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NEWSLETTER Das Monatsmagazin des Österreichischen Weltraum Forums.

Juli 2012

 Im Interview: Jennifer Ngo-Anh vom Mars500-Projekt  Sommer im Labor  Mode für kleine Austronauten


INHALT

Das Österreichische Weltraum Forum (ÖWF) ist ein Netzwerk für Raumfahrtspezialisten und Weltrauminteressierte. Es arbeitet mit nationalen und internationalen Forschungseinrichtungen, Industrie und Politik zusammen.

Im Interview Jennifer Ngo-Anh vom Mars500-Projekt

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Sommer im Labor Woche 1 vom 02. bis 06. Juli

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Mode für kleine Astronauten Präsentation junger Space-Designerinnen

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Begeisterung für den Mars Ist Italien für den Mars zu begeistern?

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ESO - News Dunkle Galaxien

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Informationen und Ankündigungen

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Burggespräch, Buchtipp

ESA Zeichenwettbewerb Wettbewerb für Kinder

Weltraum News

Fünfter Mond des Pluto entdeckt

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IM INTERVIEW

Jennifer Ngo-Anh, ESA Mars500 Programm Managerin Die Neurowissenschaftlerin und ESA Mars500 Programm Managerin Dr. med. Dr. rer. nat. Jennifer Ngo-Anh schenkte uns ihre wertvolle Zeit, um ein paar Fragen zur Mars500 Simulationsstudie von ESA und Roscosmos zu beantworten. Frau Ngo-Anh, wie lange arbeiten Sie schon für das Mars500 Programm der ESA und wie kamen Sie zur ESA? Ich arbeite seit gut sechs Jahren in Noordwijk, dem größten Standort der ESA. Nach meinem Medizinund anschließendem Neurowissenschafts-Studium bewarb ich mich auf eine der sogenannten „Young Graduate Trainee“ Stellen, die die ESA einmal im Jahr veröffentlicht und die sich an junge Uni-Absolventen richtet. So kam ich 2006 in meine Abteilung im Direktorat „Human Spaceflight“ und seither arbeite ich mit viel Freude dort – das Hauptthema, mit dem sich unsere Projekte befassen, hat mit allem zu tun, was eine zukünftige bemannte Raumfahrtmission zu Mond, Mars oder anderen Planten ermöglicht. Wie haben sich die Teilnehmer nach dem Ende der Simulationsstudie zu Hause wieder eingelebt? Gab Jennifer Ngo-Anh / privat es überraschende Umstellungsschwierigkeiten, also Dinge, mit denen Sie nicht gerechnet haben? Die Mannschaft kehrte am 04. November 2011 aus ihrem Raumschiff auf die Erde zurück. Bis zum 8. November befand sich die Mannschaft unter Quarantäne, während derer sie intensiven medizinische Tests unterzogen wurden. Unsere Mars500 Teilnehmer hatten keinerlei Schwierigkeiten, sich wieder an das normale Leben und den Alltag einzugewöhnen, im Gegenteil, sie schätzen und genießen gewisse Dinge, wie Internet, frische Luft, gutes Essen und Natur mehr als vor ihrem Einsatz.

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War es für die sechs Personen, die 520 Tage unter sich waren, gar nicht gewöhnungsbedürftig, wieder von mehr als nur 5 Personen umgeben zu sein? Nein, im Gegenteil, sie haben es genossen, gelegentlich wieder ihre Ruhe zu haben und/oder selber bestimmen zu können, wen sie wann trafen. Gab es eine Zeit während der Studie, in der die Teilnehmer tatsächlich annahmen, sie fliegen zum Mars? Die gesamte Mission war so konzipiert, dass – außer Schwerelosigkeit und Weltraumstrahlung - alles so war, wie auf einem echten Flug zum Mars. Auch Notfälle und unvorhergesehene Ereignisse wie ein Feuer an Bord des Raumschiffs oder ein Kommunikationsausfall von ca. zwei Jennifer Ngo-Anh / privat

