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JAB CH-1000 Lausanne 21 PP / Journal

September 2013 | N° 144

UNTERSTÜTZUNG VON PROJEKTEN

FÖRDERUNG VON NORD-SÜD-BEZIEHUNGEN

Neuigkeiten aus Simbandi Balante

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Einsätze für Jugendliche: bald geht's wieder los!

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Editorial Möchten Sie dem Alltag entfliehen?

Schenken Sie einem Waisenhaus in Uganda Küken!

Wer träumt nicht von Ferien? Davon, dem Alltag zu entfliehen, wie die Werbung von EasyJet lockt? Es ist nicht einfach, diesem Wunsch zu widerstehen, der durch die zahlreichen Plakate entlang der Strassen noch verstärkt wird. Wenn ich nur Zeit hätte..., denkt man sich. Gleichzeitig wollen wir uns von der Masse abheben und nicht dasselbe tun wie alle anderen auch. Ziemlich paradox, denn die Werbung lässt einsame Strände, schneeweisse Gipfel, eine intakte Natur und „aussergewöhnlich“ Reiseziele ausmalen, treibt aber alle Touristen an dieselben Orte. Dasselbe wie alle anderen tun, aber nicht wie die anderen sein, so scheint die Devise zu lauten.

UGANDA

Zwischen Tourist und Reisendem Man reist aus vielerlei Gründen. Die einen wollen den Alltagsstress vergessen und suchen westlichen Komfort in fernen Ländern. Andere möchten ihre Ferien nutzen, um mit der lokalen Bevölkerung in Kontakt zu treten oder eine neue Kultur zu entdecken. Wieder andere schliesslich suchen nach einer abenteuerlichen Reise, von der sie erwarten, dass sie sie zum Nachdenken bringt. Ein solcher Reisender war der Schweizer Schriftsteller Nicolas Bouvier. Er sagte einst: „Man reist nicht, um sich wie ein Christbaum mit Exotik und Anekdoten zu schmücken, aber damit die Strasse einem die Federn ausrupft, ausspült, auswringt...”. Eine Frage der inneren Haltung Schlussendlich ist alles eine Frage der inneren Haltung. Es ist unser Verhalten vor Ort, das die Art zu reisen bestimmt. Für Nouvelle Planète ist das Wichtigste der Respekt vor der lokalen Kultur und der Umwelt, in die man hineingeworfen wird – und es ist entscheidend, dass man vor der Abreise darüber nachdenkt. Sich im ländlichen Indien im Bikini zu zeigen, wird viele Menschen schockieren. Im Hotelpool in der Region Bagan in Myanmar, wo der Wassermangel chronisch ist, baden zu gehen, ist mehr als fragwürdig. Und Fotos von armen Kindern in Madagaskar zu machen, kann wie ein Eindringen in das Privatleben wahrgenommen werden. Es ist deshalb wichtig, sich immer in die Situation der Anderen zu versetzen und sich dem Bild, das man vermittelt, bewusst zu sein. Die Einsätze in Afrika oder Asien von Nouvelle Planète versuchen entschieden, mit der lokalen Bevölkerung in Kontakt zu treten und die eingeschlagenen Pfade zu verlassen, während die lokalen Gepflogenheiten respektiert werden. Es liegt an jedem selbst, die Reise zu wählen, die am besten zu ihm passt. Xavier Mühlethaler Redaktionsverantwortlicher : Philippe Randin Adresse : Nouvelle Planète, Av. Boveresses 24, Postfach 84 1000 Lausanne 21 Tel. 021 881 23 80 np@nouvelle-planete.ch www.nouvelle-planete.ch Adresse der französischen Vereinigung : Nouvelle Planète, Cap Berriat, 15, rue G.-Jaquet, F-38000 Grenoble

Aufruf

Das Zentrum St. Moses Child Care Centre in der Nähe von Jinja ist stark auf internationale Hilfe angewiesen, um die Grundbedürfnisse der 180 von ihnen aufgenommenen Kinder zu befriedigen. Unterstützen Sie Nouvelle Planète dabei, das Zentrum durch den Bau eines Hühnerstalls finanziell unabhängiger zu machen.

Hauptsächlich dank der Spenden kann das Zentrum St. Moses Lebensmittel, Kleidung oder auch Bücher für die etwa 180 Kinder kaufen, das Schulgeld sowie die Gehälter des Personals und die Unterhaltskosten bezahlen. Allerdings beginnen die Verantwortlichen, sich Sorgen zu machen. Seit 2005 sind die Gelder der privaten Spender nicht mehr regelmässig genug. Deshalb hat das Zentrum damit begonnen, seine Einkünfte zu diversifizieren und es versucht jetzt, so weit wie möglich, alles selbst zu produzieren, was für die Ernährung der Kinder gebraucht wird. 2010 hat Nouvelle Planète bereits den Bau eines Kuhstalls und den Kauf von vier Kühen und einem Kalb unterstützt, damit ist für die Milchproduktion und die Herstellung von Mist gesorgt. Um ein höheres Einkommen zu erzielen, verfügt das Zentrum auch über einen Schweinestall mit 75 Schweinen und über einen Obstgarten mit über 100 Obstbäumen und verschiedenem Gemüse. Die

Aufnahme der SchülerInnen der benachbarten Primarschule in ihrem Internat, die Vermietung von Unterbringungsmöglichkeiten für die zahlreichen Freiwilligen und die Werkstätte für die Webarbeiten bringen ebenfalls fi xe Einkünfte. Das Zentrum plant jedoch, seine Einkünfte noch mehr zu diversifizieren und vor allem, die Ernährungskosten für die Kinder weiter zu senken. Deshalb hat die Direktorin Nouvelle Planète ein Projekt zur Erweiterung des Hühnerstalls vorgelegt. Die Kosten senken und mehr Einkünfte erzeugen Im Zentrum St. Moses befindet sich bereits ein Hühnerstall. Die 350 Hennen legen täglich Eier für ungefähr neun Paletten. Eine Palette erreicht den Verkaufspreis von UGX 7'500 (CHF 2.65) und damit erbringt diese Tätigkeit etwa UGX 270'000 (CHF 95.–) monatlich für das Zentrum. Die Verantwortlichen des Zentrums möchten jetzt gern die

Der alte Hühnerstall wird renoviert und ein neues Gebäude wird nebenan gebaut.

