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KUNST, KULTUR & BRAUCHTUM IN OBERSTDORF AUSGABE 2006

Lüege, loose, noachesinne schauen, hören, besinnen

EIN HOCH DEM REGENTEN KÖNIGLICHES JAGDREVIER OBERSTDORF

VIEHSCHEIDE IN OBERSTDORF U. SCHÖLLANG FESTTAGE AM ENDE DES ALPSOMMERS

IDYLL GERSTRUBEN

GESCHICHTE DER BERGBAUERNWIRTSCHAFT


OBERSTDORF

oyster perpetual datejust


schauen, hören, besinnen

Editorial Kunst, Kultur & Brauchtum in Oberstdorf

Liebe Leserinnen, liebe Leser, liebe Oberstdorf-Gäste. Wer an Oberstdorf denkt, wer hier seinen Urlaub verbringt, tut dies in erster Linie aus einem tiefen Bedürfnis nach Erholung in einer atemberaubend schönen Naturlandschaft. Diese Erholung kann geprägt sein von Aktivität oder von Genuss, von anspannen oder entspannen. Immer spielt aber die grandiose Naturkulisse eine herausragende Rolle. Schon für die ersten Sommerfrischler, die sich im 19. Jahrhundert ins Tal von Stillach, Breitach und Trettach aufmachten und ganze Monate in Oberstdorf verbrachten, war das Dorf in den Bergen Ausdruck einer ungestillten Sehnsucht. Dieser Beginn des "Fremdenverkehrs" war für beide Seiten höchst befruchtend. Konnte Oberstdorf den "Fremden" Ursprünglichkeit und ländliche Abgeschiedenheit bieten, waren es die Sommerfrischler, die die neue Zeit ins Tal trugen. Aus diesem Aufeinandertreffen von Städtern und Älplern hat sich bis heute eine Kultur der Vielfalt entwickelt, die es dem heutigen Gast leicht machen wird, alle seine ganz individuellen Interessen zu befriedigen. Ob Wilde Mändle Tanz oder Oberstdorfer Musiksommer, Holzschnitzer oder zeitgenössische Kunst in der Villa Jauss, ob Gerstuben oder Lorettokapellen - Oberstdorf hat viele Facetten und bietet viele Geschichten, von denen wir ­einige zum "Lüege", also zum Schauen, zum "Loose", zuhören, und zum ­"Noachesinne", zum Besinnen, im vorliegenden Magazin Ihnen liebe Leser auf Ihre Entdeckungsreise durch Oberstdorf mitgeben möchten. Ich wünsche Ihnen viel Freude dabei. Ihr

Ottmar Barbian Tourismus- und Sportdirektor

IMPRESSUM HERAUSGEBER: Kurverwaltung Oberstdorf • Marktplatz 7 • 87561 Oberstdorf Telefon 08322/700-0 • Fax -236 KONZEPTION, GESTALTUNG, TEXT: MS&P Creative Consultants GmbH Ankergässele 2 • 87435 Kempten • www.ms-p.biz DRUCK: Graphische Betriebe Eberl GmbH • Kirchplatz 6 • 87509 Immenstadt BILDNACHWEIS/FOTOGRAFIE: Kurverwaltung Oberstdorf, Königliches Jagdhaus, Heimatmuseum Oberstdorf, Oberstdorf Gebirgstrachten & Heimatschutzverein, Allgäuer Zeitung, Simone Gunst ,www.mediavia.de Änderungen vorbehalten.


OBERSTDORF

TRACHTENPARADIES

BE QU PARK EM¬ EN


schauen, hören, besinnen

Lüege, loose, noachesinne Kunst, Kultur & Brauchtum in Oberstdorf

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DIE BRÜDER SCHRAUDOLPH Auf Spurensuche nach den großen Kirchenmalern des 19. Jhdt. DIE LORETTOKAPELLEN Kulturschätze am Wegesrand KÖNIGLICHES JAGDREVIER Schlaglichter aus der Oberstdorfer Geschichte GERSTRUBEN Ausflugsziel und Oberstdorfer Geschichtsbuch der Landwirtschaft VIEHSCHEIDE IN OBERSTDORF UND SCHÖLLANG Kranzbinderin, Alpkäserei GEBIRGSTRACHTEN & HEIMATSCHUTZVEREIN OBERSTDORF Größter Trachtenverein Deutschlands WILDE MÄNDLE TANZ

Ältester Deutscher Kulttanz in Oberstdorf

Oberstdorfer Mundartgedicht

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Die wilden Klausen und Klausen Bärbele von Oberstdorf VOLKSMUSIK/HAUSMUSIK Aus dem musikalischen Leben Oberstdorfs OBERSTDORFER MUSIKSOMMER INTERVIEW MIT PROF. PETER BUCK SOMMERFRISCHE Geschichten aus dem Oberstdorfer Tourismus ERÖFFNUNG DER BAHNLINIE Der Weg vom Bergbauerndorf zum Tourismusort Oberstdorf

GESCHICHTE des Wintersports & der Bergbahnen VILLA JAUSS Das Künstlerhaus in Oberstdorf BERÜHMTE KÖPFE Oberstdorfs SPORTEVENTS

Die Anfänge der Sportevents HOLZSCHNITZEREI & Bildhauerei


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DIE BRÜDER

SCHRAUDOLPH Auf Spurensuche nach den großen Kirchenmalern des 19. Jahrhunderts INFO: WEGWEISER ZU DEN SCHRAUDOLPH-WERKEN IN OBERSTDORF: An mehreren Punkten der Marktgemeinde zeigen die Malerbrüder gemeinsam und auf sich allein gestellt ihr großes Können. Besondere Schätze bietet zusätzlich das Heimatmuseum. Hier wird auch an den dritten Malerbruder Matthias Schraudolph (1817-1863) erinnert, der im Kloster Metten a. d. Donau wirkte. ST. JOSEF-KAPELLE, LORETTO, LORETTOSTRASSE: Johann Bapt. v. Schraudolph (1808-1879): Fresken, Claudius Schraudolph (1813 – 1891): Haupt- und Seitenaltäre Abreise des Hl. Benedikt (J. v. Schraudolph im Speyrer Dom)

Zu den wohl bekanntesten Köpfen Oberstdorfs gehören die Brüder Schraudolph. Der Historienmaler und Radierer Johann Baptist von Schraudolph wurde hier am 13. Juni 1808 geboren. Von seinem Vater Ignaz erhielt er seine künstlerische Grundausbildung. 1825 zog es ihn nach München, wo er später als Professor an der renommierten Kunstakademie unterrichtete. Der Auftrag des bayerischen Königs Ludwig I. zur Ausmalung des Salier-Doms zu Speyer stellte den künstlerischen Durchbruch des hochbegabten Malers dar. Zwölf Jahre, von 1846 bis 1858, sollte es dauern, bevor er sein Meisterwerk vollendete. Größte Anerkennung für diese überragende Leistung erhielt Johann durch einen hochverdienten Adelstitel. Der Dom zu Speyer zählt heute zu den bedeutendsten Baudenkmälern der Romanik und ist die größte erhaltene romanische Kirche Europas. 1981 wurde der überragende Bau ins Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen. Die Ausmalung der Residenz in Athen für König Otto gilt als weiteres erstklassiges Werk des angesehen Künstlers. Mit seiner überzeugenden Virtuosität konnte er in höchste künstlerische Dimensionen der Historienmalerei vordringen. Johann Baptist von Schraudolph verstarb am 31. Mai 1879 im Alter von 71 Jahren. Sein fünf Jahre

MARIEN-KAPELLE, LORETTO, LORETTOSTRASSE: Claudius Schraudolph: Maria als Himmelskönigin, Deckengemälde PFARRKIRCHE, JOHANNES DER TÄUFER, OSTSTRASSE/MARKTPLATZ: Hochaltar, Joh. Bapt. v. Schraudolph: Ölbergbild (bei geschlossenem Schrein), Claudius Schraudolph: 12 Apostel (Predella), Altarraum links, zu Seiten des BarockKreuzes, Joh. Bapt. v. Schraudolph: Bildtafeln Maria und Johannes, Seitenaltäre Claudius Schraudolph Links: Der 12-jährige Jesus im Tempel, Rechts: Verkündigung des Engels (jeweils bei geschlossenem Schrein) KLAUSEN-KAPELLE, SONTHOFENER STRASSE: Joh. Bapt. v. Schraudolph: Rosenkranzverleihung HEIMATMUSEUM, OSTSTRASSE 13: Joh. Bapt. v. Schraudolph: Selbstbildnis Familienbilder, Historien, Zeichnungen SPIELMANNSAUER KAPELLE: Claudius Schraudolph: Altarbild Johann Bapt. v. Schraudolph (1808-1879)


FRANZ XAVER

SCHMÄDL AUS DEM LEBEN DES OBERSTDORFER BILDSCHNITZERS

jüngerer Bruder Claudius Schraudolph wurde am 02. Oktober 1813 ebenfalls in Oberstdorf geboren. Wie Johann erlernte auch er sein Handwerk zuerst beim Vater. 1831 kam auch er nach München, zunächst Schüler seines Bruders und später als wissbegieriger Feingeist an der Akademie der bildenden Künste. Claudius gehörte, wie sein Bruder Johann, aufgrund seines Kunststils den Nazarenern, einer romantisch-religiösen Künstlergruppe aus der Zeit des 19. Jahrhunderts, an. Zeitweise half er an der Fertigstellung des Jahrhundertwerkes im Speyerer Kaiserdom mit. Nach dem Tod seines Bruders kehrte er jedoch in seine Heimatgemeinde und damit ins Oberallgäu zurück. In zahlreichen Landkirchen und an vielen anderen Orten des Allgäus hinterließ der nicht weniger begabte Künstler, Altarbilder und Fresken weitere hervorragende Kunstwerke. Claudius Schraudolph verstarb in der Nacht vom 12. auf den 13. November 1891 in Oberstdorf.

"Der singende Engel", (J. v. Schraudolf im Speyrer Dom)

Der am 01. November 1705 Oberstdorf geborenen Franz Xaver Schmädl war das vierte von acht Kindern und lebte mit seiner Familie in einem Haus in der heutigen Rechbergstraße. Über die Jugend und Ausbildungszeit des begabten Oberstdorfers konnten bis heute keine aussagekräftigen Quellen entdeckt werden. Im Alter von 24 Jahren schuf Franz Xaver Schmädel sein heute frühestes bekanntes Werk, einen Palmesel. Aus der Bibel ist überliefert, dass Jesus am Sonntag vor Ostern auf dem Rücken einer Eselin nach Jerusalem eingezogen ist. An dieses Ereignis erinnern bis heute die österlichen Palmsonntagsprozessionen. Dabei wird seit dem Mittelalter ein Fahrgestell mit einem hölzernen Esel, auf dem eine lebensgroße Christusfigur mit segnender Gebärde sitzt, mitgeführt. Als "Palmesel" wird von traditionsbewussten Allgäuern heute auch gerne noch derjenige tituliert, der am Palmsonntag als letzter aus den Federn kommt. Die berühmte Holzfigur Schmädls aus dem Jahr 1729 ist einer von vier noch erhaltenen Palmesel-Figuren im gesamten Oberallgäu. Nach Stationen in München und Wien, um 1730, an denen der junge Künstler sein Können weiter perfektionieren konnte, besaß er 1734 bereits eine eigene Werkstatt in Weilheim. Berühmt wurde der Bildhauer letztlich durch seine sakralen Hauptwerke im oberbayerischen Pfaffenwinkel. Hierzu zählen unter anderem der Kreuz- und obere Hochaltar der Wallfahrts- und Benediktinerklosterkirche St. Nikolaus, Elisabeth und Maria in Andechs, die fast vollständige Ausstattung der katholischen Pfarrkirche St. Petrus und Paulus in Oberammergau und mehrere Figuren des Hochaltars und der Kanzel der ehemahligen Augustiner-Chorherren-Stiftskirche Mariä Geburt in Rottenbuch. Der Palmesel, mit dem sein künstlerisches Schaffen begann, steht heute noch in der Josefskapelle, (nähere Infos auf Seite 8-9) seines Geburtsortes Oberstdorf. Franz Xaver Schmädl starb am 30. Dezember 1777 im Alter von 72 Jahren in seinem Weilheimer Wohnhaus. Er hinterließ 27 legitime Kinder aus vier Ehen.


