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JAB CH-1010 Lausanne PP / Journal

Organisation für Entwicklungszusammenarbeit

Februar 2018 | Nr. 166

EDITORIAL Ethnische Gruppen: unterschiedliche Analyseraster In Europa war der Separatismus in den vergangenen Monaten im Aufwind: eine einseitige Unabhängigkeitserklärung in Katalonien, anhaltende Spannungen zwischen Wallonen und Flamen in Belgien, unschlüssiges Schottland, Autonomiebestrebungen in der Lombardei und Venetien… Diese Ereignisse erinnern uns daran, dass nationale Grenzen nicht in Stein gemeisselt sind und sich im Laufe der Geschichte verändern. Doppelmoral Diese Autonomiebewegungen haben Gemeinsamkeiten, aber auch spezifische Eigenheiten. Es steht mir nicht an, über die Legitimität dieser Bestrebungen zu urteilen. Vielmehr möchte ich hier die von den Beobachtern verwendeten Analyseraster unter die Lupe nehmen. Es werden verschiedene Gründe angeführt, um uns die Komplexität der Probleme bewusst zu machen. Der „ethnische Faktor“ jedoch findet nirgends Erwähnung. Ist er zu „exotisch“ für Europa? Angenommen die gleichen Autonomieansprüche würden auf dem afrikanischen Kontinent geltend gemacht: Wie sähe die Analyse aus? Der „ethnische Faktor“ würde sicherlich rasch als Erklärungsfaktor identifiziert. Der Begriff „ethnischer Faktor“ findet keine universelle Verwendung. Ich habe noch nie einen Artikel gelesen, in welchem von der katalonischen, wallonischen, flämischen oder sogar jurassischen Ethnie die Rede war. Ist das Tabu? Keine Vereinfachungen Erklärungsversuche mittels des Faktors der „ethnischen Zugehörigkeit“ simplifizieren und verschleiern die eigentlichen Probleme. Nimmt man von diesen oberflächlichen Erklärungsversuchen Abstand, so wird rasch klar, dass die wirtschaftlichen, sozialen, politischen und rechtlichen Fragen den Spannungen zugrunde liegen. Der „ethnische Faktor“ ist ein starres Konzept, das die Anpassungsfähigkeit der Menschen an ihr Lebensumfeld negiert. Eine methodische Analyse vermeidet derartige Fallstricke und lässt sich auf alle Weltregionen anwenden. Die jüngste Radikalisierung der Bewegung zur Schaffung eines Staates namens „Ambazonie“ in den englischsprachigen Regionen Kameruns, die Unabhängigkeitsbewegung in der Casamance in Senegal oder die Autonomieträume des Chin-Staats in Myanmar konfrontieren uns mit heiklen Situationen. Wir müssen diese bei unseren Interventionen berücksichtigen. Wenn wir zu identifizieren vermögen, weshalb die Menschen einer Region eine Koexistenz infrage stellen, können wir bei unseren Einsätzen indirekt friedliche Lösungen unterstützen. ■ Xavier Mühlethaler Übersetzt von Marina Bentele

Redaktionsverantwortlicher: Philippe Randin Adresse: Av. des Boveresses 24 1010 Lausanne Tel. 021 881 23 80 np@nouvelle-planete.ch www.nouvelle-planete.ch

Spenden Sie damit die Kinder von Fandjéta lesen und schreiben lernen GUINEA Die Situation im Dorf Fandjéta übersteigt die Vorstellungskraft. Über 300 Kinder gehen nicht zur Schule, weil es keine Schule gibt! Das an einem Hügel gelegene Dorf Fandjéta ist von üppiger Natur umgeben. Doch der idyllische Eindruck trügt. Die Dorfbewohnerinnen und –bewohner sind verzweifelt und haben den Eindruck, sich selbst überlassen zu sein. Die vom guineischen Schulsystem Vergessenen sind ein Mahnmal für die hoffnungslose Bildungssituation im Dorf.

