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Akzente 11/2004

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Akzente

November 2004 • Neues aus dem Unternehmen Aktuell

Rübe

Markt & Kunde

Kapitalstruktur: Mehr Transparenz und Schlagkraft

Kampagne 2004 – Alles läuft nach Plan

Vier Länder – eine Marke: Nordzucker wird SweetFamily

Demo in Warberg Nach dem Panel-Entscheid Brasiliens Erfolgsgeheimnis


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I Inhalt I Akzente November 2004

Auf ein Wort

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Aktuell Kapitalstruktur: Freude über „klare Verhältnisse“ überwiegt – Großer Schritt zu mehr Transparenz und Schlagkraft Demonstration für den Rübenanbau in Deutschland – Agrarminister erleben die bäuerlichen Wurzeln

3

Maren Kruse (SPD) im Werk Uelzen

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Minister Ehlen zum Informationsbesuch im Werk Schladen

28

Neue Felder Strom und Wärme aus Biogas Entscheidungskriterien für Investitionen

29

9

Special WTO-Zuckerpanel: Die erste Instanz geht an Brasilien, Thailand und Australien. Informationen zum Sachstand

Rübensirup

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10

Das süße Rezept Nöhle: Zuckerreformpläne müssen überarbeitet werden – WTO-Zuckerurteil fordert grundlegende Änderungen

11

Brasilien: Ethanol-Beimischungsrate – Das Geheimnis für den süßen Erfolg

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Trockengelegt – Nordzucker modernisiert im Werk Schladen den vierten Rübenhof

14

Biskuitplätzchen

Rübe Nordzucker-Kampagne 2004: Alles läuft nach Plan

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Mit schlanken Prozessen zum Erfolg – Kampagne 2004 in Polen, Slowakei und Ungarn

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Rückverfolgbarkeit – (k)ein Thema für die Rübe?

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Termine Winterversammlungen und Fachversammlungen 2005

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Markt und Kunde Vier Länder – eine Marke. Nordzucker wird SweetFamily

23

Neues Hochregallager in Uelzen in Betrieb

24

Nordzucker verfügt in Polen über leistungsfähige Schnittstellen zum Kunden

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Treffpunkt Nordzucker Angela Merkel zu Besuch bei Nordzucker

Alles neu ... ... macht der November! Die Novemberausgabe von Akzente hat ein neues Gesicht. Die Zeitschrift für NordzuckerAktionäre informiert Sie wie bisher drei Mal jährlich kurz, interessant und gut lesbar über Hintergründe und Neues bei Nordzucker. Mit dem Ziel ein klares einheitliches Erscheinungsbild der Nordzucker weiterzuentwickeln, überarbeiten wir Schritt für Schritt alle Veröffentlichungen. Im November war Akzente an der Reihe. Wir bieten Ihnen damit ein Plus an Übersichtlichkeit und Lesefreundlichkeit. Gleichzeitig erkennen Sie, dass wir auf dem Weg sind in eine sowohl inhaltliche als auch äußerliche „Kommunikationsfamilie“. Dies gilt für die Druckerzeugnisse ebenso wie für unseren Internetauftritt und die Anwendungen im Landwirteportal. „Wir machen mehr daraus“ bedeutet hier, Ihr Informationsbedürfnis über alle zur Verfügung stehenden Kanäle optimal zu bedienen. Interessante Lektüre wünscht Ihnen Gerald Dohme, Unternehmenskommunikation

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Impressum

Neben der Landwirtschaft müssen auch die Zulieferunternehmen gestärkt werden. Cornelia Pieper (FDP) besucht Nordzucker

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Maria Flachsbarth (CDU) im Werk Groß Munzel

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Hans-Jürgen Uhl (SPD): Zuckerrübenanbau in der EU erhalten

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FDP-Landtagsabgeordnete Lehmann und Oetjen bei Nordzucker

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Herausgeber: Nordzucker AG Küchenstrasse 9 · 38100 Braunschweig Telefon 0531 / 24 11 - 0 Telefax 0531 / 24 11 - 106 E-Mail akzente@nordzucker.de Redaktion: Gerald Dohme, Christian Kionka, Susanne Dismer-Puls (sdp) verantwortlich Layout und Satz: adconcept. werbeagentur gmbh, Hannover Druck: CW Niemeyer Druck GmbH, Hameln, Aufl.: 18.000


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Akzente November 2004 I Auf ein Wort I

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Sehr geehrte Rübenanbauer und Aktionäre, An der Nordzucker-Kampagne 2004 „stimmt“ bisher alles. Nordzucker erwartet in Deutschland einen durchschnittlichen Rübenertrag von über 56 Tonnen Rüben pro Hektar bei guten Qualitäten und etwa 17,5 Prozent Zuckergehalt. Bis auf Anfangsschwierigkeiten eine Rübenernte unter sehr günstigen Bedingungen, die das gute Vorjahresergebnis sogar noch übertreffen kann. Auch die Verarbeitung lief bis auf schadensbedingte kurze Unterbrechungen in zwei Werken bislang sehr gut. Beachtlich sind auch die vorläufigen Ernteergebnisse bei den osteuropäischen Nordzucker-Beteiligungen. Sie reichen zurzeit von durchschnittlich 41 Tonnen Rüben je Hektar bei 17,1 Prozent Zucker in Polen bis zu 57 Tonnen und 15,8 Prozent in Ungarn. Im September sind wir mit der Fusion der zwei „großen“ Nordzucker Holdings in Sachen Kapitalstruktur einen großen Schritt weitergekommen. Ende Oktober hat Nordzucker die Zertifizierungen 2004 erfolgreich abgeschlossen. Geprüft wurde nach DIN EN ISO 9001 (Qualitätsmanagement), DIN EN ISO 14001 sowie VO-EG-761/2001 (beide Umwelt), nach dem International Food Standard des Lebensmittelhandels (Lebensmittel) und nach GMP 13 und Q/S (Futtermittel). Ein anspruchsvolles Prüfprogramm, mit dem Nordzucker führend in der Zuckerund Nahrungsmittelindustrie ist. Seit 1. November wird Nordzucker im Lebensmitteleinzelhandel europaweit unter der neuen Dachmarke SweetFamily verkauft. SweetFamily wird d as internationale Zusammenspiel von Marketing und Vertrieb deutlich vereinfachen. Gleichzeitig bekommen wir damit ein großes internationales Dach für „Zuwachs“ in der Produktfamilie.

Und wie geht es weiter mit Rüben und Zucker in Europa? Die „Zwischenbilanz“ für die politische Zuckerkampagne 2004 fällt etwas gedämpfter aus. Positiv verbuchen können wir die Einsicht von EU-Agrarkommissar Fischler, dass ein Legislativvorschlag für die Zuckermarktreform erst Sinn macht, wenn das endgültige Ergebnis im WTO-Streit um die EU-Zuckerexporte im März 2005 vorliegt. Mariann Fischer-Boel, deren Berufung als Agrarkommissarin noch unsicher ist, will die Reform im Sinne Fischlers auf den Weg bringen. Abweichend von seinen Plänen, setzt sie sich für eine Reform ab 2006 ein. Auch das wäre eine aus unserer Sicht vernünftige Entscheidung. Positiv zu werten ist die von der Kommission Ende Oktober angekündigte Begrenzung zollfreier Zuckerimporte aus den Balkanländern. Notwendige Importbegrenzungen für Zucker aus den 50 ärmsten Ländern der Welt sind hingegen noch immer kein Thema für die scheidende Kommission, die wohl bis Ende 2004 im Amt bleiben wird. Auf konkrete Antworten, wie die EUZuckermarktordnung in 19 Monaten aussieht, werden wir weiter warten müssen. Diese Zeit sollte jeder an seinem Platz intensiv für weitere Informations- und Überzeugungsarbeit nutzen. Jeder an seinem Platz hat aber auch die unternehmerische Pflicht, jetzt die Vorbereitungen zu treffen, um bestmöglich für alle denkbaren Szenarien aufgestellt zu sein. Nordzucker AG Dr. Ulrich Nöhle Jens Fokuhl Günter Jakobiak


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I Aktuell I Akzente November 2004

Kapitalstruktur: Freude über „klare Verhältnisse“ überwiegt Großer Schritt zu mehr Transparenz und Schlagkraft Stimmen zu den Ergebnissen der Hauptversammlungen 2004 In seiner Rede vor der Hauptversammlung der Nordzucker AG hat Dr. Ulrich Nöhle das Ergebnis der diesjährigen Hauptversammlungen der vier Nordzucker-Holdings als „großen Schritt zu einer deutlich schlagkräftigeren Kapitalstruktur“ bezeichnet. Acht Wochen

nach den Hauptversammlungen ist Akzente auf „Stimmenfang“ gegangen: Wie beurteilen die Verantwortlichen Erreichtes und nicht Erreichtes. Was sehen sie als vordringlichste Aufgabe der nächsten Monate? Lesen Sie dazu Antworten aus Nordzucker-Perspektive

von Henning Hansen-Hogrefe und Jens Fokuhl sowie aus der Sicht der „alten“ und neuen Holdings von Gerhard Borchert, Hans-Christian Koehler, Jürgen Seidel und Hans-Jochen Bosse.

Hansen-Hogrefe: Nordzucker hat jetzt den qualifizierten Mehrheitsaktionär, der die Interessen der Landwirtschaft vertritt „Meine größte Freude und Genugtuung ist, dass die beiden großen Holdings die notwendige Mehrheit für das Zusammengehen bekommen haben. Nordzucker hat jetzt den qualifizierten Mehrheitsaktionär, der die Interessen der Eigentümer, der Aktionäre und Rübenanbauer und damit der Landwirtschaft in der Hauptversammlung der Nordzucker AG vertritt und diese wenn notwendig – auch gegenüber anderen Aktionären oder Geldgebern behaupten kann. Hier ist nun die Mehrheit entstanden, mit der wir die künftig nicht weniger werdenden Probleme anpacken und meistern können. Neue Diskussionsthemen Zunächst muss der Zusammenschluss natürlich vollzogen und praktisch gelebt werden. Wichtige neue Diskussionsthemen sind jetzt unter anderem Einsparungen bei der Verwaltungskostenpauschale (das gilt natürlich auch in den übrigen Holdings); Umgang und Beziehung zur Nordzucker AG, die Strukturierung und das Selbstverständnis des Landwirtschaftlichen Beirats der Nordzucker AG, die Diskussion über Kapitalerhöhung und Kapitalbeschaffung. Dazu gehört auch, dass die bisher auch für die Aktie der Nordzucker AG bestehende Vinkulierung neu überdacht werden muss. Die Vinkulierung

darf kein Hemmschuh für notwendiges Wachstum der Nordzucker AG werden. Das gilt besonders, wenn unsere bisherigen Aktionäre, die Landwirte, bei schlechter werdenden Rahmenbedingungen notwendige Kapitalerhöhungen nicht mehr aufbringen können. Für die Zukunft ist auch intensive Aktienpflege in der Nordzucker AG bei positiver Dividendenpolitik angesagt. Dieses ist allein deshalb erforderlich, um die Aktionäre, die zum Unternehmen stehen, nicht schlechter zu stellen als die Aktionäre, die nach der Abstimmung bei der ZAG Widerspruch zu Protokoll gegeben haben und sich damit offen gehalten haben, das Barabfindungsangebot in Anspruch zu nehmen. Geschenke sind nicht mehr zu verteilen Großes Verständnis habe ich für die Entscheidung der Union-Zucker, der großen Holding so kurz nach der Einbringung des operativen Geschäfts im Vorjahr noch nicht beizutreten. Als wenig konstruktiv und teilweise nicht nachvollziehbar habe ich jedoch die Begründung für das „wir-machen-nichtmit“ empfunden. Teilweise dienten die Ausführungen auch dazu, die Zusammenschlüsse der übrigen Holdings zu verhindern. Ich bin überzeugt, dass die

Henning Hansen-Hogrefe (Jg. 1947), Aufsichtsratsvorsitzender der Nordzucker AG. Der Besuch aller fünf Hauptversammlungen gehörte zu seinem selbstverständlichen Pflichtprogramm. Hansen-Hogrefe, der selbst Aktionär zweier Nordzucker-Holdings ist, bewirtschaftet einen 320-Hektar Betrieb mit Getreide und Zuckerrüben im Südkreis Helmstedt.

