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WHITEPAPER Finanzierung & Steuern Analysen, Thesen, Aufgaben

Ă–sterreichische Hoteliervereinigung Die freie Interessenvertretung


Editorial Ihre Finanzierung optimieren Was heute noch gilt, kann morgen schon Geschichte sein. Doch in einem Bereich hinkt das Recht der Realität deutlich hinterher: in der Finanzierung und vor allem in der Besteuerung. Hier gibt es nur eine Konstante – steigende Belastungen. Hier legen wir Ihnen in kompakter Form einen Überblick darüber vor, was derzeit wichtig ist und was Sie und wir beachten sollten im Bereich Finanzierung und Steuern – von der Diskriminierung der Hotellerie und steigenden Abgaben und Steuern im Mitarbeiterbereich bis hin zu veralteten Abschreibungsregelungen und Steuern, die Übergaben und Betriebsaufgaben und damit eine kundengerechte Neuordnung des Marktes verhindern. Die vorliegende Analyse entstand in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftstreuhand- und Steuerberatungskanzlei Prodinger & Partner. Ergänzt mit Beiträgen namhafter Experten mit ausgewiesenem Wissen um die Situation und den Anforderungen der Branche, zeigt diese Handlungsbedarf auf und bietet Lösungsansätze. Wir präsentierten Ihnen eine Mischung bewährter und innovativer Ansätze. Im Vordergrund steht weniger die Systematik als vielmehr der Endzweck: weniger Kosten, mehr Nutzen. „Der Weg ist das Ziel“ kann hier nicht gelten. Wir wollen einzig und allein Ihre Finanzsituation optimieren.

Thomas Reisenzahn Generalsekretär der Österreichischen Hoteliervereinigung

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Inhalt Überblick

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Aufgabenfelder

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ENERGIEABGABENVERGÜTUNG

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ENERGIEEFFIZIENZGESETZ

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ORTSTAXEN

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AUFLÖSUNGSABGABE

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PAUSCHALBESTEUERUNG FÜR AUSHILFEN

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MITARBEITERWOHNUNGEN

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ABSCHREIBUNGEN

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BETRIEBSAUFGABE

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ALL INCLUSIVE-ERLASS

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FLUGABGABE

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Expertenbeiträge

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Immobilienertragssteuer: Unternehmer als Gewinner? Prof. Dr. Karl Bruckner

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Stärkung der Liquidität und des wirtschaftlichen Eigenkapitals von KMU: Schluss mit der Bevorzugung von Banken auf Kosten der Hotellerie Mag. Stefan Rohrmoser

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Finanzierung auf neue Beine stellen: Tourismusanleihe

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Überblick

Die Finanzierung der österreichischen Top-Hotellerie Österreichs Tourismusbetriebe geraten zunehmend unter Druck. Die im Unternehmensreorganisationsgesetz vorgeschriebene Eigenkapitalquote von 8 % erreichen laut Österreichischer Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) nicht einmal mehr die besten Betriebe: 2011 lag der Durchschnittswert für die 4- und 5-Sterne-Hotellerie gerade einmal bei 7,1 %. Die 3-Sterne-Betriebe liegen bei 3,7 %. Auch bei der Entschuldungsdauer überschreiten die Betriebe im Durchschnitt den vorgeschriebenen Grenzwert von 15 Jahren. Das verdeutlicht den besonders hohen Stellenwert der optimalen Finanzierung für die Branchenbetriebe. Die Gegenüberstellung von GOP (Gross Operating Profit, Geldmittel aus seiner operativen gewöhnlichen betrieblichen Tätigkeit vor Abzug von Zinsen, Mieten etc.) und Kostenentwicklung in wichtigen Bereichen zeigt, wie sehr die Betriebe unter Druck geraten. Laut aktuellster ÖHT-Bilanz liegt das EGT der Betriebe im Median bei 2,44 %. Zusätzlich erschwert wird die Situation durch den zunehmenden Wettbewerb, der zu oft über den Preis ausgetragen wird, und durch schwierige Rahmenbedingungen, wie internationale Vergleiche belegen.

Hoteldichte – Anzahl Hotelzimmer pro 100 Einwohner 2009

Malta 4,9

Österreich 3,5 Hotelzimmer pro 100 EW

Island 2,8 Zypern 5,6

Griechenland 3,3

Spanien 1,9 Italien 1,8

Barbados 2,3

Bulgarien 1,8

Schweiz 1,7

DE 1,1 FR 1,0

Österreich hat im internationalen Vergleich einen besonders hohen Anteil an gewerblichen Gästebetten – nur in Zypern und Malta liegt er höher.

