Lastovo, Reiseführer zur Militärhinterlassenschaft

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REISEFÜHRER ZUR MILITÄRHINTERLASSENSCHAFT FÜR INSULANERINNEN, TOURISTINNEN, INVESTORINNEN UND SONSTIGE INTERESSENTINNEN

LASTOVO



Beilage 2/2 zu

Antonia Dika

VON SOLDATEN UND TOURISTEN

Verlassene Militäranlagen auf den adriatischen Inseln Wien, 2008



EHEMALIGE MILITÄRANLAGEN DER JNA

LASTOVO

LT02 LK06

LP02 LPB02

LK05 LS01 LP01 LPB01

LK03 LK02

LD01

LV01

LZ01 LZ02

LK01

LK04

LR01

LT01

Kanonenanlage Kaserne Bunker unterirdischer Stützpunkt unterirdischer Hafen Munitionslagerhalle Raketenbunker JNA Hauptquartier Aussichtsturm



LASTOVO

TURISTISCHE UND ADMINISTRATIVE KARTE

SPLIT, HVAR, KORČULA

NATURPARK LASTOVO

GEMEINDESITZ LASTOVO

GESCHÜTZTER KÜSTENGÜRTEL

Nautik Anlegestelle Strand Grotte (touristisch) Aussicht



LASTOVO

HEUTIGE NUTZUNG EHEMALIGER MILITÄRANLAGEN

LT02 LK06

LP02 LPB02

LK05 LS01 LP01 LPB01

Viehhaltung (illegal) LK03 LK02

LD01

LV01

LZ01 LZ02

LK01

LK04

LR01

LT01



LASTOVO

zugänglich

jetzige Nutzung

Verwaltung durch

30.05.1992 -

keine/(Viehhaltung)

Kaserne Nižino Polje

30.05.1992 -

keine

kroatischer Privatisierungsfond kroatischer Privatisierungsfond

LK03

Kaserne Hum

vor 1991

-

keine/(Viehhaltung)

?

ja

LK04

Kaserne Velje More

1992/2007

kroatisches Militär

keine

Verteidigungsministerium

ja

LK05

Kaserne Jurjeva Luka

1992

-

keine

?

ja

LK06

Kaserne Mrčara

vor 1991

-

? touristisch ?

?

teilweise

LT01

Kanonenanlage Velje More

1992/2007

kroatisches Militär

keine

Verteidigungsministerium

ja

LT02

Kanonenanlage Mrčara

?

-

keine

?

ja

LZ01

Bunker Pleševo Brdo

1992

-

keine

LZ02

Bunker Pleševo Brdo

1992

-

keine

LP01

Munitionsbun- 1992 ker Jurjeva Luka

-

keine

?

ja

LPB01

Schiffsbunker Jurjeva Luka

1992

-

keine

?

ja

LPB02

Schiffsbunker Prežba

1992

-

keine

?

ja

LD01

Dom JNA Ubli

1992

-

Umbau zu Altersheim in Planung

Gemeinde Lastovo

ja

LR01

Raketenbunker Velje More

1992

-

keine

Verteidigungsministerium

ja

LS01

Munitonslagerhallen Jurjeva Luka

1992

-

keine/(Viehhaltung)

?

teilweise

Bezeichnung

Verlassen seit

LK01

Kaserne Maršal Tito

LK02

Zwischennutzung

ja ja

Verteidigungsministerium Verteidigungsministerium

ja ja

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Informationsquellen

mündlich: Herr Ivo Fulmizi, Elektriker und Apartementvermieter ein jetziger Militärangestellter auf Lastovo (Betreuer der Radaranlage) ein ehemaliger Wehrdiener auf Lastovo Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung in Lastovo Angestellte des Tourist Office Ubli Angestellte des Tourist Office Lastovo verschiedene InselbewohnerInnen schriftlich: Branko Nadilo, Najudaljeniji naseljni hrvatski otok (Die am weitesten entfernte bewohnte kroatische Insel), in Građevinar 52, 2000, S. 487 f.f. Dražen Najman, Ivan Posilović, Marija Dujić in Blokade i osvajanja vojarni i vojnih objekata JNA u Hrvatskoj (Blockaden und Eroberungen von Kasernen und militärischen Objekten der JNA in Kroatien), Zagreb, 2004 www.lastovo.net www.edubrovnik.org www.korcula.ws Bilder: alle Fotos Daniele Ansidei und Antonia Dika alle Grafiken Antonia Dika

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MILITÄR

Lastovo, die am weitesten von der Küste entfernte bewohnte kroatische Insel, hatte ein ähnliches militärisches Schicksal wie die benachbarte Insel Vis. Sie wurde von der jugoslawischen Volksarmee zu so etwas wie der kleinen Schwester von Vis erkoren - einer Art Ersatzmilitärinsel. „Auf Vis findet man alles, was man hier findet, nur größer und noch viel mehr“, meint ein heutiger Militärbediensteter, der die Radaranlage von Lastovo betreut.

Im Laufe der Geschichte war auch hier die Lage weit außen auf dem Meer dafür ausschlaggebend, dass sich verschiedene Seemächte in der Herrschaft abwechselten. Als erste Bewohner findet man in der Geschichtsschreibung die Illyrer. Danach kamen die Römer und im 7. Jahrhundert die Slawen. Während der venezianischen Herrschaft war Lastovo angeblich von Piraten bewohnt. Im Kampf gegen diese wurde die Ortschaft

Lastovo, die damals an der Küste gelegen war, zerstört. Dies erklärt die eher untypische heutige Lage der Ortschaft im Inselinneren. Die Einwohner haben sich seitdem auch eher der Landwirtschaft als dem Fischfang gewidmet. 1252 wurde Lastovo Teil der Republik Dubrovnik, die 1806 von Napoleon und seinem Heer okkupiert und aufgelöst wurde. 1813 bis 1815 übernahmen die Briten die Herrschaft und zwei Jahre später die Habsburger. Nach dem ersten Weltkrieg kam Lastovo (aufgrund vom Grenzvertrag von Rapallo, der 1920 zwischen Italien und dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen geschlossen worden war) als einzige dalmatinische Insel an Italien, und nach dessen Kapitulation 1943 an Jugoslawien. Seit der Unabhängigkeit Kroatiens gehört auch Lastovo zur Republik Kroatien. Die Rolle einer Militärinsel bekam Lastovo, genau so wie Vis, nach dem zweiten Weltkrieg - in der neu gegrün-

