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MAGAZIN ZUR SPIELZEIT 20.21

RÜCKBLICK Die Aktivitäten des Schauspielhaus Graz von März bis Juni 2020

HAUS EINS

EINBLICK Das Programm der Spielzeit 20.21 in

ÜBERBLICK Die Infos rund um Ihr Abo und weitere Angebote des Schauspielhaus Graz

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T L E W R E D IN R E M M I S T H GE SO ZU. REINEKE FUCHS Goethe Johann Wolfgang von


I N H A LT

15 #neuesdramazuhause 17 Neue Ensemblemitglieder 20 Welcher Abo-Typ sind Sie?

EINBLICK 22 Eröffnungspremiere:

DRITTE REPUBLIK (EINE VERMESSUNG) TEIL DREI DER KRONLANDSAGA

38 Despot als Lachnummer:

DER GRO�E DIKTATOR ein Theaterstück nach dem Film von Charlie Chaplin 41 Turbulenter Saisonabschluss:

EIN SOMMERNACHTSTRAUM von William Shakespeare

42 Pläne für HAUS ZWEI & HAUS DREI 44 Mögliche Wiederaufnahmen

von Thomas Köck

ÜBERBLICK

25 Klassiker im Fell:

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REINEKE FUCHS

von Johann Wolfgang von Goethe 28 Jelinek, heiter:

DAS LICHT IM KASTEN (STRA�E? STADT? NICHT MIT MIR!) von Elfriede Jelinek 30 Ohne Illusionen:

MAKING A GREAT GATSBY nach dem Roman von F. Scott Fitzgerald

Theaterpädagogisches Angebot von Schauspielhaus Aktiv 52 Abonnements und Kartenkauf 55 Theaterreferent*innen, Freundeskreis und Mitarbeiter*innen 57 Impressum

Heft #1 › ab Ende Juni 2020

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ÜBERBLICK Die Infos rund um Ihr Abo und weitere Angebote des Schauspielhaus Graz

Brief des Ensembles

nach William Shakespeare von Heiner Müller

EINBLICK Das Programm der Spielzeit 20.21 in HAUS EINS

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MACBETH

RÜCKBLICK Die Aktivitäten des Schauspielhaus Graz von März bis Juni 2020

#dramazuhause

34 Lord und Lady Macbeth im Gespräch:

Heft #2 › ab Oktober 2020

ÜBERBLICK Die Infos rund um Ihr Abo und weitere Angebote des Schauspielhaus Graz

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Diesmal: drei Hefte zur neuen Spielzeit 20.21

EINBLICK Das Programm der Spielzeit 20.21 in HAUS EINS

Davor / Mittendrin

Ensemble-Liederabend mit Texten von Grazer Bürger*innen

WAS ZÄHLT

RÜCKBLICK Die Aktivitäten des Schauspielhaus Graz von März bis Juni 2020

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DAS KOMMT AUF SIE ZU

MAGAZIN ZUR SPIELZEIT 20.21

2 Vorwort der Intendantin

32 Bürger*innenbühne reloaded:

MAGAZIN ZUR SPIELZEIT 20.21

RÜCKBLICK

Heft #3 › ab Dezember 2020


EDITORIAL

WIR SPIELEN, SICHER! Ende der Spielzeit 19.20 wollten wir in Graz gemeinsam mit Ihnen fünf Jahre Theatererfolge gefeiert und Fragen gestellt haben: die nach den Grenzen des Zusammenlebens, die nach Revolutionen, die nach der Entlarvung von Zukunft und die nach Heimat – denn was soll das sein?

internen Diskussionen sind manchmal beflügelt, manchmal getrieben von den aktuellen gesellschaftlichen Diskursen, manchmal auch aufgerieben zwischen dem Ruf nach politischer Korrektheit, einer elendig grassierenden Sprachverrohung und einer zunehmenden Ablehnung von Ambiguität.

Dann war plötzlich die Zeit innezuhalten: Schock, Stillstand, Ratlosigkeit und die Frage „Wie geht es jetzt weiter?“ Wir haben geplant, verworfen, ge­schoben, vertröstet, gehofft, gezweifelt und dann entschieden: Wir planen so, dass wir sicher spielen werden.

Das „Angst-Gespenst“, das seit 2015 durch Europa spukt, hat inzwischen Geschwister zur Seite bekommen: die Angst vor der globalen Zerstörung unseres Planeten und aktuell vor eine Pandemie im noch nie erlebten Ausmaß.

Die Basis unserer Überzeugungen, mit denen wir Spielpläne in Graz gestalten, sind heute wie vor der verordneten „Spielpause“ dieselben: Wie immer interessieren uns die Reibungen, die durch mensch­ liche Beziehungen entstehen; aber auch jene zwischen globalen Bewegungen und nationalen Abgrenzungsbestrebungen; die aufgeheizten Diskussionen pro und contra Europa; die Standortfrage von Nationen im globalen Zusammenhang. Immer wieder steht die Frage im Raum: Woher kam und kommt die Angst vor dem Fremden? Wie umgehen, mit dem system­ immanenten Rassismus? Ist es Sorge um unseren Wohl­stand, den wir gegen jede Form von gefühlter Be­ drohung sichern wollen? Oder ist es vielmehr eine Angst vor dem Fremden in einem selbst? Auch unsere

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Und genau darum interessiert uns die beunruhigende Frage gerade sehr: Was wird einmal gewesen sein? Alles scheint vorstellbar: Wird der Mensch ausgelöscht oder löscht er selbst den Planeten Erde aus? Wird unser wunderschöner Zwergplanet in Zukunft ganz ohne uns durch die Galaxie kreisen? Oder surfen wir selbst durch neue Universen? Wissen wir nicht, aber wir müssen leider davon ausgehen, dass der Mensch (mit-) verantwortlich ist für schmelzende Gletscher, brennende Wälder, neue Kontinente aus Plastik im Meer und andere Umweltkatastrophen. Und wenn wir es für möglich halten, dass der Planet Erde z.    B. durch ein Virus aus dem Nichts heraus von uns „befreit“ werden könnte, dann nutzen wir doch die Chance, die ein reflektiertes


Innehalten bieten kann! Die Schockstarre des Kaninchens vor der Schlange macht keinen Sinn. Nachdenken und in sich gehen schon. Richten wir also den Blick auf uns selbst – und machen wir weiter Theater. Denn bekanntlich bietet nichts mehr Freiheit als die Kunst: die sieht was wird, während wir nur sehen, was ist. Schützen die großen und kleinen Diktatoren die jeweiligen Nationen vor dem Fremden in uns und um uns herum? Feiern wir demnächst lieber weiter rauschhaft unseren Wohlstand? Wird die Bedrohung durch ein Virus bald wieder vergessen sein? Platzt gerade für immer der amerikanische Traum? Wachen wir nach wirren Träumen in einer heißen Sommernacht als „neue“ Menschen wieder auf? Da wir vieles nicht wissen, aber für Sie, liebes Publikum, sicher wieder spielen wollen, stellen wir Ihnen an dieser Stelle den Spielplan von HAUS EINS vor und bieten Ihnen – mit Sicherheit – Ihre Tickets. Die Stücktitel werden flankiert von Berichten und Reflexionen wie es zu diesem Magazin gekommen ist. Über unsere Pläne für HAUS ZWEI und HAUS DREI mit Schwerpunkt auf Gegenwartsdramatik informieren wir in einem im Oktober erscheinenden weiteren Magazin, im Dezember dann über unsere Festivalpläne im Sommer 2021. Besonders gefreut hat mich in diesen nicht immer leichten vergangenen Wochen die Treue unseres Schauspielhaus-Publikums. Für Sie spielen wir und auf das Wiedersehen mit Ihnen freuen wir uns un­endlich. Danke auch dem Freundeskreis des Schauspielhauses für die spontane und hilfreiche finanzielle Unterstützung einzelner Freier Künstler*innen unseres Hauses. Mit herzlichen Grüßen und Freude auf unser Wiedersehen, Iris Laufenberg

PS: Mein Dank gilt in dieser Zeit besonders allen Mitarbeiter*innen des Schauspielhaus Graz. Diese Menschen finden Sie unter www.schauspielhaus-graz.com/team/Abteilungen

SPIELZEIT 19.20

WO WIR ÜBERALL EINGELADEN  WAREN FESTIVALS › Autorentheatertage Berlin   /   Lange Nacht der Autor_innen: „Schleifpunkt“ von Maria Ursprung (Regie: Marie Bues) › Heidelberger Stückemarkt   /   Nachspielpreis: „jedermann (stirbt)“ von Ferdinand Schmalz (Regie: Daniel Foerster) › Mülheimer Theatertage: „Bookpink“ von Caren Jeß (Regie: Anja Michaela Wohlfahrt) › Ruhrfestspiele Recklinghausen: „Sterntagebücher“ von Stanisław Lem (Regie: Raphaela Möst) › Ruhrfestspiele Recklinghausen in Kooperation mit FIDENA (Figurentheater der Nationen): „Böhm“ von Paulus Hochgatterer und Nikolaus Habjan › Internationale Maifestspiele am Staatstheater Wiesbaden: „Böhm“ von Paulus Hochgatterer und Nikolaus Habjan GASTSPIELE › Theater am Kirchplatz Schaan, Liechtenstein sowie mehrere Vorstellungen am Burgtheater Wien: „Böhm“ von Paulus Hochgatterer und Nikolaus Habjan › Theater Casino Zug, Schweiz: „The Who and the What“ von Ayad Akhtar (Regie: Jan Stephan Schmieding) › Sophiensæle Berlin: „Ich, Tatort­ kommissarinnen“ (Eine Performance von Cora Frost, die Rabtaldirndln und Julia Gräfner) › Kirchen in Oberösterreich, im Burgenland und in der Steiermark: „Judas“ von Lot Vekemans (Regie: Markus Kubesch) SOWIE › Im Wettbewerb um den Großen Diagonale-Preis in der Kategorie Spielfilm bei der Diagonale’20: „Die Revolution frisst ihre Kinder!“ (Regie: Jan-Christoph Gockel, Kamera: Eike Zuleeg)

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D AV O R

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MITTENDRIN

Diese Comics stammen von Philipp Löhle und Patrick Bannwart und sind im Februar und im Mai 2020 für das Schauspielhaus Graz gezeichnet worden.

Philipp Löhle zählt zu den meistgespielten deutschen Theaterautoren und ist dem Schauspielhaus Graz nicht erst seit Beginn der Intendanz Laufenberg verbunden: In den vergangenen Spielzeiten zeigten wir u.   a. seine Stücke „Die Mitwisser“ und „Du (Norma)“ in HAUS ZWEI. Philipp Löhle und der Bühnenbildner und bildende Künstler Patrick Bannwart haben diese beiden Comics für das Schauspielhaus Graz verfasst und gezeichnet. Der erste Comic war für das ursprünglich geplante Spielzeitheft gedacht und entstand „vorher“, der zweite „mittendrin“, im Mai 2020; ein dritter wird hoffentlich „nachher“, im kommenden Magazin folgen und die dann gültige Situation reflektieren.

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D I G I TA L E S T H E AT E R

#DRAMA ZUHAUSE Nico Link in „Sterntagebücher“

Lukas Walcher in „Schwarze Milch“

Nico Link & Fredrik Jan Hofmann in „jedermann (stirbt)“

Die Spielzeit 19.20 wird als besondere in Erinnerung bleiben! Nicht nur aufgrund des Lockdowns, sondern auch, weil das Schauspielhaus bis zum abrupten Spielende einen überwältigenden Zuspruch mit einer Auslastung von 92 % erhielt.

Bereits am Wochenende nach Freitag, dem 13.  März, war klar: Unser Publikum soll nicht auf Theater verzichten müssen. In Windeseile wurden Ideen entwickelt, verworfen, überarbeitet, Konzepte erstellt und schlussendlich verschiedene Angebote geschaffen, um das Publikum weiterhin mit darstellender Kunst und zeitgenössischer Dramatik zu versorgen – wenn auch in digitaler Form.

Oliver Chomik in „Macbeth“

#BESTOFSCHAUSPIELHAUS Diese Reihe ließ die beliebtesten In­szenierungen der vergangenen Spielzeiten Revue passieren. Darüber hinaus wurden einzelne Stücke in voller Länge gestreamt – „Böhm“ von Paulus Hochgatterer sowie „Bookpink“ von Caren Jeß. „Cyrano de Bergerac“ von Edmond Rostand wird im Sommer folgen.

Es sollte sich zeigen, dass auch unser handverlesenes Angebot von digitalem Theater auf der Website des Schauspielhauses sowie auf seinen Facebook-, Instagram- und YouTube-Kanälen mit einer Vielzahl an Klicks, Likes und Kommentaren überaus erfolgreich „über die Bühne“ ging. Davon kann man sich auch weiterhin unter www.schauspielhaus-graz.com überzeugen.

Evamaria Salcher in „Heldenplatz“

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Beatrice Frey in „Vernon Subutex“

Sarah Sophia Meyer in „Die Physiker“

Beatrix Doderer in „Sterntagebücher“ Henriette Blumenau in „Welche Droge passt zu mir?“

#DRAMAZUHAUSE Susanne Konstanze Weber in „Niemand wartet auf dich“

WAS, WENN E S AM SONNTAG HE IẞT: DRINNENBLE IBEN. ALLE.

„Noch zuhause und bald wieder im Schauspielhaus“ lautete das Motto von #dramazuhause: In dieser Video-­ Reihe waren die Ensemblemitglieder im „Home­office“ kreativ und interpretierten kurze Texte und Szenen aus Stücken des Spielplans neu.

