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VISIONEN FÜR EINE BESSERE WELT

Das Tahiti-Projekt

Irgendwo sollte es doch möglich sein, wieder natürlich zu leben. Vielleicht auf Tahiti?

»Gute Idee, aber das klappt ja doch nicht«, bekommen kreative Menschen oft zu hören, wenn sie Auswege aus der Sackgasse von Umweltzerstörung und Sozialdumping suchen. Oder: »Der Kapitalismus ist Mist, aber wir haben nun mal nichts Besseres.« Wirklich? Der beste Gegenbeweis wäre eine Alternative, die funktioniert. Das Tahiti-Projekt ist mehr als ein spannender Öko-Thriller: Es ist eine Vision, die darauf drängt, Realität zu werden. Anknüpfend an die Ideale des Equilibrismus – Gleichgewicht, Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit – soll ein Modellprojekt geschaffen werden: auf einer Südseeinsel oder anderswo

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VON ROlAND ROTTENfUSSER

September 9/2011 · www.connection.de

PIXELIO.DE © RIKE, PAUL GAUGUIN »BERGE VON TAHITI, MONTAGE: C. V. PUTTKAMER

Von der Theorie über die Fiktion zur Realität


VISIONEN FÜR EINE BESSERE WELT

ahitis Präsident Omai hat Grund zur Zufriedenheit: »Wir haben Sie hergebeten, damit Sie sich davon überzeugen können, dass die menschliche Gemeinschaft funktioniert«, sagt er vor internationalen Pressevertretern. »Dass sie frei sein kann von Missgunst und Vorteilsnahme, dass die Kluft zwischen Arm und Reich nicht zwingend notwendig ist. Die menschliche Gemeinschaft ist unsere Heimat, ebenso wie die Natur unsere Heimat ist. Wir Polynesier begegnen uns im gegenseitigen Respekt und verstehen, dass der Natur das gleiche Recht gebührt.« Leider stammt das Zitat nicht aus einem Sachtext, sondern aus einem utopischen Roman: »Das Tahiti-Projekt« von Dirk C. Fleck. Ein Öko- und Sozialparadies Tahiti, wie es im ersten Zitat beschrieben wird, gibt es jedoch in der Realität nicht.Auch der aufrechte Präsident Omai wartet noch vergeblich auf

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Tahitis Präsident zu den Pressevertretern: »Wir haben Sie hergebeten, damit Sie sich davon überzeugen können, dass die menschliche Gemeinschaft funktioniert«

seine Amtseinführung. Der Roman spielt im Jahr 2022. Die Handlung des Romans folgt dem bei positiven Utopien üblichen Muster: Der deutsche Journalist Cording wird von seiner Redaktion beauftragt, ein neuartiges ökologische Experiment in Polynesien zu dokumentieren. Unter der Führung der – natürlich gut aussehenden – Insulanerin Maeva erkundet er die Insel. Für Thriller-Spannung sorgen die Angriffe mächtiger transnationaler Konzerne, die die Idylle bedrohen.

Grundeinkommen und Geld mit Verfallsdatum Auf Dirk C. Flecks Tahiti sind viele der kühnsten Visionen unserer Zeit Wirklichkeit: z.B. ein neues Geldsystem, das die negativen Wirkungen der Zinsdynamik vermeidet. Die Geldscheine tragen besondere Nummerierungen, »die es dem Staat ermöglichten, bestimmte Serien in festgelegten Zeiträumen für ungültig zu erklären und zum Umtausch zurückzurufen. Damit sollte verhindert werden, dass Bargeld dem Kreislauf durch Horten entzogen und das Zahlungsmittel durch diese Verknappung gegenüber Waren und Dienstleistungen unverhältnismäßig aufgewertet wurde.« Realität ist im fiktiven Tahiti auch das Bedingungslose Grundeinkom-

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men. »Die Empfänger des Geldes waren weder arbeitsscheu noch kriminell, auf der Basis einer gesicherten Existenz gewann jeder Tahitianer genügend Freiraum, um seine speziellen Fähigkeiten in die Gemeinschaft einzubringen.« Außerdem im Angebot: eine Bodenreform, die Privatbesitz an Grund und Boden wieder abschafft und stattdessen nur Pachtverträge zulässt.