Gesellschafter der Union sehr schnell erkennen, welches der richtige Weg für sie ist. „Geschenke“ sind bei künftigen Fusionen nicht mehr zu verteilen. Keine Argumente für fortgesetzten Dividendenverzicht Ich bedaure sehr, dass die gut 72 Prozent der Aktionäre der Nordharzer Zucker AG, die sich für den Beitritt ausgesprochen haben, weiterhin auf die Mehrheitsholding warten müssen. Die Nordharzer müssen nun erleben, wie sich die Mehrheitsholding ohne sie formiert. Sicher hat die ungeschickte Abarbeitung einiger Dinge im Vorfeld die Zahl der Nein-Stimmen noch unnötig erhöht. Warum die Nein-Sager


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jedoch weiter in Kauf nehmen, dass gut 250.000 Euro Gewerbesteuer, die bei der Nordharzer auf Grund des Schachtelprivileges anfallen, nicht als Dividende ausgeschüttet werden können, bleibt mir angesichts der insgesamt gedrückten Wirtschaftslage 2004 unverständlich. Hier fehlen mir wirklich die handfesten Argumente, warum man schon mehrere Jahre und auch weiterhin auf dieses Geld verzichten kann. Die Plattform steht – machen wir mehr daraus Sehr erfreulich war, dass die Hauptversammlung der Nordzucker AG – trotz

der vorangegangenen vier Hauptversammlungen mit teilweise Marathonausmaßen noch so gut besucht war. Ich denke, Dr. Nöhle hat als Vorstandsvorsitzender die Strategie unseres Unternehmens sehr gut vermittelt. Deutlich wurde auch, dass unser Kerngeschäft nach wie vor Zucker aus Rüben sein wird. Mit der anstehenden Änderung der Zuckermarktordnung werden allerdings auch andere Geschäftsbereiche an Gewicht zunehmen und unser Schwerpunkt verbreitert sich zu „Kompetenz in Süße“. Machen wir alle gemeinsam mehr daraus. Die Plattform dafür haben wir im September 2004 geschaffen.“

Fokuhl: Ein wichtiger Schritt nach vorn – Kapitalstruktur zielgerichtet weiterentwickeln „Die Hauptversammlungen 2004 haben Nordzucker einen wichtigen Schritt vorangebracht. Wir verfügen jetzt über eine klare Struktur: Die neue Nordzucker Holding AG hält mehr als fünfzig Prozent der Anteile an der Nordzucker AG und ist damit Mehrheitsaktionär. Bisher gab es keinen Mehrheitsaktionär, sondern vier Holdinggesellschaften als gleichberechtigte „Groß-Aktionäre“. Wichtige Ziele aus den verschiedenen Arbeitsgruppen zur Entwicklung der Kapitalstruktur sind damit erreicht: Allem voran

Jens Fokuhl (Jg. 1961) verantwortet als Mitglied des Vorstands der Nordzucker AG die Ressorts Finanzen und Zucker International.

• Bündelung des bäuerlichen Einflusses • die Einbindung der Anbauerverbände durch Personalunion und erweiterte Vertretungsrechte sowie • eine Reihe gewünschter und inzwischen umgesetzter Satzungsänderungen. Zu letzteren gehören unter anderem die Durchführung der Holding-Hauptversammlungen vor der Versammlung der

Nordzucker AG und die Befragung der Holding-Aktionäre zu wesentlichen Strukturmaßnahmen, bevor in der Versammlung der AG darüber entschieden wird. Unsere Aufgabe ist es jetzt, die Kapitalstruktur gemeinsam mit der Nordzucker Holding AG sowie mit der Nordharzer Zucker AG und der UnionZucker Südhannover GmbH zielgerichtet weiterzuentwickeln.“

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Lothar Wrede vorübergehend wieder Mitglied im Aufsichtsrat

Gute Aussichten auf einen zweiten Blumenstrauß hat Lothar Wrede. Nach der Verabschiedung aus dem Aufsichtsrat der Nordzucker AG am 10. September und einer kurzen Verschnaufpause wurde Wrede vor wenigen Tagen erneut Mitglied im Aufsichtsrat der Nordzucker. Diesmal allerdings „nur“ übergangsweise für den kurz vor der Hauptversammlung der Nordzucker AG aus gesundheitlichen Gründen ausgeschiedenen Eberhard Herweg. Die Kapitalvertreter im Aufsichtsrat hatten sich in Abstimmung mit den Holdings auf Wrede als geeigneten, nunmehr gerichtlich zu bestellenden Kandidaten verständigt, der den Aufsichtsrat bis zur Wahl eines neuen Vertreters auf der nächsten Hauptversammlung am 14. Juli 2005 vervollständigt. Wrede war auf der letzten Hauptversammlung turnusmäßig aus dem Aufsichtsrat ausgeschieden, um sich insbesondere auf seine Funktion als neuer Aufsichtsratsvorsitzender der Nordzucker Holding AG zu konzentrieren.


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I Aktuell I Akzente November 2004

Borchert: September 2004 war für Nordzucker fünf vor zwölf „Ich glaube, dass der Zusammenschluss der beiden großen Nordzucker-Aktionäre überfällig war. Wir haben es mehr oder weniger fünf vor zwölf geschafft, 78 Prozent des Kapitals in einer starken Holding zusammenzuführen. Das schafft klare Entscheidungsstrukturen, die wir und Nordzucker als Unternehmen jetzt dringend brauchen. Nicht nur, um schneller als bisher zu eindeutigen Voten zu kommen. Nordzucker steht vor großen Entscheidungen. Die wollen wir meistern. – Wie? Indem wir unsere Aktionäre in den Vordergrund stellen. Offensiv informieren, die „Menschen

mitnehmen“. Es ihnen durch überzeugende Arbeit leicht machen, sich auch in der nun gewachsenen Nordzucker Holding AG vertreten und „zu Hause“ zu fühlen. Das gelingt uns, wenn wir durch ehrliche Informationen notwendiges Vertrauen schaffen. Dazu werden wir unsere Rolle als Mittler zwischen dem Unternehmen Nordzucker und dem Aktionär entschieden wahrnehmen. Mancherorts leider auch noch, um immer wieder deutlich machen, dass die Nordzucker Holding AG nicht „gegen die Bauern“ arbeitet, sondern für sie.“

Gerhard Borchert (Jg. 1957) ist Vorstandsvorsitzender der Nordzucker Holding AG und Vorsitzender des Dachverbands Norddeutscher Zuckerrübenanbauer e.V.. Er bewirtschaftet einen 175-HektarBetrieb in Brome bei Wolfsburg mit 30 Hektar Zuckerrüben, Kartoffeln, Weizen, Raps und Gerste.

Koehler: Knappes Ergebnis – Große Erleichterung der Name unserer Gesellschaft verschwindet. Keine Träne müssen wir aber dem Aktienlieferrecht nachweinen. Hier bestand bisher die Gefahr einer unkalkulierbaren Belastung für die Zukunft durch eine Regelung, die in der Vergangenheit sicher einmal ihren guten Sinn hatte. Durch ihre Abschaffung geschieht keinem Aktionär ein finanzieller Schaden. Hans-Christian Koehler (Jg. 1955) ist Mitglied im Aufsichtsrat der Nordzucker AG und bis zur Eintragung der Verschmelzung Vorstandsvorsitzender der Zucker-AG Uelzen-Braunschweig, danach im Vorstand der neuen Nordzucker Holding AG. Koehler wirtschaftet in Tetendorf-Eppensen nördlich von Uelzen in einer landwirtschaftlichen GbR mit 270 Hektar Fläche, auf der neben 60 Hektar Zuckerrüben, Weizen, Gerste und Raps angebaut werden und betreibt eine Mastschweinehaltung.

„Ich bin erleichtert, dass wir bei der ZAG die notwendige Mehrheit – wenn auch nur recht knapp – für die gemeinsame Holding erreicht haben. Sicher schwingt gerade bei uns in Uelzen auch etwas Wehmut mit, dass damit

Wichtiger ist nun der Blick nach vorne: Jetzt geht es zunächst darum, in der neuen, gestärkten Nordzucker Holding schnell zusammenzuwachsen. Die neue Gesellschaft trägt als Mehrheitsaktionär in der Hauptversammlung der Nordzucker AG eine große Verantwortung. Sicher soll und wird sie ebenso wie bisher nicht in das operative Geschäft der Nordzucker AG „hineinregieren“. Aber es hat jetzt noch größere Bedeutung, dass sie die Strategie der Nordzucker mit trägt, vermittelt und umsetzt. Dazu werden auch neue Maßnahmen der Kapitalbeschaffung gehören,

gegebenenfalls auch die Öffnung des Aktionärskreises der Nordzucker AG. Führungsanspruch aber auch Offenheit und Akzeptanz gegenüber den Partnerholdings Aus der neuen Verantwortung der Nordzucker Holding folgt auch ein Führungsanspruch gegenüber den beiden kleineren Partnerholdings, der aber von Offenheit und Akzeptanz geprägt sein muss. Die innere Verwaltungs- und Kostenstruktur wird möglichst schlank zu halten sein. Die Holding ist kein Selbstzweck, sondern dient den Interessen ihrer Aktionäre. Der neue Vorstand wird alles für das Ziel tun, den Kurswert der Holding-Aktien mindestens zu halten, wenn möglich zu steigern. Bisherige Beschränkungen beim Aktienkauf durch feste Verhältnisse zum Lieferrecht sind auch deshalb neu zu überdenken.”


