KONTRAPUNKT - "Raus damit" 2020

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Illustration: Gianluca_Capodiferro

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IMPRESSUM KONTRAPUNKT, 2. AUSGABE / JUNI 2020

BILDNACHWEISE:

HERAUSGEBER / MEDIENINHABER HochschülerInnenschaft an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz

Cover: Gianluca Capodiferro // Seite 4/5: Anna Ziener // Seite 7: ÖH KUG // Seite 9: Hannah Wasserfaller // Seite 11/1: Natasa Seite 11/2: Stefan Seite 11/3: Dimitri // Seite 12/1: Paul Diwiak, Seite 12/2: Johanna Seitinger // Seite 13/1: Daniel Gruber, Seite 13/2: Anna Ziener, Seite 13/3: Johanna Kleinschuster // Seite 14: ÖH KUG// Seite 19: Johanna Seitinger// Seite 21: Mia Wiederstein // Seite 22/23: Dagmar Leis // Seite 24: Bernhard Mondschein // Seite 25: Valentina Morianz // Seite 26: Karla Juric // Seite 27: Johanna Seitinger // Seite 28/1: Iztok Zupan, Seite 28/2: Andre Doehring , Seite 28/3: The Schubidu Quartett, Seite 28/4: Christa Brüstle , Seite 28/5: Michael Reidinger, Seite 28/6: Joseph Breinl , Seite 28/7: Silke Kruse-Weber, Seite 28/8: Helen White // Seite 32: Anna Ziener // Seite 36/37: Katrin Felbermair/ Leona Lenger / Johanna Unterpertinger // Seite 38: Veronika Müller-Hauszer // Seite 40: Rebecca Masser/Julia Wernig // Seite 42: Martin Valentin Fuchs// Seite 43: Hannes Schachner // Seite 44/45: Hannah Dornan // Seite 50/51/52: Veronika Müller-Hauszer, Theresa Tomaschütz, Hannah Wasserfaller

ADRESSE Leonhardstraße 21, 8010 Graz Telefonnummer: 0316/389-1600 E-Mail: oeh-presse@kug.ac.at Website: oeh.kug.ac.at REDAKTION Chang-Jun Choi Johanna Seitinger Hannah Wasserfaller (Die Redaktion ist nicht für alle Inhalte der einzelnen Artikel verantwortlich und vertritt somit nicht zwingend dieselben Meinungen.)

LAYOUT Hannah Wasserfaller SPECIAL GUEST CRITIC: Johanna Seitinger GRAMMAR SPECIALIST: Chang-Jun Choi

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Liebe Studierende der KUG, Verehrteste Leser_innen und Betrachter_innen.

Dieses Semester ist wohl eindeutig eines der ungewöhnlichsten, die wir je erlebt haben. Es hat uns vor viele Herausforderungen gestellt, die so nicht geplant waren und auch wir als Redaktionsteam mussten uns mit dieser seltsamen Lage erstmal anfreunden- oder zumindest ein akzeptables Bekanntschaftsverhältnis etablieren. Viele Fragezeichen und noch weniger Antworten als normalerweise. Eines aber wussten wir: Die Zeitschrift werden wir in diesem Semester auf jeden Fall trotzdem machen. Dem 21. Jahrhundert sei Dank, mittels Mails, Mails, Mails, Zoom-Konferenzen und WhatsApp-Geschreibsel haben wir es (mit Eurer tatkräftigen Unterstützung) letztlich doch geschafft, eine spannende Ausgabe zusammenzustellen. Um dem Ganzen einen Bogen zu geben, haben wir uns dazu entschlossen, die Ausschreibungen und das Sammeln der Beiträge unter das Thema „Raus Damit!“ zu stellen. Wir wollten den Studierenden eine Plattform geben und alles, was so durch die kreativen Köpfe schwirrt, in den „Kontrapunkt“ verpacken. Dazu fragten wir euch was Euch beschäftigt, was gut läuft, was vielleicht mühsam ist, wir wollten eure Sorgen, Ängste und Gedanken zum Studium erfahren, aber auch zu Themen, die euch im Alltag begegnen. Das wichtigste dabei: Nichts zurückhalten, einfach raus damit. Unzensiert und unbeschönigt. Artikel, Gedichte, Zeichnungen, Fotografien. Erlebnisse, Gedanken, Interviews. Ein Haufen

Inhalt in unterschiedlichsten Erscheinungsformen von verschiedensten Menschen - das macht diese Ausgabe aus und euch hoffentlich neugierig auf mehr. Und natürlich wollen wir auch eure Zeit des Zum- zuhause-sitzen-verdammt-Seins etwas vergnüglicher und spannender machen. RAUS DAMIT und rein in die Lektüre, Bleibt’s g’sund! Euer Redaktionsteam.

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I N H A LT 6-7 10-13 14

VORSITZ DER ÖH KUG STV- GÖHSSIP, was geht ab? MATURANT_INNEN & KUNST

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QUEER-REFERATE by Sofia Pineva

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BIO-BRUNCH mit Gerhard Eckel

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INSIDE KUG - Interviewreihe mit Rektor Georg Schulz, Studierenden & Lehrenden

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ICH STUDIERE BLOCKFLÖTE by Katrin Felbermair, Leona Lenger, Olivia Schöffmann & Johanna Unterpertinger

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ERASMUS CALLING Austauschsemester an der Zürcher Hochschule der Künste by Veronika Müller-Hauszer SchuMus in den USA by Rebecca Masser & Julia Wernig

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HEUTE/DAMALS Ein Schauspielstudium by Gregor Kohlhofer

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QUARANTINE CLASSROOM

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FAVORITE SPOTS @Graz

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SCREAMERS, SERIEMAS AND OTHER TYPES OF BIRDS by Guy Ben Tov

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TEXTE by Clemens A. Oberhollenzer

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DAZWISCHEN by Ioana Nitolescu

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ABSCHLUSSKAFFEE by Hannah Wasserfaller

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I l l u s t r a t i o n : Hannah_Wasserfaller


VORSITZ DER ÖH-KUG Liebe Kommilitoninnen! Liebe Kommilitonen!

wo die Probleme und Herausforderungen liegen. Wir brauchen euer Feedback und eure aktive Teilnahme am Diskurs! Schreibt uns, wenn euch etwas beschäftigt, ihr Kritik loswerden wollt oder Zustände für verbesserungswürdig erachtet – wir bitten explizit darum! Eure Meinungen werden wir berücksichtigen, das ist unsere Pflicht, als eure durch euch gewählte Vertreter_innen. Simon Kintopp, Vorsitzender

Seit der letzten Ausgabe des Kontrapunkts im Dezember 2019 ist, wie wir alle wissen, unglaublich viel passiert. Nicht nur die Universität, die Kunstszene und das ganze Land stehen Kopf über, sondern die ganze Welt. Man könnte also davon ausgehen, wir wären alle gleichermaßen betroffen - doch das sind wir nicht. Viele von uns Studierenden haben immerhin gesicherte Verhältnisse, eine Familie im Hintergrund, vielleicht Erspartes und ein soziales Netzwerk hinter sich. Doch mindestens genauso viele fürchten um ihre Existenz – wissen nicht, wie sie ihre nächste Miete zahlen sollen, wann und unter welchen Bedingungen sie wieder einreisen dürfen oder wie sie sich überhaupt ein Leben in Österreich leisten können sollen. Wer zur ersteren Gruppe gehört, der möge sich das bewusst machen, glücklich und dankbar dafür sein. Für Studierende der zweiten Gruppe haben wir den Notfalltopf eingerichtet und waren die erste Hochschulvertretung in Österreich, die unkomplizierte Soforthilfe anbot. Ein Teil des Budgets für diesen kam von uns und vom Rektorat der KUG, welches hier schnell, professionell und unkompliziert reagierte. Doch vor allem freut es uns, dass eine beträchtliche Summe von ca. 25.000€ durch einen Spendenaufruf innerhalb der KUG, zustande kam! Das ist in unseren Augen ein wirklich großes, wunderbares Zeichen von Solidarität und allen, die gespendet haben sei hier (und an anderer Stelle im Magazin) nochmals allerherzlichst gedankt.

Meinen kurzen Einleitungstext möchte ich einer Zeit widmen, die wir alle so noch nie erlebt haben. Jede_r von uns stand neuen Herausforderungen und Einschränkungen gegenüber, welche bis dato nur in unserer Fantasie existierten, aber sie zeigte uns auch Möglichkeiten und Wege, die uns zuvor verschleiert blieben. Viel Positives schwirrt in meinem Kopf umher, die Musiker_innen die von ihren Balkonen spielten, die Klarheit und Freundschaft mit sich selbst, die Neuentdeckung der eigenen Wohnung, die Chance die eigenen Künste aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, die Beschäftigung mit Themen die einem schon immer interessierten und vor allem das Verabschieden der Hektik. Aber ich möchte einen Aspekt herausheben, nämlich meine Faszination über die Anpassungsfähigkeit und den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. So oft hörte ich ,,ich halte den Sicherheitsabstand nicht wegen mir, sondern weil...‘‘. Noch nie erlebte ich eine Gesellschaft, die so sehr auf ,,die Anderen‘‘ Acht gab. Eine Gesellschaft, die so schnell, ohne zu zögern, ihre Freiheiten aufgab. Ich hoffe sehr, dass wir aus den letzten Monaten, aus unserer gemeinsamen Geschichte, eine Akzeptanz, Respekt und Hilfsbereitschaft gelernt haben, die uns zusammenhält und die uns erhalten bleibt Elisabeth Seitinger, 1. stellvertretende Vorsitzende

Die Corona-Krise stellt uns vor viele Herausforderungen und viel Arbeit: Wir sind aktiv an Entscheidungen und Umsetzungen zum Universitätsbetrieb beteiligt und versuchen dort stets das Beste für euch zu entscheiden. In Bezug auf das „Hochfahren“ in den Zustand vor Corona, ist dies nicht immer einfach. Es gibt viele Regeln und der Prozess gestaltet sich langwierig und schwierig – sehr viele Verordnungen, Umstände, Interessensgruppen und Meinungen gilt es zu berücksichtigen. Um aber immer bestmöglich Entscheidungen in eurem Sinne zu treffen, müssen wir wissen wie es euch ergeht und

Innerhalb unseres Vorsitzteams kam es Ende Mai zu einem kleinen Wechsel, da Sebastian Tödling aus zeitlichen Gründen seinen Posten als 2. Stellvertretender Vorsitzender ablegte. Das fiktive Mikrophon geht also an seinen Nachfolger, Ivan Trenev: Mit großer Freude, Respekt und Motivation neh6


EIN

MORALSPIEL

LIBRETTO:

DER

VORSITZ.

me ich die Möglichkeit in Anspruch im Vorsitz der ÖH-KUG nach fast einem Jahr wieder mitwirken zu dürfen. Nach zwei Jahren intensiver Arbeit (20172019), hat sich die 11-monatige „Vorsitz-Pause“ als produktiv gezeigt. Ich hatte Zeit zu reflektieren, nachzudenken was gut war und was besser sein könnte. Genau diese Erkenntnisse geben mir gerade die Motivation und Energie, wieder mal einen Posten im Vorsitz zu übernehmen und mich wieder und noch besser für die Studierenden einzusetzen. Gerade jetzt stehen vor allem die ausländischen Studierenden (Nicht EU-Bürger sind noch stärker betroffen) vor einer großen Herausforderung. Die Visumskriterien wie z.B. genügend ECTS, sowie Geld am Konto werden möglicherweise durch die ganze Notlage in manchen Fällen nicht erfüllbar sein. Es freut mich aber zu sehen, wie sehr nicht nur die ÖH-KUG, sondern auch die Kunstuniversität Graz sich die Mühe macht, die Studierenden in diesen Zeiten zu unterstützen. Dadurch ergibt sich ein sehr schönes Vorbild wie ein universitäres „Öko-

IN MUSIK:

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AKTEN IHR

selbst.

System“ funktionieren kann - und auf diese Zusammenarbeit freue ich mich besonders! Ivan Trenev, 2. stellvertretender Vorsitzender Wir hoffen ihr bleibt gesund, munter, frohen Mutes, wohlauf, motiviert, aktiv, interessiert, wild und zart zugleich, wir sehen uns dann hoffentlich bald wieder, Euer Vorsitz – unisono, harmonisch tonal und zusammen auf die Eins.

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DANKE FÜR EURE UNTERSTÜTZUNG!

Chang-Jun Choi. Paul Harm. Laura Hanetseder. Jelena Cupic. Andrea Grinschgl. Kerstin Eibel. Nina Leiter. Simon Schuller. Josef Pilaj. Robert Höldrich. Dejan Rumpf. Lorenz Kabas. Markus Vogtberg. Laszlo Kiss. Eleonore Kontsch. Elisabeth Weinzerl. Hermine Haselböck-Littasy. Andrea Weber. Joachim Schauer. Stefan Fuchs. Slobodan Kajkut. Janyn Ekart. Melanie Kranzl. Elisabeth Aman. Julia Oberndorfer. Paul Wolff. Karin Seifert-Bartsch. Annette Murschetz. Peter Barsony. Günther Brück. Richard Dünser. Siegfried Feigl. Pia-Sophie Lenz. Johannes Berauer. Franz Jochum. Labra Makk. Maria Ciciliani Marko. Annette Wolf. Victoria Vorraber. Katharina Hilgarth. Manuel Planton. Johanna Kleinschuster. Josef & Susanne Breinl. FiEMA. Edward Partyka. Robert Pöch. Barbara Borovnjak. Bernhard Rainer. Josef Maierhofer. Verena Waidacher. Günther Fruhmann. Ulrike Dusleag. Johannnes Kern. Wolfgang Strasser. Sandra Koppensteiner. Clivia Steinberger. Daniel Comploi. Robert Finster. Alexander Zimmermann. Dimitros Polisoidis. Doering Andre. Hermann Götz. Günther Buchgraber. Franz Prassl. Gerd Schuller. Lydia Hödlmoser. Wolfgang Hattinger. Gabriele Schenker-Uhan. Katharina Groß-Vogt. Robert Schiller. Martin Wagemann. Gudrun Rottensteiner. Susanna Mörth. Gerhard Präsent. Na Song. Osa Ieva. Ernst Weissensteiner. Klaus Hubmann. Christina Antensteiner. Ursula Rosian. Harald Sukic. Benjamin Reiter. Georg Schulz. Christa Brüstle. Wolfgang Dörner. Oskar Kravanja. Veronika Mayer. Frank Cramer. Britta Reininghaus . Claudia Haas. Martin Schneebacher. Karin Jaritz. Hubert Meiz. Michael Hell. Johannes Prinz. Lydia Batiza. Bernhard Gritsch. Grupe Gerd. Konstanze Rieck. Heimo Maria Thalhammer. Alexander Irmer. Peter Revers. Martin Wiederhofer. Beate Formanek. Adolf Traar. Guido Jeszenszky. Gerhard Kenda. Schmidt Hans jun. Christian Masser. Stacey Bartsch. Kerstin Feltz. Norbert Frühwirth. Margit Mahmoudi. Andrea Schreiner. Günther Brück.. Regine Porsch. Michaela Ritter. Nils Thilo Kraemer. Werner Strenger. Eva-Maria Heinzl. Kamenjasevic Kajetan. Mayer Daniel. Franz Josef Kerstinger. Hinrich Baumgart. Simon Schuller. Günter Fruhmann. Regine Porsch. Thomas Lechner. Ferdinanda Anhofer. Gerd Kühr.


