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Bemerkungen zum Phänomen Peter Sloterdijk Von Thomas.W70 10.12.2010, 11.47 Uhr

In eine der letzten Ausgaben der ZEIT hat Peter Sloterdijk erneut ausführlich seine Thesen zum Vorschlag Steuern für Reiche durch durch freiwillige Abgaben zu ersetzen erleutert. Die staatshistorische und gesellschaftspsychologische Argumentation Sloterdijks mag einem einleuchten oder nicht ganz zu Schweigen vom gesamtökonomischen Sinn oder Unsinn solcher Thesen. Ich behaupte, dass es Sloterdijk hier eigentlich überhaupt nicht um die Sache selbst geht, selbst man ihm, einer der wenigen Philosophen, der auf die Goldader mediale Popularität gestossen ist und diese möglichst ungeschmälert ausbeuten will, auch ein wenig egoistische Interessen unterstellen könnte. Worum es ihm eigentlich geht, und schon seine "Menschenpark" Thesen und auch sein Buch "Du must Dein Leben ändern" wiesen in dieselbe Richtung, ist ein subversives Revolutionieren gegen den allgemeinen gesellschaftlichen Gleichheits- und Gerechtigkeitskonsens. Sloterdijk ist bekanntlich ein großer Nietzsche Kenner und Bewunderer und es ist unverkennbar, dass dieser Impuls gegen den Stachel zu löken und alles, was Ordnung und Stabilität symbolisiert, sei es Religion, Staat oder gesellschaftlicher Konsens, in einem Akt kreativer und Kreativität freisetzender Zerstörung, zu destabilisieren. Wie Nietzsche hat er auch einen gewissen teuflischen Instinkt dafür, wo die Angstpotentiale der Gesellschaft liegen. So hatte er in den 90ern mit den neuen Potentialen der Gentechnik sofort die damit verbundenen Ängste gespürt

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genauso wie er im aktuellen gesellschaftlichen Klima, der durch die Abstiegsangst der Mittelschicht geprägt ist, mit seinen Steuerthesen genau diese Ängste addressiert. Doch seine Strategie ist natürlich nicht zu beschwichtigen, sondern im Gegenteil, indem er die sich abzeichnenden Entwicklungen zuspitzt und propagiert Gift in die Wunden zu träufeln. Dabei ist, wie bei seinem großen Vorbild Nietzsche, auch oft ein ironisches Flackern im Spiel, das zusätzlich zur Verunsicherung beiträgt. Ich bin mir offen gestanden selbst nicht sicher, ob bei Sloterdijk dabei insgeheime altruistische Motive eine Rolle spielen, er sich quasi als Heilpraktiker der Gesellschaft sieht, der die Ängste durch Verstärkung zum Bewußtsein bringen will um sie zu kurieren, oder doch nur eine nach Aufmerksamkeit süchtige Eitelkeit. Zudem teilt er Nietzsches Elitarismus, auch wenn es in diesem Zusammenhang etwas seltsam anmutet, dass er sich bei seinen Steuervorschlägen nicht mit einer Geistes- sondern Geldelite solidarisiert. Doch darin ist er wohl Kind unseres konsumistischen Zeitalters, das im Geld das ultimative Macht- und Freiheitsmittel sieht. Die bedenkliche Seite am Phänomen Sloterdijk ist, dass es fatal an gewisse Entwicklungen vor einem Jahrhundert erinnert, als auch, viel von Nietzsche inspiriert, ein Kult der Antivernuft en vogue war, der durch das Klima einer frivolen Auflösung von Bindung und common sense katastrophale Folgen hatte. Doch schon damals war Nietzsche natürlich nicht selbst die Ursache, sondern der Seismograph eines Zeitphänomens. Mit gewisser Besorgnis frage ich mich daher, ob Sloterdijk auch der Indikator eines hemmungslosen elitären Geld- und Machtfeudalismus ist.

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10.12.2010 um 15.40 Uhr PHS

1. Phänomen Peter Sloterdijk Man mag zu Ihrem Kommentar stehen wie man will. Aber man wird den Verdacht nicht los, Sie verdächtigen gerne. Warum nutzen sie nicht die üblichen seriösen Spiele der begründeten Verdächtigungen: Zitate, eigene Interpretationen und Begründungen "der druckfrischen Tat" des Verdächtigten? Also: Nietsche und Sloterdijk " tun alles daran"..was Ordnung und Stabilität symbolisiert, sei es Religion, Staat oder gesellschaftlicher Konsens, in einem Akt kreativer und Kreativität freisetzender Zerstörung, zu destabilisieren." Toll, wenn ich solch eine Kraft über das Schreiben erhalte, werde ich Autor! Unterliegen Sie dabei nicht spät68er Illusionen? Meines erachtens reien Sie sich aber einfach nur ein, in die Kommentatoren, die etwas verwechseln: Der Diagnostiker wird bei Ihnen zum Täter. Also, Diagnostiker schweigt, damit die Sache der Verschwörung weitergehen kann. Bitte etwas mehr Tiefgang. PHS

