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NEWSLETTER Das Monatsmagazin des Österreichischen Weltraum Forums.

September 2013 ● Wahl-Special: Österreich und Raumfahrt ● Spotlight: UniBRITE & BRITE-Austria ● World Space Week & MarsTweetup ● ÖWF Zieleworkshop

Am 6. September wurde der Großteil des östlichen Teils der Vereinigten Staaten Zeuge des Starts einer Minotaur V-Rakete auf Wallops Island in Virginia. Diese 35 Sekunden belichtete Aufnahme zeigt einen Teil der ersten Startspur der Rakete, den Zündungsblitz der zweiten Stufe und die gleißende Reflexion des feurigen Himmels im ruhigen Wasser. Die mehrstufige Rakete steuerte nach Osten über den Atlantik, um LADEE, den Lunar Atmosphere and Dust Environment Explorer, in eine stark elliptische Bahn um die Erde zu bringen, von der aus seine Reise zum Mond beginnen sollte. Quelle: http://apod.nasa.gov/apod/ap130 911.html Bildcredit und Bildrechte: Jeff Berkes Übersetzung APOD: Maria Pflug-Hofmayr.


INHALT

Das Österreichische Weltraum Forum (ÖWF) ist ein Netzwerk für Raumfahrtspezialisten und Weltrauminteressierte. Wir arbeiten mit nationalen und internationalen Forschungseinrichtungen, Industrie und Politik zusammen.

Wahl-Special Österreich und Raumfahrt

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SPOTLIGHT UniBRITE & BRITE-Austria

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Zieleworkshop 2013 Jahrestreffen der ÖWF-Mitglieder

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Veranstaltungen und Wettbewerbe World Space Week & MarsTweetup

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ÖWF Interview Apollo-Ingenieur Seymour Liebergot

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ESO News Die Erdnuss im Herzen unserer Galaxie

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International News Aktuelles aus Astronomie und Weltraum

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Wahl-Special: Österreich und Raumfahrt Bereits anlässlich der Nationalratswahlen 2008 hatte das ÖWF einen Fragenkatalog an die wahlwerbenden Parteien ausgesandt. Im Vorfeld der Wahlen Ende September entschlossen wir uns, dies zu wiederholen. Der Vorstand formulierte vier konkrete Fragen. Themen waren: Ausbildung und Erziehung, Wirtschaft, ESA Mitgliedschaft und Europäische Identität. Die Fragen gingen an folgende Adressaten: ÖVP, SPÖ, FPÖ, BZÖ, Grüne, Neos, KPÖ, Piraten und Team Stronach. Hier die Rückmeldungen jener vier Parteien, die uns geantwortet haben: Frage 1: Die Luftfahrt und insbesondere die Raumfahrt haben das Potenzial, junge Menschen zu begeistern und sie zu motivieren, sich für technische und wissenschaftliche Studien und Berufe zu interessieren. Überdurchschnittliche technologische Kompetenz ist für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung Österreichs von einsichtiger und unwidersprochener Wichtigkeit. Ist sich Ihre Partei dieser Tatsachen bewusst? Hat Ihre Partei konkrete Pläne, die Jugend an die Luftund Raumfahrt heranzuführen? Welche Strategien sollen zum Einsatz kommen? Frage 2: International beobachten wir eine Intensivierung der Aktivitäten auf dem Gebiet der Luft- und Raumfahrt. Auf Grund der spezifischen technischen und wissenschaftlichen Anforderungen ist bei wirtschaftlichen Aktivitäten auf dem Gebiet der Luft- und Raumfahrt ein hoher wirtschaftlicher Mehrwert zu erzielen. Dies würde offenkundig im Interesse der österreichischen Wirtschaft liegen. Gibt es in Ihrer Partei eine Strategie, die zu einer Intensivierung der österr. wirtschaftlichen Aktivitäten auf dem Gebiet der Luft- und Raumfahrt führt? Frage 3: Österreich ist seit vielen Jahren Mitglied der Europäischen Weltraumbehörde ESA. Auf Grund der für ESA Mitgliedsstaaten geltenden "Rule of Geographical Distribution", welche sicherstellt, dass die einzahlenden Staaten Industrieaufträge im Verhältnis zu ihren Mitgliedsbeiträgen zugesprochen bekommen, erhält Österreich einen Großteil des für die Mitgliedschaft aufgewendeten Geldes wieder zurück. Dies kann aber nicht das Endziel einer Mitgliedschaft bei ESA sein: das ideale Endziel wäre es, dass sich österreichische Firmen mit Hilfe der durch die ESA Aufträge erworbenen Erfahrung und Kompetenz auf dem freien Markt Folgeaufträge verschaffen können, und die Kosten für die ESA-Mitgliedschaft aus den durch die Folgeaufträge generierten Steuergelder zum Teil oder zur Gänze gedeckt werden. Hat ihre Partei die österreichische Mitgliedschaft bei ESA strategisch analysiert? Existieren Pläne, die österreichische Mitgliedschaft bei ESA besser zu nutzen? Frage 4: Der europäische Einigungsprozess leidet unter dem Mangel an staatenübergreifenden Einheitssymbolen. In Europa gibt es kaum Aktivitäten, die symbolisch für die europäische Einheit stehen könnten. Die gemeinsame wissenschaftlichtechnisch-intellektuelle Domäne der Weltraumfahrt, insbesondere die der bemannten Weltraumfahrt, wäre eine in jeder Hinsicht positive Einheitserfahrung, mit der sich die große Mehrzahl der Europäer identifizieren könnte. Wie ist der Standpunkt Ihrer Partei zu diesem Thema? 3


