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NPZ ! Neue Pressburger Zeitung > Jahrgang 1/2 > Nummer 12/01 - Dezember 2013 / Januar 2014 EUR 3.50 > www.npz-online.eu

Politik

wirtschaft

Nachbarn

Kultur

freizeit

Österreichs Botschafter Josef Markus Wuketich

Volkswagen-Chef Albrecht Reimold

Centrope-Preis 2013 Theater Brett

Veranstaltungstipps zum Jahreswechsel

Slowakische Weihnachtsspezialitäten

!

NPZ Das deutschsprachige Magazin

Neue Pressburger Zeitung aus der Slowakei

Wohin steuert die slowakische Wirtschaft? NPZ-Interview mit Wirtschaftsminister Tomáš Malatinský

s t el h c p i er a n n s Les h e i w i n PZWge r N fü


TECHNOLOGIEN UNTER KONTROLLE Versorgung und Beleuchtung von Anlagen mithilfe elektrischer Energien Industrieautomatisierung Mess- und Regeltechnik

STUDIEN PROJEKTE LIEFERUNGEN MONTAGE INBETRIEBNAHME AHME SERVICE

PPA CONTROLL, a.s. | Vajnorskรก 137 | 830 00 Bratislava Tel: + 421 2 492 37 111 | + 421 2 492 37 374 ppa@ppa.sk | www.ppa.sk


INHALT

!

NPZ Das deutschsprachige Magazin

Inhalt

Neue Pressburger Zeitung aus der Slowakei

impressum

titelthema

NPZ – Neue Pressburger Zeitung Jahrgang 1/2, Nummer 12/01 Dezember 2013 / Januar 2014

Wirtschafts-Ausblick Eurozone und Zentraleuropa Kommentar Gabriele Matzner Das große Interview: Wirtschaftsminister Tomáš Malatinský Marián Jusko: Strukturreformen spielen Schlüsselroll

Registriert beim Kulturministerium der SR: Evidenznummer / Evidenčné číslo: 4719/12 ISSN 1339-0376

Seite 16 Österreichs Botschafter Josef Markus Wuketich

Geschäftsführer: Lic. iur. Josef Aregger, LL. M.

Österreichs Botschafter Josef Markus Wuketich Robert Fico in Wien 20 Jahre Beziehungen Österreich-Slowakei "Niederlage der Demokratie": Kotleba-Erfolg Wahlen in Deutschland und Österreich - Rückblick

Sekretariat: Martina Vlkovičová martina.vlkovicova@npz-online.eu Telefon: +421 2 5413 1260

VW-Chef Albrecht Reimold im NPZ-Interview Swiss-Slovak Business Forum Jugendarbeitslosigkeit

Seite 28 Volkswagen-Chef Albrecht Reimold

Redaktionsbeirat: Matthias Földeak, Josef Herczeg, DI Peter Kollárik

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Nachbarn Centrope-Preis 2013 für Theater Brett

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SERVICE

Seite 38 Centrope-Preis 2013 Theater Brett

Erneuerbare Energiequellen Urheberrecht Internationale Besteuerung Briefkastenfirmen

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partner Slowakisch-Österreichische Handelskammer Advantage Austria - AußenhandelsCenter Deutsch-Slowakische Industrie- und Handelskammer Österreichisch-Slowakische Gesellschaft

Ständige Mitarbeiterinnen der Redaktion: Dr. Gabriele Matzner-Holzer, DI Slávka Dzureková, Mgr. Katarína Kironská, Mgr. Katarína Šujanová Übersetzungen: Thomas Franke, Dipl.-Pharm. Christel Spanik, Mag. Christoph Thanei.

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wirtschaft

Chefredakteur: Mag. Christoph Thanei redaktion@npz-online.eu Mobil: + 421 915 724 759 Marketingchefin und stellvertretende Chefredakteurin: Barbora Hrvolová info@npz-online.eu Mobil: + 421 903 401 464

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POLITIK & Gesellschaft

Das Magazin NPZ – Neue Pressburger Zeitung erscheint 10 Mal im Jahr, zum Jahreswechsel und im Sommer als Doppelnummer Herausgeber und Verleger: NPZ – Neue Pressburger Zeitung, s.r.o. Františkánske nám. 7, 811 01 Bratislava DIČ: 2023702076 IČO: 47 023 708

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kultur Seite 50 Veranstaltungstipps zum Jahreswechsel

Veranstaltungen: Tipps & Termine Kulturhauptstadt Košice 2013 - Bilanz

freizeit Slowakische Weihnachts-Spezialitäten Weihnachts-Basar

Grafik: Tomáš Kostka

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Preis: € 3,50 inkl. MWSt. Jahresabbonnement: 30 € Druck: Ultra Print, spol. s.r.o., Pluhová 49, 831 03 Bratislava Vertrieb in der Slowakei: Mediaprint, Interpress, in Österreich: Morawa

Seite 52 Slowakische Weihnachtsspezialitäten

Umschlagbild: Tomáš Kostka NPZ ! Neue Pressburger Zeitung > Dezember-Januar 2014 > www.npz-online.eu


Foto des Monats Wunderkerzen-Weltrekord

Zur Eröffnung des Weihnachtsmarkts am Hviezdoslav-Platz in Bratislava entzündeten die Besucher 2000 Wunderkerzen und stellten damit einen neuen Weltrekord für das "Guiness-Buch" auf. (Foto: SITA/Gabriel Kuchta)


TITELTHEMA

Wirtschaftsausblick: Eurozone und Zentraleuropa (V4-Region) Aktuell profitieren die vier zentraleuropäischen Länder Tschechien, Slowakei, Ungarn und Polen von der merklichen Konjunkturerholung in der Eurozone. Damit wird die tiefe Integration dieser vier Länder mit Westeuropa derzeit – u.a. auch am Finanzmarkt - wieder deutlich positiver gesehen als in den letzten „Krisenjahren“ der Eurozone. Von Peter Brezinschek, Chefanalyst und Leiter von Raiffeisen Research bei der Raiffeisen Bank International AG

Ferner zeigt die aktuelle deutliche und exportgetriebene wirtschaftliche Erholung in Zentraleuropa auch erneut die sehr enge und fruchtbare Integration dieser Region mit Deutschland. Und hier gilt, dass Deutschland derzeit ein solides Wachstum erlebt, dass durch eine solide Exportentwicklung und auch eine für Deutschland wahrscheinlich zu expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) geprägt wird. Des Weiteren haben alle zentraleuropäischen Länder – soweit möglich – ihren nationalen geldpolitischen Spielraum genutzt, um die Konjunktur zu stützen. Und für die Slowakei gilt dasselbe wie für Deutschland, also dass die aktuelle geldpolitische Ausrichtung der EZB wahrscheinlich sehr akkommodierend und gegebenenfalls sogar etwas zu expansiv ist. Alles in allem könnten gerade Polen, Ungarn und auch die Slowakei im kommenden Jahr wachstumsseitig deutlich positiv überraschen. Etwas weniger positiv sind wir für Tschechien gestimmt. Dennoch zeigt die aktuelle wirtschaftliche Lage in Zentraleuropa auch ganz klar, dass eine solide wirtschaftliche Dynamik nicht alleine vom Export getragen werden kann. Und genau deswegen sind wir für Tschechien etwas vorsichtiger gestimmt. Das Land leidet immer noch unter einem wenig günstigen Politikmix der letzten Jahre, d.h. der Mischung aus restriktiver Fiskalpolitik und gleichzeitig expansiver Geldpolitik. Dennoch erwarten wir in Zentralosteuropa für 2014 mindestens

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Foto: EP

eine Verdopplung der BIP-Wachstumsraten gegenüber dem Jahr 2013. In Polen deuten jüngste Wirtschaftsdaten darauf hin, dass 2014 eventuell ein Wachstum von 2,5-3 % gegenüber dem Vorjahr möglich ist. Für Ungarn, Tschechien und die Slowakei erwarten wir 2014 BIP-Wachstumsraten im Bereich von 1,5-2 %. Ungarn hat zwar durchaus durch kontrovers zu sehende Maßnahmen eine Sanierung erreicht, aber dennoch gibt es hier ein gewisses Aufwärtspotenzial. Zumal hier 2014 Wahlen anstehen und daher die Regierung auch einige wirtschaftspolitische Maßnahmen setzt, um 2014 das Wachstum zu stützen. Bei allem berechtigten Konjunkturoptimismus darf aber nicht vergessen werden, dass es in fast allen zentraleuropäischen Ländern sicher kein Zurück zu den hohen Wachstums- und Aufholraten der Vorkrisenzeit geben wird. Viele Wachstumstreiber

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dieser Zeit (wie ein starkes Kreditwachstum, hohe ausländische Direktinvestitionen und hohe Reinvestitionen bei ausländischen Direktinvestitions-Engagements) werden in den kommenden Jahren nicht mehr zur Verfügung stehen. Dies müssen Politiker und Wirtschaftstreibende in der Region Zentraleuropa in ihren nationalen und/oder regionalen Strategien berücksichtigen. Gerne wird etwa versucht, Staatsfinanzen über höhere Steuern und/oder sektorale Sondersteuern (etwa für den Bankensektor) zu finanzieren. Allerdings dürfen hierbei auch mögliche negative Effekte auf die jeweils heimische Wirtschaftsdynamik nicht vernachlässigt werden. Denn gerade die wirtschaftlichen Entwicklungen in Zentraleuropa der letzten Jahre haben gezeigt: Eine hohe inländische Wirtschaftsdynamik – die auch bei der Bevölkerung ankommt – kann nicht alleine vom Export getrieben werden.


TITELTHEMA

Was noch ein Glück ist Ein Glück ist noch, wenn der die Kontrolle über sein Auto verlierende Neffe, statt auf die Gegenfahrbahn zu geraten, nur mit einem Brückengeländer kollidiert, meint die sagenhafte Tante Jollesch Friedrich Torbergs. Was also gibt es Erfreuliches zu berichten? Von Gabriele Matzner, 1997 - 2001 österreichische Botschafterin in der Slowakei

Je nach Standpunkt, geographischem, gesellschaftlichem und persönlichem, werden Dinge natürlich unterschiedlich wahrgenommen und bewertet. Wenn den Menschen an den südlichen Rändern der Eurozone Sparprogramme aufge-troikert werden, die sie in Not und Extremismus treiben, ist es für die Gläubigerbanken, die sich dort verzockt haben, sicher noch ein Glück, wenn sie die Steuerzahler der reicheren Länder in Unkenntnis der Zusammenhänge mittels „Rettungspaketen“ murrend absichern. Wenn Löhne gesenkt, Arbeitnehmer en masse entlassen und ihre über Jahrzehnte erkämpften Rechte gestutzt werden, ist es für Arbeitgeber sicher noch ein Glück, dass die europäischen Gewerkschaften weitgehend impotent und die Politiker aller Couleurs und Ebenen ratlos bis gefügig sind. Wenn dank flächendeckend zentral verordneter Sparpolitik Stagnation und Rezession herrschen, ist es noch ein Glück, dass dem Weltexportmeister Deutschland (und Österreich) andere Absatzmärkte winken – vorläufig noch. Es mögen überall in Europa Wähler den Wahlurnen fernbleiben oder Extremisten den Vorzug vor „Standard“-Parteien geben, für diese und die regierenden Finanzmärkte ist es noch ein Glück, dass scheinbar jener Geist herrscht, den Friedrich Schillers „Ode an die Freude“ u.a. empfiehlt: „Duldet mutig Millionen, duldet für die bess’re Welt“. Wenn die Warnungen von Klimaforschern immer alarmierender ertönen, tödliche Megastürme Millionen vernichten und Klima-Konferenzen eine nach der anderen scheitern, ist es noch ein Glück, dass

Politiker aller Länder dem „Standortwettbewerb“ frönen und wir Älpler auf einer „Insel der Seligen“ ruhen. Wir werden alle von „Big Brother“ bespitzelt, wie uns der US-amerikanische Verpfeifer Snowden vor Augen führt? Da ist es für die vereinigten Spitzel aller Länder noch ein Glück, dass die Angst vor „Terrorismus“ medial als immer noch größer aufgebauscht werden kann, als die vor dem Verlust fundamentaler Freiheitsrechte. Doch blicken wir positiv in die Zukunft! Wie schon seit Jahren verheißen uns nationale und internationale Auguren: es geht endlich wieder aufwärts, das BIP wächst wieder, dort und da! Ist es noch ein Glück, dass das seit ebenso vielen Jahren nicht zutrifft? BIPs wachsen bekanntlich auf allerlei Art, auch durch mehr Verkehrstote und Krebspatienten, weshalb es neuerdings menschenfreundlichere Indikatoren für

kaum quantifizierbare Lebensqualität gibt. Danach schneiden übrigens Österreich und die Slowakei gar nicht schlecht ab. Richten wir unsere Hoffnungen auf die „TTIP“, das von der Europäischen Kommission mit Hochdruck verhandelte Freihandelsabkommen EU-USA, in dessen Folge - schon wieder einmal - Millionen Arbeitsplätze entstehen sollen, welche und ob man davon leben kann, bleibt im Dunkeln. Es ist noch ein Glück, jedenfalls für Konzerne, dass dies geheim abläuft und derart „technisch“, dass selbst theoretisch zuständige Politiker nur staunen und schweigen können. Soeben hat Österreich den Vorsitz im Europarat übernommen und wird dort einen kulinarischen Schwerpunkt setzen: Topfenknödel gegen Demokratie-gefährdende Lauschangriffe, was könnte österreichischer sein?

Foto: Shutterstock

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„Die Automobilindustrie ist ein Segen für uns“

Die „NPZ - Neue Pressburger Zeitung“ sprach mit Wirtschaftsminister Tomáš Malatinský über Strategien, Potenziale und Perspektiven der slowakischen Wirtschaftspolitik. Text: Christoph Thanei, Fotos: Tomáš Kostka

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NPZ - Neue Pressburger Zeitung: Seit langem kündigt jede Regierung an, die Slowakei solle sich von der Werkbank internationaler Industriekonzerne zu einer wissensbasierten Ökonomie entwickeln. Mir scheint, darüber wird zwar viel geredet, aber in der Praxis sehe ich nicht viel an Ergebnissen.

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Tomáš Malatinský: Ich sehe die Fortschritte sehr wohl. Natürlich finden Sie sie nicht auf der Straße und wenig in den Medien. Wir starten auf niedrigem Niveau, aber wenn ich Firmen besuche, sehe ich immer mehr Beispiele, wie Innovationspotenziale und Forschungsmöglichkeiten genutzt werden. Wir können uns nicht mit Ländern vergleichen, die wie Israel, die Niederlande oder Däne-


TITELTHEMA

Können Sie dafür Erfolgsbeispiele nennen? Kia hat zum Beispiel ein Motorwerk, das zu den innovativsten des Hyundai/ Kia-Konzerns gehört. Oder die slowakische Volkswagen-Produktion. Es werden immer mehr slowakische Cluster nicht mehr nur in der Slowakei, sondern auch für andere Standorte des Volkswagen-Konzerns genützt. Oder nehmen wir die ebenfalls zum deutschsprachigen Bereich gehörenden Beispiele INA Skalica und INA Kysucké Nové Mesto. Dort werden an den slowakischen Standorten 120 Arbeitsplätze im Innovationsbereich aufgebaut. Das sind Erfolgsbeweise für gute Erfahrungen.

mark an der Spitze stehen, wenn es um die Nutzung von Innovationspotenzial geht. Aber die Ansätze sind da. Gerade in Regionen mit niedriger Unterstützung für Arbeitsplatzschaffung finden immer mehr Firmen ihr Wachstumspotenzial gerade in der verstärkten Nutzung von Innovationsinstrumenten und das fördern wir sehr konkret.

Die slowakische Wirtschaft ist noch immer einseitig abhängig von der Automobilindustrie und teilweise der Elektronikindustrie, während andere Branchen schwach sind. Wie groß ist das Risiko daraus und wie lässt es sich verringern? Die außergewöhnliche Stärke der Automobilindustrie in der Slowakei ist auf die jüngere Geschichte der letzten zwanzig Jahre zurück zu führen. Wir sind im Grunde dankbar dafür, dass wir sie haben, denn sie hat den Ausfall anderer früher starker und sehr spezialisierter Industrien (vor allem der Rüstungsindustrie) kompensiert und unseren wirtschaftlichen Aufschwung angetrieben. Es war für uns notwendig, einen raschen Ersatz für die zusammengebrochenen alten Industrien zu finden und es ist ein nicht nur schneller, sondern auch sehr stolzer Ersatz geworden. So gesehen ist die Automobilindustrie ein Segen für uns. Natürlich würden wir uns eine größere Diversifizierung wünschen. Und es sind ja nicht nur die Automobil- und Elektronikindustrie allein, sondern auch Maschinenbau und ein starker IT-Sektor. Und die Stahlindustrie ist ja weiterhin stark geblieben. Was ich allerdings schade finde, das ist, dass es uns noch nicht gelungen ist einen starken Tourismus aufzubauen. Dafür hätten wir ein größeres Potenzial als genützt wird. Für den Energiebereich hingegen haben wir nur beschränkte Potenziale, das schränkt uns ein. Für die

Landwirtschaft bestehen noch Reserven, aber damit rechnen wir verstärkt. Einseitig abhängig ist die Slowakei aber auch von einer sehr geringen Zahl von Absatzmärkten - allen voran Deutschland und wenige andere EU-Länder. Dabei ist es gerade der Export, von dem die slowakische Wirtschaft hauptsächlich lebt. Wir sind dabei, die Exporte in Märkte außerhalb der heutigen EU intensiver zu fördern. Die Türkei erlebt zum Beispiel einen großen Boom im Endergiesektor, an dem sich die Slowakei beteiligen will. Auch Indonesien ist für uns in diesem Bereich sehr interessant. Gute Möglichkeiten bieten die Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion, wo wir über die Botschaften unsere Aktivitäten verstärken. Es stimmt, wir wollen unsere Märkte stärker diversifizieren. Aber natürlich haben die schon bei uns ansässigen großen Firmen auch jeweils ihre eigenen Positionen und Ziele. Da müssen wir als Regierung respektieren, dass wir sie nicht sehr beeinflussen können. Die Regierung ist sehr heftig für Ihre Entscheidung kritisiert worden, den früher privatisierten Anteil an der Slowakischen Gasindustrie SPP wieder in Staatshand zurück zu kaufen. Welchen Nutzen soll das haben? Dieser Prozess ist noch nicht definitv abgeschlossen. Noch ist das nicht fix. Aber die Regierung hat natürlich Interesse daran, dass die Energiepreise niedrig sind. SPP hat ungünstige Verträge mit der russischen Gasprom abgeschlossen, was hohe Gaspreise zur Folge hat. Einerseits ist es schlecht für die Privathaushalte, wenn ein hoher Gaspreis auch die Produktion von Bedarfsgütern verteuert und damit die Konsumentenpreise erhöht. Und bei den geringen Einkommen der meisten Slowaken ist natürlich jede Energiepreiserhöhung schmerzhaft zu spüren und es fehlt das Geld für andere Ausgaben. Doch auch für die Großindustrie bedeuten hohe Energiepreise weniger Konkurrenzfähigkeit auf internationalen Märkten. Wenn

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TITELTHEMA

wir diese Effekte mildern können, indem wir die Kontrolle über den Gaspreis haben, ist das also im Sinne des ganzen Staates. Wie weit fortgeschritten ist die geplante Verbindung der slowakischen Gasleitungen mit den Nachbarländern Ungarn, Polen und auch Ukraine? Mit Ungarn sind wir am weitesten. Im kommenden Jahr sollte sich die ganze Prozedur abschließen lassen. Der slowakische Teil ist fast fertig gebaut. Sobald auch der ungarische Teil finalisiert wird, kann diese Leitungsverbindung in Betrieb gehen. Mit Polen stehen wir in der Projektvorbereitung und das von beiden Regierungen beschlossene Memorandum ist am 22. November schon unterschrieben worden. Die ungekürzte Langfassung dieses Interviews finden Sie auf unserer Website

www.npz-online.eu unter "Zum Nachlesen"

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Und mit der Ukraine? Die Ukraine hat großes Interesse, ihre Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen zu verringern, indem auch eine Umkehr der Transitrichtung entsteht. Damit ein physischer Gasfluss in die umgekehrte Richtung, also von der Slowakei in die Ukraine, möglich wird, sind aber größere Investitionen nötig. Damit die sich für uns auch rentieren, brauchen wir aber Abnahmegarantien. Denn für uns hat die Umdrehung keinen direkten Nutzen, daher wäre es nicht sinnvoll, diese Investitionen zu tätigen ohne, dass es auf der anderen Seite auch sichere Abnehmer gibt. Im September 2012 hat die (slowakische) Firma Eustream ein offenes Angebot für Abnehmer veröffentlicht. Leider hat die ukrainische Seite diese Umdrehung zwar wiederholt gefordert, aber es haben sich keine konkreten Interessenten gemeldet, Wir werden das Angebot noch in diesem Jahr wiederholen und hoffen, dass sich dann auch konkrete Abnehmer melden. Von den Gasleitungen zur Ölpipeline: Schon 2003 war ich erstmals bei einer öffentlichen Präsentation

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des Projekts einer Ölpipeline von der Raffinerie Slovnaft in Bratislava zur OMV-Raffinerie in Schwechat dabei. Gegen jede bisher ins Spiel gebrachte Trassenplanung hat sich aber großer Widerstand geregt. Eine Trassenführung über das größte slowakische Trinkwasserreservoir Schüttinsel wird von Umweltschützern schon lange abgelehnt, gegen die später überlegte Trassenführung durch das Stadtgebiet von Bratislava sind sowohl die Stadt- wie auch die Regionalverwaltung, eine Leitung über die Kleinen Karpaten würde in österreichische Naturschutzgebiete führen und dort zu Entrüstung führen. Wäre es nicht an der Zeit einfach zu sagen: Dieses Projekt ist nicht realisierbar? Wir haben das Projekt und die damit verbundenen Verpflichtungen geerbt. Natürlich ist jedes Projekt dieser Art ein Politikum und bewirkt verschiedenste Emotionen und zum Teil auch populistische Reaktionen. Die ursprüngliche Trassenplanung über die Schüttinsel wäre am einfachsten gewesen. Die öffentliche Meinung


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richtete sich aber dagegen. Das ist teilweise unverständlich, weil ja schon die Raffinerie Slovnaft selbst auf der Schüttinsel steht. Und über die Schüttinsel führt auch jetzt schon eine alte Rohrleitung von 17 Kilometern Länge. Da müssen sich auch Regionalpolitiker und Bevölkerung fragen: Wollen wir in der Slowakei den Vorteil nützen, den eine vollkommen neue Leitung bringt, die modernste Sicherheitsstandards erfüllt? Oder wollen wir alles ablehnen? Der Widerstand der Bevölkerung kommt ja gerade daher, dass es schon einmal ein Leck gab, das einen Teil des Trinkwasserreservoirs schädigte. Gerade deshalb halte ich es für sinnvoll, das alte Rohr durch etwas Neues und Besseres zu ersetzen. Es ist aber auch darauf hinzuweisen, dass das damalige Leck nicht in der Transportleitung von Transpetrol entstand, sondern innerhalb der Raffinerie selbst. Sie bestehen also weiter darauf, dass die Leitung gebaut wird? Ich bestehe auf gar nichts. Ich sage nur, dass es vorteilhaft wäre. Aber wenn die Leute das nicht wollen, dann sollen sie gleich schon so konsequent sein und einen Schritt weitergehen: Also gleich auch das alte Rohr zudrehen und die Raffinerie überhaupt schließen. Das muss man klar sagen. Wird die Slowakei den 49-prozentigen Staatsanteil an Slovak Telekom verkaufen? Wir haben klar gesagt, dass wir diesen Anteil verkaufen wollen. Aber dafür ist natürlich eine Einigung mit dem 51-prozentigen Mehrheitseigentümer Deutsche Telekom notwendig. Wir haben diese Einigung lange gesucht, jetzt erreichen wir sie vielleicht und die Transaktion kann vollzogen werden. Es gibt noch offene Rechtsstreitigkeiten, zum einen aus der Zeit der Privatisierung, zum anderen aus der Zeit davor. Und das vor allem in Österreich so viel kritisierte Atomkraftwerk Mochovce? Der Bau des 3. und 4.

