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Oh! Magazin The Beer Issue Ausgabe 01/2017 AUT € 12

#01 THE BEER ISSUE RE DL I CH KE I T

S E X IS MU S

V E R A N T WO R TUNG


zischhh. blopp.


HOPFEN UND MALZ, DIE WERBUNG ERHALTS.


OHDITORIAL

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BIER, ODER FLÜSSIG SEMMERL.

#01 THE BEER ISSUE


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In der Werbung geht es oft nur um Profit. Moralische Grundsätze werden oft nicht beachtet. In der Brauereiwirtschaft wird oft ein Auge zugedrückt was Kommunikationsgrundsätze betrifft. Die Werbungen sind oft sexistisch, oder versprechen dem Kunden mit einer Kiste Bier den Regenwald schützen zu können oder sind so lustig, dass Kinder auch Bier kaufen würden. In der ersten Ausgabe von Oh! beschäftigen wir uns mit Bier sowie Werbung im Zusammenhang mit Ethik. Ausgabe für Ausgabe werden, die Macher von Oh!, sich mit dem Thema Werbung und Ethik auseinandersetzen.

Viel Spaß beim Lesen wünscht die Herausgeberin

#01 THE BEER ISSUE

OHDITORIAL

Oh!DITORIAL


Die Herausgeberin

OH!

VIKTORIA „VIKI“ BIERBAUMER

#01 THE BEER ISSUE


OH!

JA, DIE HEISST WIRKLICH SO.

#01 THE BEER ISSUE


INHALT

INHALT

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Der Inhalt des Bier Issue orientiert sich am

KOMMUNIKATIONSKODEX DER ÖSTERREICHISCHEN BRAUEREIWIRTSCHAFT. Die Kapitel widmen sich je einem dieser Grundsätze. Die Paragraphen der jewiligen Grundsätze dienen hier als Einführung in jedes Kapitel.

#01 THE BEER ISSUE


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10–21

» Wir saufen für den Regenwald!

22–43

SEXISMUS » Umfrage: Frauen, Bier und Werbung » Frauenbier–Eine Revolution » Sex sells Beer

44–53

VE RAN T W O R T U N G » Das Bier und die Fraktur » Kinder würden Budweiser kaufen

#01 THE BEER ISSUE

INHALT

REDLICHKEIT


REDLICHKEIT

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KODEX DER ÖSTERREICHISCHEN BRAUEREIWIRTSCHAFT


Werbung darf nicht gegen den Grundsatz der Redlichkeit und Wahrhaftigkeit verstoßen.

KODEX DER ÖSTERREICHISCHEN BRAUEREIWIRTSCHAFT

REDLICHKEIT

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WIR SAUFEN FÜR DEN REGENWALD! TEXT: DIE ZEIT

BILD: VIKI BIERBAUMER

WIR SAUFEN FÜR DEN REGENWALD!

REDLICHKEIT

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Kronkorken kommen nicht nur mit Gerstensaft, sondern liefern auch gutes Gewissen: Für jede Flasche wird in Indonesien ein Quadratmeter eines Klimaschutzprojektes finanziert.

Seit zehn Jahren fließen nicht nur das Bier, nein, sondern auch die Sponsorengelder an den Umwelt verband WWF in Strömen. Und die Frage lautet hier immer noch: Ist das Greenwashing? Oder innovative Finanzierung von Klimaschutz? Herr Franz-Josef Weihrauch steht bis zu den Knien im Matsch. Der Pressesprecher des Krombacher-Brauerei inspiziert das Klimaschutzprojekt im Nationalpark Sebangauim Süden Borneos. Seit nun zehn Jahren will Krombacher mit Hilfe des WWF die Umwelt schützen, ja, es ist die erfolgreichste Öko-Imagekampagne.

ALLES NUR GREENWASHING?

Jede Flasche rettet ein Stück Wald. Sagen sie. wurde der Regenwald gerodet und somit die gigantische Quelle für Klimagase geschaffen. Jetzt aber ist der Sumpf die Szenerie für die größte sowie auch bekannteste Umwelt- und Werbeaktion in Deutschland, und Weihrauch präsentiert sie stolz vor einer Gruppe deutscher Journalisten. Krombacher, die Nummer eins beim deutschen Pilsbier, und WWF, wollen gemeinsam das Klima schützen. Und auch ihr Image aufpolieren. Beides ist dringend notwendig. Einen Deckel auf die CO Moore in Indonesien zu legen, ist relativ einfach und billig. Die Umweltschützer haben mit dem Sponsorengeld „etwa 500 Dämme in den Entwässerungskanälen gebaut“, sagt Adventus Panda vom WWF.

WIR SAUFEN FÜR DEN REGENWALD!

REDLICHKEIT

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REDLICHKEIT

EINE TONNE CO FÜR 1,50 EURO

Mehr Wasser heißt weniger CO-Emissionen, weil der Torfboden den gespeicherten Kohlenstoff dann festhält. Bisher sind das nach WWFBerechnungen 260.000 Tonnen. Und das zu einem unschlagbaren Preis: Die vermiedene Tonne CO in Sebangau kostet etwa 1,50 Euro. Im europäischen Emissionshandel zahlt man dafür sieben Euro, bei Wärmedämmung an Fassaden etwa 50 Euro. Um diesen Effekt fürs Klima sicher belegen zu können, leisten sich WWF und Krombacher ein teures Zertifizierungsverfahren vom deutschen TÜV. Für Moor-Experten ist Wiedervernässung von Mooren „eine der günstigsten Klimaschutzmaßnahmen“. Lokale Umweltschützer kritisieren, dass die Bevölkerung keinen freien Zugang zum Nationalpark mehr hat, aber den Nutzen für das Klima bezweifeln sie nicht.

