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10.12.2018–09.02.2019 | 43

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Coming home

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Abitare e sentirsi a casa


Ingredienti

03 – Ingredienti 04 – Drinnen und draußen 05 – Io vendo Mike Okojie

06 – Good News 08 – Punto di domanda Cosa non deve mancare?

09 – Augeklaub

Schlüsselszenen

10 – Hauptsache Rifugio B1

15 – Ausgecheckt Pro Memoria

16 – Zahlen, bitte! Werner Tscholl

18 – EXTRA 20 – Auf der Straße 21 – Focus Einsamkeit

24 – Zwischentöne 25 – Intervista WG mal anders

28 – Ein Stück Heimat 29 – Experiment 30 – Biblio 31 – Na und? Bett im Baum

32 – Speakers’ Corner 34 – A tavola!

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r ke, unte ine Brüc e zu h l a ic s m t ur ein finde n e b h g ic n e u r Wohn lbst hab auffälliger: n meine t. Ihn se o n, die nweit vo loser Mann leb ehausung ums struktio ln, n h o B c K a e e d t in b o te se chachte eschich ogen ein . Aber dafür ist Kar tons r und ecken g n deren B D n e e d n n e m t u e m r n ne e Tü get beko lastikpla t als an die aus lagen. Aber ohn Gesicht P , n r e t t er ch Bre sicherer lei erinn herums eine mit cke kein ü Einsiede se andernor ts r e B b en r in e e d n n das Le unter e achlo e he r a h d g c b n a u O s m h u e en sic die Beha ngewollte Gäst mit den t selbst u is d enregie s n s u lo e h lt der in Eig auch e, K ä s in s ohne Sc K ä ls N a . t aren mpf. altsor die wir ecken w D Aufenth m täglichen Ka Behausungen, d n u s e ne n . ne n n zu aren die tter, Plastikpla ude der Er wach en wir w zuweile u z a d d nsatz er. Bre zur Fre der, fan Im Gege , weitaus sicher l nicht immer useinan a was it t e e r h t n d o S e n t iema an im n , ob w n e m d li errichte g n ia r u in e s g t auma f oder s nicht unsere B inmal Regen au or t, an dem un nden s e t m sumstä ient ufluch n Z e n A b er k a b e e L in en nhaus e d Lage d n unser im Elter nnte. h Or t un rmal zur ation vo c u a it n s n Je o . h k ra ein ande uelle Wo anhaben von zeb ben und por trätier ten ie individ oppelausgabe le d r r e h b e Ü s Wie ckten en der diese D l zum na fahrung det, t, zeig t abhäng hausung einma hichten und Er . Was sie verbin c e s B e ein dieselbe ntfaltung. Die G dlicher kaum s ie E h n c e s r iv e t k rea e. ten unt Zuhaus en könn Mensch sch nach einem un ist der W DER ANS

TREIFER

African Soul

35 – Schwarzweiß Impressum

Ohne zebra.Ausweis geht nix Comprate il giornale di strada solo da venditrici e venditori muniti di apposito tesserino! zebra. ist eine Straßenzeitung und wird von der oew – Organisation für Eine solidarische Welt in Brixen herausgegeben. Menschen, die es schwer im Leben haben, verkaufen sie zum Preis von zwei Euro: Ein Euro bleibt ihnen, ein Euro geht in die Produktion. Se notate delle irregolarità non esitate a contattarci al numero 334 1216413. 2018/2019 | 43 3


Drinnen und draußen

news … è un giornale di strada Nel mondo esistono moltissimi giornali di strada, che si rifanno allo stesso principio e che danno l’opportunità alle persone ai margini della società di avere una degna occupazione e un piccolo guadagno. zebra. fa parte della rete internazionale del giornale di strada INSP (www.insp.ngo).

Ins neue Jahr mit zebra.

… wird von Freiwilligen gemacht Die Inhalte von zebra. stammen zum Großteil von motivierten Freiwilligen. Monat für Monat bestücken sie die Zeitung mit Texten, Gedichten, Fotos und Illustrationen und orientieren sich inhaltlich an sozialen und gesellschaftskritischen Themen.

D

er Lesekalender 2019 steht im Zeichen erfolgreicher Teams am Arbeitsplatz und birgt Geschichten über Kollegialität, Teamgeist, Verlässlichkeit und Spaß an der Arbeit. Der Kalender zeigt aber auch: Wo Menschen sich begegnen, kooperieren und auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten, lösen sich Vorurteile auf und Verschiedenheiten rücken in den Hintergrund. Zum Preis von fünf Euro ist der Kalender bei den zebra.Verkäufer*innen zu haben: 2,50 Euro geht an sie, 2,50 Euro fließen in die Produktion. Danke!

… non è un lavoro fisso La vendita del giornale di strada non sostituisce un lavoro fisso e sicuro, ma permette di provare ad uscire da situazioni molto difficili. ll*la venditore*trice acquista il giornale a 1 euro e lo rivende, a sua volta, a 2 euro.

www.oew.org/zebra

… bleibt in Kontakt Das oew-Team steht in ständigem Kontakt mit allen Verkäufer*innen, Verkaufsstellen, Behörden und Gemeinden. Für Fragen, Anregungen oder bei Unregelmäßigkeiten sind sie zur Stelle und unter der Nummer 334 1216413 erreichbar.

zebra.Support setzt auf schnelle unkomplizierte Hilfe und die berufliche Weiterbildung von Verkäufer*innen.

… va oltre Che si tratti di una casa, del lavoro, della salute o di informazioni, per i venditori e le venditrici di zebra. la vita quotidiana rappresenta una sfida continua. zebra.Support offre loro un rapido aiuto in situazioni di emergenza e li segue passo passo nella ricerca di un lavoro sicuro.

zebra.Support sostiene i venditori*trici con soluzioni semplici e veloci, offrendo anche opportunità di formazione.

Raiffeisenkasse Eisacktal | Valle Isarco IBAN: IT 68 S083 0758 2210 0030 0004 707 Südtiroler Sparkasse Brixen | Bressanone IBAN: IT 93 H060 4558 2200 0000 5004 219 Überweisungsgrund | causale: „zebra.Support“

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Io vendo 6 plus 1 von 60 Verkäufer*innen

Emmanuel Emeribe

Geoffrey Onudu

„Am liebsten lese ich historische Romane“

Ionel Cirpaci

Harun Jamir

Favour Alluku

Isaac Aja

Name: Mike Okojie Alter: 41 Mein Herkunftsland: Nigeria, Plateau State Ich verkaufe: überall in Südtirol

Ich musste meine Familie und mein Heimatland verlassen, weil mein Leben dort in Gefahr war. Als ich vor vier Jahren das italienische Festland betreten habe, fühlte ich mich erstmals seit langer Zeit wieder sicher. Seitdem bin ich in Südtirol und ich habe schon verschiedene Arbeitserfahrungen gesammelt. In meiner Heimat habe ich als Maurer und in der Landwirtschaft gearbeitet. In meiner Freizeit habe ich immer schon gerne gelesen – alles Mögliche, von den Nachrichten über Wissenschaftliches bis hin zu Romanen. Am liebsten mag ich historische Romane. Auch von Aristoteles und Galileo

Galilei habe ich gelesen. In den letzten Monaten hatte ich viel Zeit dafür – leider muss ich sagen. Ich habe bisher noch keine feste Arbeit gefunden. Seit kurzem verkaufe ich daher zebra. Dieser Übergangsjob ist lebenswichtig für mich. Er gibt mir die Möglichkeit, eine Kleinigkeit zu verdienen, raus zu gehen, neue Menschen zu treffen und auch mal anderen etwas zurückzugeben. Ich spreche gerne mit den Leuten und ich habe das Gefühl, dass manche auch froh sind, dass sie mit mir reden können. Es gibt unglückliche und einsame Menschen, die mir von ihren Sorgen erzählen. Denen kann ich mit einem guten Wort oder ein bisschen Scherzen einen Moment der Freude schenken. Das ist schön, auch wenn sie keine Zeitung kaufen, finde ich das wichtig.

Ich möchte mich in dieser Gesellschaft einbringen . MIKE OKOIJE

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MUTILAZIONI IN CALO

Le mutilazioni genitali femminili nel continente africano sono diminuite sensibilmente negli ultimi 20 anni. In Africa orientale, ad esempio, la diffusione tra le bambine fino a 14 anni è passata dal 71 per cento nel 1995 all’8 per cento nel 2016.

Donne al potere

Il governo etiope, presentato il 16 ottobre, è composto per la metà da ministre. Tra gli altri, anche il ministero della difesa è stato affidato a una donna. Pochi giorni dopo Sahle-Work Zewde è stata eletta come prima donna presidente dello stato africano.

Es gibt ihn noch!

Nach 90 Jahren wurde das WondiwoiBaumkänguru erstmals wieder gesichtet. In den Bergregionen Westneuguineas gelang es einem englischen Hobbyforscher und einem indonesischen Studenten mithilfe von Ortsansässigen das Tier aufzuspüren und zu fotografieren. Dieser Fund zeigt die Wichtigkeit von unberührten Lebensräumen für Tier- und Pflanzenarten.

Il fiume è salvo

Il corso superiore del fiume Aguarico nell’Amazzonia ecuadoriana rimarrà intatto. La Corte provinciale di Sucumbíos ha cancellato tutte le concessioni per miniere, rilasciate dal governo sulla terra del popolo dei Kofan, a causa dell’impatto ambientale e per non aver consultato la popolazione indigena. Inoltre le imprese minerarie dovranno restaurare i danni causati nella regione negli ultimi mesi.

Weniger Kohle, mehr Sonne

Spaniens neue Regierung hat die Schließung der meisten Kohlebergwerke im Land innerhalb dieses Jahres beschlossen. Mit den betroffenen Gewerkschaften wurde ein 250 Millionen Euro teures Maßnahmenpaket beschlossen, das im Laufe der nächsten zehn Jahre die Sanierung der Umwelt, die Frühpensionierung und die Fortbildungen für die Minenarbeiter finanziert. Weiters hat die spanische Regierung eine Steuer auf private Sonnenenergie-Anlagen abgeschafft.

Es ist alles eine Frage der Sichtweise Bei den Landkarten sind wir die Mercator-Karte gewohnt: Europa befindet sich oben in der Mitte, rundherum der Rest der Welt. zebra. entscheidet sich für die ungewohnte Peters-Karte, da bei ihr die Flächen stimmen, und stellt sie noch dazu auf den Kopf. Denn: Im Kopfstand ändert sich unsere Sichtweise auf die Welt.

Freut sich über mehr Frauen in der Politik. Nils Bertol 6

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GoodNews Scelta di genere

Nel 2012 in Argentina è stata approvata una legge sull’identità di genere, secondo la quale chiunque può definirsi secondo il genere che sceglie, indipendentemente dal sesso che gli è stato assegnato alla nascita. Adesso per la prima volta due persone che non si identificano né nel genere femminile né in quello maschile hanno ottenuto che nel loro documento d’identità non ci sia nessun riferimento al loro sesso.

Schutz für Korallenriffe

Das französische Überseegebiet Neukaledonien ist für seine wunderschönen Strände und Korallenlagunen bekannt. Deshalb hat die örtliche Regierung in fünf Korallenriffen jede Form von wirtschaftlicher Nutzung verboten, wobei auch der Tourismus stark reglementiert wird. Diese fast unberührten Ökosysteme sind Teil des Naturparkes des Korallenmeeres, eines der größten Meeresschutzgebiete der Erde.

Mehr Bio, weniger Fleisch

In Bremen sollen in allen städtischen Schulen und Kindertagesstätten bis 2022 nur noch biologische Produkte verwendet werden. Außerdem soll der Fleischanteil im Speiseplan verringert werden. Auch Krankenhäuser wurden dazu aufgefordert, vermehrt biologische Produkte auf den Tisch zu bringen.

Anagrafe per persone senza dimora La giunta comunale di Bari ha deciso di creare un’anagrafe per le persone senza fissa dimora. I cittadini senza tetto possono iscriversi nell’anagrafe scegliendo come loro residenza una delle cinque vie non esistenti istituite per loro oppure usare l’indirizzo della struttura che frequentano abitualmente, ad esempio associazioni di volontariato o anche un bar. L’obiettivo del comune pugliese è di riconoscere un diritto fondamentale che permetterà alle persone senza fissa dimora di accedere alle prestazioni sanitarie e socio-assistenziali. Inoltre si vuole creare la possibilità per le persona senza tetto di accedere ad un percorso di inclusione lavorativa.

