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Alternative Energie Ă–ko-Energie


Ökoenergie

Alternative Energie Ökoenergie Die Sonne heizt die ganze Erde, warum also nicht auch das Haus? Sonnenenergie Die Schwierigkeit liegt darin, dass die Sonne immer nur einen gewissen Teil der Erde anstrahlt. Aber sogar im Winter kann die Sonne das Haus mitheizen, vorausgesetzt man lässt sie. Die Sonnenenergie kann sowohl aktiv als auch passiv genutzt werden, außerdem gibt es Systeme, die eine Kombination von aktiver und passiver Nutzung darstellen.

Wer sich nicht für die ausschließliche Verwendung von Holz als Brennstoff entscheiden kann, aber auf das Raumklima das durch das Verbrennen der Holzscheite entsteht nicht verzichten will, der wählt einen der verschiedenen hervorragenden fertigen Kaminöfen.

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Passive Solarheizung Man nützt die Sonne mit der Ausrichtung auf ihre Einstrahlung. Das führt zu einer verbesserten Energiebilanz, und zwar zu allen Tages- und Jahreszeiten. Heizen mit der Sonne heißt also, zunächst einmal mit ihr bauen. Der Weg zur passiven Nutzung der Sonnenenergie verläuft über aktive Schritte in der Architektur. Wer also in den Genuss der umweltfreundlichsten Gratisenergie kommen will, sollte schon bei der Planung an die folgenden grundsätzlichen Maßnahmen denken: • Orientierung der Räume nach Himmelsrichtungen. Überlegen Sie sich, wie lange und zu welchen Tageszeiten die jeweiligen


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Räume benutzt werden. Wohn- und hauptsächlich Aufenthaltsräume, vor allem auch Kinderzimmer, gehören daher südseitig ausgerichtet. Für Kinder, die schon zur Schule gehen und den ganzen Vormittag in der Schule sind, kommt auch eine Südwest- bis Westlage in Frage. Schlafräume werden wegen der Morgensonne oft ostwärts ausgerichtet, Küchen mit Frühstücksnischen meist südöstlich. • Passive Solararchitektur hat eine Ausprägung in den Wintergärten, die als „bewohnbare Solarheizkörper“ angesehen werden können. Manchmal umfassen sie ganze Hausteile. Selbst wenn ein Wintergarten in der ersten Hausplanung nicht tragbar sein sollte, kann schon an eine spätere Zubaumöglichkeit gedacht werden. Auf die richtige Dimen­sion­ie­rung achten! Aktive Solarnutzung Aktive Solarnutzung bedeutet die Anwendung technischer Mittel zur Umwandlung und zum Weitertransport der Sonnenenergie.

Am häufigsten kommen Flachkollektoren zum Einsatz. Diese bestehen im wesentlichen aus einer Glas-Abdeckung (am besten eisenarmes Sicherheits-Solarglas), dem Absorber aus hochwertigem Material mit bestmöglicher Wärmeleitfähigkeit (Kupfer oder Aluminium) und meistens mit hochselektiver Beschichtung. Weiters sorgt auch die Wärmedämmung im witterungsbeständigen Gehäuse (Edelstahl oder Aluminium) für die Reduzierung der Temperatur­verluste. Im Absorber ist auch das Flüssigkeits-System integriert. Die Einfachheit der Solartechnik ist bestechend. Sobald die Temperatur in den Kollektoren um einen bestimmten Wert höher ist als im unteren Teil des Solarspeichers, wird über

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Sonnenkollektoren In Oberösterreich sind Sonnenkollektoren schon seit mehr als 20 Jahren erfolgreich am Markt. Oberösterreich liegt an der Spitze aller Bundesländer und ist sogar führend in Europa, was die installierte Kollektorfläche pro Einwohner anbelangt. Grundsätzlich gibt es drei Arten von Kollektoren, die je nach Anwendungsbereich ihre Vorzüge haben, nämlich: Absorbermatten für Freibad-Beckenerwärmung, Flachkollektoren vorwiegend für Warm­wasserbereitung und teilsolare Raumheizung, sowie Vakuumröhren, die ebenfalls für diese Bereiche, im Besonderen aber für noch höheres Temperatur-Niveau (Prozeßwärme, etc.) eingesetzt werden können.

Betonfußboden, das klingt nach grauer Langeweile. Doch die Zeiten sind vorbei, denn jetzt kommt Farbe ins Spiel. Mit speziellen Schablonen und Farbpigmenten lassen sich Betonflächen schnell und einfach individuell gestalten.

