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Wie machen Sie das, Herr Bogatu?

Teerkocher in der Sommerhölle Meine erste Kolumne der Spielzeit widmet sich traditionellerweise unserer «Sommerarbeit». Diese beginnt einen Tag nach der letzten Vorstellung und endet in der Regel sieben Wochen später mit dem Aufbau der ersten Produktion auf der Bühne. In dieser Zeit wird im Opernhaus an allen Ecken und Enden gebohrt, gehämmert, gespitzt, gefräst und dabei jede Menge Lärm erzeugt und Staub aufgewirbelt. Ziel ist es, sicherzustellen, dass alles eine weitere Saison funktioniert – da solche Lärm und Staub erzeugenden Arbeiten während der Spielzeit schlichtweg nicht durchgeführt werden können, ohne dass sie den Betrieb beeinträchtigen. Aufgrund von Wassereinbrüchen in den letzten Jahren mussten die Fussböden unserer Zuschauerterrasse im ersten und zweiten Rang saniert werden. Dort lief Wasser durch kleine Risse in die darunterliegende Isolation; die Bausubstanz fing bereits an, sich zu zersetzen. Der Boden und die Isolation mussten herausgerissen und erneuert werden. Für den Fall, dass es regnet, wurden diese Bereiche für die Sanierung mit Folien sauber überdacht. Sie fanden den Sommer heiss? Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten in der Sonne dieses heissen Sommers auf einer mit Folie abgedeckten Terrasse, und neben Ihnen kocht noch ein Fass mit heissem Teer, mit dem Sie den Boden abdichten müssen. Die Handwerker waren im wahrsten Sinne des Wortes abgebrüht – ich hätte das keine fünf Minuten ausgehalten. Abgedichtet werden musste auch der Bereich unserer Anlieferung: Hier lief bei viel Regen Wasser in unseren unterirdischen Lagerraum, und so regnete es dann auch auf unsere Dekoration. Während ich diesen Artikel schreibe, erfahre ich, dass diese Abdichtarbeiten sich verzögern. Das bedeutet, dass wir in den nächsten Tagen noch keine Dekorationen anliefern können – was natürlich etwas ungünstig ist, wenn man eigentlich ein Bühnenbild aufbauen möchte. Falls Sie beim nächsten Opernbesuch also keine Dekoration auf der Bühne sehen: Jetzt wissen Sie, warum. Auf der Bühne wurden unsere Punktzüge erneuert – für deren Leistungselek– tronik gab es keine Ersatzteile mehr, und die Mechanik kam an ihre Nutzungsgrenze. Die neuen Punktzüge können nun 300 kg statt 200 kg ziehen. Wie jedes Jahr wurde der Bühnenboden an den Stellen ausgetauscht, an denen er sich so stark abgenutzt hatte, dass er nicht mehr eben war und sich grössere Holzspäne lösten. Das sieht einerseits nicht gut aus und ist andererseits auch eine Gefahr für unsere Tänzer und Tänzerinnen, die barfuss oder in Tanzschläppchen über die Bühne gehen müssen. Im Bernhard Theater wurde die elektrische Haupt- und Unterverteilung erneuert und eine neue Lichtregelanlage eingebaut, mit der nun mehr moderne Scheinwerfer angesteuert werden können. Für unsere kleinste Bühne – die Probebühne «Kreuzstrasse» –, auf der in den letzten Jahren zunehmend Kinder- und Jugendveranstaltungen stattfanden, haben wir eine kleine Lichtanlage fest eingebaut, so dass nicht jedes Mal zwischen Proben des einen Stückes und der Vorstellung eines anderen Stückes die Scheinwerfer und Leitungen im Weg stehen bzw. liegen. Insgesamt ist alles pünktlich bereit, um wieder mit Musik bespielt zu werden – ob mit oder ohne Deko, wird sich zeigen.

Illustration: Anita Allemann

Sebastian Bogatu ist Technischer Direktor am Opernhaus Zürich

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Profile for Opernhaus Zürich

MAG 61: Die Gezeichneten  

Schwerpunkte: Premiere «Die Gezeichneten», Eröffnungsfest 2018, Wiederaufnahmen «La verità in cimento», «Macbeth» und «La bohème»

MAG 61: Die Gezeichneten  

Schwerpunkte: Premiere «Die Gezeichneten», Eröffnungsfest 2018, Wiederaufnahmen «La verità in cimento», «Macbeth» und «La bohème»