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Loretto-

KAPELLEN KULTURSCHÄTZE AM WEGESRAND

Josefskapelle


ORTE DER BESINNUNG & STI LLE Das wohl schönste künstlerische Ziel in Oberstdorf sind die über die Grenzen des Ortes bekannten Lorettokapellen. Für Liebhaber von Kirchen und Kapellen ist der Besuch der drei Wahlfahrtskapellen am südlichen Ortsrand, an der Straße nach Birgsau „ein absolutes Muss“. Die malerischen Kapellen bilden den Endpunkt der Kreuzwegstationen vom Dorf nach Loretto. Nach ca. 200-jähriger Unterbrechung fand 1993 und 1995 wieder eine Wallfahrt einer Pilgergruppe aus dem Tiroler Lechtal statt. Der Weg führte über das Mädelejoch durch die Spielmannsau nach Loretto. Der malerisch gelegenen christliche „Ort“ besteht alleinig aus den drei einzelnen Kapellen. Die kleinste und älteste ist die Appachkapelle (1493) mit ihren spätgotischen Fresken. Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die größte und schönste Kapelle errichtet, die Kapelle St. Maria Loretto (1657). Das sehenswerte Kleinod gilt als eigentliche Lorettokappele und ist heute im Baustil des Rokoko eine beliebte Hochzeitskirche. Das Kuppelgemälde von Claudius Schraudolph stellt den künstlerischen Höhepunkt dieses Hauses dar. Die barocke Josefskapelle (1671) bildet den eigentlichen Abschluss des Kreuzweges. Hier findet man den berühmten Palmesel des Oberstdorfer Bildhauers Franz Xaver Schmädl aus dem Jahre 1729.

BUCH TIPP:

„KLEINODE AM WEGESRAND“ Dieser Wanderführer mit Erklärungen zu 19 historischen Kapellen rings um Oberstdorf ist diesen besonderen und traditionsreichen Kulturschätzen, allen Menschen und den außergewöhnlichen Naturschönheiten in Deutschlands südlichstem Urlaubsgebiet gewidmet. Wer auf den hier beschriebenen Wegen wandert, wird - unabhängig von seinem ganz persönlichen Bezug zum Glauben - dabei manches finden, was viele anderenorts vergeblich suchen. Das Buch „Kleinode am Wegesrand" von Arno Pürschel: ISBN 3-920269-04-7

Kapelle St. Maria Loretto

WANDER TIPP:

OBERSTDORF – LORETTO - KRAPPBERG MOORWEIHER Vom Marktplatz geht es in südlicher Richtung über die Prinzenstraße . Die Kreuzwegstationen am Straßenrand begleiten Sie auf dem Weg zu den drei bezaubernden Lorettokapellen. Legen Sie hier eine Ruhepause ein und lassen Sie die ganz eigene Magie des Wallfahrtsortes auf sich wirken. An dieser Stelle geht es über einen steilen aber kurzen Weg hinauf zum Krappberg. Im Café-Gasthof Alpenrose oberhalb der Lorettokapellen am Krappberg besteht die Möglichkeit zur gemütlichen Einkehr. Genießen Sie an diesem Ort den wunderbaren Blick über die Wiesen südlich von Oberstdorf, die malerischen Kirchen und auf den Allgäuer Hauptkamm. Wer noch nicht genug hat, der ist hier am idealen Ausgangspunkt für einen Ausflug zum nahegelegenen Moorweiher. Gleich nach dem Gasthof ist ein kurzer Anstieg zu überwinden. Bis zum idyllisch gelegenen Moorweiher geht es dann relativ eben weiter. Naturinteressierte können den Weiher auf dem informationsreichen Moorlehrpfad umrunden. Der Weg zurück führt hinunter zur Mühlenbrücke in der Nähe des Eisstadions.


Königliches JAGDREVIER

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PRINZREGENT LUITPOLD - BEGEISTERTER JÄGER - GROSSHERZIGER GÖNNER

„Ein Hoch dem Regenten“ stand auf dem Transparent, das die Straße an Oberstdorfs Ortseingang überspannte, als 1886 Prinzregent Luitpold von Bayern mit der Hofjagdgesellschaft in sein geliebtes Bergrevier einzog. Der Onkel und Nachfolger von König Ludwig II. vergnügte sich alljährlich gleich für mehrere Wochen in Oberstdorf, dem südlichsten Zipfel seines Herrschaftsbreiches, mit der Ausübung des „fröhlichen Waidwerks“. Fernab von heutigen Begriffen wie „Abschusszahlen“, „Verbissschäden“, „Betretungsverboten“ und „Wildschutzgebieten“. Das Oberstdorfer Gefolge seiner Königlichen Hoheit huldigte dem Prinzregenten Luitpold von Bayern, der hier stets als bescheidener Waidmann in Lederhose und grauer Joppe auftrat, regelmäßig mit dem „Edelweiß-Gruß“. Den Strauß, der aus der königlichsten aller Alpenblumen bestand, hatten zuvor mutige Kletterer auf den gefährlichen Schrofen der Höfats „gebrockt“. Ganze 60 Jahre hielt sich der zuletzt weißbärtige Wittelsbacher mit seinem Gefolge regelmäßig in seinem Oberstdorfer Domizil, dem „Königlichen Jagdhaus“ auf, das heute das gleichna-

mige renommierte Gourmet-Restaurant beherbergt. Immer wieder verschaffte der als Wohltäter bezeichnete Regent einer beachtlichen Schar von Bediensteten , Treibern und Jagdhelfern in Oberstdorf Arbeit und Lohn. In zeitgenössischen Berichten wird der hohe Jagdherr daher nicht zuletzt wegen seiner Freigebigkeit als „gnädig und sehr umgänglich“ beschrieben. Nicht selten spendierte seine Hoheit Zigarren vornehmer Provenienz und stiftete milde Gaben für Bedürftige. Einmal jährlich, am 12. März, dem Geburtstag des Landesherren gab es für alle Oberstdorfer Kinder eine Semmel und eine heiße Wurst, für die größeren sogar noch einen Viertelliter „braunes Bier“ (Malzbier). Schon im Jahre 1912 gab die Gemeinde Oberstdorf bei dem Bildhauer Franz Xaver Abt eine überlebensgroße Plastik des Regenten als Jäger in Auftrag. Das Standbild, dessen Sockelinschrift mit den Worten „Die dankbare Gemeinde Oberstdorf“ schließt, findet man heute an der Prinzenstraße mitten im Ortskern.


TIPP:

WAIDMANNSHEIL! - WILD-, WALD- U. JÄGERWOCHEN IN OBERSTDORF: 12.-20.10.2006 Dieses fachspezifische und touristische Highlight findet jedes Jahr im Herbst, der goldenen Jahreszeit der Natur, statt. Erleben Sie Oberstdorf in diesen Wochen als naturverbundenen Ort der Begegnung für Experten aus den Bereichen Forstund Jagdwesen sowie Naturschutz und als internationalen Kreis für Jäger und alle Naturfreunde. Genießen Sie neben dem umfangreichen Rahmenprogramm mit hochkarätigen Vorträgen und Diskussionen um die Themen Wild, Wald und Jäger, den farbenprächtigen Oktober in dieser einzigartigen Bergwelt. Informationen und Prospektmaterial erhalten Sie bei der Kurverwaltung Oberstdorf unter Info-Tel. 08322 700-127 KÖNIGLICHES JAGDHAUS – SPITZENGASTRONOMIE: Speisen Sie im 1856 erbauten Jagdhaus, das dem Prinzregenten Luitpold von Bayern, dem passionierten Jäger und Kunstfreund sowie später seinem Sohn König Ludwig III. als Ausgangspunkt für die Hochwildjagd in den Allgäuer Alpen diente. In dem Gourmet-Restaurant von Kurt Podobnik kommen hochwertige und stets frische Produkte, vorzugsweise aus der Region, exzellent zubereitet und auf dem Teller wundervoll angerichtet, auf den Tisch. Das außergewöhnliche Ambiente des Hauses, mit den urgemütlichen, stilvollen Stuben und Stübchen runden das Jagdhauserlebnis ab. Königliches Jagdhaus, Ludwigstraße 13, 87561 Oberstdorf Tel. 0 83 22 / 9 87 38-0, Fax: 0 83 22 / 9 87 38-1 e-mail: info@koenigliches-jagdhaus.de www.koenigliches-jagdhaus.de

SCHLAGLICHTER AUS DER OBERSTDORFER GESCHICHTE 1141

erste urkundliche Erwähnung Oberstdorfs

1495

Verleihung des Marktrechtes durch König Maximilian

1634/35 700 Pesttote in Oberstdorf 1793

erster nachweisbarer „Wilde-Mändle-Tanz“

1865

146 Häuser (1/2 aller Häuser) fallen dem

Großbrand zum Opfer

1874

seit dieser Zeit Oberstdorfer Viehscheid „im Ried“ in

der heutigen Form

1881

erste führerlose touristische Besteigung

der Trettachspitze

1888

Eröffnung der Eisenbahnlinie Sonthofen – Oberstdorf

1899

Eröffnung des Heilbronner Weg

1905

Einweihung der Breitachklamm

1926

Eröffnungsspringen auf der alten Schattenbergschanze –

weitester Sprung 35 m

1937

Oberstdorf wird zum „Heilklimatischen Kurort“

1950

Eröffnung der Söllereckbahn –

erste Skiflugwoche auf der neu

erbauten Schanze

1964

Oberstdorf wird offizieller „Kneipp-Kurort“

1972

Fertigstellung der Fellhornbahn

1972/73 Heini-Klopfer-Skiflugschanze entsteht –

1973 erste Skiflugweltmeisterschaft

1987

zum ersten Mal die Nordischen

Ski Weltmeisterschaften in Oberstdorf

2005

erneut in Oberstdorf die Nordischen

Ski-Weltmeisterschaften


12 OBERSTDORF GESCHICHTE

AUSFLUGSZIEL UND OBERSTDORFER GESCHICHTSBUCH DER BERGBAUERNWIRTSCHAFT In Gerstruben im wildromatischen Dietersbachtal liegt ein Kleinod der Oberstdorfer Landwirtschaft. Das einstige Alpendorf zählt heute fünf zwischen 400 und 500 Jahre alte Häuser und eine Kapelle, die als traditionsreiches Kulturgut und touristische Sehenswürdigkeit vom „Oberstdorfer Verein der ehemaligen Rechtler“ unterhalten und gepflegt werden. Die noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts von mehreren Bergbauernfamilien bewohnte historische Höhensiedlung bildet, mit ihren von der Sonne gebräunten Holzgebäuden, mit der umliegenden Berglandschaft eine einmalige und unverwechselbare Harmonie. Die Vorfahren dieser Familien kamen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit vor mehreren hundert Jahren aus dem angrenzenden österreichischen Tannberg nach Oberstdorf. Bis vor 120 Jahren gab es nur einen Fußweg nach Gerstruben, und bis 1953 wurden alle Lasten mit Ross und Wagen heraufgebracht. Während im Tal schon längst bunte Neonreklamen leuchteten, sorgte in Gerstruben noch immer die gute alte Petroleumlampe für behagliches Licht. Im Winter waren die Leute oft wochenlang eingeschneit. Der rauen Natur den Lebensunterhalt abzuringen, war das Los der Bewohner. Käse und Schmalz waren die hauptsächlichen Erzeugnisse der Gerstruber. Die Arbeit war hart und der Ertrag reichte kaum zum Überleben. Keine Straße, nur ein Saumstieg verband das Bergdörflein mit dem Tal. Bessere Verdienstmöglichkeiten, die Nähe zur Kirche, die Nähe zur Schule für die Kinder, die Nähe zu Ärzten, Hebammen, Tierärzten u.a. lockten unten im Tal und ließen im 19. Jahrhundert die jungen Bewohner Gerstrubens abwandern. Die Arbeit für die Verbliebenen wurde mehr, deren Not größer. Nach dem gemeinsamen Entschluss, ihr Land und ihrer Häuser zu verkaufen, ging Gerstruben 1896 in den Besitz von Cornelius Freiherr von Heyl zu Herrnsheim über, einem reichen Jagdherren aus Worms, dem es mehr als 50 Jahre gehörte. 1953 konnten die Oberstdorfer „Rechtler“ unter großen finanziellen Opfern Gerstruben von der Familie Heyl zurückkaufen. Die alten Holzhäuser, die Sennküche, die alte Sägemühle und die Kapelle wurden mit großer Hingabe aufwendig restauriert und in beispielhafter Weise für die Nachwelt erhalten.


