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MAGAZIN

KÖLNER KULTUREN MAGAZIN | WWW.NULL22EINS-MAGAZIN.DE

FREIEXEMPLAR | EHRENAMTLICH | WERT 3 EURO


EditOrial Menschen feiern, überall. Die Gründe dafür können aber unterschiedlicher kaum sein. Tausende Menschen feiern ihr Leben – im wortwörtlichen Sinn und nach ihrer Ankunft in Deutschland, einem frohen Land. Zu trivial sind unsere Sorgen, die nur in extremsten Fällen mit Leib und Leben bezahlt werden müssen. Es lässt sich gut leben hier. Auch in Köln finden die meisten Arbeit und haben Geld für mehr als nur Brot gegen den Hunger oder ein Dach über dem Kopf. Sie haben alles, was es braucht für ein glückliches Leben. Das klingt pauschal formuliert, ist aber in Relation mit anderen Zuständen und an anderen Orten nun einmal nicht überspitzt. Daher verwundert es, dass ausgestorben geglaubte Charaktereigenschaften wie Neid, Missgunst und Misstrauen wieder da sind; dass diese mit Begriffen wie Rechtspopulismus und Rechtsruck eine nicht mehr existierend geglaubte Popularisierungsebene nutzen. Wir setzen an dieser Stelle mit unserer 15. Ausgabe null22eins einmal bewusst die rosafarbene Brille auf. Um uns herum geschieht vieles zurzeit aus Verlustängsten, aus Missverständnissen und Ignoranz – schlecht gelaunte Menschen, die von sich auf andere schließen, die einfach zu mies drauf sind, obwohl es ihnen eigentlich gut geht – im Verhältnis zu anderen. Dabei braucht es manchmal nur den Perspektivwechsel, ein kurzes Innehalten und reflektieren, um sich eine differenzierte Meinung zu bilden. Und dann ist doch alles eigentlich gar nicht so schlimm. Wenn das allerdings nicht hilft, dann können etwas Musik und ein paar Leute, mit denen man gerne Zeit verbringt, helfen ... und schon sieht die Welt wieder freundlicher aus. Der Schatten weicht dem Leuchten – erst recht, wenn die Tage wieder länger sind und der Vitamin-D-Haushalt neue positive Kraft entfacht. Und wenn selbst das nicht reicht, um all das Gute in unserer Lebenswirklichkeit zu bewahren, dann müssen wir die Musik noch lauter drehen und ein paar Megaphone zücken, dann braucht es den Lärm von Tausenden. Denn soviel ist zumindest für null22eins klar: Ein paar Dinge laufen gerade nicht rund. Doch wir lassen uns die Laune nicht vermiesen, feiern alle Menschen gleich und betrachten Kölner Themen jeglicher Art – auch in dieser Ausgabe.


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INHALT

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ALT | NEU /// DIENSTAGS KICKERN Kneipenkultur im Wandel

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PORTRAIT /// DAS GANZE JAHR SESSION Karnevalsgroßhandel Makotex

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WERKSCHAU /// DESIGNKLOSTER Kreatives mit tieferem Sinn

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KÖLN SZENE /// HAVA NAGILA Verbindungen durch den Magen

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KÖLNER ORTE /// DIE LOTTA IN DER ZEIT Highlights einer Südstadt-Legende

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FOTOSTRECKE /// MENSCHEN FEIERN Lebensfreude im Fokus

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THEATER /// EINEN EURO FÜR DIE KUNST Das EinEuro Ensemble

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MUSIK /// H-BOMB HOLIDAY CAMP Urknall aus Kölns Underground

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PORTRAIT /// KOSTÜMIERTE GRÜSSE Freude schenken als Weihnachtsmann oder Osterhase

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MUSIK /// IN KÖLN 90 Degrees, Riot in the Attic, Down by the Water Vol. 1, Juri

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NETZWERKEN /// 50 JAHRE PNJ Das Pressenetzwerk für Jugendthemen

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KÖLNER ORTE /// AGNESKLAUSE Konsequent urig

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IMPRESSUM

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impressum HERAUSGEBER

artishocke e.V. Mauenheimer Straße 150, 50733 Köln redaktion@null22eins-magazin.de

V.I.S.D.P

Robert Filgner robert@null22eins-magazin.de

REDAKTION

Miriam Barzynski, Robert Filgner, Oliver Geffers, Christina Löw, Jonas Mattusch, Andreas Richartz, Christian Schneider, Anna Stroh, Andi Wahle, Christine Willen

LAYOUT

Stefanie Grawe, Sabrina Halbe, Stephanie Personnaz, Kirsten Piepenbring, Rosa Richartz, Andi Wahle, Julia Ziolkowski

DRUCKVORSTUFE

Julia Ziolkowski

FOTOGRAFIE

Alessandro De Matteis, Stephanie Lieske, Houtan Nourian, Anja Schlamann, Andi Wahle, Biró Zoltán

ILLUSTRATION

Sabrina Halbe, Leo Pellegrino, Kirsten Piepenbring

TITELSEITE

Kirsten Piepenbring

RÜCKSEITE

Alessandro De Matteis

EDITORIAL

Kirsten Piepenbring

DRUCK 36

LITERATUR /// ZIMMER GESUCHT Wertvolle Wohnungsanzeigen

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ARTISHOCKE /// KULTURPATEN Raketenhafte Austauschform

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THEATER /// TRIO.PROJEKTBAR Vom Projekt zum festen Ensemble

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WISSENSCHAFT /// FEIERTAGSSTATISTIKEN Gründe zum Feiern

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PORTRAIT /// ALLEINE FEIERN Weniger kann mehr sein

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KURZGESCHICHTE /// EZY 5377 Abgehobene Beobachtungen

Druckerei WIRmachenDRUCK GmbH Mühlbachstr. 7, 71522 Backnang www.wir-machen-druck.de

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INTERNET

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artishocke e. V. Deutsche Skatbank IBAN: DE36 8306 5408 0004 6807 15 BIC: GENODEF1SLR Urheberrechte für Beiträge, Fotos und Illustrationen sowie der gesamten Gestaltung bleiben beim Herausgeber oder den Autoren. Abdruck, auch auszugsweise, nur mit schrift licher Genehmigung des Herausgebers! Alle Veranstaltungsdaten sind ohne Gewähr.


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Dienstags

Kickern „Dienstags Kickern?“ Tom ist beharrlich und Tom steht zwei Semester vor seinem Bachelorstellt jeden Montag aufs Neue seinen Kumpels Abschluss. Neben seinem Studium arbeitet er von der Uni die gleiche Frage. Vor ein paar in einem Fitnessladen. Die Vorlesungen und Jahren war das irgendwie anders. „Dienstags Seminare bekommt er kaum noch organisiert. Kickern!“, stand fest im Notizbuch – noch Amir füllt zusätzlich noch morgens Regale in händisch vermerkt. Seine Freunde hatten einem Supermarkt. Das heißt aufstehen um auch so eins und dienstags stand da immer halb fünf und direkt danach ab in den Hörsaal. Georg ist seit über 20 Jahren Kneipenbei allen das Gleiche. „Ich mach meine Kneipe mittlerweile lie- besitzer, hat sein Studium damals „glücklich ber schon um 19 Uhr auf. Dann fühlt es sich abgebrochen“, wie er es nennt. Dienstags wird besser an, wenn man schon um halb eins seine Kneipe kaum noch richtig voll. Das war schließt. Ich nenne das englische Verhältnis- mal ganz anders. Gerade Studenten füllten se, die Leute kommen lieber direkt nach der den Laden im Übermaß. Schon komisch, was Arbeit und hauen früh wieder ab. Ist schon so eine veränderte Kultur mit sich bringt: Gekomisch, wie sich so eine Kneipenkultur über sundheit, weniger Rauchen, weniger Alkohol, die letzten Jahre hinweg verändert. Und das mehr Vernunft … das alles soll Jugendkultur hat nichts mit dem Rauchverbot zu tun!“ Ge- sein? Oder ist es einfach mehr Überforderung, org ist müde und vermisst dienstags die Jungs mehr Stress, mehr Termine generell … und rund um Tom. Regelmäßig übertrieben es das bereits ab dem ersten Semester an der Uni? die vier Chaoten. „Kickaaaa!“, war ein regel- Egal. Tom, Amir und Georg stehen für einen rechter Schlachtruf, wenn die kleine Meute Ist-Zustand, der nicht mehr so ist, wie er einst war. Aber das ist wohl einfach der Lauf der den Laden betrat. „Ich hab früher tatsächlich mehr geraucht.“ Dinge – ein Kneipenleben im Wandel der Toms Kumpel Amir ist fit und bleibt diens- Zeiten. tags lieber ganz zuhause. Morgen wartet schon wieder einer dieser Tests, die er in der Schule schon gehasst hat. Und die ihn regelmäßig stressen – so sehr, dass er kaum noch rauskommt. Selbst wenn es mal wieder zum Partymachen reicht, knickt er um halb eins ein. „Absurd, da ging es sonst für mich erst richtig los!“ TEXT /// ROBERT FILGNER ILLUSTRATION /// LEO PELLEGRINO


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WERKSCHAU

Kreative Begegnung Drei Kreative auf ihrem Weg – mit dauerhaften und an Bedürfnisse angepassten Lösungen für ihre Kunden. Im Designkloster treffen Corporate, Web- und Editorial Design auf Illustrationen und Erklärfilme – und Menschen auf Menschen.

Der Kölner Dom ist ein christliches Symbol, erbaut über und für Jahrhunderte. Klöster sind über alle Religionen hinweg Orte, die über Jahrhunderte hinweg bestehen und zumindest als architektonische Zeugnisse einen Einblick in Geschichte geben. Das ist ziemlich nachhaltig. Und so überrascht es nicht, dass sich gerade drei ehemalige ecosign-Studierende zum „Designkloster“ am Kölner Eigelstein zusammengeschlossen haben. Seit Juni 2014 teilen Kirsten, Carsten und Tobias ihre Fertigkeiten und den von der Ehrenfelder ecosign-Akademie für Gestaltung versprühten Ansatz in einer gemeinsamen Agentur: Es geht um ganzheitliche Betrachtungen sowohl der Menschen als auch der Aufgaben, die sich aus deren Wünschen ergeben. So leben die drei Nachhaltigkeit auf allen Ebenen. Und für ihre Kunden auf den Gebieten Corporate Design, Webdesign, Editorial Design, Illustrationen, 3D und Erklärfilmen – mit Sinn, Ästhetik und dem gewissen Zwischenmenschlichen, das auch in der Arbeitswelt den Unterschied für dauerhafte Entwicklungen macht.

TEXT /// ROBERT FILGNER ARBEITEN /// DESIGNKLOSTER WEITERE INFOS /// WWW.DESIGNKLOSTER.DE


WERKSCHAU

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KÖLNER ORTE

Die Lotta in der Zeit HIGHLIGHTS EINER SÜDSTADT-LEGENDE TEXT /// CHRISTINE WILLEN ABBILDUNGEN /// LOTTA

Flyer und Party-Plakate verraten die Meilensteine aus der Geschichte der Lotta. 20 Jahre Party mit Allem was dazu gehört: Mit „Kein Kölsch für Nazis“ und der „Soundtrack of your Life“-Party ist der wiederkehrende Ausnahmezustand vorprogrammiert. Das Jahr 2015 war für die Lotta-Gemeinschaft ein Grund zu feiern: Lotta Continua – 20 Jahre Kneipenkultur-Jubiläum und Antifa-Treff in der Kölner Südstadt. Party-Plakate und Flyer lassen die Zeit Revue passieren: „Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich Buchstaben ge­­­­ klebt habe und am Kopierer saß, um die Flyer herzustellen“, erinnert sich Diana. Mittler­­ weile sind die Veranstaltungsankündigungen oft rein digital und werden von den DJs selbst ent­­worfen. Sie werden im Internet in den sozialen Netzwerken verteilt und nicht mehr auf den Straßen wie früher. Eine Art OldSchool-Grunddesign hat sich im Laufe der Zeit für die Lotta aber dennoch herauskristallisiert. Old-School sind auch die drei Gründungsmitglieder, die nach wie vor alle zusammen in Aktion in der nunmehr vierzehnköpfigen Lotta-Gemeinschaft tätig sind. An der Grund­­­​­einstellung hat sich im Laufe der Zeit nichts geändert: Kein Kölsch für Nazis, soziales Engagement wie beispielsweise eine Spendensammelaktion für den Sea-Watch e.V. und flache Hierarchien gehören nach wie vor zu den Prinzipien der Gemeinschaft. Damit haben

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sie wohl, auch nach eigener Einschätzung, 20 Jahre lang ein glückliches Händchen gehabt und vieles richtig gemacht.