GB 1,0

Quelle: WWF, Travel und Tourismus Competitiveness Report, Roland Berger Quelle: WWF, Travel und Tourismus Competi tiveness Report, Roland Berger

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Steuersätze im internationalen Vergleich 70 andere Arbeit Profit

60 50 40 30 20 10

Italien

Estland

Frankreich

Belgien

Österreich

Ungarn

Schweden

Slowakei

Tschechien

Deutschland

Rumänien

Griechenland

Polen

Litauen

Portugal

Niederlande

Spanien

Finnland

Lettland

Slowenien

Großbritannien

Bulgarien

Irland

Dänemark

Zypern

Luxemburg

0

Quelle: PwC Paying Taxes 2012 Quelle: PwC, Paying Taxes 2012

Die Wettbewerbssituation sowohl auf der volkswirtschaftlichen als auch auf der betriebswirtschaftlichen Ebene kann durch eine einzige Maßnahme stark und nachhaltig verbessert werden: Indem Investitionen in das bestehende Angebot statt neuer Betten forciert werden. Denn hier besteht Handlungsbedarf: Sinkende Betriebsergebnisse und hohe Finanzierungskosten verhindern Investitionen, obwohl laut ÖHT pro Jahr 3,5 Mrd. Euro investiert werden müssen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu halten.

Hotel-Investitionen: steter Rückgang

50,0%

65,0%

60,8%

52,9% reduziert planmäßig erhöht

44,7% 36,5% 29,7% 25,0%

10,6% 5,3% 2009

2010

10,0%

2011

9,5%

2012

Quelle: ÖHV inside

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Beschäftigungsmotor 4- und 5-Sterne-Hotellerie

190.000 185.000

139%

Beschäftigte Beherbergung & Gastronomie Auslastung 4-/5-Sterne Betriebe 4-/5-Sterne Betten 4-/5-Sterne

180.000 175.000 170.000

132,6%

165.000 160.000 155.000 150.000

49,1%

145.000 140.000

2001

2002

2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

Quelle: Statistik Austria, Hauptverband der Sozialversicherungsträger Quelle: Statistik Austria, Hauptverband der Sozialversicherungsträger

Die Zahl der Betriebe stieg zuletzt stark, die Auslastung ging zurück.

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Aufgabenfelder

Die Streichung der ENERGIEABGABENVERGÜTUNG kommt Dienstleister teuer:

ÖHV geht gegen Diskriminierung der Hotellerie vor Weil die Energiepreise in Österreich vollkommen überhöht sind, bietet die Bundesregierung Unternehmern die Möglichkeit, einen Teil der Abgaben rückerstattet zu bekommen. Doch nun wird die Hotellerie von der Regierung eklatant und vollkommen willkürlich benachteiligt: Ohne Grund haben Dienstleistungsbetriebe seit Februar 2011 kein Recht mehr auf die so genannten Energieabgabenvergütung. Beschlossen wurde dieses Gesetz mit allen Stimmen der Regierungsparteien. Die Auswirkungen auf die Betriebe sind enorm, die Verluste gegenüber den Budgets gehen in den sechsstelligen Euro-Bereich. Insbesondere Thermenhotels sind massiv davon betroffen, aber auch andere Betriebe mit hohen Heiz- und Stromkosten. Die ÖHV unterstützt drei Betriebe inhaltlich, organisatorisch und finanziell bei einer Beschwerde vor dem Verfassungsgerichtshof (VfGH) und koordiniert im Hintergrund – als Ergebnis einer intensiven und über einen längeren Zeitraum laufenden Informationskampagne – gleichlautende Klagen aus der Branche, um den Hoteliers zu ihrem Recht zu verhelfen. Knackpunkt dabei ist die sachlich nicht gerechtfertigte Ungleichbehandlung von Dienstleistern gegenüber produzierenden Betrieben: Denn nachgewiesenermaßen steht die Hotellerie noch viel stärker im internationalen Wettbewerb als etwa das produzierende Gewerbe: Während die Wertschöpfung der Gewerbebetriebe zu nicht einmal 10 % im Ausland stattfindet, stammen zwei von drei Gästen aus einem anderen Land als Österreich.