Gondeln statt Autos und Straßenbelag aus Reiskleie Die dezentrale Energieversorgung ist ganz auf regenerative Energien abgestimmt. Besteuert wird der Verbrauch von Naturgütern, nicht die Arbeit. Der Individualverkehr ist abgeschafft, stattdessen gibt es ein preiswertes und umweltschonendes Verkehrssystem: die »Reva-Tae« (kleine Gondeln, die der Fahrgast selbst bedienen kann). Alles wird, wo möglich, aus Naturmaterialien hergestellt: Hanfbeton, Lehm oder Bambus. Der Straßenbelag ist aus Reiskleie. Auch politisch ist im Roman-Tahiti einiges anders als im Rest der Welt: Es gibt keine Parteien, stattdessen die direkte Wahl von Personen, die in die vier (!) Parlamente des Landes entsandt werden: das Wirtschaftsparlament, das politische Parlament, das Kulturparlament und das Grundwerteparlament. Auch das Justizsystem der Insel gibt Stoff zum Nachdenken. Es wird auf Wiedergutmachung gesetzt, nicht auf Strafe. Unbescholtene Bürger gestehen in öffentlichen Versammlungen freiwillig (!) ihre Vergehen und bestimmen selbst, welchen Ausgleich sie dafür leisten möchten. Allen voran gibt der Richter selbst seine Untaten zu. Denn nur wer sich seines eigenen Schattens bewusst ist, kann ein gerechter Richter sein.

Der Mensch uriniert in sein Wohnzimmer Auch als kritischer Kommentar zur derzeitigen Weltlage »funktioniert« der Roman bestens: »Der verstörte Homo sapiens ahnte sehr wohl, dass die Aufgaben, denen er sich plötzlich gegenübersah, zu mächtig geworden waren. So urinierte er also munter weiter in sein Wohnzimmer. Anstatt aber seine Lebensweise in Frage zu stellen, zog er es lieber vor, in aller Wissenschaftlichkeit über die Saugfähigkeit des Teppichs zu diskutieren.« In den Passagen, die die Welt außerhalb Tahitis beschreiben, ist der Roman alles andere als idyllisch. Vielmehr zeichnet Dirk C. Fleck bisweilen ein düsteres Bild, und man fragt sich: Ist das Utopie oder eine Beschreibung der Gegenwart? »Die westlichen Demokratien waren zu inhaltsleeren Gebilden verkommen, hinter denen autoritäre Strukturen ans Licht kamen, wie sie nur in Diktaturen möglich schienen. Milliarden Menschen fristeten in dieser hoch technisierten,

vernetzten Welt unter dem Diktat multinationaler Konzerne ein elendes Sklavendasein.« Ist es legitim, die Leser mit einer solch geschickten Mischung aus Fiktion und Realität zu verwirren?

Irre Utopien Der Begriff der Utopie hat im 20. Jahrhundert an Anziehungskraft verloren. Denkt man an utopische Romane, fallen einem zuerst die negativen ein. George Orwells »1984«,Aldous Huxleys »Schöne neue Welt« oder José Saramagos »Die Stadt der Blinden«. Utopien waren im 20. Jahrhundert vor allem deshalb aus der Mode gekommen, weil man den Begriff mit den so schrecklich gescheiterten Gesellschaftsentwürfen des Nationalsozialismus und des Staatskommunismus verband. Das Wort »Utopie« steht in der heutigen öffentlichen Debatte für eine ideologisch begründete Maximalforderung, die am wirklichen Leben vorbei geht. Dies allerdings ist nicht das Wesen der Utopie. So wie frühere gesellschaftliche Entwürfe den Menschen überforderten, wird er vom gegenwärtigen politischen Establishment unterfordert. Man reduziert ihn darauf, eine Anpassungsleistung an das Vorgegebene zu vollziehen. Utopien freilich sollen eine bessere Realität nicht ersetzen, sondern ihr vorauseilen.