Sisyphusarbeit „2007 haben wir versucht, etwas für die Ausbildung unserer Kinder zu unternehmen“, erzählt uns ein Dorfbewohner. „Wir hatten ein Klassenzimmer aus Lehm gebaut. 64 Schülerinnen und Schüler besuchten während zwei Jahren, d.h. bis 2009 den Unterricht. Aber das Gebäude hielt den klimatischen Einflüssen nicht lange stand. Damals hatten wir den Elternverein der Schülerinnen und Schüler von Fandjéta gegründet. Dieser ist bis heute aktiv und auf der Suche nach nachhaltigen Lösungen. Aber angesichts des Mangels an finanziellen Mitteln und sonstiger Unterstützung konnten wir die notwendige Infrastruktur nicht errichten.“

Schockierende Zahlen Die nahegelegensten Schulen befinden sich in Sorondo (7,3 km), in Khönia (10 km) und in Maléya (15 km). Angesichts der Distanzen zu diesen Dörfern befindet sich Fandjéta in Sachen Bildung in einem Niemandsland. Ein Kind im Schulalter kann diese Strecken unmöglich jeden Tag zweimal (Hin- und Rückweg)

Die 2013 sanierte Schule von Kondéa (Projekt von Nouvelle Planète).

zurücklegen. Gemäss jüngsten Schätzungen werden so rund 150 Kinder von Fandjéta der Möglichkeit beraubt, die Primarschule zu besuchen. Dazu müssen die Kinder der Weiler von Fiili, Feinka und Tougui Kerein hinzugerechnet werden. Insgesamt sind in dieser Region also rund 300 Kinder nicht eingeschult.

Eine Lösung zeichnet sich ab Bald gibt es für dieses ernstzunehmende Problem, das vor kurzem auch von der Unterpräfektur anerkannt wurde, endlich eine Lösung: Nouvelle Planète finanziert den Bau und die

Mit CHF 68.– ermöglichen Sie den Erwerb einer Schulbank und tragen damit dazu bei, dass die künftigen Schülerinnen und Schüler unter günstigen Bedingungen lernen können.

Einrichtung von drei Klassenzimmern. Die Primarschule in Guinea dauert sechs Jahre. Daher lässt sich das gesamte Schulprogramm mittels eines Mehrklassenunterrichts vermitteln. Die Kinder gehen vormittags von 8 Uhr bis 12.30 Uhr und nachmittags von 15 Uhr bis 18 Uhr zur Schule. Alle Klassenzimmer werden mit 24 Tischbänken, zwei Wandtafeln sowie einem Schreibtisch mit Stuhl für die Lehrkraft ausgestattet sein. Die Schule soll auch Toiletten erhalten. Die für den Primarunterricht zuständige Behörde der Unterpräfektur hat ihrerseits die Zurverfügungstellung einer ausreichenden Zahl Lehrkräfte für die neue Schule zugesichert. Da die Familien es nicht gewohnt sind, ihre Kinder zur Schule zu

schicken, werden wir rund zehn Kampagnen durchführen, um die Eltern für die Bedeutung der Schulbildung zu sensibilisieren. Dabei werden wir insbesondere auch den Wert der Schulbildung für die Mädchen hervorheben. Es ist also ein bemerkenswerter Wandel in Bezug auf die Schulsituation im Dorf Fandjéta im Gange. Die Bevölkerung ist glücklich, endlich ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Nouvelle Planète und die Dorfbewohnerinnen und -bewohner sagen Ihnen von Herzen „inou walli“! ■ Xavier Mühlethaler Übersetzt von Marina Bentele

Damit Ihre Spende diesem Projekt zugutekommt, schreiben Sie einfach „Fandjéta“ auf Ihren Einzahlungsschein. Bauplan für die Schule von Fandjéta.

ZUSAMMENFASSUNG

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Februar 2018 | Nr. 166

Die neue Schule hat Grund zum Feiern BURKINA FASO Einweihung der Schule von Sabouli. Die Schülerinnen und Schüler dieses Dorfes können jetzt unter guten Bedingungen lernen. Die Ankunft ist grandios: Wir werden zuerst im Rathaus empfangen. Dort steht ein Gefolge mit den Fahrzeugen des Bürgermeisters, des Präsidenten und der Polizei bereit. Es geht auf ins Dorf Sabouli, das im Norden von Burkina Faso in der Gemeinde Séguénéga liegt. Die Autokolonne hinterlässt auf der Strasse eine Staubwolke. Als wir uns dem Ort nähern, begleiten uns bewaffnete Dorfbewohner. Sie schiessen, um unser Kommen

anzukündigen. Das Dorf, das wir durchqueren, ist verlassen, weil sich die gesamte Bevölkerung vor der Schule versammelt hat. Die Kinder bilden auf fast 200 Metern eine Ehrenwache und singen, um uns zu begrüssen.

