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Sehen und Handeln

Gottesdienste

Die Saat von heute ist das Brot von morgen

2014


Sehen und Handeln Der Slogan «Sehen und Handeln» der ökumenischen Kampagne zeigt das Grundanliegen von Fastenopfer, Brot für alle und Partner sein: Genau hinsehen, hinter die Fassaden schauen, um Unrecht wahrzunehmen und Zusammenhänge zu erkennen. Eine Lupe hilft zu sehen, was oftmals übersehen wird. Das Motto «Sehen und Handeln» fordert uns auf, der Ohnmacht entgegenzutreten, weltweit solidarisch zu sein und sich zu engagieren: Das eigene Konsumverhalten zu überdenken. Südprojekte mit einer Spende zu unterstützen. Sich an den Aktionen der ökumenischen Kampagne zu beteiligen. So wird die Fasten-/Passionszeit zum Inbegriff der gelebten Solidarität. Kampagnenwebsite Unter www.sehen-und-handeln.ch finden Sie Hintergrundinformationen zur Kampagne sowie Downloads, Texte und Bildmaterial für Druck und Kopie. Unter www.sehen-und-handeln.ch/ gottesdienste finden Sie alle Beiträge dieses Werkhefts sowie ergänzende Materialien zu den Gottesdiensten. Sehen und Handeln auf Facebook www.facebook.com/sehenundhandeln

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Editorial 3 Ökumenischer Familiengottesdienst

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Das Wunder des Teilens

Ökumenischer Gottesdienst

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Bitterkeit wandelt sich in Freude

Gottesdienst zum Hungertuch

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Der Generationentisch

Gottesdienst/Versöhnungsfeier 12 Beziehungen entgiften

Generationenpalaver 14 Generationen im Gespräch

Biblische Impulse für da und dort

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Träume den Alten, Visionen den Jungen

Anregungen für einen Jugendgottesdienst 18 Der blaue Faden

Predigtanregungen 1. Fastensonntag: Menschliche Nacktheit und göttliche Nähkunst 19 2. Fastensonntag: Segen für alle Generationen 20 3. Fastensonntag: Beginn der kommenden Ernte 21 4. Fastensonntag: Handeln statt Schuldige suchen 22 5. Fastensonntag: Lazarus – Gott hilft 23

Gebete aus aller Welt

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Weiteres zur Kampagne

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Impressum Werkheft Gottesdienste 2014 Redaktion Siegfried Arends, Rita Gemperle Mitarbeit Danielle Balmer, Elisabeth Kienast-Bayer, Ingrid Krucker-Manser, Matthias Jäggi, Verena Sollberger Schwarzenbach, Josef Wirth, Michel Durussel, Célestin Kabundi, Nadine Manson, Nassouh Toutoungi Lektorat Sylvia Garatti und Annemarie Friedli Redaktionsschluss 07.10.2014 Gestaltung ComMix AG, Wabern Druck Binkert, Laufenburg Auflage 17’000 Exemplare Papier Cyclus Offset, 100% Recyclingfasern © Brot für alle, Bern/Fastenopfer, Luzern, Herbst 2013


Editorial

Die Saat von heute ist das Brot von morgen Liebe Gottesdienstverantwortliche «Solange die Erde besteht, sollen nicht aufhören Aussaat und Ernte, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.» (Gen 8,22) Diese Zusage, die Gott Noah und seinen Kindern nach der grossen Flut gibt, ist auch uns gegeben – als Verheissung, aber auch als Auftrag. Wir sind aufgerufen, das Leben im gemeinsamen Weltgarten und Welthaushalt zu schützen und für die nächsten Generationen zu erhalten. Mit dem Slogan «Die Saat von heute ist das Brot von morgen» nimmt die ökumenische Kampagne diese Verheissung und diesen Auftrag auf. Die Gerechtigkeit zwischen den Generationen und der Schutz des Lebens für die nachkommenden Generationen ziehen sich wie ein roter Faden durch die Bibel. Die Predigtanregungen und die «Bibelimpulse für da und dort» aktualisieren einige der zahlreichen und zum Teil wenig bekannten biblischen Generationentexte. Der Familiengottesdienst rückt die Rolle des Jungen mit den fünf Broten und zwei Fischen bei der Speisung der Vielen (Joh 6,1-15) ins Zentrum, während der ökumenische Gottesdienst die Geschichte von Rut und Noemi als Solidaritätsgeschichte zwischen Generationen zeigt. Vorschläge für einen kreativen Zugang zum Hungertuch finden sich im Gottesdienst unter dem Titel «Der Generationentisch». Mit den vorgeschlagenen Spielszenen eignet er sich auch für den Einsatz als Gottesdienst mit Familien oder mit Schülerinnen und Schülern. Das Kampagnenplakat legt eine Jeans unter die Lupe und zeigt dabei eine der problematischen Seiten unseres Kleiderkonsums auf – die Vergiftung von Mensch und Boden durch den Baumwollanbau. In Anlehnung an das Plakat lädt die Versöhnungsfeier dazu ein, «Beziehungen zu entgiften».

Bildlegende: (v.l.n.r): Josef Wirth, Ingrid Krucker, Matthias Jäggi, Rita Gemperle, Elisabeth Kienast-Bayer, Verena Sollberger, Siegfried Arends. Auf dem Bild fehlt: Danielle Balmer

Das Plakat begleitet die Kampagne sozusagen als «blauen Faden». Unter diesem Titel finden sich im vorliegenden Heft denn auch Bausteine für einen Jugendgottesdienst zum Jeansmotiv des Plakates. Das Generationenpalaver regt zum Austausch über und zwischen Generationen an. Die Impulse sind als Bausteine zum Gespräch bei Suppentagen oder ähnlichen Veranstaltungen oder auch zum Einsatz im Rahmen der Erwachsenenbildung gedacht. Zum ersten Mal haben wir in unser Werkheft auch Beiträge der Romandie übernommen und damit die Ökumene noch etwas weiter gefasst. Im Namen der Arbeitsgruppe «Gottesdienste» von Fastenopfer, Brot für alle und Partner sein wünschen wir Ihnen und Ihrer Gemeinde viel Freude beim Umsetzen unserer Anregungen. Wir danken Ihnen für Ihr Engagement und hoffen, dass die «Saat von heute», im Gottesdienst gesät, in Ihrer Gemeinde/Pfarrei wachsen möge. Für das «Brot von morgen»!

Rita Gemperle Fastenopfer

Siegfried Arends Brot für alle

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Ökumenischer Familiengottesdienst

Das Wunder des Teilens Autorinnen: Ingrid Krucker-Manser, Pfarreibeauftragte, Bichwil und Verena Sollberger Schwarzenbach, Pfarrerin, Luzern

Anhand der Geschichte der Speisung der Vielen wird das Zusammenspiel der Generationen thematisiert. Die Bereitschaft des Kindes bereitet den Nährboden für das Wunder des Teilens, an dem alle teilhaben. In einer Brotfeier wird diese Erfahrung nachvollzogen. Begrüssung

Lied

Lied

KG 189 Grosse, Kleine, Buben, Mädchen

RG 536 Gott hät di ganz wiit Wält

Einleitung «Mer fahre de Vorfahre, ou wenn mer vorfahre, nache – mer fahre de Nachfahre, ou we sie vorfahre, vor.» Dieses zungenbrecherische und verwirrende Wortspiel von Kurt Marti bringt uns mitten ins Thema des heutigen Familiengottesdienstes: Das Zusammenspiel der Generationen, das Eingebundensein ins Netz unserer Vorfahren und unserer Nachkommen. Um die unterschiedlichen Alter und Generationen, die jetzt hier vertreten sind, wahrzunehmen, laden wir Sie zu einem spielerischen Einstieg ein.

Einstieg Der/die Liturge/in lässt die Teilnehmenden nacheinander in Altersgruppen aufstehen, sich umschauen, wahrnehmen. Z.B. alle unter 10 Jahren, alle zwischen 10 und 20, zwischen 20 und 40, etc. Dabei das Erscheinungsbild spontan kommentieren – wer ist vertreten, wer fehlt, wer ist wohl die Jüngste/der Älteste…?

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Hinführung zum Generationenthema Vorgängig wurden Jugendliche und Senioren nach ihren Hoffnungen und Befürchtungen befragt. Diese Antworten werden von verschiedenen Altersgruppen aus der Gemeinde vorgetragen. Liebe Kinder und Jugendliche, wenn ihr euch vorstellt, wir würden jetzt das Rad der Zeit ganz schnell vorwärts drehen und ihr wärt plötzlich 30 Jahre älter: Wie würdet ihr euch euer Leben und die Welt dann wünschen? Und was sollte auf keinen Fall passieren? Und Sie, liebe Erwachsene, was wünschen Sie der Generation, die nach uns kommt? Was für eine Welt sollen sie in 30 Jahren vorfinden? Was hoffen Sie, was befürchten Sie? Wie würden Sie, wie würdet ihr auf diese Fragen antworten? Diese Fragen haben wir verschiedenen Jugendlichen und Senioren gestellt. Hören wir einige Aussagen.

Antwortbeispiele finden sich unter www.sehen-und-handeln.ch/gottesdienste Die Antworten werden persönlich oder von einer anderen Person vorgelesen, dazwischen kann der Refrain aus KG 189 «Gott macht keine Unterschiede» gesungen werden.

Tagesgebet Gott - ewig und doch immer neu: Wir stehen vor dir, Kleine und Grosse, Alte und Junge, mit unseren Hoffnungen und Befürchtungen. Du rufst uns zu einer Gemeinschaft zusammen. Du willst, dass wir uns gegenseitig achten und stützen und uns miteinander einsetzen für Leben in Fülle auf der ganzen Welt heute und morgen. Du stärkst uns dazu durch Jesus Christus im Heiligen Geist.

Lesung «Fünf Brote und zwei Fische» Joh 6,1-15 aus Regine Schindler, Mit Gott unterwegs, S.199-201. Der Text ist auch zu finden unter: www.sehen-und-handeln.ch/gottesdienste Die Geschichte vorlesen und dazu mit Kindern pantomimisch darstellen, in Rollen lesen oder als Spielszene umsetzen.


Ökumenischer Familiengottesdienst

Lied KG 218/RG 321 Aus vielen Körnern gibt es Brot.

Auslegung / Verkündigung zu Joh 6,1-15 Einzelne Personen aus der Geschichte erzählen, wie sie dieses Wunder erlebt haben. Der Junge mit dem Korb: Zuerst war ich zwar etwas ängstlich, als dieser Mann zu mir kam und auf meinen Korb zeigte. Ich hatte ja bereits ein schlechtes Gewissen, weil ich mit dem Korb nicht auf den Markt ins Städtchen gegangen bin. Was sollte ich nur meinen Eltern sagen, wenn ich mit leerem Korb und erst recht ohne Geld nach Hause kommen würde? Dann erinnerte ich mich aber daran, was meine Eltern mir zu Hause immer wieder sagen: «Wenn wir teilen, was wir haben, dann haben alle genug!» Ob das hier auch gelten sollte? Bei so vielen Menschen? Ich zögerte nicht lange und ging mit meinem Korb zu diesem Jesus nach vorne. Als dann seine Freunde begannen, meine Brote und die beiden Fische an die Leute auf der Wiese zu verteilen, und ich merkte, dass alle, wirklich alle, plötzlich etwas zu essen hatten, da wusste ich: Es war richtig, meine Brote und die Fische zu teilen! Es stimmt, was meine Eltern sagen: «Wenn wir teilen, dann haben alle genug!» Irgendwie war es ein wunderbares Gefühl, dass meine Brote und Fische so viele Menschen satt gemacht haben! Eine alte Frau: Dieser Junge da, der hat mir Eindruck gemacht! Wie der ohne zu zögern seinen gut gefüllten Korb teilte, das war schon toll. Wir Alten, wir hielten unsere Proviantbeutel gut versteckt, als die Jünger auf der Suche nach Essbarem durch die Menge liefen. Ich dachte mir: Das Wenige, das ich bei mir habe, das reicht ja sowieso nicht

Was hier wächst, teile ich mit allen - philippinischer Junge im Reisfeld. © Fastenopfer

weit. Bestimmt gibt es andere, die mehr mitgenommen haben. Dieser Junge hat uns gezeigt, dass es auch anders geht. Ein Jünger: Was für eine verrückte Idee von Jesus, diese vielen Leute verköstigen zu wollen, dachte ich. Wäre es nicht besser, die Menschen einfach nach Hause zu schicken? Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie Jesus das bewerkstelligen wollte, allen etwas zu essen und zu trinken zu beschaffen. Da war nur gerade dieser eine Korb mit fünf Broten und zwei Fischen, den der kleine Junge dabei hatte - das reicht doch unmöglich für so viele Menschen. Das ist doch viel zu wenig. Aber Jesus liess sich nicht von seiner Idee abbringen, teilte Brot und Fisch in kleine Stücke und liess es uns verteilen. Und dann passierte etwas Merkwürdiges: während ich Brot und Fisch verteilte, sah ich, dass plötzlich alle reichlich zu essen hatten. Ob das aus ihren eigenen Proviantbeuteln kam und sie geteilt haben, was sie mitgebracht hatten? Ob der kleine Junge sie mit seinem Tun zum Teilen ermutigt hat? Für mich hat das etwas von einem Wunder.