Gerstruben RUSTIKAL, EINMALIG, LIEBENSWERT

WANDER TIPP:

VON OBERSTDORF NACH GERSTRUBEN ÜBER DEN HÖLLTOBEL: Während eines Oberstdorfaufenhaltes darf ein Besuch des kleinen denkmalgeschützen Bergdorfes auf keinen Fall fehlen. Einer der schönsten Wanderwege nach Gerstruben führt über den Hölltobel, einer eindrucksvollen Klamm mit Wasserfall. Das Museum Gerstruben und die historische Säge sind während der Führungen zugänglich. GEHZEITEN: 1 1/2 bis 2 Stunden einfacher Weg; Gerstruben ist ca. 6 km von Oberstdorf entfernt. ANFORDERUNGEN: 300 m Höhenunterschied auf dem letzten Kilometer beim Tobelweg, der Aufstieg ist teilweise felsig mit Treppen und Serpentinen (nur für Geübte geeignet). Eine leichtere Strecke führt über den für den öffentlichen Verkehr gesperrten Fahrweg. Ein Rundweg ist ebenfalls möglich, z. B. Rückweg vorbei an einer historischen Säge auf einem Wiesenweg über Raut und Gottenried. EINKEHRMÖGLICHKEIT: Berggasthof Gerstruben, geöffnet ca. Mai bis Oktober - je nach Wetter- und Schneelage. In der Wintersaison (Dezember bis Ostern) geöffnet (Aufstieg im Winter nur über Fahrweg).


14 OBERSTDORF BRAUCHTUM

IN OBERSTDORF UND SCHÖLLANG Festtage am Ende des Alpsommers Im Frühsommer wird das junge Allgäuer Braunvieh, das die ortsansässigen Bauern dem Alphirten anvertrauen, alljährlich zur Sommerfrische auf die Berge geschickt. Ungefähr hundert Tage bleiben sie droben und wenn im September die Weidezeit zu Ende geht und keinem Tier ein Unheil geschehen ist, was vom Hirten und den wackeren Heiligen St. Wendelin und St. Leonhard mit vereinten Kräften vermieden wurde, kommen die große Tage der Oberstdorfer und Schöllanger Viehscheide. Diese traditionsreichen Alpabtriebe beschließen den verdienten Alpsommer. Gefolgt von seiner Herde verlässt der Alphirt mit seinem Kranzrind die Alpe. Hierfür wird das schönste Tier ausgewählt und mit einem prachtvollen Gebinde aus Zweigen, Blumen und Bändern geschmückt. Schön von weitem tönen die riesengroßen Schellen und Glocken, wenn sich das Vieh seinen Weg ins Tal bahnt, sehr zur Freude aller Einheimischen und Gäste. Das Wort "Viehscheid" besagt, dass das Vieh auf einem großen

Platz "geschieden", d.h. getrennt wird. Ein jedes kommt zu seinem Besitzer zurück und von hier aus in den Stall. Umrahmt wird dieses einzigartige Erlebnis durch ein wahres Volksfest mit Blasmusik, zünftigen Schlemmereien und dem vorzüglichen Allgäuer Bier.

TIPP:

SIE WOLLEN DAS ALLGÄU MIT SEINEM BELIEBTEN BRAUCH HAUTNAH ERLEBEN? Dann verpassen Sie auf keinen Fall die Oberstdorfer Viehscheide. Früh Aufstehen lohnt sich! 12.09.06 Viehscheid Schöllang 13.09.06 Viehscheid Oberstdorf


ALPKÄSEREI - VON DER KUH BIS ZUM KÄS´

In Oberstdorf wird der beliebte Rohmilchkäse in vielen kleinen Sennereien nach alter Tradition noch handwerklich hergestellt. Aufgrund der optimalen Tierhaltung und den ausgezeichneten Weidebedingungen auf den Oberstdorfer Alpen wird eine hervorragende Qualität der Allgäuer Milch erzielt. Die Kühe werden sowohl abends als auch morgens gemolken. Der Rohmilch wird in einem Kupferkessel Lab (aus Kälbermägen gewonnen) und Kultur (angesäuerte Molke) zugegeben. Nach dem „Dicklegen“ wird die Masse mit der Käseharfe geschnitten und wieder erwärmt. Der Bruch wird entnommen und in die Formen gegeben – so erhalten die Käse ihre Gestalt. Nach dem Salzbad beginnt die Arbeit im Keller, denn Hartkäse muss ständig „geschmiert“ werden. Nach einer Lagerung und Pflege über mehrere Monate ist die Verkaufsreife erreicht.

DIE KRANZBINDERIN AUS OBERSTDORF Rosemarie Schöll ist eine der wenigen Kranzbinderinnen, die noch nach alter Sitte den Kopfschmuck herstellen, mit dem das schönste Rind jeder Alpe beim Alpabtrieb geschmückt wird. Mit etwa 25 bis 30 Kränzen werden die Rinder und Kühe der Oberstdorfer Alpen in jedem Herbst gekrönt. Stundenlange Vorbereitungen gehen der eigentlichen Arbeit am Kranz voraus, für dessen Vollendung sie noch einmal vier Stunden braucht. Tausende von getrockneten Naturblumen und künstlichen Alpenblumen werden auf einem Drahtgestell zu einem farbenprächtigen Gebilde zusammen gebunden. Die eingearbeiteten Spiegel sollen während des Abtriebs die bösen Geister am Wegesrand bannen. Am Tage des Viehscheides heißt es für die Kranzbinderin, pünktlich überall dort zur Stelle zu sein, wo sich Vieh und Hirten zum Einzug ins Tal vorbereiten. Bereits im Voraus wurde auf der Alpe mit Maßband und nach bestimmen Schönheitsidealen die Schönheitskönigin unter den Rindern gewählt. Dieses Prachtvieh wird von Rosemarie Schöll mit dem üppigen Kopfschmuck gekrönt. Aber nur, wenn während des Sommers der Viehbestand einer Alpe von Krankheit, Absturz oder einem anderen Unglück verschont blieb, darf die so geschmückte Kranzkuh vom Hirten zum Scheidplatz geführt werden.

TIPP:

BEIM KÄSEN ZUSCHAUEN Besuchen Sie die größte und höchstgelegene Bergkäserei Deutschlands, die Alpe Schlappold am Fellhorn. Die auf 1.760 m befindliche und wohl älteste Sennalpe im ganzen Oberallgäu erzeugt täglich aus bis zu 1.200 Litern Milch Alpbergkäse nach uraltem Rezept, Butter, Joghurt und Quark. Am bequemsten erreichen Sie die Alpe mit der Fellhornbahn. Von der Station Schlappoldsee sind Sie, auch mit Kinderwagen, nach einer leichten Wanderung von 30 Minuten in einem kleinen Paradies. Von Anfang Juli bis Anfang September können Sie die Käserei jeden Dienstagvormittag besichtigen und das Käsen hautnah erleben. Treffpunkt ist um 8.45 Uhr an der Talstation der Fellhornbahn. Die Naturprodukte des Familienbetriebs sind während der Sommermonate täglich auf der Alpe und jeden Samstag auf dem Oberstdorfer Wochenmarkt erhältlich. Beim Käsen zuschauen auf den Oberstdorfer Sennalpen - Alpe Schrattenwang (Söllereckbahn) von Juni bis September, täglich von 8-10 Uhr - Schlappold-Alpe (Fellhornbahn) ab Anfang Juli jeden Dienstag - Alpe Oberau (Trettachtal) von 8-10 Uhr, bis zu 6 Personen


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GRÖSSTER TRACHTENVEREIN DEUTSCHLANDS

Gebirgstrachten &

Heimat

schutzverein Oberstdorf Mit derzeit über 1.000 Mitgliedern ist der Oberstdorfer Gebirgstrachten- und Heimatschutzverein der größte Trachtenverein Deutschlands. Der am 28. April 1901 von einer Schar von 90 heimatbegeisterten Männern und Frauen gegründete Verein blickt heute auf eine über 100 Jahre andauernde erfolgreiche Vereinsgeschichte zurück. Ziel der Gruppe damals wie heute ist es, all das zu pflegen und zu wahren und an künftige Generationen weiterzugeben, was an alter Sitte und Tracht, an Brauchtum und Art vorhanden war und ist. Dazu zählen in Oberstdorf vor allem zwei Trachten, die etwas aufwendigere Historische Tracht und die fesche Gebirgstracht. Kein geringerer als Prinzregent Luitpold von Bayern lieferte hierfür die prominente Vorlage. Er führte bereits 1852 die kurze Lederhose für seine Jäger und Treiber ein, die auch für die Gebirgstracht der Männer übernommen wurde. Zum Repertoire des über die Grenzen des Allgäus und Deutschlands bekannten Vereins gehören u.a. Trachtenbälle, beschauliche Heimatabende, Theateraufführungen, Jodler-, Volkstanz- und Musikabende genauso wie Waldfeste und die Teilnahme an Folklorefesten. Einer der Höhepunkte des Vereins-


DIRNDL, LEDERHOSE & FOLKLORE – GELEBTE TRADITION IM „OBEREN DORF" OBERSTDORFER SONNTAGSTRACHT geschehens ist unbestritten der „Wilde-Mändle-Tanz", der wohl älteste Kulturtanz im deutschsprachigen Raum (nähere Infos ab Seite 16). „Stammsitz“ und somit Austragungsort der meisten Veranstaltungen der Trachtler ist die Oybele-Festhalle nahe der Nebelhornbahn. Eine bodenständige Tradition seit über vierzig Jahren ist das „Allgäuer Jugend-Trachtentreffen", bei dem rund 30 Gruppen aus dem ganzen Oberallgäu ihr Können anschaulich demonstrieren.

Ein Mieder aus hochroter Seide mit Stickerei und einem schwarzen, knöchellangen Plisseerock. Darunter eine weiße Leinenbluse mit einem schwarzen Seidenhalstuch und weiße Kniestrümpfe. Als reich verzierte Kopfbedeckung die so genannte Reginahaube für Mädchen und ledige Frauen, der breitrandige schwarze Schattenhut für verheiratete Frauen. Für die Männer eine schlichte, schwarze Bundlederhose und rote, mit Stickerei verzierte Hosenträger, die entweder aus Leder oder aus Tuch gefertigt sind. Dazu ein weißes Leinenhemd und hellgraue Kniestrümpfe aus Wolle. Ein schwarzer Hut mit Goldkordel und Quaste oder eine schwarze Zipfelmütze. So sieht sie aus, die Oberstdorfer Sonntagstracht, die auch als Oberpfarrtracht bezeichnet wird. Die Grundform, der um 1920 vom Heimatverein Oberstdorf wiederbelebten Historischen Tracht, entstammt der oberdeutschen – alemannischen Bauerntracht aus der Barockzeit. Die historische Trachtengruppe und die um 1970 gegründete Jugentrachtengruppe treten in dieser originalen Tracht mit ihren schwäbisch - alemannisch geprägten Tänzen bei Heimatfesten, Hochzeiten und zu verschiedensten anderen Anlässen auf.

