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35 Digitalisierung in der Bildung

Doris Bauer

»Bist du digital nicht auffindbar, bist du unsichtbar« Open Access als Chance für Wissenschaftler/innen aus dem globalen Süden zur Partizipation am globalen Wissenschaftsdiskurs. In Zeiten der Digitalisierung ist vermeintlich alles im Internet auffindbar, sämtliche Fragen können in kurzer Zeit vom eigenen Smartphone oder Tablet beantwortet werden. Findet man die Antwort nicht, ist man verstört. Denn das Internet weiß »alles«. Im Umkehrschluss stellt sich die Frage, welchen Stellenwert eine Sache hat, wenn sie im World Wide Web nicht auffindbar ist. Auf persönlicher Ebene ist es unangenehm, in einem global agierenden Feld wie der Wissenschaft ist es ein irreversibler Nachteil. Möchte man im globalen Wissenschaftsfeld agieren, ist es unabdingbar zu publizieren. Denn die globale Kommunikation in der Wissenschaft findet über Publikationen in akademischen Fachzeitschriften statt. Weltweit gibt es unzählige dieser Academic Journals. Wer zitiert wird, dessen »Journal Impact Factor« steigt im internationalen Ansehen. Wer zitiert wird, wird gefunden, gelesen – und im besten Fall weiter zitiert. Hoch bewertete Fachzeitschriften sind begehrt, darin zu publizieren ist teuer. Auch der Zugang zur Lektüre ist nicht billig und bleibt deshalb zumeist Forscher/innen im globalen Norden vorbehalten. Insbesondere jüngere Universitäten und Forschungseinrichtungen im globalen Süden verfügen demgemäß nicht über die Möglichkeit, an diesem globalen Wissenschaftsdiskurs umfassend teilzunehmen. Der vielzitierte und nach wie vor oft präsente Elfenbeinturm der Wissenschaft hält sich über dieses System der Privilegierten aufrecht und schließt kategorisch jene aus, die nicht die erforderlichen Mittel aufbringen können: um zu publizieren, zu rezipieren und insbesondere zu agieren und zu reagieren. An diesem Punkt kommt als Gegenstrategie Open Access ins Spiel. Open Access, also der freie Zugang zu wissenschaftlichen Artikeln im Internet bzw. Open Data, die völlige Offenlegung der zugrundeliegenden Daten, nahm seinen Anfang in den frühen 1990ern. Seit den 2000ern, mit steigen-

der Nutzung des Internets, wird Open Access immer stärker thematisiert. Richtet man den Blick nun in den globalen Süden, zum Beispiel auf Subsahara-Afrika, kann Open Access als eine (von vielen) Antwort(en) auf den erschwerten Zugang in und zu wissenschaftliche/r Literatur gesehen werden. Denn insbesondere in Subsahara-Afrika ist die Dichte an Publikationen in globalen Academic Journals signifikant niedriger als im globalen Norden. Nicht, dass nicht publiziert wird, aber nicht in akademischen Fachzeitschriften. Zudem steigt die Anzahl der Publikationen aus dem globalen Norden signifikant, womit jene aus dem globalen Süden in Rankings (aufgrund der quantitativ geringeren Outputs) zurückfallen.1 Damit nimmt sich die Wissenschaft die Möglichkeit, lokales Wissen in den globalen Wissensdiskurs aufzunehmen und verzerrt den Blick nach außen.2 Forschung und Wissenschaft erscheinen als Phänomen der industrialisierten, der »entwickelten« Länder. Allerdings ist auch die Veröffentlichung in einem Open-Access-Journal mit teils hohen Kosten verbunden. Daher verfolgt die Kommission für Entwicklungsforschung (KEF) die Strategie, in den von ihr geförderten Projekten die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen als Open Access besonders zu fördern. So können Projektpartner/innen aus dem Süden und dem Norden bis zu zwei Jahre nach Projektende um eine Zusatzförderung für eine Open-Access-Publikation ansuchen. Für wissenschaftliche Publikationen, die aus durch APPEAR (Austrian Partnership Programme in Higher Education and Research for Development) finanzierten Projekten resultieren, ist dies obligatorisch. 1 Vgl. Kell, C., Czerniewicz, L.: Visibility of Scholarly Research and Changing Research Communication Practices: A Case Study from Namibia (http://open.uct.ac.za/handle/11427/23990, 20.9.2017). 2 Vgl. Vortrag von L. Czerniewicz (University of Cape Town) auf der Konferenz »An Open Digital Global South« Mai 2017 in Kalifornien (Videostream www.youtube.com/watch?v=NUAJo-2GgrI, 21.9.17).

Mag. Doris Bauer ist Mitarbeiterin der Abteilung Bildung und Forschung für internationale Entwicklungszusammenarbeit in der OeAD-GmbH.

oead.news 104  

"Digitalisierung in der Bildung" lautet der Themenschwerpunkt der neuen Ausgabe der oead.news. Erscheinungsdatum: 11/2017

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