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Punto di domanda

Chi o cosa non deve mancare a casa tua? Questa volta a Ortisei: Chi o che cosa reputiamo essenziale a casa nostra? Nel cuore della Val Gardena, a spasso per il centro, Federico ha fermato alcuni passanti che gli hanno descritto ciò che, una volta tornati a casa, devono assolutamente trovare.

Ilaria Noci In casa mia non manca mai il latte per me e il cibo per il gatto. Chi manca? Se ci sono io, non manca nessuno.

Tobia Moroder Daujin a mi familia, che ie mi balanz al lëur, ne daussa danz mei mancë na bona boza de ch’l bon, nia tan de vin ma de pier artejanel. Ma chësc ie n pericul che a dì la urità ie plutosc pitl, sce ti cële a mi ciulé y ala bela culezion de bozes d’uni sort da dut l mond. La medema legrëza ei nce cun mi bibliotech cun n valgun cënt libri – almanco un per uni ucajion!

Asia Farina A casa non possono mai mancare i miei due cani, sono un’amante degli animali e loro mi infondono gioia e allegria anche nelle giornate più difficili.

Juljan Bakri Allora, a casa mia non può mancare lo yogurt naturale, i semini di zucca e la marmellata di fichi... non può mancare la musica e non deve mancare a lungo la mia famiglia! Ah dimenticavo... neanche un abbonamento tv per sport e cinema!

Christine Wiedenhofer A casa non può mai mancare la dolce e amorevole compagnia del mio gatto. Devono esserci sempre anche le mele, le mangio sempre. Poi, come si dice, ‘una mela al giorno leva il medico di torno’.

Thomas Voltani Assolutamente non può mai mancare il divano. Dopo una lunga giornata di lavoro la miglior cosa è tornare a casa e godersi il meritato relax.

Stephanie Schenk In meinem Haushalt darf mein Freund auf keinen Fall fehlen, der zu gleichen Teilen, wenn nicht mehr, den Haushalt macht und für mich kocht. Schokolaaaade ist auch wichtig.

Leggo irresponsabilmente - Follow me on twitter @Phreego. FEDERICO SIMONCINI ULIVELLI 8

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Augeklaub

Ein aufschlussreicher Zeitgenosse

In der Schlüsselrolle Er lag auf den Pflastersteinen. Regungslos, wie sich versteht. Ich sah ihn genauer an und staunte über seinen Bart: sehr individuell. Ich nahm an, dieses Prachtstück würde sicherlich schon vermisst. Ich hob ihn auf, postete eine Beschreibung auf Facebook und brachte ihn zur Polizei. Er ist wohl zusammen mit Brieftasche und Handy das wichtigste Utensil in Hand- und Hosentaschen: Der Schlüssel hat eine enorme symbolische Bedeutung. Verliebte werfen den Schlüssel des zuvor versperrten, mit ihren Initialen versehenen Schlosses ins Wasser. Er ist auch Symbol für das Finden einer Lösung. Ein so kleines Stück Metall ist in der Lage, schwerste Türen zu bewegen, hinter denen wir neue Wege oder Geborgenheit finden können. Die Geschichte dieses Garanten für den Schutz des Eigentums beginnt mit der Sesshaftigkeit des Menschen. Bereits die Pfahlbauten wurden auf- und zugesperrt.

Die ersten Schlüssel waren aus Holz, geErntearbeiter in Süditalien brauchen und nauso wie die Türriegel. Bis weit in die können ihre selbstgemachten Zelte aus Neuzeit hinein wurden die zunehmend Plastikplanen nicht absperren. Ihnen metallenen, bis zu 50 cm langen Schlüsbleibt – genauso wie jenen Menschen, die sel auf der Schulter getragen. Durch die auch in Südtirol unter Brücken schlafen Industrialisierung konnte Metall anders oder in einem nordafrikanischen Aufbearbeitet werden. Der Schlüsselbart, fanglager eingesperrt sind – die Tür zur also jener Teil, der im Schlüsselloch bei Welt des Überflusses versperrt. der Drehung des Schlüsselrings den Die mongolischen Jurten oder die Iglus Schlossriegel erfasst, wurde von nun an der Inuit können und sollen hingegen gar viel detaillierter und ein nicht abgesperrt werden. Vor Bereits die Schlösserknacken zunehnicht allzu langer Zeit war dies auch bei den alpenländischen mend schwerer. GePfahlbauten Bauernhäusern noch so. Nicht nur nauso machte auch wurden aufzur Weihnachtszeit standen ihre Tüdie Digitalisierung und zugesperrt. vor dem Schlüssel ren offen. Die Indigenen an der Nordnicht Halt. Viele brauchen heute kein westküste Kanadas und der USA zelebSchlüsselloch mehr, denn sie haben einen rieren übrigens den „Potlatch“, ein Fest Scanner für Fingerabdrücke oder die Iris. bei dem in ritueller Weise Geschenke Den Schlüssel zu verlieren, kommt denverteilt oder ausgetauscht werden. Es gilt: Man ist nicht, was man hat, sondern was noch einem Desaster gleich. Besonders, man gibt. Eigentum hat einen relativen wenn man in der bitteren Kälte steht und Wert. Ein Dach über dem Kopf und sich keinen Ersatz hat. Der Schlüssel ist aber geschützt und geborgen fühlen zu könauch ein Statussymbol. Nicht alle besitzen einen. Ein Schlüssel ist ein Privileg. nen jedoch nicht.

Manchmal wäre eine offene Tür wohl die sicherere Variante. Nadia Sorg 2018/2019 | 43 9


L’isola che (non) c’è La solidarietà, di questi tempi, è spesso delegittimata e criminalizzata. Ci sono però donne che, con determinazione, svolgono un lavoro di accoglienza importante e prezioso. Binario 1 ci ha aperto le porte del suo Rifugio a Bolzano.

La scritta all’ingresso della casa da il benvenuto a ospiti e visitatori. 10

Febbraio 2018 - Da giorni Amadou è seduto su una panchina al parco della stazione. Non chiede nulla e risponde a monosillabi incerti, o con cenni del capo, a chiunque gli domandi se abbia bisogno di qualcosa. Voleva raggiungere la Germania, ma una volta fermato al confine del Brennero, è arrivato suo malgrado a Bolzano. Per giorni Amadou ha vissuto in strada, come accade a molti richiedenti asilo, i cosiddetti “fuori quota”. Ha difficoltà a muovere le mani, che recano i segni delle violenze subite in Libia. Nei suoi occhi si leggono l’angoscia e l’inquietudine per la separazione dalla madre e dal fratello all’ingresso delle carceri libiche. Da quel momento Amadou ha perso ogni contatto con i suoi familiari e si è chiuso in un silenzio impenetrabile. Una volontaria, dopo aver notato questo ragazzo taciturno, si offre di accompagnarlo in un luogo dove avrebbe potuto trovare un sostegno. Amadou la segue. Poco distante dalla stazione, tra i palazzi in stile liberty, Binario 1 ha da poco aperto il Rifugio.

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Hauptsache ? “fuori quota” Un gruppo di volontarie le cittadine che, in prima battuta, Richiedenti protezione internazionale che giungono sul territorio provinciale autonoBinario 1 nasce nella primavera del 2015 si organizzarono spontaneamente mamente (non con gli invii del Ministero degli come movimento spontaneo di volone si impegnarono per fornire una Interni) e che non vengono fatti formalmente tarie della società civile. In quei mesi risposta efficace ai bisogni delle rientrare nel numero di persone che la Provinil confine tra Italia e Austria era stato persone, spesso impaurite e quasi cia di Bolzano deve accogliere nei centri del spostato informalmente a Bolzano, dove sempre spaesate, che scendevano territorio in base alle “quote ministeriali”. ogni giorno decine e decine di migranti al binario 3. “Iniziammo a lavovenivano fatte scendere dai treni diretti rare insieme in quel contesto e in verso nord. La città fu costretta a conquei giorni è nato il nostro gruppo: Bisono sempre state contraddistinte da un frontarsi con la realtà dei migranti in nario 1”, raccontano le volontarie. “Da approccio emergenziale al fenomeno mitransito, ovvero persone che desideravasubito abbiamo deciso di attivarci e ingratorio. Da qui è partito il nostro impeno proseguire il loro viaggio e raggiungetervenire laddove l’istituzione pubblica gno anche fuori dalla stazione, sia per i re un altro paese europeo. è assente: innanzitutto per segnalare e richiedenti asilo ospitati nei centri di ac“Un giorno decisi di andare a vedere con denunciare le mancanze e le storture del coglienza in provincia, sia per coloro che i miei occhi la portata di questo fenosistema e, in secondo luogo, cercando di sono rimasti esclusi o allontanati dalle meno di cui avevo letto sui giornali”, riproporre una soluzione o, almeno, una strutture”, spiegano le volontarie. corda una delle volontarie. possibile strada da Il gruppo organizza corsi di lingua itaIl nostro lavoro termina percorrere. Il nostro “Portai con me qualcosa liana e tedesca, accompagnamento nella da mangiare, da dare lavoro termina quando ricerca lavoro e inizia a districarsi anche quando le istituzioni eventualmente a chi le istituzioni prendono conella giungla delle pratiche burocratiche prendono coscienza. ne avesse bisogno. scienza delle problematiche e in materia di asilo. Credevo che da parte delle istituzioni si attivano per dare una risposta formale Un porto sicuro fosse stato predisposto da subito un piaai bisogni del territorio. Non ci sostituDopo due anni di attività, Binario 1 vieno di azione strutturato per affrontare la iamo, né vogliamo essere la stampella di ne contattato da un privato cittadino che, situazione.” La donna non immaginava nessuno”. impressionato dall’operato delle volontache, da quel giorno, sarebbe cominciato L’impegno di Binario 1 varca quindi le rie, gli offre di proseguire per un anno la il suo impegno quotidiano con i richieporte della stazione e si concentra anche propria attività all’interno di una casa di denti asilo e i rifugiati. La realtà dei fatti, sui richiedenti asilo che vivono in prosua proprietà ad uso gratuito. Si presenta d’altronde era ben diversa dalle aspettavincia. “Ci siamo accorte che le politiche quindi la possibilità di rispondere in mative della volontaria. Furono i cittadini e di accoglienza, anche a livello locale, niera ancor più strutturata e professionale ai bisogni del territorio e di Ermira Kola (a sinistra) avere tra le mani uno strumento e due volontarie di B1 impegnate in ufficio più potente per portare avanti la doppia azione di denuncia delle carenze del sistema e di proposta di possibili soluzioni. “Quando è arrivata questa offerta, ci siamo chieste che direzione dare al nostro progetto”, raccontano le volontarie. “Una delle maggiori falle del sistema, a nostro avviso, era la marginalizzazione e l’esclusione dall’accoglienza delle persone vulnerabili in seguito alla cosiddetta ‘Circolare Critelli’. Ci siamo convinte, pertanto, che avremmo dovuto dedicarci all’accoglienza temporanea delle persone in fuga appartenenti a questa categoria e rendere così visibile questo problema.”

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? Persone vulnerabili Secondo il d.lgs. 142/2015 sono “gli adulti disabili, i minori non accompagnati, gli anziani, le donne in stato di gravidanza, i genitori singoli con figli minori, le vittime di tratta di esseri umani, le persone affette da gravi malattie o da disturbi mentali; le persone per le quali è accertato che hanno subito torture, stupri o altre forme gravi di violenza psicologica, fisica o sessuale e vittime di mutilazioni genitali.” In questa fase Binario 1 è andato alla ricerca di una persona che potesse impegnarsi quotidianamente nella gestione della casa e nel lavoro di rete con i servizi del territorio. “Cercavamo una persona che avesse esperienza nel lavoro con i richiedenti asilo, una buona conoscenza delle procedure legali e amministrative, nonché della rete dei servizi e degli attori istituzionali attivi in questo ambito e, infine, con un senso critico il più possibile affine alla nostra filosofia di lavoro”, raccontano le volontarie.

Sobald Dinge einen kleinen Makel haben, landen sie oft im Müll. Diese Verschwendung stimmt mich nachdenklich. Kleidung und ausgediente Spielsachen werden von Bedürftigen immer gebraucht. Wieso sollte ich sie also nicht verschenken? Ich helfe damit jenen, denen es nicht so gut geht wie mir und meiner Familie – und das gibt mir ein gutes Gefühl. Außerdem verschönere ich alte oder ausgediente Gegenstände, funktioniere sie zu etwas ganz Neuem um und verlängere damit ihr „Leben“ – ganz im Sinne der Nachhaltigkeit und um nicht Teil der heutigen Wegwerfgesellschaft zu sein.