Entwicklung durch Bildung Für die 2500 Einwohnerinnen und Einwohner ist die Schulbildung der Kinder eine Priorität. Die Dorfvorsteher wiederholen

es in ihren Reden immer wieder: „Es ist ein Traum, der wahr wird.“ Sie hoffen, dass ihre Kinder dank der Schule einen höheren Lebensstandard erreichen werden. Der Bürgermeister hebt die Dynamik der Dorfbewohnerinnen und -bewohner hervor. Sie sind es, die die ersten Klassenzimmer mit Wänden aus Schlamm und Stroh und einem Strohdach gebaut haben. Sie mussten zahlreiche Anfragen an die Behörden richten, damit der Staat eine Lehrkraft zur Verfügung stellte. Im Jahr 2014 haben sich ihre Bemühungen ausgezahlt. Aber es gab eine Bedingung: Die Klassenzimmer durften nicht im aktuellen Zustand bleiben und es brauchte eine Unterkunft für die Lehrkraft.

Ein Gebäude und zusätzliche Lehrkräfte Nouvelle Planète erklärte sich bereit, auf das Anliegen der Dorfbevölkerung einzugehen und baute eine Schule, die aus drei Klassenzimmern besteht. Der vorgängige Austausch mit allen Beteiligten hat es ermöglicht, interessante Aspekte zu entwickeln. So hat sich die Gemeinde beispielsweise bereit erklärt, Schulbänke bereitzustellen, und die Lehrkräfte haben

Die ehemalige Schule…

Was wir vor zehn Jahren gesät haben MYANMAR In zehn Jahren haben wir in Myanmar 42 Projekte umgesetzt. Heute schauen wir zurück auf das allererste Projekt.

… und die neue Schule, während der Eröffnungsfeier.

sich darauf konzentriert, das Bewusstsein für Aspekte des täglichen Lebens zu schärfen. Sie haben ein System installiert, mit dem die Kinder ihre Hände waschen können: Beim Eingang ins Klassenzimmer befindet sich nun ein Kanister und Seife. Zudem mobilisierten sie die Schülerinnen und Schüler, Bäume zu pflanzen. Bald werden die gepflanzten Mangobäume den Schulhof beschatten. Jeder Schüler und jede Schülerin durfte zudem auch Baumsetzlinge mit nach Hause nehmen. Neben

dem Pflanzen der Bäume kümmern sich die Schülerinnen und Schüler auch um deren Unterhalt. In dieser Region, in der man direkt vom Fortschreiten der Wüste betroffen ist, ist jeder Schritt entscheidend. Die Frauen singen. Wir beginnen zu essen. Die Feier wird den ganzen Tag andauern. ■ Philippe Randin Übersetzt von Nerina Gross

Aufforstung und Landwirtschaft ergänzen sich KAMERUN Die Auswirkungen der Entwaldung sind im Nordosten des Landes eine Realität. Deswegen ist in den Projekten von Nouvelle Planète systematisch das Pflanzen von Bäumen integriert.

Die Mädchen sind glücklich über ihre Unterkunft.

Das Dorf Payataung ist fast nicht mehr wiederzuerkennen. Zahlreiche Gebäude wurden errichtet und die Pagode, deren Bau mehrere Jahre gedauert hat, ist endlich fertig gestellt. Ihre goldene, mit Glöckchen verzierte Spitze reckt sich nun dem Himmel entgegen. Früher waren Verhandlungen nötig, um in das Gebiet der ethnischen Minderheit des Pao-Volkes zu gelangen und Payataung zu erreichen. Heute befindet sich ganz in der Nähe ein Hotel auf Pfählen. Die Region rund um den Inle-See hat sich in nur wenigen Jahren zu einer regelrechten Tourismusdestination gemausert. Jedes Jahr empfängt man in diesem empfindlichen Ökosystem über 200 000 Touristen!

