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Wer ist

Studierendenvertreter_in?

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Ziel des Gender Reports ist es, erstmals ein Screening der Geschlechterverhältnisse der Studierendenvertreter_innen der Hochschüler_innenschaft an der Uni Wien (im Folgenden kurz ÖH Uni Wien) vorzunehmen – doch wer zählt eigentlich als Studierendenvertreter_in? Die rechtliche Bestimmung darüber findet sich im Hochschüler_innenschaftsgesetz (HSG). Laut HSG trifft die Bezeichnung „Studierendenvertreter_in“ auf folgende Personen zu:

> Alle Mandatar_innen der verschiedenen Ebenen der ÖH – in diesem Fall also die Mandatar_innen der Studien-, Fakultäts- und Zentrums- sowie der Universitätsvertretung; dazu gehören laut HSG auch jene Personen, die bei Nicht-Durchführbarkeit von Wahlen für ein Organ für die Erledigung von dessen Aufgaben bestellt werden.

> Die von der ÖH entsandten Vertreter_innen „in staatliche Behörden, universitäre Kollegialorgane und […] in Kollegialorgane der Bildungseinrichtung sowie deren Kommissionen und Unterkommissionen und in internationale Studierendenorganisationen“. In dieser Bestimmung sind also auch alle in ein Uni-Gremium oder eine Kommission (beispielsweise den Senat oder Berufungskommissionen) entsandten Studierenden eingeschlossen.

> Die Referent_innen, stellvertretenden Wirtschaftsreferent_innen und die Sachbearbeiter_innen (diese gibt es nur auf der Ebene der Universitätsvertretung).

> Entsandte Vertreter_innen in die Organe der Wirtschaftsbetriebe der ÖH, wenn sie Studierende sind (an der ÖH Uni Wien ist dies beispielsweise der Aufsichtsrat der facultas Verlags- und Buchhandels AG). 31


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Anhand dieser gesetzlichen Regelungen haben auch wir festgelegt, welche Personen überhaupt Eingang in den vorliegenden Report finden. Was genau wir geprüft haben, ist aber über die gesetzlichen Bestimmungen auch davon abhängig, ob eine valide Datengrundlage für eine Zählung überhaupt vorliegt. Gerade was Letzteres betrifft mussten wir schnell eingestehen, dass viele Tätigkeiten von Studierendenvertreter_innen nur spärlich dokumentiert sind bzw. nicht über einen längeren Zeitraum lückenlos nachverfolgt werden können. Aus diesem Grund beschränken wir uns in diesem Report gewissermaßen auf die „hard facts“, also Studierendenvertreter_innen in Bereichen, in denen eine verlässliche und durchgehende Datenbasis zur Verfügung steht:

> Alle Mandatar_innen auf der Ebene der Studien-, Fakultäts- und Zentrums-, sowie der Universitätsvertretung, die jeweiligen Vorsitzenden und deren Stellvertreter_innen. Außerdem solche Personen, die zur Erledigung von Aufgaben eines nicht gewählten Organs eingesetzt werden.

> Alle Kandidat_innen bei den Wahlen der Studienvertretungen und die in den Wahlvorschlägen der Fraktionen bei den Wahlen der Universitätsvertretung enthaltenen Personen.

> Alle Referent_innen und Sachbearbeiter_innen auf der Universitätsvertretung der ÖH Uni Wien.

> Alle Studierenden, die in die Gremien Senat, Curricularkommission und Rechtsmittelkommission entsandt wurden, sowie Mitglieder von Berufungs- und Habilitationskommissionen. 33


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> Als Wirtschaftsbetrieb der ÖH Uni Wien ist nur die facultas Verlags- und Buchhandels AG zu nennen, die entsandten Vertreter_innen in den Aufsichtsrat sind allerdings im gesamten Beobachtungszeitraum keine Studierenden mehr – dementsprechend fallen sie nicht mehr unter die Bezeichnung Studierendenvertreter_in und werden daher in diesen Report nicht aufgenommen.

Es ist uns an dieser Stelle ein großes Anliegen, darauf aufmerksam zu machen, dass die Arbeit insbesondere in Studien-, Fakultäts- und Zentrumsvertretungen oftmals nicht einzig durch den vom HSG als „Studierendenvertreter_innen“ festgelegten Personenkreis geleistet wird. Dass formale Positionen (wie z.B. das Ausüben eines Mandates) besetzt werden, muss nicht zwangsläufig auch einen Aufgaben- und Tätigkeitsbereich widerspiegeln. In vielen Fällen bestehen beispielsweise Studienvertretungen aus einer großen Gruppe von Menschen, die sich allesamt an der Erledigung von Aufgaben, der internen Entscheidungsfindung oder der Beratung von Studierenden beteiligen, auch wenn sie keine „formalen Positionen“ ausfüllen und damit laut HSG auch nicht als „Studierendenvertreter_innen“ gelten. Nichtsdestotrotz haben die genannten „formalen Positionen“ selbstredend eine repräsentative Funktion und sind für die jeweiligen Personen mit Prestige und verschiedenen Vorteilen (beispielsweise dem Senken der Anwesenheitspflicht in Lehrveranstaltungen, eine mögliche Verlängerung der Bezugsdauer für Studienbeihilfe etc.) verbunden. Zwar wird die Arbeit auf allen Ebenen der ÖH nicht ausschließlich von dem in diesem Report berücksichtigten Personenkreis geleistet und somit nicht umfassend widergespiegelt, jedoch macht der Status als „Studierendenvertreter_in“ eben doch den „kleinen Unterschied“ aus. Umso interessanter ist daher die Frage, ob das Geschlecht einen Einfluss auf die Möglichkeit hat, in den Genuss solcher Funktionen zu kommen. 35

Studivertreterin  
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