HERZLICHEN DANK AN ALLE... ...die etwas für den Notfalltopf gespendet haben!

Diese Spende ist weitaus mehr als nur ein Geldbetrag: Sie ist ein wunderbares Zeichen von Solidarität an unserer Universität! Durch ihre Spenden kamen über 25.000€ zusammen und viele Studierende konnten die vergangenen Monate überleben – ja, wirklich: Überleben! Ein großer Dank auch an das Rektorat der KUG sowohl für die äußerst großzügige Unterstützung für den Notfalltopf als auch für die unkomplizierte und fruchtbare Zusammenarbeit!

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M E E

Y O U R

S T UDEN

R E P R E S E N T A

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STV GÖHSSIP - WAS GEHT AB? STV GESANG Liebe Gesangsstudierende! Wie ihr schon wisst, gibt es ja so ein Ding wie eure Studienvertretung und wir, Natasa, Stefan und Dimitri, sind dafür da euch zu beraten und zu helfen (im Sinne des Studiums, bezüglich Studienproblemen usw. …). Vermisst ihr die Uniaktivitäten, seid ihr von der Quarantäne zu Tode gelangweilt? Unmöglich... hier sind unsere Tipps&Tricks (aus dem eigenen Leben) wie ihr am besten durch die Coronakrise kommt:

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1. Entdeckung einer neuen Liebe by Natasa Wie oft haben wir als Sänger im Rahmen unterschiedlicher Meisterkurse, Careerveranstaltungen usw. die Ansage gehört: „Viele von euch werden keinen beruflichen Erfolg haben. Nur eine/einer von 10 Gesangsstudent_innen schafft es in das eigentliche Berufsleben einzusteigen und damit seine/ihre Existenz zu sichern.“ Wenn ihr, wie Natasa, einmal den Schafen in der Natur, in einem purem Biogebiet, wo die Sonne scheint und wo es keine Bewegungseinschränkungen gibt, begegnet seid, dann denkt ihr euch: „Hey, bis auf die beiläufige Geruchswelle sind Schafe tolle Geschöpfe...“ - und bald werdet ihr zur Schäferin... Im ersten Augenblick könntet ihr euch ein bisschen seltsam fühlen, wie unsere Natasa hier auf dem Bild, aber bald werdet ihr entdecken, dass die Schafe sehr gute Zuhörer sind. Ihr könnt ihnen eure Lieblingsarien vortragen und falls sie eine Glocke um den Hals haben, bekommt ihr als Belohnung gewiss eine Art Glockenapplaus... und mit Gesang imprägnierten Schafskäse. Seid wie Natasa, werdet (auch) zum Schäfer! Für alle Käsebestellungen wendet euch bitte direkt an Natasa.

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2. Viel zocken. Richtig viel zocken, by Stefan Nur 10% Erfolg im Bereich Gesang?! Minderwertigkeitskomplexe anyone...? Dann könnt ihr in die Gamingwelt eintauchen, wo es nicht soooo schwer ist in einem wettbewerbsfähigen Spiel den ersten Platz zu erreichen. Es dauert zumindest viel kürzer als beim Gesang dort hinzukommen... Und auf dem Weg dorthin macht es für jeden begeisterten Zocker sehr viel Spaß. Wenn ihr dann einmal alt seid und euren Enkelkindern erzählt was ihr in der Jugendzeit so Besonderes gemacht und erreicht habt, wenn auch nicht als erfüllter Sänger, habt ihr immer die Gelegenheit auf diesen ersten Platz zurückzugreifen. Und das Beste dabei, mit der Entwicklung der Technologie und abgesehen davon, dass jeder durchschnittliche 7-10-Jährige heutzutage ständig auf dem Handy etwas spielt und anschaut, werdet ihr in ihren/seinen Augen ein echter Held sein. Es gibt nur zwei Dinge auf die man beimn Zocken achten sollte: 1. Man sollte versuchen nicht den/die Freund/in böse auf sich zu machen, als Ergebnis längeren Zockens (das aber benötigt viele „Trial and Error“-Versuche und wir haben keine vollständige statistische Auswertung, die eine angemessene Zockerdauer bestimmen könnte). 2. Wenn eure Augen in etwa so aussehen (wie auf dem Bild), solltet ihr wahrscheinlich einen Tag Pause machen, bevor ihr euch wieder vor den Monitor pflanzt. Gl, hf!

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3. ???, by Dimitri Dimitri hat mit Natasa die Firma für Käseverkauf übernommen, zuletzt wurde er an der Weißrussischen Grenze mit 150 Kilo singendem Schafskäse gesehen. Die Erfindung kann Dimitri behalten, Natasa bittet aber darum, den Käse in seiner vollständigen Menge zurückzugeben. 11


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MORE GÖHSSIP...

STV MUSIKOLOGIE

STV JAZZ

Wir, Jule, Simon, Florian, Paul, Anna und Teresa, vertreten seit dem Wintersemester 2019/2020 eure Interessen bei der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH). Wir studieren teils im Bachelor, teils im Master und decken verschiedene Schwerpunkte im Studium ab. Da das Musikologie-Studium interuniversitär aufgebaut ist, gibt es sowohl eine ÖH-Anlaufstelle an der Kunstuniversität Graz (Simon, Teresa & Anna) als auch auf der Karl-Franzens-Universität (Florian, Jule & Paul). Wir verstehen uns aber als ein gemeinsames Team. Zu unseren Aufgaben gehören die Vermittlung und Verständigung zwischen Studierenden, Instituten, Lehrenden und der ÖH. Studieren ist besonders am Beginn meist nicht ganz einfach, wenn man mit der Infrastruktur noch nicht vertraut ist. Wenn bei euch im Studium Probleme oder Fragen auftauchen, seien es rechtliche, bürokratische, curriculare oder sonstige, könnt ihr euch gerne bei uns melden - wir versuchen euch zu helfen. Weiters sitzen einige von uns in der Curricula-Kommission, wo es um Anliegen des Studienplans geht und wir die Stimme der Student_innen repräsentieren. Das Wichtigste zum Schluss: Wir organisieren auch Veranstaltungen, um uns gegenseitig kennenzulernen, auszutauschen und eine hoffentlich schöne und angenehme Studienzeit zu haben. Ein Aushängeschild sind unsere „Come Together“-Feiern, die immer unter einem anderen Motto stehen. An der Planung der nächsten Ausgabe sind wir schon dran. Aktuelle Infos findet ihr auf unserer Facebook-Seite: Studienvertretung Musikologie Graz Fragen könnt ihr gerne per Mail stellen an: stv-musikologie@kug.ac.at und: musikologie@ oehunigraz.at

Eine Studienvertretung der Jazzabteilung gibt es noch nicht wirklich lange, genaugenommen erst seit Beginn des letzten Wintersemesters. Wir – Ana Čop, Miriam Kulmer und Laura Zöschg – freuen uns daher umso mehr, dass wir in dieser kurzen Zeit schon viel für die Gemeinschaft der Jazz-Studis erreichen konnten. Obwohl die Jazzer normalerweise ein sehr geselliges Volk sind, kamen größere Zusammentreffen zum Austauschen, gemeinsam Zeitverbringen und zum Musizieren in unserer Abteilung bisher zu kurz. Durch die Organisation eines Glühweinstands im Dezember, einigen Jamsessions im Januar und der Listening-Session-Serie, die im März gestartet wurde, konnten wir Raum schaffen, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken und sich nicht nur auf musikalischer Ebene auszutauschen. Außerdem sehen wir es als unsere Aufgabe, die Student_innen über verschiedene Themen, die ihr Studium betreffen, zu informieren. Zu Beginn dieses Studienjahres haben wir uns zusammengesetzt und wichtige Informationen gesammelt, die für einen erfolgreichen und reibungslosen Studienverlauf hilfreich sind. Mitte November 2019 fand dann das erste „Student Meeting“ statt, wir stellten unsere Informationssammlung vor und waren gleichzeitig offen für Fragen und Vorschläge seitens der Studenten_innen. Wir haben bis jetzt eine ganze Menge an positivem Feedback erhalten und die Jazz-Studis sind dankbar für das, was wir bis jetzt organisiert haben. Wir geben uns auch in Zeiten wie diesen, in denen wir nicht zusammenkommen können und Ungewissheit herrscht, große Mühe, für die Student_innen da zu sein, Informationen an sie weiterzuleiten und offen für alle möglichen Anliegen und Fragen zu sein. Aber vor allem hoffen wir, dass wir so bald wie möglich unsere Wohnungen wieder verlassen können, denn wir hätten noch einige Dinge für dieses Semester geplant! Hoffentlich sehen wir uns bald wieder!

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STV ME _ IME Hallo liebe Studis, Wir, die StV ME/IME, möchten uns kurz vorstellen – für alle, die uns nicht sowieso schon kennen. Wir sind ein fünf-köpfiges Team – Chang Jun Choi, Benjamin Lafer, Jasmin Gamsjäger, Elisabeth Seitinger und Julia Aigner –, das sich seit Juli letzten Jahres um die Anliegen und das Wohlbefinden der Schulmusik-Studierenden kümmert. Zu finden sind wir meistens auf der Reiterkaserne, die zweite Heimat aller Schulmusiker_innen, wo wir mit Rat und Tat zur Seite stehen und versuchen, das Studi-Leben etwas einfacher und schöner zu machen. Warum wir das machen? Weil wir irgendwann im Laufe unseres Studiums wahrscheinlich mal genau dieselben Anliegen hatten wie ihr und uns auch jemanden gewünscht haben, der_die uns weiterhilft ;-) Zurzeit sind wir ja alle in Corona-Heimaturlaub, aber nichtsdestotrotz arbeiten wir fleißig weiter und sammeln Ideen – unter anderem auch in Zusammenarbeit mit den anderen Lehramt-Studienvertretungen des EVSO am Standort Graz, also KFU, PH, KPH und TU. Neben vielen neuen Ideen gibt es auch eine altbewährte – das wahrscheinlich wichtigste Event, das von uns als StV ME/IME organisiert wird – kommt zwar leider erst in einem halben Jahr wieder, trotzdem wollen wir es hier kurz vorstellen: Das Kastanienfest. Ihr wart noch nie dort? Na dann wird es im Herbst 2020 schleunigst Zeit, denn gegen einen kleinen Eintrittsbeitrag bekommt ihr Live-Musik von hauseigenen Bands, Glühwein und jede Menge Gespräche mit netten Leuten geboten ;-) Natürlich gibt‘s auch Maroni – daher der Name des Festes – und andere Getränke – für alle, die unerklärlicherweise keinen Glühwein trinken! Das Ganze findet in der Reiterkaserne statt und zählt bestimmt zu den TopFesten der KUG :-) Solltet ihr irgendwelche Fragen, Anliegen oder Anregungen haben, könnt ihr uns jederzeit per E-Mail, Facebook oder persönlich kontaktieren – dafür sind wir schließlich da! Eure StV ME/IME

STV TONIS Wir als StV ET-Ton sind in erster Linie für dich als Studierende/r die Schnittstelle zu den Universitäten. Wann auch immer du Probleme mit einer LV, einem Vortragenden oder etwas Organisatorischem hast, kannst du dich an uns wenden, damit wir dir helfen können, das Problem zu lösen. Außerdem organisieren wir Tutorien, die den Studieneinstieg erleichtern und immer wieder Feste, Brunches und die jährliche Weinstraßenfahrt. Wir waren auch in der Planung für die jährliche Grillfeier, bei der heuer erstmals die HTU-Big Band auftreten hätte sollen – allerdings mussten wir sie aufgrund der Umstände leider absagen. Aber nächstes Mal sind wir natürlich wieder voll am Start!

STV BÜHNENBILD Johanna & Anna Wir lösen bühnenbildnerische Probleme

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MA T U R A N T_I N N E N 09:00 Uhr in der Früh.

K UNS T

Mein Gesichtsausdruck, vergleichbar mit dem der Bundesheersoldatin, die gegenüber am anderen Ende des Raumes stehend, Haltung bewahrend, mich anschaut. Und sich mit größter Wahrscheinlichkeit das Gleiche denkt: Will denn niemand zu mir???

Ich trinke meinen Kaffee. Es ist ruhig, wie die Stille vor dem Sturm. Die Luft im Raum ruht, doch plötzlich — Ein Beben! Im Treppenhaus sind Schritte zu hören, Stimmen kommen näher, es sind viele. Die Türen der Aula werden geöffnet und es strömen hunderte Maturanten_innen auf einmal in den Raum hinein.

So vergingen Tage und es änderte sich nicht viel. Mal wollte jemand einen Kugelschreiber, mal einen Schreibblock.

Meine wunderbaren Kollegen und ich am ÖHStand, vorbereitet die junge Generation in Empfang zu nehmen, ihnen zu erzählen wie der Alltag eines Künstlers aussieht und welche Aufgaben auf einen zukommen.

Eine Frage einer jungen Frau blieb mir in Erinnerung. Sie fragte: „Kann ich Klavier studieren, auch wenn ich noch nie Klavier gespielt habe?“. „Was denkst du?“, fragte ich Sie. Darauf antwortete Sie „Ja! Mozart konnte es ja schließlich auch!“. Das war mein Highlight!

Doch alle ziehen an uns vorbei, die eine Hälfte nach links an den Mediziner-Stand, die andere Hälfte nach rechts an den Lehramt-Stand.

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I l l u s t r a t i o n : A n n a _ Z i e n e r


WIESO ES MIR WICHTIG IST, DASS DIE

QUEER R E FER A T E AUCH VON DER ÖH-KUG REPRÄSENTIERT WERDEN.

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WAS SIND DIE QUEER-REFERATE? BY SOFIA PINAEVA

war, aber auf einmal hatte eine mir sehr wichtige und nahe Person eine neue Seite, mit der ich mich nicht ausgekannt habe. Dann wurde es mir erst recht wichtig.