Wochen wurden eingebaut, und gerade diese Notfälle wurden von den Teilnehmern als ernst und „bedrohlich“ empfunden und eingestuft. Haben „Ihre Jungs“ Sie während der Simulationsstudie überrascht? Gab es ungeplante Ereignisse, spannende, lustige, dramatische, die nicht vorhersehbar waren? Die Mars500 Teilnehmer unterliefen vor ihrem Einsatz ein ca. viermonatiges Training, in dem sie auf alle möglichen Situationen, sowohl konfliktreiche innerhalb der Gruppe, als auch problematische durch Ausfall von z.B. Maschinen, oder auch einfach mit Langeweile vorbereitet wurden. Sie nahmen auch an einem Kurs teil, in dem sie lernten, wie man mit den verschiedenen kulturellen Unterschieden (die Mannschaft bestand aus drei Russen, einem Chinesen, einem Franzosen und einem Italiener) umgeht. Womit wir aber nicht gerechnet hatten, war, dass sich die Mannschaft durch ihre eigene Kreativität die lange Zeit zum Mars und dann wieder zur Erde zurück versüßt hat – z.B. bekamen wir jeden Monat von ihnen Gruppenfotos, die uns als „Lebenszeichen“ dienen sollten, am Anfang schaute die Mannschaft recht ernst in die Kamera; mit der Zeit wurden diese Gruppenfotos aber immer lustiger, am 1. April bekamen wir sogar eine Fotomontage, auf der die Mannschaft schwerelos durch ihr Raumschiff schwebend zu sehen war! Das vollständige Interview finden Sie auch auf unsere Homepage unter: http://blog.oewf.org/2012/07/interview-jennifer-ngo-anh-esa-mars500/

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SOMMER IM LABOR Woche 1 – vom 02. bis 06. Juli 2012 Woran erkennt man, dass im Raumanzugslabor des Österreichischen Weltraum Forums der Sommer angefangen hat? – Richtig, es herrscht Hochbetrieb im und um das Labor, denn kaum haben die Sommerferien für uns Studenten begonnen, zieht es uns auch schon ins Suitlab, es gibt ja schließlich Arbeit zu tun. Den Anfang macht Julia Neuner, die diesen Sommer durchgehend drei Monate im Labor als Mitarbeiterin dabei ist und sich um alles Mögliche kümmert. Derzeit arbeitet Sie an Aouda.S, das „S“ steht dabei für Science, sie ist also die kleine Schwester von Aouda.X.

Besprechung im Lab / ÖWF

Am Dienstagabend komm dann ich aus Wien angereist, gleich nach meiner letzten Prüfung für dieses Semester, um rechtzeitig zum Wasserraketenbauen am Mittwoch - viel zu zeitig in der Früh für einen Studenten in den Ferien ;) – in der Volksschule Hötting West nahe dem Suitlab in Innsbruck dabei zu sein. Gernot, Julia und ich haben die Schüler und Schülerinnen in die Theorie der Raketentechnik eingewiesen, natürlich mit spannenden Videos und anschaulichen Erzählungen, bevor es dann für die Kinder ernst wurde, denn nun mussten sie selbst ihre echten Raketen bauen, mit „fast“ dem gleichen Treibstoff (Wasserstoff und Sauerstoff) jedoch in seiner verbundenen Form, wir wollen ja nicht die Schule wegblasen beim Start der Raketen.  5


Nach Fertigstellung ging es auch gleich ans Starten – natürlich auch mit ein paar Startverzögerungen aufgrund technischer Defekte (eine Luftpumpe war undicht) – so wie es in der Praxis auch oft vorkommt. Schlussendlich konnten aber alle Raketen gestartet werden und alle Beteiligten waren begeistert, Schüler, Lehrerinnen, die Direktorin und sogar der Schulwart und eine andere Klasse haben aufgeregt den Starts zugeschaut. Alles in Allem eine gelungene Schulschlussaktion, hoffentlich nächstes Jahr wieder mit ebenso faszinierten Schülern. (Die Klasse dieser Schule hat im Rahmen des Innsbrucker Frauen- und Kinderlaufes die RaketenBastelstunde mit uns gewonnen.) Aber eigentlich bin ich hier in Innsbruck um mich eingehend mit Marshöhlen zu beschäftigen und deren Relevanz für zukünftige Mars Missionen, angeregt durch unsere DachsteinSuitlab Innsbruck / ÖWF