Die Grünen

Antwort auf Frage 1: Wir halten Forschungen im Bereich Luft- und Raumfahrt für sehr wichtig, da hier sehr interdisziplinäre Forschung betrieben wird und die wissenschaftlichen Erkenntnisse viele andere Forschungsbereiche stimulieren. Im Rahmen meines Besuchs des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen im vorigen September, bei vielen Fachgesprächen sowie auch bei den heurigen Technologiegesprächen in Alpbach konnte ich mir als Vorsitzende des Parlamentarischen Ausschusses für Forschung, Innovation und Technologie selbst ein gutes Bild von den aktuellen Forschungsfragen in diesem Bereich machen. Generell ist es wichtig, daß das Interesse bei Kindern und Jugendlichen für Wissenschaften und Technologie geweckt und verstärkt wird. Raumfahrt ist ein ausgezeichneter Ansatz auch bei Kindern das Interesse für Naturwissenschaften zu wecken. Gerade diese Begeisterung zu entfachen ist sehr wichtig, da sie eine wesentliche Rolle bei der Berufs- und Studienwahl spielt und wir in Österreich dringend mehr NaturwissenschaftlerInnen und TechnikerInnen brauchen. Antwort auf Frage 2: Unser Ziel ist es, mit fokussierten Zukunftsinvestitionen und der konsequenten Umsetzung der FTI-Strategie Österreich fit für die Zukunft zu machen und die Antworten auf die großen Herausforderungen der Zukunft wie sichere Energieversorgung, Klima- und Umweltschutz, Gesundheitsversorgung und weltweite Ernährungssicherheit zu finden. Wir sind der Meinung , dass sowohl die Grundlagen- als auch die angewandte Forschung und die Universitäten in Österreich unterfinanziert sind und eine Bildungsreform dringend notwendig ist. Da die prinzipiell sehr gute FTI Strategie in keiner Weise Auskunft über ihre nachhaltige Finanzierung gibt fordern wir daher generell und verlässlich mehr Mittel für Forschung & Entwicklung und die beste Bildung für den Nachwuchs. Davon würde auch der Bereich der Luft- und Raumfahrt sehr profitieren. Weiters wollen wir Kooperationen stärken und die Teilnahme von österreichischen Universitäten und Unternehmen an internationalen Programmen und Kooperationen soweit wie möglich erleichtern. Wir glauben, dass es in diesem Bereich ein sehr großes Potential gibt. Diese Strategie wird auch sicherlich für die Forschungsschwerpunkte Raum- und Luftfahrt positiv wirken. Antwort auf Frage 3: Wir halten eine eingehende strategische Analyse und Bewertung des Potentials aus der Mitgliedschaft für eine sehr gute Idee und für eine konstruktive Anregung. Antwort auf Frage 4: Wir sehen die gemeinsame Nutzung und vertiefende Kooperationen – nicht nur auf die EU bezogen - sowohl bei den Transportmitteln als auch bei der Forschungsinfrastruktur auch im Bereich der Erforschung des Weltraums als sehr geeignete Vorgangsweisen, um die doch sehr kostspieligen Herausforderungen zu bewältigen und Probleme zu lösen, die alle betreffen (z.B. Umgang mit Weltraummüll). 4


Österreichische Volkspartei Weltraumforschung ist an österreichischen Universitäten und außeruniversitären Grundlagenforschungseinrichtungen gut verankert, beispielsweise am Institut für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften oder an der TU Graz, wo wir im letzten Halbjahr den erfolgreichen Verlauf des TUGSAT/BRITE-Projekts mitverfolgen konnten. Bezugnehmend auf ihre Fragen lässt sich festhalten, dass generell die Begeisterung junger Menschen für den Forschungs-, Entwicklungs-, und Industriestandort Österreich von entscheidender Bedeutung ist. Österreich bietet in Naturwissenschaften und Technik hervorragende Ausbildungsmöglichkeiten, auf welche zum Beispiel durch die MINTInitiative des BMWF aufmerksam gemacht wurde. Daneben soll ein Schwerpunkt der Wissenschafts- und Forschungspolitik generell auf der stärkeren Verknüpfung von Wissenschaft und Gesellschaft insgesamt liegen. Hier wurde mit Projekten wie Sparkling Science oder Kinderuniversitäten bereits die richtige Richtung eingeschlagen. Die Weltraumforschung übt in diesem Zusammenhang eine ganz spezielle Anziehungskraft aus, wie sich an den Initiativen und Presseaktivitäten des ÖWF etwa im Kontext des MARS2013-Projekts ganz deutlich ablesen lässt. Österreich muss jedenfalls im Kontext Europas und der Realisierung des europäischen Forschungsraums betrachtet werden, da nur so die vorhandenen Potenziale gewinnbringend ausgenutzt werden können. Daher war auch der 2008 erfolgte Beitritt Österreichs zur European Organisation for Astronomical Research in the Southern Hemisphere und der mittlerweile fixierte Bau des European Extremely Large Telescope von zentraler Bedeutung für die österreichische Astronomie. Bei dieser Art von europäischer und internationaler Mitgliedschaft gilt generell, eine bestmögliche Ausnutzung zu ermöglichen. Im derzeitigen EU-Forschungsrahmenprogramm erzielen österreichische Forschungseinrichtungen beispielsweise eine Rückflussquote von derzeit 126%. Es ist bei jeder Mitgliedschaft im Interesse Österreichs auf Basis von eingehenden Analysen diese bestmöglich direkt und indirekt zu nutzen.

Piratenpartei

Antwort auf Frage 1: Wir stehen für eine Bildungsreform, die allen Kindern und Jugendlichen viel stärker als derzeit ermöglicht, sich in der Mittelschule individuell in ihre Interessensgebiete zu vertiefen. Hierdurch wäre es Schulen z. B. auch viel besser als heute möglich, einen Schwerpunkt in die von Ihnen angesprochene Richtung zu setzen, etwa als Cluster von mehreren HTL, die spezielle Angebote in diesem Bereich anbieten können. 5


Antwort auf Frage 2 und 3: Wir haben zu diesen beiden Fragen leider noch keinerlei Programmbeschlüsse gefasst. Ich darf Sie herzlich einladen, inhaltlichen Input und Anregungen an uns zu schicken, dann befassen wir uns sehr gerne mit diesem Thema. Antwort auf Frage 4: Wir würden diesen Aussagen vorbehaltlos zustimmen; es braucht große Visionen und Projekte, um das europäische Gemeinschaftsgefühl zu fördern und die Identifikation mit dem Friedensprojekt Europa zu stärken. Gleichzeitig bedarf es auf institutioneller Ebene natürlich zahlreicher Verbesserungen, um die Mitsprache und direkten Einflussmöglichkeiten der Bürgerinnen und Bürger sowie die Gewaltenteilung auf europäischer Ebene zu gewährleisten und zu stärken.

