleinen Stadt an der Maas stehen krähende gallische Hähne auf einer Einfriedung aus Geschosshülsen, um mit Stolz den Sieg der auf fremdem Boden Gefallenen zu verkünden. Denkmal des Rathauses von Dinant


Zwei Drittel der Denkmäler in der Provinz ehren «die für das Vaterland Gefallenen» («morts pour la patrie») oder bringen in irgendeiner Weise eine Hommage an den patriotischen Heldenmut, beispielsweise durch das Landeswappen, die Abbildung einer Königskrone oder ostentativ durch das Bildnis des Königs und/ oder der Königin. In dem Kirchenfenster von Le Brûly kniet das Monarchenpaar vor dem Altar und betet für das Heil der Kämpfer. Kirchenfenster von Le Brûly

Häufiger jedoch kommt der König zu Pferd vor, alleine, so wie auf der Büste von Andenne, wo er sich in Uniform mit antikem Faltenwurf und unbeirrtem, stolzem Blick in die Reihe ehrwürdiger Kaiser einzureihen vermöchte. Oben auf dem Triptychon von Andenne ist das Antlitz Alberts I. neben denen seiner Vorgänger abgebildet, als Zeichen dafür, dass die gesamte Monarchie väterlich über das Schicksal ihrer Soldaten wacht. Denkmal von Andenne

49


50

Das geläufigste patriotische Emblem ist der belgische Löwe. Er findet sich auf Stelen oder lauert stolz und wachsam am Fuße eines Obelisken. In Thon-Samson hat das liegende Königstier den Blick gen Osten gerichtet, als Herausforderung an den Feind. In Landenne hält der Löwe einen Palmenzweig im Maul und genießt den Sieg. In Floriffoux schreitet er lässig auf der Nationalflagge, die übrigens als «heilige Standarte» nicht seltener präsent ist. In Couvin weht sie siegreich im Wind, während sie in Malonne zur Trauer auf Halbmast steht. In Bouvignes drückt der Soldat sie gegen seine Brust, in Jambes umklammert er sie im Sterben. In Pontillas ist die Fahne um den Leichnam des Kämpfers gewickelt, der bereits in den Armen der Jungfrau Maria liegt und seinem Tod für Gott und Vaterland friedlich entgegensieht. Kriegerdenkmal von Thon-Samson


Denkmal für Veteranen der beiden Kriege in Tamines

51

In der Kunst der Kriegerdenkmäler unterscheidet sich die Vaterlandsfigur «Patria» − wenn auch nicht immer deutlich − von den anderen weiblichen Figuren durch Faltenwurf, ruhigen Blick und Gestik. In Havelange beispielsweise krönt sie den Soldaten, während sie ihn in Tamines zum Kampf antreibt. In Floreffe trägt sie selbst einen Lorbeerkranz. In einigen Bildnissen glorifiziert sie den Kämpfer für sein siegbringendes Opfer, in anderen genießt sie selber den Sieg des Landes. In Jambes fängt sie den taumelnden Kämpfer auf. In der anderen Hand hält sie einen gebrochenen Säbel, als beklage sie die sinnlosen Todesopfer. Diese pazifistische Note ist in der Provinz sehr selten, doch schlägt man hier kurzerhand die Brücke zur geschundenen «Patria». Auf dem Gemeindeplatz in Tamines erhebt in vier Metern Höhe eine antik gekleidete weibliche Figur die Arme mit einem Schmerzensschrei gen Himmel, während zu ihren Füßen drei Zivilisten liegen. Die Tragik dieser Szene wird durch den homerischen Aspekt des Todes bei einem der abgebildeten Männer verstärkt, der nur mit einem Lendenschurz bekleidet ist. «Patria» trauert, verzweifelt wirft sie ihr Haupt in den Nacken. Märtyrerdenkmal von Tamines Ort Saint-Martin


In der Provinz kommen nicht nur die im Kampf Gefallenen zu Ehren. Ganz im Gegenteil. Die Denkmäler sind oft eine Anklage an die vielen Leiden unter der Besatzung. In einem Fünftel der figürlichen Bildnisse ist der Zivilist mit seinem Schmerz dargestellt.

