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ZNR 02Z032680 Verlagspostamt 8010 Graz Retouren an Postfach 555, 1008 Wien www.libelle.me / Juni 2015

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GESCHICHTEN, die das Leben schreibt


INHALT 04

LEITARTIKEL

Die Krux mit der Geschichte

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INTERVIEW Maria Cäsar

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ÖH

Vorsitz (10) Organisationsreferat (11) Alternativ Referat (12) Referat f. Internationales (12)

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UNI-LEBEN

Shareconomy (13) Leistungsdrogen an der KF (13) Dein Essen – auf Weltreise (14) Tattoos, die man bereut? (15)

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KATEGORIE X

EDITORIAL

Liebe Leserinnen, liebe Leser, Geschichten, die das Leben schreibt, finden wir nicht nur in Büchern. Manchmal begegnen wir ihnen auf der Straße. Erleben sie, wenn wir es am wenigsten erwarten. Und spüren sie oft stärker als uns lieb ist. Diese Ausgabe erzählt ganz unterschiedliche Geschichten. Von Altem und Neuem. Von Nostalgisch-Schönem und Erschütternd-Traurigem. Sie erzählt Geschichten von Vergänglichem und Ewigem. Von einer Widerstandskämpferin, die nie aufgegeben hat, einem Zirkusdirektor, der mit Elefanten baden ging, einem Studenten, der, um anzukommen, erst mal flüchten musste und dem theatralischen Misstrauen in die „eine“ Geschichte. Auch Geschichte: Wir. Das Chefredaktionsteam. Wir bedanken uns fürs Lesen und für die schönen Rückmeldungen! Viel Vergnügen beim Schmökern – Auf dass dieser Sommer Geschichte schreibt.

Tamara und Maximilian

Zirkus Nostalgie (16) Schön schundige Geschichten (20) Erzähl mir (k)eine, deine Geschichte (21)

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OUT OF THE BOX

Portrait (22) Freiheit zur Feindschaft (24)

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KUNST & KULTUR

Der Sommer als Umbruch (26) 10 Dinge (27) Impressum (27) Vom Misstrauen in die eine Geschichte (28)

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KOLUMNEN

Musik, Buch, Sex

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ART WORK

„Looking forward“


LEITARTIKEL

LEITARTIKEL

DIE KRUX MIT DER GESCHICHTE Wir alle haben Geschichten. Sie vermögen es, uns zu vereinen oder aber auf ewig zu trennen. Wir können aus ihnen lernen – oder sie ständig wiederholen. Über allem steht aber, dass sie, wenn wir sie richtig erzählen, das Leben erst so richtig interessant gestalten.

Vor

siebzig Jahren endete der Zweite Weltkrieg. Die Herrschaft der NationalsozialistInnen wurde in Europa beendet. Der von den Nazis verursachte Krieg, die damit verbundenen Kriegsverbrechen und der Holocaust forderten nach Angaben von HistorikerInnen bis zu 80 Millionen Menschenleben. Eine furchtbare Geschichte, auf ewig mit uns verbunden. Und das ist gut so. Wir, die Kindeskinder, finden zu Formen der Erinnerung an diese oftmals entsetzlichen Geschichten: Gedenkveranstaltungen, Mahntafeln und diverse Projekte sind dem Gedenken an Opfer von Gräueltaten und ehrenhaften Handlungen von WiderstandskämpferInnen gewidmet. Sie sollen vor allem jedweder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken. Zu behaupten, dass eine Wiederholung nicht möglich oder die Gefahr von Anfängen in diese Richtung nicht gegeben sei, wäre schlicht eine unwahre Geschichte. Tatsache ist nämlich, dass diese Gedankenströmungen nach wie vor in Österreich existieren. Daran können auch europäische Top-Events, die in Wien stattfinden, nichts ändern oder beschönigen. Mehr noch: Der Eurovision-Song-Contest zeigte bloß, wie verdorben, verlogen und falsch die Gesellschaft Österreichs im tiefsten Inneren seines sich in der Aufmerksamkeit eines Kontinents sonnenden Ichs doch ist. Während der Veranstaltung predigte man Weltoffenheit und Toleranz, erging sich in Ruhmes- und Dankesfloskeln, sah sich gerne als brückenbauendes Etwas. Bei sieben Tage später stattfindenden Wahlen in zwei Bundesländern

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präsentiert dieselbe Gesellschaft überwiegend Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus. Als große Wahlsiegerin geht nämlich jene Partei hervor, die mit garstigster Hetze gegen MigrantInnen, Religion und Vielfalt aufwartet, und dabei auf eine lange Geschichte von „unabsichtlichen“ Berührungen mit Rechtsextremismus und übelsten „Ausrutschern“ auf dem Glatteis des Nationalsozialismus zurückblicken kann.

„ Seltsam, wie schnell man von einer medial konstruierten und ohne größeren Widerstand durch die Gesellschaft getragenen ESCToleranzbotschaft auf den harten, braunen Boden der Realität zurückgeholt werden kann. “ Welch traurige Geschichte, die wir da begonnen haben zu schreiben. Ganz richtig – wir. Um Geschichten zu hören, zu lesen und zu sehen, müssen sie zuerst geschrieben, danach erzählt werden. Es liegt also wieder einmal nur an uns, wie diese

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Geschichte ausgeht, wie jede Geschichte ausgeht. Hierbei wäre es hilfreich, wenn wir denen zuhören würden, die bereits Geschichten geschrieben haben: Alten ZeitzeugInnen wie Maria Cäsar, die wir in dieser Ausgabe porträtieren, und die damals Widerstand gegen rassistisches Gedankengut leistete – und dies heute noch immer tut. Wir könnten ZeitzeugInnen wie ihr zuhören, uns von ihren Engagements etwas abschauen, von ihren großen Portionen Mut etwas abschneiden. Wir könnten aber genauso der „TäterInnen“-Generation lauschen. Jenen, die damals begeistert die Rechte hoben, die damals „für Führer, Volk und Vaterland“ gekämpft haben. Wir können aus ihren Fehlern lernen, verstehen, warum sie damals so dachten, wo bei ihnen dann ein Umdenk-Prozess in Gang gesetzt wurde – oder aber, warum sie gerade diesen einen Prozess verpassten. Wir können uns durch ihre Geschichten weiterbilden, damit die besten Voraussetzungen schaffen, unsere eigenen, zukünftigen Geschichten zu schreiben. Denn das tun wir beständig. Damit wir aber ein wirklich schönes, gutes Ende unserer Geschichten vollbringen, bedarf es doch eines offenen kollektiven Bewusstseins für Liebe, Verständnis, Weltoffenheit und Toleranz. Dann erst wird unser Leben so richtig bunt und interessant. Maximilian H. Tonsern Twitter: @BlackBertl I feuilletonsern.at


INTERVIEW

„MAN WILL DIE WELT VERÄNDERN“ Im letzten Heft porträtierten wir Josef S., einen aus unserer Generation, der Widerstand leistet. Für diese Ausgabe sprachen wir mit Maria Cäsar, geboren 1920. Sie war als Widerstandskämpferin unter dem Austrofaschismus und dem Nationalsozialismus aktiv, später engagierte sie sich als Frauenrechtlerin und überzeugte Kommunistin. Sie riskierte mehrmals ihr Leben, bereut das aber auch Jahrzehnte danach nicht.

Libelle: Frau Cäsar, Sie waren schon mit 14 Jahren in politischen Gruppierungen aktiv, zuerst bei der sozialistisch geprägten Jugendorganisation „Rote Falken“, danach beim Kommunistischen Jugendverband. Wodurch kamen Sie schon so früh mit Politik in Kontakt?

Mein Vater meinte deswegen manchmal, dass ich ein verlorener Bub gewesen bin. Zudem habe ich einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.

Maria Cäsar: Ich bin deshalb so früh zur Politik gekommen, weil ich in einem Elternhaus aufgewachsen bin, das zur damaligen Zeit den aktuellen Machtverhältnissen gegenüber sehr kritisch eingestellt war. Zudem habe ich mich für alle möglichen Sachen, die von Erwachsenen diskutiert und kritisiert wurden, interessiert.

Bei den „Roten Falken“, zur Zeit des Austrofaschismus 1934. Der Februar 1934 hat bei uns zu Hause eine große Rolle gespielt – ich war immer mit einem Ohr bei den Erwachsenen und habe verstanden, was da für eine Ungerechtigkeit passiert. Schutzbündler wurden verhaftet, zum Galgen geführt und aufgehängt. Da habe ich die

Wann wurden Sie zum ersten Mal im Widerstand aktiv?

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Rolle des Faschismus schnell erfasst. Das hat mein ganzes Leben geprägt. Was passierte dann, als Hitler 1938 Österreich zu einem Teil des nationalsozialistischen Deutschlands machte? Die „Roten Falken“ wurden aufgelöst. Ich ging zum Kommunistischen Jugendverband, die Sozialdemokraten haben sich ja nicht mehr gerührt. Da erst bekam ich ein politisches Bewusstsein. Wir waren eine ganze Gruppe in Judenburg, wo ich damals lebte, die kritisch gegenüber den vorherrschenden Verhältnissen eingestellt war.