Anna Szandtner in „Bookpink“

Stefan Suske in „The Who and the What“

WOCHEN NICH T ENDEN Maria Urspru ng

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Andri Schenardi in „Die Physiker“

A M A A R M D A #DR # E S U E A S H UHAU ZZU

Nico Link in „Sterntagebücher“

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Margarethe Tiesel und Franz Solar in „Josef und Maria“

Fredrik Jan Hofmann in „Heldenplatz“


Frieder Langenberger in „Die Physiker“

Lukas Walcher in „jedermann (stirbt)“

FACH ICH FALL EIN ER TÜR DIREKT MIT D G. UN IN DIE WOHN ENDE APRIL Nele Stuhler

Fredrik Jan Hofmann in „Vernon Subutex“

Gerhard Balluch in „Vögel“

Julia Gräfner in „Macbeth“ Frieder Langenberger und Katrija Lehmann in „Vögel“

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Alice Peterhans, Sarah Sophia Meyer, Tamara Semzov und Julia Franz Richter in „Die Physiker“ Florian Köhler in „Heldenplatz“

Beatrix Doderer in „Sterntagebücher“

Frieder Langenberger in „Macbeth“

Clemens Maria Riegler in „Bookpink“

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Mathias Lodd in „Bookpink“

Sarah Zaharanski in „Schwarze Milch“

Maximiliane Haß in „All das Schöne“

Katrija Lehmann in „jedermann (stirbt)“

Frieder Langenberger & Mathias Lodd in „Bookpink“

Oliver Chomik in „Heldenplatz“

SO DAS WAR ANT. PL NICHT GE ZUSTAND SNAHME LT DER AU si ES IST HA la e -B n e Khu Eleonore

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Rudi Widerhofer in „Vernon Subutex“

Fredrik Jan Hofmann in „Judas“

Raphael Muff in „jedermann (stirbt)“

Maximiliane Haß in „Schwarze Milch“

IST DAS JETZ T   /    DAS PUFFER N VON DEM WIFI   /   D EIN BILD FRIERT EIN.

PUFFERN Stijn Devillé

Werner Strenger in „dritte republik (eine vermessung)“

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Frieder Langenberger in „Froschkönig“ von Thomas Perle

#NEUESDRAMAZUHAUSE Um zeitgenössischer Dramatik weiter­ hin eine Bühne zu bieten, arbeitete das Schauspielhaus an einer Reihe mit Kurzstücken, die die Situation zwischen März und Juni kaleidoskopartig re­flektieren. Dafür sind 20  Autor*innen aus verschiedenen Ländern beauftragt worden, „Mikrodramen aus der Krise“ zu schreiben, die, gespielt vom Ensemble, in kurzen Videos veröffentlicht wurden. (Die Stückzitate auf den Seiten 6 bis 16 stammen aus der Reihe #neuesdramazuhause.)

#NEUES DRAMA ZUHAUSE

Sarah Sophia Meyer in „vom hörensagen“ von Ferdinand Schmalz

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Evamaria Salcher in „Wochen nicht enden“ von Maria Ursprung

Maximiliane Haß in „Stacy-Lemonades magisches Geschäft“ von Caren Jeß

WIR MÜSSEN UNS NICHT WUNDERN, WIR FINDEN UNS ZURECHT.

MAI Teresa Dopler

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Oliver Chomik in „Wochen nicht enden“ von Maria Ursprung


VORSTELLUNGSRUNDE

AB HERBST DABEI Aus dem Rheinland in die Steiermark – die beiden neuen Ensemblemitglieder Lisa Birke Balzer und Alexej Lochmann im Gespräch. Was habt Ihr die letzten Wochen gemacht? Lisa Birke Balzer Ich habe von zuhause aus gearbeitet. Ich hatte viel zu organisieren, Premierenverschiebungen, Tourneen, Um­b esetzungen, und konnte auch eine Forschungs-­Residenz von zuhause aus wahrnehmen, die eigentlich in Flensburg gewesen wäre. Ich habe Texte geschrieben, ein bisschen Musik produziert und einen Kurzfilm geschnitten. Und ansonsten hatten wir endlich einfach mal Zeit. Alexej Lochmann Lisa war sonst immer viel auf Tour, und ich war im Theater eingebunden. Wir haben es tatsächlich noch nie erlebt, dass wir zwei Monate lang gemeinsam an einem Ort waren! Insbesondere, weil auch der ganze Freizeitstress, den man in diesem sehr speziellen Theaterleben auch oft hat, weil man in der wenigen Freizeit dann seine Familie oder Freunde besuchen will, plötzlich wegfiel. Alexej Lochmann, geboren in Karaganda im heutigen Kasachstan, studierte an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frank­furt am Main. In der Spielzeit 15.16 war er Mitglied des Schauspielstudios am Schauspiel Frankfurt. Mit der Inszenierung von „Fräulein Julie“ wurde Lochmann beim Festival Radikal Jung mit dem Kritikerpreis ausgezeichnet. In den letzten vier Spielzeiten gehörte er zum Ensemble des Düsseldorfer Schauspielhauses.

Was, glaubt Ihr, kann man als Schauspielerin, als Schauspieler, aus dieser Krise mitnehmen in das „Leben danach“? Alexej Lochmann Am Anfang hatten ja viele Theaterleute den Reflex weiterzumachen, vorzukommen, sichtbar zu bleiben, zu kommunizieren, es gab eine gewisse Rastlosigkeit. Lisa Birke Balzer Auch wir mussten erst mal runterkommen. Alexej Lochmann Ich bin zum Beispiel irgendwann ganz „unschuldig“ kreativ geworden, habe mich hingesetzt, irgendetwas

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Lisa Birke Balzer studierte von 2008 bis 2012 an der Folkwang Universität der Künste „Physical Theatre“, ein Studiengang, dessen Fokus auf der Entwicklung eigener Stücke liegt. Nach Abschluss ihres Studiums gastierte Lisa Birke Balzer unter anderem am Schauspielhaus Bochum, Schauspiel Essen, Theater Duisburg und realisierte zahlreiche Projekte in der Freien Szene, u.   a. mit der compagnie toit végétal, dem Theater Titanick, Toboso, und BorisundSteffi.

geschrieben, Musik gemacht und plötzlich wieder gespürt, warum ich diesen Beruf ursprünglich machen wollte. Lisa Birke Balzer Zu Beginn des Lockdowns hatte ich den Eindruck, als ob sich gerade ein kollektiver Burnout zeigen würde. Es wäre toll, wenn man die Erfahrung, welchen Wert es hat Zeit zu haben, mitnehmen könnte. Alexej Lochmann Zeit und Raum, um mit Muße über Dinge nachzudenken und sie entstehen zu lassen, ist wichtig. Manches entsteht eben besser aus der Kraft, die in der Ruhe liegt. Vielleicht muss man sich als Künstler*in stärker fragen, was man eigentlich braucht, um arbeiten zu können. Das ist auch eine gesellschaftliche, politische Frage, natürlich: Was braucht man eigentlich überhaupt, um gut zu leben? Lisa, Dein Weg hat Dich zunächst in die Freie Szene geführt. Was verbindest Du mit dem Schritt in ein festes Engagement, das Du gegen das selbst bestimmte Leben in der Freien Szene tauschst? Lisa Birke Balzer Ehrlich gesagt bin ich gespannt, ob genau die Veränderungen, auf die ich mich so sehr freue, mir auch schwer­ fallen werden. Ich habe große Lust darauf, mich ausschließlich auf die Arbeit als Spielerin konzentrieren zu dürfen – wobei natürlich die Vielfältigkeit der Aufgaben, die mir bei der Arbeit in der Freien Szene zugefallen sind, auch abwechslungsreich war. Das Spielen als solches hat sich oft wie eine Belohnung angefühlt. Ich freue mich extrem darauf, in der

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Stadt, in der ich lebe zu arbeiten – und werde bestimmt das tourbedingte Reisen und die Weltenwechsel, die sich durch die Zusammenarbeit mit so unterschiedlichen Compagnien ergeben haben, vermissen. Und ja, natürlich bringt die Arbeit in der Freien Szene eine gewisse Form der Selbstbestimmtheit mit sich – die aber eben extrem viel organisatorische Arbeit bedeutet, außerdem trifft man natürlich auch in der Freien Szene immer wieder Entscheidungen aus finanziellen Gründen. Es gibt einen gewissen Kitzel, finde ich, der aus der Unsicherheit der Freiberuflichkeit resultiert. Für die nächste Zeit Kontinuität und Sicherheit zu haben, ist aber für mich gerade sehr attraktiv. Und seit Corona sowieso eine irrsinnige Erleichterung. Alexej, Dich hat der Lockdown mitten in den Proben zu Deiner letzten Produktion in Düsseldorf erwischt. Kannst Du Dich noch vom Düsseldorfer Schauspielhaus verabschieden? Alexej Lochmann Ja, wir sind mitten in meiner letzten Produktion gestoppt worden, „Volksfeind for Future“ von Lothar Kittstein nach Motiven von Ibsen, eine Arbeit, auf die ich mich sehr gefreut hatte; auf den Regisseur und auch auf die Kolleg*innen. Wir waren mittendrin, und von einem Moment auf den anderen hieß es, dass wir jetzt aufhören müssen. Wir waren wie im Schock und dachten, gleich geht es wieder weiter. Ein paar Tage lang gab es dann noch viel Mailverkehr, neue Strichfassungen und so etwas, ich glaube, für mich liegt immer noch ein neuer Text an der Pforte     … Irgendwann war klar, dass das noch länger dauern wird. Ich hatte dann recht schnell ein Gespräch, dass ich umbesetzt werde, weil ich ja nach Graz gehe. Das habe ich natürlich verstanden, aber es ist merkwürdig, so ohne Abschied aus Düsseldorf wegzugehen. Nicht nur vom Düsseldorfer Schauspielhaus, sondern auch aus der Stadt. Alexej, Du hattest anfänglich ein bisschen Sorgen, ins Ausland zu ziehen. Was hat Dich zu der Sorge veranlasst?

sind Orte, die mir etwas bedeuten. Ich fliege höchst ungern und mit der Bahn komme ich einfach nicht so schnell dorthin. Und gerade ist die Selbstverständlichkeit von Mobilität ja auch etwas infrage gestellt … Vor einem Kulturschock hatte ich jedenfalls keine Sorge. Den hatte ich dann später aber doch noch, als ich im Zug jemanden was gefragt und dreimal nicht verstanden habe, obwohl er sich extra Mühe gegeben hat. Am Ende habe ich einfach so getan, als hätte ich ihn verstanden. Erst da wurde mir klar: In Österreich werden ein paar Dinge wirklich anders sein. Aber das war auch bei meinem Umzug zwischen Frankfurt und Düsseldorf schon so: In Düsseldorf fand ich es anfangs sehr seltsam, dass einen die Leute dort einfach so ansprechen. Inzwischen liebe ich das und mache es selbst so, auch in Hamburg, was dort alle irritiert. Wusstet Ihr vorher irgendetwas über Graz? Lisa Birke Balzer Arnold Schwarzenegger! Alexej Lochmann Über Graz selbst wusste ich nur das, was ich von einigen Freund*innen gehört hatte, die am Schauspielhaus gearbeitet haben. Alle haben immer so ein Urlaubsfeeling beschrieben, das in der Stadt herrscht ... Was habt Ihr als erstes vor, wenn Ihr in Graz angekommen seid? Alexej Lochmann Bei unserem letzten Aufenthalt in Graz, im Februar, waren wir die ganze Zeit essen. Damit bin ich noch lange nicht fertig. Lisa Birke Balzer Wir ziehen Anfang August um und haben dann vor Beginn der Spielzeit noch drei Wochen Zeit um anzukommen, die Stadt kennenzulernen. Wir freuen uns auf Euch!

Das Gespräch wurde am 20. Mai 2020 via Videokonferenz geführt.

Alexej Lochmann Wirklich nur die Entfernung zu den Städten, in denen meine liebsten Menschen sind: Familie und Freund*innen sind in Hamburg, auch Frankfurt und Düsseldorf

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ENTSCHEIDUNGSHILFE

10ER-BLOCK HAUS EINS

PREMIEREN ABO

10ER-BLOCK OPER & SCHAUSPIELHAUS

Große Emotionen, große Bühne, wann, wie oft und mit wem ich will! Sprech- und Musiktheater! Die Mischung macht’s und ich will beides.

Ich will als Erste*r wissen, was läuft.

WOCHENTAGS ABO

UND WELCHER ABO-TYP SIND SIE?

Ich will meinen Lieblingsplatz an meinem Lieblingstag.

Ich will Lampenfieber, Sekt und Premierenfeier – nicht nur in einem Haus.

PREMIERENMIX-ABO

Familienausflug? Natürlich. Am besten ins Next Liberty und ins Schauspielhaus.

Unter der Woche bin ich zu busy, Sonntag 15 Uhr passt perfekt.

SONNTAGNACHMITTAGMIX-ABO

DAS PROGRAMM VON HAUS EINS stellen wir Ihnen auf den folgenden Seiten vor. Über die für Sie passende Abo-Variante informiert der Service-Teil dieses Magazins bzw. berät Sie das Team des Ticketzentrums gerne.