Denkmal der Fakultät Gembloux 52

Dieses imposante Denkmal ist ein Werk des Bildhauers Jules Lagae. Es wurde im Mai 1925 eingeweiht und ehrt die Studenten der Agronomischen Fakultät, die im Ersten Weltkrieg zu Tode kamen. Es steht in der Nähe des ehemaligen Abteipalastes und umfasst mehrere Flachreliefs in Bronze. Das größte dieser Reliefs zeigt die Siegesgöttin Victoria, die einen Blumenkranz zu Füßen der für das Vaterland gefallenen Helden niederlegt. Die Porträts der Toten sind auf 19 kleinen Medaillons realistisch nachgebildet.

Die unverblümten Inschriften ehren die «Opfer der teutonischen Raserei», die «Märtyrer der deutschen Barbarei», die «feige vom Feind Ermordeten». Hasserfüllte Bildnisse kommen weit seltener vor, doch es gibt sie, so wie in Walcourt, wo der belgische Soldat auf einen deutschen Helm tritt…


Der Märtyrer ist nicht der einzige Zivilist in den Bildnissen der Denkmäler. Hinzu kommen Figuren, die ihn beweinen. Auf dem Triptychon der Kirche von Andenne breiten die Überlebenden die Arme über den Erschossenen aus. Denkmal von Walcourt

Auf diese Weise ist etwa ein Dutzend Figuren in einer verworrenen und verwirrenden Szene verschlungen, um mehr noch den Schmerz als den Schrecken des Massakers an 218 Andenner Bürgern zu verbildlichen. Diese Art der Inszenierung ist vor allem für die Generation der 20er Jahre typisch, die der Krieg, auch wenn er beendet ist, als schmerzliche Lebenserfahrung begleitet und weiter trauern lässt. Das Denkmal von Cliche de Bois in Leffe stellt eine Witwe mit ihrem Waisenkind dar, die sich unter einem Herz Jesu umarmen. Auf der Stele des Friedhofs von Franière werfen sich die Frauen weinend und unter stöhnendem Schmerz zu Boden, während ihre gebeugten Männer deportiert werden. Denkmal von Andenne


54

In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen war der Totenkult regelrechter Teil der Religionskultur, da der Glaube an Gott und Vaterland in jener Zeit untrennbar verflochten war. Nach dem Ersten Weltkrieg, der wie ein Kreuzzug geführt wurde, erschien die Verchristlichung als logischste Form der Gottesverehrung für die noch tief katholische Bevölkerung. So wählte man auch oft (in 31 % der Fälle) die Kirche als den Ort, an dem überall in der Provinz Gedenkstätten errichtet wurden. Das lateinische Kreuz, das nicht selten neben Kriegskreuzen vorkam, ziert 46 % der Denkmäler. An weniger aufwendigen Gedenkstätten begnügte man sich meist mit einem solchen Kreuz und/oder einem Lorbeerzweig. Das Kreuz prangte aber auch an großen Skulpturen, nachdem das Kriegsende eine neue Frömmigkeit gegenüber den Heiligen und dem Herz Jesu ausgelöst hatte. Das Herz Jesu von Cliche de Bois in Leffe überragt eine vaterlose Familie, die Trauer und Trost in der Religion findet.