Foto: Darius Kromoser

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Wir dachten uns: Die Gefahr eines Krieges besteht – was wird nur aus uns werden? Ich habe zum Beispiel dann Flugblätter verteilt. Auf denen stand ein Slogan: „Faschismus bedeutet Krieg, und wir wollen leben! Nicht sterben!“ Das hat für uns eine wichtige Rolle gespielt. Wir waren vielleicht damals gar nicht mal so ideologisch ausgerichtet, wir wollten nur demokratische Rechte. Wir wollten eine Demokratie, die vielfältig ist. Sie setzten sich auch gegen das nationalsozialistische Deutschland zur Wehr. Woher fassten Sie diesen Mut, gegen ein ganzes Regime tätig zu werden? Wenn man jung ist, hat man einen Geist. Man will die Welt verändern, so manches anders machen!

„ Dieser Mut, der gehört dann dazu, zum eigenen Überleben.

Mut kann man dann nur beweisen, wenn man sich in einer Situation befindet, die schwierig ist und einen fordert. Dann muss man sich entscheiden – ob richtig oder falsch, das wird sich erst später zeigen. Man muss einfach einen bestimmten Willen haben und selbstständig agieren. Das ist ausschlaggebend für eine mutige Tat. Im Mai 1939 werden Sie im Alter von 19 Jahren von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) aufgrund Ihrer Widerstandstätigkeit verhaftet. Ich war im Kiosk meiner Mutter, wo wir Obst verkauft haben. Die Herren der Gestapo kamen und sagten „Ausweis, Gesta-

po!“ Dann haben sie mich nach Hause begleitet. Meine Mutter – ich sehe das noch immer vor mir – öffnete die Türe, und ich habe gesagt: „Mama, die Herren sind von der Gestapo.“ Da wusste sie Bescheid. Ich wurde dann in den Kotter in Judenburg eingesperrt und am nächsten Tag in das Gestapo-Hauptquartier am Paulustor in Graz überstellt. Wie gestalteten sich die nächsten Monate? Ich wurde oft verhört. Sie holten mich und sagten: „Wenn du sagst, wer noch dabei war, kannst du morgen heimgehen.“ Aber ich habe kein Wort gesprochen. Dann haben sie mich wieder in die Zelle geführt. Dann haben sie gesagt: „Wenn du es nicht sagst, dann sperren wir dich in den Keller.“ Dann war ich mehrmals im Keller, bei Wasser und Brot. Aber ich habe nichts gesagt. Ist Ihnen Gewalt angetan worden? Ja. Nicht nur physisch, sondern auch psychisch, das war schrecklicher. Sie haben mich einmal geholt und gesagt: „Deine Eltern sind eingesperrt.“ Aber es bewirkte genau das Gegenteil: Ich sagte erst recht nichts. Das mit den Eltern war nur erfunden. Dann haben sie mich in das Landesgericht überstellt und verurteilt. Zum Glück war ich sehr standhaft. Das war aber nicht sehr einfach: Die Gestapo wendete viele Methoden an, um mich zum Reden zu bringen. Einmal war ich bei einem Verhör, wo ein Zeuge gegen mich aussagen sollte. Hat er aber nicht. Da bekam er eine Ohrfeige, dass das halbe Zimmer nur so geflogen ist. Sie mussten ihn wegtragen. Das zeigte mir, wie brutal der Faschismus sein kann. Nach 14 Monaten Haft wurden Sie freigelassen. Was passierte dann? Ich heiratete meinen ersten Mann, ein Sozialdemokrat, der ebenfalls in der Widerstandsgruppe war. Da kam die Gestapo aber drauf, und er musste dann stante pede einrücken, gleich an die Ostfront. Solche Sachen machte die Gestapo auch – er wur-

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de zwar nicht verurteilt, aber die Botschaft war klar. Mein Mann fiel in Kertsch, auf der Krim. Er wollte zwar gleich zur Roten Armee überlaufen, aber das ist nicht so leicht gewesen. Ich war sehr deprimiert damals, als mein Mann fiel. Ich hatte ein Kind. Das Leben wurde immer schwieriger, auch für den Widerstand. Ich beteiligte mich damals bei der „Roten Hilfe“, einer Aktion, bei der Geld für Bedürftige gesammelt wurde. Dann wurde eine Reihe von Gussstahlwerkarbeitern in Judenburg verhaftet, darunter auch einer, dem ich mit Geld geholfen habe. Mit den Anderen wurde er im Grazer Landesgericht wegen diesem Geld zum Tode verurteilt. Er nannte aber meinen Namen nicht, verriet mich nicht. So konnte ich fliehen, ins damalige Jugoslawien. Mein Kind blieb bei meiner Mutter.

„Aber ich glaube heute trotzdem, dass die Ideale, für die ich kämpfte, einen Sinn hatten. Ich glaube, dass das nicht so falsch war, was ich gemacht habe.“

Wie ging es nach dem Krieg weiter? Ich engagierte mich in der Kommunistischen Partei Österreichs, weil die KPÖ damals vieles unternahm, was meiner Meinung nach gut war. Die Sozialdemokratische Partei hat ja überall nur nachgegeben. So eine „Wischi-Waschi“-Politik war nicht gut. Lange Zeit engagierte ich mich auch beim Bund Demokratischer Frauen. Dass die Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs durchging, war letztlich eine große Leistung vor allem von uns kommunistischen Frauen. Als Kommunistin hatte man es nämlich nicht immer leicht. Wenn jemand gesagt hat, er ist ein Kommunist, dann hatte man Angst davor, dass der einen umbringt. Das ist, Gott sei Dank, in den letzten Jahren anders geworden. Als die UdSSR zusammenbrach, war das für mich dennoch ein schwerer Schlag. Meine Ideen sind zerronnen. Aber ich glaube heute trotzdem, dass die Ideale, für die ich kämpfte, einen Sinn hatten. Ich glaube, dass das nicht so falsch war, was ich gemacht habe. Maximilian H. Tonsern Twitter: @BlackBertl I feuilletonsern.at

Fotos: Darius Kromoser

Mit welchem Selbstverständnis agierte diese Gruppe?

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REFERATE DER ÖH UNI GRAZ

ÖH UNI GRAZ

Wir möchten uns daher bei allen Menschen bedanken, die in den letzten 2 Jahren die ÖH Uni Graz so konstruktiv mitgetragen und viel Zeit und Mühe in ihre Vertretungsarbeit gesteckt haben. Wir sind froh darüber, mit so engagierten StudierendenvertreterInnen zusammengearbeitet zu haben, denn ohne eure Unterstützung hätten wir es nicht geschafft, als ÖH Uni Graz so viel zu leisten. Die ÖH Uni Graz macht nun – wie alle zwei Jahre – einen Wandel durch, welcher die Vertretungsarbeit vor eine große Herausforderung stellt. Denn auch wenn es eine gute Übergabe, einzelne perso-

Foto: Johannes Hirtler

Organisationsreferat

ein letztes Mal dürfen wir uns als Vorsitzteam der ÖH Uni Graz in dieser Besetzung bei euch melden. Denn mit 30. Juni endet unsere offizielle Amtszeit - am 1. Juli übernimmt ein neues Vorsitzteam die verantwortungsvolle Aufgabe, euch zu vertreten.

Fast schon brav sind sie. Und bescheiden. So bescheiden, dass das Organisationsreferat (ORG) öffentliche Zurschaustellung seiner Großartigkeit lieber auslässt. Selbstlob stinkt. Nun denn, die Schmeichelei wird aufgezwungen.

nelle Kontinuitäten, Leitfäden und vieles mehr gibt, muss wieder viel Wissen neu aufgebaut, viele Kontakte neu geknüpft und Arbeitsabläufe neu entwickelt werden. Auch das Gruppengefüge innerhalb der ÖH muss sich wieder neu einspielen, ein neues Programm muss entworfen und durchgeführt werden. Daher bitten wir euch Studierende jetzt schon um Verständnis, bis sich das neue ÖH-Team eingespielt hat und wünschen dem Vorsitzteam schon mal alles Gute für die Zukunft. Euer (noch) amtierendes Vorsitzteam

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Florian Ungerböck Catherine Vlay Sanel Omerovic

Mitte Mai, Wahlkampf is‘: Die Sofas im zweiten Stock der ÖH sind nahezu verwaist. Wer nicht in den Büros arbeitet, wirbt am Unigelände um WählerInnen, teilt Flyer aus, diskutiert. Diesem Wahnsinn wird im Organisationsreferat kollektiv getrotzt. Man arbeitet lieber stoisch an Möglichkeiten, den StudentInnen auch im Sommersemester das Weiterkommen im Studium weitestgehend unmöglich zu machen: Also an der Organisation von Clubbings, StV-Festen und dem Getränkestand. Dieses Referat organisiert das kollektive Scheitern ganzer Jahrgänge.

