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Akzente Neues aus der Nordzucker­Welt | Ausgabe 2 | Oktober 2010

Dialog in die Zukunft Hauptversammlung 2010

Vorreiter für nachhaltiges Bioethanol

EU­Agrarpolitik nach 2013

In dieser Ausgabe

Produkte aus der Region


Inhalt

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Die Unternehmenszentrale in Braunschweig erhält eine neue Fassade in Weiß.

DLG-Feldtage mit sehr guter Resonanz

MARKT UND KUNDE

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21 22 23 24 25 25

5 6 8 8 9 9 10 12 13 14 15 15 16

REIHE „Ertragskraft plus”: Wie deutsche Werke Einsparmöglichkeiten finden und verwirklichen Handlungsbedarf bei Vernetzung und Wissenstransfer EU­Agrarpolitik nach 2013 WTO festgefahren Zucker: Weltmarktpreise erklimmen neues Hoch PRION: Konzernweites IT­Projekt nimmt Fahrt auf 5. Braunschweiger Mumme­Meile Hauptversammlungen 2010 – offene Aussprache: „Außendarstellung war nicht optimal” Nordzucker­Geschäftsbericht holt Gold Neuer Aufsichtsrat Gert Lindemann: „Schornsteinpolitik ist kein Weg“ Henning Hansen­Hogrefe: Abschied aus dem Aufsichtsrat Unternehmenszentrale – Demnächst Weiß wie Zucker Dr. Klaus­Dieter Schumacher wechselt zu Nordzucker Kapitalstruktur: „Direkt beteiligt“– weil es besser klingt?

RÜBE 18 19 20

Hoffen auf einen sonnensüßen Spätherbst Wachstum mit Zuckerrüben Zuckerrüben als Biogassubstrat

AKTUELL

In den Werken wurden zur Kampagne viele rentable Maßnahmen umgesetzt.

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Markt im Blick SweetFamily setzt auf Herkunft und Tradition Gelieren für die Region Gut bedacht in die Kampagne Die Ampel ist vom Tisch Norddeutsche Flüssigzucker GmbH & Co. KG übernimmt Flüssigzucker­Aktivitäten Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit

TREFFPUNKT 28 29 30 31 31 32 33 33 33 34 35 36

Nordzucker auf den DLG­Feldtagen Austausch unter Kollegen Guter Besuch der Rübentage in Polen und der Slowakei Moderne Anbauverfahren im Fokus NDR­Landpartie­Fest 2010 – Besuchermagnet Marmeladen­Rühr­Station Stadtfrühstück in Uelzen – Nordzucker präsentiert sich bürgernah Dr. Oliver Liersch besucht Nordzucker Bernhard Brinkmann und Hubertus Heil in Clauen Hans­Michael Goldmann und Florian Bernschneider bei Nordzucker Besuch macht klug, seit über 100 Jahren Vermischtes Saftiger Zwetschgenkuchen

Titelbild: Achim Laumann aus Gremsheim (rechts) und Simon Brinkmann aus Altgandersheim besuchten die Hauptversammlung der Nordzucker AG am 8. Juli 2010 in Braunschweig. Impressum Herausgeber: Nordzucker AG, Küchenstraße 9, 38100 Braunschweig, Telefon +49 531 2411­314, Telefax +49 531 2411­378, akzente@nordzucker.de | Redaktion (red): Helmut Bleckwenn, Susanne Dismer­Puls (sdp), Rolf Hoffmann, Bernd Lingelbach, Tanja Schneider­Diehl (tsd), Marion Stumpe (ms), Dr. Ulf Wegener | Gestaltung und Satz: Sieler Kommunikation und Gestaltung GmbH, Frankfurt | Druck: CWN­Druck, Hameln | Bildnachweis: Fotolia, Hirsch Architekten, iStockPhoto, Nordic Sugar, Nordzucker

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Editorial

Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, liebe Leserinnen und Leser, in den vergangenen Monaten hatten wir viel Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen, zu diskutieren, offen gebliebene Fragen anzusprechen. Meinen Vorstandskollegen und mir war es ein großes Anliegen, Ihr Vertrauen in uns als Vorstand und damit auch in die Nordzucker zu stärken. Das geht nicht von heute auf morgen, doch wir werden diesen Weg fortsetzen. Mit dem Leitmotto unserer neuen Ausgabe Akzente „Dialog in die Zukunft“ verleihen wir diesem Wunsch zusätzlich Ausdruck. Die Hauptversammlungen in diesem Sommer haben gezeigt, dass unsere Kommunikation insgesamt inten­ siviert werden muss. Akzente ist ein Baustein dieser Bemühungen. Auf zahlreichen gelungenen Veranstaltungen haben wir uns von einer ganz Hartwig Fuchs

anderen Seite – unserem SweetFamily-Gesicht – gezeigt. Beim NDR-Landpartie­ fest ist es uns gelungen, unsere Genussthemen rund um die süße Vielfalt in den Vordergrund zu stellen. Uns war und ist es wichtig, als Unternehmen dabei zu sein, zu gestalten und – im wahrsten Sinne des Wortes – in aller Munde zu bleiben.

Mehr zu den vielfältigen Treffpunkten lesen Sie in dieser Ausgabe. Die DLG-Feldtage waren der Treffpunkt der gesamten „grünen Branche“, der es uns erlaubte, zum ersten Mal mit Ihnen über die neuen Indus­trie­rübenverträge ins Gespräch zu kommen. Ihr Zuspruch bislang ist sehr erfreulich, dennoch möch­ten wir Sie ­angesichts stark schwankender Preise und großer Qualitätsrisiken, denen Sie beim Weizen gerade auch dieses Jahr wieder ausgesetzt waren, ermuntern, das attraktive Angebot noch stärker anzunehmen. Nun ist vor wenigen Tagen die diesjährige

» Die Hauptversammlungen in diesem Sommer haben gezeigt, dass unsere Kommunikation insgesamt intensiviert werden muss. «

Zuckerrübenkampagne in unseren drei Regionen gestartet. Prognosen zeigen insgesamt eher mittelprächtige Ergebnisse. Ein kühles, nasses Frühjahr, ein sehr heißer und trockener Juni und Juli sowie ein ins Wasser gefallener August waren in weiten Teilen unserer Anbau­gebiete nicht förderlich für Spitzenergebnisse. Unsere Werke werden in jedem Fall bis Januar wieder Groß­artiges leisten, um den Zucker aus den Rüben zu gewinnen und unter Dach und Fach zu bringen. In diesem Zusammenhang ist es sehr erfreulich, dass wir jetzt mit der neuen Ernte in Norddeutschland Zucker, Melasse, Bioethanol und alle weiteren Produkte zertifiziert nachhaltig produzieren werden. Das ist das Ergebnis großer Anstrengungen während der gesamten Sommermonate auf allen Seiten. Wir alle, Sie als Rübenanbauer, wir als Unternehmen, haben dazu einen erheblichen Beitrag geleistet, der uns im Markt weiter differenziert und auf politischer Ebene auf die Vorteile unserer Landwirtschaft hinweist. Meine Vorstandskollegen und ich wünschen Ihnen noch viele sonnige Herbsttage und eine alles in allem erfolgreiche Rübenkampagne 2010. Herzlichst Ihr

Hartwig Fuchs

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REIHE: Ertragskraft plus

Rentabel investieren: Alle Mitarbeiter liefern Vorschläge für Ertragskraft plus.

Im Blick: Ertragskraft plus

Wie deutsche Werke Einsparmöglichkeiten finden und verwirklichen Wenn die Kampagne startet, muss im Werk alles fertig sein. Und so liefen auch in ­diesem Jahr die Instand­hal­ tungs- und Investi­tionstätigkeiten den ganzen Som­­mer über auf Hochtouren. Zahl­reiche ren­table Maß­nahmen galt es umzusetzen, damit sie erst­mals in der Kampagne 2010/11 Früchte tragen und ihren Bei­trag zu Ertragskraft plus leisten können. Denn das konzernweite Ziel bis 2015 heißt: dauerhafte Ein­ sparung von 67 Millionen Euro. Zu die­ sem Ziel hat sich der Konzern verpflich­ tet – es wird ein hartes Stück Arbeit sein, es auch ­zu errei­chen. Anne-Katrin Rohde (44), Lei­te­rin des neuen Bereichs Oper­ational Excellence, ist sich sicher: „Das schaffen wir.“

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Eine ihrer wichtigsten Auf­gaben besteht darin, innerhalb der deutschen Werke auf die Suche nach Einspar­möglichkei­ten zu gehen und diese konsequent zu verfolgen. Sie betreut damit den sicherlich aussichts­ reichsten Bereich: Pro­duk­tion. Denn ne­ ben Einkauf, Logistik, Ver­trieb und Verwal­ tungs­­prozessen liegt ein wesentlicher Fokus ­darauf, in die Werke zu schauen. Und hier sind es vor ­allem Maß­nahmen zur Ener­gieeinspa­rung, die positive Effekte zeigen. „Wir sind auf dem rich­tigen Weg, weil wir konsequent und Tag für Tag Ein­ sparungen zu unserem Thema machen und Ideen und Vorschläge stetig verfolgen“, beschreibt die Ingenieu­rin ihre Pläne. Dass sie dabei auf engagierte Mitarbeiter setzen kann, freut sie besonders: „Das Kos­ten­

bewusst­sein bei unseren Mit­arbei­tern ist stark ausgeprägt. Dazu haben Grup­ pen­arbeit und die selbstständige Pla­­­­nung des Auf­wands hinsichtlich Kosten und Zeit sowie laufende Controlling­ge­spräche mit Grup­pen­sprechern, Meistern, Betriebs­ ingen­­ieuren und Arbeits­vorbe­rei­tern in den ver­gan­genen Jahren beigetragen.“ Aktiv werden alle Mitarbei­ter in den kon­ tinu­ier­­­lichen Verbesserungs­prozess ein­­ gebunden – sei es über die Nordzucker-­ Ideen­börse oder über gezielte Qualitäts­ team­arbeit. „Beides wird federführend dazu beitragen, dass die Ergebnisse aus dem Bereich der Werke so wie geplant bis 2015 ­erreicht werden“, betont Anne-Katrin Rohde. tsd


Aktuell

Zur Person

Anne-Katrin Rohde Leiterin des Bereichs „Operational Excellence”

Anne­Katrin Rohde ist die Koordinatorin, aufmerksame Beobachterin, der kreative Geist und Treiber des Bereichs „Operational Excellence“ für die deutschen Werke. Als Senior Manager sieht sie ihren Schwerpunkt darin, bereits im Vorfeld Risiken zu erkennen und diese zu kompensieren. Anne­Katrin Rohde ist seit 1991 für Nordzucker tätig, zunächst als Betriebsassistentin in Lehrte, später dann in Braunschweig im Bereich Umwelt und Assistenz für den Vorstand Produktion und Technik. In den vergangenen zwei Jahren strukturierte sie als Betriebsleiterin der fuel 21 Prozesse neu – sie weiß also her­ vorragend mit herausfordernden Situationen umzugehen. Zu ihren aktuellen Aufgaben ge­ hören die konsequente Nachverfolgung der in der Umsetzung befindlichen Maßnahmen, die Nachkalkulation der Effekte und das Auf­ spüren neuer Einsparpotenziale. Dabei wer­ den auch bestehende Prozesse infrage ge­ stellt, optimiert und effizienter gestaltet. Vor allem Maßnahmen zur Energieeinsparung zeigen erfreuliche Ergebnisse.

Handlungsbedarf bei Vernetzung und Wissenstransfer Fragen an Produktionsvorstand Axel Aumüller Herr Aumüller, das Einsparprogramm Ertragskraft plus ist auch in unseren Werken in Norddeutschland angelaufen. Wo setzen Sie im Bereich Produktion den Hebel an? Axel Aumüller: Zwei konkrete Beispiele nenne ich gern stellvertretend, die jeweils rund eine Million Euro einsparen werden: Zum einen die Umrüstung der Brenner­ technik in Klein Wanzleben von Heizöl auf das derzeit günstigere Erdgas. Der Wärme­ preis je Kilowattstunde liegt ein Drittel un­ ter dem von schwerem Heizöl. Gleichzeitig investieren wir in die Zukunft, denn durch den bivalenten Betrieb des Kessels ist eine bessere Reaktion auf Marktpreisverände­ rungen möglich. Die zweite Maßnahme betrifft die fuel 21. Hier sind es viele kleine technische und technologische Optimierun­ gen, die die Energieverbräuche dauerhaft senken. Wo sehen Sie noch Handlungsbedarf? Aumüller: Ganz klar in der Vernetzung und im Wissenstransfer. Denn kontinuier­

liche Verbesserungen im Werk und auch in den einzelnen Regionen sind heute zur Selbstverständlichkeit geworden und be­ stimmen das Handeln im Alltag. Jedoch müssen wir noch besser werden, wenn es heißt, diese Ergebnisse über die Regions­ grenzen hinaus zu transportieren. Dies ist aber ein entscheidender Ansatzpunkt, um Synergien auch in anderen Werken zu he­ ben. Wissenstransfer und Vernetzung der Werke müssen noch engmaschiger werden. Welche Lösungsansätze verfolgen Sie? Aumüller: Wir haben uns für diese Auf­ gabe systematisch neu aufgestellt. Zum einen haben wir im Bereich Produktion acht unternehmensweite Arbeitsgruppen gegründet, die sich gerade mit dem Aus­ tausch von Informationen über alle tech­ nischen Bereiche beschäftigen, angefangen von der Arbeitssicherheit, den Service Centern, Investitonen, Instandhaltung, Technololgie und Energieeinsatz bis zur Nachhaltigkeit. Zum anderen wurde in der Region Zentraleuropa als Pilotprojekt

Axel Aumüller, Vorstand Produktion, Nordzucker AG

der Bereich Operational Excellence neu gegründet, den Anne­Katrin Rohde führt. Er verknüpft Ideen, Projekte und Effekte aus der Ideenbörse, der Qualitätsteamarbeit und von Ertragskraft plus. Beide Systeme bestehen seit dem Jahr 2000 und werden heute wieder stärker forciert, beziehungs­ weise neu aufgelegt. Um die Einsparziele von Ertragskraft plus zu erreichen, müs­ sen wir das Potenzial unserer Mitarbeiter einfordern und flächendeckend nutzen. Das Interview führte Tanja Schneider-Diehl

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Aktuell

EU-Agrarpolitik nach 2013 Die Reform der Gemeinsamen Agrar­politik nach 2013 (GAP) befindet sich in einer inten­siven Vor-Diskussion. Die Experten sind sich einig: Im Wesent­li­chen geht es ums Geld. ­Ge­nau­­er gesagt, um die Direkt­ zahlungen an die Landwirte (erste Säule) sowie die Zah­­lun­gen für bestimmte Leistungen (zweite Säule). In Zeiten knapper Kas­sen wird ­natürlich auch die Frage nach dem Gesamt­budget und die Ver­ teilung zwischen den Mitgliedsstaaten aufgeworfen.

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Aktuell

Bereits im Frühjahr 2011 will die EU Vorschläge für eine neue Agrarpolitik ab 2013 vorlegen.

Den Anfang machten Bürgerwünsche via Internet Keine der bisherigen Agrarreformen ist mit einem derartigen Aufwand an Vor-Diskus­ sio­nen, Beteiligung der allgemeinen Öffent­­­ lichkeit, Umfragen und nahezu plebiszitären Elementen begleitet worden. Bis Anfang Juni 2010 hatte die EU-Kommission zu Bei­ trägen im Rahmen einer Internet­konsulta­ tion aufgefordert. Die gesamte Öffentlich­ keit – jeder Bürger, jedes Unternehmen, jede Organisation, jeder Verband – konnte sich daran beteiligen. Internetkonsultation der Kommission Die öffentliche Konsultation stand unter folgenden Fragestellungen: l Warum

brauchen wir eine gemeinsame europäische Agrarpolitik?

l Was

erwarten die Bürger von der ­Land­wirtschaft?

l Warum

muss die GAP reformiert ­werden?

l Welche

Instrumente brauchen wir für die künftige GAP?

Rund 5.700 Beiträge sind dazu eingegan­ gen. Die Aus­wertung erfolgte in einer zwei­ tägigen Konferenz in Brüssel Mitte Juli 2010.

l Die

Gemeinsame Agrarpolitik muss die Er­nährungssicherheit für die EU garan­ tieren.

l Eine

Absage erteilte Cioloş den histori­ schen Bezügen bei der Bemessung der Zahlung. Das bedeutet eine Abkehr von den bei der Reform 2003 vereinbarten Direkthilfen je Land.

l Die

Inanspruchnahme öffentlicher Mittel durch die Landwirte ist gerecht­ fertigt („Kein Landwirt muss sich schä­ men…“). Die Zahlungen müssten aber zielgerichteter verteilt werden, ihnen müssten objektive und realistische Kri­ terien zugrunde gelegt werden. Betrieb­ liche, wirtschaftliche, soziale und Um­ welt­­bedingungen der landwirtschaft­ lichen Unternehmen sollten dabei stärker Berücksichtigung finden.

l Zur

Gleichbehandlung von Mitglieds­ staaten, Regionen und Betrieben merkte Cioloş an, dass Gleichbehandlung nur unter vergleichbaren Bedingungen ­er­fol­gen kann.

l Die

erste und zweite Säule will der Kommissar erhalten.