In der Provinz und mehr noch in einigen ländlichen Gegenden legte man größten Wert auf eine christliche Ehrung. Hastière, das selbst zu den Märtyrerstätten zählte, entschied sich für eine bildliche, glaubensstarke Darstellung mit einfachen Kreuzen und dem Herz Jesu. Märtyrerdenkmal von Hastière

55

In dem Kirchenfenster von Pontillas steht ein Kruzifix auf dem Schlachtfeld, das die Passion mit dem Opfer des Soldaten verknüpft. So liegt der Kämpfer, der soeben vom Kreuz gestiegen ist, in den Armen der Heiligen Jungfrau. Die Grenze zwischen Heiland und weltlichem Retter verblasst. Auch hier tut sich eine Kluft zwischen dem «großen Krieg», der das Verlangen nach Spiritualität in gewisser Weise erfüllte, und der historischen Realität auf. Bisweilen kommt die religiöse Prägung auch dezenter zum Vorschein, ganz subtil durch die Darstellung einer weiblichen Figur nach den Regeln der christlichen Ikonographie, so beispielsweise das Klageweib von Spontin. Nicht selten hat diese fromme Verehrung einen Hauch von Patriotismus, ohne dass dies widersprüchlich erscheint. In Marchovelette ist eine Fahne um das christliche Kreuz gehüllt und führt somit exemplarisch die Verflechtung von Gott und Vaterland in den 1920er Jahren vor Augen. Gräber des Soldatenfriedhofs von Champion


Schlusswort

von Professor Philippe Bragard

56

Die Provinz Namur ist übersät von Spuren und Narben der Gewaltwelle, die im August 1914 über das Land zog. Die hiesige befestigte Stellung hielt zwar nur begrenzt stand und erntete auch nicht den gleichen Ruhm wie der Lütticher Widerstand, doch auch die Namurer Gegenwehr war mitentscheidend und aller Ehren wert. Die wiederholten Massaker an der Zivilbevölkerung haben sich dem kollektiven Gedächtnis tief eingeprägt. So war der Exodus im Mai 1940 vor der erneuten Invasion eine direkte Folge der Kriegsverbrechen des Ersten Weltkriegs. Die Friedhöfe und Denkmäler zum Gedenken an jene Zeit sind auch nach einem Jahrhundert keineswegs vernachlässigt, sondern nach wie vor Treffpunkt für Gedenkfeiern und allgemein in gepflegtem Zustand. Die neun Forts von denen einige noch über die ehemalige Miltärstraße miteinander verbunden sind, waren einst gewaltige Kampfmaschinen zur Verteidigung des Territoriums. Die Forts haben zwar ihre Bewaffnung und ihre Panzerungen verloren, da diese nach dem Zweiten Weltkrieg verschrottet wurden, doch geben sie Aufschluss über die hohe belgische Ingenieurskunst jener Zeit. Sie spiegeln auch die damalige Bedeutung des Landes wider. Wandert man durch die hiesige Landschaft, so wird schnell die frühere Funktion als Schutzlinie deutlich. In den quasi unterirdischen Räumenerhält man zudem eine hautnahe Vorstellung vom damaligen Leben eines Soldaten. Die heutigen Überreste der Forts beherbergen übrigens eine außergewöhnliche Flora und Fauna. Noch ergreifender ist die Besichtigung der Soldatenund Erschossenenfriedhöfe. Die belgischen Militärgräber sind einheitlich mit Blaustein und Bronze-Gedenktafel verziert und stellen die im