Die ÖH (Österreichische Hochschüler*innenschaft) ist eine Studierendenvertretung auf verschiedenen Ebenen und in verschiedenen Studien- und Lebensbereichen (hi, du liest gerade unser Magazin! ).

Mit der Zeit habe ich verstanden, dass er weit nicht der Einzige in meiner Umgebung war. Manche queere Personen kamen aus den Ländern, in denen es gefährlich war, queer zu sein. Wo es sie “nicht gab“, wie in meiner TeenagerZeit. Ich habe gesehen, was sie durchgemacht haben und wie viel sie gelitten haben, dafür wer sie waren.

Die Queer-Referate setzen sich zusammen aus Studierenden verschiedener Universitäten mit unterschiedlichem Bezug zu Queer-Themen. Die Leute treffen sich regelmäßig bei Queetings (= queer Meetings) und beschäftigen sich spezifisch mit LGBTIQA*+ Community-Anliegen. Was heißt queer? Queer können homo-, bi-, pan-, asexuelle, sowie nicht-binäre, aromantische, polyamore, transidente, genderfluide und weitere Personen sein. Ehrlich gesagt muss ich bei einigen Definitionen bis heute noch googeln um ordentlich erklären zu können, was es bedeutet. Früher musste ich schon bei Pansexuellen aussteigen. Eine gute Nachricht ist, dass man keine Begriffe kennen muss, um sich für die Community einzusetzen.

Die Situation in Österreich ist deutlich besser. Es gibt aber noch sehr viel Arbeit. Welche Möglichkeiten gibt es, sich einzubringen? Ich denke, dass Interesse und Bildung einiges bewirken können. Ich hoffe, dass Ally-Sein (Ally / Unterstützer*in = Eine Person, die nicht selbst Teil der queeren Community ist, aber diese aktiv unterstützt) und über die Themen persönlich zu sprechen auch hilfreich sein kann. Jetzt, da ich beim Referat für Gesellschaftsund Gleichbehandlungsfragen bin und die Kunstuni offiziell zu den Queer-Referaten gehört, tue ich mein Bestes, um Sachen zu verändern, auch wenn nur langsam.

Wie komme ich dazu, die ÖH KUG bei den Queer -Referaten zu repräsentieren? Ich glaube, viele von uns haben ein Reizthema das uns nicht kalt lassen kann: Klimawandel, Feminismus, Sexismus, Einwanderungspolitik, faire Arbeitsbedingungen und Bezahlung (Künstler*innen kennen das Problem allzu gut), you name it. Meines ist Homophobie. Es war aber nicht immer so. Ich komme aus Russland und hatte in meiner Jugend die Illusion, dass es keine queere Personen gibt. Zumindest kannte ich sie nicht. Man sagte, dass es sie irgendwo anders gab... Mit dieser Vorstellung bin ich nach Graz gezogen. Es war eine neue Welt. Ich traf viele neue Leute, die langsam zu guten Freund*innen wurden. Mein Weltbild fing an sich zu verändern – kaum bemerkbar, Schritt für Schritt. Homosexualität war mir nicht mehr komplett fremd, aber immer noch etwas abstrakt. Und dann hat sich plötzlich mein bester Freund geoutet. Nicht, dass es eine große Überraschung

Hast du eine Idee, was die ÖH KUG machen kann? Willst du mithelfen? Wir freuen uns auf dich! Schau queerstudent.at an, wende dich an das Referat für Gesellschaft und Gleichbehandlung und komme zu unseren Veranstaltungen!

liebe Grüße,

Sofia

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B I O-B R U N C H dann auch erhalten. So habe ich in Utrecht den Komponisten Gottfried Michael Koenig kennen gelernt, der meine Entwicklung wesentlich beeinflusst hat. Er war es auch, der mich auf das IRCAM aufmerksam gemacht hat, das Forschungs- und Produktionszentrum für Computermusik am Centre Georges Pompidou in Paris.

Der ÖH-KUG Bio Brunch füllt nicht nur die studierenden Bäuche mit leckerem, kostenlosem Essen und herrlich duftendem Kaffee, sondern bietet vor allem Nahrung für den Kopf, der sich ebenso an der abwechslungsreichen Kost labt. Am 23. Jänner 2020 durften wir als Chefkoch, für eines dieser einzigartigen Menüs, Gerhard Eckel, Professor für Computer Musik am Institut 17, begrüßen. Um euch den süß-verwirrenden Nachgeschmack dieses Festmahls nicht vorzuenthalten haben wir euch hier eine Kostprobe bereitet.

Arbeit in Paris Nachdem ich 1986 beim Musica-Festival in Strasbourg das Stück Dialogue de l’ombre double für Klarinette und Live-Elektronik von Pierre Boulez, dem Gründer und damaligen Direktor des IRCAM, gehört habe, wusste ich, dass ich dort arbeiten wollte. Wieder durch Zufall konnte ich noch während meines Studiums ein Jahr am IRCAM arbeiten und bin – nachdem ich in Wien mein Doktorat in Musikwissenschaft 1989 abgeschlossen hatte – für weitere 7 Jahre zurück nach Paris gegangen. Am IRCAM habe ich sehr viel über Computermusik gelernt, das Wichtigste war aber die Möglichkeit, jederzeit die Proben des Ensemble intercontemporain besuchen zu können, das damals noch im Espace de projection, dem Konzertsaal des IRCAM, geprobt hat. So konnte ich die Musik, die ich bis dahin nur von Schallplatte und Partitur kannte, live hören, wodurch ich z.B. Werke der 2. Wiener Schule erst verstehen lernte.

Wie sind Sie zur Musik gekommen?

Wie viele: mit etwas Klavierunterricht – aber einem Klavierlehrer, der das Klavier mit mir auch zerlegt hat, um es mir zu erklären. Mit einer frühen Faszination für Elektroakustik, also der Funktionsweise von Lautsprechern und Mikrophonen, dem Bau von Verstärkern und der Arbeit als Tontechniker bei Jazz- und Rockbands – das alles während der Schulzeit. Außerdem gab es in meinem Gymnasiums eine Orgel, auf der ich Klängen experimentieren konnte, wenn gerade niemand in der Nähe war. Exkursion nach Wien

Der entscheidende Moment war aber eine Exkursion mit meiner Schulklasse zum Studio für Elektroakustik und experimentelle Musik der damaligen Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien. Dabei hat uns der Komponist Dieter Kaufmann – Was ist Computermusik? der 7 Jahre später mein Lehrer werden sollte – im Studio gezeigt, wie man mit Tonband, Schere und Misch- Computermusik ist eine Kunstform deren Konzepte und Praktiken durch die Möglichkeiten von pult Musik machen kann. maschinellen Rechenprozessen bestimmt sind, d.h. das “Komputationale” ist der für die Computermusik Stipendium in Utrecht wesentliche Begriff. Diese Rechenprozesse werden – Als ich dann später an der Musikhochschule parallel zu ganz abstrakt formuliert – zur numerischen oder symbolischen Modellierung von meinem Musikwissenschaftsstudium den Lehrgang Elektroakustische Komposition besucht habe, Objekten und deren Veränderung in die Zeit verwendet. In meiner künstlerischen Praxis sind es dynabin ich durch Zufall auf ein Stipendium für einen Aufenthalt am damals schon legendären Instituut voor mische Systeme, die mich im Moment am meisten interessieren und deren Verhalten ich mit ComSonolgie in Utrecht gestoßen und habe dieses puterprogrammen komponieren kann. 18


mit Gerhard Eckel

Verhalten komponieren?

Wie unterrichtet man Computermusik?

Diese Formulierung deutet auch auf ein sehr allgemeines Verständnis von Komposition hin, das für meine Arbeit an der KUG zentral ist. Komponieren heißt nicht nur musikalische Texte zu produzieren, die von Musiker_innen interpretiert werden, sondern Komposition bedeutet auch Instrumente, Klangmaterial, Algorithmen, musikalische Interaktionsformen und Aufführungssituationen zu erfinden und auszuloten.

Meinen ZKF-Unterricht in elektroakustischer Komposition findet als Einzel- und Gruppenunterricht statt. In der Gruppe beschäftigen wir uns mit den Konzepten, die für die Praxis der Computermusik relevant sind. Wir sprechen also darüber, wie wir die Musik denken, die wir machen, und wie wir über Musik nachdenken bzw. uns darüber austauschen können. Dahinter steht die Annahme, dass unser Denken unsere künstlerische Praxis wesentlich prägt und daher eine geistige Auseinandersetzung mit unserem künstlerischen Tun notwendig ist.

Computermusik und Tradition Computermusik ist eine Praxis, in der das traditionelle musikalische Begriffsgebäude bestehend aus Komposition, Notation, Interpretation, Improvisation, Instrument, Material, Form, Konzert, etc. ins Wanken gerät und sich die Bedeutungen und Verhältnisse dieser Begriffe stark verschieben können. Computermusiker_innen stellen mit ihrer Praxis oft die in der traditionellen Musikwelt etablierten Formen der Arbeitsteilung außer Kraft, indem sie potentiell alle Aufgaben selbst übernehmen (und sich dabei natürlich oft auch selbst übernehmen).

Komposition im gemeinsamen Tun vermitteln

Bei meinem Einzelunterricht gehe ich davon aus, dass Komposition nicht gelehrt werden kann, zumindest nicht in einem traditionellen Sinn. Ich verstehe den Einzelunterricht als eine Art Improvisation mit den Studierenden, in der wir gemeinsam gefordert sind, Formulierungen für musikalische Ideen zu finden, mit diesen zu experimentieren, sie praktisch umzusetzen, um sie erfahren zu können, sie kennen zu lernen und zu testen. Im Unterricht treiben wir den kompositoriZukunft der Computermusik? schen Prozess in zeitlich begrenzten co-kreativen Phasen gemeinsam so voran, dass die Studierenden ihn Ich denke es wird noch längere Zeit dauern, bis wir als Kul- allein weiter gehen können haben als zuvor. tur verstanden haben werden, was die maschinelle Aufzeichnung, Wiedergabe, und Berechnung von Klängen für die Musik alles bedeuten kann. Dieser Prozess wurde ja gerade erst, vor etwas mehr als einem Jahrhundert, begonnen. Deshalb ist die Beschäftigung mit Computermusik aber auch so faszinierend. Diese Faszination mit anderen Musiker_innen zu teilen sehe ich als meine wesentliche Aufgabe an der KUG an.

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INSI K UG 20


I l l u s t r a t i o n : M i a _ W i e d e r s t e i n

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EIN GESPRÄCH MIT... REKTOR GEORG SCHULZ Simon Kintopp: Was macht ein Rektor eigentlich? Georg Schulz: Ein Rektor ist zunächst einmal Dienstvorgesetzter und Verantwortlicher. Also damit auch dafür zuständig, den Betrieb einer Universität aufrecht zu erhalten. Im Weiteren arbeitet er an einer Vision wohin sich die Universität entwickeln soll. All dies geschieht natürlich unter Einbeziehung des Rektorats und vieler weiterer Personen bzw. Interessensgruppen – z.B. wie auch der ÖH – und Gremien. Ein Rektor muss daher auch versuchen eine gesunde und rege Gesprächskultur zu etablieren, in der ein jeder Angehöriger und eine jede Angehörige seine/ihre Meinung äußern darf und auch soll. SK: Im Sinne der Vision: Was willst du verändern? Wo soll es hingehen? GS: Es würde mich glücklich machen, wenn man nach meinen vier Jahren als Rektor sagen kann, dass die Studierendenzentriertheit, wie sie auch im Entwicklungsplan steht, ein Stück ernster genommen wurde und wird. Studierendenzentriertheit heißt nicht, dass man Studierende wie kleine Kinder an der Hand hält und alles für sie organisiert, sondern dass man sie ermutigt, aus dem Angebot, das wir hier haben, sich das zu nehmen, was für ihre persönliche Entwicklung das Richtige ist. Sie sollen unterstützt werden, ihren Bildungsweg selbst zu gestalten. SK: Wären also grundlegende Curricula-Veränderungen notwendig? GS: Nicht unbedingt. Derzeit gibt es schon viele Möglichkeiten, in den bestehenden Curricula den eigenen Weg zu gehen. Aber ich beobachte, dass die Studierenden nicht alles ausschöpfen: Viele machen statt freien Wahlfächern, z.B. einfach zusätzliche Semester Kammermusik, die sie ohnehin schon machen. Ein wesentlicher Punkt sind aber die Abschlussprüfungen. Ich glaube, dass die Anforderungen oftmals zu eng sind, und dass Studierende, die etwas wirklich Ungewöhnliches und künstlerisch Hervorragendes bringen wollen, Probleme mit den Kriterien haben. Auch für Lehrende sind solche Abweichler_innen eine Herausforderung. Im internationalen Vergleich habe ich da wesentlich mehr Freiheit gesehen und auch bei uns möchte ich da positive Veränderungen bewirken. Allerdings nicht mit neuen Regeln, sondern mit einfachen Fragen: Ist die Darbietung der/des Studierenden überzeugend oder noch nicht weit genug entwickelt, bzw. nicht eines Abschlusszeugnisses würdig? In den Kommissionen sitzen ja kompetente Künstler_innen, die das bestens beurteilen können. SK: Sowohl in der Klassik, als auch im Jazz scheint es diese Trennung zwischen dem Bachelor- und dem Master-Studium zu geben: Im Bachelor soll alles genau nach Regelbuch laufen, mit guter Technik, sauberen Orchesterstellen, etc... und im