Philippus: Ich bin, ehrlich gesagt, eher der praktische Typ. Wenn man eine Grossveranstaltung mit so vielen Leuten macht, dann muss man doch auch an die Logistik denken, finde ich. Das ist doch fahrlässig, die Versorgung der Leute nicht abzuklären und zu organisieren. Dieser Jesus mag ja ein guter Prediger sein, aber ein bisschen weltfremd ist er. Von Eventmanagement versteht er offenbar nicht gerade viel. Ich wundere mich nur, dass die Leute am Schluss doch alle satt geworden sind. Erklären kann ich es mir eigentlich nicht. Ich weiss nur, dass der kleine Junge mit dem Korb irgendwie damit zu tun hat.

Musik Kurze Auslegung Wir waren nicht dabei, als der kleine Junge zeigte, was Teilen heisst. Heute, 2000 Jahre später, hören wir davon. Die Geschichte bleibt aber hochaktuell. Denn Teilen fällt uns auch heute noch sehr schwer. Lieber schauen wir für uns selbst, klammern uns an das, was wir haben, und kümmern uns nicht all zu sehr um die anderen. Zum Beispiel dann, wenn wir für ein fair produziertes Klei5


Ökumenischer Familiengottesdienst

dungsstück deutlich mehr zahlen sollen als für eines beim Billiganbieter. Die diesjährige ökumenische Kampagne weist uns auf die Missstände in der Textilproduktion und auf unsere Verantwortung in Bezug auf unser Kaufverhalten hin. Der kleine Junge in der Geschichte macht es anders. Er öffnet seine Hände, teilt, was er hat, und alle werden dadurch reich beschenkt. Natürlich, es ist ein Wagnis, zu teilen, aber ein lohnendes. Und natürlich, so einfach, wie es in der Geschichte erscheint, ist es nicht immer. Das Verteilungsproblem löst sich nicht immer so schnell. Das heisst für uns: Dranbleiben und immer wieder einüben und nachvollziehen, was Jesus hier vormacht: Teilen und darauf vertrauen, dass die Saat, die wir heute mit unserem Handeln säen, tatsächlich das Brot von morgen ist.

kurz? So fragen wir ängstlich. Dass sich Teilen lohnt, für alle, erfahren wir erst, wenn wir es ausprobiert haben. So bitten wir dich, Gott: Schenke uns den Mut zu teilen, loszulassen, die Hände zu öffnen. Und lass uns erfahren, wie reich wir dadurch werden.

Musik

Du, unser Gott, manchmal fragen wir uns, wie diese Welt in Zukunft wohl aussehen wird. Wird’s besser? Wird’s schlechter? Macht uns der Blick in die Zukunft Angst? Oder sehen wir ihr zuversichtlich entgegen? So bitten wir dich, Gott: Erfülle uns mit deinem Geist, der unsere Hände stärkt, unseren Blick weitet, unseren Verstand schärft und unser Herz öffnet, dass wir uns mit all unsrer Kraft für eine Welt einsetzen können, in der Teilen kein Fremdwort ist und niemand mehr Angst haben muss vor der Zukunft!

Brot teilen Teilen will geübt sein. Hier vorne auf dem Abendmahlstisch / Altar liegt ein Brot bereit, das wir nun miteinander teilen wollen. Evtl. ein nicht allzu grosses Brot bereitlegen, damit wirklich geteilt werden muss und alle schauen müssen, dass es reicht.

Lied KG 577/RG 638 Herr, gib uns unser täglich Brot

Fürbitten/Unser Vater Antwortruf nach den einzelnen Teilen der Fürbitten: RG 63/KG 489: Sende aus deinem Geist. Du, unser Gott, es ist immer ein Wagnis, mit anderen zu teilen, was wir haben. Reicht es für alle? Komme ich selber dann nicht zu

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Du, unser Gott, was wir Menschen zum Leben brauchen, ist in unserer Welt ungleich verteilt: die einen haben mehr als genug, die anderen haben wenig mehr als nichts. Die einen leben in Überfluss und Wohlstand, die anderen nagen am Hungertuch. Den einen stehen viele Wege offen, die andern haben keine Wahl. So bitten wir dich, Gott: Öffne uns die Augen für die Möglichkeiten, Dinge zu verändern. Und gib uns die nötige Kraft und die Energie, diese Möglichkeiten auch zu ergreifen.

Du, Gott, bist unser aller Gott, ob wir im Süden oder im Norden leben, ob wir jung sind oder alt, reich oder arm, Mann oder Frau, gesund oder krank. So bitten wir dich, Gott: Lass uns diese Verbundenheit über alle Grenzen hinweg immer wieder spüren und leben. Gemeinsam beten wir nun, wie es Jesus Christus, dein Sohn, uns gelehrt hat: Unser Vater im Himmel…

Mitteilungen/Kollektenansage Die von Brot für alle und Fastenopfer unterstützte Fair Wear Foundation setzt sich für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Herstellung von Bekleidung und anderen Textilprodukten ein. In der Textilindustrie sind bekanntlich viele junge Frauen beschäftigt, die 12 bis 14 Stunden am Tag an der Nähmaschine arbeiten müssen und dafür einen Lohn erhalten, der kaum zum Leben reicht. Oftmals müssen die Arbeiterinnen ihre Eltern und Geschwister in den Dörfern finanziell unterstützen. Die Fair Wear Foundation setzt sich dafür ein, dass die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie verbessert werden (Minimallohn, Gewerkschaftsrechte, Sicherheit am Arbeitsort, geregelte Arbeitszeiten etc.) Mit unserer Spende für Brot für alle / Fastenopfer können wir diese Arbeit unterstützen. Sie ist Saat von heute für das Brot von morgen.

«Bhaltis» Alle erhalten ein Säckchen mit Getreidesamen zum Aussäen.

Lied KG 147/RG 343 Komm, Herr, segne uns

Segen Gott segne euch und behüte euch. Gott schenke euch Freude am Leben, Hoffnung für alles Kommende und Kraft zum Lieben. Gottes Geist begleite und stärke euch auf allen euren Wegen. Amen.


Ökumenischer Gottesdienst

Bitterkeit wandelt sich in Freude Der vorliegende ökumenische Gottesdienst liest die Geschichte von Rut und Noomi als Beispielgeschichte für generationenübergreifende Solidarität. Die Bitterkeit Noomis verwandelt sich in neue Lebensfreude durch die bedingungslose Freundschaft ihrer Schwiegertochter Rut einerseits und durch die Sozialgesetze zum Schutz der Schwächsten andererseits. In beidem spiegelt sich etwas von Gottes Zuwendung wider. Der Gottesdienst geht an ausgewählten Passagen der Geschichte entlang.

Von der schonungslosen Ehrlichkeit Noomis lassen wir uns einladen, in der Stille vor Gott zu bringen, was uns schmerzt und im Innersten lähmt. Das stille Gebet mündet in das gesprochene oder gesungene Gebet:

Autoren: Nadine Manson, Pfarrerin der Eglise Réformée de Bienne, und Nassouh Toutoungi, Pfarrer der Christkatholischen Kirche Biel Übersetzt und bearbeitet von Siegfried Arends, Brot für alle

Lob

Begrüssung Liturg/in: «Die Saat von heute ist das Brot von morgen» – der Slogan der diesjährigen ökumenischen Kampagne stellt die Generationengerechtigkeit in den Mittelpunkt: Gerechtigkeit, die heute geübt wird, trägt ihre Früchte morgen. In der Bibel findet sich ein kleines Buch, das auf wunderbare Weise von der Verbundenheit zwischen den Generationen erzählt. Es handelt sich um das Buch Rut. Wir laden Sie ein, sich mit dieser Geschichte und unserer Sorge um die zukünftigen Generationen auf den Weg zu machen.

Das Buch Rut handelt zuerst von einer Frau namens Noomi. Der Name Noomi bedeutet «die Liebliche, die Begnadete». Doch ausgerechnet «die Begnadete» wird von einer Hungersnot geplagt, muss von ihrer Heimatstadt Bethlehem in die Fremde auswandern und verliert dort schliesslich ihren Mann und ihre beiden Söhne. Mit ihnen verliert Noomi auch ihren Glauben, ihre Hoffnung, sodass sie in ihrem Schmerz und ihrer Verbitterung ausruft: Lektor/in: Rut 1,20-21

Lied KG 68/CG 363 Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht

Das Buch Rut endet damit, dass das Schicksal Noomis sich wendet und eine neue Familie entsteht. Weil Noomi wieder eine Zukunft bekommt, verwandelt sich ihre Bitterkeit in Süsse, die Klage in den Jubel ihrer Freundinnen: Lektor/in: Rut 4,14-15 Wir stimmen in den Jubel ein: Gemeinsam sprechen: Psalm 8 oder

Kyrie-Gebet (Hier können gewaschene bittere Salatblätter, z.B. Roter Chicorée, herumgereicht werden, die von den Teilnehmenden gekaut werden.)

Wissen und Erfahrung weitergeben – für das Brot von morgen. (Südafrika) © Fastenopfer

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Ökumenischer Gottesdienst

Lied KG 519/RG 71/CG802 Laudate omnes gentes

Impulse für die Predigt «Die Saat von heute ist das Brot von morgen.» Der Slogan der ökumenischen Kampagne findet in der berührenden Geschichte von Rut eine biblische Entsprechung. Die Geschichte illustriert, wie Zukunft und Hoffnung wachsen trotz einer scheinbar hoffnungslosen Lage. Sie kann auch uns heute dazu anstiften, die Saat der Hoffnung zu säen für die, die nach uns kommen. Die Geschichte der beiden Frauen Noomi und Rut beginnt mit dem Mangel, mit einer Hungersnot. Ausgerechnet in Bethlehem, wörtlich «Haus des Brotes, Brothausen» herrscht Hunger. Das Haus des Brotes ist zum Haus des Hungers geworden. Welch bittere Ironie! Bitter und aktuell, denn die Geschichte verweist uns auf unser «Brothausen», auf die Situation von Millionen von Menschen heute, die hungern in einer Welt, in der es genügend für alle zu essen gäbe. Bitter und aktuell, denn der Hunger in Bethlehem-Brothausen ist Ausdruck der politischen Missstände damals («Zu der Zeit als die Richter richteten…»), so wie die heutige ungerechte Verteilung von Lebensmitteln auch vor allem politische Ursachen hat und von Menschen gemacht ist. Bitter und aktuell, denn ebenso wie viele hungernde Menschen heute zu Armuts-MigrantInnen werden, wird Noomis Familie auch in die Migration getrieben. Als dort in der Fremde nicht nur ihr Mann Elimelech, wörtlich «Gott ist König», stirbt, sondern Noomi auch ihre beiden Söhne verliert, stirbt

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nicht nur der Glaube daran, dass «Gott König» ist, sondern sterben auch ihr Lebensmut und ihre Zukunftshoffnung. Noomi, wörtlich «die Liebliche, die Begnadete», wird zur Verbitterten. Dass sich das Elend, die Aussichtslosigkeit und Verbitterung der Noomi am Ende doch noch in Hoffnung und Freude verwandelt, hat mit zwei Gründen zu tun – zwei Gründe, die nichts von ihrer Bedeutung für uns eingebüsst haben. Der erste Grund für den Wandel in Noomis Schicksal liegt in der wunderbaren Freundschaft ihrer Schwiegertochter Rut. Der Name Rut bedeutet «Freundin» und diese Rut lebt auf eindrückliche Weise vor, was Freundschaft bedeutet. Rut, die Ausländerin, selbst verwitwet wie ihre Schwiegermutter, verbindet sich mit dieser über alle Grenzen hinweg: Lektor/in: Rut 1,16-17 In der eigentlich unmöglichen Solidarität zweier Menschen aus unterschiedlichen Generationen über kulturelle und religiöse Grenzen hinweg spiegelt sich die Verbundenheit Gottes mit uns wider: Wo du hingehst, dahin werde auch ich gehen. Wo du bleibst, da bleibe ich auch. Gott ist da, wo solche Verbundenheit zwischen Menschen gelebt wird. Der zweite Grund für den Wandel in Noomis Schicksal liegt in den biblischen Sozialgesetzen. Die Verordnungen zum Schutz der Schwächsten in der Gesellschaft sichern die Existenz der beiden Frauen in ihrer Not. Dass die Nachlese bei der Ernte den Witwen und Waisen vorbehalten ist, rettet den beiden das Leben. Boas, Ruts späterer Ehemann, legt diesen Rechtsanspruch auf Lebensunterhalt besonders fürsorglich aus: Lektor/in: Rut 2,8-9

Boas gewährt «Hilfe zur Selbsthilfe»: Rut soll ihren Lebensunterhalt mit Würde und mit ihrer eigenen Hände Arbeit verdienen dürfen. Boas sorgt zugleich für soziale Arbeitsbedingungen: Pausen, um sich zu verpflegen und etwas zu trinken. Und er garantiert Schutz vor sexuellen Übergriffen am Arbeitsplatz. Derselbe Boas übernimmt schliesslich die Verantwortung für Noomi und Rut, indem er die kinderlose Witwe heiratet – und so nach israelitischem Recht handelt. Aus der verbitterten Noomi wird die glückliche Grossmutter eines Enkelkindes, Zeichen der Zukunft, das sie als Geschenk Gottes in die Arme schliesst. Aus ihrer Nachkommenschaft wird später der König David und schliesslich Jesus, der Messias hervorgehen. So werden beide, Noomi und Rut, Teil der Heilsgeschichte Gottes mit seinen Menschen. Mit ihrer Verbundenheit und ihrer Initiative schaffen die beiden Frauen Zukunft dort, wo es scheinbar keine Zukunft mehr gibt. Zukunft entsteht, wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen und – über Grenzen hinweg – zueinander stehen. Zukunft wächst aber auch dort, wo die sozialen Regeln des Zusammenlebens diese möglich machen. Die Geschichte von Noomi und Rut ist Vorbild und Einladung zum Handeln für uns – als Einzelne und als Gemeinschaft. Sie lädt uns ein, heute Verbundenheit über Grenzen von Generationen, Kulturen und Religionen zu leben und Regeln des Zusammenlebens zu schaffen, die Zukunft möglich machen. Wo das gelingt, da ist Gott im Spiel.