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deten Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien. Die Insel wurde für fremde BesucherInnen gesperrt und mit etlichen Militäranlagen bestückt. 1988 wurde die Sperre aufgehoben, aber die JNA blieb bis zum 30. 05. 1992 auf Lastovo stationiert. An dem Tag wurden die letzten in der Region verbliebenen JNA-Truppen von Vis und Lastovo abgezogen. In der „Kriegszeit“ starteten von diesen beiden Inseln die JNA-Schiffe zu Angriffsaktionen auf Küstenstädte, auf den Inseln selbst kam es aber zu keinen Kriegshandlungen. (Zu Kriegsbeginn war das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Militär und ziviler Bevölkerung ungefähr 1:1)

Der Abzug verlief auf beiden Inseln friedlich. Trotzdem sind die EinwohnerInnen von Lastovo schlechter darauf zu sprechen als die von Vis. Nach dem Verlassen der Anlagen seitens der JNA, welche diese schon teilweise selber zerstört hatte, wurden die Anlagen stark von den Einheimischen devastiert. „30% haben sie zerstört und 70% dann wir“, meint ein Einheimischer heute. Einerseits wurden die brauchbaren Möbel usw. geplündert, andererseits die Gebäude „einfach so“, als Hassdemonstration zerstört.

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Die EinwohnerInnen Lastovos hatten das Militär auf der Insel nie akzeptiert. Während man auf Vis heute manchmal auch nostalgische Töne über die Militärzeiten der Insel zu hören bekommt, wird auf Lastovo über (jedes) Militär negativ geredet1 und Geschichten von dessen Boykott stolz erzählt. Herr Fulmizi erzählt einmal beim Calamari-Fischen im „Grenzgewässer“ von einem Soldaten aufgefordert worden zu sein, sich von dort zu entfernen. Dieser habe ihm gedroht zu schießen, falls er nicht mit seinem Boot wegfahre. Darauf soll er mit „dann schieß doch!“ geantwortet haben. Das Militär wurde immer als etwas Fremdes auf der Insel angesehen und grundsätzlich abgelehnt (was auf Lastovo nicht verwundert, da heute sogar Leute aus Split als Fremde angesehen werden). Aber die „Fremdensperre“ während der JNA-Zeit sei hier nichts Neues gewesen, meint Herr Fulmizi. Früher sei Leuten von Hvar das Anlegen der Boote nur im Falle eines Gewitters erlaubt worden und Juden sei keine Aufenthaltsdauer von über acht Tagen gestattet gewesen. Während der italienischen Besetzung zwischen den beiden Weltkriegen wurden die Fischernetze 1 mit Ausnahme der Möglichkeit des billigeren Anschaffens von Sportschuhen über das Militär


der zugezogenen Italiener, für die eine Fischverarbeitungsfabrik errichtet wurde, von den Einheimischen zerstört.2 Schon vor der Kapitulation Italiens und dem Abzug deren Militärs ist die zivile italienische Bevölkerung von Lastovo abgezogen. Die Errichtung der Radaranlage vom kroatischen Militär vor fünf Jahren brachte ebenfalls starke Proteste mit sich, genau so wie die 2004 geplante Steingewinnungsanlage.

Wenn man die Einheimischen der Insel nach den militärischen Arealen fragt, bekommt man auf Anhieb die Antwort: „die halbe Insel war militärisch“, oder „die Halbe Insel haben sie sich genommen“. Wenn man dann über genaue Zonen Auskunft haben will, sind die Antworten unterschiedlich. Vermutlich war die Grenze auch hier (wie auf Vis) eine psychologische und die Maschendrahtumzäunung ist wohl auch erst 1988, bei der Öffnung der Insel für fremde Touristen, errichtet worden.

Heute stehen alle JNA-Anlagen der Insel so da, wie sie damals verlassen wurden. Einige Kasernen wurden nach 2 nach Fulmizi

dem Abzug der JNA vom kroatischen Militär übernommen aber mittlerweile alle wieder verlassen. Einzig auf dem Berg Pleševo Brdo ist noch das Militär stationiert. Dort befindet sich eine neue Radaranlage, die von ein paar Mann betreut wird. Der Radar wird heute, nach Angaben eines Militärbediensteten, fast nur mehr zu „zivilen Zwecken“ verwendet, also zum Beispiel um zu achten, dass keine italienischen Fischerboote im kroatischen Gewässer fischen.

Es ist mittlerweile üblich geworden, dass die verlassenen Militärareale als Weideflächen für Schafe und Ziegen genutzt werden, obwohl man das im Gemeindesitz nicht unbedingt befürwortet.3 Nach Angaben des kroatischen Verteidigungsministeriums wurden die meisten Anlagen dem Privatisierungsfond zur Verwaltung übergeben. Im Gemeindesitz von Lastovo meint man nicht zu wissen, was damit passieren wird, bzw. dass man darauf warten würde, dass das Militär sie vielleicht der Gemeinde übergibt.

3 es passiert ohne Bewilligung, wird aber geduldet

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TOURISMUS

„Seit der JNA-Zeit hat sich hier nicht viel geändert“, meint ein Tourist aus Sarajevo, der damals in einem staatlichen Jugendcamp einen Sommer auf Lastovo verbracht hatte. Er finde dies aber gut, da es immer noch schön und ruhig sei. Der Tourismus hat auf Lastovo kaum Fuß gefasst. Im Gegensatz zu Vis, wo die Besichtigung verlassener Militäranlagen langsam im offiziellen Tourismusangebot aufkommt, gibt es auf Lastovo kaum ein Tourismusangebot, von den Militäranlagen gar nicht zu sprechen.1 Viele Touristen empfinden jedoch gerade dieses „untouristische“, neben der „unberührten Natur“, als Hauptvorteil dieser Insel. Nur die „Insider“ kommen her - meist nur Verwandte und Freunde der Inselbewohner. Die einzige nennenswerte Touristenschicht im klassischen Sinne sind die Nautike1 Einheimische reagierten auf mein Interesse für diese „unrepräsentativen“ Bauten meist mit Verwunderung.

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rInnen. Von denen hat die Insel aber nicht besonders viel, da es nur wenige organisierte Anlegestellen gibt. Vielmehr werden die Buchten der Insel zum Ankern genutzt und füllen sich wegen fehlender Entsorgungsmöglichkeiten mit Abfall.