Kampf Gefallenen allesamt auf gleichen Fuß im ehrenvollen Andenken. Im Fort Dinant und in Tarcienne finden sich französische und deutsche Soldaten in einem Mausoleum und auf dem Ehrenfeld vereint. Selbst die Zivilisten haben ihre eigenen umfriedeten Ehrenstätten, meist an einem Denkmal mit der Liste der Erschossenen. Auch die Gefallenendenkmäler halten die Namen der Opfer in Stein verewigt und erstrecken sich über eine große Bandbreite monumentaler Formen, die in der Geschichte der Bildhauerkunst oft unterschätzt wird. Einige sind sogar das Werk namhafter Künstler und spiegeln die ästhetischen Strömungen ihrer Epoche wider, ob Art déco oder die jüngsten Ausläufer des Jugendstils. Die symbolischen Elemente stellen den Betrachter vor eine spannende Entschlüsselungsaufgabe. In der gesamten Provinz Namur finden sich Spuren der Geschehnisse, die inzwischen ein ganzes Jahrhundert zurückliegen. Diese historischen Zeugnisse kann der Besucher jetzt an weitgehend unbekannten Stellen in Landstrichen, Städten und Dörfern mit eigenen Augen entdecken. Der Besichtigungsführer fasst alles Wichtige zusammen und begleitet den Besucher auf den Fußspuren unserer Vorfahren. So soll die Erinnerung an das Geschehene gewahrt bleiben, wie es unsere Pflicht als verantwortungsbewusste Bürger ist. Ohne Hass und Verbitterung müssen wir das Gedenken lebendig halten, damit sich die unseligen und grausamen Ereignisse nicht noch einmal wiederholen. Die einstigen Gefechtsund Kriegsschauplätze, die große Gräben durch Europa gerissen haben, laden heute zur friedvollen Zusammenkunft und belehrenden Rückschau ein, nach dem Vorbild weiterer, seit etwa 20 Jahren angelegter Besichtigungsrouten zum militärischen Erbe der verschiedenen Epochen.

57


SEHENSWÜRDIGKEITEN IN ZUSAMMENHANG MIT DEM ZWEITEN WELTKRIEG IN DER PROVINZ NAMUR Die Zitadelle Von Namur

58

Die Zitadelle inmitten des Festungsrings von Namur ist eine der größten Wehranlagen Europas. Die gesamte Stätte und ihre Festungen stehen unter besonderem Denkmalschutz der Wallonischen Region. Sie zeugen von mehreren Jahrhunderten der Belagerung und militärischer Architektur, angefangen im Mittelalter bis in das 20. Jahrhundert. Eine historische Stätte, die unbedingt sehenswert und in Belgien einzigartig ist! > Infos : http://www.citadelle.namur.be

Die Zitadelle und die Seilbahn von Dinant Im August 1914 war die Zitadelle von Dinant Schauplatz der Massaker und heftigen Kampfhandlungen zwischen deutschen und französischen Truppen. Zahlreiche Spuren, wie der französische Soldatenfriedhof und die ehemalige deutsche Nekropole, sind noch heute zu sehen.


Die Zitadelle ragt über das Maas-Tal und entführt Sie in die Vergangenheit, die Sie hier hautnah erleben. In den Festungsmauern erwecken naturgroße Figuren mehrere Kapitel der bewegten europäischen und belgischen Geschichte zu neuem Leben. Das Waffenmuseum und die Kanonen verleihen der historischen Stätte das nötige militärische Ambiente. Nicht zu vergessen auch der «eingestürzte» Schutzraum, mit dem Sie in den Grabenkrieg der Yser (1914-18) eintauchen. > Infos : http://www.citadellededinant.be

MUSEUM DER PIONIERE DER BELGISCHEN STREITKRÄFTE BELGIENS Entdecken Sie in mehreren Themensälen die Geschichte der belgischen Ingenieurskunst von 1830 bis heute. Im Außenbereich werden in einem Archäodrom Maschinen und Fahrzeuge präsentiert. Bibliothek. Öffnungszeiten: mittwochs nachmittags von 13.00 bis 17.00 Uhr. Wochentags nach Vereinbarung für Gruppen. An Wochenenden und Feiertagen geschlossen. > Infos : http://www.geniemus.be

59


ALS ERGÄNZUNG ZUR ENTDECKUNGSROUTE DES FESTUNGSRINGS NAMUR: Die befestigte Stellung von Lüttich

