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NPZ ! Neue Pressburger Zeitung > Ausgabe Februar 2014 > Jahrgang 2 > Nummer 02 > EUR 3.50 > www.npz-online.eu

POLITIK

wIrTscHAfT

NAcHbArN

KuLTur

freIzeIT

stadtarchitektin Ingrid Konrad im NPz-Interview

5 Jahre euro in der slowakei

ein Kriegsbunker als symbol der Versöhnung

Naive Kunst in der mühle

Golfen in Tschechien

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NPZ Das deutschsprachige Magazin

Neue Pressburger Zeitung aus der Slowakei

2014 - Jahr der Jubiläen und der Neuorientierungen Mit NPZ-Porträts der prominentesten Kandidaten für die Präsidentschaftswahl


TECHNOLOGIEN UNTER KONTROLLE

INHALT

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NPZ Das deutschsprachige Magazin

Inhalt

Neue Pressburger Zeitung aus der Slowakei

impressum

Versorgung und Beleuchtung von Anlagen mithilfe elektrischer Energien Industrieautomatisierung Mess- und Regeltechnik

titelthema Wer hätte es erwartet? Kommentar Gabriele Matzner Präsidentschaftskandidaten

NPZ – Neue Pressburger Zeitung Jahrgang 2, Nummer 2 - Februar 2014 Dezember 2013 / Januar 2014 Registriert beim Kulturministerium der SR: Evidenznummer / Evidenčné číslo: 4719/12 ISSN 1339-0376

Seite 12 Stadtarchitektin Ingrid Konrad im NPZ-Interview

Das Magazin NPZ – Neue Pressburger Zeitung erscheint 10 Mal im Jahr, zum Jahreswechsel und im Sommer als Doppelnummer Herausgeber und Verleger: NPZ – Neue Pressburger Zeitung, s.r.o. Františkánske nám. 7, 811 01 Bratislava DIČ: 2023702076 IČO: 47 023 708 Geschäftsführer: Lic. iur. Josef Aregger, LL. M.

PROJEKTE

Marketingchefin und stellvertretende Chefredakteurin: Barbora Hrvolová info@npz-online.eu Mobil: + 421 903 401 464

LIEFERUNGEN

Sekretariat: Martina Vlkovičová martina.vlkovicova@npz-online.eu Telefon: +421 2 5413 1260

INBETRIEBNAHME AHME

Übersetzungen: Thomas Franke, Dipl.-Pharm. Christel Spanik, Mag. Christoph Thanei.

SERVICE

Redaktionsbeirat: Matthias Földeak, Josef Herczeg, DI Peter Kollárik

Interview: Stadtarchitektin Ingrid Konrad Österreichs Außenminister Kurz Abschied Schweizer Botschafter Künftige Diplomaten Quo vadis, katholische Kirche?

5 Jahre Euro in der Slowakei Änderungen für Unternehmen Seite 24 5 Jahre Euro in der Slowakei

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Nachbarn Bunker-Museum an der Grenze

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SERVICE Durchsetzung geistigen Eigentums Einkommen- und Körperschaftssteuer Novellierungsflut für Alternativenergie Elektronische Unterschrift Seite 28 Ein Kriegsbunker als Symbol der Versöhnung

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partner Slowakisch-Österreichische Handelskammer Deutsch-Slowakische Industrie- und Handelskammer Advantage Austria - AußenhandelsCenter

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kultur

Ständige Mitarbeiterinnen der Redaktion: Dr. Gabriele Matzner-Holzer, DI Slávka Dzureková, Mgr. Katarína Kironská, Mgr. Katarína Šujanová

MONTAGE

POLITIK & Gesellschaft

wirtschaft

Chefredakteur: Mag. Christoph Thanei redaktion@npz-online.eu Mobil: + 421 915 724 759

STUDIEN

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Seite 38 Naive Kunst in der Mühle

Galerie in der Mühle Regisseur Stanislav Barabáš Kunstwerke zu vermieten Ausstellung Ernestine Tahedl Digitale Stadtbibliothek Kaschau Feuilleton Veranstaltungen: Tipps & Termine

freizeit Golfen in Tschechien

Grafik: Tomáš Kostka

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Preis: € 3,50 inkl. MWSt. Jahresabbonnement: 30 € Druck: Ultra Print, spol. s.r.o., Pluhová 49, 831 03 Bratislava

PPA CONTROLL, a.s. | Vajnorská 137 | 830 00 Bratislava Tel: + 421 2 492 37 111 | + 421 2 492 37 374 ppa@ppa.sk | www.ppa.sk

Vertrieb in der Slowakei: Mediaprint, Interpress, in Österreich: Morawa

Seite 50 Golfen in Tschechien

Umschlagbild: Tomáš Kostka, SITA NPZ ! Neue Pressburger Zeitung > Februar 2014 > www.npz-online.eu


Foto des Monats Geschlossene Gesellschaft

Die Polizei hält Demonstranten vom historischen Gebäude des Nationaltheaters ab, in dem die High Society von Bratislava den alljährlichen "Ball in der Oper" zelebriert. (Foto: SITA/Ľudovít Vaniher)


TITELTHEMA

TITELTHEMA

Wer hätte es erwartet?

Das Jahr 2014 bringt uns eine solche Inflation von runden Jahrestagen, dass manche wohl in der Konkurrenz der Gedenkanlässe untergehen werden. Um allein für die Slowakei die wichtigsten Jubiläen aufzulisten: • 100 Jahre Beginn Erster Weltkrieg (Juli 1914) • 75 Jahre Gründung "Slowakischer Staat" (März 1939) • 75 Jahre Beginn 2. WK (1. September 1939) • 70 Jahre Slowakischer Nationalaufstand (SNP) August 1944 • 35 Jahre "Sanfte Revolution" im November 1989 • 10 Jahre EU-Mitgliedschaft (Mai 2004) • 5 Jahre Euro in der Slowakei seit 2009 Jubiläen sind immer ein Anlass, zurück zu blicken und das inzwischen Erreichte zu bewerten: Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass ausgerechnet die Slowakei zehn Jahre nach

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dem EU-Beitritt in der Spitzengruppe der wirtschaftlich erfolgreichen Staaten sein und auf das höchste Wirtschaftswachstum aller Mitgliedsländer in dieser Dekade vorzuweisen haben wird? Jubiläen sind aber auch immer ein Anlass, voraus zu schauen, was sich ändern wird. Um beim Thema zu bleiben: In dieses Jubiläumsjahr der slowakischen EU-Mitgliedschaft fallen aber auch die Wahlen zum EU-Parlament (in der Slowakei eintägig am 24. Mai). Von Wahlfieber ist deshalb aber noch kaum etwas zu merken. Bei ihren beiden bisherigen EU-Wahlen blamierten sich die Slowaken jeweils mit der niedrigsten Wahlbeteiligung aller Mitgliedsländer: 2004 gaben weniger als 17 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab, 2009 waren es dann zwar schon "immerhin" 19 Prozent - aber das war trotzdem der schlechteste Anteil aller EU-Länder. Wer hätte das gedacht, nachdem sich zuvor beim Beitrittsreferendum ein fast an Diktaturen erinnernder Anteil von 92,46 Prozent für den EU-Beitritt ausgesprochen hatte (bei allerdings auch nur knapp über 50 Prozent Beteiligung). Umfragen belegen auch, dass die Sympathiewerte der EU-Institutionen in der Slowakei so hoch sind wie kaum irgendwo sonst. Aber wählen geht man trotzdem nicht. Wie wird es diesmal werden? Das Jahr 2014 bringt aber auch manche Umbrüche und große Veränderungen. Um manche davon geht es auch in dieser Ausgabe der NPZ.

Das politisch meist besprochene Thema ist die Wahl eines neuen Staatsoberhaupts. Geht die Wahl so aus, wie jetzt die Umfragen erwarten lassen, gibt es in diesem Jahr nicht nur einen neuen Präsidenten, sondern einen neuen Premier. Wenn nämlich Robert Fico vom Regierungs- ins Präsidentenamt wechselt. Schon vor der großen Politik müssen sich die Unternehmen in der Slowakei an neue Regeln gewöhnen. Die wichtigsten legislativen und steuerlichen Änderungen hätten darum wohl auch gut in unser "Titelthema" gepasst. Sie finden Sie nun aber doch in der Rubrik "Wirtschaft". Viel Veränderungsdruck wird aber auch auf die katholische Kirche der Slowakei zukommen, auch wenn sie sich bisher noch vor dem frischen Wind aus Rom entziehen zu wollen scheint. - Darüber lesen Sie im Teil "Politik & Gesellschaft". Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünschen wir, dass die Veränderungen, die Ihnen persönlich das Jahr 2014 bringt oder schon gebracht hat, nur von der besten und angenehmsten Sorte sein mögen! Das wünscht Ihnen im Namen der Redaktion Ihr Christoph Thanei

Die NPZ erreicht neben den deutschsprachigen Bewohnern und Expats in der ganzen Slowakei auch die angrenzende österreichische Nachbarregion und Wien sowie Deutsche und Schweizer mit Interesse an der Slowakei und diesem Grenzraum. Sie geht an die wichtigsten im Raum Bratislava und der Slowakei ansässigen Firmen mit deutschsprachigem Hintergrund, an Manager und Unternehmer, Diplomaten, Kulturinstitutionen und Bildungseinrichtungen sowie an Veranstalter von Seminaren, Messen, Ausstellungen und Konferenzen, ausgewählte Hotels und andere Tourismuseinrichtungen.

Leserbriefe sind uns willkommen an die Adresse redaktion@npz-online.eu

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Gedenken und Denken 2014 verspricht reich an Gedenk-Gelegenheiten zu werden, zumindest für Historiker, Politiker und Event-Gestalter, allen voran an die Entfesselung des Ersten Weltkriegs. „Ausgebrochen“ ist dieses Massenschlachten bekanntlich nicht einfach so, wie eine Grippe-Epidemie, ein morscher Zahn oder Strafgefangene. Bis dahin hatten die Vereinbarungen des vor 200 Jahren begonnenen Wiener Kongresses Europa immerhin ein Jahrhundert ohne Massenkriege beschert. Auf 1914 folgten bekanntlich zwei „Weltkriege“, ein neuerlicher „30-jähriger Krieg“, mit allein in Europa fast 100 Millionen Toten. Von Gabriele Matzner, 1997 - 2001 österreichische Botschafterin in der Slowakei

Mit den post-1945-Vereinbarungen, den Vereinten Nationen und später der EU, und leider auch dem „Kalten Krieg“, begann erneut eine - fast - kriegsfreie Periode zumindest in Europa, die immerhin schon bald 70 Jahre andauert. Seit der „Wende“ vor 25 Jahren können auch die im sowjetischen Imperium verhafteten Völker frei an europäischen und globalen Strukturen teilhaben, die, so wollen wir hoffen, die Apokalyptischen Reiter weiter bändigen. An sonstigen runden und halbrunden Daten mangelt es 2014 nicht, die Auswahl ist groß. So starb vor 1200 Jahren Karl der Große, quasi der Urvater Westeuropas, in manchen Köpfen noch immer in Abgrenzung zum „Osten“ oder der christlichen Orthodoxie. Frieden stiftend ist das, mit Blick auf den Balkan, bis heute nicht. Wenig Frieden stiftend war wohl auch das vor 600 Jahren gestartete Konzil von Konstanz, als deren einer „Kollateralschäden“ jene verheerenden Kriege folgten, die die Ermordung des tschechischen Dissidenten Jan Hus auslöste. Klassische Religionskriege scheinen zumindest in Europa passé. An die Weisheit der Regierenden sollte man aber weiterhin nicht vorbehaltlos glauben, sondern besser selbst denken. Aktuelle krisenhafte Entwicklungen in Europa begünstigen neo-nationale und extremistische Kräfte. Die im Mai anstehenden Wahlen zum

Europäischen Parlament könnten böse Überraschungen bringen. Andere Jubiläen werden wohl weniger Beachtung finden, könnten aber auch Stoff zum Nachdenken bieten: die chinesische Erfindung des Schießpulvers vor angeblich 970 Jahren, die Geburt, vor 710 Jahren, des vermutlich ersten großen „Welt-Entdeckers“, Ibn Battuta, die Erfindung der Konservendose durch einen französischen Koch vor 210 Jahren oder die ersten olympischen Winterspiele und die Abschaffung des türkischen Kalifats, 1924. Oder die Geburt des Schauspielers Peter Lorre in Ružomberok 1904 und der Tod des ersten slowakischen Ministerpräsidenten der Tschechoslowakei, Milan Hodža, vor 70 Jahren. UNO und EU erinnern uns mittels regelmäßiger Mottos an uneingelöste Menschheitsfragen: Doch wer weiß schon, dass 2014 u.a. das Jahr der Familienbetriebenen Landwirtschaft, der Kristallographie und der europäischen Bürgerinnen und Bürger ist? Dass wir im Jahrzehnt des Wassers und der Straßenverkehrssicherheit leben? Dass der Internationale Tag des Schwertschluckens am 23. Februar ausgerechnet in den Internationalen Monat der Essstörungen fällt? Sollte uns das nicht zu denken geben? Vielleicht zeigt uns auch das aktuelle chinesische Jahr des Pferdes einen Weg? In einem solchen Jahr Geborene sind im-

mer gut gelaunt, können gut mit Geld umgehen und ihre Zukunft planen, sind künstlerisch begabt und weise, neigen aber zu Ungeduld. „Gemeinsam sind wir stark“, lautet das chinesische Motto für 2014. Das wäre doch schon etwas, das die vielen ins berufliche Prekariat verdammten jungen und weniger jungen Menschen in Europa motivieren könnte? Und zwar mit Ungeduld. Gedenken ist gut und schön. Denken noch besser! Foto: Shutterstock

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TITeLTHemA

Wer wird neuer Präsident? Die rekordzahl von fünfzehn Kandidaten tritt bei der Direktwahl des Präsidenten der slowakei im märz an. Parlamentspräsident Pavol Paška bestätigte mitte Januar formell, dass alle termingerecht zum 9. Januar eingereichten Kandidaturen gültig seien. unter den zum ersten wahldurchgang am 15. märz Antretenden ist mit Helena mezenská nur eine einzige frau - und auch sie hat nach umfragen nur geringe chancen. sollte erwartungsgemäß kein Kandidat die absolute mehrheit erzielen, folgt am 29. märz eine stichwahl zwischen den beiden stimmenstärksten Kandidaten. Als hoher favorit gilt nach allen umfragen der sozialdemokratische Premier robert fico. zwischen mehreren anderen Kandidaten wird ein offenes rennen um den zweiten Platz und damit den einzug in die stichwahl gegen fico erwartet. Der derzeitige Präsident Ivan Gašparovič bleibt noch bis 15. Juni im Amt, der wahlsieger wird also längere zeit auf seinen eigenen Amtsantritt warten müssen. Die NPz fragte die prominentesten und nach den umfragen aussichtreichsten Kandidaten nach Ihren zielen und Programmen. Text: Christoph Thanei

geboren am 15. September 1964 in topoľčany. Jurastudium in Bratislava (titel JUDr. 1986), 1988 Abschluss der Richter-Ausbildung, 1988-92 postgraduales Studium in Strafrecht an der Slowakischen Akademie der Wissenschaften (titel CSc. mit einer Arbeit über die todesstrafe), 2002 Habilitation zum Dozenten. Ab 1986 als Jurist im Justizministerium tätig, 1994-2000 Vertreter der Slowakei bei Verfahren vor dem europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Parallel dazu ab 1994 Fraktionschef der Partei der Demokratischen Linken (SDĽ) im slowakischen Parlament, dann Vizeparteichef. 1999 Austritt aus der SDĽ und Gründung seiner eigenen Partei Smer. Slowakischer Premier 2006-2010 und zum zweiten Mal seit April 2012.

Robert Fico Ziele: Die Funktion des Präsidenten wird in den kommenden Jahren sehr wichtig für den Erhalt der Stabilität in der Slowakei. Gemeinsam mit dem Parlamentspräsidenten und Regierungschef muss er den sozialen Frieden zu garantieren. Er muss patriotisch sein und die nationalstaatlichen Interessen der Slowakei durchsetzen. Der Präsident muss seine Aufgabe sofort beherrschen. Er kann sich nicht erst während der Amtsausübung einlernen. Das erfordert Erfahrung mit der slo-

geboren am 1. Januar 1944 in Bratislava. Jurastudium in Prag und Bratislava (1971 Doktorat), als Anwalt für christliche Dissidenten in der tschechoslowakei tätig. 1981 vom Anwaltsberuf ausgeschlossen, betätigt sich aber weiter als Berater religiöser Regimegegner. im März 1988 Mitorganisator der legendären "Kerzendemonstration" in Bratislava. 1989 wird er wegen seiner Oppositionstätigeit für mehrere Monate ins Gefängnis gesperrt und sitzt dort noch, als im November 1989 die "Samtene Revolution" beginnt. erst am 25. November wird er freigelassen und wird wenige tage später stellvertretender Regierungschef der tschechoslowakischen Übergangsregierung. 1991-92 ein Jahr lang slowakischer Premier, 1998-2002 Justizminister. er ist Gründer der konservativen "Christlich-Demokratischen Bewegung" KDH, deren Vorsitzender er bis zum Jahr 2000 bleibt. Für seine Präsidentschaftskandidatur ist er inzwischen aus der KDH ausgetreten.

Ján Čarnogurský Programm: Die Funktion des Präsidenten wird in den kommenden Jahren sehr wIch werde ein Präsident aller Bürger ohne Unterschied nach Rasse, Geschlecht, Nationalität, Glauben und sexueller Orientierung. In der Slowakei gibt es Regionen, in denen fast die Hälfte der arbeitenden Menschen vom Mindestlohn lebt. Deshalb werde ich die Erhöhung dieses Mindestlohns durchsetzen. Pensionisten müssen Medikamente

wakischen Politik, korrekte Beziehungen zu den Sozialpartnern und persönliche Kontakte zu ausländischen Repräsentanten. Ich bin bereit, der Slowakei alle meine politische Kunst und internationale Verankerung aus über 20-jähriger Karriere als Politiker und Jurist anzubieten. Ich will überparteilich und zugleich dynamisch sein und die Befugnisse des Präsidenten ausüben ohne irgendwelche Notwendigkeit, sie auszuweiten. Der Präsident braucht vor allem eine natürliche Autorität und soziales Empfinden.

geboren am 2. Februar 1963 in Poprad. elektrotechnik-Studium an der StU Bratislava. Nach einem USA-Aufenthalt erste Firmengründung (Schmuckhandel), 1996 Mitbegründer einer Finanzierungsfirma, 2005 Verkauf aller Firmenanteile, um sich der Wohltätigkeit zu widmen. 2006 Gründung der Wohltätigkeitsorganisation Dobrý Anjel. Dobrý Anjel hilft Familien mit schwerkranken Kindern. in sieben Jahren sammelte Dobrý Anjel über 21 Millionen, die bis auf den letzten Cent verteilt wurden, und half nahezu 6000 Familien. 2006 Manager des Jahres der Zeitschrift "trend" und Auszeichnung "Krištáľové krídlo" für Philanthropie. Hält Vorträge über Philanthropie. Autor zweier Ratgeber für Manager.

geboren am 9. Juni 1952 in Veľká Maňa (Südwestslowakei). Jura-Studium in Bratislava (1978 titel JUDr.), tätigkeit als Firmenanwalt. Seit der Wende 1989/90 im Parlament, zuerst dem föderalen der ČSFR, dann dem der Slowakei. 20002009 Parteivorsitzender der konservativen Christlich-Demokratischen Bewegung KDH. 1998-2002 und 2010-2011 stellvertretender Parlamentspräsident, 2002-2006 und 2011/12 Parlamentspräsident. Seit 2012 Fraktionsvorsitzender der KDH.