Master dann große künstlerische Individualität. Kann man das so Schwarz-Weiß sehen? GS: Der wesentliche Punkt ist, dass jeder Studierende komplett individuell ist. Es gibt Studierende, denen man am besten hilft, indem man ihnen von der ersten Unterrichtseinheit an die allergrößte Freiheit gibt. Es gibt aber auch Studierende mit großem Talent, die mit einer nicht sehr weit entwickelten Technik ihr Studium beginnen und aufgrund rein technischer Defizite nicht in der Lage sind, ihr volles Potenzial auszuschöpfen und daher konkrete Anleitung brauchen. Sowohl die solide Basis, als auch die Freiheit ist essentiell. In einer alten Zeit hat man möglicherweise zu viel Wert auf Ersteres gelegt und das Ganze wird – auch heute noch in manchen sehr traditionellen Musikhochschulen – wie eine Berufsausbildung behandelt. Man lernt alles ganz sauber und dann sitzt man im Orchester und kann es abrufen. Natürlich will man keine Musiker_innen, die nicht ihr Instrument beherrschen, keine Sänger_innen, die keine Töne treffen und keine Schauspieler_innen, die man nur in der ersten Reihe hören kann, weil sie nicht tragend sprechen. Aber eine Ausbildung an der KUG muss darüber hinausgehen, der nächste Schritt ist, dass Studierende das, was sie zu sagen haben, auch wirklich formulieren und anbringen können. Da muss man sehr unterstützend sein: Lebt eure Kunst, spielt nicht nur die Noten, zeigt wer ihr seid! SK: Das ist ja ein Prozess, der schon weit vor der Abschlussprüfung beginnt, durch das ganze Bachelorstudium hindurch, bis zum Master, wo man idealerweise dann technisch schon auf Topniveau ist und rein künstlerisch darauf aufbaut. Wie sieht es dann bei der Abschlussprüfung aus? Die ist schließlich nur eine Momentaufnahme… GS: Die internationale Entwicklung zeigt hier sehr stark: Die Abschlussprüfung ist ein Konzert mit Feedback - eine Lernerfahrung! Ich glaube im österreichischen System hat ein akademischer Grad, dieses Zertifikat, eine große Bedeutung. Aber im künstlerischen Bereich geht es nicht um ein Diplom. Es wäre schön, wenn man bei der Abschlussprüfung dann wirklich ausreichend Feedback von sehr erfahrenen Kolleginnen und Kollegen bekommt, damit daraus eine große Lernerfahrung werden kann. Traditionell endet das Denken genau an diesem Punkt, man bringt die Studierenden zur Prüfung und dann ist er/sie fertig. Heute denkt man immer mehr auch an das Danach. Die Prüfung ist der Anfang einer hoffentlich großen Karriere, nicht das Ende der Ausbildung. SK: Ich höre leider immer wieder von vielen Studierenden, dass sie bei Abschlussprüfungen sehr wenig bis gar kein Feedback erhalten. Kann man allgemein sagen, dass eine Verbesserung der Feedbackkultur aufgebaut wird? GS: Das ist ja für mich einer der zentralen Punkte. Zwar bin ich nicht für Lehre zuständig, aber in Absprache mit der Vi-

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zerektorin ist für mich die Feedbackkultur das Um und Auf - und auch die Verwirklichung dieser bei den Prüfungen. Als Evaluator und Gutachter bei vielen anderen Musikuniversitäten habe ich gesehen, wie Studierende nach der Prüfung ausführliches schriftliches Feedback von jedem Prüfer und jeder Prüferin bekommen haben und damit dann wirklich etwas anfangen konnten. Idealerweise passiert dieses Feedback schon im Unterricht, wobei die Lehrmethoden jedem/jeder Lehrenden natürlich völlig freigestellt sind. Bei der Prüfung hingegen gibt es die Möglichkeiten über das Regelwerk die Abläufe zu beeinflussen..

trotz unserer großartigen Improvisator_innen z.B. in den Bereichen Jazz, Alte Musik und Kirchenmusik. Wenn es gelänge, dass man ein bisschen die Genregrenzen oder die Grenzen des eigenen Fachgebiets öffnet und sagt „was kann ich eigentlich von denen lernen?“, dann können ganz tolle Dinge entstehen. Ich glaube, dass diese neugierige Vielseitigkeit die Zukunft für viele Studierende sein wird. SK: D´Accord! In unserem Berufsfeld ist die Vielseitigkeit unerlässlich, vor allem außerhalb des traditionellen Beispiels der Orchestermusiker_in. Dieses Beispiel einer definierten, fixen Arbeit gibt es ohnehin schon bei vielen Studien wie Akkordeon, Musikologie, Klavier, Jazz, elektroakustische Komposition, u.a. gar nicht. GS: Und selbst bei einem klar definierten Berufsfeld, wie in der Kirchenmusik, muss man auch daran denken, dass die Anzahl der fix angestellten Kirchenmusiker_innen eher gering ist.

SK: Wenn man schon von Veränderungen spricht, ein Gedankenspiel: Die perfekte Kunstuniversität Graz - Ohne Abhängigkeit vom Ministerium, keine Gebäudenot, unendliche Finanzmittel… wie würde die perfekte KUG aussehen? GS: Ich glaube, dass es bereits jetzt viele Dinge an der KUG gibt, die das Potential haben, an Perfektion heranzukommen: Es gibt viele Auftrittsmöglichkeiten für die Studierenden, wir haben hochqualifizierte Lehrende und wir haben gute Studierende. Bei uns gibt es Exzellenz in vielen Bereichen: Was wir an zeitgenössischer Musik haben ist Europaspitze! Aber auch unsere Jazzkonzerte, die Kammermusik - wirklich ganz großartig! Studierende haben sehr viele Möglichkeiten, in verschiedensten Formationen zu spielen. Da ist viel vorhanden, was in anderen Hochschulen nicht so einfach geht. Perfekt wäre es, wenn wir es schaffen, ein kollegiales Klima, wo man sich gegenseitig unterstützt, zu erreichen - ohne diese traditionelle Hierarchie von Meistern und Lehrlingen. In einer perfekten KUG tritt der Lehrende mehr als Coach auf und die Studierenden wollen sich pro aktiv weiterentwickeln und treten in einen Dialog und es wird ein größeres Miteinander erzielt. Dazu brauchen wir kein Ministerium - natürlich ist mehr Geld immer besser, man könnte noch vieles haben und machen... Aber wir haben schon sehr viel und was wir selber weiterentwickeln sollten, wäre dieses Miteinander.

SK: Noch eine kleine persönliche Frage am Rande: Was wirst du aus deinem „alten“ Leben vermissen? GS: Ich vermisse jetzt schon die Vorbereitung der Klassenabende und das Diskutieren mit meinen Studierenden, wie wir den nächsten Abend gestalten. Wir haben in den letzten zwei Jahren sehr viel ausprobiert, mit Reihenfolgen, Moderation, besonderen Programmen, immer irgendetwas Anderes. Einmal waren alle gleichzeitig auf der Bühne und haben hintereinander ihre Stücke gespielt, einmal waren auch alle im Raum verteilt. Da waren sehr viele schöne Ideen dabei. SK: Und wie sieht es mit Unterricht aus? GS: Ich mache immer noch ein Seminar in IGP, die beiden LVs Akkordeonbaukunde und -stimmen und habe auch noch einen Studierenden, der jetzt im Juni abschließt, da er nicht vor seinem letzten Semester im Master nochmal den Lehrenden wechseln will. Ich genieße das alles sehr, es ist ein wirklich toller Austausch und das möchte ich auch gerne weitermachen.

SK: Da stimme ich zu, auch mein Anliegen ist es immer bei den Konzerten und Aktivitäten der ÖH-KUG, die Studierenden zusammenzubringen. Ich finde auch, dass da noch viel mehr möglich wäre… GS: Unsere gut organisierte Lehre sorgt hier quasi für einen Nachteil: Wenn man eine Lehrveranstaltung braucht, wird sie angeboten, ohne, dass man sich irgendetwas zusammensuchen muss. Es ist alles einfach da, man muss z.B. bei keinem anderen Institut fragen. Man kann problemlos studieren in seiner Studienrichtung, in seinem Institut und die anderen überhaupt nicht wahrnehmen. Die Interdisziplinarität geht da leider unter, und wird nur selten, wie z.B. bei Veranstaltungen wie der Zukunftswerkstatt von Elisabeth von Magnus wirklich genutzt. Wir haben klassische Musiker ohne Improvisationserfahrung -

SK: Eine andere Frage wäre noch auf uns, die ÖH bezogen: Was wären deine Vorstellungen und Erwartungen? GS: Ich finde es enorm wichtig, dass es eine gut funktionierende Studierendenvertretung gibt, weil es einfach zu viele Studierende gibt, um mit jeder/jedem einzelnen ins Gespräch zu kommen. Meine Erwartung an die Studierendenvertretung ist auch, dass sie nicht losgelöste „Apparatschiks“ werden, also quasi einfach Studierendenvertreter_innen sind und keinen Kontakt zu den Studierenden haben – das habe ich auch schon erlebt in Europa – sondern, dass sie die Studierenden wirklich vertreten, eben weil sie mit den Studierenden in einem dauernden Austausch sind. Dass sie wirklich die Sorgen und Nöte, die Bedürfnisse einer möglichst breiten Gruppe kennen. Das ist eine riesige Kommunikationsaufgabe, ich weiß, was man da verlangt, aber das wäre mein Wunschtraum. SK: Ich stimme zu und habe deshalb für uns und meine Amtszeit einen Slogan definiert: Unser Kapital ist Kontakt. Das gebe ich immer weiter an das Team der ÖH-KUG. Es ist unsere wichtigste Wertanlage und unser Auftrag. Vielen Dank für das Gespräch!

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Which field of study at the KUG comes with the best chance for a job? It’s hard for me to answer this question, since I‘m only involved in the Jazz Studies Program at the KUG. As complicated as it is to find a steady income while studying, I still think that if one stays true to oneself and works on their artistic development, then finding the right job shouldn‘t be a problem. Of course that‘s only my perspective. What does the word success mean to you? For me, success is to have the possibility to enjoy doing the thing you like the most. That doesn’t mean you should be the best at it, it‘s all about how you feel doing it. I think nowadays we are all overburdened with expectations, but in my opinion this can only lead to a poor mental state, stress, and eventually burnout. At the end of the day it doesn‘t matter if you are first or last as long as you feel calm and fulfilled. Art is . . .? Art is very individually defined. Art can be anything and everything, as long as it gives greater meaning to someone‘s life. Which feeling do you associate with the KUG the most? The feeling of belonging to a community. Do you think your work or occupation is relevant (for example, socially or politically)? Of course. Music has always had a big impact on society and the general well-being. It‘s been proven that music has a special kind of positive effect on emotions and welfare, and that‘s the reason why, especially nowadays, I really hate seeing some politicians say that art and culture are not as important to society as some other fields are. How are you spending your quarantine time? I am trying to avoid all of the negative energy that is around us at the moment. I am mainly working on stuff that makes me happy and fulfilled and that I didn’t have the time and energy to work on before the quarantine (i.e., reading a lot about sound synthesis, recording solo electronic improvisations, etc.). I am barely touching my saxophone, I don’t feel motivated (that doesn’t mean I am procrastinating! I just concentrate on things that interest me more at the moment).

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Which field of study at the KUG comes with the best chance for a job? IGP (Instrumental und Gesangs Pädagogik). What does success mean to you? When I can do what I really like to do, and then get paid for doing it. Art is . . .? Creativity mixed with expressing myself freely. What‘s one feeling that you associate with the KUG? The feeling of being home. Do you think your work or occupation is relevant (for example, socially or politically)? Of course. Working as an active musician and teacher, my job includes everything I‘ve studied at the KUG: music performing and teaching. Both are absolutely relevant. I know where my place in society is. How are you spending your quarantine time? I‘m trying to keep myself occupied. This is why I like teaching online. I‘m doing live teaching sessions and sending out learning materials. The preparation for all of this is keeping me very busy and making me happy. Apart from that, I‘m practicing all of my instruments (saxophone, flute, and clarinet) as well as working on my piano skills. I make videos for myself, in which i record my own arrangements. I try to exercise, to go out for jogging once a day. I also go shopping of course. I try not to watch any series because I get addicted easily and don‘t want that. If I do all of the above, my day is actually quite full.

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„Lukas Meißl hier – Jazzpianostudent in Heimquarantäne, der die Fastenzeit situationsbedingt mit LachgummiHamsterkäufen torpediert hat.“ Welches Studium an der KUG bietet die besten Jobchancen? Das Lehramtsstudium für Musikerziehung. Was ist Erfolg? Wenn man eine Tätigkeit oder einen Beruf mit größtmöglicher Freude und Zufriedenheit ausüben darf. Erfolg hat nichts mit Verkaufszahlen, Reichtum oder einem Millionenpublikum zu tun. Erfolg ist, wenn man mit sich selbst im Einklang ist und glücklich ist. Kunst ist...? ...nicht definierbar. Kunst kann vieles sein: das großartige Menü eines Koches, das mit viel Liebe gefertigte Nachtkästchen eines Tischlers oder eben Beethovens Sinfonien. Kunst kann befremdlich sein, aber zugleich vertraut, Kunst kann etwas Abnormales, aber zugleich Alltägliches sein. Kunst ist auf alle Fälle eines: etwas Besonderes (oder doch nicht?)... Welches Gefühl verbindest du mit der KUG? Ein Gefühl des Heimkommens und ein Gefühl des Geborgenseins, bevor man dem “freien Markt” überlassen wird. Glaubst du deine Tätigkeit ist relevant (z.B. gesellschaftspolitisch)? Muss sie das denn sein? Wie verbringst du deine Quarantäne? Mit dem Beantworten dieses Fragebogens.

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THEY ANSWERED. N I K I _ W A L T E R S D O R F E R ...studiert derzeit Musikerziehung und Instrumentalerziehung auf der KUG. Seine Band heißt Candlelight Ficus – Der Name kommt von einem Einkauf beim IKEA. Welches Studium an der KUG bietet die besten Jobchancen? Vermutlich irgendetwas in Verbindung mit Pädagogik Was ist Erfolg? Erfolg wird leider zu oft mit finanziellem Wohlstand und “berümt sein” verbunden... Erfolg ist, wenn ich mit meinem eigenen Wirken und Leben glücklich bin, meinen Platz in der Gesellschaft akzeptiere und bereit bin für Weiterentwicklung. Kunst ist...? Schwierig...natürlich für jeden etwas anderes. Für mich ist natürlich Musik, die mir persönlich gefällt und zusagt die höchste Kunst. Helge Scheider ist zB auch Hohe Kunst als Gesamtkonzept. Welches Gefühl verbindest du mit der KUG? Gemütlich, Gemeinschaftlich, Stressfrei. Glaubst du deine Tätigkeit ist relevant (z.B. gesellschaftspolitisch)? Ich glaube, Musiker können ein tolles Sprachrohr sein. Dabei muss die Musik oder der Text garnicht politisch behaftet sein. Musiker haben das Privileg, ihr Inneres nach außen zu kehren und es Menschen zugänglich zu machen, bei denen wiederum dadurch im Inneren etwas ausgelöst wird. Also meiner Meinung nach ist das sehr relevant. Was wäre denn eine Gesellschaft ohne Musik und Kunst? Wie verbringst du deine Quarantäne? Zu Hause in Heiligenkreuz am Waasen. Wie so oft in unserer Gesellschaft in einer sehr priviligierten Position. Ich kann mich viel mit Musik beschäftigen, habe ein Studio zu Hause und experemtier da viel herum.