60

Der Festungsring Lüttich, der für seinen unerwartet heftigen Widerstand während der Invasion bekannt ist, gilt nach wie vor als eminenter Schauplatz des Ersten Weltkriegs in Belgien. Die meisten Forts dieses Festungsrings sind heute entmilitarisiert und für Besichtigungen geöffnet. Das Fort Loncin ist wohl das berühmteste Brialmonts. Als am 15. August die Geschosse der schweren Mörser (besser bekannt als «Dicke Berta») einschlugen, explodierte eine der beiden Munitionsräume und begrub 350 Verteidiger unter ihren Trümmern. Das Fort Loncin ist das einzige, dessen Bewaffnung von 1914 noch erhalten ist. Neben einer Besichtigung des Forts, das einen ergreifenden Blick auf den Explosionskrater und einen bewegenden Besuch der Krypta bietet, präsentiert das anliegende Museum eine gelungene Kombination aus Modellen und Sammlerstücken, darunter einige außergewöhnliche Exponate. Das Fort wartet mit einem szenografischen Rundgang auf, bei dem der Besucher die letzten Augenblicke der Garnison und die Explosion des Forts mit eigenen Augen erleben kann. > Informationen und Besichtigungen: www.fortdeloncin.be


Nationale Gedenkstätte der Forts Breendonk und Liezele Die Forts Liezele und Breendonk sind Teil des zweiten Festungsrings Antwerpen, der ab 1909 erbaut wurde, um die Stadt und den Hafen zu schützen. An den ersten Tagen im Oktober 1914 geriet sie unter massiven Beschuss und hielt dem Druck der deutschen Armee nicht lange stand. Das Fort Liezele ist inzwischen vollständig restauriert und zeigt sich wieder in seinem Originalzustand, während das Fort Breendonk im Zweiten Weltkrieg als Durchgangslager für politische Gefangene des Nazi-Regimes diente. Seit 1947 ist es eine nationale Gedenkstätte. > Nationale Gedenkstätte des Forts Breendonk Eintrittspreise und Infos: www.breendonk.be > Museum des Forts Liezele Eintrittspreise und Infos: http://www.fortliezele.be

Die Festungsringe Antwerpen: Entdecken, Experimentieren, Wiedererobern Die Forts um Antwerpen werden inzwischen nicht mehr militärisch genutzt. Vielmehr handelt es sich um naturbewachsene und einladende Begegnungsstätten für Jung und Alt. Entdecken Sie das reiche Angebot an Rad- und Wanderwegen, Konzerten, Aktivitäten für Jugendliche, Bogenschießen, Team-Building und vieles mehr. Für alle, die etwas Besonderes sehen und unternehmen möchten! > Auf www.fortengordels.be finden Sie alle Informationen über die Forts. www.antwerpen1914-1918.be

61


18 15 16 17 19 20 13 14 21 12 11 1 2 22 3 23 10 9 35 4 24 34 8 7 6 5 26 25 33 29 32 28 27 30 31

62

Belgischen befestigten stellungen Namur Fort Emines 2 Fort Cognelée 21 Fort Schoten 3 Fort Marchovelette 22 Fort ‘s-Gravenwezel 4 Fort Maizeret 23 Fort Oelegem 5 Fort Andoy 24 Fort Broechem 6 Fort Dave 25 Fort Kessel 7 Fort Saint-Héribert 26 Fort Lier 8 Fort Malonne 27 Fort Koningshooikt 9 Fort Suarlée 28 Fort Sint-Katelijne-Waver Anvers 29 Fort Duffel 1 Fort 1 – Wijnegen 2 Fort 2 – Wommelgem 30 Fort Walen 31 Fort Breendonk 3 Fort 3 – Borsbeek 4 Fort 4 – Mortsel 32 Fort Liezele 5 Fort 5 – Edegem 33 Fort Bornem 6 Fort 6 – Wilrijk 34 Fort Steendorp 35 Fort Haasdonk 7 Fort 7 – Wilrijk 8 Fort 8 – Hoboken Liège 1 Fort Liers 9 Fort Kruibeke 2 Fort Pontisse 10 Fort Zwijndrecht 3 Fort Barchon 11 Fort Noordkasteel 4 Fort Evegnée 12 Fort Sint-Marie 5 Fort Fléron 13 Fort Sint-Filips 6 Fort Chaudfontaine 14 Fort Merksem 7 Fort Embourg 15 Fort Liefstenhoek 8 Fort Boncelles 16 Fort Lillo 9 Fort Flémalle 17 Fort Stabroek 10 Fort Hollogne 18 Fort Ertbrand 11 Fort Loncin 19 Fort Kappelen 20 Fort Brasschaat 12 Fort Lantin 1