FÜR JEDEN KASTEN KROMBACHER EIN QUADRATMETER REGENWALD GESCHÜTZT. WIR SAUFEN FÜR DEN REGENWALD!


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ZENTRALAFRIKANISCHE 622.984 KM²

REDLICHKEIT

REPUBLIK

ES BEGANN IN DZANGA-SHANGA

Über dem WWF Deutschland geht durch die Kooperation mit dem Bierbrauer seit zehn Jahren ein warmer Geldregen nieder. Sechs Millionen Euro haben die Brauer aus dem Siegerland als Klimadividende bisher gespendet, und beide Seiten sind sehr zufrieden. Die Kooperation begann 2002 in Zentralafrika. Im Dzanga-Shanga-Gebiet, so warb damals Showstar Günther Jauch, wurde für jeden verkauften Kasten Krombacher ein Quadratmeter Regenwald geschützt. Für die Bierbrauer ein Erfolg, der sich in ihren Absatzzahlen ausdrückt: „Wir sind gegen den Trend im Markt gewachsen“, sagt Weihrauch. „Und unsere Werte bei Authentizität, Sympathie und Glaubwürdigkeit sind deutlich gestiegen.“

WIR SAUFEN FÜR DEN REGENWALD!


REDLICHKEIT

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„WAS MACHT IHR EIGENTLICH FÜR DIE UMWELT IN EUREM UNTERNEHMEN?“

WIR SAUFEN FÜR DEN REGENWALD!


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VOM PANDA ZUM BIER

REDLICHKEIT

Der Imagetransfer vom Panda zum Bier Da fehlten ihnen erst mal die hat gut funktioniert. Wegen des großen Antworten. Weihrauch muss Erfolgs gibt es seit 2011 jetzt das Projekt jetzt liefern: Die Brauerei setzt in Indonesien, wo Klimaschutz dringend auf Mehrweg statt auf Dosen; nötig und deutlich billiger ist: Hier gibt sie hat einen Ökofußabdruck es noch einen Quadratmeter Klimaschutz für ihr Bier errechnet und auf schon pro Flasche. „Klassisches GreenÖkostrom umgestellt, und sie washing“ Bei, anderen Projekten, achtet hat einen „Nachhaltigkeitsrat“ der WWF darauf, dass sich die Unternehmit externen Experten berumen auch zu Ökomaßnahmen im eigenen fen. Das alles steht im ersten Haus verpflichten. Bei Krombacher war „Nachhaltigkeitsbericht“, den man da großzügiger. Als das Projekt vor die Brauerei 2011 vorgelegt zehn Jahren startete, war dies eine reine hat. Ziemlich spät, findet Jana Imagekampagne des Brauereikonzerns. Gebauer. „Für einen Einsteiger „Klassisches Greenwashing“, sagte Janna aber ganz gut“, sagt die ExperGebauer vom Institut für Ökologische tin. „Allerdings ergeben die Wirtschaftsforschung (IÖW) in Berlin, die Angaben doch so gar kein Bild, sich auf Nachhaltigkeitspolitik von Unter- wie das gesamte Unternehmen nehmen spezialisiert hat. Der Werbung Richtung Nachhaltigkeit steustanden ja keine Öko-Anstrengungen des ert.“ Auch zur Verantwortung Bierbrauers gegenüber. Aber dann began gegenüber den Beschäftigten das Greenwashing das Unternehmen werde nicht viel gesagt. Und grün durchzuspülen. „Wir sind da damals warum setze die Brauerei denn ganz schön blauäugig rangegangen“, gibt nicht auf Ökorohmaterial? auch Krombacher-Sprecher Weihrauch zu. Sobald nämlich das grüne Image beworben wurde, seien zehntausende Briefe und E-Mails ins Haus gekommen: VOM MARKETINGTRICK ZUM STRUKTURWANDEL

„Wir brauchen 90.000 Tonnen Gerste im Jahr, die bekommen Sie nicht in Ökoqualität“, sagt Weihrauch. „Krombacher ja könnte ja als Nachfrager auftreten und denn Markt dafür schaffen“, kontert H. Gebauer. Positiv ist für Janna allerdings, wie das Klimaschutz-Engagement vom Marketingtrick zum Strukturwandler für das Unternehmen geworden ist. „Das war und ist ein langer Lernprozess.“ Auch für den WWF. Am Tag nach dem Besuch im

Sebangau erreicht die WWFCrew in Indonesien die Nachricht vom Skandal um den spanischen König Juan Carlos, der als Ehrenvorsitzender auf Elefantenjagd war. Und drei Tage später erscheint in Deutschland das „Schwarzbuch WWF“. Beide Skandale verdeutlichen die Kritik an den Umweltschützern mit dem Panda im Logo: Ihre traditionelle Nähe zu Geld und Adel und ihre engen Verbindungen mit Großkonzernen.

WIR SAUFEN FÜR DEN REGENWALD!