TIPP:

Das ganze Jahr über führt der Oberstdorfer Gebirgstrachenund Heimatschutzverein in regelmäßigen Abständen Heimatabende durch und alle 5 Jahre den "Wilde-Mändle-Tanz". www.oberstdorf.de Information: Gebirgstrachten- und Heimatschutzverein Oberstdorf, Tel.: 08322-4489


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OBERSTDORFER MUNDARTGEDICHT `s Mariele Dur de Schnea bum Wäldle löüft a kleine Gschtold `s Gsichtle gschmiert vum Sälble no isch`s idd gar so kolt. `s Meidle ischad no "winzeg" `s mißd an Metr bloaß doch, so muit es schlinzeg, "ih bi halt schu groaß!" So löüft se hi a `s Hisle huim zu ihr`n a Lidd und froit se wie a Misle, well`s güete Leackar gidd. "Mama sag, wenn gohd dr Schnea, wenn kummed d`Blimle, roat und blöü?" Do seit d`Müeddr "hock nu hea und - ietzd los br gnöü: D`Blimle kummed und vrbleihed am Hag, `s gidd schi - und schwäre Schtünda an Reage- und an Sunnedag, all`s dreht sine Ründa. Noch jedar Wintrzidd, Mariele, wierd es wieder gri es düred halt a Wiele und no´ isch`s wieder schi ...!" Martin Hehl Für alle Einsteiger des Oberstdorfer Dialekts, hier eine kleine Hilfestellung: Das Gedicht handelt von einem kleinen Mädchen, das sich im Zwiegespräch mit der Mutter den Frühling herbei sehnt.

TIPP:

AUF DEN SPUREN DER VERGANGENHEIT – HISTORISCHE RUNDWANDERWEGE IN OBERSTDORF Zwei historische Rundwanderwege durch den unteren und den oberen Markt warten in Oberstdorf auf interessierte Besucher. Die Rundwanderwege führen vorbei an alten Häusern, denkwürdigen Orten, alten Kapellen und erwähnenswerten Gebäuden. Zusammen mit den zahlreichen Hinweistafeln wird so ein lebendiger Eindruck der Oberstdorfer Geschichte vermittelt. Regelmäßig werden Führungen angeboten.

ÄLTESTER DEUTSCHER KULTTANZ IN OBERSTDORF "Die Wilden Mändle in Oberstdorf" - Geschichten nur - oder doch Geschichte? Ein eigenartiges Treiben durchbricht den beschaulichen Alltag Oberstdorfs: die "Wilden Mändle" tanzen und springen wieder. Alle fünf Jahre wird der älteste deutsche Kulttanz aus keltischen Zeiten aufgeführt. Die Inspiration zur Gestaltung des Kostüms ist den Schöpfern des Tanzes und damaligen Berg- und Waldbewohnern gewiss nicht schwer gefallen: es blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich direkt aus der Natur zu bedienen. Die Körper der geheimnisvollen Tänzer sind bis auf die Augen mit Tannenbart vermummt. Dazu tragen sie einen Gürtel aus Tannenzweigen, der, sobald er um die Hüfte geschlungen wird, vor Dämonen und Geistern Schutz bieten soll. Auf dem Kopf ruht ein Kranz aus den Blättern der Stechpalme. Dieser sagt man aufgrund ihrer ätherischen Öle magische Kräfte nach. Sinn des Tanzes, der früher nur sporadisch aufgeführt wurde, war es, Verbindung mit den geheimnisvollen Kräften der Natur, der Sternenwelt, der Sonne und den Göttern aufzunehmen, um diese Kräfte den Menschen gewogen zu machen. Im Jahr 1635 als die Pest in der Gegend Oberstdorfs schreckliche Löcher in der Bevölkerung hinterließ, tanzten mutige Kerle im "Wilde-Mändle-Häs" durch die Straßen, um die unheimliche Seuche zu vertreiben. Im Jahr 1901 nahm dann der Trachtenverein Oberstdorf den Brauch in feste Hände und sorgt seitdem dafür, dass dieser Kult weiter lebt. Heute ist der Tanz, der früher im ganzen Alpenraum verbreitet war, nur noch an einem einzigen Ort in seiner Urform erhalten: in Oberstdorf. Nächster Auftritt im Jahr 2010.


Die wilden

Klausen DIE WILDEN KLAUSEN UND KLAUSEN BÄRBELE VON OBERSTDORF

Zu Beginn des Winters, wenn sich das Jahr dem Ende zuneigt, kommt die Zeit, in der alte und neue Bräuche lebendig werden. So gibt es seit alters her im Allgäu und insbesondere in Oberstdorf das „Klausentreiben“, das als eines der ältesten Kulturbräuche der heidnischen Zeit gilt. Damals in den langen, dunklen Winternächten wurde die Furcht der Menschen vor bösen Geistern oft übermächtig. Dann kleideten sich mutige junge Burschen in Fell- und Ledergewänder, setzten sich Tierköpfe oder Kappen mit Hirschgeweihen oder Ochsenhörnern auf den Kopf und zogen johlend mit Schellen- und Kettengerassel durch die engen Gassen, um die bösen Nachtgeister, die Druden und Schatten aus ihrem Dorf zu vertreiben. Wehe dem, der diesen wilden Horden begegnete.

Heute sind es zwar nicht mehr die bösen Geister, die die jungen Burschen jagen, aber dennoch ziehen sie am Abend des 6. Dezember, dem St. Nikolaus Tag, durch die Straßen von Oberstdorf. Sie haben es aber mehr auf vorwitzige junge Mädchen und allzu neugierige Zuschauer abgesehen, die auch schon mal eine kräftige Abreibung mit Schnee oder mit der Rute riskieren. Nicht ganz so furchterregend, aber dennoch wild, sind die Klausen Bärbele, die am 4. Dezember als weibliches Pendant zu den Wilden Klausen in Oberstdorf ihr Unwesen treiben. Als Hexen verkleidet und mit Ruten und Schellen ausgerüstet, lassen auch sie den alten Brauch, die bösen Geister zu vertreiben, wieder aufleben. So bekommen an diesem Abend die Jungen und Männer den einen oder anderen Hieb mit der Rute zu spüren.


20 OBERSTDORF MUSIK

HAUSMUSIK

Aus dem musikalischen Leben Oberstdorfs

Kaum jemand ahnt, wenn er das hübsche Holzkirchlein St. Anna in Rohrmoos betritt, dass es eine volksmusikalische Rarität beherbergt, nämlich die Darstellung eines Alphorns, die älteste ihrer Art im Allgäu. Dass der unbekannte Meister von 1568 inmitten einer Darstellung der Geburt Jesu einen Hirten mit Alphorn verewigt hat, muss jenem eine Herzensangelegenheit gewesen sein. Sicher war er ein Mann aus dem Volk, der mit dem Umgang dieses Verständigungsinstrumentes bestens vertraut war. Tatsächlich hat sich dieses besondere Tonwerkzeug bis in

die heutigen Tage in Oberstdorf halten können, wo es immer noch – nicht zweckentfremdet – zum Aus- und Eintrieb der Gassenkuhherde ertönt. Dann schweigt die Geschichte lange Zeit über das musikalische Leben im obersten Dorf. Erst rund 250 Jahren später wurde die Oberstdorfer Musikkapelle ins Leben gerufen. Damals, d.h. um 1833, hieß sie noch Blechmusik oder türkische Musik. Ein Schellenbaum aus dem Jahr 1821, der gegenwärtig im Heimatmuseum zu sehen ist, bezeugt jedoch, dass es bereits früher eine

Gesangverein bei einem Vereinsausflug um 1930


Musikkapelle Oberstdorf 1929

Musikkapelle Oberstdorf 1870

KLANGWELTEN EI NES BERGDORFES

lose Bläservereinigung gegeben haben muss. Nicht selten tauchen unter den Mitgliedern der Kapelle alte Familiennamen wie etwa Brutscher, Titscher, Vogler, Schraudolph, Math usw. auf, wie die Gründungsmitglieder einst geheißen haben. Heute stellt die Kapelle, ebenso wie die 1864 gegründete Musikkapelle Schöllang einen hervorragenden Klangkörper dar, der aus dem gesellschaftlichen Leben nicht mehr wegzudenken ist. Auch auf dem gesanglichen Sektor hatte und hat Oberstdorf einiges zu bieten: Mit der Herausgabe des ersten Oberbayerischen Volksliederbuches 1846 durch Herzog Max in Bayern, der auch liebevoll Zithermaxl genannt wird, wurde die bayerische Mundart hoffähig und mit ihr die Zither. So kam es, dass auch im alemannischen Oberstdorf neben dem deutschen Volkslied bayerisch gesungen wurde. In der Folgezeit kam die Zither regelrecht in Mode, was in der Gründung eines Zitherclubs gipfelte. Mit dem Bau der Eisenbahn 1888 kam der Tourismus langsam in Schwung. Etwa ab dieser Zeit sind frühe Gesangsgruppen bekannt, so z. B. die Sangesbrüder vom Liederkranz oder die Familiengruppen Köcheler und Hengge, die bereits vor Gästen sangen. In den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts bereicherte das Allgäuer Dialektlied den musikalischen Facettenreichtum Oberstdorfs. Früher wurde in vielen Familien gesungen und musiziert. Insbesondere hat die Familie Schedler beinahe ein Jahrhundert das gesangliche Leben in Oberstdorf mitgeprägt. Ihr waren die alten Jodler und der „Jüchzgar“ durch den älplerischen Milchtrichter ebenso geläufig wie vergleichsweise eine Mozartmesse. Dass sie über Jahre hinweg die Solistenstimmen im Kirchenchor stellten, ohne dass die Sänger eine einzige Note kannten, ist besonders bemerkenswert! Aus dieser Familie stammt die Geschwistergruppe Schedler Fehla, die seit nun mehr 40 Jahren das Allgäuer Mundartlied pflegt. Auf ihre Initiative entstand die in fast 30 Jahren zur Tradition gewordene Adventsveranstaltung „´s wienächded“. Eine feste Männer-Jodlergruppe besteht breits seit 1930, welche sich, wie der Name schon sagt, der Pflege des Jodelliedes verschrieben hat. Von ihr hört man nicht nur die überlieferten Jodler wie den „Dri- und Vierstimmar“, den „Hislar“, den „Michlsbüebar“ oder „Doppeljolar“, sondern auch alemannische Mundartlieder, die nicht selten aus der angrenzenden Schweiz stammen. Die Gruppe stellt bis heute eine große Bereicherung für zahlreiche Musikveranstaltungen in Oberstdorf dar. Das Trettach-Trio als Nachfolgegruppe des legendären

S­ kispringers Toni Brutscher, ist nicht minder bekannt und seit bereits 50 Jahren bei Einheimischen und Gästen gleichermaßen beliebt. Mehrere Trios setzen diese Tradition fort. Die Musikschule Oberstdorf reiht sich mit 30 Jahren Unterricht der Oberstdorfer Jugend, vornehmlich in Volksmusik, in die Kette der Jubiläen ein. Die Früchte dieser Arbeit können sich mit der heutigen großen Zahl an Nachwuchsgruppen wahrlich sehen und hören lassen! Wenn das kleine Oberstdorfer Alphorn, „d´Küehblose“, in Form eines geteilten Dreiklangs, der Kuhherde das Zeichen gibt, steckt die junge Agnes Schleich dahinter. Ihr Großvater ist niemand anderer als der Volksmusikant „par excellance“, Josef Schleich, der noch ein altes Instrument – die Scherrzither – trefflich spielt. Vielen ist die Hausmusik Schleichs zum Inbegriff der Volksmusik in Oberstdorf geworden. Vor allem durch ihr unermüdliches Engagement über viele Jahrzehnte in der Oybele-Festhalle des Trachtenvereins und ihr Auftreten bei zahlreichen Anlässen des öffentlichen Lebens werden von Oberstdorfern und Gästen sehr geschätzt und beliebt.