WERDE H C S E B USTER ! ÖHV-M M VFGH E D R O V

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Aufgabenfelder

ENERGIEEFFIZIENZGESETZ:

Anforderungen der Hotellerie berücksichtigen! Laut ÖHT stieg der Energieaufwand für 4- und 5-Sterne-Hotels in den letzten Jahren kontinuierlich an. 2011 schlug sich die Aufwandsposition mit 5,43 % nieder. Jeder weitere Anstieg ist als Mehrbelastung im internationalen Wettbewerb mit Konkurrenten aus Billiglohnländern zu vermeiden. Daher muss jede weitere Belastung vermieden werden. In jedem Fall muss die EU-Energieeffizienzrichtlinie so umgesetzt werden, dass die Belastungen für die Hotellerie niedrig ausfallen. Dem vorliegenden Entwurf für das Energieeffizienzgesetz zufolge sollen 8 Mio. Euro, durch erhöhte Energieabgaben eingenommen und als Förderung zur Hebung der Energieeffizienz ausgeschüttet werden. Vergeben werden die Förderungen nach dem Prinzip „First come, first served“, was Saisonbetriebe, aber auch KMU ohne Spezialisten für Finanzierung und Förderung benachteiligt. Die Verpflichtung zur Energieberatung ist ein massiver Eingriff in die unternehmerische Freiheit und eine marktwirtschaftlich nicht vertretbare Förderung von Energieberatern auf Kosten der Unternehmer. In Tourismusregionen gibt es zu wenig Energieberater mit Branchenwissen. Branchenvertreter im Energiebeirat sind dringend notwendig. Geklärt muss werden, wann die Verpflichtung zur Umsetzung einer Maßnahme entfällt, weil die Kosten zu hoch sind und die laut Unternehmensreorganisationsgesetz vorgeschriebenen Werte für Eigenmittelquote und Schuldentilgungsdauer verfehlt werden.

ise giepre r e n e e hÖher hindern! ver

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Aufgabenfelder

ORTSTAXEN, ABGABEN und GEBÜHREN:

Der Tourismus ist nicht der Messias der Föderalismuskassen Viele Städte und Gemeinden können ihre Ausgaben nicht mehr finanzieren und erhöhen daher die Belastungen für Unternehmen. Hotels, in vielen Fällen wirtschaftlicher Motor der Region, erwecken im Vergleich zu Gewerbebetrieben durch ihr in Szene gesetztes Äußeres den Eindruck eines finanziellen Überflusses – wenn auch das Gegenteil der Fall ist. Niederösterreich gab 2010 mit Verdoppelung der Ortstaxen den Startschuss für eine Reihe von Erhöhungen: Das Tourismusgesetz wurde ohne Einbindung der Branche über Nacht novelliert. Ähnlich 2011 im Burgenland, wo es der ÖHV zu verdanken war, dass der Prozess rechtzeitig bekannt wurde. Die ÖHV hielt unmissverständlich fest, dass Erhöhungen für touristische Verwendungen zweckgewidmet werden müssen. Kurz beschloss der Wiener Landtag, dass nach einer Reihe von Gebührenerhöhungen etwa für Wasser, Abwasser oder Müll und der Verdreifachung der U-Bahnsteuer die Ortstaxe durch gleichzeitiges Anheben von Steuersatz und Berechnungsgrundlage mit Jahresbeginn 2013 um ein Drittel erhöht wird. Die ÖHV hat die betriebswirtschaftlichen Effekte aufgezeigt, eine Änderung ist noch möglich. Vorgezeigt, wie man es richtig macht, haben Salzburg, Tirol und Kärnten, wo die Politik die Branche insbesondere in die Entscheidung um die Mittelverwendung einbindet. Klar sein muss in jedem Fall, dass viele Hotels – von der Politik schon vielfach als Melkkuh missbraucht – durch derartige nicht durchdachte Mehrbelastungen faktisch auf die Schlachtbank geführt werden. Wie sich das auf die Milchleistung auswirkt, ist bekannt.

STATT G N U T TAL MITGES ELASTUNG! MEHRB

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Aufgabenfelder

AUFLÖSUNGSABGABE:

Gemeinsam das Schlimmste verhindert So alt wie die Spitzenplätze Österreichs im internationalen Vergleich der Lohnnebenkosten sind die Versprechen, diese zu senken. Vom Jahrhundertmodell der „ökosozialen Marktwirtschaft“ wurde immer nur die Erhöhung der Energiepreise umgesetzt. Die Senkung der Arbeitskosten kam nie zustande. Im Gegenteil wird mit Jahresbeginn 2013 die so genannte „Auflösungsabgabe“ eingeführt. Eingehoben werden 110 Euro zum Zeitpunkt der Beendigung eines Arbeitsverhältnisses. In der ursprünglichen Version sollte auch die Auflösung von bis sechs Monate befristeten Verträgen bestraft werden. Damit wären ganze Tourismusregionen, die ohnehin schon durch kurze Saisonen unter besonderem wirtschaftlichem Druck stehen, weiter belastet worden. Nur der gemeinsame Einsatz von Wirtschaftskammer und ÖHV hat dies verhindert.