Was sich spaßig anhört ist eine riesige Verantwortung und ein noch größerer Arbeitsaufwand. Es gilt, die rechtlichen Vorschriften zu kennen, gute Lieferanten zu finden, um Preise zu feilschen, für die richtige Technik zu sorgen und Formulare ohne Ende auszufüllen. Oft für viele Feste gleichzeitig und zur Not bis spät in die Nacht hinein. Das geht an die Substanz – so wundert es nicht, dass die bunte Truppe trotz Bemühungen um neues, braves Personal immer wieder auf eine eingeschworene Kerngruppe von eher praktisch orientierten Universalgenies zusammenschrumpft. Das ORG nimmt es gelassen, jemand muss ja arbeiten. Die Aufgabe des ORG war ursprünglich eher überschaubar. Bis vor einigen Jahren übernahm es vor allem die Wartung der ÖH-internen Filterkaffeemaschine. Diese Aufgabe ist nunmehr der einer zentralen

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Beschaffungs- und Organisationsinstanz gewichen, die immense Kosten einspart und die einzelnen Abläufe effektiver und transparenter macht. Und die – ab und zu – den Kaffeevollautomaten entkalkt. Es gilt, an dieser Stelle ein großes Danke auszusprechen, für die viele ungewürdigte Drecksarbeit. Für die konsequent gute, verlässliche und transparente Arbeit des Teams, die auch den verschiedenen StVen erheblich hilft. Und natürlich für die wichtige Rolle, die sie im Erhalt der natürlichen Balance im Mikrokosmos ÖH einnehmen: Ohne die kernigen Menschen vom ORG würde dieses fragile Gleichgewicht aus politisch korrekter Kapitalismuskritik, Bildungspolitik und Organisationsleistung kippen, die Auswirkungen wären fatal. Danke!


UNI LEBEN

REFERATE DER ÖH UNI GRAZ

Referat für Internationales

Alternativreferat ENGAGEMENT: QUO VADIS?

BE INTERNATIONAL – GET INVOLVED

Wir laufen brav mit Scheuklappen herum, obwohl wir jeden Tag Ungerechtigkeit, Prekarisierung und so weiter (mit-)erleben. Wer kann es sich schon leisten, sich zu engagieren? Wer kann es sich schon leisten, Kritik zu üben?

Das Erasmus Student Network (ESN) organisiert in Zusammenarbeit mit dem BIB jedes Semester ein Buddyprogramm, das ausländischen Studierenden die Eingewöhnung in Graz einfacher macht. Sei dabei!

Je mehr Zeit vergeht, in der ein gewisser Zustand besteht, desto mehr wird er Normalität. Dass wir uns gesellschaftlich und umwelttechnisch in eine Richtung bewegen, die wenig Freude auf die Zukunft macht, ist uns kaum bewusst. Wenn wir den Fernseher einschalten, sehen wir ständig durch Werbung unterbrochene Filme und Serien oder medial inszenierte Nachrichten, ganz im Sinne von „only bad news are good news“. Ein kritischer Diskurs in einer breiten Öffentlichkeit wird kaum geführt oder verpufft wieder schnell. Es werden zwar immer mehr Instrumente der direkten und partizipativen Demokratie geschaffen, aber auf supranationaler Ebene scheint eher eine Entdemokratisierung stattzufinden, wie TTIP zeigt. Paradox.

Die Universität Graz wird jedes Jahr durch die kulturellen Einflüsse zahlreicher internationaler Studierender bereichert. Hast du Lust, dich inspirieren zu lassen? Unter dem Motto „students helping students“ organisiert das Erasmus Student Network ein Buddyprogramm, um den Austauschstudierenden zu helfen, sich in ihrer neuen Umgebung einzugewöhnen. Zu Beginn heißt es für die AustauschstudentInnen allgemeine Hindernisse aus dem Weg zu schaffen, wobei ihnen Buddies zur Seite stehen: Angefangen bei der Kontaktaufnahme per EMail, über die Begrüßung am Flughafen oder Bahnhof und der Hilfestellung beim Einzug in die neue Unterkunft bis hin zur Beantwortung von Fragen in Zusammenhang mit der Universität ist vieles dabei.

Es ist ein oft unermüdlicher Einsatz von AktivistInnen und Aktiven, die sich durch den Verwaltungsapparat mit kafkaesken Zügen mühen, bei Demos auf wichtige Anliegen aufmerksam machen wollen oder sich der Bewusstseins- oder Bildungsarbeit und anderen gesellschaftlichen Themenbereichen – meist ehrenamtlich – widmen, um eine kritische Öffentlichkeit zu schaffen, die in der Lage ist, um es einfach auszudrücken, die Welt zu verändern.

Abseits dieser ersten Hilfestellungen soll natürlich auch der Spaß nicht zu kurz kommen. Es werden nicht nur Treffen mit anderen Buddies und deren Incomings organisiert, sondern auch Wanderausflüge und gemeinsame Wochenenden: Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt – natürlich auf freiwilliger Basis.

Gesellschaft geht uns alle an. Bildungspolitik ist Teil von Gesellschaftspolitik. Die Uni sollte deswegen einen kritischen Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung leisten. Die ÖH auch.

Schneller als einer/einem bewusst ist, vergeht die Zeit und man muss liebgewonnene FreundInnen gehen lassen. Am Tag der Abreise bleiben zahlreiche schöne Erinnerungen, die internationalen Kontakte, die man geschlossen hat, und das Wissen, dass man sich in naher Zukunft wieder sehen und sich gemeinsam an die schöne Zeit in Graz erinnern wird. Interesse? Die Anmeldung zum Buddyprogramm läuft bis 23. Juli 2015. Für weitere Informationen siehe: unigraz.esnaustria.org

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LEISTUNGSDROGEN AN DER KF

SHARECONOMY – DIE NEUE LUST AM TAUSCHEN UND TEILEN

Für viele Studierende ist der Leistungsdruck an der Uni hoch – nur zu verlockend ist da der Griff zu aufputschenden Mitteln wie Ritalin, die das Lernen erleichtern sollen. Doch Leistungsdrogen sind nicht nur mit Vorteilen verbunden.

Online-Plattformen wie „Airbnb“ und „Uber“ florieren zurzeit, der Markt wird überschwemmt von digitalen Tauschbörsen. Aber wie nützlich sind diese Angebote für Studierende?

Julia Müller* studiert Deutsch und Geschichte auf Lehramt und hat viel Stress an der Uni. So sieht sie sich gezwungen, vor einem Prüfungsantritt zu Leistungsdrogen zu greifen. Damit ist sie wohl nicht die Einzige an der KF. Was sind Leistungsdrogen und wie wirken sie auf uns? Diese Gruppe der Drogen hat eine anregende Wirkung auf den Körper. Es kommt zu einer hohen Ausschüttung von Stresshormonen, was zu einer Erhöhung des Blutdrucks, verstärkter Muskelaktivität bis zu starkem Zittern, Schlaflosigkeit und vermindertem Hungergefühl führen kann. Zu Leistungsdrogen zählt man zudem auch Koffein, Kokain und Nikotin. Auf der einen Seite sind Versandapotheken, aber auch NeurologInnen und PsychologInnen bemächtigt, Leistungsdrogen, die meistens unter dem Suchtmittelgesetz stehen, zu verschreiben. Auf der anderen Seite sind „Vivid“, „Checkit“, die Caritas Seckau und der „Grüne Kreis“ Anlaufstellen für Suchtkranke im Raum Graz.

Dem Konsumwahn entgegenwirken, nachhaltig leben, Geld sparen, Neues ausprobieren – es gibt viele Gründe, warum digitaler Tauschhandel heutzutage boomt wie nie zuvor. Während Kleidertauschbörsen wie „Kleiderkreisel“ schon lange gefragt sind, hat sich das Konzept inzwischen auf sämtliche Lebensbereiche ausgeweitet. Wozu Werkzeuge oder Ähnliches kaufen, wenn man sie sich auf der Website usetwice.at günstig und in der Nähe ausleihen kann? Die Idee dahinter ist, dass gebrauchte Dinge ohnehin selten verliehen werden können und durch diese gemeinschaftliche Nutzung insgesamt weniger konsumiert wird. Dies ist besonders hilfreich für Studierende, zumal man im ersten eigenen Haushalt meist nicht alles zur Hand hat. Ähnlich funktioniert „Airbnb“, eine Plattform, auf der private EigentümerInnen aus der ganzen Welt nicht benutzte Unterkünfte vermieten. Für Reisen bieten sich hier sehr günstige Optionen, wer mag findet aber auch luxuriöse und ausgefallene Wohnräume. Auch vor Verkehrsmitteln hat der Trend nicht haltgemacht. Mit der App „Uber“ bietet sich die Möglichkeit, einen Mietwagen mit FahrerIn, aber auch private FahrerInnen sowie Taxis zu buchen. Für StudentInnen interessanter ist das CarsharingKonzept: Auf verschiedensten Online-Plattformen kann man nach Anmeldung Autos in der Nähe suchen, die man mittels Smartphone aufsperrt und nach der Fahrt einfach am Fahrziel parkt, wo sie dann von den nächsten BenutzerInnen gefunden werden können. So braucht auch in der Großstadt nicht auf ein Auto verzichtet zu werden.