Andrej Kiska

Pavol Hrušovský Ziele: Wie auch andere Bürger spüre ich, dass die Slowakei in die falsche Richtung geht. Anständigkeit und Zusammengehörigkeitsgefühl gegen der Gesellschaft verloren. Der Staat kann sich nicht um die Schwachen und Alten kümmern, auf der anderen Seite werden Gewerbetreibende und Unternehmer zu Staatsfeinden gestempelt. Von Jahr zu Jahr verschlechtern wir uns in internationalen Bildungsvergleichen sowie bei Korruption und unternehmerischem Umfeld. Ich bin überzeugt, dass

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Warum ich kandidiere: heutzutage keine Zeit für Experimente ist, bei denen ein Mensch und eine Partei alles beherrschen. Die bisher zweijährige Smer-Alleinregierung zeigt, dass es dem Staat schadet, wenn wir eine "Staatspartei" haben. Für die Probleme der Slowakei gibt es keine einfachen Lösungen, sondern sie erfordern Zusammenarbeit und gegenseitige Machtkontrolle. Als Präsident will ich meine Fachkenntnisse, Erfahrungen und internationalen Kontakte nützen, um das Experiment einer Staatspartei abzuwenden. Ich bin überzeugt, dass wir das gemeinsam schaffen.

umsonst bekommen. Ich werde den Bau von Mietwohnungen vor allem für junge Menschen und Familien unterstützen. Die Hälfte der Ämter in der Slowakei muss eingespart werden und das so gesparte Geld kann für die Schaffung von Arbeitsplätzen verwendet werden. Ich unterschreibe kein Gesetz, das die Bürger mit höheren Steuern und Abgaben belastet.

Jahrelang bin ich als Unternehmer auf Unzulänglichkeiten unseres Staates gestoßen wie mangelnde Einbringlichkeit des Rechts und Bürokratie. Später habe ich mit einem Freund die Wohltätigkeitsorganisation Dobrý Anjel (Guter Engel) gegründet. Erst die Arbeit für Dobrý Anjel hat mir das entsetzliche Versagen unseres Staates gezeigt. Ich bin auf ein katastrophales Sozialsystem und ein nicht funktionierendes und korruptes Gesundheitssystem gestoßen. Nachdem eine Kinderkrankenhaus-Investition scheiterte, wurde

mir bewusst, dass ich karitativ zwar Tausenden helfen konnte, aber um noch mehr zu helfen, muss ich in die Politik gehen. Ich will den Menschen wieder Vertrauen in das Präsidentenamt geben. Sie sollen wissen, dass der Präsident auf ihrer Seite ist und für sie kämpft. Der Präsident darf nicht verlängerter Arm einer Partei oder seiner Sponsoren sein. Wir brauchen einen Präsidenten, der die realen Probleme der Menschen kennt.

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TITeLTHemA

geboren am 28. August 1945 in Horné Plachtince (Südslowakei). Schon während der Mittelschule spielte er in Amateurtheatergruppen. Schauspielstudium an der Hochschule der musischen Künste in Bratislava. Ab 1968 zweijähriger Aufenthalt in Frankreich (Stipendium). Nach seiner Rückkehr in mehreren theatern Bratislavas als Schauspieler engagiert, zuletzt am Nationaltheater bis 1989. Legendär wurde er als Mitorganisator und Moderator der großen November-Demonstrationen in Bratislava, die in den Sturz des kommunistischen Regimes mündeten. Berater von Präsident Václav Havel und Abgeordneter des föderalen Parlaments der ČSFR. Begründet und führt 1990 das slowakische Ministerium für internationale Beziehungen. 1992 bis 1993 Vizepremier und Außenminister der Regierung Mečiar, später aber wird er zum Mečiar-Gegner. 1998 bis 2002 Kulturminister. 2003 bis 2007 Generaldirektor des Privatsenders tV JOJ.

Milan Kňažko Warum ich kandidiere: Ich bin nicht zufrieden mit der gegenwärtigen Situation. Wie können junge Menschen von einer Gesellschaft inspiriert werden, in der sie ständig von Korruptionsaffären und Amtsmissbrauch hören? Wenn gebildete und fleißige junge Leute ihre Zukunft nur im Ausland sehen, ist hier etwas nicht in Ordnung. Ich will ein Land, in dem Moral und Gerechtigkeit an erster Stelle stehen und die Politiker auf ihre Bürger hören. Wo der Bürger an erster Stelle steht.

Es sind keine neuen Revolutionen wie 1989 nötig. Es genügt die Vollmacht des Präsidenten zu nützen und den Krieg zu erklären und zwar an Korruption, überteuerte Ausschreibungsverfahren, Verschuldung und hohe Steuern, aber auch einen Krieg gegen Unanständigkeit und Ungerechtigkeit. Darum bewerbe ich mich um das Präsidentenamt.

geboren am 31. März 1972 in Bratislava. 1990-95 Jura-Studium in Bratislava. 1997-2001 Yale Law School, New Haven, USA (titel LL.M., J.S.D.). Danach an der juridischen Fakultät in trnava PhD. 2004, Dozent 2005 und mprof. (außerordentlicher Professor) 2011. Juristische Karriere in slowakischen und internationalen institutionen wie Justizministerium der SR, Venedig-Kommission, Berater der Delegation der europäischen Kommission. Seit 2002 Mitglied der Anwaltskammer des Staates New York, 2004-2006 Vertreter der Slowakei vor dem eU-Gerichtshof, seit 2007 eigene Anwaltskanzlei. Seit 2010 Parlamentsabgeordneter. "Von meinen Aufgaben, die ich im Leben erfülle, betrachte ich als wichtigste die als Familienvater. ich habe 2006 geheiratet und bin froh darüber. Wir haben zwei kleine Kinder und leben in einem Drei-Generationenhaus mit großem Garten und fünf Hunden."

Radoslav Procházka Ziele: Ein starker Präsident soll in erster Linie die Menschen schützen. Im Namen der Bürger werde ich die Erfüllung von Regierungsversprechen überwachen, slowakischen Firmen die Türen ins Ausland so öffnen, dass sie Arbeit für die Menschen hier schaffen, und einen Teil des Präsidentenamtes verlege ich nach Banská Bystrica und nach Košice. Zu den wichtigsten Prioritäten gehört auch, die Verhältnisse in der Justiz in Ordnung zu bringen und die Gleichheit vor dem Gesetz

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durchzusetzen. Zugleich will ich das Amt zum Schutz unabhängiger Kontrollinstanzen vor politischem Druck nützen. Trinkwasser und Boden betrachte ich als Rohstoffe von strategischer Bedeutung und werde daher ihren Schutz durchsetzen.


Politik & GESELLSCHAFT

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Die Chefarchitektin Bratislavas, DI Ingrid Konrad, ist eine sehr beschäftigte Frau. Es hat eine Weile gedauert, bis die energische Freiraumgestalterin einen Freiraum in ihrem Terminkalender gefunden hatte. Sie kam zu unserem Interviewtermin erschöpft nach einem anspruchsvollen Arbeitstreffen, der Termin wurde beinahe nochmals verschoben. Doch nach einer Weile erschien ein Lächeln auf ihrem Gesicht und sie war im entflammten Erzählen über ihre Arbeit und ihre Pläne fast nicht mehr zu halten. Text: Slávka Dzureková, Fotos: Viera Kiselová (1), Martina Jakušová (1), Slávka Dzureková (1)

NPZ: Sie sind in den 1980-er Jahren aus der damaligen Tschechoslowakei emigriert und lebten danach lange in Wien. Wie verlief Ihre Karriere in Österreich? Ingrid Konrad: Ich konnte mit verschiedenen Architekturbüros zusammenarbeiten und machte alles Mögliche. Ich plante Einfamilienhäuser, Wohnungen, Industriebauten, Tankstellen und auch einen Pferdestahl. Besonders interessant war der Umbau der Synagoge in der Seitenstättengasse in Wien in Zusammenarbeit mit dem Architekten Thomas Feiger. Um mein Diplom aus Bratislava zu nostrifizieren, musste ich auch an der Technischen Universität Wien noch einige Fächer nachholen, die in Bratislava nicht unterrichtet wurden, darunter zum Beispiel Baurecht, Gartengestaltung und Freiraumgestaltung. Von 1993 bis 2005 hielt ich dann an der TU selbstständige Vorlesungen in Freiraumplanung. Parallel dazu eröffnete ich mein eigenes Büro.

„Die Bürger sollten die Stadtentwicklung aktiv mitgestalten“ 12

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Was hat Sie wieder nach Bratislava gezogen? Die Umstände meiner Rückkehr waren überhaupt nicht fröhlich. Leider ist 2006 mein Ehemann verunglückt, und ich musste nach seinem Tod in seinem Büro in Bratislava einige Sachen fertig stellen. Sonst wäre ich möglicherweise gar nicht hierher zurück gekommen. Wo fühlen Sie sich mehr zu Hause? Ich lebe seit einigen Jahren in Bratislava und fühle mich sowohl hier als auch in Wien zu Hause. Ich bin in Bratislava aufgewachsen und habe hier viele Freunde und Bekannte, meine Söhne und Verwandten wohnen jedoch in Wien.

Was hat Sie dazu bewegt, sich um die Position der Chefarchitektin zu bewerben? Ich habe an Projekten für die Stadt gearbeitet und war vier Jahre in der Kommission für die Entwicklung des Stadtteils Vajnory tätig. Somit habe ich einen Einblick in die Probleme der kommunalen Selbstverwaltungen bekommen. Durch die Arbeit an der Stadtentwicklung lernte ich viele hervorragende Menschen kennen und bin bis heute überzeugt, dass man in Zusammenarbeit mit solchen Menschen die Stadtentwicklung positiv beeinflussen kann. Leider machte ich dabei auch die Erfahrung, dass der Magistrat oft wie eine unüberwindbare Glaswand funktionierte und ich wollte das ändern. Auch Freunde und Kollegen überredeten mich zu einer Bewerbung. Dabei hatte ich in Österreich immer eine Beamtenposition abgelehnt. Was sind Ihre wichtigsten Aufgaben als Chefarchitektin? Der Chefarchitekt ist vereinfacht gesagt für die Stadtentwicklung und deren Regulierung zuständig. Er wirkt an der Gestaltung der Flächenwidmungspläne mit, sowohl bei neuen Plänen als auch bei Änderungen und Ergänzungen. In einem Flächenwidmungsplan wird beschlossen, wo, was und wie gebaut werden soll. Es ist etwas wie eine generelle Vision, wie die Stadt aussehen und funktionieren soll. Außerdem geben wir zu allen Bauten in allen 17 Stadtteilen Bratislavas verbindliche Stellungnahmen ab, ob sie mit dem Flächenwidmungsplan übereinstimmen. Es gab jahrelang keinen Chefarchitekten in Bratislava. Sie sind nach einer langen Pause die zweite.

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Politik & GESELLSCHAFT

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staltung in Bratislava muss ich für diese Position erst erkämpfen. Ich sollte gar nicht in diese Verwaltungsstruktur eingebunden sein, sondern ebenso wie der Chefverkehrsingenieur Tibor Schlosser eine strategische Funktion ausüben. Unter diesen Umständen empfand ich das fachliche und organisatorische Niveau der Ausschreibung der Position des Chefarchitekten als sehr erfreulich. Das erweckte in mir die Hoffnung, dass positive Änderungen möglich sind.

Kurzportrait Seit Juni 2011 ist DI Ingrid Konrad Chefarchitektin der Hauptstadt der Slowakischen Republik Bratislava. Sie wurde in der Region Liptau im Norden der Slowakei geboren, lebte seit ihrem 5. Lebensjahr in Bratislava. 1986 emigrierte sie nach Österreich und lebte seitdem in Wien. Sie studierte Architektur in Bratislava und Wien und unterrichtete an der Technischen Universität Wien. Außerdem sammelte sie langjährige Berufserfahrung als Architektin. Sie schätzt engagierte Menschen und mag nicht Gleichgültigkeit und nutzlose Arbeit. Haben Sie von ihrem Vorgänger etwas „geerbt“? Mein Vorgänger Professor Štefan Šlachta war eher als Berater des Oberbürgermeisters Ďurkovský tätig. Die wirklichen Kompetenzen des Chefarchitekten definierte erst ein 2008 in Kraft getretenes Gesetz, also ich leiste auf diesem Gebiet praktisch Pionierarbeit. Die Kompetenzen sind leider bis heute nicht alle umgesetzt worden, und die Struktur der Stadtverwaltung ist noch nicht auf die gesetzlichen Bestimmungen eingestellt. Ich bin durch das Stadtparlament gewählt worden und bin Mitglied des Stadtrates, was ein Erfolg für die Baukultur dieser Stadt ist, weitere Rollen, wie die Zuständigkeiten für die Qualität der Baukultur und Freiraumge-

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Welche sind die wichtigsten Aufgaben, die Sie als Chefarchitektin umsetzen möchten, und was ist Ihnen bereits gelungen? Bratislava hat einen Flächenwidmungsplan, aber es fehlen flächendeckende Bebauungspläne. Das ist ein generelles Regelwerk, wo und wie gebaut werden kann, wie die Baulinien verlaufen, wo die Fläche nicht bebaut werden darf etc. Außerdem wäre mir sehr wichtig, dass alle Projekte und Investitionsabsichten gleich begutachtet werden, das heißt, dass Projekte transparent und objektiv ausgewertet werden. Es ist mir bereits gelungen, einen sogenannten „Chefarchitektinrat“ ins Leben zu rufen, in dem größere Projekte unter Teilnahme von Fachleuten, VertreterInnen des Magistrats, des Stadtteiles und des jeweiligen Investors begutachtet werden. Ich halte es für sehr wichtig, dass die im Konsens gefundenen Ergebnisse der Ratssitzungen niedergeschrieben werden und für die genehmigten Projekte verbindlich sind. Ohne transparente und verbindliche Absprachen ist es sehr schwer, im bestehenden Umfeld von InvestorInnen, PolitikerInnen und BeamtInnen zu arbeiten. Mein Anliegen ist es, dass eindeutige Regeln einer Projektbeurteilung festgelegt werden. Klar ist es ein mühsamer Prozess und es geht alles nur schrittweise vor sich. Man muss einfach optimistisch sein. Als positiv sehe ich zum Beispiel, dass der jetzige Oberbürgermeister Milan Ftáčnik das Magistrat wortwörtlich transparent für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat und die verbindlichen Stellungnahmen auf

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der Webseite der Stadt veröffentlicht werden. Die Bürger konnten bisher etwa 900 Stellungnahmen einsehen. Seit der Wende hat sich schon viel geändert, doch leider wurden die Umbruchszeiten nicht zur Stabilisierung der öffentlichen Verwaltung genutzt. Das öffentliche Interesse ist an die letzte Stelle gerückt worden. Nach jeder Wahl gibt es bei der öffentlichen Hand grundlegende z.B. auch parteipolitisch beeinflusste personelle Änderungen, somit fehlt es an Kontinuität, es fehlt so etwas wie ein Gedächtnis der Stadtentwicklung.

Das würde ein konfliktloses Zusammenleben in der Stadt fördern. Es geht sowohl ums Wohnen, als auch um die Infrastruktur, Sport und Erholung, Arbeitsräume, Kultur, Gesundheit, Soziales usw. Die Menschen sollten mitreden und aktiv an der Stadtentwicklung teilnehmen. Und das geht ohne Regeln nicht. Die SlowakInnen sind aus der Vergangenheit gewohnt, alles durchzustehen, gegenüber der Staatsgewalt sich eher zurückzuziehen. In diesem Zusammenhang ist wichtig, dass wir lernen, mit der Öffentlichkeit zu diskutieren.

Sie haben an der Technischen Universität Wien Freiraumplanung unterrichtet. Wie sehen Sie als Expertin auf diesem Gebiet die Entwicklung der öffentlichen Räume in Bratislava? Das grundlegende Ziel der Freiraumplanung sehe ich darin, dass die Stadtplanung als Planung der nicht zu bebauenden Räume gesehen wird und damit eine neue Qualität der Stadt entstehen kann. Bis dato sind die öffentlichen Freiräume als Resträume rund um die Häuser verstanden worden, jeder Quadratmeter der bebauten Fläche zählte, weil die Inverstoren Hand in Hand mit den Politikern ohne Rücksicht auf das öffentliche Interesse handeln konnten. In Wien werden alle Bauten unter Berücksichtigung der öffentlichen Interessen begutachtet und die Öffentlichkeit kann an der Freiraumgestaltung teilnehmen. Das vermisse ich in Bratislava. Der Freiraum sollte nicht nur als nur nicht bebaute Fläche wahrgenommen werden, er sollte in den Mittelpunkt des öffentlichen Lebens rücken, spezifische Funktionen des Stadtlebens auch aus der traditionellen Sicht, eine spezifischen Stadtästhetik übernehmen und den Bedürfnissen der Einwohner entgegenkommen. Unsere Aufgabe soll sein, die öffentlichen Interessen zu verteidigen, zum Beispiel indem wir einen Rahmen für die Zusammenarbeit mit privaten Investoren festlegen und Korruption verhindern. Die Bautätigkeit betrifft ja alle in der Gesellschaft, nicht nur die Politiker und Investoren. Ich stoße immer wieder darauf, dass in Bratislava für viele Bereiche Konzepte mit Regeln fehlen, die für alle gleich gelten.