CD TIPP:

CD-TIPP: „JOHRING – JOHRÜS“ – DAS TRETTACHTRIO AUS OBERSTDORF Seit mehr als fünf Jahrzehnten ist das Trettach-Trio nicht nur in Volksmusikkreisen des oberen Allgäus ein Begriff. Auch bei zahlreichen Auslandsgastspielen, wie z. B. in London, Paris, Genf und in Berlin, zeigten sie vor großem Publikum ihr Können, wie auch bei zahlreichen Fernsehauftritten. Während dieser langen Zeit blieben die drei Musiker ihrem unverfälschten, echten Triostil stets treu und zählen dadurch auch heute noch zu den absoluten Favoriten ihrer Musikrichtung. Ludwig Speiser, genannt „Wiggi“, spielt die Zugharmonika, Ignaz Hehl die Gitarre und Karl Berktold gibt mit dem Bass den Rhythmus an. Ihre neueste CD mit dem Titel „johring – johrüs“ (für Nicht-Allgäuer: „jahrein – jahraus“) ist zum Preis von 15 Euro zzgl. Porto, Versand und Nachnamegebühr unter folgender Adresse erhältlich: TRETTACH - TRIO Ludwig Speiser, Ignaz Hehl, Karl Berktold c/o Ignaz Hehl, Oststraße 33, 87561 Oberstdorf, Telefon: 0 83 22 / 12 59


22 OBERSTDORF MUSIK

Oberstdorfer Musiksommer

Oberstdorfs und der Region; Treffpunkt weltberühmter

Begeisternde Konzerte in stimmungsvollen Kirchen und Konzertsälen

unvergessliche Gipfelkonzerte in

2000m Höhe:

Solisten und Ensembles sowie exzellenter Nachwuchsmusiker;

das sind die Ingredienzen,

die der Oberstdorfer

Musiksommer zu einem vielseitigen,

von der Dramaturgie der Kontraste bestimmten Festivalprogramm mixt, bei dem jeder Musikfreund fündig wird.

OBERSTDORFER MUSIKSOMMER KLASSIK VOM FEINSTEN UND MEHR

Und nicht nur das, ist doch der Oberstdorfer Musiksommer ein bedeutendes Festival für junge Künstler. Herzstück der erfolgreichen Nachwuchsarbeit sind die öffentlich zugänglichen Internationalen Meisterkurse. In der zur Talenteschmiede umgewandelten Grundschule erhalten Musikstudenten aus aller Welt von renommierten Dozenten wichtige Impulse für ihre künstlerische Entwicklung. In den Schlusskonzerten der Meisterkurse, Musikalischen Soiréen und exklusiven Dinnerkonzerten musizieren junge Künstler und überzeugen mit Können und erfrischendem Auftreten. Der arrivierte Spitzennachwuchs, ausgezeichnet mit Preisen internationaler Musikwettbewerbe, präsentiert sich mit aufsehenerregender Kammermusik im Forum junger Preisträger. Der Oberstdorfer Musiksommer eröffnet, passend zum Mozart-Jubiläumsjahr – mit dem „Dreiklang Mozart“ des L’Orfeo Barockorchesters, bei dem Werke von Leopold, Wolfgang Amadeus und Franz Xaver Mozart erklingen. Das Münchener Kammerorchester gratuliert Mozart mit der Sinfonie G-Dur und dem Violinkonzert A-Dur, gespielt von der preisgekrönten Geigerin Sophia Jaffé, und feiert mit der Kammersinfonie c-Moll auch den 100. Geburtstag von Dmitri Schostakowitsch. Viele prominente Interpreten und exzellente Nachwuchskünstler reihen sich in die Gratulantenschar ein. Der Startrompeter Gábor Boldocky eröffnet mit dem Vilnius Festival Orchester das von der Dramaturgie der Kontraste bestimmte Festivalgeschehen.


Zu den weiteren Höhepunkten zählen die arcata Stuttgart mit der Solistin Tanja Becker-Bender, Violine, das Vokalensemble Die Singphoniker, die Flötistin Gaby Pas-Van Riet, das Blechbläser-Ensemble Sound Inn Brass sowie das Georgische Kammerorchester, das sich mit dem großartigen russischen Künstler des Knopfakkordeons Efim Jourist den “Zwölf Jahreszeiten” widmet – zu hören sind die “Vier Jahreszeiten” von Antonio Vivaldi mit der jungen Geigerin Carolina Kurkowski-Perez, die “Cuatro estaciones porteñas” von Astor Piazolla und die vom Oberstdorfer Musiksommer geförderte Uraufführung von Efim Jourists Komposition “Vier Jahreszeiten”. Kammermusik vom Feinsten bietet das Forum junger Preisträger mit dem Tel-Aviv Trio und dem Faust Quartett, das gemeinsam mit dem Pianisten Iwan König konzertieren wird. Mit geistlicher Musik stellen sich die Preisträgerin des Landsberger Orgelwettbewerbs Maki Yamamoto und das Damen-Vokalquartett Pi mal Donna vor, während im Iller-Kraftwerk das Ensemble Operassion mit dem Programm „Italianissmio!“ ein Feuerwerk der italienischen Opernarien entzünden wird. Hoch hinauf geht es mit dem Posaunenquartett Datura, das bei der Serenade in 2000 m Höhe Unterhaltung auf höchstem Niveau bieten wird. Und noch ein Jubiläum gilt es zu feiern – den 100. Geburtstag der Evangelischen Christuskirche in Oberstdorf. Der für seine Bach-Interpretationen viel gerühmte Chor Cantus Cannstatt, bekannte Solisten sowie Instrumentalisten der Meisterkurse gratulieren unter der Leitung von Johannes Böckler mit der h-Moll Messe von Johann Sebastian Bach. Der traditionelle Abend der Begegnung, Konzerteinführungen, die Ausstellung in der Villa Jauss sowie die Bachkantate zum Mitsingen ergänzen das dreiwöchige Festivalgeschehen. Die Festspielreise 2006 führt zu weiteren attraktiven Spielstätten im Allgäu – der Kaisersaal in Ottobeuren, der Kreuzherrnsaal in Memmingen und die Musikakademie in Marktoberdorf ergänzen die stimmungsvollen Konzerträume in den Oberallgäuer Kirchen, in der Residenz in Kempten, das außergewöhnliche Konzert im Iller-Kraftwerk und last but not least das Gipfelkonzert auf dem Nebelhorn.

DIE WICHTIGSTEN TERMINE 2006 27.07. 28.07. 29.07. 30.07. 31.07. 01.08. 03.08. 04.08. 04.08. 05.08. 06.08. 06.08. 07.08. 09.08. 10.08. 11.08. 12.08. 13.08. 14.08. 16.08. 17.08.

Vilnius Festival Orchester Gábor Boldocky, Trompete L’Orfeo Barockorchester Ensemble Operassion „Italianissimo!“ Cuarteto Leonor Gaby Pas-Van Riet, Flöte | Frederike Wagner, Harfe Serenade auf dem Nebelhorn Datura Posaunenquartett Dozentenkonzert Forum junger Preisträger |The Tel-Aviv Trio CelloDuo – Beate Urbanek | Jan Kalinowski Sound Inn Brass | Ltg. Johann Mösenbichler Matinée der Dozenten Forum junger Preisträger Faust Quartett & Iwan König, Klavier Georgisches Kammerorchester „Zwölf Jahreszeiten“ Efim Jourist, Bajan Carolina Kurkowski-Perez, Violine Schlusskonzerte der Internationalen Meisterkurse Schlusskonzerte der Internationalen Meisterkurse Die Singphoniker Münchener Kammerorchester Ltg. Christoph Poppen Jubiläumskonzert – 100 Jahre ev. Christuskirche Cantus Canstatt Maki Yamamoto, Orgel Vocalensemble Pi mal Donna „Mozart und die Weber-Schwestern“ Darlene Ann Patterson, Sopran arcata Stuttgart | Ltg. Patrick Strub Tanja Becker-Bender, Violine

INFO FESTIVALBÜRO: Tel. 08322/ 700-267 www.oberstdorfer-musiksommer.de KARTENVERKAUF: Tourist-Info Oberstdorf I Tel. 08322/ 700-290


24 OBERSTDORF MUSIK

Interview mit Prof. Buck Initiator und Mitbegründer

Prof. Peter Buck studierte in Stuttgart in der Meis-

terklasse von Ludwig Hoelscher und im Anschluss in Genf bei Pierre Fournier. Als Gründungsmitglied des Melos Quartetts begann für ihn 1965 eine beispiellose künstlerische Tätigkeit auf allen Konzertpodien der Welt. Seit 1980 ist Peter Buck Professor an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. 1993 Mitbegründer und seitdem künstlerischer Leiter des internationalen Klassikfestivals „Oberstdorfer Musiksommer – Meisterkurse und Konzerte“.

HERR PROF. BUCK, WELCHE BEDEUTUNG MESSEN SIE DEM OBERSTDORFER MUSIKSOMMER HEUTE BEI?

Prof. Buck:

Nun, zunächst stellt der Oberstdorfer Musiksommer eine ungemeine Bereicherung des kulturellen Geschehens der gesamten Region dar. Seit der Gründung im Jahr 1993 hat er sich in seinem nunmehr dreizehnjährigen Bestehen zum internationalen Klassikfestival entwickelt und sich mit großem Erfolg als eine feste Größe im sommerlichen Kultur- und Musikgeschehen weit über die Regionsgrenzen hinaus etabliert. WIE KAM ES ÜBERHAUPT ZUM STANDORT „OBERSTDORF“, DER JA EIGENTLICH MEHR FÜR WINTERSPORT UND ALPENTOURISMUS STEHT?

Prof. Buck:

Das Oberallgäu ist mir seit meiner frühesten Kindheit vertraut. Bereits als achtjähriger Stadtbub unternahm ich mit meinem Vater die aufregendsten Bergtouren und erinnere mich gerne an meinen ersten Heilbronner Weg. So war es für mich nahe liegend, die Festival-Idee nach Oberstdorf zu bringen. Stimmungsvolle Konzerterlebnisse, musikalische

des Oberstdorfer Musiksommers

und persönliche Begegnungen mit unseren Künstlern, Dozenten und den Teilnehmern der Meisterkurse einzubinden in die landschaftliche Schönheit des Allgäus sind für mich eine der Wurzeln, die mich zur Gründung des Festivals in Oberstdorf bewegten. Zudem fand ich hier, neben den idealen Bedingungen eines Ortes mit internationalem Bekanntheitsgrad, auch den Zuspruch und die Unterstützung aus Politik, Wirtschaft und Kultur. SIE SPRACHEN VON EINER WURZEL?

Prof. Buck:

Ja, eine weitere Wurzel und meine Herzensangelegenheit ist die Förderung des Nachwuchses auf höchstem Niveau. Dies erreichen wir durch die Meisterkurse mit renommierten Dozenten und vielen Konzertpodien für die jungen Künstler. Natürlich war und ist es mir wichtig, durch ein hochkarätiges, attraktives Konzertangebot Publikum und Förderer für das Festival zu begeistern. UND DAS IST IHNEN GELUNGEN?

Prof. Buck:

(Lacht), Das zu beurteilen überlasse ich Ihnen! Aber vielleicht helfen ja ein paar Fakten. 1993 kamen 3.000 Besucher zu den Konzerten, inzwischen sind es doppelt so viele. Anfangs waren es 18 Veranstaltungen, heute sind es 40, die in Oberstdorf, im Oberallgäu und dieses Jahr zum ersten Mal auch in Ottobeuren, Memmingen und Marktoberdorf stattfinden werden. Insgesamt gab es von 1993 bis 2005 mehr als 450 Konzerte in der Region. In knapp 110 Meisterkursen erhielten in den vergangenen 13 Jahren über 1500 Musikstudenten, die aus mehr als 40 Nationen zur sommerlichenTalenteschmiede nach Oberstdorf kamen, die Chance der Förderung. Viele von ihnen nutzten diese sehr erfolgreich und haben den Sprung in eine internationale Solisten- oder Ensemblekarriere oder in eine feste Orchesterposition geschafft – dies mitzuerleben ist für mich immer wieder eine große Freude.