La voce di chi non ha voce Ermira Kola aveva da poco lasciato la Caritas dove, per cinque anni, aveva lavorato nell’accoglienza di persone richiedenti protezione internazionale. Gli ultimi mesi li aveva trascorsi in una struttura residenziale volta all’inserimento sociale di persone detenute ed ex detenute, ma non aveva mai smesso di impegnarsi nell’ambito della migrazione, restando sempre in prima linea come volontaria. “Abbiamo pensato subito che Ermira fosse la persona giusta con cui condividere questo percorso. In passato avevamo collaborato con lei, apprezzando le sue competenze e la sua dedizione alla causa”, e continuano “abbiamo trovato poi molte affinità tra la nostra visione e la sua attitudine lavorativa.” La scritta colorata “Welcome” ci accoglie all’ingresso del Rifugio. Il telefono dell’ufficio squilla di continuo. Ermira si districa tra una relazione da inviare al

distretto sociale e le telefonate in entrata. Lavorare sotto pressione sembra non pesarle minimamente. Ogni giorno, sostenuta dall’impegno delle volontarie e dai custodi notturni Musa e Kamal, porta avanti l’obiettivo che il gruppo si è posto con l’apertura della casa.

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Hauptsache La quotidianità all’interno del Rifugio

“In quanto privati, interveniamo solo su segnalazione scritta dei soggetti accreditati all’accoglienza (Volontarius, Caritas, SIS e altre autorità preposte), i quali, dopo aver analizzato la situazione specifica e aver verificato la mancata disponibilità di tutte le risorse attivabili sul territorio, si rivolgono al Rifugio con una richiesta di ospitalità temporanea”, spiega Ermira con piglio deciso. “Il supporto richiesto

però ancora un lavoro e un’abitazione. Le persone in “terza accoglienza” vengono ospitate per un periodo di tempo determinato e accompagnate in un percorso volto alla piena autonomia lavorativa e abitativa. Per gli ospiti del Rifugio trovare un alloggio è un’impresa difficile. “Nella nostra società c’è ancora molta diffidenza verso gli stranieri, soprattutto se neri, anche in presenza di un contratto di lavoro a tempo indeterminato. Bisogna fare molto di più in questo senso, perché ci sono appartamenti in affitto sul mercato e sempre più persone alla ricerca di un alloggio”, spiega l’operatrice. L’ambito in cui Binario 1 opera è molto deve avere tempistiche vasto. “Ci muoviamo soprattutto tra la ben definite e una chiara Questura, il SIS (il Servizio di Integradefinizione dei ruoli dei zione Sociale dell’Azienda Servizi Sociali soggetti attivi nel settore di Bolzano ndr), gli enti del terzo settore profughi, che sono poi che gestiscono l’accoglienza, il mondo chiamati a intervenire dell’associazionismo e quello delle imsecondo il loro mandato prese. Ospitando anche persone affette da istituzionale.” Presupmalattie, abbiamo instaurato un’ottima posto del progetto di collaborazione con i Le carenze del medici dell’ambulatoospitalità è quindi la sistema di realizzazione di un rio STP dell’ospedale”. accoglienza lavoro di rete tra Raggiungere l’obiettivo tutti gli attori prefissato può essere molto colpiscono coinvolti, affinfaticoso. “A volte sentiamo di soprattutto ché il collocanon essere riconosciute all’inle donne sole. mento delle terno del sistema, spesso autorefepersone presso il Rifugio sia renziale, di cui noi non facciamo formala tutti gli effetti una misura mente parte”, confessano le componenti eccezionale e provvisoria. Nei di Binario 1. “Siamo però anche consapemesi successivi all’apertura voli che i mesi di lavoro al Rifugio hanno del Rifugio, una delle strutture di accoglienza ? cd. “Circolare Critelli” per adulti della città è staEmanata il 27 settembre 2016, ha portato, ta convertita in centro di tra le altre cose, all’esclusione dall’accoaccoglienza per vulnerabiglienza “dei soggetti vulnerabili che rili in transito. “Crediamo che il nostro sultano essere state presenti in altri stati lavoro abbia posto in evidenza questa europei, o in altri stati esteri anche non problematicità e sollecitato una rispoeuropei, nei quali era presente la possibilità sta formale da parte delle istituzioni”, di chiedervi asilo, nonché le persone per le afferma Ermira. quali sia riscontrabile una presenza anche Nel progetto è inclusa anche l’accotemporanea in altre regioni italiane (…)”, in netto contrasto con la normativa italiana glienza di un numero limitato di pervigente (d.lgs 142/2015), che non pone vinsone in possesso di esito positivo di coli temporali e/o territoriali per presentare richiesta di asilo, costrette a lasciare la domanda di protezione internazionale. le strutture del territorio senza aver

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Hauptsache

Schutzhütte B1 Rifugio Da gennaio a novembre 2018 il Rifugio di Binario 1 ha accolto più di 100 persone. Di queste 23 donne, ospitate complessivamente per 231 giorni. Al Rifugio gravitano anche alcuni volontari, che dedicano il loro tempo all’insegnamento della lingua italiana e tedesca, alla copertura del Rifugio per due ore serali e allo “Sportello Lavoro” dedicato agli ospiti della casa. Negli ultimi tempi Binario 1 ha organizzato eventi sul tema lavoro: In collaborazione con blufink ha coordinato l’evento “conflict kitchen:work”, in cui imprenditori e migranti in cerca di occupazione sono potuti entrare in dialogo. Con Fit2Work è stato realizzato un ciclo di tre incontri formativi e di coaching sul tema del lavoro per dieci migranti. Il progetto Schutzhütte B1 Rifugio viene finanziato attraverso donazioni private e grazie al sostegno della Chiesa Evangelica Luterana e della Südtiroler Sparkassenstiftung. Per informazioni e donazioni: schutzb1rifugio@gmail.com; www.binario1bz.it

contribuito a rafforzare la nostra credibilità. Presentiamo, infatti, sempre segnalazioni oggettive di situazioni presenti sul territorio.” Al momento le carenze del sistema di accoglienza colpiscono soprattutto le donne sole. I posti letto nel dormitorio femminile di “Emergenza freddo” non coprono il bisogno reale del territorio e, sempre più spesso, il Rifugio ospita donne che altrimenti passerebbero la notte in strada.

Tornare a respirare Ottobre 2018 - Amadou fa capolino in ufficio. Sono passati otto mesi da quando

ha varcato per la prima volta l’ingresso del Rifugio. In questo periodo insieme a lui sono stati fatti tanti passi: “Parallelamente al lungo lavoro di segnalazione e pressione, in collaborazione con un legale, per inserirlo ‘in quota’ ed essere quindi accolto da un CAS in Bassa Atesina, infatti, Amadou ha iniziato un percorso individuale con i servizi sanitari del territorio e ora svolge attività di volontariato come giardiniere. In questi mesi è tornato a respirare”, racconta Ermira. Tra qualche giorno il ragazzo lascerà il Rifugio e inizierà una nuova fase della sua vita. Entrerà formalmente nel sistema di accoglienza e, più avanti, potrà essere ascoltato in Commissione Territoriale. È sempre un ragazzo silenzioso, ma nei suoi occhi ora trova spazio anche la speranza di riuscire a vivere finalmente il proprio futuro.

Ha un suo “rifugio” in cui sentirsi a casa. ALESSIO GIORDANO

foto: Thomas Profunser

Südtiroler Naturstein Pietre naturali dall’Alto Adige

Bild/Immagine: Passeirer Gneis - Granat / Gneiss della Val Passiria - Granato

Die geologischen Besonderheiten machen Südtiroler Natursteine zum einzigartigen Erlebnis. Entdecken Sie die Gestaltungsmöglichkeiten in unserer Steindatenbank und besuchen Sie uns in Terlan.

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Ausgecheckt

Reise gegen das Vergessen Das Projekt „Promemoria_Auschwitz: Die Reise der Erinnerung – Il viaggio della memoria“ bietet alljährlich etwa 700 jungen Erwachsenen aus Süd- und Nordtirol, dem Trentino und anderen Regionen Italiens die Möglichkeit, sich für eine Woche mit der wohl größten Tragödie des 20. Jahrhunderts zu beschäftigen: dem Holocaust. Am Donnerstag, dem 1. Februar 2018, begann unsere „Reise der Erinnerung“. In Bozen verabschiedeten wir uns am frühen Nachmittag noch ganz offiziell von Landesrät*innen, Organisatoren und Vereinen, bevor wir zum Bahnhof aufbrachen. Nach einer 16-stündigen Zugfahrt, bei der wir uns unter anderem durch verschiedene Aufgaben in die Zeit des zweiten Weltkrieges zurückversetzten, kamen wir in Krakau an, wo uns fünf Tage voller Programm erwarteten. Uns wurde das Privileg zuteil, mit eigenen Augen die Stadt Krakau und das Konzentrationslager Auschwitz zu sehen: Zwei Orte, die noch heute von den Ereignissen der Schoah (hebräisch für „die Katastrophe“) zeugen. Den „Höhepunkt“ des Projektes bildete der vierte Tag, an dem wir das Konzentrationslager Auschwitz besichtigten. Am Vormittag wurden wir durch das ehemalige Stammlager Auschwitz I geführt, Jugendliche auf den Spuren der Geschichte.

Diese Eindrücke bleiben für immer.

jenem Teil des Lagerkomplexes, über dessen Eingang der bekannte Schriftzug „Arbeit macht frei“ steht. In den Gebäuden der heutigen Gedenkstätte befinden sich verschiedene Ausstellungen. Etwa von Gegenständen, die den Häftlingen bei der Ankunft im Lager von den Nazis abgenommen worden waren. So gibt es einen gewaltigen Raum, in dem hinter Glasscheiben riesige Haufen von Schuhen ausgestellt sind, und einen anderen Raum, in dem man Unmengen von Koffern sehen kann, allesamt beschriftet mit Namen und Adresse. Bei diesen Anblicken wurde mir zum einen die Brutalität bewusst, mit der die Häftlinge wirklich all ihrer Besitztümer beraubt wurden. Zum anderen verstand ich auch, wie ahnungslos die internierten Menschen über ihre Zukunft waren. Denn die Beschriftung der Koffer sollte einzig und allein dazu dienen, bei einer Entlassung das eigene Gepäckstück ohne Probleme wieder zu finden. Ein Moment, an den ich mich besonders gut erinnern kann, war, als man uns die Todeswand zeigte. Dabei handelt es sich um eine Wand im Hof des Lagers, an der tausende Menschen erschossen wurden. Nachdem uns die Vermittlerin erklärt hatte, worum es sich handelte, sprach ich kurz mit einem unserer Betreuer, der schon seit mehr als fünf Jahren bei Promemoria_Auschwitz dabei ist. Ich fragte ihn, wie es denn für ihn sei, jedes Jahr wieder dieselben schrecklichen Dinge zu sehen. Er sagte, dass es jedes Jahr schwerer für ihn werde. Er ist der Meinung, dass sich die Menschen unbewusst eine Mauer in ihrem Inneren aufbauen, die sie davor schützt, all das Leid in Auschwitz zu nah an sich heran zu lassen. Diese Mauer werde aber bei jedem Besuch brüchiger und man erkenne mehr und mehr, wie grausam diese Lager wirklich waren.

Hat diese Reise sehr zum Nachdenken gebracht. LUKAS PALLA 2018/2019 | 43 15


Wie oft waren Sie mit der Umsetzung Ihres Plans so richtig unzufrieden?

Hoch hinaus

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Wie viele Architekturpreise haben Sie bereits gewonnen?

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Werner Tscholl

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Der preisgekrönte Südtiroler Architekt Werner Tscholl hat nach seinem Studium ganz klein begonnen und aufgrund mangelnder Aufträge erstmal sein eigenes Haus entworfen und es gemeinsam mit seinem Vater und zwei Maurern im Vingscher Dorf Morter errichtet. Dieses Haus provozierte und sorgte für Aufsehen, aber auch für mehr Aufträge. Seinen Erfolg schreibt der 63-Jährige einem gewissen angeborenen Talent und der zunehmenden Erfahrung zu. „Der größte Erfolgsfaktor liegt aber ohne Zweifel darin, Auftraggeber*innen zu begegnen, die mir vertrauen und mich frei gestalten lassen“, sagt er. Die Idee zu seinen Projekten kommt Tscholl oft in Sekundenbruchteilen: „Ich weiß dann sofort, wie ein Gebäude auszusehen hat und daraufhin tüftle ich die Details aus. Wenn die Idee aber nicht umsetzbar ist, wird nicht lange nachjustiert, sondern ich beginne ganz von vorn.“ Für Südtirol wünscht sich der Architekt, dass bestehende Gebäude vermehrt reaktiviert werden und weniger in die Landschaft hinaus gebaut wird. „Die Dörfer und Städte sind unsere Wohnzimmer. Natur ist Natur. Dafür gibt es hoffentlich mehr Verständnis.“

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Zahlen, bitte!