mission Ende April 2012. Momentan bin ich noch beim Einarbeiten in die Materie. Nur so viel: In Höhlen steckt mehr, als wir uns zunächst erwarten – das wird sicher spannend. Ende der Woche ist dann noch Angel Usunov zu uns gestoßen, ein Physikstudent aus Wien, der sich mit einem Positionierungssystem für unsere Raumanzüge beschäftigt. Im Rahmen dessen entwickelt er zusammen mit Christoph Ragonig auch ein theoretisches Modell, das man dann auch auf dem Mars einsetzen könnte, wo es bis jetzt noch kein GPS oder Galileo Satellitennavigationssystem gibt. Immer wieder kommt es zum Gedankenaustausch mit den anderen Leuten im Suitlab, gefolgt von der einen oder anderen Erkenntnis – gelebte Wissenschaft halt. :) Doch die Arbeitswoche hört für das ÖWF nicht am Freitag auf, den am Sonntag wurden von Gernot Grömer, Olivia Haider, Petra Sansone und mir noch etliche (virtuelle) Interviews mit freiwilligen Kandidaten für die MARS 2013 Mission durchgeführt. Die Endauswahl steht dann in ein paar Wochen. Abgesehen von diesen außerordentlichen Aktivitäten schauen auch altbekannte Innsbrucker regelmäßig im Suitlab vorbei um das eine oder andere zu erledigen. Ich sag’s ja – Summer in the lab – da geht es heiß zu. Dranbleiben für weitere News!

Reinhard Tlustos

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MODE FÜR KLEINE AUSTRONAUTEN Projektpräsentation junger Space-Designerinnen Schülerinnen der HBLA für Mode- und Produktmanagement (HBLA LENTIA) in Linz bei Urfahr designten und fertigten neue Raumanzüge für Kinder. Die Anzüge sollen Kindern bei den Präsentationen des ÖWF „Weltraum-Gefühle“ vermitteln. Hier ein Bericht von Othmar Coser zur Entstehung der neuen Kreationen. Das Projekt „UP 2 SPACE“ Astronautenanzüge für Kinder, beinhaltete für die jungen und ambitionierten Designerinnen folgende Aufgaben: * Entwicklung und Produktion von Raumanzügen für Kinder der Altersstufe 8-12 Jahre * ansprechende Kombination funktioneller und ästhetischer Gestaltungskomponenten * zielgruppengerechtes Design * starker Realitätsbezug. * Entwurfsentwicklung von 15 Modelldesigns * Modellauswahl * Technische Zeichnungen der ausgewählten Modelle * Schnittentwicklung in zwei Kindergrößen * Materialbeschaffung * Produktion von zwei Prototypen * Mögliche Gestaltung der Stiefel und Handschuhe Kinderraumanzüge /ÖWF

Für uns war von Interesse, dass das Fertigungsmaterial von guter Stabilität und Reißfestigkeit ist, wobei der Stoff auch etwas „Gewicht" haben soll, damit der Träger etwas an Belastung spürt. Chemische oder technische Funktionen brauchte der Anzug keine zu haben, lediglich Helm (Durchmesser 35cm), Overall, Handschuhe und Schuhe sollen im angezogenen Zustand ein gesamtes Ensemble ergeben. Ein eventueller Widerstand bzw. eine gewisse Enge in den Handschuhen sollte auch gegeben sein. In das Rückenteil des Anzuges musste ein Koffer (Tornister) integrierbar sein (ca. 2 Kilo), in dem die Frischluftzufuhr für den Helm bzw. die Sprechfunkanlage durch das ÖWF eingebaut wird. Ziel war es, diesen Tornister so zu befestigen, dass keine zusätzlichen Tragegerüste notwendig sind. Natürlich sollten die Kinderraumanzüge auch mit den LOGOs der Projektpartner versehen werden. Die Taschen an Brust, Armen oder Beinen brauchten keine Funktion aufzuweisen, sondern waren lediglich ein Gestaltungselement.

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Hinsichtlich des zeitlichen Rahmens gab es von unserer Seite keine kurzfristigen Vorgaben. Basierend auf der schulischen Jahresplanung wurde die Fertigung innerhalb des Schuljahres 2011/2012 vereinbart. Nach ersten Besprechungen und den mündlichen Vorgaben an die Schule, wurden von den Lehrerinnen für dieses Projekt Schülerinnen ausgewählt, um mehrere Anzüge zu kreieren. Diese wurden in Form von zeichnerischen Darstellungen in einer Präsentation an der Schule vorgestellt. Die zwei besten Designs wurden ausgewählt.

Anprobe auf dem „Mars“ /ÖWF

„Astronaut“ / ÖWF

Bevor mit der Produktion der Originalanzüge begonnen werden konnte, musste ein Vormodell aus Molino erzeugt werden. Dies war notwendig, da es sich bei diesem Werkstück nicht um ein Routinestück handelte. Schneiderische Änderungen konnten nämlich am Originalanzug nicht mehr durchgeführt werden. Lösungstechnisch war dabei auch der Druckhelm eine große Herausforderung.