Agrarkommissar Cioloş formulierte die Zusammenfassung und Schluss­folgerun­ gen der Kommission:

l Cioloş

l Die

l Boden,

Bürger wollen eine Agrarpolitik für eine Landwirtschaft im Dienste der Ge­sellschaft. Wettbewerbsfähige und nach­haltig wirtschaftende Betriebe ­sichern die Beschäftigung in ländlichen Gebieten.

betonte die Rolle der Land­wirt­ schaft zur Nahrungsmittelversorgung in der EU und weltweit. Wasser und Biodiversität sollen durch nachhaltige Produktions­metho­ den besser geschützt werden. Umwelt­ schutz und Klimawandel haben eine ho­he Priorität.

l Zur

Prävention von Marktkrisen gehört nach Auffassung des Kommissars ein effektives Sicherheitsnetz mit geeigne­ ten Instrumenten. Diese sollen auch die Volatilität der Erlöse begrenzen.

Diese Themen haben auch bislang schon die Diskussion über die GAP nach 2013 beherrscht. Es sind die Themen, die der neue Agrarkommissar Cioloş immer wieder anklingen lässt. Die öffentliche Konsulta­ tion hat dem Kommissar somit zusätzliche Legitimation für seinen Kurs verschafft. Optionenpapier im November Voraussichtlich im November 2010 wird die EU-Kommission ein Optionenpapier veröffentlichen. Danach wird sich die all­ gemeine Diskussion noch einmal intensi­ vieren und konkretisieren. Im Frühjahr 2011 sollen Legislativ­vor­schläge vorgelegt werden. 2012 wird mit den ­Be­schlüs­sen unter dem neuen Mitent­ schei­dungs­verfahren des EU-Parlaments (Lissa­bon-Verträge) gerechnet. Das an­ schließende Verfah­ren einer gesetzgeben­ den Maß­­nah­me in der EU (Formulierung der Texte, Prüfung durch den juristischen Dienst, Übersetzung in 27 Sprachen etc.) nimmt mindestens sechs Monate in An­ spruch. Die Verord­nung soll zum 1. Januar 2014 in Kraft treten.

Christian Kionka Leiter Zentrale Öffentlichkeitsarbeit

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Aktuell Weiter kein Fortschritt bei den WTOVerhandlungen

WTO festgefahren Freihandels­ab­k ommen durchlöchern GAP-Strategie Bei den WTO-Verhandlungen sind keine Fortschritte zu verzeichnen und es ist auch keine Annäherung in Sicht. Bra­si­ lien, China und Indien wehren sich ­ge­gen eine Öffnung ihrer Märkte für Industriegüter, die USA fordern verbes­ serten Marktzugang dafür. Diese Staa­ ten zeigen derzeit kein Interesse daran, die WTO-Verhandlungen wiederzubele­ ben. WTO-Generaldirektor Lamy sieht eine Chance, auf dem G20-Gipfel im November 2010 in Seoul einen erneuten politischen Anstoß geben zu können, Fachleute beurteilen dies eher skeptisch. Lamy versucht durch eine Erweiterung auf andere Schlüsselthemen, insbesondere um­ weltfreundliche Güter, die Verhand­lun­gen wieder in Schwung zu bringen. Eine Defi­ ni­tion von „Umweltgütern“ steht allerdings noch aus. Brasilien schlägt vor, Ethanol in diese Liste aufzunehmen. Die Industrie­

staaten wie die EU, die USA, Australien und Kanada lehnen dies ab. Im Agrarbe­reich sind außerdem noch zahlreiche Fragen ungelöst: die Ausgestaltung eines beson­ deren Schutzmechanismus für Entwick­ lungs­länder, die Zollvereinfachung, die Anzahl sensibler Produkte, die Festlegung einer Obergrenze für Einfuhrzölle und die Senkung der Subventionen für Baumwolle. Mehr Erfolg in der Liberalisierung von Handelsbeziehungen verspricht sich die EU vom Abschluss bilateraler Freihandels­ab­ kommen mit anderen Wirtschafts­blöcken. Nachdem die Verhandlungen mit den Andenstaaten und Zentralamerika abge­ schlossen sind und die Möglichkeit von insgesamt rund 260.000 Tonnen zusätz­ lichen Zuckerimporten in die EU eröffnen, haben die Gespräche zwischen Vertretern der EU-Kommission und den MercosurStaaten (Handelszusammenschluss in

Südamerika zwischen Brasilien, Argen­ tinien, Uruguay, Paraguay) begonnen. Über Marktzugang (Zollabbau und Ein­ räumung von Importquoten) wurde noch nicht gesprochen. Auch in den im Okto­ ber anstehenden Verhandlungen soll die­ ses Thema ausgeklammert werden. Ständig neue Verhandlungen von Freihan­ dels­abkommen werden von der EU aufge­ nommen, z.B. mit Indien, Singapur, Ukrai­ne, Kanada und Mexiko. Jedes Zugeständnis im Zucker- und Etha­ nolbereich bedroht sowohl die EU-Erzeu­ gung als auch die Lieferung aus AKP- und LDC-Staaten. Weitere Belastungen sind durch die Umgehung von Ursprungs­regeln denkbar. Damit würden das Ziel der EUZuckermarktreform 2006 und auch die Ziele der anstehenden GAP-Reform auf Christian Kionka den Kopf gestellt. 

Weltmarktpreise erklimmen neues Hoch Widrige Witterungsbedingungen haben in der Kampagne 2009/10 in Brasilien die Ernte des Zuckerrohrs erschwert und die Produktionsmenge verringert. Zusätzlich zu Produktionsausfällen in Indien hatte das zu dem Anstieg der Weltmarktpreise Ende 2009 geführt. Brasilien forcierte dar­ aufhin den Export von Zucker zulasten der Ethanolproduktion, die EU genehmigte Zuckerexporte über das WTO-Limit hinaus, die Weltmarktpreise lagen über dem EUPreisniveau, wie die offizielle Preis­bericht­ erstattung zeigte. Gestützt wurde dieser Preistrend durch Investoren mit ausschließ­ lichem Finanzmarktinteresse. Als sich die fundamentalen Faktoren durch bessere Aussichten auf die neue Ernte 2010/11 änderten, wurden deren Positionen veräu­ ßert und es erfolgte ein rasanter Rückgang der Weltmarktpreise. Als ob sich Geschichte wiederholt, steigen die Notierungen an der Weißzuckerbörse in London, pünktlich zum Beginn der Kam­ pagne in Europa, wieder über EU-Niveau. Nur teilweise können die Erwartungen aus 8

Weltmarktpreise Zucker 2004 – 2010 800 700 600 500

Weltzuckerpreis $/t

400 300 200 Weltzuckerpreis €/t

100

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

Quelle: Weißzuckerbörse London, London Nr. 5, Stand 15. September 2010

der Entwicklung anderer Rohstoffe dafür verantwortlich gemacht werden. Wesent­ lich sind die um drei bis fünf Millionen Ton­­nen geringeren Ernteaussichten in ­Bra­silien im Vergleich zu früheren Annah­

men und die Ernteausfälle durch die Über­ schwem­­mungen in Pakistan. Ob Exporte aus der EU von diesen Preisen profitieren, hängt von der Ernte und dem Anfall von Nicht­ Christian Kionka quotenzucker ab.­


Aktuell

PRION: Konzernweites IT-Projekt ­ nimmt Fahrt auf Teams aller Regionen durchleuchten Geschäftsprozesse Zugegeben: Der Name ist nicht ganz „ge­ ländegängig“, doch das konzernweit gestar­ tete Projekts PRION wird Auswirkungen auf alle wesentlichen Abläufe bei Nordzucker haben. PRION bedeutet Process Integration and Optimization of Nordzucker. In diesem Projekt sollen alle Prozesse und Stamm­

Gemeinsame Prozesse und eine einheitliche IT-Plattform beschleunigen die Integration.

Berichtsebene mit einheitlichem Zahlenmaterial Gemeinsame Konzernprozesse

Regionale Anforderungen

daten der verschiedenen Gesellschaften vereinheitlicht und in einem identischen SAP-System abgebildet werden. Denn bis­ her behinderten unterschiedliche Stamm­ daten in Logistik, Einkauf und Rech­nungs­ wesen die Arbeit. Wie soll zum Beispiel das Finanzwesen einen einheitlichen Blick auf das Unternehmen schaffen, wenn die Zah­ len auf ganz unterschiedliche Weise ermit­ telt werden? Um dieser ungünstigen Situation zu Leibe zu rücken, hat PRION die Arbeit aufgenom­ men. Denn gemeinsame Prozesse und eine einheitliche IT-Plattform helfen, die Integra­ tion von Nordzucker und Nordic Sugar ­voranzutreiben. Damit gewinnt Nordzucker an Geschwindigkeit und ist für die Heraus­ forderungen gerüstet, die in der Zucker­ branche in den nächsten Jahren aufkom­

men werden. Mit der Entscheidung, die Systemlandschaft ebenfalls zu vereinheit­ lichen, werden die definierten Prozesse ­optimal unterstützt. Diesen nicht unerheblichen Aufwand leis­ ten die Mitarbeiter zusätzlich zur täglichen Arbeit. Mit herausragenden Ergebnissen: Alle Meilensteine wurden bisher erreicht. Das Projekt PRION geht den damit verbun­ denen Veränderungsprozess mit an – denn der Name steht auch für PRIO Nordzucker!

Franz-Josef Elsing Leiter IT

5. Braunschweiger Mumme-Meile Erleben Sie am 6. und 7. November 2010 bei der 5. Braun­schweiger Mumme-Meile das genussvolle Einkaufserlebnis beim vier­ten verkaufs­offenen Sonn­tag von 13 bis 18 Uhr in der gesamten Innenstadt. Ein Wochen­ ende lang dreht sich alles rund um das his­ torische Getränk aus Malz und Was­ser: die Braun­schweiger Mumme. Der Arbeits­aus­ schuss Innenstadt Braunschweig e.V., die Braunschweig Stadtmarketing GmbH und die Nordzucker AG ­laden Sie herzlich ein, die historische, kulturelle und kulinarische Bedeutung als lebendigen Teil der Stadt­ geschichte kennenzulernen. Nordzucker wird mit einem Aktionsstand und Live-Vorführungen direkt auf der Mumme-Meile vertreten sein. Mit diesem Motiv wirbt die Stadt Braunschweig für die Mumme-Meile.

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TITEL: Hauptversammlungen 2010

Hauptversammlungen 2010

Offene Aussprache: „Außendarstellung war nicht optimal” also eine absolut attraktive Adresse“, so charakterisierte der Vorstandsvorsitzende die Nordzucker AG und erklärte damit auch, warum er seinen Job bei Nordzucker angetreten hatte. Direkt danach sprach Fuchs die unangenehme Wahrheit scho­ nungslos aus: „Die Außendarstellung von Nordzucker war in letzter Zeit nicht im­ mer optimal. Es wurden Fehler gemacht und wir müssen einen Verlust von rund zehn Millionen Euro im Konzern und rund 17 Millionen Euro in der Nordzucker AG ausweisen, was dazu führt, dass in die­ sem Jahr keine Dividende ausgeschüttet wird.“ Nordic Sugar­Akquisition war die richtige Entscheidung

Konzentrierte Zuhörer in der Stadthalle.

Im Vergleich zu den Vorjahren hatten die diesjährigen Hauptversammlungen eini­ ge Besonderheiten zu bieten: Im Laufe des Geschäftsjahrs 2009/10 war der ge­ samte Vorstand der Nordzucker AG neu besetzt worden. Die fünf Vorstandsmit­ glieder Hartwig Fuchs, Axel Aumüller, Mats Liljestam, Dr. Michael Noth und Dr. Niels Pörksen hatten damit ein Jahr zu erklären, das sie nicht vollständig be­ einflussen konnten. Dennoch erwarteten die Aktionäre zu Recht eine detaillierte Erläuterung des im Geschäftsjahr 2009/10 entstandenen Fehlbetrags und eine aus­ führliche Beantwortung ihrer Fragen.

Dr. Harald Isermeyer: ausführliche Antworten auf kritische Aktionärsfragen.

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Gleich zu Beginn der Veranstaltungen wur­ de klar, dass sich bei Nordzucker hinsicht­ lich der Kommunikationspolitik etwas ver­ ändert hatte. Das gesamte Vorstandsteam hatte den Rechenschaftsbericht unter sich aufgeteilt. Jeder berichtete aus dem Blick­ winkel des eigenen Ressorts. Die Nordzucker AG ist eine attraktive Adresse „Nordzucker ist ein im Kern gesundes Unternehmen, das über eine solide Eigen­ kapitalbasis und zudem über ein klar definiertes und operativ profitables Kern­ geschäft verfügt. Von außen betrachtet

Hartwig Fuchs betonte, dass der Nordic SugarErwerb richtig war.

Der Erwerb von Nordic Sugar – und dies betonte Fuchs mehrfach im Lauf seines Vortrags – sei jedoch der absolut richtige Schritt gewesen, um dem Unternehmen eine starke Marktstellung in Nordeuropa zu sichern. Das Kerngeschäft Zucker sei gesund. Nun gehe es darum, die Vorteile aus dem Erwerb von Nordic Sugar zu zie­ hen, den Konzern noch stärker zu integrie­ ren und das Unternehmen insgesamt enger an die Märkte zu rücken. Sondereffekte belasten das Ergebnis „Das Jahr 2009/10 war ein bewegtes Jahr für Nordzucker.“ Mit diesem Satz leitete Dr. Michael Noth, Finanzvorstand, seine ausführlichen Erläuterungen zum Jahres­ abschluss ein. „Besonders wichtig war sicherlich die Übernahme von Nordic Sugar“, so Dr. Noth weiter. Das abgelau­

Axel Aumüller: „Wir-Gefühl auf gutem Weg.”


Aktuell

Das Kerngeschäft Zucker ist gesund.

fene Geschäftsjahr war zudem geprägt von zahlreichen Sondereffekten – wie der Ver­ äußerung der Beteiligung in Serbien, der Reintegration des Vertriebs, Sonderab­ schreibungen für die Beteiligung Hübner und buchhalterische Effekte im Rahmen des Erwerbs der Nordic Sugar – die das Ergebnis erheblich belastet haben. Partnerschaftliche Zusammenarbeit steht im Mittelpunkt „Wichtigstes Ziel der partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Nordzucker und den Rübenlieferanten ist die fortlau­ fende Steigerung der Ertragskraft“, betonte Dr. Niels Pörksen in seinem Redepart. Und weiter: „Der große Vorteil der Rübe gegen­ über anderen Ackerfrüchten ist die hohe Planungssicherheit. Die Rübe steht gut da im Vergleich zum Wettbewerb und ver­ schafft dem Landwirt ein relativ sicheres Einkommen. Wichtig ist an dieser Stelle aber eins: Wir alle dürfen uns auf diesen Erträgen nicht ausruhen. Die Rübe ist zwar gut aufgestellt, aber wir müssen auch an­ gesichts möglicher Veränderungen in der Zukunft die Effizienz und die Erträge weiter steigern. Das ist die vornehmliche Aufgabe, die gemeinsam vor uns liegt!“

Mats Liljestam erwartet stabile Zuckerpreise für den gesamten Konzern.