Einzig während des nun schon einige Jahre hintereinander stattfindenden Musikfestivals (seit 1999) droht die Inselortschaft Lastovo aus ihren Nähten zu platzen. In diesen fünf Sommertagen füllen sich die Privatunterkünfte und der extra für das Festival eingerichtete Campingplatz nahe des Veranstaltungsortes. Letzten Sommer (2007) wurde sogar der Rasen des Fußballplatzes mit Campingzelten bedeckt. Dieses Musikfestival hat sich mittlerweile unter den Jugendlichen in ganz Kroatien als Geheimtipp durchgesprochen und zieht jedes Jahr mehr Besucher an. Einheimische, die eigent-


lich die absolute Ruhe gewohnt sind, beschweren sich über den Lärm und den Müll der dabei entsteht. Sie erzählen, in diesen Nächten nicht schlafen zu können, aber zum Glück seien es nur ein paar Tage. Trotzdem besuchen auch sie gerne die Konzerte und können schließlich Geld daran verdienen. Erstens werden in dieser Zeit alle angebotenen Appartements und Zimmer vermietet, und zweitens machen die Lebensmittelgeschäfte, Cafes und Restaurants in diesen Tagen wahrscheinlich mehr Umsatz als im ganzen restlichen Sommer. Damit dies auch sicher passiert, werden die Preise für diese fünf Tage im Jahr erhöht. Und die Busfahrt von Ubli (wo die Fähre ankommt) nach Lastovo (wo das Festival stattfindet) kostet das doppelte als sonst.2 Lastovo gilt für viele die sie kennen als die schönste Insel Kroatiens. Auf der Homepage der Tourismuszentrale wird 2 Solche Preisanpassungen machen die Rückständigkeit in der touristischen Entwicklung besonders deutlich. Auch anhand vom Scooter-Verleih kann man die unterschiedliche touristische Situation von Insel zu Insel gut vergleichen: Während auf Lastovo der Preis nicht angeschrieben ist, immer verhandelt wird und während dem Festival sowieso viel höher angesetzt wird als sonst, gibt es auf Vis angeschriebene Preislisten, über die je nach Fall verhandelt werden kann. Auf Korčula hingegen haben die Scooter-Verleiher Internetseiten, fixe Preislisten und vorgefertigte Verträge, die beim Verleih unterzeichnet werden.

stolz angeführt, dass sie „eine von zehn mediterranen Gärten Eden, die sich auf der WWF-Liste (Weltstiftung für die Natur) befindet“3 ist. Sie ist aber zweifellos eine der benachteiligtesten Inseln des Landes. Aufgrund ihrer Lage weit außen auf dem Meer ist die Anbindung an das Festland langwierig und bei Schlechtwetter oft unmöglich. Zum Gespannschaftszentrum Dubrovnik gibt es im Winter keine direkte Schiffsverbindung4 und im Sommer (erst seit diesem Jahr) nur zwei mal pro Woche und nur für Passagiere (keine Fahrzeuge). An Split ist die Insel heute zumindest drei mal pro Tag in der Sommersaison und zwei mal während dem Winter angebunden.5 Nach dem Inselgesetz sollten es vier pro Tag sein.

Die Krankenversorgung ist mangelhaft. Es gibt zwar eine Ambulanz, aber kein Fachpersonal und keine adäquate Ausrüstung. In Notfällen kommt ein Hubschrauber aus Split, unter der 3 http://www.lastovo-tz.net/; 11.05.2008 4 man muss über Korčula oder Split fahren 5 Wobei die Werte die tatsächliche Situation etwas verfälschen, da zwei Verbindungen im Sommer und im Winter - Fähre bzw. Katamaran - unmittelbar hintereinander erfolgen: morgens um 4.00 bzw. um 4.30. Somit können sie eigentlich mit einer Verbindung gleichgesetzt werden.

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Bedingung, dass auf keiner anderen Insel ein größerer Notfall ist.1 Die demografische Struktur lässt keine guten Zukunftsprognosen zu, die Statistiken sind wegen der kleinen Einwohnerzahl jedoch schwierig zu werten. Es gibt um die 900 angemeldete Haushalte auf der Insel, Herr Fulmizi meint aber nur an ungefähr 300 von ihnen den Strom ablesen zu können, da die restlichen (zumindest im Winter) nicht mehr bewohnt sind. Es sind leider nicht nur die militärischen Bauten, die seit Jahren leer stehen und verfallen. Angeblich stehen sogar 40% der Wohnhäuser auf Lastovo leer.2 Das Trinkwasser wird bisher mit Hilfe einer Entsalzungsanlage gewonnen. Dies funktioniert auch ganz gut, erhöht aber den Wasserpreis auf das zwei- bis dreifache im Vergleich zum Festland.3 Der verstärkte Bedarf soll in Zukunft über die sich in Arbeit befindende Wasserleitung Neretva-Pelješac-KorčulaLastovo gedeckt werden.

1 nach Fulmizi 2 Nach Nadilo in Građevinar 52, 2000, S.487 3 Nach Nadilo in Građevinar 52, 2000, S.488

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Das größte Problem für die Inselbevölkerung stellt die Schulbildung der Kinder dar. Auf Lastovo gibt es nur eine Grundschule (für ca. 100 Schüler). Nach der abgeschlossenen achten Klasse (mit ungefähr 14 Jahren) müssen dann alle Jugendlichen, die ihre Schulbildung fortsetzen möchten, die Insel verlassen. Die wenigsten davon kommen vor dem Pensionsalter wieder zurück.

Auf regionaler Ebene wurde öfters versucht, etwas gegen die Depopulation zu tun, es scheint sich jedoch nicht viel geändert zu haben. 2004 wurde, im Zuge des Aufstandes der Inselbevölkerung gegen die geplanten Steingewinnungsanlage auf Lastovo, zuerst ein „Krisenstab“ und dann eine NGO für die „Entwicklung von Kultur, Ökologie, Wissenschaft und Kunst auf Lastovo“ gegründet, mit dem Namen „Öko-Zone Lastovo - Retten wir Lastovo“4. Diese Vereinigung hat die im Jahr 2000 schon einmal aufgekommene Idee wieder ins Leben gerufen, Lastovo zu einer steuerfreien Zone zu ernennen. Daraus wurde aber nichts. 2005 wurde die Insel zum Naturpark ernannt, was die Gemüter scheinbar etwas beruhigt hat und in den 4 „Eko-zona Lastovo - spasimo Lastovo“ udruga za razvoj kulture, ekologije, znanosti i umjetnosti


letzten Jahren hört man nichts mehr von dieser NGO.

