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Libelle

ZNR 02Z032680 Verlagspostamt 8010 Graz

www.libelle.me Juni 2012

Die Zeitschrift der Ă–H Uni Graz

Mach doch was du willst! Schwerpunkt Freiheit

Freie Liebe Freie Kultur Freies Wissen Freies Internet Unfreier Iran

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Libelle Juni 2012

Inhalt Schwerpunkt Freiheit

Bildung

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Vorsitz

8

Inskriptionsfrist

8 9 9

Freiheit

Vorverlegt im Wintersemester Was mach‘ ich?

Die ÖH stellt sich vor Studiengebühren

Ein Drama in 5 Akten? Frag die Franzi!

Studienberatung

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Internet als Menschenrecht

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Iran

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Freiheit & Partnerschaft

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¡VIVA LA FICCIÓN!

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Mitreden erwünscht

Den Digital Natives gehört die Zukunft

Pop

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Frühlingsfieber

24

Meer-Tennis in Istrien

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Am Rande der Realität

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Kolumnen

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Comic

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10 Tipps

4 5 35

Autoren / Autorinnen Editorial Impressum

Eindrücke einer Reise Positive und negative Treue Guerilla Filmmaking BarCamps als Unkonferenzen

Theaterkolumne

Tennisreise nach Kroatien Pratchett und die Scheibenwelt Musik & Nerd & Sex

8 20

18

16 25

www.libelle.me www.facebook.com/libelle.me


Autorinnen & Autoren Bernhard Reicher

Drehbuchautor und -lehrer (Filmschule Wien, Interspherial Drehbuchschule Stuttgart). Scripts, Location-Scouting, Interviews für diverse Reportagen (u. a. Spiegel TV, ORF, ATV). Grundidee & Gesamtkonzept PANTHERION.

Josef Düregger

Studierte Musik (Kunstuniversität Graz), Philosophie (Uni KLU) und das Leben (überall) ... Antikünstler und Kultur-Hebamme für das Dionysische... seit 12 Jahren in einer Polyamory Beziehung.

Dominika Kalcher

Studiert Philosophie, das Dasein, Sosein und das Anderssein. Ist Krähenschöpferin am laufenden Band und teilnehmende Beobachterin des Welteros. Seit 12 Jahren ebenfalls in einer Polyamory Beziehung : )

Matthias C. Kettemann

ist Universitätsassistent am Institut für Völkerrecht und Internationale Beziehungen. Er ist Co-Chair der Internet Rights & Principles Coalition, thematischer Lead der 5. Initiative des Internet&Society Co:llaboratory zu Menschenrechten und Internet. internationallawandtheinternet.blogspot.com

Georg Maier

ist ein Pseudonym. Die iranischen Behörden reagieren bei der Visavergabe allergisch auf kritische Berichte über ihre Diktatur. Der Autor, der vor hat dieses wunderschöne, spannende, geschundene Land bald wieder zu bereisen ist Student der Geschichte an der Uni Salzburg.


Titelbild und Illustration: Micka Messino <ssb_profi@hotmail.com>

Liebe Leserin, Lieber Leser!

Ein spannendes Libelle-Jahr geht mit dieser Ausgabe zu Ende. Sechs Libellen waren es, die wir – Fuchsy, Martina & Patrick – in diesem Studienjahr produzierten. Zeit, den zahlreichen AutorInnen und GraphikerInnen ein großes Danke auszusprechen: Eure Inhalte sind es, die die Libelle lesensund betrachtenswert machen! Wer Lust hat für die Libelle zu zeichnen, zu schreiben oder zu fotographieren ist immer willkommen.

„Das Bessere ist der Feind des Guten“, sagte der schlaue Voltaire. Auch wir wollen uns auf dem Bestehendem nicht ausruhen und eure Meinung wissen: Was gefällt euch besonders an der Libelle? Und was weniger? Was lest ihr gerne, was überhaupt nicht? Beantwortet uns doch ein paar Fragen, damit das kommende Jahr noch besser wird: www.libelle.me/umfrage Wir wünschen euch für den PrüfungsEndspurt alles Gute und einen entspannenden und sonnigen Sommer! Im Herbst lesen wir uns wieder :-)

Martina, Patrick & Fuchsy


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Libelle Juni 2012

107 *

* Gesamtzahl der Lehrveranstaltungen während der „Woche der freien Bildung“. In Wien, Graz, Salzburg und St. Pölten fanden von 21. bis 25. Mai Vorlesungen an öffentlichen Plätzen statt. Am Foto: Die „freie Birne“ im Wiener Resselpark.


Bildung

Freiheit

Ein Begriff, mit dem sich Universitäten schmücken Vorverlegte Inskriptionsfrist

Im kommenden Wintersemester von 3. Juli bis 5. September Studiengebühren

Ein Drama in 5 Akten?

Gebühren

Mitte Mai beschloss der Senat der Uni-Graz die Wiedereinführung von Studiengebühren (Details Seite 9). Dies bedeutet für Studierende außerhalb der Mindeststudienzeit und der Toleranzsemester 363,36 Euro Studiengebühren pro Semester. Für Bachelor- und Masterstudien sind jeweils zwei Toleranzsemester vorgesehen, ebenso werden Beurlaubungszeiten und Semester in Mobilitätsprogrammen nicht berücksichtigt. Details zu den Regelungen sind nachzulesen im Uni-Mitteilungsblatt unter http://bit.ly/studgeb_graz

Beratung

Für Studieninteressierte und -wechslerInnen bietet die ÖH Uni Graz auch in diesem Sommer wieder eine Inskriptionsberatung an. Studierende können während der Beratungszeiten Hilfe von VertreterInnen der jeweiligen Studienrichtungen in Anspruch nehmen. Informationsmaterial und Studienleitfäden liegen ebenso auf. Durch die geänderte Inskriptionsfrist (siehe Seite 8) verschieben sich auch die gewohnten Beratungszeiten. Details werden auf der ÖH-Website www.oeh.uni-graz.at veröffentlicht.

Praktika

AIESEC ist die weltweit größte Studierendenorganisation, die StudentInnen weltweit Möglichkeiten bietet. Eine dieser großartigen Erfahrungen ist ein Praktikumsaufenthalt im Ausland. AIESEC unterstützt dich bei diesem Vorhaben tatkräftig, indem wir dir sowohl bei den Vorbereitungen auf den Austausch, als auch während deinem Aufenthalt im Ausland mit Rat und Tat zur Seite stehen. Falls Du interessiert bist kannst du AIESEC eine E-Mail schicken internship@graz.aiesec.at oder im Web besuchen www.aiesec.at/graz


8 Bildung

Libelle Juni 2012

Freiheit

Was mach‘ ich?

Ein Begriff, mit dem sich Universitäten seit ihrer Gründung schmücken Text Vorsitz der ÖH Uni Graz (Thum, Berger & Bitterer)

Freiheit von Lehre und Forschung, also ohne wirtschaftliche oder staatliche Einflussnahme, ist der Inbegriff der universitären Kultur. In manchen Staaten sind sogar die Kompetenzen der Polizei, der Staatsgewalt, auf dem Gelände der Universität eingeschränkt oder der Zutritt ist verboten. Leider ist die Freiheit, mit der sich die Universitäten rühmen, nur noch Fassade. Der Bologna-Prozess, die Implementierung des Bachelor-MasterSystems und das European Credit Transfer System sollte den Studierenden die Möglichkeit geben, europaweit zwischen Universitäten wechseln zu können. Leider ist das Gegenteil der Fall. Seine absurdesten Blüten treibt das Bologna-System, wenn es selbst innerhalb Österreichs nicht möglich ist, nach einem Bachelorstudium ein Masterstudium an einer anderen Universität zu beginnen. Aber auch die Anzahl der Studierenden, welche ein Auslandssemester absolvieren, sinkt. Und das trotz zahlreicher Werbemaßnahmen und Stipendien. Die Universitäten sind

verzweifelt, bedeuten doch Studierende mit Auslandserfahrung Internationalität und damit Renommée für die Hochschule. In zahlreichen Prospekten und bei ebensovielen Werbeveranstaltungen versuchen die Universitäten deshalb Studierende für ein Auslandssemester zu begeistern, die EU stellt viel Geld für das ERASMUS-Programm zur Verfügung. Aber das ist nicht die Lösung des Problems. Es liegt nicht am mangelnden Wissen der Studierenden, welche Möglichkeiten es für ein Auslandssemester gibt. Es liegt auch nicht am mangelnden Interesse. Aber solange man Angst haben muss, ob einem die Lehrveranstaltungen im Ausland auch tatsächlich für das Studium zu Hause anerkannt werden, werden sich nur wenige für ein Studium im Ausland begeistern lassen. Und da sind wir wieder beim Thema Freiheit. Freiheit an einer Universität muss auch bedeuten, dass man nicht im Ausland exakt das Gleiche machen muss, um das Studium abschließen zu können, sondern dass man die Freiheit hat, selbst zu wählen, was sinnvoll ist.