DI Tomáš Malatinský, MBA (geboren am 14. März 1959) ist seit Antritt der sozialdemokratischen Regierung von Premier Robert Fico am 4. April 2012 parteiloser Wirtschaftsminister der Slowakischen Republik.

Blocks verzögert und verteuert sich ständig. Ist das für die Slowakei überhaupt noch ein sinnvolles Projekt? Schauen Sie: Die aktuellen Investitionskosten stehen bei 3,8 Milliarden Euro. Wir rechnen mit einer Erhöhung der Stromproduktion um etwas über 1000 Megawatt. Das wären 3,8 Millionen pro erzieltem Megawatt oder leicht darunter. Bei diesem Preis ist die Investition noch immer rentabel und in einem so fortgeschrittenen Stadium noch das Ganze zu stoppen, wäre problematisch. Es tut uns leid, dass der Ausbau noch nicht weiter ist. Aber die Slowakei hat sich entschieden, den Mehrheitsanteil an den Slovenské elektrárne zu verkaufen, sodass jetzt ein ausländischer Eigentümer hauptverantwortlich ist. Wir verlieren zwar leider Einnahmen an Dividenden, aber auch bei anderen Atomkraftwerken auf der Welt gibt es jetzt durch stetig steigende Sicherheitsansprüche und den zunehmenden Mangel an qualifizierten Experten. seit die Atomindustrie nach Tschernobyl in vielen Ländern auf dem Rückzug ist, überall Verzögerungen und Verteuerungen. Eine persönliche Frage: Was machen Sie in Ihrer Freizeit? Haben Sie Hobbys? Segeln ist eine Leidenschaft von mir. Das ist zeitlich anspruchsvoll, allein schon

Er absolvierte ein Studium des Vermessungswesens und der Kartografie an der Fakultät für Bauwesen der Technischen Universität in Bratislava und später ein internationales MBAStudium an der Fakultät für Wirtschaft und Management an der Landwirtschaftsuniversität Nitra. Er war in Führungspositionen der slowakischen und auch tschechischen Energiewirtschaft tätig und wurde 2004 Präsident der Assoziation der Arbeitgeberverbände der Slowakei (ein Jahr zuvor schon Präsident des Arbeitgeberverbandes der Energiewirtschaft). Diese Funktion bekleidete er bis zu seinem Eintritt in die Regierung. Tomáš Malatinský ist verheiratet, hat zwei Kinder und zwei Enkelkinder und spricht sehr gut Deutsch.

weil wir ja erst zum Meer kommen müssen, meistens nach Kroatien. Ich war aber auch dieses Jahr bei mehreren Segelregatten dabei, und das recht erfolgreich. So haben wir bei einer der prominentesten und traditionsreichsten Segelregatten überhaupt, der Regatta im englischen Cowes, in unserer Kategorie den ersten Platz belegt. Daneben widme ich mich auch ein wenig der Jagd und auch dem Golf. Für letzteres hatte ich aber nur ein einziges Mal Zeit, seit ich Minister bin. Auch anderen Sport betreibe ich gerne. Ich gehe auch Skifahren und obwohl ich nie ein sehr guter Tennisspieler war, probiere ich das jetzt auch ganz gerne. So richtig schwitzen und sich körperlich in Schwung zu halten ist ein guter Ausgleich zu meiner Arbeit. Außerdem habe ich ja eine Familie und verbringe gerne Zeit mit meinen beiden Kindern und den zwei Enkelkindern.

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TITELTHEMA

„Strukturreformen spielen eine Schlüsselrolle für die Volkswirtschaft“ Marián Jusko, der ehemalige Gouverneur der Nationalbank der Slowakei (NBS) und heutige Präsident der Arbeitgeberunion RÚZ, die Firmen mit zusammen fast 240 Tausend Arbeitnehmern vertritt, bewertet für die NPZ die Voraussetzungen der wirtschaftlichen Entwicklung. Text: Ivo Trávniček, Mitarbeiter der NPZ und Chefredakteur des Unternehmensportals www.podnikam.sk, Foto: SITA/Jozef Jakubčo

NPZ: Die jüngsten Daten, nicht nur aus der Slowakei, sondern auch aus Deutschland und anderen Ländern, deuten eine allmähliche Wirtschaftsbelebung an. Die letzte mittelfristige Voraussage der NBS besagt, dass die slowakische Volkswirtschaft im Jahr 2015 bis um 3,2 % wachsen sollte. Halten Sie diese Prognose für realistisch? Marián Jusko: Bis jetzt haben wir in der Europäischen Union nur eine Mäßigung des Schuldenwachstums erreicht. Ein Stopp der weiteren Verschuldung, also die Fiskalkonsolidierung, muss weitergehen, da darf man nicht nachlassen. Doch leider gibt es viele Stimmen, die meinen, dass man das Tempo der Budgetkonsolidierung in Europa mäßigen bzw. bremsen sollte. Dieser Ansicht kann ich nicht zustimmen, meiner Meinung nach muss sich die Fiskalkonsolidierung in einem Stopp des Schuldenwachstums äußern, und davon sind wir noch recht weit entfernt. Ferner finde ich, dass die Strukturreformen, die in Europa notwendig sind, nur sehr schleppend vorankommen. Das müsste schneller gehen. Wenn das Tempo erhöht würde, könnten sich nach gewisser Zeit die Ergebnisse dieser Strukturreformen in einem intensiveren Wirtschaftswachstum äußern. Könnten Sie für uns die Notwendigkeit dieser Strukturreformen konkretisieren?

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An erster Stelle ist das Sozialsystem zu erwähnen, das nicht nur in der Slowakei, sondern auch anderswo in Europa zu mächtig ist und der Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit im Rahmen der Weltwirtschaft entgegensteht. Ferner muss die europäische Industrie umstrukturiert werden. Das ist ein heikles Thema, denn damit hängen viele Fragen zusammen, z.B. das Schulwesen, die Umwelt und andere Angelegenheiten; die den Strukturwandel in der europäischen Industrie initiieren könnten. Und selbstverständlich gibt es noch weitere Themen, wie z.B. die Verringerung der Administration und Bürokratie in Europa, einschließlich der Slowakei.

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Die Reindustrialisierung erfordert große Investitionen. Wenn Sie die Eingriffe des Staates betrachten, z.B. in Form von Stimuli, die geeignet sind, die Industriezweige zu fördern: Wo liegt bei Investitionen das Hauptproblem? Wir unterscheiden die Investitionen europäischer Firmen in Europa und in den anderen Teilen der Welt. Ich denke, dass die europäischen Firmen recht viel in die Industrieproduktion in anderen Teilen der Welt investieren. Leider investieren sie weniger in unserer Region. Unsere Inputs gehören zu den teuersten der Welt. Andere Teile der Welt sind


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wegen ihrer geringen Energiepreise, niedrigen ökologischen Aufwendungen und ihrer billigen Arbeitskraft verlockender. Wir sollten uns vor Augen führen, dass wir in Europa ein Problem mit der Arbeitskräftestruktur haben. Die Industrie in Europa spricht von einem Mangel an technischen Kadern, also an Ingenieuren auf höchster oder mittlerer Ebene. Wenn wir erfolgreich sein wollen, müssen wir ein Standard-Umfeld schaffen, das mit dem in der übrigen Welt vergleichbar ist. Damit möchte ich natürlich nicht sagen, dass wir z.B. von unseren Umweltzielen abrücken sollten. Die Frage ist, wer die Kosten tragen soll. Wenn wir auch künftig Gewerbe und Industrie mit unverhältnismäßig hohen Kosten im Vergleich zu den Mitbewerbern in Asien, Süd- oder Nordamerika belasten, wird das Ergebnis klar sein: Eine weitere Dämpfung der Industrie in Europa einschließlich Slowakei. Gegenwärtig gibt es in der Eurozone die historisch niedrigsten Zinssätze. Haben Ihrer Meinung nach die Unternehmen in der Slowakei ausreichend guten Zugang zu Finanzierungen oder ist der Finanzsektor immer noch wenig

bereit, größere Investitionen zu unterstützen? Ich würde sagen, kaum jemals waren Kredite für die reale Wirtschaft so gut zugänglich wie heute. Das Problem ist eher: Es gibt nur wenige gute Vorhaben. Die Arbeitslosigkeit in der Slowakei liegt bei 14 %. Würden auch Strukturreformen eingeleitet – die Auswirkungen könnten sich nicht augenblicklich einstellen, denn es handelt sich um einen langfristigen Prozess. Wir sprachen auch über eine mögliche wirtschaftliche Belebung. Wie sehen Sie die Bereitschaft der Unternehmen, in nächster Zukunft neue Arbeitskräfte einzustellen? Ich kann mir vorstellen, dass im Rahmen der Strukturreformen kurzfristige Effekte möglich sind. Ein einfaches Beispiel ist die Verbesserung der Arbeitsmarktbedingungen für die Unternehmer: Es geht z.B. um Kündigungsfristen, Mindestlohn, Tarifverhandlungen. Das sind Angelegenheiten, die in einem kurzen Zeithorizont Effekte bringen können. Aus langfristiger Sicht wären Reformen im Bildungswesen am förderlichsten.

Immer noch im Gespräch ist ein „Europa der zwei Geschwindigkeiten“. Sehen Sie das als wenigstens teilweise realistisch oder handelt es sich hierbei um einen frommen Wunsch der stärkeren Staaten oder einiger Gruppen? Sollte in der Union die Situation eintreten, dass Maßnahmen, die von einigen Staaten als für das weitere Vorankommen unerlässlich erachtet werden, nicht zustande kommen, dann kann ich mir vorstellen, dass es zu einem Europa der zwei Geschwindigkeiten kommen könnte. Was sollte die Slowakei tun, um zur Spitzengruppe zu gehören? Man kann sagen, dass wir während der ununterbrochenen Krise seit 2008 keine Mehrbeschäftigung schaffen konnten, und das Wachstum war auch sehr gering. Ich wiederhole: Ganz klar muss im Bereich der Strukturreformen an Tempo zugelegt werden. Es handelt sich um einen weitgefächerten Bereich, er umfasst das Sozialsystem, das Schulwesen, die Wissenschaft und Forschung, den Arbeitsmarkt, die Finanzierung und die Geldverschwendung in der EU. Ganz eindeutig muss in der Slowakei auch die Durchsetzbarkeit des Rechts verbessert werden.

Prognosen laut Postbank Indikator

3 Q 2013

4 Q 2013

1 Q 2014

2013

2014

1,4

1,8

2,0

1,2

2,4

1,3*

0.9

1,2

1,1

2,4

1,4*

1,1

1,2

1,2

2,3

-0,6*

-0,5

1,0

-0,2

2,5

1,0

-0,9

-0,4

0,5

-0,3

13,84*

14,19

14,55

14,27

14,02

943,0*

840,0

1 070.0

4 686,4

3 590,0

EUR/USD 2, 4

1,35*

1,30

1,30

1,30

1,30

Basiszinssatz der EZB

0,50*

0,25

0,25

0,25

0,25

1M EURIBOR (% p.a.)2, 4

0,13*

0,12

0,12

0,12

0,15

BIP (% pro Jahr, Fixpreise)1, 3 Verbraucherpreisindex (% pro Jahr)

1, 4

Harmonisierter Verbraucherpreisindex (% pro Jahr) Produzentenpreisindex (% pro Jahr) Reallohnindex (% pro Jahr) Arbeitslosenrate (%) Handelsbilanz (Saldo, in Mio. EUR)

5, 6

1. Durchschnitt pro Quartal • 2. zum Quartalsende • 3. Durchschnitt pro Jahr • 4. zum Jahresende • 5. kumulativ pro Quartal • 6. kumulativ pro Jahr • * Realität

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public relations

Helfen Sie Ihren Kindern,

ein hohes Leistungsniveau zu erreichen Als der britische Leichtathlet Roger Bannister 1954 die „4-Minuten-Meile” lief, war er einzigartig – der einzige Mensch, der ein solches Tempo erreichte. Schnell jedoch zogen andere Läufer nach und liefen ähnlich schnell. Er war noch immer eine Ausnahme, aber nicht mehr die einzige. Heutzutage sind vier Minuten ein realistisches Ziel für alle wirklich guten Mittelstreckenläufer. Wenn so etwas im Sport erreicht werden kann, sollte es dann nicht auch für die Bildung zutreffen? Wendy Ellis, Schulleiterin, The British International School Bratislava

Viele Menschen gehen davon aus, dass Schüler, deren Leistungen stetig hervorragend sind, natürlich etwas besonderes sein müssen – das richtige genetische Profil oder Elternhaus haben oder selbst äußerst ehrgeizig und zielstrebig sein. An der British International School Bratislava sind wir der festen Überzeugung, dass der Prozentsatz der hervorragenden Schüler we-

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sentlich gesteigert werden kann, wenn wir die optimalen Bedingungen für ihren Erfolg schaffen. Dabei konzentrieren wir uns darauf, eine große Zahl von Studenten auf ein Niveau zu heben, das einst für die Sphäre nur der fähigsten oder begabtesten Studenten gehalten wurde. Wir wissen, worauf es hierbei ankommt und was die Studenten dabei zurückhalten kann. High Performance

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Learning heißt unsere einzigartige Bildungsmethodik, die von Professor Deborah Eyre, Direktorin für Bildung von Nord Anglia Education, entwickelt wurde und allen hilft, ein hohes Niveau akademischer Leistungen zu erreichen. Es basiert auf der pädagogischen Forschung, die beweist, dass alle Kinder, die aktiver Teil einer begeisternden Gemeinschaft von Lernenden sind, sich bestens entwickeln und zu geistig wie sozial souveränen jungen Erwachsenen heranwachsen können. In unserer Schule erhalten die Kinder nicht allein Informationen, lernen diese auswendig und sagen sie auf. Sie werden von gut ausgebildeten Lehrern beim Entdecken von Wissen und dessen Anwendung geleitet. Lernen ist kein passives Erlebnis, sondern eine gemeinsame und aktive Erfahrung, die zu einer Gewohnheit fürs Leben wird.   Unsere Studenten verfolgen dabei ihren individuellen Weg. Alle unsere Schüler haben Zugang zum Global Classroom (Globalen Klassenraum) von Nord Anglia Education, der ihr globales Bewusstsein entwickelt und sie mit einem weltweiten Netzwerk von Lernenden verbindet, in dem sie als Herausforderungen strukturierte einzigartige Lernakti-


public relations

hoch niedrig

Herausforderung

Hohe kognitive Leistungsparameter

niedrig

Fluss

Langeweile

Fähigkeiten

hoch

Gemeinsames Lernen

Entscheidende Rolle der Eltern

Lernen anhand von Herausforderungen

Rückkopplung und Fluss

Übung und Training

tung eines konkreten Events wie dem Modell Vereinte Nationen und dem Modell EuropaParlament. High Performance Learning heißt, dass wir hohe Erwartungen hegen, weil wir daran glauben, dass all unsere Studenten durch harte Arbeit und Teilnahme ein hohes Leistungsniveau erklimmen können.   Die sieben Säulen des High Performance Learning Die Lehrer an der British International School Bratislava planen ihren Lehrplan

Angst

Apathie

Geistige Haltung und Können

Werte, Einstellungen und Eigenschaften

Theorie der Entwicklung von Fachkompetenz

vitäten bewältigen können. Es ist ein sicheres Online-Umfeld mit Aktivitäten für Kinder von sieben bis 18 Jahren. Der Global Classroom bietet Kontakt zu Fachleuten in einem großen Themenspektrum: Autoren, Musikern, Schach-Großmeistern, Tänzern, Ingenieuren – die alle zu jeder beliebigen Tageszeit Fragen beantworten und Diskussionen unter unseren Schülern schlichten. Die Studenten werden ermuntert, ihr Können auf diesen Gebieten zu vervollkommnen, wobei sie mit den 26 weiteren Schulen in der Organisation in Initiativen wetteifern wie „Dance Unites“ (Tanz verbindet), dem Kasparow-Schachwettbewerb oder derzeit dem Wasser-Wettbewerb, bei dem die Studenten dazu angehalten sind, ein konkretes globales Wasserproblem zu untersuchen und dafür eine technische oder wissenschaftliche Lösung zu erarbeiten. Das Programm ermuntert dazu, Risiken einzugehen, die Herausforderung zum Lernen anzunehmen, im Team zu arbeiten und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Auf der Grundstufe können dies z.B. ökologische Projekte vor Ort oder Wissenschaftsund Kunstwochen sein, wenn diese Themen schwerpunktmäßig im Unterricht behandelt werden. Auf der Mittelstufe arbeiten ältere Studenten über mehrere Wochen hinweg an Mittwochnachmittagen an konkreten Projekten, beispielsweise an einem Theaterstück, einer Dienstleistung, oder an der Vorberei-

und den Unterricht mit dem Ziel, dass die für die Studenten interessanten Aktivitäten von ihnen verlangen, auf eine Reihe kognitiver Leistungsparameter oder Denkweisen zurückzugreifen, manchmal nur einen und manchmal auch auf viele zugleich.   Die „sieben Säulen des High Performance Learning” umschreiben die praktische Vorgehensweise für ein stetig wachsendes Niveau des Denkens und die Einbindung von Lernverhalten, die für das Erreichen eines hohen Niveaus kognitiver Leistung nötig sind. Um mehr über High Performance Learning zu erfahren, lesen Sie „Room at the Top” von Deborah Eyre, www.policyexchange.org.uk Wenn Sie die British International School Bratislava gern selbst besuchen möchten, dann kontaktieren Sie bitte unsere Admissions Officer Milina Bireš per Telefon 0918 710 719 oder E-Mail info@bisb.sk. Die Kontaktangaben der Schule: Private Verbundschule The British International School Bratislava J. Valašťana Dolinského 1 (Pekníkova 6) 841 02 Bratislava, Slovakia T: (00421) (02) 6930 7081 (2) www.nordanglia.com/bratislava http://www.facebook.com/TheBritishInternationalSchoolBratislava

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„Das grenzüberschreitende Miteinander zu fördern ist meine Mission“ Mit dem österreichischen Botschafter Josef Markus Wuketich sprach die „NPZ - Neue Pressburger Zeitung“ nicht nur über bilaterale Angelegenheiten, sondern befragte ihn auch als Experten zu Grundsatzthemen der Diplomatie. Text: Martina Vlkovičová und Christoph Thanei, Fotos: Tomáš Kostka

NPZ: War die Botschaft in Bratislava ein Wunschposten für Sie? Botschafter Josef Markus Wuketich: Ich war schon auf mehreren diplomatischen Posten in Mittel- und Ostmitteleuropa unterwegs, in Belgrad, Budapest und dann Kiew. Das heißt, ich habe mich in diesem Raum im Laufe meiner diplomatischen Karriere schon sehr viel bewegt. Bratislava / Preßburg war ein Faszinosum für mich ein Ort, in dessen Nähe ich aufgewachsen bin, der aber damals wegen des Eisernen Vorhangs sehr weit weg und unerreichbar schien. Als dann Bratislava ausgeschrieben wurde, bewarb ich mich sofort und hatte das Glück, für diesen Posten ausgewählt zu werden.

Sie selbst sind unweit von Bratislava aufgewachsen, haben kroatische Wurzeln und sprechen mehrere Sprachen. Würden Sie sich als „typisch“ für diese Region bezeichnen - und was bedeutet das für Sie? Ich bin in zwei Sprachen, Deutsch und Kroatisch, aufgewachsen. Beide Elternteile waren

Wie gefallen Ihnen überhaupt Bratislava und die Slowakei? Wie fühlen Sie sich hier aufgenommen? Meine Familie und ich fühlen uns sehr wohl hier. Wir mögen die Stadt sehr. Bratislava ist eine sehr angenehme, nicht zu große, überschaubare Stadt. Andererseits ist Bratislava eine Hauptstadt und bietet als solche viele Möglichkeiten und Annehmlichkeiten. Das reicht von Oper, Konzerten, Ausstellungen, Museen bis hin zu guten Sportmöglichkeiten. Ich genieße die überschaubare Größe Bratislavas nach meinen vier Jahren in Kiew. Das ist ja eine Stadt mit annähernd vier Millionen Einwohnern und entsprechenden Problemen wie täglichen großen Staus.

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Kroaten, die mit den Kindern mehr Deutsch und untereinander kroatisch gesprochen haben. Ob ich mich als typisch für diesen Raum empfinde? Ich würde sagen, Menschen, die zwei oder mehrere Sprachen dieses Raumes beherrschen, werden immer weniger typisch. Diese lokale Mehrsprachigkeit geht zurück


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und wird mehr durch eine moderne Zweioder Mehrsprachigkeit ersetzt. Das heißt, zu einer Muttersprache kommt noch Englisch, Spanisch, Russisch oder Italienisch usw. hinzu. Ich selbst habe es immer als große Bereicherung empfunden, in zwei Sprach- und Kulturkreisen aufgewachsen zu sein. Auch wenn ich Englisch und Französisch gelernt habe, kann ich nicht sagen, dass ich im englischsprachigen oder französischsprachigen Raum „zu Hause“ wäre. Ich glaube, darin liegt auch der Unterschied zwischen dieser alten und der neuen Mehrsprachigkeit. Wie haben Sie persönlich die Wende 1989 erlebt? Ich war 1987-1989 Mitglied der österreichischen Delegation beim Wiener Folgetreffen der KSZE, wie sie damals hieß. Heute würde man OSZE sagen (Anm.: Slowakisch OBSE). Das war eine wichtige Plattform für die Ost-West-Auseinandersetzung. Da wurde sehr viel darüber gesprochen, dass der so genannten „Ostblock“ den Wettlauf mit dem Westen nicht aushalten würde. Als das

Treffen im Jänner 1989 zu Ende ging, ahnte keiner der Experten dort, dass schon in den nächsten Monaten das ganze östliche System zerbröckeln würde und die dortigen Menschen die kommunistischen Regime abschütteln würden. Das war meiner Ansicht nach für uns alle eine große Überraschung, dass der Zusammenbruch des Ostblocks so schnell gekommen ist. Wie wurde die tschecho-slowakische Trennung im Jahr 1993 in Österreich wahrgenommen? Die Trennung von Tschechien und der Slowakei erfolgte vor dem Hintergrund des bereits laufenden Jugoslawien-Kriegs. Für Österreich und das übrige Europa war entscheidend, dass eine Trennung, wenn sie kommen sollte, geordnet und friedlich erfolgt. Da dies auch so gelungen ist, gab es für uns keinen Grund, die Trennung nicht zu

akzeptieren. Österreich ist der neu entstandenen Slowakei auch sofort mit großer Offenheit begegnet. Als symbolische Zeichen dafür möchte ich nennen, dass der damalige österreichische Bundespräsident Thomas Klestil 1993 das erste ausländische Staatsoberhaupt war, das der neu entstandenen Slowakei einen offiziellen Staatsbesuch abstattete. Und der österreichische Botschafter war der zweite nach dem tschechischen Botschafter, der dem slowakischen Präsidenten sein Beglaubigungsschreiben überreichte. Denken Sie, dass die Slowakische Republik ein gutes Beispiel für die erfolgreiche EU-Integration eines Transformationslandes ist und Vorbild für osteuropäische und Balkanstaaten sein könnte? Die Slowakei hat sich von einem ehemals kommunistischen Land in das Zentrum der

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Die ungekürzte Langfassung dieses Interviews finden Sie auf unserer Homepage

www.npz-online.eu unter "Zum Nachlesen" europäischen Integration vorgearbeitet. Sie ist heute nicht nur EU-Mitglied, sondern auch Teil des Schengen-Raumes und Mitglied der Eurozone. Das ist eine beachtliche Leistung, die große Anerkennung verdient. Daneben hat sich die Slowakei zu einer offenen Volkswirtschaft gewandelt, die auch in den schwierigen vergangenen Jahren mit positiven Wirtschaftswachstumsraten aufwarten konnte. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Man kann mit vollem Recht sagen, dass die Slowakei eine Erfolgsgeschichte geschrieben hat. Und so kann sie anderen Staaten als Vorbild Staaten dienen. Natürlich heißt das nicht, dass es nichts mehr zu arbeiten gäbe. Doch insgesamt sind die Prozesse der Integration und der Transformation hier äußerst erfolgreich verlaufen, daran gibt es nichts zu rütteln. Wie finden Sie die zwei Dekaden der österreichisch-slowakischen diplomatischen Beziehungen? Wenn man jetzt zurück blickt, kann man sagen: Unser Verhältnis hat in diesen zwei Dekaden eine ungeahnt gute Entwicklung

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genommen. Die Verkehrsinfrastruktur hat sich durch die Autobahnverbindung zwischen den beiden Hauptstädten und sehr gut funktionierende Zugsverbindungen deutlich verbessert. Im wirtschaftlichen Bereich sind wir eminente Partner geworden. Es ist allgemein bekannt, dass die österreichische Wirtschaft in der Slowakei der zweitgrößte Investor ist. Für die Slowakei ist Österreich der fünftwichtigste Handelspartner. Umgekehrt steht für unser Land die Slowakei an elfter Stelle der bedeutendsten Wirtschaftspartner. Das scheint vielleicht auf den ersten Blick nicht so beeindruckend, aber die Slowakei hat damit traditionell starke österreichische Handelspartner wie Spanien, Belgien, die Niederlande oder Schweden überholt. In der Slowakei sind mehr als 2000 slowakische Tochterfirmen österreichischer Unternehmen tätig, in denen 40.000 Menschen Arbeit gefunden haben. Mehr als 43.000 Slowakinnen und Slowaken arbeiten in Österreich selbst. In diesen zwanzig Jahren haben sich unzählige Kontakte zwischen den Menschen beider Länder herausgebildet, ebenso wie viele Partnerschaften zwischen Gemeinden, Städten, Schulen und Universitäten. Man kann sagen, heute haben Österreich und die Slowakei starke nachbarschaftliche Bindungen in Politik, Wirtschaft, Kultur und vielen anderen Bereichen. Wir sind durch eine starke Partnerschaft und echte Freundschaft verbunden.