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ZWABO


L E I P S U A SCH S N I E


PREMIERE | HAUS EINS

IST DAS NOCH ALBTRAUM ODER WIRKLICH SCHON GEGENWART?  DRITTE REPUBLIK (EINE VERMESSUNG)  Thomas Köck

Österreichische Erstaufführung DRITTE REPUBLIK (EINE VERMESSUNG) TEIL DREI DER KRONLANDSAGA Thomas Köck REGIE Anita Vulesica BÜHNE & KOSTÜME Anna Brandtstätter BÜHNENBILD & VIDEOAUFNAHMEN Frank Holldack MUSIK Bernhard Neumaier CHOREOGRAFIE Mirjam Klebel DRAMATURGIE Jennifer Weiss MIT Frieder Langenberger, Katrija Lehmann, Evamaria Salcher, Werner Strenger, Lukas Walcher, Schauspiel-Studierenden der KUG sowie einem Kinderchor (als Tonaufnahme) PREMIERE Fr, 11.     September 2020

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Anita Vulesica, geboren in München, aufgewachsen in Zadar (Kroatien) und Berlin, arbeitete als Schauspielerin u. a. am Berliner Ensemble, Deutschen Theater Berlin, an der Volksbühne Berlin sowie am Schauspiel Leipzig und in diversen Film- und Fernsehproduktionen. Zunehmend ist sie auch als Regisseurin gefragt; u.   a. am Düsseldorfer Schauspielhaus, Residenztheater München, Theater Basel und an der Volksbühne Berlin. Sie inszeniert erstmals am Schauspielhaus Graz.


Thomas Köck über Corona und andere Krisen „ich wurde gebeten, über europa zu schreiben, über grenzen, über ein virus und seine folgen und so. es ist naheliegend, denn es ist beschämend, was an den außengrenzen passiert, was der kapitalismus als virus dort schon seit jahren veranstaltet, während sich die privilegierten zu allen zeiten schon im homeoffice verschanzt haben, um noch einen rest an mehrwert zu produzieren.

es ist heuchelei, wenn man am balkon steht, um den (überwiegend weiblichen) unterbezahlten mit­ arbeiterinnen eines „gesund“ und „schlank“ ge­sparten gesundheitssystems zu applaudieren oder den menschen an der supermarktkasse, die man an­ sonsten maximal bemitleidet. es ist schlicht peinlich zu beobachten, wie parteipolitik krisen nutzt, um gesellschaftliche konflikte zuzuspitzen und eigene umfragewerte zu pushen, anstatt narrativa für eine gemeinschaft der zukunft zu entwickeln, anstatt sich zu entschuldigen dafür, dass man in den letzten jahren dachte, der markt würde eh alles regeln, aber dann reicht schon ein winziges virus aus und diese tollen märkte kollabieren, die armut explodiert, jobs gehen verloren und wir müssen zugeben, dass wir uns in ein alternativloses system hineinmanövriert haben, das keinen doppelten boden mehr besitzt – die geringste erschütterung lässt millionen an menschen umgehend tief stürzen und jetzt wäre der moment, um dieses verkackte system zu ändern. aber nichts und niemand öffnet die grenzen, verteilt die ärmsten und kommt den historischen pflichten dieses staatenbunds, dieses halben kontinents nach, alle hamstern sie häusl­ papier für den eigenen arsch. darüber habe ich die letzten wochen auch nachgedacht, hie und da, wie viele andere auch vermutlich, aber ich habe vor allem über eines nachgedacht, nämlich wie soll jemand, die / der mit ihrem / seinem eigenen verschwinden nie konfrontiert wurde, nie an diesen punkt gewandert ist, wie auch immer, wo man das eigene ende auffindet, wie soll so jemand denn überhaupt in der lage sein, das ende dieses systems zu imaginieren und also handlungsfähig über die eigenen scheuklappen hinaus werden?

DAS STÜCK Eine Landvermesserin steigt in Wien in einen „Postzug“ und an der Endstation, nach einer strapaziösen Fahrt durch kriegsver­ sehrte, entvölkerte Landschaften, wieder aus. Ihr Auftrag: die Grenze neu vermessen. Orientierungslos irrt sie mit einem riesigen Überseekoffer voller Präzisionsmessinstrumente durch einen Schneesturm. Bei einem einsamen Haus am Waldrand klopft sie an, ihr öffnet ein Kutscher ohne Kutsche, der sich ihr als Weggefährte aufdrängt. Zusammen begegnen sie skurrilen, ratlosen, verlorenen Gestalten, doch die Suche nach der zu markierenden Grenze bleibt vergeblich … Thomas Köck ist einer der herausforderndsten und gefragtesten Dramatiker*innen Österreichs, der mit bildgewaltiger Sprache Phänomene und Akteur*innen der politischen Gegenwart geschichtsmetaphorisch und höchst theatral fasst. Nicht umsonst spielt „dritte republik“ im Titel auf die 1994 unter Jörg Haider verfasste Programmschrift „Weil das Land sich ändern muss! Auf dem Weg in die Dritte Republik“ an, in der ein Umbau Österreichs von einer parlamenta­ rischen Demokratie zu einem Staat unter der quasi alleinigen Führung eines direkt­ gewählten Staatslenkers mit umfassenden Befugnissen skizziert wird. Doch das ist nur eine von vielen Ebenen und popkulturellen Referenzen von Jim Jarmusch bis Arnold Schönberg, die Köck in seinem neuesten Text kurzschließt. Was daraus entsteht, ist das Panorama eines taumelnden Kontinents zwischen europäischem Traum und nationalstaatlichen Sehnsüchten.

ich habe nämlich vor allem eines wieder einmal festgestellt: wir, in diesen darstellenden künsten, die musikerinnen, tänzerinnen, schauspielerinnen,

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r­ egiemenschen, die technik, bühne und wo er oder sie gerade ist, sondern nur diesen all die vielen anderen, wir arbeiten fürs verscheißtext zu ende bekommen möchte und schwinden – wir arbeiten nicht fürs wachseine energie in diesem widerstand zwischen tum, für die profitmaximierung oder um den körper und text freisetzt, an die ich mich markt zu dominieren. wir arbeiten noch noch jahre später erinnere, die mir noch jahre nicht mal fürs archiv, selbst als autor stelle später imponiert, ein moment, der nur ich immer wieder fest, beim schreiben zwischen uns stattgefunden haben wird, der will man an einen punkt mich aus diesem jammerkommen, wo man irgendmariannengrabental von en eb Man gab mir so wo im text verloren geht grenzschließungen, redas Geschenk und verschwindet, die nationalisierungen, kaputtns   / be Le s ne ei m texte werden einem dann gesparten gesundheitsdas Wissen von einem systemen und zerstörten eher gute freunde, schöne affären über eine bestimm- Ende der Nacht. kulturlandschaften herte zeit, aber halt autonome ausreißt und mir für den NK DAS GESCHE c oni otr Toc wesen, die „mich“ nicht bruchteil einer sekunde, mehr brauchen. unsere nein, viel länger eigentarbeit existiert nur in diesem und für diesen lich, der mir für den ganzen heimweg und kurzen augenblick – sie ist ein versprechen, die nächsten tage das gefühl gibt, dass man eine zukünftige erinnerung, eine liebeserdurch diesen scheißmonolog, durch diesen klärung und eine innige freundschaft, die im viel zu langen text, durch diesen viel zu langen moment ihrer sichtbarkeit verschwindet. abend und durch diese ganze beschissene die wir für einen wimpernschlag teilen und krise hindurchgekommen sein wird, dass es die uns da zusammenbringt, in einer liebeverschwunden sein wird, so wie wir uns vollwütenden verschwörung gegen zeit und immer und immer und immer wieder an den raum und welt und kapital. punkt hinspielen, an dem wir verschwinden, an dem wir etwas völlig neues entdecken in es gibt ein lied von dem / der drone künstler / und an uns, in zeit und raum und aus diesem in abul mogard, von dem/der unklar ist, wer verschwinden eben diese gewissheit mitbrindas ist oder wie viele, es heißt „half light of gen, dass auch all diese erniedrigungen, dass dawn“ und es läuft hier gerade, während ich all diese ungerechtigkeiten zwar nicht von das schreibe und es ist ein einziges langgeselbst verschwinden werden, aber auch sie zogenes verschwinden und es erinnert mich eines tages verschwunden sein werden.“ an diese wunderbarsten momente im theater: wenn etwas ganz und gar unerwartetes geschieht, das nur an diesem einen abend hier für diese paar menschen in diesem ort geschieht und ich meine das radikal kontingente, ich meine nicht, das gesamte geschehen, ich meine, wenn jemand plötzlich stolpert auf der bühne, wenn jemand auf einmal den text Thomas Köck Die Proben zu „dritte anders kapiert, wenn jemand, ohne es zu wissen, republik“ mussten im März abso im licht steht, dass ein ganz wunderbarer, gebrochen werden. Unter dem Einunerwarteter schatten ein völlig neues bild druck des durch die Corona-­Krise entstehen lässt, wenn jemand am ende ihrer verursachten Ausnahmezustands hat der Text eine neue Dimension oder seiner kräfte noch einmal einen ganzen und Dringlichkeit bekommen. monolog lang sich bis an die rampe kämpft Thomas Köck schickte uns dazu und dabei stottert und keucht und vergisst Mitte Mai diesen Text über Corona und andere Krisen.

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PREMIERE | HAUS EINS

T H C Ö M O N E S E I D ­ N I ICH N E T Ö N ­ N ­GROẞE S A W H C I ­GLÜCKL N E N N I S R NEUES E HS REINEKE FUC the ang von Goe Johann Wolfg


DAS STÜCK Mit 26 Jahren kam Goethe an den Weimarer Hof, arbeitete sich binnen kurzem zum Geheimen Legationsrat und Minister hinauf, wurde geadelt und war mit 33 Jahren der wichtigste Mann nach dem Herzog. Eine gewisse Kenntnis dessen, wie man Karriere macht und welche Eigenschaften man als Politiker braucht, wird er also besessen haben, als er 1793 seinen „Reineke Fuchs“ schrieb. Dieser ist der Inbegriff des sprichwörtlich schlauen Fuchses: Zu Beginn steht er am Hofe des Löwen-Königs Nobel als Angeklagter vor Gericht. Trotz wiederholter Vorladungen und Verurteilungen schafft er es immer wieder, seinen Hals buchstäblich aus der Schlinge zu ziehen – und am Ende zum Berater des Königs berufen zu werden. Dass diese „unheilige Weltbibel“ trotzdem keine moralinsaure Abrechnung mit den Abgründen und Ungerechtigkeiten des poli­ tischen Parketts wurde, sondern ein höchst unterhaltsames und vergnügliches Werk, liegt vor allem an der literarischen Form: der Tierfabel.

Mitte April dämmert uns im Schauspielhaus, dass wir ein neues Stück suchen müssen. Wir werden eine kürzere Probenzeit haben, vielleicht weniger oder schlimmstenfalls gar keine Werkstattkapazitäten. Aber wo anfangen mit der Suche? Welche Stoffe, welche Geschichten wird das Publikum im Herbst sehen wollen?

„Ich habe das Theater nicht gewählt, weil es Antworten gibt, sondern weil es ein Ort war, der anders war als alle Orte, die ich bis dahin gekannt habe: ein Ort der Wunder, mit eigenen Regeln. Und das vermisse ich gerade täglich. Ich habe Lust Geschichten zu hören und zu erzählen. Und ich habe Lust auf Lebenslust: saftiges, einladendes Er­ zählen und Menschen, die vereint einer Geschichte lauschen, fern von der Realität der Tageszeitungsheadlines“, schreibt die Regisseurin Mina Salehpour. Eigentlich wollten wir mit ihr zum Spielzeitauftakt ein besonderes Projekt realisieren: netflixartiges Binge Watching im Theater mit einer sechsteiligen Theaterserie über

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los, denn die Fabeln sind zeit r Archetypen Tiere sind imme ren Charakter­ und repräsentie nd. züge, die ewig si S­ tadt­entwicklung. Vielleicht holen wir das in einer anderen Spielzeit nach – die politische ­Dimension des Konzepts einer Smart City wird auch in Graz sicher noch länger Thema sein. Mina Salehpour liebt Romanbearbeitungen und so wurden im April und Mai zahlreiche dicke und dünne Bücher gewälzt, vor allem auf der Suche nach Schelmen und Narren vom Schlage eines Till Eulenspiegel oder Don Quixote. Sind das vielleicht Vorbilder, die uns lehren können, wie man heiter und optimistisch bleibt und durchkommt in schwierigen Zeiten? Schließlich landeten wir bei Goethes „Reineke Fuchs“, auch so ein unverwüstlicher Überlebenskünstler, allerdings einer mit Fell. „Lies mal den letzten Satz!“, schreibt Mina Salehpour. „Durch Goethes Sprache, aber auch dadurch, dass uns die Tiere so viele Darstellungsmöglichkeiten bieten, gibt es ein enormes Potenzial für Witz. Das ist eine schöne Einladung ans Publikum – und auch an die Spieler*innen: Tiere, die Versmaß sprechen, hallo?! Fabeln sind zeitlos, denn die Tiere sind immer Archetypen und repräsentieren Charakterzüge, die ewig sind“, meint Mina Salehpour. Allen voran Reineke, der schlaue Fuchs; durchaus ein widersprüchlicher Charakter: einerseits redegewandt, mutig, intelligent, treusorgend für seine vielköpfige Familie; andererseits ein Lügner, Dieb, Vergewaltiger und Mörder. Auch in diesem tierischen Pro­ tagonisten zeigt sich die Dualität von Gut und Böse, die Goethe sein Leben lang beschäftigt hat.