Vorverlegte Inskriptionsfrist TEXT Referat für BIldung&Politik

Aufgrund einer UG-Novelle wurden die allgemeinen Zulassungsfristen österreichweit vorverlegt. Die Inskriptionsfrist für das kommende Wintersemester wird von 3. Juli bis 5. September laufen. Innerhalb dieser Frist muss eine eindeutige Willensbekundung zur Inskription bei der Universität abgegeben werden, um neu an der Uni Graz inskribieren zu können. Die zusätzliche Inskription von weiteren Fächern ist wie bisher bis zum Ende der Nachfrist

(30. November) möglich. Zum Einsatz kommen wird das bestehende System in UniGrazOnline für die Vorerfassung, allerdings ohne der verpflichtenden Vorauswahl eines bestimmten Studiums. Weiters sollen die Schwachstellen des Systems, die letztes Jahr zu enormen Problemen geführt haben, beseitigt worden sein.

Über 300 Menschen sind in verschiedensten Funktionen an der ÖH Uni Graz tätig. Wir wollen dir einen Einblick in die unterschiedlichen Bereiche geben.

WER BIN ICH:

Toni Janosch Krause, 28 Jahre alt. Ich studiere Europäische Ethnologie und Philosophie. Was mach‘ ich:

Ich bin Sachbearbeiter im queer-Referat der ÖH Uni Graz. Außerdem war ich Erstsemestrigentutor für Ethnologie und bin in der IG Ethnologie tätig. Das mach‘ ich:

Für die Ethnologie sitze ich im Fakultätsgremium und bin, auf Grund von Zeitmangel, im Moment nur stilles Mitglied in der IG Ethnologie. Als Sachbearbeiter im queer-Referat kümmere ich mich um die Öffentlichkeitsarbeit und war außerdem mit der Organisation des LesBiSchwulen-, bzw. queer-Unifestes betraut. Warum?

Irgendwie bin ich da in alles so rein gerutscht. Und sonst?

...sollte man bedenken, dass die Arbeit auf der ÖH eine Teamarbeit ist. Alleine bekommt man wenig gerissen. Es ist ein Zusammenspiel von vielen Leuten die dazu beitragen, dass die Arbeit der ÖH gut läuft. Sei es in Form von Studienvertretungen, Beratung oder gesellschaftspolitischer Arbeit. Und daher ist es auch wichtig, dass sich weiterhin engagierte Menschen finden, die sich an daran beteiligen wollen.


Bildung

Libelle Juni 2012

Studiengebühren Ein Drama in 5 Akten?

Ich kann meinen Studiausweis nicht mehr finden, ist das schlimm? Was kann ich jetzt machen? Liebe Grüße!

Text Referat für BIldung&Politik

Zurzeit ist das Thema Studiengebühren eines der dominantesten in der Universitätspolitik. Zwar gehe ich davon aus, dass alle bescheid wissen, aber zuerst noch einmal ein kurzer Rückblick, wie alles kam: Im Juni 2011 wurde ein Teil der bisherigen Studiengebührenreglung im Gesetz vom Verfassungsgerichtshof (kurz VfGH) mit einer Reparaturfrist bis zum 29. Februar 2012 aufgehoben. Das hieß, dass das Gesetz so noch bis zum 29. Februar gültig war, danach aber nicht mehr. So sollte der Gesetzgeber (also das Parlament) die Möglichkeit bekommen die verfassungswidrigen Stellen auszubessern. Nichts geschah bis dahin, außer ein Tauziehen zwischen den beiden Regierungsparteien. Um die Pattstellung zu beenden beschloss der zuständige Bundesminister Töchterle, dass Universitäten doch im Rahmen ihrer Autonomie selbstständig Studiengebühren einheben könnten und lies dies mit einem mehr als zweifelhaften Rechtsgutachten untermauern. Es gibt zwar sehr viele andere Gutachten die diesem einen widersprechen, aber sind die Segel einmal gesetzt, weicht man scheinbar nie mehr davon ab. Was macht die Universität Graz? Die eilt in ihrem Obrigkeitsdenken und blindem Gehorsam mit und beschließt im Senat mit 15 Stimmen dafür und 11 Stimmen dagegen eine solche Studiengebührenregelung. Da stehen wir nun. Unabhängig davon, ob man nun gegen oder für Studiengebühren ist, dreht sich die Diskussion darum, ob Universitäten solche nun selbstständig, also ohne gesetzliche Grundlage, einheben dürfen oder nicht. Das Positive an der Diskussion ist, dass sie im Moment auf einer rein rechtlichen Ebene geführt wird und nicht auf einer ideologischen. Wir als ÖH würden uns auch dort gegen Studiengebühren aussprechen, aber so haben wir die Zuversicht, dass uns das Gericht Recht geben wird und die Studiengebühren dann hoffentlich endgültig wieder der Vergangenheit angehören werden.

Frag die Franzi!

Johannes Hallo Johannes!

Unruhige Zeiten für Sparschweine Foto: aboutpixel.de / © Martina Marschall

Alles in Allem ist es im Moment sehr schwer, seriöse Auskünfte zu diesem Thema zu geben. Abzuwarten gilt zum Beispiel noch die Regelung für die Ausnahmen (also wer von der allgemeinen Regelung ausgenommen ist). Was man aber sagen kann, ist, dass wir uns als ÖH weiterhin vehement gegen Studiengebühren aussprechen werden und alle Studierenden, welche Studiengebühren zahlen müssen unterstützen werden, bis zum VfGH zu kommen um diesem Missstand ein Ende zu setzen. Hierbei sei betont, dass es dabei zu keinem finanziellen Risiko (Verwaltungsgebühren, Rechtsanwaltskosten etc.) für diese Studierenden kommen wird – dafür haben wir gesorgt. Auch können wir sagen, dass wir euch in den kommenden Wochen, in denen diese Dinge alle fixiert werden müssen, auf dem Laufenden halten werden, wie der Stand der Dinge ist und was ihr tun müsst um keine Studiengebühren zahlen zu müssen bzw. sie später wieder rückerstattet zu bekommen. Also nicht gleich den ÖH-Newsletter löschen, sondern zuerst lesen, denn es werden wichtige Informationen darin enthalten sein. Solltet ihr Fragen dazu haben, scheut euch nicht uns diese zu stellen. Eine kurze E-Mail an beratung@oehunigraz. at genügt. Ob es ein Drama in fünf Akten ist, kann man selbstverständlich noch nicht sagen, das beurteilen wir, wenn die Geschichte fertig geschrieben ist.

Das ist schade, aber keine Panik: So dringend brauchst du den Ausweis normalerweise nicht – bei Prüfungen reicht es, wenn du dich mit einem Lichtbildausweis identifizieren kannst und in der Bibliothek kannst du auch einen anderen Ausweis als Pfand hinterlegen. Allzu lange solltest du aber nicht warten. Wenn du die Karte zum Drucken benutzt, melde dich (mit Lichtbildausweis) beim Servicecenter im ÖH-Gebäude oder dem Infopoint am ReSoWi, um deinen Druckaccount sperren zu lassen. Du kannst das auch vom UniWebmail (die Uni-Mailadresse muss verwendet werden) aus an servicedesk@uni-graz.at erledigen. Wenn du deinen Ausweis verloren hast, musst du zuerst im Fundbüro der Stadt Graz (Schmiedgasse 26) eine Verlustanzeige aufgeben und dir eine Verlustmeldung geben lassen. Wenn dir die Karte gestohlen wurde, dann kannst du dir von der Polizei eine Diebstahlsanzeige ausstellen lassen. Mit einer der beiden Unterlagen (du kannst dir also quasi aussuchen, welche du lieber besorgst) und einem Lichtbildausweis musst du in die Studien- und Prüfungsabteilung. Dort werden leider noch 15€ Kostenersatz von dir für die neue Karte verlangt, die du immerhin gleich per Bankomat zahlen kannst. Hoffentlich findest du deinen Ausweis noch und kannst dir das ersparen. Es grüsst deine Franzi

Schick‘ deine Fragen zum Studium an: franzi@oehunigraz.at

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3.000 * * Flugdistanz in Kilometern, die ein Luftballon unter optimalen Bedingungen zur체cklegen kann. Quelle: P. Glaschke: Trajektorien von Gummiballons in Ballonwettbewerben: Theorie und Anwendung http://arxiv.org/abs/1103.2126 Foto: m채gs / photocase.com


Freiheit

Internet als Menschenrecht

Den Digital Natives gehört die Zukunft Iran

Eindrücke einer Reise Freiheit & Partnerschaft

Positive und negative Treue ¡VIVA LA FICCIÓN!