Erfreuliche Entwicklung Als Willy Randin sich 2007 in Myanmar aufhielt und das dortige buddhistische Kloster besuchte, bot das Internat Platz für 32 Mädchen. Daraufhin ermöglichte Nouvelle Planète den Bau eines zweistöckigen Gebäudes, um den jungen Mädchen der vornehmlich aus den Bergen stammenden ethnischen Minderheitsgruppen Zugang zu Schulbildung zu verschaffen. Heute beherbergt das Internat 50 Mädchen. Weitere Spender sind mit an Bord gekommen, mit deren Hilfe die Infrastruktur weiter ausgebaut wurde. Im Kloster wohnen heute 1 300 Schülerinnen und Schüler – eine Mehrheit davon Mädchen. Die Zusammenarbeit zwischen

der öffentlichen Schule und der Betreuung im Kloster funktioniert weiterhin hervorragend.

Das Erreichte absichern Mittlerweile geniesst das Kloster grosses Ansehen, dies unter anderem dank des Buches „Children of the Revolution“ des Autors Feroze Dada. In diesem 2014 erschienenen Buch verfolgt der Autor die Geschichte dieses Ortes zurück. Durch die rasante Entwicklung in den vergangenen Jahren sind aber auch die Betriebskosten erheblich angestiegen. Eine englische NGO hatte deshalb eine Idee, wie sie für die finanzielle Nachhaltigkeit des Klosters sorgen könnte und unterstützte den Aufbau einer Abfüllanlage für Trinkwasser – das Mineralwasser „Ko Yin“ war geboren. Von dieser finanziellen Basis ausgehend wurde ein weiteres Projekt lanciert. In Zusammenarbeit mit einem schottischen Arzt wurde vor kurzem eine kleine Klinik inklusive Ausbildungsstätte für Krankenpflegerinnen eröffnet. Unserem Mönch, der so dynamisch ist wie eh und je, scheinen die Ideen nie auszugehen. Die vor zehn Jahren von Nouvelle Planète geleistete Pionierarbeit trägt bis heute Früchte. ■ Xavier Mühlethaler (nach einer Erzählung von Myriam Birchmeier) Übersetzt von Sonja Tschannen

Jede Gruppierung erhält „ökologische“ Bäume.

Wenn man das Wort Entwaldung hört, hat man sofort Bilder von massiv zerstörten Wäldern vor Augen. Aber auch auf einer geringeren Stufe der Zerstörung sind die Folgen genauso stark spürbar und nicht weniger dramatisch. Im Einsatzgebiet von Nouvelle Planète, nahe von Bamenda, wird das Holz benutzt, um zu kochen, Häuser zu bauen, Handwerksgegenstände herzustellen oder auch, um es in benachbarten Städten zu verkaufen. Aber diese Praxis hat einen Preis.

Die Bodenqualität verschlechtert sich Die Entwaldung zieht vielfältige Konsequenzen für die Bevölkerung nach sich, besonders für die Bauern, welche auf fruchtbare Böden angewiesen sind. Denn das Abholzen von Bäumen hat ein Auswaschen des Bodens zur Folge, was wiederum das Potenzial zur Regeneration der Wälder und die Fruchtbarkeit der Böden

für die landwirtschaftliche Nutzung verringert. Die Bauern, der Grossteil davon Frauen, können kaum etwas gegen diese stetige Abwertung des Bodens unternehmen und holzen weitere Gebiete ab. Es entsteht also ein regelrechter Teufelskreis! Die Imker und die Jäger sind auch von diesem Phänomen betroffen: das Wild wird weniger und die Abholzung der honigproduzierenden Bäume reduziert die Bestäubung und damit die Honigproduktion. Welche Mittel stehen zur Verfügung, um einen anderen Weg einzuschlagen?

Verteilung von „ökologischen“ Bäumen Die Aufforstung ist ausschlaggebend und ist deshalb auch in jedes Projekt von Nouvelle Planète integriert. Die Wahl der Bäume ist entscheidend. Tatsächlich sind einige Bäume nicht geeignet, wie zum Beispiel der Eukalyptus, der viel Wasser

benötigt. Es müssen also „ökologische“ Bäume gewählt werden, die das Grundwasser schützen und den Wasserstand aufrechterhalten. In den Bienenzuchtprojekten bevorzugen die lokalen Verantwortlichen Bäume die Nektar produzieren. Ausserdem werden Quellen durch Bepflanzung geschützt, damit die Trinkwasserversorgunglangfristig gesichert ist. Normalerweise sind es die Dorfbewohnerinnen und -bewohner, die die Bäume unter Aufsicht und Anweisung eines spezialisierten Försters anpflanzen und somit ihren Teil zu den Projekten beitragen. Gemeinsam mit der Sensibilisierung für Umweltfragen trägt die Aufforstung in den Projekten dazu bei, die Entwaldung in Kamerun einzugrenzen. ■ Roman Twerenbold Übersetzt von Flurina Zeugin