Schlussendlich werden die Kinder des Zentrums von diesen Projekt profitieren.

Produktion ausweiten und damit die Einkünfte erhöhen. Ausserdem würde dieses es ermöglichen, die Kosten für die medizinische Betreuung und für die Medikamente zu senken, die in kleinen Mengen für nur 350 Hennen nicht zur Verfügung stehen. Das Projekt sieht vor, den jetzigen Hühnerstall zu erweitern und einen grösseren daneben zu bauen. Beide Strukturen werden voll eingerichtet sein und es ist geplant, weitere 600 Hennen zu kaufen. Dank einer angemessenen Ausrüstung kann das Zentrum auch den Mist der Hennen leichter entfernen. Diese werden für die Eigenproduktion des ökologischen Düngers verwendet und auf Ihren Feldern verteilt. So können weitere Ausgaben verringert werden. Helfen Sie uns, ein kleines Projekt mit grosser Wirkung umzusetzen! Mit einer Spende für dieses Projekt können Sie konkret dazu beitragen, dieses Zentrum autonomer zu machen und für diese benachteiligten Kinder dauerhaft zu sorgen. Ein grosser Teil dieser Pensionäre

sind Aidswaisen. Diese Krankheit hatte in der Gegend von Jinja vor allem um 1990 verheerende Folgen und bleibt auch heute noch ein Problem. Mit CHF 1.– ermöglichen Sie es dem Zentrum, ein Küken zu kaufen. Mit CHF 43.– können Sie auch die medizinische Betreuung durch einen Tierarzt ermöglichen, der dann regelmässig während sechs Monaten den Hühnerstall kontrolliert. Wenn Sie sich lieber am Bau des Hühnerstalls beteiligen wollen, können Sie mit CHF 100.– 10 Säcke Zement schenken. Wenn Sie diese Aktion unterstützen wollen, notieren Sie Hühnerstall auf Ihrem Einzahlungsschein. Wir danken Ihnen im Voraus sehr herzlich für Ihre Unterstützung. Luana Thür Sie können das Projekt unterstützen mit: – CHF 1.– für ein Küken für den Hühnerstall – CHF 43.– für die Betreuung durch einen Tierarzt – CHF 100.– für 10 Säcke Zement

Ländliche Entwicklung

Der Erfolg von ökologischem Dünger VIETNAM

Immer mehr der 100 Familien, die dank eines Projekts von Nouvelle Planète „Na˘m Roi”-Grapefruit-Bäume angepflanzt haben, setzen auf natürlichen Dünger. Bericht vom jährlichen Monitoringbesuch des Projekts.

Hundert Haushalte der Gemeinde Ðông Thành im Mekong-Delta haben von einem wirtschaftlichen Projekt profitiert, das 2009 lanciert worden war. Die Familien, die daran interessiert waren, Fruchtbäume anzupflanzen erhielten Werkzeug und Setzlinge und besuchten eine Ausbildung. Jedes Jahr werden sie von den Mitarbeiterinnen von Nouvelle Planète Vietnam besucht um über ihre Pomelo-Bäume zu reden. Die grosse Mehrheit geniesst diese Diskussionen. Man trinkt ein Glas Grüntee und die Begünstigten beantworten gerne die Fragen des Monitoringteams. Wie viele Bäume wurden gepflanzt? Wann erwartet man die erste Ernte? Welche Sorte Dünger benützen sie? Sind sie zufrieden mit dem Projekt? Alles wird angesprochen. Zum vierten Jahr in Folge wurde ein Bericht über die relevantesten Resultate erstellt. Er zeigt, dass mehr und mehr Fami-

Einer der Begünstigten kurz vor der Ernte seiner Pomelos, eine Art grosse Grapefruit.

lien auf biologischen Dünger setzen. In Vietnam ist der Gebrauch von chemischen Düngern sehr verbreitet. In einem grossen Teil des Mekong-Deltas ist der Boden arm an Kupfer, Zink und Mangan, weshalb von aussen Nährstoffe zugefügt werden müssen um Pomelos anbauen zu können. Am Anfang des Projektes benützten nur 33% der Begünstigten teilweise ökologischer Dünger, heute sind wir bei 90% angekommen! Die Hälfte der Haushalte benützen ungefähr die gleiche Menge ökologischer und chemischer Dünger und 15% benützen sogar keinen chemischen Dünger mehr. Es ist in der Region noch schwierig, Kompost oder Mist auf dem Markt zu erwerben. Familien, die selber keine Tiere halten oder keine Nachbarn haben, die Viehzucht betreiben, sind daher oft gezwungen, chemische Düngerstoffe zu kaufen. Auch in anderer Hinsicht verläuft das Projekt gut. Die Begünstigten sind sehr zufrieden mit den Resultaten. Sie schätzen vor allem die Gruppentreffen, die dem Austausch oder der Weiterbildung dienen. Die ersten Na˘m Roi-Pomelos konnten schon geerntet werden und die Bauern sind stolz über den Ertrag. Nouvelle Planète wird die Entwicklung des Projekts weiter verfolgen. Luana Thür

Frauenförderung

Eine neue Mühle entlastet die Dorffrauen BURKINA FASO

Der Frauenvereinigung im Dorf Gana gelang ihr Projektvorhaben. Eine Getreidemühle entlastet die Frauen von nun an bei der lästigen Arbeit des Getreide-Mahlens und finanziert zudem kleinere lokale Aktivitäten.

Anstatt Stunden damit zu verbringen, Hirse zwischen zwei Steinen zu mahlen, wie es traditionsgemäss seit Jahren getan wurde, können die Frauen im Dorf Gana ihr Getreide jetzt zur Mühle bringen. Dort wird diese Arbeit maschinell in nur wenigen Minuten erledigt. Im dafür verlangten Preis ist alles enthalten: Der Müller wird bezahlt, die Mühle wird abbezahlt und übrig bleibt sogar noch ein kleiner Gewinn. Am Anfang betrug dieser Gewinn monatlich rund CHF 35.– (was etwa dem Lohn einer Lehrperson entspricht). Die Frauen hoffen, dass sie irgendwann sogar den doppelten Gewinn werden einnehmen können. Daher haben sie ein aus fünf Personen bestehendes Komitee gegründet, das Vorschläge zu Projekten macht, die dem Dorf zu Gute kommen und aus dem Gewinn finanziert werden – all dies mit Unterstützung des damit einverstandenen Dorfchefs. Die DorfbewohnerInnen haben die Gelegenheit wahrgenommen, beim Bau des Gebäudes, welches die Mühle beherbergt, darum zu bitten, ein zusätzliches Zimmer hinzuzufügen. Dieses Zimmer ermöglicht den Frauen der Vereinigung die erfolgreiche Ausübung verschiedener hand-