Unter den InsulanerInnen herrscht schon seit Jahrzehnten das Gefühl von Benachteiligung seitens des Staates. Sie meinen im Laufe der Geschichte zu oft im Stich gelassen worden zu sein.5 Verstärkt durch die geografische Ausgeschlossenheit hat sich ein starkes Autonomiegefühl entwickelt, das in eine Art Missbilligung gegen alles von außen Kommende übergeht.

Tourismus „Mediteran kakav je nekad bio“ - „The Mediterranean as it once was“. Vor allem finden sie aber, dass niemand außer sie selbst entscheiden sollte was auf der Insel passiert. Eine baldige Veränderung für diese vom Rest des Landes abgekoppelte Insel kann man sich nicht wirklich vorstellen. Auch eine Umnutzung der militärischen Anlagen wird hier ohne Fremdeinwirkung bestimmt sehr lange auf sich warten lassen.

Man kann schon sagen, dass die Leute von Lastovo dem Klischee von verschlossenen und widerwilligen InsulanerInnen entsprechen. Aber irgendwie versteht man sie auch. Die EinwohnerInnen Lastovos sind stolz auf ihre wunderschöne Insel und deren Legenden. So auch auf die der magischen Zahl 46: 46 km2 Grundfläche, 46 Kirchen, 46 Felder auf Lastovo und 46 Inselchen um Lastovo. Sie möchten die Insel am liebsten so behalten wie sie ist und berufen sich dabei auf den Slogan der kroatischen Zentrale für 5 Lastovo kam nach dem ersten Weltkrieg als einzige dalmatinische Insel an Italien; nach dem zweiten Weltkrieg wurde sie dem Militär untergeordnet; im Jugoslawienkrieg wurde sie zu einer Art Geisel der JNA...

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ZÜNDERHÄUSCHEN

MILITÄRPOLIZEIZENTRALE SCHIFFSBUNKER

MEHRERE LEERSTEHENDE GEBÄUDE TREIBSTOFFBUNKER

KRIEGSSPITAL

KASERNE

HOTEL SOLITUDO PASADUR MASCHENDRAHTZAUN

ANLEGESTELLE

MUNITIONSBUNKER MUNITIONSLAGERHALLEN SCHIFFSBUNKER

HAFEN UBLI

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LK05, LP03, LS01, LPB01, LPB02 JURJEVA LUKA

Jurjeva Luka ist eine der ersten JNA Anlagen überhaupt. Die im Westen der Insel gelegene Bucht gehört eigentlich zur Insel Prežba, die durch eine kurze Brücke mit Lastovo verbunden ist. Wegen der kleinen Entfernung zwi-

schen den beiden Inseln wird Prežba als Teil von Lastovo wahrgenommen. Jurjeva Luka wurde schon von den ItalienerInnen (seit 1920) als Militärhafen genutzt und manche der Gebäude stammen noch aus dieser Zeit.

Blick auf einen der Schiffsbunker von der gegenüberliegenden Seite der Bucht

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Blick aus der Kaserne auf die Bucht Jurjeva Luka, die von Nautikern als Ankerstelle genutzt wird; alle die Bucht umschlieĂ&#x;enden Gebäude stehen heute leer

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ehemalige Kasernengebäude

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Während dem zweiten Weltkrieg, nach der Kapitulation Italiens, wurde die Bucht von den PartisanInnen übernommen und als eigener Kriegshafen weitergenutzt. Erst dann wurde der zivilen Bevölkerung der Zugang dorthin verwehrt.1 Eines der verlassenen Gebäude trägt eine Plakette, die auf die ehemalige Nutzung als Kriegsspital im Zweiten Weltkrieg verweist. Die zeitliche Überlagerung ist in der Bucht deutlich zu sehen. Sehr vielschichtig und etwas verwirrend sind die vielen verlassenen Bauten. Alle Gebäude, welche die Bucht umschließen stehen leer und weisen deutliche Verfalls- und Plünderungsspuren auf. Jurjeva Luka steht im starken Gegensatz zur in unmittelbarer Nähe gelegenen touristischen Ortschaft Pasadur, wo sich das einzige Hotel der Insel befindet und an deren Küste bis vor kurzem ein Bauboom von Appartementhäusern stattgefunden hat.

im Inneren der Kasernengebäude

Die Bucht wird heute gerne von NautikerInnen als Ankerstelle genutzt, da sie einen natürlichen Schutz vor allen Winden bietet. Als solche wird sie auch in „Peljar“2, dem Nautikführer, gepriesen. Die ehemalige Munitionslademole 1 nach Fulmizi 2 Peljar za male brodove, Hrvatski hidrografski institut, Split, 2003, S. 256

„Proletarier aller Länder vereinigt euch“

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ehemaliges Kriegsspital

dient dabei als Küstenzugang. Sonst sind hier jene Touristen zu finden, die Touristenstrände meiden und Strandeinsamkeit suchen. Dafür nehmen sie die nicht besonders schöne Strandsituation in Kauf - im Meer und teilweise auch an der Küste sind reichlich Spuren der alten Nutzung, wie rostige Eisenteile, Teer, usw., zu erkennen.

Von Pasadur aus kommend trifft man zuerst auf die topografisch etwas höher gelegene ehemalige Kaserne (LK05). Es handelt sich um zwei eingeschoßige Gebäude, in denen die Schlafräume,