Vor- und Nachteile des Guerilla Filmmaking Mitreden erwünscht

BarCamps als Do-it-yourself-Konferenzen

Prolog

Freiheit ist wohl einer der stärksten und größten, aber auch vielfältigsten Begriffe, die wir kennen. Für kaum etwas anderes sind so viele Menschen in den Tod gegangen, kaum etwas mutet heroischer an als eine/r, der/ die für die Freiheit kämpft – oder dies zumindest behauptet. Dass wir hier unser Blättchen produzieren können, verdanken wir der Presse- und Meinungsfreiheit; meine Freiheit hört dort auf, wo deine anfängt; Braveheart brüllt diese Forderung in die Welt hinaus, während man ihm die Eingeweide herauszieht; die Gedanken sind immer frei; die wahre Freiheit ist im Kopf; und so weiter und so fort. All das, was wir mit Freiheit verbinden, teilt einen

großen Prototyp: selbstbestimmt zu sein, sich durch keine Grenze/ Barriere aufhalten zu lassen. Klingt eigentlich nach einem ganz guten und vernünftigen Gedanken. Was auch der Grund ist, warum vermutlich kein anderes Wort auf diesem Planeten so oft missbraucht wurde wie die arme Freiheit, die so oft von selbst ernannten BefreierInnen an Ideen gekettet wird, die zwar für die eine Hälfte Freiheit bedeuten – aber dadurch für die andere Hälfte Gefangenschaft. Deshalb muss man vorsichtig mit der Freiheit umgehen und sie bewahren – denn das einzige, was stets unweigerlich an sie gekettet ist und auch sein sollte, ist die Würde des Menschen. Das Recht auf Freiheit ist die wohl wichtigste Basis

unseres Denkens – was keinesfalls als Aufruf zur Anarchie missverstanden werden soll. Frei zu sein heißt nämlich auch, daran zu denken, dass man nicht alleine auf der Welt ist. Dass es nicht nur um die eigene Freiheit geht, sondern auch um die vom Nachbarn. Denn es ist die eigene Freiheit eigentlich keinen Kümmerling wert, wenn sie auf Kosten anderer erhalten wird. Gebt den Menschen, Tieren, Bäumen, Steinen, Flüssen und überhaupt allem um euch herum ein wenig Freiheit sich zu entfalten, achtet ihre Würde und rafft nicht einfach blind alles an euch – dann werdet ihr mit ein wenig Glück von eurer Umwelt auch so behandelt und ein Kampf um Freiheit ist gar nicht mehr nötig, weil ihr schon frei seid.


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Das Internet als Menschenrecht Soziale Netzwerke verkaufen unsere Daten; Suchmaschinen machen uns zu gläsernen Menschen; die Privatsphäre ist am Ende. Hat das Internet das Ende der Menschenrechte eingeläutet? Mitnichten. Text Matthias C. Kettemann Cartoon WWW.KADO.CO.AT

Google, Facebook und Twitter sind nicht die vier Reiter der menschenrechtlichen Apokalypse in OnlineForm. Wer sich online begibt, begibt sich nicht seiner Rechte. Menschenrechte gelten online wie offline. Indessen stellen Informations- und Kommunikationstechnologien die Durchsetzung der Menschenrechte vor neue Herausforderungen. Konzediert: Trotz Geltung des gesamten Menschenrechtskorpus für Sachverhalte mit Internetbezug ziehen die neuen technologischen Möglichkeiten offene menschenrechtliche Fragen nach sich. Inwieweit unterscheiden sich DDoSAttacken von Sit-ins? Wenn ein Anbieter eines sozialen Netzwerkes dieses zu einem quasi-öffentlichen Raum macht, verliert dieser dann das Recht UserInnen auszuschließen, die Meinungen vertreten, die nicht im Mainstream liegen? Und gibt es überhaupt ein Recht auf Internetzugang? Ein Recht auf Internetzugang

2012 begann schlecht für jene, die ein Menschenrecht auf Internetzugang verfechten. Am 4. Jänner veröffentlichte Vint Cerf, als einer der technischen Vordenker des Internet eine angesehen Figur in der Internet Community, einen klar betitelten Kommentar in den New York Times: „Internet Access Is Not a Human Right“. Dieser Ansatz ist aus zumindest zwei Gründen recht-

lich unterkomplex und rechtspolitisch wenig hilfreich. Rechtlich unterkomplex ist eine generelle Ablehnung eines Rechtes auf Internetzugang, weil sie nationale und internationale Verbriefungen verwischt. Manche Staaten – darunter Estland, Frankreich und Finnland – haben auf nationaler Ebene ein Recht auf Zugang zum Internet geschaffen, indem sie ZugangsanbieterInnen dazu verpflichtet haben, gewisse Mindestbandbreiten auch in ländlichen Gegenden zu garantieren. Doch selbst in Ländern, in denen kein formales Recht auf Internetzugang besteht, kann ein subjektiv-rechtlicher Anspruch auf eine kommunikative Grundversorgung aus Menschenrechten und Teilhaberechten an dem demokratischen Meinungsbildungsprozess abgeleitet werden. Rechtlich unterkomplex ist eine Ablehnung von Internetzugang als Menschenrecht darüber hinaus, weil sie zwei getrennte Aspekte von „Zugang“ verwischt: die physische Dimension des Internetzugangs und den Zugang zu Online-Inhalten. Denn neben der Konnektivität bestehen auch menschenrechtliche Ansprüche, die ein im Wesentlichen ungefiltertes Internet sichern. Dies bedeutet indes nicht, dass staatliches Filtern in jedem Fall menschenrechtlich problematisch ist. Vielmehr ist die Entfernung mancher

Inhalte aus dem Netz, etwa Aufrufe zu Genozid oder Hassreden, sogar menschenrechtlich geboten. Entscheidend ist aber, dass Internetzugang im Lichte der wachsenden staatlichen Möglichkeiten zur Filterung von InternetInhalten immer auch eine inhaltliche Dimension mitumfasst. Natürlich ist das Recht auf Zugang kein absolutes Recht, das keine Ausnahmen kennt (wie etwa das Folterverbot) und ohne Verzögerung sofort gewährleistet werden muss (wie viele bürgerliche und politische Rechte). In der Tat hat das Recht auf Internet-Zugang eher konzeptuelle Ähnlichkeiten mit dem Recht auf Gesundheit insofern, als es Voraussetzung zur Realisierung anderer Menschenrechte ist, aber nur unter hohem finanziellem Aufwand flächendeckend zu implementieren ist. Das Recht auf Internet-Zugang, hier in seiner Konnektivitätsdimension, ist somit eng verknüpft mit dem entwicklungspolitischen Anliegen der Überwindung des digitalen Grabens. Den Digital Natives gehört die Zukunft

Die Diskussion um das verfehlte ACTAAbkommen hat gezeigt, dass menschenrechtsunsensible internationale Verträge in Zeiten einer neuen transnationalen Öffentlichkeit nicht mehr haltbar sind. Gesetze und Verträge, die sich auf das Internet beziehen, müssen


Freiheit 15

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in einem Prozess des Multistakeholderismus legitimiert werden. Die junge Generation menschenrechtsbewusster Bürgerinnen und Bürger hat als „digital natives“ das Potenzial, die Menschenrechte für das Internet relevant zu machen. Denn es besteht kein Zweifel, dass das Internet ein Inkubator für entscheidende soziale Entwicklungen der Zukunft ist. Gleichzeitig ist das Internet ein zentraler Katalysator für den Menschenrechtsschutz. Abschließend: Es gibt ein Menschenrecht auf Internetzugang. Dieses hat zwei Dimensionen: den Zugang zum Internet in infrastruktureller Hinsicht – hier sind entwicklungspolitische Interventionen notwendig – und den Zugang zu Internetinhalten – hier ist der Kampf gegen Internetzensur global auf menschenrechtlicher Basis verstärkt zu führen. Die Internetfreiheit braucht uns; und sie braucht Proteste gegen verfehlte Abkommen und Gesetze, wie ACTA, SOPA und PIPA. Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, dass der Mensch im Zentrum steht. Es ist nicht „das Internet“, das

Menschenrechte schützt. Es sind Menschen, die das Internet nützen, um (im Idealfall) Menschenrechte zu schützen. Nicht „das Internet“ protestierte am Tahrir-Platz in Kairo, nicht soziale Medien waren es, die die Revolution machten, sondern Menschen, die nach der Abschaltung des Internet nicht mehr kommunizieren konnten. Quasi eine Live-Facebook-Gruppe ohne Facebook, die aber dank Facebook weltweit geliked werden konnte. So macht das Internet Empörung leicht kanalisierbar und schafft den Kindern der 68er und anderen SofarevolutionärInnen ein befriedigendes Gefühl konstruktiver Beteiligung. Wer das Brot der Welt stiehlt

Schließlich: Wir müssen uns dagegen wehren, dass das Menschenrecht auf Internetzugang gegen andere Menschenrechte ausgespielt wird. Alle Menschenrechte sich universell, allgemein gültig, miteinander verknüpft und bedingen einander. Was bedeutet das für das Internet? Beim Weltgipfel zur Informationsgesellschaft 2005 wurde ein afrikanischer Menschen-

rechtler gefragt, ob nicht die Realisierung des Rechts auf Nahrung wichtiger sei als der Zugang zum Internet. Seine Antwort: „Ohne Zugang zum Internet kann ich niemandem erzählen, wer mein Brot stiehlt“. Nutzen wir das Internet also nicht nur dafür, uns zum nächsten Kaffee zu verabreden und über die Vorzüge von Auer und Sorger zu diskutieren. Nein: Nutzen wir das Internet, um laut zu rufen, zu bloggen, zu twittern, wer das Brot dieser Welt stiehlt. Und nicht vergessen: Damit ist es häufig noch nicht getan. Effektiver sozialer Aktivismus verlangt auch in Zeiten des Internets mehr als einen Mausklick.