Arbeitsmarktpolitisch ist die Maßnahme in mehrfacher Hinsicht kontraproduktiv: • • • • • • •

Die Saisonverlängerung wird bestraft und gestört. Besonders belastet werden Dienstleistungsbetriebe. Die weitere Erhöhung der Lohnnebenkosten belastet Arbeitgeberbetriebe. Höhere Lohnnebenkosten erschweren die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Die Ansiedlung von Arbeitgeberbetrieben wird erschwert. Das Auslagern von Arbeit wird attraktiver gemacht. Geringfügige Beschäftigung wird forciert.

Die ÖHV lehnt die Erhöhung der Lohnnebenkosten ab. Die Auswirkungen dieser Abgabe auf den Tourismus belasten die Betriebe zusätzlich. Eine Hochrechnung ergibt Mehrkosten von etwa 30 Mio. Euro. Ein adäquater Gegenwert ist nicht erkennbar. Maßnahmen, die zu einer Verlängerung der Beschäftigungsdauer im Tourismus zwischen 2004 und 2010 um 12 Tage geführt haben, werden dadurch konterkariert.

DAS SCHLIMMSTE VERHINDERT!

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Aufgabenfelder

PAUSCHALBESTEUERUNG FÜR AUSHILFEN: Geringfügige Beschäftigung auch für Saisonbetriebe voll nutzbar machen:

Aushilfstätigkeiten zeitlich flexibler gestalten Wer geringfügig beschäftigt ist, darf in keinem Monat die Geringfügigkeitsgrenze beim Verdienst überschreiten. Das behindert Unternehmer und Arbeitnehmer in ihrer Flexibilität, noch dazu, wenn sich – wie im Tourismus üblich – das Arbeitsaufkommen in den Betrieben von Monat zu Monat stark ändert. Gerade Saisonbetrieben bleibt durch diese starre Regelung die sinnvolle Nutzung einer Möglichkeit genommen, die andere Betriebe zur Gänze nützen können. Die Durchrechnung auf ein Jahr nach deutschem Vorbild würde diesen Nachteil ausgleichen. Die laut gültigem Jahreshöchstbetrag (Geringfügigkeitsgrenze x 12) möglichen Stunden würden unverändert der kollektivvertraglich vorgesehenen Entlohnung unterliegen. Die Arbeitsstunden könnten aber nach vorheriger Vereinbarung frei über das Jahr verteilt werden. Die arbeitsrechtlich geregelten Ansprüche, die Meldung über die Gebietskrankenkassen sowie Abgabenregelungen für geringfügig Beschäftigte blieben davon unberührt. Der Beschäftigung soll mindestens einmal pro Monat nachgegangen, die Tätigkeit nicht länger als zwei Monate unterbrochen werden. Vermerke über bereits erhaltene Entgelte auf dem Dienstgeber-Lohnkonto könnten die Verwaltung erleichtern. Die Obergrenze für Verdienst (und Leistung) soll der gültige Jahreshöchstbetrag bilden.

R N IN DE E Z T I P UNGSS CHEN BELAST EIT AUSGLEI Z NEBEN

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Aufgabenfelder

MITARBEITERWOHNUNGEN:

Zeitgemäß & steuerfrei Wohnen in der Saison! Dienstwohnungen für Mitarbeiter sind normalerweise gemäß § 15 Abs. 2 EStG 1988 als Lohn bzw. Gehalt zu versteuern. Bis 2012 gab es in diesem Zusammenhang viele Zweifelsfragen und bei Prüfungen wurden Betriebe teils sehr unterschiedlich behandelt. Nun kommt es mit einer neuen Verordnung in § 2 Abs. 7a der Sachbezugswerteverordnung zu einer Regelung, die aus Sicht des Tourismus mehr als willkommen ist. Bei Unterkünften in der Nähe des Hotels (wobei die Ausstattung keine Rolle spielt) bis 30 m2 Nutzfläche wird kein Sachbezug verrechnet. Gemäß dem Entwurf gilt dies auch für Ganzjahresbetriebe. Sollte die Größe der Unterkunft (Wohnung, Zimmer bzw. Appartement) zwischen 30 und max. 40 m2 angesiedelt sein, gibt es für Saisonbetriebe eine Ermäßigung der Steuer durch einen Abschlag von 35 % des Nutzungswertes. Bei diesen größeren Wohnungen muss auch das Dienstverhältnis jedes Jahr für mehr als 30 Tage unterbrochen sein. Misst die Wohnung mehr als 40 m2, ist der volle Sachbezug zu versteuern. Dadurch konnte erreicht werden, dass den Mitarbeitern zeitgemäße Wohnungen ohne steuerliche Nachteile zur Verfügung gestellt werden. Alle Fälle, bei denen es vor Inkrafttreten der oben angeführten Änderung zu Beanstandungen gekommen ist, sollten neu ausverhandelt werden: Hierbei gilt es auf alle Fälle Rechtssicherheit durchzusetzen.

ü

G ELLUN T S R A KL HT! ERREIC

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Aufgabenfelder

ABSCHREIBUNGSDAUER anpassen:

Wirtschaftliche Investitionen ermöglichen! Um die Wettbewerbsposition zu halten, müssen Österreichs Tourismusbetriebe im Jahr 3,5 Mrd. Euro investieren. Doch 29,7 % der Hoteliers reduzieren ihre Investitionen, nur 9,5 % erhöhen sie. Ein Grund dafür ist die 33-jährige Abschreibungsdauer. Sanitäranlagen oder Wellnessbereiche werden nach spätestens 15 Jahren erneuert. Daher muss, wie in der Tourismusstrategie empfohlen, die Abschreibungsdauer der Nutzungsdauer angeglichen werden. Unabhängig von der Branche soll für Gebäudeteile durch Gutachten eine der Funktion entsprechende Abschreibungsdauer festgelegt werden können. Eine Alternative dazu wäre, die Adaptierung von Gebäudeteilen mit eigener Funktion als Reparatur sofort abschreiben zu können. Für Verlustbetriebe wären Prämien in der Höhe von 6 bis 8 % des Investitionsvolumens notwendig. Dadurch würde der Betrieb im Jahr der Investition mit dem tatsächlichen Aufwand belastet und ein periodengerechter Gewinn versteuert. Das Eigenkapital würde richtig ausgewiesen, die Bilanz ein wahrheitsgetreues Bild der Vermögens- und Ertragslage zeigen. Die Hotels selbst, aber auch die Region, der Bundeshaushalt und das regionale Gewerbe würden von mehr Investitionen profitieren.

N TEUER E! S E N I N KE GEWIN N I E H C AUF S

Hoteliers vergeben 80 % ihrer Investitionen im Umkreis von 90 km.

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Aufgabenfelder

BETRIEBSAUFGABE:

Marktbereinigung nicht weiter verhindern! Österreich hat nach den atypischen Staaten Malta und Zypern die höchste Hotelzimmerdichte der Welt. Ein Teil der Betriebe (jene, die keine marktüblichen Preise erzielen) könnte leicht aus dem Markt genommen werden. Denn sie erzielen zu geringe Einnahmen, um Investitionen finanzieren zu können, was zu weiteren Qualitätsverlusten führt. So setzen sie Hotels in der ganzen Region unter Druck. Doch eine Betriebsaufgabe können sich die Inhaber nicht leisten, da die Steuern die Einnahmen übersteigen. In solchen Fällen streben Eigentümer die Steuerfreiheit auf Stille Reserven mit Erreichen des 60. Lebensjahres an. Schon lange bevor diese Lösung in greifbare Nähe rückt, werden Investitionen für den Betrieb weniger attraktiv – womit er weiter an Qualität und Substanz verliert. Der flächendeckende Rückgang der Zimmerpreise kommt die Volkswirtschaft teuer: Weniger Dynamik bis hin zu Arbeitsplatzverlusten in der Hotellerie, ein Investitionsrückgang, geringere Steuereinnahmen. Dem stünde als Aufwand der Steuerentfall in den betroffenen Übergabefällen sowie gegebenenfalls ein längerer Pensionsbeziehungszeitraum für Einzelpersonen gegenüber. Positiv würde sich neben einem Anstieg des Preisniveaus und der Steuereinnahmen bei gleichem Nächtigungsaufkommen die alternative Nutzung der Gebäude als Altersheim, Jugendstartwohnheim oder Mitarbeiterunterkunft auswirken.