Das Gebäude, in dem die Mühle von Gana steht.

werklicher Tätigkeiten. Das Gebäude ist ebenso mit einer Pergola ausgerüstet worden, damit es vor Regen geschützt ist und man dort jederzeit Versammlungen abhalten kann. Die DorfbewohnerInnen haben zudem rund um das Gebäude Bäume gepflanzt. Insgesamt stiegen die Projektkosten auf etwas mehr als CHF 17'000.–. Dank des Projektes werden nicht nur die Frauen bei ihrer strengen Arbeit entlastet, sondern das Projekt spornt auch den lokale Vereinigung an und von diesen Folgen profitiert letztlich das ganze Dorf. Philippe Randin


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September 2013 | N° 144 Wasser

Aus Erfahrungen lernen UGANDA

Der Partner von Nouvelle Planète hat um eine Auswertung von sechs Projekten für den Zugang zu Trinkwasser und Hygiene gebeten, die zwischen 2008 und 2012 im Distrikt Mpigi, am Ufer des Viktoriasees realisiert worden waren. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse.

Damit laufend Verbesserungen gemacht werden können und um Lehren aus jedem realisierten Projekt ziehen zu können, setzt Nouvelle Planète auf eine langfristige Betreuung und wertet jedes Projekt regelmässig aus. Im Falle des Distikts Mpigi in Uganda, hat unser regionaler Partner VAD (Voluntary Action for Development) erstmals eine vertiefte Auswertung von sechs Projekten durchgeführt, deren Ziel das Gleiche war: Die Verbesserung des Zugangs zu Trinkwasser und angemessene Sanitäreinrichtungen, um die Gesundheitsrisiken für die lokale Bevölkerungen zu vermindern. Dazu haben die Verantwortlichen einen unabhängigen professionellen Gutachter beigezogen. Gemeinsam haben sie alle Begünstigte der sechs Projekte besucht und mit VertreterInnen der lokalen Behörden gesprochen. Im Anschluss an

Bildung

126 SchülerInnen in einem zweistöckigen Gebäude MADAGASKAR

diese langwierige Arbeit haben sie folgende Schlüsse gezogen. – Die grosse Mehrheit der Projekte dient der Sache und die Ziele werden auch heute noch erreicht. – Die Projekte ergänzen jene des Staates. – Die Auswahl der Begünstigten ist zweckdienlich. – Die Sensibilisierungskampagnen tragen Früchte. Doch liefert der Bericht auch wichtige Empfehlungen, die man bei zukünftigen Projekten berücksichtigen muss. So haben die Gutachter festgestellt, dass Projekte, die sich auf ein begrenztes Gebiet konzentrieren, erfolgreicher waren als solche, wo die Begünstigen weit verstreut sind. Sie haben auch herausgefunden, dass die Sicherheit der Infrastruktur in

Der Gutachter diskutiert mit der Zielgruppe…

Das Gymnasium von Andonaka ist in einer Gemeinde von 50'000 EinwohnerInnen die einzige Einrichtung für SchülerInnen nach der Sekundarschule. Bis anhin stand für diesen Unterricht kein spezifisches Gebäude zur Verfügung.

... und versichert sich, dass die Pumpe in einem guten Zustand ist.

Gebieten mit wenigen Wasserquellen nicht automatisch gewährleistet ist und man dort Schliessvorrichtungen und eine robuste Bauweise planen sollte, um zu verhindern, dass es zu Sabotage kommt. Es wird auch empfohlen, die Wasserreservoirs für die Schulen in der Nähe der Häuser der Lehrpersonen zu errichten, damit sie diese besser kontrollieren können. Besuche von Nachbardörfern, wo Wasserreservoirs bereits fertig gestellt sind, vor dem Anfang eines Projekts haben gut funktioniert und sollten in Zukunft systematischer gemacht werden. So können zukünftige Begünstigte sehen, wie die Installationen unterhalten werden. Im Allgemeinen kann man sagen, dass Projekte in den Schulen effizienter waren als solche, die für Familiengruppen bestimmt waren. Dank dieser Studie konnten wir die positiven Punkte als auch die Schwachstellen der Projekte nachweisen. Wir werden mit unserem Partner die notwendigen Schlüsse ziehen und alles tun, um die Empfehlungen der Gutachter anzuwenden und uns so kontinuierlich zu verbessern. Luana Thür

Die SchülerInnen und Lehrpersonen vor ihrem neuen Schulgebäude.

Neben dem Marktplatz von Andonaka sieht man ein zweistöckiges, beiges Gebäude mit rotem Dach. Dies ist nicht das neue Gemeindehaus, sondern das Gymnasium von Andonaka. In diesem Schuljahr besuchen dort 126 Kinder die Schule, was einer Zunahme von fast 20% im Vergleich zum vergangenen Jahr entspricht. Das Gymnasium besteht aus vier Klassenräumen, wovon jeder mit 20 Tischen und Bänken ausgestattet ist. Dank dieser neuen Infrastruktur braucht man sich nicht mehr über alternierende Stundenpläne den Kopf zu zerbrechen und die Wechsel der Unterrichtsräume gehören der Vergangenheit an, was sich auf die Motivation der SchülerInnen und Lehrkräfte auswirkt. Bisher war die Region Andonaka auf externe Unterstützung angewiesen. Die Alphabetisierungsrate dieser Region ist im Vergleich zum Durchschnitt des

Landwirtschaft

Landes aussergewöhnlich tief. Um die in dieser Region auftretende Armut zu bekämpfen, ist es äusserst wichtig, die schulischen Einrichtungen zu verbessern. Die andauernde politische Unsicherheit in Madagaskar belastet die Region besonders. Die Viehzüchter sind oft Angriffen von Zebu-Dieben (Dahalos) ausgesetzt, die wegen des fehlenden staatlichen Durchgreifens gänzlich ungestraft bleiben. Die Bevölkerung dieser Region ist für ihre Zebu-Aufzucht bekannt. Die Zebus können in den grösseren Märkten von Ambalavao verkauft werden. Daher ist die Grenze zwischen Hoffnung und Pessimismus manchmal sehr nahe beinander. Hoffentlich sind die Mobilisierung der Bevölkerung dieser Region und deren Engagement ausschlaggebend für die Bildung einer besseren Zukunft. Xavier Mühlethaler

Bildung

Ein Keller zur Nahrungsmittellagerung Im Namen der Kleinkinder mitten im Sahel SENEGAL Senegal – Der Umzug des Kindergartens von Simbandi Balante aus einem abrissBURKINA FASO

Der Verein Burkina Vert hat einen Keller ausgehoben, um darin die Produkte von GemüsehändlerInnen zu lagern. Diese ungewöhnliche Idee funktioniert so gut, dass nun vorgesehen ist, den Lagerkeller zu vergrössern.