Infobox Zum Nachlesen: Gahren/Haselbeck/Kettemann/Senges (Hrsg) Menschenrechte und Internet (2012) http://bit.ly/menschenrechteinternet_pdf http://bit.ly/bericht_menschenrechteinternet


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Der Jahrestag

„Esteqlāl,

yeEslāmī!“

Āzādī,

Dschomhūrī-

(„Unabhängigkeit, Freiheit, Islamische Republik“) tönt es aus den Lautsprechern. Nur wenige der geschätzten 50.000 Demonstra¬ntInnen wiederholen den Ruf. Die meisten scheinen die Veranstaltung eher als Pflichtübung zu empfinden. Hinter einer Reihe Bassidji marschieren Abordnungen der städtischen Händlervereinigung, der Bäcker, des Judovereins, der Belegschaft des Flughafens… Ich bin in Yazd, einer Stadt im zentralen Hochland des Iran unmittelbar vor der Dasht-e Lut. Es ist der 22. Bahman, 11. Februar – der 33. Jahrestag der Revolution von 1979. Nur wenige Stunden später ist der ganze Spuk wieder vorbei. Die großen Plätze sind leer, auf den Prachtstraßen stauen sich – wie immer – die Autos und die Bühne auf der am Vormittag VolksschülerInnen fahnenschwenkend Revolutionslieder gesungen haben, ist verwaist und dient als Abenteuerspielplatz für die Kinder aus der Nachbarschaft.

Iran Eindrücke einer Reise Text & Fotos Georg Maier

Gilan

Die Revolution 1979 brachte den Sturz des Schahs und verbannte den USImperialismus aus dem Land. Die Ziele, für die Millionen ArbeiterInnen und Jugendliche auf die Straße gingen, wurden aber betrogen. „Es ist nicht so, dass die Revolution ihre Kinder gefressen hätte“, erzählt mir Reza, ein Glasbläser, am Abend beim obligaten Tee. „Gefressen wurden die leiblichen Eltern. Khomeini und die anderen haben doch nur die Revolution ausgenutzt, sich an die Spitze gesetzt und dann alle ermordet, die ihnen im Weg standen und die die Revolution eigentlich gemacht haben.“ Die Revolution wirkt alt und müde. Die Parolen klingen hohl und nur wenige hören zu. Die Farbe der großen revolutionären Wandgemälde aus den 80ern blättert ab und keiner scheint Zeit und Muße zu haben, sie zu restaurieren. Vor allem die jungen IranerInnen, insbesondere die Frauen, können mit dem islamisch-revolutionären Pathos vergangener Jahrzehnte kaum mehr etwas anfangen. Widerstand

Gegenüber der Universität Teheran liegt der Daneshgu-Park, eine ruhige, grüne Insel mitten im stinkenden, Shiraz

hysterisch-lauten Verkehrschaos der Hauptstadt. StudentInnen gehen hier zwischen den Vorlesungen her, um zu relaxen, zu lernen, Tee zu trinken und um sich mit FreundInnen zu treffen. Ich sitze mit Ali, einem angehenden Physiker und einigen seiner KollegInnen im Gras. Wir genießen die letzten Strahlen der Februarsonne. Marjam, Alis Freundin, erzählt von den unerträglichen Zuständen an der Uni. Überfüllte Hörsäle, zu wenig Lehrende, Massenabfertigung, schlechte Jobaussichten; kommt mir bekannt vor. Dazu kommen allerdings noch die permanente Kontrolle und die Repression, die einsetzt, sobald irgendein Wort geäußert wird, das nicht den vorgeschriebenen Phrasen entspricht. Am Eingang der Universität haben die Behörden eine große US-amerikanische und israelische Fahne auf den Boden malen lassen. Die Studierenden sind angehalten, jedes Mal wenn sie hineingehen, mit ihren Füßen drauf zu treten. Marjam, Ali und ihre FreundInnen haben sich ein Spiel daraus gemacht Anlauf zu nehmen und darüber zu springen. Das geht nicht immer, weil der Eingang streng überwacht wird, ein kleines Zeichen des Widerstandes ist aber ab und zu möglich. Das heißt nicht, dass sie die israelische oder US-Politik gut finden würden, beim vorgeschriebenen pseudo-Antiimperialismus des Regimes wollen sie aber nicht mitmachen. 2009 sah es anders aus. Damals gingen hunderttausende auf die Straße um gegen das Regime zu demonstrieren. Was als Protest gegen den Wahlbetrug einer Fraktion des Regimes an einer anderen begann, entwickelte sich zum Kampf gegen das System der islamischen Republik selbst. Die Wahl der Demoroute war Programm. Von der Enqelāb-Avenue sollte es auf den Āzādī-Platz gehen: über die Revolution zur Freiheit. Das Ziel wurde nicht erreicht, weder auf der Demonstration noch im revolutionären Gesamtprozess. Dazwischen stellten sich die Polizei und die Bassidji, die FreiwilligenSchlägertrupps des Regimes. Tausende wurden verhaftet und über hundert Menschen getötet. Die „Führung“ der Bewegung, Mir Hussein Mussawi und andere, wurden von den Massen überholt und waren weder in der Lage noch


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Feiern zum 33. Jahrestag der Revolution, Yazd

willens, das System an sich anzugreifen. Sie versprachen kleine Erleichterungen im täglichen Leben und forderten die Neuauszählung der Stimmen, während hunderttausende überwiegend junge Menschen den Sturz der Diktatur verlangten. Der Großteil der Führung der „Grünen“ (insbesondere Mussawi) waren und sind integrale Bestandteile des Systems und weigerten sich, tiefer greifende Veränderungen vorzunehmen, als sie selbst an der Macht waren, oder solche zumindest vorzuschlagen. Es war die Massenbewegung der Jugend und zahlreicher ArbeiterInnen, die sie ab Sommer 2009 in die Rolle einer scheinbar prinzipiellen Opposition zwängte (ohne es zu wollen). Die Folge war ihr Hinausdrängen aus dem politischen Establishment, welches zur exklusiven Spielwiese der verschiedenen rechtskonservativen Kräfte wurde. Als Nachwirkung bleibt ein außerordentlich weit verbreiteter Zynismus gegenüber dem politischen System und – bei vielen – der Rückzug ins scheinbar unpolitische Privatleben. Während wir über die letzten Jahre reden, kommt Unruhe auf

im Daneshgu-Park. Die Polizei ist gekommen und kontrolliert, ob die Kopftücher der Frauen auch züchtig genug sitzen. Auch wenn die alten Sittenwächter-Komitees formal aufgelöst sind,wird immer noch von offizieller Seite streng über die Einhaltung der Kleidungs- und Moralvorschriften geachtet. Dabei geht es allerdings weniger darum, die Kleiderordnung tatsächlich durchzusetzen, sondern um permanente Kontrolle. Die Folge des Polizeieinsatzes im Daneshgu-Park ist, dass alle aufstehen und gehen. Das ist der Sinn der Aktion, schließlich sitzen da ja junge Menschen zusammen; wer weiß, welche staatsgefährdenden Gespräche da geführt werden oder ob da gar Menschen unterschiedlichen Geschlechts ohne Aufsichtsperson Kontakt haben… Ein Regime, das Frauen als Menschen zweiter Klasse behandelt, versucht, jeden Kontakt zwischen Menschen unterschiedlichen Geschlechts außerhalb der Ehe zu unterbinden, das verantwortlich ist für die Massenverarmung einerseits und die Konzentration

des Reichtums bei den Eliten andererseits, kann nicht auf Dauer bestehen. 2009 war eine schwere Niederlage, neue Massenbewegungen und letztlich der Sturz der Diktatur sind aber nur eine Frage der Zeit. Viele blicken auf die arabischen Länder. Während das Regime in den Revolutionen eine Wiederholung der eigenen Geschichte sieht, worin sich Ahmadinejad mit nicht wenigen selbsternannten westlichen „Intellektuellen“ einig ist, haben viele Jugendliche und ArbeiterInnen andere Schlussfolgerungen gezogen. Nur ein Jahr nach der blutigen Niederschlagung der Nach-Wahl-Proteste gingen wieder zehntausende in Teheran, Shiraz, Isfahan, etc. auf die Straße, um gegen das Regime zu protestieren. Wieder gab es ein brutales Vorgehen der Sicherheitskräfte, das mindestens drei Tote, 91 Verletzte und hunderte Verhaftungen zur Folge hatte. Aber auch das wird nicht das Ende sein.