Mina Salehpour stellt sich mit dieser Arbeit am Schauspielhaus Graz vor. Die Regisseurin wurde in Teheran  /  Iran geboren, arbeitet seit 2011 als freie Regisseurin und inszeniert u.   a. am Schauspiel Hannover, an der Schaubühne Berlin, am Volkstheater München, am Badischen Staatstheater Karlsruhe und am Theater Bonn. Die Fachzeitschrift Theater heute nominierte sie 2012 als beste Nachwuchskünstlerin. Bis zum Ende der Spielzeit 19.20 ist Mina Salehpour Hausregisseurin am Staatsschauspiel Dresden.

REINEKE FUCHS Ein Epos in zwölf Gesängen von Johann Wolfgang von Goethe REGIE Mina Salehpour BÜHNE Andrea Wagner KOSTÜME Maria Anderski MUSIK Sandro Tajouri DRAMATURGIE Karla Mäder MIT Lisa Birke Balzer, Henriette Blumenau, Oliver Chomik, Beatrix Doderer, Beatrice Frey, Florian Köhler, Alexej Lochmann, Mathias Lodd, Raphael Muff, Franz Solar, Rudi Widerhofer PREMIERE Fr, 2.     Oktober 2020

„Gut gegen Böse – das ist immer spannend“, findet die Regisseurin und meint zum Schluss: „‚Reineke Fuchs‘ ist ein Thema unserer Zeit! Etwas langlebiger als Corona.“

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PREMIERE | HAUS EINS

KAUFEN  AUCH SIE, SOLANGE DER  VORRAT REICHT! DAS LICHT IM KASTEN (STRA�E? STADT? NICHT MIT MIR!) Elfriede Jelinek

DAS LICHT IM KASTEN (STRAẞE? STADT? NICHT MIT MIR!) Elfriede Jelinek REGIE Franz-Xaver Mayr BÜHNE & KOSTÜME Korbinian Schmidt MUSIK Matija Schellander DRAMATURGIE Daniel Grünauer MIT Johanna Sophia Baader, Oliver Chomik, Beatrix Doderer, Maximiliane Haß, Florian Köhler, Raphael Muff, Clemens Maria Riegler, Evamaria Salcher, Lukas Walcher PREMIERE Fr, 20.     November 2020

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DAS STÜCK

Franz-Xaver Mayr, geboren 1986 in Hallein, studierte Regie an der Zürcher Hochschule der Künste. Nachdem er in den vergangenen Spielzeiten u.   a. mit Sibylle Bergs „Menschen mit Problemen. Teile I bis III“ und Thomas Bernhards „Heldenplatz“ überzeugte, nimmt sich Regisseur Franz-Xaver Mayr mit Elfriede Jelinek einer großen Unbequemen der österreichischen Literatur an.

Jelineks Prosa ist sprach- und ­spieltriebgesteuert, deshalb wirkt sie lustvoll und verschreckend ­zugleich. Der Sprachklang ist oft ebenso wichtig wie Sinnzusammenhänge. Die Jelinek-Sätze bewegen sich in einer Art Stolpern und Gleiten voran, das die unaufhörlich auftretenden Widerstände betont, um sie gleichzeitig zu überwinden, wenn auch nur für den Moment. Jelinek benutzt dazu Montageund Collagetechniken und arbeitet auf verschiedenen Bedeutungsebenen. Jelineks Stimmen bilden kein psychologisches Theater, sondern vielmehr ein Stör­geräusch, einen widerstandsfähigen, sperrigen ­Dramentext, der für Rezipient*innen im ersten Er­ leben eher Wirrnis statt Wahrheit bedeutet – Störung als Form. Als Treibstoff dient am ehesten die Asso­ ziation. Der Perspektivwechsel als Motor bestimmt den Rhythmus.

Ihr sei nach einer Komödie, soll Elfriede ­Jelinek verkündet haben, ehe sie mit der Arbeit an „Das Licht im Kasten (Straße? Stadt? Nicht mit mir!)“ begann. Und in der Tat ist der Text voll komischer Pointen und doppelbödigem Sprachwitz – und zugleich (wie könnte es anders sein) immer ganz nah am Abgründigen und Existenziellen. Bild- und sprachgewaltig knöpft sich Jelinek das Thema Mode vor, das erklärtermaßen zu ihren eigenen Leidenschaften zählt: „Von wenig Dingen verstehe ich so viel wie von Kleidern“, behauptete sie einmal von sich selbst. Ihr fulminanter Streifzug durch die Welt der Mode erzählt von schönen Ober­ flächen und hässlichen Kehrseiten, vom Verhüllen und Enthüllen, von Sein und Schein, Vanitas und Vogue, Armut und Armani; vom lukrativen Geschäft mit der Sehnsucht danach, zu werden wie die Vorbilder, die uns von Werbeflächen und aus Leuchtkästen entgegenstrahlen; von der Unerbittlichkeit des Älterwerdens und dem verzweifelten Anrennen gegen den Tod, der sich auch von ständigen Kostümwechseln nicht täuschen lässt: „Sie glauben, diese Jacke könnte Sie dem Abgrund des Nichtseins entreißen? … Träumen Sie weiter!“ Und nicht zuletzt geht es in „Das Licht im Kasten“ um die Kosten unserer Kaufentscheidungen und eine immer schnelllebigere Modeindustrie, um Fast Fashion, Umwelt­zerstörung und die wahren „Fashion Victims“: jene ausgebeuteten und vernichteten Menschenleben, die stillschweigend in Kauf genommen werden, damit „ein Produkt, das gesät, angebaut, geerntet, gekämmt, gesponnen, gestrickt, geschnitten und genäht, veredelt, bedruckt, etikettiert, verpackt und transportiert werden muss, ein paar Euro kosten kann“, wie die niederländische Trendforscherin Lidewij Edelkoort meint.   2 9 


PREMIERE | HAUS EINS

DAS LEBEN BEGINNT NEU, WENN ES FRISCH WIRD IM HERBST. MAKING A GREAT GATSBY nach F. Scott Fitzgerald

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Drei Fragen an Regisseurin Claudia Bossard Was, glaubst Du, sollten wir im Herbst sehen wollen? Ich glaube, nach all diesem Gesitze und Hocken in Homeoffices in recht­eckigen Räumen vor rechteckigen Bildschirmen wird niemand mehr Sitztheater sehen wollen! Also Stücke, in denen Menschen sitzen und reden und von einem besseren Leben träumen. Vielmehr wünscht man sich Figuren auf den Klippen ihrer Träume, im Bewusstsein, dass vieles schon verträumt, vieles schon gelebt, und das meiste bereits ausgeträumt ist. Uns treiben gerade Fragen um, wie: Und was tun wir jetzt? Und: Welchen Ausgang können wir gesellschaftlich, global noch nehmen? Und genau dafür eignet sich eine Gatsby-Adaption tatsächlich hervorragend!

Die Schweizerin Claudia Bossard begleitet das Schauspielhaus Graz seit der Spielzeit 15.16 und hat zuletzt mit großem Erfolg Friedrich Dürrenmatts „Die Physiker“ in HAUS EINS inszeniert. Sie studierte Literatur- & Theaterwissenschaft an der Universität Bern, inszenierte in der Freien Szene in der Schweiz und arbeitete als Dramaturgin. In Graz inszenierte sie Henriette Dushes „Lupus in fabula“, das 2016 zum NachSpielPreis an den Heidelberger Stückemarkt und an die Autorentage Berlin eingeladen wurde, Ingeborg Bachmanns „Der gute Gott von Manhattan“ und Clemens Setz‘ „Erinnya“, ebenfalls eingeladen zum Heidelberger Stückemarkt.

Warum? Man kann diesen weltberühmten und als Inbegriff des amerikanischen Traums geltenden Roman, der aber auch dessen (kollektiven) Selbstbetrug thematisiert, analog zu Kafkas „Amerika“ assoziieren. In Kafkas Werk heißen die Suggestion und Verführungskraft des „Nature Theatre of Oklahoma“, einer Theatertruppe, den jungen Karl Rossmann willkommen und treiben ihn langsam in den Westen in Richtung Gold, Reichtum und scheinbarer absoluter Freiheit. Also wieder ein bisschen Schein und Sein und Theater im Theater, wie in Deiner letzten Arbeit bei uns, Dürrenmatts Groteske „Die Physiker“? Ich sehe auch im „Gatsby“ eine Groteske. Aber hier eine auf die Ideologie von individueller Identität, von marketingtreuer und -bewusster Selbstinszenierung, vom „Darstellen“ als Kulturtechnik – ein sehr reizvolles Unterfangen und ein bisschen „Nackter Wahnsinn“. Die Exzesse und die Dekadenz, die im Roman geschildert werden, lassen sich szenisch direkt übersetzen, und der Stoff lässt sich für eine Bühnenadaption inhaltlich, erzähltechnisch und auch auf der spielerisch-performativen Ebene um eine Achse weiterdrehen. Wohin, werden wir herausfinden.

MAKING A GREAT GATSBY Nach dem Roman von F. Scott Fitzgerald Aus dem Amerikanischen und bearbeitet von Claudia Bossard und Barbara Juch REGIE Claudia Bossard BÜHNE & KOSTÜME Frank Holldack, Elisabeth Weiß CHOREOGRAFIE Nina Stadler DRAMATURGIE Franziska Betz

DAS STÜCK In seiner Villa auf Long Island ver­ anstaltet der geheimnisvolle Jay Gatsby aufsehenerregende Partys. Niemand weiß so genau, wie der junge Mann zu seinem Reichtum gekommen ist – man munkelt über schmutzige Geschäftspraktiken, auch von Spionage und Mord ist die Rede. Der unverhofft in die illustre Partygesellschaft geratende Nick Carraway wird nach und nach zu Gatsbys Vertrautem und erfährt schließlich vom einzigen Zweck der ausschweifenden Feste: die Aufmerksamkeit seiner Cousine Daisy zu wecken, Gatsbys großer Liebe, die inzwischen mit einem anderen verheiratet ist. Das mit Nicks Hilfe arrangierte Wiedersehen führt jedoch nicht zum gewünschten Ziel, sondern schnurstracks in die Katastrophe. F. Scott Fitzgeralds Roman, erschienen 1925, gilt als ein Schlüsselroman über das amerikanische Jazz Age, dem ein kurzzeitiger Wirtschaftsboom zu Glanz und Wohlstand verhalf. Seine Protagonist*innen gehören einer jungen Aufsteigergeneration an, die sich von den Fesseln des Puritanismus befreit und neue Lebensvorstellungen und Rollenbilder für sich entdeckt. Aufgewachsen unter dem Eindruck des Ersten Weltkrieges, ist sie aber auch eine „verlorene Generation“, desillusioniert und ihrer Ideale beraubt, die sich weder um romantische Liebe noch um soziale Gerechtigkeit oder das größere gesellschaftliche Bild schert.

PREMIERE Fr, 11. Dezember 2020

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BB

PREMIERE | HAUS EINS

BÜRGER*INNENBÜHNE RELOADED WAS ZÄHLT Ein Ensemble-Liederabend mit Texten von Grazer Bürger*innen

Noch nie waren so viele Statistiken, Modelle und Zahlen im Umlauf wie heute. Gerade in Krisenzeiten begegnen wir ihnen überall: Fallzahlen in der Corona-Krise, benötigte Investitionen in einer Wirtschaftskrise oder Grad Celsius in der Klimakrise.

WAS ZÄHLT Ein Ensemble-Liederabend mit Texten von Grazer Bürger*innen TEXT & REGIE Miriam Tscholl KOMPOSITION Michael Emanuel Bauer BÜHNE Bernhard Siegl KOSTÜME Belén Montoliú VIDEO David Campesino DRAMATURGIE Elisabeth Tropper THEATERPÄDAGOGIK Timo Staaks PREMIERE Fr, 15. Jänner 2021

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In den vergangenen Monaten haben wir die Bedeutung von Zahlen in besonderer Weise zu spüren bekommen: Rechenmodelle, Infektionsraten und Reproduktionszahlen, die Reichweite von Aerosolen, Abstandsmessungen und Personenhöchstgrenzen – Zahlen bestimmen maßgeblich, wie wir leben, wie wir uns fortbewegen, wie wir den öffentlichen Raum nutzen und erfahren. Zahlen mögen auf den ersten Blick „kalt“ erscheinen, aber sie erhitzen unsere Gemüter und befeuern unsere Ängste, rufen zu Folgsamkeit oder Widerspruch auf, verwirren, verärgern oder beruhigen, werden diskutiert, in Frage gestellt oder geleugnet.


Zu keiner Zeit waren Zahlen einfach „da“. Sie wurden erfunden, um Ordnung und Übersichtlichkeit in die Welt zu bringen. Sie helfen uns, Schlüsse zu ziehen aus Phänomenen, die uns überfordern, und Prognosen für die Zukunft zu erstellen. Wir verlassen uns auf Expert*innen, die sie für uns interpretieren. Aber Zahlen lassen sich ebenso gut manipulieren. „Wer die entscheidenden Zahlen kennt, gar mit ihnen zu manipulieren versteht, hat das letzte, das alles bestimmende Wort. Jenes Wort, das in den Augen aller anderen zählt“, sagt der Mathematiker Rudolf Taschner. Welche Geschichten, Schicksale, Wendepunkte verbergen sich hinter diesen ab­ strakten mathematischen Objekten? Welche Konsequenzen ziehen wir aus Zahlen und welchen Wert haben sie für uns und unsere Zukunft? Und vor allem: Was zählt im Leben wirklich? Wir befragen Menschen aus Graz nach „ihren“ Zahlen und deren Bedeutung für ihr Leben und für unseres und verwandeln ihre Ant­worten in Musik. Denn während die Welt der kalten Zahlen nur wenige begeistern kann, hat Musik das Potenzial uns alle zu berühren. Dabei ist sie in ihrem Kern reine Mathematik!