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I N T E R V I E W I N G

KUG TEACHERS J O S E P H . B R E I N L // C H R I S T A . B R Ü S T L E // G E R A L D . P R E I N F A L K // A N D R E A S . B Ö H L E N

ELISABETH HARNIK

ANKE SCHITTENHELM

JOSEPH BREINL

ANDRE DOEHRING

ANDREAS BÖHLEN

CHRISTA BRÜSTLE

GERALD PREINFALK

SILKE KRUSE-WEBER

HEIKO SENST

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WE ASKED. THEY ANSWERED TOO! SILKE.KRUSE-WEBER//ANDRE.DOEHRING//ANKE.SCHITTENHELM//ELISABETH.HARNIK//HEIKO.SENST Welches Studium an der KUG bietet die besten Job- und der Kunst schließen und sich auf die MINT-Fächer, Jura und Wirtschaftswissenschaften, konzentrieren. Welche Verchancen?   Elisabeth Harnik: Ich nehme an, es geht in dieser Frage darum, welches Studium die beste Vorbereitung auf das Berufsleben bietet und nicht um temporäre „Jobs“, die auch ohne besondere Qualifikationen ausgeübt werden können. Meiner Meinung nach ist es wichtig, sich zuallererst auf den Prozess der eigenen Beruf(ung)sfindung einzulassen. Vorstellungen hinsichtlich des eigenen beruflichen Werdegangs können vor einem Studium schon konkret sein oder auch sehr vage. Sie können sich im Laufe der Zeit bilden oder verfeinern und manchmal sogar verändern. Darum empfiehlt es sich, hin und wieder innezuhalten und zu überprüfen, ob das geplante oder bereits gewählte Studium den eigenen Starken und Berufsvorstellungen entspricht. André Doehring: Ich wünschte mir, dass sich diese Frage nicht stellt, dass also jede_r das Studium aus den ureigensten Interessen und Fähigkeiten begänne – und eben nicht aus der Arbeitsmarktperspektive heraus. Dann könnte ich beispielsweise dafür argumentieren, dass das Musikologie-Studium all jenen das Auskommen sichert, die sich für die Geschichte und Struktur von Musik interessieren und dafür, wie sie uns als Menschen; als Gruppe und Kultur berührt, prägt und auch befördert. Oder dass allein die Hingabe einer Jazzdrummerin oder eines Harfenisten an das Instrument oder der Schauspielstudierenden an ihre Rollen für genügend Essen, die Miete, den Strom und das Achterl sorgten. Doch „life’s not a bowl of cherries.“ Oder wie es bei den Rolling Stones heißt: „You can’t always get what you want.“ Aber Mick Jagger singt dann ja weise weiter: „If you try sometimes, you might just find / You get what you need.“ Kurz: Es ist schön, wenn ureigenste Interessen und Fähigkeiten den Weg an die KUG leiten. Dies allein reicht aber in der Regel nicht aus, sodass die besten Jobchancen sich nur durch regelmäßige, viele und vielfältige Tätigkeiten wie Engagements, journalistisches und wissenschaftliches Schreiben und Netzwerken während des Studiums ergeben. Joseph Breinl: Puuh, gleich die erste Frage ist schwierig zu beantworten. Darf ich ein bisschen ausholen? Wenn sich die Universitäten – und vor allem die Kunstuniversitäten – vorrangig an den Bedürfnissen des Arbeitsmarkts orientieren, müsste man viele Studiengänge in den Geisteswissenschaften

armung für die Gesellschaft! Ein Studium sollte vor allem aus Begeisterung für das Fach und aus innerer Notwendigkeit gewählt werden. Und mit Disziplin, Fleiß, Fokus und Talent kann man es mit jedem Studium weit bringen. Das bedeutet nicht, dass ab einem bestimmten Alter nicht auch ein Plan B sinnvoll sein kann – Lebensziele können sich ändern, und die Konkurrenz in vielen künstlerischen Berufen ist tatsächlich enorm. Ich selbst habe neben meinem Klavierstudium ein zweites Studium begonnen und mir selbst eine Frist gesetzt, bis zu der ich mich von Musik ernähren können musste. Das hat mich freier und unabhängiger gemacht – und mit der Musik hat es dann wunderbar geklappt!

Was ist Erfolg? André Doehring: Erfolg ist sicher nicht allein, was sich den herrschenden Annahmen nach in barer Münze zählen lässt. Erfolg heißt, gesetzte Ziele zu erreichen. Dies kann bedeuten, eine Etüde zu meistern, einen Text zur eigenen Zufriedenheit oder auch bloß fristgerecht zu verfassen, einen Studienabschluss anzustreben und zu erreichen und vieles mehr. Wenn Erfolg also somit relativ wird, heißt erfolgreich sein, die je richtigen Ziele für uns zu wählen und zu erreichen. Gelänge uns dies, wären wir alle erfolgreiche – und sicher ein wenig glücklichere – Menschen. Christa Brüstle: Ich bin jetzt nach einer langen Phase meines Studiums und nach meiner Habilitation Professorin geworden. Das ist, wenn man so sagen will, eine Erfolgsgeschichte. Aber Erfolg hat für mich nichts damit zu tun, diese fantastische Position zu haben – bzw. nur insofern, dass ich jetzt die Möglichkeit habe, Studierende, Nachwuchs-Kollegen und -Kolleginnen in meiner Position zu unterstützen und ihnen Wege zu eröffnen. In meiner Position möchte ich nun alles weitervermitteln, was ich im Studium bzw. Doktoratsstudium mitbekommen habe. Das funktioniert aber nur dann, wenn man die Unterstützung, aber auch die Hürden, die da waren, nicht vergisst; nicht abhebt und im engen Kontakt mit denen bleibt, die man unterrichtet hat und für die ich mich auch verantwortlich fühle. Das ist für mich Erfolg: Jetzt für die Studierenden, KollegInnen und Nachwuchs-WissenschaftlerInnen da sein zu können. 29


J O S E P H . B R E I N L // C H R I S T A . B R Ü S T L E // G E R A L D . P R E I N F A L K // A N D R E A S . B Ö H L E N Elisabeth Harnik: Wer nach Erfolg – dem „Eintreten einer beabsichtigten, angestrebten Wirkung“ (Duden) – fragt, stellt indirekt auch die Frage nach dem Misserfolg, dem negativen Ergebnis dieser Bemühung. Ist es vorstellbar über diese Dualität hinauszugehen? Sowohl Erfolg als auch Misserfolg haben das Potenzial, uns in der Bewertung und Bestärkung unserer Kompetenzen und Qualifikationen zu unterstützen. Verbesserungen oder Planänderungen werden möglich, wenn die Ergebnisse aus einem weiteren Blickwinkel betrachtet werden. Idealerweise kann z.B. ein gutes Gegenüber dazu beitragen, den Blickwinkel nochmal zu erweitern. Ein Misserfolg kann sich rückwirkend betrachtet sogar als Erfolg erweisen und umgekehrt. Haben wir nicht selbst in der Hand, wonach wir streben, welche Ziele wir verfolgen, wie wir die Ergebnisse unseres Wirkens interpretieren und mit den Faktoren umgehen, die deren Eintreten oder Verfehlen mitbeeinflussen? Und wenn wir ein Ziel verfehlen, finden wir dadurch nicht auch zu einer neuen Form? Anke Schittenhelm: Schwere Frage, ich glaube, Erfolg kann man nicht in Zahlen messen. Eigener Erfolg? Erfolg von Studierenden? Für mich ist es auch ein Erfolg, wenn die Studierenden eine Tätigkeit finden, die sie ausfüllt und von der sie leben können. Gerade diese Zeiten zeigen, dass man manchmal mit einem Spatz in der Hand zufrieden sein sollte und nicht immer dem kurzlebigen Erfolg hinterherlaufen sollte, der nicht die Wurst auf dem Brot bezahlen kann.

Kunst ist...? Heiko Senst: … eine wichtige Ebene des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Kunst bietet neben Wissenschaft und Religion Formen der Auseinandersetzung des Menschen mit dem Sein und ist so wichtig wie ihre beiden Schwestern. Kunst umfasst so viele Formen der Kreativität, die der Mensch imstande ist hervorzubringen: das können ganz ursprüngliche oder ganz spezielle Äußerungen sein: der Mensch unterscheidet sich auch in dem Sinne von allen anderen Lebewesen. Kunst gewinnt an Wert, wenn sie wahrnehmbar und teilbar wird. Sie begleitet und prägt unsere Zivilisation und Menschwerdung an sich. Ist es nicht ein Wunder, dass ich ein japanisches Lied aus dem 13. Jahrhundert hören und davon berührt sein kann, obwohl ich den Kontext nicht kenne und die Worte nicht verstehe. Eine bestimmte kreative Äußerung wird über Zeiten und Grenzen hinweg übertrag- und verstehbar. Dieses Universelle: das kann Kunst, das zeichnet sie aus Kunst beinhaltet auch das Nicht-Aussprechliche, nicht eindeutig Formulierbare, das Emotionale; das Unbewusste, wie auch das Nicht-, Noch-Nicht und Nicht-Mehr-Bewusste. Damit stellt sie sich zwischen Religion und Wissenschaft. Diese suchen und schaffen gültige, abschließende Erklärungs-

muster für das Unbekannte, Kunst nicht. Zumindest nicht im Anspruch, eine endgültige Erklärung finden zu müssen. Es ist eine Auseinandersetzung, die in sich offen ist. Andreas Böhlen:…wichtig für Leib und Seele und deshalb in der Vielgestaltigkeit aus unserer Gesellschaft nicht wegzudenken, sondern wichtiger denn je. Lasst uns dies an der KUG vorleben.“ Damit meine ich, dass man bei aller Perfektion und theoretischem Wissen die künstlerische Entscheidung oder das Nicht-Messbare, dieses eigentlich Irrationale, was gerade an der Kunst interessant ist sucht. So kann man versuchen, sich da nicht hinter Form oder rationalen Entscheidungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen zu verstecken, sondern auch bewusst dahin geht, wo es nicht mehr wissenschaftlich ist, Kunst zuzulassen und dazu zu stehen. Vor allem in der Alten Musik kann man sich schnell mal hinter sowas verstecken, ohne die Wissenschaft kritisieren zu wollen, ganz im Gegenteil. Wir sind ja unmittelbar auf sie angewiesen. Aber wenn man alle Erkenntnisse anwendet, dann macht man es doch nicht per Definition richtig. Die Frage, ist also, wann man den Boden unter den Füßen verliert. Gleich schon am Anfang? Oder geht man erst alle Schritte und dann erst am Ende? Manchmal ist es am schönsten, wenn dieser Prozess fließend ist. Das Ganze wird auch für mich manchmal dann paradox, wenn man an der Uni Wissen vermitteln soll und messbar machen soll, Credit Points vergeben soll und man gleichzeitig ja eigentlich doch Kunst machen will. Joseph Breinl: …die Verbindung von hohem handwerklichen Können mit den „ewigen“ Themen der Menschheit wie Liebe, Hass, Trauer, Trost, Sinnsuche, Transzendenz. Wer kennt nicht das Gefühl beim Hören oder Spielen einer großartigen Komposition, dass da noch mehr sein muss als unsere begrenzte Welt, das Gefühl, eine andere Dimension zu erahnen? In Hugo Wolfs Michelangelo-Liedern ist es der „Strahl von anderer Schönheit, der in mein Herz erinnerungsweckend bricht“ … Schöner kann man es nicht ausdrücken! Allerdings kann Kunst nur dort entstehen, wo ein perfektioniertes Handwerk ihr den Boden bereitet hat – in dieser Hinsicht bin ich sehr altmodisch.

Welches Gefühl verbinden Sie mit der KUG? André Doehring: Ein durch und durch positives! Die KUG stellt sich in meinen Augen als eine aufgeschlossene, vorausschauende Universität dar, in der neueste und Alte Musik nebeneinander bestehen und kooperieren, in der eine breite Palette von Künsten von internationalen Fachleuten unterrichtet und aufgeführt werden. Dazu kommt die für meinen Bereich kaum zu unterschätzende Tatsache, dass an der KUG 1965 erstmalig in Europa an einer Hochschule Jazz unterrichtet wurde und wir heute zwei (!) international renommierte Institute für die

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SILKE.KRUSE-WEBER//ANDRE.DOEHRING//ANKE.SCHITTENHELM//ELISABETH.HARNIK//HEIKO.SENST Jazzpraxis und die Jazzforschung haben. Hier wird außerdem eine unglaublich breit aufgestellte und international bekannte musikwissenschaftliche Ausbildung und Forschung geleistet – wir nennen ein Zentrum für Genderforschung und zwei Doktoratsschulen unser Eigen – für eine Universität dieser Größe ist es fast zu schön, um wahr zu sein! Die unvermeidlichen Reibereien, die es hie und da geben mag, vermögen dieses Grundgefühl nicht zu trüben.

In der Kunst selber ist Relevanz eine andere Kategorie und man sollte sich nicht zu stark darauf kaprizieren. „Ein jeder gibt den Wert sich selbst“ heißt es bei Schiller. Eine Integrität, eine innere Unabhängigkeit, ein eigener Weltbezug sind wichtig. Wir kennen Kunstwerke, die die Gesellschaft bzw. das Bewusstsein der Gesellschaft verändert haben, obwohl sie zur Zeit ihrer Entstehung scheinbar keine Relevanz hatten und erst später ihre Wirkung entfalteten. Umgekehrt gibt es auch Kunstwerke oder Künstler, die zu ihrer Zeit sehr relevant waren und man kennt sie heute nicht mehr. Und es gibt die marginalen Künste, die keine Chance hatten, eine Reichweite zu erzielen. Das muss die Gesellschaft wissen, das müssen wir vermitteln. Der „Mehrwert“, die Relevanz von Kunst ist in Krisenzeiten oft in Frage gestellt, da müssen die Künstlerinnen und Künstler wach sein und ihre Kreativität auch nutzen, um auf ihren Stellenwert aufmerksam zu machen.

Christa Brüstle: Die KUG ist für mich ein fantastischer Ort, um meine Ideen, meine Konzepte, meine Ziele und meine persönliche Haltung umzusetzen. Ich habe sie aber auch als einen Ort erlebt, der mir zum Teil großen Stress gemacht hat. Daran ist niemand schuld! Aber vielleicht verbindet mich genau deshalb persönlich emotional mittlerweile sehr viel mit der KUG. Darüber hinaus fühle ich mich mit allen Kollegen und Kolleginnen sehr verbunden. Trotz aller Vielfalt und manchmal kontroversen Meinungen ist die KUG ein Ort, an dem man Meinungen auch aushandeln, austragen und diskutieren kann. Offenheit und Ehrlichkeit im Umgang miteinander ist für mich sehr wichtig, und das erlebe ich an der KUG auf jeden Fall und fühle mich deshalb auch sehr verbunden.