Wie viele Paar GästeHausschuhe haben Sie?

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30 10 60 2.000

In Prozent: Wie viel Energie könnte im Bausektor eingespart werden? #

Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie wichtig sind für Sie Grünflächen beim Häuserbau? # Wie viel Prozent Ihres Gartens sind essbar? #

Wie viele Meter hoch wird in 200 Jahren das höchste Gebäude der Welt sein?

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In Prozent: Wieviel Bürokratie ist bei einem Bauprojekt in Südtirol derzeit in Ihren Augen überflüssig? #

Zu wie viel Prozent besteht Ihr Privatheim aus lokalen Baumaterialien? #

Mit wie vielen Haustieren teilen Sie Ihr Heim? #

Zu wie viel Prozent besteht ein durchschnittlicher Bau in Südtirol aus lokalen Baumaterialien?#

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Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie problematisch sehen Sie die Zersiedelung in Südtirol? #

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Wie viele Kilometer legen Sie im Winter auf Skiern zurück? #

Hat noch den wohltuenden Nachhall des Tscholl’schen Wohnhauses im Ohr. MATTHÄUS KIRCHER 2018/2019 | 43 17


Home Stories: Und wie wohnst du so? Fabienne Manfred

Carlo

Sonja

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EXTRA Elsie

Fini

zebra. hat sich gefragt, wie man in der Nachbarschaft wohl so wohnt. Freiwillige Fotografinnen sind ausgeschwärmt und haben für diese EXTRA-Seiten Menschen besucht, die im Radius von zehn Kilometern zur zerba.Redaktion zuhause sind und sie an ihrem liebsten Plätzchen daheim abgelichtet.

Anas, Hamza und Ali

Johannes Ruth

Zenat Shahzadi . Marie-Theres Maier 2018/2019 | 43 19


Auf der Straße

Una casa significa indipendenza Erano le cinque di mattina del 9 marzo di due anni fa. La stanza era immersa nel buio quando i gendarmi fecero irruzione. Ci dissero che avremmo lasciato subito la Svizzera. Ci bloccarono i polsi con delle fascette di plastica bianche e ci portarono in aeroporto. Sull’aereo per Milano, con una cinghia di cuoio, ci legarono le caviglie e la vita al sedile. Gli altri passeggeri ci guardavano. Immagino pensassero che fossimo pericolose criminali. Al posto loro, probabilmente, avrei pensato la stessa cosa. Mi chiamo Leila, ho 26 anni e quattro anni fa sono arrivata in Europa dall’Iran con mia madre e mia sorella. Atterrate in Italia, ci siamo subito spostate in Svizzera, dove abbiamo fatto richiesta di asilo. Dopo sette mesi hanno scoperto il nostro visto di ingresso per l’Italia e siamo state rispedite qui. Abbiamo vissuto per due anni in provincia di Varese. Ad agosto 2017 abbiamo ottenuto l’asilo politico e il giorno stesso ci hanno detto che avremmo dovuto lasciare la casa in cui eravamo state alloggiate. Ci siamo rifiutate e hanno staccato la corrente, l’acqua e il gas. Dopo qualche giorno è venuta la polizia e ci ha obbligate a lasciare l’appartamento. È iniziato così il nostro peregrinare. Per un po’ ci ha potuto ospitare una signora del paese con cui avevamo fatto amicizia. Mia madre aveva trovato una sostituzione come badante e si era trasferita presso la casa del signore di cui si occupava. Dopo qualche mese aveva messo da parte una somma di denaro sufficiente per affittare un piccolo appartamento. Ha consegnato la caparra a quello che teoricamente era il padrone di casa, che però

(*elaborato da Alessio Giordano)

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Tre donne pronte a ricominciare.

ha preso i duemila euro ed è sparito nel dormitorio. Tutte e tre intanto avevamo nulla. Senza più soldi, abbiamo deciso iniziato a lavorare: mia madre in una che mia madre sarebbe partita per Bolmensa e come addetta alle pulizie, mia zano. Una conoscente le aveva detto che sorella come barista e io come cameriesarebbe stato più facile trovare lavoro. ra in una pizzeria. Lentamente abbiamo Mia sorella e io invece ci siamo trasferite iniziato a guardare avanti. Siamo entrate da una famiglia curda, dove potevamo in una casa della Caritas, dove per quasi stare dalle otto di sera alle sei di mattina. 800 euro al mese viviamo in una stanza Passavamo le giornate in giro. Una volta tripla con bagno. siamo andate in treno a Milano. GuardaDa tre mesi lavoro in un ristorante in citvamo le vetrine dei negozi e sognavamo. tà e frequento la scuola superiore serale. Altro non potevamo fare. Vorrei fare la radiologa. Dopo due mesi abbiamo raggiunto la Stiamo cercando un appartamento in mamma. Lei stava al dormitorio, noi per affitto, ma finora abbiamo ricevuto solo 30 giorni in una struttura della Caririsposte negative. Parlo “Dovete tas. Dopo un mese ci siamo presenbene l’italiano e quando dormire tate al dormitorio. I servizi sociali telefono per un annuncio però ci dissero che non avremper strada.” tutto sembra indirizzarsi sui mo potuto dormire lì perché, binari giusti. Solo quando dico per regolamento, non accoglievano nuche sono straniera, salta sempre fuori clei familiari. L’impiegata ci disse: “dovequalcuno a cui la casa è già stata promeste dormire per strada, non so cosa dirvi, sa. A volte ho nostalgia della mia vita di andatevene”. Fortunatamente una casa prima, ma dopo tanta sofferenza sento gestita da privati ci ha ospitate e ha fatto che il peggio è passato e vorrei pianificapressione affinché potessimo entrare in re qui il mio futuro.

Ci manca solo una casa per iniziare a camminare da sole. LEILA 2018/2019 | 43


Focus

Viele Menschen fühlen sich allein gelassen.

Ruf aus der Stille Nicht auflegen, nicht aufgeben, zuhören – seit gut 15 Jahren kümmern sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen der Telefonseelsorge in Südtirol um jene Menschen, die sich sonst niemandem anvertrauen können.

Das Klingelschild gibt nicht preis, wer sich in der Wohnung aufhält. Auch die Nachbarn ahnen nicht, wer die vielen Menschen sind, die täglich ein- und ausgehen. Nachts brennt das Licht, der Rechner surrt ununterbrochen. Mindestens zwanzig Mal täglich klingelt das Telefon. Am anderen Ende der Leitung sitzen Menschen, die sich von der Gesellschaft allein gelassen fühlen. Entgegen nehmen die Anrufe die mehr als 75 ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen der Telefonseelsorge. Irgendwo in Bozen haben sie sich ihren Arbeitsplatz eingerichtet. Ein Zimmer, Küche, Bad, eine kleine Bibliothek. Sie alle eint der unbedingte Wille,

anderen Menschen zu helfen. In Und es ist nicht einfach, die Arbeit auszuSchichtarbeit und unentgeltlich. führen: „Man wird mit ängstlichen, mit Eine von ihnen ist Christine trauernden, mit sich verloren fühlenden Pörnbacher. Nur sie darf sich Menschen konfrontiert und mit solchen, der Anonymität entziehen, um die Suizidgedanken haben“, sagt Chrisden Dienst nach außen hin zu retine. Sie macht die Arbeit seit bald vier Jahren – und sie macht sie gerne: „Nicht, präsentieren. Die Namen der andeum damit zu prahlen, sondern aus Liebe ren kennen nur wenige; die Anschrift zum Menschen.“ der Wohnung wird nicht verraten; AnBald schlägt es zwölf Uhr mittags, das rufe können nicht zurückverfolgt werden. Lokal ist gut besucht. WähEine persönliche KontaktaufIrgendwo in Bozen rend sich die Servierdamen nahme ist so von vornherdamit beeilen, die Tische zu ein ausgeschlossen: „Wir haben sie sich decken, spielt das Radio leise hören den Menschen ihren Arbeitsplatz „Rebel, Rebel“ von David Bowie. zu, wir unterhalten eingerichtet. Vis-à-vis von Christine sitzt die Kouns, versuchen gemeinsam nach Lösungen zu suchen – proordinatorin der Telefonseelsorge, Silvia fessionelle Hilfe und Heilung können wir Moser. Eigentlich wollte sie Reisejournaaber nicht leisten“, so Christine. listin werden. Vor gut sechzehn Jahren Es war nicht einfach, die Stelle bei der hatte sie einen längeren Aufenthalt in Notfallseelsorge zu bekommen: ein VorVietnam geplant, um darüber zu schreistellungsgespräch, sich über Wochen ben. Die Reportage wurde aber nie fertig, hinziehende Seminare in Gesprächsfühweil man sie darum bat, den Dienst der Telefonseelsorge mit aufzubauen. Bereut rung, über psychiatrische Erkrankungen, hat sie ihre Entscheidung bisher nicht. über den Umgang mit Tod und Trauer.

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„Die Gründe“, sagt sie, „aus denen die Laut einer Studie der University Leute anrufen, sind vielfältig, aber viele of Pittsburgh sind die Menschen, sind einfach nur einsam.“ 44 Prozent der die mehr als zwei Stunden tägAnrufer*innen leben alleine, weitere 43 lich damit verbringen, einsamer Prozent sind nie aus ihrem Elternhaus als andere. „Es ist ein wichtiges ausgezogen. Vehement wehrt sich Moser Problem, das wir hier erforschen, aber dagegen, Alleinsein mit Einsam2017 wohnten mehr als 80.000 keit gleichzusetzen, gleichwohl sie darin aber eine Ursache sieht: Südtiroler*innen alleine. „Ungewolltes Alleinsein kann denn psychische Probleme und soeinsam machen.“ Viele der Anrufer*innen melden sich regelmäßig, manche rufen ziale Isolation verbreiten sich wie gar wöchentlich an. „Wir aber können eine Epidemie auch unter jungen keine sozialen Kontakte ersetzen“, mahnt Erwachsenen“, schreibt Brian A. Christine. Primack, der Leiter der Studie. Kontakte zu knüpfen, fällt vielen MenOb aber vor allem einsame Menschen nicht leicht. „Suche netten Freischen in die sozialen Netzwerke flüchten oder ob tatsächlich deren zeitpartner“, heißt es in einer Annonce. Nutzung einsam machen kann, „Suche Freundeskreis“, titelt eine andeist schwer zu beurteilen. Klar ist re. Täglich werden neue Anzeigen in eiaber, dass das Thema Einsamkeit den nem lokalen Onlineportal veröffentlicht. Nerv vieler trifft – einsam sind nicht nur Spontane Gespräche in der realen Welt die anderen, nicht nur fiktive Figuren werden rarer. Das Ihrige dazu beigetragen haben auch die sozialen Netzwerke. wie E.T. oder Edward mit den Scheren-

Christine Pörnbacher ist Ehrenamtliche bei der Telefonseelsorge.

händen. Einsamkeit spielt nicht nur in Romanen wie „Die Einsamkeit der Primzahlen“ oder in Songs von Nirvana eine tragende Rolle – verloren fühlt sich

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Focus

bisweilen jeder in seinem Leben. „Nur zeigen darf man es nicht“, sagt Christine, „weil es immerzu darum geht, die Fassade aufrechtzuerhalten, die Masken bloß nicht fallen zu lassen.“ Wer offen ausspreche, dass es ihm schlecht geht, werde gesellschaftlich als Verlierer angesehen. „Und das muss sich ändern!“, fordert Silvia Moser, die Koordinatorin des Dienstes. Man könne etwa einen Nachbarn ansprechen, der alleine lebt und damit möglicherweise hadert. Laut dem Landesinstitut für Statistik (ASTAT) sind die Single-Haushalte seit den 1990er Jahren auch in Südtirol zur vorherrschenden Haushaltsform avanciert. 2017 wohnten mehr als 80.000 Südtiroler*innen alleine. Das entspricht 36,2 Prozent der Gesamtbevölkerung. Diesem Trend folgend werden auch mehr Wohnungen mit wenigen Zimmern und geringer Wohnfläche gebaut. „Die Einsamkeit“, schrieb einst der deutsche Schriftsteller Friedrich Spielhagen, „ist wie der Duft einer Giftpflanze, süß, aber betäubend und mit der Zeit geradezu verderblich, selbst für die stärksten Konstitutionen.“ Es sei keine Schande, über die eigene Einsamkeit zu sprechen, meint Silvia Moser. Auch nicht in Zeiten gesellschaftlicher Kälte. Besonders dann nicht.

Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr unter der Grünen Nummer 840 000 481 oder online auf www.telefonseelsorge-online.bz.it erreichbar.

Allein ist nicht gleich einsam Sieben Fragen an die Psychologin Irmgard Mahlknecht Künig

Sind die Menschen heute einsamer als früher? Einsamkeitsgefühle gehören zum menschlichen Dasein. Diese Gefühle sind nicht an eine bestimmte Zeit gebunden. Wir tendieren heute dazu, unseren Lebensstil für alles verantwortlich zu machen und die früheren Lebensumstände zu idealisieren. Menschen haben sich auch früher einsam gefühlt.

Wie würden Sie das Gefühl der Einsamkeit definieren? Das Wort Einsamkeit beschreibt die Empfindung, von anderen Menschen getrennt zu sein, ungeliebt, vielleicht auch überflüssig zu sein. Ein einsamer Mensch hat das meist negativ konnotierte Gefühl, allein zu sein. Dies hat nichts mit dem realen Alleinsein zu tun – dieses Gefühl kann auch inmitten von Menschen entstehen. Welche Umstände führen zu Einsamkeit? Unsere Lebenswelt in der Stadt aber auch zunehmend auf dem Land wird anonymer. Die Arbeitswelt ist hektisch und reicht vielfach bis in das Privatleben. Auch Freizeitaktivitäten werden oft wie Verpflichtungen abgewickelt. Dabei bleibt wenig Zeit für spontane Gespräche. Wenn man soziale Kontakte nicht bewusst im Alltag integriert, läuft man Gefahr diese zu vernachlässigen. Abgesehen von den gesellschaftlichen Entwicklungen sind es natürlich insbesondere die persönlichen Lebensgeschichten, die zu Einsamkeitsgefühlen führen. Sind ältere Menschen einsamer als jüngere? Einsamkeit entsteht vor allem bei Menschen, die zum Alleinsein gezwungen werden, das Alleinsein nicht selbst wählen. Unser heutiger Lebensstil kann dazu führen, dass wir weniger vertraute soziale Kontakte pflegen und somit in eine soziale Isolation geraten. Eine Frage des Alters ist es aber nicht.

Bedingen sich das Gefühl der Einsamkeit und die Nutzung von sozialen Medien? Hier gibt es zwei Seiten: Einerseits können eher schüchterne Menschen von den sozialen Netzwerken profitieren. Andererseits kann der Umgang mit den neuen Medien aber auch dazu führen, dass sich gewisse soziale Kompetenzen zurückbilden oder sich gar nicht erst entwickeln. Kann Einsamkeit krank machen? Psychische Erkrankungen können sowohl Ursache als auch Folge von Einsamkeit sein. Soziale Ängste, Phobien oder Depressionen sind psychische Störungen, die Kontaktmöglichkeiten mit Menschen einschränken und in Einsamkeit münden können. Menschen sind aber soziale Wesen – Einsamkeit kann deshalb zu Depressionen und Suizidgedanken führen. Studien belegen, dass Menschen, die sich einsam fühlen, auch ein erhöhtes Risiko für körperliche Erkrankungen haben. Wie kann man aus der Einsamkeit finden? Es gilt herauszufinden, was einem fehlt. Ein erster Schritt kann sein, zu lernen sich auch allein wertvoll zu fühlen. Ob wir uns einsam fühlen, hängt auch von unserer Einstellung zu uns und unserem Leben ab. Wichtig ist sicherlich, auf andere Menschen zuzugehen, ohne dabei allzu große Erwartungen an das Gegenüber zu haben. Wenn Einsamkeitsgefühle über einen langen Zeitraum unverändert bleiben und die Intensität sehr belastend ist, sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.

Zieht ihren imaginären Hut vor den Ehrenamtlichen der Telefonseelsorge. ANGELIKA AICHNER 2018/2019 | 43 23


Zwischentöne

Das ist kein Wurm, sondern eine Schlange

Da steckt der Wurm drin Ich habe an dieser Stelle noch nie über einen Vertreter des Tierreichs geschrieben. Nun ist es endlich so weit. Und ich lege gleich richtig los: Meine erste TierKolumne befasst sich mit dem schönsten, bedeutendsten und mächtigsten aller Tiere – dem Wurm. Ok, das war jetzt vielleicht ein bisschen übertrieben. Es gibt sicher schönere und wichtigere Tiere als den Wurm. Aber ich finde, dem Wurm wird Unrecht getan.

Vor allem sprachlich: „kleiner Wurm“, Aber Besserung ist in Sicht, zumindest in „elender Wurm“ oder „du Würmchen“ der Literatur: Julia Donaldson hat 2012 ist absolut nicht nett gemeint. Es ist auch das Kinderbuch „Superwurm“ veröfkein Ausruf der Freude, wenn man sagt fentlicht. Der tollste Wurm der Welt hat „da steckt der Wurm drin!“ Superkräfte und rettet zum Beispiel das Kein Schreiner möchte einen Holzwurm Krötenkind, das die Straße überquert, in den Möbeln, keine Kirschbaumbesitvor dem Überfahren werden. Der Wurm zerin möchte, dass ihre Kirschen wurals Held, so gefällt mir das. mig sind, kein Haustierbesitzer möchte, Ein Wurm ist wirbellos, aber nicht sinndass sein Hund von Würmern befallen los: Der Regenwurm zum Beispiel verwird, kein Kind, das etwas angebessert die Qualität stellt hat, möchte, dass ihm die des Bodens, den er Er wird vom frühen Eltern die Würmer aus der bewohnt. Für unsere Vogel gefangen. Nase ziehen und keine InBöden ist es also durchformatikerin möchte gerufen werden, aus sinnvoll, wenn sie vom Wurm bewenn ein Computer vom Wurm befallen fallen werden. Was wäre Star Trek ohne wurde. Puh, das war jetzt aber ein echter Wurmlöcher, durch die man Raum und Bandwurmsatz. Zeit überwinden kann? Und was wäre Der Wurm hat nicht nur einen schlechunser Blinddarm ohne Wurmfortsatz, in ten Ruf, er hat auch viel Pech: Er wird dem im Falle einer Durchfallerkrankung vom frühen Vogel gefangen und beim nützliche Darmbakterien überleben Angeln als Köder missbraucht. Da kann können? Außerdem besitzt kein anderes der Wurm sich noch so winden, am Tier die faszinierende Eigenschaft, dass Ende wird er gefressen. Es wurmt mich, man es (Achtung, erst hinter dem 40. dass der Wurm immer für alles herhalElement!) teilen kann und es trotzdem ten muss. Selbst in der Literatur wird er weiterlebt. Jedes Körpersegment eines meist mit negativen Eigenschaften verWurms besitzt nämlich die genetische bunden: Der Haussekretär des PräsidenAnlage, den After wieder auszubilden. ten von Walter in Friedrich Schillers KaDiese Kolumne hingegen würde nicht bale und Liebe heißt deshalb Wurm, weil weiterleben, wenn man sie nach 40 Zeier ein Schleicher und Intrigant ist. Der len einfach teilen würde. Sie würde dann Lindwurm in alten germanischen Sagen keinen After neu ausbilden, sie wäre am soll sogar Menschen gefressen haben. Arsch.

Hat oft einen ganz furchtbaren Ohrwurm. MARKUS BELZ 24

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Intervista

Wohnen mit Lyla In Brixen leben vier psychisch kranke hat die WG mitbegründet. Sie ist neben Ihrer Kollegin, einer SozialbeFrauen in einer Wohngemeinschaft. treuerin, eine von zwei Angestellten. Eingebunden in ein familiäres Umfeld Eine Ehrenamtliche, die tagsüber erfahren sie die benötigte Betreuung, auswärts arbeitet, kann unentohne auf einen selbstbestimmten Alltag geltlich in der Wohnung schlazu verzichten. Die WG „Lyla“ ist ein Beispiel fen und deckt somit die Präsenz dafür, wie private, klein strukturierte und während der Nachtstunden ab. innovative Betreuungseinrichtungen effizient und gleichzeitig nah am Wie ist das Wohnprojekt entstanden? Menschen agieren können.

In der hellen Vier-Zimmer-Wohnung herrscht eine entspannte Atmosphäre: Mitbewohnerin Mabel ist gerade von ihrem Mittagsschläfchen aufgewacht und stapft vom Wohnzimmer in die Küche, wo schon der Nachmittagskaffee auf sie wartet. Wally verziert auf dem Küchentisch mit Holzfarben ein Briefkuvert. Am Tisch sitzt auch Mathilde Hinteregger, die in einer Tasse rührt. Die 54-jährige Krankernpflegerin

Als Krankenpflergerin stand ich vor einer beruflichen Veränderung und war von der Idee sehr angetan.

Welche Schritte führten zur Gründung? Am Anfang stand natürlich die Frage nach der rechtlichen Form. Wir konnten uns ja nicht an einem bestehenden Beispiel orientieren. Es kam zu mehreren Treffen mit dem Haus der Solidarität, das in der Folge die Trägerschaft für das Projekt übernahm. Mathilde Hinteregger: Eigentlich aus Das war aus versicherungstechnischen einer konkreten Bedarfssituation heraus. Gründen wichtig. Unsere Klientinnen sind Die Besitzerin der Wohnung hatte plötzbesachwaltert, also galt es auch das Verliche einen erhöhten Pflegebedarf und Schwierigkeiten damit, eine Pflegerin zu trauen der Sachwalter*innen zu gewinnen, finden. Im Sozialsprengel wusste die letztendlich für das „Lyla“ ist mitten in man von mehreren Personen Wohl der Frauen verin einer ähnlichen Situation. antwortlich sind. Auch der Gesellschaft. Inspiriert von bestehenden der Informationsaustausch Wohnprojekten in Skandinavien und im und die Zusammenarbeit mit Partnern wie Austausch mit dem Zentrum für Psychidem ZPG, dem Sozialsprengel und der Ansche Gesundheit (ZPG) und dem Haus der laufstelle für Grundfürsorge ermöglichte Solidarität entstand eine konkrete Idee. die Gründung der WG.

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Mathilde Hinteregger ist diplomierte Krankenpflegerin.

Wie finanziert sich das Projekt? Die Kosten für Personal, Verpflegung und die Wohnungsspesen werden durch die Monatsbeiträge der Klientinnen getragen. Das Wohnprojekt wird nicht durch die öffentliche Hand unterstützt, was Vor- und

Wer sind die Frauen, die hier leben? Derzeit wohnen vier Frauen im Alter zwischen 35 und 62 Jahren in der WG. Sie sind alleinstehend oder können innerhalb ihrer Familien nicht adäquat betreut werden. Eigentlich führten die Frauen alle ein gewöhnliches Leben und waren berufstätig. Bis zu einem bestimmten Punkt, an dem eine Krankheit oder ein Unfall alles veränderte.

Nachteile hat. Wir können einerseits frei, unabhängig und selbstgestalterisch arbeiten, müssen aber selber sicherstellen, dass es sich finanziell ausgeht. Dass eine der Frauen die Eigentümerin der Wohnung ist, kommt uns natürlich auch zugute.

Mitbewohnerin Mathilda steht am Herd und schält Äpfel. Vor ihrer Erkrankung arbeitete sie viele Jahre als Haushälterin auf einem großen Bauernhof. Mit geübten Handgriffen zerteilt sie die Früchte in gleichmäßige Stücke und lässt sie in einen Topf mit Wasser fallen. Am Abend gibt es Apfelkompott zum Nachtisch. Die Frauen können viele Aufgaben des Alltags selbst verrichten. Die Förderung von Eigenständigkeit und die Möglichkeit, selbstbestimmt Entscheidungen zu treffen, spielen im Wohnprojekt „Lyla“ eine wichtige Rolle.

