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öKo-Lili – Rückblick und Ausblick Knapp zwei Jahre Arbeit und Engagement in und außerhalb der ÖH BOKU liegen hinter uns - Zeit für eine kleine Zwischenbilanz. Das Feuer der Unibrennt-Proteste 2009 ist endgültig erloschen. Der Gedanke an den Phönix, welcher aus der Asche der österreichischen Bildungstrümmerlandschaft steigt, scheint verträumt und illusorisch. Für diese Portion Phantasy sollte mensch sich lieber einen Platz im Kino reservieren. Popcorn nicht vergessen! Appropos Kino. Auch dieses Studienjahr lernten hunderte Studienanfänger_innen was Universität eigentlich bedeutet: Frontalvorträge im Donauplexx Kagran. Und wenn mensch dann noch die STEOP-Prüfung vergackt, sollte ohnehin nach neuen Ufern Ausschau gehalten werden. Natürlich würde mensch damit auch wertvolle Zeit verlieren; mit 24 ist schließlich Schluss mit Familienbeihilfe. Während ein Großteil von uns jeden Euro zweimal umdrehen muss, neben dem Studium noch arbeitet, können wir uns von der SPÖVP-Regierung großkotzige Sprüche anhören wie „wer sich die 360 Euro im Semester nicht leisten kann, der will doch gar nicht studieren“. Drittstaatsangehörige dürfen in Zukunft doppelt zahlen; das bedeutet einen rassistischen Ausschluss von Nicht-EU Bürger_innen aus dem höheren Bildungssystem. „Unis nur den Österreichern“ – oder was?? Wär der institutionalisierte, rassitische Normalzustand mit allen seinen Zumutungen nicht ohnehin schon genug, gibts dann noch die ganz grausigen Zuspitzungen alá FPÖ: Anzeigen und Einschüchterungen gegen linke Aktivist_innen, Geschichtsrelativierung, ausgelebter Antifeminismus und Rassismus und zum Darüberstreuen sowas von überhaupt keine Berührungsängste zur außerparlamentarischen, rechtsextremen Szene. Alles kein Problem in Österreich. Yes it´s fucking political In diesem Sinne agieren wir in- und außerhalb der ÖH BOKU um gegen diese gesellschaftlichen Zustände aktiv zu werden. Wir unterstützen feministische, antifaschistische und emanzipatorische Initiativen und Projekte und versuchen selbst Anknüpfungspunke für systemüberwindende Kritik auf allen Ebenen zu finden und zu nutzen. Wir engagieren uns für bessere Studienbedingungen und stehen für einen kompromisslosen Einsatz gegen Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen. Mitmachen?! Im Sinne einer breiteren, schlagkräftigeren Linken sehen wir uns als eigenständiger, an der BOKU aktive Teil des KSV-Lili (Kommunistischer Student_Innenverband Linke Liste). Hast du Lust uns kennen zu lernen und bei uns mitzumachen? Schau doch einfach bei einem unserer Plena vorbei (finden jeden Dienstag Abend in unserem Vereinslokal statt) oder lass uns bei einem Bier oder Mate im TüWi kennenlernen. Schreib uns einfach ein Email an oeko-lili@riseup.net Wir freuen uns!

Lili´s vollkommenes Defizit an Überraschung: „Nun triffts also LAP“ Mit dem Unterton eines Staubsaugerverkäufer, der Angst hat, dass mensch ihm die Tür vor der Nase zuschlägt vermeldete das BOKU Rektorat, dass im Zuge der neuen Zugangsbeschränkungen „eh nur“ das Studium Landschaftsplanung beschränkt wird. Keine Spur von Widerständigkeit und Solidarität, kein Wort davon, dass die „Zielgröße“, die es einzuhalten gilt 15% unter dem Niveau von LAP-Anfänger_innen des WiSe 2010 liegt. „Freie“ Studienwahl Die freie Studienwahl und die Kapazitäten für diese stehen schon seit mehreren Jahren zur Disposition: Ungeachtet der schon immer vorhandenen Zugangsbeschränkung Matura, begann die Einschränkung der Entscheidungsfreiheit mit der schleichenden Einführung von Knock-Out-Prüfungen in den zunehmend verschulten Curricula der Bologna-Prozess-konformen Studienarchitektur. Mit der Einführung der STEOP ist ein geeignetes Instrument geschaffen worden, das der Selektion in allen Studienfächern dient. Die kommenden Beschränkungen in verschiedenen Fächern wie