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Nassräume, die Mensa und die Versorgungseinrichtungen für die Marinesoldaten und Offiziere untergebracht waren. Von hier aus konnte man die ganze Bucht und deren Eingang sehr gut überblicken und der Aussichtsturm ermöglichte einem eine noch weitere Sicht. Die Gebäude, die im Inneren besonders viele Wandbemalungen aufweisen, befinden sich in keinem sehr guten Zustand. Die Dächer sind an mehreren Stellen stark beschädigt. Wenn man den Weg entlang der Küste weitergeht, trifft man auf drei identische Eingänge im Hügel (LP04). Hier wurde der Treibstoff für die Schiffe in


ehemaliges Gebäude der Militärpolizei

Tanks oder Becken unterirdisch aufbewahrt. An dieser Stelle hat die Küste einen günstigen Steigungswinkel und so konnte der Treibstoff durch „freien Fall“ ohne Pumpe in die Schiffe getankt werden. Näher zur Küste steht noch ein kleineres, stark verfallendes Gebäude, das wohl noch aus der italienischen Zeit stammt. Geht man den Weg weiter, kommt man am ehemaligen Kriegsspital vorbei, einer Halle mit deutlichen Verfallsspuren. In unmittelbarer Nähe, etwas weiter entfernt von der Küste, befinden sich noch zwei verlassene Gebäude eines scheinbar neueren Datums, die Hotelcharakter

aufweisen.1 In der Mitte der Bucht befindet sich eine verlassene Station der Militärpolizei.2 Das eingeschoßige Gebäude scheint auch eher neueren Datums zu sein, ist jedoch besonders stark devastiert. Daneben befindet sich ein Brunnen und eine große Rampe, die wohl zum Herausziehen der Schiffe aus dem Wasser diente. 1 Es ist mir nicht bekannt, ob es sich hierbei auch um Militärgebäude handelt; vielleicht um Schlafstätten der Offiziere oder noch ein Militärhotel 2 nach Fulmizi

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verlassene Munitionslagerhallen

Das Erscheinungsbild der Bucht prägen die zwei großen ehemaligen Munitionslagerhallen, die von hohen Blitzableitern umringt sind (LS01). Eine davon wird heute zur Viehhaltung genutzt und ist abgesperrt, die andere steht leer. Etwas weiter hinten, weiter weg von der Küste, ist ein kleines Häuschen, von hohen Steinmauern umgeben, und wiederum mit diesen Blitzableitern ausgestattet. Hier waren die Zünder für die Munition aus den Lagerhallen untergebracht, da man sie nicht gemeinsam lagern durfte.1

1 nach Fulmizi

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Wenn man nun etwas weiter geht, kommt man zu der schon erwähnten Mole, an der die Munition auf die Schiffe geladen wurde. Die rostigen Schienen führen zu den Ein-/Ausgängen des unterirdischen Munitionslagers (LP03). Heute nutzen die Nautiker diesen als Mülllager. Die Eingänge sind mit Gittertüren ausgestattet, welche jedoch nicht verschlossen sind. Wenn man im Inneren den Schienen folgt, öffnen sich nach einigen schmalen Gängen große Hallen in denen u.a. Minen, Raketen und Torpedos gelagert wurden. Davon ist natürlich nichts mehr da, man findet aber in den Nebenräumen, die als Notunterkünfte für Soldaten dienen


sollten, noch Militärjacken, Matratzen, Decken und Polster. Die Aufwendigkeit solcher Tunnelanlagen wird durch die riesigen Lüftungsanlagen und vielen Elektrokabel, die teilweise noch erhalten sind, deutlich. Heute werden die Tunnels von Dunkelheit und Feuchtigkeit geprägt. In den Lagerhallen, die tief im Inneren des Hügels liegen, ist die Luft von Staubpartikeln durchzogen, sodass es wie eine Nebelschicht wirkt. Meistens zieht in diesen Anlagen auch ein Wind, da die Lüftungsschleusen nicht mehr reguliert werden. Wenn man es schafft die Küste weiter entlang zu gehen und sich durch das dichte Gebüsch durchkämpft, gelangt man zum ersten Tunnel (LPB01), der im Kriegsfall als Versteck für Schiffe vor Luftangriffen dienen sollte. Man gelangt zu diesem Schiffsbunker auch über den längeren, aber viel einfacheren Weg über den Hügel, der sich auf der Höhe des Zünderhäuschens vom Küstenweg abzweigt, und den Großteil der Strecke entlang vom Maschendrahtzaun verläuft. Eine Abzweigung dieses unbefestigten Weges sollte auch zum zweiten Schiffsbunker (LPB02) auf der anderen Seite des Hügels führen. Diesen Weg ausfindig zu machen ist jedoch wegen der vielen Minenwarnschilder

im Inneren einer Munitionslagerhalle

„Zünderhäuschen“

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ehemalige Munitionslademole

Eingang in den Munitionsbunker

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nicht anzuraten. Beide Schiffstunnels sind viel leichter über den Meeresweg zu erreichen. Solche Schiffsbunker wurden niemals wirklich gebraucht. Heute stellen sie eine Attraktion für die wenigen eingeweihten BesucherInnen dar. Die Bucht wurde im Flächenwidmungsplan der Gespannschaft (2003) als Nautikhafen vorgesehen und einem großen Bereich wurde „touristische Nutzung“ zugewiesen. 2006 wurde der Plan geändert. Der Bereich der Touristischen Nutzung wurde stark verkleinert und der Nautikhafen aus der Bucht hinausgeschoben.

im Inneren des Bunkers

Bucht mit vielen leerstehenden Bauten zwei Kasernengebäude (hoher Verfallgrad); drei Treibstoffbunker; Gebäude der Militärpolizei; Militärhotel; Kriegsspital; zwei Munitionslagerhallen; ein Zünderhäuschen; Munitionsbunker; Schiffsbunker; Wasser- und Stromanschlüsse vorhanden; über Schotterweg erschlossen; im aktuellen Flächenwidmungsplan: touristische Nutzung in einem kleinen Bereich

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die Schisbunker werden gerne von eingeweihten BesucherInnen aufgesucht

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Jurjeva Luka

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DOM JNA UND MILITÄRHOTEL

HAFEN UBLI

WOHNSIEDLUNG DER ITALIENER AUS DEN 30ER JAHREN

TANKSTELLE POSTAMT

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KIRCHE


LD01 DOM JNA UBLI

Wenn man per Schiff oder Fähre nach Lastovo kommt, ist das erste was man zu sehen bekommt die Ortschaft Ubli. Im Hafenbereich gibt es eine Café-Bar, ein kleines Tourist Office und eine Zweigstelle von Jadrolinija, in der man

Schiffstickets kaufen kann. Wenn man ca. 200 Meter Richtung Lastovo geht, kommt man in das eigentliche Zentrum von Ubli. Hier ist der Platz mit der Kirche und dem Postamt, und ehemals dem JNA-Zentrum und dem militä-

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Platz mit dem Militärhotel, dem Dom JNA und der Kirche

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Hinterhof des JNA-Zentrums und des Militärhotels

risch betriebenen Lebensmittelladen. Die Hälfte der Gebäude, die den Platz umschließen, steht heute leer und befindet sich in einem ziemlich schlechten Zustand. Der heutige Anblick des Platzes lässt bessere vergangene Zeiten vermuten. Ob die Zeiten besser waren oder nicht ist Ansichtssache, der Platz wurde jedenfalls seinerzeit stärker genutzt. Das größte und markanteste Gebäude am Platz ist (außer der Kirche) das ehemalige Militärhotel der JNA. Nach Herrn Fulmizi konnten damals die Militärbediensteten hier billig mit ihren Familien Urlaub machen. Im Erdgeschoß befand sich ein Festsaal mit Bühne, in den weiteren zwei Geschoßen waren die Hotelzimmer untergebracht. Daneben, baulich verbunden, befand sich das ehemalige JNA-Zentrum (Dom JNA). Der gemeinsame Hinterhofbereich, der auch als Erweiterung vom Festsaal dienen konnte, wurde wohl als Versammlungsplatz genutzt.