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Libelle Juni 2012

Freiheit & Partnerschaft Positive und negative Treue

Heute haben wir zwar von Gesetzes wegen viele Freiheiten, aber unser Eros sitzt noch immer schmachtend im Gefängnis unserer eigenen Moral. Jener freie Umgang mit Sexualität, der uns tagtäglich vorgegaukelt wird, ist meist nicht mehr als Schein. Eine inszenierte Freizügigkeit täuscht geschickt Freiheit vor, während das Mittelalter noch immer fröhlich in unseren Seelen vor sich hin modert. „Die meisten Menschen sind sehr tapfer in ihrem alltäglichen Kampf gegen die Sexualität“ schrieb Dieter Duhm und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Dabei ist es unsere eigene Natur, die wir bekämpfen, unsere elementarsten Bedürfnisse, Sehnsüchte und Wünsche. Ein Krieg gegen uns selbst, geführt zu einem Preis, den wir uns schon lange nicht mehr leisten können. Text JOSEF DÜREGGER / DOMINKA KALCHER Cartoon WWW.KADO.CO.AT

Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Freiheit der Kunst. Spätestens seit der Aufklärung ist Freiheit einer der zentralen Werte unserer Kultur. Aber wie ist es um die Freiheit in unserem Liebesleben bestellt? Ein Thema, das relativ selten, oft widerwillig und meist verblüffend oberflächlich behandelt wird. Immerhin könnten eingefahrene Strukturen hinterfragt und Illusionen zerstört werden. Einen besonderen Knackpunkt, wenn es um Partnerschaft und Freiheit geht, scheint das Thema „Treue“ darzustellen. In der Verliebheitsphase ist Treue kein Thema, da man im Rausch der Hormone ohnehin mit Leib und Seele auf den einen Partner fixiert ist. Aber was ist danach? Allem Anschein nach hatte die Evolution nie eine lebenslange Monogamie für uns Menschen vorgesehen. Jener Hormoncocktail, der einst die Herzen zweier Menschen entflammte, baut sich unverschämter Weise innerhalb von zwei bis drei Jahren vollkommen ab. Nach spätestens 36 Monaten ist somit jede rosarote Brille gänzlich ausgebleicht. Nun werden,

unabhängig davon, wie sehr man seinen Partner liebt, wie wunderbar die Beziehung funktioniert, auch andere Menschen wieder interessant. Treue, davor noch ein natürlicher Zustand, wird nun immer öfter zur strikten Forderung, seine Natur zu kontrollieren und Freiheiten aufzugeben. Viele Gesundheitsexperten fordern zwar unermüdlich „Hör auf deinen Körper“, aber sobald es um die Bedürfnisse des Eros geht, wird dem Körper jede Kompetenz sofort wieder aberkannt. Wenigen ist aber bewusst, dass wir in diesem Fall nur von einem speziellen Treue-Verständnis sprechen, welches nicht das einzig mögliche ist und bei genauerer Betrachtung vielleicht sogar weniger mit Liebe zu tun haben könnte, als wir gerne hätten. „Ich liebe dich!“, aber nur solange du das und das und das nicht tust. Diesen Zugang nennt man negative Treue und ist das, was man in unserer Kultur gemeinhin unter dem Begriff „Treue“ versteht. Ein Treue-Verständnis, wo man durch Unterlassung (daher „negative“ Treue) seine Liebe beweist. Wenn

du mich wirklich liebst, verzichtest du bestimmte Freiheiten, zumindest aber auf das Selbstbestimmungsrecht über deinen Körper. Hier spielt der alte Opfergedanke eine Rolle, der Verzicht als Liebesbeweis. Egal wie gut diese Partnerschaft funktioniert, wie viele wunderbare verbindende Elemente diese Beziehung beglücken, wie sehr man in Krisenzeiten zueinander steht, sobald ein Partner einen Dritten zu sinnlich berührt, gilt die Treue als gebrochen. Aber müsste Liebe nicht mehr sein? Ein Gefühl, dass keine Opfer vom anderen fordert? Unser zurzeit vorherrschendes Beziehungsmodell, welches uns von klein auf in tausenden Geschichten, Filmen und Liedtexten „einprogrammiert“ wurde, stammt aus dem 19. Jh. und war eine bürgerliche Reaktion auf das wesentlich freiere Liebesleben des Adels. Es entwickelte sich eine Liste von Dingen, die man NICHT tun darf, wenn man als treu gelten möchte. Das Bedürfnis nach sinnlich-sexueller Freiheit musste nun heimlich ausgelebt oder vollkommen verdrängt werden. Fatal ist, dass der


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Verzicht als Liebesbeweis genau in jenem Lebensbereich gefordert wird, dessen Einzäunung auf Dauer meist nicht ohne physische und psychische Konsequenzen bleibt. Warum sich bei uns Treue ausgerechnet über die Einschränkung des Eros definiert, wurzelt vermutlich in der männlichen Angst vor „Kuckuckskindern“. So wurden Frauen bereits in grauen Vorzeiten auf immer bizarrere Art und Weise ihrer Freiheit beraubt, bis letztendlich auch die Männer selbst im Kerker ihrer eigenen Regeln landeten. Nun durfte keiner mehr, weder Mann noch Frau, in einer Partnerschaft frei über seinen eigenen Körper verfügen. Es gibt aber nicht nur die negative Treue, sondern, wenngleich sich dessen wenige bewusst sind, auch einen vollkommen anderen Zugang, die positive Treue. Positive Treue misst sich nicht an dem, was man nicht tun darf, sondern an dem, was zwei Menschen verbindet, also an dem, was eine Partnerschaft positiv definiert. Hier zählt das, was verbindet und nicht das, was einen trennen könnte. Opfer oder die Ein-

schränkung von Freiheiten des anderen sind als Liebesbeweis überflüssig. Hier zählt Liebe, Freundschaft und Leidenschaft, das gemeinsame Pferde stehlen, der Zusammenhalt in der Krise. Hier zählen die schönen Momente und das ganz Besondere, was nur diese Beziehung ausmacht und ausmachen kann. Heimliches Fremdgehen, Lügen, oder ein vorzeitiges Auflösen von gut funktionieren Partnerschaften auf Grund von sogenannten „Ausrutschern“ sind hier überflüssig. Solche Partnerschaften, meist „offene Beziehung“ genannt, werden bei uns noch immer gern mit gelebten Pornofilmen verwechselt. Jeder mit jedem und das am besten mehrmals täglich. Aber in Wirklichkeit definiert sich eine offene Beziehung nicht durch die sexuellen Interaktionen mit Dritten (diese könnten auch überhaupt nicht stattfinden!) sondern einzig und allein durch das Konzept der positiven Treue. Am konsequentesten wird das Modell der positiven Treue bei Polyamory (auch „Polyamorie“ oder „Polyamour“) gedacht und gelebt. Polyamory ist

ein Beziehungsmodell, wo mit vollem Wissen und Einverständnis aller Beteiligten auch Liebesbeziehungen zu Dritten gelebt werden können. Denn auch die Liebe zu einem Dritten steht bei genauerer Betrachtung weder emotional noch sexuell in Konkurrenz zur Hauptbeziehung, sondern bereichert diese durch die konkret erlebte Differenz. Somit verstärkt das Besondere der einen Beziehung die spezielle Qualität der anderen. Gerade in letzter Zeit wenden sich immer mehr Menschen Polyamory oder anderen auf positive Treue basierenden Beziehungsmodellen zu, und so könnte dieser kurze Text ein wenig zum Verständnis dieser Zugänge beitragen. Er sollte aber auch dazu anregen, ein Thema neu zu reflektieren, welches uns von klein auf sehr einseitig serviert wurde. Am Ende gilt aber immer, wie der alte Fritz schon sagte, jeder soll nach seiner Fasson selig werden. Alles Liebe, Josef & Dominika


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¡VIVA LA FICCIÓN!