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REDLICHKEIT

RUNDER TISCH STATT PROTEST

Außerhalb des Sebangau-Projekts muss sich der WWF in Indonesien viel Kritik anhören. Überall roden große Konzerne den Regenwald für Palmölplantagen, oft vertreiben sie die Einheimischen mit Gewalt und dezimieren die Orang-Utan Bestände. Während die lokale Umweltorganisation Walhi, Greenpeace oder Robin Wood zum Widerstand aufrufen und hier schon mal die Konzernzentralen blockieren, hat der WWF den „Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl ins Leben gerufen, an dem auch die Regenwaldkiller sitzen. „Die einzige Chance, Schlimmeres zu verhüten“, sagt Heinrich. „Der WWF arbeitet mit den Firmen, die den Wald zerstören“, sagt Arie Rompas von Walhi. „Er hilft ihnen, ihre Produkte grünzuwaschen.“ Genau das Gegenteil wirft wiederum die Palmöllobby dem WWF vor: Die Organisation „World Growth“ warnt, der WWF fordere in seiner Strategie zur „Grünen Wirtschaft“ den Vorrang für Umweltschutz vor Arbeitsplätzen und Wachstum durch den Missbrauch von nachhaltigen Standards wie dem „Runden Tisch“. Auch in der deutschen Umweltszene gibt es Stimmen, die den WWF bei so manchen Themen eher an der Seite der Industrie als der Umweltverbände sehen. Für Peter Gerhardt von Robin Wood etwa ist „der Runde Tisch mit dem Konzern Wilmar, der wegen der Verletzung von Menschenrechten im Blut watet, eine Grenzüberschreitung.“

WIR SAUFEN FÜR DEN REGENWALD!


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REDLICHKEIT

„CO² GIBT’S BEI KROMBACHER NUR IN DER KOHLENSÄURE“

WELCHEN QUADRATMETER HAB ICH GERETTET?

WIR SAUFEN FÜR DEN REGENWALD!


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REDLICHKEIT

DER PANDA HALF DEN BRAUERN DAS BIER GRÜN ZU MACHEN.

SPIELT DER WWF EIN FALSCHES SPIEL?

WIR SAUFEN FÜR DEN REGENWALD!


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INDUSTRIEFREUNDE

KLIMANEUTRAL?

Krombacher jedenfalls denkt schon an die nächste Runde im grünen Marketing. Die Einsparungen im indonesischen Moor sollten locker reichen, um die Bierproduktion im Siegerland klimaneutral zum machen, frei nach dem Motto: „CO2 gibt’s bei uns nur in der Kohlensäure“. Und der WWF hat erst recht ein Motiv, die lukrative Krombacher-Connection fortzuführen. Von seinen Spendern fühlt er sich bei seinem Kuschelkurs mit der Industrie bestätigt. Als im letzten Jahr die Vorwürfe gegen den WWF laut wurden, verlor er nur in Deutschland etwa 2.000 von 430.000 Unterstützern. Aber die Einnahmen 2011 mit gut 50 Millionen Euro waren so hoch wie noch nie. Viel Geld. Aber immer noch zehn Millionen weniger als der Werbeetat von Krombacher.

WIR SAUFEN FÜR DEN REGENWALD!

REDLICHKEIT

2009 verließen Vertreter von Greenpeace, BUND und Robin Wood unter Protest einen internen Koordinierungskreis der Umweltverbände, weil ihnen die WWF-Position zu industriefreundlich war. Und im NGO-Netzwerk Forest Movement Europe werden die WWF-Vertreter schon mal vor die Tür geschickt, wenn es um sensible Absprachen geht. Ein großes Imageproblem hat derzeit der WWF, nicht Krombacher. Da freuen sich die Naturschützer über einen Partner, der nicht nur verlässlich Geld gibt, sondern auch selbst ein bisschen grüner wird. Mit dem Vorzeigeprojekt Sebangau wirbt der WWF großflächig in seinem Jahresbericht. Der Krombacher-Geschäftsführer lobt darin, dass „faszinierende Naturschutzprojekt“ sei ein „Meilenstein für modernes Marketing“. In der Tat: Der Imagetransfer funktioniert da in beide Richtungen: Erst hat der Panda den Brauern geholfen, ihr Bier grün erscheinen zu lassen. Jetzt hilft der Sponsor mit seinem Projekt auch den Umweltschützern, Kritik am Panda zu kontern.


SEXISMUS

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KODEX DER ÖSTERREICHISCHEN BRAUEREIWIRTSCHAFT


Werbung darf nicht die Würde des Menschen verletzen, vor allem durch eine entwürdigende Darstellung von Sexualität [...]

KODEX DER ÖSTERREICHISCHEN BRAUEREIWIRTSCHAFT

SEXISMUS

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SEXISMUS

DIE ERGEBNISSE DER UMFRAGE FRAUEN, BIER UND SEXISMUS

„WAUNS A TRINKT I GUADE O Schon mal gehört? Auf den folgenden Seiten werden die Ergebnisse meiner online Umfrage aufbereitet und behandelt. Ich habe Frauen zum Thema Bier und Bierwerbung befragt. Ebenso wurde der Schwerpunkt auf das Thema Sexismus gelegt.

FRAUEN, BIER UND WERBUNG


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A BIER IS A OIDE !“ FRAUEN, BIER UND WERBUNG

SEXISMUS

MÄNNER,WERDS ERWACHSEN!


