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Nr. 3

September 2012

Magazin Titelthema: Krank oder nicht krank? Warum sich Prämien unterscheiden _ Das Lieblingskind-Dilemma _ Kinder vor Unfällen schützen


Bestes Familienhotel in den Schweizer Bergen Hotel-Rating 2012 der «SonntagsZeitung»

Es gibt 1001 Märchen auf dieser Welt, aber nur 1 Märchenhotel Wir freuen uns auf Sie und auf unvergessliche Momente – hoch über dem Alltag! Märchenhotel Bellevue ★★★★ Nadja und Patric Vogel · 8784 Braunwald, Schweiz Tel. +41 (0)55 653 71 71 · info @ maerchenhotel.ch · www.maerchenhotel.ch


Inhalt

06 30

editorial

Krankheit ist Definitionssache 06 TITELTHEMA

Krank oder nicht krank? 16 ÖKK Club

Tierische Freuden für die Familie 23 Gesundheit

Interview mit Christoffel Brändli über Prämien 26 ÖKK

Invalidität durch Krankheit 30 Reportage

Tabuthema Lieblingskind 37 Kinderpost

38

03

Wie Eltern ihre Kinder vor Unfällen schützen 38 Kundenporträt

Keramikkunst vom Luganersee

Die Medizin ist bekanntlich keine exakte mathematische Wissenschaft. Auch wenn die Möglichkeiten der Diagnostik und der Therapie dank des wissenschaftlichen Fortschritts stetig zunehmen: Der menschliche Körper und die menschliche Psyche sind so komplex, dass ihre Funktionsweisen wohl nie restlos verstanden werden. Die Unschärfe, mit der die Medizin leben muss, beginnt schon bei der Frage, was überhaupt eine Krankheit ist. Eine objektive Definition gibt es nicht. Ein Konsens besteht immerhin darüber, dass nicht jede körperliche oder psychische Funktionsstörung oder Normabweichung bereits eine Krankheit ist. Auf dieser Annahme beruht auch die Definition von Krankheit im Krankenversicherungsgesetz (KVG): «Krankheit ist jede Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit, die nicht Folge eines Unfalles ist und die eine medizinische Untersuchung oder Behandlung erfordert oder eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat.» Um als Krankheit zu gelten, muss eine gesundheitliche Störung also eine gewisse Schwere aufweisen. Doch an welchem Punkt ist die Schwelle von Gesundheit zur Krankheit überschritten? In dieser Frage sind sich nicht nur Ärzte uneinig. Auch subjektiv beurteilt sie jeder Mensch anders. Dennoch kommen wir nicht umhin, uns immer wieder mit dieser Frage auseinanderzusetzen. Denn so viel ist klar: Je weiter wir den Krankheitsbegriff fassen, d.h. je mehr körperliche und psychische Erscheinungen wir als abklärungs- und therapiebedürftig erachten, desto teurer wird unser Gesundheitswesen. Ihr Stefan Schena Vorsitzender der Geschäftsleitung

Impressum ÖKK Magazin / ÖKK Magazine _ vierteljährliche Publikation für die ÖKK Kunden _ 24. Jahrgang _ 3 / 2012  Auflage 86’000  Herausgeber ÖKK _ Bahnhofstrasse 13 _ 7302 Landquart _  Telefon 058 456 10 10 _ magazin@oekk.ch  Chefredaktion Manja Liesch (a.i.)  Redaktion Widmer Kohler AG _ Christoph Kohler _  Bernhard Widmer  Redaktionelle Mitarbeit Kathrin Buholzer _  Evelin Hartmann _ Natascha Fioretti  Foto Antonio Rossano  Art Direction  Advico Young & Rubicam _ Sandra Hofacker  Korrektorat Lektorama Cadonau und Cavegn  Druck gdz AG


Frisch

FRISCH AUF TOUR: Michel aus Lönneberga _ _  Wer kennt ihn

nicht, den strohblonden Buben, der auf dem Hof Kattult im südschwedischen Lönneberga wohnt und auf den Namen Michel hört? Mit seinem Schabernack sorgt Michel aus Lönneberga dafür, dass in der Provinz Småland nie Langeweile auf kommt. «Michel aus Lönneberga – Ein musikalisches Theater für Klein & Gross» geht diesen Herbst zum ersten Mal auf Schweizer Tournee. Das Meisterstück der berühmten Kinderbuchautorin Astrid Lindgren wurde von kindermusicals.ch produziert. Nach «Heidi – Das Musical für Kinder», das ab Ende Oktober auch wieder tourt, folgt nun der nächste Musicalstreich. ÖKK ist Partner beider Kindermusicals. Sehen wir uns?

> Infos und Tickets unter www.kindermusicals.ch

Frisch auferstanden: Ausgestorbene Tiere  _ _  Seltsamer Name, seltsames Wesen: Die Tobias-Köcherfliege (Hydropsyche tobiasi) pflegte einst nachts den Oberrhein rauf- und runterzufliegen. Bis sie 1938 ausstarb – um nun grösser und putziger denn je im Kuscheltierformat wiederaufzuerstehen. Dasselbe Schicksal ereilte jüngst die Goldkröte, die in Mittelamerika 1989 ausgerottet wurde und jetzt als Plüschtier wieder Kinder beglückt. Das deutsche Label killekilli nimmt für seine Kuschelkollektion Tiere zum Vorbild, die bedroht oder bereits ausgestorben sind. So putzig kann das Sensibilisieren unserer Kinder für die Umwelt sein!

> Die Stofftiere kosten zwischen 22 und 32.50 Euro plus Porto (9 Euro) und können online unter www.kille-killi.de bestellt werden.


05

Frisch erforscht: Dauerhaftes Abnehmen  _ _  Abnehmen ist schwer. Noch

schwerer ist es, das Wunschgewicht zu halten. Den Rückfall zum Übergewicht begründen viele mit mangelnder Willenskraft. Neue Studien zeigen, wie sehr jedoch der Körper selbst den Wunsch, dauerhaft abzunehmen, unterwandert. Schuld sind Hormone wie Leptin. Dieses hemmt unsere Nahrungsaufnahme und reguliert dadurch unser Körpergewicht. Auf eine Diät reagiert der Körper ausgerechnet mit einer Senkung des Leptinspiegels. Also haben wir mehr Hunger. Forscher der University of Melbourne haben gezeigt, dass bei Probanden selbst ein Jahr nach einer Diät der Leptinspiegel noch 35 Prozent unter dem Ausgangswert lag. Deshalb sei Abnehmen ein lebenslanger Kampf, sagen die Forscher. Die Ergebnisse mögen desillusionierend auf Abnehmewillige wirken. Andererseits machen sie deutlich, welche Leistung dauerhaftes Abnehmen ist. Auch wer nur wenig abnimmt, so die Forscher, tue etwas für seine Gesundheit – und habe Respekt verdient.

Die gesamte Studie auf Englisch unter www.oekk.ch/magazin

Frisch gegessen: Stiva Veglia  _ _  Manche Unternehmenskunden

hat ÖKK einfach zum Fressen gern. Oder sagen wir angemessen: zum Schlemmen gern. Schliesslich reimt sich Schnaus auf Gaumenschmaus, und genau solche sind im Restaurant Stiva Veglia in Schnaus GR zu erwarten. Lange brauchte der Zürcher Weinländer Tino Zimmermann nicht, um sich an die Schnauser Bergluft zu gewöhnen: Auf Anhieb verliehen ihm die Tester des Gourmetführers GaultMillau 14 Punkte und kürten ihn zur «Entdeckung des Jahres 2012». Dafür benötigt der 37 Jahre alte Koch weder Hummer noch Kaviar, sondern regionale Leckereien wie Forellen aus dem Val Lumnezia, Kräuter aus dem Garten oder auch ein «Schnauser 45-Minuten-Ei» vom Nachbarn. Ein 45-Minuten-Ei? Probieren Sie es! Nur so viel: Es ist butterzart, und Tino Zimmermann erklärt gerne, warum das so ist.

> Machen Sie mit beim Gesundheits-Kreuzworträtsel auf Seite 18 und gewinnen Sie mit etwas Glück einen Gutschein für die Stiva Veglia (www.stiva.veglia.ch) im Wert von 200 Franken.


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l


titelthema

07

Krank oder nicht krank? Im Zentrum jeder Krankheit steht der Mensch. Er ist es, der eine Krankheit erleidet, und nur er empfindet die Schmerzen. Und doch entscheidet nie er allein, ob er krank ist oder nicht. Das ÖKK Magazin begibt sich auf eine Spurensuche danach, wer alles beteiligt ist bei der Beantwortung der Frage: Krank oder nicht krank?