WIR SUCHEN Geschichten von Broker*innen, Buchhalter*innen, Historiker*innen, Kassierer*innen, Klimaforscher*innen, Mathematiker*innen, Naturwissenschaftler*innen, Philosoph*innen, Schulkindern, Sozial­ hilfeempfänger*innen, Statistiker*innen, Virolog*innen, Zahlenmystiker*innen und anderen Menschen, in deren Leben Zahlen eine besondere Rolle spielen.

BB THE TIMES THEY ARE A-CHANGIN’ Miriam Tscholl, geboren in Freiburg i.  B, studierte Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis an der Universität Hildesheim, an deren Institut für Medien und Theater sie nach ihrem Diplom von 2004 bis 2008 als künstlerische Mitarbeiterin tätig war. Inszenierungen ihrer freien Theatergruppe Werkgruppe 1 wurden auf zahl­reichen europäischen Festivals gezeigt. Als Regisseurin arbeitete sie u.   a. in Hannover, Berlin, Mann­heim und Freiburg. Von 2009 bis 2019 leitete Miriam Tscholl die Bürger:Bühne am Staatsschauspiel Dresden, nach deren Modell wir vor zwei Spielzeiten unsere Bürger*innenbühne aufgebaut und konzipiert haben.

Wir stecken immer noch mitten in einer beispiellosen Zeit, die unser aller Leben auf den Kopf stellt. Dieser Ausnahmezustand wirkt auch in das Theater hinein: Neue Formen des Miteinanders, des Arbeitens und des Probens werden gerade gesucht und gefunden. Von diesen Heraus­ forderungen bleibt auch die Bürger*innenbühne nicht unberührt, die in ihrer dritten Spielzeit neue künstlerische Wege beschreiten wird. Wir sehen in der aktuellen Krise auch eine Chance, die angestammten Pfade zu verlassen und gemeinsam mit unserem Ensemble und zahlen­ affinen Menschen vor Ort alternative Formen der Bürger*innenbühne auszuprobieren. Miriam Tscholl wird gemeinsam mit dem Komponisten Michael Emanuel Bauer und Ensemblemitgliedern des Schauspielhaus Graz aus den vielfältigen Stimmen von Grazer*innen einen Liederabend entwickeln, der sich und uns die Frage stellt: „Was zählt?“ Dieses Mal werden also nicht Menschen aus Graz und der Steiermark selbst auf der Bühne stehen, sondern ihre Geschichten, Erfahrungen und Expertisen werden von der Inszenierung zum Klingen gebracht. Um einen nobelpreisgekürten Liedermacher unserer Gegenwart zu zitieren: „The Times They Are a-­Changin’“, „die Zeiten verändern sich“ – und wir uns mit ihnen.

Sie fühlen sich angesprochen und wollen Ihre Zahlen-Geschichte mit uns teilen? Bitte kontaktieren Sie: timo.staaks@schauspielhaus-graz.com.

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MACBETH Nach William Shakespeare von Heiner Müller REGIE Stephan Rottkamp BÜHNE Robert Schweer KOSTÜME Esther Geremus DRAMATURGIE Jan Stephan Schmieding MIT Henriette Blumenau, Oliver Chomik, Maximiliane Haß, Florian Köhler, Frieder Langenberger, Alexej Lochmann, Sarah Sophia Meyer, Raphael Muff PREMIERE Fr, 5. Februar 2021

PREMIERE | HAUS EINS

SO SCHÖN UND HÄSSLICH SAH ICH KEINEN TAG MACBETH nach William Shakespeare von Heiner Müller

Ein Gespräch mit Sarah Sophia Meyer und Florian Köhler über den Abbruch der Proben zu „Macbeth“ und anderes Die Proben zu „Macbeth“ sind am Freitag, dem 13.  März unterbrochen wurden. Wie erinnert Ihr Euch daran? Florian Köhler Das war ein seltsamer Moment, obwohl ja schon tagelang im Raum stand, dass da irgendwas kommt. Am Morgen des 13.      März wurde für 13 Uhr eine Betriebsversammlung im Zuschauerraum angesetzt. Wir hatten an dem Tag eine Bühnenprobe und

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haben den ganzen Vormittag Fahrten mit der Drehscheibe geprobt. Kurz vor 13 Uhr fanden sich langsam die Mitarbeiter*innen zur Versammlung ein und plötzlich standen da irre viele Leute auf der Seitenbühne, die zum Vorderhaus wollten, und schauten uns zu, der Zuschauerraum wurde immer voller und dann quollen auch noch Personen aus den Logen raus! Und wir haben immer weitergedreht und diese unfertige Szene geprobt, als ob die Katastrophe nicht stattfindet. Sarah Sophia Meyer Wir haben uns ein bisschen so gefühlt wie die Kapelle auf der


Titanic: Wir spielen, bis das Schiff untergeht – bis zum bitteren Ende, mit Blut und Licht und Sound. Seitdem sind gut zwei Monate vergangen, in denen das Schauspielhaus geschlossen, aber nicht untätig war. Wie habt Ihr diese Zeit verbracht? Sarah Sophia Meyer Ich habe meine handwerklichen Talente wiederentdeckt: hämmern, bohren, schleifen, auftrennen, zusammen­ nähen, ausmisten, umgraben, neu anstreichen. Also eigentlich das, was ich sonst mit Texten und Kolleg*innen mache, bloß mit anderen Materialien. Wie war das mit den geschlossenen Baumärkten? Hattest Du alles zuhause? Sarah Sophia Meyer In den ersten Wochen habe ich mir auf Spaziergängen alles zu­ sammengesucht, was ich brauchte, und als die Baumärkte wieder aufmachten, hatte ich eigentlich alles zusammen. Aber ich habe natürlich auch gemerkt, wie froh ich über meine privilegierte Situation bin: keine finanziellen Nöte, eine große, helle Wohnung, Essen im Kühlschrank. Am anstrengendsten fand ich die Unsicherheit, nie zu wissen, wie es weitergeht, und diese Unsicherheit war mit verschiedenen Emotionen eingefärbt. Florian Köhler Die ersten zehn Tage waren merkwürdig bei mir, weil ich ja einige Wochen mit dieser Rolle quasi unter Volldampf mit Tempo 150 unterwegs war und dann plötzlich stillstand. Ich konnte die ersten Tage gar nicht glauben, dass es jetzt erst mal nicht weitergeht. Ich war ja mehrere Wochen lang wirklich auf so gut wie jeder Probe anwesend und zwischen und nach den Proben habe ich Text gelernt. Dieser harte Rhythmus, der mich getrieben hat, der war plötzlich komplett weg. Aber dann hat sich eine große Gelassenheit eingestellt. Wir hatten ja auch ein bisschen zu tun mit den Filmchen fürs Internet, damit konnte man sich auch eine Zeit lang beschäftigen. Und meine Kochkünste habe ich verbessert! Und ich lese viel. Diese Situation hat auch ihr Gutes. Ich bin ja jetzt auch gerade Lehrer meiner Kinder in einer relativ freien Schule, der den Unterricht komplett in seine Freizeit integriert hat.

Sarah Sophia Meyer in #dramazuhause

dieses Danach war inschaftsstarke Geme ar, das gefühl spürb nders fand. o s e b r h e s h ic Welche Note gibst Du Dir als Lehrer? Florian Köhler In unserer Schulform gibt es keine Noten! Sarah, hast Du die Lady Macbeth auch unter Volldampf verlassen? Sarah Sophia Meyer Bei mir war das wie abgeschnitten. Ich bin nachhause gegangen und die Figur geriet völlig aus meinem Blick­ feld. Es ging wohl um andere Dinge. Einige Wochen später habe ich mich damit befasst, was da eigentlich passiert ist und festgestellt: Ich habe nichts davon, wenn ich mich allein in meinem resonanzlosen Raum mit meinen Gedanken dazu beschäftige. Theater geht nur gemeinsam. Und das ist genau das, was mir jetzt gerade so fehlt. Man kann sich zwar zum Spazierengehen treffen oder telefonieren und seine Gedanken austauschen, aber proben geht eben nicht. Ich brauche dafür Menschen.

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Könnt Ihr aus dieser Zeit etwas mitnehmen für Eure Figuren oder das Stück? Florian Köhler Ich glaube, für die Figur kann ich aus dieser Zeit nichts mitnehmen, außer unterbewusst vielleicht, denn „Macbeth“ ist ein ganz eigener Kosmos. Was ich aber sicher mitnehme, als Schauspieler, ist diese große Besonderheit unseres Berufs wieder zu spüren: dass man sich auch körperlich sehr nah ist. Momentan ist das ja auch privat schon die Ausnahme. Inhaltlich habe ich eine Parallele zum Stück darin gesehen, wie schnell nach den ersten Panikmomenten und den apokalyptischen Bildern z.   B. aus Italien das Streben nach Macht in der Politik wieder spürbar war. Als die Gefahr halbwegs gebannt war, ging es gleich wieder um Macht und Einfluss. Für mich ist das Stück ein Zoom in den menschlichen Abgrund hinein. Und gleichzeitig zeigt es, was für groteske Blüten so ein absurder Machthunger treiben kann. Daran arbeite ich. Worum geht’s für Euch in dem Stück? (Lange Pause.) Florian Köhler Das ist so eine Prüfungsfrage, oder? Sarah Sophia Meyer Welches Stück? (Lachen) Sarah Sophia Meyer Warte mal, ich habe das Textbuch hier. (Lachen) Grob gesagt geht es darum, dass man bereit ist über Leichen zu gehen, um etwas zu erreichen. Ich habe mir auch überlegt, welche Parallelen ich in der gegenwärtigen Situation zu „Macbeth“ sehe. Erst fanden ja diese Hamsterkäufe statt, aus dem Instinkt heraus, selbst zu überleben. Danach war dieses starke Gemeinschaftsgefühl spürbar, das ich sehr besonders fand. Ich habe mich in dem Moment mit den Leuten hier in dieser Stadt, in die ich ja vor fünf Jahren von außen gekommen bin, sehr verbunden gefühlt. Auf einmal waren wir alle am gleichen Punkt. Aber dann hat sich das doch wieder verflüchtigt: Manche ziehen sich zurück, andere glauben Verschwörungstheorien und wieder andere befolgen akribisch alle Maßnahmen der Regierung. Das große Gemeinschafts­ gefühl war schnell am Ende. Und was passiert

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Florian Köhler in #dramazuhause

Für mich ist d as Stück ein Zoom in den menschlichen Abgrund hine in. mit dem Menschen, wenn er sich selbst so wichtig nimmt und ins Zentrum von allem Geschehen stellt? Gibt es vielleicht noch etwas anderes als durchzudrehen und zu verein­ samen? Es geht halt nicht allein. Und genau das spüre ich jetzt: Ich brauche andere. Nicht nur um zu arbeiten, sondern auch um zu sein. Wie habt Ihr die Arbeit am Text erlebt? Florian Köhler Der Text in der Bearbeitung von Heiner Müller ist für mich die größte Herausforderung: zum Lernen, zum Denken, zum Sprechen! Sarah Sophia Meyer Ja, der Text ist lyrisch verdichtet, riesige Bilder in knappen Worten, und das verstehbar und erlebbar zu machen ist Arbeit. Welchen Satz aus dem Stück könnte man sich merken? Florian Köhler Ich habe viele Qualsätze, aber es gibt schöne, positive Sätze, z.   B.: „Komme, was kommen mag. Die Zeit mit Stunden quert den rauhesten Tag.“ Eine positive Durchhalteparole! Den ersten Satz von Macbeth finde ich auch schön: „So schön und hässlich sah ich keinen Tag.“ Mittlerweile schwimmen die Delfine wieder in Venedigs Kanälen, aber daneben gibt es massenhaft Tote.


Sarah Sophia Meyer Ja, bei mir läuft momentan auch einiges über Verdrängung, denn wenn ich mir das alles vor Augen halte, dann würde ich durchdrehen: „Bieg nicht deine Kraft unter gewohntes Denken“, empfiehlt Lady Macbeth. Und: „Denk dich nicht zu tief in deine Schwäche.“ Das kann man sich auch immer wieder mal sagen. Oder: „Dir fehlt, was unser Leben aus dem Tod hält: Schlaf.“ Das ist ein guter Rat, gerade jetzt, wo ich auch Entspannung und Verlangsamung erfahre, die gut tut. Wenn es nicht mehr weitergeht: erst mal drüber schlafen! Gibt es irgendwas, das Ihr jenen, die das jetzt lesen, sagen wollt? Sarah Sophia Meyer Bleibt uns treu, wir brauchen Euch, wie Ihr uns hoffentlich auch. Es gibt kein Theater ohne Publikum. Florian Köhler Ich hoffe, dass wir uns bald wiedersehen. Und zwar in echt!

Das Gespräch wurde am 14.    Mai 2020 als Videotelefonat geführt.