Zwar fördern Leistungsdrogen die Konzentrationsfähigkeit und die Ausdauer, doch ist die Liste der Nebenwirkungen lang: Appetitlosigkeit, Depressionen, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Magenbeschwerden, Panikzustände und Schlaflosigkeit sind nur einige. Schlussendlich bleibt es aber jeder und jedem selbst überlassen, sich mittels Leistungsdrogen einen Vorteil zu verschaffen – oder aber nüchtern die Prüfung im Hörsaal anzutreten. (*Name von der Redaktion geändert)

Sara Del Negro

Judith Pataki

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UNI LEBEN

UNI LEBEN

tadler, Franz S ionier“ Tattoo-P

DEIN ESSEN WAR AUF WELTREISE „DAS WIRST DU IN 40 JAHREN EINMAL BEREUEN!“

Du bist, was du isst – doch was essen wir überhaupt? Und woher kommt es? Jedes Produkt im Supermarkt hat eine Geschichte zu erzählen. Bei vielen scannt man einen Code und beginnt eine virtuelle Reise. Die ist oft länger, als man denkt.

Emma hat eines, Lukas hat eines: ein „Peckerl“ vom Tätowierer ihres Vertrauens. Außer ihrem Körperschmuck haben die beiden noch etwas gemeinsam: Sie sind unter 35 und damit Teil einer Generation, in der Tattoos zur Normalität gehören.

was auf meiner Haut zu verewigen, tönt es dennoch aus den Reihen unserer Elterngeneration: „Das wirst du in 40 Jahren einmal bereuen!“ Also habe ich mich auf die Suche nach Menschen gemacht, die vor 40 Jahren den gleichen Satz gehört und es dennoch getan haben. Ich traf auf Franz Stadler, der mittlerweile 54 ist und sich im Alter von 14 Jahren selbst tätowiert hat. Bingo! Er trägt ein Peace-Zeichen auf dem Unterarm. In der anfänglichen „Nach-Woodstock-Generation“ der 70er, erzählt er, war das Motiv – später wurde er häufig auf den „Mercedes-Stern“ auf seinem Arm angesprochen – überall präsent, allerdings eher auf Fahnen und Tüchern als auf der Haut: „Wir haben uns gedacht, wir könnten doch irgendwas ‚Cooleres‘ machen“. Leider war er der einzige Tätowierte dieser Generation im Raum Graz, den ich finden konn-

te. Er weiß auch, warum: „Jeder, der ein Tattoo gehabt hat zu dieser Zeit, hat einen absolut schlechten Stellenwert gehabt. Da warst du ein Outlaw.“ „Knastinger-Partie“ Das bestätigt mir auch Tätowierer Walter, der in Graz und Bremen „peckt“: „Ja, das war halt damals die Knastinger-Partie.“ Es schien vor allem mit Graz zusammenzuhängen, dass ich kaum Menschen fand, die ihre Tattoos schon so lange auf der Haut tragen. In Bremen, erzählt der Experte, seien Tattoos zwar ebenso verpönt gewesen, aber dort könne man vor allem deshalb mehr ältere Menschen mit Tattoos finden, da es nicht nur bei „Outlaws“, sondern auch bei Seefahrern eine Tattootradition gibt. Auch die 65-jährige akademische Gerontologin Brigitte Brosch, die im Seniorenbüro der Stadt Graz aktiv ist, kennt keine Menschen in ihrem Alter 14

mit Tattoos. Sie erinnert sich an eine klare Stigmatisierung: „Alle, die Tätowierungen hatten, waren entweder im Gefängnis oder haben einer extremen Unterschicht angehört.“ Und, wie ist das nun, wenn man seit 40 Jahren ein Tattoo hat, ohne Seefahrer und im Gefängnis gewesen zu sein? Als „Beamter“ hat Stadler häufig darüber nachgedacht, das Symbol entfernen zu lassen, da er immer wieder mit Anfeindungen zu kämpfen hatte. Seine Frau hat ihn dazu ermutigt, es zu behalten, da es Teil seiner Persönlichkeit sei. „Heute bin ich stolz drauf“, so der 54-Jährige. Sein Tattoo erzähle die Geschichte eines erstmaligen Hinauslehnens über die Grenzen des Akzeptierten, die ihn gut sichtbar bis heute begleitet.

Fotos: Miriam Seebacher

Als ich den Wunsch äußere, ebenfalls et-

An Samstagen vor verlängerten Wochen-

enden ist der Supermarkt ein Epizentrum negativer Energie. Im Verkehrschaos der Einkaufswagerl gibt es kein Pardon: Kaum bleibt man stehen, steht man schon im Weg. Schwindlig wird einer/einem aber nicht nur ob des menschlichen Gewusels, sondern auch angesichts der erdrückenden Produktlawine. Champignons aus Ungarn, Fisolen aus Marokko, Frühkartoffeln aus Ägypten. Rote Weintrauben aus Südafrika, weiße aus Indien. Der Traum von der Weltreise verwirklicht sich heutzutage schon im eigenen Essen. Dass den KonsumentInnen von heute der Produktionsweg ihrer Lebensmittel nicht egal ist, haben die PR-Abteilungen der Konzerne bereits erkannt. Auf immer mehr Produkten finden sich Codes zum Scannen oder Eintippen. Transparenz schreiben sich die Firmen auf die Fahnen, „Prüf nach!“ auf die Verpackungen. Folgt man dieser Aufforderung und scannt einen Code, erschließen sich virtuelle Welten: Bilder von saftigen Almen, In-

terviews mit lächelnden Milchbauern, ein 3D-Rundgang durch die idyllische Bananenfarm. Doch die aufwendig produzierten Clips und Slideshows lassen uns mit einer Frage zurück: Was davon stimmt wirklich?

Mexikanisches Mühlviertel? “ Bei aller „Rückverfolgbarkeit“ kommen nicht immer alle Informationen ans Licht. So stellte der Agrarbiologe und Bestsellerautor Clemens G. Arvay fest, dass sich in einem „Mühlviertler Bergbauernjoghurt Apfel-Müsli“ Äpfel aus Italien, Rosinen und Haselnüsse aus der Türkei und Orangensaftkonzentrat aus Mexiko befanden. Der Verweis „aus EU-/Nicht-EU-Landwirtschaft“ suggeriert zwar, dass manche Zutaten eine längere Anreise hatten. Genau aufgeschlüsselt wird das auf der Her-

Miriam Seebacher 15

stellerseite aber nicht. Hier konzentriert man sich auf die Milch, die tatsächlich aus dem Mühlviertel stammt. Ingredienzien aus einem anderen Kontinent und trotzdem „echt mühlviertlerisch“ – man muss nicht Sherlock heißen, um den Widerspruch zu orten. Doch was kann man tun, um diesem Dilemma zu entrinnen? Agrarexperte Arvay sieht zwei Möglichkeiten für Lebensmittelkonzerne und KonsumentInnen: „Entweder man verzichtet auf das massive Marketing mit dem Begriff der Regionalität oder wir verzichten auf das Apfel-Müsli-Joghurt. Und mischen es uns einfach selbst.“ Dann wüsste man auch genau, was drin ist. Buchtipp: Arvay, Clemens G.: „Der große Bio-Schmäh. Wie uns die Lebensmittelkonzerne an der Nase herumführen.“, Im Buchhandel um 19,95 Euro zu erwerben.

Paul Krisai Twitter: @paulkrisai


KATEGORIE X

ZIRKUS NOSTALGIE Die Augen weit aufgerissen, die Hand meines Vaters immer stärker drückend, das Herz rasend vor lauter Aufregung. Kaum etwas hat sich so in meine Kindheitserinnerungen eingebrannt wie die Zirkusbesuche mit meinem Vater.

Heute, mehr als fünfzehn Jahre später,

sitze ich wieder in seinem Auto. Wieder auf dem Weg zum Zirkus. Diesmal jedoch am Lenkrad. Rechts neben mir nicht mehr mein Vater, sondern mein Freund. Auf der Rückbank meine beste Freundin, die früher selbst Seiltänzerin werden wollte. Wir sind auf dem Weg nach Freistadt, Oberösterreich. Zum Zirkus Louis Knie. Es ist früh. So früh, dass es scheint, als wären die Straßenlichter gerade erst ausgegangen und der neue Tag noch nicht ganz angebrochen. Jeder schwelgt in seinen eigenen Gedanken. Meine drehen sich immer und immer wieder um die gleiche Frage: Wird mich die Aufführung enttäuschen? Den naiven, kindlichen Blick abgelegt, blicke ich nun nicht mehr mit glänzenden Kinderaugen auf die Welt, sondern stelle mir zum Beispiel Fragen um artgerechte Tierhaltung, wenn ich wilde Tiere in Käfigen sehe. Nun betrachte ich „Zwerge“ nicht mehr als exotische Wesen, sondern als Kleinwüchsige, die hier immer noch Diskriminierungen ausgesetzt sind.