Lied KG 229/RG 835/CG 896 Gib uns Weisheit, gib uns Mut


Ökumenischer Gottesdienst

Über Generationen solidarisch verbunden. (Guatemala) © Fastenopfer

Fürbitten Guter Gott, du hast unsere Welt so erschaffen, dass Generationen von Menschen aufeinander folgen. Hilf uns, diese Folge von Generationen in einem Geist der Solidarität und in gegenseitiger Achtsamkeit zu leben: Hilf den Älteren, in ihrem Verhalten das Wohl der Jungen im Blick zu behalten. Hilf den Jüngeren, Fürsorge für die Alten zu übernehmen. Hilf uns allen, den nach uns folgenden Generationen eine Welt zu hinterlassen, in der diese leben und sich entfalten können. Hilf uns als Gesellschaft ein weltweites Netz der Fürsorge und Unterstützung zu schaffen, das für alle gilt.

Hilf uns eine Gemeinschaft zu sein, in der wir Geschichten der Freiheit weiterreichen und diese Geschichten immer wieder neu lebendig werden lassen. Hilf uns am Netz des Lebens zu knüpfen, mit dem du, Gott, das Leben weiterreichst – das Leben nicht nur von uns Menschen, sondern der ganzen Schöpfung.

Unser Vater/Vater unser Lied KG 147/RG 343/CG 503 Komm, Herr segne uns

Sendungswort Die Verbundenheit von Noomi und Rut, die sich aufmachen auf den Weg zurück ins Leben, zeigt etwas von der göttlichen Lebenskraft, die sich durch

unsere Geschichte zieht. Wir wollen uns dadurch ermutigen lassen: In unserem Handeln heute für die Zukunft unserer Kinder zu sorgen; die heutigen Lebensgrundlagen zu bewahren für die, die nach uns kommen; und uns das Wohl derer, die morgen sein werden, zu Herzen nehmen. Dass unsere Saat von heute das Brot von morgen sei, dazu gebe uns Gott seinen Segen.

Segen Gott segne euch und behüte euch. Gott lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch seinen Frieden. Der Gott von Rut und Noomi, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist segne und behüte euch. Amen.

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Gottesdienst zum Hungertuch

Der Generationentisch Der Gottesdienst setzt beim Tisch als zentralem Element auf allen vier Bildern des Hungertuches an. Ein Tisch als Familienund Generationensymbol zieht sich als roter Faden durch den Gottesdienst. In jedem Teil des Gottesdienstes wird eine der vier Tischszenen erschlossen und vertieft. Autor: Josef Wirth Pfarrer, St. Gallen

Vorbemerkungen • Wir schlagen vor, jeden der vier Teile mit einer Spielszene zum jeweiligen Bild zu beginnen. Alternativ kann der Ausschnitt des Hungertuches projiziert und beschrieben werden. • Als Ort der vorgeschlagenen Spielszenen wird ein Tisch aufgestellt. Evtl. kann auch der Altar bzw. Abendmahlstisch als verbindendes Element dienen. • Die Abfolge der Bilder und damit der einzelnen Teile des Gottesdienstes entspricht dem gewohnten Ablauf eines Gottesdienstes mit Abend mahl oder Eucharistie. • Die Abfolge der Bilder kann auch umgestellt werden. Z.B.links unten beginnen und im Uhrzeigersinn weitergehen. • Die einzelnen Teile können auch separat als Andacht oder Kurzgot- tesdienst eingesetzt werden. In diesem Sinn ist jedem Bild auch ein Bibeltext zugeordnet. • Das Hungertuch kann im grossen und kleinen Format, als A4- Ausdruck im 10-er Set oder als Folienset bestellt oder unter www.sehenund-handeln.ch/gottesdienste heruntergeladen werden.

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Bild unten links

Die Sorge um Sicherheit und ums tägliche Brot Spielszene Drei bis vier Erwachsene und/oder Kinder sitzen hinter dem Tisch und horten vor sich eine Fülle von Lebensmitteln. Drei bis vier weitere Personen kauern vor dem Tisch und versuchen, etwas vom Tisch zu erhaschen. Die Reichen verbünden sich und wehren gemeinsam die Angriffe der Armen vehement ab. Gedanke dazu Die Menschen hinter dem Tisch sorgen sich um ihr tägliches Brot und wollen sicher sein, dass sie genug für sich haben. Darum verschanzen sie sich hinter dem Tisch und häufen ihre Vorräte auf. Sie sind sogar bereit, Gewalt anzuwenden, um ihren Besitz zu verteidigen. Bibeltext Lk 16,19-31. Der Reiche ist so von seinem Besitz eingenommen, dass er den armen Lazarus gar nicht sieht. Impuls zum Besinnung Laufe ich Gefahr, zu sehr nur für mich zu schauen und an mich zu denken? Wie offen bin ich für die Not meiner Mitmenschen in meiner Nachbarschaft und in der weiten Welt? Kyriegebet Gott, hie und da schauen wir zu sehr nur für uns und vergessen die andern,

die nicht genug zum Leben haben. Gott, erbarme dich. Christus, die Sorge um die Absicherung unserer Güter nimmt uns oft so sehr in Beschlag, dass wir gar nicht mehr sehen, wie es den andern geht. Christus, erbarme dich. Gott, unsern Vorteil und unseren Besitz zu verteidigen, macht uns manchmal sogar bereit, Gewalt auszuüben. Gott, erbarme dich. Bild unten rechts

Unbeschwertheit und Vertrauen Spielszene Drei bis fünf Kinder sitzen vergnügt auf dem Tisch, trinken Wasser aus einem Glas, essen Nüsschen oder Dörrfrüchte und lassen ihre Beine baumeln. Gedanke dazu Auch wer nicht viel hat, kann das Wenige unbeschwert geniessen und sich an dem freuen, was da ist. Solche Menschen teilen oft sogar gerne, damit es auch den anderen gut geht. Es ist zum Beispiel beeindruckend, wenn in den Kirchen des Südens die Armen im Gottesdienst für die noch Ärmeren spenden. Bibeltext Mt 6,25-34. Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott für uns sorgt. Deshalb müssen wir uns keine Zukunftssorgen machen. Impuls zur Vertiefung Was beschäftigt Kinder in Bezug auf ihre Zukunft? Auf die Frage, wie er sich die Welt wünsche oder erträume, wenn er erwachsen sei, gab der zehnjährige Jimmy Becerra Arciniegas aus Kolumbien folgende Antwort: «Ich möchte mich zum Computerspe-


Gottesdienst zum Hungertuch

Das Hungertuch zur Geltung bringen – als Plane im Riesenformat. © Pfarrei Möhlin

zialisten ausbilden, um ein eigenes Geschäft zu eröffnen und den Menschen zu helfen. Ich möchte das weitergeben, was ich gelernt habe. Als Bauernsohn möchte ich daneben aber auch weiterhin mein eigenes Feld bewirtschaften und für meine Mutter sorgen. Zu unserem Dorf Nuevo Piagua führt nur ein schmaler Fusspfad. Wenn es regnet, wird er schlammig. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass der Weg ausgebessert wird. Die Menschen sollen Ausbildung erhalten, damit sie die Umwelt weniger verschmutzen. Die Menschen brauchen Saatgut, um das eigene Feld zu bepflanzen. Nur so kommen sie aus der Armut raus». In Ergänzung zu den Zukunftswünschen von Jimmy aus Kolumbien tragen auch Kinder aus der Gemeinde ihre vorbereiteten Wünsche und Träume vor. Danach könnte zu zweit oder dritt über die Wünsche ausgetauscht werden.

gibt uns zu essen?» Es herrschen Ratlosigkeit und Sorge, bis ein Kind an den Tisch herantritt und fünf Brote darauf legt. Dies löst Staunen und Freude aus. Bibeltext Joh 6,1-13. Der kleine Junge gibt, was er hat und ermöglicht die Speisung der Vielen. Gedanke dazu Indem das Kind gibt, was es hat, legt es die Grundlage dafür, dass alle satt werden können. Jesus fördert dies und verstärkt es durch seine Aufforderung, dass alle miteinander teilen sollen. Zu solchem Teilen sind auch wir aufgerufen, indem wir z.B. bereit sind, Güter gemeinsam zu nutzen oder indem wir Hilfsprojekte bei uns oder in der weiten Welt unterstützen. Bild oben rechts

Der Generationentisch

Sorge um das tägliche Brot für alle

Spielszene Verschiedene Menschen (jung und alt, gut und ärmlich gekleidet) sitzen um den Tisch und feiern ein Fest. Sie singen und lachen.

Spielszene Drei bis fünf Erwachsene oder Kinder stehen hinter dem Tisch und fragen einander: «Es ist schon Abend. Wer

Gedanke dazu Jesus fördert das Vertrauen in die Zukunft, indem er die Menschen ermuntert, einander beizustehen und

Bild oben links

gemeinsam für wichtige Anliegen zu kämpfen, z.B. für die Erhaltung des Ruhetags, für die Förderung erneuerbarer Energien oder für die menschliche Behandlung von Flüchtlingen. Jesus versteht sein Mahl als Mahl der Zukunft und als Vision für eine gerechte Welt. An seinem Tisch erhalten alle einen Platz. So holt er auch Menschen herein, die sonst am Rande der Gesellschaft stehen. Wenn die Generationen sich auf diese Weise begegnen und gemeinsam Wege zu einer gerechteren Welt suchen, werden auch die zukünftigen Generationen ihr tägliches Brot erhalten. Bibeltext Mt 9,9-13. Jesus hält Mahl mit Sünderinnen und Sündern. Eucharistie/Abendmahl Was Jesus tat, dürfen auch wir in seinem Namen tun. So wollen wir das Mahl der Zukunft und des anbrechenden Gottesreiches feiern.

Der Segen Bezug zum Hungertuch Die vier Bildteile werden durch das helle Kreuz in der Mitte miteinander verbunden. Gedanke dazu Das Kreuz verbindet Himmel und Erde und die Menschen untereinander. Gemeinsam mit Gott und als miteinander verbundene Generationen wollen wir uns für eine gute Zukunft einsetzen. Dazu segne uns Gott. Segen Gott, der als Vater von Anfang an war und bis zum Ende der Generationen bleibt, er halte die Generationen zusammen und schenke uns Zukunft. Gott, der in Jesus uns nahe ist und uns durch Jesus das Teilen lehrt, gebe uns Mut und Hoffnung. Gott, der als Geistkraft uns antreibt, gebe uns Schwung und Kraft, an seiner Vision einer neuen Welt mitzubauen. 11


Gottesdienst zum Kampagnen-Plakat/Versöhnungsfeier

Beziehungen entgiften Dieser Gottesdienst, der auch als Versöhnungsfeier eingesetzt werden kann, nimmt das Stichwort «Vergiftung» des Kampagnenplakates auf und entfaltet es in drei Richtungen: ökologisch, zwischenmenschlich und theologisch. Die Feier ermutigt, in allen drei Bereichen auf Entgiftung hinzuwirken. Ein Versöhnungsritual mit dem alten Heilmittel Weihrauch unterstützt den Weg von der Vergiftung zur Entgiftung. Autor: Matthias Jäggi, Pfarrer, Ostermundigen/BE

Lesung Joh 18,15-18.25b-27 (mit Hinführung)

Impulse zur Auslegung Einführung Auf dem Kampagnen-Plakat mit der Jeans heisst es: «Wir sehen die Vergiftung von Mensch und Natur». Diese Versöhnungsfeier/dieser Gottesdienst nimmt das Thema Vergiftung auf und überträgt es auf unser Leben. Die Produktion von Konsumgütern vergiftet vielerorts Boden und Luft. Auch Beziehungen sind manchmal vergiftet – in Lebensgemeinschaften aller Art, zwischen Generationen, Religionen und Kulturen. Und schliesslich kann auch die Beziehung zu Gott vergiftet sein – dort etwa, wo Menschen sein schöpferisches und befreiendes Wirken negieren und stattdessen sich selbst zum Mass aller Dinge machen.