Wir­Gefühl auf gutem Weg Axel Aumüller verdeutlichte in seinem Vortrag die Erfolge der außergewöhnlich langen Kampagne 2009/10, den Stand der Investitionstätigkeit, das Niveau der Instandhaltungsaufwendung und der Mindestverfügbarkeit der Werke sowie den Integrationsprozess mit Nordic Sugar. „Insgesamt liegt noch eine Menge Arbeit vor uns, aber die Integration und das „Wir­Gefühl“ sind auf einem guten Weg“, fasste Aumüller seinen ausführlichen Vortrag zusammen. Stabile Absatz­ und Preissituation Eine hohe Nicht­Quotenzuckermenge aus der überdurchschnittlichen Kampagne 2009/10 und zusätzliche EU­Exportlizen­ zen haben im abgelaufenen Jahr für einen Anstieg der Absatzmenge gesorgt. Die Absatzmenge im Bereich Quotenzucker hat sich in den Regionen stabil entwickelt. Mats Liljestams Prognose für 2010/11 lau­ tet: „Insgesamt erwarten wir für den ge­ samten Konzern eine stabile Absatz­ und Preisentwicklung.“ Nicht die Zeit für große Visionen „Für dieses Jahr sind wir in Bezug auf unsere Konsolidierung auf einem guten Weg“, so Fuchs in seiner abschließenden Zusammenfassung, und weiter: „Aber es ist selbstverständlich zu früh, um sich nach einem einzigen Quartal zurückzulehnen und zu glauben: Jetzt wird alles gut. Nach einem schlechten Jahr ist es auch nicht an der Zeit, Ihnen große und vielleicht teure Visionen zu präsentieren. Wir müssen un­

Erläuterte zahlreiche Sondereffekte, die das Ergebnis belasteten: Finanzvorstand Dr. Michael Noth.

sere Umsatzrendite nachhaltig steigern. Wir wollen die Eigenkapitalquote hochfahren, auch wenn diese mit 30 Prozent so schlecht nicht ist. Und wir werden jedes Jahr produk­ tiver und schlanker werden müssen.“ Hervorragende Teamleistung Mit Blick auf die Fußball­WM leitete der Aktionär Werner Jacobs den ersten Frage­ block ein: „Ich danke dem Vorstand für seinen Vortrag. Ich bin sehr angetan aus folgendem Grunde: Der heutige Vorstand erinnert mich an die deutsche National­ mannschaft in den Spielen gegen England und Argentinien. Die Teamleistung, die heute gezeigt wurde, fand ich hervorra­ gend.“ Auch Jochen Steinhagen aus Wieren lobte die Ausführungen des Vorstands. Er äußerte die Hoffnung, dass nun Ansprech­ partner im Vorstand auch dauerhaft zur Ver­ fügung stehen würden und das Unterneh­ men über einen längeren Zeitraum begleiten. Doppelmandate in den Gremien Immer wieder aufgegriffen wurde die Frage nach den Doppelmandaten von Gremien­ mitgliedern der Nordzucker AG und der Nordzucker Holding AG. Infrage gestellt wurde vonseiten einiger Aktionäre die Effektivität der vorhandenen Kontrollmecha­ nismen angesichts einer solchen Ämterver­ flechtung. „Wir brauchen deutlich kleinere Gremien und wir brauchen den Zusam­ menschluss aller drei Holdings. Und das ist eigentlich das, was uns Aktionäre stört: Wir brauchen wenige kompetente Ansprech­ partner,“ fasst Jochen Steinhagen den Sach­ verhalt zusammen.

Dr. Niels Pörksen: Steigerung der Ertragskraft der Rübe im Fokus.

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TITEL: Hauptversammlungen 2010

Werner Jacobs: „Der heutige Vorstand ­erinnert mich an die deutsche National­ mann­schaft in den Spielen gegen England und Argentinien. Die Team­leis­tung, die heute gezeigt wurde, fand ich hervorragend.“

Werke und Kampagne Intensiv wurden zudem Fragen rund um die Investitionen und Instandhaltungs­maß­ nahmen in der Kampagne erörtert. So frag­ten Aktionäre beispielsweise nach der Umweltverträglichkeit der in Zukunft ge­ planten Braunkohlestaubfeuerung in der Kampagne. Axel Aumüller betonte in die­ sem Zusammenhang, dass durch eine ­zusätzlich installierte Entstaubungsanlage direkt Vorsorge getroffen worden ist. In der Furt wechselt man die Pferde nicht Viele der Fragen der Aktionäre drehten sich auch um den Wechsel an der NordzuckerFührungsspitze. Dr. Harald Isermeyer erläu­ terte daher den Prozess des Wechsels sehr

ausführlich und aus seiner persönlichen Sicht. „Irgendwann merkt man, wenn es in der Zusammenarbeit nicht mehr klappt. Das sind häufig kleine Puzzleteile, die sich zusammenfügen, und irgendwann ist klar: Es geht nicht mehr weiter, es muss eine Entscheidung getroffen werden. Eine Tren­ nung wäre in der Phase der Akquisition aber sehr schwierig gewesen. Daher hat sich der Vorstandswechsel zeitlich noch etwas nach hinten verschoben. Im Dienst der Eigen­ tümer galt es in dieser Situation, die richti­ ge Entscheidung zu treffen.“ Ergebnisse der Abstimmung Die Hauptversammlung der Nordzucker AG sprach dem Vorstand und dem Auf­

Nordzucker-Geschäftsbericht holt Gold Nordzucker ist für den aktuellen Geschäftsbericht bei den diesjährigen Vision Awards der League of American Communications Professionals LACP mit Gold ausgezeichnet worden. Über alle Branchen hinweg wurden mehr als 4.000 Geschäftsberichte aus mehr als 25 Ländern eingereicht und bewertet. In der Kategorie Agribusiness hat Nordzucker nach Syngenta den besten Geschäfts­bericht der Branche vorgelegt. Bewertet wurden unter anderem die Kategorien Brief an die Aktionäre, Klarheit der Botschaften und der Finanz­ bericht. Insgesamt erzielte der Bericht erfreuliche 97 von 100 Punkten. Unter http://www.lacp.com/2009vision/c2.htm finden Sie weitere Details. Bianca Deppe-Leickel, Manager Investor Relations

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Jochen Steinhagen aus Wieren lobte die Aus­füh­ run­­gen des Vor­stands. Er äußerte die Hoff­nung, dass nun Ansprech­partner im Vorstand auch dauerhaft zur Ver­fügung stehen und das Unter­neh­­men über einen längeren Zeitraum begleiten.

sichtsrat mit großer Mehrheit die Ent­las­ tung aus. Henning Hansen-Hogrefe, Inge­ leben, stand nach langjährigem En­gage­ ment für eine Wiederwahl in den Aufsichts­ rat der Nordzucker AG aus Altersgründen nicht mehr zur Verfügung. Neu in den Auf­ sichtsrat wurde Gert Lindemann, Staats­ sekretär a. D., gewählt. Für eine weitere Amtsperiode im Aufsichtsrat wurden mit ebenfalls sehr deutlichen Mehrheiten be­ stätigt: Dr. Karl-Heinz Engel (Haupt­geschäfts­­ führer der Hochwald NahrungsmittelWerke GmbH) sowie Dr. Clemens Große Frie (Vorstandsvorsitzender der Agravis Bianca Deppe-Leickel Raiffeisen AG).


Aktuell

„Schornsteinpolitik ist kein Weg“ Neuer Aufsichtsrat Gert Lindemann im Interview Gert Lindemann (62) wurde im Juli von der Hauptversammlung der Nordzucker AG neu in den Aufsichtsrat gewählt und löst Henning Hansen-Hogrefe ab (Seite 12). Der Jurist hat unbeschadet von wechselnden politischen Mehrheiten auf Landes- und Bundesebene viele Jahre seiner beruf­ lichen Tätigkeit agrarpolitische Themen für Niedersachsen, Berlin und Europa gestaltet und voran­ gebracht. Für Akzente sprach Tanja Schneider-Diehl mit dem Staatssekretär a. D. Mit einem überzeugenden Ergebnis sind Sie in den Aufsichtsrat der Nordzucker AG gewählt worden. Herr Lindemann, was reizt Sie, Mitglied in diesem Gremium zu sein? Gert Lindemann: Mich reizt eine ganze Menge. Es macht mir Spaß, mich und meine Erfahrungen aus meiner langen Zeit in der Politik hier einbringen zu können. Denn als Amtschef im Bundeslandwirt­ schafts­ministerium habe ich den Rahmen auch für die Zuckerunternehmen mitge­ staltet. Jetzt sehe ich die Auswirkungen dieser Entscheidungen auf der anderen Seite. Mich reizt ebenfalls, beratend an der Fortentwicklung der Internatio­nali­sie­ rung innerhalb der Nordzucker mitwirken zu können. In Deutschland gibt es eine starke Zuckerproduktion. Es ist dennoch wichtig für Nordzucker, an der Öff­nung der Märkte teilzunehmen. Darüber hinaus ist Nordzucker mit Sitz in Braunschweig für mich ein Unternehmen um die Ecke. Hier ist eine starke Verbindung zum Pro­ dukt und zu den Fabriken vor meiner Tür von Natur aus gegeben. Sie haben eine beeindruckende agrarpolitische Karriere gemacht. Sowohl auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene waren Sie und sind Sie aktiv. Welche Erfahrungen sind für Sie als Aufsichtsratsmitglied besonders wichtig? Lindemann: Mein erstes Thema als neuer Staats­sekretär 2005 war tatsächlich die ­Re­form der Zuckermarkt­ord­ nung, die zum damaligen Zeitpunkt in Brüssel verhandelt wurde. Aus meiner Sicht ist – ­gemessen an den sehr proble­matischen Vorhaben der EU-Kommission – ein verkraftbares Ergebnis dabei herausgekommen. Politisch ist es weiterhin wichtig, darauf hinzuweisen, dass die EU eine eigene Zucker­produktion behalten muss. Dazu gehört auch, dass es nicht zu weiteren Bauern und Zuckerwirt­ schaft belastenden Reformen kommt, denn unsere vorhandene Marktordnung scheint

Gert Lindemann ist seit 36 Jahren verheiratet und hat drei Kinder und zwei Enkelkinder. Seit 1975 lebt er mit seiner Familie in Hohenhameln. Nach der Bundes­wehrzeit und einem Studium der Rechts­ wissen­schaf­ten in Freiburg, Oxford und Kiel sowie einer ersten Station am Amts­gericht in Gifhorn ver­ schlug es ihn in die Politik, zunächst als persön­licher Referent des damaligen niedersächsischen Landwirt­ schafts­minis­ters Gerhard Glup. Es folgten zwei Jahre Gert Lindemann, in Bonn bei der Vertretung des Landes Niedersachsen Mitglied des Aufsichtsrats beim Bund. Dort vertrat Gert Lindemann den Agrar­ der Nordzucker AG bereich. Nach seiner Rückkehr nach Hannover wurde er im Land­wirt­schaftsminis­terium Referats­leiter, 1986 dann Abteilungsleiter. 2003 wurde er Amts­chef des Agrarministeriums in Han­nover, 2005 – nach dem Re­gierungswechsel in Berlin – ­berief ihn der neue Bundes­agrar­ minister Horst Seehofer als Staatssekretär. 2010 schied er aus diesem Amt aus. Bereits seit 20 Jahren ist Lindemann Aufsichtsratsvorsitzender der Volksbank Hildes­heimer Börde, seit Kurzem Aufsichtsrat der BVVG. Zudem ist er Mitglied der Schlich­tungskommission auf EU-Ebene und sitzt als deutscher Kommissar auch in der Wal­fang­kommission. TSD

den Weltmarkt offensichtlich nicht zu stö­ ren. Wenn die EU jetzt wieder Verhandlun­ gen mit den Mercosur-Staaten aufnimmt, führt das zwangsläufig zu weiteren Markt­ öff­nungs­forderungen. Die Zuckerindustrie muss verhindern, dass Handelsinteressen der Wirtschaft und Industrie ohne Kom­ pen­sa­tion zulasten unserer Landwirte ge­ hen.

» Es ist wichtig für Nordzucker, an der Öffnung der Märkte teilzunehmen «

Mit der Reform der Zuckermarktordnung 2006 hat die gesamte europäische Zucker­ industrie einen schmerzhaften Schrump­ fungs­prozess hinter sich gebracht. Aus Ihrer Sicht heute: Wohin führt für Nordzucker der Weg, was sind die wichtigsten Heraus­ forderungen, wo liegen Chancen?

Lindemann: Nordzucker wird sich nicht auf regionale Märkte beschränken können, denn Schornsteinpolitik ist kein Weg. Aus meiner Sicht muss Nordzucker als zweit­ größtes Zuckerunternehmen international operieren, das heißt breit aufgestellt sein. Neben dem Handel mit heimisch erzeug­ tem Zucker muss auch Rohrzucker gehan­ delt werden, auch wenn das internationale Geschäft immer gewisse Risiken birgt. Zudem ist es ganz wichtig, den Kon­ takt zu den Rübenanbauern, den Pro­ duzenten, eng zu pflegen. Das gilt auch für mich als Aufsichtsrat. So sehe ich es als meine Auf­gabe, Themen und Probleme, die an mich herangetragen werden, auch entsprechend weiterzutra­ gen. Das hilft dem Unternehmen. Es ist immer wichtig, die globale Situation im Auge zu halten und gleichzeitig nicht die Bodenhaftung zu verlieren.

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Aktuell Fast drei Jahrzehnte lang hat Henning HansenHogrefe die Interessen rüben­anbauen­der Ak­ tio­­­näre in Norddeutsch­land vertreten. Zuerst im Beirat der Aktien­zucker­fabrik Königslutter; seit 1990 als ­deren Vor­stands­vor­sitzender, spä­ ter im Vorstand der Zucker-Aktien­gesell­schaft Uelzen-­Braun­schweig; seit 1997 als Mit­­glied im Nord­zucker-Auf­sichts­rat und von 2002 bis 2006 als ­dessen Vorsitzen­der. In der Nord­ zucker-­Haupt­ver­sammlung 2010 ver­ab­schie­ dete der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Harald Isermeyer den passionier­ten Land­wirt aus Ingeleben aus dem Auf­sichts­rat. Für Akzente zieht Henning Hansen-Hogrefe Bilanz und ermuntert ambitionierte junge Land­wirte, sich ehrenamtlich zu engagieren.

„L eidenschaft entwickeln! Sonst kriegen Sie gar nichts hin!” Nach 30 Jahren Ehrenamt verabschiedete sich Henning Hansen-Hogrefe aus dem Aufsichtsrat Herr Hansen-Hogrefe, wenn Sie zurücksehen: Was haben Sie für Rübenanbauer und An­ teilseigner in die richtige Richtung bewegt? Henning Hansen-Hogrefe: Ich glaube, dass ich es geschafft habe, das Aktionärs­ bewusstsein der Rübenanbauer neu zu schärfen. Daran muss natürlich weitergear­ beitet werden. Nordzucker ist unser Unter­ nehmen. Darin steckt unser Kapital. Auch das müssen wir nach besten Kräften bewirt­ schaften, so dass es in Zukunft leistungs­ fähig für die Landwirtschaft bleibt. Gern den­ke ich an die Arbeit mit Dieter Ammer für die Zucker AG Uelzen-Braunschweig – obwohl auch das anstrengende und schwie­ rige Jahre waren. Besonders, weil wir trotz großer Anspannung in der Lage waren, uns Ziele zu setzen, die wir dann auch wirklich erreicht haben. Zuletzt mit dem Zu­sam­ men­schluss zur Nordzucker AG. Den haben wir 1997 für alle Seiten gut auf den Weg ­gebracht – zum nachhal­tigen Nutzen für Anbauer, Aktionäre und Nordzucker! Weni­ger glücklich waren die Wechsel in der Führung der Nordzucker und die schwie­ rige Aufgabe, geeignete Führungs­kräfte für den Konzern auszuwählen. Darin liegt die vielleicht größte Verantwortung für das Ehrenamt. Die nimmt einem niemand ab, auch der beste Fachmann nicht. Und na­ türlich denke ich nicht gern daran, dass sie im Nachhinein nicht immer richtig waren. Mit Ihnen verlässt ein „klassischer” Aktio­ närsvertreter den Aufsichtsrat, der nie

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gleichzeitig Ämter in den Rübenan­bauer­ verbänden innehatte. War das Zufall oder innere Überzeugung? Hansen-Hogrefe: Zufall und die Ge­ gebenheiten. Über die Arbeit in Königs­ lutter war ich bereits stark eingebunden in die Zuckerunternehmen als die Anbauer­ verbände 1990 gegründet wurden. In den ersten Jahren wollten die Verbände die strikte Trennung zwischen Aktionärs- und Rübenanbauer-Interessen. Später war ich sicher nicht mehr so gefragt, weil ich die Rübengeldkürzung für die ZAG UelzenBraunschweig durchgesetzt hatte – durch die wir am Ende eine vernünftige Bewer­ tung für die ZAG in der Nordzucker AG erreicht haben. Heute müssen wir aufpas­ sen, dass wir nicht zurückfallen in künstli­ che und wirklich zu nichts führende Fron­ ten zwischen Aktionär und Rübenanbauer. Ist Ihr Weg in wachsende Verantwortung ein Auslaufmodell? Wie und wo verdient sich künftiger Gremien-Nachwuchs 2010 seine Sporen? Hansen-Hogrefe: Ich glaube, dass ­ solche Wege nach wie vor möglich sind. Kandidaten brauchen eine überdurch­ schnittlich gute Ausbildung – in ihrem Beruf als Landwirt bis hin zum Studium. Gut sind Lehr- und Wanderjahre in artver­ wandten Betrieben – möglichst bevor man den eigenen Betrieb übernimmt. Das kön­ nen Handel, Verarbeitungsindustrie, land­ wirtschaftliche Buchstellen und vieles mehr

sein. Förderlich ist das Engagement in Berufsverbänden und Organisationen. Was sollte Nachwuchs für die Arbeit im Ehrenamt mitbringen? Hansen-Hogrefe: Erfahrung, Weitblick, eine sehr scharfe betriebswirtschaftliche Brille, völliges Freisein von regionalem Denken, den Blick auf das Ganze, viel Zeit, Kritikfähigkeit und – ganz wichtig – Unab­ hängigkeit. Für die Gremienarbeit müssen Sie kommunikativ und sachlich sein und eine ausgleichende Art haben: Letzteres – zugegeben – waren nicht gerade meine Stärken. Und natürlich müssen Sie Leiden­ schaft entwickeln, sonst kriegen Sie gar nichts hin. Unterm Strich: Ehrenamt ist kein Spaßamt, sondern große Verant­wor­ tung und harte Arbeit. Wenn Sie 2010 noch einmal 30 Jahre Nordzucker-Ehrenamt vor sich hätten, ­wofür würden Sie streiten? Hansen-Hogrefe: Ganz klar: Für eine in Europa erfolgreiche Nordzucker. Ohne die ist weder wirtschaftlicher Rübenanbau noch eine angemessene Verzinsung unse­ res Kapitals möglich. Und für meinen Traum von einer klaren, direkten Beteiligung der Anteilseigner und Rübenanbauer an der Nordzucker AG. Der Weg dahin führt nur über die Einheitsholding. Er ist lang und steinig; aber er lohnt sich. Für uns alle und die Generationen nach uns. 