Text: Christoph Kohler & Bernhard Widmer _ _ illustration: Sandra Hofacker

Der Mensch Am Abend des 17. Februar 1673 läuft im Pariser Theater Palais Royal die Komödie «Der eingebildete Kranke» von Molière. Der Autor selbst gibt den Argan, den eingebildeten Kranken. Lachend liegt sich das Publikum in den Armen, etwa als Argan sich fragt, wie er die ärztliche Verordnung verstehen soll, zwölfmal täglich im Zimmer auf und ab zu gehen: in der Länge oder in der Breite des Zimmers? Was das Publikum nicht weiss: Der eingebildete Kranke, der da auf

der Bühne steht, ist in Wirklichkeit tatsächlich krank. Noch während der Vorstellung bekommt Molière einen Krampfanfall, noch am selben Abend stirbt er 51-jährig an einem Blutsturz. So nah liegen eingebildete Krankheit und echte Krankheit manchmal beisammen. Mit seiner Erfolgskomödie hat Molière für Jahrhunderte unser Bild vom eingebildeten Kranken, vom Hypochonder, geprägt. Einige >


titelthema

Passagen sind bis heute aktuell, etwa wenn Argan sich beklagt: «Bei den Preisen kann es sich ja bald keiner mehr leisten, krank zu sein!» Ein Unterschied besteht allerdings: Argan musste die Rechnungen der Ärzte und Apotheker selbst bezahlen. Heute hätte er dafür eine Krankenversicherung. Aber auch das Grundthema – die Frage, ob krank oder nicht krank – hat bis heute nichts von seiner Brisanz verloren. Das liegt daran, dass die Selbstdiagnose offensichtlich noch nie hinreichend war, um eine Krankheit zweifelsfrei zu bestimmen. Zwar ist nichts persönlicher als eine Krankheit, dennoch verfügt der Kranke nicht über die objektive Urteilskraft, allein zu entscheiden, wie es um seine Gesundheit steht. Das gilt nicht nur für eingebildete Kranke, sondern

08

auch für ihr Gegenstück, die eingebildeten Gesunden. Sich gesund fühlen heisst nicht zwingend auch gesund sein. Kurioserweise ist gerade das Wissen darum, dass wir krank sein könnten, ohne es körperlich zu merken, die Triebfeder vieler Hypochonder und die Ursache für zahlreiche unnötige Arztbesuche. Befeuert wird diese Tendenz durch das Internet: In einem der unzähligen Blogs und Foren findet sich garantiert für jede noch so kleine Beschwerde eine fatale Diagnose. Und gilt unter Ärzten nicht das gef lügelte Wort: Wer gesund ist, ist nur noch nicht gründlich genug untersucht worden? Auf jeden Fall nimmt die Zahl der besorgten Menschen, die mit zweifelhaften Online-Selbstdiagnosen zum Arzt rennen, ständig zu. Man nennt sie Cyberchonder.

Der ARZT Wer einen Arzt aufsucht – ob aus nachvollziehbarem Verdacht auf Krankheit oder aus irrationaler Angst –, erhofft sich von ihm zweierlei: die Gewissheit über seinen Gesund­heitszustand und, falls angezeigt, einen erfolgversprechenden Therapievorschlag. In vielen Fällen kann der Arzt beide Fragen nach wenigen Minuten beantworten, etwa nach einem Blick durch die Lupe auf eine bestimmte Hautstelle, wo sich eine Hautveränderung als harmloses Muttermal herausstellt. Es kommt aber auch vor, dass der Arzt zunächst vor einem Rätsel steht. In solchen Fällen wird die Diagnose zur hohen Kunst. In der erfolgreichen Ärzteserie «Dr. House» steht sie ganz im Zentrum. Dr. Gregory House ist Spezialist für medizinische Diagnostik. Er verfügt über die genialische Begabung, selbst die irrsten Symptome und widersprüchlichsten Befunde zu einer schlüssigen Diagnose zu verbinden. Verantwortlich für das Drehbuch der Serie ist Dr. Lisa Sanders. Sie ist Internistin an der Uni-

versität Yale und Autorin des Buches «Detektive in Weiss». Darin vergleicht sie das Erarbeiten einer Diagnose mit der Auf klärung eines Kriminalfalls. Der Körper des Patienten ist der Tatort, die Krankheit der Täter. Laut Dr. Sanders haben zahlreiche Studien gezeigt, dass die SherlockHolmes-mässige Befragung des Patienten zu seiner Krankengeschichte (Anamnese) den weitaus grössten Teil des Befundmaterials liefert, das schliesslich zur Diagnose führt, nämlich rund 80 Prozent. Die körperliche Untersuchung und verschiedene Labor- und andere Tests – gewissermassen die kriminaltechnische Untersuchung – liefern im Durchschnitt nochmals je 10 Prozent der Diagnose. Wie die Ermittler in Detektivgeschichten haben auch Ärzte am Anfang mehrere «Verdächtige» im Blick. Man spricht von so genannten Differentialdiagnosen. Dabei handelt es sich um möglicher Krankheiten mit ähnlicher oder sogar identischer Symptomatik. >


titelthema

Durch Ausschlussverfahren versucht der Arzt sodann, den möglichen Ursachenkreis stetig zu verkleinern, bis am Schluss eine Krankheit mit möglichst grosser Gewissheit diagnostiziert ist und über eine angemessene Therapie diskutiert werden kann. Um seine Leistungen bei einem Krankenversicherer in Rechnung stellen zu können, muss der Arzt nachweisen, zu welcher Diagnose er gelangt ist. Praktisch auf der ganzen Welt stützen sich Ärzte dabei auf die «Internationa-

11

le statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme» (ICD). Sie wird von der Weltgesundheitsorganisation ( WHO) herausgegeben und umfasst mehr als 16’000 Erkrankungen.

die krankenversicherer Auch die Krankenversicherer beschäftigen sich mit der Frage, ob jemand krank ist oder nicht. Zunächst indirekt: Täglich bezahlen sie die Rechnungen von Leistungserbringern wie Ärzten oder Spitälern, die von den Versicherten ausgelöst wurden. Dabei sind die Krankenversicherer von Gesetzes wegen dazu verpflichtet, auf die Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit der durchgeführten Behandlungen zu achten. Sind diese Kriterien nicht erfüllt, muss der Krankenversicherer die Behandlung und deren Kosten anfechten. In unserem ohnehin teuren Gesundheitssystem kommt den Krankenversicherern also die wichtige Funktion zu, unnötige Kosten zu vermeiden – zum Wohle aller Prämienzahler. Am Anfang der Auseinandersetzung über die Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit einer Behandlung steht häufig die Frage, ob es sich überhaupt um die Behandlung einer Krankheit handelt. Besonders bei psychischen Störungen ist eine entsprechende Beurteilung oft schwierig. Wann ist ein Mensch gesund, aber traurig, wann ist er krank und leidet unter einer Depression? Entscheidend ist letztlich das geltende Gesetz, weshalb sich die Krankenversicherer in

Grenzfällen an Urteile der Gerichte halten. Solche Urteile können bis ins Detail gehen: In einem Präzedenzfall zum Thema Brustverkleinerung hat das Eidgenössische Versicherungsgericht zum Beispiel entschieden, dass mindestens eine Entnahme von 500 Gramm pro Seite zur Behebung des Leidens indiziert sein muss, wobei der Body-Mass-Index (BMI) der Patientin 25 kg / m 2 nicht übersteigen darf. Nur dann, so nimmt das Gericht an, ist tatsächlich eine durch die Brüste verursachte körperliche Schädigung, in der Regel des Rückens, wahrscheinlich. Hingegen zählt ein ausschliesslich ästhetisch empfundenes Defizit nicht zu dem durch das KVG versicherten Krankheitsrisiko. Manchmal aber weiss auch das oberste Gericht nicht weiter. Ein Pharmakonzern wollte gerichtlich erstreiten, dass sein Rauchentwöhnungsmedikament in die Spezialitätenliste aufgenommen und damit kassenpf lichtig wird. Also musste sich das Bundesgericht die Frage stellen, ob Rauchen – oder genauer: Nikotinsucht – eine Krankheit darstellt oder nicht. Es kam zu keinem definitiven Urteil und leitete die Frage an die Politik weiter: an das Bundesamt für Gesundheit (BAG). >