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Epidemien als Folge schwacher Gesundheitsstrukturen MADAGASKAR / GUINEA Der Aufbau von lokalen Gesundheitsstrukturen erscheint lebenswichtig, angesichts des Auftretens gewisser Epidemien. Anstrengungen wurden unternommen, um die Ausbreitung in Guinea, Sierra Leone und Liberia einzudämmen. Vor einigen Monaten war es die Pest in Madagaskar, virulenter als sonst, die uns in Atem hielt.

Eine lückenhafte Gesundheitsversorgung

Das neue Gesundheitszentrum in Madina Fanta in Guinea.

Beunruhigende Informationen erreichen uns in regelmässigen Abständen aus den Ländern, in denen wir aktiv sind, die die Ausbreitung von hochansteckenden Krankheiten betreffen. Einige Schlagzeilen erscheinen gross in unseren Medien, eine diffuse Angst

ergreift uns, dann fallen die Länder nach und nach wieder in eine totale Anonymität zurück. Erinnern Sie sich an das Ebola Virus, auf Grund dessen vor zwei Jahren das Schreckgespenst einer weltweiten Epidemie heraufbeschworen wurde? Beträchtliche

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verkörpert die Speerspitze dieser Schlachten. Kolossale Mittel werden aufgewendet, um dieser Epidemien Herr zu werden. Man muss zugeben, dass dringende Interventionen nötig sind, aber es ist höchste Zeit aus diesen Tragödien Lehren zu ziehen. Diese Epidemien und vor allem deren Ausmass sind kein Zufall. Die mangelhafte Gesundheitsversorgung erlaubt weder in Madagaskar noch in Guinea eine rasche Feststellung der Krankheitsausbreitung noch das Organisieren von

koordinierten Gegenmassnahmen. Aus diesem Grund sind wir unermüdlich daran, die Gesundheitsversorgung in diesen Einsatzgebieten zu verbessern.

Staaten, die durch Abwesenheit glänzen Das Beispiel der Renovierung des Gesundheitszentrums in Andrakodavaka spricht Bände. Sie wurde gerade mit der Unterstützung von Nouvelle Planète in der Gemeinde Ambano in Madagaskar abgeschlossen. Eine Gemeinde, die 50 000 Einwohner zählt, verfügt nun über zwei funktionierende Gesundheitszentren! In Guinea ist die Situation in den Unterpräfekturen von Samaya und Bangouya vergleichbar. Die drei in Kondeta, Dinkie Madina und in Madina Fanta errichteten Gesundheitszentren erlauben erste Schritte in die richtige Richtung, aber sie genügen

nicht. Der Mangel an Gesundheitsstrukturen ist beunruhigend. Im Fall von hochansteckenden Krankheiten wie dem Ebola Virus und der Lungenpest hat das fatale Folgen. Man darf nicht vergessen, dass eine Gesundheitsversorgung in erreichbarer Nähe Informationen verbreiten könnte, wie man sich präventiv verhält, indem man Sensibilisierungskampagnen durchführt. Wo bleiben nur die staatlichen Investitionen? Wie würden die Ärzte Girard und Robic die jüngste Pestepisode in Madagaskar beurteilen? 1935 haben sie die Antipestimpfung EV im Pasteur-Institut von Antananarivo entwickelt. Das würde sie bestimmt nachdenklich stimmen… ■ Xavier Mühlethaler Übersetzt von Anaïs In der Smitten

