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RUNDBRIEF DES VORSTANDES

April 2010

Impressionen Schulprojektwoche 2010


Liebe JenaplanerInnen, Nach gefühlten 25 Podien und Konferenzen in den letzten zwei Wochen, wo alle „gute“ Schule eigentlich nur behaupten, ist es eine Wohltat bei euch den Alltag von cooler, selbstbewusster Schule zu erleben. Einfach so. Wenn man sich die Vielfalt der Projekte ansieht, die da innerhalb einer Woche aus dem Boden gestampft werden, dann passt die ganze Welt für einen Nachmittag wirklich in die Tatzendpromenade. Hier ist nicht mehr nur Jena, hier ist Indien, Japan, Brasilien, Spanien, Australien, China, Ecuador usw. und die Schüler lernen auf natürliche Art diese Welt kennen. Und es sind alle dabei. Ein 2jähriges Kind, was sich in einer vollgestopften Turnaula auf Erkundungsreise macht und wie selbstverständlich von einer Vierjährigen in den Arm genommen wird, Lehrer, die sich dem Wahnsinn von Abba und Karaoke von ihren Schülern stellen, eine Laboruntersuchung, die unfreundliche Bakterien im Lehrerzimmer findet, ein Junge, der bis vor kurzem noch als hoffnungsloser Fall galt und sich selbst plötzlich als Chorknabe entdeckt, ein Lehrer, der an der Ex-Zonengrenze entlang radelt und wieder und neu entdeckt, wie bekloppt diese Mauer war. Natürlich habe ich mir eine scharfe Rüge eingefangen, als ich zu jemandem sagte: Die Feier in der Aula hat etwas von Oskar-Preisverleihung. "Na, das stimmt ja goor nüscht", schüttelt da jemand mit dem Kopf. Und ich behaupte, es stimmt doch: Denn eure Aula ist ein Bühne für Welt- und Selbsterfahrung. Es ist nicht nur Pädagogik da, sondern auch Glamour. Seht her - ich bin stark! Das ist die Botschaft der Kids, die vorne stehen und zeigen, was sie gemacht haben. Da bekommt die Landessiegerin des Debattierwettbewerbs ihr Forum - und auch die Kleinen wissen, boa, die Lilith, hat es also geschafft, die ist eine Große, die kann im Parlament mit anderen diskutieren und sie ist irgendwie die Beste geworden.


Man kann sich auch als Samurai vor 400 Leuten trauen, im Vorbeigehen einen Bauch aufzuschlitzen. Unerhört! Paul zeigt sich im Film als begabter Moderator und Conferencier. Mancher Journalistenkollege erblasste vor Neid, wenn er sieht, wie cool und selbstverständlich hier auf hohem Niveau gearbeitet wird. Ich hatte eine pflichtschuldige Doku befürchtet, die brav alle Projekte im Ringelreihen herunterleiert. Aber nein, mit Hochdruck ist da eine ziemlich perfekte Zusammenfassung der großen Jenaplan-Leistungsshow zusammen gestellt worden. Klasse. Ich habe mir erlaubt, gestern nichts mitzuschreiben. Aber ich habe, als ich euch zuschauen durfte, gesehen und kapiert, was der Gag von modernen Schulen ist: Sie stellen das Kind wirklich in den Mittelpunkt, sie haben den Perspektivwechsel vorgenommen. Früher mussten sich die Schüler den Schulen anpassen und unterordnen. Bei euch bestimmen die Schüler (mit), wie eine solche Woche verläuft. Jetzt gehe ich flugs in meine eigene Klasse, wo eine herausragende Lehrerin tolle Schule macht - sie orientiert sich an dem, was ihr der Republik vormacht. Grüße! Der Pate

* Christian Füller ist Journalist (die tageszeitung, Spiegel online u.a.) und Autor. Er gilt als einer der kompetentesten Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten des Landes und war 2008 für den Preis „Der lange Atem“ des Vereins Berliner Journalisten nominiert. Christian Füller wurde mit zahlreichen Forschungs- und Reisestipendien ausgezeichnet, u.a. vom DAAD, der Volkswagenstiftung, der Fulbright-Kommission und des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung. Christian Füller ist unser Pate für das deutschlandweite Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.