Mit Stolz zeigt uns der Verantwortliche des Vereins Burkina Vert, Doudou Bagaya, den Lagerkeller. Beim Betrachten des Geländes, wo sich der Keller befindet, fragt man sich, wie es möglich war, hier nur mit Hacken ausgerüstet, ein derartiges Loch auszuheben. In dieser Gegend in einem Vorort nördlich von Ouahigouya, die an der Autostrasse nach Mali liegt, ist der aus rotem Lateritgestein bestehende Boden sehr hart. Wenn man sich dem Keller nähert, ist zuerst nur eine niedrige Hütte zu sehen, welche mit lediglich einer Tür zum Schutz und als Eingang dient. Der Tür folgt direkt eine Treppe, die in dem Gestein gehauen ist und etwa vier Meter hinab in einen ersten Raum führt. Hier herrschen schon frischere Temperaturen im Vergleich zu draussen. Ein zweiter Lagerraum ist von hier erreichbar. Dieser ist noch einmal kühler als der vorherige und die Temperatur bleibt hier annähernd während des gesamten Jahres konstant. Ungefähr 30 GemüseproduzentInnen, alle Mitglieder des Vereins, bewahren in diesem Lagerkeller ihre Ernteprodukte, hauptsächlich Kartoffeln, auf. Für die GemüseproduzentInnen handelt es sich um einen Glücksfall, die Ernte unter so guten Konditionen lagern zu können. Damit verhindern sie, dass sie ihre Produkte zu Schleuderpreisen an Grossabnehmer verkaufen müssen. Diese kaufen die Ware nämlich meist direkt auf dem Feld ein ohne über die Preise zu verhandeln. Drei bis vier Monate mit dem Verkauf zu warten, ermöglicht es den GemüseproduzentInnen, ihre Ware zu höheren Preisen zu verkaufen und damit ihren Gewinn eben-

falls zu erhöhen. Dieser ist merklich höher als die Investition in die Kellermiete (sie entspricht ungefähr CHF 20.–). Die ProduzentInnen können schliesslich damit auch der ansteigenden Nachfrage nach Kartoffeln, die oft aus Holland importiert werden müssen, nachkommen. Die Gewinne und der Erfolg haben andere Bauern und Produzenten zum Nachahmen animiert. Doudou erzählt, dass diese ihn allerdings bei einem Projekt nicht um Rat gefragt haben und versäumt haben, das kleine Eingangsgebäude geographisch richtig auszurichten. Dies ist nötig, um die ausreichende Belüftung des Kellers durch das bisschen Ostwind zu gewährleisten. Sonst besteht das Risiko, dass die Lebensmittel durch die hohe Feuchtigkeit verderben. Aufgrund des Erfolges haben die ProduzentInnen entschieden, den Keller zu vergrössern. Sie möchten einen zusätzlichen Raum ausheben. Das Ziel ist, mehr Lebensmittel lagern zu können, damit noch mehr ProduzentInnen von dieser genialen Lösung profitieren können. Philippe Randin

reifen Haus in ein neues exzentrisches Gebäude, das alle Blicke auf sich zieht. Mit seinen etwa 4’100 Bewohnern erstreckt sich das Dorf Simbandi Balante über mehrere hundert Meter inmitten von Palmen, Cashew- und Mangobäumen. Der Fluss Casamance fliesst wenige Meter entfernt majestätisch in Richtung Norden. Das Glänzen eines Blechdaches zieht schnell die Aufmerksamkeit auf sich. Beim Näherkommen erblickt man ein originelles, von einer Mauer umrahmtes Gebäude. Ist dies eine neue Villa eines wohlhabenden Dorfbewohners? Wir öffnen das Tor und betreten den Hof. Welche Stille! Abgesehen vom Geklapper aus dem Unterstand der Küche in der Nähe des Gebäudes ist alles ruhig. Der Duft von gegrilltem Fisch regt unseren Geruchssinn an. Es ist Mittag und eine erdrückende Hitze herrscht. Das Einzige, worauf wir Lust haben, ist ihr zu entfliehen. Wir betreten also das Gebäude und entdecken 147 Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren, welche, verteilt in vier verschiedenen Zimmern, gerade ihren Mittagsschlaf halten. Die Glückseligkeit und Heiterkeit lassen sich von ihren kleinen, schlafenden Gesichtern ablesen. Die Hauptbetreuer und die Direktorin der Organisation Enfants d’abord, welche diese Einrichtung verwaltet, erzählen uns mit Freude von der neuen Infrastruktur, während sie sich an das praktisch ruinierte Haus erinnern, in dem sie vorher für die Kinder gesorgt hatten. Die Er-

Provisorischer Kindergarten.

leichtung ist mit den Händen greifbar. Die Eltern können von jetzt an ihr Kinder ab 8 Uhr morgens in diese qualitativ hochstehende Einrichtung bringen, um dann arbeiten zu gehen und das Familieneinkommen so aufzubessern. Dieses Gebäude ist einzigartig in der ganzen Region. Kindergärten findet man tatsächlich nur selten in den ländlichen Gegenden Senegals. Infolge der Einwei-

Der Kindergarten in Zahlen: – – – – Im Lagerkeller des Vereins Burkina Vert werden Kartoffeln aufbewahrt.