» Local foods & drinks » MO-SA Lunch & dinner » breakfast every day » brunch every Sunday » Homemade Vin Brulè + Punch » Local brewed craft beer » 650 newspapers and magazines free download » Events in our Bar & Wintergarden Mo - Fr Quick Lunch Menu + Menu à la carte

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ALTER SCHLACHTHOF Schlachthausgasse 4 Vicolo Macello Brixen Bressanone M 327 362 1614 info@schlachthof.it www.schlachthof.it

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Intervista

Wie sieht ein Tag in der WG aus? Gegen acht Uhr kommen ich oder meine Kollegin in die WG und wir bereiten mit den Frauen das Frühstück zu. Nach der Morgentoilette und den anfallenden Aufgaben im Haushalt machen wir einen Spaziergang an der frischen Luft. Wir erledigen Einkäufe und kleinere Behördengänge. Wieder zuhause, kochen wir gemeinsam das Mittagessen. Danach machen wir Pflegerinnen eine Pause, bleiben aber telefonisch erreichbar. Am Nachmittag gibt es wieder eine kleine Stärkung und je nach Wetterlage gehen wir vor dem Abendessen nochmal an die Luft oder widmen uns verschiedenen Handarbeiten.

Beim Kochen helfen alle mit.

Einrichtung, wo ein derlei individuelles Wohnen und Leben nicht möglich ist.

Auf welche Erfahrungswerte blicken Sie brauchen keine sie nach drei Jahren Was hat es mit den HandSchlaftabletten mehr. „Lyla“ zurück? arbeiten auf sich? Die Frauen sind gerne tätig und können Ich finde es erstaunlich, wie sich die bei verschiedenen Aufgaben ihre FähigFrauen entwickelt haben. Sie sind förmkeiten einbringen. Wir machen Faltlich aufgeblüht und zu einer Art Familie zusammengewachsen. Eine der Frauen schachtelarbeiten für eine Bäckerei oder sprach Anfangs nur Englisch. Die anderzeit verzieren wir zum Beispiel Briefkuverts. Das bringt Abwechslung in den dern traten ihr völlig unvoreingenomWG-Alltag und gleichzeitig helfen wir men entgegen und fanden schnell einen dadurch einer Einrichtung, die wiederDraht zu ihr. Der geregelte Tagesablauf und die Geborgenheit geben ihnen Halt. um uns sehr unterstützt. Wo werden in der Regel Menschen mit ähnlichen Bedürfnissen untergebracht? Das ist eine schwierige Frage. Genaugenommen ist die Psychiatrie nicht unbedingt der optimale Platz für alle psychisch kranken Menschen. Auch ein Seniorenheim oder ein Pflegeheim ist im Hinblick auf das Alter, aber auch die Verfassung solcher Menschen nicht immer eine Option. Das besondere an „Lyla“ ist eben, dass es eine WG in einer ganz gewöhnlichen Wohnsiedlung ist, also mitten in der Gesellschaft. Die Frauen werden zwar professionell betreut, sind aber trotzdem in den Alltag der Stadt eingebunden. Sie leben nicht abgeschottet in einer großen

Ich sehe, dass sie hier einen erfüllenden Alltag leben können und sich wohlfühlen – sei es in der Gemeinschaft als auch als einzelne. Die Frauen brauchen keine Schlaftabletten mehr. „Lyla“ stieß als neuartiges Wohnprojekt anfangs auch auf Skepsis. Das breite Interesse am Projekt zeigt aber, dass es vielleicht eine gute und vergleichsweise einfache Alternative zu manch anderer Form der Unterbringung sein kann. Der Name „Lyla“ geht auf den Spitznamen der Wohnungseigentümerin, Lydia, zurück. Bevor ihre Mitbewohnerinnen einzogen, tat sich Lydia mit dem Kontakt zu anderen Menschen schwer und einige, die sie kannten, zweifelten an der Machbarkeit der Idee „Lyla“. Mathilde Hinteregger erzählt, dass sich Lydia mittlerweile sehr mit der Frauengemeinschaft identifiziert. Als vor einigen Tagen Mitbewohnerin Mabel später als üblich von ihrem Spaziergang nach Hause kam, war Lydia in Sorge und befürchtete, dass sie nicht mehr wieder kommen könnte.

Am Nachmittag bleibt Zeit für kreatives Arbeiten.

Verbrachte nach langer Zeit wieder mal einen wunderbaren WG-Nachmittag. LISA FREI 2018/2019 | 43 27


Ein Stück Heimat

Nordische Wärmequelle: der Lusekofte

Große Strick-Kunst

Als ich neulich mit meiner Tochter Fotos aus den 80erJahren durchforstet habe, ist mir aufgefallen, dass ich als Kind im Winter meist dasselbe getragen habe: einen Norweger Pullover.

linienwerk.com

Von meiner „Nonna“ liebevoll handgestrickt, holte mich beim Betrachten der Bilder sofort wieder das kratzige Gefühl auf der Haut ein, das diese Pullover so mit sich brachten. Aber auch die wohltuende Wärme. Sie waren perfekt für die kalte Jahreszeit. Derselbe Gedanken muss auch die Bewohner*innen des Tales Setesdal im Süden Norwegens gestreift haben, als sie im 19. Jahrhundert die ersten „Setesdalsgenser“, die Pullover aus Setesdal,

invita | lädt ein

Dialogabend *

Calcio

CHRISTMAS EDITION

– eine runde Sache?! 18.12.2018 // ore 18.30 – 21.30 Uhr Ort

Freie Universität Bozen Raum C4.06 – Haupteingang

Ein Projekt von blufink in Zusammenarbeit mit dem Master in Eco-Social Design:

Info: info@blufink.com FC BO

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www.blufink.com

auch „Lusekofte“ genannt, strickten. Sie bezeichneten damit einen einfachen, auf Brusthöhe der Vorderseite schwarz-weiß gemusterten Pullover aus grober Schafswolle. Anfangs nur von Schafhirten zum Schutz vor dem rauen Klima Norwegens getragen, fand er schnell seinen Weg in die feine Gesellschaft der norwegischen Städte. Auch sie kämpfte mit den Temperaturen von bis zu minus 40 Grad. Dem Einzug in die Alltäglichkeit Norwegens folgte in den 1920ern auch der Bruch mit der Monotonie: Farbe kam ins Spiel. Anfänglich gesellte sich ein dezentes Rot dazu, aber schon bald wurde es mit dem Mariusgenser bunter. Verschiedene Grün-, Braun- und Blautöne, passend zur Natur Norwegens, verschlingen sich zu dekorativen Mustern, meist von Rosemaling inspiriert: Eine Form der Dekorationsmalerei, die man vor allem von geschnitzten und bemalten Türrahmen norwegischer Landhäuser und Bauernhöfe kennt: Blumen, Gräser, Schneeflocken und die berühmte Selburose, ein achtzackiger Stern – auch hier steht die Verbindung zur Natur im Mittelpunkt. Im Laufe der Zeit wurde aus dem Norweger Pullover, auch dank eines anliegenden, moderneren Schnittes und kuscheliger Wollmischungen, weit mehr als ein wärmendes Kleidungsstück. Er wurde zum Symbol der ganzen Nation und ist beispielsweise stets die offizielle „Uniform“ der norwegischen Athleten bei den Olympischen Winterspielen. Die Hippie-Öko-Fraktion trägt ihn bis heute in seiner ursprünglichen, breit geschnittenen Passform mit anliegenden Bündchen, bis weit über die norwegischen Grenzen hinaus. In den 90ern bot er so auch mancher zahmen Ratte eine perfekte Behausung für die kalte Jahreszeit.

BO

Freut sich über das norwegische Sprichwort: „Im Einfachsten liegt die Freiheit!“ PATRICK TASCHLER 2018/2019 | 43


Experiment

Una casa brillante con detersivi “fai da te” Era la fine del 2006 e vivevo a Roma. Era passato un anno dalla mia laurea e i soldi erano ancora pochi. La mia voglia, però, di impattare il meno possibile sull’ambiente era alta.

Bastano pochi ingredienti semplici per produrre detersivi.

In quegli anni a Roma trovare detersiHo abbandonato quella ricetta dopo Roma, mi hanno insegnato a fare il sapoqualche anno, rendendomi conto che non vi bio-ecologici significava spendere un ne. Da allora, ogni volta che lo faccio, mi aveva nessun senso da un punto di vista sacco di soldi, dopo aver percorso troppi emoziono come una bambina: ogni volta chimico. Adesso uso solo una saponetta chilometri su mezzi pubblici privi di orala reazione chimica avviene – magia! – e che autoproduco (autoproduco.it/detersiacqua, olio e soda caustica si trasformano rio fisso. In compenso internet forniva sempre in qualcosa di sempre più risorse e cercando nell’infinivo-piatti-a-mano). La chimica mi completamente diverso, Mi ero laureata in scienze della ta rete mi sono imbattuta in un libretto il sapone! comunicazione, non in chimica (pdf) da dove tutto è nato: il “Manuale ha conquistata! In questi 12 anni di studi, e col passare degli anni mi sono dei detersivi bioallegri”. Da quel giorno ricerche ed esperimenti ho acquisito una accorta di quanto fosse necessario capirci ho cominciato ad autoprodurre detersivi quantità sufficiente di competenze che qualcosa. Molte cose mi affascinano e la a basso impatto ambientale. mi ha permesso di pubblicare un seconchimica mi ha rapidamente conquistata. Se vi siete mai avvicinati all’autoproduCredo l’amore sia nato quando, sempre a zione, vi sareste sicuramente imbattuti do libro che ha per tema la cosmesi e la detergenza. Il primo si chiamava “Pulinella ricetta del detersivo per piatti a base di limoni, sale, zie Creative” ed è stato il mio best seller: aceto e acqua. È stata la mia 10mila copie vendute. Adesso, completaSpruzzino lava vetri e superfici. Direttamente prima creatura, ne andavo così mente riscritto, si intitola “Bolle in liberin uno spruzzino di recupero ben lavato (e con una nuova etichetta, con indicato contenuto e fiera. Ci avevo messo un’ora per tà”, sempre edito da Altreconomia. Il mio data di creazione) versate 100 g di alcol e una farla e l’odore del mio lavoro si obiettivo è proporre ricette sempre più ventina di gocce di un olio era sparso per l’intera casa. rapide ed efficaci possibile. Perché chi fa essenziale a vostro piaQuando è rientrata una delle una vita cittadina non ha tanto tempo da cere. Solubilizzate bene e coinquiline dicendo “Che cos’è dedicare all’autoproduzione. Neanche io, aggiungete poi 400 g di questa puzza di piedi?” ho canonostante sia in parte il mio lavoro. acqua. Chiudete e scuoteAttenzione che l’autoproduzione è contapito che avrei avuto bisogno di te bene. Con una piccola molta forza di volontà per pergiosa! Se volete cominciare potete partire aggiunta di aceto e qualdalle ricette più facili e veloci, con materie severare nel mio intento di creche goccia di detersivo prime che potete trovare facilmente al suare i detersivi da me, a fronte di per piatti bio-eco diventa un mondo che avrebbe potuto permercato o ancora meglio in un negozio ancora più efficace. anche non capire. che vende prodotti sfusi.

“L’autoproduzione è la vera rivoluzione”, le parole di Grazia Cacciola le sento decisamente mie. Elisa Nicoli 2018/2019 | 43 29


Biblio

Unter Dach und Fach Treppe, Fenster, Klo – Die ungewöhnlichsten Häuser der Welt von Aleksandra Machowiak und Daniel Mizielinski Moritz Verlag, 2015 Überall auf der Welt haben Architekten ungewöhnliche Häuser gebaut: Häuser, die mal wie Birnen aussehen und mal zum Zusammenschieben sind, Teehäuser hoch über dem Erdboden, aufblasbare Häuser, Iglus… Das Kindersachbuch stellt 35 von ihnen vor. Vom Kommen und Gehen von Kurt Gritsch Edition Raetia, 2016 Wie soll mit Flucht und Migration umgegangen werden? Wie kann Integration gelingen? Komplexe Probleme lassen sich nicht populistisch lösen. Das Buch leistet Aufklärung. Es zeigt, dass Südtirol immer schon Aus- und Einwanderungsland war und vielfältige Gründe zu Migration führen.

Alle Farben des Lebens (DVD) von Gaby Dellal USA, 2017 Ein Haus, drei Generationen, vier außergewöhnliche Menschen: Hauseigentümerin und Großmutter Dolly lebt mit ihrer Lebensgefährtin in den unteren Etagen. Oben wohnt ihre Tochter Maggie mit dem 16-jährigen Enkel, der seit Jahren als Junge im Körper eines Mädchens lebt.

Die Sonne der Sterbenden von Jean-Claude Izzo Unionsverlag, 2012 Als man Titis Leichnam unter der Bank einer Metrostation findet, zieht sein Kumpel Rico Bilanz: Sein Leben ist verpfuscht, er ist geschieden, den Sohn darf er nicht sehen, die Wohnung ist verloren. Er beschließt, aus dem eisigen Pariser Winter abzuhauen, in den Süden.