Freistadt. Es ist elf Uhr. Der Louis ist leider noch nicht da, sagt die freundliche ältere Dame bei der Kasse. Wir nehmen im Vorzelt Platz. Erste Erkenntnis des Tages: In der Welt von Zirkusdirektoren scheinen die Uhren anders zu gehen. Doch dann kommt er. Ganz leger in Jeans, Hemd und Ray Ban setzt Louis sich zu mir. Aufgewachsen als (Ur-Enkel-)Sohn eines Zirkusdirektors zählt er bereits zur vierten Generation einer eher ungewöhnlichen Familie. Schon sein Leben lang reist er von Stadt zu Stadt. Ob es für ihn überhaupt so etwas wie Heimat gibt? Seine Heimat, antwortet er, ist im Zirkus. Sogar in den zwei Monaten Winterpause muss er einmal am Tag in den Wohnwagen gehen, der neben seinem Haus steht. Und die anderen zehn Monate? „Das Zirkusleben ist hart. Hart, aber wunderschön. Gerade als Zirkusdirektor trägt man viel Verantwortung.“ In diesem Fall: Die Verantwortung für über 70 Tiere und 50 Menschen. Das Risiko ist groß. Nummern wie „Hoch-

seil“ oder „Todesrad“ tragen nicht gerade dazu bei, dieses zu verringern. Das wichtigste dabei hat er von seinem Großvater gelernt: „Mein Opa hat immer gesagt, es müssen alle an einem Strang ziehen.“ Und das tun sie auch. Denn: „Wir sind wirklich eine große Familie. Wir halten gut zusammen.“ So sehr ich diesen Satz normalerweise wegen seines inflationären Gebrauchs ablehne, so überrascht bin ich, wie ehrlich er sich in diesem Fall doch anhört. 99% der ZirkusartistInnen werden im Zirkus erwachsen, dennoch gibt es immer wieder Privatpersonen, die sich dem Zirkus anschließen und mitziehen. Doch der Zirkusdirektor warnt: „Ist man einmal dabei, so ist es schwer wieder rauszukommen.“

Knie. s i u o L t s i s Da

Meine Frage, ob heutzutage überhaupt noch jemand in den Zirkus geht, bringt ihn nur zum Schmunzeln. „Natürlich ist es schwieriger geworden, vor allem in den Großstädten. In Wien beispielsweise Fotos: Tamara Sill

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ist es fast unmöglich gegen Theater, Musical, Kino und Oper anzukommen. Die Leute sind schon sehr verwöhnt. Es sind die Kleinstädte, die die Besucherzahlen in die Höhe treiben. In den Bauerndörfern sieht man, dass das Publikum richtig Freude hat und solche Top-Nummern nicht so oft sieht.“ Die dazugehörigen Sound- und Lichteffekte schaut sich der Zirkusdirektor von den Discos ab. „Seitdem die Wildtiere verboten wurden, mussten auch wir umstellen, alles ist sehr modern geworden.“ Das 2005 erlassene Bundestierschutzgesetz gegen Wildtiere im Zirkus findet er teilweise sogar gut, dennoch sollten nicht alle Zirkusse in einen Topf geschmissen werden. „Ich kann nur sagen, dass ich stolz darauf bin, in der Familie Knie aufgewachsen zu sein, denn dadurch habe ich gelernt, was richtige Tierhaltung bedeutet. Ich finde es schade, dass sie uns die Elefanten weggenommen haben, die standen direkt vor unserem Wagen und einer von uns war immer für sie da.“ Als er von Zeiten erzählt, in denen sie mit den Elefanten eine Parade durch die Stadt gemacht haben, beginnen seine Augen zu glänzen. „In Klagenfurt sind wir damals sogar mit ihnen in den Wörthersee baden gegangen.“ Doch als er davon

erzählt, dass die „Großen“ jetzt in einem Zoo sind und er sie nur noch manchmal besuchen geht, wird er ruhiger, nostalgischer.

„ Es ist eine schöne Zeit gewesen damals. Ich vermisse die Elefanten sehr, schließlich bin ich mit ihnen aufgewachsen. “ „Aber man muss eben mit der Zeit gehen.“ Gehen muss er dann leider auch schon wieder. Nach einer kurzen Führung durch die Zirkuszeltstadt drückt er uns noch schnell drei Freikarten für Logenplätze in die Hand und wünscht uns viel Vergnügen. Also ab ins Zirkuszelt. Die Manege ist bereit. Ich bin bereit. Lasse mich ein auf diese surrealistische Welt aus Clowns, tänzelnden Ponys und wage18

mutigen ArtistInnen. Der Geruch im Zirkuszelt kommt mir bekannt vor. Er erinnert mich an früher. Dann endlich beginnt die Vorstellung. Trompeten spielen und es ertönt die Stimme des Zirkusdirektors „Hereinspaziert!“ Weitere Worte sind hier jedoch fehl am Platz. Über die Vorstellung an sich zu schreiben, wäre, wie einem Farbenblinden den Regenbogen zu erklären. Denn die ArtistInnen aus aller Welt sprechen eine Sprache, derer es keiner Worte bedarf und die doch von allen verstanden wird. Das einzige, was also letztendlich enttäuscht wurde, ist meine Enttäuschung selbst. Tamara Sill

GEWINNSPIEL Die Libelle verlost 20x2 (!) Eintrittskarten für die Vorstellung am 2. September 2015 (19:00) in Graz! Einfach bis 31.7 eine Mail mit dem Betreff „Woohoo Zirkus“ an presse@oehunigraz.at senden. Und weil bei uns alle VerliererInnen immer noch GewinnerInnen sind, gibt‘s das Studierendenvorteilsticket um nur €9.- Woohoo!!! Fotos: Tamara Sill

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KATEGORIE X

KATEGORIE X

SCHÖN SCHUNDIGE GESCHICHTEN Die eine liest am liebsten Brenner-Krimis, der andere hat die 50-Shades-Trilogie schon mehrmals verschlungen. Lesen darf aber auch nur unterhalten. Es muss nicht immer Handke oder Bachmann sein. Zum Glück herrscht heutzutage Lese-De-

mokratie. Es scheint alles erlaubt, was gefällt. Allerdings hatte man noch vor rund einem halben Jahrhundert so manches gegen gewisse Auswüchse der Trivialliteratur einzuwenden. „Schundliteratur“ war unter Kulturkonservativen der Kampfbegriff schlechthin. Doch der Widerstand gegen „Schund“ und „Kitsch“ reicht noch weiter zurück. Bereits im 18. Jahrhundert gab es im deutschen Raum LiebesromanVerbote. Man fürchtete, derartige Literatur würde den menschlichen Verstand verderben: Realitätsflucht, falscher Trost, Täuschung über die Wirklichkeit – das waren die am häufigsten genannten Argumente, mit welchen man noch im 20. Jahrhundert Zensur und das Vorgehen gegen beliebte Massenliteratur zu rechtfertigen glaubte.

Between the pages of a book is a lovely place to be

Der „Schmutz- und Schundkampf“ wurde um 1900 von verschiedenen sozialen und politischen Bewegungen – darunter Künstler, Pädagogen, Geistliche – initiiert. In der Weimarer Republik erlebte die „Schundliteratur“ durch neue Publikations- und Vertriebsformen einen Aufschwung und wurde zur Massenware. Heftserien mit spannenden Fortsetzungsgeschichten waren besonders bei jungem Publikum beliebt sowie die sogenannte Kolportage (Lieferungsroman) mit seichten Inhalten (Liebe, Sex und Abenteuer) bei Frauen und Arbeitern. Das Bildungsbürgertum prophezeite einen Werteverfall, dem durch gesetzliche Initiativen entgegengewirkt werden müsste.