147 betreute Kinder 3 Erzieher und 2 Hilfsbetreuerinnen 7 Zimmer sowie eine externe Küche 175 kleine Stühle, 8 Tische und zahlreiche Spielzeuge – 2’880 m2 Schulareal

Der neue Kindergarten.

hung dieser Einrichtung hat Performance Afrique, unser lokaler Koordinator, über 30 Anfragen für ähnliche Projekte erhalten. Manche Dorfoberhäupte haben nicht gezögert dafür mehrere Dutzend Kilometer zu Fuss zurückzulegen. Die Nachfrage scheint also unersättlich und zeigt die Relevanz einer solchen Infrastruktur. Xavier Mühlethaler


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September 2013 | N° 144 Bildung

Das Vertrauen der Kinder gewinnen INDIEN

700 Kinder aus ethnischen Minderheiten besuchen die Schule von Hemalkasa. Rückbesinnung auf vierzig Jahre Erfahrung.

Die Schülerschaft kommt von den bewaldeten Hügeln, die sich von Hemalkasa bis an den Horizont ziehen und die von den Minderheiten der Madia und Gond bewohnt werden. Sie leben bis zum Alter von fünf Jahren bei ihren Eltern in ärmlichen Verhältnissen, bevor sie in der Internatsschule von Hemalkasa kommen. Weil die Nachfrage viel grösser ist als die Plätze, die angeboten werden können muss die Vereinigung Lok Biradari Prakalp eine Auswahl treffen: Pro Dorf werden nur zwei SchülerInnen aufgenommen. Jedes Jahr gibt es etwa 300 Anfragen, aber nur 50 Kinder können beherbergt werden. Obwohl Nouvelle Planète im Jahr 2006 ein Haus für die Lehrpersonen finanziert hat, die Vergrösserung der Schulkantine im Jahr 2007 und ein Gebäude für die Mädchen

Die SchülerInnen der ersten Klasse empfangen uns.

Die SchülerInnen im Chemie-Unterricht.

im Jahr 2009, ist es nicht möglich, mehr Kinder aufzunehmen. Die Kosten für Nahrung, Gesundheitsversorgung und Kleidung wären beträchtlich. Der Organisation ist es wichtig, dass der Schulbesuch gratis ist. Die endemische Armut, in der die Eltern leben, lässt nicht zu, dass diese einen Beitrag leisten. Anlässlich meines Aufenthalts in Hemalkasa hat mir die Schulleiterin Samiksha Amte demonstriert, mit welcher kulturellen Gräben die Lehrpersonen täglich umgehen müssen. Sie zeigte den ErstklässlerInnen einen Apfel – Schweigen und verdutzte, verwirrte Gesichter. Dann zeigt sie den Kindern Madhuca-Blüten, einem heimischen Baum. Die Zungen lösen sich sofort und jedes Kind benennt den Baum in seinem Dialekt der drawi-

Bildung

Ein ganz alltäglicher Morgen in der Schule von Inn Tan MYANMAR

Am linken Ufer des Inlesees im Dorf Inn Tan befindet sich eine Primar- und Sekundarschule mit gesamthaft über 200 SchülerInnen. Die vier neuen Klassenzimmer werden sehr geschätzt.

dischen Sprache. Jetzt ist es an mir, verdutzt zu schauen. Der kulturelle Hintergrund und die Realitäten, an welche die Kinder gewohnt sind, sind sehr verschieden und stellen für die Schule von Hemalkasa eine Herausforderung dar. Um die Integration der Kinder zu erleichtern, hat die Lehrerschaft zusätzlich zu den staatlichen Lehrmitteln spezielles pädagogisches Material mit kulturellen Bezügen erarbeitet. Die zweisprachige Schule ist alltägliche Realität. Das Erlernen der offiziellen Sprache der Region, Marathi, ist für die Kinder eine noch grössere Herausforderung, da sich das Alphabet vom drawidischen Alphabet unterscheidet. Mit diesem linguistischen Graben wurde übrigens häufig der Ausschluss der Madia und Gond aus der indischen Gesellschaft gerechtfertigt. Die Vereinigung Lok Biradari Prakalp setzt sich seit fast vierzig Jahren dafür ein, den Kindern aus dieser Region die Werkzeuge zu vermitteln, damit sie sich in die indische Gesellschaft integrieren können, ohne dabei ihre eigene Kultur und Sprache abzulehnen oder abzuwerten. Diese Verankerung ist sehr wichtig, damit sie nicht vom guten Weg abkommen und den Kopf verlieren. Xavier Mühlethaler

Im Apurimac-Tal schreiten die Arbeiten voran AMAZONASGEBIET

Indigene Völker

Im Apurimac-Tal im peruanischen Amazonasgebiet kommen die Wiederauf forstung der Ufer des Apurimac-Flusses und die Anerkennung von Landrechten von indigenen Gemeinschaften gut voran.

Im Apurimac-Tal kämpft das indigene Volk der Ashaninka für die Erhaltung seines Territoriums und für die Entwicklung ihrer Gemeinschaften. Mit Hilfe ihrer Dachorganisation Ashaninka-Organisation des Apurimac-Flusses (Organización Ashaninka Machiguenga del Rio Apurimac, OARA) und von Zentrum für die Entwicklung der Indigenen des Amazonasgebietes (Centro para el Desarrollo del Indígena Amazónico, CEDIA) möchten die Ashaninka die Urwaldgebiete wiederaufforsten, die durch die Kolonialisierung zerstört worden sind, und die Landrechte von mehreren ihrer Gemeinschaften anerkennen lassen. Seit Jahresbeginn haben sieben Gemeinschaften Baumschulen errichtet, in denen insgesamt 18'800 Baumsetzlinge heranwachsen. Die Einheimischen haben die marktfähigen Baumarten, die sie anpflanzen wollen, selbst ausgewählt, indem sie die Samen im Wald gesammelt und in der Baumschule herangezogen haben. Die bevorzugen Baumarten sind Tornillo (Cedrelinga catenaeformis), Mahagoni (Cedrela sp), Chinarindenbaum (Myroxylon peruiferum), Bolaina (Guazuma sp) und die Palmenart Compiro. Die Anpflanzung der Bäume in Kakao- und Kaffeeplantagen ist für nächstes Jahr vorgesehen. Zwischen den jungen Bäumen soll ein Abstand von 7 x 7m bestehen. In Bezug auf die Landrechte der Gemeinschaften wurde das Dossier der Yevanashi