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die Solar-Regelung die Umwälzpumpe eingeschaltet. Dadurch wird die in den Kollektoren erhitzte, frostgeschützte Wärmeträgerflüssigkeit in den Wärmetauscher, der sich im Speicher befindet, transportiert, gibt dort die Wärme an das Brauchwasser im Speicher ab und fließt abgekühlt zurück in die Kollektoren. Dieser Kreislauf wird erst unterbrochen, wenn die Temperatur im Wärmespeicher gleich jener der Wärmeträgerflüssigkeit ist. Im Vergleich zum Energieertrag ist der Stromverbrauch für die Umwälzpumpe bedeutungslos. Die wichtigsten Komponenten einer Solaranlage sind also ein leistungsfähiger Langzeitkollektor, die Umwälzpumpe mit den Sicherheits Einrichtungen, die Regelung und der Solarspeicher samt der Wärmedämmung. Im Sommerhalbjahr sind bei der Warmwasserbereitung Deckungs­ gra­de mit mehr als 90 % gegeben. Richtig dimensionierte und fachgerecht montierte Anlagen überbrücken mehrere Schlechtwettertage. Die Lebenserwartung der Solarkomponenten beträgt bei Verwendung hochwertiger Werkstoffe mehrere Jahrzehnte. Nur typgeprüfte Kollektoren kaufen.

Ökosystem Einfamilienhaus: Grünen Dächern gehört die Zukunft

Dachbegrünungen bieten viele Vorteile zu minimalen Mehrkosten Durch sachgerechte Begrünung von Bauwerksoberflächen können sinnvolle Beiträge zu einer zukunftsweisenden Siedlungsökologie geleistet werden: „Grüne Dächer sind ein Schlüssel, um Bodenversiegelung, Austrocknung, Artenverarmung, Feinstaub und Lärm in unseren Städten zu vermindern“, umreißt Landschaftsplaner DI Dr. Harald Kutzenberger1 die Bedeutung von Dachbegrünungen. Die Kosten für PE-Folie, (Bau-) Vließ und Ziegelsplitt sind überschaubar. Es macht also durchaus Sinn, das Einfamilienhaus einmal aus einem ungewohnten Blickwinkel heraus zu betrachten: Als Ökosystem. Die Dächer von Carport, Werkzeughütte und Einfamilienhaus eignen sich hervorragend als „Grüne Inseln“ mit ungeahntem Potential. Ob Erdbeerwiese, Fläche für Schnittlauch, Salbei und

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Kamille oder als Bienen- und Schmetterlingsweide: Richtig angelegt ist die Blumenwiese am Dach vollkommen wartungsfrei, dämpft Feinstaubbelastung und Lärmentwicklung und wirkt positiv auf Wasserhaushalt, Klima und Artenvielfalt. Eine gute Abdichtung zum Gebäudebestand ist Voraussetzung. Meist ist es ein Kaltdach, das isolationstechnisch dafür sorgt, dass das Gebäude „für sich“ bleibt. Eine darauf aufgebrachte 2 mm starke PE-Folie sorgt dafür, dass keine Nässe in das Dach eindringen kann, ein darüber gelegtes 300 g Vließ schützt die Foliendichtung (siehe INFO-KASTEN DACHAUFBAU). Sieben bis zehn Zentimeter Ziegelsplitt (2/3), vermischt mit Humus (1/3) dienen als Bodensubstrat, auf dem Wiesenpflanzen wachsen können.

D A C H A U F B A U

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Dachaufbau:  Vegetationsschicht, Begrünung mit Magerwiesenmischung  Bodensubstrat 7 bis 10 cm, davon 2/3 saugfähiger Mineral boden wie Ziegelrecyclat, 1/3 Humus  300 g Bauvließ (weißes Wegevließ) als mechanischer Schutz der Abdichtung  Übliche Foliendichtung (z.B. 2 mm PE-Folie) Was wir mit einer Dachbegrünung erreichen können ist nicht nur die Simulation eines Felsrasens, wie er auf Flachdächern häufig anzutreffen ist. Ziel sollte eine Dachbegrünung sein, die sich an einer natürlichen Steppe orientiert: Eine Grasbedeckung mit vielen Blumen. Der Wert dieser neuartigen Dachbegrünung liegt darin, dass 90% des Regenwassers zurückgehalten werden können. Weil der Boden im Jahreslauf trotzdem immer wieder vollständig durchtrocknet, können keine Bäume darauf wachsen. Eine Ablaufvorsorge für längere Regenperioden wird dennoch benötigt. Dieser Ablauf kann in den meisten Fällen direkt am Grundstück versorgt werden. 1