SEXISMUS

TEXT UND BILD: VIKI BIERBAUMER

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Männer trinken Bier, Frauen trinken Sekt. Viele Jahre war dies in den Köpfen der Menschen. Leider kommuniziert die Bierbwerbung auch heute noch oft dieses Klischee. Da ich selbst schon oft mit sexistischen Kommentaren zu meinem Bierkonsum konfrontiert wurde, wollte ich herausfinden, ob es anderen Frauen ähnlich ergeht. Ich startete eine online Umfrage an der Frauen jedes Alters teilnehmen konnten. Auf den folgenden Seiten werde ich Fragen und Antworten grafisch aufbereiten. DIE FRAGEN

Zu Beginn fragte ich nach dem Alter und ob die Teilnehmerinnen überhaupt Bier trinken. Hier war mir die Unterscheidung zwischen Radler und Bier wichtig, da Radler ja auch oft als Alternative von Bier für Frauen vermarktet wird. Es folgten Fragen zur Bierwerbung, welche Assoziationen oder Botschaften sie vermittelt. Zum Schluss der Umfrage kamen noch Fragen bezogen auf den Sexismus.

FRAUEN, BIER UND WERBUNG


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FRAUEN NAHMEN AN MEINER UMFRAGE TEIL.

D A S A LT E R D E R TEILNEHMERINNEN WA R

BIER. .... 34 RADLER. ...8 NOT......4

D AV O N TRINKEN BIER

SEXISMUS

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JUNG, SCHÖN,HOPFENLIEBHABERINNEN

Ø 18–25 <18.......1 18–25. ... 34 26–35. ....6 36–40.....2 40+.......3

FRAUEN, BIER UND WERBUNG


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A S S O Z I AT I O N E N , DIE DIE LADIES MIT BIERWERBUNG VERBINDEN:

 x MÄNNER

SEXISMUS

Männer........ 22 Natur ........ 12 Fußball ........ 6 Geselligkeit... 4

MÄNNER TRINKEN GERNE BIER. MIT ODER OHNE WERBUNG!

FRAUEN, BIER UND WERBUNG


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Kaiser Märzen. 13 Gösser......... 8 Heiniken ...... 7 Wieselburger... 5

Kaiser Märzen. Märzen

SIE TRINKEN DIESE MARKE AM LIEBSTEN WEIL

es oafoch schmeckt.

FRAUEN, BIER UND WERBUNG

SEXISMUS

DIE BELIEBTESTE BIERMARKE BEI DEN FRAUEN IST


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SEXISMUS

AUF DIE FRAGE NACH SEXISTISCHEN WERBUNGEN, DIE IHNEN BEKANNT SIND, GAB ES VERSCHIEDENE ANTWORTEN.

„Naja Frauen werden in Bierwerbungen oft eher als begehrenswerte Objekte eingesetzt, als menschliche Wesen die vielleicht auch einfach gerne Bier trinken?“

„Da fällt mir die Paulanerkellnerin mit dem extra gepushtem Dirndl ein, voll oag!“ „Mir fällt die von Hirter ein! Drei halbnackte Frauen sollen drei Biersorten darstellen!“

„Es kommen meistens keine Frauen vor, das ist sexistisch.“

FRAUEN, BIER UND WERBUNG


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SCHAU NICHT DURCH DIE ROSAROTE BRILLE. SCHAU DURCHS BIER.

SEXISMUS

„HÖCHSTENS DASS DARIN MEISTENS NUR MÄNNER BIER TRINKEN!“

„Ich denke Bier-Marken sind auf das Thema Sexismus aufmerksam geworden und nicht mehr auf das Hauptsache fette Titten & geiler Arsch-Prinzip aus.“

FRAUEN, BIER UND WERBUNG


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SEXISMUS

ZUM ABSCHLUSS FRAGTE ICH DIE TEILNEHMERINNEN OB SIE SCHON MAL MIT S E X I S T I S C H E N K O M M E N TA R E N ZU IHREM BIERKONSUM KONFRONTIERT WORDEN SIND? HIER DIE ANTWORTEN:

„Von Männern die es erotisch finden wenn Frauen Bier trinken. Und denken es soll sie bewusst scharf machen.“

SICHERLICH, MÄNNER WERDEN AUCH MIT SEXISTISCHEN KOMMENTAREN KONFRONTIERT!

FRAUEN, BIER UND WERBUNG


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„Ja von männlichen neuem Bekanntschaften die ganz erstaunt warn, dass eine Frau Bier trinkt“

„ Ja vor drei Jahren von einem Bekannten. Er meinte, dass Bier nur etwas für Männer wäre und es einfach männlich ist.“

„Ja, von Schulkameraden beim fortgehen: Wenns ein Bier trinkt, dann kanns ja nur a guade Oide sein“

„WENN DU BIER TRINKST KÖNNEN DIR JA GLEICH EIER IN DER HOSE WACHSEN.“

FRAUEN, BIER UND WERBUNG

SEXISMUS

„Denke nicht, außer ein kurzes: de sauft a a bier?“

„Ja. Von einem ehemaligen Kollegen: Frauen die Bier trinken, sind unsexy.“


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SEXISMUS

ECHTE FRAUEN. ECHTES BIER.