Falt-Lesezeichen zum Ausschneiden

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Im Nationalsozialismus bediente man sich besonders radikaler Methoden, um gewisse Publikationen verschwinden zu lassen. Es gab „schwarze Bücherlisten“, Bibliotheken wurden „gesäubert“, meistens mittels Brandstiftung. Vor allem in linken Intellektuellen- und Künstlerkreisen wurde immer wieder die fehlende Definition von „Schundliteratur“ kritisiert, die es dem NS-Staat ermöglichte, nicht nur gegen Triviales, sondern auch gegen politisch nicht konforme oder pazifistische Schriften vorzugehen. In der Gegenwart wird der Begriff „Schundliteratur“ kaum noch verwendet, da Trivialliteratur heutzutage weitgehend wertneutral behandelt wird. Das postmoderne Phänomen „Trash“ trägt sogar vielfach Qualitätssiegel und lässt sich gut vermarkten. Man denke zum Beispiel an Charlotte Roches Feuchtgebiete, ein schlüpfriger Moment an sich, der aber grundsätzlich für Authentizität gelobt wurde und sogar eine Fortsetzung hervorbrachte. Für manche mag Roches´ Körperkult eine gewisse Schamgrenze überschreiten. Es soll auch Leute geben, die Shades of Gray wortwörtlich für „Trash“ halten. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten, doch am Ende hat man doch immer ein Recht auf gute Unterhaltung – egal, ob „Schund“ oder Schiller.

ERZÄHL MIR (K)EINE, DEINE GESCHICHTE! Meine Geschichte ist so fad, die muss ich dir einfach erzählen! Wie, du hast keine Zeit? Kein Problem: #ichbeimfrühstück #meinbutterbrot #nimmdirzeitzumlesen!

„Klar habe ich das letzte Wochenende

durchgemacht, kaum Schlaf bekommen.“ Ich muss aber gestehen, dass ich die Zeit nicht mit Feiern verbracht, sondern die Werbesendungen eines mittelklassigen Privatsenders nach ihrer Inhaltslosigkeit gereiht habe. Lebensmittel besorge ich beim Supermarkt um die Ecke und nicht etwa aus der Mülltonne. Das Aufregendste der Woche war die Erkenntnis, dass Haltbarmilch tatsächlich lange hält. Mein soziales Engagement zeigt sich darin, dass ich meine Eltern regelmäßig besuche und im Sommer geht’s für eine Woche nach Kroatien. Klingt nicht sonderlich aufregend, oder? Das ist nicht weiter schlimm. Das ganze lässt sich halt nur nicht zu einer beeindruckenden Geschichte formen und über diverse Social-Media-Kanäle mit der Welt teilen. Sorgfältig wird aus den unzähligen Möglichkeiten gewählt, um weiter an der unverkennbaren Biographie zu basteln. Das gezimmerte Selbstbild sollte schließlich nicht dem eines faden Wirtshaus-Schnitzels, sondern dem einer Haselnuss-Ka-

viarcreme aus der Molekularküche gleichen. Dem Publikum wird das glänzende Endprodukt präsentiert.

Geschichten und ihre (analoge und besonders digitale) Darbietung scheinen oft nur der Inszenierung des Selbst zu dienen. “ Dabei bestehen echte Geschichten nicht nur aus dem glücklichen, fulminanten Höhepunkt. Die strahlenden Gesichter am Gipfelfoto lassen oft vergessen, wie mühsam der Aufstieg war. Wenn du mir deine Geschichte erzählst, sollte es dir nicht darum gehen, dich in ein Licht zu rücken,

das dir wohl gefällig ist und deiner Persönlichkeit entspricht, die du so beharrlich und detailverliebt formst. Deine Geschichten sind deine Erfahrungen, und da möchte ich verdammt nochmal nicht mit unschönen, vielleicht schmerzhaften und ja, auch vermeintlich langweiligen Details verschont bleiben. Geschichten zu erzählen erfordert die Auseinandersetzung mit sich selbst und seiner Geschichte. Das ist nicht nur mühsam, sondern benötigt Zeit. Und die bleibt uns nicht, wenn wir von einem Eindruck und Ausdruck zum nächsten hetzen. Ein Bild sagt bekanntlich mehr als 1000 Worte, aber 1000 Bilder online erzählen mir noch keine Geschichte. Bevor du also das nächste Mal dein digitales Album mit Bildern fütterst, erzähl mir lieber bei einem Kaffee davon. Ob es sich dabei um den letzten Abenteuerurlaub oder das Treffen mit der Großtante aus Schärding handelt, ist nebensächlich. Hauptsache, es ist deine tatsächliche, ungeschönte und unverfälschte Geschichte. Stefanie Meier

Marietta Schmutz

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OUT OF THE BOX

„WIE EIN STURM“ Azmi aus Quamischli will Medizin studieren. Nach der Flucht vor dem syrischen Bürgerkrieg im September besucht der 21-Jährige den Vorstudienlehrgang. In seiner Wohnung am Gries spricht er über Identität, Gewalt und Neuanfang. Der Kurde Azmi will anonym bleiben.

Außerdem sei sein offizieller Name ohnehin nicht sein richtiger, denn kurdische Namen sind in Syrien verboten. Trotzdem erzählt er die Geschichte zu diesem Namen: „Es heißt, dass ein guter Freund des Propheten diesen Namen trug. Jener sei sehr gerecht gewesen und als er starb, gab es keine Gerechtigkeit mehr im Land.“ Aus diesem Land musste Azmi mit seiner Familie fliehen, denn dort wütet der Bürgerkrieg. Zu Beginn dachte die siebenköpfige Familie noch, der Krieg sei „wie ein Sturm“ nach ein paar Tagen wieder vorbei. „Dreieinhalb Jahre später haben wir uns nicht mehr auf die Straße getraut. Meine Mutter hatte Angst davor, dass wir nie mehr zurückkommen“, sagt Azmi traurig. Diese Angst führte schlussendlich zum Entschluss, illegal aus Syrien zu flüchten.

i. Das ist Azm

„In Syrien hat keiner solche Glasscheiben“, meint Azmi nachdenklich und deutet auf die Fenster seiner Wohnung. Durch die Detonation der Bomben zerspringen Fensterscheiben in kleine, messerscharfe Splitter. „Daran sind schon viele Menschen gestorben“, fügt er hinzu. 22

Auch an der Universität, wo der Student die meiste Zeit verbracht hat, gab es oft Verletzte. Weil arabische Studierende ihre kurdischen StudienkollegInnen attackierten, blieb Azmi oft nichts anderes übrig, als seine Identität zu verleugnen und sich als Araber auszugeben. Aber Azmi hatte Glück, ihm haben sie nur die Kleidung aufgeschlitzt. Trotzdem konnte er einige Prüfungen in seinem Studium zum Zivilingenieur nicht absolvieren, weil arabische Studierende damit gedroht haben, ihn zu töten. Azmis Studium wird in Österreich nicht anerkannt. Da er sowieso „unter Null“ anfangen muss, möchte er sich seinen großen Traum erfüllen und Medizin studieren. Momentan besucht Azmi einen Vorstudienlehrgang an der Karl-Franzens-Universität, um Deutsch zu lernen. Im nächsten Semester wird er Kurse für Mathematik, Physik und Biologie besuchen, weil ihm seine Matura, die außerhalb von Europa absolviert wurde, nicht angerechnet wird. Er ist froh darüber, in Österreich nicht mehr Arabisch sprechen zu müssen. In seiner Wohnung hängen weder Fotos noch Bilder. Eine Zeit lang hat Azim auch keine 23

Foto: Friedrich Simon Kugi

Musik gehört, weil er bei jedem Lied an etwas aus seinem zurückgelassenen Leben denken musste. Diese Erinnerungen lassen ihn nachts oft nicht einschlafen. In seinem ersten Monat in Graz geriet Azmi bei jedem Streifenwagen in Panik. „Du kannst dir mein Gesicht nicht vorstellen, ich sah aus, als ob ich in eine Zitrone gebissen hätte. Ich rannte immer davon, weil ich das so gewöhnt war“, lacht er. 14 Tage nach seiner Ankunft wurde Azmi zum Gerichtstermin geladen, wo über das Bleiberecht entschieden wurde. „Auf das Urteil haben wir auch nicht lange gewartet“, zeigt sich Azmi überrascht. Anfangs hat Azmi mit seinen zwei Schwestern, seinen zwei Brüdern und seinen Eltern im Bezirk Gries gewohnt. Ein altes Ehepaar habe die Familie „wie ihre eigenen Kinder“ aufgenommen, erzählt er. Die größte Herausforderung in der neuen Stadt? „Ein Straßenbahnticket zu lösen”, lacht Azmi. Sara Noémie Plassnig Twitter: @saplanot


OUT OF THE BOX

OUT OF THE BOX

No. 6

No. 5

FREIHEIT ZUR FEINDSCHAFT

ZEITUNGSBERICHT

No.9

ANGABE

SUBJEKTIVITÄT Parteiprogramm Neben Eigenständigkeit und Freiheit sind die Liebe zu unserer Heimat und den Menschen in unserem Land, die Pflege unserer Traditionen, unserer Identität und unserer Kultur Grundlage für unsere Weltoffenheit. Wer seine eigene Kultur und Herkunft schätzt, kann andere Kulturen aufrichtig achten oder sich nötigenfalls ihrer erwehren, wenn sie aggressiven, unsere eigene Kultur verdrängenden Charakter zeigen. […] (Aus dem Parteiprogramm der Freiheitlichen Partei Österreichs)

GEDICHT Es war einmal… Acht! Eins, zwei, drei. Eins, zwei, drei… …bloß nicht verzagen. Lasse die anderen nicht hören, dein Wimmern und Klagen. Auf. Eins, zwei, drei. Eins, zwei, drei… …der Tag ist erwacht. Wie die Sonne steige auf, aus dunkler Nacht.