etwa der Landschaftsplanung sind der Testlauf für ein System, das bald flächendeckend die vormals „freie“ Studienwahl beenden wird. Die rassistischen Studiengebühren (Drittstaatsangehörige zahlen doppelt) werden ihr übriges tun, um möglichst vielen Menschen vom Studieren abzuhalten. Was tun? Verhandeln? Nicht wenig Studierende, allen voran die Aktionsgemeinschaft, meinen, dass es nichts bringt auf die Straße zu gehen um Unmut und Wut auszudrücken und verweisen auf „konstruktive Verhandlungen“. In Anspielung auf Minister Töchterles Faible für lateinische Sprichwörter erkennen wir jedoch, dass „contra principia negantem non est disputandum“. Zu Deutsch: »mit jemandem, der die Grundlagen der Diskussion leugnet, sich keine Auseinandersetzung führen lässt«. Einer Scheinpartizipation ohne politische Konsequenzen (Karl´s Hochschulmonolog oder Androschs Bildungsvolksbegheren) entgegnen wir: Verarschen können wir uns selbst! Der Verhandlungstisch ist nur allzuoft Wiege von falschen Kompromissen und leugnet das achtungleichgewicht zwischen jenen die entscheiden und jenen die betroffen sind. Ein offener und freier Hochschulzugang, ein Bildungssystem ohne jegliche soziale Selektion sind für uns nicht verhandelbar, sondern immer und uneingeschränkt einzufordern. Freie Bildung und Wissenschafften können nur abseits von wirtschaftlicher Verwertbarkeit existieren. Da sich im Kapitalismus jedoch alle Lebensbereiche Sachzwängen rund um die Profitaximierung unterordnen müssen, können wir diese Ziele nur durch die schlussendliche Überwindung kapitalistischer Verhältnisse erreichen. Rassismus alá Aktionsgemeinschaft Der im aktuellen ÖH-Magazin veröffentlichte Erfahrungsbericht „Trachten – zurück zum Ursprung?“ liefert eine nüchterne und sachliche Darstellung der Geschichte rund um Entstehung, Funktion und Verwendung von Tracht. Der Autor beleuchtete die unweigerliche Verquickung der Tracht mit den Konstrukten „Heimat“ und „Nation“ und den damit verbundenen gesellschaftlichen Ausschlüssen. Weiters wird auf die Rolle der Tracht für die völkische Identität im Austrofaschismus und im NS-Staat eingegangen. Der Artikel schloss mit der wertfreien Aufforderung, dass sich Trachtenträger_innen mit der damit verbundenen Geschichte auseinandersetzen sollen. Allein diese sachliche Aufarbeitung reichte für die Aktionsgemeinschaft BOKU aus, einen von Rassismus triefenden Kommentar zu veröffentlichen. Kommentare wie „wiso schreibt dann so ana üwa a thema, wo a si net auskennt?“ wurden mit einem „like“ vom AG-Obmann mit Beifall angenommen. Mit einer biologistischen Argumentationslinie („Ein Hirsch kann nicht beurteilen, wie die Welt von oben aussieht“), welche auf die ausländische Herkunft des Autors anspielt, wird proklamiert, dass „Fremde“ sich kein Urteil über österreichische Verhältnisse zu machen brauchen. Ganz konkret wird dann noch formuliert: „Von einem Autor, der weder die Traditionen, noch das Brauchtum der österreichischen Bundesländer kennt und darin involviert ist, verbitten wir uns ein Urteil zur ländlichen Kleiderpracht.“ Ganz in diesem Sinne ist es auch zu verstehen, dass sich die AG BOKU aktiv gegen eine Solidarisierung mit dem Refugee Protesten in der Votivkirche ausspricht, welche selbst von kirchlichen Organisationen, wie der Caritas unterstützt werden. Wo kämen wir denn hin, wenn „Fremde“ in Österreich sich in unsere Gesetze einmischen oder gar selbst über ihr Leben bestimmen können. Da könnt ja jeder kommen!

Also Nochmal: Mitmachen?! Im Sinne einer breiteren, schlagkräftigeren Linken sehen wir uns als eigenständiger, an der BOKU aktive Teil des KSV-Lili (Kommunistischer Student_Innenverband Linke Liste). Hast du Lust uns kennen zu lernen und bei uns mitzumachen? Schau doch einfach bei einem unserer Plena vorbei (finden jeden Dienstag Abend in unserem Vereinslokal statt) oder lass uns bei einem Bier oder Mate im TüWi kennenlernen. Schreib uns einfach ein Email an oeko-lili@riseup.net Wir freuen uns!

Boulevardblatt #10 - öKoLili Extra  

Was gibts neues an der BOKU? Mit kurzen Artikeln zu den Zugangsbeschränkungen in der Landschaftplanung und dem Rassimus unter dem AG-Regenbo...