Alumnitreffen in der Jenaplan-Schule – 26.03.2010 Es musste endlich sein! Die Veteranen der alten JenaplanSchule waren in die Jahre gekommen. Es mussten neue her! Am 26. März 2010 fand nach fast 1,5 Jahren Vorbereitungszeit das erste Alumnitreffen der Jenaplanschule in Jena statt. Ein Projektteam aus Lehrern, Eltern und Schülern schuf beste Bedingungen in der Tatzendpromenade für Gespräche, Erinnerungen, Spiele, Musik, Erleben für knapp 300 Ehemalige. Es gab in acht Stunden alles, was diese Schule ausmachte und ausmacht! Kreative Feierbeiträge, Wetterkapriolen, Planung und Spontanität, Lachen und Wehmut. Es war ein tolles Erlebnis das noch seiner aufmerksamen und kritischen Würdigung harrt. Eine einfache Beschreibung des Tages wird diesem nicht gerecht. Vielleicht war es der Anfang für die Entwicklung eines neuen Aspektes von Schulentwicklung, interkultureller und intergenerativer Kommunikation, demokratischer Mitwirkung und Partizipation an der und rund um die Schule. Wir danken den mehr als 50 Vorbereitern und Organisatoren! Das (Kern-) Organisationsteam bestehend aus Hendrik Hansen, Heike Ginter, Susanne Hager, Michael Selle, Kerstin Seufert, Barbara Windorf, Yvette Tschiedel, Mike Bruhn und Thomas Röher.


Spatzen und Spanisch “Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt” (Wittgenstein)

Warum im Kindergarten? Kleine Kinder lernen Sprache(n) mühelos und ganz natürlich. Wissenschaftliche Forschungen haben ergeben, dass Kinder im Alter von drei bis acht Jahren besonders leicht in der Lage sind, eine oder weitere Sprachen aufzunehmen. Ein „zu früh“ für fremde Sprachen gibt es nicht. Kindertageseinrichtungen verfügen über geradezu ideale Voraussetzungen, um Kinder die Chance einer zusätzlichen Sprache spielerisch, kindergerecht und mit viel Spaß zu eröffnen. Kinder die die Möglichkeit haben, zwei oder drei Sprachen in frühem Kindesalter zu erlernen, bekommen die Gelegenheit zu erfahren, dass Anderssein nicht bedrohlich, sondern bereichernd ist. Darüber hinaus fördert Mehrsprachigkeit auch die Fähigkeit, soziale Konflikte zu lösen. Wie? Die Methode heißt „Immersion“, was soviel bedeutet wie Eintauchen, Sprachbad. Immersion ist eine moderne und die erfolgreichste Methode der Sprachvermittlung. Sie ist sehr gründlich untersucht. Es gibt keinen strukturierten Sprachunterricht, kein Lernprogramm und keinen Druck. Zentraler Punkt ist die Vermittlung im Zusammenhang, die „Kontextualisierung“. Die Sprache muss in die Handlung eingebunden sein. Das Gesagte wird unterstützt durch Handlungen, Gesten und Zeigen. Redewendungen wie zum Beispiel „lavate las manos por favor“ (Bitte wasche deine Hände) werden durch Mimik unterstützt, um den Kindern das Verstehen zu erleichtern. Wörter oder Redewendungen sind in bestimmten Situationen immer wieder verwandt. Wörter wie „a recoger“ (aufräumen), „gracias” (Danke), “Buenos dias“ (Guten Morgen) „Hasta mañana“ (bis Morgen) werden von den Kinder täglich gehört und schnell aufgenomen und verstanden. Was? Die Lust auf Spanisch (in 23 Ländern, von 440 Millionen Menschen gesprochen) durch Singen, Märchen, Spiele, und vielfältigste Reize werden gefördert. Aber eine Sprache ist nicht nur Wörter. Wir setzen darauf, dass unsere Spatzen die spanische und lateinamerikanische Kultur d. h. deren Geschichten und Lieder, deren Feste, Bräuche und Küche kennen lernen. Ana Ruiz Pädagogische Mitarbeiterin im Vorschulteil