Anvers

9 1 8

2

7 6

12 1 2 3 10 11 4 9 5 6 8 7 Liège 3

5

4

Namur

63


1 2 3 8 9 10 13 18 21 22 27 29 30

64

32 33 34 35 36 38 39 41 43 46 47 4 5 7 14 15 16 17 24 25 6 11 19 26 28 31 37 44 45 12 20 23 40 42 48

Denkmal von Gembloux Denkmal der Fakultät Gembloux Denkmal von Sombreffe Denkmal von Boninne Denkmal von Thon-Samson Denkmal von Seilles Denkmal von Andenne Provinzialedenkmal Denkmal für General Michel Denkmal von Jambes Denkmal für Französisch soldaten Denkmal der erschossenen in Tamines Soldatendenkmal Lefeuvre Denkmal von Le Roux Denkmal von Mettet Denkmal von Assesse Denkmal der erschossenen in Spontin Denkmal von Ciney Denkmal von Rochefort Denkmal von Leffe Denkmal des Rathauses von Dinant Denkmal von Hastière Denkmal von Walcourt Denkmal von Frasnes-lez-Couvin Fort Emines Fort Cognelée Fort Marchovelette Fort Maizeret Fort Andoy Fort Dave Fort Malonne Fort Suarlée Fort Saint-Héribert

45

46

Friedhof von Champion Friedhof der erschossenen in Andenne Friedhof von Belgrade Soldatenfriedhof zum bretonischen Leuchtturm Friedhof der erschossenen in Tamines Soldatenfriedhof Belle Motte Friedhof der erschossenen in Heure Friedhof der erschossenen in Surice Soldatenfriedhof von Tarcienne

47

Mauer auf dem Place des Tilleuls in Andenne Zitadelle von Namur Museum der pionere der belgischen streitkräfte belgiens Zitadelle von Dinant Mauer der Erschossenen in Dinant Kirchenfenster von Le Brûly

48


Karte der historischen St채tten in der Provinz Namur

1 2 3 4

5 6 7 8

17

27 28 26 29 30

24

18 19 20 22 21 23 25

9

14

10 11 12 13

65

15 16

31 32 34 33 34 39 43

35

36

37

40 41 42

44 38


BIBLIOGRAFIE

HORNE, J., KRAMER, A., 1914, Les atrocités allemandes, Paris, 2005. DE SCHAEPDRIJVER, S., La Belgique et la Première Guerre mondiale, Bruxelles, 2004.