Lied / Gebet Lied RG 841/KG 575/CG 909 Gott gab uns Atem, damit wir leben Das Lied eignet sich, um jeweils nach einer Strophe für die darin genannten Gaben zu danken und um Erbarmen/Verwandlung zu bitten, wenn wir diese Gaben falsch nutzen. Z.B.: «Danke für die Atemluft, die uns durchströmt. Du weisst, mancherorts ist sie verschmutzt und öfters droht sie uns auch sonst auszugehen – bei der Arbeit oder in Beziehungen. Wir bitten dich: Erbarme dich!» 12

Nachts am Kohlenfeuer. «Nein, den kenne ich nicht». Mit diesem drei Mal wiederholten Satz wendet sich Petrus von Jesus ab, kündigt ihm die Solidarität auf. Die Passionsgeschichte nimmt ihren Lauf. Sich abwenden, wegschauen, auch wenn das Unrecht offenkundig ist: Wo das geschieht, bleibt auch heute die Solidarität auf der Strecke. Passionsgeschichten nehmen ihren Lauf. Indem wir uns abwenden, tragen wir zur Vergiftung des Klimas bei – zwischen uns und der Natur, zwischen Menschen, zwischen uns und Gott. Sich abwenden führt zu Passionsgeschichten, zu «Vergiftungsgeschichten». Sich entziehen statt sich aufeinander zu beziehen macht aus dem «Hosianna» vom Palmsonntag ein «Kreuziget ihn» am Karfreitag.

Lied RG 700/KG 596/CG 881 Weit wie das Meer ist Gottes grosse Liebe

Besinnung Die folgenden Fragen folgen den oben genannten drei Dimensionen von «Vergiftung». Die Besinnung wird jeweils nach dem Fragenteil mit Musik oder Stille unterbrochen.

Vergiftete Lebensgrundlagen: Seit mehr als 150 Jahren tragen Menschen Jeans. Jeans kleiden Menschen. Sie bringen Jung und Alt, Mann und Frau, Stadt und Land optisch in Beziehung zueinander. Das ist schön. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich auch Unschönes. Das Kampagnen-Plakat zeigt: Flugzeuge besprühen Baumwollfelder mit Pestiziden. Die vergifteten Böden beeinträchtigen die Gesundheit der Arbeiter und Arbeiterinnen, die Qualität des Bodens nimmt ab, die Lebensgrundlage droht verloren zu gehen. Wir wissen um solche Schattenseiten der globalen Wirtschaft – und blenden sie doch aus, wenn wir vor dem Regal im Kleidergeschäft stehen. Wie sozial- und umweltverträglich ist mein Kleidungsstil? Wie fair und ökologisch ist meine Ernährungsweise? Vergiftete Beziehungen: Wir leben in vielfältigen Beziehungen, haben mit Männern und Frauen zu tun, mit Menschen aus allen Generationen, aus unterschiedlichen Religionen und Kulturen. Das ist schön. Doch es kommt vor, dass wir andere mit Worten oder Taten verletzen. Mal schroff, wenn wir Gift und Galle spucken, mal schleichend, so dass sich ein giftiger Sprühnebel auf eine Beziehung legt. Ist eine Beziehung erst mal vergiftet, kann es lange, ja, Generationen dauern, bis Menschen wieder zueinander finden.


Gottesdienst zum Kampagnen-Plakat/Versöhnungsfeier

Gibt es in meinem Familiensystem «schadstoffbelastete» oder gar vergiftete Beziehungen? Wie habe ich Anteil daran? Gibt es vergiftete Beziehungen in meinem Bekanntenkreis/in der Nachbarschaft/bei der Arbeit? Welche Rolle spiele ich dabei?

lädt uns zum Neubeginn ein. Er stiftet Versöhnung. Das schafft den Boden für Neuanfänge. Es hilft uns, hinzuschauen und an österlichen Entgiftungsgeschichten mitzuwirken.

Gebet und Versöhnungsritual

vergiftet sind. Weihrauchkörner auf die glühende Kohle legen So, wie der Weihrauch sich verwandelt, so verwandle du uns, Gott. Ermuntere uns, uns einander neu zuzuwenden, wohlwollend aufeinander zuzugehen. Hilf uns, Beziehungen zu entgiften und zu heilen.

Vergifteter Glaube: Die Bibel erzählt Geschichten der Zuwendung: Gott wendet sich seinem vom Pharao geknechteten Volk zu und wendet sich in der Mitte der Zeit Maria zu, wird Mensch. Jesus tritt in Beziehung, schaut hin, spricht an, heilt, wendet sich den Verachteten zu. Das ist schön. Doch als er damit bei den Mächtigen aneckt, wenden sich Petrus und viele weitere von ihm ab – und die Passionsgeschichte nimmt ihren Lauf. Wo lasse ich Passionsgeschichten ihren Lauf, weil ich mich von der Situation überfordert fühle und wegschaue? Wo bleibe ich hinter meinen Möglichkeiten zurück, weil ich die Auseinandersetzung scheue? Wo habe ich aufgehört zu glauben, zu hoffen und zu lieben?

Die Feiernden stehen auf und stellen sich an einem passenden Ort in einem Kreis um eine Schale, in der während des folgenden Gebets Weihrauch verbrannt wird (eine gute Gelegenheit für Reformierte, sich bei den katholischen Geschwistern nach der praktischen Umsetzung zu erkundigen).

Lesung

Gott, vor dir haben wir bedacht, dass unser Lebensstil Menschen an anderen Orten der Welt schaden kann, dass unser Lebensstil Böden und Luft, deine Schöpfung, vergiften kann. Weihrauchkörner auf die glühende Kohle legen Wohlgeruch, der den Raum erfüllt. So, wie diese Harzkörner sich in Rauch verwandeln, der reinigend und heilend wirkt, so verwandle du Böses in Gutes. Lass uns einen Lebensstil pflegen und weiterentwickeln, der von Fairness geprägt ist, der entgiftend wirkt, heilsam ist für Mensch und Mitwelt. Lass uns «sehen und handeln».

In der Auferstehung Jesu hast du die Welt «entgiftet», sie mit dem Geschmack von Versöhnung erfüllt. Erfülle auch uns mit diesem wohltuenden Geschmack. Schenke uns Gedanken und Gefühle, die uns versöhnlich handeln lassen – damit sich heute und durch uns Vergiftungs- in Entgiftungsgeschichten, Passions- in Ostergeschichten verwandeln.

Gott, vor dir haben wir an Beziehungen zu Menschen in unserem Umfeld gedacht, die belastet oder gar

Sendung + Segen

Joh 21,15-17 (mit Hinführung)

Impulse zur Auslegung Wieder am Kohlenfeuer. «Liebst du mich?» Mit dieser wiederum drei Mal wiederholten Frage ermuntert Jesus Petrus, sich ihm wieder zuzuwenden. Der Auferstandene schreibt den, der ihn verleugnet hat, nicht ab. Nach der Passion folgt Ostern, nach der Vergiftung kommt die Entgiftung, folgen Versöhnung und Neubeginn. Nicht billig: Petrus beantwortet Jesu Frage mit Ja. Dies schafft den Boden für das neue Vertrauen nach dem Bruch. «Weide meine Schafe», beauftragt Jesus Petrus. Der Auferstandene schreibt auch uns nicht ab. Er bleibt uns zugewandt und

Gott, vor dir haben wir bedacht, wo wir uns von dir abwenden, wo wir nicht mehr glauben, nicht mehr hoffen, nicht mehr lieben. Weihrauchkörner auf die glühende Kohle legen.

Beziehungen ebenso wie Baumwolle sollten nicht vergiftet sein. (Indien) © Brot für alle

Unser Vater/Vater unser Lied RG 701/KG 566/CG873 Wir sind dein Eigentum, wir sind in deinen Händen

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Generationenpalaver

Generationen im Gespräch Als neu-alte Form des Gesprächs hat das sogenannte Palaver das gemeinsame Nachdenken über wichtige Themen der Gemeinschaft zum Ziel. Das hier vorgestellte Generationenpalaver skizziert, wie verschiedene Generationen über das Kampagnenthema miteinander ins Gespräch gebracht werden können. Autorinnen: Elisabeth Kienast-Bayer, Frauenfeld Rita Gemperle, Fastenopfer, Luzern

Zur Form des Palavers Palaver gehören in vielen Dörfern in Afrika und Neuguinea zur Tradition. Dazu findet sich die ganze Dorfgemeinschaft zusammen – häufig unter einem grossen Baum. Ziel eines Palavers ist es, Probleme des Zusammenlebens zu lösen. Jede und jeder kann sich zu Wort melden und eigene Argumente vorbringen. Eine Leitung stellt sicher, dass alle Meinungen angehört werden. Mit dem Generationenpalaver nehmen wir die Idee des gemeinsamen Beratens zur Lösung von Fragen des Zusammenlebens auf und adaptieren sie für unseren Kontext. Einsatzmöglichkeiten Die Themenkreise des Palavers beleuchten verschiedene Aspekte des Generationen- und Kampagnenthemas. Sie sind als Bausteine gedacht und können einzeln oder als Ganzes eingesetzt werden. Je nach Grösse der Veranstaltung und entsprechend den vorhandenen Zeitressourcen können die Bausteine auf unterschiedliche Weise zum Einsatz kommen. Auch die Fragen 14

zum Gespräch sind als Auswahl gedacht. Mögliche Einsatzorte sind: • Themenabende im Rahmen der Erwachsenenbildung, Seniorenarbeit oder bei der Firm- oder Konfirmanden/-innenarbeit. • Beim Suppenzmittag oder Fair Trade Brunch (die Fragen können dort auch als Gesprächsanregung während des Essens aufgelegt werden ). • im Rahmen eines Predigt-Nachgesprächs. Empfehlungen • im Voraus eine Gesprächsleitung anfragen. • Die Bibeltexte und Zitate in grossem Format vorbereiten. • Für den Themenkreis 3 eine Jeans mit dazugehöriger Erzählung vorbereiten. • Liturgische Elemente nach Bedarf einsetzen. • Einen abschliessenden Apéro organisieren. Themenkreis 1

Familiäre Beziehung zwischen den Generationen Die Sorge um tragfähige Beziehungen zwischen den Generationen ist auch ein biblisches Thema. Zwei Bibelverse regen zum Austausch über die Wahrnehmung der heutigen Beziehungen zwischen den Generationen an.

Alte Menschen sind stolz auf ihre Enkelkinder und Kinder sind stolz auf ihre Eltern.(Sprüche 17, 6) Fragen zum Gespräch • Stimmt der Vers auch heute noch? Sind Grosseltern stolz auf ihre Enkel/-innen? Sind Kinder stolz auf ihre Eltern? Wann oder warum können sie aufeinander stolz sein? • Was verbindet Generationen heutzutage? Was trennt sie? Wo liegen mögliche Konflikte? • Worin liegen die Stärken einer generationenumgreifenden Familie? • Wie erlebe ich das Verhältnis der Generationen– im familiären oder im gesellschaftlichen Kontext? Alternative Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird.(Ex 20,12) Fragen zum Gespräch • Wie ist dieses Gebot zu verstehen? Welche Bedeutung hat es heute? • Warum hat diese Verheissung eine so hohe Bedeutung in der Bibel? • Wie können wir dieses Gebot heute umsetzen? Themenkreis 2

Handeln für künftige Generationen Neben der Frage der Beziehungen innerhalb der Generationen stellt sich auch die Frage des Verhältnisses der heutigen Generationen zu den nachfolgenden. Der Kampagnenslogan regt an, über unsere Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen nachzudenken. «Die Saat von heute ist das Brot von morgen»


Generationenpalaver

Handeln für künftige Generationen sowie ihre eigene Adresse notieren. Diese Postkarte wird ihnen zwei Wochen später als Erinnerung zugeschickt. Eine Vorlage mit Vorschlägen zur Selbstverpflichtungfinden Sie unter www.sehen-undhandeln.ch/gottesdienste

Liturgische Elemente Zum Palaver versammelt, Tansania. © Elisabeth Kienast-Bayer

Fragen zum Gespräch • Heute für morgen handeln: Wo tun wir dies als Einzelne? Wo als Gesellschaft? • Wie haben Generationen vor uns das Brot gesät, von dem wir heute leben? • Wie können wir heute das Brot von morgen säen? Welchen Beitrag kann die Generation der Eltern und Grosseltern dazu leisten? Was kann der Beitrag der Kinder und Jugendlichen sein? Alternative/ Ergänzung «Generationengerechtigkeit ist erreicht, wenn die Chancen nachrückender Generationen auf Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse mindestens so gross sind wie die der ihnen vorangegangenen Generationen». (Jürg Tremel) Fragen zum Gespräch • Sind wir damit einverstanden? Ist dies eine zukunftsträchtige Definition? • Was ist eine Generation ihren Nachfolge-Generationen schuldig? • Gibt es eine Grenze der Möglichkeiten? Immer besser werden – wohin führt das? Themenkreis 3