Große Teamfahrt nach Dittrichshütte Am Montag, dem 12. April, trafen sich Maulwürfe und Kängurus, Bärchen und Delfine, Igel und Falken sowie die Pinguine und unsere kleinen Spatzen, um gemeinsam auf große Fahrt zu gehen. Die Eltern und Kinder der Wölfe hatten sich leider für eine Gruppenradtour nach Hütten entschieden. Wie immer war die Aufregung zur Abreise groß. Gepäck musste verladen werden, das Einsteigen der einzelnen Gruppen in die Busse wollte organisiert sein und einige Abschiedstränen mussten getrocknet werden. Doch dann ging es endlich los. Schon während unserer Busfahrt begleiteten uns Regen und nasskalter Wind, die sich auch während unseres Aufenthaltes nicht so recht verabschieden wollten. Doch das Gelände in Dittrichshütte empfing uns mit interessanten Attraktionen, die wir im Laufe der Woche ausprobieren und nutzen konnten. Es gab mehrere Spielplätze, auf denen das Austoben Freude bereitete. Fußball- und Basketballfelder sowie Tischtennisplatten luden zum Spielen ein. Schön war es zu beobachten, wie Unterund Mittelgruppenkinder in ihrer Freizeit miteinander die Mannschaften wählten, um freundschaftlich und fair um Tore und Punkte zu kämpfen. Wir fuhren Allwetterrodelbahn, durchquerten das Labyrinth, manche Gruppen kegelten, andere blätterten im größten Märchenbuch der Welt und natürlich wurde auch die nähere Umgebung erkundet. So besuchten einige Gruppen die nahe gelegene Windmühle und erfuhren etwas über deren Funktionsweise. Die Pinguingruppe spazierte an einem Vormittag zu einem Bauernhof, auf dem Kühe gezüchtet werden. Dort konnte man ein Kälbchen sehen, das erst eine halbe Stunde alt war und eine Runde mit dem Traktor fahren. Die Ganztageswanderung gestalteten die jeweils zusammengehörenden Unter- und Mittelgruppen gemeinsam. So wanderten die Igel mit den Falken, die Bärchen mit den Delfinen und die Maulwürfe mit den Kängurus. Dieses schöne Miteinander konnte man auch bei anderen Unternehmungen beobachten, so z.B. auf der Rodelbahn, wenn Klein und Groß gemeinsam ins Tal sausten. Eine weitere Aktivität war das gemeinsame Singen. Unter- und Mittelgruppen stellten sich gegenseitig Lieder vor und sangen auch welche zusammen. Insgesamt war es für alle eine erlebnisreiche und schöne Woche, die sicher lange in Erinnerung bleiben wird. Die Diskussionen, die es im Vorhinein zu dieser großen Fahrt gab, sollten konstruktiv fortgesetzt werden.