Vor- und Nachteile des Guerilla Filmmaking Wenn dich eine Geschichte energisch an der Hand nimmt und will, dass du ihr folgst, hast du das auch gefälligst zu tun – unabhängig davon, ob du weißt, wo es hingeht und ob es dir gerade in den Kram passt oder nicht. Text Bernhard Reicher Fotos Pantherion

„Pantherion“ in voller Länge auf Youtube: http://youtu.be/4QU8kVkB_hY

Auch wenn ich es nicht immer gerne so dezidiert formulieren wollte, kommt dieser Satz meinem Credo als Drehbuchautor doch recht nahe. Und in den letzten zweieinhalb Jahren hab ich‘s selbst erleben können, wie sehr das Vertrauen in eine Geschichte belohnt werden kann … sogar wenn alle Umstände dagegen zu sein scheinen: Die Arbeit für Pilotfilm, Hörspiel, Groschenhefte und Blog zur Grazer Mystery‐Serie PANTHERION wurde diesbezüglich zu einem ausgesprochenen Lehrstück. Sie brachte mich zwar einerseits an die Grenzen meiner Leistungsfähigkeit, andererseits aber auch über die Grenzen dessen hinaus, was ich mir über die Möglichkeiten filmischen Erzählens vorzustellen vermochte. Als wir ohne Budget/Equipment/Crew/Businessplan/Drehgenehmigungen starteten, waren wir uns darüber im Klaren, dass wir uns auf ein Abenteuer mit äußerst unbestimmtem Ausgang einlassen würden – doch letztlich reduzierte sich alles auf die Frage: „Wollen wir uns monatelang mit der Bürokratie von Förderansuchen abmühen oder

einen Film machen?“ Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Hürden, die wir durch eine vollkommen unabhängige Produktion zu nehmen hatten, waren nicht ohne. Mehr als einmal stand das gesamte Projekt auf der Kippe. Aber (und ich denke, das war einer der entscheidendsten Aspekte, der zum Erfolg dieser Guerilla‐Aktion geführt hat) kein einziges Mal zweifelten wir daran, dass wir diesen Film drehen würden, wie auch immer. Ja, es würde Nerven kosten. Ja, es würde viele geben, die ihn befremdend fänden. Und ja, er würde entsprechend amateurhaft werden. Aber das war eine bewusste Entscheidung. Dafür konnten wir es uns aussuchen, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die wir mochten. Wir waren frei, die bemüht konstruierte Trennung zwischen „ernsthafter“ und „unterhaltender“ Kunst zu ignorieren und unsere Geschichte zu erzählen, ohne dass uns ein Marketingexperte dazwischenfunkte, der wusste, was „das Publikum will“. Ohne die Hilfe eines Studios waren wir buchstäblich jeden Tag auf


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unsere Improvisationsfähigkeit angewiesen – und auf Unterstützung aus anderen Sphären. Nicht umsonst gab es ja den einen oder anderen im Produktionsstab, der magisch arbeitet. So konnten wir uns auch persönlich wesentlich tiefer und authentischer auf die paranormalen Hintergründe unseres Stoffs einlassen als es bei einer herkömmlichen Produktion üblich wäre. Wir waren frei, die Materie so ernst zu nehmen wie wir wollten, in sie einzutauchen und damit zu experimentieren, sie für real zu halten … und auf diese Weise Graz und uns selbst zu verzaubern. So konnten wir tatsächlich bald nach Belieben von einer Realität in die andere switchen. Mit allen Konsequenzen natürlich. Denn, wie Neil Gaiman es in einem Interview mit der Zeitschrift GNOSIS ausgedrückt hat: If you are going to write about real things, or real things that many people don’t believe to be real, you have to write all about it. […] Any mythos, any system of belief that is genuine and real and not some artsyfartsy little construct has dephts. They go down a long way, and there are things moving in those dephts, and very often you walk down to the dephts before you can get back. That’s one of the deals. […] But the further you go back in fairy lore, the stranger and the darker – and very occasionally, the brighter – they get. You have to take both. Dass man dadurch verändert wird, versteht sich von selbst. Fiktion formt (unsere Wahrnehmung der) Realität; insofern wurde aus unserem Abenteuer nicht nur das bislang größte Independent‐Projekt Österreichs, sondern auch eine mythomagische Entdeckungsreise. Auch wenn es jetzt sehr pathetisch klingen mag: Zu den Highlights meiner persönlichen Erfahrungen als Creator und Showrunner der PANTHERION‐Welt gehört es, dass ich gemeinsam mit allen Beteiligten dem Wesen des Geschichtenerzählens bewusst nachspüren und die Beziehung zwischen Fiktion und Bewusstsein ein klein wenig ausloten konnte. Und allein dafür hat sich der ganze Aufwand gelohnt. Es leben die Geschichten!

Mitreden erwünscht Wissensvermittlung und lebendige Diskussionen: BarCamps sind kleine Do-it-yourself-Konferenzen Text Franz Fuchs

Ein Samstag Vormittag an der Grazer FH-Joanneum. Wo sonst Lehrende ihr Wissen den Studierenden vermitteln, versammelt sich ein buntes Völkchen um ein Flipchart. Ihr Ziel: Die Vorträge für den beginnenden Tag zu planen. Jede/r Teilnehmer/in ist aufgerufen, einen Vorschlag abzugeben: Sei es, weil man selbst zu einem Thema sprechen will oder von anderen gerne einen Vortrag hätte. Dieses kleine Ritual bei jedem Barcamp erklärt auch schon den größten Unterschied zu klassischen Konferenzen: Deren Sprecher und Sprecherinnen sind schon lange im Voraus bekannt und der Zeitplan fixfertig, bevor der/die erste BesucherIn die Vortragsräume betritt. BarCamps bezeichnet sich selbst daher gerne als „Unkonferenzen“, im Vordergrund steht der offene Gedankenaustausch, getragen von Interessierten. Die Idee entstand Mitte der 2000erJahre im Herzen des Technologiezentrums Silicon Valley (Kalifornien) und breitete sich über die internationale Start-Up-Szene schnell aus. Ein BarCamp widmet sich immer einer bestimmten Thematik und längst sind es nicht mehr nur Technik-Themen. Das österreichische Portal barcamp.at listet im Archiv unter anderem BarCamps zu Indien, Afrika, Politik und Tourismus. Dominierende Themen bleiben allerdings weiterhin SocialMedia, Programmieren oder OpenData. Eine Webaffinität ist allen Barcamps gemein: Die TeilnehmerInnen werden aufgefordert darüber zu bloggen, zu twittern und Inhalte online zu teilen. Etabliert hat sich für die Unkonferenzen ein Twitter-“Hashtag“ (Schlagwort), mit dem Ausstehende einen Einblick in laufende Diskussionen erhalten können. Wirklich elementar für ein BarCamp ist daher eigentlich nur ein funktionierendes W-Lan.

Foto: websciencegraz / Flickr.com / CC BY-NC-SA 2.0

Keine ZuseherInnen nur TeilnehmerInnen

Diskussionen sind ausdrücklich erwünscht bei Barcamps. Die klassische Konferenzteilung zwischen Vortragende und Publikum ist aufgehoben, längere Frontalvorträge sind selten und unerwünscht. Ein Mitspracherecht hat das Publikum auch über die Vorträge („Sessions“) selbst: Welche Sessions es in den Zeitplan schaffen, darüber wird basisdemokratisch abgestimmt. Und auch sonst wird Selbstorganisation groß geschrieben: Zwar werden BarCamps in der Regel von Firmen gesponsert, (Eigen-)Werbung ist jedoch verpönt – um lange Eigenporträts zu vermeiden, dürften in der gemeinschaftlichen Vorstellrunde nur drei Wörter zur Selbstbeschreibung verwendet werden.


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* Nanosekunden, die Neutrinos im OPERA-Experiment des CERN schneller als das Licht reisten. Neuere Forschungen zeigten jedoch, dass dies eine Fehlmessung war. Das PhysikerInnen-Weltbild bleibt bis auf weiteres bestehen. Quelle: http://press.web.cern.ch/press/PressReleases/Releases2011/PR19.11E.html Foto: Rama / commons.wikimedia.org / CC-BY-SA 2.0


Pop

Frühlingsfieber

Paula Perschke vom Theater a.c.m.e Meer-Tennis in Istrien

Tennisreise nach Kroatien Am Rande der Realität

Terry Pratchett und seine Scheibenwelt Kolumnen

Musik, Nerds & Sex Comic & 10 Tipps

WG-Party & Festivalpackliste

Sitzen

Legal zu beziehen ist Game of Thrones derzeit kaum – Statistiken zufolge erreicht die Kultserie rekordverdächtige Downloadzahlen in einschlägigen Portalen. Wer Serienproduzenten HBO trotzdem unterstützen will und Gefallen an eigenwilligen Sitzmöbeln findet, kann im HBO-Shop immerhin nun eine detailgetreue Replika des „Iron Throne“ bestellen und zukünftig wie König Joffrey residieren. Die Libelle-Redaktion wartet derweil noch auf das Breaking Bad-Labor fürs eigene Wohnzimmer.