titelthema

12

die gesellschaft In einer Demokratie gibt es keine Instanz, die ein für alle Mal festlegen könnte, wo Gesundheit endet und Krankheit beginnt. Wir leben in einer Welt, die sich in ihren Werten und Normen, aber auch in ihrem Wissen über Krankheit und Gesundheit dauernd wandelt. Homosexualität galt selbst in unserer liberalen Kultur noch bis vor kurzem als Krankheit, Fettleibigkeit hingegen war in der Renaissance ein Statussymbol, heute aber wird sie als krankhaft erachtet. Entscheidungen der politischen Behörden sind letztlich gesellschaftliche Entscheidungen. Das Bundesamt für Gesundheit tendiert heute dazu, den Krankheitsbegriff auszudehnen in Richtung Gesundheitserhaltung. Die Nikotinsucht wäre hierfür ein typischer Fall: Schliesslich stellt das Rauchen selbst zunächst keine «Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit» dar im Sinne der gesetzlichen Definition des Krankenversiche-

rungsgesetzes (KVG). Rauchen ist keine Krankheit, erhöht aber zweifellos das Risiko, später schwer zu erkranken. Soll die Gesellschaft deshalb Rauchern das Medikament zur Entwöhnung zahlen? Falls ja, wäre es dann nicht ebenso sinnvoll, einem Übergewichtigen ein Velo zu kaufen, bevor er krankhaft fettleibig wird? Die Gesellschaft muss sich immer wieder von Neuem darüber Rechenschaft geben, was als Krankheit gilt und damit von der obligatorischen Krankenversicherung gedeckt ist. Heute ist diese Entscheidung mehr denn je gekoppelt an eine ökonomische Frage: Wie viel Krankheit und Gesundheit wollen und können wir uns leisten?

Unfall oder Krankheit? Ob es sich bei einer Schädigung der Gesundheit um einen Unfall oder aber um eine Krankheit handelt, ist für den Laien manchmal schwierig zu erahnen. Wem etwa beim Heben eines schweren Gegenstands plötzlich ein Schmerz in den Rücken schiesst, welchen der Arzt später als Bandscheibenvorfall (Diskushernie) diagnostiziert, dem scheint klar, dass es sich um einen Unfall gehandelt hat. Ein Blick auf die gesetzliche Definition von Unfall scheint ihn in diesem Urteil zu bestätigen: «Unfall ist die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.» Da aber selbst mit den raffiniertesten Untersuchungsmethoden nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden

kann, welcher Gewebeteil wann und aufgrund welcher Ursachen geschädigt worden ist, hat das Bundesgericht entschieden, dass Bandscheibenvorfälle und andere Schmerzsyndrome der Wirbelsäule wie etwa ein «Hexenschuss» (Lumbago) keine Unfälle, sondern Erkrankungen darstellen. Für die Therapie ist es unerheblich, ob ein Unfall oder eine Krankheit zur Schädigung der Gesundheit geführt hat. Versicherungstechnisch macht es allerdings durchaus einen Unterschied: Handelt es sich im rechtlichen Sinne um einen Unfall, sind die Kostenfolgen für den Versicherten kleiner – sofern er über den Arbeitgeber gegen Unfall versichert ist. Denn im Unterschied zur Krankenversicherung kennt die Unfallversicherung keine Kostenbeteiligung durch Franchise und Selbstbehalt, sondern übernimmt die gesamten Kosten.


titelthema

14

Die häufigsten chronischen Krankheiten Chronische Krankheiten wie Herzkrankheiten, Krebs oder Diabetes sind die Haupttodesursache auf der Welt. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehen 60 Prozent aller Todesfälle aufs Konto dieser Krankheiten. Weil chronische Krankheiten zwar nicht ansteckend, jedoch häufig langsam in ihrem Verlauf sind, verursachen sie einen Grossteil der heutigen Gesundheitskosten. Gemäss Bundesamt für Gesundheit (BAG) sind über die Hälfte der chronischen Krankheiten einem ungesunden Lebensstil geschuldet. Quelle: Schweizerische Gesundheitsbefragung (SBG), BFS

Chronische Krankheit

% der Schweizer Bevölkerung ab 15 Jahren

Hoher Blutdruck

15,0

Heuschnupfen, Allergien

14,4

Rheumatische Arthrose

11,3

Depression

8,0

Migräne

6,0

Asthma

6,0

Krebs / Geschwulst

3,8

Nierenkrankheit

3,5

Chronische Bronchitis

3,3

Diabetes

3,0

Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür

2,9

Osteoporose

2,8

Herzinfarkt

2,1

Schlaganfall 1,0


Ökk Club

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Club

«Nix Tierkennitis» – nicht mit dem ÖKK Club! Hier gibt’s Ausflüge für Tierfreunde zum Schnäppchenpreis Viele Menschen wissen nicht, was ein Aguti ist, wie flauschig weiss junge Flamingos aussehen oder was Löwenäffchen so fressen. Sie leiden unter der «Nix Tierkennitis». Eine Verstimmung, die einen bei so mancher Quizfrage passen lässt. Geht es Ihnen ähnlich? Da hilft nur eins: mit der ganzen Familie in einen Zoo oder Tierpark fahren. Der ÖKK Club überrascht dieses Mal mit tollen Ausflügen für Tierfreunde zum Schnäppchenpreis. So können Sie sich beispielsweise im Raubtierpark Subingen den einzigen weissen Löwen der Schweiz anschauen und im Konstanzer Sea Life lernen, dass Quallen aus bis zu 95 Prozent Wasser bestehen! Das Booklet mit den Vergünstigungen für ÖKK Kunden finden Sie auf Seite 15. Viel Vergnügen!

Erlebnis

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Natur- & Tierpark Golda

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Aktivität

Region Einheimische Tiere hautnah erleben

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Spazieren, füttern, streicheln, toben

s aller Welt Tierarten au bestaunen h e n, Flamingos se heln, Leoic Schafe stre n hören parden brülle BE – Stadt

SZ – Goldau Abenteuerspielplätze, grillieren, picknicken

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Bern

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Falconeria Locarno

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Greifvögel in greifbarer Nähe Falken bestaunen, waghalsige Flugvor führungen erleben TI – Locarno Kindergeburtstag bei den Greifvögeln feiern www.falconeria.ch

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17 Walter Zoo AG, Gossau Plät tli Zoo AG

Zoo al Maglio

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Tier-Abenteuerland für Gross & Klein Tiere streicheln, Märchen lauschen, die Welt der Indianer entdecken SG – Gossau

zieren, Zoo zum Spa n, te ch B eoba Entspannen ren, Füttern, grillie picknicken

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Gesundheits-kreuzworträtsel

18

Horizontal 1 Eine der häufigsten Essstörungen

14 An dieser Krankheit starb Komödienschreiber Molière (siehe S. 7)

7 Augenfarbe, mit der fast jeder Mensch auf die Welt kommt

16 Operativ hergestellte Überbrückung einer Gefässblockade, häufig zur Sicherung der Blutversorgung des Herzens

9 Veralteter Begriff für eine psychische Störung, die früher nur Frauen zugeschrieben wurde 11 Adjektiv, das körperliche oder organische Krankheiten im Unterschied zu psychischen Krankheiten bezeichnet 12 Kontaktstelle zwischen Nervenzellen

17 Umgangssprachlich für Pollenallergie 18 Der Gesundheit zuträglich und das Gegenteil von Stillstand 19 Ob das noch gesund ist? Wer 3,86 km schwimmt, 180,2 km Velo fährt und anschliessend einen Marathon läuft, ist ein …

Gutschein fürs Gourm etrestaurant Stiva Veglia zu gewinnen!

Vertikal 2 Diese Drüsen brauchen wir vor allem im Sommer – nicht unbedingt zur Freude unserer Mitmenschen

7 Bundesrat, der in der Schweiz seit 1. 1. 2012 zuständig ist für das Gesundheitsdossier (Nachname)

3 Gebräuchliche Kurzformel für eine Heilkunde aus Fernost

8 Der Schweizer liebste Frucht

4 Mensch, der sich aufgrund von Informationen aus dem Internet Krankheiten einbildet (siehe S. 8)

10 Früher nannte man ein Kind, das unter dieser psych. Störung litt, «Zappelphilipp». Heute heisst diese Krankheit … (Abkürzung)

5 Vorsorgeuntersuchung

13 Scheinarzneimittel, das manchmal doch wirkt

6 Ernährungsweise, die den Verzehr sämtlicher tierischer Produkte wie Fleisch, Eier, Milch, Käse oder Honig ausschliesst

15 Lange Zeit war dieser Sprachausweis Voraussetzung für ein Medizinstudium in der Schweiz

Senden Sie das Lösungswort per Mail an magazin@oekk.ch oder per Post an ÖKK Magazin, Bahnhofstrasse 13, 7302 Landquart, Stichwort «Kreuzworträtsel». Unter den richtigen Einsendungen verlosen wir einen Gutschein fürs Restaurant Stiva Veglia in Schnaus GR im Wert von 200 Franken (siehe Seite 5). Einsendeschluss ist der 17. Oktober 2012.