Wie funktioniert gegenwärtig die öffentliche Diskussion in Fragen Stadtentwicklung und Freiraum in Bratislava? Das kritische Umfeld gestalten gegenwärtig insbesondere etwa 80 Non-Profit-Organisationen aus verschiedenen Bereichen. Sie engagieren sich auch in verschiedenen Themen der Stadtentwicklung, wie z.B. die Umleitung der Erdölpipeline außerhalb des Stadtgebietes, Aufbau der Radwege oder Schaffung und Erhaltung von Grünräumen. Neben engagierten Bürgern sind in diesen Vereinen oft Fachleute aktiv, die nach einem Amtswechsel nach den Wahlen aus der Verwaltung ausgeschieden sind. Das sind fachlich kompetente Menschen, mit denen ich sehr gerne zusammenarbeite und die mir eine große Hilfe sind. Sie schaffen oft Großes mit wenig Geld, für ihre Tätigkeit nützen sie manchmal auch Gelder aus den EU-Fonds. Was sehen Sie persönlich als Prioritäten der Stadtentwicklung für die Zukunft? Die nachhaltige und umweltfreundliche Entwicklung der Stadt. Eines der wichtigsten Anliegen ist der Aufbau der grünen Infrastruktur. In den kommenden Jahren werden die alternativen Energiequellen immer bedeutender. Das ist in Bratislava ein absolut vernachlässigtes Thema. Außerdem werden die Grünflächen, Alleen, Parks und Erholungszonen immer weniger. Die Stadt wächst ständig, die Einwohner brauchen dringend neue Grünflächen und Erholungszonen. Es fehlt eine stabile sozialpolitische Konzeption, die die Stadt

nicht mehr als industriellen Ort, sondern als Lebensraum sieht. Das ist der Trend überall in der Welt. Bei Nachhaltigkeit und Umweltschutz soll die Wirtschaftlichkeit Hand in Hand mit der Ökologie gehen. Die Energiepolitik in Bratislava macht endlich größere Schritte. Bratislava soll eine ökologische Stadt werden. Wir engagieren uns für die Projekte der EU, die Bratislava Richtung „Smart City“ bewegen. Es werden Fachleute geschult, die den Wohnungseigentümern umweltverträgliche Beratung in allen Bereichen wie Wohnen, Arbeiten, grüne und technische Infrastruktur anbieten. Gerade arbeiten wir an einer Strategie zu den Veränderungen, die durch den Klimawandel verursacht wurden und werden, und stoßen dabei auf eine breite Zustimmung aller Beteiligten. Wie gefällt Ihnen, das endlich genehmigte Projekt der Erneuerung der Alten Brücke? Die Brücke wird als eine neue Konstruktion für Straßenbahn, Fußgänger und Radfahrer ausgeführt, was für den Stadtteil Petržalka sehr wichtig ist und sicher Verbesserungen im öffentlichen Verkehr und eine Entwicklung in Richtung sanfter Mobilität voran treibt. Angesichts der jahrzehntelang diskutierten U-Bahn, für die sich wohl nie das Geld finden wird, denke ich, dass die Straßenbahn eine ausreichende Lösung sein könnte. Die Brücke wird wie eine Eisen-

bahnbrücke aussehen. Ich persönlich glaube nicht, dass die Straßenbahn unbedingt durch soviel Eisen von Fußgängern und Radfahrern getrennt werden muss. Auch die Abweichung vom historischen Bild ist nicht ganz in meinem Sinne. Aber Hauptsache die Brücke wird dann wieder benutzbar. Positiv ist auch, dass durch die neue Konstruktion der Brücke zugleich die Donau besser schiffbar wird. Der Schiffsverkehr hat auch eine große Bedeutung für die künftige Lösung der Verkehrsprobleme. Neben dem „Propeller“, der die zwei Donauufer verbinden wird, sollen noch Linienschiffe von Devín bis nach Vrakuňa verkehren und den Straßenverkehr reduzieren. In diesem Zusammenhang ist die Renovierung des Personenhafens in Bratislava sehr wichtig. Er dient auch der Schiffsverbindung des Twin City Liner zwischen Wien und Bratislava und gibt in seinem jetzigen Zustand für den Tourismus kein schönes Bild der Stadt ab. Sind Sie trotz aller Probleme in Ihrer Arbeit noch immer optimistisch? Ja, doch. Sonst könnte ich meine Arbeit gar nicht machen. Ich habe hier in Bratislava viele gute Fachleute getroffen, und die SlowakInnen sind offen für Neues und engagieren sich gerne im öffentlichen Leben. Es gibt auch sehr begabte und engagierte junge Menschen, die neue Ideen einbringen. Das gibt mir Energie und stärkt meinen Glauben, dass sich doch Vieles durchsetzen lässt.

Beginn des Umbaus der Alten Brücke

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Politik & GESELLSCHAFT

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Gruppenbild mit dem Team der Österreichischen Botschaft (Außenminister Kurz in der Bildmitte)

Szenen einer neuen Freundschaft Text: Christoph Thanei, Fotos: Dragan Tatic / Außenministerium Österreich

Der neue österreichische Außenminister Sebastian Kurz besuchte die Slowakei am 16. Dezember auf einer seiner überhaupt ersten Auslandsreisen schon knapp nach seinem Amtsantritt. Gastgeber Miroslav Lajčák hatte schon mit seinem früheren österreichischen Amtskollegen Michael Spindelegger ein freundschaftliches Verhältnis gepflegt. Unter anderem hatte man sich wiederholt zum Tennisspielen und zu Opernbesuchen getroffen. Dieses freundschaftliche Verhältnis will Lajčák nach eigenen Worten auch zum neuen Mann an der Spitze der österreichischen Diplomatie fortführen. Die Journalisten - nicht nur aus der Slowakei interessierten sich besonders für das jugendliche Alter von Sebastian Kurz - 27 Jahre.

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Konzert zum Abschied vom Schweizer Botschafter Fotsch Text: Christoph Thanei, Fotos: Schweizerische Botschaft

Mit einer kurzen Dankesrede nahm der Schweizer Botschafter Christian Fotsch am 19. Januar Abschied von der Slowakei und überließ dann das geladene Publikum einem hinreißenden Konzert unter dem Titel „Neujahrsgrüße aus der Schweiz“. Mit Schwung und Humor führte der Schweizer Dirigent Kaspar Zehnder das Metropolitan Orchester Bratislava und die Besucher durch ein Programm aus überwiegend sanften Instrumental- und Operettenstücken der namhaftesten mitteleuropäischen Komponisten. Zugleich mit Botschafter Fotsch verabschiedete sich auch der für Tschechien und die Slowakei zuständige Handelsrat Anton Hagen.

Botschafter Christian Fotsch geboren am 22. Mai 1955 in Zürich, Jurastudium in Freiburg. Mehrjährige Tätigkeit beim Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (darunter auch Einsätze in Libanon, Irak, Israel/Palästina und Uganda), diplomatische Karriere mit Stationen in Mexiko, Tokio, Bangkok, dazwischen zweimal diplomatischer Berater und persönlicher Mitarbeiter des Schweizer Bundespräsidenten und unter anderem Chef der Sektion UNO im Schweizer Außenministerium. 2010-2014 Schweizer Botschafter in der Slowakei. Seine nächste Wirkungsstätte wird Bangladesch sein, verriet er der NPZ.

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Künftige Diplomaten diskutieren globale Probleme

Looking for pleasure?

Das Projekt „Modellkonferenz“ findet jährlich auf dem Boden der Wirtschaftsuniversität Bratislava statt. Studenten des 2.Studienjahres des Masterstudiums bereiten das „Forum für das 21. Jahrhundert" vor und beraten mit Fachleuten aus der Praxis über die Probleme der heutigen Welt. Text: Martina Vlkovičová, Fotos: Adam Bárta

Die Fakultät für internationale Beziehungen an der Wirtschaftsuniversität begann mit den Vorbereitungen der Modellkonferenz mit dem Titel „Forum für das 21. Jahrhundert". Unter dieser Bezeichnung simulieren die jungen künftigen Diplomaten Verhandlungen im Rahmen fiktiver Internationaler Organisationen. Das Projekt hat eine siebenjährige erfolgreiche Geschichte. Dieses Jahr werden die Studenten mit den anwesenden Experten die ökonomischen Aspekte der Aufteilung der Arktis lösen und sich auch mit den politischen Konsequenzen der Syrien-Krise beschäftigen. Die Modellkonferenz schafft eine außergewöhnliche Gelegenheit für die praktische Ausbildung der Studenten der internationalen Beziehungen und Diplomatie in der Slowakischen Republik. Im Verlauf der Vorbereitungen der Konferenz erwerben die Studenten die Fähigkeit, im Team zu arbeiten, gegensätzliche Meinungen zu akzeptieren, entsprechend zu präsentieren und ihre Argumentation zu verstärken.

Das „Forum für das 21. Jahrhundert" im Jahr 2013“

Die Modellkonferenz bietet eine institutionelle Plattform, um ein umfassendes Projekt zu realisieren, bei dem die Studierenden ihre bisherigen theoretischen Kenntnisse in Anwendung bringen können. Die Modellkonferenz eröffnet auch einen Raum für die Zusammenarbeit mit anderen Von rechts Jaan Zaher, World Afghan Professionals Organization, Dávid Zolcer, der Student der Wirtschaftsuniversität Bratislava, H.E. Theodore Sedgwick, der amerikanische Botschafter, Herr Peter Hulényi, Nadácia Pontis

Universitäten und Fakultäten unterschiedlicher fachlicher Orientierung. Um der Komplexität des Projekts gerecht zu werden und den fachlichen Standard zu erhöhen, sind bei der Abschlusskonferenz auch Dolmetscher, Journalisten, IT-Studenten und andere Interessierte anwesend. Die nächste Modellkonferenz wird am 27. März in der Aula der Wirtschaftsuniversität Bratislava stattfinden. Die Konferenz ist für die Öffentlichkeit frei zugänglich. Nähere Informationen: www.negociacie.euba.sk

For sure the best cuban bar in country Die Plenarverhandlungen der jungen Diplomaten vor der Abschlusskonferenz.

live music

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cigar lounge

authentic cousine

Das Publikum

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Quo vadis, katholische Kirche der Slowakei ? Das Jahr 2013 war für die katholische kirche ein Jahr der irritation. Seit neun Monaten ist der Argentinier Jorge Mario Bergoglio - Papst Franciskus - das geistliche oberhaupt der katholiken weltweit, ausgenommen offenbar die Slowakei, wo (meiner Ansicht nach) die Botschaft und das Wirken dieses Papstes weder Verstand noch Herzen des klerus erreicht hat. Von Ivan Lehotsky, Studium der Philosophie und Theologie in Fribourg und Zürich. 12 Jahre Tätigkeit für die Katholische Kirche der Schweiz. Dann Gymnasiallehrer in Zürich. Lebt und publiziert in der Slowakei.

Allen voran schreitet die sogenannte „Leitung“ der Kirche, die slowakische Bischofskonferenz, unbeirrt den Weg zurück ins Mittelalter. Die Bischofskonferenz der slowakischen Katholiken hat sich in der letzten Zeit als ein Gremium geoutet, neben dem die schiitischen Ayatollas geradezu als Waisenknaben dastehen. Nur kurz sei hier in diesem Zusammenhang an die unbarmherzige Ausgrenzung und „Liquidation“ des bei unzähligen Gläubigen populären und beliebten Erzbischofs Bezak erinnert. Zugegeben, ihm fehlte das peinlich klerikale Gehabe und er wollte darüber hinaus die unübersichtlichen finanziellen Zustände in seiner Diözese aufklären und in Ordnung bringen. Ansonsten kennt niemand die eigentlichen Gründe für seine Absetzung, offenbar nicht einmal er selbst. Eine offizielle Verlautbarung hierzu fehlt bis heute. Eine eigentliche Entmündigung der slowakischen Katholiken durch ihre kirchlichen Oberen zeigt sich darin, dass die vom Papst persönlich und ausdrücklich mit einem Formular an jeden einzelnen gläubigen Christen gerichteten Fragen zu Ehe und Partnerschaft von den Bischöfen und Pfarrern an sich gerissen wurden, d.h. die Beantwortung der Fragen ausschließlich in den Händen eben dieser Bischöfe und Pfarrer allein liegt und nicht – wie etwa in

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Österreich und der Schweiz – den eigens und direkt Angesprochenen möglich ist. Hinzu kommt die Einführung des sogenannten „Maulkorbs“ für Priester. Priester und Pfarrer dürfen sich laut einem Diktat der Bischofskonferenz für die Medien und in den Medien nur mit Einwilligung des Diözesanbischofs oder seines Generalvikars äußern. Zudem noch das Verbot für Apotheker, Verhütungsmittel abzu-

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geben, dazu noch die Empörung über ein Lesebuch für die Volkschule, wo es um die Geschichte einer nicht traditionellen, aber heute fast schon normalen Familie geht, genauer: einer alleinerziehenden Mutter, die zum guten Schluss ihren Nachbarn heiratet … Das Ungeheuerlichste, was den katholischen Slowaken zugemutet wurde, war die Veröffentlichung des Hirtenbriefs der slowakischen Katholischen Bischofskonferenz am ersten Adventssonntag des Jahres 2013. Während meiner langjährigen seelsorgerischen Tätigkeit in der Schweiz wurde ich auch regelmäßig mit Hirtenbriefen der Schweizer Bischöfe konfrontiert. Manche waren nicht nur meines Erachtens nach, sondern auch aus Sicht vieler meiner Kollegen, d.h. Priester, Pfarrer und Ordenspatres haarsträubend. In solchen Fällen haben die meisten entschieden, den jeweiligen Hirtenbrief in der Kirche einfach gar nicht erst vorzulesen. Es wurde nur darauf hingewiesen, dass jeder, der daran Interesse hat, ihn in der katholischen Presse finden kann. Als ich mich darüber mit einem Kollegen in Zürich unterhielt, war er persönlich dafür, Hirtenbriefe ruhig von der Kanzel verlesen zu lassen. Er begründete seine Ansicht damit, dass sich die Gläubigen dann nach Anhörung solch eines Hirtenbriefes selbst ein

mündiges Urteil darüber bilden können, welch ein bischöflicher Nonsens ihnen dort serviert wurde. Der schon erwähnte Hirtenbrief der slowakischen Bischöfe gehört eindeutig in die erwähnte Nonsens-Kategorie. Ja noch viel schlimmer! Denn der Inhalt, das Hauptthema, wird auf den Begriff: „Kultur des Todes“ reduziert, und alles, was nicht der Doktrin der slowakischen Bischöfe entspricht, ist verabscheuungswürdig. Würde man den Inhalt dieses Briefes ernst nehmen, gewänne man den Eindruck, in der Slowakei solle so etwas wie ein katholischer Taliban eingeführt werden. Neunmal kommt der Begriff „Kultur des Todes“ vor – neben dem der Genderideologie resp. „Gleichgeschlechtlichkeit“, die in gleicher Weise zu verabscheuen sei. In diesem Zusammenhang empfehlen die Bischöfe, vor den bevorstehenden Wahlen nur diejenigen Kandidaten zu wählen, die die „Kultur des Todes“ kategorisch ablehnen. Mit jeder anderen Einstellung würden wir unsere Vorfahren

missachten, die ihr Leben für das Wohl des Heimatlandes geopfert haben (sic!). So steht es wörtlich in dem Hirtenbrief. Selbstverständlich drängt sich bei dieser Formulierung die Frage auf, welche Vorfahren gemeint sind, etwa auch die, die mit dem Segen der katholischen Kirche und dem des slowakischen Präsidenten dem faschistischen und mörderischen Regime während des zweiten Weltkrieg huldigten? Ansonsten beinhaltet besagter Hirtenbrief außer einigen frommen Floskeln ziemlich leeres und geistlos frommes Geschwafel. Papst Franziskus hat vor kurzem vor zigtausend Menschen auf dem Petersplatz ein „Medikament“ verordnet: Als weiße Figur rief er hoch oben vom Fenster des Apostolischen Palastes beim Angelusgebet in die Menge: „Jetzt möchte ich euch zu einer Medizin raten!“ Dann hielt er eine Arzneischachtel hoch, darauf der Schriftzug: „Misericordia“. Kein neuer Markenname, sondern das latei-

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nische Wort für „Barmherzigkeit“. Unten auf dem Platz verteilten Nonnen diese Schachtel, darin ein kleiner Rosenkranz. Die Menge lachte und applaudierte. Ein Papst mit Humor und einfacher, gut verständlicher Botschaft, der bereit ist, auf den gewohnten vatikanischen Prunk und Luxus zu verzichten! Der letzte Abschnitt des slowakischen Hirtenbriefes enthält einen dementsprechend interessanten Gedanken, nämlich, dass Gott seinen Sohn nicht in einem prunkvollen, luxuriösen Palast auf die Welt kommen ließ, was aufhorchen lässt, wenn man weiß und sich vor Augen hält, in welchem Prunk und Luxus die slowakischen Bischöfe leben... Auf Grund der erwähnten Ansichten, die die slowakischen Bischöfe in ihrem Hirtenbrief den Gläubigen verkünden, bin ich persönlich nicht bereit, ihren Segen, mit dem der Hirtenbrief schließt, als Katholik anzunehmen. Quo vadis, katholische Kirche der Slowakei?


WIRTSCHAFT

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5 Jahre Euro in der Slowakei Nach Meinung slowakischer und ausländischer Ökonomen überwiegen nach fünfjähriger Erfahrung mit dem Euro in der Slowakei die Positiva über die Negativa.  Autor: Ivo Trávniček, Chefredakteur des Unternehmerportals Podnikam.SK, Foto: NBS

Anfangs gab es insbesondere Befürchtungen, es käme zu Preiserhöhungen, zu Spekulationen im Handel und zum Betrug am Kunden. Mittelgroße oder große Angst vor Preissteigerungen in Zusammenhang mit dem Übergang zum Euro hatten 87 Prozent der Befragten in einer Umfrage, die im Jahr 2008, also ein Jahr vor Einführung des Euro, vom Amt für Statistik der SR durchgeführt worden ist. „Gerüchte und Skepsis, dass die Slowakei den Übergang zum Euro nicht bewältigen werde, oder dass der Euro eine Teuerung mit sich bringe, haben sich nicht bestätigt“, stellt Igor Barát, der ehemalige Bevollmächtigte der Regierung für die Einführung der Eurozonen-Währung, nach fünf Jahren fest. Seiner Meinung stimmen 37 % der Slowaken nicht zu, die nach einer exklusiven Umfrage der Agentur Focus für die Teuerung von Waren und Dienstleistungen gerade die neue Währung verantwortlich machen. Nach Meinung der Analysten ist es jedoch umgekehrt: der Euro trug zur Stabilität bei, und die Teuerung ist anderen Faktoren zuzuschreiben. Überwiegend eine Erfolgsstory Mit der Billigung der Strategie zur Euroeinführung in der SR wurde der Umstellungsprozess am 16. Juli 2003, beim Beitritt zur Eurozone, eingeleitet. Am 1. Januar 2009 erlangte der Euro in der Slowakei Gültigkeit, und der Wechselkurs gegenüber der Slowakischen Krone wurde auf 30,126 SK pro Euro festgelegt. Die Slowakei wurde zum genannten Datum das 16. Land, in dem die gemeinsame Währung gilt. Aktuell gibt es 18 Länder in der Eurozone, da nach der Slowakei im Jahr 2011 noch Estland und am 1.1.2014 auch Lettland hinzugekommen sind.