Das Interview führte Susanne Dismer-Puls


Aktuell

Küchenstraße 9

Demnächst Weiß wie Zucker Fassade der Unternehmenszentrale wird ­generalüberholt Die Fassade der Unternehmenszentrale in Braunschweig steht vor einer umfassenden Sanierung. Der Zahn der Zeit hat in 50 Jah­ ren dem Gebäude in der Küchen­straße mächtig zugesetzt – undichte Fens­ter, Was­­ sereinträge und energetische ­Käl­te­brücken machten es notwendig, die Fas­sade des Haupttraktes und des Seiten­­flügels „Alte Waage“ im ersten Bauab­schnitt neu aus­ zurüsten, um die Substanz des Ge­bäudes an sich zu erhalten und die Ener­giekosten drastisch zu senken. Projektleiter Henning Sander betonte: „Wir haben aus Einkaufs­ sicht einen günstigen Zeitpunkt für die Sanierung gewählt. Die allgemeine Wirt­ schaftskrise spielte uns bei der Projek­ tierung vor allem in Hinblick auf die not­ wendigen Budgets in die Hände.“ Ein Ver­ schieben der schon länger fälligen Sanie­ rung war nicht mehr möglich. „Viele Jahre schon tolerieren wir winters zugige Fens­ ter und sommers suboptimale Belüftung und Beleuchtung. Das wird nun verbes­ sert“, so der Ein­kaufs­­chef. Die Sanierung hat im Juli begonnen und wird sich bis in den späten Herbst hinziehen. Weg vom deutschen Zweckbau Danach wird sich das Gebäude komplett verwandelt und den Charakter des dunk­ len Zweckbaus der Nachkriegsjahre ab­ gestreift haben. Der Bürokomplex erhält

Die Animation zeigt die Küchenstraße 9 in neuem Glanz: Im Spätherbst wird die Zentrale ein neues Aussehen haben.

eine Fassade aus weiß lackiertem Glas und Fens­terelemente, die verschiedene Blau­ töne aufnehmen. Die Fenster lassen sich – im Gegensatz zur jetzigen Situation – öffnen, die Büros damit direkt belüften. Architekt Sven Hirsch, der seit Jahren schon andere Umbauten in der Küchen­ straße 9 begleitet hat und den Architektur­ stil der späten 50er- und frühen 60er-Jahre sehr gut kennt, möchte dem Gebäude mehr Bezug zum Hauptprodukt Zucker mitgeben. „Zuckerkristalle sind weiß, neh­ men aber auch verschiedene Blautöne auf und brechen sie. Diese Idee schwingt hier mit und wird den neuen Charakter des Ge­ bäudes prägen. Die Unternehmens­zen­trale wird sich optisch künftig vom Straßenbild tsd deutlich abheben.“ Die Bauarbeiten sind in vollem Gange.

Dr. Klaus-Dieter Schumacher wechselt zu Nordzucker Dr. Klaus-Dieter Schumacher (55) übernimmt am 1. Oktober 2010 die konzernweite Leitung des neuen Bereichs Economics, Public Affairs und Corpo­rate Communication. In dieser zentralen Funk­tion wird er direkt an den Vorstand berichten. Gemeinsam mit Christian Kionka, Leiter Zentrale Öffentlichkeitsarbeit, wird Dr. Schumacher die Positionierung des Unternehmens nach innen und außen sowie auf politischer und Verbands­ ebene gestalten. Ferner steht die Bünde­lung und Auswertung marktrelevanter Infor­mationen und Daten im Mittelpunkt seiner Tätigkeit. Dr. Schumacher hat sich als ausgewiesener Fach­mann für Agrar- und Markt­fragen während

der letzten 25 Jahre ­einen hervorragenden Ruf in der deutschen und europäischen Land- und Ernäh­ rungswirtschaft erarbeitet. Er hat die vielfältigen Veränderungen im Agrar­sektor in den beiden letz­ ten Jahrzehnten in einer Reihe von Funktionen eng beglei­tet, analysiert und notwendige Konsequen­zen aufgezeigt. Besonders wichtig war ihm dabei auch immer der enge Kontakt zu den deutschen und europäi­ schen Landwirten. Zuletzt war er als Leiter der Volkswirtschaftl­i­chen Abteilung bei Toepfer International, Hamburg, be­ tsd schäftigt. 

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Im Blick: Kapitalstruktur

Aktuell

„Direkt beteiligt“– weil es besser klingt? Die Diskussion um Perspektiven der Nordzucker-Kapitalstruktur geht in eine neue Runde Alles ändert sich. Manches hält sich hart­ näckig, wie es immer war. Zu Letzterem gehört die 1990 begründete Eigentümer­­ struktur der heutigen Nordzucker AG: Drei Holdinggesellschaften mit zusam­ men etwa 20.000 Anteilseignern, davon rund 9.000 „Direktaktionäre“, vier Haupt­ versamm­lun­gen – großer Beliebtheit hat sich die in den 90er-Jahren für alle Beteiligten segensreiche Konstruktion nie erfreut. Für jüngere Anteils­eigner oder Außenste­hende bleiben Sinn und Nutzen bis heute schwer verständ­lich. Für Akzente haben Helmut Bleckwenn und Susanne Dismer-Puls die Frage vie­ ler Aktionäre nach einer Rückkehr zur Direkt­beteiligung unter die Lupe ge­ nommen.

Kapitalstruktur der Nordzucker AG Status quo in Prozent

Nordzucker Holding AG 76,23 Nordharzer Zucker AG 7,83 Union-Zucker Südhannover GmbH 10,82 Direktaktionäre 5,12

Hat das Holdingmodell nach 20 Jahren ausgedient? Die Aktionäre der Nordzucker AG sind heute überwiegend über die drei Holding­ gesellschaften Nordzucker Holding AG, UnionZucker Südhannover GmbH und die Nord­ harzer Zucker AG an der Nordzucker AG be­ teiligt. In Teilen spiegelt die Holding-Struktur bis heute die regionalen Strukturen der ­eigenständigen Nordzucker-Vorgänger.

Der Wunsch nach Klarheit wächst Der jüngste Wechsel im Nordzucker-Vor­ stand hat die Diskussion um Vorzüge und Nachteile der Holdingstruktur auch in den Hauptversammlungen 2010 neu entfacht. Nicht wenige Holdingaktionäre fühlen sich unwohl in ihrer Rolle als „indirekte“ Anteils­ eigner der Nordzucker AG. Gewünscht wird mehr Transparenz – auch für die Kapital­ struk­tur des Unternehmens. Während einige in der Direktbeteiligung das unbedingte Allheilmittel sehen, warnen Fürsprecher der Holdingkonstruktion vor der Aufgabe stabiler Mehrheiten und vertraglicher Rechte durch voreilige Änderung gewachsener Struk­turen. Mehr Fragen als Antworten „Direktbeteiligung“: Das klingt sympa­ thisch und klar. Zurzeit gibt es jedoch mehr Fra­gen als Antworten dazu: Wäre die Rück­kehr zur vollständigen Direkt­ beteiligung unter den Bedingungen von 2010 ein wirk­lich vorteilhaftes Modell für Nordzucker? Welche Vor- und Nachteile würden sich für Anteilseigner und Unter­ nehmen ergeben? Und welche Schritte wären heute überhaupt notwendig, um Aktionäre ohne zwischengeschaltete Hol­ dinggesellschaften nach dem Vorbild der deutlich kleineren Nordzucker-Vor­gänger direkt an ihrem Unternehmen zu beteiligen? Über die Einheitsholding zurück zur direkten Beteiligung? Als jüngste der drei Holdinggesellschaften signalisiert die erst 2003 der Nordzucker beigetretene Union-Zucker Südhannover GmbH bisher kein Interesse am Zusam­men­ rücken in einer Holding. Die Fusion der Holding Nordharzer Zucker AG auf die Nordzucker Holding AG scheiterte zuletzt 2004. Die dafür notwendige Dreiviertel­ mehrheit haben die Nordharzer vor sechs Jahren nur knapp verfehlt. Damals stimm­ ten 27,5 Prozent des anwesenden Kapitals gegen die Verschmelzung. Eine Verschmelzung auf die Nordzucker Holding wäre jedoch nur dann sinnvoll, wenn damit die Kapi­tal­struktur der Nordzucker AG wesentlich bereinigt ­würde. Das heißt, wenn außer den heute

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5,2 Prozent Direktaktionären nur eine Holding bleibt, die die Interessen der ­rübenanbauenden Aktionäre vertritt und deren Mehrheit in der Nordzucker AG ­sichert. Eine solche Struktur ist aber – auch aus Kostengesichtspunkten – nur dann um­ setzbar, wenn sowohl die Union-Zucker als auch die Nordharzer Zucker AG zur glei­ chen Zeit für eine Verschmelzung auf die Nordzucker Holding bereit sind. Bevor in einem weiteren Schritt alle ­Hol­ding-Anteilseigner zeitgleich DirektAktionäre der Nordzucker AG werden könnten, müssten also die drei bestehen­ den Holdinggesellschaften zunächst zu ­einer Einheitsholding verschmolzen wer­ den. Am gemeinsamen Zwischenschritt Einheits­hol­ding führt auf dem Weg zur vollständigen Direktbeteili­gung kein Weg vorbei. Es sei denn, man kommt zu dem Urteil, dass die gleichzeitige Umsetzung in den drei Holdings nicht zwingend notwen­ dig ist. Dann wäre auch die separate, zeit­ lich unabhängige Ver­schmel­zung einzelner Holdings mit der Nordzucker AG denkbar. Blockiert: der gemeinsame Weg So banal es klingt: Ein neuer Anlauf zu we­ niger Gremien und schlankeren Strukturen braucht auch hier nicht mehr und nicht we­niger als genügend Fürsprecher und die Gewissheit, dass möglichst alle den Schritt in die Nordzucker Hol­ding AG mittragen. Dabei fallen für die Nordzucker Holding AG Kosten zur Vor­­bereitung einer Ver­schmel­ zung an, ob sie stattfindet oder eben nicht. Dafür ist mit Kosten von einer Million Euro zu rechnen. Die damit zu erstellende Un­ter­ nehmensbewertung dient als Basis für das so genannte Barabfin­dungs­angebot an mög­ liche Aussteiger. Notwendig ist dies, solan­ ge die Nordzucker Holding AG an der Vinku­lie­rung ihrer Aktien (Beschrän­kung auf den Kreis der rübenanbauenden Aktio­ näre) festhält. Dass es für den Fall einer positiven Abstimmung ein neues Spruch­ verfahren um die Höhe der Barabfindung geben würde, gilt als wahrscheinlich. Der gemeinsame Weg der drei Nord­zuckerHoldings in die Einheitsholding ist also bis auf Weiteres blockiert.


Aktuell

Alleingang sinnvoll? Den aus heutiger Sicht kürzesten und schnellsten Weg in die Direktbeteiligung könnten die Aktionäre der Nordzucker Holding AG wählen. Das Schaubild unten zeigt, dass ein solcher Alleingang die bis­ herigen „Machtver­hält­nisse“ vollständig auf den Kopf stellen würde. Ein zügiger Weg zwar, aber mit neuen Unwägbar­keiten und neuen Fragen zur Vertretung und

Bündelung der Aktio­närsinteressen durch neun – vor allem ­ihrer jeweiligen Region verpflichteten – Rübenanbauer­verbände. Die Diskussion um die Zukunft der Kapitalstruktur hat 2010 neu begonnen. Klar ist bisher nur eines: Für Nordzucker als nicht börsennotierte Aktiengesellschaft im Eigentum ihrer Rohstofflieferanten sind Patentlösungen nicht in Sicht.

PRO & CONTRA Pro & Contra Einheitsholding Vorteile l

Nur eine Hauptversammlung Struktur nach außen und innen Weniger Gremien Einsparung Verwaltungskosten

l K  lare

l l

Nachteile

Mehrheitsverhältnisse in Hauptversammlungen der Nordzucker AG in Prozent Status quo: sichere Interessenvertretung durch die Bündelung der Stimmen rübenanbauender Aktionäre Nordharzer Zucker AG

8

11 Union-Zucker Südhannover GmbH 1 Direkt-Aktionäre

 ewertung des Nordzucker B Konzerns erforderlich l Barabfindungsangebot – neues Spruchverfahren wahrscheinlich l

Pro & Contra Direktbeteiligung nur für Aktionäre der Nordzucker Holding AG Vorteile

Nordzucker Holding AG

l Stimmrechte

80

Mehrheitsverhältnisse1) bei Direktbeteiligung der Aktionäre der Nordzucker Holding AG

23,2 Nordharzer Zucker AG

16,7

1,1 3,1

Einzelaktionäre

18,8

Direkt-Aktionäre ZAV Niedersachsen Ost

2,2 ZAV Güstrower Rübenanbauerverband e.V. 2,5 Verband der Zuckerrübenanbauer

Nachteile l

l

im Hunte-Weser-Gebiet e. V.

6,6 4,4 ZAV Nieder14,8 sachsen-Mitte e.V.

Union-Zucker Südhannover GmbH

der Aktionäre in der Hauptversammlung der Nordzucker AG l Direkte Wahl und Abwahl der Aufsichts­rats­mitglieder der Nordzucker AG l Entlastung von Vorstand und Aufsichts­rat der Nordzucker AG l Eine von vier Hauptversammlungen eingespart l Weniger Gremien l Einsparung Verwaltungskosten in Höhe von rund 350.000 Euro

ZAV Schleswig-Holstein e.V. ZAV Magdeburg e.V.

6,6 Rübenanbauer- und Aktionärsverband Nord e.V.

l l l

 erlust stabiler Mehrheiten V in der Hauptversammlung der Nordzucker AG Vinkulierung entfällt für Direkt­­­ aktionäre (Außenschutz geht verloren) Unkontrollierte Aktienkäufe (wechselnde Mehrheitsverhältnisse) Aufgeben des Lieferanspruchs, Wertverlust der Aktie Regionaler Proporz

1) Mehrheitsverhältnisse, wenn das bisher auf der Hauptversammlung der Nordzucker Holding AG anwesende Kapital im Falle der Direktbeteiligung der Holding eins zu eins auf der Hauptversammlung der Nordzucker AG erscheint. ZAV: Zuckerrübenanbauerverband

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Rübe

Kampagne 2010

Hoffen auf einen sonnensüßen Spätherbst Selten waren Wetterwechsel so extrem wie im Frühjahr und Sommer 2010: Den langen Winterwochen folgte in nahezu allen Anbauländern der Nordzucker eine spätere Rübenaussaat. Vielerorts blieb auch der Mai ungewöhnlich kühl und regenreich, während große Julihitze mit

langer Trockenheit in vielen Anbau­ regionen zu regional deutlichen Wachs­ tumsverzögerungen führte. Ein regen­ reicher und vielerorts auch sonnenarmer August ließ die Rübe aufatmen und brachte große Verzögerungen bei der Getreideernte.

Zum Kampagnestart erwarten die Rüben­ anbauer in den Nordzucker­Regionen bei teils großen regionalen Unterschieden ins­ gesamt unterdurchschnittliche bis durch­ schnittliche Erträge. Es sei denn, der Spät­ herbst 2010 hält ebenfalls – hoffentlich son­ nensüße – Überraschungen bereit.