Frauenbier – EINE REVOLUTION Holla die Bierfee. Dieses Frauenbier mischt jetzt den Markt auf. Weil ihre Freundinnen Aperol statt Bier tranken, fassten vier fränkische Brauerinnen einen Plan: ein neues Bier, extra für Frauen. Das Ergebnisbier ist sieben Prozent schwer und verkauft sich gut.

FRAUENBIER – EINE REVOLUTION


Das war das Jahr von Gisi, Moni, Yvi und Isabella: Was im Sommer 2012 als Stammtischidee von vier jungen Braumeisterinnen aus Oberfranken begann, entwickelte sich im vergangenen Jahr zum Verkaufsschlager. Von der männlich dominierten Brauzunft sehr kritisch beäugt, wurden die jungen Frauen als „Bierfeen“ mit einem super Frauenbier deutschlandweit bekannt. Und es spricht alles dafür, dass sie ihren Erfolg auch in diesem Jahr fortsetzen können. Es begann mit einem Anruf von Gisela Meinel-Hansen bei Yvi Wernlein und Isabella Straub. Ob sie Lust auf einen Stammtisch hätten, auch ihre jüngere Schwester Monika würde dabei sein? Man kannte sich vom Hörensagen, die oberfränkische Brauerlandschaft ist zwar ausgesprochen vielfältig, aber dennoch überschaubar. Gemeinsam hatten diese jungen Frauen lediglich ihre Braumeisterausbildung und ihre Herkunft aus Traditionsbrauereien. BIERTRADITION

Der Begriff „Biertradition“ hat in Oberfranken besondere Bedeutung: Denn hier herrscht die weltweit höchste Brauereidichte, 202 Braustätten kommen auf nur 5000 Einwohner, Manufaktur ist beliebter als Industriebier. Nicht selten reichen die Wurzeln der Brauereien sogar bis ins Spätmittelalter, wie im Fall des Brauereigasthofs „Drei Kronen“ in Memmelsdorf bei Bamberg. Er hat seit 1457 das Schankrecht und gehört seit 1936 der Familie Straub. Und die Brauerei Haberstumpf in Trebgast im Landkreis Kulmbach gibt es seit 1531, Yvonne Wernlein übernimmt bald die Leitung von ihren Eltern.

Seit 1731 braut auch Familie Meinels nun schon in Hof. Für die vier jungen „Bierfeen“ ist die Tradition das Fundament für Neues. „Wir haben uns gewundert, dass Frauen immer nur Aperol Spritz, Sekt oder so was trinken. „Das wollten wir nun ändern“, berichtet Yvi Wernlein vom ersten Aufeinandertreffen der Brauerinnen.

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TEXT: ANJA-MARIA MEISTER

BILD: VIKI BIERBAUMER

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„Tradition ist das Fundament für Neues.“

FRAUENBIER – EINE REVOLUTION


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Für ein erfolgreiches Frauenbier „reicht es eben nicht, einfach nur ein süßes Bier zu brauen“, sagt Isabella Straub. Die Bierfeen machten genau das Gegenteil, denn sie produzieren ein Starkbier: FRAUENBIER – EINE REVOLUTION


„Es widerspricht sich doch, wenn ich sage, ich gönne mir was. Dann nehme ich etwas mit drei Prozent, damit ich den Mann dann doch noch heimfahren kann. Da, will ich schon was Gescheites“, sagt Yvonne Wernlein. FRAUENBIER – EINE REVOLUTION

SEXISMUS

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SEXISMUS

MÄNNER TRINKEN DIE SIEBENFACHE MENGE BIER IM JAHR ALS FRAUEN.

DER ENTHUSIASMUS IST MIT HÄNDEN GFREIBAR

Wer die jungen Frauen im Alter zwischen 24 und 32 erlebt, bekommt schnell den Eindruck, in eine ziemlich coole und gutgelaunte Weiberclique geraten zu sein. Da gibt ein Wort das andere, begeistert wird gerne mal durcheinander erzählt, und der Enthusiasmus ist mit Händen greifbar. Die Mails von Isabella Straub, 29 klingen begeistert: „Wir sind sehr gute Freundinnen geworden, die im Bier den gemeinsamen Nenner gefunden haben!“ Auch Gisi Meinel (26) ist quirlig, lustig und enthusiastisch. Yvi Wernlein, 32, wirkt sachlicher und schlägt auch mal kritische

Töne über alle bürokratischen Fesseln, eitle Winzer oder festgefahrene Gewohnheiten an. Die wollen sie aufbrechen, ihre Mission lautet: Das Bier aus der Männerecke holen und für die Frauen attraktiver machen. Da scheint es viel Potenzial zu geben: 107 Liter Bier trank der Deutsche im Jahr. Denn die Männer trinken auch durchschnittlich die siebenfache Menge, von dem was die Deutsche so trinkt.Ja, deshalb

FRAUENBIER – EINE REVOLUTION

haben dieBiere der vier Feen auch immer um die gut sieben Prozent. „Außerdem war uns wichtig, regionale Produkte zu benutzen und so zu zeigen, dass man das Reinheitsgebot einhalten und so trotzdem ein besonderes Bier brauen kann“, erklärt Moni Meinel, die mit 24 Jahren die Jüngste der vier Bierfeen ist.


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BIER MUSS FRAUEN AUCH SPASS MACHEN!