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„Nicht eine Sekunde lang bereue ich, dass wir im Jahr 2009 und auch vorher schon so viel Arbeit investiert haben, damit die Slowakei Mitglied der Eurozone wird“, sagte Premierminister Robert Fico beim Diskussionsforum HNClub zum fünften Jahrestag des Euro in der Slowakei. Nach fünf Jahren Euro nehmen 56 % der Slowaken den Euro als gut für ihr Land wahr, und 21 % fühlen sich dank Euro mehr als Europäer als vorher. Die gesamteuropäische Umfrage Eurobarometer hat darüber hinaus gezeigt, dass nach Meinung von 51 % der Slowaken der Euro mitgeholfen hat, die Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu mildern, vom Gegenteil sind 38 % überzeugt. Zehn Meinungen zum Euro Dabei beherrschen die Slowaken das Bezahlen mit Euromünzen und -Banknoten gut, und bei üblichen Einkäufen rech-

nen nur 40 % der Befragten den Euro in die alte Währung um. Für die Zufriedenheit mit der neuen Währung spielen das günstigere Reisen und der Preisvergleich in anderen Euroländern eine große Rolle. Die Eurointegration hat nicht nur Befürworter Heftige Debatten über die neue Währung, aber auch über die Mitgliedschaft in der EU, erlebte die Slowakei, als die Rettungspakete für Griechenland geschnürt wurden und der Europäische Stabilitätsmechanismus – European Financial Stability Facility – EFSF - eingeführt wurde. Diese Debatte ging vor allem vom damaligen Parlamentspräsidenten und Chef der Partei Freiheit und Solidarität (SAS) Richard Sulík aus. Die Slowakei hat als einziges Mitglied der Eurozone bei der ersten Abstimmung im Parlament im Jahr 2011 die Billigung von Änderungen im EFSF mit dem

 Euro und Identität  1) Als gut für ihr Land halten den Euro 56 % der Slowaken  2) Als gut für die EU halten den Euro 69 % der Slowaken  3) Dank Euro fühlen sich mehr als Europäer 21 % der Slowaken  Der Euro und seine Anwendung in der Praxis  4) Mit Euromünzen bar zu zahlen ist kein Problem für 68 % der Slowaken  5) Mit Euro-Banknoten bar zu zahlen ist kein Problem für 86 % der Slowaken Der Euro und sein Umrechnen in die alte Währung 6) Bei größeren Einkäufen (Auto oder Haus) rechnen den Euro in die alte Währung um 57 % der Slowaken 7) Bei üblichen Einkäufen rechnen den Euro in die alte Währung um 40 % der Slowaken Der Euro und das Reisen 8) Auslandsreisen sind dank Euro leichter und weniger teuer meinen 47 % der Slowaken 9) Dank Euro ist der Preisvergleich in anderen EU-Ländern leichter meinen 65 % der Slowaken 10) Der Euro führte zu einer Kostensenkung für Bankleistungen beim Besuch anderer EU-Länder meinen 30 % der Slowaken Quelle: Postbank laut Eurobarometer, Oktober 2013

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Ziel, nicht nur einzelne europäische Staaten, sondern auch Banken unterstützen zu können, abgelehnt. Da die Abstimmung mit der Vertrauensfrage verbunden war, stürzte die Regierung, und der Stabilitätsmechanismus wurde schließlich erst mit Unterstützung der Abgeordneten aus der Partei Smer-SD gebilligt. In der öffentlichen Diskussion in der Slowakei spielen Kapitalinjektionen zur Stützung europäischer Banken oder Staaten auch heute noch eine große Rolle. Die Debatte wird auch geführt über das Ausmaß der Einflussnahme Brüsseler Regulierungen auf die verschiedenen Lebensbereiche, ob nun des Staates oder der Bürger; die Währung Euro selbst ist jedoch bereits stark im Leben der Bürger und der Unternehmer verankert. Zufriedene Unternehmer Gerade die Unternehmer hatten mit der Euro-Einführung die größten Sorgen: beginnend bei der Änderung von Buchungsstandards, über die duale Preisanzeige bis zur Angst vor den Auswirkungen der neuen Währung selbst. Ihr Verhalten wurde im ersten Jahr nach der Euro-Einführung von einer speziellen Behörde – dem von der Regierung eingesetzten Preis-Beirat – beobachtet, damit es nicht zu ungerechtfertigten Preiserhöhungen kommt. Es wurden jedoch keine ernsteren Unzulänglichkeiten festgestellt. Wie der Euro wahrgenommen wird, zeigt eine Enquete der Nationalen Agentur für die Entfaltung kleiner und mittlerer Unternehmen, wonach 2008 nur 18 % der befragten KMU in der Euro-Einführung einen Vorteil oder eine Chance für ihre Unternehmungen sahen. Ein Jahr nach der Einführung drückten jedoch in der gleichen Enquete bereits 84,3 % der Befragten ihre Zufriedenheit mit dem Euro aus. Die Unternehmerschaft weiß vor allem die Eliminierung des Kursrisikos bzw. die Verringerung der Transaktionskosten zu schätzen. Da die Ausfuhr in die Länder, die mit Euro bezahlen, fast die Hälfte des slowakischen Gesamtexports ausmacht, spielte die neue Währung vor allem den großen Exporteuren in die Karten. Dank Euro ist die Slowakei auch für einige ausländische Investoren interessanter ge-

worden. Im Rahmen der Visegrader Vier sind wir nämlich das einzige Land, das mit der gemeinsamen europäischen Währung zahlt. Paradox ist, dass der Euro gerade wegen des hohen Exports in die benachbarten V4-Länder – Tschechien, Ungarn und Polen – für einige Unternehmen, die sich auf diese Länder orientieren, wegen der Kursbewegungen bei den Nachbarn ein Nachteil sein kann. Bei der gemeinsamen Diskussion waren sich die Ökonomen und Analysten aus den V4-Ländern einig, dass sie die Annahme des Euro auch anderen postkommunistischen Ländern empfehlen würden. Nach Informationen des Instituts für wirtschaftliche und soziale Reformen (INEKO), welches die

Diskussion zum Jahresende 2013 organisiert hatte, kamen die Teilnehmer nicht zu einem Konsens, was den Zeitrahmen ihres potentiellen Beitritts zum Euroklub betrifft. Während einige den postkommunistischen Staaten raten, mit dem Beitritt noch einige Jahre zu warten, bis sich der institutionelle Rahmen der Eurozone klärt, meinen andere, es sei besser, möglichst bald beizutreten, um eine aktive Mitwirkung an dessen Neugestaltung zu ermöglichen. Eine einheitliche Meinung hatten die Beteiligten jedoch bezüglich der fünfjährigen Erfahrung der Slowakei mit dem Euro: der Wechsel von der Krone zum Euro brachte dem Land eindeutig mehr Vorteile als Nachteile.

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WirtSchaFt

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Auf Unternehmer kommen 2014 mehrere Umstellungen zu Für dieses Jahr hat die regierung für unternehmer einige Änderungen in der Steuer- und buchhaltungsgesetzgebung vorbereitet. auch die regeln der Kommunikation mit den Finanzämtern ändern sich. Text: Ivan Trávniček, Chefredakteur des Unternehmerportals Podnikam.SK, Foto: Shutterstock

höhe der Steuern Die Körperschaftssteuer sinkt 2014 von 23 % auf 22 %. Der verringerte Steuersatz der Einkommenssteuer für juristische Personen kommt zum ersten Mal für den Zeitraum zur Anwendung, der frühestens am 1. Januar 2014 beginnt, er betrifft also nicht das Wirtschaftsjahr, das vor diesem Datum begonnen hat. Verluststeuer Eine der wichtigsten Änderungen ist die Einführung so genannter Steuerlizenzen. Neuerdings müssen alle juristischen Personen, ohne Rücksicht auf die Höhe ihres Einkommens, eine Mindeststeuer bezahlen. Deren Höhe hängt von der Höhe der Erlöse der Gesellschaft ab, und davon, ob die Gesellschaft Zahlender der Mehrwertsteuer (DPH) ist oder nicht. Jemand, der nicht Zahlender der Mehrwertsteuer ist und Erlöse bis 500.000 EUR hat, soll 480 EUR bezahlen, ein Mehrwertsteuerzahlender mit Erlösen bis 500.000 EUR soll 960 EUR zahlen, für Rechtspersonen mit mehr als 500.000 EUR Umsatz hat das Finanzministerium die Höhe der Steuerlizenz auf 2.880 EUR festgelegt. Die Steuerlizenz bezieht sich auf einen Besteuerungszeitraum, der frühestens am 1.1.2014 beginnt. Gewerbetreibende und Selbständige sind von der Steuerlizenz nicht betroffen. Obwohl für das Bezahlen dieser Steuer bereits einige Ausnahmen gelten, schließt der Finanzminister eine Änderung der gesetzlichen Regeln zu dieser Problematik nicht aus. Elektronische Kommunikation mit dem Finanzamt Seit Anfang dieses Jahres gilt für Mehrwertsteuerzahlende, Steuerberater,

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gen auf ihre Verfassungskonformität zu überprüfen. Änderungen in der buchhaltung Die Gesetzesnovelle über die Buchhaltung führt einen einfacheren Rechnungsabschluss für kleinere Betriebe ein. Die neue regelung betrifft unternehmen mit einem Vermögen bis 350.000 Eur und einem nettoumsatz kleiner als 700.000 Eur sowie mit weniger als zehn beschäftigten. Firmen, die wenigsten zwei dieser bedingungen erfüllen, werden als so genannte „Mikro-buchhaltungseinheiten“ betrachtet. Die Gesetzesnovelle erlegt es Firmen auf, in das register der rechnungsabschlüsse auch die Jahresberichte einzureichen, die Pflicht zur ablage der fortlaufenden rechnungsabschlüsse erlischt. Änderungen im Mindestlohn für 2014 Der Mindestlohn erhöht sich ab Januar 2014 um 4,2 %, bzw. um 14,30 EUR auf 352 EUR. Der Mindeststundenlohn erreicht dann in diesem Jahr 2,023 anstatt der bisherigen 1,941 EUR. Die niedrigsten Löhne

wachsen also in diesem Jahr am rasantesten seit der Euro-Einführung im Jahr 2009. Auf den Mindestlohn hat Anspruch ein mit Monatslohn vergüteter Arbeitnehmer, der eine festgelegte Wochenarbeitszeit einhalten muss und im betreffenden Monat den vollen Arbeitszeitfond abgeleistet hat. Mantel-Kollektivverträge Das Parlament hat ein Gesetz über die Kollektivvertragsverhandlungen verabschiedet, das für Arbeitgeber mit mehr als 20 Beschäftigten eine wesentliche Beschränkung ihrer Freiheit bedeutet. Ab 1. Januar 2014 verlieren sie die Möglichkeit, einer Ausweiterung der Verbindlichkeit des Mantel-Kollektivvertrags die Zustimmung zu verweigern. Legt ein BetriebsKollektivvertrag die Ansprüche der Arbeitnehmer auf einem niedrigeren Niveau fest, als sie vom Mantel-Kollektivvertrag festgeschrieben sind, so ist der Arbeitgeber verpflichtet, seinen Beschäftigten diese höheren Ansprüche zu bieten. Gegen diese Regelung wendeten sich neben den Arbeitgeberverbänden auch

die in der Slowakei wirkenden ausländischen Handelskammern, denn ihrer Meinung nach werden diese Änderungen eine Belastung für kleine und mittlere Unternehmen darstellen, und sie bedeuten einen Eingriff in die Tariffreiheit. Die Satzungsorgane der Firmen fallen nicht unter die Konkursausfallversicherung (im slowakischen garančné poistenie genannt). Die Satzungsorgane von Firmen oder Beschäftigte mit mindestens 50-prozentigem Anteil am Geschäftsvermögen werden im Fall der Zahlungsunfähigkeit nicht durch Leistungen aus der Konkursausfallversicherung gedeckt sein. Konten in der Form iban Nach den Forderungen der SEPA (Single Europe Payments Area – einheitlicher Euro-Verkehrsraum) sind ab 1. Februar 2014 alle Unternehmer verpflichtet, bei der Kommunikation mit Banken, Steuerund Zollbehörden sowie sonstigen Institutionen Bankkonten in der Form IBAN anzugeben.

Werben Sie in der NPZ! Rechtsanwälte und Vertreter des Steuerzahlers die Pflicht, in steuerlichen Fragen mit den Finanz- und Zollbehörden elektronisch zu kommunizieren. Kontrollmeldung der Mehrwertsteuer Um Steuerbetrug vorzubeugen, müssen alle Mehrwertsteuerzahlenden ab 2014 so genannte Kontrollmeldungen abgeben. Diese sollen vor allem dem Abgleichen der zwischen Mehrwertsteuerzahlenden gegenseitig ablaufenden Operationen dienen. Änderungen beim abschreiben steuerlicher Verluste Ab 2014 ist die Tilgung steuerlicher Verluste auf vier Steuerzeiträume beschränkt, und zwar gleichmäßig, während bisher die Möglichkeit bestand, die Tilgung

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auf 7 Zeiträume auszudehnen, die getilgte Höhe war nicht limitiert. Gegen diese Bestimmung wendete sich eine Gruppe von oppositionellen Abgeordneten und legte sie dem Verfassungsgericht der SR vor. Sie begründen die vermeintliche Verfassungswidrigkeit mit der Retroaktivität der Gesetzesnovelle, denn sie betrifft auch die Tilgung von steuerlichen Verlusten, die vor 2014 eingetreten sind. Nach Meinung der Beschwerdeführer verletzen die beanstandeten Bestimmungen auch das Recht auf Unternehmertum und verursachen in ihren Folgen einen schwerwiegenden Eingriff in dieses Recht, bzw. können den Unternehmer sogar zwingen, seine Tätigkeit einzustellen. Deswegen fordern sie das Verfassungsgericht auf, die betreffenden Bestimmun-

Das Monatsmagazin Neue Pressburger Zeitung NPZ knüpft an die Tradition der deutschsprachigen Medien an, die in dieser einst dreisprachigen Stadt erschienen. Diese Tradition lebt heute wieder auf, weil Bratislava in Handel, Industrie und Tourismus wieder einen mehr und mehr kosmopolitischen Charakter annimmt. Die NPZ bietet aber nicht nur den deutschsprachigen Bewohnern Bratislavas aktuelle Informationen, sondern wendet sich auch an die angrenzende Nachbarregion in Österreich sowie an ein Publikum in Wien wie auch an Deutsche und Schweizer mit Interesse an der Slowakei und diesem Grenzraum. Die NPZ bringt von professionellen Journalisten und Experten fundiert ausgearbeitete Informationen, Kommentare, Feuilletons, Reportagen und Interviews. Die Beiträge betreffen Wirtschaft, Politik und Finanzen, aber auch Fremdenverkehr, Gesundheitswesen, Schulwesen und Sport. Nicht vergessen werden die Non-Profit-Organisationen, das Gesellschaftsleben, Freizeit und Kultur in dieser Region. Der Inhalt jeder Nummer wird in interessanter und einfallsreicher Grafik präsentiert, damit unsere Geschäftspartner, die sich über unsere Zeitschrift der Öffentlichkeit vorstellen wollen, einen großzügigen, eleganten Raum für ihre Präsentation.

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nachbarn

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„Das ist ein wahrhaft europäisches Museum“ Ein Kriegsbunker als Symbol der Versöhnung: Mit einer kleinen Gruppe von Enthusiasten macht Miroslav Košírer in den Bunkeranlagen an der slowakisch-österreichischen Grenze am ehemaligen „Eisernen Vorhang“ ein Stück Geschichte des Misstrauens und der Feindseligkeit erlebbar - und verbindet damit zugleich die Besucher von beiden Seiten der einst unüberwindlichen Grenze. Text und Fotos: Christoph Thanei

Wie eine Perlenkette zog sich kurz vor dem Zweiten Weltkrieg eine lange Reihe von Betonbunkern entlang der Grenze der damaligen Tschechoslowakei zu Deutschland und Österreich. Mit diesem 1934-38 errichteten und für unseren geografischen Raum einzigartigen Befestigungssystem wollte sich die bedrohte Tschechoslowakei vor der Übermacht NS-Deutschlands schützen. Das als „unüberwindlich“ geltende Bollwerk kam aber nie zum Einsatz, sondern fiel durch das zwischen Hitler und den Westmächten 1938 vereinbarte „Münchner Abkommen“ und den nachfolgenden „Wiener Schiedsspruch“ kampflos in die Hände derer, die es eigentlich abhalten sollte. Mit dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ 1989/90 wurde es sowieso unnütz, Betonbunker an der Grenze zu befreundeten Nachbarländern zu behalten. So verfielen die meisten von ihnen, manche wurden aus Sicherheitsgründen gesperrt, manche vorübergehend von Obdachlosen okkupiert. Im Grenzgebiet zwischen dem Stadtteil Bratislava-Petržalka und der österreichischen Gemeinde Kittsee wurde vom Verein „Zachráňme petržalské bunkre“ ein Bunker unter dem Namen „BS - 8“ exemplarisch renoviert und als Museum mit zahlreichen Original-Ausrüstungsgegenständen und einer historischen Dokumentation eingerichtet. Darin erfährt man zum Beispiel jetzt die bisher wenig bekannte Tatsache, dass an der Grenzlinie 1938 zahlreiche antifaschistische Legionäre vor allem aus Österreich und Deutschland, aber auch

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aus mehreren anderen europäischen Ländern zur Verteidigung der demokratischen Tschechoslowakei gegen NS-Deutschland bereit gestanden waren. Die aus Fotos und zahlreichen militärischen Sammlerstücken zusammengestellte Dauerausstellung dokumentiert aber nicht nur die Zeit unmittelbar vor dem Zweiten Weltkrieg, als die Bunker gebaut wurden, sondern spannt mit kopierten Originaldokumenten und historischen Karten und Bildern einen weiten Bogen von militärischen Konflikten der napoleonischen Zeit und noch früherer Jahrhunderte in diesem oft umkämpften Grenzraum bis zu den Menschen, die versuchten, durch eine Lücke im „Eisernen Vorhang“ in den Westen zu flüchten - mit manchmal erfolgreichem, manchmal auch tödlichem Ausgang. Besuchergruppe vor dem Bunker (Foto: Miroslav Košírer)

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Nicht alle Besucher werden den Optimismus von Miroslav Košírer teilen, wenn er sein traditionelles Ritual, nicht nur erwachsenen Besuchern, sondern besonders gern Kindern die ausgestellten Uniformen (nicht nur der Verteidiger) anzieht, auf

Zwischen Fotos, Dokumenten und Originalausrüstung wie Waffen und Kochgeschirr drängen sich die Besucher. (Foto: Miroslav Košírer)

seine Weise begründet: „Dann werden sie nicht mehr die Uniformen von Faschisten und Kriegstreibern anziehen wollen.“ Eher mag man ihm noch zustimmen, wenn er Weltkriegsminen zeigt, die noch heute überall im Grenzgebiet herumliegen und spielende Kinder gefährden können: „Bei uns lernen die Kinder, diese Gefahr zu erkennen.“ Was man ihm aber vor allem sofort glaubt, ist seine persönliche Begeisterung, mit der er ungezählte Stunden in „sein“ Museumsprojekt investiert, ohne nach entsprechender finanzieller Entlohnung zu fragen. Auf jeden Fall bietet der Bunker ein in manchen Aspekten auch unterhaltsames Stück historischen Rückblicks auf Zeiten, in denen hier eine Grenze zwischen Freund und Feind unterschied, während jetzt Fahrradtouristen und Fußgänger von beiden Seiten der Grenze tatsächlich

vereint vorführen, was Herr Košírer meint, wenn er sagt: „Das ist kein slowakisches Museum, sondern ein wahrhaft europäisches, denn es betrifft unsere gemeinsame Geschichte.“ Und zu den Besuchern aus der österreichischen Nachbargemeinde Kittsee (Fotos) fügt er betonend hinzu: „Es ist vor allem auch eure Geschichte.“ Eine Schwachstelle des liebevoll renovierten Bunkers und seiner Fülle von Ausstellungsgegenständen und Dokumenten war bisher, dass die Beschriftungen lediglich in slowakischer Sprache waren. Inzwischen gibt es aber nicht nur die Homepage auch auf Deutsch, sondern es ist auch bereits eine CD fertig gestellt, von der Besucher künftig auf Deutsch über Kopfhörer durch das Museum geführt werden, sagte Košírer Ende Januar der NPZ.

Oben links: Miroslav Košírer zeigt Besuchern „sein“ Museum. Oben rechts: Auch die Bürgermeisterin des österreichischen Nachbarortes Kittsee konnte sich nicht dem Uniform-Ritual entziehen. Unten links: Minen und andere Weltkriegsmunition ausgestellt zur Warnung vor gefährlichen Funden (Foto: Michael Thanei) Unten rechts: Die Dokumentation spannt einen weiten historischen Bogen.