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SONDERAUSGABE NR. 3/2012 | HERBST 2012 | ERSCHEINT 4-MAL PRO JAHR

mit ERLEBNISGESCHICHTE

Mal- und Rätselseite

aktuell

Wale sind sehr gutmütige Tiere.

e t s s ö r g s a D t l e W r e d r e i T Welches ist das grösste Tier der Welt? Ist es der Elefant? Nein! Max weiss es: Das grösste Tier der Welt ist der Wal. Er lebt im Meer.

Es gibt viele verschiedene Arten von Walen. Der grösste ist der Blauwal. Er wird bis zu 33 Meter lang. Sein Herz ist so gross wie ein kleines Auto, und allein seine Zunge ist so schwer wie ein Elefant. Oh, da staunt Max! Und was frisst der Blauwal? Lustig, dieses riesengrosse Tier lebt von ganz kleinen Tieren. Sie heissen Krill und sind kleine Krebse, die nur etwa so dick sind wie dein Daumen. Aber

davon frisst der Blauwal ganz viele, nämlich bis zu 4 000 Kilo am Tag. Das ist soviel wie das Gewicht eines ausgewachsenen Elefanten!

STECKBRIEF Name: Wal Arten: etwa 80 Alter: bis über 200 Jahre Grösse: bis 33 Meter Gewicht: bis 150 Tonnen Geschwindigkeit: bis 50 km/h


Haie werden nur gefährlich, wenn sie sich bedroht fühlen.

Wale sind keine Fische Manche Menschen sagen Walfisch, aber das ist falsch. Der Wal ist kein Fisch, sondern ein Säugetier, weil die Mutter ihre Kinder säugen muss, bevor sie allein leben können. Die Kinder des Wals heissen übrigens Kälber, also gleich wie die Kinder unserer Kühe. Die Wale sind zwar sehr grosse, aber sehr gutmütige Tiere. Sie leben meistens in Gruppen zusammen. Sie spielen gern, machen Luftsprünge, Saltos und Flossenschlagen im Wasser. Zudem können die Wale auch singen. Mit diesem Gesang reden sie miteinander. Uns Menschen ist es noch nicht gelungen, den Gesang der Wale zu verstehen. Schade, findet Max. Das wäre doch richtig spannend, wenn wir die Wale verstehen könnten.

Haie sind Fische Zu den bekanntesten Tieren im Meer gehören neben den Walen auch die Haie. Aber im Unterschied zu den Walen sind die Haie wirklich Fische. Die Menschen fürchten sich vor den Haien, weil es Haie gibt, die manchmal auch Menschen angreifen. Das tun sie aber nur, wenn sie sich in Gefahr fühlen.

STECKBRIEF Name: Hai Arten: etwa 800 Alter: bis 100 Jahre Grösse: bis 12 Meter Gewicht: bis 20 Tonnen Geschwindigkeit: bis 70 km/h

Die grössten Haie werden bis zu 12 Meter lang. Aber die sind ungefährlich, weil sie nur kleinste Lebewesen im Meer fressen. Zu den gefährlichen Haien gehört der Weisse Hai. Er ist ein richtiger Räuber im Meer!

Max will mehr wissen Max findet die Geschichten von den Walen und Haien spannend. Nächste Woche kommt Onkel Kurt zu Besuch. Er war schon einmal mit einem grossen Segelschiff auf dem Meer. Ob er schon Wale oder Haie gesehen hat? Max kann es kaum erwarten, Onkel Kurt auszufragen!


Zum Ausmalen

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Auflösung S.4 unten 13 Delfine

UNTER WASSER

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Einer der fünf Ausschnitte, die ihr in den Kreisen seht, gehört nicht zu diesem Bild. Welcher ist es?

Auflösung S.3 Unterschiede

verwirrend Wie viele Delfine sieht die kleine Meerjungfrau durch die Luft springen?

Das KINDERMAX Magazin

… erscheint nur in deutscher Sprache mit total 10 Heften, einmal davon im Doppelpack mit einer Sonderausgabe. Die Zeitschrift ist unterteilt in zwei Altersstufen: 6 – 8 Jahre und 9 – 12 Jahre. Ideal für Zuhause, unterwegs und auch im Schulunterricht.

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gesundheit

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«95 Prozent der Prämien gehen in die Behandlungskosten» Warum gibt es unterschiedlich hohe Krankenkassenprämien? Das wollte Christoph Kohler von Christoffel Brändli wissen, Ex-Ständerat und Präsident des Branchenverbands der schweizerischen Krankenversicherer santésuisse. Interview: Christoph Kohler _ _ foto: santésuisse

lich von den zu erwartenden Ausgaben für kassenpf lichtige Leistungen beeinf lusst. Eine steigende Inanspruchnahme der Leistungen durch die Versicherten sowie neue kassenpf lichtige Leistungen führen zwangsläufig zu höheren Prämien. Besonders anspruchsvoll für die Krankenversicherer war es, vor einem Jahr abzuschätzen, wie sich die Anfang 2012 neu eingeführte Spitalfinanzierung kostenmässig auswirken würde. Warum ist die Höhe der Prämien von Kanton zu Kanton unterschiedlich, obwohl die versicherten Leistungen bei der Grundversicherung doch dieselben sind?

Christoph Kohler __ Herr Brändli, Ende Juli haben die Krankenversicherer dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) ihre provisorischen Prämien präsentiert. Nach welchen Kriterien erhöhen oder senken Krankenversicherer ihre Prämien für die Grundversicherung? Christoffel Brändli __ Von jedem Prämienfranken gehen etwa 95 Rappen direkt in die Bezahlung der Rechnungen von Leistungserbringern wie Ärzte oder Spitäler. Deshalb wird die Höhe der Prämien hauptsäch-

Grundsätzlich gilt: Je höher die Gesundheitskosten sind, die ein Bewohner in einem Kanton im Schnitt pro Jahr verursacht, desto teurer sind die Prämien in diesem Kanton. Dabei stellen wir fest, dass die Gesundheitskosten von Kanton zu Kanton teilweise stark differieren. In Stadtkantonen beispielsweise ist die Dichte der Ärzte – insbesondere der Spezialisten – höher als in Landkantonen, was zu höheren Kosten führt. Zudem gibt es kulturell bedingte Unterschiede zwischen den Kultur- und Sprachgebieten hinsichtlich der Nutzung der medizinischen Angebote. Und warum verlangen die unterschiedlichen Versicherer selbst unterschiedliche Prämien, selbst wenn diese einen >


gesundheit

Kunden oder eine Kundin in demselben Alter und an demselben Wohnort versichern?

Was können die Krankenversicherer dazu beitragen, dass die Gesundheitskosten und die Prämien nicht weiter steigen?

Die Prämienunterschiede bilden teilweise die unterschiedlichen Alters- und Geschlechterstrukturen im Kundenportefeuille der Versicherer ab. Über den so genannten Risikoausgleich werden diese Differenzen jedoch möglichst ausgeglichen. Eine Verfeinerung des Risikoausgleichs, welche den Gesundheitszustand der Versicherten berücksichtigt, ist derzeit im Parlament in Diskussion. Allerdings können unterschiedliche Prämien auch eine unterschiedliche Servicequalität der Versicherer widerspiegeln. Ein Krankenversicherer, welcher seine Kunden in erster Linie über das Internet anspricht, verfolgt eine andere Geschäftsphilosophie als ein Krankenversicherer, welcher durch eine Vielzahl an Agenturen einen persönlichen Service anstrebt. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir als Prämienzahler die Wahl haben, uns für denjenigen Krankenversicherer zu entscheiden, der unseren Bedürfnissen am besten entspricht.

Die Krankenversicherer leisten durch gewissenhafte Rechnungskontrolle einen wichtigen Beitrag daran, die Gesundheitskosten im Griff zu halten. Durch das Zurückweisen und Korrigieren fehlerhafter Rechnungen werden laut unseren Schätzungen bis zu einer Milliarde Franken an nicht gerechtfertigten Zahlungen eingespart. Zudem setzt sich santésuisse als Branchenverband der schweizerischen Krankversicherer dafür ein, dass die Medikamentenpreise nicht weiter ansteigen. Mit unserem Margen- und Preisvergleich haben wir ein Einsparpotenzial von mehreren Hundert Millionen Franken aufgezeigt. Erste Erfolge in Form eines gedämpften Kostenwachstums sind in diesem Bereich bereits heute sichtbar.