In der oew-Fachbibliothek Eine Welt im Jakob-Steiner-Haus am Vintlerweg 34 in Milland/Brixen dreht sich alles um das Leben außerhalb Europas, um alternative Wirtschafts- und Lebensformen, um das Schicksal von Menschen in und aus den Ländern des Globalen Südens mit Schwerpunkt auf Kinder- und Jugendbüchern. Telefon: 0472 833950. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 8.30 bis 12.30 Uhr, Montag und Mittwoch auch 14 bis 17 Uhr. Unter bibkat.de/oew gibt es unser Medienangebot online.

Sonja Cimadom 30

La mia nuova vita sugli alberi di Kiran Desai Mondadori, 1999 Destinato a un grande avvenire, Sampath Chawla lavora invece in un ufficio postale e sogna a occhi aperti. Finché un giorno decide di trasferirsi a vivere su un albero e si trasforma in un saggio da ascoltare. Almeno fino al momento in cui una colonia di scimmie viene a insediarsi negli alberi vicino al suo.

La signora della porta accanto Di Yewande Omotoso 66thand2nd, 2018 Marion e Hortensia sono vicine di casa. A unirle è il successo ottenuto sul lavoro, a separarle due decenni di disprezzo reciproco e futili litigi. Fresche di vedovanza e con un piede nella tomba, continuano a detestarsi apertamente, finché un evento inaspettato non le costringe a una convivenza forzata.

La Biblioteca Culture del Mondo (BCM) onlus è una biblioteca specialistica per le culture e la narrativa del mondo, i diritti umani, la cooperazione allo sviluppo e le molte aree tematiche collegate, come i rapporti economici nel mondo, la sostenibilità, la cultura di pace, l’intercultura e le religioni. La biblioteca si trova in via Macello 50, a Bolzano, ma trovate tutto il nostro materiale anche sul sito www.bibmondo.it.

Sabrina Bussani 2018/2019 | 43


Na und?

Ein Bett im Baum Zum runden Geburtstag erfüllten ihr Freunde einen lange gehegten Wunsch: Sie bauten im Wald oberhalb ihres Gasthofes auf der Barbianer Alm ein kleines Baumhaus. Von April bis Oktober steigt Johanna Fink seitdem fast jeden Abend die Holzleiter zu ihrem Bett in den Bäumen hinauf.

Im Baumhaus findet Johanna Fink zur Ruhe.

Seit 32 Jahren führe ich oberhalb von Barbian, in Dreikirchen, den Gasthof Briol. Dieser ganze Berg wird auch Frauenberg genannt, denn er ist seit Generationen in Frauenhänden. Mein Urgroßvater Heinrich Settari war ein wohlhabender Kaufmann und schenkte meiner Urgroßmutter Johanna zur Geburt ihrer Kinder, es waren immerhin 15, jeweils ein Stückchen Land hier oben. 1928 ließ sie von ihrem Schwiegersohn und Künstler ein bestehendes altes Bauernhaus zu einem Gasthof umbauen. Von da an kamen Jahr für Jahr „Sommerfrischler“ hierher, um sich zu erholen. Das Gasthaus ist fast unverändert geblieben und konnte bis heute allen Veränderungen der Zeit standhalten. Auch ich versuche die Tradition und die Einfachheit dieses besonderen Ortes zu pflegen und zu bewahren.

Vor einigen Jahren schmiedeten wir Pläne zur Errichtung von Gäste-Baumhäusern, aber aus verschiedenen Gründen wurde leider nichts daraus. Ich war enttäuscht deswegen, und als mich meine Freunde zu meinem 50. Geburtstag fragten, welchen Geburtstagswunsch ich hätte, sagte ich: „Bitte baut mir ein kleines Baumhaus, nur für mich!“ Wir fertigten gemeinsam eine Zeichnung an und innerhalb weniger Tage nahm dieses Baumhaus Gestalt an. Es ist sehr einfach gemacht, aus Fichten- und Lärchenholz. Im Baumhaus gibt es keinen Strom und kein Wasser, nur einen schönen Schlafplatz, einen Tisch und ein großes Fenster mit Ausblick. Ich liebe es, mit der Natur und ihren Kräften eins zu sein. Auch wenn ein Gewitter niedergeht und der Wind den ganzen Baum ordentlich zum Schaukeln bringt, fühle ich mich sicher und geborgen. In aller Früh wecken mich die ersten Sonnenstrahlen und das Zwitschern der Vögel. Eines Morgens kam sogar ein Eichhörnchen zum offenen Fenster hereinspaziert und blieb ein paar Augenblicke stehen. Da fühlte ich mich wie im Märchen, das pure Glück! Die Reaktionen auf mein etwas anderes Schlafzimmer fallen unterschiedlich aus. Manchmal ernte ich verdutzte Gesichter, aber viele sind auch angetan von der Idee. Hin und wieder fragen mich Menschen, ob sie denn auch einmal hier übernachten könnten. Ich bin zwar Gastwirtin mit Leib und Seele, aber mein Refugium möchte ich nicht teilen. Es ist mein persönlicher Kraftort, wo ich Ruhe und Energie tanke. Am Morgen kann ich so gestärkt und gut ausgeschlafen zum Gasthaus hinuntergehen und mich wieder den Gästen und der Arbeit widmen. Im Herbst schließt das Gasthaus und auch im Baumhaus wird es Ende Oktober zu kalt. Den Winter verbringe ich in Bozen und jedes Jahr muss ich mich erst wieder an die Hektik, die vielen Geräusche und auch den Schwall an Informationen und Reizen neu gewöhnen. Ich freue mich jetzt schon auf den Tag im kommenden Frühling, an dem ich meinen Schlafplatz im Baumhaus wieder beziehen kann.

Einfachheit und Ruhe sind für mich der wahre Luxus. JOHANNA FINK 2018/2019 | 43 31


Die schlechteste Form des Zusammenlebens WG-Casting: Etwas, dem ich im Laufe meiner Studienzeit immer wieder begegnet bin. Ob als „Gecastete“, die sich für ein WGZimmer bewirbt, oder als Beurteilende, die für das freie Zimmer in der eigenen Wohngemeinschaft den oder die perfekte*n Mitbewohner*in finden will; fast jede*r Student*in macht beide Erfahrungen. Man kommt hin, stellt sich vor – Smalltalk. Nur selten geht ein Gespräch darüber hinaus, denn mehr als 15 oder höchstens 30 Minuten Zeit pro Person wollen sich die wenigsten nehmen. Eine Person innerhalb von 15 Minuten kennen und einschätzen lernen: eine Mission Impossible. Wieso ist es dann die am häufigsten angewandte Methode, um eine*n Mitbewohner*in zu finden? Ähnlich einem Bewerbungsgespräch geht es darum, die richtigen Dinge zu sagen und sich möglichst gut zu verkaufen. „Ah, du magst Techno? Ich auch!“ „Nein, es stört mich nicht, dass du

immer bis drei Uhr morgens laut Musik hörst!“ „Und überhaupt bin ich sehr unkompliziert und ordentlich, aber auf keinen Fall pingelig!“ Solche Standardsätze bieten sich an, um kleine Eigenarten vorerst zu verstecken. Doch erst nach längerer Zeit lernt man sich richtig kennen, mit allen persönlichen Macken und liebenswerten Eigenschaften. Der erste Eindruck täuscht oft: Dreckiges Geschirr in der Spüle, ins Zimmer kommen ohne anzuklopfen oder Lebensmittel, die auf mysteriöse Art und Weise verschwinden – so einige Überraschungen lauern im WG-Leben. Das ist eine neue Erfahrung und kann anfangs überfordern. Wie teile ich der anderen Person mit, was mich an ihr stört? Oder lasse ich es lieber bleiben und halte es aus oder hoffe, dass es sich von alleine bessert? Wenn die unterschiedlichsten Menschen zusammenleben, ist die Diskussions- und Kompromissbereitschaft jedes Einzelnen gefordert. So

Cindy Leitner

Liebe Einheimische, wie kam man auf die Idee, Wohnung „nur an Ortsansässige“ zu vermieten? Wenn jemand von Brixen nach Bruneck zieht – was soll das schon ändern? Was wollt ihr also eigentlich damit sagen? Worum geht’s? Der Dialekt zwischen Brixen und Bruneck ist doch nicht SO anders, odo? Braucht es die Staatsbürgerschaft um „ortsansässig“ zu sein? Die besitze ich. Braucht es den Dialekt? In sem red i schun. Braucht es einen fixen „ortsansässigen“ Arbeitsvertrag? Hab ich. Braucht es eine Garantie von einem anderen „Ortsansässigen“? Kann ich liefern. Ich komme aus Brixen und kenne Menschen in Bruneck, die dort ortsansässig sind. Ok, ich komme nicht aus Bruneck. Also bin ich dann wohl nicht „ortsansässig“ genug. Aber suchen wir mal eine Wohnung für „Ortsansässige“ in Brixen, ich bin ja aus Brixen. Also sollte alles passen. Es passt aber doch nicht. Am Telefon ist noch alles perfekt, mein einwandfreier Dialekt bestätigt meine „Ortsansässigkeit“. Wir verabreden uns, um die Wohnung anzusehen. Erster Direktkontakt: hängendes Gesicht von :) auf :( Kinnlade runter. Leichte Enttäuschung. Ein „dunkler Ortsansässiger“? Ich kann den Gesichtsausdruck meist recht gut deuten. Was nun? „Ich hab nichts gegen Ausländer“, kommt gleich als Info. Ausländer? Ich bin doch „ortsansässig“, genau wie es in der Anzeige verlangt wurde. Plötzlich ist die Wohnung dann doch schon wieder vielleicht vergeben, da hatte sich doch schon vor längerem einmal jemand interessiert, der meldet

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sich bald wieder… kann ja stimmen. Ist vielleicht wirklich wahr. Nur ausschließen, dass es nicht doch was mit meiner Hautfarbe zu tun hat, das kann ich nicht. Und das lässt oft ein blödes Gefühl zurück. Es kann einfach sein, dass jemand „einheimischeres“ als ich bevorzugt wird. Denn ich kann Vieles: Staatsbürger sein, einen unbefristeten Arbeitsvertrag haben, ortsansässig sprich von hier sein, perfekt Dialekt, Hochdeutsch und Italienisch sprechen. Nur eines kann ich nicht: weiß werden. Und das will ich auch nicht.

Yousaf Muhammad

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Speakers’ Corner

folgen auf knallende Türen und eisiges Schweigen oft Umarmungen und das Zischen gemeinsam geöffneter Bierdosen. So manche Lektion fürs Leben lernt der*die Studierende in einer WG. Zudem ist es auch nicht schlecht, eine kleine Ersatzfamilie zu haben. Gemeinsame Abende in der WGKüche zählen zu den sonnigen Seiten des WG-Lebens. Was Winston Churchill einst über die Demokratie als Staatsform gesagt hat, kann meinen Erfahrungswerten zufolge – überspitzt gesagt – auf die WG als Wohnform übertragen werden: Eine WG ist die schlechteste aller Formen des Zusammenlebens, ausgenommen alle anderen.

VERENA SCHWARZ

Di giorno e di notte A Milano, nel primo vero freddo di novembre, il sabato è un giorno affollato. Cappotti, cappelli e guanti cominciano a sfilare per le vie del centro. Di fronte ad ogni negozio c’è la fila per entrare, d’altronde manca relativamente poco a Natale. Ci sono persone di ogni provenienza, accento, professione e tutto è profondamente caotico, ma affascinante. In quel marasma di persone risulta difficile immaginarsi delle periferie, dei margini. Eppure, è quando cala la notte, le temperature si abbassano e la grande piazza sembra d’un tratto ancora più sconfinata, che si scoprono i veri abitanti di quelle vie. Attraversare un portico in piazza Duomo a sole otto ore di distanza, nel buio della mezzanotte inoltrata, rende d’un tratto i margini visibili. Nel pomeriggio affollato ciò che attira l’attenzione sono le altre persone e le vetrine: Le prime cerchiamo di non urtarle, le seconde ci attraggono e ci spingono ad entrare nei negozi. Non abbassiamo mai davvero lo sguardo, eppure ogni due metri c’è qualcuno seduto a terra con delle coperte e un pezzo di cartone, che chiede una moneta. Tra la folla l’esercito silenzioso passa inosservato, diventa parte del paesaggio. Quando quel portico è deserto però, sono molte di più le persone sdraiate a terra, coperte fin sopra alla testa, rispetto a chi è di passaggio. Dal giorno alla notte, la città cambia faccia e rivela i suoi “dannati”. Oggi come oggi, i bacini dell’esclusione sociale stanno cominciando a rimpolparsi nuovamente e dall’alto si cerca di cancellare i margini, quasi come se di un panino da toast stessimo tagliando la crosta.