Kein Kölsch für Nazis „Kein Kölsch für Nazis war eine Riesenkampagne im Jahr 2008 und ein großer Erfolg. Es entstand als Gegenkonzept zum damaligen Anti-Islamisierungskongress von Pro Köln. Unser Motto hat auch in anderen Städten und Regionen Nachahmer gefunden, wie zum Bei­­spiel in Hamburg mit ‚Kein Bier für Nazis‘, berichtet Markus über die besonderen Highlights aus seiner mittlerweile achtjährigen Geschichte bei der Lotta. Ansonsten ist an Kar­neval jedes Jahr wieder Ausnahmezustand. Dann werden sogar die Sitzgelegenheiten entfernt, so dass maximal 220 Jecke in der Lotta abfeiern können. „Aber das ist eine Ausnah­ me, weil dann die Lotta wirklich ex­trem voll ist“, sagt Marco, der mittlerweile seit sechs Jahren dabei ist. Und Markus ergänzt: „Das sogenannte Südstadt-Hopping durch das Veedel hat sich ja so gut wie totgelaufen. Was aber sonst noch bei unseren Gästen beliebt ist, ist die „Soundtrack of your Life“-Party. Die findet ein­mal im Jahr statt und hat schon so etwas wie Kult-Charakter. Da raten die Gäste, welche Musik zu welcher Serie oder zu welchem Film gehört. Diejenigen, die es je­weils am schnellsten erraten, gewinnen ein Bier“, sagt Markus. Und Marco ergänzt: „Zu den weiteren Kneipen-Highlights gehört auch, dass die Toiletten des Öfteren verstopft sind und es hin und wieder einen Wasserrohrbruch gibt. Schön ist das nicht, aber es sind auch irgendwie Meilensteine.“


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entstehen“, berichtet Diana, die GeschäftsDas Nichtraucherschutzgesetz Das Nichtraucherschutzgesetz hat in den führ­erin. Es liegt nur begrenzt in ihren Hän­letzten Jahren auch einige Veränderungen mit d­en, aber sie hoffen, auch für die nächsten sich gebracht, zum Beispiel etwas mehr Auf- Jahre am Chlodwigplatz sesshaft zu bleiben. merksamkeit von den Nachbarn wegen der Diana ist schon seit 16 Jahren dabei und als Raucher draußen. „Die Nachbarn achten ver­­- Einzige von allen haupt­beruflich in der Lotta stärkt darauf. Es sind ja auch viele Wohn­ungen tätig. „Grundsätzliche Entscheidungen fällen in der Straße und es werden mehr. Direkt ne­- wir aber alle zusammen“, so Diana. Sie ist quasi benan wurde ein Haus abgerissen und es sollen „nur“ auf dem Papier die Leiterin, indem sie dort neue und schicke Eigentumswohnnungen viel Organisatorisches regelt.

WEITERE INFOS /// WWW.LOTTA-KOELN.DE

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Kickern, FC und St. Pauli den Mexikaner selbst hergestellt und verkauft Kneipenkulturmäßig stehen auch noch Kickern, haben. Jetzt gibt es viele Nachahmer in der der FC und der St. Pauli auf dem Plan: „Das Stadt“, berichtet Markus und führt weiter aus: sind unsere Vereine. Es existieren zwei Mann- „Wobei wir grundsätzlich nicht den Konkurschaften bei uns, die in der örtlichen Kicker- renz-Gedanken pflegen. Mit den anderen Liga spielen. Und wenn St. Pauli spielt, kommen Kneipen der Stadt wie beispielsweise Gottes die Pauli-Fans vorbei, auch wenn man gern Grüne Wiese oder Sonic Ballroom verstehen über SKY fluchen möchte. Wenn der FC in der wir uns sehr gut.“ Stadt spielt, ist natürlich weniger hier los“, so Markus. Von den Gästen her ist es insgesamt Auf die nächsten Jahre ein guter Mix: In der Woche kommen viele Für die Zukunft will die Lotta-Gemeinschaft Stammgesichter und an den Wochenenden einfach weitermachen: Lotta Continua – auf ist es manchmal so, dass das Lotta Theken- die nächsten zig Jahre Kneipenkultur in der Team in der vollen Bude unter Umständen Südstadt! Was bleibt da noch zu wünschen selbst niemanden kennt. Der Großteil der übrig? „Eine Dependance in wärmeren GeGäste ist friedlich. Auch im Zusammenspiel filden wäre toll, um dann irgendwann dort mit Alkohol. Denn es gibt vermutlich nieman- auch sein Rentner-Dasein zu pflegen“, sagt den in der Stadt, der von dem Hausgetränk in Diana und führt weiter aus: „Wobei ein eigeder Lotta nicht schon einmal gekostet hat: „Wir ner Biergarten hier in Köln auch schon schön gehörten zu den ersten Kneipen in Köln, die wäre.“

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THEATER

Einen Euro für die Kunst

DAS EINEURO ENSEMBLE KÖLN UM SEINEN GRÜNDER UND REGISSEUR MICHAEL NEUPERT BRICHT GRENZEN AUF – SEIT ZEHN JAHREN EINE BEREICHERUNG FÜR DIE KÖLNER THEATERSZENE. TEXT /// ANDREAS RICHARTZ FOTOS /// PROMO

Nein, der Name sei kein Hinweis auf eine durch und durch kapitalismuskritische Haltung. Der Name sei ganz einfach zustande gekommen. Um ein Mindestmaß an Disziplin in der Probenphase vor Neuaufführungen zu gewährleisten, entschied man, einen internen Sanktions-Katalog zu pflegen. Ergebnis: Fortan war bei Übertretung oder Unterlassung vereinbarter Verhaltensregeln jeweils ein Euro in die Ensemble-Kasse zu zahlen. So ein­fach entsteht eine Legende. Und so schnell hat man Geld zusammen, das einem die Stadt ohnehin nicht gibt. Was humorlos klingt, ist inzwischen ein in­ terner Running-Gag der Mitglieder der freien Kölner Schauspiel-Truppe EinEuro En­semble. Das glaubt man sofort, wenn man sich auch nur zehn Minuten mit dem Regisseur und Finanz-Jongleur des Ensembles unterhält: Michael Neupert ist ein gechillter und herrlich unarroganter Regie-Typ. Dabei hätte er ein paar stichhaltige Gründe, die kreative Nase ziemlich hoch zu halten. Mit 14 hat der gebürtige Krefelder durch ein Schüler-Praktikum früh zu den Brettern gefunden, die die Welt bedeuten. Das KRESCHtheater Krefeld wurde zu seiner ersten kreativen Heimat, dem Ort, wo er unter Mentor Franz Mestre seine Passion entdeckte.

Von der schulbank zum theater Mit 19 durfte Neupert seine erste eigene Inszenierung in Krefeld erarbeiten, 2007 erhielt er eine Einladung zu den Berliner Festspielen der Jugend und zum bundesweiten Theatertreffen der Jugendclubs nach Regensburg. Ab­gerundet wurde sein beruflicher Ausbildungswerdegang durch sein Studium zum Kulturund Theater-Pädagogen.


THEATER

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WEITERE INFOS /// WWW.EINEURO-ENSEMBLE.DE

Dabei war sein Geist vom ersten Moment an stets hellwach und offen für die verschiedensten Einflüsse. Ob Tanztheater, experimentelle Bühne oder pantomimisches Straßentheater: Neupert, ein Fan und Kenner des Werks der großen Pina Bausch, sog alles auf, lernte den japanischen Butho-Tanz bei Sabine Seume in Düsseldorf und amalgamierte bald seine eigene Auffassung von spannendem Theater, das dennoch existentielle Themen an­sprechen darf. Dabei treibt ihn bis heute der Anspruch, in Texten und Techniken zu transzendieren, was ihn selbst interessiert. Die Leute da abzu­holen, wo sie vermeintlich stehen, bloß um einen Inszenierungs-Hit zu landen, dagegen überhaupt nicht.

Genre-mix statt politisches statement Deutsche Theatertradition und -geschichte interessieren ihn schon wegen seiner Ausbildung. Allerdings sind ihm Meisner oder Brecht keine Götter, nicht einmal Orientierungspunkte. Und obgleich er die weltpoliti­sche Lage durchaus verfolgt, erscheint ihm politisches Theater in vielerlei Hinsicht anmaßend. Tagespolitische Aktualitäten seien zu groß für eine Abarbeitung auf der Bühne und im dramatischen Ergebnis oft zu lapidar. Ähnlich hält er es mit religiösen Inhalten. Grenzen und Genre-Regeln aufzubrechen mittels literar-technischer Verfahren, das ist dagegen seine Welt. Also will er etwas Neues schaffen? „Was ist schon neu?“, kontert Neupert. „Neu ist, was für mich neu ist!“. Das sitzt. „Ich mach halt gern, was mich interessiert.“ Und man glaubt ihm das sofort, wenn man auch nur eines seiner Stücke gesehen hat. Die sind zwar voller Anspielungen auf diverse Lebensstile, doch lassen sie sich schlecht in Verbindung bringen mit zeitgenössischen Bestrebungen, die ein Slogan-Theater befördern, das am Ende mehr als dürftig bleibt. Dass einem Neupert-Stück wie „Flüstern schmeckt nicht“ dennoch etwas Hochpolitisches innewohnt, stört ihn dabei nicht. Solange es dabei unterhaltsam zugeht. Außerdem: Was raus muss, muss raus! In diesem Fall: Ein Reigen verwirrter Stimmen, ein Chor diskursiver Echos vielfältiger Sichtweisen auf das Leben, der keinen Handlungsfaden verfolgt; eine selt­sam humorig philosophische Herangehensweise an Frage­stellungen danach, was geglücktes Leben ermöglichen könnte.

Ohne moralische Bittermandel-Miene In „Flüstern schmeckt nicht“ lässt er seine Spieler – so nennt er die Mitglieder des Ensembles liebevoll – ihren eigenen Vornamen zur Verstärkung ihrer Figurenidentität tragen. Brainstormings und weitreichende Impro­v i­sa­tionen, begleitet von Hausaufgaben, wie Ab­schiedsbriefe oder fragmentarische Text­bau­steine zu schreiben, gehören zum festen Be­ standteil der Probenphase eines neuen Stückes. Ein Spiel mit biografischen und privaten Elementen, das genutzt wird, um Themen zu bündeln und auszuwählen. Das Ensemble erzielt damit auf der Bühne eine Authentizität, die dem Publikum einen hohen Grad an Identifikation und Vertrautheit bietet. Neupert liebt die Montage, ein Auffächern einer Palette von Darstellungsweisen, das eine überbordende Assoziativkraft im Zuschauer entfesselt. Verschiedene Genres bedürfen verschiedener Textformen. Darum auch ist „Insomnia Noir“, ein anderes Stück aus dem inzwischen auf 14 Stücke angewachsenen Fundus, eher an traditionellen Textarten orientiert. Das Stück bedient das Genre der Noir-Tradition, die für Neupert weniger an Suspense und Krimi als an atmosphärische Obskurität gebunden ist. Aber auch hier enthebt der Text das Geschehen einer linearen Zeitstruktur, bricht sie und lässt gar eine plötzlich auftauchende Autoren-Gestalt Kommentare über einzelne Figuren abgeben. Das ist im Sinne atmosphärischer Verdichtung nicht nur geschickt gemacht, sondern auch hoch unterhaltsam. Antworten auf weltliche Fragen will Neupert dabei keine geben. Wenn die Leute raus­gehen aus einem seiner Stücke, das Fluidum seiner Inszenierung im Nachklang in der Kneipe weiter schwingt und sich in die Gespräche mischt, ist der Theaterabend gelungen. Neutralität gegenüber dem Material, keine auf­dringlichen Gebrauchsanweisungen oder Analysen, das ist der Anspruch des Theaters von Michael Neupert und seinem EinEuro Ensemble. Ins elfte Jahr gehen sie, die neben ihrem angestammten Spielort Horizont-Theater außerdem auf der „bühne der KULTUREN“ spielen werden, mit einer brandneuen Produk­­tion: „Krieg in mir“. Die Premiere ist am 8. Juli im Theater der „bühne der KULTUREN“. Freunde der Off-Szene in Köln dürfen gespannt sein.