Populäre medizinische Irrtümer

Schweiss stinkt «Schweiss stinkt!» – glauben die meisten und irren sich. Denn der frisch gebildete Schweiss ist zunächst nahezu geruchsfrei. Der charakteristische Körpergeruch entsteht dann vor allem durch die Einwirkung von Hautbakterien auf den Schweiss. Deshalb widerspiegelt der Schweiss- und Körpergeruch vor allem die bakterielle Flora auf unserer Haut. Wenig überraschend finden die für den typischen Schweissgeruch verantwortlichen Bakterien ihre idealen Lebensbedingungen in feuchten, warmen Körperbereichen wie den Achselhöhlen oder den Füssen. Nur eine Ausnahme gibt es, in der auch frischer Schweiss häufig stinkt: die Pubertät. In dieser

Zeit bilden sich die so genannten apokrinen Schweissdrüsen (Duftdrüsen) und beginnen mit der Produktion von «Duftsekret». Durch die  hormonelle Umstellung kommt es bei vielen Jugendlichen zu einer Überfunktion der Schweissdrüsen mit der Folge, dass auch der frische Schweiss stinkt. Nach dieser Umstellungsphase verschwinden sowohl das starke Schwitzen als auch der damit verbundene Schweissgeruch meistens wieder.


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Blauäugig durchs Leben Blaue Augen hat die Natur nur ein einziges Mal erfunden: Vor rund 6’000 bis 10’000 Jahren wurde irgendwo nordöstlich des Schwarzen Meeres ein Mensch geboren, der als erster blauäugig in die Welt blickte. Ursache war eine Genmutation, welche die Herstellung des braunen Farbstoffs Melanin bremste. Auf die damals lebenden Menschen müssen blaue Augen eine hohe sexuelle Anziehungskraft ausgeübt haben. So lautet zumindest eine Erklärung dafür, warum sich blaue Augen derart schnell über die nördliche Hemisphäre verbreitet haben. Eine andere Theorie besagt, dass blaue Augen meist mit einer helleren Haut einhergehen. Und eine hellere Haut erleichtert die Produktion von Vitamin D, wenn nur wenig UV-Strahlung die Haut erreicht. So oder so ist aber unbestritten, dass alle Menschen, die blaue Augen besitzen, direkte Nachkommen dieses ersten blauäugigen Menschen sind. Sie machen heute rund 10 Prozent der Weltbevölkerung aus. – Dass das Wort «blauäugig» im übertragenen Sinne «naiv» bedeutet, hat übrigens einen einfachen Grund: Alle Babys haben blaue Augen, weil in den ersten Lebensmonaten die Farbpigmente auf der Iris noch nicht in ausreichender Menge gebildet werden. Die Wendung «blauäugig sein» spielt also auf die Unbedarftheit von Kleinkindern an. Foto: iStockphoto.com


ÖKK

Versicherungslücke:

Invalidität durch Krankheit Schwere Krankheiten können zu dauerhafter Invalidität führen. Solche Schicksalsschläge bedeuten nicht nur eine enorme psychische Belastung, sondern sind oft auch mit grossen finanziellen Konsequenzen verbunden. Personen, die nicht durch die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) versichert sind – etwa Hausfrauen oder Kinder –, sind davor nur minimal geschützt. Mit einer zusätzlichen Versicherung können finanzielle Notlagen vermieden und damit die Zukunftsperspektiven der Betroffenen verbessert werden. Text: Bernhard Widmer

Wenn von Invalidität die Rede ist, denken wohl die meisten zuerst an schwere Unfälle. Tatsächlich ist es

Einige Vorteile von ÖKK RISIKOKAPITAL KRANKHEIT – Sicherheit bei Tod oder Invalidität durch Krankheit für die ganze Familie – Ideale Ergänzung bei kleinen Renten und fehlendem Einkommen – Ermöglicht eine weitergehende medizinische Versorgung und Umbaumassnahmen am Eigenheim – Sichert die weitere Finanzierung der Ausbildung der Kinder – Im 1. Lebensjahr kostenlos

aber so, dass krankheitsbedingte Invaliditätsfälle neunmal häufiger sind als solche, die durch einen Unfall verursacht worden sind. Doch ob durch Unfall oder Krankheit: Eine Invalidität ist oft mit einschneidenden Umstellungen in der Lebensführung verbunden, und diese können rasch hohe Summen verschlingen. Dazu zählen etwa Umbauarbeiten im Haus, Spezialtherapien, eine Betreuung für die Kinder oder eine Unterstützung im Haushalt. Nicht jeder Familie steht in einer solchen Situation genügend Geld zur Verfügung, um trotz dieser Ausgaben den Lebensstandard zu sichern. Die Invalidenversicherung (IV ) deckt die Kosten nur in einfacher und zweckmässiger Form. Personen, die über ihren Arbeitgeber BVG -versichert sind, erhalten im Invaliditätsfall immerhin eine zusätzliche Rente der beruf lichen Vorsorge. Wer dagegen nicht BVG -versichert ist, erhält bei Invalidität lediglich die Rente aus der IV, und zwar frühestens nach einem Jahr. Dazu kommt, dass die Grundversicherung und die IV in der


Regel nur Behandlungen und Massnahmen bezahlen, die dringend notwendig sind. Aus diesem Grund bietet ÖKK ihren Kunden das Produkt ÖKK RISIKOKAPITAL KRANKHEIT an. Wer diese Zusatzversicherung abgeschlossen hat, erhält

Für wen empfiehlt sich ÖKK RISIKOKAPITAL KRANKHEIT? – Hausfrauen und Hausmänner – Kinder, Schülerinnen und Schüler – Studierende – Selbständigerwerbende – Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (als Ergänzung)

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bei Invalidität durch Krankheit keine Rente, sondern eine einmalige, existenzsichernde Kapitalzahlung. Ihre Höhe hängt dabei vom Grad der Invalidität ab. Diese Geldsumme kann dafür eingesetzt werden, die oben erwähnten und weitere Aufwendungen zu finanzieren. (Im Todesfall durch Krankheit erhalten die Hinterbliebenen eine Todesfallsumme.) Damit ist sichergestellt, dass zu all den Herausforderungen, die mit einer Invalidität verbunden sind, nicht auch noch Geldsorgen hinzukommen. Die Höhe der Kapitalsumme ist beim Versicherungsabschluss wählbar und lässt sich so den individuellen Bedürfnissen anpassen. Unsere Kundenberaterinnen und Kundenberater beraten Sie gerne persönlich auf Ihrer ÖKK Agentur oder unter 0800 838 000.

3 Jahre Treue, 3 Prozent Rabatt ÖKK führt per 1. Januar 2013 einen Mehrjahresrabatt ein. Wer kann profitieren? Normalerweise schliessen Kunden ihre Versicherungen für ein Jahr ab. Bei ÖKK haben Sie die Möglichkeit, Zusatzversicherungen für eine Vertragsdauer von drei Jahren abzuschliessen und so von unserem Mehrjahresrabatt zu profitieren. Denn entscheiden Sie sich fix für drei Jahre ÖKK , schenken wir Ihnen 3 Prozent Prämienrabatt auf Ihre Zusatzversicherungen. Sie haben bereits Zusatzversicherungen bei ÖKK ? Melden Sie sich bei Ihrer Betreuerin oder Ihrem Betreuer, er errechnet Ihnen gerne die Prämien unter Berücksichtigung des Mehrjahresrabattes. > Übrigens: Diese 3 Prozent Rabatt werden zusätzlich zu bestehenden Rabatten gewährt.


ÖKK

Keine Unterschrift für eine Offerte! Es ist wieder Herbst, die Hochsaison der dubiosen Vermittler. Glauben Sie nicht alles, was Ihnen ein Makler verspricht. Text: Iris Blättler

Wurden Sie auch schon von einer unbekannten Person angerufen, die Ihnen irgendetwas über Ihre Krankenversicherung erzählte? Hat man Sie gar schon im Namen von ÖKK angerufen, und später haben Sie sich gefragt, ob diese Person wirklich bei ÖKK arbeitet? Dann sind Sie nicht alleine. Immer wieder melden sich Kunden bei ÖKK , die angeblich im Namen von ÖKK kontaktiert wurden. Seien Sie vorsichtig: Aussagen am Telefon sind unverbindlich und häufig schlichtweg falsch. Doch auch bei einem persönlichen Beratungsgespräch ist Vorsicht geboten. Es gibt nach wie vor viele Vermittler, die zwielichtige Geschäfte treiben. Die Ombudsstelle der Krankenversicherer stützt diese Annahme von ÖKK . In ihrem Geschäftsbericht 2011 hält sie fest, dass die Probleme mit dubiosen Versicherungsmaklern nicht abgenommen haben. Und weiter: «Nach wie vor setzen Versicherungsvermittler die an einem Wechsel interessierten Personen unter Druck, die Formulare rasch und ohne durchzulesen zu unterzeichnen. Nach wie vor wird behauptet, es brauche eine Unterschrift, damit überhaupt eine Offerte ausgestellt werden könne.» Diese Behauptung ist falsch und kann fatale Folgen haben. Zu schnell ist eine Versicherung gekündigt, ohne dass dies die Absicht des Versicherten gewesen wäre. Oftmals kommt es vor, dass Versicherte nach einem Versicherungswechsel schlechter dastehen als davor.