JA, DA BEANTWORTET SICH DIE FRAGE WOHL VON SELBST. ABER WELCHES KONZEPT STEHT HINTER DIESER ERFOLGSVERANSTALTUNG?

WIE ERKLÄREN SIE SICH DIE SO SCHNELL GEWACHSENE BEKANNTHEIT UND BELIEBTHEIT DES FESTIVALS?

Prof. Buck:

Prof. Buck:

WIE SIEHT ES MIT DER FINANZIERUNG EINES SOLCHEN GROSSEREIGNISSES AUS?

HERR PROF. BUCK, VERRATEN SIE UNS DOCH EINE GANZ PERSÖNLICHE ANEKDOTE, DIE DEN OBERSTDORFER MUSIKSOMMER FÜR SIE ZU ETWAS BESONDEREM MACHT?

Das Konzept des Klassikfestivals spiegelt sich schon in der Namensgebung "Meisterkurse und Konzerte" wieder. Es verbindet die Reihe der Meisterkonzerte - eine hochwertige Veranstaltungsreihe international renommierter Künstler mit anspruchsvoller Nachwuchsarbeit in Form von Meisterkursen und deren Schlusskonzerten, den Musikalischen Soirèen in Hotels und Kirchen als Podien für junge Künstler. Mit dem "Forum junger Preisträger Oberstdorf" sowie den Konzerten der Euregio "via salina" sind weitere Formen der Förderarbeit hinzugekommen. Seit zwei Jahren erhalten herausragende junge Talente, die so wichtige Chance, sich als Solist mit prominenten Orchestern und Dirigenten zu bewähren. Die Solistendebüts finden auch bei unterem Publikum sehr große Resonanz.

Prof. Buck:

Die "Vereinigung der Freunde und Förderer des Oberstdorfer Musiksommers e.V." agiert als Träger des Festivals und finanziert sich über Mitgliedsbeiträge, Spenden, Förderbeiträge und Sponsorenleistungen. SIE SPRACHEN VORHER VON UNTERSTÜTZUNG AUS DER WIRTSCHAFT?

Prof. Buck:

Ja, das stimmt. Das qualitativ hochwertige Konzept überzeugte von Beginn an renommierte Firmen u.a. DaimlerChrysler, Bausparkasse Schwäbisch Hall, IBM Deutschland, Lufthansa und die Raiffeisenbank Oberstdorf-Sonthofen als ersten regionalen Sponsor. Sie waren bereit, durch eine (Anschub)- Finanzierung die erfolgreiche Umsetzung zu ermöglichen und begleiten teilweise auch heute noch als Sponsor das Festival. Neue Sponsoren aus der Region sind hinzugekommen wie z. B. die Allgäuer Überlandwerke oder die Robert Bosch GmbH, um nur einige zu nennen. Die Verankerung des Oberstdorfer Musiksommers in der Region als eines der wesentlichen Ziele in den vergangenen Jahren und konnte mit Hilfe der regionalen Wirtschaft erfolgreich umgesetzt werden. Für das Vertrauen in unsere künstlerische Arbeit bin ich allen Förderern sehr dankbar. DAS KLINGT GUT! AUCH FÜR EINE SICHERE ZUKUNFT?

Prof. Buck:

(Lacht) Da bin ich mir sicher! Der Musiksommer ist heute nicht nur ein Kulturereignis internationaler Prägung, sondern auch zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor geworden. Er setzt wichtige Impulse für den sommerlichen Tourismus und lockt mit dem Festivalpublikum eine neue Zielgruppe in den Ort und die Region.

Nun, das verdanken wir nicht zuletzt auch dem Bayerischen Rundfunk, der die jährlichen Konzert-Livemitschnitte im Festspielprogramm von Bayern 4 ausstrahlt. Er trägt so dazu bei, die kulturellen und musikalischen Aktivitäten im südlichsten Sendegebiet Deutschlands einer weit über die nationalen Grenzen hinausgehenden Hörerschaft bekanntzumachen und den Ruf und die Stellung des Oberstdorfer Musiksommers europaweit zu verbreiten. Und nicht zu vergessen, die ausführliche Berichterstattung unserer weiteren Medienpartner Allgäuer Zeitung und RSA sowie die begeisterte „Mundpropaganda“ unseres Festivalpublikums sorgen auch für den guten Ruf des Oberstdorfer Musiksommers.

Prof. Buck:

Ach, da gibt es viele! (schmunzelt) Humorvolle Unterrichtssituationen in den Meisterklassen, aber vor allem sehr bereichernde Begegnungen mit Künstlerpersönlichkeiten! An eine erinnere ich mich besonders gern. Im Jahr 2001 engagierte ich für das Eröffnungskonzert das Württembergische Kammerorchester mit seinem Chefdirigenten Jörg Faerber. Dieses Orchester hatte ich vierzig Jahre zuvor mit ihm gegründet und wirkte dort sieben Jahre als Solocellist bei vielen Konzertreisen und solistischen Auftritten mit. Mein ehemaliger russischer Student Kirill Kravtsov, inzwischen selbst ein gefeierter Nachwuchsvirtuose, folgte mir viele Jahre später in die Position des Solocellisten in diesem Orchester nach und übernahm an diesem Abend den Solopart des Cello-Konzertes von Haydn. Ich freute mich auf das Wiedersehen mit meinem langjährigen „Chef“ und meinem ehemaligen Studenten, der als der letzte Solocellist in der Ära Faerber beim Württembergischen Kammerorchester tätig war. UND WEITER?

Prof. Buck:

Die beiden heckten eine für mich spannende Idee aus – sie baten mich, mit ihnen bei diesem Konzert des Oberstdorfer Musiksommers aufzutreten. Beim Doppelkonzert von Vivaldi konnte Jörg Faerber bei einem seiner letzten Dirigate nun gemeinsam mit seinem ersten und letzten Solocellisten konzertieren. Damit schloß sich an diesem Abend der Kreis künstlerisch-persönlicher Freundschaften zu einem wunderbaren Konzerterlebnis.


26 OBERSTDORF GESCHICHTE

SommerFRISCHE GESCHICHTEN AUS DEN ANFÄNGEN DES TOURISMUS

OBERSTDORFER SOMMERFRISCHLER

Im Jahre 1830 war Oberstdorf noch ein Bergbauerndorf mit rund 1.900 Seelen. Zweites Standbein der Landwirtschaft, neben der Viehzucht, war der Flachsanbau und dessen Verarbeitung zu Leinen. Als diese Erwerbsquelle nach den napoleonischen Kriegen durch die Einfuhr billiger Baumwolle wegbrach, herrschte im ganzen Allgäu bittere Not. Ein Ausweg aus der Misslage bahnte sich an, denn in den drei Oberstdorfer Gasthöfen Löwen, Mohren und Sonne haben das ganze Jahr über rund 140 Personen genächtigt. Aber, was führte diese „Übernächtler“ ins oberste Dorf des Illertals und – wer waren sie? Über diese Fragen geben die Eintragungen in den alten Übernachtungsbüchern Auskunft. In der Spalte „Grund der Übernachtung“ waren meist die Berufe der Gäste wie z. B. Wein-, Korn-, Mehl-, Käs-, oder Viehhändler zu finden. Auch Steinmetze, Glockengießer, Schirmmacher und sonstige Handwerker, überwiegend aus dem süddeutschen Raum, nächtigten in diesen Herbergen. Drei Herren aber waren dem Anschein nach zu ihrem privaten Vergnügen hier und haben sich als „Lustreisende“ in die Meldeunterlagen eingetragen. Könnten solche „Fremde“ evtl. einen Verdienst ins obere Allgäu bringen? Ein kleines Fünkchen Hoffnung kam auf, denn in den folgenden Jahrzehnten kamen mehr dieser „(Lust-)Reisenden“ in die kleine Gemeinde. Botaniker und Geologen erforschten das obere Allgäu und die ersten Bergsteiger suchten sich unter den Bergbauern und Jägern ihre Führer aus. Zur Mitte des 19. Jahrhunderts mieteten sich neben einzelnen Touristen, schon ganze Familien ein und verbrachten in Oberstdorf ihre „Vakanz“. Der Begriff „Ferien auf dem Bauernhof“ war geboren. Damals hieß es aber im Sommer noch „Wir ziehen aufs Land“ oder man ging in die „Sommerfrische“. Geschäftsleute, Freischaffende wie Ärzte, Juristen, Künstler, aber auch höhere Beamte, Pfarrer, Professoren und Offiziere weilten über Wochen in Oberstdorf. Vor allem die Familien wurden in vielen Fällen von ihrem Dienstpersonal begleitet, denn man mietete sich gleich eine ganze Wohnung. Postkutsche 1930


ALPINISMUS WANDERN UND KLETTERN IN DEN BERGEN WIRD ZUM TREND

Mit der Gründung des Deutschen Alpenvereins 1869 und dem unmittelbar folgenden Zusammenschluss der Allgäuer AV-Sektionen blühte der Alpintourismus auf. Höhenwege wurden angelegt und Unterkunftshäuser erstellt. Plötzlich war es „in“ auf die imposanten Gipfel der Oberstdorfer Berge zu klettern. Im Tal schlossen sich bereits 1872 weitschauende Männer um den Dorfarzt Dr. Ulrich Reh und den Kaufmann Josef Anton Vogler zum „Verschönerungsverein“ zusammen. Wanderwege wurden angelegt, Alleen gepflanzt, Ruhebänke errichtet, Wegweisungen aufgestellt. Der Arzt begann mit Wasser-, Milch-, Molke- und Terrainkuren seine Patienten auf den Pfad der Naturheilkunde zu führen. So entstand bereits vor mehr als hundert Jahren der Grundgedanke der heutigen Wellnessbewegung. Postomnibusse 1930


28 OBERSTDORF GESCHICHTE

Lokalbahnzug 1888

DER WEG VOM BERGBAUERNDORF

ZUM TOURISMUSORT OBERSTDORF

Gäste speisen vor dem "Mohren" 1905

JETZT KOMMT DIE BAHN Als 1888 die Eisenbahn erstmals durchs Illertal dampfte, läutete deren Glocke ein neues Zeitalter ein und sorgte endgültig für den großen Aufschwung im Fremdenverkehr. Die Gästezahlen stiegen sprunghaft in die Höhe. Da die Gaststätten und Privathäuser für den Anspruch des Gastes nicht mehr ausreichten, entstanden Hotels und Pensionen. Das Moorschwimmbad, das erste Kurhaus, Badeanstalt und Kahnfahrt am Freibergsee und die ersten Gaststätten in den Hochtälern boten dem Gast Einkehr und Erholung. Fahrplanmäßig verkehrende Pferde-Stellwagen bedienten die Linien in die einzelnen Hochtäler. ERSCHLIESSUNG DER BREITACHKLAMM Eine mutige Tat war es, als sich 1904 ein Verein mit dem Ziel zusammenschloss, durch die wildromantische Breitachklamm einen Weg zu bauen. Über 7.000 mal hallte das Echo eines Sprengschusses durch die Felsenenge bis das Werk vollendet war. Noch heute, 100 Jahre später, wird die unweit von Tiefenbach gelegene KLamm jährlich von Hunderttausenden besucht. Sie ist als einzigartiges Naturdenkmal die tiefste und eine der schönsten Felsenschluchten Mitteleuropas.