Lehrer – Designerinnen / ÖWF

Othmar Coser (Mitte) mit Designerinnen / ÖWF

Damit die Acrylkugel Halt bekam, musste als Unterkonstruktion ein Mieder gearbeitet werden, das wiederum mit der Haltevorrichtung des Helmes verbunden ist. Der Anzug ist somit nicht mit dem Helm verbunden. 8


Neu für die 14 Schülerinnen war, dass gemeinsam an zwei Werkstücken gearbeitet wurde. Daher war eine exakte Planung der Arbeitsschritte notwendig. Jede Schülerin übernahm die Verantwortung einer Detailaufgabe (Kleinteilfertigung). Die Montage erfolgte im Team und war eine logistische Herausforderung. Untypisch für die Fertigung waren auch die Materialien. Es wurden Lederimitationen, Wattierungsmaterialien, Kabelbinder, ein Gartenschlauch, ein Wäschenetz und eine Bügelschablone verwendet. Auch die technische Beanspruchung war bei der Produktion zu berücksichtigen. Zum Beispiel durch Anbringung einer Rückenverstärkung, die das Gewicht des Tornisters hält oder die Schlauchbefestigung durch Kabelbinder. Um diese Materialien verarbeiten zu können, benötigten die Jungdesignerinnen eine Spezialmaschine und legten wegen des hohen Zeitaufwandes zusätzlich einen Projekttag ein. Auch musste auf den unterschiedlichen Körperbau der Träger Rücksicht genommen werden. Variierende Größe und Taillenumfang wurden durch einen Gummizug ausgeglichen. Für das Schullogo am Gürtel wurde eine Spezialfirma beauftragt, um den Druck durchzuführen.

ÖWF-Team und Modelle / ÖWF

Othmar Coser, Gernot Grömer mit Schülern / ÖWF

Die feierliche Übergabe der fertig gestellten Astronautenanzüge erfolgte am 02.07.2012 in der Aula der HBLA Lentia. Die verschiedensten Medienvertreter waren hierbei zugegen. Zu diesem Zweck wurde von Seiten der Schule ein entsprechender Event vorbereitet, wobei das ÖWF mit dem Marsrover Dignity und mit Multimediapräsentationen durch Gernot Grömer und Othmar Coser (Projektleiter) präsent war. Weitere Informationen:  TV Bericht von LT1  Projektseite der HBLA Lentia  YouTube Video Projektpräsentation

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BEGEISTERUNG FÜR DEN MARS Ist Italien für den Mars zu begeistern? Die eindeutige Antwort ist „ja“! Fünfzehn italienische Austauschschüler und vier Begleitpersonen verbringen mehrere Sommerwochen bei Gastfamilien in Hargelsberg nahe Enns in Oberösterreich. Für Einladungen und Programmgestaltung ist CISV (Childrens International Summer Villages – Gesellschaft für internationale Sommerkinderdörfer) verantwortlich. Über Initiative der Familie Elisabeth und Harald Radler aus Hargelsberg wurde das Österreichische Weltraum Forum eingeladen, am 17. Juli 2012 diesen Kindern und ihren österreichischen Gastgebern Raumfahrt und Mars näher zu bringen.

Basteln von Wasserraketen / ÖWF

alle Stationen absolviert??? / ÖWF

Mit großer Begeisterung wurden wieder Wasserraketen gebastelt. Einige Schüler verbesserten bei mehreren Versuchen die Gipfelhöhe ihrer Raketen auf über 15 Meter. Mit viel Enthusiasmus wurde der Marsrover „Dignity“ gesteuert. Pausenlos wurden mit dem Kranarm „Bodenproben in Form von kleinen Aliens“ entnommen. Das vor kurzem neu gefertigte Steuerungspaneel scheint äußerst attraktiv zu sein. Praktisch erprobt wurden die zwei neuen Kinderraumanzüge – entworfen und gefertigt waren sie von der Höheren Bundeslehranstalt Lentia in Linz worden. Sie sind leicht zu handhaben und haben sich als äußerst funktionstüchtig gezeigt. Lediglich die Belüftung der Helme bedarf noch einer kleinen Modifikation.

Einer der neuen Kinderraumanzüge / ÖWF

Erstmals wurde im Rahmen einer ÖWFPublikumsveranstaltung der von Gerhard Grömer geflogene Foto- und Videohelikopter eingesetzt, bei dem Gregor Hirscher (bald ÖWFMitglied?) die Livebild-Übertragungseinheit zur Bodenstation steuerte.