Joseph Breinl: Ich sehe die Hauptaufgabe einer Universität nicht in der Ausbildung, sondern in der Bildung der Studierenden, sowohl im Geist als auch im Herzen. Die fachspezifische Ausbildung ordne ich eher den Fachhochschulen und den Akademien zu. Absolvent_innen einer Universität sollten eigenständig denkende Persönlichkeiten sein, die in der Lage sind, sich schnell in unterschiedliche Themenfelder einzuarbeiten, geistig beweglich sind und über einen großen Bildungshorizont verfügen. Sie sollten mündige, kritische und unbequeme Mitglieder unserer Gesellschaft sein, denen man höhere Aufgaben anvertrauen kann. Eine Illusion in Zeiten des Utilitarismus? Wenn ich beobachte, dass viele meiner Kolleginnen und Kollegen neben der Vermittlung musikalischen Wissens und technischer Fähigkeiten auch übergeordnete Dinge und eine Lebenshaltung weitergeben wollen, glaube ich fest an dieses Konzept. Als ausübender Künstler halte ich Kunst bzw. Musik für das Lebenselixier einer Gesellschaft, gerade auch in Krisenzeiten wie der jetzigen. In schwierigen Lebensphasen ist das Bedürfnis nach seelischen Inhalten, nach Trost und Bestärkung immer groß – das Wort von Kunst als „Nahrung für die Seele“, hat da schon seine Berechtigung. Darüber, ob man sich als Künstler mehr politisch einbringen muss, habe ich noch keine abschließende Meinung. Im Detail erscheint mir das oft nicht einfach. Ein kleines Beispiel: Ich spiele bald einen großen Liederabend in Budapest. Obwohl ich mit der derzeitigen politischen Entwicklung dort überhaupt nicht einverstanden bin, wüsste ich kein adäquates Mittel, um das als Künstler zu zeigen. Ein Statement auf der Bühne? Das Konzert absagen? Ändere ich dadurch etwas? Natürlich retten wir durchs Musizieren alleine nicht die Welt. Allerdings können wir uns – wie alle anderen Berufsgruppen auch – in politischen Parteien oder gesellschaftlichen Projekten engagieren. Die Rolle des oft unbequemen Mitbürgers, der sich in die Gesellschaft einbringt und eine aufrechte Haltung vertritt, sollte aber nicht nur den Künstler_innen überlassen sein...

Joseph Breinl: Mit einer Institution verbinde ich kein Gefühl, wohl aber mit den Menschen, die für sie arbeiten: Verantwortung und Verpflichtung den Studierenden gegenüber, die in ihren wertvollen Jahren an der KUG eine optimale Betreuung verdient haben. Dankbarkeit gegenüber den Mitarbeiter_innen der Verwaltung, die alles so wunderbar organisieren und oft große Geduld mit mir haben… Und die Kolleginnen und Kollegen? Anders als an einer „normalen“ Universität treffen an der KUG ausübende Künstler_ innen aufeinander, die um die Höhenflüge und die Ekstase wie auch um die Schatten und Abgründe des Lebens wissen und deswegen ja die Kunst als Ausdrucksmittel gewählt haben! Das macht den Umgang miteinander sehr inspirierend, aufregend und manchmal auch anstrengend - aber immer spannend! Und Ecken und Kanten finde ich immer sympathischer als Glätte und Politur…

Inwiefern ist Ihre Tätigkeit als Professorin, aber auch als Wissenschaftlerin gesellschaftspolitisch relevant? Heiko Senst: Die Ausbildung der kommenden Elite ist natürlich relevant, sehr relevant. Das ist ein Fakt und Verpflichtung. Wer wird unsere zukünftige Kultur prägen und mitgestalten? Und wie? Und wer wird gehört werden? Und mit welchen Inhalten? Das heißt natürlich, auf welchem Niveau, mit welcher Qualität, aber auch: mit welchen Werten, mit welchen Impulsen in die Gesellschaft hinein.

Gerald Preinfalk: Ich wurde schon öfters gefragt inwiefern 31


Kunst politisch ist, glaube aber nicht, dass meine Tätigkeit gesellschaftspolitisch Relevanz hat. Gerade jetzt, wo alles zusammen bricht wird man sich dessen bewusst. Unser Genre befindet sich auf der Spitze der Bedürfnispyramide, zuerst musst du essen und ein Dach über dem Kopf haben, dann kann der Geist arbeiten. Silke Kruse-Weber: Elfenbeintürme sind nicht mehr zeitgemäß. Speziell in meinem Fach gibt es immens viele Möglichkeiten, sich gesellschaftspolitisch einzubringen. Man muss unterscheiden zwischen den Möglichkeiten des Handelns, die sich für mich innerhalb des Systems KUG ergeben und wo ich von dieser unterstützt werde bzw. diese selbst in ihren Leitlinien unterstütze und meinen persönlichen Möglichkeiten mich zu engagieren. Alles in allem halte ich meine Tätigkeit gesellschaftspolitisch für sehr relevant. Dies wird z.B. durch die Initiierung und Weiterentwicklung des Projektes Meet4Music deutlich. Zudem ist es mir als Professorin wichtig, dieses Projekt auch wissenschaftlich zu fundieren. Einiges dazu haben wir hochwertig publiziert sowie die Erkenntnisse durch Vorträge national und international vielfältig vermittelt und verbreitet. Forschung und Lehre sowie die curriculare Weiterentwicklung unseres Faches IGP gehören immer eng zusammen. So habe ich die gesellschaftlich-politische Perspektive auch hier klar im Blickfeld. Musiker_innen und Musiker, unabhängig davon ob sie künstlerisch und/oder pädagogisch arbeiten, haben die Möglichkeit, ihre Gesellschaft mitzugestalten. Hierfür sollten wir bereits im Studium eine Sensibilisierung und auch Neugier schaffen.

Wie verbringen Sie Ihre Quarantäne? Anke Schittenhelm: Am Anfang habe ich die Ruhe genossen, nicht ständig unterwegs sein zu müssen. Meinen Mann vor Ort zu haben und nicht ständig per WhatsApp -Video mit ihm zu kommunizieren. Unterrichtet habe ich von Anfang so viel wie zuvor, vielleicht sogar mehr. Neue Lehrinhalte haben sich eröffnet, die ich sicher auch nach der Krise weiterverwenden werde. Der erwachende Frühling hat mich mehr als sonst in die Natur geführt. Allerdings bin ich sehr froh, dass meine Kinder aus dem Schulalter heraus sind und ich ihren Tagesablauf nicht strukturieren muss. Heiko Senst: Ich habe eine schöne Wohnung in Graz, in der ich mich wohl fühle. Ich habe nicht 32


den Mehraufwand, den Familien mit Kindern haben. Da bewundere ich die Kolleginnen und Kollegen mit schulpflichtigen Kindern, die jetzt neben den Unterrichten Kinderbetreuung und Home-Schooling machen. Ich nehme die derzeitige Situation ernst und versuche, optimistisch zu bleiben. Der Unterricht über „distance teaching“ funktioniert erstaunlich gut und verlangt kreative Lösungen, Auseinandersetzung mit den Medien und einen anderen Blick auf unsere Normalität. Das bringt überraschende Lösungen und eröffnet neue Wege. Die Zäsur setzt Potential frei. Aber es ist auch anstrengend, weil die räumliche Einschränkung etwas mit einem macht. Eben weil unser Metier so viel aus persönlicher Neigung gespeist ist, ist mir Trennung von Arbeit und Freizeit wichtig. Jetzt geschieht alles am nämlichen Ort: ich unterrichte hier, plane, erfinde, mache Büroarbeit, verbringe hier aber auch die meiste Freizeit. Da wünscht man sich schon, dass es auch mal wieder aufhört.

F o t o g r a f i e : A n n a _ Z i e n e r

Gerald Preinfalk: Die Unsicherheit, wie die Situation sich entwickelt, bringt immer wieder Motivationsprobleme mit sich, aber leider muss ich sagen, ist diese Quarantäne großartig. Ich kann, wenn mich dieser beschriebene Blues nicht überkommt, komponieren und viele andere Dinge aufarbeiten, zu denen ich sonst nicht gekommen wäre.

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Elisabeth Harnik: Nachdem ich hauptsächlich von meiner freischaffenden Tätigkeit lebe, muss ich mich fast täglich mit den Auswirkungen der Quarantäne auf meine künstlerischen Aktivitäten befassen: Konzertverschiebungen, Absagen etc. Seitdem verfolge ich die aktuellen Entwicklungen bezüglich der Hilfestellungen für Freischaffende bei Einnahmenausfällen. Der Kunst- und Kulturbereich ist stark betroffen! Sofern unter den derzeitigen Umständen möglich, arbeite ich an laufenden Projekten weiter, die bis jetzt noch nicht von den Maßnahmen betroffen sind und beginne mit meinen Planungen für den Herbst. Als KUG-Lehrende bereite ich einen möglichen Umstieg auf Distance-Learning vor und bin gerade dabei verschiedene Modalitäten auszuloten. In diesem Zusammenhang rücken für mich Musikproduktions- und Präsentationsformen wie etwa Netzwerkkonzerte, telematische Performances, Streaming Projekte u.a. mehr in den Fokus meiner Aufmerksamkeit. Die Quarantäne fordert heraus und wirft für mich viele neue Fragen auf, aber sie erlaubt mir auch lange Spaziergänge in der Natur oder das Anpacken ausstehender Renovierungsarbeiten.


ICH STUDIERE BLOCKFLÖTE

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DANN BLÄST DU SICHER GUT! WARUM HAST DU DENN KEIN RICHTIGES INSTRUMENT GELERNT? N U R B L O C K F L Ö T E ? IHR BRAUCHT NICHT STIMMEN, ES IST SOWIESO FALSCH DAS KANN MAN STUDIEREN? COOL, ICH HABE AUCH MAL BLOCKFLÖTE GESPIELT! UND WELCHES INSTRUMENT SPIELST DU NOCH? SPIELST DU DANN NICHT DIE GANZE ZEIT NUR TELEMANN? HAT DAS STUDIUM ÜBERHAUPT SINN? ABER SPIELST DU DANN NICHT NUR KINDERLIEDER? ICH HABE GAR NICHT GEWUSST, DASS MAN DAMIT AUCH SCHÖN SPIELEN KANN! 35


I C H _ S T U D I E R E BY KATRIN FELBERMAIR, LEONA LENGER, OLIVIA SCHÖFFMANN & JOHANNA UNTERPERTINGER

Und um jetzt so manchen nicht im Dunkeln stehen zu lassen, der sich vielleicht auf die eine oder andere Frage wirklich eine Antwort wünscht, beziehungsweise um euch einfach einen kleinen Einblick in unser Studium zu geben, beantworten wir euch hier ein paar von den Fragen, von denen wir im Alltag immer wieder „gequält” werden: „Das kann man studieren?” „Lustigerweise schon.” Genauer gesagt am Institut 15 für Alte Musik und Aufführungspraxis, wo man außerdem noch Cembalo, Historische Streichinstrumente und Historische Blasinstrumente/Oboe studieren kann. „Ich hätte eine Altblockflöte zuhause, magst du sie haben?” „Gratis? Dann muss sie ja wahnsinnig gut klingen! Aber nein danke, ich habe schon genug.” Viele Flöten hat man in einer Laufbahn als Blockflötist wirklich, aber „alle” wird man wahrscheinlich nie haben. Es gibt nicht nur verschiedene Größen (von Sopranino und Sopran über Alt und Tenor bis hin zu Bass, Kontrabass und Subkontrabass), sondern es gibt auch unterschiedliche Flöten für Renaissance- und Barockmusik und für moderne Literatur. Es existieren sogar Blockflöten, die man elektronisch verstärken kann (der sogenannte Eagle). Außerdem haben wir es auch mit verschiedenen Stimmtonhöhen zu tun – eine „klassische” Altblockflöte sollte man beispielsweise nicht nur in moderner Stimmung (also a=440 Hz) besitzen, sondern vor allem auch in historischer Stimmung (a=415 Hz). Dankenswerterweise stellt uns die KUG eine Vielzahl an Instrumenten zum Verleih zur Verfügung, schließlich fällt das Geld leider nicht vom Himmel. ;) „Ist das nicht ein Anfängerinstrument?“ „Ja, ich bin nicht weiter gekommen.” Am Anfang ja, dann nein. So wie auch alle anderen Instrumente. Blockflöte ist sicher nicht einfacher als andere Instrumente! „Kann man da auch Vorzeichen spielen?” „Nur wenn man ganz fest reinbläst - mit genug Übung schaffen wir das Fis. Aber eigentlich ist uns das zu fortgeschritten. Das lernt man erst kurz vor dem Bachelorabschluss.” Ja, kann man – sogar alle. Und übrigens kann man, wenn man sich genügend mit seinem Instrument beschäftigt, sogar Vierteltöne greifen.

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E _ B L O C K F L Ö T E “Warum hast du denn kein richtiges Instrument gelernt?” „Meinst du Triangel? (Sorry an alle Schlagwerker, wir respektieren euch!) Dafür bin ich nicht gut genug.” Die Blockflöte ist ein richtiges Instrument! (Oder habt ihr schon mal ein falsches gesehen?) “Ihr braucht nicht stimmen, es ist sowieso falsch!” “Stimmt, ist praktisch.” Mit der Blockflöte hat man leider wirklich nicht so viele Möglichkeiten wie andere Instrumente, um sich anzupassen. Wenn man zu hoch ist kann man ein Stück rausgehen, zu tief wird dann schon eher schwierig. Das Stimmen hat aber trotzdem Sinn: Wir hören wo wir zirka sind und können uns durch Blasdruck anpassen. „Cool, ich habe auch einmal Blockflöte gespielt!” „Gratuliere. Wollen wir einmal gemeinsam Kinderlieder spielen?” Wir finden es toll, dass viele mit Blockflöte begonnen haben aber wir haben halt weitergemacht. „Und welches Instrument spielst du noch?” „Klavier, aber das ist ja auch nur ein Anfängerinstrument.” (Wir respektieren auch das Klavier!) Wir lernen - so wie man in den meisten Instrumentalstudien Klavier lernt - noch Cembalo. Sonst ist „nur Blockflöte” aber genug. „Spielst du dann nicht die ganze Zeit nur Telemann?” „Nein, manchmal auch “Bruder Jakob”.” Für die Blockflöte gibt es mehr Literatur als die meisten glauben. Wir beschäftigen uns hauptsächlich mit Musik aus dem Barock und der Renaissance, aber es gibt auch eine Vielzahl an Werken aus dem 20. und 21. Jahrhundert. „Aber spielst du dann nicht nur Kinderlieder?” „Nein, nur Telemann. Die ganze Zeit!” „Ich habe gar nicht gewusst, dass man damit auch schön spielen kann!” „Schön? Wir auch nicht. Wir sind jedes Mal wieder erstaunt.“ „Hat das Studium überhaupt Sinn?” „Die Frage ist, macht ein künstlerisches Studium denn generell Sinn?” „Dann bläst du sicher gut!” „Oh yes, Baby!“

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ERASMUS C A L L I N G

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Austauschsemester an der Zürcher Hochschule der Künste

BY VERONIKA MÜLLER-HAUSZER 16.März 2020

In einem Modul beschäftigen wir uns mit Strategien und Narration in Zeiten nach der Katastrophe - mit Utopien. Grundlage dazu ist der Roman aus dem Jahr 1950 "Die Marschroniken“ von Ray Bradbury- eine fiktive Geschichte über die Kolonisierung des Planeten Mars in den Jahren 1999 bis 2026. Zwei Wochen nach Beginn des Unterrichts - der Onlineunterricht holt uns in eine andere Dimension. Getrennt voneinander sitzen wir jetzt also alleine - gemeinsam vor unseren Computern und sind somit in anderen Welten unterwegs. Das Fiktive wird auf einmal greifbarer. Noch mehr als am Anfang des Moduls können wir Parallelen zur Jetztzeit ziehen, es fühlt sich an als würden wir auf einmal in den Geschichten leben. Die Immersion hat stattgefunden. Wir realisieren die Fragilität unserer Systeme. Unsere Raum und Zeitbeziehungen werden auf den Kopf gestellt. Alle realen Räume sind nun nicht mehr zugänglich und werden in ihrer Unzugänglichkeit zu utopischen Orten.