 I Dr. Harald Kutzenberger ist selbständiger Landschaftsplaner, D allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Naturschutz und Landschaftsgestaltung und Dozent an der BOKU, Universität für Bodenkultur, in Wien. 219


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Statik und Sicherheit Beinahe jedes Dach kommt für eine Dachbegrünung in Frage. Flächen mit elektrischen Aufbauten, wie etwa zur Energiegewinnung durch Photovoltaikanlagen, sollten aus sicherheitstechnischer Sicht nicht verwendet werden. In unserem Klimabereich muss jedes Dach auf mindestens 600 kg Schneelast pro Quadratmeter ausgelegt sein. Das ist die größte Last, die ein Dach statisch gesehen bekommen kann. Zehn Zentimeter Substrat für eine Dachbegrünung sind im Vergleich zur statisch geforderten Schneelast kein relevanter Faktor. Eine Absprache mit dem Statiker ist dennoch empfehlenswert. Vorteile Die Versiegelung von Flächen durch Baumaßnahmen ist zu einem relevanten Faktor geworden. Wasserrückhalt, Kleinklima und Artenverlust sind aus wissenschaftlicher Sicht unsere aktuellen Herausforderungen.2 Auf Luftbildern sind die großen Flächen der Dachlandschaften gut erkennbar. Aus landschaftsplanerischer Sicht sind es genau diese Flächen, auf denen großflächig Wasserrückhalt möglich ist. In Dachflächen steckt ungeahntes Potential. Sie sind vielfältig nutzbar und können die Lebensqualität steigern. Auf unseren Hausdächern haben Blumenwiesen Platz, wie wir sie sonst kaum finden. Sie können Schmetterlinge, Bienen und Hummeln in unseren direkten Lebensraum bringen. Kreativität in individuellen Lösungen birgt viele Möglichkeiten, die in der Summe eine deutliche Veränderung des Klimas in unserem Wohngebiet und sogar des Abflussgeschehens möglich machen. Mit Dachbereichen, gleichgültig ob kleine Carports oder große Gebäudeflächen, können wir ein großflächiges Mosaik entwickeln, das Feinstaub binden kann, ganzjährig Lärm mindert, durch Wasserrückhalt Hochwasserereignisse dämmt, durch Verdunstung Sommerhitze mildert und sich zu einem ökologisch wertvollen Landschaftsteil entwickeln kann. Auf niedrig gelegenen Dachflächen wie Carport und Gartenhütte können bei Bedarf auch Heil- und Gewürzkräuter, Gurken oder Erdbeeren kultiviert werden. Nicht zu unterschätzen ist dabei die Tatsache, dass diese Flächen schneckenfrei sind. Besonders eignen sich Gräser wie Schafschwingel und Blauglockengras, Thymian, Schnittlauch, Berglauch, Hauswurz, Fetthenne, Traubenhyazinthe, Echte Felsennelke, Sonnenröschen, Storchschnabel und kleine Schwertlinien. Sie bilden eine dichte Vegetations220


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narbe und blühen vom Frühjahr bis zum Herbst. Wichtig ist, die Pflanzen an den Standort anzupassen. Für Walderdbeeren kann ein nur wenige Zentimeter hoher Holzrahmen, mit zusätzlichem Humus gefüllt, den Erfolg steigern. Dachneigungen bis 25 % sind kein Hindernis. Dachbegrünungen sind heute kein Wagnis mehr. Wenn es uns gelingt, in den nächsten Jahrzehnten relevante Dachflächen zu begrünen, ist das nicht nur gut für das Entwässerungssystem und das Kleinklima in unseren Siedlungen und Betriebsgebieten, sondern fördert auch die Artenvielfalt – ganz ohne Gesetze! 2

 sterreichischer Sachstandsbericht Klimawandel 2014, Seite 30 Ö ff. http://hw.oeaw.ac.at/7699-2

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FOTO: TBK Büro für Ökologie und Landschaftsplanung

Das erste vollständig begrünte Dach hat DI Harald Kutzenberger im Jahr 1996 angelegt: „Es gab keine Referenzflächen, keine Erfahrungswerte“, erinnert sich der Landschaftsplaner. Daher wurde das eigene Hausdach als Pilotanlage verwendet. Auf dieser Aufnahme ist der Zustand der Dachfläche im Frühjahr 2015 zu sehen. „Nur zur Schnittlauchernte öffne ich das Dachfenster. Geschnitten und tiefgekühlt haben wir das ganze Jahr über unseren eigenen Schnittlauch.“ 221

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BHB #8 Energiesparen und Ökoenergie  

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