Team Stronach Die Bedeutung sowohl von Forschung (Grundlagenforschung wie auch anwendungsorientierter Forschung) für die internationale Wettbewerbsfähigkeit von Industrie und Wirtschaft und somit für die Gesellschaft und die Zukunft unseres Landes kann nicht genug betont werden. In diesem Licht ist auch die Entwicklung der Forschungsquote zu sehen, die in Österreich im vergangenen Jahrzehnt vorbildhaft war. Sie hat zu einem Wert von derzeit etwa 2,8% des BIP geführt, wobei dazu etwa 2/3 die Industrie und Wirtschaft und 1/3 die öffentliche Hand beiträgt. Die im hochtechnologischen Bereich sehr erfolgreich agierenden Unternehmen in unserem Land haben wegen ihrer forschungsbedingt führenden Position mittlerweile Exportquoten von jenseits 90% und internationalen Vorbildcharakter. Diese beachtliche Entwicklung ist auch weiterhin durch geeignete Maßnahmen zu unterstützen, um den eingeschlagenen Weg Österreichs als eine der führenden europäischen Forschungsnationen konsequent fortzusetzen. Ein weiteres Anheben der Forschungsquote auf 3,5% bis zum Jahr 2020 ist anzustreben. Wir vom Team Stronach wollen Public-Private-Partnership-Modelle durch steuerliche Anreize für in- und ausländische Unternehmen fördern, die mit österreichischen Universitäten zusammenarbeiten, und dadurch helfen, Forschung und Entwicklung in unserem Land zu stärken. Mit dem Frank Stronach Institut für sozialökonomische Gerechtigkeit fördert Frank Stronach schon seit vielen Jahren Forschungsprojekte in Österreich. So wurde an der KarlFranzens-Universität Graz die „Frank Stronach Forschungsgruppe“ gegründet. Die Gruppe analysiert und diskutiert Themen wie Demokratie- und Staatsreform-, Budget- und Steuerreform, Bildungs- und Schulreform und erarbeitet Modelle für eine erfolgreiche Umsetzung. Diese Kooperation ist ein sehr gutes Beispiel für eine fruchtbringende Kooperation zwischen Wissenschaft und Praxis, dem sicher noch viele folgen werden. 6


Wahl-Special: Kommentar Dr. Rudolf Albrecht, ÖWF Finanzvorstand Stv., ehem. Leiter der wissenschaftlichen Datenverarbeitung am Space Telescope Science Institute in Baltimore, Maryland, sowie an der ESA/ESO Space Telescope European Coordinating Facility in München, kommentiert die Antworten der Parteien: Die Antwort der Grünen ist die ausführlichste Antwort. Alle Fragen und die damit implizit verbundenen Vorschläge, werden positiv bewertet. In der Antwort auf Frage 1 gibt es einen Hinweis auf eine vor einem Jahr erfolgte Übereinkunft mit der Bundesrepublik Deutschland bezüglich einer Kooperation und Koordination auf dem Gebiet der Weltraumforschung. Es wäre interessant zu wissen, was bis jetzt dabei herausgekommen ist. Antwort auf Frage 2: Dass die Weltraumfahrt nicht unbedingt ein grünes Hauptthema ist und daher Energie, Umweltschutz und Gesundheit in den Vordergrund gestellt werden ist verständlich und akzeptabel. Interessant ist die Antwort auf Frage 3. Während meiner 25 Jahre bei der ESA bin ich immer wieder draufgekommen, dass die Republik die Mitgliedschaft nicht optimal ausnützt. Dies wurde bei mehreren Kontakten mit dem "offiziellen" Österreich regelmäßig vehement in Abrede gestellt – ohne mich auch nur ein einziges Mal nach den Gründen für meine Ansicht zu fragen. Vielleicht gibt es hier einen Ansatzpunkt. Die Antwort auf Frage 4 ist in sich richtig und schlüssig, geht aber am eigentlichen Thema vorbei. Das ist insofern verwunderlich, als sich gerade die Grünen als gesamteuropäische Bewegung begreifen sollten. Die Antwort der ÖVP befasst sich so gut wie ausschließlich mit Frage 1. Es wird auf die bestehenden Aktivitäten hingewiesen, sowie interessanterweise auch darauf, dass sich das ÖWF in diesem Sinne betätigt hat. Sodann wird auf den Beitritt Österreichs zum European Southern Observatory und auf den bevorstehenden Beginn des European Extremely Large Telescope verwiesen, was allerdings mit Weltraumfahrt nichts zu tun hat. Der Hinweis darauf, dass österreichische Institutionen derzeit eine Rückflussquote von mehr als 100 Prozent haben ist zwar richtig, heißt aber nur, dass die Rückflussquote in der Vergangenheit bzw. in der Zukunft weniger als 100 Prozent war bzw. sein wird, da sich Rückflüsse (z.B. nach ESA-Regeln) ausmitteln müssen. Die Antwort der Piraten auf Frage 4 ist konkret, positiv und geht darüber hinaus auf notwendige institutionelle Maßnahmen ein. Leider gibt es keine Antworten auf die Fragen 2 und 3, in Ermangelung einer parteiinternen Meinungsbildung. Die Antwort auf Frage 1 ist zufriedenstellend aber banal. Die Antwort des Team Stronach bezieht sich eigentlich nur auf die Frage 2. Es wird der momentane Stand der Dinge als bereits durchaus gut bezeichnet und eine Ausweitung der Technologieprogramme gefordert. Konkret auf die Raumfahrt wird nicht Bezug genommen. Auch der Hinweis auf die Tätigkeiten der "Frank Stronach Forschungsgruppe" geht am Thema Weltraumfahrt vorbei. Der Gesamteindruck der Antwort ist ein cut-and-paste aus diversen Standardtexten.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass hauptsächlich die Punkte 1 und 2 (Bildung und Wirtschaft) behandelt wurden. Mit Ausnahme der Grünen erwägt niemand die Evaluierung bzw. Optimierung der Mitgliedschaft bei internationalen Organisationen. Und die Frage einer kulturellen Identifikationsbildung in Europa scheint - außer den Piraten angesichts unserer Frage - noch niemandem in den Sinn gekommen zu sein. 7