Generationengerechtigkeit in der globalen Familie Gerechtigkeit zwischen heutigen und nachfolgenden Generationen

schliesst auch die globale Dimension mit ein. Das Kampagnenplakat mit der Jeans richtet den Fokus auf die Produktion von Baumwolle und zeigt: Unser Konsum hat negative Auswirkungen auf die Menschen und die Natur in den Ländern des Südens. Kampagnenplakat und «sprechende» Jeans. Die in den Taschen einer Jeans steckende Produktions-Geschichte gibt einen Einblick in die Zusammenhänge, in die wir beim Kauf von Jeans involviert sind. Die Geschichte kann unter www.sehen-und-handeln.ch/gottesdienste heruntergeladen werden. Fragen zum Gespräch • Wie weit sind uns die Probleme rund um den Baumwollanbau und die Produktion von Jeans bekannt? • Was können wir in unserem Alltag konkret tun, um die Lebensgrundlage heutiger und künftiger Generationen im Süden, aber auch bei uns zu schützen (z.B. wenn es um Kleidung geht)? • Was erwarten die kommenden Generationen im Süden von uns im Norden und was erhoffen wir von künftigen Generationen im Süden? Ermutigung zum Handeln Die Teilnehmenden bekommen eine Postkarte, auf die sie eine konkrete Idee für verantwortungsvolles

Gebet Gott, wir danken dir für diesen Tag. Du stellst uns in den Kreislauf des Lebens, des Gewesenen, des Gegenwärtigen und des Werdens. Wir sind ein Teil einer Kette von Generationen. Wir dürfen annehmen, was andere für uns vorbereitet haben und gestalten einen Weg für diejenigen, welche nach uns kommen werden. Gib uns Weisheit, damit wir als Menschen verschiedener Lebensalter aufeinander zugehen. Schenke uns Mut, verantwortungsbewusst eine Saat zu säen, welche für folgende Generationen hier und im Süden wertvoll sein kann. Danke für das Leben, mit dem du uns reich beschenkst. Wir wollen es annehmen und gemeinsam gestalten. Ps 78,1-7 Der Psalm beschreibt, wie wichtig es ist, dass die ältere Generation ihre (Gottes)Erfahrungen und ihr Wissen an die jüngere Generation weitergibt. Er könnte als Gemeinde abwechselnd (jüngere und ältere Generation) gelesen werden. Mögliche Lieder RG 86 Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehen RG 795/KG 509/CG 822 Sonne der Gerechtigkeit Gedanke zum Abschluss «Die Gerechtigkeit von heute ist die Liebe von gestern; die Liebe von heute ist die Gerechtigkeit von morgen.»

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Biblische Impulse für da und dort

Träume den Alten, Visionen den Jungen Die Sorge um ein tragfähiges und lebensspendendes Beziehungsnetz zwischen den Generationen ist ein zutiefst biblisches Thema. Die Texte, die sich in der Bibel darauf beziehen, sind denn auch zahlreich. Biblisch gesprochen leben die verschiedenen Generationen in einer Solidargemeinschaft, die zugleich eine Erzähl- und Lerngemeinschaft ist, in der befreiendes und lebensförderndes Wissen überliefert wird. Autor: Siegfried Arends, Brot für alle

Menschengeschichten sind Generationengeschichten Zu Genesis 5 und Gen 11,10-26; Lukas 3,23-38 «Wir freuen uns über die Geburt unseres Kindes! Die glücklichen Eltern, Adam und Eva.» Dem Geschlechtsregister in den ersten Kapiteln der Bibel zufolge wird insgesamt zehn Mal eine Geburtsanzeige von Adam bis Noah verschickt. So weist uns das Buch Genesis darauf hin, dass das «Projekt Mensch» (Adam) auf Zukunft angelegt ist. Leben setzt sich fort in der Folge von Generationen. Unsere Menschengeschichten sind Generationengeschichten, spannen sich auf zwischen denen, die vor uns waren und denjenigen, die nach uns kommen. Jeder Mensch ist ein Glied in dieser Kette. Daran erinnern uns die – auf den ersten Blick monotonen – Geschlechtsregister der Bibel. Doch was, wenn jede Zukunft plötzlich fraglich wird? Wenn die Kette der Generationen abzureissen droht, weil die Lebensgrundlagen zerstört werden? Was uns heute Sorgen macht, die Geschichte von

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Nummer zehn, von Noah also, handelt genau davon: von der grossen Katastrophe, dem drohenden Untergang von Mensch und Natur, der vernichtenden Flut. Und doch heisst es auch nach Noah wieder: «Wir freuen uns über die Geburt unseres Kindes. Die glücklichen Eltern.» Laut Geschlechtsregister verlässt wiederum zehn Mal eine Geburtsanzeige das Haus von Noah bis Abraham – jenem Abraham, in dem alle Geschlechter der Erde gesegnet sein sollen. Zehn Generationen von Adam bis Noah, zehn Generationen von Noah bis Abraham. Zehn Generationen vor und zehn Generationen nach der Katastrophe: Leben setzt sich fort, trotz allem. Wird gesegnetes Leben, für alle. Weil Gott selbst sich dafür verbürgt. Lebensgeschichten sind Generationengeschichten. Gott verbindet sich mit diesen Geschichten, wohnt in ihnen, kommt darin selbst zur Welt. Auch von ihm heisst es: Ich freue mich über die Geburt meines Kindes, meinem Ebenbild. Menschengeschichten sind Generationengeschichten, bedroht von Krisen und Katastrophen. Geschichten aber auch von Rettung und Segen. Weil Gott in ihnen wohnen will. Weil es auch seine Geschichten sind – auf Zukunft angelegt.

Saure Trauben Zu Hes 18 «Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.» «Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nicht mehr.» «Wie man sich bettet, so liegt man.» usw. Jede und jeder kennt sie: Sprichwörter, Redensarten, Lebensweisheiten. Meistens geben sie Erfahrungen weiter, die Menschen vieler Generationen vor uns gesammelt haben. Sprichwörter sind verdichtete Lebenserfahrung. Manchmal können sie aber auch hinderlich sein, zum Gefängnis werden. Dann, wenn sie zu ewigen, immer gültigen Gesetzen gemacht werden. Die Bibel kennt auch solche Sprüche: «Die Väter haben saure Trauben gegessen, und den Kindern werden davon die Zähne stumpf.» (Hes 18,2) Gemeint ist, dass jede Generation für die Fehler der vorhergehenden gerade stehen und büssen muss. Es gibt eine Schicksalsverbundenheit zwischen den Generationen. Die Erfahrung lehrt: Ökologische Sünden, seelische Lasten und soziale Schulden werden weitergegeben, Armut wird reproduziert und Gewalt wird vererbt. Hesekiel hält dagegen: «Diesen Spruch will ich nicht mehr hören...!» Hesekiel zufolge wird er zur Lüge, wenn man damit die eigene Verantwortung abwälzen will. Es stimmt:


Biblische Impulse für da und dort

Jede Generation erbt die Welt von der vorhergehenden – mit den dazugehörigen Altlasten. Aber jede Generation ist wiederum verantwortlich für das, was sie tut. Jede Generation und jeder Mensch hat wieder neue Möglichkeiten und Chancen. Jede Generation und jeder Mensch kann neu anfangen. Nichts muss bleiben wie es ist. Umkehr ist möglich. Umkehr zum Leben. Hesekiel erinnert uns daran: wir sind eingebunden in ein Netz von Generationen, aber wir sind nicht darin gefangen. Es gibt nicht nur die Schicksalsgemeinschaft der Generationen, es gibt auch die Generationenfreiheit. Jede Generation und jeder Mensch hat eigene Möglichkeiten und eine eigene Verantwortung. Verantwortung, die Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen zu erhalten oder zu verbessern, damit diese wiederum ihre Möglichkeiten ausschöpfen können. Hesekiel meint darum: Schluss mit den ewig gleichen Sprüchen! «Schafft euch ein neues Herz und einen neuen Geist!» Das ist zum Glück kein dummer Spruch.

«charmant, lieblich». Lieblich, charmant ist das Leben jedoch nur dort, wo auch die wechselseitige Fürsorge der Generationen eine Chance hat: wo die Jungen Zukunft haben und sich um die Alten kümmern können. Der Tod des jungen Mannes von Nain steht für die verlorene Zukunft. Die Balance der Generationen ist fatal gestört, wenn Kinder vor ihren alt gewordenen Eltern sterben müssen – in vielen Ländern des Südens ist das Realität (aufgrund von hoher Kindersterblichkeit, Aids etc.).

Protest gegen das zerstörte Leben Luk 7,11-16 «In grosser Bestürzung und Trauer muss ich den Tod meines inniglich geliebten Sohnes bekanntgeben…» Es herrscht Trauer in Nain. Ein Leichenzug verlässt die Stadt. Der Tod des einzigen Sohnes der Witwe von Nain ist nicht nur ein persönlicher Schicksalsschlag für die Mutter, sondern auch eine soziale Katastrophe. Denn mit dem Tod des Sohnes hat sie, die bereits den Verlust ihres Mannes verkraften musste, nun auch ihre Zukunft und ihre Altersversorgung verloren. Ein doppelter Schicksalsschlag mit Armutsgarantie. Nain bedeutet wörtlich so viel wie

Jede Generation hat neue Chancen. © Fastenopfer

Vor den Toren von Nain stellt Jesus sich der Trauergesellschaft entgegen und stoppt den Leichenzug. Er ruft den jungen Mann aus der Zone des Todes zurück ins Leben und gibt ihn seiner Mutter zurück und stellt so die Verbindung wieder her. Biblische «Wundergeschichten» beschreiben, was das Normale sein sollte und es doch – auf schmerzliche Weise – oftmals nicht ist. Sie lesen sich als Protest gegen das zerstörte Leben. Weil das Leben «charmant, lieblich» sein soll – für die Jungen und für die Alten, die Kommenden und die Gehenden.

Die Träume der Alten und die Visionen der Jungen Zu Apg 2,14-18 «Herzliche Einladung zum Kirchenfest mit gemeinsamer Teilete. Jung und alt – alle sind willkommen.» Es herrscht Feststimmung. Am Pfingstfest, dem Geburtstag der Kirche, hält der begeisterte Petrus eine Rede. Er knüpft an die Verheissung aus den Propheten an: «Die Alten werden Träume haben und die Jungen Visionen…» (Joel 3,1-5) Am Geburtstag der Kirche werden diese Träume und Visionen konkret. Kirche sein heisst von jenem Anfang an: Alte und Junge träumen gemeinsam. Die Geistkraft weist über die Grenzen des Eigenen hinaus und verbindet Generationen im gemeinsamen Traum: dem Traum vom Genug-für-alle, von der Saat von heute und dem Brot von morgen, dem Traum vom Ende von Geiz und Gier. Weil dieser Traum in die Wirklichkeit drängt und konkret werden will, wächst eine Gemeinschaft heran, die das Teilen neu lernt: «Alle Glaubenden aber hielten zusammen und hatten alles gemeinsam.» (Apg 2,44) Die Utopie wird gelebter Alltag in der christlichen Gemeinde, es entsteht ein soziales Betreuungssystem für die Alten, für die Witwen, die auf Hilfe angewiesen sind und das Träumen verlernt hatten: eine Altersfürsorge, die kulturelle und ethnische Grenzen übersteigt. (Apg 6,1-7) Wo wir das Träumen und Teilen lernen, im Kleinen wie im Grossen, einander Familie werden in einer Gemeinschaft aus Jungen und Alten, da wächst Kirche.

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Anregungen für einen Jugendgottesdienst

Der blaue Faden In sehr gekürzter Form erfahren die Teilnehmenden etwas über die Produktionsbedingungen einer Jeans und darüber, wer wie viel an einer Jeans verdient. Sie lernen den Einsatz von Fastenopfer und Brot für alle für faire Produktionsbedingungen kennen und bringen das Thema mit einem biblischen Text in Verbindung. Autor: Siegfried Arends, Brot für alle

Vorbereitung Auf dem Boden in der Mitte oder vorne sichtbar für alle liegt bzw. hängt eine Jeans. In den Taschen sind (noch nicht sichtbar) Zettel mit Texten enthalten, im Inneren Kopien (s.u.). Das Kampagnenplakat wird sichtbar aufgehängt.

Einleitung Jedes Kleidungsstück, das wir tragen, hat seine Geschichte, noch bevor wir es im Laden anprobieren und kaufen. In diesem Gottesdienst nehmen wir die Vorgeschichte einer Jeans unter die Lupe – Jeans, die die meisten von uns gerne und häufig tragen. Wir lassen eine Jeans zu Wort kommen und mit ihr die Menschen, die – unsichtbar für uns – mit ihr zu tun haben.

Einstimmung Musikalische Einstimmung: z.B. mit «I put my blue jeans on», alter Song von David Dundas. Austausch über eigene Jeans-Geschichten, Lieblingsjeans etc.

Lied/Gebet Eine Jeans kommt zu Wort Ein erster Zettel wird aus einer Hosentasche der Jeans hervorgeholt. Eine 18

Person liest vor: «Gemacht bin ich, wie jede Jeans, aus Baumwolle, gewachsen auf Feldern vielleicht im Senegal oder in Indien. Ich bin also eher der südliche Typ…» Siehe: www.sehen-und-handeln.ch/gottesdienste Ein zweiter Zettel wird aus einer weiteren Hosentasche geholt. «Als Jeans kommt man ganz schön in der Welt herum.» Praktisch einmal um die ganze Erde bin ich gereist, bis ich bei euch im Kleiderschrank lande. Meine Reisestationen sieht man in diesem kurzen Film-Clip:Eine Jeans geht auf die Reise Film-Clip zeigen. Siehe: www.sehen-und-handeln.ch/gottesdienste Ein dritter Zettel wird hervorgeholt. Darauf das Kurzporträt einer Näherin aus Bangladesch (siehe Download). Jemand liest vor.