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Die Slowakei hat zu Österreich sehr gute Kulturbeziehungen entwickelt. Das beweisen auch die Kulturinstitute / Kulturforen im jeweils anderen Land. Wie nehmen Sie diese Dimension der Diplomatie wahr? Was halten Sie von „Public diplomacy“? Auslandskulturpolitik, wie wir sie nennen, ist ein wesentlicher Teil der österreichischen Diplomatie. Zur Illustration kann ich erwähnen, dass wir weltweit 30 Kulturforen unterhalten, daneben 62 Österreich-Bibliotheken, die eine Art „Mini-Kulturzentren“ sind. In der Slowakei haben wir neben dem Kulturforum auch zwei Österreich-Bibliotheken, eine hier in Bratislava, die andere in Košice. Das Kulturleben zwischen Österreich und der Slowakei blüht. Wenn ich an den Bereich der Musik denke, so sind Namen wie Edita Gruberová, Peter Dvorský, Eva Blahová, Lucia Popp untrennbar mit dem österreichischen Kulturleben verbunden. Umgekehrt hat die Oper hier im Slowakischen Nationaltheater einen künstlerischen Direktor aus Österreich, Friedrich Haider. Das zeigt, dass diese Beziehungen in beide Richtungen gehen und keine Einbahnstraße sind. Public Diplomacy spielt eine immer wichtigere Rolle in der Diplomatie. DiplomatInnen sind mehr als je zuvor aufgefordert, mit Medien und den Bürgerinnen und Bürgern eines Landes in Kontakt zu treten. Ich versuche daher so viel wie möglich an Diskussionsveranstaltungen teilzunehmen, meistens in Schulen oder an Universitäten. Eine weitere Dimension der Public Diplomacy sind die sozialen Medien. Die Botschaft und das Kulturforum sind im Internet präsent, wo beide eine eigene Webseite unterhalten. Das Kulturforum hat zusätzlich eine Facebook-Seite. Meine Stellvertreterin, unser Handelsrat und auch ich selbst treten auf Twitter mit den Menschen in Kontakt. Wichtig, finde ich es, die Sprache des Landes zu lernen, in dem man arbeitet, damit man direkte Kontakte pflegen kann. Auch das gehört zur Public Diplomacy. Slowakisch ist ja nicht gerade einfach, aber für mich ist es wichtig.


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Als Kompliment können wir Ihnen sagen, es klingt sehr gut, Sie Slowakisch sprechen zu hören. Gerade auch im Vergleich zu den meisten anderen Ausländern haben Sie eine sehr gute Aussprache. Danke. Ich bin aber selbst nicht ganz zufrieden. Ich lerne Slowakisch, seit ich hier bin, also seit etwas mehr als drei Jahren. Leider habe ich nicht so viel Zeit für das Studium der slowakischen Sprache, wie ich gerne möchte. Sehr angenehm ist für mich, dass ich praktisch alles verstehen kann. Was Sie bisher gesagt haben, klingt alles sehr positiv. Gibt es auch etwas, das Sie an Ihrer Arbeit hier stört? Eigentlich nein. Im Gegenteil: Die Beziehungen zwischen Österreich und der Slowakei sind so freundschaftlich, dass die Arbeit hier einfach Spaß macht. Dank dieser intensiven Kontakte gibt es manchmal „zu viel Arbeit“. Aber das ist natürlich nichts Negatives, es macht mir ja Freude, wenn die Beziehungen gut funktionieren und intensiv sind. Die Tätigkeit eines Botschafters ist eine sehr spezielle Arbeit. Was ist das, was Ihnen daran - auch unabhängig von Ihrem jetzigen Posten in der Slowakei - gefällt? Die diplomatische Tätigkeit hat für mich mehrere faszinierende Aspekte. Das eine ist der ständige Wechsel, der eine große Flexibilität lehrt. Andererseits ist das Leben eines Diplomaten in einem Land natürlich viel intensiver als der Aufenthalt eines Touristen. Man lernt in dieser Tätigkeit sehr viel, macht immer neue Erfahrungen, hat Begegnungen mit vielen interessanten Menschen, denen man im Fall der Tätigkeit an einem fixen Schreibtischarbeitsplatz wahrscheinlich nie begegnen würde. Gibt es Anliegen, die Ihnen in Ihrer Tätigkeit besonders am Herzen liegen? Ein Hauptziel meiner Mission hier ist, dieses Miteinander, das sich seit dem Fall

Dr. Josef Markus Wuketich ist am 12. Mai 1960 in Kittsee (Burgenland) geboren. Er absolvierte ein Jura-Studium in Wien und trat 1986 in den österreichischen auswärtigen Dienst ein. Unter anderem Mitglied der österreichischen Delegati on bei Folgetreffen der KSZE in Wien und Helsinki sowie Tätigkeit im Büro des Administrators der Verhandlungen über Konventionelle Streitkräfte in Europa. 1990-93 Erster Botschaftssekretär (Presse und Kultur) an der Österreichischen Botschaft Belgrad, 1993 – 1996 Presserat an der Österreichischen Botschaft Budapest, 20062010 Österreichscher Botschafter in der Ukraine. Seit 11.10.2010 Österreichischer Botschafter in der Slowakei. Herr Wuketich ist verheiratet und hat fünf Kinder. des Eisernen Vorhangs aufgetan hat, zu stärken. SlowakInnen und ÖsterreicherInnen wissen ja noch immer relativ wenig voneinander. Diese gegenseitige Kenntnis zu verstärken, war auch das Ziel einer von der Botschaft in Auftrag gegebenen Studie über slowakisch-österreichische Beziehungen, die wir im November in Bratislava präsentierten und nun auch in anderen slowakischen Städten vorstellen wollen. Ich freue mich sehr, dass der slowakische Botschafter in Österreich, Juraj Macháč, diese Idee übernommen hat und die Studie umgekehrt auch in mehreren österreichischen Städten präsentieren und darüber mit ÖsterreicherInnen diskutieren will. Insgesamt geht es in unseren Beziehungen darum, die Erfolgsgeschichte zwischen unseren beiden Staaten im politischen, wirtschaftlichen, kulturellen wie auch zwischenmenschlichen Bereich weiter zu schreiben. Dazu gehört sicherlich die weitere Verbesserung der Infrastruktur. So hoffe ich, dass wir noch in der nächsten EU-Finanzierungsperiode 2014-2020 eine allwettertaugliche Straßenbrücke über die March erhalten werden. Und nicht zuletzt hoffe ich, dass wir ein Honorarkonsulat in Košice eröffnen können.

Wie würden Sie sich selbst als Menschen beschreiben - in Ihrem Arbeitsstil und Ihrer Lebenseinstellung? Es ist immer schwierig, sich selber zu beschreiben. Ich bin jemand, der für seinen Job immer voll da ist - auch oft zum Leidwesen seiner Familie. Wenn es um meine Entscheidungen geht, ist für mich immer wichtig, eigene Erfahrungen einzubeziehen. Mein Leitmotiv ist, von Dingen, die nicht so gut gelaufen sind, etwas zu lernen und nicht vorzeitig aufzugeben. Auch aus Negativem und Misslungenem kann immer etwas Gutes entstehen, wenn man die Möglichkeit dazu offen lässt. Was machen Sie in Ihrer Freizeit? Für mich ist die größte Aufgabe und Herausforderung, eine gute Balance zwischen Beruf und Familie zu finden. Das geht sich nicht immer so richtig aus. Die Familie ist mir Halt und Stütze, bedeutet aber auch Verantwortung. Wenn mir noch Freizeit bleibt, lese ich gerne oder höre Musik. Ich mag klassische Musik, Chansons, oder Jazz.

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20 Jahre guter Nachbarschaft: Robert Fico in Wien Dieser Beitrag beruht auf dem Vortrag mit Diskussion, den Premierminister Robert Fico am 18. November auf Einladung der Österreichisch-Slowakischen Gesellschaft und des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa (IDM) in der Diplomatischen Akademie Wien vor rund 250 geladenen Gästen und in Anwesenheit etlicher slowakischer Medien hielt. Text: Gabriele Matzner-Holzer, Fotos: IDM

„Hainburg war unser Westberlin“ Einleitend erinnert Fico an die mit der Öffnung des Eisernen Vorhangs 1989 verbundene Euphorie slowakischer Bürger, die in den ersten Tagen und Wochen in Massen neugierig nach Österreich, in dieses für die Slowakei geographisch „erste westliche Land“ strömten. Heute, 20 Jahre später, sind solche Grenzübertritte sogar ohne Pass und Geldumwechseln völlig normal. Auch Fico selbst ist fast jeden Tag kurz in Österreich, wenn er nämlich sein Laufprogramm bei Berg absolviert. Es bleibt noch manches zu tun Bei der schwierigen Transformation der nunmehr 20-jährigen Slowakei hat der „gute Nachbar“ Österreich vielfältig geholfen, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht, und die Region ist längst dabei, zum wechselseitigen Vorteil zu „konvergieren“. Dazu tragen auch verbesserte Verkehrsinfrastrukturen bei, wobei es aber noch einiges zu tun gäbe. Zu diesen Projekten zählen laut Fico eine feste Brücke über die March/Morava (bei Angern-Zahorská Nova Ves), raschere Zugsverbindungen (auch zwischen den Flughäfen) und der Bau der Nordautobahn auf österreichischer Seite (mit Verbindung nach Stupava), aber auch die verstärkte Nutzung der Wasserstrasse Donau als Teil der bisher noch nicht ausreichend intensiv in Angriff genommenen Donau-Strategie. Zum Flughafen Bratislava befragt,

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bleibt Fico bei der Absage an eine Privatisierung, eine gemeinsame Strategie und Kooperation mit Wien/Schwechat befürwortet er. Erfolgsgeschichte Slowakei Von vielen anfänglich mit Skepsis beäugt, hat sich die Slowakei durch wesentliche Reformen zu einem international (beispielsweise von der Weltbank und ausländischen Investoren) gelobten wirtschaftlichen Erfolgsland mit auch in der Krise noch beachtlichen Wachstumsraten entwickelt (für 2014 prognostiziert die

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Europäische Kommission 2,1%). Allerdings bleiben eine weitere Reduktion des Budgetdefizits (3% BIP, 2013), die Attraktivierung des Wirtschaftstandorts (beispielsweise durch Abbau bürokratischer Hemmschuhe) und die Bekämpfung der (außerhalb Bratislavas) hohen Arbeitslosigkeit (beispielsweise durch bessere Ausbildung und Stärkung der Klein- und Mittelbetriebe) Prioritäten von Ficos Regierung. Im Bereich Ausbildung sollte das duale österreichische System als Modell dienen. Angesichts der „völligen Unterkapita-


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lisierung“ der Wirtschaft (76% der Investitionen kommen aus EU-Quellen) ist es essentiell, dass das Land für Investitionen attraktiv bleibt, betont Fico auf Befragen. Mit Bundeskanzler Werner Faymann wurde ein bilaterales „Business-Forum“ für Februar/März 2014 vereinbart und Einvernehmen über die Bedeutung des Breitspur-Eisenbahn-Projekts RusslandUkraine-Slowakei-Österreich festgestellt (Fico traf am 18.11. sowohl mit Bundespräsident Heinz Fischer wie mit Faymann in Wien zusammen, Anmerkung der Berichterstatterin). Soziale Fragen Seine Partei Smer misst trotz mancher Kritik (von konservativer und neoliberaler Seite, Anmerkung der Berichterstatterin) der für viele Slowaken schwierigen sozialen Lage große Bedeutung bei, versichert Fico auf Befragen. Die von Smer ursprünglich eingeführten und von den Konservativen wieder abgeschafften stärkeren Rechte für Arbeitnehmer habe er trotz Kritik neuerlich etabliert. Die Durchschnittslöhne sind nach wie vor vergleichsweise sehr niedrig, für 60% der Arbeitnehmer liegen sie bei monatlich 600€, für Pensionisten bei 300€, Bezüge öffentlicher Bediensteter stagnieren seit 3 Jahren. Viele Slowaken sind für einen Sozialstaat, auch wenn es kaum Streiks und Demonstrationen gibt, mit ein Grund für die anhaltende Popularität der Smer-Partei (nach Umfragen 30-40%). Fico plädiert für einen „breiten sozialen Dialog“. Präsidentschaftskandidatur? Auf seine allfällige Kandidatur bei den 2014 bevorstehenden Präsidentschaftswahlen angesprochen, verweist Fico auf die Stabilität und Popularität seiner Partei und Regierung, trotz manch schwieriger und einschneidender Maßnahmen. Für jeden Politiker sei ein solch hohes Amt eine „Chance“, die Entscheidung, wen Smer ins Rennen schicken würde, wird im Dezember fallen. Rechtsradikalismus? Auf Rassismus, die Lage der Roma und den Wahlerfolg des rechtsextremen Politikers Marián Kotleba in Banská Bystrica

angesprochen, meint Fico, für die (nicht nur in der Slowakei) bestehenden Probleme (gemeint waren offenbar die der Roma, Anmerkung der Berichterstatterin) brauche es „innovative“ Lösungsansätze. Worin solche konkret bestehen, blieb schon aus Zeitmangel im Dunkeln. Jedenfalls würden Extremisten dann „Lösungen“ anbieten, wenn „Standard“-Politiker dies ihrerseits nicht tun. Zu Tiso und seiner Verehrung in manchen Kreisen fällt Fico das Urteil: „Tiso war ein Kriegsverbrecher“. Projekte zur Aufklärung und Erinnerung des Holocaust, inklusive Bildung und Erhalt von Friedhöfen, finden seine entschiedene Zustimmung. Die Partei Slotas sei als Ergebnis seiner ersten Regierung jedenfalls „komplett zerstört“, ebenso wie die Meciars. Atomkraft Die neuen Reaktorblöcke 3 und 4 in Mochovce sollen 2015 und 2016 fertig werden, bestätigt Fico auf Befragen. Man habe keinerlei Interesse, Nachbarn „nervös“ zu machen, aber es sei „sehr wichtig“, dass „souveräne Entscheidungen“ respektiert würden. Verschiedene internationale Expertisen stellen den slowakischen Atomkraftwerken gute Zeugnisse aus, „Politisierung“ wird abgelehnt. Die Türen seien slowakischerseits offen und die „Qualität der Diskussionen“ mit Österreich erfreulich.

Ungarn Mit dem ungarischen Premierminister Viktor Orbán hat Fico Einigung darüber erzielt, sich auf eine „positive Agenda“ für die Gestaltung der Beziehungen zu konzentrieren und „historische Fragen“ beiseite zu lassen. Auf dieser Basis sind die Beziehungen „exzellent“, urteilt Fico auf Befragen. Europa Für die Zukunft des europäischen Projekts ist eine Stabilisierung der EuroZone dringend erforderlich, ihre Transformation bzw. Vertiefung müssen rasch vorangetrieben werden, etwa durch Banken- und Fiskalunion, wobei auch die Demokratisierung des Integrationsprozesses wichtig ist. Zum Wohle Europas darf aber die Euro-Zone nicht die erste von zwei Klassen werden, das würde Zerfallstendenzen Auftrieb verleihen. Die Slowakei will Fico jedenfalls in der kleinen Gruppe „verantwortungsvoller“ EU-Mitgliedsstaaten (Deutschland, Österreich etc.), also im „Kernbereich europäischen Lebens“, halten. „Fantastisch“ Zwischen Österreich und der Slowakei gibt es also viel Potential weiterer nützlicher Projekte, aber keine einzige offene „politische Streitfrage“. Und das ist „fantastisch“.

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20 Jahre Beziehungen Österreich-Slowakei Das ganze Jahr 2013 stand im Zeichen des Jubiläums einer wunderbaren Freundschaft zwischen den beiden Nachbarländern. Wie es sich unter guten Freunden gehört, wurde einerseits gefeiert: Zum Beispiel mit einem denkwürdigen Festkonzert, bei dem zur Enttäuschung mancher zu spät Gekommener der Publikumsandrang so groß war, dass gar nicht alle Platz fanden. Und andererseits wurden aber auch Streitpunkte wie die sehr konträre Beurteilung der Atomenergie offen diskutiert, als kompetente Autoren in Anwesenheit prominenter Gäste ihre Studie zum Thema „20 Jahre Beziehungen ÖsterreichSlowakei“ präsentierten. • • •

Aus der Rede von Österreichs Botschafter Josef Markus Wuketich zur Präsentation der Studie: Ich danke an dieser Stelle herzlich der Slowakischen Gesellschaft für Außenpolitik mit den Autoren Alexander Duleba, Vladimír Benč, Vladimír Bilčík, Tomáš Strážay sowie Simon Gruber von der Österreichischen Botschaft für die Verfassung der Studie. Dank gebührt auch dem österreichischen Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten sowie dem Österreichischen Kulturforum in Bratislava für die finanzielle Unterstützung der Studie und vielen anderen, die das Projekt mit Ihrem persönlichen Einsatz unterstützt haben. Der slowakische Premierminister wies bei seinem Festvortrag zum 20-jährigen Bestand der Österreichisch-Slowakischen Gesellschaft darauf hin, dass „Slowaken und Österreicher trotz Grenzöffnung nach wie vor wenig voneinander wissen“. Da haben wir sicherlich auf beiden Seiten noch Nachholbedarf. Die Studie soll hier einen Beitrag leisten und Impuls sein für eine intensivere Auseinandersetzung mit dem jeweils anderen Nachbarland und für ein besseres Kennenlernen des Nachbarn.

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„Niederlage der Demokratie“ Der Sieg eines Rechtsextremisten überschattet die Regionalwahlen in der Slowakei. Ein bisher am Rande der Legalität agitierender Rechtsextremistenführer wird formelles Oberhaupt einer ganzen Region. Die etablierten Parteien und die Medien reagieren mit Entsetzen und gegenseitigen Schuldzuweisungen. Text: Christoph Thanei, Foto: SITA/Jozef Jakubčo

Die politische und intellektuelle Elite der Slowakei steht sichtlich unter Schock, seit Ende November Marián Kotleba vollkommen unerwartet die Wahl zum Regionspräsidenten (Vorsitzender der regionalen Selbstverwaltung) von Banská Bystrica gewonnen hat. Weder die etablierten Parteien, noch Politologen oder Medien hatten ernsthaft damit gerechnet, dass der Rechtsextremistenführer tatsächlich die Stichwahl am 23. November gewinnen könnte. Im ersten Wahlgang zwei Wochen zuvor (9. November) war es noch eine Sensation gewesen, dass der wegen seiner extremistischen Agitation mit Unterrichtsverbot belegte ehemalige Informatiklehrer überhaupt in die Stichwahl kam. “Für vier Jahre wird die Region jetzt ein Repräsentant solcher politischer Kräfte führen, die Rassismus, Xenophobie und Hass gegen die Demokratie predigen und deren Anhänger unter den Symbolen des faschistischen Regimes des Zweiten Weltkriegs marschieren”, reagierte die linksliberale Tageszeitung “Pravda” nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse. Die Ergebnisse in den anderen sieben Regionen seien neben diesem Schock fast nebensächlich geworden. “Der Sieg von Kotleba ist eine gewaltige Niederlage der Demokratie in der Slowakei”, sagte der Chef der christlich-liberalen ehemaligen Regierungspartei SDKÚ, Pavol Frešo. Dabei könnte sich gerade Frešo selbst als Sieger fühlen. Denn er wurde mit der großen Mehrheit von 74 Prozent als Regionspräsident der Hauptstadtregion Bratislava wiedergewählt.

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Dass die internationalen Medienreaktionen tatsächlich diese Einschätzung widerspiegelten, kam nicht überraschend: Regionalwahlen in einem wenig bekannten Land wie der Slowakei sind international kein großes Thema, der Sieg eines Paradebeispiels von einem Rechtsextremisten ist hingegen überall schlagzeilenträchtig. Und Marián Kotleba erfüllt alle Voraussetzungen dafür, wie man sich einen Rechtsextremisten vorstellen will. Das

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Medienimage seiner künftigen Auftritte in offizieller Funktion ist damit schon vorprogrammiert. Jahrelang führte Kotleba eine Truppe namens „Slovenská pospolitosť“ an, deren Mitglieder und Anhänger selbst in slowakischen Nationalistenkreisen als radikale „Spinner“ abgetan wurden: In Uniformen, die sich gerade noch ausreichend von faschistischen Vorbildern unterschieden, dass eine tolerante slowakische Justiz sie nicht verbieten musste, marschierten


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sie zu Gedenktagen der Tiso-Diktatur auf und gerieten mit der Polizei in Konflikt, wenn sie doch einmal zu radikal die Grenzen zur verbotenen „Propagierung eines demokratiefeindlichen Systems“ austesteten. Der katholische Priester und Diktator Jozef Tiso führte 1939-1945 einen Staat, der noch schneller als Deutschland „judenfrei“ werden wollte und dafür Geld aus arisiertem Vermögen an das Deutsche Reich bezahlte, um rund 70.000 slowakische Juden in NS-Konzentrationslager deportieren zu können. Tiso wurde nach dem Zweiten Weltkrieg hingerichtet. Die „Slovenská pospolitosť“, in der sich Kotleba als „Führer“ (Vodca) anreden ließ, reizte die Grenzen der Lega-

lität so extrem aus, dass sie es als bisher einzige politische Partei überhaupt seit der Gründung der unabhängigen Slowakischen Republik 1993 (die erste „eigenständige“ Slowakei war in Wirklichkeit ein auf Hitlers Druck gegründeter Marionettenstaat des NS-Regimes), „schaffte“, rechtskräftig verboten zu werden. Kotleba und seine Anhänger wandelten sie daraufhin in eine „Bürgervereinigung“ gleichen Namens um und gründeten eine formell neue, aber ideologisch gleichgesinnte Partei namens „Volkspartei Unsere Slowakei“. Parallel zur Etikettenänderung wechselte Kotleba aber auch die Strategie: Statt Tiso-Verehrungen, die nur ein Randpublikum interessierten, heizte er immer mehr die ohnehin in einem großen Teil der Bevöl-

kerung bestehende Anti-Roma-Stimmung an. Zum neuen Erfolgsrezept wurden Aufmärsche vor Roma-Ghettos gegen die „Zigeuner-Kriminalität“ nach tschechischem (inzwischen verbotene „Arbeiterpartei“ / Dělnická strana) und ungarischem („Ungarische Garde“ als inzwischen offiziell verbotene uniformierte Organisation der legalen Parlamentspartei Jobbik) Vorbild. Bei solchen Anti-Roma-Demonstrationen liefern sich Kotleba und seine Anhänger immer wieder Schlägereien mit der Polizei. Mit der geschickten Auswahl von Demonstrationsorten, an denen es gerade tatsächlich zu Straftaten von Roma gegen Nicht-Roma kam, sicherte sich die Gruppe aber wiederholt öffentlichen Applaus gewöhnlicher Bürger vor laufenden TVKameras.