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R ATZ FÜ S R E U TE EBER! HALBS G F U A S B BETRIE

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Aufgabenfelder

ALL INCLUSIVE-ERLASS:

Veraltete Regeln an den Markt anpassen Je besser ein Gast bedient wird, umso zufriedener ist er. Dieses simple unternehmerische Credo stößt aber an gesetzliche Grenzen. Denn wer den Gast schon bei der Angebotserstellung optimal ansprechen will, wird von steuerrechtlichen Richtlinien und Gewerbeordnung eingeengt: Packages selbst zu vermarkten wird durch das Gewerberecht erschwert und dadurch, dass unterschiedliche Steuersätze auf all inclusive angebotene Leistungen angewendet werden müssen. Den Preis nach Steuersätzen aufzuschlüsseln ist aber eine fast unlösbare Aufgabe, da dies auch für nicht im Betrieb erbrachte Zusatzleistungen gilt.

Derzeit können „regelmäßig damit verbundene Nebenleistungen“ mit 10 % besteuert werden. Diese werden charakterisiert durch: • untergeordnete Bedeutung zur Hauptleistung • engen konkreten Zusammenhang mit der Hauptleistung und • übliches Vorkommen. Zeitgemäßer wäre • ein geringerer Preis als der für die übliche Halbpension, • die Abrechnung in einem Paket das • nicht nur einmalig, sondern laufend angeboten wird. Eine Klarstellung dieser Rechtsansicht in den Umsatzsteuerrichtlinien würde genügen.

UFWAND VERWALTUNGSA SENKEN!

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Aufgabenfelder

FLUGABGABE:

Anreise nicht behindern! Um die Kosten der Wahlkampfversprechen, die den Staat massiv belasten, zu kompensieren, hat die Bundesregierung nicht nur die Energieabgabenvergütung gestrichen, sondern auch eine Flugabgabe eingeführt: Mehrkosten, die das Reisebudget belasten. Eingehoben werden je Passagier 8, 20 bzw. 35 Euro für Kurz-, Mittel- bzw. Langstreckenflüge. Nun soll die Abgabe für die Kurzstrecke um einen, die für die Mittelstrecke um 5 Euro gesenkt werden. So löblich es ist, Fehler zuzugeben und zu korrigieren, so sehr sind die Maßnahme an sich und die Durchführung in Frage zu stellen: Die vorgeblich angepeilten ökologischen Lenkungseffekte sind selbstverständlich ausgeblieben, die Mehrbelastung fiel weit stärker aus, als geplant, zumal die als Ziel angegebenen Mehreinnahmen in der Höhe von 90 Mio. Euro pro Jahr bei weitem übertroffen wurden. Die Anreise per Flugzeug sollte forciert werden, nicht behindert: Während in die Schweizer Gäste zu 27,4 % mit dem Flugzeug anreisen, sind es in Österreich gerade einmal 6 %. Den Erfahrungen mit einer Flugabgabe der Niederlande – ein Paradebeispiel für Auswirkungen einer nationalen Reisesteuer – zufolge würde dieser Anteil noch sinken. Dort wurde 2008 eine Flugabgabe eingeführt und 2009 wieder abgeschafft. Massive Passagier-Abwanderungen ins benachbarte Ausland und Einnahmenausfälle von 1,3 Mrd. Euro standen Steuereinnahmen von 300 Mio. Euro gegenüber. Die International Air Travel Association schätzt, dass eine komplette Rücknahme der Abgabe zu einem Anstieg internationaler Passagiere um 2,7 % führen würde sowie im Folgejahr zu einem BIP-Anstieg von 106 Mio. Euro, 1700 Arbeitsplätze und SteuerMehreinnahmen in der Höhe von 48 Mio. Euro

NKUNG E S E T ERS HT! ERREIC

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Expertenbeiträge

IMMOBILIENERTRAGSSTEUER:

Unternehmer als Gewinner? Ab 1.4.2012 unterliegen Gewinne aus privaten Liegenschaftstransaktionen unabhängig von der Besitzzeit generell einem Sondersteuersatz von 25% (bisher Besteuerung in den ersten 10 Jahren als Spekulationsgewinn mit bis zu 50% und völlige Steuerfreiheit ab dem 11. Jahr). Diese 25%-Besteuerung gilt auch für Grundstücke, die sich im Betriebsvermögen einkommensteuerpflichtiger Unternehmer (Einzelunternehmer, Personengesellschaften) befinden, was im Einzelfall erhebliche Steuervorteile bringen kann. Generell wurden bisher Gewinne aus der Veräußerung von betrieblichen Liegenschaften mit bis zu 50% ESt besteuert. Ausnahme: Bei Land- und Forstwirten, Freiberuflern und nicht buchführungspflichtigen Kleinunternehmern (Umsatz unter 700.000 Euro) war der auf den nackten Grund und Boden entfallende Veräußerungsgewinn nach Ablauf der zehnjährigen Spekulationsfrist steuerfrei. Mit der neuen Immobilienbesteuerung ist dieses Steuerprivileg zwar gefallen, dafür werden ab 1.4.2012 Gewinne aus betrieblichen Grundstücksveräußerungen – von bestimmten Ausnahmen (zB Grundstückshändler) abgesehen – eben nur mehr mit 25% besteuert. Dies ist vor allem ein Vorteil für alle buchführungspflichtigen Unternehmer, welche ihre Grundstücksgewinne bisher mit bis zu 50% versteuern mussten.

Für Grund und Boden gibt es überdies weitere steuerliche Vorteile: • Der Veräußerungsgewinn kann ab dem 11. Besitzjahr um 2% Inflationsabschlag gekürzt werden. • Ab 1.4.2012 auch mit Grund und Boden steuerpflichtige Land- und Forstwirte, Freiberufler und Kleinunternehmer können den Veräußerungsgewinn von Grund und Boden, der am 31.3.2012 nicht steuerhängig war („Altvermögen“), pauschal mit 3,5% des Kaufpreises versteuern.

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Ein weiterer Vorteil: Wenn ein Unternehmer eine Betriebsliegenschaft ins Privatvermögen entnimmt, musste er bisher die stillen Reserven ebenfalls mit bis zu 50% versteuern. Ab 1.4.2012 ist die Entnahme von Grund und Boden steuerfrei, da die 25%-Besteuerung erst bei einem späteren Verkauf im Privatbereich zuschlägt. Nur stille Reserven im Gebäudewert werden – wegen der besonderen steuerlichen Behandlung von Grundstücken im betrieblichen Bereich (zB kürzere Nutzungsdauern, Möglichkeit außerordentlicher Abschreibungen) – schon bei der Entnahme mit 25% besteuert. Diese Besteuerungsgrundsätze gelten auch für die Betriebsaufgabe (Betriebsschließung), bei der ja sämtliche betrieblichen Liegenschaften ins Privatvermögen überführt werden. Auch da findet eine Besteuerung der stillen Reserven erst bei einer späteren Veräußerung statt. Die neue Grundstücksbesteuerung bringt zusammenfassend gesehen daher zwar insgesamt eine höhere Steuerlast (vor allem für Private und die öffentliche Hand), andererseits aber auch eine Gleichstellung bei der Besteuerung von Veräußerungsgewinnen im Betriebs- und im Privatvermögen und insofern auch einen Schritt zu mehr Steuergerechtigkeit. Profitieren werden davon vor allem auch Hotel- und Gastronomiebetriebe mit einem großen Liegenschaftsbesitz.

Prof. Dr. Karl Bruckner Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, BDO Austria GmbH

Nur wenige Tage nach Erhalt dieses Artikels ereilte uns die traurige Nachricht vom Tod Dr. Bruckners. Mit ihm hat die ÖHV einen wertvollen Freund und Fachmann verloren, welcher sich durch hohe Expertise und vor allem persönliches Engagement für den Tourismus über Jahre hinweg ausgezeichnet hat.

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Expertenbeiträge

Stärkung der Liquidität und des wirtschaftlichen Eigenkapitals von KMU:

Schluss mit der Bevorzugung von Banken auf Kosten der Hotellerie Hoteliers haben hohes Interesse daran, die Eigenkapitalquote ihres Betriebs zu erhöhen. Dazu sollen Mittel aus dem Privatvermögen – insbesondere Geldvermögen – den Betrieben zugeführt werden. Der Grund für dieses vermehrte Interesse liegt einerseits in den verschärften Vorschriften für Kreditverträge von Banken, aber auch andererseits daran, dass dem Finanzmarkt nicht mehr zu 100 % vertraut wird. Diese Maßnahmen sind betriebswirtschaftlich und volkswirtschaftlich zumeist sinnvoll.