Kochen

Kühlschränke mit Internet-Anschluss die selbstständig Milch nachbestellen, sind schon seit Jahren der Traum aller technikbegeisterten Hausmänner und -frauen. Neu am Markt der vernetzten Küchengeräte: Der Herd mit Internetanschluss. iTotal Control nennt sich die Weißware des britischen Premiumherstellers AGA. Fernsteuern lässt sich der Ofen mittels SmartphoneApp, Website oder klassisch per SMS: Ein/Auschalten geht damit auch aus der Ferne. Der Preis des vernetzten Schmuckstücks: wohlfeile 12.500 Euro (Kochkurs nicht inkludiert).

Riechen

Retro-Lovern sind eBooks ein Graus: Es fehlt ihnen am haptischen Erlebnis und Papiergeruch. Zumindest letzteres lässt sich nun simulieren: Das Parfum Paper Passion riecht nach frischgedruckten Büchern, Osmanthus- und Moschusnoten vervollständigen den Duft. Kreiert wurde das Parfum von Geza Schön, den Einband gestaltete Mode-Ikone Karl Lagerfeld und ein (unpolitisches) Gedicht von Günter Grass liegt auch bei. Zu kaufen gibt es den Papierduft für 88 Euro online unter www.steidlville.com


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„Frühlingsfieber“ „Kommunistisch, lesbisch, drogenabhängig – das schickt sich nicht für eine Frau in den 30ern“ (Perschke über Annemarie Schwarzenbach) Das Kulturreferat der ÖH Uni Graz im Gespräch mit Paula Perschke von a.c.m.e über deren neue Produktion ‚Frühlingsfieber‘

Was genau macht a.c.m.e? Paula: Wir beschäftigen uns primär mit dem Covern von Texten – eigene als auch klassische Theaterstücke und Lieder, von Hochkultur zu Popkultur. Wir machen Lesungen, Performances, Theaterstücke. Uns von a.c.m.e verbindet dasselbe Verständnis von Theater: es aus den klassischen Strukturen herauszulösen.

Foto: theater a.c.m.e

Eure Ziele? Die Themen, die uns beschäftigen, auf die Bühne bringen und an so vielen Orten wie möglich Theater schaffen. Wir konzentrieren uns auf Themen, die teilweise vergessen wurden oder noch nicht behandelt wurden. … so wie in ‚Frühlingsfieber‘ – ein Stück über die Beziehung zweier Frauen in den 30ern. ‚Frühlingsfieber‘ ist ein Herzensprojekt, es geht um die Schweizer Schriftstellerin Annemarie Schwarzenbach,

die Ende der 30er der Schriftstellerin Carson McCullers begegnet, die sehr starke Gefühle für Schwarzenbach hegt. Die beiden konnten sich aber nie richtig begegnen und nie richtig trennen. Es ist der Versuch einer Liebe zwischen zwei intellektuellen Frauen, die heute keiner mehr kennt. Wie bringt ihr diese Thematik auf die Bühne? In Form einer literarischen Collage: Wir haben Briefe rekonstruiert, Zitate und Originale zu einem Theaterdialog zusammengefasst – geleitet von dem zentralen Bedürfnis, diese Frauen zu verstehen. Frühlingsfieber – wo wir und wir nur umeinander waren.“

Premiere am 13. Juni im Werkraum Theater (Glacisstraße 61a, 8010 Graz) Weitere Vorstellungen: 14. und 15. Juni 2012 Beginn: 20.30 Uhr Wiederaufnahme im Herbst.

Meer-Tennis in Istrien Text Sportreferat ÖH Uni Graz

Hannes Zischka Sportreisen bietet als größter Camp-Veranstalter Kroatiens auch für Studierende, AbsolventInnen und Bedienstete von Uni und FH eine tolle Tennisreise. In 3x90 Min. Training in Gruppen von maximal 4 Personen kann man Tennis erlernen oder verbessern und zusätzlich unbegrenzt frei spielen. Foto: Evdcoldeportes / commons.wikimedia.org / CC-BY-SA 2.5

Termin: 24.-28.10., Ort: Rabac an der Ostküste Istriens. Kosten: 4 Nächtigungen auf Basis HP im DZ 159 € (EZ auf Anfrage), das Tennispackage kostet 100 € (USIUnterstützung 50 €), nicht Tennis spielende Begleitpersonen können gerne mitreisen. Anmeldung: Beim USI (www.usigraz.at)


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Am Rande der Realität Es gibt tausende Dimensionen in unserem Multiversum. Doch nur in einer ist die Realität so hauchdünn und die Kreativität so stark, dass es ihr gelungen ist, eine Welt hervorzubringen, die es kein zweites Mal geben kann: die Scheibenwelt. Getragen von vier Elefanten, die auf dem Rücken einer wirklich unheimlich großen Schildkröte stehen, die gemütlich durchs Weltall schwimmt. Text Martina Winkler Diese Welt ist das Spielfeld, auf dem der britische Autor Terry Pratchett seine Geschichten antreten lässt. Er schuf in über zwanzig mehr oder weniger zusammenhängenden Geschichten die wahrscheinlich cleverste Fantasy-Welt der Literatur. Seine Scheibenwelt und ihre BewohnerInnen sind ein verzerrter kreativer Spiegel unserer Gesellschaft, verpackt in eine humorvolle, jedoch auch irgendwie bösartige Kruste aus Phantasie. Pratchetts Geschichten drehen sich oft um mehrere, immer wieder vorkommende Hauptpersonen, manche jedoch stehen auch für sich allein. Und es ist für nahezu jede/n Fanatsy-Geschmack etwas dabei.

Trunkenbold, Zwergen (auch wenn einer von Ihnen über 1,80 m groß ist), Trollen, einem Werwolf, Golems, und einigen anderen kreativen Wesen, die jedoch eines gemeinsam haben: Sie verweigern sich standhaft der stereotypen Darstellung ihrer Rollen, die im Fantasy-Gewerbe sonst üblich ist. Doch der größte Held der Scheibenwelt, neben einem aus Altersgründen nicht mehr ganz so aktiven Barbaren, ist GEVATTER TOD. Der Tod beginnt nämlich, sich für das Leben zu interessieren, nur genau verstehen kann er es nicht. Er nimmt einen Lehrling auf und tauscht sein Skelettpferd aus Gründen der Bequemlichkeit gegen einen stattlichen Schimmel namens „Binky“.

Da wäre Rincewind, der schlechteste Zauberer der Welt, dessen einziges Talent darin besteht, unheimlich gut im Weglaufen zu sein. Oder Oma Wetterwachs und Nanny Ogg, die zwei besten Hexen der Scheibenwelt – die eine stählern und zugeknöpft, die andere fröhlich und oft am trinken. Und dann gibt es da noch die Stadtwache von Ankh-Morpork, der größten Stadt der Scheibenwelt. Ankh-Morpork ist, was wir eventuell als „Schmelztiegel“ beschreiben würden – vorausgesetzt, wir beschäftigen uns in erster Linie mit der Schlacke, die übrig bleibt. Gelenkt wird sie von Lord Vetinari, dem wohl intelligentesten – und daher gefährlichsten – Politiker aller Zeiten. Er ist der Meinung, wenn Verbrechen schon nicht zu verhindern seien, sollten sie sich zumindest selbst organisieren – und ruft die Gilden der Assassinen, der Diebe und der Kaufleute ins Leben. Um die nicht lizenzierten Verbrechen kümmert sich dann die Stadtwache – bestehend aus einem ehemaligen

Und all diese Gestalten wirft Pratchett nun auf sein Spielfeld, und lässt sie auf der Scheibenwelt durch Geschichten wandern, deren DarstellerInnen uns nur allzu oft an uns selbst erinnern. Sie führen Kriege um strategisch wichtige, aber vollkommen nutzlose Felsen, sind SpeziesistInnen (die Hautfarbe wird zur Nebensache, wenn der neue Nachbar ein angeblich vegetarisch lebender Vampir ist), würden für genug Geld ihre Großmutter verkaufen, halten sich an keinerlei Regeln und sind im Allgemeinen gierige, gemeine Mistkerle. Aber irgendwie doch liebenswert. Pratchetts Charaktere sind auf ihre ganz eigene Art besonders, man wünscht sich irgendwann, sie kennenlernen und mit ihnen was trinken gehen zu können. Ein Besuch in seiner Welt kann sich auf jeden Fall nur lohnen. Da manche seiner Geschichten aufeinander aufbauen, empfiehlt sich eine gewisse Reihenfolge für EinsteigerInnen: Wer sich mehr für Kriminalfälle interessiert, sollte mit „Wachen! Wachen!“ starten,

der ersten Geschichte über die Wächter in Ankh-Morpork, in der sie es mit einem verrückten Monarchisten und einem Drachen zu tun bekommen. Wer sich lieber mit mächtigen Zauberern und Touristen beschäftigt, sollte mit „Die Farben der Magie“ beginnen. Und wer gerne Geschichten über Lehrlinge liest, sollte sich „GEVATTER TOD“ zu Gemüte führen.