Breitachklamm in der Bauphase 1905


Eisenbahn (alte Bahntrasse) um 1935

INFO:

ANDERL HECKMAIR: Anderl Heckmair eigentlich Andreas, (* 12. Oktober 1906 in München, † 1. Februar 2005 in Oberstdorf) war deutscher Bergführer und Alpinist. Heckmair, der in einem Münchener Waisenhaus aufwuchs, verbrachte im Alter von elf Jahren einen Erholungsaufenthalt in der Schweiz. Dabei erwachte seine Liebe zu den Bergen. Ende der 1920er Jahre zog es ihn in die Alpen, wo er sich mit Küchendienst in verschiedenen Berghütten einen bescheidenen Lebensunterhalt verdiente. Als Kletterer meisterte er extreme Wände in den Ost- und Westalpen und den Dolomiten. Er durchstieg im Juli 1938 mit seinem Freund Wiggerl Vörg und den Österreichern Fritz Kasparek und Heinrich Harrer erstmals die Eiger-Nordwand. Eine der Hauptrouten des Berges wurde nach ihm benannt. Es folgten mehrere Expeditionen in den Himalaya, in Afrika und den Anden. In Oberstdorf war er als Bergführer tätig. Auf seine Initia­tive hin wurde 1968 der Berufsverband der Deutschen Ski- und Bergführer gegründet. Sein Leben und seine schönsten Geschichten sind nachzulesen in der Biografie „Was zählt ist das Erlebnis“ und „Zum Glück geht’s bergwärts“.

Lokomotive des ersten Zuges 1888

Archiv- Heckm air- Auffermann


30 OBERSTDORF GESCHICHTE

GESCH I CHTE

DES WINTERSPORTS & DER BERGBAHNEN

WINTERSTATION OBERSTDORF

Heute ist Oberstdorf einer der bekanntesten Wintersportplätze in den Alpen. Bergbahnen und Lifte bringen Skiläufer in schneesichere Skigebiete, und viele Kilometer gepflegter Langlaufloipen stehen sowohl dem klassischen Langläufer als auch dem „Skater“ zur Verfügung. Ein Skisprungstadion, die “Erdinger Arena" mit fünf Schanzen verschiedener Größen und die Heini-Klopfer-Skiflugschanze treiben die „Adler“ zum Kräftemessen an. Im Eissportzentrum können Curler, Kunstläufer, Eisstockschützen, Eishockeyspieler, Short-Track-Freunde und auch ganz gewöhnliche Eisläufer ihrem Sport nachgehen. Doch wann und wie kam es dazu? Auf Hörnerschlitten brachten früher die Menschen im Winter das Holz aus dem Bergwald und das im Sommer gewonnene Bergheu zu Tal. Was für die Erwachsenen zum harten Broterwerb gehörte, erlernten die Kinder im Spiel – das Lenken eines Schlittens. Schlitteln, oder wie man heute sagt rodeln, ist der wohl älteste Wintersport in Oberstdorf. Schon lange vor der Wende zum 20. Jahrhundert frönten die ersten Wintergäste diesem Vergnügen. Eine originelle Art der Schlittenpartie war es, eine Reihe von Rodelschlitten an einen Pferde-Kutsch-Schlitten anzubinden. Wann Schlittschuh und Eisstock ihren Einzug in Oberstdorf gehalten haben, ist nicht genau bekannt. Aber schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gingen einige Eissportfans auf dem Moorweiher und dem Freibergsee diesen Freizeitbeschäftigungen nach. Gute 80 Jahre sind ins Land gezogen, seit am Moorweiher und am Freibergsee die ersten Eishockeyspieler mit ihren Schlägern über das Eis wirbelten. Die bayerischen Eishockey-Meisterschaften wurden 1925 auf dem Freibergsee ausgetragen. Mit dem Bau des Kunsteisstadions im Jahre 1959 am Oybele begann eine neue Ära in dieser Sportart.

Max Schneider, der Herausgeber der Zeitschrift „Der Tourist“, hatte Fritjof Nansens 1891 erschienenes Buch „Auf Schneeschuhen durch Grönland“ gelesen und war von der Verwendbarkeit dieser „Hölzer“ so begeistert, dass er sich noch im gleichen Jahr aus Norwegen 25 Paar „Schneeschuhe“ schicken ließ, um den „Schneelauf“ in Deutschland einzuführen. Der erste heute namentlich bekannte Oberstdorfer Schneeschuhläufer Friedrich Prögler erwarb eines dieser langen Bretterpaare und konnte damals noch nicht ahnen, welche Lawine er damit los getreten hat. Die Skier, so nannte man die Schneeschuhe nun, wurden zum Fortbewegungsmittel im Winter, aber von einer ausgefeilten Lauftechnik war man noch weit entfernt. Noch vor der Jahrhundertwende zeigten sich die ersten Wintergäste in Oberstdorf. Zum Eislaufen, Rodeln und den Fahrten mit Pferde-Kutsch-Schlitten kam jetzt der neue Wintersport, der Schneeschuhlauf hinzu. Die Hotellerie und das Dienstleistungsgewerbe stellten sich früh auf den Wintergast ein. Zimmer mit Zentralheizung, Warmwasser und elektrischem Licht gehörten in guten Häusern schon kurz nach der Jahrhundertwende zum Standard. Viele Kilometer des langen Spazierwegenetzes wurden im Winter für Fußgänger vom Schnee geräumt. Bereits 1906 schlossen sich Oberstdorfs „Schneeschuhläufer“ im Skiclub zusammen. Gleichzeitig gab es schon Skikurse für Wintergäste. Kein Sport ohne Meisterschaft, diesem Wahlspruch folgend veranstaltete der Skiclub bereits 1910 in Oberstdorf die ersten Allgäuer Skimeisterschaften; mit 21 Metern kam im Sprunglauf Bruno Biehler zu Meisterehren. Bald war die Schanze an den „Halden“ zu klein und 1925 entstand die Schattenbergschanze, der Grundstock des heutigen Sprunglaufstadions.


Bau der Schattenbergschanze 1925, erste Skiflugwettbewerbe

Eine ganze Reihe von Oberstdorfer Wintersportlern hat seither den Ort, das Allgäu und ganz Deutschland bei internationalen Wettkämpfen vertreten. Neben vielen Landes- und Deutschen Meistertiteln errangen Oberstdorfs Sportler auch Siege bei Europa- und Weltmeisterschaften und holten sogar olympisches Gold in die kleine Gemeinde. Große wintersportliche Veranstaltungen wie die bayerische Eishockey-Meisterschaften, Deutsche Meisterschaften im Eiskunstlauf, Deutsche Skimeisterschaften, Wintersportwochen u.a. mit Pferdeschlittenrennen und Skijöring-Meisterschaften boten dem Gast in den 30er Jahren Abwechslung. Durch den Bau der Nebelhornbahn 1928/30 wurde ein weiterer glanzvoller Tourismusmagnet geschaffen. Mehr als 100.000 Besucher konnte die erste Flugwoche 1950, auf der nur ein Jahr zuvor gebauten Skiflugschanze verzeichnen. Noch im gleichen Jahr wurde eine weitere Sesselbahn (heute Söllereckbahn) gebaut. Neben Hotels und Pensionen entstanden zwischen 1959 und 1973 weiter grandiose Sport- und Kureinrichtungen, dazu zählte u.a. der Bau der größten Oberstdorfer Bergbahn, der Fellhornbahn 1972/73. Mit der Durchführung der Deutschen Jubiläums-Skimeisterschaften ist Oberstdorf in die Riege der großen deutschen Wintersportorte aufgestiegen. Seither hat der Ort Dutzende von hochkarätigen Veranstaltungen im alpinen wie im nordischen Skilauf, im Eiskunstlauf, Eisstockschießen, Eishockey, Curling bis hin zu den Nordischen Weltmeisterschaften 1987 und 2005 ausgerichtet. Heute kann Oberstdorf bereits auf mehr als 100 Jahre „Winterstation“ zurück blicken.

TIPP:

HEIMATMUSEUM: Das Heimatmuseum Oberstdorf, ansässig in einem alten Bauernhaus aus dem Jahre 1620, bietet seinen Besuchern in einer der reichhaltigsten Sammlungen des Allgäus auf einer Ausstellungfläche von über 700 m2 und in 38 mit Liebe zum Detail gestalteten Räumen, Ortsgeschichte zum Anfassen. Zu sehen und zu bestaunen gibt es unter anderem historische Werkzeuge, Geräte und Trachten. Eine Ausstellung widmet sich der sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Vergangenheit Oberstdorfs. Einzigartige Zeitzeugnisse hier für sind die Erwerbsquellen wie Seilerrei, Nagelschmiede, ­Enzianbrennerei, Waldarbeit, Jagd und Alpwirtschaft. Mit beeindruckenden Exponaten zu den Themen Brauchtum, Alpinismus, Skilauf und Allgäuer Künstlern wird Ihr Rundgang durch die Vergangenheit gebührend abgerundet.

ÖFFNUNGSZEITEN: Dienstag-Samstag 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17.30 Uhr. An Sonn- und Feiertagen bei Regenwetter wie werktags geöffnet. Jeden Dienstag um 16 Uhr Führung. Im April, November und Dezember eingeschränkte Öffnungszeiten.


32 OBERSTDORF KUNST

DIE

VILLA JAUSS Kultur unter dem Nebelhorn mit südländischem Flair

DIE VILLA JAUSS

VILLA JAUSS DAS KÜNSTLERHAUS IN OBERSTDORF

Inmitten des sonnigen Fuggerparks im Oberstdorfer Ortszentrum verbirgt sich eine wahre architektonische Kostbarkeit. Begeistert von der Schönheit der Häuserfassaden, die dem Braumeister Melchior Jauss nach seinen zahlreichen Italienreisen in die Gegend um Bozen unvergesslich blieben, errichtete er im Jahr 1885 sein, heute unter dem Namen „Villa Jauss“ bekanntes, Wohnhaus. Umgeben von alten, erwürdigen Laubbäumen erinnert der Außenanblick des Holzgebäudes an einen romantischen Landsitz in der Toskana. Eine warme und vornehme Atmosphäre wird im Inneren durch eine ausgewogene Holzvertäfelung geschaffen. Die Nachkommen Melchior Jauss, der von 1881 bis 1896 die Brauerei und Gastwirtschaft „Sonne“ betrieb, bewohnten das Haus noch bis 1965. Danach wurde es an verschiedene Familien weiter vermietet. Seit 1994 wird der hölzerne Prachtbau im Ortskern der süd-

lichsten Gemeinde Deutschlands als Kulturbühne genutzt. So war der Weg bis zur Gründung des Vereins „Initiative Villa Jauss“ im Jahr 1997 nicht mehr weit. Ziel der Vereinigung war die Sanierung, Instandsetzung und „Bespielung“ des ungewöhnlichen Hauses. Der heute mehr als 100 Mitglieder umfassende Verein erweckte durch unermüdliches Handeln die inzwischen denkmalgeschützte Villa zu neuem kulturellem Leben. Musiker, Schauspieler, Poeten Architekten und bildende Künstler aus der Region, den Großstädten und dem internationalen Ausland fühlen sich im schlossartigen Ambiente dieses Gebäudes gleichermaßen wohl. Mit einem anspruchsvollen und vielseitigen Jahresprogramm mit Veranstaltungen, wie Kunstausstellungen, bildnerischen Kursen, Kammerkonzerten, Jazzveranstaltungen, Kabarett, Kleinkunst u. v. m., hat sich die Villa Jauss zu einer der wichtigsten kulturellen Institutionen und Begegnungsstätten Oberstorfs und des gesamten Allgäus entwickelt.


