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Drei Fragen an Andreas Homoki

Vorhang auf für die neue Saison Herr Homoki, wenn man sich den neuen Spielplan anschaut, fällt vor allem eine gewisse Kontinuität auf – etwa, was die Namen der Regisseure angeht. Welche Kriterien sind hier ausschlaggebend? Entscheidend ist immer die richtige Balance. Ohne eine gewisse Ab­ wechslung wird ein Spielplan eintönig, aber ohne Kontinuität wird er ge­ sichtslos. Als Regisseur habe ich natür­ lich bestimmte Vorstellungen, wie gutes Musiktheater aussehen sollte. Daher versuche ich immer, solche Kollegen einzuladen, die zwar unterschiedliche Handschriften aufweisen, in ihren künstlerischen Haltungen aber dennoch gewisse grundlegende Gemeinsam­kei­ten mit mir teilen. Für mich ist elemen­tar, Geschichten über Menschen zu er­ zählen, und zwar mit den ureigens­ten Mitteln des Theaters. Als Zuschauer möchte ich gefesselt werden und schätze es sehr, wenn ein Regisseur es schafft, mich mit einem vermeintlich bekannten Stück zu überraschen und spannend zu unterhalten. Selbstverständlich bleibt eine künstlerische Arbeit auch für den erfahrensten Regisseur immer eine Reise ins Ungewisse und beinhaltet Risiken. Ich drücke also die Daumen, dass auch die Produktionsteams der vor uns liegenden Saison am Ende eine so farbige und vielfältige Bandbreite auf die Bühne bringen werden, wie ich sie mir für ein lebendiges Musiktheater erträume. Welches sind Ihre ganz persönlichen Höhepunkte in dieser Saison? Zwei Projekte, mit denen wir die Genre-­ Grenzen noch weiter ausloten: Messa da Requiem von Verdi sowie Franz Lehárs Operette Das Land des Lächelns. Das Verdi-Requiem ist ja als Totenmesse ursprünglich nicht für die Opernbühne komponiert. Da aber Verdi auch in diesem Werk sein Theater­ blut in keiner Sekunde verleugnen kann, schreit es geradezu nach einer

szenischen Interpretation. Ich freue mich, dass Christian Spuck das Wagnis auf sich nimmt, eine spartenüber­ greifende Gemeinschaftsproduktion mit unserem Chor, seinem Ballett Zürich und nicht zuletzt vier hochkarätigen Gesangs­solisten für uns zu erarbeiten. Mit dem Land des Lächelns erfüllen wir uns und unserem Publikum endlich ei­ nen lange gehegten Wunsch und zeigen die erste Operette meiner Direktions­ zeit. Unser bisheriges Zögern liegt in dem grossen Respekt vor diesem Genre, nicht zuletzt wegen der hohen Anforde­ rungen an Leichtigkeit und Präzision, auch im Hinblick auf die Besetzung. Mit Piotr Beczala als Sou-Chong und Julia Kleiter als Lisa können wir dieses Meisterwerk endlich in einer Ideal­ besetzung präsentieren, die im besten Sinne an die Traditionen von Vorbildern wie Fritz Wunderlich und Anneliese Rothenberger anknüpfen kann. In dieser Spielzeit bilden zwei Dramen der griechischen Antike eine wichtige thematische Klammer: Médée von Marc-Antoine Charpentier und Orest von Manfred Trojahn. Was ist das Besondere an diesen Projekten? Orest von Manfred Trojahn ist ein ganz neues Stück, das erst 2011 in Amster­ dam uraufgeführt wurde und das wir als Schweizer Erstaufführung neu insze­ nieren. Ich bin sehr stolz, dass wir dafür keinen geringeren als Hans Neuenfels gewinnen konnten, der zum ersten Mal im Opernhaus Zürich arbeiten wird. Mit Médée greifen wir hingegen weit zu­rück ins bislang von uns etwas vernach­lässigte französische Barock des 17. Jahrhunderts. Ich persönlich freue mich dabei sehr auf das Wiedersehen mit dem Dirigenten William Christie, mit dem ich bereits in Aix-en-Provence eine Charpentier-Oper erarbeitet habe.

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Profile for Opernhaus Zürich

MAG 41: Der Freischütz  

Schwerpunkte: Premiere «Der Freischütz», Saison-Eröffnungsfest «offen 5», Kinderoper «Gold!»

MAG 41: Der Freischütz  

Schwerpunkte: Premiere «Der Freischütz», Saison-Eröffnungsfest «offen 5», Kinderoper «Gold!»