erarbeitet und der Regionaldirektion für Landwirtschaft in Cusco präsentiert. Damit soll die rechtliche Anerkennung der Yevanashi erwirkt werden, die den ersten notwendigen Schritt zur Anerkennung der Landrechte darstellt. Drei weitere Gemeinschaften (Shankementiari, Mancoriari und Camavenia) haben mit der Regionaldirektion für Landwirtschaft von Ayacucho eine Vereinbarung zur Umsetzung der Abgrenzung ihrer Böden in den nächsten Monaten getroffen. Ausserdem wurden offizielle Vereinbarungen mit der Regionaldirektion für Landwirtschaft von Cusco bezüglich der rechtlichen und der Bodenrecht-Anerkennung der Gemeinschaften der Maketi, Huayanay und Union Santa Fe unterzeichnet. Die Arbeit in dieser Region ist kompliziert, da das linke Ufer des Apurimac-Flusses zur Region Ayacucho gehört, während das rechte Ufer zur Region Cusco zählt – in gewissen Fällen verdoppelt dies die notwendigen Schritte. Die Anerkennung der Landrechte, die eine Vorbedingung für eine nachhaltige Entwicklung ist, ist ein langer und komplexer Prozess. Und die Forstwirtschaft wird von mehreren Generationen ausgeübt und verlangt Hingabe und Geduld. Im Apurimac-Tal kommen die Arbeiten langsam aber sicher voran und geschehen gründlich. Jeremy Narby

Ashaninkas vor dem Büro des Staatsanwaltes von Cusco zur Verteidigung des Territoriums der Sampantuari-Gemeinschaft.

Ländliche Entwicklung

Neue Einsatzprovinz in Vietnam VIETNAM

Die SchülerInnen im neuen Schulgebäude.

Im Dorf Inn Tan, wo etwas mehr als 1'100 Menschen wohnen, bricht der Tag langsam an. Die Bäume auf den Berghängen glänzen in der Morgensonne und die Nebelbanken verschwinden allmählich und mit ihnen die Feuchtigkeit. Die morgendliche Stille wird nur durch einige grelle Hahnenschreie und das Grunzen von Schweinen gestört. Noch ist der Pausenplatz, an den die beiden Schulgebäude grenzen, darunter jenes von Nouvelle Planète finanziert, leer. Langsam treffen die Kinder ein. Einige von ihnen wohnen in einem der fünf Nachbardörfer. Die Schuldirektorin schliesst die Klassenzimmer auf, damit die SchülerInnen, die für die Reinigung zuständig sind, Boden und Schultafel wischen können. Ein wöchentlicher Turnus ist hierfür organisiert. Mit der Ankunft der SchülerInnen steigt auch der Lautpegel. Der gesamte Pausenplatz ist nun bevölkert: einige Kinder spielen, andere diskutieren und die Fleissigsten üben bereits mit lauter Stimme für ihren Unterricht.

Als plötzlich die Schulglocke ertönt, eilen die Schüler instinktiv in Richtung der birmanischen Flagge, die am Ende des Fahnenmastes in der morgendlichen Brise flattert. In Klassen aufgereiht, bilden die Schüler um die Flagge eine Art Sonne. Die Nationalhymne wird angestimmt. Die SchülerInnen können sie auswendig und einige sind besonders engagiert und singen aus voller Kehle. Als die Hymne zu Ende ist, geben die Lehrpersonen die letzten Informationen an die Kinder weiter. Dann bietet sich meinen Augen ein ungewohntes Schauspiel: Die SchülerInnen marschieren im Gänsemarsch in ihre jeweiligen Klassen. Man könnte fast von einer Militärparade sprechen. In dieser Schule scheint Ordnung zu herrschen. Der Unterricht beginnt um 9 Uhr und geht bis 15.30 Uhr mit einer Pause, für die die Kinder ihre Pausenbrote mitgebracht haben. Xavier Mühlethaler

Weshalb weiterhin in einem Land tätig sein, dessen Wirtschaft doppelt so schnell wächst wie diejenige der Schweiz? Benötigt dieses Land die Hilfe noch? Während unserem letzten Projektbesuch in Vietnam haben wir ein paar Antworten gefunden.

Gekonnt öffnet Herr Tùng die Kokosnüsse, die er soeben gesammelt hat, und serviert sie uns mit einem Strohhalm. Er ist sehr dankbar für die Unterstützung, die er in den vergangenen Monaten erhalten hat. Wir müssen ihm nicht viele Fragen stellen, er spricht gerne und seine Stimme ist bewegt, als er uns die vollendeten Arbeiten beschreibt. Er erzählt uns, dass er seit der Installation der Biogasgruben hinter seinem Palmblätterhaus bequemer kochen kann, ohne Rauch einzuatmen und ohne Holz hacken zu müssen. Stolz zeigt er uns das Beleuchtungs- und Heizsystem für die Ferkel, das er in seinem Schweinestall installiert hat und das vollständig mit

Biogas versorgt wird. Seine 92 unterschiedlich alten Schweine sind nun nicht mehr einfach eine Arbeit, die Einkommen generiert, sondern auch eine Quelle für erneuerbare Energie, die in diesem kleinen Dorf im Mekong-Delta willkommen ist. Die tierischen Exkremente werden in Gruben gesammelt, was die Umwelt schützt und macht, dass die Umgebung sauberer ist. Im Mekong-Delta hat das Wirtschaftswachstum von fast 10% jährlich zu noch grösseren sozialen Ungleichheiten geführt. Die Mehrheit der Projekte von Nouvelle Planète richten sich an die benachteiligten Personen, die bisher von der Entwicklung des Landes wenig pro-

Die Zielpersonen des Projektes verwenden zum Kochen nun einen Gaskocher.

fitiert haben: ethnische Minderheiten, Landwirte in ländlichen Gebieten und kranke Menschen, die von der traditionellen Medizin abhängig sind, da sie sich die importierten Medikamente nicht leisten können. Das Biogas-Projekt richtet sich jedoch nicht an die ärmste Bevölkerung von Vietnam, da eine Person der Zielgruppe mindestens vier Schweine haben muss, um ihre Biogasgruben füllen zu können. Ist diese Unterstützung also überhaupt gerechtfertigt? Wir finden, ja. Wenn die unterstützten Projekte zu einer Entwicklung beitragen, die mit der natürlichen Umwelt mehr in Einklang ist, stimmen sie mit der Vision von Nouvelle Planète gezielt überein. In einem Kontext, der sich relativ schnell verändert, ist es zudem nötig, die Interventionsstrategie der Wirklichkeit vor Ort anzupassen, damit unsere Projekte relevant bleiben. So hat Nouvelle Planète entschieden, ihre Unterstützung eines Waisenhauses in Ho Chi Minh Stadt, das bereits einige Mittel erhält, zu verringern, und sich auf ein Kinderzentrum zu konzentrieren, das abgelegener liegt. Ab 2014 wird Nouvelle Planète zudem Projekte in einer neuen Provinz im Mekong-Delta, in H u Giang, beginnen. In den zwei ärmsten Distrikten wurden bereits Umfragen durchgeführt. Die Bedürfnisse vor Ort sind zahlreich. Luana Thür