DAS STÜCK Er ist einer der berühmtesten Könige der ­Dramengeschichte, der vom treuen Lehns­ mann und tapferen Feldherrn zum er­ barmungslosen Schlächter und zur Geißel Schottlands wird. Doch was treibt den edlen Macbeth auf seinen blutigen Pfad zu unstillbarer Machtgier und zu Königsmord? Ist es sein eigener Ehrgeiz? Sind es die Ambitionen seiner Frau, einer schillernden Figur, die als Mittäterin schließlich dem Wahnsinn verfällt? Oder sind es die Prophezeiungen der drei Schicksalsschwestern, die Macbeth gekonnt mithilfe der Wahrheit täuschen, ihm schlaflose Nächte und Wahnvorstellungen bescheren? In jedem Fall bestätigt die tragische Geschichte von Aufstieg und Fall des Tyrannen Sigmund Freuds ernüchternde Einsicht, dass unter dem dünnen Lack von Zivilisation, der die Menschen umhüllt, eine Rotte von Mördern steckt. Der fatale Glaube an das Recht des Stärkeren, das zerstörerische Poten­zial des Aberglaubens, die Verführbarkeit durch die Macht und die dahinterliegenden mensch­ lichen Abgründe beider Geschlechter – Themen, die in diesem zentralen Werk Shakespeares bis heute faszinieren.

Stephan Rottkamp, geboren in Köln, studierte Theaterwissenschaften an der LMU München. Seit 2000 inszenierte er u. a . am Schauspiel Hannover, Residenz­t heater München, an den Münchner Kammerspielen, am Staatstheater Stuttgart, Staatstheater Braunschweig, Theater Freiburg, Düsseldorfer Schauspielhaus, Staatsschauspiel Dresden und am Burgtheater Wien. Von 2006 bis 2010 war er Oberspielleiter am Düsseldorfer Schauspielhaus. Im Schauspielhaus Graz hat Stephan Rottkamp u.   a. zwei bildgewaltige Klassiker inszeniert: Shakespeares „Sturm“ und Schillers „Maria Stuart“.

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PREMIERE | HAUS EINS

DEMOKRAZIE: SCHTONK! DER GRO�E DIKTATOR Ein Theaterstück nach dem Film von Charlie Chaplin

DER GROẞE DIKTATOR Ein Theaterstück nach dem Film von Charlie Chaplin REGIE Clara Weyde BÜHNE Anna Bergemann KOSTÜME Clemens Leander MUSIK Thomas Leboeg DRAMATURGIE Franziska Betz MIT u.   a. Julia Gräfner PREMIERE Fr, 9. April 2021

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DAS STÜCK Fünf Fragen zu großen Diktatoren im Film, auf der Bühne und im Leben an die Regisseurin Clara Weyde

Wenn Du die Möglichkeit hättest, ein Interview mit Charlie Chaplin zu führen, was würdest Du ihn fragen? Ich würde ihn fragen, ob er Verständnis hat für die zwei Arbeitslosen, die 1978 seinen Sarg entführten, um Lösegeld zu erpressen. Vielleicht hätte es ihn amüsiert. Seine Enkelin jedenfalls sagt, das sei ihr wie ein letzter Chaplin-Gag aus dem Grab heraus vorgekommen. Charlie Chaplins „Großer Diktator“ hatte vor 80 Jahren Premiere, fünf Jahre vor Ende des Zweiten Weltkrieges. Was interessiert Dich als Regisseurin heute an dem Stoff? Für die Bühne interessiert mich die Auseinandersetzung mit Despot*innen und mit der Inszenierung von Macht vor dem Hintergrund der gegenwärtigen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen, insbesondere der Frage, wie in Österreich und Deutschland mit dem Erbe des Nationalsozialismus und des

Zweiten Weltkrieges umgegangen wird. Zudem ist es natürlich eine große Freude, mit einem Werk zu arbeiten, das in Spielweise, Form und Wirkungsästhetik derart reich, präzise und virtuos ist wie „Der große Diktator“. Wie lässt sich der Stoff für die Bühne neu erfinden? Den Film möglichst detailgetreu für die Bühne zu kopieren ergibt für mich keinen Sinn. Stattdessen muss es darum gehen, unsere heutige Situation und Perspektive auf den Film sowie die historische Realität zu bedenken und szenisch mitzuverhandeln. Chaplin kannte das ganze Ausmaß der Verbrechen der National­sozialisten nicht. Wir tun es – und das verpflichtet uns Theaterschaffende, die sich an Chaplins Meisterwerk heranwagen, jeglicher Form der Verharmlosung des Nationalsozialismus, seiner realen Akteur*innen sowie seiner geistigen Grundlagen mittels Satire und Spielfreude entgegenzutreten.

1940 kam Charlie Chaplins erster Tonfilm in die Kinos. Gegen alle Wider­stände realisiert, wurde „Der große Diktator“ zu einem seiner größten Erfolge. In der Doppelrolle als megalomaner Diktator und ­liebenswürdiger jüdischer Friseur, der aufgrund seiner physischen Ähnlichkeit mit dem „Führer“ verwechselt wird, entzauberte Chaplin die demagogischen Strategien Hitlers und gab dessen größenwahnsinnige Ambitionen der Lächerlichkeit preis. „Hätte ich etwas von den Schrecken in den deutschen Konzentrationslagern gewusst“, wird Chaplin später in seiner Autobiografie einräumen, „ich hätte ‚Der große Diktator‘ nicht zustande bringen, hätte mich über den mörderischen Wahnsinn der Nazis nicht lustig machen können.“

Ist es in Ordnung, über einen Massenmörder zu lachen? Ja natürlich, auf jeden Fall! Heute sind wir da zwar an einem völlig anderen Punkt als Chaplin, als er den „Großen Diktator“ gedreht und damit filmisch etwas Neues erschaffen hat. Es gibt mittlerweile viele Werke, die sich humorvoll mit Hitler und dem National­sozialismus beschäftigen. Mir scheint

THE GREAT DICTATOR Copyright © Roy EXPORT S.A.S Charlie Chaplin™ © Bubbles Inc. S.A.

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dabei jedoch nach wie vor das Entscheidende, dass sich eine Satire nicht über die Opfer lustig macht. Sie muss in der Auswahl ihres „Feindes“ genau und in ihren Mitteln geschmackssicher sein. Dann ist sie das Werkzeug der Wahl, um sich mit Größenwahnsinnigen, Despot*innen, Manipulator*innen und eitlen Selbstdarsteller*innen auseinanderzusetzen und sie der Lächerlichkeit preiszugeben. Populisten sind in Europa auf dem Vormarsch. Wie erlebst Du unser Verhältnis zur Inszenierung von Macht? Ich persönlich habe den Eindruck, dass wir die Inszenierung von po­litischer Macht gegenwärtig stärker wahrnehmen als zum Beispiel noch vor 20   Jahren. Das wäre als Entwicklung im Sinne einer geschärften Wahrnehmung vielleicht gar nicht so schlecht, allerdings scheinen wir uns gleichzeitig zusehends daran zu gewöhnen. Wir rechnen quasi schon mit despotischem, irrationalem Verhalten von Staatsoberhäuptern, wir gewöhnen uns wieder an den Anblick von Militärparaden, Propa­ gandaauftritten und popkulturartigem Personenkult. (Selbst-)Inszenierung wird als politisches Werkzeug leider von vielen nicht mehr so sehr problematisiert.

Das Interview wurde am 23.    Mai 2020 per E-Mail geführt.

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Clara Weyde studierte zunächst Kommunikations- und Politik­ wissenschaft in München und Berlin und engagierte sich in Projekten der Entwicklungszusammenarbeit in Guatemala, Indien, China und Deutschland, bevor sie an der Theaterakademie Hamburg Regie studierte. Sie inszenierte unter anderem am Staatsschauspiel Dresden, am Theater Bielefeld, am Staatstheater Braunschweig, am Jungen Schauspielhaus Hamburg, am Theater Bonn sowie auf Kampnagel in Hamburg. In der vergangenen Spielzeit insze­nierte sie das im Rahmen der Autorentheatertage am Deutschen Theater Berlin uraufgeführte Stück „ruhig Blut“ von Eleonore Khuen-Belasi.

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PREMIERE | HAUS EINS

GUT GEBRÜLLT, LOWE!

EIN SOMMERNACHTSTRAUM William Shakespeare

Markus Bothe studierte Musik­ theater-Regie in Hamburg und inszeniert seither sowohl Musik­ theater als auch Schauspiel und Kinder- und Jugendtheater. Für seine Frankfurter Inszenierung von „Roter Ritter Parzival“ wurde er 2010 mit dem Deutschen Theaterpreis „Der Faust“ in der Kategorie Regie Kinder- und Jugendtheater ausgezeichnet. Am Schauspielhaus Graz ist er ein regelmäßiger Gast und inszenierte „Der Struwwelpeter“ und „Lulu“, beides mit der Musik der Tiger Lillies, Molières „Tartuffe“ sowie Edmond Rostands „Cyrano de Bergerac“ auf der Schloßbergbühne Kasematten, der in Graz als „Schauspiel-Erlebnis des Jahres“ gefeiert wurde.

Nach dem im wahrsten Sinne des Wortes blutigen „Macbeth“ beschließt passend zur Jahreszeit Markus Bothe („Cyrano de Ber­ gerac“ von Edmond Rostand auf den Kasematten, „Der Struwwelpeter“ und „Lulu“ von den Tiger Lillies) mit Shakespeares „Sommernachtstraum“ eine Spielzeit, in der manches anders sein wird als gewohnt. Genau wie in Shakespeares Komödienwelt: In Athen will bekanntlich König Theseus die Amazone Hippolyta heiraten. Doch im Schatten des Staatsaktes bahnt sich eine Liebestragödie an, die vier junge Leute in einen Wald fliehen lässt, in dem sie bald in heilloser Verwirrung umherirren. Insbe­ sondere, nachdem der Kobold Puck Ordnung in die verwirrten Gefühle bringen wollte, aber leider alles nur noch schlimmer gemacht hat. Anlass für Pucks Eingreifen ist eine Aus­ein­andersetzung zwischen dem Königspaar des Elfenreichs, Oberon und Titania. Der leidenschaftliche Streit der beiden Waldherrscher droht die friedliche Natur ins Chaos zu stürzen. Liebe ist auch das Thema des Stücks, das eine Gruppe von Handwerkern nachts im Wald probt, um es bei der Fürstenhochzeit aufzuführen. Am Morgen ist der ganze Spuk vorbei, alle Paare sind glücklich vereint, nur

in der Aufführung der redlich bemühten Laiendarsteller findet sich noch eine leise Ahnung von den dramatischen Ereignissen der Sommernacht. In dieser hat ein anarchischer Eros Besitz von den Figuren genommen und sie in einen Taumel aus geheimen Sehnsüchten und Leidenschaften gestürzt. Partnerwechsel, Homoerotik, die Liebe einer Frau zu einem Esel – all dies ist möglich in dieser Synthese aus Sage, Naturmythos, Märchen und Liebesgeschichte. „Ein Sommernachtstraum“ gilt als Höhepunkt in Shakespeares Komödienschaffen und wird am Ende einer hoffentlich heiter-­ turbulenten Spielzeit einen ebensolchen Saisonabschluss bilden.

EIN SOMMERNACHTSTRAUM William Shakespeare REGIE Markus Bothe BÜHNE Robert Schweer DRAMATURGIE Elisabeth Tropper PREMIERE Fr, 14.     Mai 2021

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HAUS ZWEI & HAUS DREI

ZEITGENÖSSISCHE DRAMATIK Uns ist es ein besonderes Anliegen, mit der Arbeit am Schauspielhaus Graz zum Ruf der Stadt als „Literaturhauptstadt Österreichs“ etwas beizutragen. Und so sehen wir seit fünf Jahren konkret unsere Arbeit darin, zeit­ genössische Autor*innen zu fördern, indem wir sie aufführen. Inzwischen nehmen diese auf allen drei Bühnen mehr als die Hälfte des Raums ein und die Statistik gibt uns Recht: In der aktuellen Spielzeit hatten wir in HAUS ZWEI und HAUS DREI, wo ausschließlich aktuelle Dramatik gezeigt wird, eine Auslastung von rund 95%: Es gibt also ein Publikum in Graz, das sich für Theatertexte und theatrale Experimente interessiert, die das Hier und Jetzt am Puls der Zeit reflektieren. Am Ende der Spielzeit wird die Gegenwarts­ dramatik mit einem eigenen Festival ge­ würdigt. Das internationale DRAMA|TIK|ER| INNEN|FEST|IVAL Graz, das wir zusammen mit dem DRAMA FORUM von uniT und dem Deutschen Literaturfonds in Darmstadt veranstalten, wird in der kommenden Spielzeit wieder im Juni stattfinden, zusammen mit der Konferenz der European Theatre Convention, die für den Juni 2020 aus bekannten Gründen abgesagt werden musste. Wir beginnen die Saison 2020.2021 programmatisch in HAUS EINS mit einem zeitge­ nössischen Stück von Thomas Köck, dicht gefolgt von Elfriede Jelinek. Allerdings können wir momentan leider noch nicht abschätzen, wann bzw. unter welchen Bedingungen wir in den kleineren Spielstätten HAUS ZWEI und

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HAUS DREI werden spielen können. Für uns heißt es abzuwarten und ggf. flexibel auf die von der Politik vorgegebenen Maßnahmen zu reagieren; für das Publikum heißt es Website und Leporello scharf im Auge zu behalten. Herzensprojekte und Pläne zu deren Um­ setzung gibt es genug in der Schublade; zumal die Regisseur*innen, einmal aus dem Schock erwacht, geradezu lustvoll-kreativ ein Feuerwerk an Ideen zündeten, in denen sie ihre nun erst mal auf die Warteliste gerutschten Produktionen auch unter ver­ schärften Bedingungen gerne umsetzen würden: von site-specific-Inszenierungen, Audiowalks, 3D-Filmen, Autokino-Insze­ nierungen, drive-through-Theater, Inszenierungen im öffentlichen Raum für eine Handvoll Zuschauer*innen etc. … Bereits vorgeprobt – digital im Internet bzw. analog mit Abstandsregeln – wurden zwei Produktionen, die im Herbst garantiert zur Premiere kommen werden: Lot Vekemans „Niemand wartet auf dich“, das im Laufe der Spielzeit auch als mobile Produktion durch Rathäuser und Gemeindesäle in der Steier­ mark touren soll, und Maria Ursprungs „Schleifpunkt“, das wir im Oktober als Uraufführung im Rahmen der Autorentheatertage am Deutschen Theater in Berlin herausbringen dürfen. Welche Stücke darüber hinaus realisiert und welche Orte wir ab Herbst bespielen dürfen, bleibt abzuwarten (mehr dazu in Magazin #2).