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Der neue Aufsichtsrat der Nordzucker AG (v.l.n.r.) vordere Reihe: Dr. Harald Isermeyer, Landwirt, Eickhorst; Manfred Tessmann, Gewerkschaftssekretär, Vienenburg; Dieter Paschwitz, Mess- und Regelmeister, Hohenhameln; Gudrun König, techn. Angestellte, Wolfenbüttel; Henning Hansen-Hogrefe, (Vors.) Landwirt, Ingeleben; Gunther Kenk, Gewerkschaftssekretär, Ihlenfeld; Goetz von Engelbrechten, Landwirt, Molzen; Rolf Huber-Frey, Betriebswirt, Freiburg; Klaus Fentzahn, Mess- und Regeltechniker, Güstrow; Hintere Reihe: Dietrich Hauschildt-Staff, Landwirt, Steinbrück; Hans-Christian Koehler, Landwirt, Tetensen-Eppensen; Hans-Heinrich Prüße, Landwirt, Ahlten; Claus Lütje, Landwirt, Rade; Reiner Knackstedt, Landwirt, Dedeleben; Eckhard Bosse, Elektromeister, Leiferde; Wolfgang Wiesener, Mechaniker, Uelzen; Jürgen Seidel, (stellv. Vors.) Ingenieur, Gronau; Jochen Steinhagen, Manager Rübenmanagement Nord, Uelzen; auf dem Foto fehlt: Gunold Fischer, (stellv.Vors.) Gewerkschaftssekretär, Hannover

Seidel: Union-Zucker bleibt verlässlicher Partner „Die Gesellschafterversammlung der Union-Zucker verlief planmäßig. In allen abzustimmenden Punkten haben wir eindeutige Voten erzielt. Das Thema Beitritt zur Nordzucker Holding AG stand nicht zur Abstimmung, weil die Geschäftsführung der Union-Zucker bereits Ende 2003 entschieden hat, der neuen Holding nicht beizutreten. Die drei für uns wichtigsten Gründe so zu entscheiden, haben auch jetzt, im November 2004, nach wie vor Bestand: Das sind zum einen die dann aufzuge-

benden wesentlichen Rechte aus dem Vermögensübertragungsvertrag, zum zweiten der nach unserer Auffassung für die neue Holding nicht auszuschließende mitbestimmte Aufsichtsrat und als dritter Punkt der aus unserer Sicht fehlende organisatorische Unterbau zur dauerhaften Sicherung des bäuerlichen Einflusses. Die Union-Zucker wird auch als eigenständige Holding ein verlässlicher Partner der Nordzucker AG sein. Das ist unsere Botschaft. Die weitere Entwicklung der neuen Nordzucker Holding AG verfolgen wir natürlich sehr aufmerksam.“

Jürgen Seidel (Jg. 1938) ist Sprecher der Geschäftsführung der Holding Union-Zucker Südhannover GmbH und Mitglied im Aufsichtsrat der Nordzucker AG. Der Diplom-Ingenieur war bis zum Beitritt in den Gesellschafterkreis der Nordzucker AG zum 1. März 2003 geschäftsführender Direktor der Union-Zucker.

Ergebnisse der Hauptversammlungen 2004 Abstimmung über (Angaben in %)

Nordzucker AG Gesamt Direktbeteiligungen

Union-Zucker Südhannover GmbH

Zucker-AG UelzenBraunschweig

Nordzucker Holding AG

Nordharzer Zucker AG

Gewinnverwendung / Dividende

99,99

99,76

100

98,76

99,79

98,75

Entlastung Vorstand / Geschäftsführung

99,99

98,53

100

92,54

98,87

73,57

Entlastung Aufsichtsrat

99,99

97,99

93,13

99,24

72,92

Wahl des Abschlussprüfers

99,99

99,00

100

96,60

97,83

91,52

Wahlen zum Aufsichtsrat / zur Geschäftsführung

99,96 - 99,99

93,25 - 98,03

100

92,91 - 95,81

72,87 - 99,81*

82,69 - 94,09

Satzungsänderungen

97,94

Zustimmung zum Verschmelzungsvertrag

76,32

98,72

72,41

Verschmelzungsdurchführende Kapitalerhöhung Anwesendes Kapital

98,89

97,14

0,63

63,00

40,29

34,58

56,19

*Ein Gegenkandidat erhielt lediglich 30,05 % der Stimmen und wurde nicht gewählt.


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I Aktuell I Akzente November 2004

Harald Isermeyer neues Mitglied im Aufsichtsrat

Dr. Harald Isermeyer (Jg. 1953), ist seit dem 8. September 2004 neues Mitglied im Aufsichtsrat der Nordzucker AG. Der in Göttingen promovierte Agrarökonom setzt sich seit den 80er Jahren in verschiedenen Gremien ehrenamtlich für die Belange von Rübenanbauern und Nordzucker-Aktionären ein: Seit der Gründung 1990 gehört er dem Vorstand des Anbauerverbands Nord-Ost-Niedersachsen an und ist Vorstandsmitglied im Dachverband Norddeutscher Zuckerrübenanbauer e. V. (DNZ). Bis zur Verschmelzung in der Nordzucker Holding AG war Isermeyer im Vorstand der Zuckerverbund Nord AG Holding Fallersleben-Meiner Zucker AG aktiv; danach zunächst Mitglied und seit 2003 Vorsitzender des Aufsichtsrats der Nordzucker Holding AG. Seit 1997 ist der aktive Landwirt (Eickhorst/Niedersachsen und Beckedorf/Sachsen-Anhalt) außerdem Vorstandsmitglied der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft e. V. (DLG), Frankfurt. sdp

Bosse: Nordharzer Aktionäre müssen sich jetzt um Anschluss bemühen „Die Präsenz während der Hauptversammlung 2004 war mit 56 Prozent außerordentlich hoch. Dr. Nöhle gab einen ausführlichen Bericht über die Nordzucker AG und forderte die Bereitschaft der Aktionäre zur Anpassung. Er zeigte Ansätze auf, sich auf neue Rahmenbedingungen einzustellen. Kernpunkt war die Verschmelzung auf die Nordzucker Holding AG. Leider wurde die nötige Zustimmung von 75 Prozent mit 72, 4 Prozent wieder knapp verfehlt, ähnlich wie bereits 1999 und 2000. Damit steht die Nordharzer Zucker AG abseits, denn die große Nordzucker Holding AG hält jetzt 78 Prozent der Anteile an der Nordzucker AG und kann damit alle Entscheidungen ohne Nordharz

Hans Jochen Bosse (Jg. 1957) ist Vorstandsvorsitzender der Nordharzer Zucker AG und bewirtschaftet seinen 220-Hektar Betrieb mit Zuckerrüben, Weizen und Gerste in Ohrum bei Wolfenbüttel.

treffen. Die Nordharzer Zucker AG muss sich bemühen, wieder Anschluss an die Holding zu bekommen. Bei den Aktionären gibt es keine regionalen Interessen.“ π

Kapitalstruktur nach den Hauptversammlungen 2004 Nordzucker AG Grundkapital 117,5 Mio Euro Nordharzer Zucker AG 8,1 % 9,5 Mio. Euro

Direktaktionäre 3,5 % 4,0 Mio. Euro

Union Zucker Südhannover GmbH 10,6 % 12,4 Mio. Euro

Nordzucker Holding AG 77,9 %* 91,5 Mio. Euro

*vorbehaltlich der Eintragung ins Handelsregister


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Demonstration für den Rübenanbau in Deutschland Agrarminister erleben die bäuerlichen Wurzeln – Künast ohne neuen Ansatz für die Sicherung von Betrieben und Arbeitsplätzen im ländlichen Raum „Sie stellen eindrucksvoll die Bedeutung des Rübenanbaus in Deutschland unter Beweis!“ rief der Präsident des Niedersächsischen Landvolkverbands, Werner Hilse den rund 4.000 Demonstranten entgegen. Diese hatten sich mit Fackeln vor der Burg Warberg positioniert, um nach einem Marsch durch den Ort ihren Unmut über die EU-Überlegungen zur Entwicklung der Zuckermarktordnung deutlich zu machen. In der Burg tagte der Agrarministerrat, an dem die Landwirtschaftsminister der Bundesländer und Renate Künast als Bundesministerin teilnahmen. Fischler stellte sich nicht den Demonstranten Auch Agrarkommissar Franz Fischler war in der Burg, stellte sich aber nicht den ihn fordernden Demonstranten. Anders die Verbraucherministerin. Nach klaren Forderungen seitens Landvolk, dem DNZ durch dessen Vorsitzenden Gerhard Borchert, der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Rübenanbauerverbände durch Jan Kirsch, den Mitarbeitern in den Zuckerfabriken durch den Nordzucker-GBR-Vorsitzenden Dieter Paschwitz und regionalen Sprechern sowie der Landjugend ergriff Renate Künast unter einem sich zügig legenden Pfeifkonzert das Wort. Der Grund der Protestaktion sei nachvollziehbar aus Sicht der betroffenen Landwirte. Es gäbe aber internationale Rahmenbedingungen wie WTO-Panel

Gerald Dohme, Unternehmenskommunikation

und LDC-Regelungen, die zu berücksichtigen seien. „Auch die Argumente der Staaten, die ihren Zucker in die EU bringen wollen sind zu berücksichtigen“ schob die Ministerin die Verantwortung von sich. Ein aktiver Vorschlag, sich für die Interessen der Anwesenden einzusetzen blieb aus. Trotzdem kam Renate Künast zu dem Schluss, es werde auch weiterhin Rübenanbau in Europa geben. Nach einem imposanten Fackelzug durch den Ort

ZMO-Reform nicht vor 2006

versammelten sich die 4.000 Demonstrierenden unter der Burg.

Im Nachgang der Veranstaltung gab es ein Hintergrundgespräch einer Delegation mit Franz Fischler. Dort erläuterte der Agrarkommissar die Auffassung, insbesondere das Preisniveau innerhalb der EU senken zu wollen um den Binnenmarkt für Importeure weniger attraktiv zu machen. Aufgrund der erst im Frühjahr 2005 zu erwartenden Entscheidung des WTO-Panels werde die Kommission keinen Legislativvorschlag zur ZMOReform vorlegen, so dass die Umsetzung nicht vor 2006 erfolgen könne.

Bundesministerin Künast und ihr niedersächsischer Kollege Ehlen folgen aufmerksam den Vorträgen der landwirtschaftlichen Vertreter.

Keine zufriedene Rückreise So gab es auch für die zahlreichen aus Süddeutschland angereisten Rübenanbauer keine zufriedene Rückreise. Der Protest durch die Demonstration war deutlich, der Verlauf geordnet und damit wurde das gesteckte Ziel der Veranstalter erreicht. Auch zukünftig werden Aktionen dieser Art die fachliche Diskussion im Kampf um den Erhalt des Rübenanbaus begleiten. π

Das Titelbild der letzten „Akzente“ umgesetzt in einem überlebensgroßen Riesenkuchen.