No. 1

Von fern her donnern schon die Fanfaren. Kommt lasst uns gemeinsam den Frieden heimtragen.

No. 2

No. 3 COMPUTERSPIEL

AUFSATZ

…aber… [Spiel starten] Rt. Trrrrrrrt. [KILL, 25 Punkte] Trrrrrrt. Ahh. [Leertaste (halten) Leiche aufheben] Trrrrrrt. [KOPFSCHUSS, 85 Punkte] (Szene aus Sniper)

Du Schweinehund! „Die sieht aus wie die Barbie, der ich mal den Kopf abgerissen hab.“ „Jetzt wo sie nicht mehr damit spielen kann, hat sie sich eben selbst in eine verwandelt.“ „Du bist bescheuert!“ „Warte: Hat die nicht mal mit dem Anton geschmust, als ihr noch zusammen ward?“

Du, Schweinehund Für wen mach´ ich das eigentlich? Sitz mir den Arsch wund und denk mir den Kopf kaputt. Auf der Welt passiert so viel Unglück. Ich könnte so viel Wichtigeres tun. Wer weiß, ob ich jemals einen Job finde mit dem Studium. So ein Mist! – Ich mach´ mir mal was zu essen. Und die Lisa muss ich anrufen.

Der französische Autor Raymond Queneau hat in seinen Stilübungen gezeigt, dass sich die gleiche Geschichte auf mindestens 98 verschiedene Arten beschreiben lässt. Er hat ein einfaches Erlebnis zum Anlass genommen und damit gespielt. In diesem Sinne soll auch der folgende Text als ein Spiel verstanden werden. Ein Gedankenspiel.

Eine Definition EIN FEIND ist jemand, dessen [persönliches] Verhältnis zu einer bestimmten anderen Person durch Feindschaft bestimmt ist ODER jemand, dessen Verhalten den Interessen einer bestimmten Gruppe von Menschen zuwiderläuft, der für diese Gruppe eine Bedrohung darstellt […] ODER jemand, der etwas entschieden bekämpft. (Aus dem DUDEN)

DIALOG

INNERER MONOLOG

…ist es vorbei? Mein Opa sagt immer, ich brauch vor nichts Angst zu haben. Außer die Zecken. Die sind böse. Meine Mama findet das auch. Sie sagt mir immer ich muss vorsichtig sein. Sie lauern überall. Die Zecken sind ganz klein und braun. Böse finde ich sie nicht.

No.10

No.7

Eins, zwei Polizei… In der Nacht auf Sonntag wurden in der Steiermark drei Tankstellen überfallen. Berichten der Opfer zufolge trug der unbekannte Täter auffällig bunte Kleidung und eine Clownsnase auf der Stirn. Die Beute beträgt mehrere hundert Euro. Gesucht: Mann, etwa 30 Jahre, 180 cm groß mit chinesischem Akzent

No.8

WITZ …sieben, acht gute Nacht Finden zwei Polizeibeamte eine Leiche vor einem Gymnasium. Fragt der eine den anderen: „Du, wie schreibt man denn Gymnasium?“ Der andere überlegt und sagt: „Schleppen wir ihn zur Post!“ (Aus witze.net)

ANDERE SUBJEKTIVITÄT Anderes Parteiprogramm Innenpolitisch hat sich die Lage in Österreich grundsätzlich verändert. Die Stagnation und Verkrustung der großen Koalition wurde durch das blau-schwarze ‚speed kills‘ abgelöst. Der liberale Rechtsstaat, die Freiheit der Meinungsäußerung […] werden in einem sozialen Rollback in Frage gestellt; der Sozialstaat bröckelt, Umweltpolitik wird zum Fremdwort, Bildungsinvestitionen versanden und Frauenpolitik wurde durch reaktionäre Familienpolitik abgelöst. (Aus dem Parteiprogramm von Die Grünen)

No. 4

EIGENE SUBJEKTIVITÄT Was bleibt

Feindbilder können Angst machen, irritieren und verletzen. Aber ist es nicht genau das Fremde, das Unbequeme, das Andere, das es ermöglicht, uns selbst zu definieren? Es braucht Mut, ganz genau hinzusehen und bewusst zu entscheiden. Auch weil manche Blasen, in denen man sich bewegt dabei platzen können. Aber am Ende wartet ein Gefühl, das wir schon so oft verzweifelt gegoogelt haben: Die Freiheit.

Barbara Jernej 24

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DER SOMMER ALS UMBRUCH Endlich Sommer. Endlich Sommer? Ja, aber! Der Sommer steht vor der Tür. Er bietet viel Raum für Geplantes und Ungeplantes und ist ein Segen für die geplagte Seele. Umbrüche stehen an und wir sind gespannt auf das, was kommt.

Aktion gültig bei Neuanmeldung zu einem Sprach- oder Internettarif mit Gerät und 24 Monaten Mindestvertragsdauer. Ausgenommen Hui Plus Internet-Tarife. Rabatte beziehen sich nur auf den Basis-Tarif und sind nicht auf Zusatzpakete, Servicepauschale und sonstige Entgelte anrechenbar.

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IMPRESSUM Oh, wie freuen wir uns auf den Sommer.

Keine Lehrveranstaltungen, viel Sonnenschein und Urlaub. Mit dem Sommer verbinden wir viel Positives und wir freuen uns zu Recht darauf. Viele von uns werden diesen Sommer zur Entspannung nutzen, viele werden Arbeiten gehen, viele werden beides kombinieren. Diese Zeit ist wichtig für uns, aber sie bedeutet vielfach auch eines: Eine Zeit der Umbrüche. Gute Freundinnen und Freunde schließen ihr Studium ab oder starten in ihr Austauschsemester. Wir ziehen um und beginnen ein neues Leben, in Graz oder woanders. Wir müssen damit klarkommen. Neben diesen Umbrüchen und der neu konstituierten ÖH steht Graz noch ein weiterer großer Umbruch bevor: Der im im Grazer Kulturleben. Während der

Intendanzwechsel in der Oper behutsam vonstattengehen wird, ist der Umbruch im Schauspielhaus sicherlich radikaler. Annähernd das gesamte Ensemble wird ausgewechselt. Ebenso AutorInnen, die Regie, Dramaturgie etc. Wir trauern himmelhochjauchzend!

Haupt- und Probebühne werden zu Schauspiel Eins, Zwei und Drei. Es wird etliche Uraufführungen geben, von AutorInnen aus ganz Europa. Thematisch werden Grenzen ver- und entortet. Unter diesem Motto wurden zudem Kurzstücke produziert, 14 an der Zahl.

Wie jetzt? Natürlich sind wir traurig über lieb gewonnene SchauspielerInnen, wunderbar kreative, teils autobiographische Stücke (Niemandsland!), die nun mit Anna Badora ans Wiener Volkstheater wandern. Aber sollen wir wirklich nur trauern?

Eingeleitet wird das neue Programm mit einem Zitat aus dem Struwwelpeter: „Die mit schwachen Nerven mögen den Saal verlassen.“ Es wird neu und ungewohnt werden im konservativen Graz, das sich in den letzten Jahren mehr durch Restriktionen als durch Offenheit der Welt präsentierte. Wir erwarten die neue Spielzeit bereits mit Spannung. Und bis dahin: Lasst uns einfach diesen Sommer genießen!