Beate Bookhagen


Fachtagung Schulsozialarbeit Am 18. und 19. März 2010 fand in Jena eine bundesweite Fachtagung zum Thema Schulsozialarbeit statt. Auch die Jenaplanschule Jena leistete ihren Beitrag und empfing 20 Teilnehmer der Fachtagung in ihren Räumen. Die Schulleiterin, Frau Gisela John, und die Schulsozialarbeiterin, Frau Bettina Beyer, hießen am 19.03. die Gäste willkommen und stellten die Schule sowie das Schulkonzept vor. Frau Beyer erläuterte Ihre Tätigkeit als Schulsozialarbeiterin anhand der zahlreichen Projekte, die sie gemeinsam mit den Schülern bisher durchführte. Besonderes Augenmerk wurde auf die Schülersprecherarbeit gelegt – das Finden des Themas der Schulprojektwoche, dem der Markt der Möglichkeiten folgt, in dem sich Projektgruppen finden und gründen können und nicht zuletzt die Beteiligung an der Planung und Durchführung der Schulprojektwoche. Auch andere Projekte wurden vorgestellt, wie z. B. der Schüleraustausch mit Dulce Nombre in Nicaragua. Eine Besichtigung der Schule rundete das Programm ab. Leider blieb aufgrund der kurzen Zeit wenig Möglichkeit zu Erfahrungsaustausch und Diskussion, jedoch erhielten die Fachtagsteilnehmer einen recht umfassenden Einblick in den Bereich der Schulsozialarbeit an unserer Schule. Aufgabenfelder der Schulsozialarbeit an der Jenaplanschule: • Förderung von Schülermitbestimmung und Zusammenarbeit mit den Schülersprechern • Entwicklung, Organisation , Mitarbeit und Durchführung von Projekten z.B,. Spätschichtprojekten, Schuljahresanfangsprojekt, Schulprojektwoche, Ethikprojekte u.v.m. • Offene kreative Nachmittagsangebote im handwerklichen und künstlerischen Bereich • Bewerbungstraining mit dem 9.Jahrgang • Vorbereitung, Organisation, Durchführung des Schüleraustausches und der Schulpartnerschaft mit Dulce Nombre • Einzelfall und Konfliktberatung

NEU: Frau Beyer steht Gesprächen und Anfragen nicht nur persönlich in ihren Räumen im Kellerbereich gegenüber dem Feierraum zu Verfügung, sondern ist nun auch unter folgender Email-Adresse erreichbar: beyer.jps@googlemail.com Wir hoffen sehr, dass Schüler (oder auch Eltern) verstärkt das Beratungsangebot nutzen und mit Frau Beyer bei Problemen oder Konflikten im schulischen oder außerschulischen Bereich in Kontakt treten. Kerstin Seufert


In eigener Sache: Familienförderung Gemäß seinem Zweck als gemeinnütziger Verein unterstützte der Arbeitskreis Jenaplanpädagogik e.V. auch in diesem Jahr bedürftige Familien bei der Bereitstellung der Fahrkosten für die Schülerfahrten. Für Familien mit mehreren Kindern stellt dies oft ein nicht unerhebliches finanzielles Problem dar. Nach kurzer Prüfung eines schriftlichen Antrages auf Kostenbeteiligung, der eine kurze Begründung enthalten sollte, wird vom Vereinsvorstand die Erstattung von bis zu 50% der Fahrtkosten bewilligt. Voraussetzung für eine Kostenbeteiligung ist die Mitgliedschaft im Verein AK Jenaplanpädagogik e.V. Beitragszahlung Hiermit möchten wir alle säumigen Vereinsmitglieder freundlich an die Zahlung ihres Mitgliedsbeitrages erinnern. Bitte prüfen Sie, ob der Beitrag für 2008 und 2009 entrichtet wurde. Laut Beschlusses des Vorstandes erlischt die Mitgliedschaft für Mitglieder, die seit 2 Jahren keinen Beitrag entrichtet haben. Zur Förderung unserer Schule sind wir jedoch auf jedes Mitglied angewiesen! Bitte überweisen Sie daher Ihre Zahlungen umgehend auf das Vereinskonto Konto-Nr. 76368 BLZ 83053030 (Sparkasse Jena) Auszug aus der Satzung: „Der Zweck des Vereins besteht darin, alle auf das ideelle und materielle Gedeihen der Jenaplanpädagogik gerichteten Bestrebungen zu fördern. Er dient damit den Belangen • • • • •

der Förderung von Bildung und Erziehung, der Förderung der Jugendhilfe, der Unterstützung hilfebedürftiger Personen, der Förderung des Jugendsports der Weiterentwicklung der Jenaplanpädagogik sowie der Ausbildung und Unterstützung von Jenaplan-Lehrern „

Einen erfolgreichen Schuljahresabschluss sowie einen schönen Sommer bei bester Gesundheit wünscht der Vorstand.

AK Jenaplanpädagogik e.V.  

Rundbrief April 2010