Politischer Jahresrückblick 2013: Wahlen in Deutschland und Österreich In 20 von 27 Mitgliedsstaaten hat die schlimmste Wirtschaftskrise in der Geschichte der Europäischen Union die Regierungschefs um ihre Posten gebracht. Meist deswegen, weil es den politischen Führern in ihren jeweiligen Ländern nicht gelang, die Schulden und die Arbeitslosigkeit in den Griff zu bekommen, die nach Ausbruch der Wirtschaftskrise noch drastisch anstiegen. Es ging ihnen so schlecht, dass Brüssel Rettung bringen musste. Text und Fotos: Miriam Zsilleová

Im September gab es mit nur einer Woche Zeitverschiebung in zwei Ländern Wahlen, in denen die Krise nicht an den politischen Verhältnissen rüttelt, wo sich die Verschuldung in Grenzen hält und wo man auf eine geringe Arbeitslosigkeit stolz sein kann. Deutschland und Österreich haben gezeigt, wie man auch in schlechten Zeiten in Parlamentswahlen die führende Position verteidigen kann. In Deutschland sogar überraschend klar. Das dritte Mal in Folge siegte die Chefin der Christdemokraten (CDU) Angela Merkel, und zwar mit

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dem besten Ergebnis der Konservativen seit zwanzig Jahren – mit 41,5 Prozent. Auch für Österreich müssen wir uns keinen neuen Namen an der Regierungsspitze merken. Auch hier wurde die Sozialdemokratie (SPÖ) Wahlsieger, und Werner Faymann bleibt Kanzler. Die Wirtschaftskrise hat die politischen Verhältnisse nicht dramatisch gewandelt, aber die Politiker in Deutschland und Österreich sind noch die Antwort schuldig, wie sie sie weiter bekämpfen wollen. Das Thema, das Europa gegenwärtig am meisten bewegt, haben sie möglichst ausgespart, um ihren Sieg nicht zu gefährden. Als Ergebnis bekamen in beiden Ländern die Euroskeptiker und Populisten Aufschwung. In Deutschland triumphierte die Alternative für Deutschland, eine neue Partei mit klar antieuropäischem Programm. In sieben Monaten ihres Bestehens gelangte sie ohne große finanzielle oder mediale Unterstützung von Null auf 4,7 Prozent der Stimmen, und nur drei Zehntel fehlten für den Einzug in den Bundestag. Die Partei, die vorschlägt, aus der Eurozone aus-

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zutreten und zur Deutschen Mark zurückzukehren, hat die Wähler auf der Straße angesprochen und wäre fast erfolgreich gewesen. Sie erreichte um ein Zehntel Prozent mehr als die Liberalen (FDP), die traditionell den kleineren Koalitionspartner bildeten, aber diesmal aus dem Bundestag flogen - zum ersten Mal seit 1949. Die Alternative wurde von denjenigen Deutschen gewählt, denen es nicht gefällt, wie sich Deutschland für die Rettung stark verschuldeter Länder einsetzt. Im Wahlkampf waren die Euroskeptiker die einzige Partei, die über den Euro sprach. In Österreich feierten die extrem rechten Freiheitlichen (FPÖ) ihren Wahlerfolg recht lautstark. Unter den sechs politischen Parteien, die ins Parlament einzogen, verzeichneten sie seit den Wahlen von 2008 den größten Stimmenzuwachs, fast vier Prozent. Mit 21 Prozent der Stimmen griffen sie das beste Ergebnis ihres Vorgängers, des verstorbenen Jörg Haider, an. Die Themen sind die gleichen geblieben, aber sie wurden weniger aggressiv vorgetragen: Kritik an den Ausländern, am Establishment und an Brüssel. Auch die

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Euroskeptiker der neuen Partei Team Stronach gelangten ins Parlament. Auch sie sprachen vom Austritt aus der Eurozone und wollten die Krise durch Rückkehr zu den nationalen Währungen lösen. Die Wahlen in beiden Ländern haben gezeigt, dass das Nichterwähnen der Euro-Rettung bedeutet, den Populisten und Kritikern der Europäischen Union das Feld zu überlassen. Letztere erstarken in allen Ländern und könnten laut letzten Umfragen bei den im neuen Jahr bevorstehenden Wahlen zum Europaparlament die meisten Stimmen bekommen. Die österreichischen Freiheitlichen schmieden bereits Allianzen mit den extremen Rechten in Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien. Die deutschen und österreichischen Politiker hätten dieses Thema im Wahlkampf ansprechen können. Sie hätten darüber sprechen können, wie sie den Kampf gegen die Krise weiter führen wollen. Sie taten es nicht. Sie stellten den Argumenten der Eurokritiker im nationalen Wahlkampf nichts entgegen, und das könnte sich im europäischen Wahlkampf rächen.


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Unsere Referenz ist unsere Arbeit Das Unternehmen Pittel Brausewetter ist historisch eng mit dem mitteleuropäischen Raum verbunden, vor allem mit dem Dreieck Wien – Preßburg/Bratislava – Budapest. Die Baufirma wurde 1870 gegründet, und zwar vom ostpreußischen Ingenieur Victor Brausewetter, der zu jener Zeit in der Slowakei die Waagtalbahn baute, und vom Unternehmer Baron Adolph von Pittel, der Zement produzierte, ein Material, das damals seinen Boom erlebte. Das Unternehmen durchlebte in seinen fast 150 Jahren Höhen und Tiefen, es erbaute die bedeutendsten Industrie-, Zivil- und Straßenbauten und gehört in der Gegenwart wegen seiner beständigen Professionalität und der Qualitätsgarantie seiner Bauten zu den Fixpunkten der österreichischen, deutschen und slowakischen Bauwirtschaft.

Darüber, wie die Gesellschaft Pittel Brausewetter die derzeitige Situation in der slowakischen Bauwirtschaft wahrnimmt, sprachen wir mit Ing. Ján Melúch, dem Produktionsdirektor der Bratislavaer Niederlassung des Unternehmens. Es freut uns, dass wir trotz der anfänglichen Bedenken angesichts der widrigen Situation vor allem im Bauwesen feststellen können, dass dieses Jahr im Vergleich zum vorangegangenen erfolgreich verlief. Die Stadt Bratislava wendete für

die Instandsetzung des Straßennetzes mehr Gelder auf, deshalb hatten auch wir entsprechend mehr Aufträge. Leider handelt es sich noch immer um Reparaturen, die nur die Fahrbahndecke erneuern, da eine umfassende Rekonstruktion des gesamten Oberbaus des Straßenkörpers bei der gegenwärtigen Überlastung der Verkehrsknotenpunkte in Bratislava nahezu unmöglich ist. Die Sperrung einer der Hauptverkehrsadern der Stadt würde zum Verkehrskollaps führen, eine Lösung muss jedoch gefunden werden, denn ohne gründliche Reparaturen werden die Straßen der tagtäglichen vielfachen Überbelastung nicht standhalten können. Das Unternehmen Pittel Brausewetter legt deshalb nicht nur auf die Qualität der Rekonstruktionen Wert, sondern auch auf deren termingerechte Übergabe und somit auf die Fähigkeit, zu Zeiten zu arbeiten – beispielsweise nachts – wenn die Verkehrsintensität niedriger ist, so dass die Verkehrssituation der Hauptstadt nicht zu sehr verschärft wird. Fürs neue Jahr hoffen wir vor allem, dass sich die angespannte Lage bei der Beschaffung neuer Aufträge beruhigt. Die Konkurrenz ist in diesem Sektor sehr stark und manche Firmen versuchen, Aufträge zu ergattern, auch auf die Gefahr hin, dass sie schlussendlich Verluste einfahren oder

aber zu annähernd untragbaren Lösungen greifen. Unser Unternehmen hält zu sehr auf die Qualität seiner Bauten, als dass es seine Standardlösungen durch Verfahren ersetzen würde, die den technologischen oder Sicherheitsanforderungen nicht gerecht würden. Deshalb sind wir z.B. bei der termin- und qualitätsgerechten Realisierung aufwendiger Projekte in der Privatwirtschaft erfolgreich, von denen das vielleicht bedeutendste die Anbindung an den Kreisverkehr vom VW-Automobilwerk in Richtung Stupava ist, deren Fertigstellung bis 2014 dauern wird. Dieses Jahr konnten wir auch auf größere Unterstützung seitens der Wiener Zentrale bauen, mit deren Hilfe wir ein eingespieltes Team und eine hervorragende technische Ausstattung haben aufbauen können. Um die künftigen Herausforderungen noch besser meistern zu können, planen wir den Aufbau eines eigenen Labors, einer neuen Tankstelle und einer Reparaturwerkstatt, so dass unser neues Betriebsgelände rundum gerüstet ist. Wir sind Optimisten und glauben fest daran, dass die Zahl jener Kunden, die kompromisslose Qualität verlangen, im kommenden Jahr noch wachsen wird. Uns liegt daran, dass unsere Arbeitsergebnisse wirklich unsere beste Referenz sind.

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WIRTSCHAFT

„Arbeit muss täglich Freude machen“ Pünktlichkeit, Dynamik und Kreativität sind Eigenschaften, mit denen sich Albrecht Reimold selbst beschreibt. Den Spaß an der Arbeit will er auch seinen Mitarbeitern vermitteln. Text: Christoph Thanei, Fotos: Volkswagen Slovakia

NPZ: In der November-Ausgabe der NPZ haben wir über ein vollkommen neues und modernes Ausbildungszentrum berichtet, das Volkswagen Slovakia erst vor kurzem in Bratislava eröffnet hat. Wie zufrieden sind Sie mit dem Start? Albrecht Reimold: Ich bin sehr zufrieden. Es hat lange gedauert, bis wir hier in der Slowakei die Rahmenbedingungen dafür geschaffen hatten. Zum Schluss haben wir einfach entschieden: Es ist besser wir handeln, anstatt nur darüber zu reden. Und so haben wir mit dieser Mechatroniker-Ausbildung begonnen. Hintergrund ist das Defizit der fachlichen Qualifikation in der Slowakei, das wir spüren. Die Slowakei hat ja eine sehr gute Tradition, was technisches Wissen angeht. Dieser Vorteil ist aber in den letzten Jahren verloren gegangen. In Deutschland, woher ich komme, haben wir sehr gute Erfahrungen mit dem dualen Ausbildungssystem gemacht. Ich selbst bin selbst das beste Beispiel dafür. Ich habe zunächst eine Werkzeugmacher-Lehre abgeschlossen. Und danach habe ich auf dem Zweiten Bildungsweg studiert. Ich weiß, wovon ich rede. Deshalb war es mir persönlich wichtig, dass wir diese duale Ausbildung endlich beginnen. Das erste Projekt mit den Mechatronikern ist ein zukunftsweisender Grundstein. Denn die Kombination aus Mechaniker-Wissen und elektronischen Kenntnissen wird eine große Rolle spielen. Volkswagen ist ja schon zu einer Zeit in die Slowakei gekommen, als

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es ein großes Potenzial an relativ billigen und zugleich gut ausgebildeten Fachleuten gab, die gerade von den zusammengebrochenen alten Industrien freigesetzt wurden. Und diese Fachkräfte hatten eigentlich eine ähnliche duale Ausbildung, wie man sie jetzt aus Deutschland wieder importiert. Wo ist der Fehler passiert, dass man diese gute Ausbildung in der Zwischenzeit vernachlässigt hat? Das kann ich nicht beurteilen, weil ich damals noch nicht da war. Vermutlich gab es andere Prioritäten. Deshalb spüren wir

jetzt, dass die Absolventen der Fachschulen nicht mehr die nötige Qualifikation haben. Da muss dringend gegensteuert werden und das tun wir. Wie zufrieden sind Sie mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die Sie jetzt schon haben? Sehr zufrieden. Es macht richtig Spaß, in der Slowakei zu arbeiten, weil meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mir täglich Freude bereiten durch ihre Innovationsbereitschaft und Wissbegier. Volkswagen Slovakia ist gerade dank dieser Leistungen der Mitarbeiter so erfolgreich.

Albrecht Reimold (52) ist seit Januar 2012 Vorstandsvorsitzender von Volkswagen Slovakia und in dieser Funktion zugleich für den Bereich Technik verantwortlich. Nach seiner Ausbildung zum Werkzeugmacher studierte er Produktionstechnik an der Fachhochschule Heilbronn und bildete sich in einem anschließenden Studium zum Schweißfachingenieur weiter. 1987 begann er seine berufliche Laufbahn als Trainee bei der Audi AG in Neckarsulm. 1993 übernahm er die Leitung des Karosseriebaus Audi A8, im Mai 1998 folgte die Leitung des neuen Produktionssegments Audi A2. Ab September 2002 leitete Reimold die Fertigungsplanung für die Modelle der C- und D-Reihe (Audi A6 und Audi A8) sowie für den Sportwagen R8. Darüber hinaus war er für die Werkplanung Neckarsulm zuständig. Internationale Erfahrungen sammelte er im Rahmen seiner Zuständigkeiten für die Fertigungsplanungen internationaler Standorte wie Changchun in China und Aurangabad in Indien. Seit 1. Januar 2009 war Albrecht Reimold Werkleiter bei Audi in Neckarsulm.

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WIRTSCHAFT

später haben wir noch einen draufgesetzt und wurden mit den Lean & Green Efficiency Award 2012 ausgezeichnet. Das zeigt unser Engagement für Effizienz und Nachhaltigkeit. In diesem Jahr sind wir außerdem ganz neu zur Fabrik des Jahres für Großserienfertigung in Europa gewählt worden. Diese großartige Auszeichnung macht uns richtig stolz.

Trotzdem fehlen Ihnen ausreichend qualifizierte Fachkräfte? Gerade deshalb machen wir unsere eigenen Ausbildungsprogramme mit den Mitarbeitern. Die Einstellung stimmt, aber manche fachlichen Qualifikationen fehlen noch. Wir haben für jedes Segment, also Karosseriebau, Lackiererei, Montage, Logistik, Instandhaltung und Presswerk eigene Trainingszentren, in denen die Mitarbeiter qualifiziert werden. Die Lernkurve wird konsequent überwacht und gesteuert. Dafür haben wir in den letzten Jahren viel getan und das spüren wir jetzt natürlich am Erfolg. Die Kompetenz unserer Mitarbeiter ist die Grundlage für den Erfolg von Volkswagen Slovakia.

Neben der Fähigkeit, diese Komplexität zu beherrschen, geht es auch um unser Thema „Morgen besser sein als heute“. Wir geben uns nie zufrieden mit dem, was wir schon erreicht haben. Das ist schön und das gehört auch zur Führungskultur von uns Managern. Ständig fragen wir uns gemeinsam mit unseren Mitarbeitern, wo wir noch weiter etwas verbessern und noch etwas Neues lernen können. Das zeichnet Volkswagen Slovakia aus. Wir haben dafür viele Auszeichnungen bekommen: den Lean Production Award für OEM in Europa 2012. Ein Jahr

Wenn Sie so zufrieden mit dem Standort sind: Ist vorstellbar, dass Volkswagen zusätzlich zur eigentlichen Produktion künftig auch Teile von Forschung und Entwicklung oder zum Beispiel Finanzdienstleistungen in die Slowakei verlegt? Die slowakischen Regierungen der letzten Jahre haben ja immer betont, die Slowakei solle sich von der reinen Werkbank zu einer immer mehr auch wissensbasierten Ökonomie entwickeln. Da muss man klar Farbe bekennen: Wir sind ein Produktionswerk. Was wir uns hier vorstellen können und woran wir auch arbeiten ist begleitende Forschung und Entwicklung für Fertigungsmethoden und Prozessabläufe bei Herstellverfahren. Was wir definitiv nicht her verlagern, ist die Produktentwicklung von Fahrzeugen. Da gibt es einfach zu viele Synergien, die in den Marken und in den Zentralen sind.

Der Volkswagen Standort Bratislava gilt als besonderes Vorzeigewerk innerhalb des weltweiten Volkswagen Konzerns. Wie lassen sich die wichtigsten Vorzüge des Werks beschreiben? Ganz entscheidend ist die Flexibilität und Fähigkeit der Mitarbeiter, sich in neue Technologien und Szenarien einzubringen und dort unter komplexen Bedingungen sofort Fuß zu fassen. Wir produzieren hier für fünf Marken unter einem Dach: Volkswagen, Škoda, Seat, Porsche und Audi. Das ist weltweit einmalig. Unsere Mitarbeiter müssen die Komplexität aller Marken zugleich beherrschen.

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WIRTSCHAFT

Firmenprofil: Volkswagen Slovakia hat seit der Gründung 1991 bereits mehr als 3 Millionen Fahrzeuge hergestellt. Die Firma gehört zu den größten Exporteuren, Investoren und mit 9400 Mitarbeitern auch zu den größten Arbeitgebern der slowakischen Privatwirtschaft. Am Standort Bratislava produziert das Unternehmen die Modelle Volkswagen Touareg, Audi Q7, Volkswagen up!, Škoda Citigo, Seat Mii und die Karosserien für den Porsche Cayenne sowie Getriebe. Am Standort in Martin werden Komponenten für Fahrgestelle und Getriebe erzeugt und in Košice bereitet man die Fahrzeuge auf den Export nach Russland vor.

Aber im Bereich Produktionsverfahren haben wir hier schon erste Meilensteine gesetzt. Können Sie dafür Beispiele nennen? Mit dem e-up! Haben wir völlig neue Technologien für den Bereich Elektromobilität implementiert. Und diese Methoden zur Fahrzeugproduktion werden mit uns gemeinsam entwickelt. Zum Beispiel beim eco-up!, das ist das CNG-Fahrzeug von Volkswagen, in dem ein Gastank enthalten ist: Den haben wir schon mit Gas befüllt an die Linie gebracht. Das ist eine Neuheit, eine Innovation, die hier

Die Produktionszahlen für das Jahr 2012: • 419 888 Fahrzeuge • 268 000 Getriebe • 28 850 000 Fahrzeugkomponenten • Umsatz: 6,59 Milliarden Euro

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in der Slowakei geboren und erprobt wurde. Und Volkswagen Slovakia produziert mit dem e-up! als erster Standort im Volkswagen Konzern ein Fahrzeug, das rein mit Elektrizität angetrieben wird. Das ist auch ein Vertrauensbeweis. Dafür haben wir viel geschult, viel gemeinsam mit der technischen Entwicklung erprobt und das Konzept in die bestehende Fertigung integriert. Andere Hersteller setzen auf solitäre Fertigung, also Elektromobile für sich allein. Wir haben es geschafft, diese Fertigung zu integrieren und haben damit die volle Flexibilität zwischen fossilen Brennstoffantrieben und E-Mobilität, um zu variieren. Das sind Themen, an denen wir arbeiten. Wie zufrieden sind Sie mit der Slowakei als Investitionsstandort? Wir sind stolz, dass wir hier sein können und haben uns in den vergangenen Jahren nach und nach vergrößert. Es gibt natürlich Punkte, wo wir uns Verbesserungen wünschen und darüber mit der Regierung in Diskussion stehen. Beispiele sind die Infrastruktur, eine stabile Gesetzeslage etwa in den Bereichen Arbeitsrecht und Flexibilität, Förderung von Ausbildungen. Das ist wie in einer guten Partnerschaft: Man geht sie ein, weil man miteinander zufrieden ist, aber es gibt jeden Tag auch etwas daran zu arbeiten. Die für uns wichtigen Themen sprechen wir gegenüber der Regierung auch offen an. Dieser Austausch

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ist nötig, aber er soll nicht über die Medien erfolgen, sondern indem man sich in engem Kontakt gegenseitig in die Augen schaut. Der Status von Volkswagen ist in der Slowakei ja so, dass Ihnen die Türen wohl sehr weit offen stehen, wenn Sie Gespräche suchen? Davon gehe ich aus. Wir sind der größte Exporteur und mit 6,6 Milliarden Euro auch das umsatzstärkste Unternehmen und ein wichtiger Arbeitgeber. Wir haben hier sicher eine wichtige Rolle. Wie sieht die Struktur Ihrer Zulieferfirmen aus? Überwiegen die Tochterfirmen deutscher und internationaler Zulieferfirmen oder gibt es auch einen nennenswerten Anteil rein slowakischer Firmen? Mehr als 40 Prozent unserer Zulieferer kommen direkt aus der Slowakei. Wir haben insgesamt 5,5 Milliarden Euro Einkaufsvolumen, davon 2,4 Milliarden direkt in der Slowakei. Es gibt zwei Wege. Der eine ist, europäisch agierende Firmen dazu zu bewegen, sich in der Slowakei anzusiedeln. Das ist uns gut gelungen, es gab deutliche Steigerungen. Der andere Weg ist, innerhalb der Slowakei existierende innovative Firmen zu suchen, die auch für Volkswagen liefern können. Mit der Integration der New Small Family haben wir auf diese Weise einen deutlichen Mehrwert in der Slowakei geschaffen. Und für alle weiteren Pro-


WIRTSCHAFT

duktionen, die wir hierher integrieren können, werden wir wieder diese zwei Wege beschreiten. Denn logistisch ist es um Vieles einfacher, mit einem Partner Gespräche zu führen, der 20 Kilometer entfernt ist. Dass natürlich Vormaterialien von überall aus der Welt kommen, ist klar. Aber die eigentliche Wertschöpfung soll aus der Slowakei kommen, damit wir auch kurze Regelkreise für die Qualität haben. Wie würden Sie sich selbst in Ihrem Arbeitsstil und als Mensch beschreiben? Man sagt mir nach, dass ich eine unheimliche Dynamik habe und eine hohe Kreativität. Es lässt sich nicht jede meiner Ideen gleich umsetzen, aber es ist sicher gut für eine Führungsperson, ständig Anregungen an seine Mitarbeiter weitergeben zu können. Ich bin kein Mensch, der alles exakt nach seiner Vorstellung gemacht haben will. Vielmehr sehe ich mich als Coach meiner Mannschaft, der bei den Mitarbeitern Freude und Begeisterung weckt, damit wir wie ein tolles Team im Sport gemeinsam Höchstleistungen erbringen. Das ist meine tägliche Maxime: Es muss Freude machen zu arbeiten. Wichtig ist aber auch, dass man bereit ist, ständig zu lernen und aus jeder Lebenssituation etwas mitzunehmen.

Es gibt hier auch Leute, die sehr viel reden und wenig handeln. Ich bin ein Mann, der Anregungen gibt, dann wird kurz diskutiert, ein klares Konzept erstellt und dann aber auch konsequent umgesetzt. Nur Reden ist zu wenig. Dass zu viel geredet und zu wenig gehandelt wird, gilt das auch für die slowakische Politik? Etwa für die jahrelangen Ankündigungen einer Transformation von der Werkbank zur Wissensgesellschaft? Das würde ich so nicht sagen. Wenn ich aber so ein Gefühl hätte, würde ich es direkt ansprechen, nicht über die NPZ.

Was macht ein vielbeschäftigter Manager wie Sie in seiner vermutlich sehr wenigen Freizeit? In erster Linie natürlich Sport, Ausdauersport. Und wenn man viel fliegt und sitzt, muss man auch einen Ausgleich finden und den Körper kräftigen durch Fitness-Studio und Rückengymnastik. Auch die Familie spielt eine große Rolle: Ich bin verheiratet und habe vier Kinder. Allerdings muss ich zugeben, dass ich einen Großteil meines Lebens der Firma und der Aufgabe widme. Ich will es jetzt bewusst nicht „opfern“ nennen, denn es ist etwas Schönes, das mir Spaß und Freude bereitet. Deshalb finde ich nicht, dass ich zu viel Zeit dafür investiere.