Wir sollten uns freuen auf eine neue Zeitrechnung am Grazer Schauspielhaus. Unter der neuen Schauspielchefin Iris Laufenberg wird das Haus neu definiert. 26

Medieninhaberin, Herausgeberin und Verlegerin: Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft an der Universität Graz, Schubertstraße 6a, 8010 Graz, Tel: 0316 380 2900, E-Mail: vorsitz@ oehunigraz.at

…... warum das Leben die besten Geschichten schreibt

Chefredaktion: Maximilian H. Tonsern, Tamara Sill Freie Mitarbeit: Sara del Negro, Judith Pataki, Paul Krisai, Miriam Seebacher, Marietta Schmutz, Stefanie Meier, Sara Noémie Plassnig, Barbara Jernej, Katharina Brunner, Sabrina Pirker, Violeta Zver Referate: David Steinwender (Alternativ Referat), Michaela Fröhlich (Referat für Internationales), Astrid Groß & Gunnar Knaus (Organisationsreferat), Michael Hilbig (Kulturreferat), Florian Ungerböck (Vorsitzteam) Lektorat: Paulina Scheiring Layout: Tamara Sill Cover: Valerie Bruckbög Fotografie: Johannes Hirtler, Darius Kromoser, Friedrich Simon Kugi, Clemens Nestroy, Miriam Seebacher, Tamara Sill, TaO! Illustration: Heidi Kofler (S. 3, 26) Druck: Universitätsdruckerei Klampfer

1. Weil man es vorwärts lebt, aber nur rückwärts versteht 2. Weil es eine Schachtel Pralinen ist. Oder so 3. Weil man manche ProtagonistInnen niemals so erfinden könnte 4. Weil es eine Echtzeitverfilmung in 4D und Surround-Sound ist 5. Weil man nie weiß, was auf der nächsten Seite passiert 6. Weil sich Happy-Ends in Echt noch viel besser anfühlen 7. Weil der Eine kommt nach Paris, der Andere nach Schrunns-Tschagunns, ja ja das Leben spielt mit uns 8. Weil es erst durch die Fehler so richtig interessant wird 9. Weil es bunter ist als schwarze Druckerpatrone 10. Weil unsere Welt die geilste Bühne ist

Die Libelle erscheint 4x jährlich mit einer Auflage von 30.000 Stück. Kontakt: presse@oehunigraz.at, libelle.me, facebook.com/libelle.me

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KUNST & KULTUR

VOM MISSTRAUEN IN DIE EINE GESCHICHTE

misstraut der Geschichte eines Theaterstücks schon sehr. Man misstraut dem, dass da jemand ist, der sagt: So ist es.“ Manfred Weissensteiner, Gründer des Theaters am Ortweinplatz (TaO!) sitzt in einem der Proberäume des TaO! und plaudert über die Geschichte „seines“ Theaters und über Geschichten auf der Bühne. Das TaO! als Ort von und für Jugendliche, später auch für Erwachsene und als Ausbildungsstätte für Theaterpädagogik, entstand ganz ohne Pläne. Was braucht es, um ein neues Projekt erfolgreich aufzubauen? „Es braucht Naivität und Vertrauen in diesen unsicheren Zeiten.“ Mit zu vielen Plänen im Kopf übersieht man oft die spontanen Möglichkeiten, die sich anbieten. Den Mut zur Planlosigkeit behält das TaO! sich von seiner Entstehungsgeschichte bei. Von der realen Geschichte des TaO! kommt Weissensteiner auf die Geschichten, die auf der Bühne erzählt werden, die

der Grund für BesucherInnen sind, ins Theater zu gehen. Doch es hat sich einiges geändert, was den Strang einer Geschichte in der modernen Theatervorstellung angeht. Es gab fixe Handlungsstränge, literarisch vorgegebene Geschichten, die mit allen Details erzählt werden sollten. Heute spielen Geschichten eine andere Rolle auf der Bühne. „Vielleicht ist die eigentliche Gesamtgeschichte, ein Plot, nicht mehr ganz so wichtig“, meint auch Weissensteiner. Es ist nicht länger eine Geschichte von AutorInnen geschaffen, sondern es sind viele eigenständige Storys der Figuren, die das Gesamtstück bilden. SchauspielerInnen stehen der Anforderung gegenüber, nicht länger „nur“ Marionetten der vorgeschriebenen Geschichte zu sein, sondern „TheatermacherInnen“. Auch die Geschichten liegen nun in ihrer Hand und nicht länger in der der AutorInnen, die meinen „So ist es.“ Und nicht anders. 28

Die Bühne bleibt ein Ort, auf dem erzählt wird. Aber diese eine Geschichte, die sich durch das ganze Stück zieht und von jemandem zu Beginn niedergeschrieben wurde, lebt nicht mehr so intensiv wie früher. Vielmehr leben die vielen verschiedenen Geschichten. Inszenierungen brauchen nicht mehr den einen Erzählstrang. Es sind momenthafte, detailverliebte, aber direkte Darstellungen, die auf den Bühnen erzählt werden. Denn wie auch Weissensteiner meint: „Die Geschichten sind immer da, aber sie folgen anderen Gesetzmäßigkeiten, anderen Motiven und wie SchauspielerInnen dürfen sie nicht mehr so entfernt sein, sondern für uns alle nah.“ Katharina Brunner

Foto: TaO!

„Man

Foto: Celemens Nestroy

Die Bühne ist ein Ort des Geschichten-Erzählens. Auch im TaO!, das seine Geschichte planlos erzählt, wandelt sich die eine Story auf der Bühne in viele verschiedene.

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KOLUMNEN

Violeta Zver

Lolita Love

MUSIK

BUCH

SEX

Die verrücktesten Geschichten schreibt angeblich ja das Leben. So sammelt man also eigentlich die Summer-Soundtracksto-Be für euch und was passiert? Während ich so vor mich hin stöbere, reinhöre, wieder weghöre und dabei wie üblich meine Playlisten mit aktuellen Songs & Alben zusammenstelle, zeichnet sich plötzlich ein eindeutiges Schema ab. Eines, das mich doch sehr an das Phänomen Sommer 2014 erinnert. Regen. Wolken. Sturmgewitter. Es dämmert und mich schauert es vor weiteren vier Monaten April. Sollten diese Songs ein meteorologischer Vorbote sein? Laut meiner Playlist sieht es nicht gerade rosig aus. Mit dabei etwa eine Momentaufnahme: „Like Acid Rain“ von Unknown Mortal Orchestra. Besonders präsent auch das Thema des englischen Sommers. Egal ob bei britischen Bands, die einfach nur die Stimmung besingen, oder den US-Melancholikern Other Lives, die nur halb euphorisch wortwörtlich vom „English Summer“ trällern – Badepartylaune scheint heuer im Indie/Alternative-Sektor nicht aufzukommen. Doch Gott sei Dank gibt es dazwischen auch Django Django mit „First Light“ und schon sehe ich mich cocktailschlürfend durch die Stadt hüpfen. Vielleicht gibt es ja doch noch Hoffnung für‘s Sommersonnenfeeling.

Eines steht fest: Im Laufe des Lebens hört man viele Geschichten. Amüsante, traurige und solche, die zum Nachdenken anregen. Da fällt mir eine ganz besondere ein, da sie in geschriebener Form existiert. Ein kleines Buch, das so einfach und doch so vielsagend zugleich ist: Antoine de Saint-Exupérys zeitloses Meisterwerk, „Der Kleine Prinz“, las ich das erste Mal im Alter von zehn Jahren. Als Kind fühlte ich mich von den liebevollen Bildern angesprochen und war ganz angetan von den Abenteuern des Kleinen Prinzen. Nach elf Jahren lese ich das Buch wieder und stelle fest, dass es viel mehr als „nur“ ein Kinderbuch ist. Es ist viel mehr, geht es doch um das Erkennen von Wertvorstellungen. Auf einem Planeten, auf dem es nur eine Rose gibt, stellt diese etwas Besonderes dar. Auf einem Planeten hingegen, auf dem 500 Rosen wachsen, wird diese Blume „wie jede andere“ sein. Die Lektion, die der Prinz lernen muss, ist, dass man den wahren Wert eines Lebewesens nur mit dem Herzen erkennen kann. „Der Kleine Prinz“ zeigt mir eine absolut ehrliche Sicht der Dinge, wie sie eigentlich nur Kinder besitzen, doch erst im Alter kann man dies erkennen. Die Kunst ist, im Laufe des Lebens diese verlernte Eigenschaft wiederzuerlangen.

Die Regale in der Selbsthilfeabteilung sind voll von Ratgebern wie „Die perfekte Liebhaberin -Sextechniken, die ihn verrückt machen“, „Das kleine Handbuch für große Sexgöttinnen“ und „Vom Nehmen und Genommen werden“. Alles noch ziemlich harmlos im Vergleich zu dem Bild, was so manche Pornos von einer „Sexgöttin“ zeichnen – Latex, Reitutensilien und alle Arten von (S)Exkrementen scheinen hier unerlässlich. Doch der an Realitätsverlust leidende Sexkult greift auch immer mehr in den Körperkult über, so „penetriert“ mich mittlerweile sogar schon mein Joghurt mit einer Werbung, die mir verspricht, mich in 20 Tagen in einen sexy Bikinistar zu verwandeln. Tagtäglich sagen mir also Magazine, Porno Pop-Ups und sogar meine Lebensmittel, wie ich auszusehen und mich zu verhalten habe, um „porno“ zu sein. Lieber Ratgeber und liebes Joghurt: Ich habe keine Lust, jeden Tag mit High Heels und rot lackierten Nägeln rumzulaufen. Vielleicht ist es an der Zeit, sich von der überholten Werbestrategie „Sex sells“ zu lösen und einfach so zu sein, wie man ist. Denn das ist sexy. Und durch alles andere wird man in Wirklichkeit ja nur eines: Nicht gefickt, sondern einfach nur brainfucked.

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© Andreas Eymannsberger (Photographer) www.eymannsberger.photography

Sabrina Pirker


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Juni Ausgabe der Libelle  

Die Juni Ausgabe des ÖH Uni Graz Magazins "Libelle" beschäftigt sich mit Geschichten, die das Leben schreibt.

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