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Rätsel um Mittelaltermünzen NEU_Numis-Post

16.12.09

15:43

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A k t u e l l

Typ 2 Im Perlkreis ein Kirchturm mit einem hohen Kreuz, zu beiden Seiten stehen Gestalten (Engel?) mit zum Kreuz ausgestreckten Armen. Auf der Rückseite ist ein nach links schreitender Vierfüssler (Löwe?) von der rückläufigen Umschrift und zwei Perlkreisen umgeben. Durchmesser 16 mm, 0,48g. Münzkabinett Karlsruhe, Fund von Illingen (1-11c).

Kreuz ausgestreckten Armen. Auf der Rückseite ist ein nach links schreitender Vierfüssler (Löwe?) von der rückläufigen CHOSANA-Umschrift und zwei Perlkreisen umgeben. Der Typ 3 schliesslich zeigt im Perlkreis eine dreitürmige Burg und auf der Rückseite wieder die fünfblättrige Rose von der rückläufigen CHOSANA-Umschrift und zwei Perlkreisen umgeben. Anzumerken ist, dass die Umschriften variieren. Die Hagenauer CHOSANA-Denare sind nur in den Funden von Illingen (1867) und Waldbronn (1977) aufgetreten.

Typ 3 Im Perlkreis eine dreitürmige Burg und auf der Rückseite fünfblättrige Rose von der rückläufigen Umschrift und zwei Perlkreisen umgeben. Durchmesser 16 mm, 0,49g. Münzkabinett Karlsruhe, Fund von Illingen (14-16). 66 | Numis-Post | 1/10

Bisher wurde diese Umschrift mit dem Wort Hosianna als Ausdruck einer Huldigung in Verbindung gebracht. Es fand sich auch ein Huldigungsanlass, denn Kaiser Friedrich II. weilte mit seiner neuen Gemahlin Isabella vom Dezember 1235 bis März 1236 in Hagenau. Da diese Denare aber über viele Jahre geprägt wurden und Friedrich nie wieder nach Hagenau zurückkam, sind Netzer Zweifel an dieser These gekommen. Städtisches Selbstbewusstsein Netzer kommt aufgrund seiner Überlegungen zu dem Schluss, dass es sich eher um den Stadtnamen als Ausdruck des gewachsenen Selbstbewusstseins der Bürgerschaft handelt. Hagenau war Zentrum des staufischen Kronlandes und erhielt 1164 von Kaiser Friedrich I. Stadtrecht. Das Selbstbewusstsein dieser aufstrebenden Civitas fand Ausdruck in der Verwendung der fünfblättrigen Rose im Münzbild, die gleichsam den Charakter eines Stadtwappens erfüllte. Netzer deutete die ersten beiden Buchstaben der Umschrift als «C» für «civitas» und «H» für «Hagenowe». Er hat sich mit den unterschiedlichen Schreibweisen des Stadtnamens in den Regesten des Kaiserreichs befasst und kommt zu dem Schluss, dass auch die übrigen Buchstaben auf eine fehlerhafte und in der Buchstabenfolge vertauschte Nennung des Stadtnamens hinweisen können. Die Vertauschungen wiesen auf die Schriftunkundigkeit des Stempelschneiders hin. Des Weiteren bemüht Netzer sich anhand der Münzgewichte um eine Datierung und kommt zu dem Schluss, dass die Prägung der CHOSANA-Denare in «die Zeit um 1220/1225 bis anfangs der 1230er Jahre» gelegt werden müsste.

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