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PORTRAIT

kostümierte Grüße

Aus Berufung wird Beruf: Freude schenken als Weihnachtsmann oder Osterhase. „Was den Weihnachtsmann angeht, gibt es drei Typen von Menschen“, erklärt Stefan Dößereck. „Die einen würden niemals ein solches Kostüm anziehen, die anderen machen es vielleicht einmal – als Gefallen oder Scherz – und der dritte Typ bleibt dabei.“ Er selbst schlüpfte zum ersten Mal in den roten Mantel, weil er seiner Nichte eine Freude bereiten wollte. Und dann hat er daran Gefallen gefunden. Für ihn ist es viel mehr als ein Hobby. Im Dezember ist er Weihnachtsmann, manchmal auch im Frühjahr Osterhase – egal, ob dafür sein Jahresurlaub draufgeht. „Es ging nie um Geld“, berichtet er. „Es ist einfach sehr erfüllend, jemandes Herzenswunsch Wirklichkeit werden zu lassen.“ Und genau das macht er nun seit über 20 Jahren. Erst nur in Köln, dann auch in der Um-

gebung, in Aachen, Düsseldorf, Frankfurt oder im Ruhrgebiet. Damit es vielen Menschen möglich war, ihn zu finden, und es ihm wiederum leichter fiel, sich mit anderen Weihnachtsmännern zu vernetzen, hat Stefan seinen Weihnachtsmann-Service früh ins Internet gebracht. Als die Webseite 1996 online ging, war sein Angebot eines der ersten dieser Art. Das zog schnell die Medien an, und so war er als Weihnachtsmann schon 1999 diverse Male im Fernsehen. Diese Aufmerksamkeit hat Stefan vor allem genutzt, um Geld für gute Zwecke einzuwerben, anderen Weihnachtsmännern ihre ersten Auft räge zu verschaffen und Brauchtumspflege zu betreiben. Für ihn ist der ganze Advent eine wichtige und traditionsreiche Zeit, deren Bedeutung er auch durch seine Einsätze als Weihnachts-


PORTRAIT

mann aufrechterhalten möchte – egal ob auf Weihnachtsmärkten, in Einkaufszentren, bei Firmenfeiern oder natürlich bei Familien.

Weihnachtsmann mit Gütesiegel Für sein Netzwerk der Weihnachtsmänner und Nikoläuse hält sich Stefan an einen bundesweiten Ehrenkodex, der regelmäßig überprüft wird. Nur wer sich an die gemeinsam beschlossenen Absprachen hält, darf das Weihnachtsmanngütesiegel tragen. Qualität ist wichtig. „Wir sind keine Agentur, die Studenten im roten Bademantel losschickt. Bei uns findet man den richtigen Weihnachtsmann.“ Im Mittelpunkt steht der Wunsch, anderen eine Freude zu machen und Herzenswünsche zu erfüllen – der sogenannte „Geist der Weihnacht“. Deshalb ist die doch einige Punkte umfassende Liste an Regeln maßgeblich darauf ausgelegt, wie ein Weihnachtsmann ein möglichst harmonisches und schönes Weihnachtsfest mitgestalten kann. An erster Stelle steht dabei, dass der Weihnachtsmann prinzipiell alle mag – Kinder genauso wie Hundertjährige. Darauf folgt, dass er Güte und Harmonie ausstrahlt, freundlich ist sowie viel Geduld und Zeit mitbringt. Beim Kostüm gibt es vornehmlich Farbvorgaben: rotweißer Mantel und Mütze ebenso wie weißer Bart und Perücke – sollten nicht ausreichend echter Bart und Haare vorhanden sein. Als Accessoires sind vor allem zwei Dinge wichtig: der Jutesack für die Geschenke und das goldene Buch, in dem Geschichten oder Gedichte stehen, wo aber natürlich auch notiert ist, wer die Geschenke überhaupt verdient hat.

Das Individuelle am Weihnachtsmann Und dennoch: „Jeder erschafft sich seine eigene Weihnachtsmann-Figur, gemäß seinem persönlichen Charakter“, erklärt Stefan. Für ihn selbst ist das ein Weihnachtsmann, der viel Spaß an Geschichten hat, Einfallsreichtum besitzt, reichlich Ruhe mitbringt und mit wenig Schnickschnack auskommt. Soweit die Kinder es erfahren, ist er mit einem Schlitten unterwegs, der von neun Rentieren gezogen wird und den er immer auf dem Dach parkt. Von dort rutscht er die Regenrinne bis zur Wohnungstür herab oder steigt durch das Fenster herein. Andere Weihnachtsmänner kommen mit mehr Accessoires daher, sei es als Anlehnung an einen gutmütigen Großvater mit goldener Lesebrille oder mit einem goldenen Schlüssel, der in der Lage ist alle Türen

zu öff nen. Weihnachtsmänner können auch Helferlein dabei haben, die strengeren zum Beispiel einen Knecht Ruprecht oder die freundlichen, die ganz viele Geschenke zu tragen haben, einen goldgelockten Engel. Auch bei der Wahl zwischen Weihnachtsmann und Nikolaus gehen die Präferenzen auseinander. Für Stefan haben beide ihren Reiz: „Der Nikolaus ist der traditionsreiche, historische Charakter. Der Weihnachtsmann ist die moderne Kunstfigur. Der eine bietet mehr tatsächlichen Geschichtsbezug, der andere die größere interpretatorische Freiheit.“ Eine mittlerweile meist bekannte Randnotiz, dass gerade über diese beiden „Figuren“ bis heute Politik betrieben werden kann: Der historische Nikolaus von der heutigen türkischen Mittelmeerküste vs. CocaColas Stil- und Werbemittel sobald irgendwo Schnee liegt. So oder so erfordert jeder Auft ritt viel Vorbereitung – vor allem bei Absprachen mit den Eltern, um wirklich überzeugend erscheinen zu können. Schließlich sollte der Herr mit dem Rauschebart und der roten Mütze alle Familienmitglieder beim Namen kennen – ebenso wie deren Vorlieben und Schwächen. Sonst kann er schließlich niemals der „richtige“ Weihnachtsmann sein. „Diese Mühe lässt sich nur schwer in Geld bemessen aber strahlende Kinderaugen sind einfach unbezahlbar.“ So bittet er viele Familien, ihm einfach in einen verschlossenen Umschlag zu legen, was ihnen der Besuch wert ist oder was sie geben können. Das reicht im Zweifel für seine Unkosten und manchmal wird er positiv überrascht. Wenn er das Glück in den Augen der Menschen sieht, ist er zufrieden – und freut sich schon auf den nächsten Dezember.

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TEXT /// CHRISTINA LÖW FOTOS /// PROMO

WEITERE INFOS /// WWW.WEIHNACHTSMANNSERVICE.COM


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NETZWERKEN

JAHRE JUNG: DAS PRESSENETZWERK für jugendthemen

Es ist keine Übertreibung, wenn man diese Institution, die seit 50 Jahren besteht, jung nennt. Denn die Jugend steht beim Pressenetzwerk für Jugendthemen (PNJ) e.V. nicht nur im Namen, sondern wird seit den wilden 1960ern auch von den jung gebliebenen Mitgliedern gehört – und deren Themen auf diese Weise immer neu belebt. Im Mai feiert das PNJ mit Sitz in Bonn sein 50-jähriges Bestehen. Das ist ein Grund, einmal genauer auf dieses Netzwerk zu schauen. Sprachlich korrekt formuliert ist das PNJ ein bundesweit tätiger Fachverband, der Fach­leute und Interessierte zum Thema Jugend zusammenbringt. Dies sind zum einen Journalistinnen und Journalisten, die sich in Presse, Funk oder Fernsehen mit Jugendthemen befassen. Zum anderen zählen Medienfach­ leute aus Jugendorganisationen und -institutionen, sowohl staatliche als auch nichtstaatliche, zu den Mitgliedern. In der Umsetzung

TEXT /// ROBERT FILGNER FOTOS /// PROMO WEITERE INFOS /// WWW.PRESSENETZWERK.DE

heißt das: In dem Verein, der bis 2005 Jugendpresseclub hieß, können sich junge Nachwuchsjournalisten mit Profis der Jugendhilfe kurzschließen. Erfahrene Journalisten helfen jungen Mitarbeitern bei NGOs mit handwerklichen Tipps. Oder noch einfacher: Alle zusammen fahren gemeinsam mit dem Pressenetzwerk zu dessen Partnerorganisationen und schauen sich das Ganze auf internationaler Ebene an.

Was sind Jugendthemen? Wie sperrig das Wort „Jugendthema“ ist, wissen die Mitglieder des Pressenetzwerks. Es umfasst alles, was für die Lebenswelt junger Menschen heute wichtig ist, genauso wie alles, was noch kommt. Jede politische Entwicklung, jede gesellschaftliche Veränderung ist ganz automatisch ein Jugendthema. Denn es betrifft die junge Generation – manchmal direkt und unmittelbar, manchmal erst durch


NETZWERKEN

die Konsequenzen in späteren Jahren. Aus die­sem Grund steht der Verein seit 50 Jahren in seiner Verantwortung und baut Brücken zwischen den Medien, der Öffentlichkeit und den Gestaltern von jugendrelevanten Themen. Mitglied werden können in dem Verein eigentlich alle, die einen beruflichen, praktischen oder inhaltlichen Bezug zur jungen Lebenswelt haben. Seit 1966 steht vor allem ein Ziel der gemeinsamen Arbeit im Vordergrund: Der Jugend wirklich eine Stimme geben. Das klappt natürlich am besten, indem man der Presse, die sich dafür interessiert, selbst „Futter“ gibt und ihr entsprechende Themen durch Reisen oder Workshops „serviert“. Genauso gut klappt das aber auch, indem man sich auf dem politischen Parkett einen Namen macht. Das haben die Mitglieder in den vergangenen Jahren stets gemacht. Über Seminare, Fachtagungen, Weiterbildungen, Rechercheprogramme in Deutschland und im Ausland sowie durch internationale Journalisten-Austauschprogramme ist ein breit aufgestelltes Fach-Netzwerk von Leuten im Alter zwischen 18 bis 78 Jahren entstanden, das wertvolle Kontakte in den Bereichen Jugend und Medien bietet.

