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das ideal von schönheit Interview: Nadine Lischick Malerei: Erin Cone

Die amerikanische Malerin Erin Cone widmet sich mit Vorliebe einem ganz bestimmten Motiv: ästhetische Frauenfiguren. Oft greift sie dabei auf das nächstliegende Modell zurück, nämlich sich selbst. Wir wollten von der Künstlerin wissen, warum sie Selbstporträts so reizen, Frauen so faszinierend sind und Schönheit sie magisch anzieht.

Adrift: Acryl auf Leinwand, 2008

Nova: Frauen scheinen dich bei deiner Malerei besonders anzuziehen... Erin Cone: Ja, damit ging es auf dem College los, als wir die Aufgabe gestellt bekamen, anhand eines Fotos ein Selbstporträt von uns anzufertigen. Für meine erste Ausstellung habe ich auch mal meinen Mann gezeichnet. Das Bild wurde auch verkauft, aber seitdem habe ich ihn nicht wieder gemalt. Ich weiß nicht warum, aber ich denke ich habe einfach mehr zu sagen, wenn ich Frauen male. Nova: Was ist so faszinierend an Frauen? Erin Cone: Mich reizen die gefühlvollen

Posen, die Anmut und Eleganz, die Frauenfiguren ausstrahlen können. Die Kunst hat sich ja immer und immer wieder dem weiblichen Körper gewidmet. Außerdem bin ich selbst eine Frau, und wir alle wissen wie es ist, in den Spiegel zu blicken. Wir alle tragen diese Idee von einem idealisierten Körper irgendwo in uns. Den will ich mit meinen Bildern darstellen.

einfacher zu finden als ich selbst. Ich habe in der Vergangenheit auch schon Modelle gebucht, aber ich komme auch deshalb immer wieder zu mir selbst zurück, weil ich meine Arbeiten nicht als Porträts betrachte, sondern es mir um diese idealisierte Darstellung der weiblichen Figur geht. Ich betrachte die Figur als etwas Abstraktes. Komposition ist mir in meinen Bildern sehr wichtig, ebenso das Schaffen eines Gesamtbilds. Bei Selbstporträts ist das einfacher, denn wenn ich eine andere Person male, bin ich viel zu fasziniert von diesem individuellen Gesicht, und es wird doch ein Porträt draus. Nova: Wie oft hast hast du dich schon selbst gemalt? Erin Cone: Ich habe in den letzten zehn oder zwölf Jahren um die 550 Bilder gemalt, und ich würde schätzen, dass die Hälfte oder sogar drei Viertel davon Selbstporträts sind.

Nova: Ein Großteil deiner Bilder sind

Nova: Wird das nicht langweilig? Erin Cone: Nein, eben weil ich meine Bil-

Selbstporträts. Warum? Erin Cone: Das hat einen ganz einfachen Grund: Kein Modell ist greifbarer und

der nicht als Porträt sehe, sondern mir jedes Mal Neues und Interessantes in Bezug auf die Komposition und die Far-

ben überlege. Das einzig Störende ist, dass ich über die Jahre älter geworden bin. Mein erstes Selbstporträt habe ich gemalt, als ich 18 war, mittlerweile bin ich 36. Es wird zunehmend schwieriger, alles so auszuleuchten, dass ein gutes Bild entsteht (lacht). Nova: Geht es dir bei deinen Bildern auch um deine eigene Femininität? Erin Cone: Das Selbstporträt hat bei mir nicht so viel Bedeutung wie vielleicht bei anderen Künstlern. Ich will mich nicht selbst erforschen – auch wenn man als Künstler natürlich mit jedem Bild ein Stück von sich selbst einfängt. Nova: Spielt eigentlich Mode in deinen Bildern eine Rolle? Erin Cone: Ja, da hat sich eine interessante Entwicklung vollzogen. Als ich damals meinen Mann gezeichnet habe, trug er ein stinknormales, weißes Männerhemd. Danach habe ich dieses Hemd auch weibliche Modelle tragen lassen – was dazu führte, dass die Betrachter in meinen Bildern eine Geschlechter-Botschaft vermuteten. Das war gar nicht meine Absicht. Aber von da an habe ich mir mehr Gedanken über die Kleidung

Lebensart nova

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NOVA - Das Frauenmagazin mit Eigensinn  

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