Wer verdient wie viel beim Kauf einer Jeans? Aus dem Inneren der Jeans werden Kopien hervorgeholt: Wer verdient wie viel beim Kauf einer Jeans? Siehe: www.sehen-und-handeln.ch/gottesdienste In kleinen Gruppen geben die Teilnehmenden die vermutete Zusammensetzung des Preises einer Jeans an. (Lösung: 50% Geschäftsgewinn; 25% Markenname und Werbung; 11% Transport; 13% Materialkosten und Gewinn für die Fabrik; 1 % für die Arbeiterin).

Biblischer Impuls mit Austausch Im Neuen Testament heisst es: «Wer zwei Hemden hat, soll dem eins geben, der keines hat. Und wer etwas zu essen hat, soll es mit jemand teilen, der hungert.» (Lk 3,11) – Der Text spricht zwar nicht über die Produktion von Kleidern, aber er handelt von einer gerechten Verteilung. Was bedeutet der Text für die Kleidungsproduktion und unseren Konsum heute? Wie müsste die Zusammensetzung des Preises sein?

Handeln Hinweis auf die Arbeit von Brot für alle und Fastenopfer: Die kirchlichen Werke unterstützen die Herstellung von fairer Kleidung durch die Fair Wear Foundation. Diese kontrolliert Markenfirmen, ob sie die Rechte der Arbeitenden respektieren und einen fairen Lohn bezahlen, und sie berichtet darüber in der Öffentlichkeit. Auch unterstützt sie die Fabrikarbeitenden im Kampf um ihre Rechte. Anregungen für eigene Aktionen zur Kampagne im Werkheft Katechese, S. 30. Oder unter www.sehen-und-handeln.ch/katechese

Fürbitten mit Bezug zu unseren Handlungsmöglichkeiten

Lied + Segen


Predigtanregungen

1. Fastensonntag:

Menschliche Nacktheit und göttliche Nähkunst Predigttext: Mt 4,1-11 und Gen 2,7-9 und 3,1-7.21

Danielle Balmer Theologin und Lernvikarin, Christkatholische Kirche, Allschwil

Unter dem Motto «Sehen und Handeln» lädt die ökumenische Kampagne der kirchlichen Werke uns auch in diesem Jahr wieder ein, die Realität unter die Lupe zu nehmen und Zusammenhängen auf den Grund zu gehen. An den Sonntagen in der Fastenzeit sind es die biblischen Lesungen, die uns zur Lupe für das eigene Leben und Handeln werden. So lesen wir am ersten Fastensonntag, wie Jesus von Gottes Geist in die Wüste getrieben wird, wo er zunächst mit sich, mit seinen Gedanken und Gefühlen, allein ist. Als er Hunger verspürt, gerät er in Auseinandersetzung mit dem Diabolos, dem Versucher. Diese Konfrontation fordert ihn heraus, genau hinzusehen: zu unterscheiden, welches Handeln gut ist und welches nicht. Jesus widersteht dabei dem schnellen Griff nach dem Brot um jeden Preis und dem selbstherrlichen Griff nach der Macht. Bereits am Anfang der Bibel hören wir, wie der Versucher mit dem

menschlichen Verlangen nach mehr, mit unserer grenzenlosen Gier, dem Griff nach der verbotenen Frucht spielt. Adam und Eva versprechen sich Klugheit, während sie vom Baum der Erkenntnis essen, und erfahren dabei vor allem, wie nackt und verletzlich sie sind. Nackt und klug werden in der hebräischen Sprache mit denselben Konsonanten geschrieben: die gewonnene Klugheit des ersten Menschenpaares besteht in der Erkenntnis ihrer nackten Verletzlichkeit. Wenn wir die Lupe nun auf unser eigenes Handeln richten, dann entdecken wir beim genaueren Hinsehen, dass auch wir heute immer wieder vor die gleichen Fragen gestellt werden: Wozu führt oder verführt uns unser Hunger? Wovon lassen wir uns leiten: von den guten Geboten Gottes und dem Wissen um die notwendigen Grenzen unseres Handelns? Oder aber von unserer Gier und unserem grenzenlosen Hunger nach mehr – auch auf Kosten anderer? Das Plakat der diesjährigen ökumenischen Kampagne, das eine Jeans unter die Lupe nimmt, erinnert uns daran, dass unser Hunger nach billiger Kleidung Landvergiftung und nackte Armut für andere bedeuten kann. Adam und Eva lassen sich von ihrem Hunger nach mehr leiten – und werden auf schmerzhafte Weise mit ihrer nackten Existenz konfrontiert. Dennoch endet die Geschichte hoffnungsvoll: Gott selbst bedeckt ihre Nacktheit, indem er sein Menschenpaar einkleidet. Es

ist ein berührendes Bild, das uns hier begegnet: Gott als Näherin, die hinter der Nähmaschine sitzt und unermüdlich näht, Tag und Nacht. Gott selbst sorgt für die Bekleidung und den Schutz ihrer/seiner geliebten Menschen. Gott kümmert sich um uns, auch da, wo wir uns in die entblössenden Folgen unseres Handelns verstricken. Bei Jesus in der Wüste sind es am Ende die Engel, die Boten Gottes, die für ihn sorgen: «Siehe, Engel traten herzu und dienten ihm.» Gottes Fürsorge wird uns zum Trost – und zum Vorbild für unser eigenes Handeln in der Fürsorge für andere. Die ökumenische Kampagne erinnert uns daran, dass diese Fürsorge sich auch auf die kommenden Generationen erstrecken soll. Denn: Die Saat von heute ist das Brot von morgen.

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Predigtanregungen

2. Fastensonntag:

Segen für alle Generationen Predigttext: Gen 12,1-4a

Rita Gemperle, Bildung und Pfarreibegleitung Fastenopfer, Luzern

Unser Leben möge gut sein und gut werden – diesen Wunsch tragen wir wohl alle in uns. Unser Bedürfnis nach Segen spüren wir besonders bei Lebensübergängen wie Taufe, Hochzeit oder anderen Aufbrüchen in einen neuen Lebensabschnitt. In diesen Momenten lassen wir uns gerne Segen zusprechen und erhalten dadurch auch Bestärkung für den von uns gewählten Weg. Segen bekommt auch Abraham zugesprochen, als er zusammen mit Sara von Gott den Auftrag erhält, fortzuziehen in ein Land, das Gott ihnen erst noch zeigen wird. «Ich werde dich zu einem grossen Volk machen, dich segnen und deinen Namen gross machen». Damit macht Gott eine beeindruckende und herausfordernde Zusage an Abraham und Sara. Sie und die Generationen nach ihnen sollen als von Gott Gesegnete zahlreich werden und Geschichte schreiben. Dieser Segen

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bestärkt Abraham und Sara. Er ist aber auch verbunden mit einem radikalen Bruch: einem Bruch mit ihrem bisherigen Leben und einem Auf-Bruch in eine ungewisse Zukunft . Mit dem Segen für Abraham und Sara verbindet sich ein hoher Anspruch: «Ein Segen sollst du sein. Durch dich sollen alle Geschlechter der Erde Segen erlangen.» Gott will also mehr als das persönliche Glück von Abraham und Sarah. Es geht ihm um gesegnetes Leben auf dem ganzen Erdball: Gesegnete Beziehungen zwischen Menschen, zwischen Generationen, zwischen Menschen und der gesamten Schöpfung, um Segen für die ganze Menschheitsfamilie.

ihre Lebenschancen betrogen werden. Als von Gott Gesegnete sind wir aufgerufen, unser Möglichstes zu tun, damit gutes und gesegnetes Leben für alle und auch in Zukunft möglich wird. Segen ist also nicht einfach harmlose Bestärkung, sondern zeigt sich hier als anspruchsvolle Aufgabe. Wir sind herausgefordert, aufzubrechen und selbst ein Segen zu werden. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit unserem Lebensstil und mit unseren Konsumgewohnheiten. Ob beim Kauf von Lebensmitteln oder von Kleidern, fast immer sind wir eingebunden in weltweite Zusammenhänge – nicht selten in Zusammenhänge von Ungerechtigkeit.

Gott segnet, damit Menschen mit seiner Hilfe segensreich wirken. Auch uns ist aufgetragen, Segen zu sein und so zu handeln, dass auch die Generationen nach uns ihr Leben als gesegnet erfahren können. Der Slogan der ökumenischen Kampagne «Die Saat von heute ist das Brot von morgen» lädt uns ein, die Auswirkungen unseres heutigen Handelns für die zukünftigen Generationen zu bedenken. Was bedeutet es für die Generationen nach uns, im Norden wie im Süden, wenn wir mit unserem Lebensstil wesentlich mehr Ressourcen verbrauchen als uns gerechterweise zustehen würden? Angesichts unseres verschwenderischen Lebensstils droht die Gefahr, dass die nachwachsende Generation und mit ihr die künftigen Generationen um

Die ökumenische Kampagne nimmt dieses Jahr die Produktion von Jeans unter die Lupe und weist auf die Missstände in der Textilproduktion hin. Die Hilfswerke machen uns Mut, uns zu informieren, Neues auszuprobieren und beim Konsum neue Wege zu gehen. Sei es beim Kauf von Kleidern oder von anderen Produkten. Lassen wir uns in der vorösterlichen Zeit der Umkehr herausrufen zu einem Neuaufbruch. Als von Gott Gesegnete sind wir herausgefordert, selbst ein Segen zu sein. Eine grosse Aufgabe, denn für die kommenden Generationen steht viel auf dem Spiel.


Predigtanregungen

3. Fastensonntag:

Beginn der kommenden Ernte Predigttext: Joh 4,31-42

Autor: Michel Durussel, Pfarrer der Eglise évangélique réformée du Canton Vaud (EERV), Übersetzung: Siegfried Arends, Brot für alle

Textauslegung Der Dialog zwischen Jesus und seinen Jüngern macht sich an einem Missverständnis fest. Während diese von der materiellen Nahrung sprechen, die die physischen Bedürfnisse des Menschen befriedigt, geht es ihrem Meister um eine spirituelle Nahrung: den Willen desjenigen zu tun, der ihn gesandt hat. Zwei Arten, sich innerhalb der Zeit zu verorten, leuchten somit auf: • Die irdische Nahrung ist bereits produziert worden, sie ist da, steht zur Verfügung. • Die Nahrung, von der Jesus spricht, steht noch aus, muss erst noch kommen. Sie hat ihren Ort in einer anderen Zeit, die durch das Bild der Ernte illustriert wird. Jesus lädt seine Jünger ein, sich auf diese neue Zeit einzulassen, die in die Gegenwart hineinbricht. Was hier

angeboten wird, ist keine Nahrung zur Befriedigung der körperlichen Bedürfnisse, sondern ein sprudelndes Wasser, das den Durst nach Sinn und Selbstverwirklichung, der jedem Menschenleben inne wohnt, löscht. Dieser Einbruch der Erntezeit, des Reiches Gottes, in die menschliche Geschichte kann den Gedanken aufkommen lassen, sie sei zu Ende. Die Geschichte setzt sich jedoch fort: das Kommen der Samaritaner zu Jesus, Beginn der grossen Ernte, lässt die Menge erahnen, die in Zukunft kommen wird; all diese Generationen werden gleichzeitig gegenwärtige Zukunft/zukünftige Gegenwart des Reiches.

zu Zeitgenossen und Zeitgenossinnen derer, die nach uns kommen. Die Gemeinschaft der Heiligen umfasst nicht nur die vergangenen Generationen, sondern auch die zukünftigen, jene noch zu erwartende Ernte, die im Glauben bereits begonnen hat. Die Nahrung, die unser wahres Verlangen stillt, nämlich das Tun des Willens Gottes, richtet uns daher aus auf den anderen, der kommt und der bereits da ist. Es gilt dabei darauf zu achten, dass diese Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen, nicht etwa diejenigen ausser Acht lässt, die heute aufgrund der ungleichen Verteilung der irdischen Ernten leiden müssen.