GEPLANT, ABER UNTER VORBEHALT Deutschsprachige Erstaufführung

NIEMAND WARTET AUF DICH Lot Vekemans Aus dem Holländischen von Eva M. Pieper und Alexandra Schmiedebach REGIE Jochen Strauch MIT Susanne Konstanze Weber Eine mobile Produktion mit moderiertem Nachgespräch für die Rathäuser und Gemeindesäle in der Steiermark über den Spielraum, den jede*r einzelne als politisches Subjekt hat. PREMIERE voraussichtlich im September 2020 in HAUS DREI, später auch mobil Uraufführung | Koproduktion mit dem Deutschen Theater Berlin

SCHLEIFPUNKT Maria Ursprung REGIE Marie Bues

Ein atmosphärisches Kammerspiel und ein Porträt einer Frau am Scheideweg, das seine Uraufführung im Rahmen der Langen Nacht der Autor_innen am Deutschen Theater Berlin feiern wird. PREMIERE am 3.    Oktober 2020 im ­ Deutschen Theater Berlin; in Graz voraussichtlich ab Oktober 2020 in HAUS ZWEI Uraufführung | Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen

STERNTAGEBÜCHER Nach dem Roman von Stanisław Lem Aus dem Polnischen von Caesar Rymarowicz und für die Bühne bearbeitet von Raphaela Möst REGIE Raphaela Möst Die „Sterntagebücher“ des legendären polnischen Futurologen Stanisław Lem bieten eine ideale Startrampe für eine unterhaltsam-hintergründige Zeitreise durch die unendlichen Weiten des Weltalls.

Deutschsprachige Erstaufführung

KRASNOJARSK

Johan Harstad Aus dem Norwegischen von Elke Ranzinger REGIE Tom Feichtinger Ein Forscher, der in einer entvölkerten ­Zukunft und in sibirischer Einsamkeit auf eine Frau trifft, die in einem Koffer Aufzeichnungen der schönsten Erlebnisse der untergegangenen Menschheit bewahrt. PREMIERE voraussichtlich im Oktober 2020 als VR-Film Stückentwicklung

ZUHAUSE IST EIN BAUCHGEFÜHL Eine Bürger*innenbühne über Kochen und Heimat REGIE Simone Dede Ayivi In der 5. Bürger*innenbühne erzählen Grazer Bürger*innen mit Wurzeln anderswo beim Kochen von kulinarischen Sehnsüchten und geschmack­ lichen Heimaten. PREMIERE voraussichtlich im Winter 2021 in HAUS ZWEI Österreichische Erstaufführung

FLÜSTERN IN FAHRENDEN ZÜGEN Clemens J. Setz REGIE Anja Michaela Wohlfahrt Das neueste Stück des gefeierten Grazer Autors, das von der Einsamkeit nächtlicher Call Center-Anrufe in einer globalisierten, digitalisierten Welt erzählt. PREMIERE voraussichtlich in HAUS ZWEI

Stückentwicklung | Uraufführung

FORST DER FINSTERNIS Nele Stuhler und Jan Koslowski TEXT & REGIE Nele Stuhler und Jan Koslowski Ein Stück über das lebensspendende Ökosystem Wald, modische Erlösungsideen wie Selbstversorgung und Veganismus, privates und institutionelles Greenwashing – und den Spaß am Protest. PREMIERE voraussichtlich in HAUS ZWEI Deutschsprachige Erstaufführung

ZITRONEN ZITRONEN ZITRONEN

Sam Steiner Aus dem Englischen von Stefan Wipplinger REGIE Anne Mulleners Eine (sprach)philosophische Fantasie über „Rede­freiheit“ und was es politisch und privat heißen könnte, wenn jeder Mensch pro Tag nur noch 140 Wörter zur Verfügung hätte. PREMIERE voraussichtlich in HAUS DREI Stückentwicklung | Uraufführung

ICH BIN NACKT

REGIE & KOMPOSITION Marius Schötz „Am besten bin ich, wenn ich nur reagiere“, sagt Marius Schötz, der auch ausgebildeter Sänger und Komponist ist und am liebsten eine Carte Blanche hat. Voilà, genau das Richtige in dieser Situation.

... SOWIE NA CH MÖGLICHKE IT WEITERE PROJEKTE!

PREMIERE in der Spielzeit 20.21 in HAUS DREI

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MÖGLICHE WIEDERAUFNAHMEN

) S E T N A (GEPL ! N E H E WIEDERS

„Judas“ von Lot Vekemans, Regie: Markus Kubesch

„jedermann (stirbt)“ von Ferdinand Schmalz, Regie: Daniel Foerster „jedermann (stirbt)“ von Ferdinand Schmalz, Regie: Daniel Foerster

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„Welche Droge passt zu mir?“ von Kai Hensel, Regie: Elena Bakirova

„Vögel“ von Wajdi Mouawad Regie: Sandy Lopičić

„Böhm“ von Paulus Hochgatterer, Regie & mit Nikolaus Habjan

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„Josef und Maria“ von Peter Turrini Regie: Michael Schilhan

„Josef und Maria“ von Peter Turrini Regie: Michael Schilhan

„Heldenplatz“ von Thomas Bernhard, Regie: Franz-Xaver Mayr

„Heldenplatz“ von Thomas Bernhard, Regie: Franz-Xaver Mayr

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„Bist Du GAK oder STURM?“ Eine Bürger*innenbühne über Liebe, Stolz und Fan-Sein, Regie: Ed. Hauswirth

„The Hills are Alive“ von & mit Nikolaus Habjan und Neville Tranter

„The Hills are Alive“ von & mit Nikolaus Habjan und Neville Tranter

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„The Who and the What“ von Ayad Akhtar, Regie: Jan Stephan Schmieding

„All das Schöne“ von Duncan Macmillan, Regie: Cara-Sophia Pirnat

„The Who and the What“ von Ayad Akhtar, Regie: Jan Stephan Schmieding

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E C I V R SE


Im Hinterhaus, zwischen Kopierer, Bühnenbild­atelier, Öffentlichkeitsarbeitsbüro und Gästewohnungen hat die theaterpädagogische Abteilung ihr Labor aufgeschlagen. Hier werden neue Formate und Angebote erfunden und alte verfeinert, die es Ihnen und Euch ermöglichen sollen MITZUMACHEN: Die Welt unseres Theaters hautnah mitzuerleben, zu verstehen, genauer einzutauchen und selbst aktiv zu werden durch Workshops, Infoveranstaltungen, Spiel- und Schauklubs, bei uns im und ums Theater, in der Stadt, der Schule, der Uni und in diesen verrückten Zeiten jetzt auch von zuhause aus. In den vergangenen Monaten haben wir die Zeit in unserem Labor dazu genutzt, unser Angebot neu zu denken und freuen uns, Ihnen und Euch hier einen ersten Ausblick auf die neue Spielzeit zu geben. Dabei sind wir jedoch noch nicht am Ende angekommen. Unser Angebot wird ständig erweitert und wir sind immer ‚under construction‘. Es lohnt sich also, regelmäßig auf unserer Website unter www.schauspielhaus-graz.com/schauspiel-aktiv vorbei­ zuschauen, um genauere Informationen, Zeiten und auch Infos zu ganz neuen Projekten und dem gesamten MITSPIEL-Angebot zu bekommen. Auf Folgendes kann man sich jetzt schon freuen:

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MITLESEN: DIE LESEPROBE In unserer Mitmach-Leseprobe bieten wir die Möglich­keit, in die Geschichten und Figuren unserer Pro­ duktionen und anderer Werke einzutauchen – gemein­ sam im Schauspielhaus oder von zuhause aus. In dieser szenischen Lesung habt Ihr dabei die Wahl, einer der Figuren selbst Eure Stimme zu leihen oder Euch zurückzulehnen und einfach nur zuzuhören. Weitere Infos, eine Übersicht der Stücke und Termine findet Ihr auf unserer Website.

MITLERNEN: ANGEBOTE FÜR SCHULEN Auch in der nächsten Spielzeit bieten wir wieder unser breites Angebot an Begleitmaterialien und Workshops für Lehrende an. Wir sind für Euch da! Darüber hinaus sind wir im Austausch mit anderen österreichischen Theaterpädagog*innen und entwickeln in Zusammenarbeit mit Lehrer*innen und Lehrerverbänden Konzepte und Vorschläge dafür, wie in der aktuellen Situation kulturelle Bildung an Schulen, Universitäten und anderen Institutionen stattfinden kann. Wenn Sie Fragen oder Anregungen diesbezüglich haben, zögern Sie bitte nicht, Kontakt mit uns aufzunehmen!


MITMACHEN!

› Theaterpädagogische Workshops › „Back to school“-, inszenierungsvor- und -nachbereitende Workshops › Theaterdialoge › Textimpulse › Newsletter für Pädagog*innen › Lehrer*innenauftakt › Lehrer*innenprobe

Das Team von Schauspielhaus Aktiv freut sich auf das MITEINANDER mit Ihnen, Euch und dem Theater, ob im Schauspielhaus, online oder in der Schule und Universität! Julia Gratzer, Timo Staaks, N.N. und Viola Novak (diese Spielzeit in Karenz)

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Website.

MITSCHAUEN: SCHAUKLUB 20.21 Auch in der neuen Saison geht der Schauklub in eine nächste Runde. Mit einer Gruppe Theaterbegeisterter, die Inszenierungen in HAUS EINS besuchen, sich vorher gemeinsam auf den Besuch vorbereiten, in die Rollen schlüpfen, neue Blickwinkel auf das Stück entdecken und sich nach dem Stückbesuch mit den anderen Besucher*innen und den beteiligten Künstler*innen austauschen. Weitere Infos, den Link zur Anmeldung, zu Kosten und die Termine finden Sie auf unserer Website.

KONTAKT Rufen Sie gerne an oder schreiben Sie uns! SCHAUSPIELHAUS AKTIV TEL +43 (0) 316 8008 3333 E-MAIL schauspielhaus-aktiv @ schauspielhaus-graz.com www.schauspielhaus-graz.com/schauspiel-aktiv Mag. Julia Gratzer, B.  A., M.  A. MOBIL +43 (0) 664 81 85 658 E-MAIL julia.gratzer@ schauspielhaus-graz.com Timo Staaks, B.  A., M.  Ed. MOBIL +43 (0) 664 81 85 660 E-MAIL timo.staaks @ schauspielhaus-graz.com

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MIT SICHERHEIT DAS BESTE THEATER Wir werden – mit Sicherheit – ab September wieder für Sie spielen. Aller Voraussicht nach können wir Sie Ende Juni – im besten Fall bereits mittels Einleger in diesem ­Magazin – darüber informieren, wie der Saalplan ab Herbst sowie Ihr Theaterbesuch aussehen kann. Denn dafür brauchen wir die Vorgaben der Politik, anhand derer wir unsere Pläne fixeren können oder neue Szenarian entwickeln werden. Daher kommunizieren wir Ihnen alle Abonnement-Termine sowie die Sicherheitsmaßnahmen, die ab September gelten werden, im Sommer digital auf der Website www.schauspielhaus-graz.com und per Aussendungen. Mit unserer kreativen Flexibilität, unserem hochmotivierten Ensemble und den ­leistungsfähigen Gewerken sind wir in der Lage, mit so gut wie allen Vorgaben, die vom menschlichen Verstand und der Kenntnis der gebotenen Sicherheitsmaßnahmen geleitet werden, umzugehen. So werden wir auch im Herbst wieder kulturelle Grundversorgung leisten und das Menschsein umfassend reflektieren. Denn: Kultur ist ein Lebensmittel! Seien Sie dabei und bleiben Sie uns treu! Denn wir bieten – mit Sicherheit – spannendes, berührendes und anregendes Theater, wovon Sie sich in diesem Magazin überzeugen können.

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IHRE ABONNEMENTS Ihre Premieren- und Wochentags-Abonnements sowie die 10er-­Blöcke für die Spielzeit 2020.2021 werden ab Juli 2020 im Ticket­zentrum in den Verkauf gehen. Aktuell können wir Ihnen bereits die Premieren­ termine von HAUS EINS und Ihre Abonnement-Varianten präsentieren. Ihre Abos sind sicher! Buchen Sie Ihr Premieren- oder Wochentags-Abonnement und Sie sehen jede Neuproduktion in HAUS EINS. Die Abonnement-Termine veröffentlichen wir aller Voraussicht nach Ende Juni 2020.