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WTO-Zuckerpanel

Dr. Dieter Langendorf, Hauptgeschäftsführer

Die erste Instanz geht an Brasilien, Thailand und Australien – Informationen zum Sachstand Im Juli 2003 haben die Regierungen Australiens, Brasiliens und Thailands bei der Welthandelsorganisation (WTO) eine Klage über die Zuckerexportpolitik der EU eingereicht. In dieser Klage greifen die drei Länder die Exporte von C-Zucker sowie die Re-Exporte von AKP-Zucker an. Um diese Klage zu überprüfen, hat der WTO-Generaldirektor im Dezember 2003 ein Untersuchungsgremium – ein so genanntes Panel – von drei Experten gebildet. Am 15. Oktober 2004 hat dieses Panel sein Ergebnis veröffentlicht. Worum geht es dabei? C-Zucker muss nach den Bestimmungen der Zuckermarktordnung ohne Exporterstattungen auf den Weltmarkt ausgeführt werden. Da die C-Zuckerexporte ohne Exporterstattungen erfolgen, ist die EU-Kommission im Rahmen der WTO-Vereinbarung 1995 keine Senkungsverpflichtungen für den C-Zucker eingegangen. Die drei Kläger behaupten nun, dass die Exporte von C-Zucker durch die höheren Erlöse für Quotenzucker quersubventioniert sind und dass die EU somit mehr Zucker mit Subventionen ausgeführt habe als erlaubt. Die EU führt eine jährliche Rohzuckermenge in Höhe von 1,6 Millionen Tonnen aus den AKP-Staaten und Indien ein. Dieser Zucker wird in der EU raffiniert und die entsprechende Menge dann als Weißzucker mit Exporterstattungen wieder ausgeführt. Die Exportmengen sowie die entsprechenden not-

wendigen Exporterstattungen werden aber nicht auf die EU-Senkungsverpflichtungen angerechnet. Dies wurde in einer Fußnote 1994 bei der WTO ausdrücklich erläutert. Die drei Kläger behaupten, dass diese Fußnote nicht rechtsgültig ist und die EU somit ihre zulässige subventionierte Exportmenge um 1,6 Millionen Tonnen jährlich überschritten habe. Unerlaubte Exportsubventionen? Hinsichtlich des C-Zuckers kommt das Panel zu dem Ergebnis, dass die Exporte von C-Zucker quersubventioniert sind, da die Rübenanbauer C-Rüben zu Preisen an die Zuckererzeuger verkaufen, die unter ihren Produktionskosten liegen. Zudem seien die C-Zuckerexporte durch die hohen internen Preise für Quotenzucker quersubventioniert. Bezüglich der Re-Exporte des AKPZuckers stellt das Panel fest, dass die Fußnote in der EU-Verpflichtungsliste nicht rechtsgültig ist. Damit hat das Panel in beiden Fällen den Klägern stattgegeben. Kritik an dem Panelbericht Aus Sicht der EU-Kommission ist die Entscheidung des WTO-Panels ungerechtfertigt, da sie das WTO-Abkommen und die Verpflichtungen, die während der Uruguay-Runde von allen WTOMitgliedern einstimmig vereinbart wurden, in Frage stellt. Weiterhin hat die EU-Kommission darauf hingewiesen,

Wirtschaftliche Vereinigung Zucker, Bonn

dass Australien, Brasilien sowie Thailand ihre Zuckererzeugung bzw. Zuckerexporte ebenfalls auf die eine oder andere Weise fördern. Affront gegen die kleinen Zucker erzeugenden Entwicklungsländer Die AKP-Staaten ihrerseits empfinden diesen Vorstoß als eine fundamentale Gefährdung ihrer gesamten Wirtschaft, die in hohem Maße von Zuckerexporten in die EU abhängig ist. Diese Länder bedauern, dass die Beschwerdeführer, vor allem Brasilien, ihre Dominanz auf dem Weltmarkt für Zucker auf den Schultern kleiner Entwicklungsländer ausbauen. Wie geht es weiter im Verfahren? Die EU-Kommission hat bereits angekündigt, dass sie bei der WTO Berufung gegen dieses Urteil einlegen wird. Dafür hat die Kommission Zeit bis zum 14. Dezember 2004. Das Berufungsverfahren selbst darf dann höchstens drei Monate dauern. Man kann somit davon ausgehen, dass das WTO-Berufungsgremium seinen Bericht im März 2005 vorlegen wird. Bis zu diesem Zeitpunkt besteht somit weiterhin Ungewissheit über die Zukunft des Exports von C-Zucker und des ReExports von AKP-Zucker. Insgesamt ist durch die Klage bzw. das Panel eine europäische Zuckererzeugung von mehr als 4 Millionen Tonnen jährlich (rund 20 Prozent der Gesamterzeugung) in Frage gestellt. π


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Ulrich Nöhle: Zuckerreformpläne müssen überarbeitet werden

Dr. Ulrich Nöhle, Vorstandsvorsitzender

WTO-Zuckerurteil fordert grundlegende Änderungen Die Juli-Pläne der EU-Kommission zur Reform der Zuckermarktordnung geraten nicht nur bezogen auf den ursprünglichen Zeitplan unter Änderungsdruck. Seit Mitte Oktober ist es amtlich: Im WTO-Streit um EU-Zuckerexporte auf den Weltmarkt steht es eins zu null für die weltgrößten Überschusserzeuger Brasilien, Australien und Thailand. Die EU-Kommission wird gegen dieses Urteil in Berufung gehen, so dass nach erneuter Beratung im März 2005 mit der endgültigen Entscheidung zum Thema Exportklage zu rechnen ist. Ein Drittel des EU-Zuckers stünde zur Disposition Zur Disposition stehen jährlich 1,3 bis vier Millionen Tonnen C-Zucker und 1,6 Millionen Tonnen Rohzucker, den die EU seit 1975 aus den AKP-Staaten und Indien importiert, raffiniert und wieder auf dem Weltmarkt verkauft. Addiert man die im Juli-Papier der EUKommission geforderte Quoten-Kürzung von 2,8 Millionen Tonnen Zucker, stünden der EU allein daraus in Kürze drastische Produktionseinschnitte ins Haus. Insgesamt nicht weniger als etwa ein Drittel der bisherigen EU-Erzeugung von rund 20 Millionen Tonnen Zucker. Darin noch nicht berücksichtigt sind anstehende weitere Beschränkungen, die sich aus der LDC-Regelung, aus der Balkan-Präferenz, dem nach wie vor

offenen Mercosur-Abkommen und aus dem für Ende 2006 avisierten Ergebnis der WTO-Agrarverhandlungen ergeben könnten. Der Grundsatz der Kommission, den Rübenanbau in der EU bei allen Reformschritten erhalten zu wollen, ist damit mehr als in Frage gestellt. Geht die zweite Instanz verloren, brauchen wir einen völlig neuen Vorschlag Die neue EU-Kommission täte gut daran, die im Juli von ihrer Vorgängerin eilig formulierten Zuckerreformpläne grundlegend zu überarbeiten. Sollten Brasilien, Australien und Thailand das WTO-Zuckerpanel auch in zweiter Instanz für sich entscheiden, brauchen wir einen völlig neuen Vorschlag. Zumindest das Vorziehen der Reform um ein Jahr erscheint schon jetzt unrealistisch. Während der Konferenz der deutschen Agrarminister in Burg Warberg hat auch der scheidende Agrarkommissar Franz Fischler bestätigt, dass es wenig Sinn mache, den Reformvorschlag ohne Kenntnis des endgültigen WTO-Urteils im Exportstreit vorzulegen. Neue Marktordnung muss ressortübergreifend erarbeitet werden Dennoch, Landwirte und Zuckerunternehmen brauchen möglichst bald Sicherheit über alle grundlegenden

Nordzucker AG

Rahmenbedingungen ab 1. Juli 2006. Nötig ist eine funktionsfähige Neuregelung, die eine wettbewerbsfähige Zuckerproduktion in Europa erhält und mindestens bis zur Vollendung der Gemeinsamen Agrarpolitik, also bis zum Zuckerwirtschaftsjahr 2012/2013 Bestand hat. Die neue Marktordnung muss aber – und daran hapert es bei allen bisher bekannt gewordenen Kommissionsideen – ressortübergreifend erarbeitet werden. Darin müssen a l l e bestehenden Handelsabkommen aber auch geplante und angekündigte Wirtschaftspartnerschaftsabkommen berücksichtigt sein. Sicher keine leichte Aufgabe für die designierte Agrarkommissarin Mariann Fischer-Boel. Viel Zeit bleibt ihr nicht – Zucker „wächst“ nicht auf dem Fließband und die „Zutaten“ lassen sich nicht erst drei Tage vor der Ernte abbestellen. π

Nordzucker schließt rechtliche Restrukturierung in Ungarn und der Slowakei ab Mitte 2004 ist es sowohl in Ungarn als auch in der Slowakei gelungen, die in diesen Ländern bestehenden Einzelgesellschaften auf jeweils eine Rechtseinheit zu fusionieren. In Ungarn firmiert Nordzucker als Mátra Cukor Rt. und in der ˇ ´ cukor a.s. Slowakei unter Povazsky Damit sind in beiden Ländern die Voraussetzungen für eine kostengünstige und effiziente Führung der Nordzuckerbeteiligungen erheblich verbessert. Achim Lukas, Konzerncontrolling, Geschäftsbereich International


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Zuckerwirtschaft in Brasilien Ethanol-Beimischungsrate – Das Geheimnis für den süßen Erfolg Zucker aus Zuckerrohr kann in den führenden Exportländern zurzeit deutlich günstiger erzeugt werden als Zucker aus Zuckerrüben in der EU. Die Gründe dafür liegen meistens nicht in einer effizienteren Produktion oder in natürlichen Standortvorzügen. Abgesehen von dem grundlegenden Vorteil des Zuckerrohrs, das den Brennstoff für seine Verarbeitung gleich mitbringt, sind die jeweiligen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen entscheidend. Neben Lohnniveau, Bodenkosten und Kosten für die Einhaltung staatlicher Auflagen führen unterschiedliche staatliche Eingriffe in den Zuckermarkt zu großen Unterschieden bei den Zuckerpreisen einzelner Länder.

das flächenmäßig 24 mal so groß ist wie Deutschland und noch über große Reserven an ackerfähigem Grünland verfügt, will seinen Anteil am Zuckerwelthandel in naher Zukunft auf 50 bis 60 Prozent steigern. Mit 178 Millionen Einwohnern ist Brasilien gleichzeitig der drittgrößte Verbraucher von Zucker, der dort sowohl für die menschliche Ernährung als auch für die Gewinnung von Kraftstoff eingesetzt wird. 50 Prozent der heimischen Rohrzuckerproduktion werden für die Erzeugung von derzeit rund 14 Milliarden Liter Alkohol/ Jahr gebraucht, wovon rund eine Milliarde in den Export fließt. Tendenz steigend – bei Rohölpreisen von zur Zeit 50 US Dollar je Barrel. 2)

Brasilien, Thailand und Australien werfen der EU subventionierte Zuckerexporte vor. Wie sehen die politischen Rahmenbedingungen in diesen Ländern aus? Wirtschaften die Rohr- und Zuckererzeuger in den Klägerländern gänzlich ohne staatliche Hilfen? Thomas Graf hat für die November-Ausgabe von Akzente Hintergründe zu Brasilien recherchiert. Er stellt Ergebnisse einer US-amerikanischen Studie aus dem Jahr 2002 vor. Verfasst wurde „Brazil’s ethanol program: The case of hidden sugar subsidies“ 1) von Troy G. Schmitz und Andrew Schmitz von der Arizona State University sowie von James L. Seale jun. von der University of Florida.