Die Verbindung zum Kampagnenthema

Anregungen für die Liturgie

Die Solidarität zwischen den Generationen wird normalerweise wie folgt beschrieben: so wie die Erntenden auf die Säenden angewiesen sind, ist jede Generation vom Handeln der vorhergehenden Generation abhängig. Die Dankbarkeit gegenüber der Arbeit derer, die uns vorausgegangen sind und uns vielerlei Werte (materielle, kulturelle, soziale, künstlerische) überliefert haben, veranlasst uns, so zu handeln, dass unsere Nachkommen Lebensumstände vorfinden, die nicht etwa durch unser Verhalten getrübt wurden. Die Solidarität, die Jesus vertritt, ist radikaler: die neue Zeit, die mit ihm anbricht, macht uns

Mit einer Weizenschale kann das Bewusstsein für die Etappen von der Saat bis zur Ernte geweckt werden. Auf den Altar/Abendmahlstisch gestellt, versinnbildlicht der Weizen die Verheissung einer Ernte, die in der Erwartung bereits da ist. Diese «irdische» Wirklichkeit gesellt sich zu der Botschaft von der «spirituellen» Wirklichkeit einer Glaubensgemeinschaft, die uns zu Zeitgenossinnen und Zeitgenossen der vergangenen und zukünftigen Generationen macht. Während der Eucharistie/des Abendmahls kann diese zukünftige Dimension der Gemeinschaft der Heiligen zur Geltung kommen und dabei die Solidarität, die Zeit und Raum übersteigt, in Erinnerung gerufen werden. 21


Predigtanregungen

4. Fastensonntag:

Handeln statt Schuldige suchen Predigttext: Joh 9,1-7

Verena Sollberger Schwarzenbach Pfarrerin, Luzern

Wer ist schuld?, fragen die Jünger als sie dem blindgeborenen Mann begegnen. Für sie ist klar: Wenn einer blind zur Welt kommt und damit nicht der gängigen Norm entspricht, dann trägt irgendjemand die Schuld daran. In seinem Fall wohl am ehesten die Eltern. Diese haben gesündigt, die Folgen davon trägt ihr Kind! Schuld vererbt sich, sind die Jünger überzeugt. Wie heisst es doch beim Propheten Jeremia: «Die Väter haben saure Trauben gegessen, und den Kindern werden die Zähne stumpf.» (Jer 31,29) Schuld vererbt sich nicht, setzt Jesus dagegen. Davon ist auch Jeremia überzeugt: «Jeder stirbt nur für seine eigene Schuld: nur dem, der die sauren Trauben isst, werden die Zähne stumpf.» (Jer 31,30) Während die Jünger mit ihrer Frage den Blick zurück wenden, ist Jesus ganz im Hier und Jetzt. Warum dieser Mensch blind zur Welt kam, interessiert ihn nicht. Er fordert die Jünger zum Handeln auf: Tut, was euch

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möglich ist, damit der Blindgeborene trotzdem erfüllt leben kann. Damit macht er den Jüngern bewusst: Wenn ihr fragt: Wer ist schuld?, dann schleicht ihr euch aus eurer Verantwortung hier und jetzt für diesen Menschen. Schuld vererbt sich nicht, sagt Jesus. Genau, sagen wir, und stimmen mit ihm überein. Trotzdem bewegen uns sehr oft ganz ähnliche Fragen. Wer ist verantwortlich dafür, dass die Ressourcen und Möglichkeiten in dieser Welt so ungerecht verteilt sind? Wer ist schuld, dass einige viel und andere fast nichts zum Leben haben? Wir leben in einer Welt mit vielen Ungerechtigkeiten. Die Frage, wer all die Missstände zu verantworten hat, drängt sich deshalb auch uns manchmal auf. Können wir die Frage nach der Schuld einfach ausblenden? Ich denke, es ist notwendig, die Frage anders zu stellen. Die Frage nach den Schuldigen verleitet uns dazu, uns selber aus der Verantwortung zu ziehen. Wenn wir wissen, wer die Schuld trägt, ist es für uns sozusagen erledigt. Zu wissen, wer z.B. schuld ist, dass Kinder im Süden mit ihren kleinen flinken Händen Teppiche knüpfen müssen anstatt zur Schule zu gehen oder weshalb in Sierra Leone Zuckerrohr für Treibstoff statt Nahrung für die einheimische Bevölkerung angebaut wird, schafft noch keine bessere Zukunft. Vielmehr geht es darum, zu handeln und, wie Jesus in unserem Predigt-

text, «Licht zu bringen». Das heisst, mitzuhelfen, die Verhältnisse so zu verändern, dass Kinder zur Schule gehen können und auf den Feldern Nahrung für die einheimische Bevölkerung wächst. Um dies zu erreichen, ist es manchmal nötig, die Vergangenheit zu beleuchten, – jedoch nicht, um Schuldige zu suchen, sondern um die Ursachen zu analysieren und künftig anders zu handeln. Die Frage nach den Ursachen ist zukunftsweisend, denn sie führt ins Handeln, in die Veränderung. Deshalb lädt die Kampagne von Brot für alle, Fastenopfer und Partner sein ein zum Sehen und zum Handeln. Jede Generation erbt die Welt ihrer Väter und Mütter. Das Leben der Vorfahren hinterlässt Spuren in dieser Welt - und nicht nur gute. Denn jede Generation erbt auch die Altlasten. Die Eltern deswegen anzuklagen, ihnen die Schuld in die Schuhe zu schieben, bringt uns nicht weiter. Wichtiger ist es, mit dem übernommenen Erbe gut umzugehen und es zu gestalten. Altlasten abbauen, Neues schaffen, Gutes bewirken und es dann an eine nächste Generation weitergeben. Jede Generation trägt die Verantwortung für ihre Welt. Jede Generation hat den Auftrag, zu sehen und zu handeln.


Predigtanregungen

5. Fastensonntag:

Lazarus – Gott hilft Predigttext: Joh 11,1-44

Autor: Abt Célestin Kabundi Kabengele, Pfarrer der Pastoraleinheit Lausanne Nord Übersetzung und Bearbeitung: Siegfried Arends, Brot für alle

Textauslegung Jemand ist krank. In Bethanien, dem «Haus der Armen/Armenhaus». Lazarus – wörtlich «Gott hilft» – ist krank und stirbt. Der Tod kommt häufig zu früh im «Armenhaus», und nicht nur dort. Was aber bleibt dann noch übrig von «Gott hilft»? Zum Glück sind da die Schwestern Martha und Maria, die sich nicht mit der Misere abfinden. Sie wenden sich an Jesus, legen ihm ihr Leid vor und schwanken dabei zwischen Klage, Vorwurf (21+32), Verzweiflung (33) und Vertrauen (27). Die Empfindungen der beiden Schwestern sind uns vertraut. Unser Glaube ist oftmals zerbrechlich und wir haben Mühe, Gott wirken zu lassen und ihm zu vertrauen angesichts der Not. Die Geschichte hält dagegen: Er kennt unsere Bedürfnisse und leidet mit uns. «Jesus weinte» (V.35) – Gott leidet mit uns. Wer ihm nahe ist, lernt seine Gedanken kennen und erlebt innige Kommunikation mit ihm. Jesus hat

Lazarus und seine Schwestern lieb, heisst es im Text. Von Freundschaft ist die Rede. Diese Freundschaft, diese Liebe macht auch vor dem Tod nicht Halt, bewirkt Auferstehung zum Leben. Jesus ruft, schreit in das Grab hinein: Komm heraus! Die Frage stellt sich an uns: Ist uns hinlänglich bewusst, dass wir zum Leben erweckt werden sollen mit allem, was wir begraben haben? Handeln wir wie Auferweckte/Auferstandene? Erkennen wir Jesus als denjenigen, der uns liebt? Sind wir uns, angesichts des vielfachen Leidens, der Bedeutung der Fürbitte (so wie die Schwestern sie ausüben) und der Rolle, die wir spielen sollen, bewusst? «Herr, der, den du lieb hast, ist krank.» Herr, die Welt, die du lieb hast, ist krank!

Die Verbindung zum Kampagnenthema Die beiden mutigen Schwestern begnügen sich nicht mit der Feststellung, dass Lazarus krank ist. Sie reagieren und schicken Boten zu dem, von dem sie Hilfe erwarten: «Der, den du lieb hast, ist krank.» Was für ein Ausdruck von Vertrauen! Dieser Glaube, Gott die Leidenden anzuvertrauen, öffnet den Blick für alle Generationen, die gegenwärtigen und die kommenden. Sie sind da in unserem Alltag, Menschen unterschiedlichen Alters, wir sind umgeben von ihnen. Aber sind wir in der Lage, dem jungen Menschen, der von Arbeitslosigkeit, von Drogen, von Gleichgültigkeit oder Ablehnung betroffen ist, zur Seite zu stehen?

Oder dem alten Menschen, der von Einsamkeit und Krankheit angefressen wird? Worin besteht unser Engagement, um den Kräften des Todes zu widerstehen: dem Egoismus, der grenzenlosen Sucht nach Gewinn und Profit? Wir erleben die Globalisierung der Gleichgültigkeit, wie Papst Franziskus im Juni 2013 auf der Insel Lampedusa gesagt hat. Die Geschichte von der Auferweckung des Lazarus widersetzt sich dieser Gleichgültigkeit. «Lazarus, dein Name soll gelten: Gott hilft. Komm heraus.»

Anregungen für die Liturgie Beim Schuldbekenntnis kann präzisiert werden, dass die Bitte um Vergebung sich auch auf unsere Schwestern und Brüder in der ganzen Welt erstreckt und im Geist der Verantwortung gegenüber den künftigen Generationen ausgesprochen wird. Beim Glaubensbekenntnis kann ein Bezug zum Bekenntnis der Martha (V.27) hergestellt werden. Für die Kollekte kann ein Projekt von Fastenopfer oder Brot für alle vorgestellt werden. Beim eucharistischen Gebet/Abendmahl kann auf die Auferstehungshoffnung für diese Welt verwiesen werden.

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Gebete aus aller Welt

Eingangsgebet

Besinnung

Glaubensbekenntnis

Wir sind Kirche

Dass wir alle Schwestern und Brüder sind

Credo für die erde

Gott, wir danken dir, dass du jeden Menschen nach deinem Bild geschaffen hast, als Frau und Mann, als Ältere und Jüngere, als Menschen vieler Hautfarben und aus den vielen Regionen dieser Erde. Gott, wir danken dir, dass du uns allen Teil gibst am Reichtum deiner Schöpfung und am Auftrag, sie zu schützen und zu bewahren, als Ältere und Jüngere, durch alle Generationen. Wir danken dir, Gott, für deine Geduld und für die vielen Hoffnungszeichen in unsrer Welt. Wir danken dir für den Mut aller, die nach Lösungen suchen, um diese Erde zu bewahren, zum Wohl aller Menschen und zu deiner Ehre. Wir bitten dich, schenke uns Augen, Herzen, Sinne und Hände, die Zeichen deiner Liebe zu erkennen und weiter zugeben, durch Jesus Christus bitten wir dich. Susanne Labsch

Es gibt so viele Menschen, die hungern und es schwer haben, nur weil viele nicht wissen oder vergessen haben, dass wir alle Schwestern und Brüder sind. Es gibt so viele Menschen ohne Arbeit und ohne ein Dach über dem Kopf, nur weil viele nicht wissen oder vergessen haben, dass wir alle Schwestern und Brüder sind. Es gibt so viele Menschen, die das Leben geniessen, ohne an die zu denken, die leiden, nur weil sie nicht wissen oder vergessen haben, dass wir alle Schwestern und Brüder sind. Es gibt so viele Dinge, die übrig bleiben und verderben, nur weil viele nicht wissen oder vergessen haben, dass wir alle Schwestern und Brüder sind. Es gibt so viele Menschen, die schuften und schwitzen, aber nicht sie, sondern andere bekommen das Geld und werden reich, nur weil viele nicht wissen oder vergessen haben, dass wir doch alle Schwestern und Brüder sind. aus Brasilien

Ich glaube an gottes gute schöpfung die erde sie ist heilig gestern heute und morgen Taste sie nicht an sie gehört nicht dir und keinem konzern wir besitzen sie nicht wie ein ding das man kauft benutzt und wegwirft sie gehört einem anderen Was könnten wir von gott wissen ohne sie unsere mutter wie könnten wir von gott reden ohne die blumen die gott loben ohne den wind und das wasser die im rauschen von ihm erzählen wie könnten wir gott lieben ohne von unserer mutter das hüten zu lernen und das bewahren Ich glaube an gottes gute schöpfung die erde sie ist für alle da nicht nur für die reichen sie ist heilig jedes einzelne blatt das meer und das land das licht und die finsternis das geborenwerden und das sterben alle singen das lied der erde Lasst uns nicht einen tag leben und sie vergessen wir wollen ihren rhythmus bewahren und ihr glück leuchten lassen sie beschützen vor habsucht und herrschaft weil sie heilig ist können wir suchtfrei werden weil sie heilig ist lernen wir das heilen Ich glaube an gottes gute schöpfung die erde sie ist heilig gestern heute und morgen. Dorothee Sölle

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Editorialaus aller Welt Gebete

«Ich glaube an Gottes gute Schöpfung, die Erde. Sie ist heilig, gestern, heute und morgen.» (Südafrika) © Fastenopfer

Fürbitten

Abendmahlsgebet

Segensgebet

Schenke uns offene Ohren

Gott, du Nahrung der Armen, Christus, du unser Brot: Lass uns kosten von deinem zarten Brot, vom Tisch deiner Schöpfung, Brot, frisch geholt, aus dem Backofen deines Herzens, Nahrung, die uns nährt und belebt, ein Brotlaib, der uns menschlich macht, der uns miteinander verbunden sein lässt, verbunden im Arbeiten und Teilen, Hand in Hand. Ein warmer Brotlaib, der uns zu einer Familie macht, zum Sakrament deines Leibes, deines verwundeten Volkes: Lass uns kosten von deinem Brot!