Vom Kokospalmenstamm zur Betonbrücke VIETNAM Endlich ist Schluss mit dem lebensgefährlichen Balancieren über einen Kokospalmenstamm. Dank der Renovation der Hai Dung Brücke kann die Dorfbevölkerung den Fluss gefahrenlos überqueren. Ansätze für die Renovation diskutiert. Die Lösung musste nicht nur am preiswertesten sein, sondern gleichzeitig auch aus funktioneller und qualitativer Sicht überzeugen, um den lokalen Bedürfnissen gerecht zu werden. Ein grosser Teil der bereits bestehenden Struktur sollte wiederverwendet werden, ohne die Überquerung der Fussgänger, Fahrräder und Motorräder unterbrechen zu müssen. Schliesslich entschieden sich die Bewohnerinnen und Bewohner für eine Stahlbetonbrücke. Auf jeder Seite wurden vier Meter Weg erneuert und geteert. Jeden Tag profitieren nun 640 Bewohnerinnen und Bewohner davon – darunter rund hundert Schülerinnen und Schüler und gegen dreissig ältere Personen. Über Jahre hinweg musste der kleine Hung einen grossen Umweg auf sich nehmen bis zur Schule. Die Eltern fürchteten, er könnte beim Überqueren des Flusses vom Kokospalmenstamm, der als Behelfsbrücke diente, abrutschen und in den Wassermassen ertrinken. Doch dank der Intervention von Nouvelle Planète kann nun Hung wieder den direkten Weg über die neue Brücke aus Stahlbeton nehmen und seine Eltern müssen sich keine Sorgen mehr machen.

Kurz vor dem Zusammenbruch Für die Dorfbevölkerung von Phung Son B war die Wiederinstandsetzung der Hai Dung Brücke von grösster Bedeutung. Eine von

unserer Koordinatorin durchgeführte Untersuchung bestätigte die Wichtigkeit dieses Projekts für die Dorfbewohnerinnen- und bewohner. Der desolate Zustand der „Brücke“ war unübersehbar: 2003 wurde die Brücke aus Holz errichtet, anschliessend wurden vier bis fünf Mal kleinere Reparaturen mit Materialien aus der unmittelbaren Umgebung durchgeführt. Vor Beginn des Projekts, verband nur noch ein Kokospalmenstamm die beiden Brückenenden miteinander. Es war höchste Zeit zu handeln.

Schnell zur Schule und Gesundheitsposten Mehrere Wochen wurde über mögliche

Hung kann nun wieder ohne die Begleitung seiner Eltern zur Schule. Auch Fahrräder und Motorräder können die Brücke wieder passieren, was zuvor undenkbar gewesen war. Kranke und Verletzte können sich nun einfacher zum Gesundheitsposten begeben und Ärzte erlangen ohne Schwierigkeiten Zugang zum Dorf.

Technische Angaben zur Brücke: • Länge: 26 Meter • Breite: 2,2 Meter • Höhe: 2 Meter

Manchmal wird die Bedeutung eines gut entwickelten Netzwerks von Wegen für die Entwicklung von Dörfern unterschätzt. Der Fall des Mekong Deltas verdeutlicht dies. ■ Roman Twerenbold Übersetzt von David Schürch

Täglich benützen 640 Bewohnerinnen und Bewohner die Brücke.

Begegnung mit Monsieur Saïf SENEGAL Die Anlage zur Verarbeitung von Cashewnüssen von Simbandi Balante wurde als bester Verarbeitungsbetrieb Senegals ausgezeichnet. Eine Silhouette löst sich von der Mauer der Verarbeitungsanlage für Cashewnüsse und kommt uns würdigen Schrittes entgegen. Es handelt sich um Herrn Saïf, den emblematischen Betriebsleiter der Anlage. Er brennt darauf, uns die letzten Neuigkeiten zu enthüllen. Er überrascht uns bei jedem Besuch; er ist unersättlich. Seine Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten kennt keine Grenzen. Diesmal gibt es eine Überraschung: Er hebt ein Zertifikat hoch: „Senegals beste Anlage zur Verarbeitung von Cashewnüssen“. Diese einmalige Auszeichnung hat ihn dazu veranlasst, an der World Cashew Convention in Singapur teilzunehmen! Wir trauen unseren Augen nicht, als er stolz einige Bilder seiner Reise zeigt.

Der normale Betriebsablauf Nach dieser emotionsgeladenen Sequenz konzentriert sich unsere Diskussion auf das tägliche Funktionieren der Anlage. Die Verarbeitungsperiode erstreckt sich von Oktober bis Juni. Während dieser Zeit arbeiten 25 Frauen und vier Männer

praktisch jeden Tag. Die Jahresproduktion beläuft sich auf etwa 1,5 Tonnen, doch bereitet die Inflation der Preise für die rohen Nüsse Sorge. So ist der Kilopreis im Jahr 2016 von FCFA 600.– auf FCFA  900.– gestiegen, um schliesslich auf FCFA  1200.– im Jahr 2017, dass heisstungefähr CHF 2.10. Wegen dieser Verdoppelung des Ankaufpreises für den Rohstoff musste die Produktion sistiert und konnten vorläufig nur die festen Bestellungen erfüllt werden. Der Jahresumsatz beläuft sich zurzeit auf etwa FCFA 3 500 000.–, was mehr als CHF 5300.– entspricht.