Unser Tipp: Machen Sie bei einem unguten Gefühl keinen Termin ab. Fragen Sie bei Ihrer ÖKK Agentur nach, falls Sie nicht sicher sind, ob Sie wirklich von einem ÖKK Mitarbeiter kontaktiert worden sind. Übrigens: Auch ÖKK arbeitet mit Vermittlern zusammen. Unsere Vermittler können sich aber ausweisen und führen ein Beratungsprotokoll. So können wir die Beratungen kontrollieren und deren Qualität garantieren.


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Neue KIMI Kinderkrippen Die Nachfrage nach Krippenplätzen ist nach wie vor gross und das Angebot zu klein: Laut einer Studie des Schweizer Nationalfonds von 2005 fehlt es schweizweit an 50’000 freien Plätzen. Diesem Problem wirkt die KIMI Krippen AG zusammen mit ÖKK entgegen: Damit sich Eltern die Familien- und Berufsarbeit besser einteilen können und Alleinerziehende Unterstützung erhalten, hat KIMI sein Krippennetzwerk um weitere vier auf insgesamt elf Standorte erweitert. Die neuen Krippen in der Stadt Zürich, in Bassersdorf, Dietlikon und Bachenbülach bieten insgesamt 124 Krippenplätze. Wie in allen KIMI Krippen kümmern sich auch hier pädagogisch geschulte Fachleute um das Wohlergehen der Kinder. Sie tauschen sich mit den Eltern aus, um deren Erziehungsgedanken aufzunehmen und weiterzuführen. Die Administration wird von zentraler Stelle aus geführt. Nur dank der Netzwerkorganisation ist es möglich, dass sich die Mitarbeitenden voll

und ganz auf die Betreuung der Kinder konzentrieren können und nicht mit administrativen Aufgaben belastet werden. ÖKK Versicherte profitieren

Die Kosten für eine Ganztagesbetreuung variieren zwischen 110 und 115 Franken pro Tag, je nach Standort. ÖKK Versicherte profitieren von 5 Prozent Rabatt pro Krippenplatz. Damit lassen sich jährlich bis zu 1’500 Franken sparen. Ausserdem sind 50 Prozent der Krippenplätze für ÖKK Kunden reserviert. Möchten Sie mehr über KIMI erfahren? Dann besuchen Sie unsere Website www.oekk.ch/kimi oder kontaktieren Sie Ihre Kundenberaterin oder Ihren Kundenberater bei ÖKK.

Kundenzufriedenheit: Höchste Gesamtnote für ÖKK Bei der «Zufriedenheitsumfrage Krankenversicherung 2012» des Vergleichsportals bonus.ch hat ÖKK mit 5,1 die höchste Gesamtnote erzielt. Nur gerade eine weitere Krankenversicherung erreichte ein gleich gutes Resultat. Alle anderen Anbieter erzielten tiefere Noten. Bei der Umfrage haben insgesamt 1’488 Personen Fragen zur Qualität der Serviceleistungen ihrer Krankenversicherung beantwortet. Dabei bewerteten sie die Klarheit der übermittelten Informationen und Abrechnungen, die Qualität des Kundendienstes (Ansprechbarkeit, Freundlichkeit, Professionalität) und die Schnelligkeit der Rückerstattung von Leistungen. Bei diesem letzten Punkt ist ÖKK sogar die alleinige Nummer 1: Bei keiner anderen Krankenversicherung sind die Kunden mit der Rückerstattungsfrist so zufrieden wie bei ÖKK .


reportage

Haben Mama und Papa mich genauso lieb wie meinen kleinen Bruder?


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Problemkind Lieblingskind Eltern haben alle ihre Kinder gleich gern – so weit das Ideal. In Wirklichkeit gibt es in vielen Familien «Lieblingskinder». Das ist nicht weiter schlimm, solange die Parteilichkeit von Zeit zu Zeit wechselt. Tut sie das nicht, kann das negative Folgen haben. Text: Evelin Hartmann _ _ foto: iStockphoto.com

Es ist Simons achter Geburtstag. Seine Freunde sind gekommen, und auch Simons kleiner Bruder Kai ist mit von der Partie. Es gibt Waffeln mit heissen Kirschen, Luftschlangen und Topfschlagen. Als Simons Holzlöffel den Topf trifft, jauchzt er vor Freude. Doch dann passiert es: Sein kleiner Bruder beginnt zu husten, zu japsen, kurz darauf liegt er am Boden. Ein Asthmaanfall. Schon wieder. Schnell sprüht die Mutter Kai einen Anti-Asthma-Spray in den Mund. Nach wenigen Minuten ist alles wieder gut. Trotzdem müssen Simons Freunde nach Hause, sagt die Mutter. Das sei alles zu viel für Kai. Bis abends sitzt sie am Bett des Bruders, streicht ihm immer wieder liebevoll durchs Haar, liest ihm vor, während Simons Geburtstag vorbei ist, lange bevor der Sandmann kommt. Das ist jetzt 30 Jahre her. Simon Badrutt* könnte viele solcher Geschichten erzählen. Geschichten, in denen er die Nebenrolle spielte, während sein zerbrechlicher Bruder im Rampenlicht stand. Geschichten, in denen er

die Intimität zwischen seiner Mutter und seinem Bruder aus nächster Nähe beobachten konnte. Geschichten, unter denen er bis heute leidet, weil er immer wieder zu spüren bekam: «Mama hat Kai lieber als mich.» Die MEISTEN ELTERN haben Lieblingskinder

Offen zu einem Lieblingskind zu stehen, gehört bis heute zu den Tabus des Elterndaseins. Eltern, so will es unser Gerechtigkeitssinn, lieben alle Kinder gleich. Die Realität jedoch sieht häufig anders aus. Eine Studie in den USA hat gezeigt, dass 80 Prozent aller Eltern eines ihrer Kinder bevorzugen. Woran liegt das? «Kinder sind individuelle Persönlichkeiten mit einer breiten Palette von Eigenschaften, Verhaltensweisen, Neigungen und einem charakteristischen, unverwechselbaren Aussehen. Und all das trifft auf die unbewuss>


reportage

ten Erwartungen, Vorlieben, Abneigungen und Erfahrungen der Eltern», schreibt der Psychologe Jürg Frick in seinem Buch «Ich mag dich – du nervst mich! Geschwister und ihre Bedeutung für das Leben» (Huber Verlag). Die Tochter zum Beispiel verhält sich ähnlich wie die geliebte Mutter, selbst das typische Kinngrübchen schmückt ihr Gesicht, während der Sohn dem verhassten Vater ähnelt. Durch solche Assoziationen lösten Kinder starke Projektionen, Gefühle und Wünsche auf die vorgeprägten Eltern aus, betont Jürg Frick. «Eltern

«Eltern bevorzugen häufig die Kinder, die ihnen selbst am ähnlichsten sind.» Prof. Jürg Frick, Psychologe & Buchautor

bevorzugen häufig die Kinder, die ihnen selbst am ähnlichsten sind.» Anna Müller (6) etwa ist ihrer Mutter Katja (40) wie aus dem Gesicht geschnitten. «Ausserdem ist Anna sehr ernsthaft, f leissig und manchmal leicht aus dem Konzept zu bringen», sagt ihre Mutter. Eigenschaften, die sie von sich selbst gut kennt. Katja Müller hat noch eine Tochter, Lara (4). Natürlich liebe sie beide Mädchen, erzählt sie. «Aber ich muss gestehen, dass mir Anna nähersteht. Eben weil wir uns so ähnlich sind.» Und es gibt noch einen Grund. «Mit Anna haben mein Mann und ich zwei Jahre allein verbracht. Das schafft Nähe. Lara musste uns von Anfang an mit ihrer grossen Schwester teilen.» Der erste Zahn, der erste Krippentag, das erste Fahrrad. Alles werde beim ersten

Kind festlicher begangen, räumt Katja Müller ein. Beim zweiten sehe man vieles gelassener. Gut ist, wenn die Lieblinge wechseln