Die vier Brauerinnen benannten sich um: „Holla die Bierfee“ heißt ihr Trunk jetzt und die Namensrechte sind gut geschützt. Auch das klingt nach Marketing-Gag, ist es aber nicht: Ihre Freunde nennen sie so, seit sie ihr erstes gemeinsames Bier gebraut haben. Denn Männer der deutschen Braubranche, wie zum Beispiel auch der Verband der bayerischen Privatbrauereien, hat „lange gebraucht, bis er auf uns aufmerksam wurde“, sagt Yvi Wernlein. Und immer noch würden sie von älteren, männlichen Kollegen gefragt, ob sie jetzt „nicht langsam endlich erwachsen werden wollten und damit aufhören wollen“. Der Erfolg der Bierprodukte ist manchem suspekt und überrascht die Braumeisterinnen auch selbst. Moni Meinel sagt: „Ich fand unsere Idee gar nicht so bahnbrechend und frage mich, was daran besonders sein soll.“ Nun, immerhin sind nicht nur die Kunden und Medien begeistert, denn Isabella Straub wurde von der Schweizer Bierakademie in St. Gallen sogar bereits gebeten, Bierseminare nur für Frauen zu halten, und so als Vorbild zu dienen.

SEXISMUS

BEI DER GANZEN SACHE GEHT ES UM SPASS SOWIE INNOVATION

SPREAD IT!

Ein Vertrieb über die Region hinaus ist bisher noch nicht geplant. „Unser Produkt ist halt zu erklärungsbedürftig“, sagt Gisi Meinel. „Man darf es nicht zu kalt trinken, nur aus dünn wandigen Gläsern und bitte kein Radler daraus machen!“ Und für ein echtes Marketing fehle bisher halt schlicht das Geld. „Wir wollen aber auch gar kein Massenbier machen und wir können nicht die ganze Republik bespaßen.“ Gisi Meinel sagt ganz bewusst nicht „beliefern“, denn bei der ganzen Sache geht es um Spaß: „Wir sind mehr selbstverwirklichungsmäßig drauf.“

FRAUENBIER – EINE REVOLUTION


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SEXISMUS

SEXY BRILLE SEXY BIER!

SEX SELLS BEER


SEX SELLS BEER

Sex verkauft alles. Aber Hirter Bier hat mit einer Kampagne den Bogen überspannt. Drei Frauen stellten drei Biersorten dar. Aber wie!

SEX SELLS BEER

SEXISMUS

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Die oberösterreichische Traditionsbrauere Hirteri veröffentlichte im Jahr 2010 eine äußerst populäre, fragwürdige Kampagne. Drei halbnackte Frauen posierten als die drei Faßtypen. Diese Werbung schlug so hohe Wellen das sie auch sieben Jahre danach noch immer in unseren Köpfen ist. Auf der Website von der „Watchgroup gegen sexistische Werbung“ kann man solche Werbungen eintragen. Hier habe ich auch den Artikel über die Hirter Bier Werbung gefunden.

SEXISMUS

GEZEIGT WERDEN:

TÄTER: BRAUEREI HIRTER ANKLAGE: SEXISMUS

Drei Frauen jeweils bis knapp zur Taille, wovon je jeweils ein Glas Bier in der Hand hält. Alle Frauen bedecken mit der jeweils freien Hand ihre nackten Brüste. Für jede Bierfarbe oder Sorte gibt es je eine „Sorte“ Frau: eine Schwarzhaarige, eine Blonde und eine halbnackte Frau mit rotem Haar.

SEXUALISIERTE DARSTELLUNG

Bei dieser sexualisierten Darstellung wird das Produkt „Bier“ durch visuelle Koppelung von weiblichem Sex mit der Ware DIE KÖRPERSPRACHE sexualisiert. Dies geht mit einer direkten Die Körpersprache als Geschlechtsmerkund offenenen Herabsetzung, der Frauen mal drückt Geschlechterzeichen aus und durch das bildliche Arrangement einher. konstruiert diese. Körpersprache sowie Das geschlechtsneutrale Produkt „Bier“ Zeichen sind ausschließlich. Sie werden wird auf diese Weise sehr emotionalisiert. nur ernst genommen, wenn sie jeweils Die dafür eingesetzte weibliche Sexualität von Männern oder von Frauen benutzt wird kommerzialisiert. Die ästhetisierte werden. nackte Frau, die mit dem Produkt posiert, macht nicht nur Produkt „begehrenswert“, LÄCHELN UND BLICKE sondern auch sich selbst zu dem Produkt. Die Darstellung des Lächelns von der Frau Verstärkt wird dies zusätzlich durch den rechts, ist eine Dienstleistung für andere. Text, der auf ein Gewinnspiel aufmerksam Der direkte Blick der dargestellten Frauen macht. Es handelt sich, also um sexuelle links sowie mittig, auf den Betrachter ist Anzüglichkeiten auf Kosten der Frauen halt nur im Rahmen ihrer Sexualisierung und die Benutzung von weiblichem Sex zur möglich: Als Objekte schauen Frauen auf- Anpreisung der Ware. Die Frauen werden fordernd und verlockend. mit Produkten in Kombination mit dem Verwendung dess weiblichen Sex, gleichgesetzt. Verstärkt, wird dies zusätzlich durch das Text-Bild-Arrangement, dass „ Hirter Fasstypen“ mit den „Frauentypen“ gleichsetzt (Biersorte = Frauenhaarfarbe).

