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fest, dass zumindest ein Konkurrent auch sehr gerne unsere Schiene fährt. marlowski  Das kennen wir auch... (lacht) günther  (lacht) Das dürft ihr auch gerne schreiben. Das kann er gerne noch mal lesen. Natürlich behält man seine Mitbewerber oder Marktbegleiter, wie wir es immer nennen, im Auge. Man muss einfach wissen, was die machen, und dementsprechend probiert man auch mal und guckt auf die Preise oder wie es anderswo gestaltet wird. Aber wir sind schon stringent auf unserer eigenen Linie unterwegs. marlowski  Man hört ja immer wieder, dass diese Backschränke, die in sämtlichen Bäckerei-Filialen stehen und zum Aufbacken der Teiglinge genutzt werden, eigentlich gar nicht gebraucht würden. Man nutzt diese nur, damit es für den Kunden angenehm riecht und nicht aus logistischen Vorteilen!? günther  Dazu gibt es viele Gerüchte

erfüllen und laufend Frisches anbieten zu können, müssen wir diesen Kompromiss eingehen, denn viel verkauft viel. marlowski  Das bringt ja aber das Problem der Retouren mit sich. günther  Klar, die Retouren sind ein Riesenthema, da wir ethisch schlecht vertreten können, Lebensmittel wegzuschmeißen. Natürlich ist es auch finanziell ein wichtiger Punkt. Tatsächlich weggeschmissen wird bei uns möglichst wenig. Ein großer Teil geht an die Kieler Tafel und ein nicht ganz unerheblicher Teil wird sogar weiterverarbeitet. Eine Rumschnitte zum Beispiel funktioniert gar nicht ohne die restlichen Kuchen. Wir haben mal versucht, eine eigene Rezeptur zu entwickeln, das klappte aber nicht. Auch im Sauerteig wird unser Brot weiterverarbeitet. marlowski  Gut, ihr bereitet laufend frisch und ohne Zusatzstoffe zu. Das

ausgeben. Das ist in südeuropäischen Ländern eher Richtung 14 bis 20 Prozent. marlowski  Woran liegt das? Liegt es daran, dass dort die Tischgemeinschaft eine höhere Wertschätzung genießt? günther  Ich glaube, es ist die dortige Lebenskultur. Man merkt es ja schon, je südlicher man in Deutschland ist. Jetzt mal im Besonderen auf die Backware bezogen, die im Süden weniger eine Sättigungsbeilage als schon mehr Kulturgut ist. Das vermisse ich in Norddeutschland manchmal. Diese Leidenschaft fürs Essen und Leidenschaft für Backwaren. Also, in unserem Unternehmen gibt es diese Leidenschaft und wir bringen sie in unsere Produkte. marlowski  Ihr habt euer Logo geändert. Das neue Logo ist nun schwarz. Und die Filialen sind auch umgestellt – eben auch mit schwarz-weißem Interieur. Es sieht auch durchaus edel aus, aber das war schon

und Meinungen und deswegen bin ich immer froh, wenn ich das gefragt werde. Reichlich Medien stellen das falsch dar. Also, ganz klar: Diese Backautomaten sind vollwertige Öfen. Wir stellen in der Zentrale ein Stück Teig her, das in Form gebracht und schließlich in der Filiale gebacken wird. Und das machen wir, damit das Produkt möglichst frisch zum Gast kommt. marlowski  Der Konsument hat sich heutzutage auch daran gewöhnt, rund um die Uhr frische Ware zu erhalten. günther  Richtig. Wenn wir in der Zentrale backen würden und alle Filialen laufend beliefern, würde das sämtliche Logistikkosten sprengen. Außerdem hat es auch einen handwerklichen Aspekt: Wir sind kein Industriebäcker und wollen auch keiner sein. Wir investieren viel Schweiß, Handwerksbäcker zu bleiben. Wir pumpen unsere Produkte auch nicht voll mit Chemie – unsere Brote sind frei von Zusatzstoffen. Und um dann die Gästeansprüche zu

ruft allerdings auch Preisunterschiede hervor im Vergleich mit, sagen wir mal, Discounter-Märkten, die auch ihre Backstraßen haben. Frustriert es Dich manchmal, dass der Verbraucher den Qualitätsunterschied oft nicht wahrnimmt? Oder nicht bereit ist, dafür zu zahlen? günther  Ja, das frustriert wirklich manchmal. Glücklicherweise hat diese Geiz-ist-geil-Mentalität tatsächlich ein bisschen abgenommen. Wir merken, dass das Bewusstsein für Lebensmittel immer mehr in den Vordergrund tritt. Was esse ich da eigentlich und wo kommt es her? Wie ist es gemacht und haben die Leute, die es gemacht haben, vernünftige Löhne bekommen? Nach wie vor ist es in Deutschland aber ein Problem, dass die Menschen nicht bereit sind, Geld für Lebensmittel auszugeben – wenn man das vergleicht mit Frankreich oder Italien. In Deutschland sind wir, glaube ich, bei rund 11 Prozent unseres Nettoeinkommens, die wir für Lebensmittel

sehr mutig schwarz zu wählen, oder? günther  Aber auch sehr notwendig. (lacht) marlowski  Gab es Kritik? günther  In der älteren Kundschaft kam auch mal die Frage auf, ob wir jetzt ein Bestattungsinstitut geworden wären. (lacht) Oder ob jemand im Management gestorben sei. Uns war klar, dass die Änderungen hart rüberkommen können und wir müssen auch bei einigen Filialen sehen, wie wir da trotzdem eine einladende Atmosphäre kreieren. Es war eine bewusste Entscheidung einen deutlichen Kontrast zu setzen. marlowski  Leider müssen wir jetzt zum Ende kommen. Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für uns genommen hast. Wir gehen uns unten im Geschäft noch ein paar Brötchen für die Redaktion holen. Mett haben wir extra kalt gestellt. günther  Dann wünsche ich guten Appetit! Es hat mich gefreut, dass ihr hier wart.  ■ (cv)

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marlowski Magazin 2016.04  

Die Aprilausgabe des marlowski Magazin.

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