Gibt es Dinge, die Sie an Ihrer Arbeit in der Slowakei stören? Nicht speziell hier. Dinge, die mich stören, gibt es überall auf der Welt, zum Beispiel Unpünktlichkeit. Oder wenn man nur über Themen redet und sie nicht umsetzt.

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Die NPZ erreicht neben den deutschsprachigen Bewohnern und Expats in der ganzen Slowakei auch die angrenzende österreichische Nachbarregion und Wien sowie Deutsche und Schweizer mit Interesse an der Slowakei und diesem Grenzraum. Sie geht an die wichtigsten im Raum Bratislava und der Slowakei ansässigen Firmen mit deutschsprachigem Hintergrund, an Manager und Unternehmer, Diplomaten, Kulturinstitutionen und Bildungseinrichtungen sowie an Veranstalter von Seminaren, Messen, Ausstellungen und Konferenzen, ausgewählte Hotels und andere Tourismuseinrichtungen.

Leserbriefe sind uns willkommen an die Adresse redaktion@npz-online.eu

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Schweizerisch-Slowakisches Business Forum Am 5. November fand im Hotel Falkensteiner das Schweizerisch-Slowakische Business Forum statt. Es wurde von der Schweizerisch-Slowakischen Handelskammer organisiert und hatte im Wesentlichen zwei Ziele. Text: Josef Aregger, Fotos: Peter Foltin / HSSR

Zum einen ging es darum, den Teilnehmern aus der Schweiz die Vorzüge des Standorts Slowakei näher zu bringen und zum andern sollten die slowakischen Teilnehmer über die Sichtweise der im slowakischen Markt aktiven schweizerischen Firmen etwas erfahren und sodann über die Stärken potentieller Partner aus der Schweiz informiert werden. Über die Vorzüge des Standorts Slowakei berichtete die Vertreterin von SARIO, Frau Marcela Törökova, die auf die im zentraleuropäischen Raum nach wie vor sehr vorteilhaften Rahmenbedingungen der Slowakei verweisen konnte. Im Rahmen des Panels, der den Erfahrungen erfolgreicher schweizerischer Investoren in der Slowakei gewidmet war, berichteten die Manager von Holcim, Herr Patrick Stapfer, von Swiss Re, Herr

Stefan Thüring, und des Fensterproduzenten Slovaktual, Herr Milan Murgaš. Die drei Herren waren sich hinsichtlich der Qualität der slowakischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einig und lobten auch die Offenheit der Strukturen, die es leicht machen, wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Alle drei Firmen wollen in der Slowakei weiter wachsen. Kritische Äußerungen betrafen die Korruption und die Mängel des Justizsystems. Der Vertreter der Dachorganisation der schweizerischen Wirtschaft Economiesuisse, Dr.  Philipp Bauer, unterstrich die überragende Bedeutung der Innovation für den längerfristigen Erfolg einer Volkswirtschaft. Selbstredend macht die Innovationskraft die schweizerischen Unternehmen zu besonders attraktiven Partnern slowakischer Firmen.

In diesem Zusammenhang waren die Ausführungen von Andreas Schweizer, dem Vertreter von Cleantech Switzerland. Er stellte diese Exportplattform vor, die innovative Unternehmen auf dem Gebiet der Energieeffizienz und der grünen Wirtschaft vertritt. Die Plattform umfasst nicht weniger als 400 Firmen, die für kleine und mittlere Firmen in der Slowakei vielversprechende Partner sein können. Die Referate des Business Forums sind auf der Webseite der Schweizerisch-Slowakischen Handelskammer HSSR zu finden: www.hssr.sk

Von rechts Patrick Stapfer, CEO von Holcim Slovensko, Josef Aregger, Mattig Management Partners, Herr Milan Murgaš, Slovaktual, Stephan Thüring, SwissRe Bratislava.

Von rechts Frau Danica Brendzova, Generalsekretärin der HSSR, Frau Maria Schill Präsidentin der HSSR, Botschafter Christian Fotsch und Reto Iten Präsident der SEC Handelskammer SchweizMitteleuropa.

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WIRTSCHAFT

Die Slowakei bewältigt die Jugendarbeitslosigkeit nicht Rund jeder dritte Arbeitslose in der Slowakei ist jünger als dreißig Jahre. Oft verfügen sie über keine Erfahrung, und die Unternehmen versuchen, so viel wie möglich an ihnen zu sparen. Während Österreich als Europas Vorzeigemodell dienen kann, steht die Slowakei am Ende der europäischen Tabelle. Text und Fotos: Veronika Folentová (2), Redakteurin der Tageszeitung „Sme“, Shutterstock (1)

Adriana ist 24. Dieses Jahr hat sie ihr Hochschulstudium des Journalismus abgeschlossen. Bereits seit März versucht sie vergebens, Arbeit zu finden. Bisher hatte sie sieben Vorstellungsgespräche. Oft beschleicht sie das Gefühl, dass die Arbeitgeber nicht fair spielen. „Offen hat es mir bisher noch niemand gesagt. Als wenn sie sich vorauseilend dafür schämten, dass sie nicht einmal den regionalen Standard bieten können und schon wissen, dass sie auch die Vergütung noch nachverhandeln werden wollen, damit sie für ihre Mitarbeiter ja nicht zu viel ausgeben“, meint Adriana. Sie ist verheiratet, bisher kinderlos. Sie lebt mit ihrem Mann in Ružomberok (Rosenberg) im Norden der mittleren Slowakei. Die Arbeitslosigkeit beträgt hier 14 %, mehr als im Landesdurchschnitt. 4000 Arbeitslose gibt es hier. Adriana sucht auch in den umliegenden Städten nach einem Job. Mit Diplom in Abiturientenjobs Seit Mai ist sie beim Arbeitsamt gemeldet. Sie gehört zu den zehntausend Hochschulabsolventen, die keinen Arbeitsplatz finden können. Ein Titel gibt den jungen Leuten dabei bessere Chancen auf eine Anstellung. Die Zahl der arbeitslosen Abiturienten beträgt das Dreifache. Insgesamt sind in der Slowakei mehr als 110 000 Menschen unter 30 ohne Arbeit, das ist ungefähr ein Viertel aller Arbeitslosen. Junge Leute mit Abitur haben auf dem Arbeitsmarkt auch deshalb schlechtere

Karten, weil immer mehr Akademiker auf Positionen arbeiten, auf denen sie ihre Kenntnisse nicht brauchen. Dazu zählen Anstellungen in der Verwaltung oder manuelle Berufe. Den jungen Leuten steht oft auch die schlechte Auswahl des Studienfachs im Weg. „Absolventen von Handelsakademien, der Kulturologie, Philosophie, Erziehungswissenschaften oder der Sozialarbeit werden meist Monate für die Arbeitssuche brauchen und oft in ihrem Bereich nichts finden“, so die Personalagentur McRoy. Am oberen Ende der Tabelle stehen dagegen Absolventen der Fächer Informatik, Wirtschaft, Sozialwissenschaften, führt

das größte Online-Jobportal der Slowakei Profesia.sk an.   Ab sechzehn in Gelegenheitsjobs Adriana hatte bisher noch keine Vollzeitarbeit, aber schon in der Schule arbeitete sie in Gelegenheitsjobs. „Solche Jobs mache ich schon, seit ich sechzehn bin“, sagt sie. Die Liste ist bunt: Prospekte und Zeitungen austragen, bei Meinungsumfragen und Werbeaktionen helfen, Empfangsdame, Zimmermädchen, Verkaufsassistentin, Küchenhilfe, Kellnerin. Sie hat per Telefon Kunden geworben, im Kino Plätze angewiesen, Museumsbesucher geführt, Waren ent-

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WIRTSCHAFT

Adriana (24): Trotz Hochschulstudiums keine Aussicht auf Arbeit

laden, sie hat in einer Supermarktbäckerei gearbeitet und Beiträge für Medien gemacht. Wenn sie von ihrer Arbeitssuche erzählt, hört man ihre Resignation manchmal heraus. Viele Vorstellungsgespräche enden nur mit dem Angebot eines Stempels fürs Arbeitsamt. „Wenn man nach einer Zeit des ergebnislosen Hoffens zurückblickt darauf, was man alles erlebt hat, wie man

sich verausgabt hat, dann erscheint alles als vergebliche Mühe, verlorene Zeit und Energie“, sagt sie enttäuscht. Auch wenn die Suche ermüdend ist, so hat sie doch auch einige Angebote ausgeschlagen. An ihrem Beispiel lässt sich aufzeigen, wie Arbeitgeber in der Slowakei bisweilen mit jungen Leuten umspringen. Und ähnlich gilt dies für Menschen über 50, die auch Probleme haben, einen Brot-

Den Jungen wird der Arbeitsplatz subventioniert Das slowakische Arbeitsministerium sucht nach Wegen, auch Menschen unter 30 eine Arbeitsstelle zu sichern. Es zahlt ihnen fast den gesamten Lohn. Keine große Bildungsreform, keine neuen Lehrpläne oder Projekte, die jungen Leuten zu einer Praxis direkt im Unternehmen verhelfen. Die Subventionierung des Arbeitsplatzes soll schnelle Abhilfe schaffen. Das Arbeitsministerium schöpft dafür Gelder aus den EU-Strukturfonds. Bisher hat es so 11 000 Stellen geschaffen, deren Lohn- und Lohnnebenkosten den Unternehmen zu 95 % erstattet werden, in diesem Jahr 456,57 Euro. Die Unterstützung erhielten sie für 18 Monate, den Arbeitsplatz müssen sie jedoch ein weiteres halbes Jahr erhalten. Durchschnittlich kostete die Anstellung eines jungen Menschen den Staat so 5500 Euro. Insgesamt hielt das Ministerium für diese Subventionen 70 Millionen Euro bereit, von denen der Großteil schon ausgegeben ist. Jene, die in diesem Programm Arbeit gefunden haben, sind im Durchschnitt 23,5 Jahre alt und waren 13,5 Monate arbeitslos gemeldet. Am häufigsten wurden sie von Unternehmen in den Bereichen Handel, Industrie und Kommunikation eingestellt. Es handelt sich vor allem um Klein- und Kleinstfirmen mit weniger als 50 Mitarbeitern. 11 000 mag nach viel klingen, im Kontext von 110 000 jungen Arbeitslosen geht es jedoch um keinen so bedeutenden Schritt. Zwischenjährlich entwickelte sich die Jugendarbeitslosigkeit dabei so wie auch die Arbeitslosigkeit insgesamt. Die Subvention änderte den Trend also nicht wesentlich.

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erwerb zu finden. Adriana lehnte die meisten der Angebote ab, weil sie die schlechten Bedingungen der Unternehmen nicht akzeptieren wollte. „Ich habe den Eindruck, dass die Firmen an ihren Leuten sparen wollen, wo es nur geht. Von Vorteil ist für sie jemand, der beim Arbeitsamt gemeldet ist. Dann können sie dem Bewerber einen Werkvertrag anbieten, der von beiden Seiten fristlos gekündigt werden kann“, beschreibt Adriana ihre Erfahrungen. In der Slowakei darf ein am Arbeitsamt geführter Arbeitssuchender per Werkvertrag bis rund 150 Euro monatlich dazuverdienen. Diese Option wird oft als eine der verbreitetsten Formen der Schwarzarbeit bezeichnet. Die Beschäftigten erhalten offiziell nur 150 Euro, arbeiten jedoch tatsächlich wie in einem klassischen Arbeitsverhältnis und bekommen den Restbetrag schwarz auf die Hand. Adriana hat auch versucht, eine Tätigkeit in ihrem Studienfach zu finden, also in den Massenmedien. Schon während der Studienzeit machte sie beim Uni-Radio mit und schrieb für regionale Medien. Die Arbeit ist jedoch sehr schlecht bezahlt. „Ich müsste pendeln, was finanziell untragbar wäre, in einem anderen Fall konnte ich per Werkvertrag für 127 Euro oder auf eigenen Gewerbeschein arbeiten, was auch finanziell unvorteilhaft ist. Alle anderen Beschäftigten hatten neben der Arbeit beim Radio noch Nebenjobs“, erzählt sie von ihren Erlebnissen. Sie gibt jedoch zu, dass sie einige Angebote auch ausschlagen musste, weil sie die geforderte Fremdsprache nicht gut genug beherrscht und keinen Führerschein hat. Trotz der Probleme denkt sie bisher nicht darüber nach, nach Bratislava zu übersiedeln, wo es leichter ist, Arbeit zu finden. Das würde sich bei einem attraktiven Angebot ändern. Es müsste so gut sein, dass es sich auch für ihren Mann lohnen würde umzuziehen. Zu einem Umzug ins Ausland sagt sie: „Bisher hab ich mich nicht entschieden, am vielversprechendsten wäre ein deutschsprachiges Land. Aber dort werden meist Sprachkenntnisse verlangt, die zur tagtäglichen Kommunikation reichen, während meine in Wirklichkeit nicht über den Grundwortschatz hinausgehen.“


Österreich ist nur geografisch nahe Bei einem Blick auf die slowakischen und österreichischen Arbeitslosenstatistiken scheint es um grundverschiedene Welten zu gehen. Während die Arbeitslosigkeit in der Slowakei 14 % erreicht, sind es in Österreich nicht einmal 5. Bei der Jugendarbeitslosigkeit ist der Kontrast noch stärker. Während Österreich die zweitniedrigste Zahl von Arbeitslosen unter jungen Leuten vorzuweisen hat, befindet sich die Slowakei unter den zehn schlechtesten EU-Ländern. Die Unterschiede sind sicher auch durch die ökonomische Situation gegeben, die Slowakei vermochte es jedoch selbst in den Jahren des größten Wirtschaftswachstums nicht, die Arbeitslosenzahlen auf österreichisches Niveau zu senken. „Das Bildungssystem schafft es nicht, auf die sich ändernden Anforderungen des Arbeitsmarktes zu reagieren“, erklärt der Direktor des Mitteleuropäischen Instituts für Arbeitsforschung Martin Kahanec. Auch die Ausrichtung der Mittel- und Hochschulen sei schlecht. „Österreich verfügt über ein entwickeltes Berufsbildungssystem, das sich in Krisenzeiten als deutlich robuster erweist“, so Kahanec. Ein Problem sieht er auch in der Diskriminierung. Dabei geht es nicht nur um die Roma, die in der Slowakei eine der europaweit größten Minderheiten stellen, sondern auch um Diskriminierung aufgrund des Alters, vor allem bei Menschen über 50. Österreich hat auch liberalere Regelungen für Entlassungen und beim Arbeitnehmerschutz vor Kündigungen. Gerade einen erweiterten Schutz vor Entlassungen setzte dabei die zweite Regierung Fico als eines der ersten Projekte ihrer Amtszeit um. In Österreich genießen nur ältere Dienstnehmer, Behinderte und Schwangere einen Kündigungsschutz. Es gibt auch keinen Mindestlohn. Im Unterschied dazu plant die Slowakei, im nächsten Jahr den Mindestlohn deutlich anzuheben, und hat auch einen höheren Schutz vor Entlassungen.

Möchten Sie das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden? Das Personalberatungsunternehmen McROY eröffnet in Kürze die erste Flow – McROY Lounge im Bratislavaer Einkaufszentrum Eurovea, eine einzigartige Stätte nicht allein für Vorstellungsgespräche und Geschäftstermine, sondern auch für das abendliche gemütliche Beisammensein bei bestem Essen und in besonderer Atmosphäre. Im Flow können Sie eine ruhige und gemütliche Atempause gemeinsam mit einer angenehmen Arbeitsatmosphäre genießen. Daneben treffen Sie auf Leute, die für Neues offen sind. Die Flow – McROY Lounge verbindet scheinbar unvereinbare Welten. Die Welt der Personalwirtschaft mit der modernen Gastronomie. Die Welt der Arbeit mit der Welt der Erholung. Die Räumlichkeiten im Erdgeschoss ist für Kunden bestimmt, die weniger Zeit haben, aber trotzdem in den Genuss frischen und gutschmeckenden Essens kommen möchten – Fast Flow. In der oberen Etage finden Sie einen komfortablen, diskreten Bereich vor, der den ganzen Tag über für Geschäftstreffen, Einstellungsgespräche für interessante Jobangebote sowie für die breite Öffentlichkeit bestimmt ist. Nach getaner Arbeit können Sie hier zur Erholung hinkommen, sich auf Klub- und Themenabenden oder bei Verkostungen inspirieren lassen – Slow Flow. McROY Slovakia, a.s. • Eurovea-Pribinova 4 811 09 Bratislava SLOVAKIA www.mcroygroup.com

Falsches Studium? Adriana ist von der Arbeitssuche enttäuscht.


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Uraufführung einer neuen „Dorian Gray“-Oper Dorian Gray – kaum eine andere Figur des klassischen Literaturkanons genießt auch noch im 21. Jahrhundert vergleichbare Popularität. Oscar Wildes gleichnamiger Roman um das bedingungslose Verlangen nach ewiger Jugend hat seit seinem Erscheinen im Jahre 1890 zahllose Künstler inspiriert – allein mehr als fünfzig Komponisten nahmen sich bislang dieses dramatischen Stoffs musikalisch an. Nun wird die Slowakin Ľubica Čekovská dieser beachtlichen Tradition ein weiteres Kapitel hinzufügen: Am 8. November 2013 präsentiert das Slowakische Nationaltheater die Uraufführung ihrer Oper „Dorian Gray“ mit dem Libretto von Kate Pullinger unter der Regie von Nicola Raab. Text: B. Schimmer, Foto: Jozef Barinka

Ende der 1990er Jahre erhielt sie gleich reihenweise Auszeichnungen für ihre Kompositionen, die Verleihung des Ján-Levoslav-Bella-Preises durch den Slowakischen Musikfonds (2004) markiert dabei einen der bisherigen Höhepunkte dieser außergewöhnlichen Komponistinnenvita. Seit 2008 ist Ľubica Čekovská ordentliches Kuratoriumsmitglied des Musikfestivals Prager Frühling, in Deutschland war sie zuletzt als Composer in Residence beim Philharmonischen Orchester Altenburg-Gera während der Spielzeit 2010/11 zu erleben. Ihre Musik verströme „Gefühle von Frische und Lebensfreude ... von Schönheit und Ernsthaftigkeit“, beschreibt niemand Geringeres als Arvo Pärt den Stil der in Bratislava lebenden Tonkünstlerin. Für die 38 Jahre junge Komponistin Ľubica Čekovská ist „Dorian Gray“ ihre erste abendfüllende Oper. Musiktheatererfahrungen konnte sie bereits 2005 mit einem Beitrag zum Gemeinschaftswerk „zeitoper010: as time goes by“ anlässlich des Albert-Einstein-Jahres in Kiel sammeln. Daneben hat sie bereits

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Bühnenmusiken für mehrere slowakische und tschechische Theater sowie Filmmusik geschrieben. Die in Humenné geborene Čekovská studierte an der Hochschule der musischen Künste in Bratislava und bildete sich anschließend bei so prominenten Kollegen wie Robert Saxton, Thomas Adès, Arvo Pärt oder Harrison Birtwistle weiter.

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Für die musikdramatische Umsetzung des „Dorian Gray“ konnte Čekovská als Librettistin Kate Pullinger gewinnen. Die Kanadierin hat sich durch den mit der Regisseurin Jane Campion verfassten Roman „Das Piano“, dem das Drehbuch des gleichnamigen, weltweit gefeierten Kinofilms aus dem Jahre 1993 zugrunde liegt, international ei-


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nen Namen gemacht. Die Zusammenarbeit mit der slowakischen Komponistin basiert für Pullinger auf einem gemeinsamen dramaturgischen Ansatz: „Für mich ist unsere Oper sehr nah an ihrer Quelle: viel eher eine Nacherzählung der Geschichte des Dorian Gray als eine neue Variante derselben, im Grunde so, wie auch im Sprechtheater mit der Handlung und den Charakteren eines Stoffs umgegangen wird. Und das erwies sich für mich als wesentlich.“ Die Regie bei dieser Welturaufführung übernimmt mit Nicola Raab eine gebürtige Regensburgerin. Engagements führten die erfahrene und viel gefragte freie Opernregisseurin bereits u.a. an die renommierten Musikbühnen von Sevilla, Valencia, Lissabon, Tallinn, Mexico City, Kopenhagen, Göteborg, Helsinki, Wien, Moskau, Chicago und Los Angeles. Sie sei „keine, die ein System oder ein Muster hat und dieses dann den Stücken, egal welchen, überstülpt“, charakterisiert sich Raab selbst, die eine grenzenlose Leidenschaft für das Musiktheater als solches pflegt – ungeachtet aller zweifelhaften Kategorisierungen in U- oder E-Musik. Für die Hauptrolle konnte das Slowakische Nationaltheater mit den beiden Tenören Eric Fennell und Eamonn Mulhall (in wechselnder Besetzung) zwei Anwärter auf eine große Gesangskarriere verpflichtet: Der US-amerikanische lyrische Tenor Fennell sprang im Frühjahr kurzfristig als Herzog von Mantua im „Rigoletto an der Deutschen Oper Berlin ein. Dass der „junge, rasante Amerikaner Umtriebig-

Ľubica Čekovská – Dorian Gray

keit glaubhaft darstellen“ kann („Berliner Morgenpost“), wird ihm dabei für die Rolle des Dorian zweifellos zugutekommen. Der irische Tenor Eamonn Mulhall gab bereits vor zwei Jahren sein Debüt im altehrwürdigen Royal Opera House Covent Garden, und das gleich bei einer Uraufführung von James MacMillan – zweifellos ein junges Stimmtalent für ein frisches Repertoire. Alle übrigen Partien im „Dorian Gray“ werden von slowakischen Sängern gestaltet, darunter Katarína Juhásová-Štúrová, die am Nationaltheater schon in Gounods „Faust“, Bizets „Carmen“ oder Janáčeks „Jenůfa“ begeisterte und in der Saison

Musikeinstudierung: Christopher Ward Dirigenten: Christopher Ward, Peter Valentovič Regie: Nicola Raab Bühne und Kostüme: Annemarie Legenstein, Alix Burgstaller Sybil Vane: Helena Becse-Szabó, Katarína Juhásová-Štúrová Mrs. Leaf: Terézia Kružliaková, Jitka Sapara-Fischerová Brothel Madam: Denisa Hamarová, Denisa Šlepkovská Dorian: Eric Fennell, Eamonn Mulhall Alan Campbell: Róbert Remeselník, Martin Gyimesi James Vane: Ján Ďurčo, František Ďuriač Basil: Ján Galla, Martin Malachovský Lord Henry: Aleš Jenis, Pavol Remenár Weitere Termine im Historischen Gebäude des Slowakischen Nationaltheaters, jeweils um 19 Uhr, Besetzung wechselnd (s.o.): 13. Dezember 2013, 20. Februar, 5. April und 5. Juni 2014. 2013/14 auch als Mimi in Peter Konwitschnys Puccini-Inszenierung von „La Bohème“ sowie als Violetta in „La Traviata“ unter Friedrich Haider auftreten wird. Von den Männerstimmen verdient der Bariton Aleš Jenis besondere Erwähnung, der 2010 an der Mailänder Scala sowie der New Yorker Met debütierte und schon bei so bedeutenden Festivals wie dem in Aixen-Provence, den Wiener Festwochen oder dem Holland Festival seine Gesangskunst präsentieren durfte. Die musikalische Einstudierung und die Gesamtleitung liegen in den Händen von Christopher Ward. Der Brite konnte in den vergangenen Jahren als Assistent von Sir Simon Rattle und Kent Nagano wertvolle Erfahrungen sammeln. Die Premierenvorstellungen des „Dorian Gray“ am 8. und 9. November 2013 sind Teil des internationalen Musikfestivals „Melos Étos“ und des Festivals „World New Music Days“, das gemeinsam von Bratislava, Wien und dem ostslowakischen Košice, der diesjährigen Kulturhauptstadt Europas, organisiert wird.