Geschichte der Subventionen an die Zuckerwirtschaft in Brasilien

Bald 60 Prozent Anteil am Zuckerwelthandel? Brasilien ist der weltgrößte Hersteller und Exporteur von Rohrzucker. Pro Jahr werden derzeit rund 24 Millionen Tonnen Zucker erzeugt, davon etwa 60 Prozent für den Export. Der brasilianische Anteil am Zuckerwelthandel ist seit Mitte der 90er Jahre von zehn auf rund 30 Prozent gestiegen. Das Land,

Bereits seit dem Jahr 1933 besteht das Institute of Sugar and Alcohol (IAA), dessen Aufgabe es war, ein Überproduktionsproblem in der brasilianischen Zucker- und Alkoholwirtschaft zu lösen. Das IAA hat als Handelsunternehmen gearbeitet, Zuckerproduktionsquoten herausgegeben und Preise festgesetzt um den Umfang der Exporte zu steuern. Ergänzend wurden Importzölle und Exportsteuern auf Zucker eingesetzt, um die Ziele der Alkoholproduktion zu realisieren. Auf diese Weise wurde die Alkoholindustrie mit starker staatlicher Unterstützung aufgebaut. Reaktion auf die Ölkrise: PROALCOOL Im Jahr 1975 wurde das nationale brasilianische Alkoholprogramm (PROALCOOL) als Reaktion auf die Ölkrise von 1973 ins Leben gerufen. Die Militärregierung verfolgte das Ziel, Benzin durch Ethanol aus Zuckerrohr zu ersetzen und in speziell dafür entwickelten

Thomas Graf, Marktordnungsfragen, Neue Felder

Motoren einzusetzen. Dafür wurden in den 70er und 80er Jahren enorme Subventionen bereitgestellt, die den Anbau von Zuckerrohr exponentiell ansteigen ließen. Gegenstand von PROALCOOL war der Aufkauf von wasserfreiem Alkohol durch die IAA. Petrobras Die staatseigene Ölgesellschaft Petrobras kontrollierte den Ethanolvertrieb. In diesem Rahmen wurden Kreditgarantien und Darlehen mit besonders niedrigen Zinssätzen für den Aufbau von selbstständigen oder Annex-Distillerien an Zuckermühlen angeboten. Das staatliche Ethanol-Monopol von Petrobras dauerte bis 1997/98, als die Subventionen an die Produzenten von wasserhaltigem Alkohol von 0,98 Real pro Liter auf 0,45 Real pro Liter reduziert wurden. Zu diesem Zeitpunkt wurden die Subventionen für die Produzenten von wasserfreiem Alkohol abgeschafft. Staatlich regulierte Ethanolproduktion Die Ethanolproduktion wird weiter (Stand 2002) per Regierungsdekret reguliert, indem jedes Jahr ein Korridor festgesetzt wird, in dem das Mischungsverhältnis von Alkohol zu Benzin variieren darf. Zusätzlich besteht seit 2001 ein Außenschutz in Höhe von 20 Prozent auf Ethanolimporte. Innerhalb der Mercosur-Zone gibt es keine Steuern auf den Handel mit Ethanol. Die Zuckerwirtschaft in Brasilien profitiert ferner von staatlichen Maßnahmen der Regierung zur Förderung der Ausstattung von Mietwagen, Taxis und Fahrzeugen der Regierung mit Motoren, die für 1) Abdruck in: International Sugar Journal 2003, Vol 105, No. 1254 von F. O. Licht 2) Europäisches Zuckerjournal, 143. Jg, Nr. 24, S. 438 ff; Ernährungsdienst v. 23.10.2004


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Brasilien in Zahlen

Je nach Region wird Zuckerrohr in Brasilien zu 25 bis 75 Prozent von Hand geerntet. Das Abbrennen des Rohrs entfällt, wenn maschinell geerntet wird. In einzelnen Anbauregionen ist es bereits verboten.

den Verbrauch von so genanntem wasserhaltigen Alkohol ausgelegt sind. Subvention der Zuckerwirtschaft durch Beeinflussung der Beimischungsrate Seit 1970 wurde das Mischungsverhältnis von Alkohol zum Benzin per Staatsdekret wie folgt fixiert: Jahr 1970 1976 1985 1990 Juni 2002 Januar 2003

Beimischungsrate 25 Prozent 11 Prozent 22 Prozent 13 Prozent 25 Prozent 20 Prozent

Ausschlaggebend für die Fixierung des Mischungsverhältnisses ist nach den Ermittlungen der Studie die Höhe der Zuckererzeugung. Die Beimischungsrate steigt bei hoher Zuckerproduktion. Damit wird vermieden, dass Überschussmengen von Zucker auf dem Weltmarkt „entsorgt“ werden müssen. Die Höhe der Beimischung wird bewusst nach Angebotsverhältnissen festgelegt und hat auf diese Weise die Funktion eines Ventils für Überschussmengen. Auf dem Weltmarkt kann so ein höherer Gleichgewichtspreis realisiert werden als es im Exportfall möglich gewesen wäre.

Untersuchungen über die Auswirkungen einer Anhebung des Beimischungsanteils von 22 auf 24 Prozent ergeben Folgendes: • Der Preis von Zuckerrohr steigt. • Die Verarbeitung von Rohr zu Zucker nimmt ab. • Die Verarbeitung von Rohr zu wasserfreiem Alkohol nimmt deutlich zu. • Rohrzuckerexporte auf den Weltmarkt nehmen deutlich ab. • Der Weltmarktpreis für Zucker steigt. • Der Gesamtverbrauch von Zuckerrohr nimmt zu. • Sowohl der inländische Zuckermarkt als auch der inländische EthanolMarkt werden vor Wettbewerb und insbesondere vor Niedrigpreisanbietern geschützt. Die Absenkung des Beimischungsanteils von 22 auf 20 Prozent wirkt sich wie folgt aus: • Der Preis von Zuckerrohr sinkt. • Die Verarbeitung von Rohr zu Zucker nimmt zu. • Die Verarbeitung von Rohr zu wasserfreiem Alkohol nimmt deutlich ab. • Rohrzuckerexporte auf den Weltmarkt nehmen zu. • Der Weltmarktpreis für Zucker sinkt. • Der Gesamtverbrauch von Zuckerrohr nimmt ab. π

Einwohnerzahl

174,5 Mio.

Bruttosozialprodukt / Kopf 2002

2.830 US-$

Arbeitslosigkeit 2003

10,9 %

Inflation (durchschnittl. 1990-2001)

168,2 %

Gesamtexport 2003 davon Nahrungsmittel

73,08 Mrd. US-$ 17 %

Zuckererzeugung 2002/03 davon Inlandsverbrauch davon Export

23,7 Mio. t Rohwert 9,6 14,0

Zuckerverbrauch / Kopf

54,9 kg Rohwert

Landwirtschaftliche Nutzfläche davon Zuckerrohr

204 Mio. ha 2,2 %

Zuckerrohrfläche davon in 39.600 Familienbetrieben davon in 330 Zuckerunternehmen Nutzungsdauer Zuckerrohrpflanzung

4,5 Mio. ha 25 % 75 %

5 Jahre

Zuckerrohrernte davon je nach Region

April - November 25-75 % Handernte nach Abbrennen

Subventionen

Seit 1983 staatliche Förderprogramme zur Erzeugung von Ethanol aus Zucker und zur Sicherung des Ethanolabsatzes

Wettbewerbsvorteile

Koppelproduktion Zucker und Ethanol; Wärungsabwertung, Gr. Flächenreserven; Schnelle Produktionsverlagerung von Ethanol auf Zucker oder umgekehrt

Umwelt

Regenwaldbestand ist zwischen 2002 und 2003 um rund 24.000 km 2 (VJ 25.500) zurückgegangen; Hochrechnungen gehen von endgültiger Zerstörung in 30-40 Jahren aus; Abbrennen im Rohranbau entfällt mit der maschinellen Ernte

Quellen: Fischer Weltallmanach 2005, Zuckerrübe 5/2003, Vlg. Bartens Zuckerwirtschaft 2004, CMA, Illovo, F.O.Licht World Sugar Statistics 2004


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Trockengelegt – Nordzucker modernisiert im Werk Schladen den vierten Rübenhof

Günter Jakobiak, Mitglied des Vorstands

2005 geht es in Nordstemmen weiter Mit dem Neubau des Werkes Klein Wanzleben wurde bei Nordzucker das Konzept "trockener Rübenhof" entwickelt. Ausgangspunkt waren Wirtschaftlichkeitserwägungen, die von der Eingangswaage bis in die Rübenwäsche alle Abläufe auf dem Rübenhof auf den Prüfstand stellten: Wie lassen sich Bruch und Zuckerverluste bei den Rüben auf ein Minimum reduzieren? Wo und wie lässt sich Energie und Personal einsparen? Was ist zu tun, um die Abwasserbelastung so gering wie möglich zu halten? Wie sind kurze Umlaufzeiten für die selbst kippenden Transportfahrzeuge und die gleichmäßige Versorgung der Fabriken mit Rüben zu sichern? Antworten liefert das Konzept "trockener Rübenhof", das Nordzucker schrittweise zunächst in ihren deutschen Werken umsetzt. Mit dem Rübenhof in Schladen wurde zur Kampagne 2004 nach Klein Wanzleben (1994), Clauen (2002) und Uelzen (2003) der vierte Rübenhof „trockengelegt“. In den übrigen Werken werden die Rübenhöfe in Zwischenstufen auf den „trockenen Hof“ hin entwickelt.

Die Umstellung auf den modernen

Nordzucker AG

Hoher Reparaturbedarf gab den Ausschlag Im Werk Schladen bestand bereits durch den starken Verschleiß der Rübenaufbereitung Handlungsbedarf. Nach der vollkommenen Zerstörung des Rübenschrägförderers in den letzten Tagen der Kampagne 2003 waren umfassende Instandhaltungsmaßnahmen im Bereich der Rübenaufbereitung notwendig. Als wirtschaftlichste Variante bot sich die Umsetzung der Rübenaufbereitung von Schleswig (Steinfänger, Krautfänger, Schwemmwasserfilter usw.) an. Damit konnte der „trockene Rübenhof“ auch in Schladen realisiert werden. Ende Februar 2004 beschlossen Aufsichtsrat und Vorstand die erforderliche Investition in Höhe von 2,99 Millionen Euro. Das alte Nasssilo wurde abgerissen und an dessen Stelle eine neue Rübenplatte gebaut. Damit entfällt die bisherige Entnahme der Rüben mit Schwemmwasser für die Verarbeitung mit einer Reihe von großen Vorteilen:

• Die Rüben werden jetzt trocken und überwiegend direkt nach der Anlieferung in die Rübenaufbereitung transportiert. • Das doppelte Handling der Rüben (Ablegen auf die Platte, Einschwemmen zur Rübenwäsche) entfällt weitgehend (Ausnahme Wochenende). • Die Rüben werden schonender behandelt. Die Zerstörung der Rüben – und damit Qualitätseinbußen sowie Zuckerverluste – werden deutlich vermindert. • Das vorhandene Lager wird für den Wochenendbetrieb weiter genutzt. • Zur Kampagne 2004 konnte kurzfristig notwendiger Instandhaltungs- und Investitionsbedarf für den alten Rübenhof in Höhe von rund einer Million Euro vermieden werden. Der trockene Hof spart jährlich 820.000 Euro Außerdem ermöglicht der trockene Rübenhof in Schladen jährlich Einsparungen in Höhe von 820.000 Euro:

Von Montag bis Sonntag wird die Verarbeitung überwiegend direkt

Rübenhof in Schladen stellt hohe Anforderungen

über die Kippe bedient. Die Abkippung auf der Platte erfolgt

an Disposition und Lagermanagement.

im Wesentlichen zur Bevorratung für die Wochenendverarbeitung.


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Aus Schleswig wurde die Rübenaufbereitung nach Schladen umgesetzt.