Nähere Informationen auch auf Deutsch: http://www.bs8.yw.sk

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Service & Beratung

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Durchsetzung des geistigen Eigentums durch die Zollbehörden in der Slowakei Das slowakische Parlament hat vor kurzem ein neues Gesetz zur Durchsetzung der Rechte des geistigen Eigentums durch die Zollbehörden verabschiedet, das am 1. Januar 2014 in Kraft trat. Es sollte die Umsetzung der durch die Verordnung (EU) Nr. 608/2013 des europäischen Parlaments und des Rates vorgesehenen Änderungen sicherstellen, die die Befugnisse der Zollbehörden stärken, um einen effektiveren Schutz der Rechte des geistigen Eigentums auf dem Unionsmarkt zu gewährleisten.

Von Radovan Pala (links) und Tomáš Korman, Partner bei TaylorWessing enwc Rechtsanwälte in Bratislava, www.taylorwessing.com

Unglücklicherweise stehen die den Zollbehörden neu eingeräumten Möglichkeiten, über die nachgeahmten Waren zu verfügen, im Gegensatz zum erklärten Zweck der Verordnung, für die Rechteinhaber einen effektiven Schutz sicherzustellen.

und der Begriff „humanitäre Zwecke“ soll sehr extensiv ausgelegt werden. Zu den potenziellen Empfängern gehören die staatliche Verwaltung der materiellen Ressourcen, soziale Hilfsdienste, Fürsorgeeinrichtungen für Kinder oder medizinische Einrichtungen (einschließlich NRO). Unter Beachtung der Vorgaben der Verordnung bestimmt das Gesetz, dass der Empfänger die Waren nur innerhalb der Slowakei benutzen darf und dazu verpflichtet ist, sie vor einem Missbrauch und unbefugter Überlassung an den freien

Nach der früheren Regelung konnten die vom Zoll zurückgehaltenen Waren, die das Recht des geistigen Eigentums verletzten, nur nach schriftlicher Zustimmung des Rechteinhabers zu humanitären Zwecken abgegeben werden. Das neue Gesetz kennt diese Anforderung nicht mehr und erlaubt es, die nachgeahmten Waren ohne eine solche Zustimmung für einen wohltätigen Zweck zu spenden. Die Möglichkeit einer derartigen Spende ist auf keine bestimmten Fallkonstellationen beschränkt,

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Verkehr zu schützen. Vor der Verwendung der gespendeten Waren muss der Empfänger die auf den Waren angebrachten Marken auf eigene Kosten entfernen. Alle Dokumentationsunterlagen über den Gebrauch der Waren müssen beim Empfänger für einen Zeitraum von drei Jahren aufbewahrt werden. Aus der Perspektive der Rechteinhaber ist beunruhigend, dass diese Regelung praktisch keine Handhabe gegen einen Missbrauch bietet: Die Spenden werden nur durch einen schriftlichen Vertrag zwischen dem Zollamt

und dem Empfänger begründet; eine formale Entscheidung im Verwaltungsweg, gegen die eine Beschwerde eingelegt werden könnte, findet nicht statt. Außerdem ist die Aufsicht über die Bedingungen der Spende nur den Zollbehörden anvertraut. Obwohl die unbeschränkte Spendenmöglichkeit mit Rücksicht auf soziale Härtefälle verständlich ist, könnte sie aufgrund ihrer offensichtlichen Schwächen leicht zu einer gefährlichen „Hintertür“ für die Verletzung von Rechten des geistigen Eigentums durch Parallelimporte werden. Symbolfoto: Shutterstock

Neue Bestimmungen im Bereich der Einkommenund Körperschaftsteuer, die ab Januar 2014 in Kraft getreten sind:

Körperschaftsteuersatz und -Vorauszahlungen Ab dem 1. Januar 2014 wird der Körperschaftsteuersatz auf der Grundlage der Novelle des Einkommensteuergesetzes von 23 % auf 22 % gesenkt. Hiermit möchten wir Sie darauf hinweisen, dass bei der Berechnung der Körperschaftsteuervorauszahlung für Januar und die folgenden Monate des Jahres 2014 schon der neue Satz von 22 % verwendet wird. Robert Jex, Partner MANDAT CONSULTING, k.s. www.mandat.sk

Änderungen des Einkommensteuergesetzes Privatnutzung eines Dienstfahrzeuges Es haben sich die Regelungen über Sachbezugshöhe für Lohnbesteuerung geändert. Einkünfte aus Kapitalvermögen Zinsen, Gewinne und andere Erträge jeder Art, die nicht nur aus Sparbüchern sondern auch aus Sparkonten, Bausparkonten oder Girokonten stammen, mit Ausnahme der aus Mitteln auf einem für die unternehmerische Tätigkeit genutzten Girokonto stammenden Zinsen, werden als Einkünfte aus Kapitalvermögen betrachtet, die der Quellenbesteuerung unterliegen. Änderungen bei der Ermittlung der Steuerbemessungsgrundlage Ein Steuerpflichtiger ist nicht verpflichtet, der Steuerverwaltung den Periodenbeginn und das -Ende der nicht realisierten Kursdifferenzen in einer gesonderten Mitteilung der Steuerbemessungsgrundlage zu melden, die in der Buchhaltung in auf Grund eines nicht durchgeführten Inkassos einer Forderung oder einer nicht bezahlten Verbindlichkeit entstanden sind. Bei vorzeitiger Beendigung eines Mietvertrages wegen Insolvenz des Mieters (Rückgabe des gemieteten Gegenstandes an eine Leasinggesellschaft) und bei totaler Entwertung des Mietgegenstandes durch einen Unfall, bei Entwendung des Mietgegenstandes, wird Verlust wegen des Ausscheidens des Mietgegenstandes aus

kein Bestandteil der Steuerbemessungsgrundlage. Bei Arbeitszeitkonten wird die zeitliche Abgrenzung der Lohnkosten, einschließlich der vom Arbeitgeber für den Arbeitnehmer zu zahlenden Versicherung, im Fall eines geringeren Arbeitsvolumens für die gleiche Vergütung, in die Steuerbemessungsgrundlage einbezogen. In den folgenden Besteuerungszeiträumen wird die Buchung der Kosten für zukünftige Zeiträume auf dem entsprechenden Kostenkonto nicht in die Steuerbemessungsgrundlage aufgenommen, wenn die nicht gearbeiteten Stunden abgearbeitet werden. Arbeitnehmerbeförderung Ab dem 1. Januar 2014 werden die Ausgaben für die Beförderung von Arbeitnehmern dann in die steuerbaren Ausgaben eines Arbeitgebers aufgenommen, wenn ein Arbeitnehmer die Arbeitsstelle nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen kann. Wurde zu diesem Zweck ein Zuschuss, eine Beihilfe oder ein Beitrag gezahlt, wird nur die Differenz, um die die Kosten den erhaltenen Zuschuss übersteigen, eine Betriebsausgabe.

zahlen müssen, der nach dem 1. Januar 2014 beginnt. Die Mindeststeuer zahlen Steuerpflichtige, wenn die Steuerpflicht nach Abzug der Vergünstigungen und nach Abzug der im Ausland gezahlten Steuer geringer als die betreffende Steuerlizenz ist, oder wenn ein Steuerpflichtiger einen Steuerverlust ausweist. Die Steuerlizenz wird auf die Hälfte gesenkt, wenn das Unternehmen mindestens 20 % natürliche Personen mit gesundheitlicher Behinderung beschäftigt. Verlustvortrag Steuerliche Verluste, die nach dem 1. Januar 2014 ausgewiesen werden, können maximal über 4 Jahre gleichmäßig abgeschrieben werden (bisher war die Abschreibung von Steuerverlusten über maximal sieben aufeinander folgende Besteuerungszeiträume möglich). Laut den Übergangsbestimmungen der Novelle des Gesetzes bezieht sich diese Einschränkung auch auf nicht geltend gemachte Steuerverluste vergangener Besteuerungszeiträume, ermittelt in den Perioden 2010 bis 2013.

Mindeststeuer, Steuerlizenz Die Steuerlizenz ist eine Mindestkörperschaftsteuer, die juristische Personen erstmalig mit der Einreichung der Steuererklärung für den Besteuerungszeitraum

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Service & Beratung

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Die neue eID und die elektronische Unterschrift

Novellierungsflut bei der Förderung von Alternativenergie Mit der 11. Novelle zu dem nicht einmal vier Jahre wirksamen Gesetz über die Förderung von Alternativenergie wurde der Anspruch auf den vollen Einspeisetarif weiter eingeschränkt. Die Änderungen betreffen nur neue Projekte, nicht bestehende Anlagen. Es ist aber genau zu prüfen, welche neuen Projekte überhaupt noch Sinn machen. Von Mag. Bernhard Hager, LL.M., Dvořák Hager & Partners, advokátska kancelária, s.r.o., www.dhplegal.com

Seit dem 2. Dezember 2013 wird in der Slowakei ein neuer Personalausweistyp mit elektronischem Kontaktchip, die so genannte elektronische Identitätskarte (eID) ausgegeben. Nach dem neuen Gesetz Nr. 305/2013 Z.z. über das e-Government kommen diese Personalausweise bei der elektronischen Kommunikation mit der öffentlichen Verwaltung zum Einsatz, sie weisen die Identität des Inhabers im elektronischen Umfeld nach. JUDr. Gabriela Semančíková, LL.M. MBA www.aks.sk

11 Novellen in weniger als vier Jahren Mit dem Gesetz Nr. 382/2013 wurde am 1.1.2014 die 11. (!) Novelle zu dem seit dem 1.1.2010 wirksamen AlternativenergieG 309/2009 wirksam. In einem Umfeld, in dem Millioneninvestitionen erforderlich sind und Investoren und Banken langfristig planen und rechnen müssen, sorgt die Vielzahl der Novellen für Unsicherheit und Unmut. Es ist schwierig, im Vertrauen auf ein Gesetz Projekte zu realisieren, das im Schnitt öfters als alle fünf Monate geändert wird. Neuerungen ab 1.1.2014 Ab dem 1.1.2014 erhalten nur noch Anlagen mit einer Kapazität bis zu 5 MW (statt bisher 10 MW) bzw. Windkraftanlagen bis zu unverändert 15 MW den vollen Einspeisetarif. Ist die Kapazität höher, so wird der Netzeinspeisetarif anteilig gekürzt. Verschärft wurden auch Vorgaben bei Biomasse- und KWK-Anlagen. Voraussetzung für den vollen Einspeisetarif ist ein funktionierendes, im Gesetz

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detailliert geregeltes Wärmenutzungskonzept und eine entsprechende Energieeffizienz. Geändert wurde auch der Anspruch auf Förderung von Anlagen durch die Übernahme der Verantwortung und Kosten für die Ausgleichsenergie durch den Netzbetreiber, die bisher für die gesamte Lebenszeit der Anlage mit einer Kapazität von weniger als 1 MW bestand. Künftig erhalten Anlagen mit einer Kapazität von weniger als 1 MW, bzw. Solaranlagen mit bis zu 30 kW diese Förderung für 15 Jahre. Anlagen mit einer Kapazität bis zu 500 kW erhalten die Förderung für die gesamte Lebenszeit der Anlage. Der gesamte Anspruch auf Förderung, d.h. Netzanschluss, Elektrizitätseinspeisung, Zuzahlungen und Übernahme der Verantwortung für die Ausgleichsenergie durch den Netzbetreiber erlischt, wenn betreffend einer Anlage zweimal eine Verwaltungsstrafe von mind. EUR 80.000 verhängt wurde. Bei Rückständen gegenüber dem Finanzamt, Gesundheits- und Sozialversi-

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cherung geht der Anspruch auf Zuzahlungen unter. Wer den verschiedenen Meldepflichten gegenüber dem Netzbetreiber oder der Regulierungsbehörde nicht nachkommt, verliert den Förderungsanspruch für das nachfolgende Kalenderjahr. Erleichterungen gibt es für Kleinstanlagen bis 10kW. Der Betrieb einer derartigen Anlage wird ausdrücklich nicht als unternehmerische Tätigkeit beurteilt, womit eine Reihe von Informations- und Meldepflichten wegfallen. Der Netzanschluss erfolgt gratis. Die Änderungen bzgl. Einspeisetarif gelten nicht für

bestehende Anlagen. Bei Neuanlagen gibt es verschiedene Übergangsfristen, die zum Teil bis August 2015 reichen. Keine Solarsteuer, dafür Netzzugangsentgelt Wie bereits in der NPZ 11/2013 ausführlicher berichtet, ist die Idee einer Sondersteuer für Erträge aus Fotovoltaikanlagen ("Solarsteuer") wieder vom Tisch. Dafür kommt aber ein Netzzugangsentgelt, das nach den derzeit vorliegenden Zahlen ca. EUR 17.000/MW/Jahr ausmacht. Es gibt eine Vielzahl von rechtlichen Einwänden gegen dieses Netzzugangsentgelt bzw. die Höhe des Entgelts.

Sie sollen dienen bei der elektronischen Meldung von Änderungen, beim Einreichen von Anträgen, Beschwerden, Klagen, für steuerliche Angelegenheiten, bei Dienstleistungen des Liegenschaftskatasters, bei Auktionen, öffentlichen Ausschreibungen, im Rahmen von eHealth (dem elektronischen Gesundheitswesen) und beim eVoting (elektronische Wahlen und Volksabstimmungen). Die eID enthält einen elektronischen Kontaktchip, auf dem die persönlichen Daten wie Name und Zuname, Anschrift, Geburtsdatum sowie die Angaben über die Gültigkeit des Dokuments gespeichert sind. Außerdem kann der Bürger wählen, ob seine eID auch die Angaben zur garantierten elektronischen Unterschrift (ZEP) enthalten soll. Die Daten auf dem Chip werden durch Sicherheitsmechanismen und den BOK-Kode (persönlicher Sicherheitskode), der aus einer Kombination von 6 Ziffern besteht, geschützt. Will man seinen neuen elektronischen Personalausweis auch für die garantierte elektronische Unterschrift nutzen, so kann man sich ein qualifiziertes Zertifikat ausstellen lassen, dies ist jederzeit und unentgeltlich während der Geltungsdauer des Dokuments möglich. Für die Nutzung der ZEP benötigt man einen ZEP-PIN und ZEP-PUK, das ausgegebene Zertifikat hat eine Geltungsdauer von 5 Jahren. In die eID werden dann die kryptografischen Schlüssel eingelesen, die für die Herausbildung der ZEP auf dem elektronischen Dokument

erforderlich sind. Bedingung ist, dass im Computer eine Software für die Arbeit mit der eID installiert ist, weiter benötigt man ein mit der eID kompatibles Chipkartenlesegerät. Falls Sie bereits eine ZEP haben und Sie auch künftig Eingaben in das Handelsregister oder Gewerberegister über das Zentrale Portal der öffentlichen Verwaltung www. slovensko.sk tätigen wollen, so werden Sie um eine neue eID-Karte ansuchen müssen, denn ab 1. Jänner 2014 lassen sich die elektronischen Briefkästen in diesem Portal nur mit der neuen eID nutzen. Anfang 2014 richtet die Regierungskanzlei der SR automatisch und unentgeltlich für alle Bürger der SR, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, elektronische Briefkästen ein (für die Zustellung amtlicher Bescheide an den Bürger). Die elektronische Unterschrift wird geregelt durch Gesetz Nr. 215/2002 Z.z. über die elektronische Unterschrift. Es handelt sich um eine digitale, asymmetrisch chiffrierte Unterschrift. Verwendet wird ein Schlüsselpaar, bestehend aus dem öffentlichen und dem privaten, auf der Infrastruktur des öffentlichen Schlüssels aufbauenden Schlüssel. Die elektronische Unterschrift und die garantierte elektronische Unterschrift unterscheiden sich nach dem technischen Aspekt nicht in der Art und Weise der Herausbildung und Überprüfung, sondern lediglich im Sicherheitsniveau. Die Anforderungen an

die Sicherheit des Umfelds sind im Fall der garantierten elektronischen Unterschrift höher. § 3 von Gesetz Nr. 215/2002 Z.z. definiert die elektronische Unterschrift als angefügte oder anderweitig logisch mit dem elektronischen Dokument verknüpfte Information, welche die vom Gesetz festgelegten Anforderungen erfüllen muss. Die garantierte elektronische Unterschrift unter dem elektronischen Dokument gewährleistet: • die Authentizität – die Identität der Person kann eindeutig ermittelt werden, • die Integrität – es ist nachzuweisen, dass es nach der Unterzeichnung des Dokuments zu keiner Änderung des Inhalts gekommen ist, • Unleugbarkeit

Advokátska kancelária JUDr. Gabriela Semančíková LL. M., MBA, Hviezdoslavovo námestie 7, 811 02 Bratislava telefón: +421-2-4910 4011-3 fax: +421-2-4910 4015 e-mail: Semancikova@aks.sk web: www.aks.sk

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Was ändert sich für Steuerzahler im Jahr 2014? Am 14. Jänner fand das von der Slowakisch-österreichischen Handelskammer jährlich zu Jahresanfang veranstaltete Seminar über Änderungen in Rechnungslegungsrecht und aktuelle steuerliche Änderungen statt. Dieses Seminar findet traditionell in den Räumlichkeiten von PORSCHE Slovakia statt. Im Rahmen dieser Veranstaltung erhielten die Teilnehmer einen umfassenden Überblick über aktuelle Fragen, die bei der Erstellung des Jahresabschlusses und der Steuererklärung für 2013 von Relevanz sind. Das Seminar wird jährlich gemeinsam mit Grant Thornton und der KPMG organisiert, die auch die fachlichen Themen vorbereiten. Auch heuer waren die Teilnehmer zahlreich, weil es sichtlich geschätzt wird, dass Steuerberater und Wirtschaftsprüfer gemeinsam mit der Steuerverwaltung über die aktuellen Änderungen berichten, wodurch gewährleistet ist, dass die wesentlichen praktischen Fragen besprochen werden, mit denen die Unternehmen bei der Erstellung des Jahresabschlusses konfrontiert sind. Herr Ing. Richard Farkaš, Csc. begann den Abend mit seinem

Vortrag über den Änderungen in den Rechnungslegungsvorschriften ab 1.1. 2014. Sehr interessant war das vor allen für die Mitarbeiter des Rechnungswesens, die dank der zahlreichen praktischen Beispiele einen ausgezeichneten Überblick über die relevanten Änderungen erhielten. Vom Finanzministerium der Slowakischen Republik hat Frau Ing. Zdenka Kováčová die Teilnahme mit ihrem Vortrag über Novel-

le des Einkommensteuergesetzes bereichert. Sie hat die wesentlichen Änderungen für alle Teilnehmer sehr verständlich erklärt und konnte alle Fragen aus dem Publikum kompetent beantworten. Neu als Vortragender war heuer Herr Ing. Vladimír Pastierik von der Beratungsfirma PKF Slovensko. Mit seinem Vortrag über Novelle des Mehrwertsteuergesetzes hat er einen guten Überblick über die weitreichenden Änderungen gegeben,

welche die Unternehmen ab sofort umsetzen müssen. Abschließend präsentierte Herr Dr. Wilfried Serles von Grant Thornton einige praktische Beispiele und nahm auch zu steuerpolitischen Fragen Stellung. Dank der zahlreichen positiven Feedbacks der Teilnehmer wird diese Veranstaltung sicherlich auch im nächsten Jahr fortgesetzt.