Armin Barducci. sketch crawl bolzano

A chi la marginalità sociale la percepisce e la trova ingiusta però, oggi manca un tetto sopra la testa, un rifugio politico. Movimenti, associazioni e organizzazioni sono da tempo sul piede di guerra, pronti a combattere ogni sopruso e ogni violazione di diritto protratta dalla nuova classe politica ma, allo stesso tempo, chiunque si immagini un mondo aperto e interculturale si sente irrimediabilmente più solo. Chi ci rappresenta? Siamo in abbastanza o siamo davvero “i quattro gatti” che ci vogliono far credere? A Roma, sabato 10 novembre, hanno manifestato 100.000 persone. Praticamente nessun tg o giornale ne ha dato notizia. Che i media non ne parlino e che in parlamento non ci sia qualcuno che rappresenti davvero i nostri ideali, non sta a significare che il dissenso non esista. Soprattutto di questi tempi, è importante sentirsi ed essere in tanti e agire nel concreto di ogni giorno, per provare a dimostrare che il toast è decisamente più buono con la crosta.

ASIA RUBBO

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A tavola!

Speisen für die Seele Winter: Eine Zeit der Gewürze und Düfte, des deftigen Essens und gemütlichen Beisammenseins, aber auch der Tagträume von warmen und sonnigen Orten. Das alles gibt es im African Soul in Meran. Schon beim Eintreten begrüßen exotische Gerüche die Gäste. Das Restaurant ist mit bunten afrikanischen Stoffen eingerichtet, es spielt afrikanische Musik. Praktikantin Kuna Fall

Thiebou Yapp Für 4 Personen: 1 kg Lammfleisch 2 Habanero-Paprika 1 Zwiebel 1 Knoblauch 2 EL Soja Sauce 2 Lorbeerblätter 3 EL Erdnussöl 5 Tassen Wasser 4 Tassen Yasminreis (altromercato) 1 TL Chilipulver (altromercato) 2 TL Salz 2 TL Pfeffer (altromercato) 1 TL Tomatenmark Zwiebeln, Knoblauch, HabaneroPaprika und Soja Sauce zu einer Paste mixen. Erdnussöl erhitzen und Lammstücke in der Pfanne salzen, pfeffern und anbraten. Die gemixte Paste dazugeben und 15 Minuten köcheln. Tomatenmark, Chilipulver, Lorbeerblätter und Wasser dazugeben. Nach Belieben abschmecken und weitere 30 Minuten köcheln lassen. Dann den Reis waschen, in den Topf mit dem Fleisch geben und alles weiterkochen bis der Reis gar ist.

Vor genau einem Jahr, im Dezember Zur Nachspeise gibt es oft Kuchen oder 2017, wurde Meran um ein RestauFruchtsalat mit Ananas, Mango, Kokosrant reicher. Im African Soul können nuss, Erdnussbutter und Vanille. Kunas Asylbewerber*innen ihr Talent in der KüMutter arbeitet im Senegal in einem Resche oder im Service unter Beweis stellen taurant in der Küche. Schon als Kind half und als Praktikant*in Neues dazulernen. sie ihr beim Kochen. Oft bereitete Kuna Eine davon ist Kuna Fall für die ganze FamiIm African Soul können lie und Freund*innen aus dem Senegal. Seit sie ihre Talente unter Anfang November das Essen zu. „Zuhause macht Kuna im kochen wir häufig für sehr Beweis stellen. African Soul ein viele Leute und wir essen und Praktikum als Köchin. Hier kocht sie Gelachen dann auch viel gemeinsam“, errichte wie Yam mit Bohnengemüse und zählt Kuna. Wie etwa an Weihnachten. Jollof Reis, Mbahal und Cous Cous, NuDa wird im Senegal ein Schaf geschlachdelpfanne mit Garnelen, Kokosnussreis tet, mit Kräutern mariniert und anschliemit Gemüse und Dodo. ßend gebraten. Zu diesem traditionellen Ich treffe Kuna im Haus Arnika, wo sie Essen gibt es Kartoffeln und Gemüse. mit einem breiten Lächeln vom Senegal Hinter African Soul steht die Sozialgeund dem leckeren Essen dort erzählt. nossenschaft Spirit, die im vergangenen Kuna spricht senegalesisch, französisch Sommer mit dem Ziel gegründet wurde, und ein bisschen italienisch. Sie beein afrikanisches Restaurant zu eröffnen schreibt verschiedene Gerichte und Geund dadurch geflüchteten Menschen eine würze aus ihrer Heimat. Was in einer Perspektive zu ermöglichen. Wer sich auf senegalesischen Küche nicht fehlen darf ein kulinarisches Erlebnis einlassen will, sind Yams, Reis, Mais, Kokosmilch, Erdder ist bei African Soul in der Petrarcanussbutter, Chili und Ingwer. Das weststraße in Meran an der richtigen Adresse. afrikanische Land liegt am Meer und so Am besten bringt man seine ganze Famischwärmt Kuna auch von frittierten Filie und Freund*innen mit. Es gibt auch schen, die dort mit Reis gegessen werden. regelmäßig Live-Musik.

Freut sich auf ein Festessen im African Soul. Sabine Kaserer 34

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Schwarzweiß Robert Asam

Böse Worte …

Die Gutmenschin

…und fromme Wünsche Ein Gespräch über Marmeladen kann Wunder wirken. Da war ich – der geborene Optimist, der das Glas immer halbvoll gesehen hat – gerade ziemlich schlecht drauf, als ich in den Meraner Lauben dem Hiasi über den Weg lief. Wir haben uns – weiß der Teufel warum – an den Tagesthemen abgearbeitet, mit dem Ergebnis, dass unsere Grundstimmung zunehmend schlechter wurde. Kein Wunder, angesichts der Nachrichtenlage über Brexit oder Doch-Nicht-Brexit, über die Zauberlehrlinge von Rom, die Geld verteilen, das sie nicht haben, weil sie in der Schule den Mathematikunterricht geschwänzt haben, über die saft- und kraftlose EU, die nationalistischen Heilsbringer, die allerorts wie die Rattenfänger unterwegs sind. Die Meldung, dass die Chancen von Mailand und Cortina gestiegen sind, die Olympischen Winterspiele 2026 auszurichten, war auch nur auf dem ersten Blick eine gute. Die Bewohner Calgarys haben gegen ein zweites Olympia gestimmt, wie Impressum Herausgeberin | editore

Vintlerweg 34 Via Vintler – 39042 Brixen | Bressanone T. 0472 833950 – zebra@oew.org facebook.com/oew.org – www.oew.org St.Nr. | c.f. 90009830218 Sabrina Eberhöfer (Vorsitzende | presidente) Redaktion | redazione Verantwortung und Koordination | responsabilità e coordinazione Lisa Frei (lisa.frei@oew.org, Tel. 0472 208207) Satz und Gestaltung | impaginazione e grafica Alias Idee und Form, Irmi Unterfrauner Werbung I pubblicità Matthäus Kircher (matthaeus.kircher@oew.org, Tel. 0472 208204) Verantwortlicher Direktor | direttore responsabile Wolfgang Penn Registrierung | registrazione Landesgericht Bozen | Tribunale di Bolzano N6/94 R.ST.6.8.94 Druck | stampa Athesiadruck GmbH | srl, Bozen | Bolzano AUTONOME PROVINZ BOZEN SÜDTIROL

„Jo jo, in Ochs und in Esel wert sell schun recht sein.“

„Rechte fordern mehr Krippenplätze für Einheimische.“

zuvor schon jene von Sapporo (Japan), Sion (Schweiz) und Graz mit Schladming. Warum sollen wir uns freuen, wenn wir etwas bekommen, das alle anderen nicht haben wollen? Aber vielleicht haben unsere römischen Zauberer bis dahin den Karren gegen die Wand gefahren. Dann erledigt sich einiges ganz von alleine, nicht nur olympische (Alb-)Träume. Da stehen wir also, der Hiasi und ich, und dann kommt Paula des Weges. Hiasi wechselt plötzlich das Thema. Es geht um Marmeladen. Selber eingemachte natürlich. Vor Weihnachten redet man eigentlich über Kekse, aber wir reden über Marmeladen: Welche Marmeladen wer am liebsten mag, warum manche ein bisschen zu süß werden, wobei ich sie

Mitwirkende dieser Ausgabe | per questa edizione hanno collaborato Adrian Luncke, Alessio Giordano, Anna Mayr, Angelika Aichner, Annelies Senoner, Asia Rubbo, Armin Barducci, Cindy Leitner, Elisa Nicoli, Federico Simoncini Ulivelli, Georg Hofer, Johanna Fink, Lisa Frei, Luise Bacher, Lukas Palla, Margareth Pallua, Markus Belz, Marie Maier, Marta Larcher, Matthäus Kircher, Matthias Gamper, Mike Okoije, Monika Thaler, Nadia Sorg, Nils Bertol, Patrick Taschler, Philipp Frener, Robert Asam, Sabine Kaserer, Sabrina Bussani, Sonja Cimadom, Verena Gschnell, Verena Schwarz, Yousaf Muhammad, Zenat Shahzadi Foto 1: Georg Hofer, 4: Anna Mayr, 5: Georg Hofer; 6-7: flickr. com/UNAMID; wikipedia.org/wiki/File:Sahle-Work; wikimedia.org/wiki/File:Laguna_Pilchicocha.jpg; pixabay. com/RoDobby; wikipedia.org/wiki/LGBT_culture_in_ Argentina#LGBT.jpg; wikipedia.org/wiki/File:201_au_28_07-2004_553.jpg; wikipedia.org/wiki/File:Fruit-bar.jpg; flickr.com/ Ian d’Atti; 8:, Federico Simoncini Ulivelli; 9: pixabay.com/ Robert Gramner, 10-14: Georg Hofer, 15: Gabriel Grunser; 16-17: Georg Hofer; 18-19: Zenat Shahzadi, Marie Maier; 20: pixabay.com/ BD_VAGHASIYA; 21: Georg Hofer, 22: Aneglika Aichner; 23: Irmgard Mahlknecht; 24: Markus Belz; 25-29: Georg Hofer; 31: Anna Mayr; 34: Soul Kitchen Meran PROVINCIA AUTONOMA DI BOLZANO ALTO ADIGE

PROVINZIA AUTONOMA DE BULSAN SÜDTIROL

eigentlich lieber sauer mag, am liebsten Himbeere und Erdbeer-Rhabarber, ganz abgesehen von der Marillenmarmelade meiner Gattin. Erstaunliches geschieht: Plötzlich sind die dunklen Wolken weg und wir bester Laune. Liebe Leser*innen, ich wünsche Ihnen vor und auch nach Weihnachten und überhaupt viele Gespräche über die kleinen Dinge des Lebens, die Freude bereiten. Nun ja, die weltpolitische Lage wird deshalb nicht besser, aber solche Gespräche helfen, die Realität besser zu ertragen. Einen Hiasi und eine Paula treffen Sie bestimmt auch irgendwo, und es muss ja nicht immer Marmelade sein. In diesem Sinne frohe Weihnachten und ein hoffentlich besseres Neues Jahr.

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WARTEN AUF WEIHNACHTEN ASPETTAND O IL NATALE In der stillsten Zeit des Jahres strahlt der naturverbundenste Kraftort für Familien noch mehr Magie aus. Die Natur, die ihn umgibt, der Schnee, die glasklare Luft, die Ruhe, der Geruch von Holz, das Flackern vom Feuer, die Wärme der Gastfreundschaft, schaffen einzigartige Momente mit unseren Liebsten. Ehrlich und mit Herz!

Nel periodo più calmo dell’anno questo luogo energetico per famiglie emana ancor più magia. La natura che lo circonda, la neve, l’aria cristallina, la tranquillità, il profumo del legno, le fiamme tremolanti, il calore dell’ospitalità, rendono unici i momenti insieme ai nostri cari. Sinceri e con cuore!

Pflersch ∕ Fleres 185, I-39041 Brenner ∕ Brennero (BZ), Südtirol ∕ Alto Adige, T +39 0472 770 126, info@feuerstein.info, www.feuerstein.info

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Dicembre-Gennaio  

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