Ein Beispiel Der Tahrirplatz in Kairo ist 2011 weltweit berühmt geworden. Er war Schauplatz zweier Revolutionen und sammelte das enorme junge Potenzial Ägyptens. Seit 1972 besteht zwischen dem Pressenetzwerk und dem ägyptischen Jugendministerium ein Austauschprogramm. Es bringt deutsche und ägyptische Fachkollegen zusammen, sowohl bei uns als auch in dem nordafrikanischen Land. Daraus entstehen regelmäßig Berichte in renommierten Medien, die ausführlich auf die Lage junger Ägypter eingehen, die die Hälfte der Bevölkerung Ägyptens ausmachen. Durch den Austausch entstehen auch neue Kooperationen –

andere Austauschprojekte für Jugendliche, Initiativen zur Förderung von kulturellen Angeboten oder zur Unterstützung von Freizeiteinrichtungen. Das alles ist nur durch die jahrelange Erfahrung des PNJ möglich, oder wie es in dessen Programmbe­schreibung erklärt wird: „Nur wer in Deutschland Kenntnisse über die Verhältnisse in Ägypten hat, der kann sich auf eine Kooperation einlassen. Wir wecken das Interesse an Ägypten und seiner Jugend, wir be­schreiben Zustände und Gegebenheiten und bieten Kontaktadressen und Ansprech­partner.“ Das ist nichts anderes als gelebtes Netzwerken für die Belange der jungen Generation. Wir wünschen dem PNJ vorab schon alles Gute zum 50., machen hiermit aber darauf auf­merksam, dass auch dieser Verein noch Un­terstützung benötigt, um sein großes Ju­bi­­läum gebührend zu feiern. Deshalb: Infor­miert euch unter www.pnj50.org.

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WERBUNG Ehrenamtliches Engagement in Deutschland ist vorbildlich und auch ziemlich einzigartig. Daher verdient es die entsprechende Aufmerksamkeit und konkrete Unterstützung. Wir bieten unsere Anzeigen-Seiten diesmal kostenlos ganz anderen Vereinen und Organisationen, die jede Unterstützung brauchen. Denn dahinter stehen ebenso viel ehrenamtliches Engagement und Leidenschaft für die Sache wie beim artishocke e.V. Diese Liste ist natürlich nicht abschließend und unterliegt auch keinerlei Gewichtung. Wir haben uns einfach mal umgeschaut und ein paar Dinge zusammengetragen. In Köln und auch überregional sind noch viel mehr Menschen gut organisiert. Hier findet ihr eine kleine Auswahl – schaut genau hin, macht euch schlau, wofür die Projekte und Vereine stehen und ganz einfach: Spendet was ihr könnt! Das muss nicht einmal Geld sein, sondern manchmal einfach nur Zeit oder noch einfacher: Macht Werbung für die gute Sache und verbreitet einfach das Wissen über deren Existenz. Wenigstens am Rande erwähnen wir aber auch noch unsere Unterstützungsmöglichkeiten: freie Spenden (gegen Bescheinigung natürlich), über einfache Klicks vor dem Online-Einkauf auf Gooding oder über Vereinsmitgliedschaften und sonstige Hilfen.

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Närrischer Traum und makellose Schuhe Wo Karneval ist, ist Kommerz nicht weit. Die jecke Tradition lässt sich sehr gut in Köln und in ganz Deutschland vermarkten. Die Makotex GmbH wuchs so vom Marktstand zum Großhandelsunternehmen. Hier werden Karnevals-Träume erfüllt. Im Köln-Rather Sitz des Familienunternehmens Makotex ist ein Musterraum vollgestopft mit Lokalkolorit und Kostümen aller Art: RotWeiß an den Wänden, in den Regalen und an den Modepuppen. Der Kölsche Prinz im Muster-Umhang samt Prinzessin im rot-weißen Muster-Ringelkleid warten darauf, von zahlreichen Kunden bestaunt zu werden. Passend zum Ambiente läuft im Hintergrund Karnevalsmusik und die vorherrschende Raumtemperatur erinnert an eine gut gefüllte Kneipe. Das Kneipengefühl wird ebenfalls durch die


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raumgreifende Lichtanlage und den Tresen in der Ecke getragen – beste kölsche Atmosphäre also, um Geschäfte zu machen.

Bügelbilder, Gesichts-Tattoos und Blinkies Gabriele und Ralf Makel gehört das Unternehmen und sie laden Kunden über das ganze Jahr hinweg hierher ein, die potenzielle Ware im Musterraum zu begutachten. Die Haustermine sind relativ zeitaufwendig, mit maximal ein bis zwei Kunden pro Tag. Denn die Auswahl ist riesig und jedes Jahr kommen hunderte Artikel hinzu. Bei Makotex bekommt der Kunde so ziemlich alles, was für die Karnevalssession und darüber hinaus relevant ist. Unter den über 2.000 Artikeln sind Kostüme, Accessoires, Bügelbilder, GesichtsTattoos und LED-Blinkies. „Großkunden wie zum Beispiel Supermarktketten, interessieren sich hauptsächlich für Masken, Hüte und Federboas. Auf Karneval spezialisierte Unternehmen, die im Rheinland das ganze Jahr geöffnet haben, sind da breiter aufgestellt“, weiß Gabriele. Der echte kölsche Jeck bevorzugt so ziemlich alles in Rot-Weiß – von T-Shirts über Mützen und Blusen bis hin zu Röcken. All die anderen Jecken verkleiden sich gern als Pilot, Pirat oder Polizist: „Diese Kostüme laufen bei uns immer gut“, berichtet sie.

Das ganze Jahr Session Bei der Makotex GmbH ist das ganze Jahr Session. Verkleidungen werden neben Karneval auch für Junggesellen-Abschiede und Motto-Partys gebraucht. Einzelhändler, die pünktlich zur Karnevalssaison ihre Ware bekommen möchten, müssen mindestens fünf Monate im Voraus bestellen. Der Verarbeitungsprozess dauert ein Weilchen. „Erst werden Muster entworfen, die dann probeweise produziert werden. Diese Warenmuster müssen dann auf Größen und Farben kontrolliert werden, bis letztendlich die Produktion in Gang geht. Dann erst füllen sich unsere Lager“, so Gabriele. Ralf Makel wird so Jahr für Jahr selbst kreativ. Zusammen mit Kölner Design-Studierenden entwirft er für jede Session T-Shirts

und Bügelbilder im kölschen Stil: egal ob FC, Dom oder die allseits beliebte Farbkombination Rot-Weiß. „Es gibt jedes Jahr etwas Neues. Das macht unsere Arbeit aus. Neben Einkauf und Verkauf beschäftigen wir uns auch immer mit der Gestaltung neuer Ware“, sagt Gabriele. Ein wichtiger Termin für die beiden ist die zweimal im Jahr stattfindende Internationale Aktionswaren- und Importmesse IAW. „Das ist für uns ein Heimspiel in der Kölner Messe. Jeweils im März und im September kaufen die Kunden aus ganz Deutschland hier direkt ein oder vereinbaren einen Haustermin.“

Von der Not zur „jecken“ Tugend Das Karnevalsgeschäft für Kunden aus der ganzen Welt gehört zum Verkaufsalltag. Der Einstieg dazu war allerdings unfreiwillig: „Wir vertreiben eigentlich Schuhe im großen Stil und hatten Karneval nur am Rande im Angebot. Als uns vor fünf Jahren aber der Händler für die Karnevalsprodukte spontan absprang, mussten wir handeln. Wir saßen auf unterzeichneten Lieferverträgen und mussten ganz schnell eine Lösung finden. Da haben wir unsere Geschäftsbeziehungen, die wir bereits aus dem Bereich Schuhhandel hatten, erweitert.“ Gabriele muss dabei noch heute grinsen. Denn sie und ihr Mann Ralf begannen ganz klein, mit einem normalen Klamotten-Verkaufs-Stand auf einem Wochenmarkt in Thüringen. Der Anfang gestaltete sich schwierig, die Konkurrenz war groß und die Arbeitsbedingungen waren nicht optimal. Jedoch trauten sich die beiden damals schon, etwas Neues auszuprobieren: Sie boten neben Textilien auch Schuhe zum Verkauf an. „Das hatte sich vor uns noch kein Markthändler so richtig getraut. Denn bei den Textilien braucht man in der Regel nur drei Größen: M, L und XL. Bei den Schuhen sind es doch einige Größen mehr“, sagt Gabriele. Und dennoch stellte sich mit ihrem Angebot nach einiger Zeit ein Erfolg ein. Bald waren es zehn Marktstände. Heute, mehr als 25 Jahre später, sind daraus zwei eigene Verkaufsfilialen in Mülheim und Kalk und ein anerkanntes Großhandelsunternehmen mit aktuell 18 Angestellten entstanden. Die Makels gehen ihren kölschen Weg mit verkleideten Schuhen.

TEXT /// CHRISTINE WILLEN FOTOS /// STEPHANIE LIESKE WEITERE INFOS /// WWW.MAKOTEX.DE

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KÖLN SZENE

HAVa Nagila! „Lasst uns glücklich sein!“ Und satt und friedlich. Verbindungen, die durch den Magen gehen.

Wie war das mit der Erfindung des Feuers? Es machte alles wärmer und bot mehr Sicherheit. Und es half bei der verträglicheren Zubereitung von Speisen – das Lagerfeuer als historisches gemeinschaft liches „Event“ zur Förderung des Geselligkeitssinns. Essen verbindet – schon immer und über alle Unterschiedlichkeiten hinweg. Ein gemeinsames Mahl ist seit jeher zunächst friedlich, Feindschaften ruhen, mit vollem Mund kann man nicht schimpfen. Und das gilt, stärker als man vielleicht glaubt, insbesondere für gemeinsame Essenszelebrierungen in Zusammenhang mit religiösen Feiertagen. Nähern wir uns dem Thema einmal von jüdischer Perspektive: Wie bei jeder anderen Feier werden Familie und Freunde auch im Judentum zu den hohen Festen eingeladen. Das ist mit vielen Vorbereitungen und viel Arbeit verbunden. Die Kinder spielen mit dem Essen und rennen schreiend durch die Küche, während die Eltern versuchen, das mit einem kühlen Lächeln zu übersehen. Die Großeltern haben Probleme, den Teller und die Tischdecke auseinanderzuhalten. Die kleine Cousine ist viel zu sehr mit ihrem Gameboy beschäft igt und nickt die neugierigen Fragen der längst verschollen geglaubten Familienmitglieder ab. Ganz normaler Wahnsinn also. Ganz nach dem jiddischen Sprichwort „Lachen ist angenehmer als weinen“ wird gegessen, getrunken, getanzt und die eine oder andere Anekdote geteilt. Bezüglich der Feier gibt es dazu, wie in jeder anderen Religion


KÖLN SZENE

auch, verschiedene Bräuche und Rituale. An Chanukka beispielsweise feiert man über acht Tage das Gedenken an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem. Dazu wird an jedem dieser acht Tage eine Kerze an einem neunarmiger Leuchter (Chanukkia) angezündet, bis am Ende acht von neun Kerzen brennen. Das neunte Licht ist der „Diener“, mit dem die anderen Kerzen angezündet werden. Chanukka wird, wie das christliche Weihnachten, meist zuhause im Kreis der Familie gefeiert. Kinder und Erwachsene bekommen Geschenke und Süßigkeiten. Zur Unterhaltung der Jüngeren gibt es den Dreidel. Dieser Kreisel ist auf jeder seiner vier Seiten mit einem anderen hebräischen Buchstaben beschriftet. Zusammen ergeben sie: „Ein großes Wunder ist dort geschehen.“

Und bei allen dreien bleibt das gemeinsame Mahl ein zentraler Bestandteil rund um das Gedenken, Besinnen und sich Erleuchten – ganz egal, ob beim wöchentlichen Sonntagsbraten von Oma, den Latkes zu Chanukka oder den Süßigkeiten für die Kinder beim Fest des Fastenbrechens am Ende eines jeden Ramadans. Am Ende geht es stets um die Zeit im Kreise der Familie und den sich wieder füllenden Bauch. Wir feiern alle gerne und sind dabei besonders gern mit unseren Liebsten zusammen. Die Traditionen rund ums Essen, Schenken, Fasten, Reinigen und die Huldigung von religiösen Prinzipien zeigen bei genauerer Betrachtung in drei für Deutschland recht prägenden Glaubensrichtungen vor allem eins: Gemeinsamkeiten. Und das sollte doch stets mehr verbinden als trennen.