DIE PREMIEREN IN HAUS EINS DRITTE REPUBLIK (EINE VERMESSUNG)

Fr, 11.09.20

REINEKE FUCHS

Fr, 02.10.20

DAS LICHT IM KASTEN

Fr, 20.11.20

MAKING A GREAT GATSBY

Fr, 11.12.20

WAS ZÄHLT

Fr, 15.01.21

MACBETH

Fr, 05.02.21

DER GROẞE DIKTATOR

Fr, 09.04.21

EIN SOMMERNACHTSTRAUM

Fr, 14.05.21

Allgemein Ein Abonnement gilt für die Dauer einer Spielzeit (September bis Juli). Ihr Abonnement der Saison 2019.2020 verlängert sich automatisch in der Saison 2020.2021, wenn es nicht bis zum 31.    Juli 2020 gekündigt wird. Ab wann Sie Ihre Abonnementkarten abholen können, kommunizieren wir Ihnen aller Voraussicht nach Ende Juni. Neu-Abonnements Neu-Abonnent*in ist nur, wer in der Spielzeit 2019.2020 kein Abo im Schauspielhaus besessen hat. Bei einem Wechsel der AboVariante besteht kein Anspruch auf eine Prämie. Werbungen innerhalb eines Haushaltes sind nicht zulässig. Termintausch Wenn Sie zu Ihrem Termin verhindert sind, können Sie Ihre Karten entweder weiter­ geben oder bis zu zwei Tage vor dem geplanten Termin auf einen anderen Tag

umbuchen. Legen Sie dazu unbedingt die Abo-Karten (als Original, Scan oder Fax) im Ticketzentrum vor. Der Tausch ist nur innerhalb derselben Kategorie möglich; leider ist keine Aufzahlung möglich. Ihre Abonnement-Termine können Sie bei Bedarf bis zu dreimal innerhalb einer Spielzeit tauschen. Ein Kartentausch in Gastspiele oder Sonderveranstaltungen ist nicht möglich. Terminänderungen Terminänderungen Ihrer Abo-Vorstellungen können vorkommen. Wir bemühen uns, Sie rechtzeitig zu informieren und bieten Ihnen Ersatztermine bzw. Ersatzvorstellungen an. Alle Angaben und Preise ohne Gewähr.


MIT ABSTAND DER BESTE PLATZ! › Sie sparen mit einem Abo bis zu 25 % (Erwachsene) bzw. 50 % (Jugendliche) gegenüber dem Einzelkartenpreis. › nicht konsumierte Abonnement-Tickets aus der Spielzeit 2019.2020 werden Ihnen automatisch auf Ihr Abonnement der Spielzeit 2020.2021 gutgeschrieben.

› Haben Sie bereits ein Abo und werben eine*n Neuabonnent*in an? Dann erhalten Sie einen Gutschein im Wert von 15 % des von Ihnen geworbenen Fixplatzabonnements. › Sie erhalten die Joanneumskarte (gültig für 12 Monate) um € 19 statt um € 25.

› Sie können die Einführung 30 Minuten vor Vorstellungs­ beginn an allen Abonnement-Terminen besuchen.

PREMIEREN-MIX-ABONNEMENT PREMIEREN-ABONNEMENT 8 PREMIEREN IN HAUS EINS PREISE € 56 BIS € 520 ERMÄẞIGT* € 56 BIS € 260

WOCHENTAGS-ABONNEMENT 8 NEUPRODUKTIONEN IN HAUS EINS PREISE € 29 BIS € 294 ERMÄẞIGT* € 29 BIS € 147

DAS ZWABO – DAS MIX-ABO VON SCHAUSPIELHAUS GRAZ UND NEXT LIBERTY 1 × NEXT LIBERTY 1 × SCHAUSPIELHAUS GRAZ PREISE** € 23 BIS € 35 **Ein Preis für alle ZwAbonnent*innen: Jugendliche und Erwachsene. Zusätzlicher Rabatt bei Buchung mehrerer ZwAbos.

4 PREMIEREN SCHAUSPIELHAUS, 4 PREMIEREN OPER GRAZ

PREISE € 100 BIS € 600 ERMÄẞIGT* € 50 BIS € 300

SONNTAGNACHMITTAGMIX-ABONNEMENT 3 NEUPRODUKTIONEN SCHAUSPIELHAUS, 5 VORSTELLUNGEN OPER GRAZ PREISE € 49 BIS € 320 ERMÄẞIGT* € 24,50 BIS € 160

NEUGIERIG? Ausführliche Informationen zu allen Abos erhalten Sie im Ticketzentrum oder unter www.schauspielhaus-graz.com.

*Ermäßigung für Schüler*innen, Studierende, Lehrlinge, Präsenz- und Zivildienende bis zum 27. Lebensjahr (Ausweispflicht!).

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10ER-BLOCK

KARTENKAUF

10 GUTSCHEINE, DIE SIE TERMINLICH FLEXIBEL EINLÖSEN KÖNNEN!

TICKETZENTRUM Kaiser-Josef-Platz 10, 8010 Graz Reguläre Öffnungszeiten ab Herbst 2020!

10ER-BLOCK HAUS EINS1 10 GUTSCHEINE FÜR HAUS EINS PREISE € 152 BIS € 368 ERMÄẞIGT  2 € 76 BIS € 184

10ER-BLOCK OPER & SCHAUSPIELHAUS1

Öffnungszeiten im Juni 2020: Montag bis Mittwoch 9 – 13 Uhr, Donnerstag & Freitag 14 – 18 Uhr, Samstag 9 – 13 Uhr Voraussichtliche Öffnungs­zeiten im Juli und August 2020 ent­ nehmen Sie bitte der Website www.ticktzentrum.at bzw. www.schauspielhaus-graz.com

TEL + 43 (0) 316 8000 Fax + 43 (0) 316 8008 1565 E-Mail tickets@ticketzentrum.at www.ticketzentrum.at

TICKETZENTRUM IM SCHAUSPIELHAUS GRAZ Hofgasse 11, 8010 Graz Das Ticketzentrum im Schauspielhaus öffnet wieder ab Herbst 2020 zu den gewohnten Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9 – 12 Uhr

5 VORSTELLUNGEN IN HAUS EINS 5 VORSTELLUNGEN IN DER OPER GRAZ

PREISE € 64 BIS € 440 ERMÄẞIGT  2 € 32 BIS € 220

10er-Block Bei sämtlichen 10er-Block-Varianten erhalten Sie Gutscheine, die Sie an Ihren gewünschten Terminen einlösen können (alleine oder in Begleitung, denn die Gutscheine sind übertragbar). Reservierungen (auch telefonisch) im Ticketzentrum erwünscht und empfohlen. Ihre Karten holen Sie bitte bis spätestens einen Tag vor der Veranstaltung im Ticketzentrum ab. Die Gutscheine der 10er-Blöcke sind für eine Spielzeit (September 2020 bis inkl. Juni 2021) gültig und verfallen danach automatisch. Keine Barablöse möglich! 1 Ausgenommen sind die Kategorien V und VI sowie Premieren, Gastspiele & Sonderveranstaltungen. 2 Ermäßigung für Schüler*innen, Studierende, Lehrlinge, Präsenzund Zivil­dienende bis zum 27. Lebensjahr (Ausweispflicht!).

SERVICE Alle weiteren Ermäßigungen sowie die Gastronomie- und Service-Angebote finden Sie auf unserer Website! So halten wir Sie auf dem Laufenden:

WEBSITE & SOCIAL MEDIA Wie gewohnt informieren wir Sie auf der Website www.schauspielhaus-graz.com laufend über die aktuellen Entwicklungen sowie im Sommer über Ihre Abonnement- und Vorstellungstermine und alle Maßnahmen den Spielbetrieb ab September betreffend. Folgen Sie uns auch auf Facebook, Instagram oder YouTube und kommen Sie mit uns und anderen Interessierten auch online ins Gespräch!

NEWSLETTER Der Newsletter der Bühnen Graz versorgt Sie ab ­September wieder wöchentlich mit aktuellen Informationen und Angeboten rund um Schauspielhaus, Oper, Next Liberty und Grazer Spielstätten. LEPORELLO Der gemeinsame Monatsspielplan von Schauspielhaus, Oper, Next Liberty und Grazer Spielstätten liegt zur freien Ent­ nahme in unseren Foyers und den Vorverkaufsstellen auf. Auf Anfrage senden wir Ihnen diesen gerne direkt nachhause.

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THEATERREFERENT*INNEN Sie organisieren gerne für größere oder kleinere Gruppen kulturelle Anlässe? Nutzen Sie Ihre Begeisterung und kommen Sie mit Ihren Freund*innen, Ihren Bekannten, Ihren Schüler*innen, Ihren Gruppen ins Theater. Dafür bieten wir Ihnen die Möglichkeit von Probenbesuchen und informieren Sie persönlich vorab mit allen Neuigkeiten rund um das Schauspielhaus Graz. EIN KULTUREVENT FÜR IHRE GÄSTE Laden Sie Ihre Kund*innen, Mitarbeiter*innen, Ihre Gäste in die Welt des Theaters ein. Wir sorgen für das passende Programm, damit Ihr Theater­abend zu einem besonderen Event wird.

NICHT AUF ANDERE ZEIGEN. SELBST WAS TUN.* * Ein Dank gilt in ­dieser Zeit be­ sonders allen Mit­arbeiter*innen des Schauspiel­hauses. Diese finden Sie unter www.schauspielhaus-graz.com / team /Abteilungen

KONTAKT Ihre Ansprechperson für den Kreis der Theaterreferent*innen und für die verschiedensten Angebote im Schauspielhaus rund um die Inszenierungen oder als separates Event ist Mag.a Nina Häusler: TEL + (0)316 8008 1234 E-MAIL nina.haeusler@schauspielhaus-graz.com

DER FREUNDESKREIS DES SCHAUSPIELHAUS GRAZ E.V.

Der Freundeskreis des Schauspielhaus Graz setzte in Zeiten der Corona-Krise ein ganz besonderes Zeichen der Solidarität und unterstützte sechs freischaffende Künstler*innen, die regelmäßig auf der Bühne des Schauspielhauses stehen, mit einem großzügigen finanziellen Beitrag. Werden auch Sie Mitglied des Freundeskreises, um ihn bei seinen Aktivitäten zu unterstützen und in den Genuss der Veranstaltungen und Aktionen speziell für Freundeskreis-Mitglieder zu kommen. Diese finden Sie unter www.schauspielhaus-graz.com/freundeskreis.

MITGLIED › € 40 ordentliches Mitglied › € 20 jedes weitere Familienmitglied › € 20 ermäßigte Mitgliedschaft für Schüler*innen, Studierende, Auszubildende, Wehrdienstleistende oder Zivildienende bis zur Vollendung des 27. Lebensjahres

› € 20 Patenmitgliedschaft › ab € 100 für natürliche Personen – Fördermitgliedschaft › ab € 250 für juristische Personen – Fördermitgliedschaft

KONTAKT Freundeskreis Schauspielhaus Graz e.V. | c/o Schauspielhaus Graz, Hofgasse 11, 8010 Graz Fax +43 (0) 316 8008 3495 | E-MAIL info@freundeskreis-schauspielhausgraz.com   5 5 


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IMPRESSUM MEDIENINHABER & HERAUSGEBER Schauspielhaus Graz GmbH Ein Unternehmen der Bühnen Graz GmbH GESCHÄFTSFÜHRENDE INTENDANTIN Iris Laufenberg REDAKTION & TEXTE Intendanz, Dramaturgie & Öffentlichkeitsarbeit KONZEPTION & GESTALTUNG formdusche – Studio für Gestaltung, www.formdusche.de

FOTONACHWEISE S. 2 Iris Laufenberg © Lupi Spuma | S. 6 – 16, #dramazuhause und #neuesdrama­zuhause © Michael Martinelli | S. 17 Alexej Lochmann © Lex Karelly | S. 18 Lisa Birke Balzer © Lex Karelly | S. 22 Anita Vulesica © Birgit Kaulfuß | S. 24 Thomas Köck © Max Zerrahn | S. 25 Fuchs © Sonder Quest / unsplash.com | S. 26 Fuchs © Alex Glebov / unsplash.com | S. 27 Mina Salehpour © Andreas Schlager | S. 29 Franz-Xaver Mayr © Marcella Ruiz-Cruiz | S. 30 Flags © Sean Locke / stocksy.com | S. 31 Claudia Bossard © privat | S. 33 Miriam Tscholl © Sebastian Hoppe | S. 35 & 36 Sarah Sophia Meyer und Florian Köhler in #dramazuhause © Michael Martinelli | S. 37 Stephan Rottkamp © privat | S. 40 Clara Weyde © Sinje Hasheider | S. 41 Markus Bothe © privat   | S. 44 – 48, Fotos aus den Produktionen © Lex Karelly, © Johanna Lamprecht, © Lupi Spuma, © Stella

DRUCK Steiermärkische Landesdruckerei GmbH Medienfabrik Graz, www.mfg.at Preis- und Programmänderungen, Satz- und Druckfehler vorbehalten. Stand: Juni 2020


Wir schreiben nicht, um zu gefallen. Nur zur Info. Bilden Sie sich eine eigene Meinung:

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SCHAUSPIELHAUS GRAZ: Spielzeit-Magazin #1 2020.2021  

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