SEX SELLS BEER

TEXT: WHATCHGROUP GEGEN SEXISTISCHE WERBUNG / VIKI BIERBAUMER

BILD: VIKI BIERBAUMER

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SEX SELLS BEER

SENSIBILISIERUNG

Der Werberat bezeichnet die Werbung von Hirter mit drei spärlich verdeckten nackten Frauen als inadäquat, spricht aber keine Verurteilung aus. Sie rät Hirter aber zu einem Wechsel. Denn die von den Wiener Frauen beanstandete Werbekampagne hat auch den Werberat beschäftigt. Dieser hat am Freitag zu dem Sujet der Brauerei, auf dem nackte Frauenhaut zu sehen ist, zu künfthiger Sensibilisierung aufgefordert. Verurteilt wurde die freizügige Kampagne jedoch nicht. BEWUSST INADÄQUAT?

Zwar bemängelt der Werberat, „dass sich das Werbemittel bewusst spärlich bekleideter, ihre Nacktheit lediglich mittels ihrer Arme bedeckender, Frauen bedient, ohne dass ein unmittelbarer oder mittelbarer Zusammenhang zwischen der beworbenen Ware sowie den Körpern der Models erkennbar wäre“, was in Formen der kommerziellen Kommunikation „als sehr inadäquat zu betrachten“ sei. Auch weil die Kampagne als nicht jugendgefährdend eingestuft wurde, hatte der Werberat noch keine Verurteilung ausgesprochen, rät aber „dringend zu einem Sujetwechsel respektive, das Sujet für weitere werbliche Aktivitäten nicht mehr einzusetzen“. Hirter reagierte nicht.

SEXISMUS

FRAU = SEX: REDUKTION VON FRAUEN AUF SEXUALITÄT MACHT FRAUENKÖRPER IN DER WERBUNG UNIVERSAL EINSETZBAR.


VERANTWORTUNG

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KODEX DER Ã&#x2013;STERREICHISCHEN BRAUEREIWIRTSCHAFT


Werbung soll vom Grundsatz sozialer Verantwortung geprägt sein, insbesondere gegenüber Kindern und Jugendlichen vor dem vollendeten 18. Lebensjahr. KODEX DER ÖSTERREICHISCHEN BRAUEREIWIRTSCHAFT

VERANTWORTUNG

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GESCHICHTE

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Das Bier und die Fraktur Seit dem Nationalsozialismus haftet den Frakturschriften viel Böses an. Sie haben den Glanz verloren, in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit. Jedoch in manchen Branchen sind sie noch immer Vertreten: Bieretiketten vermitteln Tradition und Bodenständigkeit. Also trauts euch ran!

DAS BIER UND DIE FRAKTUR


TEXT UND BILD: VIKI BIERBAUMER

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GESCHICHTE

BIERETIKETTEN SIND SO VERSCHIEDEN UND DOCH ÄHNLICH.

Beim Bierkauf entdeckt man die verschiedensten Biermarken. Beim Kauf entscheidet man oft nicht nach Alkoholgehalt oder Sorte. Der visuelle Eindruck der Etiketten ist ein wichtiger Faktor. Denn oft kaufen wir Produkte nur weil sie uns einfach ein gutes Produktfeeling gibt. Und hier ein wichtiger Faktor, auch in der Bierbranche, ist Tradition. Diese Tradition vermitteln die Frakturschriften mit ihrer geschichtsträchtigen Formen. Leider wurde die Fraktur auch im Nationalsozialismus verwendet Seit dem haben viele Grafiker Angst solche Schriften zu Verwenden, denn keiner will mit dieser Zeit in Verbindung gebracht werden.

DAS BIER UND DIE FRAKTUR


GESCHICHTE

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DAS TABU „FRAKTUR“ SOLLTE ES IN DER GESTALTUNG NICHT GEBEN.

Deswegen ist es sehr wichtig, auch für junge Grafiker, keine Angst zu haben mit der Fraktur zu arbeiten. Die Bierindustrie ist ein schönes Beispiel, das man gut und gerne mit Frakturschriften gestalten und arbeiten kann. Denn richtig gesetzt vermittelt sie keine negative Werte, sondern positive wie Tradition, Bodenständigkeit und Detailreichtum. Experimentell eingesezt kann man mit ihr Pattern erstellen, sie in grellen, bunten Farben setzen und einfach einen Teil zu einer zukünftigen, sehr guten Beziehung mit der Fraktur teilhaben. Zum Schluss dieses Artikels habe ich noch ein typisches Bieretikett entworfen. Es vermittelt die Symbolik der Tradition, die Tannenberg wird verwendet. Natürlich kann dieser Artikel auch als Kritik an die Grafiker der Etiketten. Denn, ist wirklich keine andere der vielen Schriftarten auch so charakterstark um die Werte des Bieres an den Kunden zu bringen? Diese Frage und weitere gilt es zu beantworten.

DAS BIER UND DIE FRAKTUR


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08/15 DAS BIER UND DIE FRAKTUR

GESCHICHTE

Das urtypische Bier


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VERANTWORTUNG

LUSTIGE BIERWERBUNGEN SPRECHEN KINDER MEHR AN ALS ERWACHSELNE.