Zurück zum Kulinarischen Während Chanukka werden typischerweise Kartoffelpuffer (Latkes) mit Apfelmus gegessen. Dazu singt man bekannte religiöse Lieder und erzählt sich immer wieder die Geschichte des Festes. Das Essen bildet den Mittelpunkt des Beisammenseins. So wäre das Paradebeispiel, wenn wir uns ausreichend Besinnlichkeit für diese Feiertage gönnen würden. Und wenn wir uns überhaupt noch genügend Zeit für die Hintergründe von Feiertagen nehmen würden. Denn neben den in Deutschland bekannten „Ritualen“ rund um Weihnachten und Ostern sind es eben auch die aus gleicher Zeit wurzelnden religiösen Feierlichkeiten aus dem Judentum und dem Islam, die uns umgeben.

TEXT /// OLIVER GEFFERS ILLUSTRATION /// SABRINA HALBE

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FOTOSTRECKE

MENSCHEN FEIERN Köln ist Party, ist bunt und laut. Köln ist Vielfalt, multikulti und schrill. Es gibt viele Möglichkeiten, das zu zelebrieren oder für sich selbst zu entdecken, zum Beispiel – wer hätte das gedacht – beim Feiern! Einblicke voller Lebensfreude – für alle!


FOTOS /// ALESSANDRO DE MATTEIS FOTO-ASSISTENTINNEN /// HANNAH WÄCHTER UND LYNN SCHULTE


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FOTOSTRECKE

LASST UNS MENSCHEN FEIERN Spaßgeneration, Generationen X, Y, Z … viele Begriffe, die Jugendliche in ihrer Zeit beschreiben. Und Bezeichnungen, die viele Menschen meist eher kritisch beleuchten. Die Spaßgeneration der 90er sei bis heute selbstverliebt und politikverdrossen. Die Generation Y der 2000er bekäme schlicht nichts mit. Von der noch „schlimmer“ technisierten Generation Z existiert noch keine einhellige Meinung von Sozialforschern oder FeuilletonJournalisten. Eins sei allen aber gemeinsam: Sie haben genügend Feierlaune. Ausreichend Spaß am Leben, um so dem Ernst der Krisen­zeiten ins Gesicht zu lachen, genug PartyScheuklappen, um nicht wegen mangelnder Perspektiven zu verzweifeln. Eine gute Eigen­schaft? Nun: Lachen ist ja zumindest gesund, Tanzen eine Form körperlicher Ertüchtigung und selbst Teil von Gemeinschaftsveranstaltungen zu sein, könnte ja soziale Kompetenz


FOTOSTRECKE

WEITERE INFOS /// WWW.VIMEO.COM/NULL22EINS/FEIERNTAG WWW.VIMEO.COM/NULL22EINS/FEIERNNACHT

bezeugen. Zu stumpf ist die Unterstellung, mehr und mehr Menschen feiern lieber sich selbst als andere Menschen. Zu einfach ist der unterstellte Wandel von der Spaß- und Feierkultur zur Abfeierkultur. Oder doch nicht? Lieber ignorant und froh als mit den Gedanken anderswo? Wir haben Menschen vor, während und nach Feiern getroffen – mit wunderbaren Erkenntnissen für eine gelebte Kultur, die allen Menschen gleich ist. Und dazu braucht es nur „gute Musik“, „ein paar Leute, die man mag“ und schon kommt sie ganz von allein – die gute Laune.

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TEXT /// ANNA STROH FOTOS /// ALESSANDRO DE MATTEIS FOTO-ASSISTENT /// HOUTAN NOURIAN


MUSIK

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Urknall aus Kölns Underground

H-Bomb Holiday Camp Was passiert, wenn man sich ewig kennt, immer schon zusammen Musik machen will, aber durchgehend in andere Bandprojekte eingespannt ist? Man wartet ab, bis alle frei sind und gründet eine sogenannte Supergroup. So geschehen im Fall H-Bomb Holiday Camp. Schon lange war der Gedanke da, aber erst Arkanus. Und zuletzt Thorsten, vorher bei der Weihnachten 2015 wurde der Entschluss ge- Kölner Power Pop Band Keegan für die Gitarre fasst, diesen endlich in die Tat umzusetzen. zuständig. Alles in allem eine äußerst brisante, Und der Gefühlszustand, den die drei Mu- abwechslungsreiche Mischung. siker Steff, Alex und Thorsten während der jahrelangen Warteperiode hatten, spiegelt In rasantem Tempo durchstarten sich auch in ihrer Musik: Sie ist wütend, hart, Aber was hat eine Band, die weder eine Verschnell und tight. Und das auch noch in Eng- öffentlichung vorzuweisen noch einen einlisch, ganz im Gegensatz zum derzeitigen zigen Gig gespielt hat, in dieser Ausgabe zu Trend, mit Punkrock und deutschen Lyrics suchen? Weil wir finden, dass diese Combo die Charts zu erobern. Der Mann am tiefen etwas ganz Besonderes ist. Man nimmt den Ton wurde dann auch schnell im Exilchilenen Musikern ihre Songs mit jedem Ton ab und Pablo Tapia gefunden. sie kommen 100-prozentig authentisch rüber. Ganz zu schweigen, dass in Kölns UndergroundSzene über diese „neue Punkrockband“ ge­5 Songs in 3 Wochen Es handelt sich bei dieser Besetzung um lang­- flüstert wird, aber niemand irgendetwas über ­jährige Musiker, von denen jeder seinen in­­- sie weiß und wir diejenigen sind, die für euch dividuellen Einfluss auf die Musik hat und das Rätsel auflösen und sie der Öffentlichkeit diese so zu einem unverwechselbaren Cock­- präsentieren. Überzeugt euch einfach selbst tail mixt – Alex, Ex Drummer der Deutsch- und besucht das H-Bomb Holiday Camp auf punker Karate Disco. Steff, nebenbei auch Facebook. Frontmann der Kölner Rockabilly Formation Rumble Five. Pablo, der ehemalige Bassist von WEITERE INFOS /// Chiles bekanntester Doom Metal Band Poema WWW.FACEBOOK.COM/HBOMBHC


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Musik in KÖLN

Das ist unsere Plattform für Musiker aus und in Köln. Egal, ob ganz frisch im Geschäft, etabliert oder kurz vor dem großen Durchbruch: Die Bands und Künstler leisten ihren kleinen Beitrag und helfen, diese Seite zu produzieren. Interesse? E-Mail an: redaktion@null22eins-magazin.de

TIERISCH

90 DEGREES Nennt eine dritte Assoziation mit Leverkusen, außer Aspirin oder Fußball. Keine Ahnung? Wir schon: Gute Musik! Und zwar hausgemachter Rock. Ihr wollt es präziser? Na schön. Deutsche Texte treffen auf Slash-Soli, treiben­des Drumming verschmilzt mit einem groovigen Bass, epische Chöre folgen auf rotzige Strophen. Eingängigkeit wird genauso groß­geschrieben wie Abwechslung. Im Dezember 2014 wurde dann das erste Album „tierisch“ aus der Wiege gehoben. Die fünf Jungs, die die Standardgeschütze des Rocks bekleiden – Gesang (Nikkes), Gitare (Marlon), Leadgitarre (Julian), Bass (Dennis), Schlagzeug (Matze) – spielten am Rhein, an der Ruhr und an der Isar und werden schnellstens stadt-land-flussmäßig so manche leere Spalte komplettieren.

WEITERE INFOS /// WWW.FACEBOOK.COM/90DEGREESMUSIC WWW.90DEGREESMUSIC.DE

OHNE WORTE

RIOT IN THE ATTIC

WEITERE INFOS /// WWW.RIOTINTHEATTIC.COM


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AN BORD

DOWN BY THE WATER VOL.1 Down by the Water, das sind zwölf einzigartige Solokünstler und Bands aus den Bereichen Folk, Indie und Singer-Songwriter, gemeinsam auf Vinyl gepresst. Auf der ersten Ausgabe sorgen der Bochumer Frère oder das Kölner Duo Fallinn Wolff für ruhigere Töne, während Bands wie Nepomuk oder We used to be Tourists das Tempo anziehen. Dazwischen sorgen HONIG, Ian Fisher, Domingo und einige Weitere für Abwechslung. Also ausnahmsweise mal keiner dieser Sampler, von dem nur zwei Songs wirklich hörbar sind – hier ist alles am richtigen Platz. Der Sampler ist in kleiner Auflage auf Schallplatte und als Download verfügbar. WEITERE INFOS /// WWW.FACEBOOK.COM/DOWNBYTHEWATERCOMPILATION DOWNBYTHEWATER.BANDCAMP.COM

HAND UND FUSS

JURI Juris deutschsprachiger Neopop klingt wie eine Mischung aus Maxim und Milky Chance mit atmosphärischen Gitarrensounds. Das rhythmische Fundament, bestehend aus einem mit den Füßen gespielten Bass und elektronischen, sowie akustischen Drumsounds, verleiht den Texten einen melancholischen und dennoch tanzbaren Charakter. Nicht zuletzt dadurch konnte die Band schon bei diversen Radio- (WDR2, SWR1) und TVAnstalten (Sat1, Pro7, RTL) auftreten.

WEITERE INFOS /// WWW.JURI-BAND.DE


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KÖLNER ORTE

Ein Laden mit Tradition, der einerseits damit bricht und andererseits nicht. Die Agnesklause hat ihren eigenen Platz zwischen Eckkneipe und Veedels-Kult gefunden. Die Betreiber gehen einen konsequenten Weg – zwischen Tradition, Aufbruch und charmantem Verweilen in der Gegenwart.

Konsequent leuchten die Lichterketten auf dem Vorplatz mitten im Agnesviertel. Wo Weißenburg- und Melchiorstraße mit dem Krefelder Wall aufeinandertreffen, wird es gemütlich – sowohl draußen als auch drinnen. Die Familie Oschmann belebt hier seit zehn Jahren die Agnesklause. Und das mit einem konsequenten Rezept: urig und authentisch bleiben. Denn die Agnesklause ist schon lange ein Inbegriff kölscher Veedelskneipenkultur. Die Zutaten dafür: gutes Bier, eine gutbürgerliche

Küche und mindestens ein prägnanter Mensch hinter dem Tresen. In Jörg ist Letzteres schon einmal gegeben. Er und seine Mutter Ingrid verleihen der Klause diesen bestimmten Touch, der irgendwo zwischen gemütlichem Restaurant und heruntergekommener Spelunke liegt. Und das im positiven Sinne: hier gibt es die selbstgemachte Frikadelle noch als Frikadelle und für wenig Geld. Neben den Schnitzelsorten hat es zwar mittlerweile auch ein Burger auf die Speisekarte geschafft, aber „handmade“

war hier schon vor der Bio-Fleischtarier-Generation angesagt. Die Bierkarte umfasst mindestens 20 Sorten – von Kölsch über andere deutsche, niederländische und belgische Spezialitäten bis hin zu Guinness – und auch das alles bezahlbar.

Mehr als eine Kneipe Zumindest in Bildern überliefert ist die Agnesklause seit den 1950er Jahren, damals noch als klassisches Restaurant im Nachkriegsstil.