Künftige Entwicklung Während der 6-jährigen Betriebsdauer hat die Generalversammlung mehreren Investitionen zur Entwicklung der Anlage zugestimmt: neue Schältische, eine 400 Kilogramm Brennanlage und neulich zwei Tische aus Inox. Herr Saïf erklärt, Ziel der nächsten Jahre sei, die Anlage auf den Stand der internationalen Hygienevorschriften zu bringen, damit Bestellungen aus Indien entsprochen

werden können. Dazu müsste die Jahresproduktion auf mindestens 5 Tonnen Fertigprodukte erhöht werden. Ein genauer Plan dafür besteht bereits. Er sieht die Anschaffung eines elektrischen Ofens mit einer Kapazität von 300 Kilogramm und einer elektrischen Schälmaschine vor. Die Fortsetzung der Abenteuer kündigt sich spannend an. ■ Xavier Mühlethaler Übersetzt von André Moser

Möchten Sie Cashewnüsse aus Simbandi Balante probieren? Kein Problem. Bestellen Sie ein Degustationssäcklein zum Preis von CHF 5.– (+ CHF 3.– Versandkosten) bei Nouvelle Planète np@nouvelle-planete.ch oder per Telefon unter 021 881 23 80.

Die Cashewnüsse werden von Hand geschält.


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„Wir hatten Tränen in den Augen“ SCHWEIZ-SENEGAL Der überwältigende Empfang der Dorfbevölkerung wird der Einsatz-Teilnehmerin Dominique Steimer noch lange in guter Erinnerung bleiben. Dominique Steimer ist im vergangenen Oktober mit acht weiteren Teilnehmner nach Senegal geflogen, um auf einem Projekt von Nouvelle Planète einen Einsatz zu leisten. Wichtig war dabei für die Teilnehmerin, sich auf einen Organisation zu stützen, die einen umfassenden Prozess bietet: Dieser besteht aus einer Vorbereitung, dem Spendensammeln und dem persönlichen Einsatz vor Ort. Was hat Sie dazu motiviert an einem Einsatz teilzunehmen? Ich wollte mich auf eine Organisation stützen, die mir ermöglicht im Herzen eines Landes zu sein, in einem Dorf, ausserhalb der ausgetretenen Pfade. Auch der persönliche Einsatz vor Ort war mir wichtig – im Gegenzug bekommt man viel von der lokalen Bevölkerung zurück.

Weshalb haben Sie sich für Senegal als Reiseziel entschieden? Wichtig für mich war Afrika, aber kein bestimmtes Land.

Wie haben Sie sich Senegal vor Ihrer Reise vorgestellt? Trotz der Vorbereitung mit Nouvelle Planète, die von grosser Qualität ist, erwarteten wir nicht solch intensive Momente zu erleben. Ich hatte mir all diese Emotionen nicht vorgestellt.

Waren Sie bei Ihrer Ankunft in Senegal überrascht? Durch das häufige Reisen war ich auf den Temperaturschock, die Menschenmassen und den Zustand des Flughafens gefasst. Aber die Ankunft im Dorf war aussergewöhnlich. Wir sind mit drei Autos angekommen und wir haben das letzte Stück der Strecke zu Fuss zurückgelegt. Die Leute erwarteten uns auf dem Weg: Frauen, die ihre Babys auf dem Rücken trugen, Kinder und ältere Menschen. Ich erinnere mich an den Klang von Djemben. Es war ein unglaublich emotionales Erlebnis. Wir hatten Tränen in den Augen.

Welcher Moment Ihrer Reise hat am meisten Emotionen ausgelöst?

Die Einsatz-Gruppe vor dem Gesundheitsposten in Keur Sette Awa (2017).

Die Ankunft im Dorf, aber vor allem die Abreise. Der Abschied war noch stärker. Wir haben uns sehr mit den Leuten verbunden gefühlt und uns während unseres Aufenthalts angefreundet. Helfen Sie uns, Nouvelle Planète bekannter zu machen und Unterstützung für unsere Tätigkeiten zu finden. Gerne schicken wir Ihnen gratis einige Exemplare der folgenden Printmedien:

Was bereitete Ihnen während der Reise am meisten Mühe? Die Hitze. Ich hätte nicht gedacht, dass es 22 von 24 Stunden so heiss sein würde!

