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WERKSCHAU

FLACA

Bondage Revolution Flaca benutzt die Kunst der sexualität als aufschrei der emanzipation. Sex, Lust, Nacktheit, Bondage, Natur, Trieb – all das sind Elemente die Mercedes Alejandra Goudet, kurz Flaca, in ihren Werken vereint. Sie kreiert ästhetische, zeitgemäße Kunst, die aneckt. Den Rahmen für ihre Ausdrucksmöglichkeiten bilden digital gefertigte Collagen. Fetisch ist ein viel diskutiertes Wort beim Anblick ihrer Kunst. Doch wenn jemand denkt, durch ihre Kunst zeige sie, dass sie beim Sex auf Schweinereien stehe, der „habe ihre Kunst nicht verstanden“. Mercedes ist in Venezuela aufgewachsen – in einer politisch und katholisch-religiös geprägten Welt. Diese beschäftigt sie bereits in frühen Jahren und beeinflusst ihre Gedanken. In ihren Fokus rücken die Gleichstellung von Mann und Frau, sowie Heuchelei in der Religiosität. Die Inszenierungen in ihren Werken sind Ausprägungen des Geschlechterkampfes. Nackt räkeln sich gefesselte Frauen in krassen Posen mit Augenbinden zwischen Blumenfeldern und Insekten. Sie halten eine Waffe in der Hand, kämpfen für die Emanzipation. Bondage ist für Flaca ein Ausdruck dieser Freiheitsbewegung: „Eine Frau soll tun und lassen, wozu sie Bock hat und nicht, weil sie zu etwas gezwungen wird. Ich habe Freundinnen die Sachen tun, nur um einem Mann damit zu gefallen. Beim Bondage können Frauen sich in Fesseln legen lassen, weil sie es wollen, nicht weil sie es müssen.“ Ein neuer Blickwinkel auf ihre Kunst und man fühlt sich klein, weil man Bondage mit Sexualität verbindet, sie mit Gerechtigkeit. Ein viel benutzes Symbol in ihrer Kunst ist das Kreuz. Für sie ist es nur ein Symbol, die Bloßstellung der Kirche, ein Schockelement, das zum Nachdenken anregen soll. Bedeutend auffälliger sind Elemente bekannter Hollywoodfilme oder Prominenter – Popstars, Wonder Woman oder Frida Carlo. Durch die provozierende Inszenierung populärer Figuren hofft sie auch das Interesse junger Leute für ihre Kunst zu gewinnen. Einprägend und bezeichnend ist der Schriftzug „Revolution“. „Die Revolution ist nicht zwangsmäßig politisch, auch ich habe immer schon alles hinterfragt.“ Revolution sei Aufstand und Veränderung – und demnach Fortschritt. Zu dieser intensiven Themenverarbeitung in ihren Werken gesellt sich bei der Künstlerin aber auch etwas anderes: „Ästhetik ist mir wichtig. Meine Kunst ist vor allem eines: Sie ist schön.“ Eine nackte Frau ist nicht nur emanzipiert, sie ist auch schön. Flaca hat immer schon gemalt, die Auseinandersetzung mit der Kultur stand zu jeder Zeit im Mittelpunkt ihres Lebens. Vor circa drei Jahren wurde sie aktiver. 2012 nahm sie an einer ersten Gruppenausstellung teil, im Oktober 2013 eröffnete sie ihre erste Einzelausstellung in der Kölner Galerie Display. Flaca bedeutet auf Spanisch „die Schmale“ – ein Spitzname aus Kindertagen. Doch die Frau ist nicht einfach schmal. Sie ist attraktiv, überzeugt, begabt und erst ganz am Anfang ihres Schaffens. WEITERE INFOS /// FLACAS-ART.DE

#10 Winter 2013 | 2014  

null22eins. Kölner Kulturen Magazin https://www.facebook.com/null22eins

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