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ich trug im haar ein paar flaschen, die an die form des kopfes angepasst waren und etwas wasser enthielten, damit die blumen in meinem Haar frisch blieben

leuchtend. Dem ägyptischen Sonnengott Ra hat man goldene Haare zugeschrieben und auch der griechische Sonnengott Apollo trägt den Beinamen Chrysocomes: „der mit den goldenen Locken.“ Die meisten Blondschöpfe finden sich bei Kindern. Doch ein Teil von ihnen verliert das Blond im Lauf der Zeit. Ab der Pubertät werden die Haare dunkler. Auch wird die blonde Haarfarbe dominant-rezessiv vererbt. Das heißt: Ein Embryo, der von seinen Eltern je ein Gen für schwarze und eines für blonde Haare erhält, kommt öfter mit dunklen Haaren auf die Welt. Was jedoch nicht heißt, dass Blond irgendwann aussterben wird. In Zeiten der Globalisierung und der damit verbunden Durchmischung der Bevölkerung wird es seltener phänotypisch ausgeprägt sein, genotypisch aber erhalten bleiben. Alles, was selten ist, gewinnt jedoch an Wert. Auch dies könnte mit dazu beitragen, dass „Blondinnen bevorzugt“ wurden und werden, nicht nur in der gleichnamigen Filmkomödie des Regisseurs Howard Hawks aus dem Jahre 1953. Eine von vielen Methoden, mit dem Mythos Blond umzugehen, besteht darin ihn lächerlich machen. Die Assoziation, dass ‚blond’ gleichzusetzen sei mit ‚kindlich’, könnte eine mögliche Erklärung für das Vorurteil sein. Blondinen wären dümmer, sagt der Diplom-Psychologe Martin Gründl, denn „Kindern fehlt es aufgrund ihres geringen Alters an Lebenserfahrung und Wissen über die Bedeutung und Zusammenhänge von Dingen.“ Als in den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts die ersten Haarfärbemittel auf den Markt kamen, wurde Blondhaar zum Massenphänomen. Viele Brünette wechselten ihre Haarfarbe. Die berühmteste unter ihnen war Marilyn Monroe. Die Haarfärbeindustrie und mit ihr die Friseure profitieren davon. Auf einer

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kleinen Statuette aus Ägypten, die auf 2000 vor Christi datiert wird, findet sich die älteste Darstellung eines Friseurs. Allerdings waren die Barbier- und Friseursalons seit der Antike ausschließlich Männern vorbehalten. Frauen wurden im häuslichen Bereich von anderen Frauen oder in den Häusern der Reichen von Sklavinnen frisiert. Erst 1630 eröffnete in Paris der erste Friseursalon für Frauen, betrieben von dem Damenfriseur Champagne. Im 18. Jahrhundert sorgte dann ein weiterer berühmter Friseur, nämlich Legros von Rumigny, dafür, dass der Friseurberuf als Handwerk anerkannt wurde. Er gründete die Académie de Coiffure, in der junge Männer zu Friseuren ausgebildet wurden, um fortan mit viel Phantasie und Geschick die Köpfe ihrer Kundinnen zu wahren Kunstwerken zu modellieren. „Ich trug im Haar ein paar Flaschen, die an die Form des Kopfes angepasst waren und etwas Wasser enthielten, damit die Blumen in meinem Haar frisch blieben. ... Nichts sieht besser aus als ein Blumenkranz als Krone auf der schneeweiß gepuderten Pyramide der Haare“, heißt es zum Beispiel in den Memoiren einer Dame aus besseren Kreisen. Das 18. Jahrhundert war auch die große Zeit der Perücken, die manchmal so hoch waren, dass die Frauen sich in acht nehmen mussten, dass sich ihr Haar nicht im Kronleuchter verfing. Die Perücke, die damals für Wohlstand und Gelehrt-

heit stand, gehört bis heute zur Dienstkleidung englischer Richter. Heutzutage gibt es eine Vielfalt an Haarmoden und Frisuren. Die Bedeutung jedoch von gesundem schönen Haar bleibt unverändert entscheidend für das seelische Gleichgewicht und das allgemeine Wohlbefinden. In „Heute bin ich Blond“ beschreibt Sophie van der Stap, das „Mädchen mit neun Perücken“, wie sich die unterschiedlichen Haare und Frisuren anfühlen. „Wenn ich Daisy aufsetze, ist alles ganz anders. Die komplette Verwandlung. Lange Locken, die auf meinem Rücken tanzen. Meine italienischen High Heels werden plötzlich zu Hurentretern, meine engen Jeans zu Leggings und mein harmloses Dekolleté zu einem wahren Blickfang. … Jeder will wissen, wer sich unter den blonden Elfenlocken verbirgt. Als Daisy mache ich andere Dinge, als wenn ich Sue, Stella oder Blondie bin. Ich stehe dann gerne im Mittelpunkt. Ich schüttle meine Mähne, lache über jeden dummen Witz, trinke Milchshakes statt Tomatensaft und verwende rosa Lipgloss.… Als Sue habe ich den meisten Frauen etwas voraus: wilde rote Haare. Damit aufzufallen ist leicht, ohne über dumme Witze lachen oder die Locken schütteln zu müssen. Aber eins haben die vier Damen gemeinsam: Hinter allen verbirgt sich ein bisschen Sophie. Eine Sophie, die ihnen über die Schulter sieht und jede Schauspielerei mit Unbehagen registriert.“

Inge Kurtz hat nach dem Besuch der Kunstschule Linz Publizistik studiert und arbeitet sowohl als Malerin als auch als Hörspiel- und FeatureAutorin für ARD-Rundfunkanstalten. Sie wechselt die Genres, weil sie für unterschiedlichste Inhalt gerne die passgenauen künstlerischen Darstellungsmittel findet. Inge Kurtz lebt im bayerischen Törring und Frankfurt am Main. Mehr über sie unter www.inge-kurtz.de

NOVA - Das Frauenmagazin mit Eigensinn  
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