Die Klassiker: Morus, Huxley, Callenbach Als Gründerwerk für das Genre des utopischen Romans gilt Thomas Morus’ »Utopia« von 1516. Das Buch zeichnet das Porträt einer idealen Gesellschaft, die tendenziell demokratisch verfasst ist, über ein Bildungsund Sozialsystem verfügt und religiöse Toleranz übt. Stil prägend war neben dem Buchtitel auch die Tatsache, dass der Autor das Paradies auf einer fernen Insel ansiedelte. Ein modernes Echo auf »Utopia« war Aldous Huxleys 1962 erschienener Roman »Eiland«. Die positive Utopie erschien somit genau 30 Jahre nach Huxleys negativer Zukunftsvision »Schöne neue Welt«. Heute kann man es nicht nur als Vorgriff auf Hippie-Bewegung und Neue Spiritualität lesen, sondern auch als Vorwegnahme politischer Konzepte, deren Bedeutung erst heute klar wird.Auf der tropischen Insel Pala versuchen die Inselbewohner »unsere Nationalökonomie und Technologie dem Menschen anzupassen – nicht unser Volk der Ökonomie.« Als Weg weisende Utopie der 68er-Generation mit weit reichendem Einfluss gilt Ernest Callenbachs 1975 erschienener Roman »Ökotopia«. Er spielt nicht auf einer Insel, sondern geht von der Fiktion aus, dass sich drei Staaten von den USA abgespalten und eine ideale öko-soziale Republik errichtet haben. Man erinnere sich: 1975 waren die

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Das Wort »Utopie« steht in der heutigen öffentlichen Debatte für eine ideologisch begründete Maximalforderung, die am wirklichen Leben vorbei geht

Grünen noch nicht gegründet, ökologisches Denken war alles andere als selbstverständlich. Callenbach hat die grüne Bewegung beeinflusst, nicht umgekehrt, obwohl der Roman einige damals schon als Konzepte vorhandene moderne Techniken beschreibt. Heute gängige Begriffe wie »Nachhaltigkeit«, »Vernetzung«, »Regionalisierung«, »Regenerierbare Energie« und »Technologiefolgenabschätzung« wurden schon in »Ökotopia« thematisiert, wenn auch nicht alle unter diesen Bezeichnungen.

Von der Öko-Diktatur zum Öko-Paradies

PAUL GAUGUIN »AREAREA«

Von der Erfüllung des ökologischen Traums ist es allerdings nicht weit bis zum Alptraum.

Als Dirk C. Fleck 1993 seine Negativutopie »GO! Die Öko-Diktatur« herausbrachte, hatte sich die Weltlage seit den 70er-Jahren drastisch geändert. Ökologisches Bewusstsein war nun nicht mehr nur ein elitäres Gedankenspiel, sondern erschien überlebenswichtig. In den 90ern war klar: Naturverbrauch und Konsumverhalten der Spezies Mensch führen notwendig zum Kollaps der Biosphäre und zur Auslöschung allen Lebens. Appelle an die Vernunft fruchten (bis heute) wenig. War es da nicht vorstellbar, dass Erdschützer aus einem Überlebensreflex heraus eine Diktatur errichten würden, um zu erzwingen, was die Menschen nicht freiwillig tun? Die bittere Schattenseite: Das Überleben der Erde wäre mit dem Tod der Freiheit erkauft. Kritiker warfen Dirk C. Fleck wegen seines Romans vor, er sympathisiere insgeheim mit der Öko-Diktatur. Verletzt über die ungerechten Vorwürfe, zog sich Fleck eine Weile aus der ökologischen Diskussion zurück. Bis er eines Tages einen Anruf von Eric Bihl erhielt, dem Vorsitzenden des Vereins »Equilibrismus e.V.« Eric Bihl zeigte sich schockiert von der Vision einer Öko-Diktatur und erklärte Dirk C. Fleck, dass er nach wie vor an die Lernfähigkeit der Menschen glaubte. Er überredete den Autor, einen positiven Zukunftsroman zu schreiben, in dem

die Visionen des Equilibrismus als bereits verwirklicht dargestellt werden: »Das Tahiti-Projekt«. Die Idee hatte der legendäre Schauspieler und UNESCO-Sonderbotschafter Sir Peter Ustinov. Ein Bestseller mit Thriller-Elementen, so das Kalkül, sollte die neuen Ideen einem breiteren Publikum zugänglich machen. Immerhin rund 40.000 Leser haben die Vision des »Tahiti-Projekts« bisher in sich aufgenommen. Aber wie soll es jetzt weitergehen?