66

SCHMITZ, J., NIEUWLAND, N., Documents pour servir à l’histoire de l’invasion allemande dans les provinces de Namur et de Luxembourg, t.1-8, Bruxelles, 19201924. BRAGARD, PH., DOUETTE, D., VANDENBROUCKE J., TIXHON, A., Forts de la Meuse, place de Namur : images et textes de la construction des forts (18871892), Namur, 2010. FAQUE, Ch., Henri-Alexis Brialmont, les forts de la Meuse : 1887-1891, Namur, Les Amis de la Citadelle, 1987. AMARA, M., ROLAND, H, GOTOVITCH, J., DUMOULIN, M., Gouverner en Belgique occupée : Oscar von der Lancken-Wakenitz - Rapports d’activité 1915-1918, Bruxelles, 2004. BECKER, A., Les monuments aux morts: patrimoine et mémoire de la Grande Guerre, Paris, 1990. BODART, E., CLAES, M.-CH., TIXHON, A., Namur à l’heure allemande : 1914-1918, la vie quotidienne des Namurois sous l’occupation, Namur, Presses universitaires, 2010. BRAGARD, PH., CHAINIAUX, J., dir., Namur face aux «grosses Bertha» : le siège de la position fortifiée en août 1914, Namur, 2006. BECKER, A., Les Oubliés de la Grande Guerre : humanitaire et culture de guerre (1914-1918) : populations occupées, déportés civils, prisonniers de guerre, Paris, 2003. TIXHON, A., ROCHET, B., dir., La petite Belgique dans la Grande Guerre : une icône, des images : actes du colloque de Namur 24, 25, 26 et 27 novembre 2010, Namur, 2011.


ZUSAMMENFASSUNG

Einleitung

4

Die Forts der befestigten Stellung Namur

5

Massaker und Gräueltaten: Das Leid der Zivilbevölkerung 22 Die Soldatenfriedhöfe

36

Die Friedhöfe der Erschossenen

40

Kriegerdenkmäler 44 Schlusswort

56

Sehenswürdigkeiten in Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg in der Provinz Namur

58

Als Ergänzung zur Entdeckungsroute der befestigten Stellung Namur 60 Bibliografie 66

67


COLOPHON

Illustrationen : Archives de l’Evêché de Namur, fonds Schmitz

p. 24, p. 31, p. 33

Archives Photographiques Namuroises asbl :

p.11

Anne Autin-Simon :

p. 47, p. 68

Yvan Barbier : couverture,

p. 4-5, p.8

Jean-Yves Baugnée et Jean-Louis Gathoye (Natura 2000 Wallonie) :

68

Collection Philippe Bragard :

p. 18 p10

Mélodie Brassinne ©SPCPN :

p. 9, p.13, p.15-16, p. 30, p.50, p. 54

Franz Bruyère :

p. 36

Guy Focant ©SPW Patrimoine : couverture, p. 17, p. 32, p. 41-42, p. 58-59, p. 68 ©Fort de Loncin :

p. 60

©Fort de Lizele :

p. 61

Anne Franchimont ©Qualité Village Wallonie :

p. 55

Collection Prosper Ghys :

p.7

Collection Patrick Hilgers :

p. 8, p. 40

Bernard Janssens :

p. 28, p. 32, p. 51

Arjen Labee :

p. 17

Eric Lauwers :

p. 52

Collection Jacky Marchal, Namur : Claude Mathon : couverture, Dany Noé ©SPCPN :

p. 14 p. 17, p. 36, p. 55

p.2-3, p.23, p. 25-26, p. 29, p. 34-39, p. 42-48, p. 53

Nikola Smolenski :

p. 10

Yves Sorée ©Bibliotheca Andena :

p. 25

Philippe Tasiaux ©vision-aire.com :

p. 21

Daniel Van Acker ©Université de Namur/SAVÉ : Luc Wouters :

p. 49 p. 19-20

Kartographie : Province de Namur Verantwortlichen Redakteuren : Service Patrimoine culturel/Fédération du Tourisme de la Province de Namur Lektorat der deutschen Fassung : Änder Bruns Design-drucken : Imprimerie Provinciale de la Province de Namur


NOTIZEN

..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... .....................................................................................................

69


..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... .....................................................................................................

70

..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... ..................................................................................................... .....................................................................................................


Soldatenfriedhof zum bretonischen Leuchtturm


www.province.namur.be

www.commemorer14-18.be www.be14-18.be

DIE PROVINZ NAMUR INMITTEN DES ERSTEN WELTKRIEGS: BESICHTIGUNGSFÜHRER

www.paysdesvallees.be www.tourismegps.be

cgt.tourismewallonie.be

www.opt.be

De namurgrandeguerre  
Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you