Zum einen, weil Reparaturen für den Rübenkratzer und die alte Rübenaufbereitung entfallen. Zum anderen weil durch die enger geführten Wasserkreisläufe Verluste vermieden, der Hilfsstoffeinsatz vermindert und elektrische Energie gespart wird. Überdies werden ab 2005 in der Kampagne zehn Arbeitskräfte eingespart – sieben davon bereits zur Kampagne 2004. Unter dem Strich also eine Investition, die sich durch hohe jährliche Einsparungen sowie kurzfristig verminderten Instandhaltungs- und Investitionsbedarf in weniger als drei Jahren rechnen wird. 2005 fällt der Startschuss für die Modernisierung des Rübenhofes in Nordstemmen Das moderne Rübenhofkonzept wird Nordzucker ab 2005 schrittweise auch im Werk Nordstemmen umsetzen. Bereits in der Kampagne 2004 wurde der

Betrieb der alten Nassentladung sowie des Rundsilos eingestellt. Im ersten Bauabschnitt bis zum Kampagnestart 2005 wird die Rüproanlage aus Schleswig nach Nordstemmen umgesetzt und das Nordzucker-Bewertungsverfahren mit Venema-Rüproanlage eingeführt. Den Bau einer Rübenlagerplatte von rund 10.500 Quadratmeter Fläche mit 19.000 Tonnen Lagerkapazität eingeschlossen, sind dafür Investitionen in Höhe von vier Millionen Euro vorgesehen. Für den zweiten Bauabschnitt plant Nordzucker 2006 die Errichtung des Point Fix für selbst kippende Fahrzeuge (zwei Millionen Euro). Die Rüben können dann auch in Nordstemmen im Point Fix angenommen und direkt in die Fabrik geleitet werden. Für die Wochenendversorgung der Fabrik können rückwärts kippende Fahrzeuge ihre Rüben direkt auf der Lagerplatte abkippen. π

Die Rübentransportfahrzeuge, die nicht rückwärts abkippen können, müssen mit vom Fahrerhaus zu betätigender automatischer

Die auf der Platte entladenen Rüben werden

Bordwandöffnung ausgestattet sein.

mit dem Radlader der Verarbeitung zugeführt.


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Nordzucker-Kampagne 2004: Alles läuft nach Plan Überdurchschnittliche Qualität und Erträge bei guten Erntebedingungen Mit leicht überdurchschnittlichen Ertragserwartungen hat Nordzucker in ihren acht norddeutschen Werken ab Mitte September die Kampagne begonnen. Anlass zu dieser Einschätzung gab eine mittlere bis frühe Rübenaussaat, die Entwicklung gleichmäßiger Bestände mit Pflanzenzahlen zwischen 80.000 und 90.000 Pflanzen pro Hektar und ein mittlerer bis früher Reihenschluss zwischen dem 5. und 20. Juni, ein Sommer mit ausreichend Niederschlägen und ein geringer Befall mit Blattkrankheiten. Vorjahresertrag wird übertroffen Der bisherige Ernteverlauf hat die Ertragserwartung nicht nur bestätigt, sondern übertrifft mit durchschnittlich 56,5 Tonnen pro Hektar im gesamten Nordzuckergebiet nach derzeitigen Erkenntnissen den sehr guten Vorjahreswert (55,5 Tonnen pro Hektar). Während sich in den Börderegionen die Rüben wiederum gut entwickeln konnten, haben die höheren Niederschläge im Sommer 2004 auf den sandigeren Böden ohne Beregnung zu

einer besseren Entwicklung gegenüber dem Vorjahr geführt. Das erklärt den relativ hohen durchschnittlichen Rübenertrag. Der Zuckergehalt lag zu Kampagnebeginn zunächst noch unter den erwarteten Werten. Trockene, teilweise sonnige Witterung mit kühlen Nächten im Oktober haben die Zuckergehalte ansteigen lassen, so dass der erwartete Kampagnedurchschnitt von 17,3 Prozent Polarisation sogar noch überdurchschnittlich wird. Rund 8,5 Millionen Tonnen Rüben werden in dieser Kampagne in den Werken der Nordzucker verarbeitet. Die Verarbeitung wird voraussichtlich kurz vor Weihnachten beendet sein. Im Werk Schladen führte ein Schaden am Lager des Extraktionsturms zu einem Stillstand der Verarbeitung für gut zwei Tage. Glücklicherweise konnten Ersatzteile innerhalb kurzer Zeit aus Schweinfurt und dem europäischen Ausland beschafft werden, so dass die Instandsetzung ohne Verzögerungen erfolgen konnte.

Christian Kionka, Rübenmanagement Süd

Kleinere Störungen führten zu Minderverarbeitungen am einen oder anderen Standort. Insgesamt kann die angestrebte Verarbeitung von 90.000 Tagestonnen in der Summe jedoch meistens erreicht werden. Dank guter Rübenqualität hinsichtlich der Inhaltsstoffe gestaltet sich die Zuckergewinnung technologisch zufrieden stellend. Reibungsloser Rübentransport aus Schleswig-Holstein Disposition und Transporte der Rüben stehen insbesondere in drei Regionen unter besonderer Aufmerksamkeit: Aus Schleswig-Holstein werden erstmals die Rüben in die Werke Uelzen und Güstrow transportiert. Die bestehenden Anfuhrorganisationen und die neu gegründete „Transportgenossenschaft Östliches Hügelland“ sorgen in Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen und Disponenten der Nordzucker für einen reibungslosen Rübentransport. Die Umdisposition von Rübenströmen in Folge von Werksschließungen ergibt immer neue Verkehrswege für die Rübentransporte, die bislang noch


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nicht oder noch nicht so stark genutzt wurden. Demzufolge wurde in der Region Lüneburg eine Diskussion in der Bevölkerung über das nicht verwirklichte Bahntransportkonzept geführt. Nordzucker hat in Abstimmung mit den Beteiligten auf die nicht durch sie zu verantwortenden Ursachen hingewiesen. Die beteiligten Transporteure haben durch defensive Fahrweise dazu beigetragen, die Belastung für die Anwohner möglichst zu minimieren. 24-Stunden-Annahme hat sich bewährt Die 24-Stunden-Annahme von Montag bis Samstag hat sich in allen Werken bewährt. Betreiber von Lade- und Reinigungseinheiten und Transporteure erkennen die wirtschaftlichen Vorzüge einer höheren Auslastung der Maschinen. Entsprechende Arbeitszeitkonzepte zur Einhaltung der zulässigen Lenkzeiten sind auch in landwirtschaftlichen Transportorganisationen eingeführt worden.

Wettbewerbskraft unter Beweis gestellt 2004 überschattet die Diskussion um die agrarpolitischen Rahmenbedingungen die Kampagne. Sie zeigt aber auch, wie wichtig die Anstrengungen zu höherer Wirtschaftlichkeit des Rübenanbaus und der Zuckererzeugung sind. Die bisher erzielten Ergebnisse in Rübenerträgen und Polarisation belegen die Wettbewerbskraft der Zuckerrübe in Norddeutschland. Ziel ist es, diese noch weiter zu steigern: Durch höhere Zuckergehalte, höhere Erträge und durch Kostensenkung im Rahmen von Kooperationen und höherer Auslastung von Maschinen und Arbeitskräften. Dazu gehört auch eine weitere Steigerung der Auslastung der Werke und ein wirtschaftlicher Rübentransport in selbstkippenden Fahrzeugen mit hohen Ladungsgewichten über einen Zeitraum von 24 Stunden pro Tag. Sowohl in der politischen Diskussion als auch in den betriebswirtschaftlichen Bemühungen muss alles unternommen werden, um die Zuckererzeugung aus Rüben an unseren norddeutschen Standorten zu sichern. π


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Mit schlanken Prozessen zum Erfolg

Dr. Gerd Jung, Rübenmanagement Geschäftsbereich

Kampagne 2004 in Polen, der Slowakei und Ungarn Die Aussaat begann in Polen und in Ungarn um den 20. März, in der Slowakei Ende März und damit etwas früher als im Durchschnitt vergangener Jahre. Die Feldaufgangsbedingungen in Polen und der Slowakei waren ausgezeichnet. In Ungarn dagegen verursachte kühle, feuchte Witterung in Verbindung mit Bodenherbiziden den auflaufenden Rüben teilweise erheblichen Stress. Dazu kam noch leichter Bodenfrost während der empfindlichen Phase des Feldaufgangs, so dass dort etwa 8 Prozent der Rübenfläche umgebrochen und größtenteils neu eingesät wurden. Aufgrund der feuchten Frühjahrswitterung entwickelten sich die Rüben überwiegend gut. Allerdings galt dies auch für die Unkräuter, die aufgrund nicht optimaler Spritztermine teilweise nicht von den Herbiziden erfasst wurden und schließlich per Hand entfernt werden mussten. Vegetationsbedingungen sehr unterschiedlich Für die Ertragsbildung ist die Niederschlagsverteilung im Juli und August entscheidend. In Polen und der Slowakei war es im Vergleich zum Durchschnitt vergangener Jahre viel zu trocken, so dass dort die Ertragsbildung beeinträchtigt war. In Ungarn dagegen erfolgte aufgrund überdurchschnittlich hoher Niederschläge in den Monaten Juni, Juli und August, eine enorme Ertragsentwicklung. Die zu erwartenden Erträge und Zuckergehalte sind in der folgenden Tabelle dargestellt: Nordzucker Erträge Osteuropa Stand: 10/2004

Rübenertrag Zuckergehalt Zuckerertrag t/ha % t/ha Polen

41,4

17,1

7,1

Slowakei

42,0

18,4

7,7

Ungarn

57,1

15,8

9,0

Die Kampagneplanung sah in allen Ländern eine Kampagnedauer von 90 bis 100 Tagen vor. Aufgrund der aktuellen Ertragssituation und der Verarbeitungskapazitäten erwarten wir Kampagnelängen von voraussichtlich 92 Tagen in Polen, 96 Tagen in der Slowakei und 112 Tagen in Ungarn. Das bedeutet, dass wir in Polen und der Slowakei voraussichtlich vor Weihnachten fertig werden, während wir in Ungarn froh sind, wenn wir noch in diesem Jahr die Kampagne beenden können.

International

Ertragssicherheit erheblich zu verbessern und mittelfristig signifikante Ertragssteigerungen herbeizuführen. Die Umsetzungsgeschwindigkeit von Beratungsempfehlungen ist in der Slowakei und in Ungarn erheblich größer als in Polen. Aber auch hier wurden in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht, die bei der kleinbäuerlichen Struktur vorher kaum jemand für möglich gehalten hat. Rübenernte und Logistik

Umstrukturierungen in der Rübenbeschaffung Die Aufgaben des Rübenmanagements bestehen zum einen in der Beratung der Rübenanbauer zur Erzeugung hoher Rübenerträge und qualitativ hochwertiger Zuckerrüben als Rohstoff für die Zuckergewinnung. Hauptaufgabe ist die Optimierung der Prozesskette: Rübenernte, Mietenanlage, Vorreinigung und Transport zur Zuckerfabrik. Die Beratung der Landwirte ist ein längerfristiger Prozess, der um so schwieriger ist, je mehr Landwirte beraten und schließlich überzeugt werden müssen. Dies ist in Polen mit 5.750 Anbauern erheblich schwieriger als in der Slowakei mit 130 oder in Ungarn mit 280 Betrieben bei gleicher Zuckerquote im Vergleich der Länder Polen und Ungarn. Trotzdem ist es Nordzucker in allen Ländern gelungen, über verschiedene Maßnahmen, wie die optimale Bodenvorbereitung für die Rübenaussaat (nicht zu viel, nicht zu tief und nicht zu locker), Auswahl zuckergehaltsbetonter Sorten, optimale Anwendung von Nachauflaufherbiziden im Vergleich zur bisher geübten Praxis des Vorauflaufs und die Bekämpfung von Blattkrankheiten die

Waren Ertragsverluste durch ungeeignete Erntetechnik in Höhe von 25 bis 30 Prozent früher durchaus an der Tagesordnung so sind heute mit modernen Erntemaschinen die Ernteverluste auf etwa 10 bis 15 Prozent gesunken. Bei einem Ertragsniveau von 40 bis 50 Tonnen je Hektar sind dies immerhin etwa fünf Tonnen Rüben, die auf diese Weise zusätzlich geerntet werden können. Der Anteil der modernen 6-reihigen Bunker-Köpfroder liegt in der Slowakei und Ungarn aufgrund der Betriebsgröße zwischen 90 und 100 Prozent. In Westpolen liegt der Anteil bei etwa 80 Prozent. Je weiter man nach Ostpolen kommt, desto geringer wird der Anteil. Das liegt an der Betriebsstruktur und an der Dauer, in der wir die Beratung in den Regionen durchführen. Diese beträgt im Raum Opalenica mittlerweile sechs bis acht Jahre und im Raum Chelmsa drei bis vier Jahre. Die vorbildliche Anlage von Rübenmieten an abfuhrgerechten Wegen und Straßen ist ein entscheidendes Kriterium zur Versorgung der Zuckerfabrik während ungünstiger Witterungsperioden und wird in allen Ländern sehr ernst genommen und umgesetzt. Die Abdeckung der Rübenmieten am Feldrand mit Vlies im letzten


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Einwerksarbeit in Teplá ab 2005

etwa 22 Prozent der Rüben aus entfernten Regionen mit der Bahn transportiert.