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SchuMus in den USA BY REBECCA MASSER & JULIA WERNIG

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Wir, Rebecca Masser (23) und Julia Wernig (24), sind zwei Studentinnen der Kunstuniversität Graz (Lehramt Musikerziehung und Englisch), studierten im Studienjahr 2019/2020 an der Montclair State University in New Jersey und möchten hier unsere Erfahrungen und Eindrücke über das Studienleben in den Vereinigten Staaten mit euch teilen.

sich auch Lokale wie das California Tortilla, Panda, 2mato und Dunkin’ Donuts am Unigelände. Das Recreation Center, welches auf zwei Stöcken mit hochwertigem Trainingsequipment, inklusive Pool und Running Track ausgestattet ist, bietet einen Ausblick auf die eindrucksvolle Skyline von New York City. Auch organisiert das Rec Center regelmäßig Events wie Trips zu Baseball Games, zum Central Park und zum Eislaufen im berühmten Bryant Park in Manhattan. Ein weiteres Angebot für Student*innen, die eine Person zum Reden oder psychologische Unterstützung benötigen ist CAPS (Counseling and Psychological Services). Wir waren positiv überrascht, dass dieses Thema in den USA so offen behandelt wird und an der Uni kostenfreie Therapiestunden zur Verfügung gestellt werden. In Krisensituationen können Studierende dieses Angebot auch virtuell wahrnehmen.

Rebecca trat bereits im August 2019 über ein Stipendium der Stadt Graz die Reise in die USA an und nutzte die erste Woche um New York zu erkunden. Im Jänner 2020 reiste schließlich auch Julia über das Joint Study Programm nach Amerika und verbrachte zunächst eine Woche in Miami. Nach unseren Urlaubsaufenthalten, in denen wir uns schon an die neue Zeitzone und den amerikanischen Lifestyle gewöhnen konnten, begann eine Woche vor Studienbeginn die Orientation Week. Diese gibt den Student*innen die Möglichkeit, Leute kennenzulernen und Informationen über den Unibetrieb zu erhalten.

Sehr attraktiv für uns war vor allem die Nähe der Universität zu New York City. Unter der Woche ist die Stadt per Zug in nur einer Stunde zu erreichen, da man von zwei Haltestellen, die sich an beiden Enden des Campus befinden, direkt zur Penn Station in NYC fahren kann. Am Wochenende hat man die Möglichkeit, mit Bussen zum Port Authority Bus Terminal zu gelangen. Da die Uni sehr abgelegen ist, kann es besonders für Studierende ohne Auto eine Herausforderung sein, alltägliche Dinge wie den Einkauf zu erledigen. Jeden Samstag wird den Student*innen daher das kostenfreie Shopper’s Shuttle Service zur Verfügung gestellt, um zu bestimmten Geschäften zu gelangen. Uber und Lyft sind preiswerte Alternativen, die wir beide häufig genutzt haben.

Schockierend war für uns die Tatsache, dass amerikanische Student*innen jährlich einen Studienbeitrag von ungefähr $ 13.000 bezahlen müssen. Freshmen, also Studienanfänger_innen, die im ersten Jahr verpflichtend am Campus wohnen und Student*innen, die in ihren Dorms (Heimzimmer) keine Küche haben, müssen zusätzlich einen meal plan um $ 4.590 bezahlen. Der hohe HousingPreis von ca. $ 11.100 pro Jahr ist durch die Lage an der Ostküste doppelt so teuer wie beispielsweise an den Unis in den Südstaaten von Amerika. Wir Austauschstudent*innen hatten das Glück im “Village of Little Falls” zu wohnen, wo jedes Apartment mit einer großen Wohnküche und zwei Bädern ausgestattet ist. Am gesamten Campus und in allen Unterkünften ist die Nutzung des W-Lans inkludiert und ermöglicht sowohl das Erledigen von UniArbeiten als auch den Kontakt nach Hause. Von den 21.115 Student*innen leben ca. 6.000 am Campus. Nach der ersten Führung waren wir beide ziemlich beeindruckt und von der Größe des Campus überfordert. Von einem zum anderen Ende braucht man zu Fuß ungefähr 30 Minuten, wobei es auch die Möglichkeit gibt den On-Campus-Shuttle-Service zu nutzen. Neben den Unigebäuden, Sportplätzen und mehreren Dining Halls, die sowohl vegetarische als auch vegane Alternativen anbieten, befinden

Durch die weltweite Verbreitung des COVID-19 mussten wir die Vereinigten Staaten vorzeitig verlassen. Nichtsdestotrotz sind wir sehr dankbar über die Möglichkeit tolle Erfahrungen gemacht sowie unser soziales Netzwerk in der Musikbranche erweitert zu haben. Sehr dankbar sind wir für die wundervollen Freund*innen und Professor*innen, die wir in Montclair kennenlernen durften und die unseren Auslandsaufenthalt so besonders gemacht haben.

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DAMALS / HEUTE

2014

EIN SCHAUSPIELSTUDIUM by

Gregor KOHLHOFER

„Theater Theater, der Lappen geht hoch..“ Als naives, (damals noch nicht) schwules 19-jähriges steirisches Landei, war meine Schauspielausbildung an der KUG von 2012-2016 ein Erwachen und Finden meiner Persönlichkeit on- und off-stage. Die Institut-9-Spielwiese, die mich sehr behütet. gefördert und mir viele Möglichkeiten zum Ausprobieren und Entfalten gegeben hat, ist allerdings daran gescheitert bzw. hat es versäumt, mich auf die Berufswirklichkeit abseits der Bühne vorzubereiten. Wesentlichste Frage: Wie gehe ich mit beruflichen und finanziellen Leerläufen um, die für Freiberufler an der Tagesordnung stehen? „Ich bin der Stern für diesen Augenblick“ Glücklicherweise bekam ich nach meiner Ausbildung ein einjährig-befristetes Festengagement an einem österreichischen Stadttheater, was den Realitätseinbruch noch etwas verzögerte. Wiederum durch glückliche Zufälle, war ich Teil eines Kurzfilms, der den Österreichischen Filmpreis gewann und mir den Eintritt in eine Agentur, etliche bezahlte Festivalbesuche im In- und Ausland und folgend einzelne Drehtage für Fernsehformate ermöglichte. Kurzzeitig fühlte es sich an als 42


würde alles wie am Schnürchen laufen: Zuerst „freispielen“ am Theater, fließender erfolgreicher Einstieg in die Filmbranche und ab dann von einem Filmset zum anderen springen und gut Geld verdienen. (Ein Drehtag bedeutet bereits für Anfänger ein Monatsgehalt am Theater) Aber dann: In einem Jahr hatte ich genau einen bezahlten Drehtag. Willkommen in der Realität! - Was mache ich also in diesen alltäglichen arbeitslosen Situation? Wie versichere ich mich, wie halte ich mich finanziell über Wasser ohne parallel einen anderen Beruf ausüben zu müssen? Ist das überhaupt möglich? Dank meiner Festanstellung, konnte ich zeitweise Arbeitslosengeld beziehen und über das Arbeitsamt grundversichert sein, weil ich ja schon ein Jahr davor durchgängig angestellt war. Was macht man allerdings, wenn man dieses Privileg nicht hat? Durch Covid-19 ist es noch einmal mehr sichtbar geworden, wie freie Schauspieler und allgemein freiberufliche Künstler durch das Sicherheitsnetz dieses Sozialstaates fallen. „Heute bin ich König morgen Bettelmann.“

2020

In Coronazeiten geht es mir finanziell ok – again, dem Arbeitsamt sei Dank! Ich hätte im April drei Drehtage gehabt, die auf unbestimmte Zeit verschoben wurden und unterzeichnete kürzlich einen Stückvertrag für ein Kindermusical an einem Stadttheater im Herbst. Es ist angenehm zu wissen, dass ich Sachen in Aussicht habe und nicht gerade vor dem Nichts stehe. Wobei...wer weiß schon, wann Theater und Film wieder hochfahren dürfen! #inanutshell ist mein derzeitiges Leben als freiberuflicher Schauspieler immer unsicher bzw. spannend – Ansichtssache! „Kunst ist mehr als Handwerk, Kunst ist Zauberei.“ #KUGoodtimes! Wie gern würde ich jetzt in diesen unsicheren Zeiten wieder in die unbeschwerte Mikroblase Schauspielstudium eintauchen, an einer Eigenarbeit feilen, vom Szenenstudium zum Gesangsunterricht und weiter in den Körperunterricht mit der vertrauten Jahrgangs-Kleingruppe. Am Abend mit bereits überfülltem Kopf noch Text reinpfeiffern und ausgelaugt, aber zufrieden ins Bett fallen. Meinen Körper jeden Tag so vielfältig zu beanspruchen und das Geheimnis der Wahrhaftigkeit auf der Bühne für einen Augenblick zu fassen und ihn im nächsten Moment wieder zu suchen – Das ist, was ich vermisse. (Zitate aus dem Lied „THEATER“ von RAINALD GREBE) 43


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Q U A R A N T I N E C L A S S R O O M Studierende berichten von der LV „Dimension und Raum“ mit Hans-Peter Horner während der Quarantänezeit Drei Tage lang erarbeiteten Studierende des Studienganges Bühnengestaltung im Seminar „Dimension und Raum“ ausgehend von Albert Camus „Die Pest“ eine Filmcollage. Aufnahmen, Texte, Audios, Bilder, Videos, Musik, die in Relation zu besagtem Roman und der derzeitigen Situation stehen – und all das ohne persönlichen Kontakt. Die Kommunikation erfolgte über Zoom und WhatsApp, Datenaustausch via Google Docs, Gruppen-Zusammenarbeit durch Videokonferenzen. Wie kreatives Schaffen im Distanzunterricht funktioniert hat? Für viele tatsächlich gar nicht so schlecht. Die meisten Studierenden waren zum ersten Mal mit Online-Lehre konfrontiert und wider Erwarten klappte es zum Großteil tatsächlich sehr gut.

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Auszüge aus den Kommentaren der Studierenden: Susa: „Für mich ist es das erste Zoom-Meeting und es ist richtig cool so, taugt mir, die Meetings zwischendurch und dann arbeitet jeder wieder für sich, kann man öfter machen.“ Johanna: „Das ist auch mein erstes Zoom-Seminar. Zuerst hatte ich nicht gedacht, dass es so gut funktioniert, eigentlich recht angenehm das Ganze. Hat beides Vor- und Nachteile, auf der Uni sich treffen ist natürlich schon was anderes.“

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Teresa:„Bei mir war das auch der erste Online-Unterricht. Besonders schön daran: Man erspart sich den Stress des Auf-Die-Uni-Fahrens, der Stressfaktor fällt jetzt weg, man kann in Ruhe in den Tag starten mit einer Tasse Kaffee oder Tee und trifft sich dann halt. Unsere Gruppenarbeit hat ganz gut funktioniert, wir haben in der Kleingruppe auch Konferenzen gemacht, dann hat jeder wieder für sich gearbeitet. Alles in allem eine positive Erfahrung, ist vielleicht nicht für alle Kurse geeignet aber in dem Fall hat es gut funktioniert!“

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Lisa: „War nicht mein erster Unterricht online, aber in diesem Seminar war das viel angenehmer als in anderen Kursen. Besonders, dass man in der Früh noch die Zeit für sich hat war sehr schön.“ Anna: „Hat besser funktioniert als erwartet. War ganz schön im Vergleich zu anderen Aufgaben, trotz der Distanz wieder in der Gruppe zu arbeiten, das fehlt einem schon. Die Aufgabenteilung hätte besser sein können, aber insgesamt einige schöne Ergebnisse.“ Yunnai: „Schöne Erfahrung, wir arbeiten sehr effizient und bleiben in Kontakt. Ich

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glaube, so eine Vorlesung ist ein- oder zweimal ganz schön, aber öfter auch nicht. Zoom ist ja kein wirklicher Raum und wenn man sich via Zoom trifft, habe ich kein Gefühl mehr über meine Zeiteinteilung. Es ist nicht so, dass man auf die Uni kommt und nach seiner Lehrveranstaltung nachhause geht, Arbeit und Zuhause sind sehr vermischt.“ Hannah: „Hat gut funktioniert, trotz Online-LV war es uns möglich, selbstständig zu arbeiten und aktiv vom Computer wegzugehen. Trotz der Distanz waren wir in der Lage, praktisch zu arbeiten. Spannend zu sehen war, dass man durch die Distanz eigentlich gezwungen ist, Dingeschneller und spontaner zu entscheiden, es ist nicht die Zeit da, alles zu Tode zu diskutieren. Also hat alles so seine Vor- und Nachteile.“

I l l u s t r a t i o n : H a n n a h _ D o r n a n

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Emiliano Sampaio Bad Straßgang Im Sommer fahre ich mit dem Rad bis zum Bad und nehme noch ein Picknick mit. Dort verbringe ich den Tag, einfach schwimmen und entspannen. Das beste Detail: Wenn man nach Eggenberg (wo ich wohne) fährt dann gibt es eine Buschenschank auf dem Weg. Besser geht‘s nicht! Tobias Kochseder Bei der Erzherzog-Johann-Brücke, gegenüber vom Franziskanerplatz, aber auf der gleichen Seite der Mur (also nicht beim Kunsthaus, sondern eben dort drüben) gibt oder gab es diese bunten Sitzgelegenheiten neben dem Radweg. Das war der erste Platz, wo ich Straßenmusik gemacht hab, weil ich mich nicht in die Herrengasse getraut hab (mein kleiner Bruder war als moralische Unterstützung auch dabei). Vielleicht ist es einfach die Erinnerung an diese Zeit, aber ich finde es sehr angenehm dort zu sitzen.