SPOTLIGHT: UniBRITE & BRITE-Austria Entlang der Grenze zwischen Tag und Nacht Seit 25. Februar 2013 reist UniBRITE, der Satellit der Universität Wien, entlang der Tag- und Nachtgrenze rund um die Erde. Neben Bildern von Sternfeldern bringt er den AstronomInnen aber auch eine ganze Reihe von Herausforderungen. Ein Statusbericht. BRITE-Constellation ist eine Österreichisch-Kanadisch-Polnische Kooperation mit dem Ziel, sechs Nanosatelliten in einer erdnahen Umlaufbahn zu betreiben. Jeder der Satelliten, mit einer Masse von etwa sieben Kilogramm, hat ein optisches Teleskop mit CCD-Detektor zur Präzisionsphotometrie heller Sterne. Drei der Satelliten sind mit einem Rotfilter ausgestattet, die anderen drei mit einem Blaufilter. Die BRITE-Constellation verfolgt drei große Ziele: die Asteroseismologie (Pulsationsmessungen) von massereichen Sternen und kühlen Riesensternen, die Charakterisierung anderer Variabilitäten dieser Sterne, z.B. bedingt durch Sternrotation oder Aktivitätszyklen, sowie die Entdeckung von neuen Planeten. "Massereiche Sterne spielen eine entscheidende Rolle bei der chemischen Entwicklung unseres Universums, weil sie sich viel rascher entwickeln als ihre 'kleineren Brüder', und vor allem im Endstadium ihres 'Lebens' wesentlich zur Energiebilanz und der chemischen Zusammensetzung des interstellaren Mediums beitragen – aus dem nachfolgend Sterne und Planeten entstehen", erklärt Projektleiter an der Universität Wien Werner Weiss. In 100 Minuten um die Welt UniBRITE wurde nach seinem Start von Indien am 25. Februar 2013 durch den Hersteller, dem Space Flight Laboratory (SFL) der Universität von Toronto, "kommissioniert". "Das heißt, es wurden nach und nach die einzelnen Komponenten des Satelliten eingeschaltet, getestet und deren Betrieb optimiert", so Werner Weiss, Projektleiter von UniBRITE an der Universität Wien. Unmittelbar nach dem Aussetzen von UniBRITE in etwa 850 Kilometern Höhe über der Erde taumelte er noch unkontrolliert auf seiner Bahn, die ihn – entlang der Tag- und Nachtgrenze – in etwa 100 Minuten einmal um die Erde führt. "Der erste Schritt war somit das Einbremsen von UniBRITE und Stabilisieren seiner Lage im Weltraum", erzählt Weiss rückblickend: "Zunächst konnten nur 20 Grad Genauigkeit erreicht werden, aber nach einer Neukalibrierung der Magnetometer im Weltraum wurde der Fehler auf weniger als fünf Grad gedrückt." 8


Bilder von Sternfeldern Ende März wurden erstmals Bilder von Sternfeldern aufgenommen und zur Erde gefunkt. Der Bildaufbau (die sogenannte "Point-Spread-Function") entsprach der auf der Erde im Labor bestimmten und erstreckt sich etwa über sechs mal sechs Pixel. "Das Sternbild ist also nicht 'scharf', wie bei einer Foto-Kamera, sondern das Sternlicht wird über mehrere Pixel verteilt", erklärt der Astronom: "Auf diese Weise kann die photometrische Genauigkeit deutlich verbessert werden – was letztlich die Aufgabe von UniBRITE ist." Die gewünschte Präzisionsphotometrie erfordert aber eine wesentlich genauere Stabilisierung und Positionierung des Satelliten als die genannten fünf Grad, die um einen Faktor von mehr als 100 verbessert werden müssen, betont der Forscher. Dies geschieht letztlich mit Hilfe dreier spezieller Kreisel, deren Rotation von einem Computer an Bord geregelt wird, sowie mit einem Sternsensor, der die Ausrichtung des Satelliten mit einer Genauigkeit von bis zu 1.5 Bogenminuten bestimmt. "Wenn das gelingt, sind die BRITE Satelliten die ersten Nanosatelliten mit einer derart großen Stabilität im Weltraum", so Weiss. Von Problemen und ihrer Lösung Anfänglich war der Arbeitsbereich des Sternsensors auf einen kleinen Teil des Himmels beschränkt, was aber inzwischen schon deutlich verbessert werden konnte. Vermutlich spielt starkes Streulicht von der Erde eine störende Rolle. "Auch bei der Positionierungsgenauigkeit ist das Ziel noch nicht ganz erreicht, aber es wird an der Optimierung der Systeme gearbeitet", erklärt der Projektleiter. Ein weiteres Problem ergibt sich bei Flügen durch die sogenannte Südatlantische Anomalie, weil dort der Strom von energiereichen Teilchen, die von der Sonne kommend im Erdmagnetfeld eingefangen werden, besonders groß ist und Störungen in der Elektronik verursachen. Ende Juni konnten schließlich die ersten Bilder des gesamten Gesichtsfeldes von 24 Grad bei guter Stabilität des Satelliten gewonnen werden. In Anbetracht der Sichtbarkeit des Satelliten bei einem Überflug über eine Empfangsstation von nur etwa fünf bis 15 Minuten ergibt sich bei etwa drei beobachtbaren Überflügen am Morgen und drei am Abend, dass die Übertragung eines einzigen Bildes bereits mehr als zwei Tage dauert. Im Routinebetrieb werden daher nur Teilbilder im Umfang von etwa 70 mal 70 Pixel, zentriert auf die jeweiligen Sterne, zur Erde geschickt. Anfang Juli wurden erstmals 15 Minuten lange Testbeobachtungsreihen UniBRITE reist der Tag-Nacht-Grenze entlang mit einer Belichtungsdauer von jeweils einer um die Erde. Dafür braucht der Satellit 100 Sekunde mit solchen Teilrastern gewonnen Minuten. (Symbolfoto: NASA Earth Observatory) und auf der Erde ausgewertet. 9


Das "CCD Tiger Team" auf Mission Ein nicht in diesem Umfang erwartetes Problem stellen Störungen des CCDs durch energiereiche Protonen im Weltraum dar. Ein "CCD Tiger Team" wurde mit dem Ziel gegründet, diese Störungen zu untersuchen und Strategien zu deren Minimierung zu entwickeln, was z.B. durch Temperaturänderung des Detektors und/oder der Auslesespannungen und -sequenzen möglich sein sollte. In den verbleibenden Wochen der Kommissionierung wird weiter an der Optimierung aller Betriebssysteme gearbeitet. "Wir sind überzeugt, dass UniBRITE dann allen Spezifikationen entsprechen und manche sogar deutlich übertreffen wird", sagt Werner Weiss. UniBRITES Zwillingsbruder BRITE-Austria

http://www.brite-constellation.at/images

Der von der TU-Graz gebaute und kommissionierte Zwillingssatellit BRITEAustria befindet sich in einem ähnlichen Stadium wie UniBRITE. Das größte technische Problem ergab sich bald nach dem Start durch den Ausfall eines der drei Prozessoren an Bord, vermutlich durch Strahlungsschäden. Softwareänderungen haben es erlaubt, die Aufgaben des ausgefallenen Prozessors auf die beiden anderen zu übertragen. Mit Testreihen wird demnächst begonnen, was dann erstmals einen unmittelbaren Vergleich der Daten von den beiden BRITE Satelliten erlauben wird.