Finnland l

Aussaat im Durchschnitt zehn Tage später als normal, sehr lange Aussaatperiode

l

Durchschnittlich hohe Pflanzendichte bei großen regionalen Unterschieden

l

Sehr warmer, trockener und sonniger Juli – warmer August mit üblichen Regenmengen

Schweden l

Aussaat drei Tage später als normal

l

Hohe Pflanzendichte

l

Langsame Entwicklung durch kühlen Mai und Juni

l

Hohe Temperaturen und fehlender Regen im Juli

l

Ausdauernder Regen im August

Zuckerertrag durchschnittlich bei deutlich geringerem Zuckergehalt

Zuckerertrag durchschnittlich bei großen regionalen Unterschieden

Dänemark

Litauen

l

Aussaat eine Woche später als normal

l

Hohe Pflanzendichte

l

Langsame Entwicklung durch kühlen Mai und Juni

l

Hohe Temperaturen und fehlender Regen im Juli und Anfang August

l

Ausdauernder Regen nach dem 10. August

Zuckerertrag unter Durchschnitt; vor allem durch niedrigeren Zuckergehalt

l

Trotz drei Tage späterer Aussaat zügiges Auflaufen der Bestände

l

Hohe Pflanzendichte

l

Warmer, regenreicher Mai mit guter Rübenentwicklung

l

Kalter Juni; von Juli bis Anfang August hohe Temperaturen bei ausreichendem Niederschlag; örtlich zu viel Regen

Zuckerertrag über Durchschnitt bei recht niedrigem Zuckergehalt

Norddeutschland l

Verspätete Aussaat

Polen

l

Hohe Bestandesdichten

l

Um etwa 10 Tage verspätete Aussaat

l

Kühler Mai, verzögerte Jugendentwicklung

l

Hohe Bestandesdichten

l

l

Minimale Niederschläge und hohe Temperaturen im Juli – schlechte Rübenentwicklung

Kühler Mai, verzögerte Jugendentwicklung

l

Minimale Niederschläge und hohe Temperaturen im Juli – schlechte Rübenentwicklung

l

Erholung der Bestände im August

Slowakei l

Frühe, kompakte Aussaat

Erholung der Bestände im August

l

Hohe Bestandesdichten

Durchschnittliche Ertragsent­ wicklung, z. Zt. Ertragserwartung knapp unter fünfjährigem Schnitt

l

Kühler Mai, aber sehr hohe Nieder­ schläge und verzögerte Entwicklung

l

l

Ab Juni gute Entwicklung

l

Hohe Temperaturen im Juli, aber ausreichender Wasservorrat und ausreichende Niederschläge

Überdurchschnittlicher Zuckerertrag bei unterdurchschnittlichem Zuckergehalt

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Durchschnittlicher Zuckerertrag bei unterdurchschnittlichem Zuckergehalt


Rübe

Die neuen Industrierüben­Lieferverträge 2011–15

Wachstum mit Zuckerrüben Mit der Kampagne 2010/11 enden die bisherigen Verträge zwischen der fuel 21 und mehr als 3.000 Nordzucker­Rübenanbauern. Die zukünftige Verwendung der Industrie rüben soll bewusst nicht mit der Verwendung als Rohstoff zu Ethanol in Klein Wanz leben enden. Weitere Nutzungs möglichkeiten im Industriezucker­ und Biogas bereich sind ebenfalls denkbar. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht wurden die Rahmenbedingungen des Industrie­ rüben­Liefervertrags deutlich verbessert. Wer erfolgreich Ethanolrüben angebaut hat, kann zukünftig mit dem Industrie­ rüben­Liefervertrag seinen Rübenanbau weiter stabilisieren und ausbauen. Neben der positiven und besseren wirtschaftlichen Ausstattung des Vertrags wirken sich die erheblich gestiegenen Rübenerträge sehr positiv auf die Wettbewerbskraft der Zuckerrübe aus. Der fünfjährige Ertrag hat sich um mehr als 6,5 Tonnen pro Hektar von 2006 bis heute gesteigert. Besser noch ist die Entwicklung des Zuckerertrags mit einem Zuwachs von rund 1,5 Tonnen pro Hektar. Die Ziele – Ertragssteigerung und Rübenanteil in der Fruchtfolge halten – machen die Industrierübenmenge zu einer strategischen und unternehmerischen Entscheidung für jeden Rübenanbauer. Spielraum für Marktchancen Die Kombinationsmöglichkeit aus Fix­ und variablem Preismodell ist eine ideale Chance, um den notwendigen Spielraum für künftige Marktchancen zu bewahren. Rund 1.800 Ethanolrübenanbauer haben bis Ende August die Chance genutzt, ihre Verträge „zu verlängern“. Weitere 200 An­ bauer zeichneten erstmals Industrierüben­ Lieferverträge. Die übernommenen Trans­ portkosten richten sich nach der Bezugs­ punktentfernung. Diese Entfernung liegt aktuell mit durchschnittlich 18 Kilometern auf einem niedrigen Niveau. Die tatsäch­ liche Entfernung zum nächsten Fabrik­ standort ist mit rund 33 Kilometern güns­ tiger als ursprünglich erwartet. Erfreulicherweise ist der Anteil der Indus­ trierüben mit rund 25 Prozent am Quoten­ lieferrecht deutlich gestiegen. 2006 waren es nur rund 20 Prozent der Quotenliefer­ rechtsmenge, die der durchschnittliche Ethanolrübenanbauer abgeschlossen hat­ te. Die Entscheidung für den Industrie­

rüben­Liefervertrag hat sich damit als eigenes Produktionsverfahren etabliert. Nordzucker hat sich zum Ziel gesetzt, jeden Rübenanbauer bei akzeptablen Frachtentfernungen und Transportkosten über die Vorzüge des Industrierüben­Liefer­ vertrags umfassend zu informieren.

gen stark schwankender Weizenpreise mit Nordzucker in der Rübenproduktion zu wachsen. Nehmen Sie unsere attraktiven Industrierübenverträge noch stärker an!

Volker Bückmann Leiter Rübenbeschaffung Zentraleuropa

Damit hat weiterhin jeder unserer Rüben­ anbauer die Chance, auch und gerade we­

Gute Gründe für die Industrierübe Stellvertretend für 2.000 Rübenanbauer, die bereits neue Liefer­ verträge für Industrierüben abgeschlossen haben, befragten Franz Hesse und Georg Sander zwei Landwirte aus den Regionen Hannover und Uelzen nach ihren Beweggründen für den Industrierübenanbau. Christian von Alten, Seelze

Die Industrierübe soll mich gegen »Niedrig preise von Weizen und Raps absi­ chern. Durch die Anwendung der Bezugs­ punktregelung ist bei mir die Frachtbelas­ tung von 2,75 auf 1,65 Euro je Tonne Rüben gefallen. Außerdem sind Industrie­ rüben jetzt so interessant, dass ich nicht mehr unbedingt teure Quotenlieferrechte kaufen oder pachten muss. Die durch Quo­ tenkürzung frei gewordenen Flächen bestelle ich mit Industrierüben. Somit halte ich den Rübenanteil in der Fruchtfolge stabil.

«

Cord Wilhelm Müller, Niendorf II, Kreis Uelzen

den Industrierübenanbau kann »ich Durch meinen Rübenanteil in der Fruchtfolge erhöhen und meinen Betriebserfolg ver­ bessern. Zusätzlich stellt sie einen sehr guten Vorfruchtwert in meiner Fruchtfolge – Rübe ­ Getreide ­ Kartoffel ­ Getreide – dar.

«

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Rübe

Die Lagerung von Rübenbrei in einem Erdlagerbecken hat Potenzial. Er kann direkt in den Fermenter „gepumpt“ werden.

Zuckerrüben als Biogassubstrat Kennenlern-Aktion 2010 Die bisher längste Nordzucker-Kampagne

Wie effektiv ist der Einsatz von Zucker­ ging kalt und schneereich zu Ende. rüben als Rohstoff für Biogasanlagen aus Sicht der Anlagenbetreiber? Wie kann man prozessoptimiert und wett­ bewerbs­fähig Zuckerrüben als Biogas­ substrat aufbereiten und ganzjährig ­lagern? Das sind die Fragen, auf die Nordzucker im Zuge der Kennenlern-Aktion 2010

mit etwa 35 Biogasanlagen in SchleswigHolstein Antworten finden will. Wie der Name „Kennen­lern-Aktion 2010“ sagt, können die Bio­gasanlagen ohne großes Risiko und mit überschaubarem finanziel­ lem Aufwand die Zuckerrübe als Substrat einsetzen und praktisch testen, was die Zuckerrübe für die Biogas­produk­tion leis­ ten kann. Dazu werden etwa 30.000 Ton­ nen Rüben auf zwei zen­­tralen Rüben­um­

Sønderborg

Tønder

Mehr als 30 Biogas­ anlagen testen im Rahmen der Kennen­­ lern-Aktion 2010 Rübensubstrat für den Gärprozess in ihrer Biogasanlage.

Flensburg

Schuby Schleswig Husum

Eckernförde

Kiel

Rendsburg Heide

Plön

Albersdorf

schlagplätzen in Schuby und Albers­dorf zu Rübensubstrat für Biogasanlagen auf­ bereitet und geliefert. Die Biogasanlagen haben zu 55 Prozent Rübenbrei, zu 40 Prozent gebröckelte Rüben (streich­holz­ schachtelgroß) und zu fünf Prozent ganze Rüben geordert. Parallel testet Nordzucker den Lo­gis­tik­pro­ zess für die Herstellung und den Ver­trieb des Biogassubstrats. Im Fokus steht hier natürlich die Rübenauf­bereitung. Dazu ge­ hören die Entsteinung, die Herstel­lung von Rüben­brei und von streichholzschachtelgroßen Rübenstücken sowie die Rüben­brei­ lage­rung. Für die Rübenanlieferung an die Umschlag­ plätze ist gewährleistet, dass die Zucker­ rüben ordnungsgemäß gewogen und die innere und äußere Qualität festgestellt wird. Dafür führt der Zucker­rübenanbauer­­ver­ band Schleswig-Holstein in der Kam­pag­ne entsprechende Kontrollen durch. Ziel ist, substanzielle Erkenntnisse zu ­alternativen Verwendungsformen der Rübe auch wirtschaftlich zu unterlegen. Die Kennenlern-Aktion wird hierzu hoffentlich viele neue Erkenntnisse liefern.

Neumünster

Bad Segeberg

Itzehoe

Elmshorn Norderstedt Pinneberg Rübenumschlagplatz

20

Biogasanlagen

Bad Oldeslohe

Claus Pommerehne Leiter strategische Rohstoffbeschaffung


Rübe

Markt im Blick

Polen – Attraktiver Defizitmarkt für Zucker Der polnische Zuckermarkt ist nach der Reform der Zuckermarktordnung (ZMO) der EU ein Defizitmarkt, denn es klafft eine signifikante Lücke zwischen dem national erzeugten Zucker und der Nachfrage und dem Konsumverhalten innerhalb des knapp 40-Millionen-Einwohner-Landes. Diese Lücke schließt Nordzucker mit der Raffination von Rohzucker aus Rohr und Rübe. Verantwort­ lich für diesen attraktiven Markt ist die Nordzucker Eastern Europe GmbH.

Mit Blick auf die anspruchsvollen Kunden konnte das Werk Chełmza zahlreiche Erfolge verbuchen. ist es in diesem Jahr gelungen, Rüben­ rohzucker aus der schwedischen Zucker­ fabrik Örtofta zu raffinieren und im Markt abzusetzen. Hervorragende Qualitäten wurden produziert, die mit Blick auf die Wünsche namhafter Ge­tränkehersteller alle Anforderungen erfüllen.

Der in Polen erzeugte Zucker deckt nicht die Nachfrage der 40 Millionen Einwohner.

l So

Chełmza – polnisches Werk mit Tradition Die erste Rübenkampagne bestritt das Werk Chełmza im Jahre 1882. In den 80er ­Jah­ren des 20. Jahrhunderts verarbeitete Chełmza Zucker aus Kuba in kurzen Raffina­ tionskam­pag­nen. Die Ausbeuten der einzelnen Pro­duk­te waren sehr niedrig. 2008 schließlich wurde über den Bau der Raffinationsanlage neben der Rübenverarbeitungs­ anlage entschieden. Dadurch wird in der Zwischenzeit die Anlage besser ausgenutzt. Vor zwei Jah­ren wurde in Chełmza nur Rohrrohzucker verarbeitet. 2009 – nach dem Erwerb der nordeuropäischen Zuckerfabriken durch die Nordzucker – wurde neben Rohr- auch Rübenrohzucker aus Örtofta verarbeitet. 2010 hat Chełmza bereits die dritte Raffinationskampagne gefahren – diesmal nur mit Rübenrohzucker aus Örtofta. Dank einiger Anpassungen in der Technologie war es möglich, eine durchschnittliche Tagesverarbeitung von mehr als 960 Tonnen pro Tag zu erreichen.

l Chełmza

hat in diesem Jahr 40 Tage lang Rübenrohzucker raffiniert. Dabei ist es gelungen, die Heizenergie um sieben Prozent zu reduzieren und den Kalk­ stein­verbrauch um 30 Prozent zu sen­ ken. Während des Raffinationsbetriebs bezog das Werk keinen Strom vom Netz – ganz im Gegen­teil: Der Überschuss wurde ausgespeist.

l Während

der Raffinationskampagne wur­den – mit positivem Ergebnis – Außen­audits des Systems ISO 22000, zwei Kundenaudits, ein internes Kon­ zernaudit sowie ein internes Audit durch ein anderes Werk durchgeführt. Sowohl Chełmza als auch das zweite polnische Werk Opalenica haben auch das KosherZertifikat für den erzeugten Zucker er­ halten.

l Die

Produktion verlief unfallfrei.

Organisation, Technologie sowie neue Erfahrungen in allen Produktionsschritten lassen mit Optimismus in die Zukunft bli­ cken und geben gute Grundlagen für die erhebliche Erweiterung der Raffination in den nächsten Jahren.

Dr. Piotr Wawro Vorstand Technik Nordzucker Polska

Joachim Rüger Leiter Technik Osteuropa

Nordzucker-Werk Chełmza: 2010 hat das Werk seine dritte Raffinationskampagne mit Erfolg absolviert.

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Ab Oktober 2010 kommen die „regionalisierten” SweetFamilyPackungen auf den Markt: Das Herkunftssiegel und norddeutsche Rezepte auf der Rückseite stehen für Qualität aus der Region.

SweetFamily setzt auf Herkunft und Tradition Regionalität ist für Nordzucker kein Trend, sondern gelebte Tradition. Die blaue Marke SweetFamily mit ihren mehr als 30 Pro­ dukten steht für Vielfalt und Genuss aus heimischer Erzeugung. SweetFamily wird künftig seine Aktivitäten stark mit Regio­ nalität und Unternehmenstradition verknüp­ fen. Vor allem der Gedanke „Regionalität“ und „Transparenz in der Herstellung“ sind für Verbraucher immer wichtiger, wenn es um die Wahl der Lebensmittel geht.

ersten Packungen auf den Markt. Flankie­ rend greifen Broschüren norddeutsche Rezepte mit „norddeutschen Bildwelten“ auf. Die Broschüren sind ab Oktober im Internet erhältlich und werden auch wäh­ rend einer Verkostungspromotion zum The­ ma Backen in den Supermärkten verteilt. Darüber hinaus werden auch die Werks­ führungen, die ab Oktober in allen deut­

schen Werken stattfinden, diese Schwer­ punkte aufgreifen und für den Besucher noch attraktiver gestaltet.

Simone Nickel Produktmanager Handel

Diese Punkte werden auch in zukünftigen Kommunikationsmaßnahmen eine zentra­ le Stellung einnehmen. Eine wichtige Rolle dabei spielen die Verpackungen, da sie den Blick auf sich ziehen und millio­ nenfach über den Ladentisch gehen. Doch wie lenkt man den Blick des Verbrau­ chers? Ein Siegel wird fortan Verpackungen zieren, das „Tradition“ und „Herkunft“ un­ terstreicht. Außerdem greifen die Packungs­ rückseiten norddeutsche Themen auf wie zum Beispiel „das original norddeutsche Waffelrezept“ oder „die Tee­Zeremonie in Ostfriesland“. Im Oktober kommen die Original norddeutsche Rezepte auf den neuen SweetFamily-Packungen unterstreichen die regionale Herkunft der Produkte.

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Gelieren für die Region Eine Aktion von SweetFamily und dem BUND zum Schutz heimischer Obstsorten Seit Beginn der Geliersaison fördert SweetFamily gemeinsam mit dem BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.) und regionalen Handels­ partnern Projekte in Norddeutschland, die dem Erhalt und Schutz heimischer Obst­ sorten im Norden dienen. Regionalität und der Gedanke „Zurück zur Natur“ sind für den Verbraucher zu­ nehmend wichtiger, wenn es um Lebens­ mittel geht. Eng damit verknüpft ist der Wunsch nach traditioneller Zubereitung. Dazu gehört natürlich auch das Einmachen und Gelieren. Daher greifen Verbraucher gern ins Gelierregal und bereiten ihre Marmeladen selbst zu – am liebsten mit Obst aus ihrer Region. Diesen positiven Trend möchte SweetFamily unterstützen.