Gottes Segen komme zu uns Kindern, Männern und Frauen, dass wir stark sind in unserer schöpferischen Kraft, dass wir mutig sind in unserem Recht.

aus Peru

Gottes Segen komme zu uns Kindern, Männern und Frauen, dass wir die Wirklichkeit verändern, dass wir das Lebendige fördern. Dass wir Gottes MitstreiterInnen sind auf Erden!

Vater im Himmel, du bist reich. Wir danken dir an diesem Morgen, dass wir das Licht deiner Sonne sehen und die Botschaft Jesu Christi hören dürfen. Schenke uns offene Ohren und mache die Türen zu unseren Herzen weit, dass unsere leeren Hände gefüllt werden mit dem, was unser Leben auf Erden erhält, mit dem, was ihm Sinn und Ziel gibt, mit dem, was wir weitergeben können. Wir bitten dich für die vielen Menschen, die mit uns auf der Erde leben und die mit uns nach dir suchen. Gott, erfülle uns mit deiner Freude, bis wir davon überfliessen, dass die Erde erfüllt werde von Frieden, Freude und Heil.

Gottes Segen komme zu uns Kindern, Männern und Frauen, dass wir Nein sagen, wo es nötig ist, dass wir Ja sagen, wo es gut ist. Gottes Segen komme zu uns Kindern, Männern und Frauen, dass wir schreien, wo Unrecht ist, dass wir schweigen, wo Entsetzen ist. Gottes Segen komme zu uns Kindern, Männern und Frauen, dass wir Weisheit suchen und finden, dass wir Klugheit zeigen und geben.

nach D. Bromberger

Reformierter Weltbund 25


Gebete aus aller Welt

Solange die Erde steht soll nicht aufhören Saat und Ernte – Samenernte in Kolumbien. © Fastenopfer

Weitere Texte und Gebete Wie eine junge Enkelin Gott kommt zu mir wie eine junge Enkelin, die singend das schwere Holz auf ihrem Kopf zur Hütte bringt. Dann schöpft sie Wasser aus dem Bach mit vollem Eimer hoch auf dem Haupt hüpft sie voran mit leichtem Tritt. Sie zündet ein knisterndes Feuer an und bereitet für mich im Kreis der Familie einen Topf voll Maisspeise mit Spinat. Und wenn ich alte Frau krank bin, stützt sie mich – nimmt meine Hand und führt mich zum Mtombobaum. Wo sie mich hinsetzt im Gesprächskreis der Bekannten, durchwärmt die Sonne meine zitternden Glieder: der weite Schatten schützt mich vor zu grosser Hitze. Alles Ungeheure, was mir begegnen könnte, hält sie von mir. Ich bleibe in Gottes sorgenden Händen mein Leben lang. Sie heilen mich, sie empfangen meinen verhärmten Leib. Sie fangen mich wie die Hände der Hebamme das neugeborene Kind. G. Strauss, Südafrika

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Wenn man mir zulächelt Guter Gott, wir bitten dich um Menschen, die gut sind und freundlich. Die Pflanzen und Bäume brauchen Wärme und Licht. Sie wenden sich der Sonne zu. Auch die Menschen brauchen immer wieder Beachtung. Wenn wir gesehen, beim Namen genannt und gegrüsst werden, wenn man uns zulächelt, dann geht bei uns die Sonne auf, und wir sind glücklich. Wenn ein Mensch freundlich ist und seine Güte von Herzen kommt, dann wird die Welt glücklicher. Solchen Menschen springen im Nu die Türen der Herzen auf. Um solche Menschen, guter Gott, bitten wir dich für uns und für die anderen. Schülergebet aus Südafrika Gebet der Vereinten Nationen Gott, unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn, RG 528 Gebet für die Schöpfung Herr und Gott, wir möchten leben KG 587/1

Zitate zum Kampagnenthema Niemals bin ich allein. Viele, die vor mir lebten und fort von mir strebten, webten, webten an meinem Sein. (Rainer Maria Rilke) Es ist das Schicksal jeder Generation, in einer Welt unter Bedingungen leben zu müssen, die sie nicht geschaffen hat. (John F. Kennedy) Wie wunderbar ist es doch, dass niemand auch nur einen Augenblick warten muss, um die Welt zu verbessern. (Anne Frank) Wir erben die Erde nicht von unseren Vorfahren, wir leihen sie von unseren Kindern. (Altes Indianersprichwort)


Weiteres zur Kampagne

Begegnungen mit Künstlerinnen und Künstlern aus dem Süden Bereichern Sie während der ökumenischen Kampagne 2014 einen Gottesdienst, einen Suppenzmittag und weitere Anlässe mit dem Auftritt eines Musikers oder ermöglichen Sie Kindern und Jugendlichen, während eines Workshops im Rahmen der Katechese einen spannenden Moment mit einer Künstlerin aus dem Süden zu erleben. Artlink, Büro für Kulturkooperation, lädt Sie ein, passend zum Thema der Generationengerechtigkeit in Ihrer Kirchgemeinde ein Projekt mit Kulturschaffenden aus dem Süden durchzuführen. Diese leben und arbeiten seit längerer Zeit in der Schweiz und würden sich freuen, in ihrer Kirchgemeinde ein Projekt zu realisieren. Die ausführliche Beschreibung der einzelnen Angebote finden Sie unter: www.sehen-und-handeln.ch/kunstschaffende und unter: www.artlink.ch unter: ökumenische Kampagne Quellenangaben: S. 6 Gott segne euch und behüte euch: Jörg Michael Keller, Astrid Hannappel, Swenja Hoben. In: Beratungsstelle für Gestaltung. Gottesdienste und Feiern im Schuljahr (Hrsg.) Materialheft 74, Frankfurt/M. 1995, S. 210, © Beratungsstelle für Gestaltung. S. 15 Zitat: Generationengerechtigkeit. In: Tremmel, Jürg: Generationengerechtigkeit, Versuch einer Definition. In: SRzG (Hrsg.): Handbuch Generationengerechtigkeit. ökom Verlag, München. 2003,S. 35. S.15 Zitat Schlussgedanke von Étienne-Michel Gillet (1758-1792), französischer Priester. S. 24 Dass wir alle Schwestern und Brüder sind. In: Evangelisches Missionswerk in Deutschland (Hrsg.): Nicht mit halbem Herzen. Gebete aus der Ökumene 2, red. von Bettina Opitz/Gustl Roth, Hamburg: EMW, 21992, S. 57, © EMW. S. 24 Wir sind Kirche. © Susanne Labsch. S. 24 Credo für die Erde. In: Sölle, Dorothee: Loben ohne Lügen. Gedichte. Kleinmachnow 2000, © Wolfgang Fietkau Verlag.

Fair Wear Foundation

Werkheft Katechese

Die wenigsten Kleidermarken haben eigene Fabriken. Das macht es schwierig, auf die schlechten Arbeitsbedingungen in der Textilbranche Einfluss zu nehmen. Die Fair Wear Foundation setzt hier an. Um die Situation der ArbeiterInnen zu verbessern, setzt sich die von Fastenopfer und Brot für alle unterstützte Organisation dafür ein, dass Marken und Fabriken sich verpflichten, entlang der Zulieferkette grundlegende Arbeitsrechte zu respektieren: zum Beispiel existenzsichernde Löhne und ausreichende Sicherheit am Arbeitsplatz. Die FWF überprüft, ob die geforderten Standards auch tatsächlich eingehalten werden. Zugleich klärt sie die Arbeiterinnen über ihre Rechte auf. Tauchen Probleme auf, wird gemeinsam mit den Textilmarken und -produzenten nach Lösungen gesucht. Das Ziel ist klar: Kleider, die die Bezeichnung «fair» verdienen. Weitere Infos unter www.sehen-und-handeln.ch/gottesdienste

Die Katechese-Bausteine widmen sich dem Kampagnenthema, der Projektarbeit und dem Hungertuch. Die Kinder der Unterstufe erarbeiten das Thema Generationengerechtigkeit anhand der Erzählung von Noah und der Arche. Die Bilder des Hungertuches sind in einem Mittelstufenbaustein aufbereitet. Die Mittel- und Oberstufe begleiten eine Jeans vom Baumwollfeld in Afrika über eine Fabrik in Bangladesh bis zum Kleiderladen in der Schweiz. Beiträge über Kinder und Jugendliche aus dem Süden vermitteln wertvolle Einblicke in andere Lebenswelten. Als Aktionsangebot für die Jugendarbeit gibt es eine Einführung in den Carrotmob – ein neuer Weg, um Einfluss auf Unternehmen zu nehmen.

S. 25 Fürbitten: Schenke uns offene Ohren. In: Mission Eine Welt/ELKB (Hrsg.): Bausteine für die Praxis, Nr.7, Gebete. 21996, S. 3, © Mission Eine Welt/ELKB. S. 25 Abendmahlsgebet. In: Evangelisches Missionswerk in Deutschland (Hrsg.): Zeichen deiner Gnade. Gebete aus der Ökumene 5 zu Abendmahl und Agape, Missionshilfe Verlag, Hamburg 2001, S. 16, ©Missionshilfe Verlag. S. 25 Segensgebet. Nach: Segen für Frauen. In: Erhard Domay und Hanne Köhler: der gottesdienst. Liturgische Texte in gerechter Sprache. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1997, S. 692, © Doris Bromberger. S. 26 Wie eine junge Enkelin. Nach Getrud Strauss. In: Fünfsinn, Bärbel und Kienel, Carola (Hrsg.): Psalmen leben. Frauen aus allen Kontinenten lesen biblische Psalmen neu. EBV, Hamburg 2007, S. 88, © Gertrud Strauss. S. 26 Wenn man mir zulächelt. In: Mission Eine Welt/ELKB (Hrsg.): Bausteine für die Praxis, Nr.7, Gebete. 1996, S. 16, © Mission Eine Welt/ELKB

Musterpräsentation zur Kampagne und Quiz zur Textilproduktion Sie wollen die ökumenische Kampagne öffentlich vorstellen: in ihrer Kirchgemeinde/Pfarrei, bei einem Suppentag oder für eine interessierte Gruppe? Unter www.sehen-und-handeln.ch/praesentation finden Sie eine Musterpräsentation zur vielseitigen Verwendung. Sie enthält: • Ethische und theologische Grund gedanken zum Kampagnenthema • Hintergrundinformationen zur Kleiderproduktion • Informationen zur Arbeit und zu Projekten von Fastenopfer und Brot für alle. Die Präsentation kann den jeweiligen eigenen Bedürfnissen angepasst werden. Ein Quiz zum Thema Textilproduktion für den Einsatz bei Veranstaltungen finden Sie als Powerpoint am gleichen Ort.

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«Die Gerechtigkeit, die unsere Kinder erleben, ist das Buch, in dem sie ihren Sinn, ihre Lebenszuversicht und ihre Hoffnung lesen.» Fulbert Steffensky, Theologischer Impulstext für die Kampagne 2014

Brot für alle – Wir bewegen Menschen im Norden und im Süden Brot für alle ist die Entwicklungsorganisation der Evangelischen Kirchen der Schweiz. Wir bewegen Menschen zu einer Lebensweise, welche Ausbeutung und Ungerechtigkeit von der Wurzel her bekämpft. In den Ländern des Südens unterstützen wir rund 350 PartnerProjekte, die nachhaltig Hilfe zur Selbsthilfe leisten. In der Schweiz sind wir die entwicklungspolitische Stimme für ethisches Wirtschaften und das Recht auf Nahrung.

Fastenopfer – Menschen stärken Menschen

Partner sein – Solidarität weltweit

Fastenopfer ist das Hilfswerk der Katholikinnen und Katholiken in der Schweiz. Wir setzen uns im Norden wie im Süden für eine gerechte Welt ein. Wir rufen zum Teilen auf, damit alle ein menschenwürdiges Leben führen können. In rund 400 Projekten engagieren wir uns gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen in Afrika, Asien und Lateinamerika gegen die Armut und für die Rechte der Menschen damit diese ihre Zukunft selber in die Hand nehmen können.

Das christkatholische Hilfswerk Partner sein sensibilisiert Menschen für Mission und Entwicklungszusammenarbeit. Es unterstützt und begleitet Projekte für die soziale und wirtschaftliche Entfaltung von benachteiligten Menschen. Die Projekte dienen der Hilfe zur Selbsthilfe, wobei der Dialog mit den Projektpartnerinnen und Projektpartner Zeichen einer gelebten Solidarität mit den Christen anderer Länder ist.

PARTNER SEIN Bürenstrasse 12, Postfach 1015 3000 Bern 23 Tel. 031 380 65 65 bfa@bfa-ppp.ch www.brotfueralle.ch Postkonto 40-984-9 28

Alpenquai 4, Postfach 2856, 6002 Luzern Tel. 041 227 59 59 mail@fastenopfer.ch www.fastenopfer.ch Postkonto 60-19191-7

Nives Hagmann, Im Has 6 4616 Kappel SO Tel. 062 216 46 65 partner-sein@christkath.ch www.partner-sein.ch Postkonto 25-10000-5

Gottesdienste - Sehen und Handeln 2014  

Werkheft Gottesdienste der ökumenischen Kampagne 2014 "Die Saat von heute ist das Brot von morgen"