Start der kanadischen und polnischen BRITEs Der erste polnische Nanosatellit, nach dem bekannten polnischen Science Fiction Autor Stanislaw Lem benannt, wird – wenn alles glatt verläuft – im November mit einer russischen DNEPR-Rakete gestartet; sein Zwilling, Heweliusz (ein berühmter Astronom des 17. Jahrhunderts), mit einer chinesischen "Langer Marsch"-Rakete Mitte Dezember. Die beiden kanadischen BRITEs werden vermutlich Mitte 2014 von Russland aus gestartet und dann die BRITE-Constellation komplettieren. (Redaktion uni:view, 20. Aug 13) Quelle und weiterführende Links: http://medienportal.univie.ac.at/uniview/wissenschaftgesellschaft/detailansicht/artikel/unibrite-entlang-der-grenze-zwischen-tag-und-nacht/ Aktuelles Statement von Otto Koudelka (17.09.2013): „Die Kommissionierungsphase von BRITE-Austria (TUGSAT-1) und UniBRITE wird in Kürze abgeschlossen. In den letzten Monaten wurde das Instrument (Sternenkamera) und Lageregelungssystem ausgiebig getestet. Kontakt mit den Satelliten wird täglich durchgeführt. Reguläre "Science Operations" werden im Oktober aufgenommen. Während der Kommissionierungsphase wurden bereits zahlreiche Bilder aufgenommen, die der Charakterisierung des Instruments dienten.“

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Zieleworkshop 2013 Hochfliegende Ideen und tieffliegende Ehrenamtliche Ein kleiner, dunkler Raum mit dicken Mauern. Licht flackert durch die Schatten. Gemurmel und Geknister von Chips-Packungen und Schokoladenpapier. Ein Surren in der Nähe wird leiser, als sich der Raum mehr und mehr mit Leuten füllt. Es ist der „Spaceflight Workshop“, der eine erwartungsvolle Spannung erzeugt. Alexander Soucek projiziert bevorstehende Weltraumprojekte auf die Leinwand und informiert uns über die aktuellen Entwicklungen bei den großen Raumfahrtnationen. Wie sich die nächsten Projekte des ÖWF entwickeln und welche interessanten Kooperationen sich anbahnen, erfahren wir von ÖWF-Obmann Gernot Grömer, bevor uns Olivia Haider auf den neuesten Stand bringt, was administrative Dinge, Outreach und Social Media betrifft. Denn all das braucht es neben einer großen Portion Begeisterung eben auch, um gute Ideen in die Tat umzusetzen.

Wenn es hier allerdings nur Vorträge gäbe, hätte unser jährliches Treffen wohl kaum den Titel Workshop verdient. Nein, auch für Selbstreflexion und Feedback, Fragen, Wünsche und Beschwerden ist genug Platz in dem großen, komfortablen Sebastian Ritter Haus in Berndorf bei Salzburg. Stundenlange Diskussionen verlangen den Teilnehmern alles ab – die Vernachlässigung körperlicher Bedürfnisse (das Abendessen muss schon mal warten), Verständnis für andere Sichtweisen (auch wenn es manchmal wirklich schwer fällt) und viel Humor (hin und wieder auch schwarzen). Aber das ist noch lange nicht alles, was man bei einem ÖWF-Zieleworkshop erleben kann…

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Ein kleiner, dichter Wald mit hohen Bäumen. Licht flackert durch das Unterholz. Gemurmel und Knacken von Ästen irgendwo hoch oben. Ein Surren in der Ferne wird lauter, als etwas „durch das Geäst bricht“. Es ist ein ÖWF-Mitglied, das da dahergeflogen kommt – an einem Stahlseil hängend, an der höchsten Stelle bis zu 70 Meter über unseren Köpfen, gut verpackt in ein Netz aus Sicherheitsgurten. Unter Applaus und Gelächter derjenigen, die sich nicht als Adrenalin-Junkies geoutet haben, wird er wie ein gestrandetes Meerestier „Kiel geholt“. Ort des einzigartigen Geschehens: Der Hochseilpark in Seeham, der zu den größten Wald-Hochseilparks in Österreich zählt und mit der längsten Seilrutsche Europas wirbt – das wären dann wohl „600 metres of terror“ (in Anlehnung an die Mars Curiosity Landung) für die weniger Mutigen. Für diejenigen, die mit ihren Füßen lieber am Boden bleiben, ist auch etwas dabei. Solange der Boden zumindest schwanken darf – denn wir veranstalten wieder unsere letztes Jahr neu eingeführte Tretboot-Regatta. Mit mehr Teilnehmern als letztes Jahr stechen die Gefährte voll besetzt „in See“, nämlich raus auf den Mattsee. Die Sieger dürfen Trophäen mit Weltraumbezug mit nach Hause nehmen, die anderen schwören sich insgeheim fürs nächste Mal mehr zu trainieren.

Gruppenfoto in Berndorf/Salzburg (Alle Fotos: ÖWF/Stephan Hauth)

Auch das ist ÖWF. Hochfliegende Ideen, heftige Diskussionen, tränenreiche Lachanfälle, gemeinsame Mutproben – wir haben wieder unser Bestes gegeben an diesem letzten langen Wochenende im August (30. 08. bis 01. 09.), inklusive Sternderlschauen und Kinoabend. Und es wäre nicht verwunderlich, wenn die Anzahl der Teilnehmer nächstes Jahr noch steigen würde. In unserem Salzburger „Habitat“ ist jedenfalls noch viel Platz und wir freuen uns immer über nette Gesellschaft! Bericht: Daniela Scheer 12


Veranstaltungen und Wettbewerbe Futurezone Award 2013 Die futurezone und der KURIER suchen die tollsten Entwicklungen und Produktideen aus Österreich. Mitmachen kann jeder. Details: http://futurezone.at/thema/futurezoneaward/die-einreichphase-fuer-denfuturezone-award-2013-startet/26.041.552 Foto: futurezone

Beim Innovation Award lautet Aufgabenstellung, smarte Erfindungen und innovative Ideen zu präsentieren, die zumindest als Prototyp existieren bzw. mit etwas Hilfe als serienfertiges Produkt umgesetzt werden könnten. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt auf den Themenbereichen "Healthcare", "Lifestyle" und "Licht". Der Gewinner erhält neben der Award-Trophäe auch die Möglichkeit seine Idee vor Philips-Ingenieuren zu präsentieren. Beim Robotik Award wird die Roboter-Idee des Jahres prämiert – ob auf der Erde, zu Wasser oder in der Luft. Wichtig ist der Innovations-Charakter des Projekts. Der Roboter sollte eine echte Neuheit darstellen, sei es auch nur durch ein kleines Detail. Vorausgesetzt wird, dass die Idee über das Konzept-Stadium hinaus ist und es bereits einen funktionierenden Prototyp der Maschine gibt. Schicken Sie uns bitte Ihre Einreichung mit der jeweiligen Kategorie im Betreff bis zum 27. September 2013 an award@futurezone.at.