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September 2013 | N° 144 Einsatz für Erwachsene – Senioren

Elf Freundinnen nehmen an der Renovation eines Gesundheitspostens in Madagaskar teil SCHWEIZ – SÜDEN

Wiedereröffnung der Zahnklinik in Port-au-Prince

Elf Waadtländerinnen aus der Nähe von Nyon, verbrachten drei unvergessliche Wochen in Andriambilany in Madagaskar. Es war für sie eine einzigartige Erfahrung.

„Im Februar 2012 hat meine Kollegin Wil Bussink, die bereits seit einigen Jahren an Einsätzen von Nouvelle Planète teilnimmt, beschlossen, eine lokale Gruppe für einen Einsatz in Madagaskar zu gründen. Sie dachte sich, dass es einfacher ist, Spendengelder zu sammeln und einen Gruppenzusammenhalt zu erreichen, wenn die Teilnehmenden nahe beieinander wohnen. Sie hat die Idee in ihrem Turnverein, in ihrer Nachbarschaft und in ihrer Theatergruppe vorgeschlagen und es ist ihr gelungen, elf Frauen für das Projekt zu motivieren, mich eingeschlossen. Wir haben Flohmärkte, Brunchs, Benefizessen und den Verkauf von Konfitüren organisiert und so Mittel für ein Gesundheitsprojekt im Dorf Ankadilalana in der Gemeinde Andriambilany gesammelt. Das Nouvelle Planète Projekt soll die Gesundheitsversorgung verbessern. Am 7. November 2012 brechen wir dann aufgeregt mit unserem schweren Gepäck (bei unserer Rückkehr ist es sehr viel leichter) nach Antananarivo auf. Als wir auf madagassischem Boden gelandet sind, freuen wir uns auf die nächsten drei intensiven Wochen. Der Empfang von den Verantwortlichen von Cicafe, dem Koordinationsteam von Nouvelle Planète in Madagaskar, ist sehr warmherzig. Dann folgt alles dicht aufeinander. Augen, Gemüt und Herz sind voll in Anspruch genommen. Nachdem die Vororte von „Tana” mit ihren baufälligen Häusern hinter uns liegen, bringen uns

Die elf Freundinnen vor dem mit ihrer Hilfe renovierten Gesundheitsposten.

zwei Minibusse in die roten Hügel, die von einem Patchwork von grünen Reisfeldern belebt werden. Die Landschaft ist herrlich. Entlang der Strasse begegnen wir Scharen von Kindern in blauen, grünen oder gelben Kitteln auf dem Weg zu ihren Schulen. Wir erreichen das Dorf und werden mit dem Gesang der Kinder und dem Strahlen der gesamten Bevölkerung empfangen. Au! „Das Wasser der Augen”, wie man hier die Tränen nennt. Alles sprudelt über, welche Aufregung! Wir werden in einem hübschen Haus aus roten Ziegelsteinen und mit Strohdach untergebracht. Es ist wie die meisten Häuser des Dorfs. Trotz ihrer extremen Armut öffnen die Madagassen uns gegenüber ihre unermesslich reichen Herzen. Ihre grosse menschliche Wärme und ihre Bescheidenheit beflügeln uns, unsere Arbeit auf

der Baustelle zu beenden. Wir schleifen, wir malen, wir transportieren Sand und Ziegelsteine, um unter dem wachsamen Auge von Yvette, die fabelhafte Bürgermeisterin des Dorfs, den Gesundheitsposten zu beenden. Während unseres Aufenthalts konnten wir einige Schulen und Wasserstellen, welche Nouvelle Planète errichtet hat, besichtigen. Eine sehr gute Arbeit! Uns wurde auch bewusst, dass noch einige Arbeit ansteht, um die lokalen Lebensbedingungen zu verbessern. Jetzt sind wir seit einigen Monaten zurück, aber wir wollen den Kontakt beibehalten und unser Engagement für unsere neuen Freunde fortsetzen.

HAITI

Drei Jahre nach dem schlimmen Erdbeben konnte die Zahnklinik des Secours Dentaire International (SDI) wieder eröffnet werden. Der Präsdient erzählt uns von der Projektumsetzung.

„Unbeschreibliches Leid und gewaltige Zerstörungen verursachte das Erdbeben, das am 12. Januar 2010 die haitianische Hauptstadt Port-au-Prince heimsuchte. 230’000 Menschen kamen ums Leben und 1,5 Millionen wurden Obdachlos. Auch die vom SDI seit 1996 unterstützte zahnärztliche Klinik wurde stark beschädigt. Im Untergeschoss schien es keine Zerstörungen gegeben zu haben, im oberen Stock allerdings war nichts mehr zu retten und es kam nur ein Abbruch in Frage. Seitdem arbeitete das Team der Zahnklinik unter der Leitung von Dr.Patrick Angrand nebenan in einem ca. 25 m2 grossen provisorischen Behandlungszimmer, welches gleichzeitig Büro, Sterilisation und Warenlager ist. Darin war es oft zu heiss. Die Situation war sehr unbefriedigend. Der Gebäudebesitzer war nicht in der Lage, die für die Sanierung des zerstörten Klinikgebäudes notwendigen Mittel bereitzustellen und wollte das Grundstück kurzerhand verkaufen. Um die Klinik zu retten, musste deshalb ein Kaufvertrag ausgehandelt und unter notarieller Aufsicht unterzeichnet werden, was in einem Land ohne Katasteramt und ohne Rechtssicherheit eine sehr schwierige Aufgabe