KÖLNER ORTE

2006 entdeckte das Familiengespann Oschmann die Veedelskneipe und war von dem Flair sofort angetan. Seit März 2015 ist Jörg alleine das prägende Gesicht hinter dem Tresen. Nach dem unerwarteten Tod seines Bruders Markus ließen er und seine Mutter sich nicht unterkriegen und blieben ihrem Stil weitestgehend treu. „Ja, ein bisschen mehr von mir erkennt man nun schon im Laden“, sagt Jörg. „Meine Verbundenheit zu den Pub-Ursprungsländern lässt sich nicht ganz von der Hand weisen.“ Dabei muss er schmunzeln, denn er weiß, dass jetzt die Nachfrage zu „Morty“ kommt. Er ist der Quoten-Schotte, -Engländer, -Waliser und -Ire und Wächter über den Laden. Diese Puppe als zweites Ego Jörgs sitzt mal hier, mal da und verbindet die Traditionen Kölns mit denen „des vereinigten Königreichs plus Irland“, wie er betont. Morty ist Guinness- und KölschGenießer gleichermaßen, er drückt die Daumen für den FC Köln genauso wie für den FC Aberdeen, wo er der Überlieferung nach herkommt. Ebenfalls von der britischen Insel kommt die „red phone box“, der Raum im Raum, die wohl kleinste Galerie Kölns – eine rote Telefonzelle. Eine Künstlergruppe, die regel­ mäßig in der Klause zum Billardspielen verweilt, entdeckte dieses Kleinod im Laden vor mehr als zwei Jahren als perfekte Mini-Ausstellungsfläche. Seitdem veranstaltet die „red phone box Galerie“ ein paar Mal im Jahr Vernissagen und erweitert das so urige pub-ähnliche Interieur um einen Hauch von Kunst. „Wir machen Schritt für Schritt weiter, vielleicht können wir irgendwann unseren Außenbereich erweitern, vielleicht schärfen wir unser Profil als Pub in den nächsten Jahren noch stärker. Alles kann und alles darf... denn die Klause ist einfach anders als andere Läden hier im Veedel.“ Das haben viele Vereine und Kleingruppen schon länger erkannt. Denn hier kann man sich auch spät am Abend noch unterhalten. Musik steht nicht im Mittelpunkt, sondern umfließt nur am Rande die Atmosphäre. Da bleibt Jörg konsequent. Ein Blick in die Zukunft? „Nun ja, es läuft ziemlich gut zurzeit.“ Denn seit der Geschäftsaufgabe des „Reissdorf em Oellig“ an der Neusser Straße ziehen seine Lichterketten mehr und mehr neue Gesichter in den Laden. Und das kann man den Ur­kölnern Oschmann nur gönnen. Das Motto dieses Ladens bleibt: „konsequent“. Denn

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auch der Verabschiedungsfloskel „Kommt mir gut durch die Nacht“ wird Jörg nicht müde. Und so ist der Abschied aus der Agnesklause auch konsequent die Einladung für morgen – zumindest wenn man am nächsten Abend wieder durchs Agnesviertel zieht und noch nicht weiß, in welchem urigen Laden man die Nacht begrüßen möchte.

TEXT /// ROBERT FILGNER PORTRÄT-FOTO /// STEPHANIE LIESKE RAUM-FOTOS /// ANDI WAHLE WEITERE INFOS /// WWW.FACEBOOK.COM/ AGNESKLAUSE-KOELN


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LITERATUR

zimmer gesucht – bett tut‘s auch. Eine Wohnung zu finden, ist nicht gerade leicht. Das können wahrscheinlich alle Kölner bestätigen. Die richtige Lage sollte es sein, die rich­­tige Größe (am besten auch der richtige Schnitt) und bezahlbar wäre natürlich schön. Vor allem der letzte Punkt bestimmt schlussendlich, wie groß der einzugehende Kompromiss sein muss. Wer kann schon von sich behaupten, tatsächlich „die“ perfekte Wohnung gefunden zu haben? Die, bei der alles stimmt. Mitbewohner machen das Ganze nicht gerade einfacher. Hier kommt auch noch die menschliche Komponente dazu, die gut abge­wogen sein will – es sei denn, man zieht mit Freunden oder der aktuellen Beziehung zusammen. Aber auch in den beiden letzteren Fällen kann man durchaus auf die Nase fallen. Vor allem Aufräumen und Putzen stehen ganz oben auf der Liste der roten Tücher. Noch höher ist die Gefahr allerdings, nicht das zu bekommen, was man wollte, wenn man mit vollkommen fremden Menschen in eine Wohnung zieht. Was sagt eine Selbstbeschreibung wirklich aus? Was bringen fünf Minuten oder auch eine Stunde, die man sich in der zu besichtigenden Wohnung trifft? Kennenlernen wird man sich so oder so erst, wenn der Mietvertrag unterschrieben ist … und dann hat man den Salat. Sei er nun knackig oder eher welk. Trotzdem, ein Dach über dem Kopf zu haben, ist doch für die meisten erstrebenswert. Also beginnt die Suche. Oder besser gesagt: das Speed-Dating. Denn dem gleichen diese kurzen Treffen und das erste Beschnuppern der

potentiellen Mitbewohner. Das fängt schon bei den Anzeigen an: Ob Gesuch oder Gebot, vor allem wird der Mensch angepriesen, die Wohnung gerät in den Hintergrund. Dabei ist sie doch das eigentliche Objekt der Begierde. Oder etwa nicht? Will man ein Zimmer oder einen Lebensabschnittspartner? Teilweise wirkt es, als würde beides gesucht – und geboten. Bei einigen klingt es nach einer längeren Beziehung, wenn um „seriöse und ernstgemeinte“ Anfragen gebeten wird. Aber oft schimmert eher etwas Kurzes, Schnelllebiges durch, das „für jeden Spaß zu haben“ ist. Häufig wird betont, „offen und unkompli­ziert und aufgeschlossen für alles Neue“ zu sein. Die durchaus lasziven Fotos in leichter Beklei­dung tun ihr Übriges. Wie wäre es, wenn man, anstatt überhaupt ein Gesuch für einen Wohngemeinschaft zu schalten, jemanden auf der Tanzfläche oder in der Kneipe anspricht? Und nach der Nacht einfach bleibt? Wäre eine neue Wohnung, ein neues Zimmer dann auch noch ein Grund zum Feiern? Quasi, nach der nächtlichen Einweihung zu zweit? Vielleicht. Zumindest wenn man es als eine Variation des Couchsurfings oder der Zwischenmiete betrachtet.

TEXT /// CHRISTINA LÖW FOTO /// BIRÓ ZOLTÁN


LITERATUR

Mit wem muss man hier eigentlich schlafen um eine Wohnung zu bekommen? SCHREIB, WENN DU WAS WEISST: WASNUETZTDIEWOHNUNGINGEDANKEN@GMX.DE

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ARTISHOCKE

KulturpatenRakete in Fahrt

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null22eins zu Besuch bei der 6. Kulturpaten-Werkstatt im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln

Als wir an der Pforte der Zentralverwaltung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raum­fahrt (DLR) stehen, fühlen wir uns wie in einem James-Bond-Streifen. Wir, das sind drei Mitarbeiter und Mitherausgeber des Magazins null22eins und Mitglieder des artishocke e.V. Gegründet wurden die Kulturpaten 2003 vom Abgesehen von der Tatsache, dass wir unmit- Kulturdezernat der Stadt Köln, der Kölner telbar vor dem Einlass einer deutschen Be- In­­ dustrie- und Handelskammer und der hörde stehen, die allein in ihrer Köln-Porzer Kölner Freiwilligenagentur, um für Künstler, Filiale fast 1400 Menschen beschäftigt und Medienarbeiter und Kulturschaffende die eng mit der europäischen Raumfahrtgesell- Idee einer solidarischen und partizipatorischschaft esa zusammen arbeitet, mutet das Un- en Unterstützergemeinschaft zu befördern terfangen irgendwie respekteinflößend und und so – frei von Sozialneid und Ellbogengeheimnisvoll an. Das riesige Forschungszen- Mentalität – die realen Bedingungen ihrer Subtrum am südlichen Rand Kölns liegt wie eine ventionslosigkeit zu Hilfe-Konzepten einer versteckte kleine Stadt am Waldsaum: Top- verschworenen Vernetzungsgemeinschaft umSecret. Fotografieren auf dem Gelände strengs- zuwandeln. Dabei sind die Kulturpaten keine tens untersagt! städtisch-kommunale Einrichtung. Hier, im Experimentierlabor des Gastgebers DLR, setzen die Kölner KulturPaten ihre Vernetzung, die diesen Namen verdient erfolgreiche Veranstaltungsreihe – die Kultur- Der Verein arbeitet in besonderer städtischer Paten-Werkstatt – fort: Wo sonst Flugzeuge Kooperation auf ehrenamtlicher Basis, initider Zukunft entwickelt, Piloten trainiert oder iert und betreut über einen vereinbarten ZeitRaketentriebwerke getestet werden, findet die raum hinweg die sogenannten Patenschaften mittlerweile 6. KulturPaten-Werkstatt statt, die zwischen Unternehmen und Kulturschaffendas Zusammenwirken von Kunst und Wirt­- den, die im besten (und nicht seltenen) Fall schaft fördert. In Zusammenarbeit mit der in dauerhaften und einander bereichernden Kölner Ford-Werke GmbH, dem Kölner Künst­- Verbindungen münden. Beide Seiten profitierler Ralf Witthaus und besagtem Gastgeber en von diesem Austausch: Die Unternehmen laden die KulturPaten erneut Unternehmer erhalten Einblicke in eine Welt, die größtenund Fachleute ein, die sich für Kölner Kultur- teils ohne Gewinnstreben, frei von vorderschaffende und ihre Projekte engagieren möch- gründiger Zweckrationalität funktioniert und ten. Inzwischen ist diese Veranstaltung zu die von fantasievoll-spielerischer Neugier moeinem festen Ankerplatz sich gegenseitig un- tiviert ist. Umgekehrt erfahren Kulturschaffenterstützender, vernetzender und für einander de und Künstler wertvolles Fachwissen und engagierender Künstler, Kreativer und Unter­- Dienstleistungen, die sie mit ihren knappen nehmer geworden. Budgets niemals finanzieren könnten.


ARTISHOCKE

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TEXT /// ANDREAS RICHARTZ FOTOS /// ANJA SCHLAMANN

WEITERE INFOS /// WWW.KOELNERKULTURPATEN.DE

Fünf hochkarätige Projekte präsentieren dies­mal ihre künstlerischen Vorhaben – u.a. das der Musikerin Dorit Bauerecker, die für eine CD-Realisation ihrer tollen zeitgenössischen Musik für Akkordeon wirbt oder auch das der Kölner Künstlerin Selma Gültoprak, die für ihre installative Konzeptkunst nach Materialien aller Art und Unterstützung durch professionelle Schweißer sucht. Im Publikumsgespräch mit Moderator und Künstler Ralf Witthaus erläutern sie, wie sich Unternehmen gerade für ihr Projekt einbringen und sie so unterstützen könnten.

Werbung für erfolgreiches Miteinander Anschließend erteilt Claudia Bleier, die Projektleiterin der Kölner KulturPaten, den Startschuss für die zweite Runde. Aufeinander zugehen, miteinander ins Gespräch kommen und sich im besten Fall zu einem Erstgespräch für eine Kulturpatenschaft verabreden, so lautet die Devise. Vernetzung, die diesen Namen verdient. Denn bei den aus der Werkstatt resultierenden Patenschaften unterstützen Fachleute die Kulturschaffenden ganz praktisch in „kunstfremden“ Bereichen wie z.B. IT-Support, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Buchhaltung, juristische Fragen, Marketing, Organisationsberatung, technische Ausstattung und Mobilität. Doch auch ganz praktischer Packan ist bisweilen gefragt.

Dr. Wolfgang Hennig, der als Mitinitiator und Ford-Mitarbeiter die KulturPaten-Werkstatt zusammen mit Claudia Bleier veranstaltet, wünscht sich immer eine rege Beteiligung von Unternehmen aus Köln und der Region: „KulturPatenschaften unterstützen nicht nur Kölner Künstler effektiv und nachhaltig – sie lassen auch die Unternehmenskultur glänzen. Davon profitieren alle.“ Verbindlichkeit hat nach einem Zustandekommen einer Patenschaft darum allerhöchste Priorität und wird mittels einer zu unterzeichnenden Patenschafts-Erklärung vertraglich verankert. Fachleute aus kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie großen Konzernen und aus unterschiedlichsten Berufssparten werden in ihrer Patenschaft bis zum Abschluss eines Projekts ihrerseits vom KulturPaten e.V. begleitet und unterstützt, um ihr fachliches Know-how auf optimale Weise zur Verfügung stellen zu können. So soll zum einen gewährleistet werden, dass Zusammenarbeit und Ergebnis zum bestmög­ lichen Abschluss gelangen, zum anderen ist dies ein inzwischen erfolgreich erprobtes Verfahren, das für weitere Kooperationen von Kölner Kulturprojekten mit Unternehmen beste Argumente liefert und dadurch die Kul­turPaten kostenlos zu bewerben hilft. Und genau so wurden bereits etliche Patenschaften geknüpft, die nicht selten in freundschaftlichen Verbindungen gipfelten. Auch artishocke e.V. und null22eins werden sich dafür ein­ setzen, dass das in Zukunft so bleibt.


