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40 Jubiläum Opernhaus

Vorstand 1890 an, nur die Theater AG selbst dürfte die Initiative zum Theaterneubau ergreifen. Das nötige Geld sollte durch eine Erhöhung des Ge­sellschaftskapitals von 116.000 Franken auf 1,5 Millionen Franken beschafft werden. Dazu mussten neben den bestehenden 250 Theateraktien 750 neue mit einem Nomi­nalwert von 1500 Franken gezeichnet werden. Das entsprach damals dem doppelten Jahresgehalt eines Seidenwebers in einer von Robert Schwarzenbachs Fabriken. Zwar richtete sich die Emission nicht an Proletarier, doch selbst für gut situierte Bürger waren 1500 Fran­ ken happig. Deshalb forderten einige Aktionäre, den Preis auf 500 Franken zu redu­ zieren – vergeblich. Die Mehrheit der Theater AG wollte keine unnötig breite Ab­ stützung im Aktionariat. Schliesslich wäre die Theaterleitung bei einer Emission von 3000 Aktien «auf unübersteigliche Schwierigkeiten gestossen in der Ausübung der eingeräumten Vorrechte bei der Bewerbung um Plätze für die Theatervorstellungen». Es folgte die Ernüchterung: Zwei Tage vor Ende der Zeichnungsfrist hatten erst 190 Personen 500 Aktien gezeichnet, so dass die Theater AG die Ausschreibung um zwei Wochen verlängern musste. Spott erreichte Zürich aus der Provinz: «Zürich steht vor der beschämenden Tatsache, dass es, einem Notschrei der Theatergesellschaft nach dem andern zum Trotz, kaum die 750 Aktien zu 1500 Franken zusammenbringt, ohne deren Zeichnung von einem Bau keine Rede sein kann», schrieb die Neue Glar­ner Zeitung. «Zürich will Grosstadt sein und bringt nicht einmal ein Schauspielhaus wie Basel – geschweige denn wie Genf zustande.» (NZZ 18.4.1890) Das war allerhand aus dem Glarnerland. Eine Woche später waren alle 750 Aktien gezeichnet.

Die Theaterplatzfrage Nachdem die Aktienemission erfolgreich über die Bühne gegangen war, stellte sich die Frage nach dem Standort des Musentempels. Und nun kam die Theater AG nicht mehr an der Stadt vorbei, denn nur diese verfügte über Landreserven für einen freistehenden, repräsentativen Bau. Der Stadtrat hiess das Gesuch der Theater AG gut mit der Begründung, die Stadt dürfe als eifrige Dienerin der Künste die Hände nicht sinken lassen, wenn es gelte, der Musik und der Schauspielkunst eine unentbehr­liche Stätte der Betätigung einzuräumen. Das genügte vorerst, um die Theaterplatzfrage in die Öffentlichkeit zu tragen. Nachdem eine erste romantische Idee aus Theater­ kreisen, das neue Haus einer Akropolis gleich auf dem Lindenhof zu errichten, fallen­ gelassen worden war, blieben zwei realistische Bauplätze: der Heimplatz, wo heute das Kunsthaus steht, und der Dufourplatz am Utoquai. Nun begann ein Wettbieten zwischen den angrenzenden Ausgemeinden, die sich von einem Theaterbau in ihrer Nähe wirtschaftliche Vorteile erhofften. Das erkannte der Stadtrat, der der Gemeinde Riesbach im März 1890 unverblümt mitteilte, dass im Falle der Annahme dieses Platzes «von Seite Riesbachs eine ökonomisch Entschä­ digung gewärtigt» würde. Prompt beschloss der Gemeinderat Riesbach, der Stadt Zürich eine Subvention von 50.000 Franken zu zahlen, sofern das Theater auf dem Dufourplatz gebaut würde. Davor hatte sich bereits Enge zu einer Subvention von 25.000 Franken verpflichtet. Hottingen und Fluntern boten zusammen «nur» 45.000 Franken. Das Stadtzürcher Parlament entschied sich für den Dufourplatz. Am 20. Mai 1890 traf sich die Theater AG mit städtischen Beamten zu Vertrags­ verhandlungen. Da es sich bei der Schenkung des Grundstücks und der Übernah­me der Tiefbauarbeiten um öffentliche Werte von immerhin rund 400.000 Franken han­ delte, wollte die Stadt die Leistungen an Bedingungen knüpfen. Sie verlangte von der Theater AG, ein vom Stadtrat bezeichnetes Mitglied in ihren neunköpfigen Vorstand auf­zunehmen. Zudem wollte Gemeinderat Bodmer die Theater AG dazu zu verpflich­ ten, «alle 14 Tage Vorstellungen gediegenen Inhaltes, seien es Opern oder Schauspiele, zu ermässigten Preisen abhalten zu lassen». Dadurch würde das Theater auch denje­ nigen Bevölkerungsschichten Zürichs geöffnet, die sich bislang kaum einen Theater­ eintritt hatten leisten können. Der Antrag wurde im Gemeinderat abgelehnt.

Profile for Opernhaus Zürich

MAG 41: Der Freischütz  

Schwerpunkte: Premiere «Der Freischütz», Saison-Eröffnungsfest «offen 5», Kinderoper «Gold!»

MAG 41: Der Freischütz  

Schwerpunkte: Premiere «Der Freischütz», Saison-Eröffnungsfest «offen 5», Kinderoper «Gold!»