Kinder würden Budweiser kaufen KINDER WÜRDEN BUDWEISER KAUFEN


Schon einmal über einen Werbespot für Bier gelacht? Ihre Kinder auf jeden Fall: Forscher in den USA haben jetzt ein pikantes Detail über die dort so beliebten, weil witzigen Werbespots entdeckt: Sie sprechen die Kinder oft mehr an, als Erwachsene. Als besonderes Beispiel dafür nannten die Forscher einen Spot von Amerikas beliebtesten Bierproduzenten Budweiser.

„SITZEN DREI FRÖSCHE VOR DER BAR“

Werbefilmchen für unser goldenes Getränk erfreuen sich auch hierzulande meist großer Beliebtheit. Ist es doch oft der Fall, dass sie witzig und ansprechend sind. Aber nicht nur Erwachsene finden Bier-Spots lustig. Forscher aus Kalifornien haben zusammen mit Kindern amerikanische Bier-Werbefilme untersucht und Verblüffendes entdeckt: Die niedlichen Tierchen und oftmals kindisch-witzigen Handlungen der Spots sprechen zunehmend mehr Kinder, als Erwachsene an. DREI SPRECHENDE FRÖSCHE

Bei der Vorführung von über 60 TV Spots vor mehr als 250 Kindern stach einer voll heraus: Der Film von Budweiser in dem drei sprechende Frösche in einem Tümpel vor einer Bar sitzen. Die grünen Kameraden lesen in drei Silben, stotternd, dass Schild über dem Bareingang vor: „Bud“, „Weis“ und „Er“. Solche tierisch, witzigen Sujets appellieren gerade an die jüngeren Generationen. So wollten 35% der Kinder ein Budweiser Bier kaufen, nachdem sie den Spot gesehen hatten.

KINDER WÜRDEN BUDWEISER KAUFEN

VERANTWORTUNG

TEXT: PRESSE.AT UND VIKI BIERBAUMER

BILD:VIKI BIERBAUMER

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VERANTWORTUNG

KINDER NEHMEN BIERWERBUNGEN WAHR, UND SPEICHERN SIE UNTERBEWUSST.

KINDER WÃ&#x153;RDEN BUDWEISER KAUFEN


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Kommentar der Herausgeberin und Grafikerin Viki Bierbaumer

Als Grafiker muss man im Gestaltungsprozess immer wieder hinterfragen: Wer ist meine Zielgruppe? Was spricht sie an? Was bringt sie dazu mein Produkt zu kaufen? Im Kommunikationskodex der Bierindustrie steht, dass die Werbung Minderjährige nicht zum Kauf animieren darf. Aber kann man den Machern von der Budweiserwerbung etwas vorwerfen? Hätte die Werbung vorher getestet werden sollen? Denn man muss ehrlich zugeben, dass die Sumpflandschaft wenig kinderfreundlich wirkt. Ebenso die Frösche. Sie quaken in Tiefen tönen und sehen schlammig und dunkel aus. Ich finde man merkt, dass bei der Werbung bedacht wurde Kinder so wenig möglich anzusprechen. TIERE SIND KINDERMAGNET

Der Fakt, dass Tiere sprechen, zieht Kinder an. Natürlich spricht das genau die Fantasiewelt der Kinder an. Ja, hier kann man einen Vergleich mit Camel Zigaretten aufstellen. Auch sie verwenden in der Werbung ein Tier, eben ein Kamel. Hier finde ich jedoch einen sehr verantwortungslosen Umgang mit dem Keyvisual. Denn das Kamel ist im Comicstil.

Die Farben des Werbesujet sind bunt sowie auch fröhlich. Besonders heikel finde ich die Plakatsujets in der das Kamel in verschiedenen alltäglichen Situationen gezeigt wird, wo Raucher normalweiser eine Zigarette genießen. In dieser Serie gibt es unter anderem ein Plakat das zeigt wie unser Kamel einem Bus hinterherläuft. Das spricht eindeutig Schulkinder an? STIL TRÄGT AUCH DIE VERANTWORTUNG

Diese zwei Werbungesujet von Budweiser und Camel zeigen gut, dass es wichtig ist Wie die Tiere gezeigt werden. Hier hat Budweiser einen sehr guten Weg gewählt und die Frösche in einer Sumpflandschaft platziert, im Hintergrund eine Bar. So werden die sprechenden Tiere zumindest in erwachsener Umgebung kommuniziert.

KINDER WÜRDEN BUDWEISER KAUFEN

VERANTWORTUNG

WELCHE GRAFISCHEN ENTSCHEIDUNGEN, HÄTTEN DEN SPOT FÜR DIE KINDER WENIGER ANSPRECHEND GEMACHT?


rülps.

DAS WAR: Oh! #01 THE BEER ISSUE Danke & Prost!


Oh! MAGAZIN

PROJEKT

Publikationsdesign II. New Design University, St. Pรถlten Wintersemester 2016/2017

HERAUSGEBERIN

Viki Bierbaumer GRAFIK

Viki Bierbaumer FOTO

Viki Bierbaumer KONTAKT

viki.bierbaumer@gmail.com FONTS

Trade Gothic Newzald Tannenberg Fett Eureka Mono

GEDRUCKT IM Jร„NNER 2017

Oh! Magazin #01 The Beer Issue  

A university project about ethic in graphicdesign with focus on beer advertising.

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