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Aus den nach Westen orientierten Hotelzimmern mit Meerblick, kann man auch den Fußballplatz der Anlage überblicken. Dieser wird heute gerne von den wenigen Kindern aus dem Ort genutzt. Im Untergeschoß des ehemaligen Hotels befinden sich heute, nebeneinander, die einzigen zwei Lebensmittelgeschäfte der Ortschaft; mit dem gleichen Angebot, jedoch von unterschiedlichen Betreibern. Früher beherbergte eines der heute leerstehenden Gebäude auf dem Platz den vom Militär betriebenen staatlichen Lebensmittelladen

Die Ortschaft Ubli hatte zu Zeiten der JNA einen ganz anderen Stellenwert auf der Insel. Heute ist Lastovo das eindeutige Zentrum mit den meisten „Ganzjahreseinwohnern“, damals scheint Ubli das Militärzentrum und Lastovo das


zivile Zentrum gewesen zu sein. In unmittelbarer Nähe zu Ubli befinden sich zwei große Kasernen. Und innerhalb von ca. 3 km Entfernung auch alle restlichen Anlagen. Es ist an den Aussagen der Bewohner wohl etwas dran, wenn sie von der „halben militärischen Insel“ sprechen.

das Militärhotel; im UG die Lebensmittelläden

Das ehemalige Militärhotel „Sirena“ soll mit staatlichen Fördergeldern zu einem Altersheim umgeplant werden. Es ist jedoch ungewiss, wann dies passieren soll.

Zwei-/Dreigeschoßiges Gebäude (Niveauunterschied des Geländes) mit eingeschoßigem Seitentrakt; stark devastiert; Wasser- und Stromversorgung vorhanden; Erschließungsstraße vorhanden; Umnutzung zum Altersheim in Planung

ein Hotelzimmer

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Festsaal im EG des Militärhotels

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Spuren der JNA-Wappen an der Wand

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HAFEN UBLI

WACHTURM HUBSCHRAUBERLANDEPLATZ

WERKSTATT KASERNE MARÅ AL TITO

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LK01 KASERNE MARŠAL TITO

Über die ehemalige Kaserne südlich der Ortschaft Ubli meint das Mädchen aus dem Tourist Office, es sei sehr schade, dass sie so verfällt. „Dabei könnte man so eine schöne Tourismusanlage daraus machen.“ Es handelt sich um die ehemalige Hauptkaserne der Insel, die um die 20 Gebäude beinhaltet; darunter eine Ambulanz, ein Soldatenclub, eine Bibliothek, ein Mensagebäude mit Küche, mehrere Lagergebäude, eine Wäscherei und natürlich mehrere Unterkunftsgebäude. An den ehemaligen Schlafstätten lässt sich hier sehr gut die hierarchische Abstufung des Militärs ablesen. Während die Offiziere eigene „Wohnungen“ und Büros in den massiven zweigeschoßigen Bauwerken hatten, schliefen die rangniedrigsten Soldaten in riesigen Einraumbaracken. Über die Straße von Ubli aus kommend, befindet sich kurz vor dem Zufahrtsschranken zur Kaserne ein

Hubschrauberlandeplatz mit dazugehörigem Aussichtsturm. Weiter an der gleichen Straße Richtung Velje More, die entlang der Maschendrahtumzäunung führt, steht ein verlassenes Gebäude, das als Fahrzeugreparaturstelle gedient haben muss. Die Kaserne „Maršal Tito“ ist besonders reich an militärischen Wandbema-

Aussichtsturm vor der Kaserne

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Der ehemalige Ăœbungs-/Versammlungsplatz ist kaum mehr zu erkennen

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ehemalige Ambulanz

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verlassene Soldatenbaracke

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ehemaliger Soldatenclub

lungen. Auch die Gestaltung der Freiflächen, die Bepflanzung mit Palmen und Zypressen, deutet darauf hin, dass viel Wert auf das Erscheinungsbild gelegt wurde. Heute hat die Vegetation die Überhand genommen. Der ehemalige Hauptversammlungsplatz ist mittlerweile von Pflanzen überwuchert und ist kaum mehr als solcher zu erkennen.

Wenn die Naturüberwucherung und der Verfall nicht wären, hätte man den Eindruck als wäre die Anlage erst kürzlich verlassen worden. Man findet auf dem Areal noch viele Gegenstände des Militärs, wie u.a. Soldatenstiefel, Jacken, oder aus dieser Zeit stammende Zeitungen.1

Diese Kaserne wurde als letzte der Insel, am 30.05.1992, von der JNA verlassen. Nach der unmittelbar darauffolgenden Plünderungsaktion, bei der alles Brauchbare aus der kurz davor renovierten Kaserne mitgenommen wurde, hat man sie scheinbar völlig ignoriert.

1 In einem der Offiziersgebäude bin ich bei der Begehung auf den Sportteil einer Ausgabe von Slobodna Dalmacija vom 25.05.1992, also fünf Tage vor dem Abzug der letzten JNA Truppen, gestoßen. Die Haupttitel waren: Austria Salzburg besiegt Ausria Memphis und Milan - Foggia 7:1. Außerdem wurde hier abgehandelt, welche Ex-Jugoslawischen Sportler zukünftig unter welcher Flagge antreten werden.