Das Experiment Equilibristen setzen ihre Hoffnung auf ein Experiment im Großen, das über den privaten Rahmen hinausgeht und von allen wichtigen gesellschaftlichen Kräften einer Region unterstützt wird – einschließlich der Behörden. Eine Weltregion (Staat, Teilstaat oder Insel) zu finden, die ein umfassendes equilibristisches Experiment wagt, ist sicher schwerer, als fünf Leute für eine Ökokommune zu begeistern. Dazu ist das Bohren dicker Bretter nötig. Wenn es aber klappt, wäre etwas Großes geleistet: Ein gelungenes großflächiges Experiment wäre der Beweis dafür, dass eine Wirtschaftsordnung jenseits von Kapitalismus und Kommunismus funktionieren kann. Das wäre der Game-Changer, der Einstieg in die postkapitalistische Ära. Niemand könnte hinterher mehr sagen: »Es klappt ja doch nicht«. Eric Bihl: »Ich denke, dass sich die Menschen schnell begeistern lassen, wenn man ihnen funktionierende sozialökologische Alternativen aufzeigt. Daher sehe ich unseren Modellversuch als entscheidend an.«

Von der Fiktion zur Realität

Im Paris der 1880er Jahre träumte der Maler Paul Gauguin vom Paradies in der Südsee. Dann fuhr er hin

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Fortschrittliche Ideen bleiben entweder klein, dann werden sie ignoriert. Oder sie werden größer, dann werden sie von den Profiteuren des alten Systems gnadenlos bekämpft. Wie ist dieses Dilemma zu lösen? Eric Bihl und seine Mitstreiter sehen den Roman nur als einen Zwischenschritt auf dem Weg zu einem realen ökologischen Modellprojekt. Bihl stammt aus dem Elsass und war als französischer Soldat in Polynesien stationiert. Er kennt die Gegend und die Menschen und bereiste verschiedene Inseln des Südpa-

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VISIONEN FÜR EINE BESSERE WELT

Der Ältestenrat auf der Insel Rapa Iti in französisch Polynesien stimmte dem ökologischen Modellprojekt zu

lein kann die Welt natürlich nicht retten, wenn ringsherum alles einstürzt. Die Ideen des Tahiti-Projekts müssen sich deshalb überall verbreiten wie ein ansteckender Virus. In der Fiktion hat Autor Dirk C. Fleck diesen Gedanken bereits weiter gesponnen. Im Fortsetzungsroman »Maeva!«, der im März 2011 erschien, bereist Cordings tahitianische Freundin die Welt auf der Suche nach alternativen Lebensmodellen. Sie wird zur Inspiration von Millionen Menschen – eine Art weiblicher Öko-Messias. Dies ruft natürlich mächtige Gegner auf den Plan; die Situation wird für Maeva lebensgefährlich. Am Ende des Romans taucht sie wieder auf Tahiti unter. Dies kann jedoch nicht das letzte Wort gewesen sein, Dirk C. Fleck arbeitet bereits an einem dritten Teil.

Es beginnt, wenn du handelst

zone (Europa und Nordamerika). Die Finanzkrise hat das Land an den Rand des Abgrunds gebracht, die Isländer gehen aber kreativer mit der Krise um als die Staaten der europäischen Währungsunion. Reykjawiks Bürgermeister Jon Gnarr ist ein gelernter Komiker. Er bündelt das Protestpotenzial, das sich gegen die etablierten Parteien richtete, sein Projekt droht aber mangels fundierter Inhalte zu scheitern.

Eine polynesische Insel? Oder Island?