FAV O U R I T E

SPOTS. .

Theresa Steiner Dienstag Nachmittag vor der Herz-Jesu Kirche auf den Stufen in der Sonne sitzen und dem bunten Treiben zum Beispiel der Spaziergänger mit ihren Hunden und den jungen Familien und den Bio-Markt-Ständen zuschauen.

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Sehyu n Paik One o f the se my favorite cond spots floo is a thek: What r of the K couch on a cozy UG B ibl an ted sp d calm, iso iolaot!

Gra Sofia P inaeva It’s a pla slerei ce I go concert t o be out, s or sta wonder ful Gras nd-up comed but still feel li a beer in y evenin ke hom lerei do g e g Basti an the evening. To s. To have a go s. To be greet . To enjoy gre e at d Panka o d b d e aroun b , cause t d friend coffee with a f y Uwe und Fe he brick who find time s I made li, the riend on for wa t t To talk to a str lls and comfor you even thoug here. To have a he afternoon o ange table h th r goo for an e xam, be r sitting at the chairs have st ey work there. d talk with Juli a, caus yle and T next tab going o create a o photograph, le, beca n aroun e I feel so com b s u ep s ec fo e d, even smoke, if people rtable that I c it’s not weird. ial atmospher but CB an conc e pla entrate Or even to lea . little tro D oil helps m y Mario karts, r n n o m e again d ubles. J arts or atter, w st ust go a t nd see it headaches an able tennis. I d hat’s d other o for you annoyin n’t rself g

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SCREAMERS, SERIEMAS AND OTHER TYPES OF BIRDS - my (almost) 3 years long journey in Graz

BY GUY BEN-TOV

So let’s start from the ending - I’m still here, after 5 semesters, No Master’s degree in hand, but many other things that I would argue are as [if not more] valuable... While professionally I’m looping around the same spot for years now, artistically I feel like I have achieved some kind of an understanding with myself, regarding who I am, what I would like to achieve and how I would like to achieve it, that I never had before. But now let’s go back to the beginning, after a year of avoiding the academy due to bad experience during my Bachelor‘s [I was building robots in the desert, super nice story for a different time] I have decided to go to Europe to answer the question - is the situation any different outside of Israel? I think after ending up in Graz and participating in many festivals around Europe in the past (almost) 3 years, I can confidently say that the answer is a resounding “Jein”. On the very obvious side of the equation - there’s more budget and public spending on culture and there are more platforms for presenting experimental art here. On the other hand, I feel like the discourse here is even worse than in Israel, because most art here refuses to be political, and when it is, it just parrots banal truths like “injustice is bad” (dah!!!). It is important to stress that I’m being hyperbolic, since I believe that, on the one hand, there could be more public spending and scholarship opportunities for artists [especially for non-european residents] and the draconian copy-right regulations in Europe are absolute poison for creatives, while, on the other hand, I also believe that there are some spaces where very interesting and unique new approaches to discourse are taking place right now. But, generally speaking, I was glad to discover a scene where I felt like I have much to contribute to, due

to my critical tendencies, while also having the opportunity to express myself within it, despite obvious institutional obstacles and biases. Over the last 2 years, I have developed a working method that reflects who I am and my goal. Yes, a singular goal - making people happy by showing them something they didn‘t know they were looking for. The first experience I had with this approach was when I was working with actress, clarinetist and composer Barbara Neu on a piece titled “mein Schrei”. By the end of the proces I asked her name to be included as a co-composer in the program note. At first it felt strange, since I was clearly putting most of the input into the compositional elements of the piece, but it was very clear for both of us that we haven’t been adhering to the traditional composer-performer hierarchy. The two of us were contributing to both elements of composition and performance, and ignoring this just because of customs and tradition would have been foolish. The second experience in which I have expended my methods and level of collaboration even further is the ongoing project with cellist/composer Mathilde Vendramin - Ungrateful Ambassadors. A collaborative duo, in which we have set ourselves the goal to create art as an expression of intimate self-reflexion and as a hatch to self-improvement, motivated by a desire of breaking certain predefined and distinctive categorisations in the current environment of contemporary music. We have worked on many projects together, always trying to push cultural boundaries by combining different mediums and collaborating with artists from different disciplines. We have made video works, music for theater, performative installations, vlogs and even some “normal” concert music.

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For me, it is important to let said identities actively affect the shared compositional process. Naturally, my process acts as a political statement, challenging the borders between the old composer-performer dichotomy. In my experience of collaborative work, I like observing the technical and aesthetic approaches of working on a project with someone who professionalized in a different medium or in a different field of the same medium, and to explore this meta-narrative by letting it consciously influence the artistic outcome of the shared work. The idea of sharing knowledge from our specific fields while giving and receiving input from a worldview that is based on a different battery of aesthetics and terminologies is a significant driving force in my work. I have embarked on a journey of self-discovery, I explore my immediate surroundings in order to expose these forgotten forces that motivate us and give us inner inspiration, and bring these phenomena to the foreground through artistic expression. [Guy Ben-tov is a Composer/Performer/Video artist, currently finishing his Master’s in Composition-Music theater at the KUG]

I l l u s t r a t i o n : Jo h a n n a _ S e i t i n g e r

Throughout our many discussions, we have noticed that the conventional approach towards engaging with a foreign culture is usually a comparative one. This approach assumes that one can only perceive ideas and objects through his own perspective, and has no ability to express empathy and develop new ideas and terms through communication. We, of course, refuse to accept this approach. In the field of musical performance, I believe that it is important to include more simultaneous world views in the discourse and work together to develop new shared terminologies that represent an active dialogue between the different participants of the creative process. The third and last example of artistic collaboration for this paper is my ongoing project Bird [stylized - .bÄąrd]. The project involves two other composers, Severin Dornier and Dakota Wayne, who just happen to be my flatmates and my best friends. In this project we have set ourselves the ambitious goal of reinvigorating the discourse in the new music scene by provoking it with compositions, performances and concerts that question the nature of these formats and deconstruct them in an engaging way, allowing the audience to feel involved, react and interact with what we propose and display. My approach regarding performance and composition, is one where the individual tendencies of all parties involved are being considered throughout the creation process, informing it and helping to shape it, with the hope to discover new, synthesized forms of art making. I personally view music as a collaborative process; in my works the performer is involved from a very early stage. A shared space is created where we present materials or ideas that we are interested in exploring. We all come from different cultural and educational backgrounds, which (in a way) reflect our identities.

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Es bleibt nichts, von dem wie man es nennt, gelebter Tage Freude. Und gewiss ist auch das, Zweite Zweifel. Es wird ein, die zwei, bedeuten gemischt, vereint und aufgehoben. Ein ewig langes Flackern, wie von Blitz durchzuckter Weiden. Nur der Ruß spricht für das Leben.

Eine Waise des Lichts, aus ihm geboren verlieh ihm Konturen, ererbte Gestalt, und kennt seine Mutter trotz allem nicht. Bleibt einsam und ist stets doch von spielenden Farben umgeben, noch kindlich, naiv streckt er sich suchend nach ihnen, zieht enttäuscht sich zurück in der Blüte des Lebens, und will wieder fliehen woran er gebunden, als naht die Dämmerung. Umgehend wird er eins mit umfassender Dunkelheit, streckt sich in Unendlichkeit, nun endlich all-ein, mit dem ersten Stern wird er Nacht.

Sich Ziele zu setzen, nur aus dem Grund sich Exzesse auf den Weg dahin Zu verzeihen. Sich selbst Verzeihen zwei Seelen in einer, wozu das Ganze. Erst dann, wenn ich nicht mehr zweifle, mir nicht mehr verzeihe, und nicht mehr lebe mit stolz Geschwellter Brust, den Zufall höhne, bin ich eins, und dann, Leere, weils nichts mehr zu füllen gäbe außer ein Glas.

Clemens A. Oberhollenzer

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Formkontraste Vorstudie Part III.

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DIESES DAZWISCHEN KANN DOCH EINFACH NICHT EXISTIEREN. by Ioana Nitolescu Ich bin im Dazwischen und schaue mir dieses Dazwischen an und dieses Dazwischen beruhigt mich so sehr, weil es ja immer da ist, auch wenn ICH mich ständig bewege. Das kann man sich nicht vorstellen. Aber es ist schön und einfach und voll mit Sinn. Doch sobald ich beginne, diesen Sinn zu erklären, merke ich, dass es dafür keine konkrete, reelle Form gibt. Also dieses Dazwischen wäre eine Form, nur ist es eigentlich nicht. Sobald die Gefühle ins Spiel kommen und noch schlimmer- die Liebe, hat mein Schema mit meinem Dazwischen, meine ganz in Detail gedachte Erklärung dieses Zustandes, KEINEN SINN. Und das deprimiert mich. Denn für mich macht es Sinn, aber die Unsicherheit, dass es vielleicht für andere keinen Sinn macht, für andere Menschen oder Sachen, oder Konzepte, die ich liebe, ist unerträglich. Weil...wenn es für andere Sinn machen würde, müsste ich nicht mehr diese Wege so oft machen, dann würden sie auch mal zu mir kommen. Aber ich bin ja ständig in Bewegung, das verstehe ich auch, es ist ja schwieriger für andere zu mir zu kommen, wenn ich mich ständig bewege. Es ist ja viel einfacher, wenn ich immer zu denen komme. Weil sie immer da sind. Und vielleicht liebe ich sie auch gerade deswegen. Weil sie IRGENDWO stabil stehen. Was ich liebe ,ist mein Zuhause. Und nirgendwo steht, dass ein Zuhause zu dir kommt. Man geht doch immer SELBST nach Hause. Deswegen muss ich in Bewegung bleiben. Auch wenn ich das manchmal ungern mache. Damit ich ein Zuhause habe. Und manchmal denk ich mir, dass ich gar keins habe. Und dann sag ich mir: Doch, doch, nur musst du es noch basteln. Du musst dein Zuhause basteln. Und das ist schön. Und auch wenn du nie mit dem Basteln aufhören wirst, ist es ja auch gut. Ein ganzeeees Lebeeeen basteeeln. Dadurch bleibst du irgendwie immer ein Kind und das ist gut für deinen Beruf. Nur...ich vermisse ständig irgendwas oder irgendjemand. Und ich weiß einfach nicht, wie das funktionieren soll. Deshalb denk ich: Dieses Dazwischen kann doch einfach nicht existieren.

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A B S C H L U S S K A F F E E ich beinahe täglich die Möglichkeit, mich darin zu üben. Zwei Fliegen mit einer Klappe um nur 3,80€, eigentlich drei, wenn man die angeblich wachmachenden Wirkung von Koffein mit einberechnet. Doch mein Körper beschließt wie immer, diesem Phänomen nicht zu folgen und so finde ich mich meinem leeren Becher im selben Stadium der Müdigkeit gegenüber wie zuvor.

BY HANNAH WASSERFALLER

Der Raum ist dunkel, dicht aneinander gedrängt stehen wir im Vorlesungsraum. Vom kalten Winter ist hier drin nicht viel zu merken, die Luft ist stickig, alle starren auf denselben Bildschirm. Von der Einheit ist noch nicht sonderlich viel vergangen. Leichte Übelkeit steigt in mir auf, ich habe meinen Kaffee zu schnell getrunken. 3 Euro und 80 Cent wieder einmal teuer investiert, wieder dem Drang nachgebend, den Vormittag mit dem Konsum des Kaffees aus dem Coffeeshop erträglicher werden zu lassen. Wieder dem Paradox standgebend, dass sich die Selbstverständlichkeit, diese Summe für eine kurze Bedürfnisbefriedigung am Tresen des Kaffeehauses auszugeben, sofort einstellt, während sich bei einem Preis von 3,60€ für eine Packung Bio-Eier, mit der ich über eine Woche auskomme, sogleich ein Widerwille auftut, wenn die um 20 Cent billigere Variante direkt daneben steht. Das ist dann doch sofort viel zu teuer.

Meine Gedanken schweifen ab, ich höre meine Kommilitonen sprechen, doch der Sinn ihrer Worte kommt nur begrenzt bei mir an. Denn begrenzt ist auch der Kaffee in meinem Becher und in meinem Kopf bin ich mit der Bewältigung des Missmutes darüber beschäftigt, dass eine nochmalige koffeingetränkte Zufriedenheit meine studentisch charakteristisch eher leere Geldtasche erneut einer Belastungsprobe unterziehen wird, zugleich wissend, dass ich der Versuchung morgen trotzdem nicht widerstehen werde können, das Kaffeehaus noch vor der Uni zu betreten.

Und trotzdem folge ich immer wieder dem Ruf des Verlangens, den Kaffee nicht zuhause aufzustellen und einfach in einer Thermoskanne mitzunehmen, sondern den Kaffeebecher vor Ort befüllen zu lassen. Ein bisschen mehr Müll in Form von To-Go-Bechern in die Welt zu setzen. Man will ja schließlich seine Spuren hinterlassen. Beim Gedanken an den Preis tröste ich mich damit, dass es wenigstens jeden 11. Kaffee umsonst gibt. Dafür lohnt es sich wohl, die 10 Male davor das Geld für einen Wocheneinkauf an Lebensmitteln für das Gebräu, welches aus einer anderen Kaffeemaschine als meiner eigenen kommt, die Milch aus einer anderen Milchpackung, zu bezahlen. Ein kurzes Glücksgefühl, das ich mir erkaufen kann, jedoch unweigerlich gefolgt von einem Gefühl leichter Enttäuschung , wenn sich der Becher mehr und mehr leert, die Sehnsucht nach noch einem Tropfen allgegenwärtig. Aber man muss ja lernen, mit Enttäuschungen umzugehen und somit habe

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We, as ÖH-KUG, want to position ourselves AGAINST RACISM and AGAINST RACIST VIOLENCE! Music and arts should erase borders between people and unite them regardless of their nationality, gender or skin color. The ÖH-KUG is there for all of you! We fight for you! It’s time that nobody has to suffer because of who they are, how they look like or where they come from! Art has all colors.

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I l l u s t r a t i o n : Hannah_Wasserfaller


Jetzt ennt e d u t S ge a k c a p nen ff รถ r e

Nach Kleingeld kramen war gestern. Mit dem Smartphone bezahlen ist heute. steiermaerkische.at/studenten 59


F o t o g r a f i e : A n n a _ Z i e n e r

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