VOM PROJEKT ZUM FESTEN ENSEMBLE TEXT /// ANNA STROH FOTOS /// ALESSANDRO DE MATTEIS


THEATER

So entsteht Theater heute: Es braucht nicht viel mehr als ein paar Tassen Glühwein, eine gute Lektüre und drei verrückte Theaterpädagoginnen, die mutig genug sind, um ein neues Projekt auf die Beine zu stellen. Wir schreiben das Jahr 2014 und befinden uns auf einem Kölner Weihnachtsmarkt. Die drei Freundinnen und Theaterpädagoginnen Cor­nelia, Malin und Patricia treffen sich auf ein, zwei Glühwein und haben nichts anderes im Sinn, als den Abend gemütlich ausklingen zu lassen. Als Patricia aber ein Theaterstück von Felicia Zeller mit dem Titel „Bier für Frauen“ aus ihrer Tasche zaubert, nimmt der Abend einen komplett anderen Verlauf. Aus ein, zwei Tassen werden fünf. Dabei wird ein neues Theaterprojekt geboren, das eigentliche Stück umgeschrieben und auf die drei maßgeschneidert, womit sie die Kölner Bühnen erobern wollen. Aus Budgetgründen schlüpfen die drei gleichzeitig in die Rollen der Schauspieler, des Regisseurs und des Kostüm- und Bühnen­bildners. Inspiriert durch den Text „Bier für Frauen“ werden die drei (jungen Frauen) und der eigene Alkoholkonsum selbst zum Thema.

Das Leben schreibt die besten Geschichten Was könnte da interessanter sein als das Nachtleben und sein ständiger Begleiter, der Alkohol? Das dachten sich die drei jungen Frauen auch und begannen die eigenen Trink­gewohnheiten zu hinterfragen. Sie machten sich auf die Suche nach unvergesslichen Näch­ten, heftigen Abstürzen, verkaterten Gesichtern, glücklich schwankenden Menschen, grellem Discolicht und lauten Beats.

Das Ergebnis ist „Vergoren“ Nach einjähriger Recherche und Vorbereitung entsteht ein Stück, das durch Text, Performance und szenische Elemente das Alkoholverhältnis der heutigen Gesellschaft widerspie­gelt. Ohne den Zeigefinger zu erheben oder zu verharmlosen, wird hier unser nächtlicher Rausch mit all seinen peinlichen, grausamen sowie schönen und aufregenden Facetten beobachtet und auf der Bühne dargestellt.

Szene für Szene arbeiten sich die drei Frauen durch die Nacht. Aufbrezeln, ausgehen, der Rausch, tanzen bis zur Ekstase, verfolgt von inneren Konflikten und einem Gefühlschaos. Wofür all das? Welche Sehnsüchte verbergen sich hinter dem Alkohol? Was hat er schon zerstört und was hat man ihm zu verdanken? Fragen, die das ganze Stück über begleiten und am Ende doch offen bleiben. Denn „Vergoren“ möchte nicht belehren, es möchte präsentieren und zum Nachdenken anregen. Jeder Besucher hat schließlich seine eigenen nächtlichen Geschichten, Erfahrungen und Konflikte. Das Stück wird aber erst durch den vierten Mann, den Musiker Se Wilo, zu einem runden Ganzen. Seine Kompositionen sind eine Mischung aus atmosphärischen und elektronischen Klängen, sein Bariton verursacht Gänsehaut beim Vorlesen begleitender Texte. Und seine direkte und ehrliche Art ist für die trio.projektBar nicht mehr wegzu­ denken. Das Stück „Vergoren“ feierte bereits wäh­rend der Kölner Theaternacht 2015 im Kulturbunker Premiere und wurde im Dezember im Theaterpädagogischen Zentrum mehrmals erfolgreich aufgeführt. Die nächste Gelegenheit, das Theaterstück zu sehen, bietet sich am 1. und 29. Mai im Kulturcafé Lichtung. So viel sei verraten: Bei dem einen Projekt wird es sicherlich nicht bleiben, denn die vier talentierten Künstler haben Blut geleckt …

WEITERE INFOS /// WWW.TRIOPROJEKTBAR.DE WWW.FACEBOOK.COM/SEWILOTRIO

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FEIERtage –

ein Grund zum FEIERN?

„Die meisten Leute feiern Weihnachten, weil die meisten Leute Weihnachten feiern.“ (Kurt Tucholsky)

Ja

19,2%

Nein

80,8%

Gehen Sie zu

Ostern in die Kirche?

Deutschland, 2014, 2120 Befragte, Online-Umfrage bei Mein-Deal


WISSENSCHAFT

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Wie stehen Sie zum

Tanzverbot

an Karfreitag?

29,6%

Deutschland, 2014, 2120 Befragte, Online-Umfrage bei Mein-Deal

38,1%

% 40

26,0%

30 20 10 0

Richtig, aus Glaubensgründen.

Was wir an den sogenannten Feiertagen feiern, ist nicht immer allen klar. Auch begeht nicht jeder einen Feiertag zwangsläufig feierlich – aber immerhin haben (fast) alle an den gesetzlichen Feiertagen frei. Zumindest in dem Punkt ist die ursprüngliche Bedeutung, dass an solchen Tagen die Arbeit ruht, noch deutlich vorhanden. Aber sonst? Statistiken, die es auch zu den unterschiedlichsten Fragen zum Thema Feiertag gibt, zeichnen ein sehr durchwachsenes Bild: Bei Weihnachten sind sich doch die meisten Deutschen sicher, wieso es begangen wird, aber zum Beispiel bei Pfingsten oder dem Reformationstag kann sich nur noch rund die Hälfte der Befragten die ursprüngliche Bedeutung dieser Feiertage erklären. Die Studie in Auftrag gegeben hatte in diesem Fall ein christliches Online-Magazin. Ähnliches gilt für das neuere Phänomen von Halloween. Der Tag der Arbeit, am 1. Mai, ist für

Sinnlos, Wochenenden sind zum Feiern da.

Mir egal, bin nicht religiös und geh nicht tanzen.

Dreiviertel der Deutschen einfach ein freier Tag, der gerne mit Freunden und Familie verbracht wird. Bei Ostern fällt auf, dass es inzwischen kaum noch als religiöser Anlass zum Feiern gesehen wird – auch wenn die meisten den Ursprung des Festes kennen. Da stößt das Tanzverbot zu Karfreitag inzwischen eher auf Unverständnis, einen Kirchenbesuch zum Gottesdienst plant vielleicht noch jeder fünfte. Was wann wieso zu einem Feiertag erklärt worden ist, was davon gesetzlich ist und was nicht, was neu hinzukommt oder gestrichen wird … wissen nur Wenige. Die KalenderIndustrie eindeutig nicht. Auch wenn bei den potentiellen Feiertagen oft vermerkt ist, dass dieser unter Umständen nur regional gilt, bringt das den Ratsuchenden nur bedingt weiter. Denn regional heißt nicht deutschlandweit, sondern nur auf das jeweilige Bundesland bezogen. Und ist es nicht gesetzlich,

kann der Arbeitgeber freigeben, muss es aber nicht tun – egal, ob der Arbeitnehmer diesen Feiertag nun eigentlich begehen möchte oder nicht. Dass es bei der Frage, welche Feiertage bundesweit gelten sollten, keine Einigkeit gibt, überrascht nicht. Religiös wie geschichtlich motivierte Optionen schneiden dabei gleich schlecht ab.

Muss man Feiertage feiern und wieso? Diese Fragen stellen sich vor allem bei den zwei größten Anlässen: Weihnachten und Ostern. Gesellschaftlich ist irgendwie klar, dass man das feiern „muss“ – ob man will oder nicht. Es ist einfach so. Es ist Tradition. Es wird erwartet. Das zeigen einem selbst die Supermarkt-Regale allzu deutlich; da wird es schwer, die Augen vor dem zu verschließen, was da kommt. Egal, ob die Weihnachtsmänner schon im Spätsommer in den Läden warten oder die Osterhasen kurz nach dem


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WISSENSCHAFT

Welcher Tag sollte am ehesten ein

bundesweiter Feiertag sein?

Buß- und Bettag: 21% Befreiung des KZ Auschwitz: 18% Volksaufstand DDR: 18% Mariä Himmelfahrt: 15% Reformationstag: 11% Halloween: 5% Keiner davon: 10%

Weiß nicht: 2% Christlich motiviert: 47% Historisch motiviert: 41%

2013, chrismon.de

Jahreswechsel. Bei so viel Goldpapier, Keksen und Schokolade rückt das süße Schicksal un­aufhaltsam näher. Und zumindest die Leckereien werden doch von fast allen begrüßt, spätestens ein paar Wochen vor dem jeweiligen Fest wird eifrig eingekauft – und verspeist. Statistiken zu den beliebtesten Süßigkeiten gibt es natürlich auch: Dabei scheinen Plätzchen und Kekse die Lebkuchen knapp zu überflügeln, mit 76 zu 68 Prozent. Bei dem Kaufrausch dürfen natürlich auch die Geschenke nicht vergessen werden: Weihnachten ist, laut Angaben einer Studie zu NonFood-Trends, nach Geburtstagen der Anlass, zu dem die Deutschen am liebsten Präsente verschenken und außerdem im Schnitt am meisten Geld ausgeben. Nur Wenige brechen aus und verbringen die Festtage nicht im Kreis der Familie. Und meist wird darüber die Nase gerümpft, obwohl Viele es eigentlich gerne genau so machen würden, sich aber nicht trauen. Schließlich ist es schon immer so gewesen. Schließlich ist

sonst die Familie enttäuscht. Auch wenn genau von Weihnachten aus – zusammen mit gutem diese Feiertage oft genutzt werden, um sich Essen, Geschenken und einem Tannenbaum. die Köpfe einzuschlagen, teils verbal, teils Vielleicht ist es auch einfach der Stress, der wortwörtlich. Zumindest haben davor viele bei Vielen im Vorfeld entsteht, der die VorMenschen Angst und würden es als ihren freude vermiest. Wenn es schon Krankenkaspersönlichen Weihnachts-Gau bezeichnen – sen gibt, die Erhebungen dazu in Auftrag gewenn man nach einer Studie unter Nutzern ben, ist dieser Faktor wahrscheinlich wirklich eines großen Internetunternehmens geht. nicht zu unterschätzen. Was lernen wir aus den Statistiken? Aus Nicht umsonst rufen viele Krankenhäuser um die Feiertage herum vermehrt zu Blut- Umfragen und Tabellen, Schaubildern und spenden auf. Weitere Sorgen bereiten einigen Diagrammen? Ganz viel und ganz wenig. Menschen die schon erwähnten Weihnachts- Denn was augenscheinlich für (fast) alle gilt, geschenke; vor allem Eltern machen sich Ge- ist eben doch nicht unbedingt für den Einzeldanken, ob sie ihren Kindern alle Wünsche nen wahr. Am wahrscheinlichsten zeigt es, dass es wichtig ist, sich selbst eine Meinung erfüllen können. Aber trotz Chaos kurz vor Heilig Abend, zu bilden – und selbst zu entscheiden, was getrotz undurchdringlicher Menschenmassen feiert wird. Mit ganz persönlicher Gestaltung auf dem Weihnachtsmarkt, trotz Einkaufs- und aus individuellen Gründen. wahnsinn, als gäbe es nach den Feiertagen nichts mehr, ist Weihnachten immer noch das liebste Fest der Deutschen. Immerhin macht nach wie vor für einen Großteil der Bevölke- TEXT /// CHRISTINA LÖW rung das Zusammensein mit der Familie viel ILLUSTRATION /// KIRSTEN PIEPENBRING


WISSENSCHAFT

11%

Menschen beschenken mich und ich habe nichts für sie

Was wäre Ihr persönlicher

45

33%

Familienstreitigkeiten

Weihnachtsgau? 8%

in die Kirche gehen

7%

Kinder sind krank

7%

8%

Etwas geht in Flammen auf

Sonstiges

5%

5%

unerwarteter Besuch

Essen brennt an

5%

2%

Besuch der Schwiegermutter

kein Schnee

7%

betrunkene Gäste

Deutschland, 2011, 1.628 Befragte, Nutzer von Yahoo!