ScheibenweltStadt Lancre Foto: Cyrodan / commons.wikimedia.org / CC-BY-SA 3.0

Weiterführende Details zur Scheibenwelt findet man überraschenderweise im Internet, eine schöne Auflistung findet man auf der im Wikipedia-Stil gebauten Seite www.thediscworld.de. Die deutschen Übersetzungen sind verhältnismäßig gut geschrieben, wie bei den meisten Büchern empfiehlt sich jedoch die Originalversion für die der englischen Sprache mächtigen. In der Hoffnung, bei dem einen oder der anderen ein wenig Interesse geweckt zu haben, schließe ich meine Ode an die Scheibenwelt mit dem übelsten Fluch, den man auf dieser kennt: „Möget ihr in interessanten Zeiten leben!“


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Musik

Nerd

Text Manuel Borovsky

Text Herwig Riedl

Text Karla Bro‘Show

Marktforschungsabteilungen

Mein erstes Mal. Ab einem gewissen

Kolumne

Tenacious D sind zurück – und wie!

Nach dem eher schwachen Werk „The Pick Of Destiny“ aus dem Jahr 2007 wusste man nicht so recht, was man von der neuen Scheibe erwarten konnte – doch schon mit der ersten Singleauskopplung „Rize Of The Fenix“ wurden alle Zweifel über das gleichbenannte Album aus dem Weg geräumt. Jack Black besticht wie immer durch seinen nicht ganz jugendfreien Humor und eine unglaubliche Stimme, die in den letzten Jahren offenbar noch ausgereifter und variantenreicher wurde. Kyle Gass an der Gitarre und der überragende Dave Grohl (Foo Fighters) am Schlagzeug runden die Sache ab. Neben dem Titeltrack sind vor allem „Ballad Of Hollywood Jack And The Rage Kage“ sowie „39“ absolut empfehlenswert. Einziger Wermutstropfen: Es befinden sich nur 8 vollwertige Songs auf der Scheibe, wobei aber auch die 1-minütigen Kurztracks wie „To Be The Best“ sofort im Gedächtnis bleiben.

„Freiheit“ ist das aktuelle LibelleThema und auch die Maxime von Amnesty International. Anlässlich ihres 50jährigen Bestehens versammeln sich auf der Compilation namens „Chimes Of Freedom – The Songs Of Bob Dylan“ gut 80 KünstlerInnen, um insgesamt 73 Songs vom großen Bob Dylan zu covern. Der Amerikaner gilt als einer der einflussreichsten Musiker des 20. Jahrhunderts, wobei er im europäischen Raum aus unerfindlichen Gründen nie richtig gewürdigt wurde. Die InterpretInnen der Scheibe umfassen neben großen Namen wie Johnny Cash, Sting und Lenny Kravitz auch Kultbands wie Flogging Molly und Queens Of The Stone Age sowie im Allgemeinen eher fragwürdige Newcomer wie Kesha und Miley Cyrus, die aber mit tiefgründigen und ernsten Songs überraschen.

Kolumne

der großen Medienkonzerne saßen mit ihrem Verständnis für Massengeschmack seit Jahrzehnten am längeren Ast. Egal wie groß das Gejammer der Fans und Nerds war, egal wie heftig der Shitstorm auf Twitter wehte: Abgesetzt blieb meist abgesetzt. Und was nicht allen gefiel, ging meinst erst gar nicht in Produktion. Anstatt mit einer guten Idee verzweifelt bei phantasielosen Krawattenträgern um Geld zu betteln, könnte man es ja gleich bei den EndverbraucherInnen selbst holen. Was für eine einfache Lösung! Statt InvestorInnen anzubetteln, die meist nicht mehr als eine Exceltabelle in ihrer rechten Gehirnhälfte besitzen, lieber gleich bei begeisterungsfähigen UserInnen anklopfen. Ein neues Verständnis von Geldfluss sägt kräftig an den Säulen der bestehenden Medienwelt. In der ersten Hälfte dieses Jahres spielte sich auf der größten CrowdfoundingPlattform „kickstarter“ unfassbares ab. Tim Schäfer, Mitschöpfer der legendären Monkey-Island-Serie, schaffte es in wenigen Stunden genügend Geld für ein altmodisches Point-and-ClickSpiel aufzustellen. Er blieb nicht der Einzige. Einige andere alte Haudegen der Telespielbranche nutzen ihren relativen Bekanntheitsgrad und holten sich von Fans das Geld für neue Projekte: Wasteland 2, Shadowrun, Jane Jensens Moebius und LeisureSuit Larry – sie alle kommen wieder. Auch viele kleine Brettspielverlage verschaffen sich ihr Startkapital für das nächste ZombieBoardgame auf diese neue Weise. Und eine gewisse Amanda Palmer nutze Crowdfounding, um der Musikindustrie so richtig den Stinkfinger zu zeigen.

Sex

Kolumne

Alter gibt es nicht viele Dinge, die frau zum ersten Mal macht, was aber immer wieder den Reiz des neuen versprüht, ist das erste Mal mit einem neuen Typ. Egal ob es der neue Prince Charming ist oder nur ein Zuckerstück am Wegrand. Zuallererst wird das allgemeine erste Mal überschätzt. Meistens ist es Mist. Die nächsten ersten Male sind da schon besser und vor allem sehr aufschlussreich. Davor datet frau die Katze im Sack, erst im Bett entscheidet sich, ob die Chemie auch horizontal stimmt oder ob es sich eher um einen laienhaften Paarungsversuch handelt. Geschlechtsverkehr ist ein Spiel, bei dem es darum geht, dem Mitspieler bzw. der Mitspielerin möglichst viel Freude zu bereiten ohne dabei selbst auf der Strecke zu bleiben. Kleine Pannen, wie stürmisch ausgetauschte Headbutts, sind verzeihbar. (Nicht verzeihbar: Unfähigkeit einen BH zu öffnen und ein Kondom anzulegen). Es muss auch nicht der perfekte Sex im olympischen Paareislaufstil sein, sondern genussvoll für beide. Wenn aber der eine Fußball spielt und die andere Schach, wird kein Korb geworfen werden. Nicht jede kann mit jedem verschmelzen. Akzeptanz ist in diesem Fall angesagt und nicht krampfhaftes Herumgehampel. Aufstehen, anziehen und weitersuchen. Neuer Tag, neues Spiel.


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Libelle Juni 2012

10 Dinge die du auf Festivals

1

Gummistiefel einpacken! Außer es geht nach Spanien.

5

Desinfektionstücher für DixiWCs schaden nie.

2

Kopfschmerztabletten: Für den Morgen danach.

6

3 4

Trockeneis ist unnötiger Luxus! Bier kann auch zu kalt sein. Gin zum Zähneputzen wird von führenden Facebook-Freunden empfohlen.

7

(nicht) brauchst.

8

Ohrstöpsel als Maßnahme gegen schnarchende ZeltbewohnerInnen (oder Stromgeneratoren)

Ersatz-T-Shirt: Daheimlassen. Ist genauso schnell dreckig wie das erste.

9

Prinzipiell: Alles daheimlassen, um das es schade wäre, wenn Bier draufkäme.

Taschenlampe nicht vergessen. Zelte wollen auch im Dunkeln gefunden werden.

10

Gar nicht erst mitnehmen: Langweilige Begleitung

impressum Medieninhaberin, Herausgeberin und Verlegerin: Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft an der Universität Graz Schubertstraße 6a, 8010 Graz Tel: 0316 380 2900; vorsitz@oehunigraz.at

Redaktion: Franz Fuchs (Chefredakteur), Martina Winkler, Patrick Kloiber Layout: Franz Fuchs und Beatrix Lorber Druck: Universitätsdruckerei Klampfer Lektorat: Bettina Pint

Dank an: Angelika Weber Kontakt zur Redaktion: presse@oehunigraz.at www.libelle.me www.facebook.com/libelle.me


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Libelle Juni 2012  

Die Zeitschrift der ÖH Uni Graz im Juni mit dem Schwerpunkt Freiheit

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