Sind Sie es gewohnt, ausserhalb der ausgetretenen Pfade zu reisen? Ich bin viel gereist, aber es waren eher gut ausgeschilderte Reisen. Ich habe beispielsweise während drei Monaten als Freiwillige in einer Schule in Madagaskar gearbeitet und Erfahrungen gesammelt, aber ich war alleine. Das, was mir bei Nouvelle Planète gefallen hat, ist eine Erfahrung in der Gruppe zu erleben.

Wenn Sie Ihre Reise in einem Wort zusammenfassen müssten, welches wäre das? Das Wort „Teilen“. Teilen innerhalb unserer Gruppe, Teilen mit der lokalen Gruppe, mit dem Koordinationsteam, mit den Frauen und mit der Bevölkerung im Allgemeinen.

■ Julie Zufferey Übersetzt von Julia Schaller

Exemplare der aktuellen Nouvelle Planète-Zeitung zum Verteilen

Flyer über Nouvelle Planète

Exemplare des aktuellen Jahresberichts von Nouvelle Planète

Projektbeschrieb zum Projekt für eine Unterstützungsanfrage

Flyer „Einsätze“

Flyer „Entdeckungsreise“ (auf Französisch)

die Einladung für die nächsten Einsätze. Halten Sie mich auf dem Laufenden! (Versand der Einladung für junge Erwachsene: Dezember, für Erwachsene/Senioren: März)

Liste des erhältlichen Handwerks aus Projekten (mit Preisen)

Liste der symbolischen Geschenke (mit Preisen)

Einschreibeformular für freiwillige Mitarbeit (mit Bedingungen)

Informationen zu Legaten und Erbschaften

Informationen über eigene Sammelaktionen im Rahmen von Geburtstagen, Hochzeiten, Trauer und andere

in (Land)

Name: Vorname:

nsatz teil! Nehmen auch Sie an einem Ei Drei Wochen im Rhythmus der lokalen Bevölkerung leben, auf einem unserer Hilfsprojekte mitanpacken, eine andere Art die Welt zu sehen entdecken. Kurz gesagt: ein Perspektivenwechsel. Wenn Sie sich für diese Erfahrung interessieren, laden wir Sie zum ersten Treffen der Einsätze für Erwachsene/Senioren ein.

MITTWOCH, 2. MAI UM 18H IM ESPACE DICKENS IN LAUSANNE

Adresse: PLZ/Ort: E-Mail: Telefon: Geburtsdatum:

 Ich wünsche weitere Informationen. Bitte rufen Sie mich am zwischen Uhr und Uhr an.

(Wochentag)

Einsenden an Nouvelle Planète, av. des Boveresses 24, 1010 Lausanne. Oder per E-Mail an np@nouvelle-planete.ch, Tel. 021 881 23 80.

Unsere Zeitung erscheint fünfmal pro Jahr. Einzelpreis: CHF 2.– (EUR 1.90).

Programm 2018 : • Burkina Faso (Gemüsegärten) • Madagaskar (Wasserversorgung) • Myanmar – Burma (Schule) Sie werden die Möglichkeit haben, mehr über die geplanten Reisen im Herbst 2018 zu erfahren und sich für eine von ihnen einzu­ schreiben. Für mehr Information, besuchen Sie unsere Internetseite www.nouvelle-planete.ch unter der Rubrik „Einsätze“.

Jahresabonnement: CHF 10.– (EUR 9.50). Für Einzahlungen höherer Beiträge sind wir sehr dankbar ; sie tragen zur Finanzierung unserer Aufgaben bei. Dem Wunsch der Spenderinnen und Spender, ihre Spende einem bestimmten Projekt zukommen zu lassen, leisten wir gerne Folge.

Spenden: Postscheckkonto 18-5792-6 / IBAN CH12 0900 0000 1800 5792 6 Schecks: (in CHF, EUR, USD) zugunsten von Nouvelle Planète Adressänderungen: Nouvelle Planète, av. des Boveresses 24, 1010 Lausanne

Druck: Genoud Arts graphiques (Gedruckt auf 100 % recyceltem Papier FSC)

Nouvelle-Planète Zeitung  
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