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nachbarn

Der Centrope-Preis 2013 geht an das Theater Brett - Theater ohne Zensur und Grenzen Zum siebten Mal wurde der Preis mit der Dotation von 10.000 Euro für herausragendes grenzüberschreitendes Engagement durch die Stadt Wien und die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien verliehen. Text: Katarína Šujanová, Fotos: Christian Jobst

„Der Centrope – Preis ist ein kleiner, aber wichtiger Schritt, um die Zusammenarbeit in Mitteleuropa zu verstärken,“ sagte die Gastgeberin Dr.  Elisabeth Vitouch, Abgeordnete zum Wiener Landtag und Mitglied des Gemeinderates der Stadt Wien im Rahmen der Verleihungszeremonie im Steinsaal II des Wiener Rathauses. Gemeinsam mit Andreas Hopf, Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, überreichte sie den Preis an Nika Brettschneider und Ludvik Kavin vom „Theater Brett“ in Wien. Das Theater Brett, das im Jänner 2014 die ersten 30 Jahre seiner Existenz feiert, hat sich zum Ziel gesetzt, seinem Publikum die Kultur der Nachbarländer zu zeigen. Neben Aufführungen von Produktionen verschiedener AutorInnen aus diesen Regionen veranstaltet das Theater seit 2006 das Festival „Mitteleuropäisches Theater-

karussell“, an dem KünstlerInnen aus der Slowakei, Ungarn, der Tschechischen Republik, Polen und Österreich teilnehmen. Die Preisübergabe begleitete die Donau Philharmonie Wien, die die jungen Kűnstler aus den vier mitteleuropäischen Ländern verbindet. Seit 2007 ergeht der Preis an Institutionen oder Personen für ausgezeichnete Leistungen im Bereich der grenzüberschreitenden regionalen Zusammenarbeit. Er wird von einer Jury bestehend aus den BotschafterInnen der Slowakei, Tschechiens und Ungarns sowie je einem/ einer VertreterIn der Stadt Wien und der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien - ausgewählt. Die CENTROPE-Initiative wurde im Jahr 2003 ins Leben gerufen und soll zur Intensivierung des Austauschs und des Aus-

Die Gesandte der Tschechischen Botschaft Ivana Cervenková, Kammerschauspielerin Maresa Hörbirger, Nika Brettschneider, Ludvik Kavin, GRin Elisabeth Vitouch und Andreas Hopf, Raiffeisenlandesbank NÖ - Wien

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baus von grenzüberschreitenden Kooperationen zwischen der „Vienna Region“ (Wien, Niederösterreich, Burgenland) und den Nachbarregionen in Tschechien, der Slowakei und Ungarn beitragen. Die Initiative befasst sich mit Forschung und Ausbildung ebenso wie mit Wirtschaft und Arbeitsmarkt, mit Regionalentwicklung, Infrastruktur, Kultur, Standortmarketing und Öffentlichkeitsarbeit.

Nika Brettschneider (links) und Ludvik Kavin


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Erneuerbare Energiequellen. „End of the Road“ oder doch ein „Restart“ in 2013/2014? Die erneubaren Energiequellen sind ein Thema der Zukunft – nicht nur im Bereich des Umweltschutzes, sondern auch als „Business-Plan“ eines innovativen Unternehmers. Deswegen ist deren gesetzliche Regelung vom höchsten Interesse für den Staat, was leider zu häufigen gesetzlichen Änderungen führt. Von Slavomír M. Čauder, Partner und Zuzana Francúzová, Rechtskonzipient, Giese & Partner, s.r.o., www.giese.sk

Die beiden Novellen des Gesetzes über die Förderung der erneubaren Energiequellen, die im Jahre 2013 verabschiedet wurden, sind bereits in Kraft getreten. Da diese insbesondere auf die Fortentwicklung des gesamten gesetzlichen Rahmens dieser Form der staatlichen Förderung gerichtet sind, ist deren Inhalt besonders beachtenswert. Der Anspruch auf staatliche Förderung mittels (i) Abnahme der Elektrizität durch den Netzbetreiber, (ii) Nachzahlung und (iii) Übernahme der Verantwortlichkeit für die Abweichung stand schon nach dem ursprünglichen Gesetzeswortlaut dem Energieerzeuger für einen Zeitraum von 15 Jahren ab Inbetriebnahme oder Modernisierung bzw. Instandsetzung der Anlage zu. Weder „Modernisierung“ noch „Instandsetzung“ wurden dabei definiert. Im Sinne der neusten Regelung ist nunmehr klar, dass diese zu einer technologische Aufwertung der Anlage wie z.B. Steigerung der Leistungsfähigkeit, Herabsetzung des Eigenverbrauchs oder von Energieverlusten führen muss. Die Erfüllung der Bedingung ist durch ein Gutachten nachzuweisen. Des Weiteren entsteht dem Energieerzeuger nun ein Anspruch auf Nachzahlung

auch in dem Falle, dass die Kosten für eine Modernisierung bzw. Instandsetzung der Anlage weniger als 50 % der Investitionskosten für die Beschaffung eines neuen Anlageteils betragen, was nach der alten Regelung nicht möglich war. Der Zuschuss wird jedoch in diesem Falle, um 20% – 80% je nach der Höhe der tatsächlich entstandenen Kosten, herabgesetzt. Die Bedingungen für die Förderung der Anlagen bleiben unverändert, d.h. diese bezieht sich weiter nur auf Anlagen mit einer Leistung bis zu 1 MW. Ferner ist zu beachten, dass eine völlig neue Regelung eingeführt wurde, wonach ein Anspruch auf Förderung in gewissen Fällen nicht entsteht oder erlischt. Falls die Anlage ohne Genehmigung für den Ausbau einer Elektrizitätsanlage oder im Wiederspruch zu allgemeinverbindlichen Vorschriften wie z.B. dem Baugesetz errichtet wurde, entsteht dem Energieerzeuger kein Förderungsanspruch. Das Erlöschen des Anspruches setzt voraus, dass gegen den Elektrizitätserzeuger zweimal innerhalb der 15-jährigen Förderungsfrist ein Bußgeld für Verletzung bestimmter gesetzlicher Pflichten verhängt wurde. Im Anschluss daran wurde dem Energieerzeuger nun die Pflicht auferlegt, dem

Netzbetreiber eine rechtswidrig erhaltene Nachzahlung zurückzuerstatten. Zu beachten ist, dass ein Solarenergieerzeuger, nun verpflichtet ist, jede photovoltaische Einheit mit der Angabe über dessen Leistung zu bezeichnen. Des Weiteren wurde eine neue Kompetenz der zuständigen Regulierungsbehörde, die weitgehende und negative Auswirkungen auf die Branche haben kann, eingeführt. Die Behörde kann nunmehr bereits erlassene Bestätigungen über die Herkunft der Elektrizität aus erneubaren Energiequellen ändern oder aufheben. Voraussetzung hierfür ist ein Nachweis darüber, dass eine solche Bestätigung aufgrund fehlerhafter oder wahrheitswidriger Angaben erlassen wurde. Da bis jetzt nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft wurden, die das Energierecht bietet, ist zu erwarten, dass das Energierecht auch im nächsten Jahr weitere Anpassungen erfahren wird.

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Änderung des Urheberrechtsgesetzes – Annäherung an moderne europäische Länder Am 1.11.2013 ist die lang erwartete Novellierung des slowakischen Urheberrechtsgesetzes in Kraft getreten, die die streng formelle Anforderung der Schriftlichkeit von Lizenzverträgen bei der Nutzung von Urheberwerken abgeschafft hat. Es handelt sich um einen sehr zu begrüßenden Schritt, der das slowakische Urheberrecht den modernen Rechtsordnungen näher bringt. Von Radovan Pala (Foto) und Ján Lazur, TaylorWessing enwc Rechtsanwälte in Bratislava, www.taylorwessing.com

Schon seit der Verabschiedung des Urhebergesetzes im Jahr 2003 hatte die Slowakei das grundsätzliche Problem, den Trend der sich dynamisch entwickelnden digitalen Umgebung zu folgen. Während die anderen europäischen Länder den Weg der Reduzierung der formellen Anforderungen beim Umgang mit den Urheberwerken gegangen sind, hat sich die Slowakei entschieden, dass jeder Lizenzvertrag schriftlich abgeschlossen werden muss. Bei fehlender Schriftform waren die Lizenzverträge bisher ungültig, was beträchtliche recht-

liche Unsicherheit zur Folge hatte. Gerade das Internet hat die „online“ Transaktionen gefördert. Aufgrund der bisher bestehenden formellen Anforderungen haben ausländische Gesellschaften regelmäßig das „flexiblere“ Recht eines anderen Staates gewählt. Gemäß der neuen Regelung bedürfen der Schriftform nur exklusive Lizenzverträge, Massenlizenzverträge und kollektive Lizenzverträge. In der Praxis sind die meisten Verträge jedoch nicht-exklusive Verträge (z. B. bei Kauf von Computerprogrammen,

Filmen oder Musik, aber auch bei kommerzieller Nutzung von Fotos auf einer Internetseite). Aufgrund der neuen Regelung ist es seit 1.11.2013 in der Slowakei möglich, auch sogenannte öffentliche Lizenzen (Creative Common Lizenzen) legal zu nutzen, aber auch andere - im Ausland übliche – Möglichkeiten der Lizenzierung, z. B. Shrink-Wrap (Öffnen der transparenten Verpackung) oder Click-Wrap Lizenz (Anklicken von dem gegenständlichen Feld am Computer, Tablett oder Handy). Die Novellierung hat unter Berück-

sichtigung der Steuervorschriften auch die Möglichkeit eingeführt, dass jede Vertragspartei von der anderen die Ausstellung einer schriftlichen Bestätigung über den Abschluss des Lizenzvertrages fordern kann. Diese Bestätigung kann spätestens 15 Tage nach dem Abschluss des Lizenzvertrages angefordert werden. Die Liberalisierung der Abschlüsse von Lizenzverträgen und die damit verbundene öffentliche Diskussion ist der erste Schritt für eine Modernisierung des slowakischen Urheberrechts.

Werben Sie in der NPZ! Das Monatsmagazin Neue Pressburger Zeitung NPZ knüpft an die Tradition der deutschsprachigen Medien an, die in dieser einst dreisprachigen Stadt erschienen. Diese Tradition lebt heute wieder auf, weil Bratislava in Handel, Industrie und Tourismus wieder einen mehr und mehr kosmopolitischen Charakter annimmt. Die NPZ bietet aber nicht nur den deutschsprachigen Bewohnern Bratislavas aktuelle Informationen, sondern wendet sich auch an die angrenzende Nachbarregion in Österreich sowie an ein Publikum in Wien wie auch an Deutsche und Schweizer mit Interesse an der Slowakei und diesem Grenzraum. Die NPZ bringt von professionellen Journalisten und Experten fundiert ausgearbeitete Informationen, Kommentare, Feuilletons, Reportagen und Interviews. Die Beiträge betreffen Wirtschaft, Poli­tik und Finanzen, aber auch Fremdenverkehr, Gesundheits­ wesen, Schulwesen und Sport. Nicht vergessen werden die Non-Profit-Organisationen, das Gesellschaftsleben, Freizeit und Kultur in dieser Region. Der Inhalt jeder Nummer wird in interessanter und einfalls­reicher Grafik präsentiert, damit unsere Geschäftspartner, die sich über unsere Zeitschrift der Öffentlichkeit vorstellen wollen, einen großzügigen, eleganten Raum für ihre Präsentation.

Neue Pressburger Zeitung NPZ, Františkánske nám. 7, SK-811 01 Bratislava Tel. 00 421 903 401 464, info@npz-online.eu, www.npz-online.eu

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Gesetzliche Änderungen

auf dem Gebiet der internationalen Besteuerung Das Finanzministerium der SR plant ab 1. Januar 2014 im Rahmen des Kampfes gegen Steuerbetrüge legislative Änderungen auf dem Gebiet der internationalen Besteuerung. Von diesen Änderungen erwartet man, dass sie eine Erhöhung der Haushaltseinnahmen mit sich bringen. Die legislativen Änderungen selbst sind Bestandteil des Entwurfes der Novelle des Einkommenssteuergesetzes, die vom Parlament im Oktober dieses Jahres behandelt werden soll. Robert Jex, Partner MANDAT CONSULTING, k.s. www.mandat.sk

Auf dem Gebiet der internationalen Besteuerung werden folgende Änderungen vorgeschlagen: Erhöhter Satz der Abzugssteuer und Sicherung der Steuer Der Entwurf führt die Definition des Steuerzahlers eines nichtvertraglichen Staates ein, dem gegenüber der erhöhte Satz der Abzugssteuer bzw der Satz der gesicherten Steuer geltend gemacht wird. Fliessen die Einnahmen dem Steuerzahler eines nichtvertraglichen Staates zu, beträgt der Steuersatz 35%. Mitteilungspflicht Die Mitteilung über den Abzug sowie die Abführung der Steuer haben die Steuerzahler auf einem Formular mitzuteilen, dessen Muster von der Finanzdirektion der SR festlegt wird, und zwar in der mit dem Abzug und der Abführung der Steuer übereinstimmenden Frist. Das Formular wird gemäß Gesetz auch persönliche Daten über die natürliche Person enthalten, und zwar Name, Familienname, Adresse und Geburtsdatum. Nach der derzeitigen Fassung des Entwurfes soll sich dieser gesetzlich definierte Inhalt der Mitteilungspflicht auf den Steuerabzug und die Sicherung der Einkommenssteuer beziehen, die an alle Steuerzahler ausgezahlt werden, also ohne Rücksicht auf die Steuerresidenz. Aber der Steuerzahler, der

die Zahlung in einen nichtvertraglichen Staat überweist, hat zusammen mit der Mitteilung auch Anlagen vorzulegen, die auf dem Formular definiert sind. Andere Maßnahmen, die vom Finanzministerium der SR vorgeschlagen werden, können in folgende Bereiche geteilt werden: Einnahmequelle auf dem Gebiet der Slowakischen Republik: • Besteuerung der Einkommen eines Nichtresidenten aus Dienstleistungen, die außerhalb des Gebietes der SR gewährt werden und Änderung deren Besteuerung, • Besteuerung der Einkommen aus der Übertragung der Anteile an einer slowakischen Gesellschaft, sofern der Käufer ein Nichtresident der SR ist (wir weisen vor allem deutsche Besitzer von Anteilen in den slowakischen Gesellschaften hin), • Besteuerung der Einkommen aus der Übertragung der Anteile an einer Gesellschaft, sofern die Gesellschaft Immobilien auf dem Gebiet der SR besitzt, • Einführung der Definition einer sog. ständigen dienstliech Betriebsstätte. Auch die Tätigkeiten bei der Gewährung von Dienstleistungen, die an mehreren Orten auf dem Gebiet der SR vorgenommen werden, können eine ständige Betriebsstätte des Steuerzahlers begrün-

den, falls sie im Laufe eines definierten Zeitraumes geleistet werden. Administrative Maßnahmen • Einführung der Pflicht für ausländische Gesellschaften, die keine Rechnungseinheit sind und eine ständige Betriebsstätte auf dem Gebiet der SR haben, bei der Ermittlung der Besteuerungsgrundlage aus dem Betriebsergebnis auszugehen, • Präzisierung der Einreichung der Steuererklärung durch die Steuerzahler mit einer beschränkten Steuerpflicht bei der Gründung und Auflösung einer ständigen Betriebsstätte auf dem Gebiet der SR. Transferpreisermittlung • Genauere Regelungen auf dem Gebiet der Definition einer anderen Verbindung und einer ausländischen verbundenen Person, • Gleichstellung der Methoden der Verrechnungspreisermittlung • Möglichkeit des Steuerverwalters, die Dokumentation der Verrechnungspreisermittlung jederzeit zu verlangen, wenn er es angesichts der Tatsachen für nötig hält, nicht nur während der Steuerprüfung.

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Ende der "Briefkastenfirma" - Die richtige Kennzeichnung eines Büros bzw. Betriebsstätte Entgegen der landläufigen Meinung muss jeder Unternehmer in der Slowakei nicht nur eine "Adresse", sondern eine "Betriebstätte" haben. Wie die Betriebsstätte auszusehen hat, ist sowohl im Steuerrecht als auch in der Gewerbeordnung definiert. Zuletzt haben immer wieder Steuerbehörden geprüft, ob es sich bei Unternehmenssitzen nicht nur um "Briefkastenfirmen" handelt. Von Mag. Bernhard Hager, LL.M., Dvořák Hager & Partners, advokátska kancelária, s.r.o., www.dhplegal.com

Errichtung einer Betriebsstätte Jeder Gewerbetreibende muss eine Betriebsstätte haben. Unter einer Betriebsstätte wird ein Raum verstanden, in dem das eingetragene Gewerbe betrieben wird. Der Betreiber des Gewerbes ist verpflichtet, die Errichtung einer Betriebsstätte spätestens am Tag ihrer Errichtung dem zuständigen Gewerbeamt zu melden. Die Auflösung der Betriebsstätte binnen 15 Tagen nach Auflösung anzuzeigen. Kennzeichnung der Betriebsstätte Die Betriebsstätte ist spätestens am Tag der Tätigkeitsaufnahme zu kennzeichnen. Die Kennzeichnung hat den Handelsnamen des Betreibers zu enthalten. Ergänzend kann noch eine zusätzliche Bezeichnung der Betriebsstätte oder ein anderes Unterscheidungsmerkmal angeführt werden. Konkret müssen auf geeigneter und dauerhaft sichtbarer Stelle der Betriebsstätte folgende angeführt werden: • Handelsname und Sitz des Betreibers, • Name der für die Betriebsstätte verantwortlichen Person,

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• Betriebszeiten für Verbraucher. Die für die Betriebsstätte verantwortliche Person soll eine Person sein, die sich regelmäßig in der Betriebsstätte aufhält und berechtigt ist, im Namen des Betreibers mit den Kunden oder mit den Kontrollorganen zu kommunizieren. Es dürfen auch zwei Personen sein. Sonderangaben bei Verkehr mit Verbrauchern Wer mit Verbrauchern Geschäftsbeziehungen hat, muss die für Reklamationen erforderlichen Angaben samt Reklamationsordnung an einer gut sichtbaren, dem Verbraucher zugänglichen Stelle anbringen.

enthalten. Dabei handelt es sich um eine Kontaktperson für den Fall der Kontrolle. Nichtraucherschutz Soweit es sich um eine öffentliche Betriebsstätte, wie z.B. ein Geschäft, handelt, ist der Betreiber verpflichtet, die Öffentlichkeit an gut sichtbarer Stelle auf das Rauchverbot mit dem im Gesetz definierten Verbotssymbol und auf die Kontrollorgane hinzuweisen, bei denen die Verletzung des Rauchverbots gemeldet werden kann.. Fernsehgebühren ab drei Arbeitnehmer Wer drei oder mehr Personen beschäftigt, ist unabhängig davon, ob in dem Betrieb

Genehmigung einer Betriebsstätte Das Regionalamt für öffentliche Gesundheit ist für die Genehmigung der Inbetriebnahme von Räumen, somit Betriebsstätten zuständig. Der Genehmigungsantrag hat neben den üblichen Firmenangaben eine Beschreibung der geplanten Tätigkeiten und Angaben zur "verantwortlichen" Person zu

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ein Fernsehgerät existiert oder nicht, verpflichtet, sich anzumelden und eine Fernsehgebühr zu zahlen. Besuch vom Finanzamt In der letzten Zeit prüfen Finanzbehörden vermehrt, ob es sich bei den "Firmenadressen" tatsächlich um Betriebstätten, oder nur um "Briefkastenfirmen" handelt. Geprüft werden dabei die Kennzeichnung der Betriebsstätte und die Ausstattung. Sollte die Finanzbehörde überzeugt sein, dass es sich bei "Büroadresse" nur um eine "Briefkastenfirma" handelt, so droht die Aberkennung der Steuerregistrierung und damit z.B. Wegfall der Möglichkeit zum Vorsteuerabzug bei der Mehrwertsteuer.


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Medien- und Krisenkommunikation für ausländische Firmen in der Slowakei Wie entsteht eine Mediennachricht? Was zieht die Journalisten an? Was verkaufen die Medien?, Emotionen als Hauptziel der Medien. Was brauchen Medien? Die Slowakisch-Österreichische Handelskammer und die NPZ organisierten gemeinsam mit Ecopress / Hospodárske

noviny ein Arbeitsfrühstück, das Antworten auf brennende Fragen suchte: Wie kann sich eine Firma auch mit geringem

Werbebudget gut in den Medien vermarkten? Und warum sind Firmen und Journalisten in manchen Fällen miteinan-

der unzufrieden und warum funktioniert in anderen Fällen die Zusammenarbeit hervorragend?

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AußenwirtschaftsCenter Bratislava: Wirtschaftsmission Automotive Industrie in der Slowakei Chancen für österreichische Zulieferbetriebe 19. – 20. November 2013 | Bratislava, Slowakei

Mehr als 38 österreichische Firmenvertreter aus 28 Unternehmen nutzten die Chance, in dem wichtigsten Wirtschaftszweig der slowakischen Industrie modernste Produktionsstätten und Zulieferbetriebe zu besichtigen. Die Automobilindustrie ist das Rückgrat der slowakischen Wirtschaft. Die drei Produzenten in der Slowakei, Volkswagen, KIA und PSA (Peugeot-Citroën), produzierten vergangenes Jahr 930.000 PKW! Mit einem Wert von 171 PKW pro 1.000 Einwohner ist die Slowakei damit weltweit an erster Stelle.

Die Automobilindustrie generierte in den letzten Jahren ein Viertel des Bruttoinlandsproduktes und ein Drittel aller Exporte. 74.000 Arbeitsplätze werden durch diesen Industriezweig erhalten, der gerade österreichischen Zulieferbetrieben großes Potential bietet. Um den österreichischen Mitgliedsunternehmen den Eintritt in den slowakischen Markt zu erleichtern, stand daher der persönliche Kontakt zu Einkaufsverantwortlichen an oberster Stelle. Daneben wurden Fachvorträge und ein gesamter Tag ausschließlich für persönliche b2b-Gesprächstermine mit Unternehmen aus der CEE-Region organisiert. Der erste Tag der Wirtschaftsmission begann mit der Besichtigung des größten OEM-Werks und mit 9.400 Mitarbeitern einem der größten slowakischen Arbeitgeber, Volkswagen Slovakia. Die Firmen konnten mit Frau Andrea Landsmann, Einkaufsverantwortliche für Volkswagen Slovakia, Gespräche führen und erfahren, welche Bedingungen erfüllt werden müssen um Zulieferbetrieb für VW zu werden. Das Werk produziert als

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einziges der unternehmensweit über 100 Standorte PKW für fünf der zehn Automobilmarken des Volkswagenkonzerns. Die Jahresproduktion beläuft sich auf 420.000 PKW, Tendenz steigend. Es folgten persönliche Besichtigungen bei zwei erfolgreichen Tier-1 Zulieferbetrieben: Tower Automotives in Malacky, Produzent von Stahlstanzteilen, und Inteva in Lozorno, mit 1,2 Millionen Stück jährlich, weltgrößter Schiebedachproduzent. Das Abendprogramm wurde durch ein gemeinsames Abendessen der Teilnehmer der Wirt-

schaftsmission abgerundet. Nach offizieller Eröffnung und einführendem Vortrag durch den Wirtschaftsdelegierten Mag. Patrick Sagmeister und Begrüßung durch den österreichischen Botschafter Dr.  Markus Wuketich folgte der Fachinformationsteil des Abends. Vorträge von Jens Hörning, Partner bei PwC und Experte für die Automotiveindustrie in Zentral- und Osteuropa, und Jaroslav Holeček, Präsident der Assoziation der Automobilproduzenten (ZAP), gaben den Teilnehmern idealen Einblick in den Industriezweig über die Grenzen der Slowakei

hinaus. Der zweite Tag der Wirtschaftsmission wurde auf der 7. Slowakischen Matchmaking Fair, organisiert durch die slowakische Organisation SARIO in Kooperation mit dem AußenwirtschaftsCenter Bratislava, für b2b-Gespräche genutzt. Die Eröffnung erfolgte durch Premierminister Dr.  Robert Fico. Die 380 Teilnehmer und Firmenvertreter von 270 (!) Unternehmen aus 17 Ländern nutzten das Forum für hunderte offizielle Gesprächstermine. Die österreichischen Teilnehmer der Wirtschaftsmission konnten den Rahmen zum idealen Networking nutzen.