So konnte als Kooperationspartner der BUND für Umwelt und Naturschutz Deutsch­ land als einer der großen Umweltverbände in Deutschland gewonnen werden. Als Anbieter von qualitativ hochwertigen Gelierprodukten engagiert sich die Marke daher aktiv für Projekte dieser Organisa­ tion, die sich für den Schutz heimischer Obstsorten und damit für die natürliche Sortenvielfalt im Norden stark machen. In den Werbebroschüren des Handels wurde über das Engagement berichtet und die Verbraucher aufgefordert, durch den Kauf von SweetFamily­Produkten wie Gelierzucker 2:1 und 3:1 dieses zu unter­ stützen.

ter www.sweet­family.de informieren. Auf der Burg Lenzen in Brandenburg beispiels­ weise werden auf einer Wiese 100 Bäume alter Obstbaumsorten gepflanzt. Medial begleitet wurde die Initiative durch Presseberichte sowie Radio­Kooperations­ Beiträgen mit Interviews der Projektverant­ wortlichen über die Initiative und die regio­ nalen Projekte. Die Aktion wurde parallel auf den Websites der Sender eingebunden.

Über die Aktion und die einzelnen Pro­ jekte können sich Interessierte online un­

Anika Bleikamp Produktmanager Handel

Gelieren und heimische Obstsorten erhalten! Ein Gemeinschaftsprojekt vom BUND, SweetFamily von Nordzucker und der EDEKA Nord für den Erhalt heimischer Obstsorten in Ihrer Region für die Region. Wir setzen Naturschutzprojekte in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein zum Erhalt gefährdeter Biotope und der natürlichen Sortenvielfalt in der Region um. Mit dem Kauf von SweetFamily Gelierzucker 2:1 und 3:1 unterstützen Sie die weitere Durchführung der Projekte. Nähere Infos:

SweetFamily Gelierzucker 3:1 500 g Packung

SweetFamily Gelierzucker 2:1 500 g Packung

www.sweet-family.de

Gemeinsames Engagement für heimische Obstsorten: SweetFamily und BUND setzen sich für den Erhalt von Sortenvielfalt im Norden ein.

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Gut bedacht in die Kampagne Das Clauener Silo bekam ein neues Stahlkuppeldach Bereits im Frühjahr 2009 wurde fest­ge­ stellt, dass das Holzdach des Clauener 80.000-Tonnen-Zuckersilos beschädigt war. Ur­sache waren ungleichmäßige Set­zungen während der Befüllung und Ent­leerung des Silos. Da­durch war es zu einer ovalen Verformung des Silos gekommen, die das Silodach nicht ausgleichen konnte.

Während der Reinigung des Silos wurde festgestellt, dass auch die Beschichtung der Silowand erneuert werden muss. Der Einbau der neuen Stahlbinder des Kup­ peldachs, Isolierungsarbeiten und die Beschich­tung werden zum Kampagne­ beginn abgeschlossen sein, so dass das

Clauener Silo wieder ohne Einschränkung zur Verfügung steht.

Zoltán Tóth Direktor Werk Clauen

Nach der Siloentleerung wurde das Dach übergangsweise mit Hilfe einer Stahl­brücke entlastet, an die die zuführende Band­ brücke gehängt wurde. Entspre­chend ­einem Sicher­­­heitsgutachten wurde das Silo in der Kam­pagne 2009 nur mit 60.000 Tonnen befüllt. Während der vergangenen Kampagne war die Setzung des Silos regelmäßig gemes­ sen worden. Ergebnis war, dass die bis­ herige Holz­konstruktion nach der Ovalisie­ rung der Wand nicht mehr ausreichend belastbar ist. Statt des bisherigen fixierten Holz­dachs wurde ein neues schwimmen­ des Stahlkuppeldach ge­plant, das die Ova­li­­sierung der Wand kompensieren kann. Das Silo wurde zügig bis Ende April entleert, damit Umbau und Demontage des alten Holzdachs beginnen konnten. Wegen ungleichmäßiger Setzungen lange eingerüstet: 80.000-Tonnen-Zuckersilo in Clauen.

Termine Ab dem 1. Oktober 2010

16.–19. November 2010

l Führung

l Nordzucker

in allen deutschen Werken während der Kampagne

auf der Bioenergy Decentral

9./10. Oktober 2010 l Herbstmarkt

Im Rahmen der EuroTier (16. – 19. Novem­­ber 2010) hat sich die Bioenergy Decentral als separater Messeauftritt etabliert. Schwer­­­ punkt­mäßig wird die Energie­erzeugung aus Holz, Biomasse und Fotovoltaik präsentiert. Unter dem Motto „Biogas aus Zucker­ rüben“ stellen auf einer Demons­tra­tionsfläche im Freigelände etwa 25 Tech­nik­hersteller ihre Maschinen zur Aufbe­rei­tung von Zuckerrüben zu Biogassubstrat vor. Auch Nordzucker hat einen Messestand in Halle 26 Stand M 35. Wenn Sie mehr über die Ver­wendung von Zuckerrüben für die Bio­gas­produktion wissen wollen, schauen Sie gern vorbei!

auf der

Marienburg 6./7. November 2010 l Mumme-Meile

Braunschweig

15. Oktober 2010 l Quartalsbericht

Zwischenbericht Nordzucker AG Geschäftsjahr 2010/11 1. Quartal 1. März bis 31. Mai 2010

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pro Portion (eine Portion entspricht 50g)

Energie

113 kcal 6% Richtwerte in % für Tageszufuhr

pro Portion (eine Portion entspricht 50g)

Zucker

Fett

gesättigte Fettsäuren

Salz

1%

2%

5%

Wie die EU-Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel am Ende aussehen wird, ist weiter offen. Die umstrittene Ampel-Kennzeichnung hat das EU-Parlament abgelehnt.

10g 0,8g 0,3g 0,3g 11%

Richtwerte in % für Tageszufuhr

Die Ampel ist vom Tisch Am 16. Juni 2010 hat die erste Lesung im Europäischen Parlament (EP) zur EU­Lebens­ mittelinformationsverordnung stattgefun­ den. Diese Verordnung soll das geltende Nährwert­ und Kennzeichnungsrecht ab­ lösen. Das Parlament stimmte klar gegen die Ampelkennzeichnung. Bei der Ampel­ kennzeichnung sollten Fett­, Zucker­ und Salzgehalte gekennzeichnet werden mit­ hilfe einer Einstufung in grüne, gelbe oder rote Bereiche, wobei die Abstufungen eines solchen Farbsystems nicht wissen­ schaftlich abgesichert waren. Auch frei­ willige nationale Systeme wie zum Beispiel in Großbritannien wurden vom Europa­ parlament abgelehnt.

Eine Einigung wurde hinsichtlich einer verpflichtenden Nährwertkennzeichnung erzielt. Derzeit stehen Energie, Fett, gesät­ tigte Fettsäuren, Zucker und Salz zur Dis­ kussion. Zusätzlich zu diesen Angaben soll eine so genannte GDA­Kennzeichnung auf der Vorderseite der Lebensmittelverpackung verpflichtend werden. Die GDA­Kennzeich­ nung gibt den prozentualen Energieanteil eines Lebensmittels pro 100 Gramm bezo­ gen auf den Tagesbedarf einer durchschnitt­ lichen Frau (2.000 Kilokalorien pro Tag) an. Weiterhin sprach sich das Europäische Par­ lament für eine Ausweitung der Herkunfts­ kennzeichnung aus. Inwieweit diese ver­

pflichtend oder wie diese ausgestaltet wird, ist ebenfalls noch in Diskussion. Die Verordnungsvorlage wird zunächst dem Ministerrat vorgelegt. Da hier keine einheitliche Position zu erwarten ist, wird der Entwurf mit großer Wahrscheinlichkeit in die zweite Lesung des Europäischen Par­ laments gehen, somit ist mit Ergebnissen nicht vor Ende Frühjahr 2011 zu rechnen.

Marion Schaefer Manager Verbraucherschutz und Managementsystem

Norddeutsche Flüssigzucker GmbH & Co. KG übernimmt Flüssigzucker­Aktivitäten Seit Mai 2010 bündelt die neu gegründete Gesell­ schaft Norddeutsche Flüssigzucker GmbH & Co. KG (NFZ) alle Flüssigzucker­Aktivitäten, die bislang in der Nordzucker GmbH & Co. KG lagen. Für alle 67 Mit­ arbeiter der beiden Standorte in Groß Munzel und Nordstemmen bestehen Aufgaben und Zuständig­ keiten unverändert fort. Als Geschäftsführer der NFZ wurde Rudolf Podolsky, Direktor des Werks Nordstem­ men, bestellt. Die Neugründung der NFZ ist unter an­ derem Teil einer Strukturbereinigung der Tochter­ tsd gesellschaften der Nordzucker.

Das Flüssigzuckerwerk in Groß Munzel gehört jetzt zur NFZ.

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Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit Neuer Pflichtnachweis fordert Treibhausgas-Bilanz von der Rübe bis zum Ethanol Kennen Sie Ihren persönlichen Kohlen­ dioxid-Fußabdruck? Den Ihres Autos oder Ihrer letzten Urlaubsreise? Wer ­genau hinsieht, entdeckt inzwischen häufiger freiwillige Hinweise auf den so genannten Carbon Footprint von ­Pro­duk­ten und Diensten. Un­ternehmen ­ver­spre­chen sich davon Vor­teile beim End­verbraucher. Bis zum Beispiel 500 Gramm Erdbeeren aus Spanien in ­deutschen Küchen ankommen und die Plastikschale ordnungsgemäß entsorgt ist, sollen ganze 442 Gramm CO2 an die At­mosphäre abgegeben sein. 59,12 Gramm CO2 schlagen für eine Tasse Kaffee zu Buche. Beides sind Beispiele einer Pilot­studie, an der sich 2009 zehn deutsche Unterneh­men mit ausgewählten Produk­ten beteiligten. Während anderswo noch nach praktikablen Wegen zu klimafreund­licheren Produkten und Standards für die Bewertung gesucht wird, beginnt für Bio­ethanol der fuel 21 am 1. Januar 2011 das Zeitalter geprüfter Nachhaltigkeit. Zertifikat im Herbst „Der Nachhaltigkeitsnachweis fordert uns deutlich mehr ab, als die Errechnung des Carbon Footprint“, sagt Dr. Albrecht Schaper. „Festgelegt sind Zielwerte sowie ökologische Kriterien, die nach­prüfbar einzuhalten sind.“ Schaper hat die Nord­ zucker-Tochter auf das Inkrafttreten der Biokraftstoff-Nachhaltig­keitsverordnung (Biokraft-NachV) in Deutschland vorbe­

reitet. Das begehrte Zerti­fikat erhielt die fuel 21 Ende August. „Ohne gültigen Nach­­ hal­tig­­keits­nach­weis des Herstellers sind Bio­ kraft­stoffe in Deutsch­land ab Januar nicht mehr förderungswürdig“, betont Schaper. „Weder die aus heimischer Produktion noch die Im­porte. Her­steller, die den Nach­­ weis nicht erbringen, verlieren dann die Steuer­begünsti­­gung für Biokraftstoffe und dürfen nicht mehr in die Beimischung ver­ kaufen.“ Treibhausgasbilanz von der Rübe bis ­ zum Ethanol „Für den Nachhaltigkeitsnachweis der fuel 21 haben wir die Treibhausgasbilanz ermit­telt, die über die gesamte Produk­ tionskette reicht: angefangen beim land­ wirtschaft­lichen Betrieb und der Rübe bis zur Produk­tion der fuel 21 und zum markt­ fähigen Bio­ethanol.“ Inbegriffen sind alle Transporte und die komplette Produktion in allen nord­deutschen Nordzucker-Wer­ ken. Die dazu nötigen Werte ermittelten Nordzucker und fuel 21 auf Basis von Ver­ brauchsdaten für Kohle, Öl und andere Hilfsstoffe nach dem EU-Katalog mit ver­ bindlichen Standard­werten. Und warum reicht der Nachweis nicht nur für die Werke, die tatsächlich Dicksaft für die fuel 21, und für die Rübenanbauer, die Ethanolrüben erzeugen? „Rübe ist Rübe“, nickt Schaper. „Wir binden alle ein, damit eine flexible und kontinuierliche Rohstoff­ versorgung der fuel 21 sichergestellt wer­ den kann.“

Grenzwerte sinken 2017 Mit dem Ergebnis der Treibhausgasbilanz muss fuel 21 nachweisen, dass der Treib­ hausgas-Ausstoß der gesamten Prozess­ kette um mindestens 35 Prozent unter dem Wert vergleichbarer fossiler Kraftstoffe liegt. Ab 1. Januar 2017 sinkt der einzuhaltende Wert weiter auf mindestens 50 Prozent. „Darin steckt der Auftrag aus der Erneu­er­ baren Energien-Richt­linie der EU, die gesam­ te Prozesskette kontinuierlich auch mit Blick auf Klima­fol­gen und Ökologie zu verbes­ sern.“ Zu­sätz­lich müssen die Rübenan­ bauer gewährleisten, dass sie festgelegte Nachhal­tig­keitskri­terien beim Rübenanbau ein­­halten. Alles in allem ist der neue Pflicht­ nachweis ein stattlicher Rechen- und Prüf­ akt für fuel 21 und Nordzucker als Erst­ erfasser der Ethanol­rüben. Unter Auf­sicht der Bonner Bundes­anstalt für Land­wirt­ schaft und Ernährung (BLE) wird er nach dem REDcert-System von zugelassenen Zertifizierungsstellen jährlich neu durch­ geführt, damit Bioetha­nol aus Klein Wanz­ leben nachhaltig auf den Markt gelangt. Schaper kann dem Zertifikat trotz einiger Mehrarbeit, die es der fuel 21 und Nordzucker bereitet, Positives abgewin­ nen: „Wir sind Vorreiter in Sachen Nach­ haltigkeitsnachweis“, sagt er. „Der Nach­ weis ist weiterer Teil des Qualitätsmanage­ mentsystems der fuel 21 und der Nordzucker. Dadurch, dass wir alle Werke und alle Rübenanbauer in die Prü­fung integrieren, kann der Nachweis nach Bedarf relativ einfach auf Produkte wie zum Beispiel Melasse ausgeweitet werden.“

Durchführung der Zertifizierung

Rübe Anbauer ● Gibt eine Selbsterklärung zum nachhaltigen Anbau ab. Drei Prozent der Betriebe werden vor Ort überprüft

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Zuckerfabrik Ersterfasser ● Muss zertifiziert sein ● hält die Selbsterklärungen der rübenliefernden Betriebe bereit

fuel 21

Kunde

Bioethanolhersteller ● Muss zertifiziert sein ● Erstellt Nachhaltigkeitsnachweise

Mineralölfirma ● Muss den Nachhaltigkeitsnachweis vorweisen, um Bioethanol beimischen zu können

Damit Ethanol aus Klein Wanzleben förderungswürdig bleibt, muss fuel 21 ab dem 1. Januar 2011 die Treibhaus­gas­ bilanz über die gesamte Prozesskette ­erstellen und zertifizieren lassen.


Landwirte müssen Nachhaltigkeitskriterien beim Rübenanbau einhalten.

Außer der fuel 21 müssen alle Nordzucker-Werke eine Treibhausgasbilanz erstellen.

Fossile Energieträger sollen folgen Und wie steht es nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko um die Nachhaltigkeit fos­ siler Energieträger? „Ich kenne bisher kei­ nen anderen Wirtschaftsbereich, der Nach­ haltigkeit bereits von Staats wegen lücken­ los nachweisen muss“, antwortet Schaper.

Allerdings sehe die Erneuerbare-EnergienRichtlinie künftig auch für die Hersteller fos­ siler Energieträger in der EU Treibhausgas­ bilanzen vor. Bis es hier zu verbindlichen Verordnungen und Grenz­werten kommt, sieht er allerdings noch einige Liter Benzin durch den Tankstutzen fließen.

Mineralölfirmen dürfen Ethanol ohne Nachhaltigkeits­ nachweis bald nicht mehr beimischen.

Susanne Dismer-Puls Freie Autorin

Prüfbesuch vom Zertifizierer Wie Landwirte den nachhaltigen Rübenanbau nachweisen Neue Verordnungen stehen bei Landwirten nicht hoch im Kurs. Vor der Prüfung zum Nachhaltigkeitsnachweis für Ethanol der fuel 21 braucht kein Rübenanbauer Angst zu haben. Die neue Nachhaltig­ keitsverordnung für Biokraftstoffe bedeutet keinen großen zusätz­ lichen Aufwand. Drei Prozent der Betriebe werden vor Ort überprüft Jeder Rübenanbauer der Nordzucker erklärt seinen nachhaltigen Rübenanbau mithilfe einer vorbereiteten Selbsterklärung, die er ab 2010 jährlich im Mai bekommt und ausgefüllt an sein NordzuckerRübenbüro zurücksendet. Außerdem schreibt die Verordnung vor, dass die Zertifizierungsstelle drei Prozent der Betriebe auch vor Ort überprüft. Welche Anbauer besucht werden, entscheidet der Zerti­ fizierer. Besuch vom Zertifizierer Nach Terminabsprache bekamen die ersten Betriebe bereits Anfang August Besuch vom Zertifizierer und dem zuständigen Anbau­berater. Ende September werden die Prüfungen fortgesetzt und sollen im Herbst abgeschlossen werden. Geprüft werden jeweils folgende Angaben: 1. Stimmen die angegebenen Zuckerrübenschläge auf der Selbst­erklärung? 2. Stammen die Zuckerrüben von schützenswerten Flächen? 3. Liegt der Nachweis über die Einhaltung der Cross-ComplianceVorgaben vor? 4. Liegen die Flächen in einem Schutzgebiet (Naturschutz-, Landschaftsschutzgebiet), und wenn ja: Gibt es Schutzgebiets­ auflagen und werden diese eingehalten? 5. Liegt ein Flächennachweis (Karte) über Feldblöcke, Flurstücke oder Schläge vor?