Sind die Erstgeborenen also privilegiert? Diesen Zusammenhang kann Jürg Frick aus seiner Praxiserfahrung nicht bestätigen, ebenso wenig, dass Mütter häufiger ein Kind bevorzugen würden als Väter – oder umgekehrt. Präferenzen hingen vielmehr von den biografischen Erfahrungen ab, die Eltern im Laufe ihres Lebens gemacht hätten. Nicht von Merkmalen wie Alter, Geschlecht oder Geburtenfolge. Tröstlich ist: Eltern müssen nicht sofort ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie merken, dass sie ein Kind lieber haben. In der Regel wechselt die Vorliebe für ein Kind nämlich nach einiger Zeit wieder, zum Beispiel dann, wenn die grosse Tochter, bisher die Anhängliche, in eine Trotzphase kommt und der kleine Bruder plötzlich der Verschmustere ist. Problematisch wird es erst, wenn das Lieblingskind nicht wechselt und Eltern ihre Präferenzen deutlich und anhaltend zeigen. Jürg Frick: «Betroffene sollten sich dann fragen, woher diese Vorlieben kommen, und sich unbedingt bemühen, auch Zugang zum anderen Kind zu finden.» Wer seine Gefühle besser versteht und ihren Ursprung kennt, kann sein Verhalten den Kindern gegenüber bewusster steuern. Nur etwas ist aus psychologischer Sicht wirklich tabu: seine Vorliebe oder Abneigung vor den Kindern offen zu zeigen oder gar auszusprechen. nicht gleich, sondern gerecht behandeln

Mutter Katja Müller zum Beispiel macht es richtig. Beim Abendessen weist sie ihre «Lieblingstochter» zurecht: «Halt, Anna, du hast gestern die Kerze nach dem Essen auspusten dürfen, heute ist Lara dran», sagt sie und schiebt Anna sanft zur Seite. Lara strahlt. Die


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Fühlt sich ein Kind gegenüber seinem Geschwister dauerhaft benachteiligt, kann es später zum Bruch mit der Familie kommen.

Mutter gibt zu: «Ich mache eine Art innere Buchführung, um beide gerecht zu behandeln.» Wer darf heute

«Ich mache eine Art innere Buchführung, um beide gerecht zu behandeln.» Katja Müller, Mutter von Anna & Lara

die Post aus dem Brief kasten holen? Die Blumen im Garten giessen? In alltäglichen Situationen falle ihr das leicht, sagt Katja Müller. «Ich hoffe nur, dass es mir in weniger klaren Momenten ebenso gelingt.» Tröstet sie Lara nach einem Sturz genauso liebevoll wie Anna? Es gehe nicht darum, alle Kinder gleich zu behandeln, betont Jürg Frick, jedoch fair und altersgerecht.

«Es ist klar, dass der zwölfjährige Sohn abends länger bei den Eltern sitzen darf als sein siebenjähriger Bruder.» Haben Kinder jedoch dauerhaft das Gefühl, nicht gemocht zu werden, kann das zu anhaltenden Problemen führen, zu Minderwertigkeitskomplexen und später zum Abbruch der Beziehung zu Eltern und Geschwistern. Schliesslich haben Kinder sehr feine Antennen für Vorlieben und Ungerechtigkeiten. Andererseits, fügt Jürg Frick an, hätten Kinder Verständnis für Ungleichbehandlungen, solange diese sachlich erklärt würden, beispielsweise mit dem Altersunterschied oder einer Krankheit, unter der Bruder oder Schwester litten. «Meine Mutter hat sich nie richtig erklärt», erinnert sich Simon Badrutt. Auch, dass ihr eigener Bruder als Kind sehr krank war und früh gestorben ist, hat Badrutt erst als Teenager erfahren. Hätte er das doch früher gewusst! Trotzdem hat er heute ein gutes Verhältnis zu seinem Bruder Kai, und auch seiner Mutter hat er verziehen. Im Dezember wird er zum zweiten Mal Vater. Klar, dass er peinlich genau darauf achten will, beide Kinder gleichberechtigt – «ihrem individuellen Wesen entsprechend» – zu behandeln. * Name der Redaktion bekannt


die bernasconis … eine Familie, die es bei uns gibt

Es kann nie früh genug sein, das Streiten zu lernen.

Streiten vor den Kindern Wenn die Emotionen zwischen Mama und Papa hochkochen, ist das an sich nicht schlimm. Nur, sollen das auch die Kinder mitbekommen? illustration: Bianca Litscher

frau Bernasconi:

Wenn früher, als ich noch klein war, Freundinnen bei mir zu Hause anriefen, fragten sie nicht selten: «Es ist so laut bei euch, habt ihr Besuch?» – «Nein», antwortete ich erstaunt, «das sind meine Eltern.» Ich bin in einem Haus aufgewachsen, in dem die Streitkultur rege gelebt wurde. Bei uns wurde über Erziehungsmassnahmen genauso heftig diskutiert wie über politische Angelegenheiten oder über die Notwendigkeit eines neuen Sofas. Der Grund dafür war einfach: Meine Eltern waren selten einer Meinung. Allerdings einigten sie sich nach klirrenden Wortgefechten immer. In eine bedrohliche Schief lage hingegen geriet der Haussegen nur, wenn geschwiegen wurde. In der Stille lag der wahre Sprengstoff. So bin ich aufgewachsen, und deshalb halte ich auch heute noch nichts davon, Streitigkeiten auf den Abend zu verschieben, wenn die Kinder im Bett sind. Meine Güte, Kinder sind doch nicht blöd! Die riechen doch sofort, wenn sich ein Gewitter zusammenbraut. Ausserdem kann es nie früh genug sein, das Streiten

und Debattieren zu lernen. Denn seit wann leben wir in einer Welt der immerwährenden Harmonie? Übrigens sind meine Eltern, also die Grosseltern meiner Kinder, das beste Beispiel dafür, dass sich Streitereien und innige Liebe nicht ausschliessen – Oma und Opa sind nämlich noch heute verliebt wie am ersten Tag. Obwohl gerade mal wieder Uneinigkeit herrscht – in der Sofafrage natürlich.

Die Bernasconis gibt es wirklich  ... nur heissen sie in Wirklichkeit anders. Sie sind eine Familie mit zwei Kindern, einem Jungen (8) und einer Tochter (4). Die Kinderbetreuung teilen sich die Bernasconis. Sie (35) arbeitet als Grafikerin, er (35) ist Journalist. Leben tun die Bernasconis in der Stadt – die Ferien verbringen sie auf dem Land.


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Kindern fehlt es an Reife, um heftigen Streit zu begreifen.

herr Bernasconi:

Die Kinder sollen ruhig mitbekommen, dass die Welt nicht aus Friede, Freude, Eierkuchen besteht, da hat meine Frau schon recht. Schimpfen und Streiten gehören genauso zum Menschsein wie Weinen und Lachen. Aber wie beim Fluchen gilt auch beim Streit: Der Ton macht die Musik. Nennt mich meine Frau «en Lappi», weil ich mal wieder die Milch habe offen herumstehen lassen, dann fange ich natürlich nicht an herumzuheulen: «Ich möchte nicht, dass du so gemein bist zu mir. Und schon gar nicht vor den Kindern!» Das Problem ist, dass manchmal auf die offene Milchpackung von heute Morgen die verfaulte Wurst von vorletzter Woche folgt. Und darauf die vergessene Arztrechnung vom vergangenen Monat. Und darauf die fehl geplanten Sommerferien von vor fünf Jahren … Und irgendwann ist Frau dort angekommen, wo es richtig wehtut: am Fundament – und hämmert und feilt daran herum, als stünde nicht nur unsere Liebe, sondern das ganze Projekt Familie wegen dieser Milchpackung auf dem Spiel.