Kampagnedrittel erfolgt in Polen und der Slowakei zu 100 Prozent. In Ungarn wird dieses Verfahren ebenfalls angestrebt, wobei wir uns in der Kampagne 2004 noch in einer erweiterten Pilotphase befinden und daher nur etwa 20 Prozent der Rüben im letzten Kampagnedrittel abdecken können.

Wettbewerbsfähigkeit steigern Alle Maßnahmen zur Sicherung der Rübenerträge und im Bereich der Logistik wurden im Zuge des Beitritts der neuen Länder zur EU und der damit verbundenen Übernahme der Zuckermarktordnung realisiert. Die konsequente Umsetzung dieser Prozessschritte wird diesen Ländern erhebliche Vorteile bringen, die sie mit Blick auf Änderungen der Zuckermarktordnung auch benötigen. Trotz der verglichen mit Deutschland teilweise etwas niedrigeren Zuckererträge wird die Zuckerrübe aufgrund der Kostendegression in den größeren Betrieben aber auch der niedrigeren Deckungsbeiträge der Alternativkulturen hier wettbewerbsfähig bleiben.

Die Rübenvorreinigung wurde in allen Ländern zu 100 Prozent umgesetzt. In Ungarn wurde die Vorreinigung von bisher 30 Prozent auf 100 Prozent erhöht. Allein im Einzugsgebiet Szerencs wurden fünf neue Ropa Mäuse gekauft. Abzüge von über 20 Prozent dürften damit weitgehend der Vergangenheit angehören. Die Rübentransporte wurden ebenfalls optimiert, in dem die Speditionsanfuhr mit modernen Fahrzeugen erfolgt bzw. erfolgen wird. In Polen ist das Ziel bereits erreicht. In der Slowakei werden in diesem Jahr rund 77 Prozent mit LKW und 23 Prozent der Rüben mit der Bahn transportiert. Bereits für diese Kampagne hat ein slowakisches Speditionsunternehmen 20 neue Muldenkipper für den Rübentransport angeschafft. Mit der geplanten Schließung des Werks Trnava und dem Umbau des Rübenhofes in Trencianska Teplá werden in der Kampagne 2005 alle Rüben per LKW angeliefert. In Ungarn werden

Durch die Maßnahmen zur Werkstruktur ist Nordzucker gut für die Zukunft gerüstet und in der Lage, kostengünstig hochwertigen Zucker nach den Wünschen der Kunden produzieren und liefern zu können. Es bleibt auch weiterhin das Ziel, mit sehr schlanken Strukturen gute Geschäftsergebnisse zu erzielen und zum Unternehmenserfolg beizutragen. π

Die Vorbereitungen zu der ab 2005 geplanten Einwerksarbeit im slowakischen Nordzucker Werk Trencianska Teplá kommen planmäßig voran. Vorgesehen ist der Ausbau der Verarbeitungskapazität von 2.000 auf knapp 6.000 Tonnen Rüben pro Kampagnetag. Das Werk soll ab der Kampagne 2005 auch die bisher im 100 Kilometer südwestlich gelegenen zweiten slowakischen Nordzucker Werk Trnava verarbeiteten Rüben übernehmen.

Vorderbetrieb Trencianska Teplá

Trnava, ein Standort den Nordzucker nur übergangsweise gepachtet hat, fährt 2004 vertragsgemäß seine letzte Nordzucker-Kampagne. Im Werk Teplá hat Nordzucker den ersten Bauabschnitt im Rahmen des zweijährigen Ausbauprogramms zur Kampagne 2004 abgeschlossen. Insgesamt sind für den Ausbau 29 Millionen Euro veranschlagt.

Nordzucker Rübenanbau und Erntelogistik in Osteuropa Stand: 10/2004

Rübenflachlager und Rübenaufbereitung Polen

Slowakei

Ungarn

Anbaufläche/Betrieb

(ha)

4

90

87

Anbaufläche

(ha)

24.000

11.500

24.600

Rübenrodung, 6-reihig

(%)

42

92

98

Speditionsanfuhr

(%)

100

77

78

Bahnanfuhr

(%)

0

23

22

Vorreinigungsgrad

(%)

100

100

100

Mietenabdeckung

(%)

29

40

7

im Werk Trencianska Teplá

Fertiggestellt und in Betrieb genommen wurden die neue Rübenannahme, Point Fix, Rübenwäsche, die Anlagen zum trockenen Transport der Rüben vom Point Fix in die Hochrinne und die Schnitzelpressenstation. sdp


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Rückverfolgbarkeit – (k)ein Thema für die Rübe? Kunden-Lieferanten-Beziehungen müssen auf jeder Stufe identifizierbar sein Auch den Rübenanbauern bringt die gesetzlich geforderte Rückverfolgbarkeit (EG-VO 178/ 2002 ab 01.01.05) zusätzlichen „Verwaltungsaufwand“. Wozu fragen sich viele. Kommt die Rübe doch spätestens in der Fabrik „in einen Topf“. EG-Verordnung fordert Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln und Futtermitteln „Lebensmittel- und Futtermittelunternehmer müssen in der Lage sein, jede Person festzustellen, von der sie ein Lebensmittel, Futtermittel, ein der Lebensmittelgewinnung dienendes Tier oder einen Stoff, der dazu bestimmt ist oder von dem erwartet werden kann, dass er in einem Lebensmittel oder Futtermittel verarbeitet wird, erhalten haben. Sie richten hierzu Systeme und Verfahren ein, mit denen diese Informationen den zuständigen Behörden auf Anfrage mitgeteilt werden können“. Ziel dieser Forderung ist eine gezielte und präzise Rücknahme nicht sicherer Produkte durch das Instrument Risikomanagement.

Marion Schaefer, Verbraucherschutz

„One-step-up“ und „one-step-down“ Gefordert werden geordnete Wareneinund -ausgänge, wobei der Warenfluss mit Hilfe der Identifizierung der Rohstoff- und Zutaten-Lieferanten („one step down“) sowie der Kunden („one step up“) transparent darzulegen ist. Da die Basisverordnung für alle Teilnehmer der Lebensmittel- und Futtermittelproduktion gilt und somit jeder seine Lieferanten und Kunden ausmachen muss, entsteht eine komplette Warenrückverfolgungskette. Eine stufenübergreifende Kette ist aber nicht gefordert, also nicht vom Rübenanbauer zum Zuckerkunden. Es ist vollkommen ausreichend, wenn die unmittelbaren Lieferanten (Rübenanbauer - Nordzucker) und Abnehmer (Nordzucker - Kunde) identifiziert werden können. Durch die Qualitätsprüfungen je Rübenlieferung bei Anlieferung wird sogar die Qualität der verwendeten Rübe rückverfolgbar. Durch die Lieferscheine kann dargelegt werden, welcher Landwirt welche Zuckerfabrik mit Rüben beliefert hat.

Mit den aufgezählten Instrumenten ist die Rückverfolgbarkeit „one-step-up“ und „one-step-down“ in der Landwirtschaft gewährleistet. Umsetzung in der Landwirtschaft Ein wichtiges Instrument für die Rückverfolgbarkeit in der Landwirtschaft ist die Einführung des Basisdokumentationssystems vom Deutschen Bauernverband. Diese beinhaltet die Dokumentation über Saatgut, Vorfrucht, Pestizideinsatz, Düngung (Ackerschlagkartei), Lagerung und Transport. Die gängigste Maßnahme für eine lückenlose Rückverfolgbarkeit ist für die meisten Betriebe die Ackerschlagkartei. Wer darüber noch nicht verfügt, kann sich des Formulars zur Dokumentation im Rübenanbau, das von Nordzucker und Dachverband Norddeutscher Zuckerrübenanbauer entwickelt wurde, bedienen. Das Nordzucker Landwirte-Portal unterstützt durch Bereitstellung der Lieferdaten wenige Stunden nach Anlieferung die Dokumentation durch den Rübenanbauer.

Stichprobenartige Kontrollen stellen die ordnungsgemäße Durchführung Papier bis auf’s Feld. Eike Wessel und Götz Schumacher vergleichen

sicher. Lothar Pawlowski und Hans-Jürgen Lüdtke von der Nebeliner Agrar

Lieferdaten. Ab 1.1.2005 wird die schlagspezifische Aufzeichnung gesetz-

GmbH belegen die gute fachliche Praxis im Rübenanbau gegenüber

liche Pflicht. Die Dokumentation der Maßnahmen im Rübenanbau ist bei

Dr. Renate Kessel, Geschäftsführerin des Zuckerrübenanbauerverbandes

Nordzucker seit 2003 im Liefervertrag verankert und verpflichtend.

Güstrow und Rainer Knaack, Rübenmanagement Werk Güstrow.


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Akzente November 2004 I Rübe I 21

Umsetzung bei Nordzucker Die Identifikation der Lieferanten ist bei Nordzucker durch Lieferverträge gewährleistet, denn nur Vertragspartner dürfen Zuckerrüben, Hilfs- und Betriebsstoffe liefern. Für eine innerbetriebliche Rückverfolgbarkeit gibt es allerdings keine rechtlichen Detailvorgaben. Dies ist vor dem Hintergrund nicht sichere Produkte aus dem Markt zurücknehmen zu können, aber auch gar nicht nötig. Für Lebensmittel- bzw. Futtermittelhersteller ist es aber, allein aus betriebswirtschaftlichen Gründen, sinnvoll auch intern eine Rückverfolgbarkeit zu installieren. Im Falle einer Rückholung kann dann so viel wie nötig und so wenig wie möglich zurückgeholt werden, wodurch sich der für den Unternehmer entstehende Schaden begrenzt. Im Fall der Zuckergewinnung ist eine interne Rückverfolgbarkeit auf Grund der kontinuierlichen Produktion und der Silolagerung eingeschränkt. Eine Zuordnung von Endproduktchargen zu bestimmten Rohstoff- bzw. Zutatenpartien, also z. B. vom Würfelzucker zu der Rübe, ist also nicht möglich. Das ist rechtlich aber auch

nicht gefordert. Für die Rückverfolgung bis zum Kunden und zurück hat Nordzucker in diesem Jahr ein neues System eingeführt. Bisher konnte verpackte Ware nicht ohne weiteres bis zum Einzelhandel rückverfolgt werden, wenn die Ware erst über ein Zwischenlager eines Großhändlers in den Einzelhandel gelangte. Die Lieferpapiere gaben nur Aufschluss über den direkten Abnehmer. Um diese Lücke zu schließen und auch einzelne Paletten und Pakete zurückholen zu können, wurde der EAN-Code 128 eingeführt. Dazu wird die verpackte Ware mit einem Transportetikett versehen. Auf diesem Etikett finden sich die NVE (Nummer der Versand Einheit) und die Loskennzeichnung (hierunter verbirgt sich verschlüsselt das Herstellwerk und der Abpacktag). Bei der Auslieferung an die Kunden werden diese Codes gescannt, NVE und Loskennzeichnung erfasst und bei der Lieferinformation zum jeweiligen Kunden abgespeichert. Für den Verbraucher bedeutet dies mehr Sicherheit beim täglichen Einkauf der Nordzucker-Produkte im Lebensmitteleinzelhandel. π

Walter Rühmann aus Geitelde (re.) gibt Andreas

Matthias Schulte, Nordzucker Rübenmanagement

Sonnenberg, Rübenmanagement Wierthe,

Schladen, bei der Überprüfung der Dokumen-

Einblick in seine Dokumentation.

tation der Domäne Schladen mit Kai Maasberg.