Unterlagen bereithalten Mit Hilfe des Agrarantrags 2010 werden die in der Selbsterklä­rung angegebenen Zuckerrübenschläge überprüft. Ob es sich dabei um schützenswerte Flächen handelt, wurde anhand des Agrarantrags 2007 und des Bewilligungsbescheids 2007 überprüft. Wurden die Flächen schon 2007 als Acker genutzt, so gelten sie als nicht schüt­ zenswert. Als Nachweis der Einhaltung der Cross-Compliance-Vor­ gaben dient der Bewilligungsbescheid 2009 und der Zahlungseingang. Mithilfe des Feldblockfinders wird in Niedersachsen und in SchleswigHolstein der Nachweis erbracht, ob die Fläche in einem Naturschutzoder Landschafts­schutz­gebiet liegt. In Sachsen-Anhalt wird das im Agroview, dem Programm für die Online-Versendung des Agrar­ antra­ges, angezeigt. Sollte die Fläche im Schutz­gebiet liegen und ­keine Auflagen für den Anbau von Zuckerrüben aufweisen, wird dies mit einem Anruf bei der zuständigen Behörde überprüft. Der Flächen­ nachweis wurde in Sachsen-Anhalt ebenfalls mit dem Karten­material im Agroview-Programm, in Nieder­sach­sen mit dem entsprechenden Andi-Programm erbracht. Die Karten mussten nicht ausgedruckt vor­ liegen, sondern konnten auch digital am Bildschirm gezeigt werden. Stich­probenartig wurden bei einigen Betrieben Rübenschläge im Feld angesehen. Wer die nötigen Unterlagen bereithält, sollte für die Überprüfung etwa 45 Minuten einplanen. Probleme traten in der Regel nur dort auf, wo Flächen neu in die Bewirtschaftung genommen wurden und im Agrarantrag 2007 noch nicht aufgeführt waren. Hier half meist ein Anruf bei der zuständigen Antragsstelle, die den Nachweis einer Ackerfläche vor 2007 erbringen konnte. Wichtig ist, dass die Angaben in der Selbsterklärung korrekt sind.

Rolf Hoffmann Erneuerbare Ressourcen

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Tr e f f p u n k t

Nordzucker in Bockerode.

Nordzucker auf den DLG-Feldtagen Thema Nr. 1: die neuen Industrierübenverträge Mitte Juni 2010 fanden auf dem Ritter­ gut Bockerode südwestlich von Han­nover die DLG-Feldtage statt. Diese von der DLG alle zwei Jahre organisierte „Messe auf dem Feld“ lockte über 21.000 Fach­ besu­­cher nach Bockerode. Unter hervor­ ragenden Wetterbedingungen konnten Interes­sierte sich rund um den modernen Pflan­zenbau informieren. Nordzucker prä­sen­­tierte sich mit dem Dachverband Nord­deutscher Zuckerrübenanbauer e. V. (DNZ), der Ar­beits­­gemeinschaft zur För­ derung des Zuckerrübenanbaus (Arge Nord), dem Landwirtschaftlichen Infor­ mationsdienst Zuckerrübe (LIZ) sowie fuel 21 auf einem gemeinsamen Stand.

Rechtzeitig zu den DLG-Feldtagen hatten die Nordzucker und der DNZ die Modali­ täten zur Rübenbezahlung ab 2011 ver­ einbart. Die Feldtage boten dabei die ide­ ale Gelegenheit, diese zu präsentieren. In unzähligen Gesprächen erläuterten Mitar­ beiter die neuen Regelungen zur Rüben­ bezahlung. Die Rübenanbauer begrüßten, dass eine Wahlmöglichkeit zwischen fes­ tem und variablem Rübenpreismodell ­besteht. Die Resonanz der Besucher auf die neuen Verträge war durchweg positiv. Weitere Infos in Feld und Zelt Neben der Präsentation im Zelt zu den Industrierüben gab es weiteres Interessan­

tes zu sehen: Auf dem LIZ-Stand im Zelt wurden zum einen Ideen aus der Praxis für die Praxis ausgestellt und auch prä­ miert, zum anderen zeigte das Forschungs­ zentrum Jülich mittels Computertomo­gra­ fie, wie Zuckerrüben auf Stress durch Unkrautbekämpfungsmittel (Herbizide) ­reagieren. Auch im Feld gab es einen viel beachteten Versuch, bei dem zahlreiche Besucher die Nachwirkung von Herbiziden nach Mais sehen konnten. Ein weiteres Highlight im Feld stellte die von Georg Sander mitentwickelte Schlitz­ rübendrillmaschine dar. Unzählige Besu­ cher aus dem In- und Ausland nahmen dieses Gerät in Augenschein. Da die Rü­ ben auf dem Versuchsfeld mit dieser Ma­ schine gesät wurden, konnten sich die

Die niedersächsische Agrarministerin Astrid Grotelüschen (Mitte) besuchte ebenfalls die DLG-Feldtage. Von links nach rechts: Dr. Michael Gauß, Dr. Niels Pörksen, Christian Kionka, Astrid Grotelüschen, Carl-Albrecht Bartmer (Präsident DLG), Dr. Bernd Kämmerling (Leiter LIZ), Dr. Andreas Windt.

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Kaiserwetter lockte viele Fachbesucher zur „Messe auf dem Feld”.

Besucher direkt vom Resultat überzeugen. Ergänzt wurden alle Themen mit informa­ tiven Postern zu Pflanzenschutz, Dün­ gung, Biogas und auch der neuartigen Entblattungstechnik.

Im Gespräch: (v. l.) Dr. Niels Pörksen, Arthur Stolte und Helmut Bleckwenn.

Neben dem fachlichen Angebot erfreute sich auch das kulinarische Angebot reger Nachfrage, vor allem die Zuckerrüben­ schnecken (die tatsächlich mit Rübenblatt gefüllt waren) fanden großen Anklang.

Dr. Andreas Windt

Manager Anbauberatung

Austausch unter Kollegen Fachexkursion slowakischer Rübenanbauer nach Niedersachsen Der Austausch mit ihren deutschen Be­­ rufs­kollegen stand im Mittel­punkt einer Nord­­zucker-Fachexkursion von slowaki­ schen Rüben­an­bauern, die anlässlich der DLG-Feld­tage stattfand. Den slowakischen Agro­nomen, die Betriebe von bis zu 3.000 Hektar je Betrieb bewirtschaften, wurde ein vielfältiges Fach­programm mit Schwer­ ­punkt Rübenanbau und regionalen Beson­ derhei­ten unterschied­licher Betriebe in Nieder­sachsen geboten. Erst in den Melkstand, dann auf den Traktor Erste Station war der landwirtschaftliche Gemischtbetrieb von Cord Lattwesen aus Hohnhorst bei Bad Nenndorf. Milchpro­duk­­ tion auf sehr hohem Leistungsniveau in Ver­ bindung mit intensivem Acker- und na­türlich

Rübenbau prägen den Betrieb. Diese – in deutlich größeren Dimensionen – auch für slowakische Betriebe typische Kombi­na­tion bot reichlich Stoff für Ge­sprä­­che, zum Bei­ spiel über die richtige ­Be­messung und Plat­ zierung der anfallenden organischen Dünger im Rahmen der Fruchtfolge. Aber auch der Unterschied in der Arbeits­erledi­gung durch Familien­arbeitskräfte im Ver­gleich zu den in der Slowakei fast ausschließ­lich angestellten Arbeitskräften wurde lebhaft diskutiert. Dass der Pflanzenschutz überwiegend in den Abend-, aber auch Nacht­stun­den (nach dem Melken) erledigt wird, war für die Slowaken kaum zu glauben. Welcher Zinken für welchen Zweck? Nur wenige Kilometer entfernt besuchten die Gäste den Landma­schinen­hersteller Knoche

in Bad Nenndorf. Nach einer Füh­rung durch Senior-Chef Heinrich Knoche tauschten sich die Landwirte mit dem Land­maschinenfach­ mann speziell zu Mulch­saat­verfahren und dafür geeignete Technik aus. 70 Tonnen pro Hektar müssen sein Nachfolgend präsentierte Arnd von Hugo seine ackerbaulichen Schwerpunkte am Standort Wichtringhausen, wo er Flächen im Rahmen eines Bewirtschaftungs­vertra­gs führt. Hervorragende Rübenbestände mit ­hoher Ertragserwartung und Themen wie Mulch­saat, angepasste Stickstoffdüngung oder optimale Bestandesdichte bestimmten die Gespräche nach der Feldbesichtigung bei Kaffee und Kuchen am Wasserschloss Wichtringhausen. Am Folgetag nutzten die slowakischen Landwirte die Gelegenheit zum Besuch der hervorragend organisierten DLG-Feldtage, um anschließend mit einer Un­zahl von Anregungen und neuen Ideen die Heimreise anzutreten.

Dr. Ulf Wegener Manager Rohstoffbeschaffung International

Heinrich Knoche (4. von links) erläutert den Vorteil einer Kurz­scheiben­egge bei der flachen Stoppel­ bearbeitung zur Vorbereitung der Mulchsaat von Zuckerrüben.

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Tr e f f p u n k t

Mehr als 1.600 Besucher folgten der Einladung zum zentralen Rübentag der Nordzucker Polska.

Guter Besuch der Rübentage in Polen und der Slowakei Auf den Feldern der Landwirtschafts­ schule in Trzcianka im Gebiet Opalenica fand am 17. Juni der 12. Zuckerrüben­tag der Nord­zucker Polska statt. Jarosław Kamieniarz, Vorstandsvorsitzender Nordzucker Polska, begrüßte rund 1.600 Teilnehmer bei herrlichem Wetter und vorbildlich angelegten Versuchs­ feldern.

Lebhafte Diskussionen um die beste Produktionstechnik prägten das Bild entlang den Felddemonstrationen.

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Landwirte setzen weiter auf die Rübe Dr. Gerd Jung, Mitglied der Geschäfts­­ leitung der Nordzucker, hat in seiner Begrü­ßungsansprache die bisherigen Auswirkun­­gen der reformierten Zucker­ marktord­nung und die damit verbunde­ nen Konsequen­zen vorgestellt und über die Zukunft des Rüben­­anbaus und der Zuckerproduktion in Polen und Europa informiert. Nach schmerzlichen Ein­schnit­ ten blicke man nun wieder positiv in die Zukunft. Die Größe der um Nordic Sugar erweiterten Nordzucker als starke Num­ mer zwei in Europa biete gute Voraus­set­ zungen für einen stabilen Zucker­rüben­ anbau in Polen. Der Geschäftsführer des Zuckerrüben­anbauverbandes in der Re­gion Wielkopolska, Ryszard Napierała, unter­­strich, dass die Änderungen, die in der Zucker­ wirtschaft geschehen sind, auch die polni­ ­­ schen Zuckerrübenanbauer beein­flussen. Trotzdem wollen die polnischen Rüben­ anbauer auch in Zukunft, bei guten Rah­ menbedienungen, Zuckerrüben anbauen.

Felddemonstrationen mit großer Resonanz Nach den Vorträgen schauten sich die Teil­nehmer die Versuchsflächen und die Maschinenausstellung an. Demonstra­ tions­parzellen zeigten die Probleme der verschie­denen Techniken der Boden­bear­ beitung. Andere Parzellen demonstrierten häufige agrotechnische Fehler wie zum Beispiel zu tiefe Aussaat, zu fein bearbeite­ ter Boden und Bodenverdichtung oder auch den Ein­fluss der verschiedenen Aus­ saattermine und Herbizidschäden für das Rübenwachs­tum. Die hohe Besucherzahl bestätigte das gro­ ße Interesse am Zuckerrübenanbau und zeigt das Bedürfnis und den Willen nach Wissensverbesserung. Jarosław Kamieniarz Vorstandsvorsitzender Nordzucker Polska


Tr e f f p u n k t

Moderne Anbauverfahren im Fokus Am 2. Juni 2010 hat Považský cukor in Zu­ sammenarbeit mit der Agrargenossen­schaft Devio Nové Sady und dem Zucker­rüben­an­ bauerverband der Slowakei den 10. Rüben­ tag veranstaltet. Ivan Oravec, Vorsitzender der Agrargenos­ sen­schaft PD Devio Nové Sady, eröffnete die Ver­anstaltung und informierte die Teil­nehmer über den aktuellen Diskussions­stand der ge­ meinsamen Europäischen Agrarpolitik nach 2013. Dr. Gerd Jung, Mit­glied der NordzuckerGeschäftsleitung, prä­sentierte die aktuellen Entwicklungen im Nordzucker-Konzern mit dem Fokus auf den Erwerb der Nordic SugarGruppe.

Lieferrecht ist rar und gefragt Eine Folge des neuen Liefervertrags nach der Reform war die teilweise Umverteilung von Lieferrechten zwischen Rüben­anbau­ern, die in der Vergangenheit ihr Liefer­recht nicht voll erfüllten, auf die erfolgreichen, nahe an der Fabrik gelegenen Rüben­anbauer. Richard Šulík, Rohstoffvorstand von Považský ­cukor, berichtete von aktuell sehr hoher Nachfrage nach Lieferrechten. Ertragssteigerung In den umfangreichen Anbau­empfehlun­gen wurden die Rübenanbauer intensiv zu den Themen Mulchsaat von Zuckerrüben, geziel­ te und effektive Unkrautbekämpfung sowie

schwellenorientierter Fungizid­ein­satz beraten. Besichtigungen von Feld­demonstra­tionen und Exaktversuchen zu diesen und weiteren Themen wurden im Anschluss angeboten. Der Rübentag war ein erfolgreiches Tref­fen, um einen Austausch von Informa­tio­nen und Beratungsempfehlungen mit dem Ziel weite­ rer Effektivitätssteige­run­gen im Zuckerrüben­ anbau zu erreichen.

Richard Šulík Rohstoffvorstand Považský cukor

NDR-Landpartie-Fest 2010

Besuchermagnet Marmeladen-Rühr-Station Mehrere 10.000 Besucher hat das NDRLandpartiefest Ende Mai auf das maleri­sche Jagd­schloss in Springe gelockt. Mehr als 100 Aus­steller präsentierten sich: Von Ro­sen über Korbflechter hin zu diversen Lecke­­reien war für jeden Geschmack etwas dabei. Im Nordzucker-Zelt gab es viel zu sehen und zu probieren. Ein Modell der Zucker­ fabrik Clauen, eines Bauernhofs, einer Biogasanlage und natürlich eines Feldes zog die großen und kleinen Besucher ma­ gisch an. Mähdrescher, Rübentransporter sowie diverse andere Landmaschinen in Aktion faszinierten die Zuschauer. Ein weiterer Besuchermagnet war die Nordzucker-Marmeladen-Rühr-Station mit

Landpartiemoderatorin Heike Götz (Mitte) umringt von Mitarbeitern und Landfrauen. (V.l.): Matthias Kranz, Daniela Gierth, Insa Ciesinger, Cornelia Pape, Ursula Bollmann, Dennis Reimer, Karin Alpers.

dem neuen SweetFamily 1-2-3-Fruchtauf­ strich. Gegen eine kleine Spende konnten die Kinder ihre Marmelade selbst anrüh­ ren, abfüllen und ihr Etikett selbst gestal­ ten. Der Erlös ging an das LandfrauenProjekt „Kochen mit Kindern“. Dahinter steckt die Idee, dass Landfrauen Kindern in Schulen und Kindergärten einfaches und vor allen Dingen gesundes und aus­ gewogenes Essen näher bringen. Auch unsere Verkostungsaktion „Geschmack des Jahres“ war ein Renner. Von allen ­Sei­ten war immer nur zu hören „Hmm“, ­„lecker“ oder: „Darf ich noch eins“? Dank der großartigen Hilfe der Landfrauen aus dem Springer Umkreis waren stets Kost­ proben zur Hand.

Scheckübergabe an die Landfrauen nach dem ­erfolgreichen NDR-Landpartiefest in Springe.

Am Sonntagnachmittag kam NDRLandpartie-Moderatorin Heike Götz zu ­einem kurzen Besuch mit ihrem Team auf unseren Stand. Vorstandsvorsitzender Hartwig Fuchs und Christian Kionka, Leiter Zentrale Öffentlichkeitsarbeit, brachten ihr das Thema Zucker und Zuckergewinnung ein wenig näher. Die Resonanz auf unsere süße Erlebnis­welt war überragend.