Space Ausstellung Wien: Auf in den Weltraum! Laufzeit: Oktober 2013 – Juni 2014 Auf mehr als 600 m² widmet sich das Technische Museum Wien dem Thema Weltraum in all seinen Facetten – von träumerischen Überlegungen aus der Barockzeit über die ambivalente Entwicklung der Raumfahrt im 20. Jahrhundert bis hin zu visionären Ideen der Gegenwart. Illustration: MarsSpaceship 1+, © Thomas Frings, Melanie Klähn, TU-Wien, 2005

Historische Objekte der eigenen Sammlung stehen dabei aktuellster Forschung genauso gegenüber wie einer Reihe interaktiver Hands-On Exponate, die unsere Besucher dazu einladen, den Weltraum selbst zu „begreifen“. Die militärische und schließlich auch zivile Nutzung der Rakete steht ebenso im Fokus wie die mediale Inszenierung und Ökonomisierung der Raumfahrt. Ein eigenes Kapitel widmet sich dem Körper im luftleeren Raum. Auf dem Weg ins All wirft „SPACE“ einen Blick zurück auf die Erde und damit auf die Frage, wo überall auf der Erde wir von „Raumfahrt“ umgeben sind. Weiter geht es zum Mars, auf dem die Menschen nach Spuren von Leben suchen. Und schließlich wird der Fokus auf ferne Welten gerichtet, in der Hoffnung, eine zweite Erde zu erspähen. Link: http://www.technischesmuseum.at/ausstellung/space 13


World Space Week 2013 mit MarsTweetup Von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen, steht die World Space Week 2013 im Zeichen der Marsforschung. Unter dem Titel „Exploring Mars. Discovering Earth“ wird in Utah, USA, eine bemannte Marsmission simuliert werden. Von 4. bis 10. Oktober werden Raumfahrtorganisationen und Forschungsteams erstmals auch mit ihren fahrbaren Mini-Robotern, sogenannten „Rovern“, und mit TestMarsanzügen Kinder, Jugendliche und Erwachsene rund um den Globus für den Weltraum begeistern. Vom Mission Control Center des Österreichischen Weltraum Forums in Innsbruck werden sämtliche Aktivitäten geplant und überwacht. Am 5. Oktober 2013 lädt das Österreichische Weltraum Forum (ÖWF) 20 Social Media Follower ins Mission Control Center (MCC) nach Innsbruck. Dies ist eine einzigartige Gelegenheit für Social Media Nutzer einen Blick hinter die Kulissen der Mars Analog Simulation zu erhalten, ein operierendes Mars Analog Mission Control Center zu besichtigen und um andere Social Media Nutzer mit gleichen Interessen zu treffen. Die Aktivitäten der Mars Desert Research Station sowie globale Satelliten Events werden alle durch das MCC koordiniert. Infos: www.oewf.org

Galileo Teacher Training Programme 2013 Diese Fortbildung für Lehrkräfte von SchülerInnen im Alter zwischen 11 und 19 Jahren mit Schwerpunkt Weltraumforschung/Astronomie findet vom 25.-29. November im Lorentz Center in Leiden, NL, statt. Die ESA gewährt pro ausgewählter Lehrkraft maximal € 400 Reisekostenzuschuss. Illustration: ESA

Die Unterbringung wird vom Lorentz Center organisiert, es ist keine Teilnahmegebühr zu entrichten. Bewerbungen sind bis 14. Oktober möglich. Details finden sich unter: http://www.esa.int/Education/Teachers_Corner/ESA_GTTP_Teacher_Training_Worksh op_2013_apply_now

SFO-Solar System Formation and Observation Conference The SFO-Solar System Formation and Observation Conference will be held in Bern from 21-23 October this year for the first time. It is a project that is mainly organized by a group of PhD students at the Space Research and Planetary Sciences department of the University of Bern. Information about the program, and contact can be found on www.sfo.unibe.ch 14


„TEC2move“ in Wels am 27. Oktober Ein Event in der BRP Rotax Halle am Messegelände mit freiem Eintritt für alle, die die Faszination Technik, Fliegen, Mobilität und Raumfahrt hautnah erleben wollen! Kinder und Jugendliche von 5 bis 15 Jahren und natürlich darüber hinaus alle, die Interesse an Naturwissenschaft und Technik (NAWITECH) haben, sind herzlich eingeladen. Illustration: RIC

Die BesucherInnen erwartet ein spannender und vielseitiger Event: Auftritt von Prof. Oberhummer von den Science Busters, Gewinnspiele, Show mit Kunststücken des Conrad Actionteams, Ausstellung verschiedenster Projekte zum Thema Flug und Mobilität, Div. Ausstellungsstücke des Ars Electronica Center, Flugsimulatoren und vieles mehr! Programm: http://www.r-i-c.at/PortalData/1/Resources/veranstaltungen/techniktag/ Einladung_TEC2move_FINAL.pdf

REXUS/BEXUS rocket & balloon experiments Schicke Dein eigenes Experiment an Bord einer Rakete oder eines Ballons auf Reisen! Die Europäische Weltraumagentur ESA lädt Studierende ein, Experimente für den Flug in den Weltraum an Bord von Höhenforschungsraketen und Stratosphärenballonen vorzuschlagen. (Foto: ESA / J. Makinen) Ausgewählte Projekte werden in bis zu 110 km Höhe fliegen und während des Flugs Untersuchungen unter Weltraumbedingungen durchführen. Gestartet wird vom nördlich des Polarkreises gelegenen Raumfahrtzentrums Esrange bei Kiruna (Nordschweden). Die Ballon Kampagne wird im Herbst 2014 stattfinden, die Forschungsraketen werden im Frühjahr 2015 gestartet. Details: http://www.ffg.at/news/rexus-bexus Aus den besten 15 Experimentvorschlägen werden im Dezember 2013 die besten 10 Teams im Rahmen eines Workshops ermittelt. Einreichschluss: 21. Oktober 2013.