Gruppenbild mit Dame: Besuch bei Volkswagen – in der Mitte Andrea Landsmann, Einkaufsverantwortung Volkswagen Slowakei und der Wirtschaftsdelegierte Mag. Patrick Sagmeister, (Foto: Viktor Sedlár, Volkswagen Slovakia)

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Slowakischer Konjunkturmotor gewinnt an Fahrt Die Slowakei gehört weiterhin zu den wachstumsstärksten Volkswirtschaften der Eurozone. Aufgrund einer lahmenden Binnennachfrage geriet der Konjunkturmotor dieses Jahr zwar etwas ins Stocken, doch die Aussichten für 2014 stimmen positiv. Die Industrie hat bereits Fahrtwind aufgenommen und auch der private Konsum sowie die Investitionstätigkeit dürften im nächsten Jahr ihre gegenwärtige Durststrecke überwinden. Das Bruttoinlandsprodukt soll Analysten zufolge um mehr als zwei Prozent zunehmen. Von Markus Halt, Deutsch-Slowakische Industrie- und Handelskammer

Das Wirtschaftswachstum in der Slowakei wird seit mehreren Jahren schon ausschließlich vom Export getrieben. In den ersten neun Monaten 2013 legten die Ausfuhren einmal mehr um 3,2 Prozent zu. Bei gleichzeitig schwächer steigenden Importen schwoll der Außenhandelsüberschuss in diesem Zeitraum auf knapp vier Mrd. Euro an – ein neuer Rekordwert. 2014 wird die Exportdynamik im Zuge der anhaltenden wirtschaftlichen Erholung in den wichtigsten Zielmärkten weiter an Fahrt gewinnen. Die Zuwachsrate dürfte dann bei über fünf Prozent liegen. Doch im Gegensatz zu den vorangegangenen Jahren soll sich 2014 endlich auch die Binnenkonjunktur beleben. Der private Konsum war in den Vorjahren aufgrund fallender Reallöhne und steigender Arbeitslosigkeit gesunken. Seit Jahresbeginn ist jedoch die Inflation kontinuierlich zurückgegangen, was die Arbeitnehmer stärker von ihren Lohnerhöhungen profitieren lässt. Entsprechend dürften die Konsumausgaben zunehmen, deren für 2014 erwartetes Wachstum von rund einem Prozent das höchste seit 2008 wäre.

Angespannt bleibt dagegen die Lage auf dem Arbeitsmarkt. Auch 2014 dürfte die Arbeitslosenquote kaum merklich unter 14 Prozent fallen. Besorgnis erregend fällt vor allem die hohe Jugendarbeitslosigkeit aus, die zuletzt bei über 32 Prozent lag. Dies ist besonders dramatisch vor dem Hintergrund, dass bei vielen Unternehmen durchaus Nachfrage nach Fachkräften besteht, die jedoch nicht vollständig über den Arbeitsmarkt gedeckt werden kann. Das Problem liegt im Bildungssystem begründet, das junge Menschen zu häufig abseits der praktischen Bedürfnisse des Arbeitsmarktes ausbildet.

Im Oktober 2013 kletterte der wirtschaftliche Vertrauensindex (ESI) auf ein Jahreshoch. Der Wert liegt damit zwar immer noch unter dem langjährigen Durchschnitt, aber es zeigt, dass die Manager wieder etwas optimistischer in die Zukunft blicken. Vor allem die Industrie bewegt sich gestärkt in Richtung Jahreswechsel. Bereits im August hatte das Verarbeitende Gewerbe seine Produktion merklich steigern können, nur um im September mit einem Wachstum von 7,5 Prozent alle Analystenerwartungen zu übertreffen. Erfreulicherweise lässt sich diese Zunahme

nicht nur allein auf die Automobilindustrie zurückzuführen, auch die chemische, elektrotechnische oder Metallindustrie befinden sich gegenwärtig auf starkem Expansionskurs. Dies dürfte mit positiven Folgen für die die Investitionsaktivität der Unternehmen verbunden sein. Nach einem signifikanten Rückgang im vergangenen und in diesem Jahr dürften die verbesserten Erwartungen die meisten Firmen 2014 wieder zu mehr Investitionen animieren. Die Ausgaben in Maschinen und Anlagen sollten .um zwei bis drei Prozent anziehen.

Tabelle: Prognose ausgewählter Wirtschaftsindikatoren

Indikator BIP (Wachstum, real) Privater Konsum (Wachstum, real) Staatskonsum (Wachstum, real) Anlageinvestitionen (Wachstum, real) Exporte (Wachstum, real) Importe (Wachstum, real) Beschäftigungsquote (Zunahme; LFS) Arbeitslosenquote (LFS) Bruttolöhne (Wachstum, nominal) Bruttolöhne (Wachstum, real) Inflationsrate (HICP)

2011 3,0% -0,5% -4,3% 14,2% 17,6% 17,4% 1,5% 13,5% 2,2% -1,6% 3,9%

2012 1,8% -0,2% -1,1% -10,5% 9,4% 5,1% -0,1% 13,9% 2,4% -1,2% 3,6%

2013 0,9% 0,5% -0,6% -3,8% 4,3% 1,9% -0,5% 14,3% 2,8% 1,1% 1,7%

2014 2,4% 1,0% 0,2% 2,3% 5,3% 4,4% 0,3% 14,0% 3,1% 1,2% 1,8%

Quelle: Statistikamt SR, Slowakische Nationalbank, Finanzministerium SR, 2013

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20 Jahre Österreichisch– Slowakische Gesellschaft Wie die Slowakische Republik und deren diplomatische Beziehungen zum Nachbarland Österreich feiert auch die Österreichisch – Slowakische Gesellschaft heuer ihr 20-jähriges Bestandsjubiläum. Sie entstand am 7. Juli 1993 durch eine Namens- und Statutenänderung der (1928 gegründeten) Österreichisch – Tschechoslowakischen Gesellschaft, während die Österreichisch – Tschechische Gesellschaft neu gegründet wurde. Von Maximilian Pammer Der Autor war Botschafter Österreichs in der Slowakei und ist geschäftsführender Vizepräsident der ÖSG

Von Anfang an zählte es zu den wichtigsten Zielen der ÖSG, die jahrzehntelang durch eine fast hermetische Grenze voneinander getrennt gewesenen Menschen in Österreich und der Slowakei einander wieder näher zu bringen. Ein im September 1994 von der Gesellschaft organisiertes Volksfest in Devin (Theben) mit über 8000 Teilnehmern und populären Künstlern aus beiden Ländern war der spektakulärste und breitenwirksamste Ausdruck dieser Bemühungen. Im Rahmen dieses Festes fand auch das erste Treffen der Bürgermeister der Marchgemeinden statt, das die Initialzündung zu regelmäßigen weiteren Treffen auf dieser Ebene darstellte. Zu einer Zeit, als im Westen noch weit verbreitete Zweifel an der wirtschaftlichen Lebensfähigkeit der Slowakei verbreitet waren und die Slowakei das Ziel eines Beitritts zur Europäischen Union zu verfolgen begann, erschien es der Österreichisch – Slowakischen Gesellschaft besonders wichtig, dem jungen Nachbarstaat wirtschaftliches Know-how und österreichische Erfahrungen zur Verfügung zu stellen und den Dialog mit verantwortlichen Repräsentanten des Nachbarlandes systematisch zu fördern. Zu diesem Zweck wurde 1994 unter der Patenschaft der ÖSG ein „Österreichisch–Slowakisches

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Wirtschaftsforum“ gegründet, das prominente Repräsentanten beider Länder zu periodischen Veranstaltungen zusammenführte und lange vor den späteren, europaweit gewürdigten Reformen der Slowakei ein Zeichen des Vertrauens in die wirtschaftliche Tüchtigkeit und Zukunft unseres Nachbarlandes darstellte. Zu den Vortragenden bei diesen Forumsgesprächen zählten österreichischerseits u.a. der spätere Bundeskanzler Viktor Klima, Bundesminister Farnleitner und Vizekanzler a.D. Hannes Androsch, von slowakischer Seite Staatspräsident Michal Kováč sowie die Minister Ľudovít Černák, Alexander Rezeš, Ivan Mikloš und Brigitta Schmögnerová. Die lange Kontaktunterbrechung zwischen unseren Nachbarländern hatte auch zur Folge, dass zwar viele Slowaken Deutsch sprechen oder (aus der Zeit, als der ORF das Fenster zum Westen war) zumindest verstehen, aber nur relativ wenige Österreicher Slowakisch können. Die ÖSG hielt es für eine wichtige Aufgabe, diesem Mangel entgegenzuwirken, setzte sich für den Slowakisch-Unterricht an Schulen besonders in der Grenzregion ein und unterstützte die Herausgabe des SlowakischLehrbuchs für Kinder „Zlatá Brana“ durch das ÖSG-Vorstandsmitglied Dagmar Ehm.

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Die ÖSG begrüßte die Ermöglichung des Besuchs österreichischer Schulen durch slowakische Kinder und förderte ihrerseits grenzüberschreitende Kontakte zwischen Schulen, Lehrern und Schülern. So kam es auf Einladung der Gesellschaft im Juni 1999 zum Besuch einer Maturaklasse des Vazovová-Gymnasiums aus Bratislava in Wien und zu Diskussionen mit österreichischen Schülern. Auch Besuche von Kindern und Begegnungen zwischen diesen aus beiden Ländern wurden von der Österreichisch – Slowakischen Gesellschaft und ihren Exponenten immer wieder gefördert. Der Beitritt der Slowakei zur Europäischen Union am 1. Mai 2004 stellte auch das Verhältnis zu Österreich auf eine neue Grundlage und hatte eine weitere Dynamisierung der Wirtschaftsbeziehungen zur Folge, die durch die Einführung des Euro noch verstärkt wurde. Aufgrund der Nähe der Hauptstädte Österreichs und der Slowakei zeichnete sich bald ab, dass hier eine der zukunftsträchtigsten Großregionen Europas im Entstehen ist. Umso dringender war der Ausbau der grenzüberschreitenden Infrastruktur, darunter insbesondere die 2007 erfolgte Fertigstellung der Autobahnverbindung zwischen Wien und Bratislava. Noch wichtiger war Ende


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2007 die Aufhebung der Grenzkontrollen aufgrund des Beitritts der Slowakei zum Schengen-Abkommen. Allerdings zeigte es sich, dass die physisch weggefallene Grenze nicht von heute auf morgen auch aus den Köpfen der Menschen verschwunden war und es weiterhin große Defizite in der gegenseitigen Kenntnis voneinander gab. Die Österreichisch – Slowakische Gesellschaft sieht es daher weiterhin als eine wichtige Aufgabe an, unter ihren österreichischen Landsleuten die Slowakei, deren Menschen und deren vielfältige Leistungen noch besser bekannt zu machen. Mittel dazu sind regelmäßige Fahrten nach Bratislava, jährlich stattfindende mehrtägige Reisen in alle Regionen der Slowakei sowie die Einladung prominenter Vertreter des Nachbarlandes. Der starke Zuspruch, den die Slowakeibesuche finden, und die große Zahl von Zuhörern bei Auftritten slowakischer Repräsentanten in Österreich zeigen, dass sich das Engagement der ÖSG lohnt.

Szenen von den beliebten SlowakeiReisen - Fotos: OeSG

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KULTUR

Veranstaltungen: Tipps & Termine Von Katarína Kironská

Ausstellungen Advent in Incheba 4.12.-22.12., Bratislava - Incheba Der Weihnachtsmarkt in der Expoarena Incheba - Geschenke für die ganze Familie! Weihnachten bedeutet für die meisten Menschen eine in Behaglichkeit verbrachte Zeit im Kreis der Nächsten, aber auch Stress und Hausarbeit, um alles schön vorzubereiten und Geschenke zu besorgen. Diejenigen, die nicht mehr als einen Tag mit der Vorbereitung verbringen möchten, sind in der Expoarena richtig! Denn da gibt es Geschenke für alle und Dekorationen unter einem Dach. Information: www.incheba.sk Silvia Brezianská: Die tönerne Oase Svätý Jur 16.11.2013 – 31.1.2014, Svätý Jur – Das Literar- und Landeskundemuseum Eine weihnachtliche Ausstellung der bekannten Keramikerin Silvia Brezianska. Information: www.ainova.sk/sk/kalendarpodujati-v-meste-svaty-jur/ http://www.muzeumpezinok.sk/de/fotogaleria. php?type=f&id=1747&r=3

Weihnachtsausstellung 4.12., 18:30, Slowakisches Institut in Wien Stilvolles Ambiente mit angenehmer Weihnachtsmusik und einer Vielzahl von verschiedenen Weihnachtsdekorationen der Genossenschaft Okrasa (Čadca, SK). Nach der Ausstellung sind die Besucher zu einem Weihnachtsempfang mit traditioneller Krautsuppe eingeladen. Weitere Veranstaltungen des Slowakischen Instituts in Wien: https://www.facebook.com/SlowakischesInstitutInWien Freizeit und Sport Silvesterspaziergang, Devínska Kobyla 31.12, Devínska Nová Ves - Devínska Kobyla Eine 3-stündige Exkursion, während der man bisher unbekannte Werte des Nationalparks Devinska Kobyla entdeckt, sowie auch die interessanten Bewohner des Gebietes und so auch seine einzigartige Geschichte kennen lernt. Information: www.tikdnv.sk

Einen ausführlichen und regelmäßig aktualisierten Veranstaltungskalender finden Sie auf unserer Homepage:

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Silvesterlauf über die Brücken von Bratislava 31.12., Bratislava Eine Laufveranstaltung für alle, die sich auch nicht einmal die Neujahrsfeier ohne Sport vorstellen können. Information: www.starz.sk http://www.runinternational.eu/2014-calendar/february/1704-bratislava-winter-tour-2014

Musik Andrea Bocelli 29.12., 19:00, Ondrej-Nepela-Stadion (Slovnaft Arena) Der weltberühmte Tenor Andrea Bocelli tritt Ende Dezember zum allerersten Mal in Bratislava auf. Eine Weihnachtsveranstaltung mit der Stimme eines der besten Sänger aller Zeiten. Information: www.ticketportal.sk/performance.aspx?idp=700289 Weihnachtskonzert 13.12., 19:00, Slowakisches Institut in Wien Weihnachtskonzert mit der A-capella Band „Fragile“. Eine originelle Weihnachtsperformance eines hervorragenden slowakischen Vokalensembles ohne Instrumentalbegleitung. Weitere Veranstaltungen des Slowakischen Instituts in Wien: https://www.facebook.com/SlowakischesInstitutInWien Cigánski diabli & Totti Ovidiu 15.12., 19:00, Konzertstudio des Slowakischen Rundfunks Ein internationales Tanz-Musik-Programm, dessen Grundlage die Einheit der Musiker und Tänzer bildet. Alle Konzertlieder entstanden speziell für diese Konzertaufführung. Information: gypsydevils.com/celoslovenske-turne-ciganski-diabli-totti-ovidiu http://gypsydevils.com/atelier

3 Ase 22.1.2014, 19:00, Teatro Wüstenrot Ein einzigartiges Konzert, eine einzigartige Besetzung, eine einzigartige Atmosphäre! Sisa Sklovska (Gesang), Felix Slováček (Saxophon), Richard Rikkon (Klavier), drei Ase, die zusammen im Konzert das Beste aus ihrem reichen Musikrepertoire zeigen. Information: www.gedur.sk/program-divadla/5 http://www.gedur.sk/program-divadla/5

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KULTUR

Glenn Miller Orchestra 2014 9.1.2014, 20:00, Istropolis http://www.ticketportal.sk/ event.aspx?ID=14899 Das Glenn Miller Orchestra kommt nach zwanzig Jahren wieder zurück nach Bratislava! Das berühmte Orchester stellt sein neuestes Programm „The Best of Glenn Miller Orchestra“ vor. Information: www.ticketportal.sk/event.aspx?ID=14899 Ballett Moscow City Ballet 2.12., Bratislava – Incheba Das Moscow City Ballet gründete 1988 der russische Choreograf Viktor Smirnov-Golovanov. In seinem Werk knüpft er an die weltberühmte klassische russische Ballettschule an, allerdings bietet seine Vorstellung ein viel stärkeres und emotionaleres Tanzerlebnis. Die Künstler des meistgereisten Balletts der Welt tanzen wahre Geschichten voller Gefühl, Energie und Leidenschaft. Information: www.incheba.sk http://www.incheba.sk/vystavy/moscow-city-ballet.html?page_id=7433

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Oper und Operette Operkonzert: Thomas Hampson und Luca Pisaroni 4.12., 19:30, Slowakisches Nationaltheater Die Grundlage des Opernkonzertes bilden die starken und emotionalen Baritonduos: der gute und der schlechte Mann, Liebesrivalen, Der Hochgestellte und sein Diener, Vater und Sohn. Thomas Hampson und Luca Pisaroni stellen sich in einem einzigartigen Programm aus Opernarien von J. W. Mozart, Ch. Gounod, J. Massenet, G. Rossini, V. Bellini, G Verdi u. a., vor. Information: www.snd.sk/?cinohra&predstavenie=05_ koncert&termin=6325. Weitere Veranstaltungen des Slowakischen Nationaltheaters: www.snd.sk http://www.snd.sk/?cinohra&predstavenie=05_koncert&termin=6325

Giacomo Puccini: Boheme Oper in vier Akten in italienischer Sprache. Premiere: 31.1.2014, Bratislava – Slowakisches Nationaltheater Eine romantische Geschichte über eine Liebe entsprungen in bohemischer Umgebung der Stadt der Verliebten, in Paris. Die Geschichte einer wunderschön erträumten Welt, die doch am Ende auf die Realität trifft, begleitet von sanfter Musik, erobert die Herzen und läst die Zeit stillstehen. Die erträumte Liebe ist so wie jede in Dramen vorkommende Liebe auch bei Puccini eine Liebe über den Tod hinaus. Information: www.snd.sk

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KULTUR

Weihnachts- und SilvesterVeranstaltungen Kultur Traditionaler Weihnachtsmarkt in Pezinok 13. – 15.12., Pezinok Verkauf traditioneller Weihnachtsprodukte und Volkskunsthandwerk umrahmt von einem reichen Kulturprogramm und einem Wohltätigkeitsbasar im Zentrum der Stadt Pezinok. Information: www.pezinok.sk http://www.pezinok.sk/?yggid=395

Landkreis-Weihnachten in Stupava 14.12., Stupava Eine kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltung im Rahmen des Projektes „Landkreisherbst“ (Župná jeseň). Die Hauptidee hinter der Veranstaltung ist die Wiederherstellung der Tradition einer gemeinsamen Adventszeit in einer traditionellen ländlichen Umgebung. Information: www.stupava.sk http://www.region-bsk.sk/clanok/zupne-vianoce-ukoncili-zupnu-jesen-693864.aspx

Advent in Malacky – Weihnachtsmarkt mit Musikprogramm Dezember 2013- Januar 2014, Malacky Die beliebte jährliche Adventveranstaltung bringt in den städtischen Schlosspark Tradition, Weihnachtsklänge und sogar den Nikolaus! Information: www.malacky.sk http://www.malacky.sk/index.php?page=navstevnik&menuid=318

Weihnachtsmarkt in Bratislava November-Dezember, Bratislava - Innenstadt Einen Monat vor Weihnachten erleuchtet am Hauptplatz in der Altstadt von Bratislava der städtische Weihnachtsbaum. Die einzigartige Atmosphäre des Weihnachtsmarkts zieht jeden Tag Tausende von Besuchern an, die sich bei Glühwein oder Weihnachtsgebäck treffen. Neben verschiedenen Imbissbuden findet man hier auch Stände mit Souvenirs oder kleinen Weihnachtsgeschenken. Den echten Weihnachtszauber krönen die klangvolle Musik und viele kulturelle Darbietungen. Information: www.bkis.sk, www.vianocnetrhy.sk http://www.vianocnetrhy.sk/vismo/galerie2.asp?id_org=600186&id_galerie=1022&p1=1008

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Weihnachtsdorf Schloss Hof 7.12. – 8.12., 14.12. – 15.12., 21.12. – 22.12., Schloss Hof Besinnliche Adventstimmung, ein weihnachtlich beleuchtetes Schloss und rund 100 Marktstände im Arkaden- und Meierhof erwarten die Besucher des Weihnachtsmarkts in Schloss Hof. Festliche Konzerte, weihnachtliche Schlossführungen und ein vielfältiges Kinderprogramm verkürzen die Wartezeit auf das Christkind. Information: www.schlosshof.at http://www.google.de/imgres?client=firefox-a&hs=V6r&sa=X&rls=org.mozilla:sk:official&biw=1024& bih=497&tbm=isch&tbnid=cYSE4AGENTTA1M:&imgrefurl=http://www.weihnachtsdorf.at/servicenav/ presse/pressefotos-schloss-hof/&docid=5s9LDwAM8sZeCM&imgurl=http://www.weihnachtsdorf.at/ fileadmin/user_upload/weihnachtsdorf/Schloss_Hof/Pressefotos/sh_14.jpg&w=2362&h=1588&ei=uh FgUu6TOIiatQbLsoDQCQ&zoom=1&iact=hc&vpx=4&vpy=81&dur=288&hovh=184&hovw=274&tx= 122&ty=90&page=1&tbnh=147&tbnw=219&start=0&ndsp=13&ved=1t:429,r:8,s:0,i:106

Silvester 2014 31.12.2013 - 1.1.2014, Bratislava - Zentrum Ein reiches Kulturprogramm und eine Feier zum fröhlichen Ausklang des Jahres 2013 und zur Begrüßung des neuen Jahres 2014 im Zentrum der Hauptstadt. Information: www.festivaly.sk, www. bkis.sk, www.bratislava.sk Megasilvester 2013 – Der größte Tanzsilvester 2013 in der Hauptstadt! 31.12., 21:00, Bratislava – Incheba Schon alleine der Name der Veranstaltung ist vielsagend, denn dies wird keine typische Feier des Neuen Jahres. Der Megasilvester bringt qualitativ hochwertige Unterhaltung, ein reichhaltiges Programm und präsentiert damit stolz die ganze kulturelle Reife der Hauptstadt der Slowakei. Um Musik und Spaß kümmern sich mehr als 20 berühmte Künstler in vollen 9 Stunden Party auf zwei verschiedenen Bühnen. Das Programm beginnt um 21:00 Uhr. Information: www.megasilvester.sk, www.incheba.sa http://www.incheba.sk/vystavy/mega-silvester.html?page_id=7526

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KULTUR

Kulturhauptstadt Košice zwischen Zukunftshoffnung und vertaner Chance Die slowakische Stadt Košice (Kaschau) und ihr Umland an der östlichen Außengrenze der Europäischen Union sind durch den Titel Kulturhauptstadt Europas 2013 bekannter geworden. Aber viel weniger als erhofft, bemängeln Kritiker. Text: Christoph Thanei, Fotos: Projekt Kulturhauptstadt Košice

Die legendären „15 Minuten Ruhm“, die der Pop-Art-Künstler Andy Warhol in einem berühmt gewordenen Zitat allen als Chance zugesteht, hat Košice (Kaschau) ohne Zweifel genossen. Die Tatsache zu nützen, dass Warhols Eltern aus der ostslowakischen Region stammen, gehörte von Anfang an zum Konzept der auch innerhalb der Slowakei stets im Schatten der Hauptstadt Bratislava stehenden Kulturhauptstadt Europas 2013. Doch Wirtschaftstreibende aus den deutschsprachigen Ländern zeigen sich unzufrieden: „Viel zu bescheiden“, wertet etwa Guido Glania, der Geschäftsführer der DeutschSlowakischen Industrie- und Handelskammer die Anstrengungen: „Das ist eine große vertane Chance, die nicht so schnell wieder kommt. Wenn man schaut, was andere Länder, die auch nicht viel Geld haben - ich nehme das Beispiel Hermannstadt in Rumänien - alles getan haben, um ihre Stadt für dieses Kulturhauptstadtjahr herauszuputzen und Werbung

zu machen, dann ist enttäuschend, wie wenig in der Slowakei gemacht wurde.“ Und der in Košice tätige österreichische Unternehmer Richard Teichmann weist darauf hin, dass die Flugverbindungen zwischen Košice und europäischen Hauptstädten in diesem Jahr nicht mehr, sondern sogar weniger geworden seien: „Das beklagen zum Beispiel die großen deutschen Firmen, von denen 80 bis 100 Manager regelmäßig jede Woche nach Košice anreisen“, sagt er. Die Organisatoren von Košice 2013 geben sich trotz aller Kritik optimistisch: Die Abschlusszeremonie nennen sie zuversichtlich „Ein kleiner Schlusspunkt nach einem großen Anfang“. Denn die Zeremonie sei nicht wirklich ein Ende, sondern „der Beginn von etwas, das erst kommt“. Denn schließlich habe man in der Konzeption von Anfang an nicht auf kurzfristige Aufmerksamkeit, sondern auf Nachhaltigkeit gesetzt. Mit wenig Geld habe man etwa im Projekt „Spots“ über die ganze Stadt verstreute, stillgelegte Fernwärme-Verteilerstationen in lokale Kulturzentren für die einzelnen Stadtviertel umgewandelt.