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Italien und Österreich steuert Marsrover /ÖWF

Elisabeth Radler erklärt / ÖWF

Auch in Hargelsberg hat sich gezeigt, dass solche Events dem Ursprungsgedanken des ÖWF – Raumfahrt und Astronomie einer breiten Öffentlichkeit näher zu bringen – nur möglich ist, wenn freiwillige Helfer ihre Zeit und ihre Fähigkeiten einbringen. Große Begeisterung des Publikums ist der Lohn dafür. Daher ganz herzlichen Dank an die Mitwirkenden in Hargelsberg!

Italienische Schüler steuern den ÖWF-Marsrover "Dignity" / ÖWF

Gerhard Grömer 11


ESO NEWS Beobachtung von dunklen Galaxien Wissenschaftlern ist es gelungen, sogenannte dunkle Galaxien zu beobachten.

Diese Frühphase der Galaxienentstehung war bislang nur theoretisch vorhergesagt worden. Nun konnte ihre Existenz erstmals bestätigt werden. Die dunklen Galaxien bestehen überwiegend aus Gas und enthalten nur wenige Sterne. Einem internationalen Astronomen Team ist es gelungen, diese geheimnisvollen Objekte durch Strahlung nachzuweisen, die sie aussenden, wenn sie von einem Quasar angeleuchtet werden.

Dunkle Galaxie / ESO

Dunkle Galaxien sind kleine, gasreiche Galaxien im frühen Universum, in denen gemessen an den vorhandenen Gasmengen nur sehr wenige Sterne entstehen. Die Existenz dieser Himmelsobjekte wird von Modellen der Galaxienentstehung vorausgesagt, in denen solche dunklen Galaxien das wesentliche Rohmaterial für die spätere Sternentstehung in größeren Galaxien liefern, denen sie ihre reichhaltigen Gasvorräte zuführen. Da sie kaum Sterne enthalten, senden die dunklen Galaxien auch kaum Licht aus. Entsprechend schwierig ist es, sie nachzuweisen. Schwache Absorptionslinien in den Spektren von Hintergrundlichtquellen hatten erste Hinweise auf die Existenz der schwer fassbaren dunklen Galaxien geliefert, aber erst im Rahmen der hier vorgestellten Studie hat man sie direkt beobachten können. Um das äußerst schwache Fluoreszenzleuchten nachweisen zu können, mussten die Forscher alle Register ziehen: Zum einen halfen ihnen die große Lichtsammelfläche und die Empfindlichkeit des Very Large Telescope (VLT), aber erst nach der Kombination mehrerer lang belichteter Aufnahmen konnte das Team das schwache Fluoreszenzleuchten der dunklen sichtbar machen. Mit dem FORS2-Instrument kartierten sie den Himmel in der Umgebung des hellen Quasars HE 0109-3518 und suchten nach Ultraviolettlicht, wie es von Wasserstoffgas ausgesendet wird, wenn dieses intensiver UV-Strahlung ausgesetzt ist. Durch die Expansion des Universums und die damit verbundene Rotverschiebung des Lichts lässt sich das entstehende Licht mit dem VLT im Falle der Galaxien in der Umgebung von HE 0109-3518 im sichtbaren Licht als violetter Farbton nachweisen. Den gesamten Artikel finden Sie unter: http://www.eso.org/public/germany/news/eso1228/ 12


INFORMATIONEN UND ANKÜNDIGUNGEN Buchtipp: Ist unsere Zeitrechnung noch zeitgemäß? Von Ronald Weinberger Wir Menschen begreifen uns zunehmend als eine vernetzte Schicksalsgemeinschaft auf unserem schönen, zugleich verletzlichen, blauen Planeten. Wie steht es in diesem Zusammenhang mit der Normengrundlage schlechthin, nämlich der Zeitrechnung? In beinahe allen Staaten steht der westliche (gregorianische) Kalender in Verwendung, welcher eine Jahreszählung benutzt, die sich auf das Geburtsjahr von Jesus Christus bezieht. Eine, die in mehrfacher Hinsicht fragwürdig ist, vor allem jedoch den oben erwähnten Ansprüchen keineswegs gerecht wird. Sie bedarf folglich einer Neudefinition. Pfiffig, griffig, informativ, den Leser einbindend, humorvoll und dennoch sachlich, nimmt sich ein Astronom unserer Jahreszählung an. Sie, die auf dem ohnehin falsch angegebenen Geburtsjahr eines bloß wenige Jahre lang agiert habenden Wanderpredigers basiert, solle revidiert werden, schlägt er vor, umrahmt seine Ideen mit allerlei Wissens- und Bedenkenswertem. Ein Buch für jedermann/jede Frau. Taschenbuch: Verlag: Sprache: Preis: ISBN:

91 Seiten Studia Universitätsverlag Innsbruck; Auflage: 1., Auflage (18. 07. 2012) Deutsch 13,00 € 13: 978-3902652690

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Vierte Burggespräche des ORION An dieser Stelle möchten wir Sie noch einmal an die bevorstehenden, vierten Burggespräche auf Schloss Albrechtsberg an der Pielach erinnern. Alle Details zu Veranstaltung und Anmeldung unter: http://www.der-orion.com/burggespraeche/cont/

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ESA ZEICHENWETTBEWERB Zeichenwettbewerb für Kinder Die Europäische Weltraumorganisation ESA lädt Kinder bis 14 Jahre zum Zeichenwettbewerb ein. Das Thema im Juli sind Raumschiffe. Dein eigenes Weltraumkunstwerk auf der ESA Kids-Website in der Weltraumgalerie - Als Kunstwerke sind Zeichnungen, Gemälde, Modelle oder Mobiles denkbar - mach mit und lasse deiner Fantasie freien Lauf. Sende Deine Beiträge per E-Mail an: kids@esa.int oder per Post an: ESA Kids, c/o Karina De Castris, ESA-ESRIN, Via Galileo Galilei, C.P. 64 I-00044 Frascati, Italien. Die besten Einsendungen werden ausgewählt und in die online Weltraumgalerie der ESA gestellt. Auf den Gesamtgewinner wartet ein Spezialpreis von der Europäischen Weltraumorganisation. Einsendeschluss ist 31. Juli 2012

Melisa and Sarah (Austria) Runner-up, Mission control competition / ESA

Nähere Informationen unter http://www.ffg.at/news/esa-laedt-kinder-zum-zeichenwettbewerb-ein-4 bzw. http://www.esa.int/esaKIDSde/SEM6FC2XN2H_Technology_0.html

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WELTRAUM-NEWS Fünfter Mond des Pluto entdeckt 13. Juli 2012 Ein Astronomenteam hat mit Hilfe des Hubble Teleskops der NASA einen weiteren Mond im Orbit um Pluto entdeckt. Sie sagten, der neue Mond, Pluto´s fünfter, besitzt eine unregelmäßige Form mit einem Durchmesser von sechs bis fünfzehn Meilen. Er wurde S/2012 (134340) 1 genannt und ist auf neun separat gemachten Aufnahmen des Hubble Teleskops zu erkennen. Sie wurden mit der Wide Field Camera 3 am 26, 27, 29 Juni, sowie am 7. und 9. Juli gemacht. Der Mond umkreist Pluto auf einer 58.000 Meilen durchmessenden Umlaufbahn.

Plutos fünfter Mond / NASA; ESA; M. Showalter, SETI Institute

Das Bild, aufgenommen mit dem Hubble Teleskop, zeigt fünf Monde, welche den entfernten, eisigen Planeten Pluto umkreisen. Der grüne Kreis markiert den neu entdeckten Mond, genannt P5. Die Beobachtungen werden den Wissenschaftlern bei ihren Planungen für den im Juli 2015 geplanten Pluto-Flyby helfen. Der Mond P4 wurde auf einem Hubble Bild im Jahr 2011 entdeckt. Gesamter Artikel unter: http://science.nasa.gov/science-news/science-at-nasa/2012/13jul_pluto5/

Aktuelle Weltraum-News finden Sie auf unserer Homepage unter: http://news.oewf.org/ ÖWF-Redaktion & Impressum Leitung: K. Totzek, Stellvertretung: D. Scheer / Team: O. Haider, H. Fuchs, M. Knoflach Die Artikel geben die persönliche Meinung der Autoren wieder. Input & Leserbriefe an: redaktion@oewf.org Newsletter An-/Abmeldung: http://www.oewf.org/cms/newsletter.phtml ÖWF-Website: http://www.oewf.org www.facebook.com/spaceforum

www.twitter.com/oewf

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ÖWF Newsletter Juli 2012  

Highlights im Juli: Interview mit ESA500 Programm Managerin Jennifer Ngo-Anh, Präsentation der neuen Kinderraumanzüge in Linz, Sommer im Lab...

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