SpaceUp Vienna Save the date: Am 12. April 2014 findet im Technischen Museum Wien das „SpaceUp Vienna“ Event statt. Mehr Informationen dazu demnächst unter http://spaceup.org/near-you/vienna/ Mehr Infos und Kontakt für freiwillige Helfer unter: vienna@spaceup.org 15


ÖWF Interview Seymour „Sy“ Liebergot arbeitete in den 60er Jahren als Raumfahrtingenieur für die NASA. Er war bei den Apollomissionen 8 bis 15 sowie während des Apollo-Sojus-Test-Projekts und Skylab als „Electrical, Environmental and Consumables Manager“ tätig. Er gehörte zum Team, das die Besatzung von Apollo 13 wieder sicher zur Erde zurückbrachte. 1. Technology advances aside, what are the major differences between your generation of flight controllers, and -say- todays ISS flight controllers in terms of mentality or working attitude? We were encouraged to speak our mind The Apollo flight controller was part of the continuing evolution of the tradition begun by Chris Kraft during the Mercury and Gemini programs. The typical flight controller was young (at 33, I was among the oldest during Apollo 11), male (during Apollo, there were no female flight controllers), assertive to aggressive, certainly arrogant, and willing to make decisions under pressure; this last attribute was mandatory. Unfortunately for some of us, the aggressive attitude that we adopted and wielded at work would last a lifetime. IMO, within NASA, since Apollo and during Shuttle, career ladders became more important than speaking out when there was any suspicion of something amiss. ISS FCs have a different task. The timeframe is not as urgent, but the operating is still PC. 2. Sometimes it seems, that today’s space exploration programmes are seemingly stalling and people tend to reflect upon the «glorious days» back during Apollo, envisioning a period of almost unlimited resources and a population which was supersupportive of the space programme in the late 60s. Was that really the reality compared to today’s space business, or it is just romantic perception of the Apollo period? The reality of the 1960s was to beat the Russians to the Moon. i. e. politics and military prowess. Nov. 21, 1962 John F. Kennedy (from Apollo EECOM: Journey Of A Lifetime) [A JFK tape transcript of a meeting to discuss Supplemental (budget) Appropriations for NASA was released in 2002. The meeting took place on November 21, 1962 and contained an exchange between President John F. Kennedy and James Webb, then NASA Administrator during which Webb told Kennedy that ‘he didn’t feel a Moon landing should be NASA’s top priority.’ Kennedy disagreed saying in part, “Everything we do ought to really be tied into getting on the Moon before the Russians….. otherwise, we shouldn't be spending this kind of money because I'm not that interested in space.”So much for the romance of space exploration; this was only a cold war tactic.] Today, there is no Russia to beat, in fact we don’t care about beating any country in anything. So now, it’s all about politics and funding. 16


3. Imagine you are back in the Apollo flight control room. If someone would have asked you about when the first human mission to Mars would be realistically possible, or when the first lunar base would be reality - what would have been your answer back then? I would have impatiently remarked that a Mars mission was science fiction and it was premature to consider a Moon base and for what? We were preoccupied with achieving lunar landings.

4. In your view - what is the thing our current space exploration programmes need most (well, except funding): are we lacking the technology? Is our society loosing curiosity? Have we forgotten how to take risks? The public will never be excited about unmanned (robotic) space missions and a missionless space station (ISS). A manned Mars mission should be planned and sold as a long-term program—a 30 year program with a 3 year round trip manned mission. The current ISS has wasted resources that could have been applied toward such a program. 5. Is there anything you'd like to pass on to our men? I have no doubt that the training and dedication of the individuals and companies involved will again demonstrate how strong the human spirit of exploration is still. It has been said that great nations discover and explore. Great nations cross oceans, settle frontiers and continually renew their heritage and spirits and create greater freedom and opportunity for the world. Great nations must also remain on the front edge of technologically advanced programs to maintain their security edge. This is the vision of a statesman, but currently we are infected with politicians who are concerned only with being re-elected and maintaining power. Sy Liebergot Sept. 9, 2013

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ESO NEWS Die Erdnuss im Herzen unserer Galaxie Zwei Gruppen von Astronomen, eine davon vom Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik in Garching, haben mit Daten von ESO-Teleskopen die bisher beste dreidimensionale Karte des Zentralbereichs unserer Milchstraße erstellt. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass die inneren Regionen aus bestimmten Blickwinkeln X-förmig oder wie eine Erdnuss aussehen. Diese seltsame Struktur wurde mit öffentlich zugänglichen Daten vom VISTA-Durchmusterungsteleskop der ESO in Kombination mit Messungen der Bewegungen von Hunderten besonders leuchtschwacher Sterne im zentralen Bulge kartiert. Einer der wichtigsten und massereichsten Teile unserer Heimatgalaxie ist der sogenannte Bulge, eine zentrale Verdickung der Milchstraße. Diese riesige, zentrale Wolke aus etwa 10 Milliarden Sternen hat einen Durchmesser von Tausenden von Lichtjahren. Bislang jedoch war es nicht gelungen ihre Struktur und ihren Ursprung nachzuvollziehen.

Bildnachweis: ESO/NASA/JPL-Caltech/M. Kornmesser/R. Hurt

Unglücklicherweise ist die Sicht von unserem Standort in der galaktischen Scheibe auf diese zentrale Region – in einer Entfernung von etwa 27.000 Lichtjahren – durch dichte Gas- und Staubwolken stark eingeschränkt. Astronomen können nur dann einen guten Blick auf den Bulge bekommen, indem sie bei längeren Wellenlängen beobachten, zum Beispiel im Infrarotlicht, das Staubwolken durchdringen kann. Frühere Beobachtungen im Rahmen der 2MASS Infrarot-Himmelsdurchmusterung hatten bereits angedeutet, dass der Bulge eine rätselhafte X-förmige Struktur besitzen könnte. Nun haben zwei Forschergruppen anhand neuer Beobachtungen von mehreren ESOTeleskopen einen viel klareren Blick auf die Struktur des Bulge bekommen. Das Astronomenteam hat insgesamt 22 Millionen Sterne identifiziert, die zu einer Unterklasse der Roten Riesen gehören und deren wohlbekannte Eigenschaften es erlauben, ihre Entfernungen zu bestimmen. Astronomen gehen davon aus, dass die Milchstraße Anfangs eine reine Scheibe aus Sternen war, die vor Milliarden von Jahren einen flachen Balken gebildet haben. Dessen innerer Teil hat sich anschließend gewölbt und die dreidimensionale, erdnussförmige Gestalt angenommen, die in den neuen Beobachtungen zu sehen ist. Vollständiger Artikel: http://www.eso.org/public/austria/news/eso1339/ 18


INTERNATIONAL NEWS Private Frachtrakete zur ISS gestartet

Foto: AP photo/Steve Helber

Washington - Wallops Island ist ein 16-QuadratkilometerInselchen vor der Küste Virginias, bekannt durch Einrichtungen der NASA - unter anderem einen kleinen Raketenstartplatz. Vor kurzem erst startete hier die MondSonde LADEE. Mittwoch kurz vor 17 Uhr mitteleuropäischer Zeit hat eine vom Unternehmen Orbital Sciences entwickelte Antares-Rakete von dort abgehoben, die eine neuartige Transportkapsel zur ISS bringen soll. Der Start verlief planmäßig, der Orbit wurde erreicht und die Kapsel ausgeklinkt.