Zu den nachhaltigsten Projekten gehört auch ein aus deutschen Bundesmitteln gefördertes, die Digitale Stadtbibliothek Kaschau/ Košice. Der Münchner Verein „Digitales Forum Mittel und Osteuropa“ verfolgt das Ziel, historische Druckwerke multiethnischer Kulturlandschaften zu digitalisieren und über das Internet erreichbar zu machen. Košice sei dafür prototypisch, erklärt Projektleiter Jan Schrastetter. Entsprechend habe man versucht, die über Jahrhunderte von Slowaken, Deutschen, Ungarn, Juden und weiteren Gruppen geprägte Geschichte der Stadt über die Präsentation digitaler historischer und verschiedensprachiger Originalquellen erfahrbar zu machen. Eine ganze Reihe von internationalen Projekten ermöglichten Förderer aus dem Nachbarland Österreich. Stolz ist die Leiterin des Österreichischen Kulturforums in der Slowakei, Brigitte Trinkl, etwa auf die begehbare Installation „Tape“ eines kroatisch-österreichischen Trios namens Numen for Use oder den mobilen Kunstpavillon „White Noise“ in Gestalt eines riesigen, stacheligen Igels mitten in der Stadt.

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Slowakische WeihnachtsSpezialitäten und -Traditionen Weihnachtsstimmung bringen schon Ende November die Weihnachtsmärkte. Die Tradition in Bratislava ist zwar relativ jung, der Weihnachtsmarkt in der Altstadt etablierte sich jedoch zum beliebten Treffpunkt für die Bratislavaer. Und man findet dort auch viel von jenen Weihnachtsspezialitäten, die in den slowakischen Familien typisch sind. Text und Fotos: Slávka Dzureková

Traditionell werden schon bis zu 6 Wochen vor Weihnachten Honiglebkuchen gebacken, denn sie brauchen ein paar Wochen um weich zu werden. Die wichtigsten Zutaten sind neben Mehl und Eiern Honig und Gewürze. Die Rezepte variieren in den einzelnen Familien, und jede Hausfrau schwört auf ihr eigenes Rezept.

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Es gibt auch Förmchen zum Ausschneiden, die in der Familie weiter vererbt werden. Die Kinder helfen meist tüchtig beim Teig Ausrollen und Ausschneiden. Die gebackenen Lebkuchen werden noch verziert. Dazu wird weiße Masse aus Eiweiß und Staubzucker im Beutel mit ganz fein angeschnittener Ecke verwendet. Die ferti-

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gen, gut getrockneten Lebkuchen können gegessen werden und die besonders gelungenen kommen auf den Weihnachtsbaum. Neben Lebkuchen haben auch andere Arten von Weihnachtsgebäck Tradition. Insbesondere am Land wurden und werden zum Teil bis heute bis zu zehn ver-


freizeit

schiedene Sorten von Keksen, Kränzchen und Kipferln gebacken. Zu den am meisten verbreiteten zählen Vanillekipferl, Zimtstangen und Mandel- oder Nussplätzchen, Linzerschnitten verschiedenster Arten. Gebacken wird oft nach Omas handgeschriebenen, beim Backen schon längst eingefetteten Zetteln. Typische Zutaten sind Nüsse, Mandeln, Mohn, Marmelade, aber auch Kokos, Zimt, Ingwer und Vanille. Mit dem näher kommenden Weihnachtstag kamen außer Kleingebäck auch andere Kuchen und Torten dran. Besonders beliebt sind bis heute mit Mohn oder Nuss gefüllte Kuchen aus dünnem Hefeteig gerollt, die man, je nach Füllung, „makovník und orechovník“ nennt. Im alten Pressburg zählten auch die Mohn- und Nuss-Kipferl, die man “Beugli“ nannte zur obligatorischen weihnachtlichen Hauskonditorei. Am Heiligen Abend wird in den katholischen Familien bis zum Abend gefastet. Je nach Glaubensstrenge wurde nur sehr wenig und vegetarisch gegessen, oder auch gar nicht. Zum Frühstück stand Striezel (auf Slowakisch „vianočka“ - Weihnachtszopf) auf der Speisekarte und zu Mittag nur einfache Gemüsesuppe. Den Kindern hat man, um das Fasten etwas angenehmer zu gestalten, versprochen, dass sie am

Slowakische Weihnachtsbräuche • Die Schuppen vom Karpfen wurden unter den flachen Teller gelegt und sie sollten das ganze Jahr über in der Geldbörse mitgetragen werden, damit sie nie leer wird. • Damit man gesund bleibt, schneiden alle Familienmitglieder nacheinander einen Apfel quer in zwei Hälften. Wenn der Stern vom Kerngehäuse schön und deutlich wird, braucht sich der Schneidende über seine Gesundheit keine Sorgen zu machen. • Viele Linsen in der Suppe bedeuteten viel Geld im Haus. • Vom Festtisch darf man sich nicht entfernen, der Schuldner riskiert den baldigen Tod.

Der Weihnachtsmarkt in der Altstadt von Bratislava macht auch Familientraditionen öffentlich.

Abend goldene Schweinchen, Pferdchen oder Balken sehen. Für die Protestanten waren die Sitten lockerer und dem Fleischverzehr stand nichts im Wege. Am Heiligen Abend traf die ganze Familie am festlichen Weihnachtstisch zusammen. Für Familienmitglieder, die nicht zu Hause sein konnten, oder die im Laufe des Jahres gestorben waren, wurde der

Tisch mitgedeckt. In manchen Regionen wurde am Tisch der Platz für eine Person mehr vorbereitet, und zwar für den Fall, dass noch jemand, wenn auch ein völlig Fremder, kommt. Am Heiligen Abend durfte man nämlich niemanden „abservieren“. Das Essen begann mit einer kurzen Ansprache. In manchen Regionen fiel diese Aufgabe dem ältesten Familienmitglied

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Lebkuchen-Rezept „von Sonja“: 1 kg glattes Mehl • 350 g Staubzucker • 100 ml Rum • 400 g flüssiger Honig • 2 Teelöffel gemahlener Zimt • 1 Teelöffel zerkleinerte Nelken • 1 Teelöffel zerkleinerter Anis • ½ Teelöffel Soda • geriebene Haut von 1/2 Bio-Zitrone • 3 Eier Alle Zutaten einfach zusammenmischen und 3 Tage lang an einem kühlen Ort ruhen lassen. Teig in Stücke schneiden und auf eine Dicke von 4 mm ausrollen. Dann nach belieben Keksstücke mit Förmchen ausschneiden und auf ein gefettetes Backblech legen. Zwischen den einzelnen Stücken Platz lassen. Mit gerührtem Eigelb bestreichen und im vorgeheizten Ofen backen. Gut ausgekühlte Lebkuchen können mit Eiweißguss verziert werden. Dazu 1 Eiweiß mit 80 – 100 g gut durchgesiebten Staubzucker gut vermischen und in einen Beutel mit abgeschnittener Ecke füllen.

zu, in anderen dem Vater oder der Mutter. Man bedankte sich dafür, gemeinsam sein zu können, und wünschte sich, im nächsten Jahr auch wieder gesund zusammen kommen zu können. Erst nach dem gemeinsamen Gebet ging es ans Essen. Der Tisch sollte reichlich gedeckt werden, damit es der Familie im kommenden Jahr gut gehe und von allem reichlich da sei. Zum feierlich gedeckten Tisch gehörten auch Obst, Nüsse, Gebäck und Wein oder Likör. Nach dem Aperitif, üblicherweise Likör für die Damen und Wein für die Herren, wurde mit den Oblaten begonnen. Sie wurden mit Honig bestrichen, damit die Familie gesund bleibt, und mit Nüssen zu sich genommen, damit auch das Hirn bei allen gut funktioniert. In manchen Regionen isst man die Oblaten mit Knoblauch, um die bösen Geister vom Haus fernzuhalten. Danach folgte die Suppe. Die Familientraditionen variieren zwischen Linsensuppe auf süß-saure Art mit Milch oder Sauerrahm

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über die so genannte „Handvoll-Von-AllemSuppe“ (hŕstková) aus verschiedenen Hülsenfrüchten und Pilzen zubereitet, die in den südlichen Regionen typische Fischsuppe, bis hin zu der wohl typischsten für den slowakischen Weihnachtstisch: der Sauerkrautsuppe (kapustnica). Die Protestanten genießen ihre kapustnica mit Fleisch und Wurst, die Katholiken verbessern die Krautsuppe mit getrockneten Pilzen, getrockneten Pflaumen und Gewürzen je nach Familienrezept. Woher welche der Suppengvariationen kommt, ist schwer zu bestimmen, weil über familiäre Vermischungen auch die Sitten vermischt wurden. Besonders sichtbar ist das in Bratislava, wo sich Menschen aus allen Ecken der Slowakei zusammen fanden und jeweils ihre eigenen regionalen Traditionen mitbrachten. Das Hauptgericht ist im Unterschied zu den Suppen relativ einheitlich und besteht aus Fisch und Kartoffelsalat. Typisch ist immer noch der panierte gebratene

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Karpfen, doch mit der zunehmenden Vielfalt des Angebots an Fischarten wurden in den letzten Jahren auch Lachs und Forelle beliebt. Vom Panieren und Braten im Fett wird auch abgegangen und zur Anwendung kommen vielfältige Zubereitungsarten, je nach Geschmack der jeweiligen Familie. Es gibt aber auch Familien, die am Heiligen Abend Schnitzel, gebratene Ente, Gans oder Truthahn essen. Für den Kartoffelsalat gibt es unzählige Geheimtipps und es sind kaum zwei Familien zu finden, in denen man den Salat auf die selbe Art zubereitet. Insbesondere auf dem Lande, wo frische Eier zugänglich sind, wird hausgemachte Mayonnaise aus Eigelb und Öl zubereitet. Außer Kartoffeln kommen noch gegarte Karotten, Sellerie und Petersilienwurzeln sowie fein gehackte Zwiebeln und variierende andere Zutaten hinein. Wohl am üblichsten sind Essiggurken, Erbsen oder klein geschnittene Äpfel. Als Dessert wurden Buchteln mit Mohn serviert. Sie tragen in verschiedenen Regionen unterschiedliche Namen, in der Westslowakei sind das „pupáky“, „opekance“, im Osten heißen sie „bobáľky“. Es sind kleine Buchteln aus Hefeteig, gefüllt mit Marmelade und reichlich mit gezuckerten Mohn bestreut, oder auch kleine Buchteln aus alten Kipferln, eingeweicht in heißer Milch, mit Mohnstreuung. Sehr beliebt ist auch der typische Weihnachtskuchen „štedrák“, der frei übersetzt als reichlich gefüllter Kuchen bezeichnet werden könnte. Es ist ein Kuchen aus Hefeteig mit dreierlei Füllung aus Mohn, Nüssen und Topfen, oder Marmelade. Zu den Sitten gehört auch der gemeinsame obligatorische Besuch der Mitternachtsmesse, den selbst weniger streng Gläubige bis heute als einen festen Bestandteil der weihnachtlichen Tradition pflegen. Den ersten Weihnachtstag (25.12.), der als Fest der Geburt des Herrn genannt wurde, sollte nach der alten Tradition die Familie zu Hause gemeinsam verbringen. Der zweite Weihnachtstag hingegen, der Stephanstag, war der Tag der Besuche und zur Tradition praktisch in der ganzen Slowakei zählen auch Stephanstanzfeste.


freizeit

Eine Weihnachtsreise um die Welt Der Weihnachtsbasar des International Women‘s Club of Bratislava (IWCB) war wieder ein voller Erfolg. Text und Fotos: Katarína Šujanová

Genau einen Monat vor dem Weihnachtsabend, am Sonntag den 24. November, ließen sich die Besucher weder durch Regen noch durch die lange Warteschlange für die Eintrittskarten von den Leckerbissen des 23. Weihnachtsbasars abhalten. Der Basar wird jährlich von The International Women‘s Club  of Bratislava (IWCB) in der Alten Markthalle (Stará tržnica) in Bratislava organisiert und bietet Delikatessen und Traditionen aus 40 Ländern. Zum ersten Mal waren dieses Jahr Schweden, Griechenland, Kuba und Kuwait dabei.

„Uns alle verbindet nicht nur der Stolz, das eigene Land vorzustellen, sondern auch, dass der Erlös jedes Jahr einem guten Zweck zufließt,“ erklärt Lenka Peugniez, die Präsidentin des IWBC. Die Summe von 85.000 Euro vom letzten Jahr wurde zwischen mehrere gemeinnützige Organisationen wie zum Beispiel das Hospiz Plamienok oder das Seniorenheim in Ružinov, Bratislava aufgeteilt. Zur kulinarischen und künstlerischen Weltreise gehören unter anderen Käsegenuss aus der Schweiz, Origami (Kunstwerke aus gefaltetem Papier) aus Japan, Kaffee

aus Brasilien und Bretzel aus Deutschland. Alle Sinne wurden angesprochen und eingesetzt. „Mit dem Weihnachtsbasar beginnt fűr mich immer die Weihnachtszeit“, sagt Tiina Schauman aus dem finnischen Stand und bietet gleich ihren Glühwein und die traditionellen finnischen Ingwerkekse für 1 Euro an. „In einem Tag kann hier jeder um die Welt reisen und die verschiedensten Kulturen kennenlernen. Das mag ich am meisten hier. Ich freue mich schon auf das nächste Jahr“, ergänzt sie.

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Eine Geschichte wie aus dem Märchenbuch Gleich nach der Revolution ließ sie sich 1990 einen Gewerbeschein ausstellen. Bis dahin in der Chemieindustrie tätig, verpfändete sie ihr Einfamilienhaus, um mithilfe des Kredits in einer Garage die Produktion von Kunststoffverpackungen für Kosmetik zu starten. Schon nach zwei Jahren zog sie mit der Firma DM Plast in eine Fabrikhalle um und beschäftigte schließlich bis zu 170 Mitarbeiter. Heute ist Frau Dagmar Machová noch immer Unternehmerin, vor allem aber Besitzerin einer gotischen Burg mit Renaissanceschloss in Liptovský Mikuláš (deutsch Liptau-Sankt-Nikolaus), die sie als Ruine übernahm und in ein Luxushotel mit außergewöhnlicher Atmosphäre verwandelte – das Grand Castle. Text: Barbora Hrvolová, Foto: Archiv Grand Castle

Weshalb beschließt eine erfolgreiche Unternehmerin, ein zwar einzigartiges, aber völlig zerstörtes Baudenkmal zu restaurieren? Gründe, warum ich die Rettung eines nationalen Kulturdenkmals in Angriff nahm, gab es mehrere, darunter auch, dass mich die gotische Burg mit dem Herrenhaus im Renaissancestil sofort durch ihre Lage, Atmosphäre und ihren Baustil in ihren Bann zog. Der Genius Loci ergriff mich derart, dass ich bereit war, für ihn mein bisheriges Leben zu ändern.   1989, noch zu Zeiten der Revolution, entschied ich mich, etwas für die Slowakei zu tun, in der tollen begeisterten Atmosphäre damals waren alle Menschen Brüder. Da ich von Beruf ursprünglich Chemikerin bin, gründete und leitete ich ein Unternehmen, das sich mit der Herstellung von Verpackungen für Kosmetikprodukte, Dosen, Deckeln, so genannten Spritzgussteilen, befasste. Sie gedieh, wenn auch die Aufrechterhaltung des Betriebs nicht immer einfach war, denn die regelmäßige Lohnauszahlung an 40 bis 160 Mitarbeiter war eine Herausforderung. Nebenher kaufte ich 2001 die Burg mit Herrenhaus in Liptovský Hrádok, es begann eine hektische Zeit, vier Tage die Woche widmete ich mich der Fabrik und drei der

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Rekonstruktion. Als daher 2006 seitens eines britischen Konzerns ein Kaufangebot für den Betrieb einging, sagte ich nach anfänglichem Zögern zu. Obwohl sie eine rasche Übernahme versprochen hatten, trat das Gegenteil ein, und ich musste die Entscheidung als die misslungenste meines Lebens erkennen, die mir nun die schlimmsten Jahre meines Lebens bescherte. Aber wenn eine Lawine über einen hinwegfegt, gibt es keinen Weg zurück, es geht nur noch darum, nach Luft zu schnappen. Ich war an die Zusammenarbeit mit deutschen Firmen gewöhnt, wo immer alles wie am Schnürchen lief, die Briten waren etwas Neues für mich.   Der Betrieb des Hotels Grand Castle und des Restaurants hat sich inzwischen eingespielt, das Personal ist zuverlässig, dies aufzubauen war zwar nicht einfach, aber die Praxis hat das Ihrige dazu beigetragen, dass die Gäste heute zufrieden sind.   Der stärkste Beweggrund war, wenn dies auch kitschig klingen mag, das Verlangen, die gesamte Nation am Erfolg, den ich mit meinem Unternehmen erzielt hatte, teilhaben zu lassen und dabei etwas allgemein Nützliches zu schaffen. Auch wenn ich wusste, dass die seelischen und finanziellen Investitionen nie wieder in voller Höhe zurückgezahlt werden, konnte ich einfach nicht anders. Und obwohl ich

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public relations

in Bratislava geboren wurde, habe ich in Liptau tiefe Wurzeln – mein Ururgroßvater war im Komitat Sohl Lithograph. Liptau ist ein besonderes Stück Slowakei, die Winter sind streng, der Boden arm, die Leute eigen, und das alles wird vom Panorama der Hohen und Niederen Tatra eingerahmt.  Die hiesige Burg ließ um 1340 herum der Sohler Gespan Donch errichten, das Schloss erbaute eine Adelige aus dem Geschlecht der Zai, Magdalena, mit ihrem zweiten Ehemann, dem Graf Sandorfi, von 1601 bis 1603. Ihr Werk übernahm ich also nach genau 400 Jahren. Das Geschehen im Mittelalter ist an der südwestlichen Mauer der Bastei festgehalten: „Magdalena Zai conditit hos muros 1603“, die lateinische Inschrift bedeutet: „Magdalena Zai errichtete diese Mauern 1603, helft, ihr honigtragenden Bienen und arbeitsamen Ochsen.“ Die Ochsen sind offensichtlich nicht nur bildlich gemeint, in die-

sem armen Landstrich mussten sie statt der Pferde pflügen und Lasten ziehen. Der Spruch beschrieb meine Bemühungen recht treffend, wie die besagte Biene trug ich Antiquitäten zusammen, historische Stücke aus Tschechien und der Slowakei, um die leergestohlenen Räume wieder zu füllen. Und

Was waren die größten Schwierigkeiten, auf die Sie während der Rekonstruktion trafen?   Schwierigkeiten gab es viele, es kam auch vor, dass das, was ich „schmuck“ fand, für die Liptauer „hässlich” war. Deshalb liefen alle Aktivitäten unter meiner

auf der Baustelle sollten im 21. Jahrhundert die arbeitsamen Ochsen schuften. Liptau ist jedoch eine eigensinnige Region, die „arbeitsamen Ochsen“ zu finden, war nicht einfach, es gab oft mehr Trinker als Arbeiter. Aber die Schlacht einmal begonnen, musste ich durchhalten. Das Überwinden dieser Hindernisse wurde so zur Triebfeder des Wiederaufbaus.

ständigen Aufsicht. Das größte Problem war schlussendlich nicht baulich, sondern entstand wegen der italienischen Bank, die uns Probleme mit den Krediten machte. Das hat mich eine Bausaison gekostet und dazu viel Geld und Energie. Ich war ordentlich wütend, aber was uns nicht umbringt, macht uns stark.

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public relations

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thentischen, unbeschreiblich sonderbaren Atmosphäre, in der jeder Stein Jahrhunderte atmet. Bei jedem meinen Aufenthalt hier spüre ich, wie dieser Ort eine eigenartige positive Energie verströmt. Ende 2013 begannen wir mit der dritten Etappe der Rekonstruktion, in der wir auch die Rettung der gotischen Burgruine angehen, auf dem dreistöckigen Turm entsteht eine Aussichtsplattform. Der Ausblick von hier auf die Niedere und Hohe Tatra ist herrlich. Das Wichtigste werden die Rekonstruktion des verfal-

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Und der Schlussgedanke ist simpel: Jeder sollte im Rahmen seiner Möglichkeiten etwas für das Wohl der Anderen tun, uneigennützig, nur aus Überzeugung und für sein gutes Gefühl - und unsere Welt könnte ein kleines Bisschen netter und schöner sein…

 Baulich war das Vorhaben auch nicht einfach, die Immobilie war nicht an die Kanalisation angeschlossen, die mussten wir unter der Straße bis ins Nachbardorf graben. In diesen zwölf Jahren hab ich viel Gutes wie Schlechtes erlebt, das Wichtigste aber ist, dass jetzt meine Bekannten kommen und begeistert sind. Das gibt mir Energie und Lust zum Weitermachen.   Wie wird das Herrenhaus gegenwärtig genutzt, was erwartet die Gäste hier?   Ich denke, das Erste, was die neuen Gäste verblüfft, ist die „Zeitmaschine“, die sie verschlingt. Die Innen- und Außenanlagen haben wir unter Beibehaltung der historischen Elemente zu rekonstruieren versucht, natürlich mit den Annehmlichkeiten des modernen Zeitalters. Es ist wie ein Museum, aber Sie leben darin Ihre Gegenwart. Sie können sich im Wohngemach von Magdalena Zai niederlassen, aber nicht als Beobachter, sondern als Gast der Burgherrin.   Unseren Gästen stehen auch ein Restaurant und eine Bar mit internationaler Küche zur Verfügung, die Elemente der traditionellen slowakischen und südeuropäischen Kochkunst verbindet. Selbstverständlich kann das Grand Castle für verschiedenste Firmenevents genutzt werden, für Hochzeiten und Familienfeiern, alles in der au-

lenen, mit alten Schindeln gedeckten Dachstuhls, sowie dir Fertigstellung des Burgparks mit Brunnen für die Wasserpumpen zur Steigerung der Energieeffizienz.   Wie würden Sie Ihre Gefühle, Eindrücke, Lebenserfahrungen zu einer Botschaft für jene Begeisterten zusammenfassen, die ein ähnliches Projekt in Angriff nehmen möchten?  Es lässt sich sagen, dass ich eine Wiederbeleberin von Ruinen bin. Eine Ruine in Veľký Meder habe ich in eine funktionstüchtige, prosperierende Fabrik verwandelt, mit der zweiten habe ich noch zu kämpfen, sie ist zwar nicht fertig, aber das nationale Baudenkmal lebt und ist vor dem Untergang gerettet. Die Gelder für die Rekonstruktionsarbeiten flossen hauptsächlich aus privaten Quellen, aber nach drei vergeblichen Anläufen konnten wir jetzt Subventionen für die Fertigstellung des Projekts sicherstellen.


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