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die Kaserne „Maršal Tito“ wird von zahlreichen Wandbemalungen geschmückt

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noch ein ehemaliger Versammlungsplatz

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die Mensa

ein Aufenthaltsraum; Wappen Jugoslawiens und aller Teilrepubliken an der Wand

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die Wäscherei

Die einzigen heutigen Nutzer der Anlage sind Schafe, die auf dem Areal weiden.

ca. 20 ein- bis zweigeschoßige Gebäude, unterschiedlicher Erhaltungsgrad - von sehr schlecht bis relativ gut; schöne Außenanlagen (Palmen, Zypressen); Strom- und Wasserversorgung vorhanden; Erschließungsstraße vorhanden; Hubschrauberlandeplatz, Beobachtungsturm, Fahrzeugwerkstätte; im aktuellen Flächenwidmungsplan: touristische Nutzung Verwaltung durch den kroatischen Privatisierungsfond

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Blick auf das Kasernengelände; links die KFZ-Werkstatt, in der Mitte die Kasernengebäude, rechts der Hubschrauberlandeplatz mit dem Aussichtsturm

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ehemalige militärische KFZ-Werkstatt

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LASTOVO

HAFEN UBLI

WACHHÄUSCHEN MASCHENDRAHTZAUN

KASERNE VELJE MORE

WACHHÄUSCHEN RAKETENBUNKER KANONENSTELLUNG

KASERNENGEBÄUDE

LAGERBUNKER ZUGANG ZUM KANONENTUNNELSYSTEM

AUSSICHT STELLUNG FÜR LUFTABWEHR

AUSSICHT KANONENANLAGE

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LK04, LR01, LT01 VELJE MORE

Die Anlage am Kapp Velje More wurde erst dieses Jahr verlassen. Herr Fulmizi, der Elektriker, hat dort erst vor zweidrei Monaten (jetzt ist Juli 2007) den Strom abgedreht. Es handelt sich um ein sehr großes, von Maschendrahtzaun

umgebenes Areal, in dem junge Soldaten bis vor kurzem ihren Wehrdienst abgeleistet haben. Von der Straße von Ubli kommend betritt man kurz nach der Rampe den Übungs- bzw. Sportplatz. In unmittelbarer Nähe befinden

Kaserneneinfahrt

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die Kaserne Velje More wurde erst 2007 vom kroatischen Militär verlassen

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Übungsgelände

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sich die Kasernengebäude (LK04), die noch einen sehr guten Zustand aufweisen. Auf den ersten Blick könnte man sie auch für touristische Bungalows halten. Erst vor kurzem seien sie renoviert worden, meint einer der wenigen heutigen Militärbediensteten auf der Insel. Plünderungsspuren sind zwar zu erkennen, die Bausubstanz ist aber noch vollkommen unversehrt. Besonders die Freiräume zwischen den Kasernenbauten sind auffällig gut gepflegt und mit jungen Obst- und Olivenbäumen bepflanzt.

im Inneren der Gebäude

Wenn man R ichtung Küste geht, erreicht man als erstes den Raketenbunker (LR01). Fast identisch wie der auf Vis wurde er auch hier in den Hügel hineingebaut. In den halbkreisförmigen Tunnel konnte der Wagen mit der Raketenlansiervorrichtung hineinfahren um die Raketen, die im Bunker mit Kerosin gefüllt wurden, aufzuladen und am anderen Ausgang wieder hinausfahren. Einer der Ein-/Ausgänge ist noch mit den styroporgefüllten Tarnnetzen überspannt. Die Ausgänge der Lüftungsund Nottunnels, die vom Inneren der Raketenlagerhallen ausgehen und auf der Spitze des Hügels herauskommen, wurden als Steinhäuschen getarnt. Von dort aus hat man den Blick auf die Bucht, in der sich zwei weitere Kasernen-

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der Raketenbunker

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gebäude befinden. Diese einfachen eingeschoßigen Gebäude in unmittelbarer Küstennähe beherbergten Schlafräume für nur wenige Soldaten und verfügten jeweils über eine kleine Küche.

Eingang in den Raketenbunker

schwere Stahltüren im Inneren

Am südlichsten Kap der Insel, Rt Veljeg Mora, befindet sich die Kanonenanlage mit dem dazugehörigen Tunnelsystem (LT01). Die Kanonenrohre wurden von der JNA beim Verlassen mit Dynamit gefüllt und gesprengt, was ihr heutiges Aussehen erklärt. Das Tunnelsystem, das die vier Kanonen miteinander verbindet, führt auch zu zwei Aussichtsbunkern, die topografisch weiter oben gelegen sind. Der seitliche Haupteingang weist deutliche Brandspuren auf, die vermutlich auf die übliche Datenvernichtung hinweisen.1 Einige Räume im Inneren des Tunnelsystems sind noch mit Möbeln und diversen Utensilien gefüllt. Darunter findet man auch Schulhefte, in denen vom kroatischen Militär Protokoll über die Anschaffung von Munition geführt wurde. Scheinbar wurden diese Tunnelräumlichkeiten, nachdem die Kanonen nicht mehr brauchbar waren, vom kroatischen Militär als eine Art Lagerkeller genutzt. 1 Diese sind aber wahrscheinlich neueren Datums und stammen vom Verlassen der Anlage durch das kroatische Militär.

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Auf dem Areal stößt man auf einige kleinere Bunker, die wohl als Lager gedient haben, sowie auf einige gefestigte Stellen für mobile Luftschutzvorrichtungen.

„In Zukunft werden auch hier wahrscheinlich Schafe weiden“, erzählt der heutige Militärbedienstete, der früher in dieser Kasene als Offizier tätig war. Seiner Meinung nach wird man auch bei dieser Anlage warten „bis sie vollkommen devastiert ist, um dann etwas zu unternehmen.“ Seiner Meinung nach wären viele Tourismusbetreiber an dieser Anlage interessiert. Abgesehen davon, dass sie sich in wunderschöner Lage befindet, gibt es hier schon eine Zufahrtsstraße, Stromleitungen und schon eingerichtete Wasserversorgungssysteme2. Alleine die Bewilligungsverfahren für diese hier schon vorhandene Infrastruktur würden Jahre dauern. Die Besitzsituation stellt jedoch auch hier ein Problem dar. Der Besitzer ist in diesem Fall immer noch die Republik Kroatien und das Verteidigungsministerium verfügt über die Verwaltung. Was dieses damit tun wird ist noch ungewiss, es ist aber zu 2 In diesem Falle sind dies die Zisternen in der Bucht, die vom „Wasserbringerschiff“ aus gefüllt werden.