Müssen zarte Kinderseelen solche Beben miterleben? Ich meine: Nein! Kindern fehlt schlicht die Reife, um eine Ehe in ihrer ganzen psychologischen Raffiniertheit zu begreifen. Vor allem, um zu wissen: In ein paar Stunden ist das Gewitter vorbei, und die Welt erstrahlt in einem ungleich klareren Licht. Weil sie das nicht wissen, sollten Eltern sich zusammenreissen, wenn sich Heftigeres zusammenbraut: die Emotionen eine Weile runterschlucken, die Zunge im Zaum halten, der Thermik entgegenwirken. Wer weiss – mit etwas Geduld zieht ein Gewitter ja auch mal vorüber, ganz ohne Blitz und Donner! > Was Kathrin Buholzer vom Elternplanet dazu meint, erfahren Sie auf der nächsten Seite.


elternplanet

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Wenn Mama und Papa streiten Dicke Luft zu Hause. Und mittendrin die eigenen Kinder, die unsicher zu Mama und Papa aufschauen. Darf man vor den Kindern streiten? Und wenn ja, wie? Text: Kathrin Buholzer

Ja

Kinder mögen’s harmonisch. Hängt der Haussegen schief, sind sie schnell verunsichert. «Was ist denn jetzt mit Mama und Papa los? Die sollen doch nicht so laut reden und sich anschimpfen.» Es geht gar nicht um die ganz grossen, heftigen Streitereien. Da ist es sowieso klar, dass diese nicht an den Familientisch gehören. Es geht mehr um die kleinen, alltäglichen Auseinandersetzungen. Schon kleine Streitereien sollten nicht vor den Kindern ausgetragen werden. Insbesondere, wenn es um Erziehungsfragen geht. Wenn Kinder merken, dass Mama und Papa sich uneinig sind, besteht die Gefahr, dass sie die Eltern gegeneinander ausspielen. Besser wäre, die Eltern würden sich ein kurzes Zeichen geben und die Diskussion auf später vertagen. Oft lässt sich den Streitereien vorbeugen, indem die Eltern sich regelmässig frühzeitig austauschen, gerade über Erziehungs- und Beziehungsfragen. Was ist uns wichtig? Wo gibt es Probleme, und wie können wir diese gemeinsam lösen? Es muss nicht so sein, dass man als

Nein

Eltern immer und überall alles genau gleich macht, aber es erleichtert die Erziehungsarbeit ungemein, wenn man als Team arbeitet und sich gegenseitig unterstützt, statt gegeneinanderzuarbeiten. Weil das jedoch nicht immer klappt, dürfen Kinder natürlich schon ab und zu merken, dass Mama und Papa auch nur Menschen sind und zwischen ihnen nicht immer nur Friede, Freude, Eierkuchen herrscht. Wenn man sich einen Streit vor den Kindern nicht verkneifen kann, dann am Besten kurz innehalten und den Kindern erklären, worum es geht. Das beruhigt und hilft manchmal sogar die Unstimmigkeit zu mildern oder sie zumindest in eine konstruktive Richtung zu lenken. Den Link zur Internetplattform Elternplanet von Kathrin Buholzer mit mehr Hinweisen zu Erziehungsfragen finden Sie unter www.oekk.ch/magazin


Kinderpost

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bfu-Kinderpost gratis abonnieren unter www.oekk.ch/ magazin!

Wie Eltern ihre Kinder vor Unfällen schützen

Das Erstickungsrisiko Für Kinder im Säuglingsalter sind Lippen und Mund die wichtigsten Sinnesorgane. Kein Wunder, stecken sie sich alles in den Mund. Verschlucken sie die Gegenstände, kann es zu Unfällen kommen. So erzählt Dr. med. Theddy Slongo, Kinderarzt im Inselspital Bern, von einer Mutter, die ihren elf Monate alten Buben vorbeibrachte, weil dieser seit Tagen nur noch trank, feste Speisen hingegen verweigerte. Der Grund dafür steckte in der Speiseröhre: ein Plastikbaustein. Eine einfache Operation befreite den Buben von der Pein. Viele Schluckunfälle verlaufen weniger glimpflich. Ersticken ist bis heute die häufigste Ursache für den Unfalltod von Kindern im Säuglingsalter (1. Lebensjahr). Babys atmen Erbrochenes ein, verwickeln sich in Gurten oder Spielketten. Ab fünf Monaten, wenn die orale Phase beginnt, verschlucken sie Gegenstände wie Knöpfe, Münzen oder Spielzeugteile. Gefährlich sind auch Plastiksäcke, die sich Babys und Kleinkinder im Spiel gerne über den Kopf stülpen.

Unter www.oekk.ch/magazin können Eltern gratis die bfu-Kinderpost abonnieren. So erhalten Sie alle sechs Monate Tipps zur Unfallprävention – immer abgestimmt aufs Alter ihres Kindes. Die bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung setzt sich im öffentlichen Auftrag für die Unfallprävention ein.

Das können Sie tun:

Im Notfall:

– In den ersten Lebensmonaten kein Kopfkissen verwenden. Später kann ein Kissen unter die Matratze geschoben werden. – Baby möglichst auf den Rücken legen. – Baby nach jeder Mahlzeit aufstossen lassen. – Keine Schnüre oder Kordeln ins oder übers Bett. – Keine Kleingegenstände wie Münzen oder Knöpfe rumliegen lassen. – Plastiksäcke vor Babys und Kleinkindern sicher aufbewahren. – Sicheres Spielzeug kaufen (unzerbrechlich, nicht zu klein, ohne Kanten und abreissbare Teile).

– Husten lassen: Wenn Ihr Kind würgt, aber noch husten kann, dann lassen Sie es husten – das ist immer noch die beste Methode, die Atemwege zu befreien. – Blockade lösen: Baby mit dem Gesicht nach unten auf den Schoss legen, seinen Oberkörper übers Knie hängen lassen, das Gesicht des Babys mit der einen Hand stützen, mit der anderen Hand dem Kind viermal auf die Rückenmitte schlagen. – Hilfe rufen: Notfallnummer 144


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Der gute Ton Im malerischen Gandria am Luganersee töpfern die Costas mit Hand und Herz. Text: Natascha Fioretti _ _ Foto: Antonio Rossano

«Ihr seid die jüngsten Grosseltern in Gandria!», hallt es durch eine Gasse in Gandria. Nachbar Peter gratuliert Gian Luigi und Raffaella Costa zur Geburt ihres seit Tagen sehnsüchtig erwarteten Enkels Alessandro. Hier in Gandria, einem Fischerdorf am Luganersee, kennt jeder jeden. Und eben hier haben die Costas in den Achtzigerjahren ihre Keramikwerkstatt eröffnet. Doch ihre Geschichte beginnt viel früher, genauer gesagt im Jahr 1979, als sich Gian Luigi und Raffaella in der Schule eines bekannten Bildhauers im ligurischen Albissola zum ersten Mal begegnen. Aus Liebe zur Keramik sind die beiden angereist, über beide Ohren ineinander verliebt reisen sie wieder ab. «Albissola war damals ein zauberhafter Ort, kaum 50 Meter vom Meer entfernt, mit Malerinnen und Künstlern aus ganz Italien», erinnert sich Raffaella. Als der gebürtige Genuese Gian Luigi in seiner Heimatstadt das Kunststudium an der Accademia di Scultura beendet hat, heiraten die beiden und ziehen nach Gandria, woher Raffaella stammt. Anfangs ist ihre Werkstatt winzig und vollgestopft mit Brennöfen und Drehscheiben. Ihre Töpferware und kunsthandwerklichen Objekte verkaufen die Jungvermählten erfolgreich auf der Gasse. Zehn Jahre später kommt das erste ihrer drei Kinder zur Welt, und es wird endgültig zu eng: «Keramiken stapelten sich auf der Terrasse, in der Küche, im Keller, überall», lacht Raffaella. Gut, dass das Geschäft der Costas brummt. Sie kaufen ein grösseres Haus in Gandria, in dessen Werkstatt sie anfänglich gar fünf Angestellte beschäftigen. «Zeitweise legte alle fünf Minuten ein Schiff in Gandria an», erinnert sich Raffaella. Unzählige Touristen strömten durch das ma-

lerische Dorf am Fusse des Monte Bré, viele verliessen es mit einem Souvenir – vom Kupferschmied, Kunstmaler, Puppenmacher oder eben von den Costas. So wuchs die Künstler- und Dorfgemeinschaft in Gandria, bis in den Neunzigerjahren die Krise einsetzte. Die letzten Handwerker von Gandria

Heute ist die Keramikfirma der Costas das letzte Handwerksunternehmen in Gandria. Das liegt vor allem am treuen Kundenstamm, den die Costas über Jahre aufgebaut haben und der sie heute mit Auftragsarbeiten versorgt, mal für eine Hochzeit, mal für Weihnachten oder einen anderen Anlass. Und auch wenn die Kundschaft etwas abgenommen hat, hält die Leidenschaft der Costas für die Keramik unvermindert an. «Wir geniessen das Privileg, an einem wunderbaren Ort zu leben und keine Routinearbeit verrichten zu müssen», sagt Gian Luigi. Jedes Keramikobjekt sei ein Unikat, hergestellt in klarer Arbeitsteilung: Er steht an der Töpferscheibe, sie ist für die malerische Gestaltung zuständig. Gern würden die beiden ihre Leidenschaft weitergeben. An die nächste Generation. Vielleicht wird ja Alessandro, ihr Enkel, dereinst das künstlerische Erbe seiner Grosseltern antreten. > Die Familie Costa ist privat wie auch mit ihrer Unternehmung bei ÖKK versichert. Weitere Informationen und Verkauf unter www.ceramiche.ch


Die gemeinsame Liebe zur Keramik verbindet Gian Luigi und Raffaella seit 33 Jahren.


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ÖKK Magazin 3/2012