ist. Durch die unermüdlichen Anstrengungen von Michel Lebrun, der projektleitende Zahnarzt, war es möglich den Kaufvertrag abzuschliessen und auf den Tag genau drei Jahre nach dem Erdbeben die Bauarbeiten am Klinikgebäude zu starten. Michel Lebrun ist gebürtiger Haitianer und seit der Klinikeröffnung im Jahre 1996 Projektleiter von SDI. Er war Augenzeuge der Katastrophe und erlebte, wie unzählige Menschen, darunter viele Kinder und Jugendliche von den herabstürzenden Trümmern begraben wurden. Die grausamen Bilder haben sich unvergesslich in das Gedächtnis von Dr. Lebrun eingebrannt und er hat sich entschieden, sich in Haiti die grösste Zeit des Jahres für die SDI-Klinik einzusetzen, anstatt in der Schweiz, wo er Jahrzehnte als Zahnarzt gearbeitet hat, den wohlverdienten Ruhestand zu geniessen. Am 11. Mai 2013 schliesslich war es für mich als Präsident des SDI eine schöne Aufgabe in einer feierlichen Zeremonie das renovierte Klinikgebäude wieder zu eröffnen. Dr. med. dent. Michael Willi, Präsident des SDI

Hélène Badertscher Im Namen der ganzen Gruppe

Einsätze

Wie wird das Wetter während des Einsatzes? SCHWEIZ – SÜDEN

Partnerschaften

Während der Vorbereitung der Einsätze fragen uns die Teilnehmenden oft, ob es während ihres Aufenthalts warm oder kalt, trocken oder feucht sein würde. Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Ein paar Gedanken über das Klima und die Einsätze.

„Es war sehr heiss.“ „Uns war kalt.“ „Es regnete ständig und wir mussten im Schlamm arbeiten.“ Dies sind einige Bemerkungen, welche wir in den Rückmeldungen zu den Einsätzen lesen, sowohl bei den Jugendlichen, als auch bei den Erwachsenen. Es ist wohl bekannt, dass das Wetter grossen Einfluss auf die Gemütslage hat. Alles läuft besser bei Sonnenschein, wenn es nur nicht zu heiss ist, wohingegen Regen und grauer Himmel uns tendenziell ein wenig gereizt machen. Ausserdem bestimmt das Wetter auch, was man in den Koffer packt. Es ist also durchaus eine legitime Frage.

Wegen des Regens, wird manchmal die Baustelle zu einem Schlammbad umgesetzt.

Während der Vorbereitungsphase beantworten wir diese Frage, indem wir über Jahre gemessene Durschnittswerte angeben. Doch diese Informationen müssen mit Vorsicht verwendet werden. Das Frühlingswetter 2013 ist ein gutes Beispiel. Die eher herbstlichen Niederschläge und Temperaturen entsprachen nicht dem Wetter, das normalerweise zu dieser Jahreszeit herrscht. Das Klima im Gastland kann also erheblich von den saisonalen Normen abweichen. Dies umso mehr, da der aktuelle Klimawandel, nach Meinung der Spezialisten, eine Zunahme extremer klimatischer Ereignisse verursacht (starke Niederschläge, Dürreperioden, usw.). Es ist auch zu beachten, dass die klimatische Launenhaftigkeit einen wichtigeren Einfluss auf die lokale Bevölkerung hat, als auf die Einsatzteilnehmenden. In Afrika zum Beispiel wussten die Bäuerinnen und Bauern früher ziemlich genau, wann der Sommerregen einsetzen würde

und entsprechend, wann sie anpflanzen konnten. Doch jetzt kommt es vor, dass die ersten Niederschläge zu früh einsetzen, dass sie zu stark sind oder dass sie von einer Dürreperiode gefolgt werden, was den Pflanzen grossen Schaden zufügt. Für die Bauern wird es dementsprechend immer schwieriger zu wissen, wann sie säen können und dies stellt eine Herausforderung für die regionale Landwirtschaft und die Nahrungsmittelsicherheit dar. Vor dieser Faktenlage können wir den Teilnehmenden nur raten, sich auf alle Fälle vorzubereiten und mit einer offenen Einstellung aufzubrechen, nicht nur gegenüber den kulturellen Aspekten, sondern auch bezüglich der meteorologischen Bedingungen. Denn heisst es nicht in einem skandinavischen Sprichwort: „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung?” Joëlle von Ballmoos

Sind Sie interessiert an einem Einsatz in Afrika oder Asien? Die Vorbereitung für die Einsätze für Jugendliche 2014 beginnt im November. Profitieren Sie von zwei Informationstreffen mit Gruppenbildung: – Für die Deutschschweiz (auf deutsch): Sonntag, 3. November 2013 in Zürich

Die Zahnklinik nach dem Erdbeben.

Fairtrade-Produkte

Le Balafon: Ein Genuss für Sie, Ihre Bekannten und die Produzenten aus dem Süden Entdecken Sie für sich oder offerieren Sie ihren Bekannten eine Auswahl von unseren kulinarischen Produkten! Das Fairtraide-Geschäft Le Balafon bietet eine grosse Auswahl von Nahrungsmitteln und handwerklichen Produkten aus aller Welt an. Die Produkte werden gemäss den Prinzipien der solidarischen Wirtschaft gehandelt. Die Partner aus dem Süden erhalten einen gerechten Preis, der ihr Know-how wertschätzt und gleichzeitig die Umwelt schützt. Danke, dass Sie nachhaltig konsumieren! NEU: Dunkle Bio-Schokolade, „pointe de sel” 100 g CHF 3.60 Bio-Brotaufstrich „Speculoos” 390 g CHF 8.00 Bio-Honig, 3 Sorten, 3 x 125 g (Mexiko) CHF 10.90 Mango 100% natürlich 100 g CHF 3.90 Ananas 100% natürlich 100 g CHF 3.90 NEU: Drei Sorten Bio-Quinoa (hell, dunkel, rot) 500 g CHF 6.80 Auswahl von 3 Sorten Reis 3 x 500 g CHF 13.90 (Rosa, Langkorn, schwarz, rot, violett, weisser Jasmin, Basmati) … NEU: Bio-Kokos-Milch mit Ingwer und Zitronengras 400 ml CHF 4.60 … NEU: Schwarze Morcheln aus Argentinien 20 g CHF 12.40 … … … … … … …

– Für die Romandie (auf französisch): Freitag; 8. November 2013 in Lausanne

Zuzüglich Porto und Verpackung

Informationen und Anmeldung auf : www.nouvelle-planete.ch, Rubrik „Einsätze”

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