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Blick auf den Kap Veljeg Mora; Kasernengebäude, Bunkereingänge, Luftabwehrstellungen bei genauer Betrachtung zu sehen

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erwarten, dass dieses Areal bald auch der lokalen Verwaltung oder dem Privatisierungsfond Ăźbergeben wird.

eine Kanonenstellung

Schlafraum innerhalb des Kanonentunnelsystems

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Kasene mit ca. 7 ein-bis zweigeschoßigen Gebäuden unterschiedlicher Größe; kürzlich verlassen, daher in gutem Zustand; Raketenbunker; Kanonenanlage; (Wasser- und) Stromversorgung vorhanden; Erschließungsstraße vorhanden; Verwaltung noch durch das kroatische Verteidigungsministerium im aktuellen Flächenwidmungsplan (von 2003): besondere Nutzung (=militärische Nutzung)

Haupteingang in das Kanonentunnelsystem

Brandspuren im Eingangsbereich

Beschriftungen: „Kanone 4“, „Kanone 1“

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Protokollhefte der Munitionsbeschaung des kroatischen Militärs

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einer der Räume innerhalb des Tunnelsystems

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LASTOVO

KASERNE HUM

KAPELLE + HANDYMAST

UBLI

RADARANLAGE KROATISCHES MILITÄR HUBSCHRAUBERLANDEPLATZ

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LK03 KASERNE HUM

Kurz vor der Spitze des Berges Hum, wo heute die Reste einer Kapelle neben einem Mobilfunkmast zu sehen sind, befindet sich eine kleine, scheinbar schon lange verlassene, Kaserne. Es handelt sich um ein eingeschoßiges Steinge-

bäude mit einer außenliegenden Toilette und einem Wachhäuschen. Um einen ebenen Bauplatz in der Hanglage zu schaffen wurde hier, wie üblich, nur so wenig wie möglich an Felsen gesprengt. Deshalb blicken die Fenster an einer

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Kasernengebäude

Seite des Gebäudes auf die nur höchstens einen Meter entfernte Felswand. Die andere Fassadenseite verfügt über einen weitaus schöneren Ausblick, nämlich das offene Meer, Richtung Italien. Das Innere der Bauwerke ist heute voll mit Exkrementen von Schafen, die auf dem Gelände weiden.

kleine Kaserne in sehr schlechtem Zustand; eingeschoßiges Gebäude mit Steinfassade; externes Toilettengebäude; Stromversorgung vorhanden; Erschließung über Schotterstraße

separates Toilettengebäude

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Blick aus der Kaserne

das Gelände wird als Weidefläche für Schafe genutzt

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LASTOVO

HAFEN UBLI

ZUGANG BUNKER 1

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ZUGANG BUNKER 2


LP01, LP02 BUNKER PLEŠEVO BRDO

Auf einem Hügel von Pleševo Brdo, dem Berg auf dem sich heute die Radaranlage des kroatischen Militärs befindet, verstecken sich zwei verlassene Atombunker der JNA. Wenn man die Straße Richtung Hum, dem höchsten Hügel

der Insel nimmt, geht in einer Kurve ein Schotterweg ab, der zu den beiden Bunkern führt. Auf der Spitze dieses Hügels findet man neben einer eigenartigen Lüftungs-/Notausgangskuppel auch die Reste einer Radio-Relay Antenne. Von

Reste einer Radio-Relay-Antenne, rechts davon eine Lüftungskuppel

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Eingang in den kleineren Bunker

Eingang in den grĂśĂ&#x;eren Bunker

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hier aus erschließt sich einem eine gute Sicht über den Meereshorizont, und auf die vielen Lüftungs- und Notausgänge des Bunkers. Darunter befand sich seinerzeit nach Angaben der Eingeweihten „eine unterirdische kleine Stadt“. Die Bunker hatten, neben der Schutzfunktion, in erster Linie die Funktion der Ersatzkommandozentrale für die Marine. Eigentlich handelte es sich um eine Ersatz-Ersatzkommandozentrale, falls mit der auf Vela Glava auf Vis etwas passierte. Der Eingang des kleineren Bunkers wird von einem roten Stern geschmückt. Über ihm hängt ein Tarnnetz, das mit Steinnachbildungen aus Styropor gefüllt wurde, um möglichst nicht aus Flugzeugen gesehen zu werden. Der etwas weiter östlich gelegene Eingang in den größeren Bunker wird auch von solchen Netzen getarnt. Beide Tunnels sind vom Inhalt her sehr ähnlich. Im Inneren findet man zwischen den vielen Panzertüren beflieste Nassräume mit Waschbecken und teilweise noch ganzen Spiegeln. Auch einige Neonröhren und Steckdosen sind noch unversehrt. Beeindruckend sind die riesigen Lüftungsrohre, die sich durch die Tunnels ziehen, sowie die Elektrozentrale, die in einem der Tunnels noch sehr gut erhalten ist. Die Bunkerräumlichkeiten

Lüfrtungsausgänge des Bunkers

mit Styroporstücken gefülltes Tarnnetz am Eingang

im Bunkerinneren

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beherbergten seinerzeit abgesehen vom Kommandoraum u.a. auch Schlafräumlichkeiten, eine Küche, eine Notambulanz und diverse Lagerräume.

Auch diese Bunker haben niemals wirklich ihre eigentliche Funktion aufgenommen. Sie dienten, genau so wie der von Vis, lediglich zu Militärübungen. Seit dem Abzug der JNA-Truppen von Lastovo steht auch diese Bunkeranlage verlassen da. Aufgrund ihrer abgelegenen Lage und dem Militärgeheimnis wissen selbst viele Einheimische nicht von ihrer Existenz. So hatte diese Anlage bisher nicht so viele Besucher wie manche anderen. Sie wirkt einerseits als sei sie erst kürzlich verlassen worden, da man u.a. auch noch Soldatenkleidungsstücke findet, und andererseits sind die 15jährigen Verfallspuren doch deutlich zu sehen.

Um die Anlage sind Fähnchen und Tafeln, die auf die Minengefahr verweisen, aufgestellt. Nach Angaben der Einheimischen ist die Minengefahr hier nicht besonders hoch, Vorsicht sei jedoch trotzdem geboten.

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zwei relativ gut erhaltene Bunkeranlagen (Atombunker, Kommandozentrale); Strom- und Wasserversorgung vorhanden; ErschlieĂ&#x;ung Ăźber SchotterstraĂ&#x;e

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PLATZ FÜR NOTIZEN UND EIGENE ENTDECKUNGEN


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PLATZ FÜR NOTIZEN UND EIGENE ENTDECKUNGEN


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