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Dominik Ruffeis

Vom Wissen, dem Handy und der Landwirtschaft Wie moderne IKT die Kommunikation verändert und die Anwendung neuer landwirtschaftlicher Technologien in Kenia verbessern kann. DI Dr. Dominik Ruffeis ist für die Universität für Bodenkultur (Institut für Hydraulik und landeskulturelle Wasserwirtschaft) in der internationalen Zusammenarbeit tätig und Mitkoordinator des APPEAR-Projekts SCARA.

© SCARA

© Dennis Theuri

Farmer müssen in den Prozess der Generierung von Wissen eingebunden werden, damit ihr traditionelles Wissen und ihre speziellen Anforderungen an Technologien Berücksichtigung finden.

»Informationen über Wetter, Düngung, Saatgut und den Markt, die ich benötige, beziehe ich aus verschiedenen Quellen, wie Infoblättern, öffentlichen und privaten Beratungsservices, Radio und dem Internet. Es ist aber oft schwierig, die Menge an Informationen zu filtern, zu verstehen und zu wissen, was glaubwürdig ist. Eine persönliche Beratung ist sehr wertvoll, aber schwer zu erreichen, weil es zu wenig Berater gibt. Das Mobiltelefon hat aber vieles vereinfacht, auch die Kommunikation mit Beratern.« (Sarah George, Landwirtin aus Rongai, Kenia) Forschungsergebnisse zeigen, dass effektives Wissens- und Informationsmanagement im landwirtschaftlichen Bereich dann erzielt wird, wenn Landwirt/innen auf relevante Informationen zur richtigen Zeit in einer nutzerfreundlichen Weise zugreifen können. Daher müssen Farmer in den Prozess der Generierung von Wissen eingebunden werden, damit ihr traditionelles Wissen und ihre speziellen Anforderungen an Technologien Berücksichtigung finden. Mobile Kommunikation bietet die Chance, Peer-to-Peer-Interaktion und Lernprozesse zwischen allen Stakeholdern zu erleichtern. Der horizontale und vertikale Informationsfluss wird zu einem wechselseitigen Kommunikationsprozess, von dem alle Beteiligten profitieren. Der Schwerpunkt in dem durch APPEAR geförderten Projekt SCARA (Strengthening capacities for agricultural education, research and adoption in Kenya), durchgeführt von der Egerton University (Kenia) und der BOKU Wien, liegt in den Bereichen Capacity Building und Entwicklungen im IKT-Sektor. Der Fokus liegt einerseits in der Anwendung von IKT im Bereich des Lernens und der Interaktion zwischen Key Playern und andererseits in der Entwicklung neuer relevanter landwirtschaftlicher Technologien. IKT soll dabei helfen, für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern maßgeschneiderte Technologien zu entwickeln und so die Anwendungs-

rate zu erhöhen. Dabei spielen die Verfügbarkeit der landwirtschaftlichen Technologien in der »Public Domain« und die Demokratisierung von Information eine wesentliche Rolle. Landwirt/innen berichteten im Rahmen dieses Projekts von ihren Erfahrungen, die sich mit aktuellen Forschungsergebnissen decken. Als größte Herausforderungen für die Nutzung von IKT, und im Speziellen von Mobiltelefonen, gelten hohe Kosten, unzureichende Infrastruktur, Sprachbarrieren und niedrige Basisbildung. Ebenfalls genannt werden nicht aktuelle und ortsrelevante Marktinformationen, schlechte Kollaboration zwischen Stakeholdern und inadäquate Fördermaßnahmen für Frauen. Zugang zu den Technologien und somit auch der daraus resultierende Vorteil ist in hohem Maße von Einkommen, Bildung und soziokulturellem Hintergrund abhängig. Speziell Frauen aus ländlichen Gebieten sind mit einer besonderen Einschränkung des Zugangs zu Kommunikationsmöglichkeiten und Informationen konfrontiert. Um landwirtschaftliches Wissen für Landwirt/innen, unabhängig von agrarindustriellen Konzernen, frei zugänglich zu halten, kommt Bildungsinstitutionen wie Universitäten und Schulen eine zentrale Rolle zu. Das Ziel eines freien Zugangs zu Informationen im Agrarsektor, unabhängig vom soziokulturellen und ökonomischen Status, kann durch flexible und unterstützende Strategien und Regulative erreicht werden. Lokale und regionale IKT-Bildungs- und Infrastrukturprogramme können einen wesentlichen Beitrag leisten, diese Ungleichheiten zu beseitigen. APPEAR ist das Hochschulkooperationsprogramm der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. Weitere Informationen: https://appear.at/scara; http://scara.boku.ac.at Twitter: @scara_appear Facebook: @scara.appear

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"Digitalisierung in der Bildung" lautet der Themenschwerpunkt der neuen Ausgabe der oead.news. Erscheinungsdatum: 11/2017