Während also das Konzept Equilibrismus nach einem Land sucht, wo es sich ausprobieren kann, suchen im Niedergang begriffene Länder verzweifelt nach einem schlüssigen politischen Konzept jenseits von Kapitalismus und Kommunismus. Die Anzahl der Länder, die vom Kapitalismus in eine Sackgasse geführt wurden, wird weiter anwachsen. Ganze Staaten werden Bankrott gehen und an globale Feudalherren verramscht werden. Künftige Generationen werden für den Schuldendienst pränatal versklavt. Gleichzeitig dürfen sie die Folgen einer schon jetzt eskalierenden Klima- und Umweltkatastrophe ausbaden – natürlich nur dann, wenn keine starke Gegenbewegung dies verhindert. Die braucht aber neben präziser Kritik am Bestehenden vor allem funktionierende positive Beispiele. Mit nur einem Flügel kann der Vogel der Revolution nicht abheben. Immerhin gibt es jetzt – neben anderen – auch diese Hoffnung: Vieles deutet darauf hin, dass das »Tahiti-Projekt« an der Schwelle zu seiner Realisierung steht. Auch Studenten mehrerer Universitäten stehen bereit, als Versuchskaninchen an dem ökosozialen Experiment mitzuwirken. Es wird spannend, den weiteren Verlauf der Ereignisse zu verfolgen. Eine Insel der Seligen al-

Dafür gewann Bihl auf Moorea eine einflussreiche Mitstreiterin: Roti Make, Präsidentin der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit in Polynesien. Beiden gelang es, den Ältestenrat sowie viele Menschen auf der kleinen Insel Rapa Iti von dem Projekt zu überzeugen. Die Insel ist mit 520 Einwohnern fast etwas zu klein für ein Experiment mit Signalwirkung.Weit mehr Aufsehen würde ein »Tahiti-Projekt« im kalten Island hervorrufen. Immerhin handelt es sich bei Island um einen souveränen Staat am nördlichen Rand der kapitalistischen Kern-

Die angebliche Alternativlosigkeit, wie sie von den Neoliberalen postuliert wird, ist nur das Ergebnis mangelnder Phantasie und (noch) fehlender positiver Gegenbeispiele

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Ein weiblicher Öko-Messias

zifik, um die Entscheidungsträger für die Idee eines echten Tahiti-Projekts zu begeistern. Das reale Tahiti schied als Schauplatz für das Experiment schnell aus. Mit einem Wirtschaftsraum von 180.000 Menschen ist das Land zu groß. Eric Bihls Plan, es mit der Nachbarinsel Moorea zu versuchen, scheiterte am Widerstand des Insel-Establishments. Auch abseits der selbst ernannten Weltzentren USA, Europa, Japan oder China sind die politischen Strukturen oft verkrustet.

U-topie heißt, wörtlich übersetzt: »NichtOrt«. Man platziert Utopien gerne ins Nimmerland und auf den St. Nimmerleinstag. Entsorgt man sie ins Schattenreich des Unrealisierbaren, bleibt sie für die Herrschenden ungefährlich. Ganz anders verstehen sich jedoch Utopien von der Art des Tahiti-Projekts. Angebliche Alternativlosigkeit, wie sie von den Neoliberalen von Thatcher bis Merkel gern postuliert wird, ist nur das Ergebnis mangelnder Fantasie und (noch) fehlender positiver Gegenbeispiele.Also gilt es, diese Gegenbilder zu erschaffen – erst in der Fantasie und dann auch in der Realität! Sehr schön drückte es der sozialdemokratische Kulturpolitiker Hilmar Hoffmann aus: »Utopien bleiben solange welche, wie die Anstrengungen fehlen, ihre Realisierung voranzutreiben.« Oder, mit dem Motto aus »Maeva!«: »Es beginnt, wenn wir anfangen zu handeln!« Buchtipps: • Dirk C. fleck: Das Tahiti-Projekt. Piper Verlag, 340 S., SC, € 8,95 • Dirk C. fleck: Maeva! Greifen Verlag, 336 S., HC, € 19,95 • Volker freystedt, Eric Bihl: Equilibrismus. Signum Verlag, 335 S. Als pdf-Dokument für € 5 zu bestellen auf der Webseite www.equilibrismus.de

ROlAND ROTTENfUßER, Jg. 63, Germanist & Romanist (M.A.), war lange freiberuflicher lektor und Journalist mit Themenschwerpunkt Esoterik, lebenshilfe, Gesundheit. Viele Jahre arbeitete er als ConnectionRedakteur, ehe es ihn zum Schweizer Magazin »Zeitpunkt« verschlug. Er schreibt auch für das Konstantin Wecker Projekt: www.hinter-den-schlagzeilen.de. Kontakt: roland.rottenfusser@web.de

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