Initiative fit4future:

Gemeinsam für die Stärkung der technischen Ausbildung Die Berufsausbildung ist ein Zukunftsthema für die Slowakei. Sehr viele Industriebetriebe leiden unter einem Mangel an Facharbeitern und begabtem Nachwuchs. Deutsch-Slowakische Industrie- und Handelskammer, DSIHK

fit4future als unternehmerisches Engagement für Ausbildung Unternehmen, die einen starken Bedarf an technischem Personal haben, haben sich in einer Gemeinschaftsinitiative unter Schirmherrschaft der DSIHK zusammengeschlossen und möchten die Zusammenarbeit zwischen Fachmittelschulen und Praxis verbessern und transparenter machen. Mit unseren Aktivitäten im Rahmen von fit4future möchten wir: • Berufsschulen und die Qualität von Praktika aktiv unterstützen und den Ruf der Berufsbildung verbessern • die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Unternehmen stärken und die • Berufsbildung den Anforderungen des Arbeitsmarktes näher bringen • zur besseren Qualifizierung von jungen Menschen beitragen • die Jugendarbeitslosigkeit senken • Best-Practice-Beispiele der Zusammenarbeit zwischen Fachmittelschulen und Unternehmen präsentieren Image der technischen Ausbildung stärken Zusätzlich wollen wir das Image technischer Berufe durch eine professionell konzipierte und durchgeführte Informationskampagne verbessern. Die Kernbotschaft lautet: Technische

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Ausbildung = Sicherer moderner Arbeitsplatz = Karriere und Zukunft. Mit der Kampagne wollen wir gezielt ansprechen: • Grundschüler, die sich für eine technische Ausbildung entscheiden könnten • Eltern, die ihre Kinder bei dieser Wahl orientieren • Lehrer und Berufsberater, die für diese Entscheidungen wichtige Multiplikatoren sind

Die Kampagne lebt von Ihrer Unterstützung Im Interesse aller Industrieunternehmen in der Slowakei bitten wir Sie um Ihre finanzielle Unterstützung. Ein einfacher Weg ist, uns Ihre 2 (1,5) Prozent der Körperschaftssteuer zu spenden. Die DSIHK ist als Empfänger der jährlichen Steuerspende offiziell akkreditiert und finanziert mit den Erlösen die Durchführung der PR-Kampagne. Bitte benennen Sie in Ihrer Steuererklärung für 2013 die DSIHK als Begünstigten der 2 (1,5) Prozent-Überweisung durch das Finanzamt. Tragen Sie hierzu bitte folgende Daten ein: Name: Slovensko-nemecká obchodná a priemyselná komora Rechtsform: občianske združenie Sitz: Suché mýto 1 • SK-811 03 Bratislava IČO: 308 48 717

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Austrian Business Circle:

Wir ebnen Ihren Weg – nutzen Sie unser KÜnnen!

Dialog mit dem slowakischen Wirtschaftsminister TomĂĄĹĄ MalatinskĂ˝

Wir sind eine unabhängige internationale Unternehmensberatung. Gemeinsam mit unseren Kunden entwickeln wir nachhaltig erfolgreiche Strategien zur Kostenoptimierung und Ertragssteigerung. Hierzu zählen insbesondere das IdentiďŹ zieren und Nutzen von Wachstumspotenzialen in neuen Märkten.

Am 15. Jänner 2014 lud das AuĂ&#x;enwirtschaftsCenter Bratislava zu einer Podiumsdiskussion mit dem slowakischen Wirtschaftsminister TomĂĄĹĄ MalatinskĂ˝ in das Austria Trend Hotel in Bratislava. Bereits im Vorjahr wurde mit dem Minister eine Podiumsdiskussion durchgefĂźhrt und so waren die 140 Gäste gespannt zu erfahren, wie sich in dem vergangenen Jahr die wirtschaftliche Situation geändert hatte und welche Erwartungen der Minister an das neue Jahr hat. Auf dem Podium nahmen neben dem Wirtschaftsdelegierten, Mag. Patrick Sagmeister, der durch den Abend fĂźhrte und die Diskussion moderierte, auch der Partner der Rechtsanwaltskanzlei Lansky, Ganzger & Partner, Mgr. Štefan HolĂ˝, sowie Mag. Bernhard Henhappel, Vorstandsmitglied der Tatra Banka, Platz.

Unseren Marktauftritt in MIttelosteuropa bauen wir kontinuierlich aus. Derzeit sind wir mit eigenen Sitzen in der Schweiz, in der Slowakei, in Österreich, Rumänien, Bulgarien, Albanien sowie in Deutschland präsent.

Text: Thomas Spazier, Fotos: AuĂ&#x;enwirtschaftsCenter Bratislava

in den Ăśsterreichischen Produktionsbetrieben bekannt. Speziell in der Metallbearbeitung und darauf aufbauenden Lehrberufen ist die Nachfrage groĂ&#x;. Im Anschluss an die Podiumsdiskussion konnten die Ăśsterrei-

chischen Unternehmen Fragen direkt an den Minister stellen, der sich auch die Zeit nahm nach der Veranstaltung den Gästen im persÜnlichen Gespräch zur Verfßgung zu stehen.

Wir offerieren ganzheitliche LÜsungen auf den Gebieten Strategieberatung, Corporate Finance sowie Projektmanagement und -entwicklung. Zudem ßbernehmen wir sämtliche Arbeiten im Bereich Finanz- & Rechnungswesen. Unsere Mitarbeitenden an allen Sitzen sprechen deutsch.

Nach BegrĂźĂ&#x;ung durch den Ăśsterreichischen Botschafter Dr. Markus Wuketich folgte die erĂśffnende Rede des Ministers, in der neben den umgesetzten MaĂ&#x;nahmen des Jahres 2013 auch die Neuerungen, die Ăśsterreichische Unternehmer 2014 erwarten werden, vorgestellt. Besonders sollen die sog. Innovations-Voucher hervorgehoben werden. Sie geben kleinen und mittleren Unternehmen die MĂśglichkeit Ihre Innovationskosten zu decken. Je nach GrĂśĂ&#x;e des Betriebs werden Finanzierungen in HĂśhe von 3.500 beziehungsweise 10.000 Euro zur VerfĂźgung gestellt. Ebenso eine groĂ&#x;e Rolle wird fĂźr Unternehmen die Ver-

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waltungsreform ESO spielen, die dazu beiträgt die Ăśffentliche Verwaltung effizienter, transparenter und zuverlässiger zu gestalten. Um den Ăśsterreichischen und heimischen Unternehmen in Zukunft noch besser ausgebildete Fachkräfte zur VerfĂźgung zu stellen, wurde auch die „Duale Ausbildung“ in der Slowakei thematisiert. Da das AuĂ&#x;enwirtschaftsCenter Bratislava hier zusammen mit dem slowakischen Schulministerium starke Akzente setzt, so soll bereits im Herbst in einem Pilotprojekt eine Klasse von ca. 30 Lehrlingen nach Ăśsterreichischem Vorbild unterrichtet werden, ist der hohe Bedarf an Fachkräften

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KULTUR

KULTUR

Eine Mühle voller Kunst Können Sie sich die Verbindung einer historischen, voll funktionsfähigen Mühle mit einer Kunstgalerie vorstellen? Es ist gar nicht unrealistisch, eine solche Mühle gibt es „gleich um die Ecke“. Nur etwa 25 km von Bratislava, am Rande der Stadt Pezinok, im Stadtteil Cajla befindet sich die Schaubmar-Mühle, in der zugleich die Galerie der INSITA Kunst ihren Sitz gefunden hat. Text und Fotos: Slávka Dzureková

Die Galerie in der Schaubmar-Mühle liegt zwar nicht im Zentrum von Pezinok, dafür ist sie ein ideales Ausflugsziel für Touristen und Radfahrer direkt auf der Kleinkarpaten-Weinstraße (Malokarpatská vínna cesta). Im Winter können die Schifahrer auf dem Weg zum Skigebiet Pezinská Baba auf einen kurzen Besuch anhalten. Nach Pezinok gibt es auch Busverbindungen und vom Bahnhof ist die Mühle zu Fuß etwa in einer halbe Stunde erreichbar. Der imposante Bau stammt aus dem Jahre 1767 und seit 1857 gehörte es der Familie Schaubmar, die diese Mühle bis 1953 betrieben hat. Sie ist die einzige erhaltene von acht Wassermühlen, die sich früher in dieser Gegend auf dem Weg bis nach Pezinská Baba befanden. Sie hat den Status eines nationalen Kulturdenkmals. In der Mühle kann die ursprüngliche maschinelle Ausstattung aus dem Jahre 1913, darunter auch der Walzenstuhl aus Dresden, bewundert werden. Mit Ausnahme des vom Zahn der Zeit angenagten Wasserrads sind alle Maschinen und Anlagen noch funktionsfähig. Die Mühle wird für Besucher elektrisch betrieben, um zu veranschaulichen, welchen Weg das Getreide zu durchlaufen hatte, bis es zum Mehl oder Gries gemahlen wurde. Das Zusammenspiel der zahlreichen Räder und Walzen, verbunden mit Riemen aus echtem Leder, bietet eine faszinierende Schau. Die Verwalterin erklärt den Interessenten gerne alle Details des Mahlprozesses und der historischen Logistik. Die Ausstellung runden noch Einrichtungsgegenstände wie Waagen, Säcke, Truhen und diverse Instrumente ab. Interessant ist auch das perfekt

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erhaltene Heft aus den 1930-er Jahren, in das mit einem Bleistift eingetragen wurde, wer, wann und wie viel Getreide zum Mahlen brachte. Im Haus befindet sich noch eine Schmiede mit erhaltener Esse, und die heutigen Ausstellungsräume funktionierten früher als Tischler- und SchlosserWerkstätten. Auf dem Gelände stehen weitere Bauten, die als Wirtschaftsbauten, Ställe für Tiere, Werkstätten und Bäckerei genutzt wurden.

Besonderheiten der Schaubmar-Mühle • Sie ist die einzige erhaltene und funktionsfähige Bachmühle in der Region Kleine Karpaten (und möglicherweise auch in Mitteleuropa) in dieser Größe. • Draußen kann der größte handgemeißelte Mahlstein aus der mittelslowakischen Region um Žarnovica bewundert werden. • Das heute leider reparaturbedürftige Wasserrad hat einen beachtenswerten Durchmesser von 5 m. • Es handelt sich um die erste und gleichzeitig einzige selbständige Galerie der „Naiven Kunst“ (slowakisch Insitné umenie) in der Slowakei.

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Die Müllerfamilie Schaubmar stammt aus Bayern und hat über 4 Generationen in der Mühle gewirtschaftet. In den 1950-er Jahren wurde der Bach umgeleitet und mit der zunehmenden Elektrifizierung wurden alle Mühlen in der Umgebung langsam abgestellt. Auf Grundlage der Beneš-Dekrete ist ein Teil der Familie nach dem Krieg zurück nach Deutschland ausgesiedelt, der Rest ist jedoch in Pezinok geblieben. Die Einwohner von Pezinok haben nämlich in der bewegten Nachkriegszeit eine Petition gegen den Auszug der Schaubmars organisiert und sich dafür eingesetzt, dass die beliebte und hilfsbereite Familie bleiben darf. Die Familienmitglieder aus der Slowakei und aus Deutschland treffen sich bis heute gelegentlich in der Mühle und verfolgen das Schicksaal des ehemaligen Familiensitzes. Einen wichtigen Wendepunkt in der Geschichte der Mühle stellte das Jahr 1972 dar. Die Slowakische Nationalgalerie kaufte damals die zu der Zeit bereits renovierungsbedürftige Mühle von Frau Kornélia Schaubmar und es wurde mit der Erneuerung begonnen. Sie wurde nach einem langen Umbau 1997 für die Öffentlichkeit als Außenstelle der Nationalgalerie eröffnet. Die seit 1965 aufgebaute Sammlung der Naiven Kunst hatte damals noch keine eigenen Räumlichkeiten und die Mühle war ein geeignetes Objekt, in dem gerade die Naive Kunst hervorragend zur Geltung kommen konnte. In den Ausstellungsräumen werden im Rahmen wechselnder Ausstellungen sowohl Bilder als auch Holzplastiken und Skulpturen der bedeutenden naiven Künstler aus der Slowakei, aber auch aus anderen Ländern wie Kroatien, Tschechien, Frankreich, Finnland usw., ausgestellt.

Naive Kunst, slowakisch insitné umenie, wird auch Kunst der reinen Herzen genannt. Die Werke stammen von Künstlern, die über keine Ausbildung auf dem Gebiet der bildenden Kunst verfügen. Sie schaffen ihre Werke spontan und diese stellen somit die authentische Darstellung von deren Wahrnehmungen dar.

Nützliche Informationen

Adresse: Cajlanská 255, 902 01 Pezinok (außerhalb des Stadtzentrums, auf der Straße Richtung Malacky) GPS-Koordinaten: N: 48.311903 E: 17.265529 Internet: http://www.sng.sk/sk/ uvod/vysunute-pracoviska/pezinokcajla, Home-Page: www.sng.sk, Telefon: 0911 334 552, 033 640 4035 Verwalterin: Frau Iveta Žáková E-Mail: snggiu@gmail.com Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag 10 – 17 Uhr Eine Besichtigung außerhalb der offiziellen Öffnungszeiten kann mit der Verwalterin telefonisch vereinbart werden. Eintritt: Für das gesamte Jahr 2014 ist der Eintritt dank der Unterstützung eines Sponsors frei! Nähere Informationen über die aktuellen Veranstaltungen in der Galerie finden Sie auf Facebook: „GIU Schaubmarov mlyn“, bzw. „Ateliér pri Schaubmarovom mlyne“ oder auf der Web-Site der Nationalgalerie unter http://www.sng. sk/sk/uvod/vysunute-pracoviska/ pezinokcajla/sprievodne-programy oder http://www.sng.sk/sk/uvod/ vysunute-pracoviska/pezinokcajla/ ponuka-vzdelavacich-programov.

Naive Kunst in der Mühle Zuletzt liefen in der Galerie bis Ende Januar 2014 zwei Ausstellungen. Eine mit dem Namen „Zwischen Drama und Idylle“ (Medzi drámou a selankou), in der Werke von Július Považan, Ján Hlavatý, Štefan Siváň, Júlia Bartuszová, Zuzana Virághová und vielen anderen zu sehen waren. Und in der anderen Ausstellung im Erdgeschoss Bilder aus der Vitis-Galerie: Arbeiten von Kunststudenten aus einem jährlich von der örtlichen Winzerei Vitis organisierten Wettbewerb. Drei Siegerwerke zieren noch das ganze Jahr die Etiketten der Weinflaschen von Vitis und bilden somit eine Brücke zwischen der Kunst der Weinproduktion und der bildenden Kunst. Gemahlen wird das ganze Jahr über … Die Schaubmar-Mühle bietet neben Ausstellungen und der musealen Exposition jede Menge Veranstaltungen, insbesondere für Kunstinteressierte aller Alterklassen. Im Rahmen des Neuen Ateliers kommen jeden Dienstag geistig behinderte Besucher aus Sozialheimen und malen unter Leitung eines Pädagogen. Ihre Werke werden auch in der Galerie ausgestellt. Mittwochs begrüßt die Mühle Kinder im Kleinen Atelier. Es wird gemalt, aber auch Keramik hergestellt. Den Erwachsen, die malen lernen wollen, steht das Atelier der bildenden Kunst jeden Donnerstag zur Verfügung. Angeboten werden außerdem noch Workshops sowie an den Wochenenden Puppentheater-Vorstellungen für Kinder und Eltern. Eine Voranmeldung wird empfohlen. Die Mühle bietet Workshops auch für Schulklassen, die im Rahmen von Schulausflügen in Anspruch genommen werden können, und ebenso Wochenendveranstaltungen für Familien. Im Sommer kommt das große Gelände für Konzerte, Puppentheater und Veranstaltungen für Kinder und Familien voll zur Geltung. Auch Tagesferienlager für Kinder unter dem Namen „Abendteuer in der Mühle“ finden hier statt. Zur Tradition geworden sind bereits ein Blues-Festival und ein Puppentheaterfestival, die jedes Jahr im Juni stattfinden.

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KULTUR

KULTUR

Stanislav Barabáš: Wir sind nicht so blöd wie unsere Filme Am 4. Februar 2014 hätte der slowakische Regisseur Stanislav Barabáš seinen neunzigsten Geburtstag gefeiert. Leider hat er vor fast zwanzig Jahren, am 1. August 1994, nach dem langen Kampf mit einer Krankheit die Filmwelt für immer verlassen. Seine Filme erhielten internationale Anerkenung und trotzdem bleibt er für den heutigen slowakischen Zuschauer fast unbekannt.

wurde sogar beim Filmfestival in Venedig mit dem Anerkennungspreis der Jury ausgezeichnet. Zum Thema des Nationalaufstands kam er noch einmal zurück in dem Film „Zvony pre bosých“ (Glocken für die Barfüssigen, 1965), in dem er das Schema der Feindschaft in einer Grenzsituation während des Krieges auf den Kopf stellte und sich auf das Prinzip der Menschlichkeit konzentrierte. Der Krieg kennt keinen Gewinner und trotz der erzwungenen Symbiose hängen die existenzialistischen Fragen eines solchen Lebens bis zum tragischen Ende in der Luft.