TIPP:

AUSSTELLUNGEN 2006 IN DER VILLA JAUSS Ganzjährige Ausstellung, Graphik im 20. Jahrhundert Picasso, Dali, Chagall, Tapies, Beuys, Moore, Miro, Grosz, Toulouse-Laurtrec, Janssen, Kokoschka, A.P. Weber, Tappert, Zille, u.a.. Die Stiftung des Oberstdorfer Sammlers Hugo J. Tauscher macht es möglich, dass in 5 Räumen Orginalzeichnungen, Radierungen und Lithographien der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts zu sehen sind. MAI · JUNI · JULI Klaus Schmidt, Malerei, Eröffnung: Fr. 19.05.2006 19 Uhr Ausstellung: Samstag, 20.05. bis Anfang Juli 2006 Geöffnet: Donnerstag bis Sonntag 16 – 19 Uhr AUGUST zum Oberstdorfer Musiksommer, Graphik im 19. Jahrhundert. (geplant), Eröffnung: Samstag, 05.08.2006 11 Uhr (geplant) Ausstellung: Sonntag, 06.08.2006 bis Sonntag, 03.09.2006 SEPTEMBER · OKTOBER Die Oberallgäuer Kulturgemeinschaft präsentiert Skulptur, Malerei und Grafik des südlichen Allgäus

Anzeige Oberstdorf 2006

03.02.2006

5:52 Uhr

DEZEMBER · JANUAR 2007 Gedächtnissausstellung Heinz Schubert Eröffnung: Freitag, 15.12.2006 19 Uhr Ausstellung: Samstag, 16.12.2006 bis Sonntag, 14.1.2007 Geöffnet: Donnerstag bis Sonntag 16 – 19 Uhr

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KULTUR UNTER DEM NEBELHORN MIT SÜDLÄNDISCHEM FLAIR

DER ALLGÄUER SINN FÜR SPRÜHENDE

LEBENSFREUDE

SPIEGELT SICH IN UNSERER VON EDLEN

STEINEN

UND

TRADITION

VERARBEITUNG WIEDER !

Mandaringranat und Mondsteinschloß

Feine Uhren und Juwelen im Allgäu.

Oberstaufen · Immenstadt · Oberstdorf Bad Wörishofen · Riezlern-Kleinwalsertal

Citrin mit farbigen Saphiren Braune Diamanten mit roten Saphiren


34 I OBERSTDORF KUNST


BerühmteKöpfe

BerühmteKöpfe Oberstdorfs

SCHRIFTSTELLERIN GERTRUD VON LE FORT

Dr.h.c. Gertrud von Le Fort wurde am 11. Oktober 1876 in Minden (Westfalen) geboren. Nach dem Studium und zahlreichen Reisen kam die weltbekannte Schriftstellerin ab 1939 aufgrund ihres angeschlagenen Gesundheitszustandes nach Oberstdorf und fand in der reinen Bergluft Heilung. 1928 publizierte sie ihr bekanntestes Werk Das Schweißtuch der Veronika, von dem sie 1946 eine Fortsetzung Der Kranz der Engel veröffentlichte. In Die Letzte am Schafott (1932) behandelte sie das Schicksal von in der Französischen Revolution hingerichteten Karmelitinnen. Weitere Werke sind Hymnen an die Kirche (1924), Hymnen an Deutschland (1932), Die Magdeburgische Hochzeit (1938) und Am Tor des Himmels (1954). Sie war eine der bedeutendsten katholischen Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts und pflegte Künstlerfreundschaften u. a. mit Hermann Hesse und Carl Zuckmayer. An ihrem 80. Geburtstag wurde der vielmals prämierten Literatin die Ehrenbürgerwürde von Oberstdorf verliehen. Gertrud von Le Fort starb am 1. November 1971 in Oberstdorf.

SCHRIFTSTELLER, LEHRER, MALER, SCHERENSCHNEIDER ARTHUR MAXIMILIAN MILLER Arthur Maximilian Miller wurde am 16. Juni 1901 in Mindelheim im Unterallgäu geboren. Nach seiner Ausbildung zum Lehrer lebte der schwäbische Volksdichter von 1938 bis 1989 im Oberstdorfer Ortsteil Kornau. Hier übte er an der kleinen Dorfschule seinen Lehrberuf aus. In seinem Häuschen, der „Dichterklause“ entstanden zahlreiche Romane, Novellen, Erzählungen, Biographien und Gedichte. Neben Aquarell- und Ölbildern fertigte er zudem ausgezeichnete Scherenschnitte, die in dem Buch Spiel der Schatten zusammengefasst sind. Mit Gertrud von Le Fort verband ihn eine künstlerische Freundschaft. Die gesammelte Korrespondenz ist in dem Band Briefe der Freundschaft veröffentlicht. Der Ehrenbürger Oberstdorfs, der im Alter von 91 Jahren am 18. Februar 1992 in Ottobeuren verstarb, fand seine letzte Ruhestätte auf dem Oberstdorfer Waldfriedhof.

GRAFIKER, BILDHAUER, MALER WALTER KALOT Walter Kalot wurde am 5. Oktober 1909 im Sudetenland geboren und erhielt seine künstlerische Ausbildung an den Akademien von Breslau und Berlin. Der zweite Weltkrieg, jahrelange russische Gefangenschaft und der Verlust der Heimat prägten den Menschen und damit sein Schaffen. Vor rund 50 Jahren kam er zusammen mit seiner Ehefrau nach Oberstdorf, wo er ein eigenes Haus mit einer Künstlerwerkstatt errichtete. Hier entstanden zahlreiche Grafiken, Gemälde und Skulpturen. Eine Reihe seiner Werke zeugen nicht nur in Oberstdorf und im Allgäu, sondern bundesweit von hohem Können im künstlerischen Schaffen. Mit dem Buch Walter Kalot, Plastien + Grafiken wurde sein umfangreiches Schaffen besonders gewürdigt. Der am 18. Dezember 1996 verstorbene vielseitige Künstler wurde zudem mit zahlreichen Kunstpreisen und Ehrungen bedacht. Mit einer Sonderausstellung im Heimatmuseum Oberstdorf wurde Walter Kalot ein bleibendes Denkmal gesetzt.

MALER UND BILDHAUER MAXIMILIAN RUESS

Der am 9. November 1925 in Oberstdorf geborene Maximilian Rueß ist einer der vielseitigsten Künstler des gesamten Allgäus. Seine Bilder in den verschiedensten Techniken (Bleistift, Tusche, Öl, Harzfarben, Collagen) zeugen von hohem künstlerischem Niveau. Übertroffen werden diese nur von seinen hervorragenden Plastiken. Das Wilde Mändle (Gipsmodell zum Standbild auf dem Oberstdorfer Bahnhofsplatz), die Tierplastiken Gnu, Ziegenbock und liegende Kuh (Bronzeguß) liefern dafür beeindruckende Zeugnisse. Das Haupt- und Lebenswerk des Künstlers ist der fast sechs Meter hohe Schlosshof-Brunnen auf Schloss Waldburg-Zeil. In diese, seine letzte Arbeit brachte Maximilian Rueß die ganze schöpferische Kraft seines Künstlerlebens ein. Maximilian Rueß verstarb am 16. Februar 1990 in München.


36 OBERSTDORF SPORT

SPORT EVENTS DIE ANFÄNGE DER SPORTEVENTS

SPEKTAKEL DER SUPERLATIVE DIE NORDISCHE SKI-WM IN OBERSTDORF Mit der Ausrichtung der Nordischen Weltmeisterschaften 1987 und 2005 wurde Oberstdorf endgültig zur Wintersportarena der Superlative. Schon 1987 waren mit 29 Nationen und 356 Sportler/innen, die alle großartige Leistung zeigten, neue Rekordteilnehmerzahlen zu verzeichnen. Über 1.000 Vertreter der Medien berichteten per Wort, Ton und Bild in alle Welt. Über 370.000 Zuschauer sorgten an den elf WM-Tagen Skispektakel für eine stimmungsgeladene Atmosphäre. „Es war ein Jahrhundert-Fest für Oberstdorf, das von der ganzen Bevölkerung der Region mitgetragen wurde“, so der damalige Rathaus-Chef. Grund zur Freude hatten auch die Oberstdorfer, denn schließlich blieb ein Weltmeistertitel im Ort. Thomas Müller holte als Schlussläufer über 3 x 10 km das ersehnte Gold in der Kombinations-Mannschaftswertung. Erst 18 Jahre später gelang es den hartnäckigen Funktionären, die WM erneut nach Oberstdorf zu holen. Größer , schöner und noch spannender sollte das internationale Sportevent diesmal werden. Mit der abendlichen Eröffnungsfeier am 16. Februar 2005 und knapp 20.000 Besuchern begann ein wahres Wintermärchen. In höchsten Tönen lobte der Präsident des Internationalen Skiverbandes FIS, Gian-Franco Kasper, die Veranstaltung im Allgäu: Nach der verregneten Snowboard-WM, einer Freestyle-WM im „Eisschrank” von Ruka (Finnland) und einer Alpin-WM in Bormio ohne Schnee und Zuschauer (dafür mit Streik) seien die Nordischen Weltmeisterschaften von Oberstdorf mit über 360.000 Zuschauer und einem Millionenpublikum weltweit vor den Fernsehern der „absolute Höhepunkt des Winters” gewesen. 471 Athleten aus 49 Nationen (darunter Brasilien und Algerien), 1.551 freiwillige Helfer, 1.792 Medienvertreter und perfekte wintersportliche Bedingungen sorgten dafür, dass die WM 2005 in Oberstdorf nach Skiverbandspräsident Kasper zum wichtigen Meilenstein in der Geschichte des Wintersports wurde.

INFO:

INTERNATIONALE SPORTEVENTS IN OBERSTDORF: BAVARIAN MIXED OPEN CURLING 25. – 28. Mai 2006 NORDIC-WALKING-GIPFEL 27. – 30. Mai 2006 7. INTERNATIONALER NEBELHORN-BERGLAUF 9. Juli 2006 CONTINENTAL-CUP SKISPRINGEN 28. – 30. Juli 2006 GORE-TEX TRANSALPINE-RUN 2. – 9. September 2006 8. FENEBERG MOUNTAINBIKE MARATHON 23. September 2006 NEBELHORN TROPHY voraussichtlich Ende September 2006 55. INTERNATIONALE 4-SCHANZEN-TOURNEE 28. – 29. Dezember 2006


WELTMEISTERLICH, GRANDIOS, EINZIGARTIG


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INFO:

OBERSTDORFER HOLZSCHNITZEREI: Josef Ohmayer Bildhauermeister - Schreinermeister Oststraße 36 . 87561 Oberstdorf Tel. 08322/3929 . Fax 08322/3905 info@oberstdorfer-holzschnitzerei.de www.oberstdorfer-holzschnitzerei.de NEBELHORN HOLZSCHNITZEREI: Alois Ohmayer Holzbildhauermeister Oststraße 17/27 . 87561 Oberstdorf Tel. 08322 /23 39 . Fax 083 22 /8332 nebelhorn-holzschnitzerei@t-online.de www.nebelhorn-holzschnitzerei.de OBERSTDORFER HOLZSCHNITZER & HOLZBILDHAUER

Die Holzschnitzerei und Holzbildhauerei diente in ihren Anfängen als Nebenerwerb in den langen Wintermonaten. Aus der damals wichtigen Beschäftigungs- und Verdienstmöglichkeit entwickelte sich eine eigene Kunstform, die heute auf eine mehrere jahrhundertealte Tradition zurück blickt. Die Wiege der Holzschnitzerei liegt im beschaulichen Ort Gröden in Südtirol. Die Pioniere dieser Handwerkskunst waren in erster Linie Verzierungsbildhauer, die Bilderrahmen und Uhrenständer künstlerisch ausschmückten. Doch bald schon wandten sich die Holzschnitzer im Alpenraum anspruchsvolleren Themen zu. Es entstanden sakrale Kunstwerke, Kruzifixe, Heiligenfiguren Kreuzwegstationen und Krippen. Später kamen weltliche und rein dekorative Arbeiten hinzu. In Oberstdorf sind es die alteingesessenen Schnitzereien der Familie Ohmayer, die diese traditionelle Handwerkskunst seit vielen Jahrzehnten im Familienbetrieb in Perfektion ausführen. Mit Meisterhand geschnitzt, umfasst das Angebot in den zwei rustikalen Geschäften Krippen, Kreuze, Madonnen, Heiligenfiguren, profane Figuren und Wandreliefs.


Lüege, loose, noachesinne 2007  

Kunst, Kultur & Brauchtum in Oberstdorf

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