Steuerlich sind diese Vorgänge allerdings noch immer massiv benachteiligt: Das liegt daran, dass Zinsen, die für die Hingabe verlangt werden, der vollen Einkommensteuerprogression unterliegen und damit mit bis zu 50 % versteuert werden, entweder als Vorweggewinn in der Personengesellschaft oder als Einkünfte aus dem Kapitalvermögen bei einer Kapitalgesellschaft. Die Besteuerung von Zinseinkünften unterliegt dagegen seit Jahren dem Prinzip der KESt von 25 %, die sich auch bewährt hat – allerdings nur, wenn dem ein Bankgeschäft zu Grunde liegt. Um dem Nachteil der vollen Besteuerung zu entgehen, muss der Unternehmer, der die Liquidität seines Betriebs direkt und einfach erhöhen könnte, also den Umweg über eine Bank gehen, um von der Besteuerung mit der KESt von 25 % zu profitieren. Die Geldeinlage bei der Bank wird dann mit ebendiesem KESt-Satz von 25 % versteuert, die Bank vergibt dann einen Kredit an das Unternehmen. Die direkte Zinsenzahlung vom Unternehmen an den Gesellschafter bzw. Eigentümer ist somit steuerlich benachteiligt.

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Wir verlangen, dass diese Benachteiligt abgeschafft wird, da diese ausschließlich eine Bevorzugung von Banken auf Kosten der Unternehmer ist. § 27a (2) Z 1 EStG gehört daher abgeschafft weil er volkswirtschaftlich veraltet ist. Dann greift § 27a (1), der die KESt-Besteuerung vorsieht. Nur so wird es gelingen, die österreichischen KMU wirtschaftlich sinnvoll zu stärken für die Krisenzeit.

Mag. Stefan Rohrmoser PRODINGER & PARTNER

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Expertenbeiträge

Finanzierung auf neue Beine stellen:

Die Tourismusanleihe von Hypo Salzburg und GFB & Partner Unternehmensberatung Als große Belastung in der Krise entpuppt sich eine Vorgangsweise, die den Sinn eines Leitindex in Frage stellt – wenn sich die Belastung für Kreditnehmer nämlich trotz sinkender Leitzinsen nicht ändert, weil im Gegenzug die Zinsaufschläge erhöht werden, wie Daten der ÖHT zeigen. Während der Euribor seit dem Vorkrisenjahr 2007 um zwei Drittel gesunken ist, wurden die Zinsaufschläge mehr als verdreifacht. Euribor sinkt – Belastung steigt 350

6%

300

5%

250

4%

200

3%

150

2%

100

1%

50 0

Zinsaufschlag in BP 3-Monats-Euribor

2007

2008

2009

2010

2011

0%

Quelle: ÖHT

Daher hat die ÖHV in Kooperation mit Hypo Salzburg und GFB & Partner Unternehmensberatung ein innovatives Finanzierungsmodell präsentiert, das eine Annäherung an Kapitalmarkt-Instrumente darstellt: eine Tourismusanleihe, die den Investoren attraktive Erträge bei ausgewiesener Sicherheit garantiert. Gewährleistet wird dies durch die Bonität ausgesuchter Top-Betriebe. Grundlage der Bonität sind der Unternehmer und sein Geschäftskonzept, wodurch traditionelle Sicherheiten entlastet werden. Die Finanzierungskosten orientieren sich an der Untergrenze der derzeit am Markt befindlichen Produkte. Ein fester Zinssatz bietet Sicherheit über die fixierte Laufzeit von acht Jahren. Zusätzlich wird die Liquidität durch Endfälligkeit massiv entlastet.

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Für das Mitwirken bedankt sich die ÖHV bei:

Mag. Gregor Hoch Rudolf Tucek Ing. Walter Veit Dr. Martin Schick Mag. Stefan Rohrmoser Dr. Michael Musz Dr. Michael Kotschnigg

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IMPRESSUM Österreichische Hoteliervereinigung, Hofburg, 1010 Wien; Tel.: +43 0(1) 533 09 52, Fax: +43 0(1) 533 70 71, office@oehv.at, www.oehv.at Für den Inhalt verantwortlich: Thomas Reisenzahn, Generalsekretär Redaktion: Martin Stanits Grafik: www.br-design.at Stand: August 2012 © Österreichische Hoteliervereinigung

Sprachliche Gleichstellung: In diesem Dokument werden nur die männlichen Formen angeführt, die weiblichen sind darin enthalten.

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