Daniela Gierth Referentin Sponsoring

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Tr e f f p u n k t

Stadtfrühstück in Uelzens Marktstraßen.

Nordzucker präsentiert sich bürgernah Stadtfrühstück in Uelzen Bereits zum zweiten Mal hatte das City­ manage­ment Uelzen, unterstützt von ­regionalen Unternehmen, zu einem Stadt­

früh­stück eingeladen. Das war für das Werk Uelzen eine sehr gute Gelegenheit, für Nordzucker am Standort aktiv und bürgernah in Erscheinung zu treten. Am 8. August 2010, Sonntagvormittag, trafen sich mehr als 1.000 Uelzener Bürger und Besucher aus dem Umland zu einem gemeinsamen Frühstück in den Markt­ straßen der Innenstadt. Unter ihnen fan­ den sich zahlreiche Vertreter regionaler Behörden, Politiker und Firmenvertreter. Viele nutzten die Ge­legenheit, um ein paar unterhaltsame Stun­den mit der Familie, Freunden oder Kollegen zu ver­ bringen oder um einfach mit anderen ins Gespräch zu kommen. Nordzucker präsentierte sich mit einem Pro­motion-Stand, an dem 1-2-3 Frucht­ auf­strich aus frischen Erdbeeren herge­ stellt und zur Verkostung angeboten wur­ de. Eine breite Palette von Rezeptheften für Groß und Klein sowie weitere Broschü­ ren boten Tipps und Informationen rund

Der Nordzucker-Stand – Ruhe vor dem (An-)Sturm.

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um Zucker. Die Reso­nanz war beeindru­ ckend. Viele Teilnehmer ­kamen, um den Frucht­aufstrich zu probieren und zu fach­ simpeln. Oft tauchte die Frage auf, ob es denn Nordzucker-Marmeladen im Handel gäbe. Nordzucker-Mitarbeiter, die an den Tischen Zucker und Marmelade verteilten oder Gespräche am Stand führten, infor­ mierten über Produkte und das Unter­ nehmen. Immer wieder erkundig­ten sich Besucher nach den Auswirkungen des hei­ ßen Sommers auf die Zuckerrübenernte. Nordzucker hat sich gut dargestellt und mit dazu beigetragen, dass das Uelzener Stadt­frühstück eine gelungene Veran­stal­ tung wurde. Das große Interesse der Bür­ ger und Gäste am Unternehmen und sei­ nen Erzeugnissen bestätigte die positive Außenwirkung eines solchen regionalen Engagements. Bärbel Mayer Managementassistentin Werk Uelzen


Antrittsbesuch vom Staatssekretär Dr. Oliver Liersch, Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, hat sich bei seinem Antrittsbesuch bei Nordzucker über die Position im europäischen Zuckermarkt und Themen der Verkehrs­politik informiert. Er würdigte die Leistungen in der Rüben­logistik. Nordzucker ­sagte zu, weiter alles zu tun, um die Belastungen durch den Stra­ßen­verkehr während der Kampagne so erträglich wie möglich zu gestalten.

Auf dem Bild (von links): Christian Kionka, Christine Jobczyk (Referat Ernährungswirtschaft), Staatssekretär Dr. Oliver Liersch, Hartwig Fuchs.

Wiederkommen „unter Dampf” Bernhard Brinkmann und Hubertus Heil in Clauen

Von links: Erich Strelau, Jürgen Wille, Zoltán Tóth, Adrian Henke, Hubertus Heil, Bernhard Brinkmann, Christian Kionka, Dieter Woischke, Winfried Gählert.

Anlässlich ihrer Sommerreise besuchten die SPD-Bundestags­abge­ ordneten Bernhard Brinkmann (Hildesheim) und Hubertus Heil

(Gifhorn/Peine) sowie Jürgen Wille (Bürger­meister von Rautenberg) und Adrian Henke (SPD-Fraktionsvorsitzender Hohenhameln) das Werk Clauen. Zoltán Tóth (Direktor Werk Clauen) und Christian Kionka (Corporate Public Affairs) informierten die Besucher über Stand und Aus­blick des Unternehmens im europäischen Zuckermarkt sowie die Situation und Investi­tio­nen im Werk Clauen. Die Besucher zeigten sich insbesondere von der ­hohen Aus­bil­ dungs­quote beeindruckt, 14 Auszubildende bei 145 Stamm­mitar­­ beitern seien vorbildlich. Auch die Koope­ra­tion mit benachbarten Schulen fand hellen An­klang. Zufrieden nahmen Brink­mann und Heil zur Kennt­nis, dass bei In­vestitions- und Instandhaltungsprojekten mit Unter­neh­men aus der Region zusammengearbeitet wird. Die Bundes­ tags­abge­ordneten sowie die Regionalpolitiker betonten die Bedeu­ tung des Werks Clauen in der Region. Hier werden unmittelbar und mittelbar Arbeitsplätze geschaffen und Einkommen erwirtschaftet. Die Akzeptanz für Nordzucker und das Werk Clauen sei sehr hoch, wurde immer wieder betont. Mit dem Wunsch nach weiteren 141 Jah­ ren am Stand­ort Clauen verabschiedeten sich die Be­su­cher, um in der Kam­pagne für eine Besichti­gung „unter Dampf“ wiederzukommen.

Hans-Michael Goldmann und Florian Bernschneider bei Nordzucker Hans-Michael Goldmann, FDP-Bundestags­abgeordneter und Vor­­ sitzen­der des Aus­schusses für Ernährung, Landwirtschaft und Ver­brau­ cherschutz im Deutschen Bundestag, und Florian Bernschneider, FDP-

Bundes­tags­abgeordneter aus Braunschweig, informierten sich über Situation und Rahmenbedingungen für Rübenanbauer und Nordzucker. Die Diskussion um die Reform der Gemein­samen Agrarpolitik 2013 war das beherrschende Thema. Goldmann machte wenig Hoffnung, dass sich die deutsche Sonder­stellung bei der Verteilung der Mittel des Agrarhaushalts halten lasse. Die Reform der Zuckermarktordnung 2006 erkannte er als erfor­ derlich, aber erfolgreich an. Es habe hohe Belastungen für den Sektor gegeben. Das System würde jedoch ohne finanzielle Belastungen, ohne Export­erstattungen und ohne Intervention funktionieren. Besonders betonte Goldmann das Interesse, in Deutschland Zuckerrüben und Zucker anzubauen, beziehungsweise zu produzieren. Arbeitsplätze und Infra­struk­tur im ländlichen Raum seien damit verbunden. Gerhard Borchert und Dr. Niels Pörksen betonten die Bedeutung der langfristigen Sicherung der Rahmenbedingungen für Rüben­an­ bau und Zuckerproduktion. Die ­derzeitigen Instrumente würden sich bewähren. Besonderes Augenmerk müsse auf den Außen­schutz gelegt werden.

Von links: Christian Kionka, Hans-Michael Goldmann (MdB FDP), Florian Bern­schneider (MdB FDP), Dr. Niels Pörksen, Gerhard Borchert (Vorsitzender DNZ).



Autor: Christian Kionka

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© Foto: C. Kirchner

Blick in den Hauptausstellungsraum des Museums.

Zucker-Museum, eines der ältesten Museen in Berlin

Besuch macht klug, seit über 100 Jahren

© Foto unbekannt

Museum seit 1904 Mitten im Wedding, im Herzen Berlins, steht eines der ältesten Museen der Stadt, das Zucker-Museum. Einzelne Sparten der Lebensmittelproduzenten wie Brau­gewer­be, Spiritusfabrikation und Zuckerwirt­schaft gründeten ab Mitte des 19. Jahrhunderts Vereine, in denen zentrale „Vereins­labora­ torien” auf dem Gelände Seestraße/Amru­ mer Straße eine wichtige innovative Rolle spielten. Das gesamte Areal bildete zugleich die technische Abteilung der Landwirt­ schaft­­lichen Hochschule zu Berlin. Da auch die staatliche Seite ein reges Interesse an Forschung hatte, wurden den Forschungs­

© Foto unbekannt

Institut für Zuckerindustrie: Vorderansicht des Instituts, ca. 1917.

Mit dem „I. Damenkursus zur Ausbildung von Zucker­chemikerin­nen” bot Herzfeld, der Initiator, als Erster einen planmäßigen Weg zum Frauenstudium in Berlin an.

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einrichtungen beträchtliche finanzielle Mit­ tel bereitgestellt. Grundstück und Gebäude mit allem Zubehör blieben im Eigentum des Fiskus. Die Vereine übernahmen die Verpflichtung, neben Forschung und Betrieb von Demonstrationsanlagen auch Techniker und Beamte der Staatsregierung auszubilden. Die deutschen Rübenzucker­ fabriken hatten sich 1850 zu einem Verein zusammengeschlossen und 1867 ein ers­ tes Forschungs- und Ausbildungslabora­ torium gegründet. 1904 nahm dann das eigene „Institut für Zuckerindustrie” in der Amrumer Straße seine Arbeit auf. Schon damals wurde in einem separaten Raum das bis heute hier bestehende ZuckerMuseum eingerichtet. Bis 1988 „liebevolles Sammelsurium“ Bis zur Anerkennung als Landesmuseum im Juli 1988 war die Ausstellung „unge­ staltet”. Vorhanden war ein liebevoll zu­ sammengetragenes Sammelsurium. Ein Besuch musste lange im Voraus angemel­ det werden. Die Ausstellung glich einer Abenteuertour, bei der Lehrer intensive Vorbereitungen „vor Ort” treffen mussten, bevor Schülergruppen den Slalom durch die Exponate wagen konnten. Die Neupräsentation wurde nach den Plänen von Prof. Claus-Peter Gross ge­ staltet. Über 100 Jahre alt, präsentiert das Zucker-Museum heute auf etwa 450 Qua­drat­metern Fläche eine umfangreiche Sammlung von Objekten, Bil­dern und Dokumenten zu landwirtschaftlichen, kul­ turhistorischen und ernährungswissen­ schaftlichen Themen zur Geschichte des Zuckers. Dies veranschaulichen einmalige Exponate wie wertvolle Zuckerlöffel und

-gefäße aus Silber, eine über 300 Jahre alte hölzerne Zuckerrohrmühle, landwirtschaft­ liche Geräte wie Rübenhacken sowie Polari­ meter, Kandiskristalle und anderes mehr. Besonders beliebt bei Schulklassen Aufgrund seiner Vielseitigkeit ist das Zucker-Museum Berlin beliebter außer­ schulischer Lernort. Ein großer Teil der Besucher sind Schulklassen. Für museums­ begleitende Unterrichtszwecke stehen eine Bibliothek und ein weiterer Aktionsraum bereit, der mit Unterstützung des Förder­ kreises Zucker-Museum e. V. Anfang 2007 realisiert werden konnte. Was Napoleon mit Zucker am Hut hatte Wer also die süße Geschichte des Zuckers genauer kennen lernen möchte, der erfährt im Zucker-Museum Berlin, warum es ohne Zucker keinen Alkohol gäbe, was Zucker und Briefmarken verbindet, was Napoleon mit Zucker am Hut hatte, woher der Begriff „Zuckerhut“ überhaupt stammt und wel­ che bedeutende wirtschaftliche und soziale Rolle die Zuckerrübe und das Zuckerrohr in den vergangenen Jahrhunderten spiel­ ten und bis heute noch spielen. Adresse Zucker-Museum, Amrumer Straße 32, 13353 Berlin, Tel. 030/314 275 74, Fax 314 275 86, zuckermuseum@berlin.de www.dtmb.de/Zucker-Museum

Bernhard E. Nickl Leiter Zucker-Museum


DEMONTAGE

Fabrikrückbau in Groß Munzel hat begonnen In Groß Munzel haben im Juni 2010 die Rückbauarbeiten am Standort der ehemaligen Zuckerfabrik begonnen. Abgeschlossen wurden zuvor umfangreiche Demontagen technischer Ausrüstungen und deren Umsetzung in andere Werke. Die Fabrik war nach der Kampagne 2006 ­geschlossen worden. Zur Vorbereitung des Rück­ baus hat Nordzucker bereits 2007 die vorgeschriebene historische Erkundung und die Gefähr­dungs­abschätzung durchgeführt, die er­ wartungsgemäß keine ungewöhnlichen Hin­weise ergeben haben. Derzeit werden Gespräche zur Nachnutzung des Geländes mit den zuständigen Planungsbehörden geführt.  Jörg Egert

Alle Gebäudeteile werden demontiert.

Das Sirupkochen um 1940 Hanna Unglaube, geb. Kemmer (Jahrgang 1933) ist auf dem elterlichen Hof in Rolfs­büttel (nahe Hillerse, Adenbüttel, Didderse) aufgewachsen und berichtet aus der Er­inne­rung über die Arbeits­abläufe des Landlebens in der Zeit um 1940. Im Herbst wurde Sirup gekocht. Sieben ­große Familien mussten versorgt werden. Ein riesiger Haufen Zuckerrüben lag vor der Futterküche neben der großen Linde. Alle Frauen saßen darum herum, um den groben Schmutz mit einem Messer von den Rüben zu putzen. Da­ bei wurde gesungen, erzählt und gelacht. Dann wurden die Rüben in ­großen Wannen gewaschen, in der Schnitzel­maschine zerklei­ nert und in Kesseln weich gekocht. Der Roh­

saft wurde durch eine Presse, die von Hand gedreht werden musste, gewonnen. Die Presse wurde von Haus zu Haus im ganzen Dorf nach Vorbestellung von Herman Wesche ausgeliehen. Dann wurde der Rohsaft in den großen Kes­ seln eingekocht. Das dauerte Stunden, bis die richtige Konsistenz erreicht war. Das Feuer durfte nicht zu stark sein, der Sirup durfte nicht anbrennen und nicht überkochen. Am heißen Kessel standen die Frauen und ­waren damit beschäftigt, den Kochvorgang ohne Pause zu überwachen. Sie mussten nachts durcharbeiten, denn die Saftpresse wurde ja am Morgen vom Nächsten erwartet. Die Frauen lösten sich ab und arbeiteten in Schichten. Das Ganze verlief in Harmonie,

alle waren froh, für ihre Familien einen süßen Brotaufstrich zu haben. Für die Kinder fielen Sirupbonbons ab, die sehr begehrt waren. Der Sirup wurde anschließend in großen Steintöpfen aufbewahrt.

AUSBILDUNG

Nordstemmer Azubi erhält Stipendium Über ein mit 5.000 Euro dotiertes Weiterbildungsstipendium für Berufs­ einsteiger darf sich die Nordstemmer Auszubildende Stephanie Klarhölter freuen. Mit sehr guten Prüfungsergebnissen als Industrie­mechanikerin ­hatte sie die IHK-Jury überzeugt. Im Rahmen des Stipendi­ums fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung z. B. Vorbereitungen auf Prüfungen zum Meister, anspruchsvolle Bildungsmaßnahmen oder auch berufsbegleitende Studiengänge. tsd

Stephanie Klarhölter wurde mit einem IHK-Stipendium ausgezeichnet.

WISSENSWERTES

Wussten Sie schon  …? … dass Caipirinha auch ohne Alkohol vorzüglich schmeckt? Zerstoßen Sie eine in Stücke geschnittene Limette und nach Belieben auch etwas zerkleinerte Orange. SweetFamily Rohrzucker hinzufügen, mit gecrushtem Eis auffüllen und mit Ginger Ale ergänzen. Der braune Tropen-Zucker von SweetFamily ist jetzt auch im 500-Gramm-Beutel erhältlich.

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Nordzucker AG, Küchenstraße 9, 38100 Braunschweig

Saftiger Zwetschgenkuchen Zutaten für den Boden: 150 g Butter 250 g Mehl 50 g SweetFamily Brauner Zucker 2 Eigelb 1 Prise Salz 1-3 EL Milch Für den Belag: 3 EL Semmelbrösel 2 kg Zwetschgen 50 g SweetFamily Brauner Zucker 1 Messerspitze Nelken, gemahlen 75 g Butter 50 g Mandel, gehobelt 3 EL Zwetschgengeist

Zubereitung: Die Zutaten für den Boden in eine Schüssel geben und zu einem Mürbeteig verkneten. Den Mürbeteig auf einem gefetteten Backblech ca. 1/2 cm dick auslegen und mit den Semmelbröseln bestreuen. Die Zwetschgen waschen und entsteinen. Den Teig schuppen­ förmig mit den Zwetschgenhälften belegen. Die Innenseiten der Zwetschgen müssen dabei nach oben zeigen. Den Zucker mit den gemahlenen Nelken vermischen und die Zwetschgen damit bestreuen. Den Zwetschgengeist darüberträufeln und die Mandel­ blättchen sowie die Butter in kleinen Flöckchen darauf verteilen. Den Kuchen bei 200 °C (Umluft 180 °C) etwa 25 Minuten backen. Zubereitungszeit: ca. 45 Minuten


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