Text: Jana Kočišová, Fotos: Archiv Božena Filová

Stanislav Barabáš ist in einer schwierigen Zeit geboren und aufgewachsen. Die Zwischenkriegsjahre formten seine Weltanschaungen und spätere politische Zensur deformierte seine Filme. Sein Vater, ein Dorflehrer, fand seinen Dienst in der Bildung der einfachen ländlichen Bevölkerung der Mittelslowakei, wo auch die Familie Barabáš in dem Dorf Zvolenská Slatina lebte. Stano, wie ihn seine Verwandten nannten, wurde dagegen mehr vom Leben in der Stadt angezogen, was auch zu mehreren Streitigkeiten zwischen den beiden Männern führte. Schon während der Ausbildung im Gymnasium begann Barabáš mit einer Art Aufführungen zur Unterhaltung seiner Mitschüler. „Jede große Pause machte Stano Performance für seine Mitschüler. Er nutzte

dazu meine und die Kleidung unserer älteren Schwester und alle Jahrgänge kamen vorbei um sich anzuschauen, was er da vorführte,“ erinnert sich seine Schwester Božena. Seiner Schwester nach waren es gerade diese banalen Dramatisierungen in Verbindung mit der Liebe zur Literatur und Philosophie, die in ihm das Begehren nach dem Studium der Kunst erweckten. Sein Vater war aber dagegen, er wollte dass Stano etwas Ehrbares studierte und deswegen begann er auch 1943 das Jurastudium in Bratislava. Dabei blieb er nur drei Jahre lang. Die Euphorie nach dem Kriegsende führte ihn und seine jüngere Schwester Božena nach Prag, wo er endlich das Filmstudium an der Akademie der musischen Künste (FAMU) begann. „Unserem Vater sagte er nicht, dass Stanislav Barabáš

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er sein Jurastudium nicht fortsetzte, sondern in Prag Film studierte. Er schickte mich, seine jüngere Schwester nach Hause, um es unserem Vater mitzuteilen. Glücklicherweise akzeptierte dieser das dann doch und unterstüzte Stano weiter“, lacht heute noch die jüngere Schwester von Stanislav Barabáš. Prag konnte zu dieser Zeit seinen geistigen Durst. stillen: Zahlreiche Ausstellungen, Theater-Aufführungen oder Konzerte lagen ihm als Studenten plötzlich zu Füßen. Seine Worte „Wir sind nicht so blöd wie unsere Filme“ sind die Aussage einer ganzen Generation. Die Zensur war in allen Werken präsent und es lag am Autor und seiner Geschicklichkeit, wie er mit der Zensur umzugehen lernte. Manche blieben dem Hauptstrom treu und bewegten sich nur in den Grenzen des vorgegebenen Schematismus. Stanislav Barabáš fand seinen Ausweg aus dieser Situation in innovativen Methoden der Filmerzählungen und im Fokus auf die individuelle Menschlichkeit. Zwar stand er im Jahr 1956 hinter dem Dokumentarfilm „Za slobodu“ (Für die Freiheit, 1956), der sich in heroischem offiziellem Ton mit dem Thema des Slowakischen Nationalaufstands befasste, aber bei seinem Debüt-Spielfilm „Pieseň o  sivom holubovi“ (Das Lied über die graue Taube, 1961) könnte man getreu Regisseur Eduard Grečner schon über das erste Beispiel der tschechoslowakischen Neuen Welle sprechen, die an die Gedanken von Francois Truffaut oder Jean-Luc Godard anknüpfte. Der Film, in dem sich für die tschechoslowakische Filmwelt neue Methoden in Form und Ausdruck verknüpften,

Im Jahr 1967 erreichte Stanislav Barabáš mit dem Film „Krotká“ (Die Sanfte, 1967) den Höhepunk seiner bisherigen Karriere. Schon während der Ausbildung im Gymnasium begann Barabáš´s Interesse an dem Schriftsteller Fjodor Michailowitsch Dostojewski. Seine Schwester Božena erinnert sich daran, wie ihr der ältere Bruder neue Bücher des Autors gab und sie dazu zwang, nach dem Lesen über deren Inhalte zu diskutieren. Der Fernsehfilm wurde zu einer Sonde in die fragile innere Welt eines Wesens. Das psychologische Drama verbindet in sich die minimalistische Übertragung des Textes in das Drehbuch, das Barabáš selbst ausarbeitete, mit den ausgezeichneten schauspielerischen Leistungen von Ctibor Filčík und Magda Vášaryová. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Musik von Zdeněk Liška. Stanislav Barabáš glaubte, die Musik müsse ein Teil der Erzählung sein und musikalische Inspiration fand er öfters in den rhytmischen Motiven der Folklore-Tradition der Region Podpoľanie, in der er aufwuchs. Der Film wurde sogar mit dem Grand Prix auf dem Filmfestival in Monte Carlo ausgezeichnet. „Die Sanfte“ war ein Teil des Kulturwunders in der Tschechoslowakei, ein Ergebnis der teilweise befreiten gesellschaftlichen Atmosphäre. Als im August 1968 die Truppen des Warschauen Pakts die Tschechoslowakei überrollten, war Barabáš schockiert. Seine Liebe zu Dostojewski ermöglichte ihm, den russischen Charakter zu studieren und die Invasion sah er als einen unvergesslichen Verrat. Im Jahr 1968 verließ er die Tschechoslowakei und wählte sich ein Leben in der Emigration. Zuerst floh er nach Wien, dann nach Kanada und schließlich nach Deutschland, wo er an seine

Jung Stanislav Barabáš Stanislav Barabáš mit Ehefrau Mimi Filmarbeit anknüpfte. Bei der Emigration half ihm auch die Annerkenung der Filmwelt aus Monte Carlo. Praktisch kehrte er nie wieder in die Slowakei zurück. In Deutschland drehte er noch eine Reihe Fernsehfilme und trug als Regiseur auch zu den Fernsehserien „Matt in 13 Zügen“ und „Tatort“ bei. Seine zweite Adaptation von Dostojewski´s „Večný manžel“ (Der ewige Gatte, 1969), für die er mit dem slowakischen Schauspieler Jozef Króner und dem ausgewanderten slowakischen Kameramann Igor Luther zusammenarbeitete, wurde 1969 mit dem deutschen Preis Die Goldene Kamera von Hörzu für die beste Regie ausgezeichnet. Nach dem Jahr 1989 kam er ab und zu in seine alte Heimat, um den Rest der in der Slowakei gebliebenen Familie zu sehen, und plante sogar neue Filmprojekte mit jüngeren slowakischen Kollegen. „Er kam ein paarmal zurück und wollte fortsetzen, hatte irgendwie aber keine Kraft mehr. Wahrscheinlich, weil er schon krank war, aber er wusste noch nichts darüber“, erinnert sich seine Schwester. Im Jahr 1994 starb er plötzlich in Hamburg nach seinem Kampf mit der schweren Krankheit. Stanislav Barabáš wahrt bis heute einen speziellen Platz im slowakischen Film. Seine

Arbeit bis 1968 trug keine Züge der Rebellion oder Revolte und trotzdem behielt sie einen unverwechselbaren charakteristischen humanistischen Stil. Nach der Emigration gelang es ihm weiter erfolgreich in seinem Fach zu arbeiten, aber ohne den „WunderStatus“, den er und seine Generationskollegen in dem kulturell schlafenden Land der Tschechoslowakei bekamen. Es liegt an der heutigen freien Generation, das Wunder wieder zu erkennen und Stanislav Barabáš bei der Bewertung der slowakischen Kulturgeschichte nicht zu vergessen. Der Artikel wurde mit der Hilfe von Frau Božena Filová und Filip Drábek verfasst.

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KULTUR

KULTUR

Soyart – Kunstwerke zu vermieten "Wir unterstützen junge Künstler durch Vermietung ihrer Kunstwerke in Geschäftsräume." So beschreibt sich selbst die slowakische Bürgervereinigung Soyart. Die Initiative aus Bratislava spielte schon einige Zeit mit der Idee, die Werke junger Künstler zu vermieten.

Die weltberühmte Malerin Ernestine Tahedl hat sich mit ihrer Ausstellung "Resonanz" zum ersten Mal in Bratislava vorgestellt. Die großformatigen Bilder voller Farben und positiver Energie der in Osterreich geborenen Künstlerin wurden von den Meisterwerken der klassischen Musik von Johann Sebastian Bach oder Dmitrii Shostakovic beeinflusst.

Text: Jana Kočišová

Erstmals sollte diese Idee von den beiden Freunden und Kunstliebhabern Michaela Kučová und Igor Rjabinin realisiert werden, später schon von drei Menschen, als dazu noch František Milec kam. Die erste Ausstellung wurde von Soyart im Herbst des Jahres 2012 organisiert. Dieses Datum könnte als der offizielle Beginn von Soyart – Art Rental Service - betrachtet werden. Danach folgten schon Vermietungen und Ausstellungen auf einer regelmäßigen Basis, wie zum Beispiel die Ausstellung der Werke von Dominika Žáková, die diesen November im Kreativraum The Spot präsentiert wurde. Außer dem erwähnten organisatorischen Trio bilden Soyart noch Helfer, die sich zum Beispiel über Fotos oder Installationen der Werke kümmern, und vor allem Künstler. Soyart ist eine Verkürzung aus dem englischen "So Young Art". Und wie dieDen Katalog der Kunstwerke und weitere Informationen finden Sie unter:

http://soyart.tumblr.com/

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ser Name schon andeutet, orientiert sich die Vereinigung vor allem auf junge und in einem bestimmten Sinn unbekannte Künstler. In ihrem Katalog befinden sich laut Michaela Kučová vor allem begabte Kunststudenten oder frische Absolventen, für die Soyart den ersten Schritt zur professionellen Karriere bedeuten kann. Die Künstler im Katalog wurden entweder „entdeckt“ oder haben sich selbst gemeldet. Gemeinsam haben alle das Bemühen, sich zu entwickeln, und die Lust, sich der Kunst voll zu widmen. Die Aufgabe von Soyart besteht außer der Vermietung auch darin, den Künstlern mit Bürokratie, PR und Management zu helfen, damit sie sich mehr auf den kreativen Prozess selbst konzentrieren können. Da sich die Organisation vor allem auf die Vermietung von Gemälden und Werken in verschiedene Geschäftsräume und Büros orientiert, erhalten damit die Künstler außer einer finanziellen Kompensation für die Vermietung auch eine Chance, sich schrittweise einen guten Namen zu er-

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Resonanz – Wenn die Musik die Malerei inspiriert Text: Katarína Šujanová, Fotos: Marek Chalany

Foto Soyart: www.facebook.com/soyartsk werben. In einer Firma kann während des Jahres mehr als Dutzend Werke wechseln, flexibel nach den Kundenbedürfnissen und dem erwünschten Stil. Großes Potenzial sehen die Gründer der Organisation in der Tatsache, dass die Mieter keine ungeheuren Summen in die Kunst investieren müssen und trotzdem wertvolle Kunst an ihren Wänden zeigen und somit einen bestimmten Status präsentieren. Die Werke können die Konsumenten nach der Absprache beliebig lange behalten, in der Praxis dauert die Standard-Vermietung meist ein bis zwei Monate. Falls jemand am Ende der Vermietung daran interessiert ist, ein Gemälde zu kaufen, ist das nach indvidueller Absprache auch möglich. Inzwischen finden auch erste PrivatVermietungen statt. Junge Künstler haben es nicht leicht. Man muss pragmatisch sein und auf viele Kompromisse eingehen und vor allem immer wieder neue Wege der Selbstpräsentation zu suchen. Kreative und einzigartige Initiativen wie Soyart helfen, neue Möglichkeiten in die rostige Welt der Kunst in der Slowakei zu bringen.

„Durch meine starke Beziehung zur klassichen Musik ist dieser Zyklus bestimmten Symphonien gewidmet, mit welchen ich mich auseinandersetze. Diese musikalischen Eindrücke inspirieren diese Bilder und sind auch in den Titeln reflektiert“, sagt sie. Mit der Klaviersonate von Schostakowitsch wurde auch der feierliche Abend der Vernissage im Dezember in den vollbesetzten neuen Räumlichkeiten des Österreichischen Kulturforums (ÖKF) erröffnet. Brigitte Trinkl, die Leiterin des ÖKF, sagte bei der Begrüßung der Gäste: „Diese Werke symbolisieren Ernestine Tahedl – ihre Sensibilität und Offenheit und ihren Weitblick und Mut. Die Künstlerin, die in jungen Jahren von Österreich nach Kanada ausgewandert ist und ihre ursprüngliche Heimat um eine zweite erweitert hat.“ Die Ausstellung wurde von der Kooperativa poisťovňa (Vienna Insurance Group) gefördert. „Ernestine hat uns gezeigt, was es bedeutet, Grenzen zu überschreiten. Aus der Perspektive der Vienna Insurance Group

bewundern wir diesen Lebensweg, weil wir auch nach dem Jahr 1990 die Grenzen überschreiten mussten,“ begründete Kurt Ebner, Vorstandsmitglied und stellvertretende Generaldirektor der Kooperativa, in seiner Ansprache diese Unterstützung. Zur großen

Begeisterung des Publikums überreichte er Frau Tahedl eine CD mit Musik von Johann Nepomuk Hummel, der aus Bratislava stammt, mit der Bitte: „Falls Sie diese Musik zu einem neuen Bild inspiriert, sagen Sie uns darüber in Bratislava Bescheid!“

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KULTUR

KULTUR

Die digitale Stadtbibliothek Kaschau/Košice

Feuilleton

Bratislava hören - Phänomenologie einer Annäherung (Foto: privat)

Der Münchner Verein Digitales Forum Mittel- und Osteuropa (DiFMOE) realisierte in Kooperation mit Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen in der Slowakei, Deutschland, Österreich und Ungarn anlässlich des Kulturhauptstadtjahres 2013 eine digitale Stadtbibliothek der ostslowakischen Metropole Kaschau. Über 160.000 Seiten historischen Kulturguts stehen Geschichtsinteressierten beim virtuellen Besuch nun frei zur Verfügung. Gefördert wurde das Projekt vom Beauftragten der deutschen Bundesregierung für Kultur und Medien und dem Goethe-Institut Bratislava. Von Jan Schrastetter, Vorstandsmitglied DiFMOE e.V.

Das europäische Kulturhauptstadtjahr von Košice ist zu Ende. Viele Veranstaltungen rückten die größte Stadt der Ostslowakei in den Fokus einer breiteren europäischen Öffentlichkeit und einige Projekte werden noch über 2013 hinaus einen nachhaltigen Eindruck von der Schönheit der Stadt, aber auch ihrer kulturhistorisch reichhaltigen Vergangenheit vermitteln. Zu diesen gehört die Cassovia Digitalis - die Digitale Stadtbibliothek Kaschau. Initiiert wurde sie durch das Digitale Forum Mittel und Osteuropa (DiFMOE). Der in München beheimatete Verein verfolgt das Ziel, historische Druckwerke multiethnischer Kulturlandschaften des östlichen Europa zu digitalisieren und über das Internet erreichbar zu machen. Košice, Kaschau, Kassa, Cassovia erfüllt diese konzeptuelle Vorbedingung prototypisch: Im 13. Jahrhundert aus der Verschmelzung einer slawischen mit einer deutschen Siedlung hervorgegangen, entwickelte sich die Stadt im ungarischen Königreich zu einem bedeutenden wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum, wo Slowaken, Deutsche, Ungarn, Katholiken, Protestanten, Juden, GriechischKatholische und weitere Gruppen dem städtischen Leben und der städtischen Kultur ihre charakteristische Prägung gaben. Zeugnisse jener multiethnischen und mehrsprachigen Vergangenheit in Wort und Bild wurden während einer Projektlaufzeit

von einem Jahr digitalisiert und über die Internetplattform www.cassovia-digitalis.eu frei zugänglich gemacht. Größte Leihgeber von Originalvorlagen waren die Öffentliche Bibliothek Jan Bocatius (Košice), das Ostslowakische Museum (Košice), die Wienbibliothek, das Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas (München), die Martin-Opitz-Bibliothek (Herne) und der Privatsammler Ľudovít Korotnoky. 123.500 Seiten Periodika - Zeitschriften, Zeitungen und Kalender -, darunter die zwischen 1872 und 1914 erschienene Kaschauer Zeitung, etwa

Nähere Informationen: www.cassovia-digitalis.eu

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Bildschirmfoto Jan Schrastetter

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37.000 Seiten monografischer Werke aus und über Kaschau, 300 historische Postkarten und seltene Archivalien konnten so digital versammelt werden. Projektvorstellungen in Berlin, Wien, Bratislava, Freiburg und Karlsruhe zeigten ein großes Publikumsinteresse. Höhepunkt war die Präsentation während einer Fachtagung der Martin-Opitz-Bibliothek in Košice, wo sich als Ehrengast auch der Deutsche Botschafter in der Slowakei, Herr Michael Schmunk, vom vielfältigen Angebot der Digitalen Stadtbibliothek überzeugen konnte.

Vor zwei Jahren bin ich als Österreich-Lektorin nach Bratislava gekommen. Obwohl nur 60 km von Wien, war mir die Stadt fremd, war ich hier fremd. Zu meinem Beruf, wie ich ihn verstehe, gehört es aber, mir das Fremd-Sein im positiven Sinne zu bewahren, die Unterschiede wahrzunehmen, ohne im Eifer übers Ziel hinaus zu schießen und Unterschiede zu erzeugen, wo dergleichen keine sind. Von Ingrid Blasge, Österreich-Lektorin an der Pädagogischen Fakultät der Comenius-Universität in Bratislava

Eine Stadt zu entdecken, verläuft für mir nicht viel anders, als eine neue Bekanntschaft zu machen: Ich gehe auf sie zu, erfahre ihren Namen, den ich aber gleich wieder vergesse, weil mir so vieles andere stärker ins Auge fällt: ein sympathischer Zug um den Mund, die stark gekrümmte Nase, vielleicht der Händedruck. Bei Bratislava war ich allerdings nicht frei von Erwartungen, habe mir aus dem Hören-Sagen und aus dem Klang ihres Namens ein Bild gemalt und war dann überrascht, wie wenig die eigene Vorstellung mit dem Ort zu tun hat: Wie passt „Bra-tis-la-va“ zur Altstadt, wie „Pressburg“ zum Ufo und wie das Einkaufszentrum zum Aupark? Und in welcher Situation soll sie nun wie heißen? Darf ich sie nur hinterm Bierglas selig „Blava“ nennen? Wie man sich einer Stadt annähert, ist eine Frage des Typs. Manch einer mag zuerst hinschauen, aus Wien kommend, wohl eher auf den Boden, um zu folgern, dass es hier weniger Hunde oder zumindest rücksichtsvollere Hundehalter geben muss als dort, oder den Blick mit den durch die Stadt geschlagenen Magistralen in die Ferne schweifen lassen, um ihn am Kamzík, an den Burgtürmen oder den Antennen der Plattenbauten aufzuhängen. Manch einer mag gleich den Bus ins Zentrum oder auf die Burg nehmen, ein anderer sich lieber über die verwinkelten Gassen, langsam, genüsslich, in immer kleiner werdenden Kreisen dem Zentrum annähern. Ich hab Bratislava zuerst gerochen, dann gehört; habe ihre frische, von der Donau leicht herb gewürzte Grundnote erschnuppert, in die

stoßweise der Geruch von verbrannten Bremsscheiben eingesprüht wird. Hier muss wohl alles schnell gehen, wenn man mithalten will: schnell anfahren, schnell anhalten. Durch dieses Stakkato schleift das metallene Kratzen der Elektrischen, Reibungsverluste werden in Kauf genommen. Zur Sinfonie einer Großstadt fehlt zwar der dumpfe Beat einer Untergrundbahn, dafür sorgt aber die Beschallung mit Nachrichten an manchen Haltestellen für viel Abwechslung in den Höhen. Gehört hab ich am Hauptbahnhof die sich scheinbar endlos drehende Durchsage „Personenzug 22  25, regelmäßige Abfahrt um soundsoviel Uhr 42, fährt auf Bahnsteig eins

ab.“ Es sollte natürlich „planmäßige Abfahrt“ heißen. Man mag diese Spitzfindigkeit als Berufskrankheit einstufen, mein aufmerksames Hinhören war aber wohl eher der Freude geschuldet, auf dem mich umgebenden slowakischen Soundteppich endlich wieder ein paar verständliche Wörter ausmachen zu können. Mittlerweile habe ich diese Übersetzungsungenauigkeit liebgewonnen, spreche sie, die Bahnhofshalle durchquerend, im Geiste nach - mal auf Deutsch, mal auf Slowakisch. Sobald ich diesen feinen Unterschied nicht mehr wahrnehme, so habe ich mir selbst als Grenze gesetzt, werde ich mich von der Stadt verabschieden.