Freuden zur Weihnachtszeit in Deutschland 2015 Ranking der größten Frauen

ep‫ݶ‬퉇輻À倁

Männer

ep‫ݶ‬퉇輻À倁 Deutschland, November 2015, 901 Befragte, 21–75 Jahre, ElitePartner


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PORTRAIT

Feiern wird oft mit ausgelassenem tanzen und einer Gruppe von Menschen assoziiert. findet feiern also nur in Gesellschaft statt? Feiern außerhalb des Kollektivs optimistisch betrachtet. Warum werden alleine feiernde Menschen oft auch etwas Schönes, was durchaus feiernsnoch mit Skepsis betrachtet? Das liegt in ers- wert ist: die wehmütigen Gedanken zeugen ter Linie an den Vorstellungen, die sich in un- von positiven Ereignissen, die zwar bereits serer Gesellschaft etabliert haben. So ist eine vergangen, aber intensiv erlebt wurden. Das einzelne Person, die alleine unterwegs ist, oft ist wertvoll und lebt zudem auch als Erfahnicht einzuordnen. Das ruft Skepsis hervor renes unabhängig von äußeren Umständen und bietet viel Raum für Spekulationen. Je- und Veränderungen fort. Dabei geht es nicht mand, der alleine ausgeht, irritiert und stößt darum, nicht zuzulassen, in gewissen Momenan mancher Stelle sogar auf Unverständnis. ten traurig zu sein, sondern vielmehr darum, Außerdem wird ‚alleine sein‘ oft gleichgesetzt das eigene Gefühl wahrzunehmen: Wenn mit ‚einsam sein‘, was als negativer Zustand Weihnachten mal nicht so stattfindet, wie man empfunden wird. Zudem ist sich einsam füh- es sich wünscht, dann diesen Tag vergehen len ein Gemütszustand, der unabhängig da- lassen und hinterfragen, was einem persönvon ist, ob man alleine oder in einer Gruppe lich in solchen Momenten gut tut. unterwegs ist. So kann man sich auch zwischen vertrauten Menschen, donnernden Beats und Nichts zu verlieren scheinbarer Unbeschwertheit einsam fühlen Noch einmal zurück zum Feiern als Gesellund in sich zurückgezogen sein. schaftssport. Wenn man seine vertrauten Feiergewohnheiten durch eine Komponente erweitert und den gewohnten und geschützten Zwischen Erwartung und Realität Manch ein Medium poliert Geschichten ein- Rahmen verlässt, ergeben sich oft neue, besamer Menschen, meist von Senioren auf, um reichernde Perspektiven. Mit ein wenig Mut ein Höchstmaß an kollektiver Bestürzung öff net man sich automatisch, nimmt andere mit gefühlsgeschwängerten Ohs heraufzube- Dinge und Personen in der Umgebung wahr schwören. Mitleid ist hier aber nicht die Re- und mit einer Portion Neugier lässt man sich aktion, die respektvolles Verständnis für die- selbst auf die Chance ein, neue Momente zu se Lebenslagen ausdrückt. Solch individuelle erleben. Diese können kurzlebig oder von Situationen sollten wahrgenommen und ein- Dauer sein, können Spuren hinterlassen, die mal mit dem Willen positiver Erkenntnis nicht überdauern oder aber eine Reihe von betrachtet werden. Ja, es gibt Menschen, die Ereignissen auslösen, die sich in irgendeiner sich an für sie bedeutungsstarken Feiertagen Weise auf einen Abschnitt des Lebens ausmit einer Melancholie an Ereignisse mit wirken. In jedem Fall ist es eine HorizontFreunden und Familie zurückerinnern, die erweiterung, die nur eine Bereicherung sein ob ihrer Vergänglichkeit auch traurig stimmen kann. können. Aber diese Erinnerungen haben oft

TEXT /// MIRIAM BARZYNSKI ILLUSTRATION /// KIRSTEN PIEPENBRING


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KURZGESCHICHTE

Fliegen. Menschen unterwegs von A nach B. Nichts Erwähnenswertes? Beobachtungen inmitten alltäglicher Infrastruktur. Ich sitze grade im Flugzeug von London nach Köln und schreibe. In mir wächst das Gefühl, mich ganz klar vom gestressten und irgendwie abgebrühten Vielflieger zu unterscheiden. So sitze ich hier und beobachte das Kabinenpersonal dabei, wie es sich mit dem Getränkewagen den Weg durch den engen Gang bahnt. Mehr oder weniger kaum spürbare Turbulenzen bringen den Wagen zwischendurch ins Wanken, sodass eine der Flugbegleiterinnen taff mit einem Fuß ein Rad feststellt und im selben Bewegungsablauf einem Fluggast das kabellose Kartenlesegerät reicht. Mit seiner Kreditkarte zahlt dieser vermeintliche Flugangstpatient seinen überteuerten, aber die Stimmung aufhellenden Sekt.

EZY 5377

Das Wort „überteuert“ schreibe ich wohl gerade in einem Geistesblitz kurzfristiger Rationalität. Ich ertappe mich fast gleichzeitig nämlich dabei, ebenfalls ein Getränk mit Alkohol haben zu wollen und bestelle schon. Ein Getränk mit einem Preis, für den ich an meinem 24-StundenKiosk das Zwanzigfache an Getränkemenge bekommen würde. Aber das Setting des Fliegens kämpft gegen den Sachverhalt und meinen Sachverstand an. Wir haben es hier auf keinen Fall mit Saftschubsen zutun. Die addrett gekleideten Damen verstehen ihr Handwerk und sehen dabei auch noch richtig hinreißend aus. Heute sind nur weibliche Flugbegleitungen an Bord. Sie bewegen sich den Gang auf und ab und haben den Laden unter Kontrolle. Während eine Durchsage die Möglichkeit, Kosmetik oder Schmuck kaufen zu können, ankündigt, drehe ich meine Musik lauter und sehe, wie der Getränkewagen wieder den Weg zurück in den hinteren Teil des Flugzeuges sucht. Vor dem Wagen geht eine Stewardess – auf leicht hohen Schuhen rückwärts dem Wagen voraus. Wie gerne wäre ich eine von ihnen. Ob sich die Mädels-Gang nur in ihrem Business gut versteht oder ob sie den Eindruck der ungebrochenen Freundlichkeit und Kollegialität zueinander auf dem Boden der Tatsachen auch aufrecht erhalten, frage ich mich. Naja, vielleicht führen ihre Wege außerhalb des engen Ganges und unterhalb der Gangway ja stets sternförmig auseinander und nur beruflich bedingt auf selbem Wege wieder zusammen. Oh, ich muss gleich noch unbedingt an meinem Platz die eingeschweiste Karte mit den Sicherheitshinweisen stehlen.


KURZGESCHICHTE

pide an Ge, als würden wir ra an so h sic es t hl rden wir eine Plötzlich fü he verlieren. Als wü Hö d un eit gk di schw in wollen. Dabei erin pfen ohne es zu hü Mir fällt auf, dass mir doch etwas übel wird bei der Fier s nt da ru s, he e Vu jaipp Kl gsten Dé eines der zuverlässi xierung auf das Geschriebene. Bisher hatte mich das u na ge i be da nere ich mich an ich me. Dass ich m m ko be Schreiben ganz gut abgelenkt. Jetzt aber kreisen meine en aieg M Fl ich beim s oder ihre nn sie ihren Lu ka we n, Gedanken nur noch um diese Abhängigkeit. Erst in weter El rte efe wi e eli so fü hl wolltes Ausg dies abgeben. Ge ra nigen Minuten darf ich also mit relativer Übelkeit die von pa er Ich nd i. Ki as qu im ng rie wortu der eigenen Vera nt mir zu Beginn des Fluges abgegebene Verantwortung zuer all r se un en sein durch Abgabe nd Hä r Mann, in dessen - rück haben. Die Frage des Dürfens ist natürlich eine dem vernehme, dass de ich wegen aufkom nd re äh W . ht ric sp s un Vertrauen in den hiesigen Flugverkehr innewohnende it t m , or gt W lie es Leben geschr ieben zen mein eigenes en Voraussetzung. Hat ja hier nichts mit Malaysia Airlines ul e rb di Tu nn r da de so en m Kapitän ka nn, kündigt der - zutun. Das vorübergehende Grinsen beim Erblicken der oß gr er m im kaum noch lesen ift hr e Sc hzeitig wird mein Kotztüte bei Flugantritt ist trotzdem vergessen. Die Erde La ndung an. Gleic eine Mädels laufen M . ile we ler itt m ig eil kommt näher. Bald ist es vorbei. Doch endlich überwiegt t rz ur vie sg r, eit ige spur inen Sicherh prüfen, ob jeder se d das Gefühl, den Boden sicher zu erreichen, Stück für un in ab ch ng rli tü Ga n na de rf ich einen Weißwein da Stück meine paranoide Skepsis. Während des Aufsetzens h sic nd re äh W geschlossen hat. M n. inke tstoff flasche austr rüttelt es mich durch. Dem gestressten Vielflieger fällt ein Ru he aus der Kuns gepäck fachgriff zu nd Ha n vo n se las ge do Stift aus der Tasche und ich höre auf zu schreiben. r eu he ps sic ew so Cr die scheinbar riff ha ngelt, ist sie eh e wi er ieg Fl Ha ndgepäck fachg den durch den rappeln in ihrer Navigation erforderung mit Üb en en eig r de n vo h sic n se las und je. Sie m Za hnpastagrin ältnissen mit ihre rh Ve n ge sie e eli ck eh n, wa den anmerke Augenblicke etwas sen nur für kleine . en ht üc fl ke els-Sitzec zügig in ihre Mäd

TEXT & GRAFIK /// ANDI WAHLE

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Destruktiv, um konstruktiv zu werden… Nicht zum ersten Mal ermuntern wir euch hiermit, unser Magazin auseinanderzunehmen. Aus dem Umschlag dieser Ausgabe dürft ihr euch ein Schild basteln. Den Rahmen geben wir euch, ein bisschen bunt, wie wir selbst eben alle sind. Was ihr daraus macht, überlassen wir euch – Plakate, Protestschilder, Tischdecke, Tapete … Nein, letztere beiden bitte nicht. Wir wollen mit diesen Seiten insgesamt auf eine nicht unwichtige Sache aufmerksam machen: Es gibt unzählige Veranstaltungen, Aktionen und Formen, sich selbst und vor allem die eigene Meinung einzubringen. Die vergangenen Monate zeigen uns, wie weit Formen des Protests gehen können – und das nicht im positiven Sinne. Zu viel Polarisierung, zu wenig durchdachte Meinung, zu heft ige Konsequenzen: Gerade in Köln sind viele Menschen engagiert, um sich reaktionären Kräften, die gegen die Vielfalt der Metropole wettern, entgegenzustellen. Das findet nicht nur im Großen statt wie etwa bei Arsch Huh oder auch den Feiern zum 1. Mai. Fast wöchentlich kann man sich einbringen und durch seine reine Anwesenheit zahlreiche Initiativen unterstützen. Dazu möchten wir hiermit ermuntern – und geben euch daher dieses Schild. Damit vielleicht mehr konstruktive Aktionen ihre Bühne bekommen und ein paar verwirrte Köpfe nicht die Oberhand zur Meinungsbildung gewinnen. Also: Viel Spaß beim Auseinandernehmen und beim Erheben eurer Stimme für konstruktiven Protest.


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Kölner Kulturen Magazin

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