3. Sloterdijk ist in der Tat ein "mediales 16.12.2010 03.05 Uhr Ich schätze und verehre Friedrich Nietzsche sehr, den Philosophen desum freien oliveradam den Geistes, den lebensbejahenden Kritiker der Religionen wie der Metaphysik, Bewunderer Heines, den entschiedenen Gegner Bismarcks und des Antisemitismus seiner Zeit.

Daher verwundert es mich durchaus, wenn es einem Peter Sloterdijk immer wieder gelingt, seinen Namen mit Nietzsche in Verbindung zu bringen. (Ich zweifle zunehmend am intellektuellen Vermögen der Journalisten.) Nietzsches philosophischer Anspruch bestand ausdrücklich mindestens darin, der Dummheit zu schaden. Einer solchen Aufgabe hat sich hingegen der Lieblings-Esoteriker der deutschen Medien nie verschrieben, dem Gegenteil schon. Durfte die "Kritik der zynischen Vernunft" noch witzig aufgenommen werden, als dickes Blödel-Buch, so könnte inzwischen hinlänglich deutlich geworden sein, dass der Mann das leider allzu ernst nimmt, was er von sich schreibt. Dabei versteht er doch offensichtlich so wenig von Nietzsche wie von Derrida, schreibt aber hemmungslos vor sich hin. Dem Suhrkamp-Verlag wie den Medien

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ist dies offensichtlich vollkommen gleichgültig. Warum fallen so viele Menschen darauf herein? Unter Philosophen ist Sloterdijk so wenig Thema wie ein Sarrazin unter Soziologen und Genetikern. Die wenigen Denker, die sich öffentlich gegen Sloterdijk zu äußern bereit waren, gingen ein nicht geringes Risiko ein. Wer greift schon gern den gehätschelten Liebling der Medien an? Wer macht sich gern gemein mit den kruden Launen eines Menschen, der in seinem Werk ausdrücklich Argumentationen ablehnt und sich stattdessen auf mediale Eingebungen beruft, sich als "Medium des Zeitgeistes" versteht? Die Rolle eines "Medium des Zeitgeistes" füllt Sloterdijk einigermaßen aus: Er verstärkt die politischen Trends bisweilen bis ins Absurde. Man könnte ihn in diesem Sinne als skurriles Symptom, als Verdichtung einer Mode-Ideologie verstehen. Er bietet komprimiert, was wir heute Neoliberalismus zu nennen gewohnt sind, obwohl dieser eine Spielart des politischen Anti-Liberalismus ist. Nur im Chile Pinochets konnte das mit Demokratie unverträgliche Programm pur umgesetzt werden. Gescheitert ist es freilich, aber was schert das die Nutznießer dieser Lehre. (Ebenso gibt es auch Kommunisten, wo den Menschen die Befreiung von ihnen noch nicht gelungen ist, man denke nur an Korea oder Kuba!) Die Zerstörung des Sozialstaates und des Kulturbereiches ist durch die HartzGesetze beschleunigt voran geschritten. Die Steuersenkungen für Wohlhabende sind kaum noch zu steigern. Dass deutsche Eliten die Arbeitslosen aushungern wollen, zeigt die sarkastisch geringe Hartz-IV-Erhöhung. Diese Situation schreit geradezu nach einem, der sich als Denker geriert und keine Hemmungen mehr hat, die entschiedene Umstülpung des Systems zu fordern: Wollt ihr den totalen Almosen-Staat? Alles Gute kann doch ohnehin nur von oben kommen, von den so freigiebigen Reichen. Wo sonst sollen die Bettler der Zukunft betteln? Wohlhabende Zyniker werden schmunzeln und ihren Hofnarren Sloterdijk für einen weiteren Preis vorschlagen. Dieser könnte von einer ihrer Lobby-Stiftungen vorliehen werden, die sich bisher nur für Steuersenkungen einzusetzen getraute. Künftig fassen vielleicht auch die Milliardäre Deutschlands endlich mehr Mut, nicht nur die weitere Umverteilung zu ihren Gunsten zu fordern, sondern den Terror des Steuerstaates offen anzuprangern ... - Keine Frage, natürlich nur, um mehr geben und schenken zu dürfen, wozu sonst? Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit Oliver Adam

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