"Regelmäßige Ankunft um ..." (Foto: Christoph Thanei) Foto: Petra Vlčková

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KULTUR

KULTUR

Veranstaltungen: Tipps & Termine Von Katarína Kironská

Feste und Festivals Fasching in Modra 9.2., Modra – Städtisches Kulturzentrum Der Fasching wird in Modra mit einer echten Hausschlachtung, verbunden mit dem Verkauf der geschlachteten SchweinefleischSpezialitäten und einer Weinprobe, gefeiert. Besucher können beim Kohlsuppen-Kochwettbewerb mitmachen und am Abend in bunten Masken am Faschingskarneval teilnehmen. Information: www.visitmodra.sk/?page_id=48 Pressburger Fasching – Prešporské Fašiangy 2014 15.2., Bratislava – Stará tržnica Die traditionelle Faschings-Atmosphäre können Besucher am 15 Februar in der Alten Markthalle in Bratislava erleben. Information: www.facebook. com/presporskefasiangy https://www.facebook.com/presporskefasiangy

Winterfeierlichkeiten Hornonitria 1.-22.2., Horná Nitra (Ortschaften am oberen Flusslauf der Nitra) Die Volkskunst gehört zweifellos zu den Juwelen der slowakischen Kultur. Ihre vielen Variationen können Besucher der Dörfer von Horná Nitra während des Winterfestivals Hornonitria besichtigen. Es erwartet sie ein buntes Programm mit vielen Folklore-Tanz- und Gesangsaufführungen, einem Masken-Karnevalsumzug, einer Präsentation der traditionellen Kunst der Handwerksmeister von Pravnianska dolina und der Region Horná Nitra und dem traditionellen Volksfest. Information: www.rkcpd.sk, rkc@rkc.tsk.sk

Musik Jozef Bednáriks Chanson Abend 20.2., 19:30, Bratislava – Theater Nová scéna Jozef Bednáriks Chanson Abend mit Viktor Horján Information: www.nova-scena.sk/program.php?work=performance Klassische Moderne – Moderne Klassik 30.1., 18:30, Bratislava, Österreichisches Kulturforum Èdua Zádory - Violine, Ana Topalovic – Violoncello

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Fragile 10, 11.2., 19:00, Bratislava, Loď (Schiff) - Theater im Unterdeck Stimminterpretationen der weltberühmten Rock-PopJazz-Hits in interessanten A cappella Arrangements – man hört also nur die Stimmen der Sänger, keine Musikinstrumente (á la Bobby McFerrin). Und obendrein bietet die Musikgruppe den Besuchern eine unvergessliche Show! Die Gruppe Fragile bilden: B. Kostka, S. Norisová, J. Golisová, H. Krajčiová, S. Rymarenková, S. Košecký, V. Csontos, K. Mikulcik Information: www.lodteatro.sk, www.fragile.sk

Die traditionelle Weinveranstaltung, bei der Besucher eine gute Gelegenheit haben, feinsten Wein auszuprobieren und vor allem in vollen Zügen zu genießen. Information: www.pvp.sk/PVP_2010.html

Slowakische Philharmonie – Cyklus E5 31.1., 19:00, Bratislava - Slowakische Philharmonie Rastislav Štúr, Dirigent Danjulo Ishizaka, Violoncello Edward Elgar Cockaigne, , Konzert-Ouvertüre op. 40 William Walton, Konzert für Violoncello und Orchester Richard Strauss, Sinfonia domestica op. 53 Information: www.filharmonia.sk/index.php?page=news&itemid=754

http://www.pvp.sk/PVP_2012_foto.html#0

http://www.filharmonia.sk/images/title_img6.jpg

http://www.snd.sk/?cinohra&predstavenie=07_coriolanus&termin=6513

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Oper und Operette Giacomo Puccini: La Bohème Oper in vier Akten in italienischer Sprache. 1.2., 18.2., 19:00 Bratislava – Slowakisches Nationaltheater Eine romantische Geschichte über eine Liebe entsprungen in bohemischer Umgebung der Stadt der Verliebten, in Paris. Die Geschichte der wunderschön erträumten Welt, die doch am Ende auf die harte Realität trifft, begleitet von zarter Musik erobert Herzen und läst die Zeit stehen. So wie jede in Dramen vorkommende Liebe, ist auch die erträumte Liebe bei Puccini eine Liebe über den Tod hinaus. Information: www.snd.sk http://www.snd.sk/?opera&predstavenie=bohema&termin=6280

http://sk.wikipedia.org/wiki/S%C3%BAbor:Fragile_%282010%29.jpg

Das in Wien wirkende Duo ZádoryTopalovic, eines der zurzeit spektakulärsten und innovativsten Musikpaare, bringt in die klassische Musik eine neue Brise herein und unterstützt gleichzeitig gegenwärtige Repertoires für Violine und Violoncello. Die Künstlerinnen verbinden den Reichtum der Kammermusik, die Intimität der Einzelpräsentation, die außergewöhnliche Virtuosität der Instrumente von Gagliano (Neapel um 1800) mit der Welt der modernen Klänge. Das Programm Klassische Moderne - Moderne Klassik ist ein inspirierender Spaziergang über die leidenschaftliche und tiefe, so wie auch spielerische und amüsante Musik des 20. und 21. Jahrhunderts. Information: www.rakuskekulturneforum. sk/program/, www.eduazadory.net, www.anatopalovic.com

Theater William Shakespeare: Coriolanus 30.1., 19:45, Bratislava - Slowakisches Nationaltheater Als einzige Institution in der Slowakei wird das Slowakische Nationaltheater im Rahmen des Zyklus „National Theatre Live“ Live-Berichterstattung von Theateraufführungen des National Theaters in Großbritannien zeigen. Am 30. Januar zeigt NT Live dem slowakischen Publikum Shakespeares Coriolanus live vom Londoner Donmar Warehouse Theater. Eine feurige Tragödie über politische Manipulation und Rache in der Hauptbesetzung mit Tom Hiddleston. Der Lifeauftritt ist in Englischer Sprache aufgeführt und wird von Tschechischen Untertiteln begleitet. Information: www.snd. sk/?cinohra&predstavenie=07_coriolanus&termin=6513

Weinkellerfestival in Pezinok 15.2., Weinstuben und Weinkeller in Pezinok

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Der Wettbewerb um „Die goldene Schere“ 8.2., Bratislava – Rača Der 15. Jahrgang des Wettbewerbs der Kleinkarpaten-Winzer im Abschnitt des Weinstocks um den Hauptpreis, „Die goldene Schere“. Information: www.raca.sk/navstevnik/kalendar-podujati/newdetail-18/

Konzert Blues am Schiff 2.2., 19:00, Bratislava, Loď (Schiff) - Theater im Unterdeck Ein unvergesslicher Bluesabend mit Ausblick auf die Donau und Lifemusik dargestellt von exzellenten Musikern wie Boboš Procházka, Ajdži Szabó, Pišta Lengyel, Martin Zajko und vielleicht sogar Oskar Rózsa. Information: www.lodteatro.sk

http://www.rakuskekulturneforum.sk/program/

Giacomo Puccini: Manon Lescaut Oper in vier Akten in italienischer Sprache. 4.2., 19:00 Bratislava – Slowakisches Nationaltheater Puccinis Herausgeber Giulio Ricordi war grundsätzlich gegen jedes Werk, das von Prévosts berühmter Geschichte ausgehen würde. Zu der Zeit schon erntete nämlich mit dem gleichen Stoff der französische Komponist Jules Massenet (Manon, 1884) große Erfolge. Puccini aber akzeptierte Ricordis Ratschläge nicht: „Warum sollte es nicht zwei Opern über Manon geben? Eine Frau wie Manon kann mehr als einen Liebhaber haben.“ Als wichtiges Argument diente auch Puccinis Überzeugung von der Verschiedenheit der Blickpunkte: „Massenet fühlt es wie ein Franzose mit Menuetten und Puder. Ich fühle es wie ein Italiener mit einer Leidenschaft voller Verzweiflung.“ Information: www.snd. sk/?oper&predstavenie=15_manon http://www.snd.sk/?opera&predstavenie=15_manon&termin=6026

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KULTUR

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einem Filmteam und professionellen Schauspielern. Adéla gewann mit ihrem einzigartigen visuellen Aspekt und ihrer unverwechselbaren Geschichtslinie viele renommierte Kunstpreise wie z.B.: Preis des Jindřich Chalupecký (2012), Preis der tschechischen Nationalgalerie 333 (2011) und derzeit ist sie für den Dorothea von Stetten-Kunstpreis in Bonn, Deutschland nominiert.

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Yuri Dojc: LAST FOLIO 11.2., 18:00, Wien - Akademie der bildenden Kuenste Die Ausstellung von dem renommierten slowakischen Fotograf Yuri Dojc zeigt vor allem die großformatigen Fotografien der Fragmente und staubüberdeckten Reihen hebräisch geschriebenen Büchern in einer verlassenen und verwüsteten jüdischen Schule. Information: www.facebook.com/SlowakischesInstitutInWien Messe ITF Slovakiatour 30.1. – 2.2., Bratislava – Incheba ITF Slovakiatour ist die größte Tourismusmesse in der Slowakei und gehört zu den wichtigsten Veranstaltungen ihrer Art in Mitteleuropa. Die Messe bietet jährlich einen umfassenden Service für Menschen, die ins Ausland reisen oder die Schönheiten der Slowakei erkunden wollen. Information: www.incheba.sk/vystavy/itf-slovakiatour-6596.html?page_id=6596&lang=sk http://www.incheba.sk/vystavy/itf-slovakiatour-6596/fotogaleria.html?page_id=6597

Valentinsveranstaltungen Valentinswochenende im Schloss Bojnice 14.-16.2., Schloss Bojnice Das Slowakische Nationalmuseum - Museum Bojnice lädt alle Verliebte zur Veranstaltung der Liebeserklärung ein. Am Tag des St. Valentins besiegeln Ehepaare, Lebenspartner, Liebhaber, Brautpaare und Freunde aufs Neue deren Gefühle, Zuneigung und Hingabe. Das Schloss Bojnice öffnet auch dieses Jahr seine Türen für alle, die die Liebe ehren und feiern wollen. Information: www.snm.sk/?muzeum-bojnicepodujatia&clanok=valentinsky-vikend-na-zamku-2, www.bojnicecastle.sk

Ausstellungen Adéla Babanová 17. 1.- 21. 2., Bratislava - Zahorian & co Gallery Die Zahorian & co Gallery startet das neue Jahr mit einer SoloPräsentation der tschechischen Künstlerin Adéla Babanová, einer Absolventin im Bereich neue Medien, Grafik- und Konzeptkunst an der Akademie der Bildenden Künste in Prag. Adéla Babanovás Kunst wird vor allem mit der Videokunst verbunden. Sie verwendet herkömmliche Filmpraktiken begleitet von

aus der Slowakei

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Alfons Mucha – Der Weg zum Ruhm 31.1.-11.5., Bratislava Mirbach Palais Nach mehr als einem Jahr gelang es, die einzigartige Sammlung von Gemälden, Zeichnungen, Glasmalereien, Lithografien und Reliefs des berühmten Künstlers Alfons Mucha zu bekommen. Die Ausstellung zeigt einen retrospektiven Querschnitt durch Muchas weltberühmte Werke.

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„Die künstlerischen Parallelen XII.“ 19.2., 18:30, Slowakisches Institut in Wien Die Ausstellung zeigt die frischen und von Konventionen unabhängigen Statuen, Bilder und Objekte von 20 slowakischen Künstlern: Jakub Bachorík, Xénia Bergerová, Jana Brisudová, Silvia Čechová, Lucia Černeková, Pavol Dubina, Lucia Fabiánová-Strassnerová, Nataša Húsková, Norbert Kelecsényi, Stanislav Kiča, Noémi Kolčáková-Szakálová, Andrej Margoč, Robert Mlčúch, Ondrej 4., Martin Pala, Marek Ryboň, Gabriel Strassner, Robert Szittay, Martin Ševčovič, Milina Zimková. Information: www.facebook.com/SlowakischesInstitutInWien

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Zum Golfen nach Tschechien Der erste Golfplatz auf dem Territorium der heutigen Tschechischen Republik wurde 1904 in Karlsbad eröffnet, ein Jahr später kam ein weiterer in Marienbad hinzu. Die Entwicklung des Golfsports nahm vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Familienklub Ringhoffer Golf Club Volešovice ihren Anfang und erreichte ihren Zenit 1926 mit der Gründung des ersten tschechischen Golfklubs in Prag, dem Golf Club Praha (GCP), wo 1927 das erste Turnier stattfand. Text und Fotos: Miroslava Dulová

1923 wurden die ersten Golfschläger aus zweiter Hand aus England eingeführt und auf den Wiesen rund um die Gemeinde Stránčice begann man Golf zu spielen. 1928 entstand hier der zweite tschechische Golfklub, der Golfový klub Líšnice (GKL). Gegen Ende des Jahres 1931 schlossen sich diese zwei Klubs mit dem einzigen slowakischen Golfklub in Piešťany, jedoch ohne die Klubs in Karlsbad und Marienbad, zum Golfverband der ČSR (GS ČSR) zusammen. Vorsitzender des Verbandes wurde František Ringhoffer, sein Generalsekretär Ing. Josef Charvát. 1929 wurde der Golfplatz in Marienbad auf 18 Löcher erweitert und in Karlsbad wurde mit dem Bau eines weiteren Platzes begonnen. Zentrum des tschechischen Golfsports war bis 1934 der Platz in Motole. 1930 wurde hier die erste Nationalmeisterschaft der Tschechoslowakei abgehalten. Ab 1932 fand hier die Internationale Amateurmeisterschaft der Tschechoslowakei der Männer und Frauen statt. 1935 wurde der neue Platz in Karlsbad eröffnet und 1937 fand die Amateurmeisterschaft der Tschechoslowakei hier statt. Zu Ende 1937 wurde unter Mitwirkung des Golfverbandes der ČSR die Europäische Golfassoziation gegründet. Mit Kriegsbeginn 1939 sank die Zahl der aktiven Golfspieler massiv. Das Klubhaus des Golfplatzes Klánovice wurde von der Wehrmacht besetzt und bis 1944 wurde nur auf sechs Bahnen gespielt. Die ersten Meisterschaften nach dem Krieg wurden 1946 hier abgehalten. Die nächste fand in Marienbad statt, wo der Platz

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von der US Army instand gesetzt wurde. Die Aktivitäten wurden vom Tschechoslowakischen Golfverband geleitet. Der Golf Club Mariánské Lázně (Marienbad) wurde von jenen gegründet, die das entvölkerte Grenzland besiedelten. Die im Februar 1948 installierte kommunistische Regierung unternahm 1952 den Versuch, den Golfplatz in Lišnice (Lischnitz) zu schließen, und 1953 drohte das Umpflügen des schönen Platzes in Marienbad, zu dem es glücklicherweise nicht kam. Die fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren für den Golfsport in der Tschechoslowakei jedoch sehr hart. Das totalitäre Regime sah im Golf westliche Lebensart und einen „bourgeoisen Sport“. 1966 kam es aber in der Tschechoslowakei zur vollen Anerkennung des Golfs als Sportart mit zehn Sportklubs. In der Periode des Prager Frühlings riefen die Golfer den Československý golfový svaz ins Leben (ČGS – Tschechoslowakischer Golfverband). 1968 trat der ČGS der Europäischen Golfassoziation bei. Mit dem Einmarsch der russischen Truppen endete diese Entwicklung. Das Jahr 1989 brachte einschneidende politische Veränderungen mit sich. 1990 änderte der ČSG seinen Namen zu Československá golfová federace (Tschechoslowakische Golfföderation). Die Trennung der Tschechoslowakei in zwei Staaten am 1. Januar 1993 brachte auch neue Strukturen – die Česká golfová federace (Tschechische Golfföderation). Die neunziger und die Nullerjahre hindurch wuchs die Zahl der Spieler, Klubs und Golfplätze rasant an. Golf wurde zum beliebten Sport

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mit einer dauerhaft dynamischen Entwicklung. Derzeit gibt es mehr als 55 000 Mitglieder von Golfklubs und ihre Zahl wächst beständig. Es kommen neue Golfplätze hinzu wie 2013 Loreta GC Pyšely, Hukvaldy, Lipiny oder Těšetice. Die Gesamtzahl der Golfplätze in Tschechien nähert sich der magischen Hundertergrenze. Die enorme Entwicklung des tschechischen Golfsports wurde mit dem Preis der IAGTO: Tschechien – unentdeckte Golfdestination 2006 auf der Messe International Golf Travel Market im spanischen Marbella gewürdigt. Diesen großen Erfolg feierte Tschechien bereits bei der zweiten Teilnahme an dieser Messe, was bisher keinem anderen Land gelungen ist. Der Preis ist umso kostbarer, als 17 Länder um ihn wetteiferten. Bei der Planung eines Golfurlaubs in Tschechien kann eine Rangliste der besten Golfplätze behilflich sein: • Casa Serena – Ein exklusiver Privatplatz. • Ypsilon Golf Resort Liberec – Entworfen von Keith Preston in der herrlichen Landschaft am Stausee Fojtka. Gebühr pro Spiel 1500 Kč. • Albatross Golf Resort - 30 Autominuten von Prag entfernt. 2012 vom amerikanischen Golf Digest als die Nr. 1 in Tschechien genannt. 2010, 2011 und 2012 Gewinner des Titels Golfresort des Jahres. Das Spiel ist hier sehr herausfordernd. Gebühr 1750 Kč wochentags und 2150 Kč am Wochenende. • Golf Resort Karlovy Vary – Gehört zu den besten Plätzen in Tschechien. Die

lange Tradition reicht bis ins Jahr 1933 zurück, als er vom Pariser Architekt Noskowský fertiggestellt wurde. Gebühr pro Spiel 2 000 Kč. • Kaskáda Golf Resort Brno – Unweit von Brünn, gespielt wird auf drei 9-Loch-Plätzen (dem Hölzernen, Steinernen und Eisernen). Gebühr pro Spiel 1600 Kč/1950 Kč. • Golf Resort Karlštejn – Gehört zu den schönsten Plätzen Europas und befindet sich im hügeligen Terrain mit Ausblick auf die romantische Burg Karls IV. Gebühr pro Spiel 1350-2000 Kč/ 3000 Kč. • Royal Golf Club Mariánské Lázně – Gehört zu den ältesten Plätzen Europas (1905). Vom britischen König Edward eröffnet erteilte ihm im Februar 2003 die Königin Elisabeth II den Titel „Royal“. Wird als Park Golf Course bezeichnet. Gebühr pro Spiel 1500 Kč/1700 Kč. • Prosper Golf Resort Čeladná -  Den Platz entwarf Michel Angel Jiménez (2001) am Fuße der Beskiden. Gebühr pro Spiel 1290-1490 Kč/1690-1890 Kč. • Golf Resort Konopiště – 40 km südlich von Prag. Der Radecký-Platz wurde von John Burns entworfen. Gebühr 1700 Kč wochentags und 2 000 Kč am Wochenende.   Tschechien ist eine gut entwickelte Golfdestination. Das schönste Loch 2006 und 2007 in Tschechien ist auf dem Platz Golf Park Plzeň Dýšina zu finden. Eine absolute Rarität, ein Grenzübergang für Golftrolleys zwischen zwei Golfresorts und zwei Staaten, verbindet das tschechische Golfresort Monachus und das österreichische Golfresort Haugschlag. Bei der Auswahl unter den tschechischen Golfplätzen empfehlen wir, im Voraus die verschiedenen Angebote zu prüfen, die Angebotspakete sind oft preislich sehr entgegenkommend. Jeder Golfer findet hier sicher seinen Lieblingsplatz. Ein angenehmes Spiel wünscht

Das schönste Insel-Loch in Tschechien auf dem Golfplatz Dýšina

Auf dem Golfplatz Konopište

Auf dem Golfplatz Alfrédov

 

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Auf dem Links-Platz unweit von Brünn


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Der “Komet” zurück in der Tatra Die legendäre Tatra-Straßenbahn “Komet” wurde dank Partner und Sponsoren gerettet und sie fährt wieder in der Hohen Tatra. Nach einer aufwendigen Reparatur der durch Blitz beschädigten Motoren dient sie wieder den Touristen. Sehen Sie sich dieses Schmuckstück der Tatrabahnen aus der Nähe an und erleben Sie eine zauberhafte Reise mit dem “Komet”.

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