Es handelt sich um einen Testflug, mit dem aber bereits 700 Kilogramm Ladung - Nahrung, Bekleidung und andere Versorgungsgüter - zur Weltraumstation gebracht werden sollen. Nach Tests der Manövrier- und Kommunikationsfähigkeiten der Kapsel soll sie am Sonntag die ISS erreichen und mit dem Roboterkran der Station eingeholt werden. Die gemeinsam mit der NASA entwickelte "Cygnus"-Transportkapsel ist eines der vielen von Privatunternehmen entwickelten Konzepte, mit denen die Einstellung der Space-Shuttle-Flüge kompensiert werden soll. Mit dem Unternehmen SpaceX, dessen "Dragon"-Kapsel bereits zur Weltraumstation geflogen ist, wurde ein Vertrag über zwölf Flüge abgeschlossen. "Cygnus"-Flüge soll es acht geben, "Cygnus"-Kapseln sind allerdings nicht für eine Rückkehr zur Erde angelegt. Das erste Modell soll bis 22. Okt. an der ISS angedockt bleiben, dann durch Zündung der Bremsraketen den Orbit verlassen und in der Atmosphäre verglühen. (red, derStandard.at, 18. 9.13) Link: http://derstandard.at/1379291224137/Private-Frachtrakete-soll-heute-zur-ISS-starten

"Historischer Schritt" in die Tiefe des Alls

Foto: NASA

Washington - Noch drinnen oder schon draußen? Und was ist das für eine eigenartige Region an der Grenze unseres Sonnensystems, die die Raumsonde Voyager 1 durchfliegt und aus der sie so widersprüchliche Daten liefert, dass NASA und weltweite Astrophysiker-Community sie ein Jahr lang nicht genau zuordnen können? Immerhin, nun glaubt die US-Raumfahrtbehörde NASA auch daran: "Jetzt, da wir neue, entscheidende Daten

haben, glauben wir, dass dies der historische Schritt der Menschheit in den interstellaren Raum ist", sagt NASA -Projektwissenschafter Edward Stone. Kein anderes menschengemachtes Objekt erreichte jemals diese Grenze. Neu ausgewertete Messdaten, die nun in "Science" veröffentlicht wurden, erlaubten die Bestimmung der Teilchendichte, eines entscheidenden Kriteriums. Sie entspricht den Erwartungen für das interstellare Medium. "Wir haben eindeutig die Heliopause passiert, die lang vermutete Grenze zwischen dem solaren und dem interstellaren Plasma", berichtet Studienautor Donald Gurnett von der Universität von Iowa. "Wahrscheinlich im August 2012." (pum, DER STANDARD, 13.9.2013) Link: http://derstandard.at/1378248963732/Historischer-Schritt-in-die-Tiefe-des-Alls

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Mit leistungsstarkem Laser gegen Weltraumschrott Moskau/Berlin - Die Zahl der im Erdorbit kreisenden Satelliten nimmt rasant zu und damit auch die Menge des Weltraummülls, der nicht zuletzt auch die bemannte Raumfahrt gefährdet. Wissenschaftler arbeiten daher bereits seit längerem an technischen Lösungen für dieses Problem. Eine mögliche Waffe wurde nun vorgestellt: Darstellung: AP/TU braunschweig Der gefährliche Schrott könnte künftig mit einem leistungsstarken Laser von der Erde aus unschädlich gemacht werden. "Damit soll der Müll erfasst oder seine Bahn so verändert werden, dass er in der Atmosphäre verglüht", sagte der Leiter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Johann-Dietrich Wörner, in Moskau. Nach Angaben der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA handelt es sich bei den meisten Schrottteilen um ausgediente Satelliten, ausgebrannte Raketenoberstufen oder abgeplatzte Lackund Trümmerstücke, die bei Explosionen von Oberstufen oder Satelliten entstanden sind. Viele davon haben eine Geschwindigkeit von mehreren 10.000 Kilometern pro Stunde. Ein großer Teil ist auf militärische Tests sogenannter Antisatellitenwaffen zurückzuführen. Auch von Astronauten verlorene Handschuhe und Schraubendreher rasen durchs Weltall. Die internationale Raumstation ISS zum Beispiel muss daher jährlich mehrere Ausweichmanöver starten. Um Raumflüge sicherer zu machen, werden nach ESA-Angaben rund 8500 Trümmerstücke mit einer Größe von mehr als zehn Zentimetern mithilfe von Radaranlagen und Teleskopen beobachtet. Denn aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit können sie eine Raumsonde zerstören und Raumfahrer gefährden. Bruchstücke von unter einem Zentimeter sind von der Erde aus nicht mehr nachweisbar, können aber dennoch gefährlich werden. Die US-Weltraumbehörde NASA schätzt ihre Zahl auf mehr als 100 Millionen. Größere Teile könnten aber auch auf der Erde Probleme bereiten: Der unkontrollierte Absturz des ausgedienten deutschen Röntgensatelliten "Rosat" hatte im Oktober 2011 für Schlagzeilen gesorgt. Nach Befürchtungen, der 2,5 Tonnen schwere Apparat könne auf bewohntes Gebiet fallen, verglühte der Apparat jedoch in der Atmosphäre. (APA/red, derStandard.at, 01.09.2013) Link: http://derstandard.at/1376535269271/Forscher-wollen-mit-leistungsstarkem-Laser-gegenWeltraumschrott-vorgehen

Weitere aktuelle Weltraum-News: http://news.oewf.org/ ÖWF-Redaktion & Impressum Leitung: D. Scheer / Stellvertretung: O. Haider / Team: H. Fuchs, A. Bergmann, M. Raab Die Artikel geben die persönliche Meinung der Autoren wieder. Input & Leserbriefe an: redaktion@oewf.org Newsletter An-/Abmeldung: http://www.oewf.org/cms/newsletter.phtml ÖWF-Website: http://www.oewf.org www.facebook.com/spaceforum

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ÖWF Newsletter September 2013  

Neben einem Wahl-Special zu Österreich und Raumfahrt gibt es ein Interview mit Apollo-MCC-Pionier Sy Liebergot, ein Update zu den österreich...

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