Nordzucker rüstet auf Bioschmierstoffe um Die RüproStecher in den NordzuckerWerken arbeiten seit der Kampagne 2004 mit Bioschmierstoffen. Unter Nutzung staatlicher Fördermittel wurde im Frühjahr 2004 die Umölung der Rübenstechanlagen vorgenommen, um den Einsatz biologisch schnell abbaubarer Hydraulikflüssigkeit auf Basis nachwachsender Rohstoffe zu gewährleisten.

Beim eingesetzten Schmierstoff handelt es sich um einen synthetischen Ester auf Rapsölbasis, der besonders gute technologische Eigenschaften aufweist. Außerdem wird das Risiko bei möglichen Leckagen solcher Anlagen für die Abwasserreinigungsanlagen minimiert. Dies ist ein weiteres Beispiel für nachhaltiges Wirtschaften im Umweltbereich von Nordzucker. Axel Aumüller, Produktion National


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22 I Rübe I Akzente November 2004

Winterversammlungen 2005 Die Winterversammlungen 2005 wird Nordzucker wieder zusammen mit dem DNZ und seinen regionalen Zuckerrübenanbauerverbänden ausrichten. Die sich in der Diskussion befindlichen Änderungen der Zuckermarktordnung werden Zentralthema auf den Winterversammlungen und Fachversammlungen 2005. Mögliche Folgen aus den Veränderungen werden in den Veranstaltungen einen breiten Raum einnehmen. Bitte merken Sie sich die Termine vor und besuchen Sie unsere Veranstaltungen.

Wochentag

Datum

Montag

24.01.05

Dienstag

Veranstaltungsort

Verband

09:00 13:30 19:00 09:00 14:00

Ratskeller, Pattensen, Marktplatz 1 Gasthaus Wienhöfer, Helstorf, Brückenstr. 6 Gasthaus Rabe, Kirchboitzen, Kirchboitzen 23 Ratskeller, Lüchow, Lange Str. 56 Haus Niedersachsen, Deutsch Evern, Bahnhof 1

ZAV Nds.- Mitte / Südnds. ZAV Nds.-Mitte ZAV Nds.-Mitte RAN RAN

25.01.05

09:00 14:00 09:30

Kaiserhof, Salzdetfurth, Osterstr. 5 Hotel Wehrmann, Wunstorf, Kolenfelder Str. 86 Gaststätte Dubbe, Upahl, Hauptstr. 32

ZAV Nds.-Mitte ZAV Nds.-Mitte ZAV Güstrow

Mittwoch

26.01.05

09:00 09:30

Gemeindezentrum Meine, Neue Straße Seehotel, Sternberg, Johannes-Dörwald-Allee 4

ZAV Nds.-Ost ZAV Güstrow

Donnerstag

27.01.05

14:00 09:00

Zuckerfabrik Wierthe, Fabrikstr. 6 Bildungs- und Gesundheitszentrum, Halberstadt, Kirschallee 6 Landesforstbetrieb „Haus des Waldes“, Hundisburg, Schloss

ZAV Nds.-Mitte ZAV Magdeburg

14:00

ZAV Magdeburg

Freitag

28.01.05

09:00 14:00 09:00 14:00

Zuckerfabrik Clauen, Zuckerfabrik 3 (Nord) Zuckerfabrik Clauen, Zuckerfabrik 3 (Süd) Rathaus Stendal, Markt 1 Rasthaus Wieseneck, Winterfeld, Dorfstr. 7

ZAV Nds.-Mitte ZAV Nds.-Mitte ZAV Magdeburg ZAV Güstrow

Montag

31.01.05

09:00 14:00 09:00 14:00 19:30

Wilhelmsbad, Seesen, Frankfurter Str. 10 Dorfgemeinschaftshaus Werlaburgdorf, Mühlenwiese 8 Satrup-Krog, Satrup, Glücksburger Str. 1 Conventgarten Rendsburg, Hindenburgstr. 38-42 Zur Erheiterung, Meldorf, Rosenstr. 6

ZAV Nds.-Mitte ZAV Nds.-Mitte ZAV Schleswig-Holstein ZAV Schleswig-Holstein ZAV Schleswig-Holstein

Dienstag

01.02.05

09:00 14:00

ZAV Nds.-Ost ZAV Nds.-Ost

09:00 14:00 19:30

Lindenhof, Bornum, Im Winkel 23 Gaststätte Zum Zoll, Schöppenstedt, Braunschweiger Str. 13 Gasthaus Lindenhof, Heringsdorf, Lübsche Str. 14 Gasthof am See, Warder, Seestr. 25 Gaststätte zum Kamin, Hohenlockstedt, Kieler Str. 62

Fachversammlungen 2005 Nach den Winterversammlungen führen wir wieder mit den am „Forum Zuckerrübe Nord” beteiligten Beratungsinstituten Fachversammlungen durch. Im Mittelpunkt stehen Referate über pflanzenbauliche und betriebswirtschaftliche Beratungsthemen vor allem vor dem Hintergrund möglicher Änderungen der Zuckermarktordnung.

Uhrzeit

ZAV Schleswig-Holstein ZAV Schleswig-Holstein ZAV Schleswig-Holstein

Mittwoch

02.02.05

09:00 14:00 14:00

Hotel Schönau, Stederdorf, Peiner Str. 17 Ratskeller, Salzgitter-Bad, Marktplatz 10 Siemers Gasthof, Breitenfelde, Dorfstr. 21

ZAV Nds.-Mitte ZAV Nds.-Mitte ZAV Schleswig-Holstein

Donnerstag

03.02.05

09:00 14:00 09:00

Stadthalle Northeim, Grafenhof 7 Niedersachsenhof, Gieboldehausen, Am Schützenplatz 1 Hotel Eichhorn, Harsefeld, Herrenstr. 44/46

ZAV Südniedersachsen ZAV Südniedersachsen RAN

Freitag

04.02.05

09:00 14:00

Haus des Gastes, Bad Bodenteich, Schützenstr. 21 Gasthaus „Zur Linde“, Gr. Oesingen, Hauptstr. 15

RAN RAN

Datum

Zeit

Ort

14.02.2005

09:00

Meine

Montag

07.02.05

09:00

Kurhaus, Bad Bevensen, Dahlenburger Str. 1

RAN

15.02.2005

09:30

Rendsburg

Dienstag

08.02.05

16.02.2005

09:00

Uelzen

09:00 09:00 14:00

Stadthaus Bergen, Bergen, Lange Str. 1 Ebelings Gaststätte, Rheden, Am Thie 3 Zuckerfabrik Nordstemmen, Calenberger Str. 36

RAN ZAV Südniedersachsen ZAV Südniedersachsen

22.02.2005

09:00

Northeim

22.02.2005

09:00

Schöppenstedt

22.02.2005

09:30

Nordgoltern

22.02.2005

09:30

Sternberg

22.02.2005

14:00

Schwüblingsen

23.02.2005

09:30

Hildesheim

23.02.2005

14:00

Wierthe


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Akzente November 2004 I Markt und Kunde I 23

Vier Länder – eine Marke Nordzucker wird SweetFamily Die neue internationale Marke für Haushaltszucker von Nordzucker „Nordzucker wird SweetFamily”. Mit dieser Botschaft informiert Nordzucker ihre Einzelhandelskunden im Herbst 2004 über den bevorstehenden Markenwechsel bei Haushaltszucker. Seit dem 1. Oktober werden in Polen alle Endverbraucherprodukte unter der neuen Marke ausgeliefert, am 1. November folgten Deutschland, Ungarn und die Slowakei. Seitdem haben die Produkte in allen vier Ländern das gleiche Design. Die Umstellung hat das Projektteam Manfred Rinderer, Dr. Marcus Fuchs, Irena Byrdy, Holger Bensemann, Dr. Thomas Moerle-Heynisch, Knut Ansgar Klaeden, Elmar Kuhnt, Anja Kirschbaum (alle Deutschland) Mariusz Tomczak, Danuta Dabrowska (beide Polen), Michal Abelovic, Jarmila Tavozikova (beide Slowakei) und Dr. Balazs Pokol, Zsolt Kassai, Jozef Kovác, Györgyi Kovács (alle Ungarn) in den vergangenen Monaten vorbereitet.

Manfred Rinderer (li.), Marketing & Sales Handel und Dr. Marcus Fuchs (re.), Produktmanager

Einheitliche Farbcodes für die Sortimentsbausteine SweetFamily ersetzt die bisherigen Markennamen Nordzucker, Promyk, Povarsky Cukor und Cillam. Zur Orientierung für den Endverbraucher bleiben die ursprünglichen Namen auf der Packung. Neue Wortbildmarke (Logo) ist der Markenname Sweet Family mit integriertem Herzsymbol. Die Verpackungsfarbe bleibt das bewährte Blau. Gemäß der Verwendungsanlässe wurden Produktkategorien gebildet und die Farben der entsprechenden Sortenfelder vereinheitlicht. So kennzeichnen die Farben Terracotta das Basissortiment, Violett Produkte zum Backen und Dekorieren, Gelb sowie Braun das Sortiment der weißen und braunen Zuckerprodukte zum Süßen von Getränken, Rot die Einmach- und Gelierprodukte. Grün steht für Bio- und Orange für Diabetiker-Produkte. Zur Unterstreichung der Angebotskompetenz und Produktvielfalt wurden die Verpackungsrückseiten mit Hinweisen zu weiteren Produkten versehen. „SweetFamily – Für die süßen Augenblicke im Leben“ Markenauftritt und Slogan sollen den Endverbraucher in seiner Wahl bestärken.

Kompetenz in Süße, Produktvielfalt, -innovationen, -qualität, Sympathie, Lebensfreude und zwischenmenschliche Verbundenheit: Das sind die in einer Verbraucherbefragung in den vier Ländern bestätigten Botschaften des neuen Markenauftritts. Seit Anfang September werden Handelspartner in persönlichen Gesprächen, durch Werbung und redaktionelle Beiträge in der Fachpresse sowie durch die Nordzucker-Handelsseite im Internet über Sweet-Family informiert. Endverbraucher lernen SweetFamily von November 2004 bis August 2005 über Werbung und redaktionelle Beiträge in Publikumsmedien, auf der NordzuckerInternetseite und natürlich beim Einkaufen im Supermarktregal kennen. Zuwachs für die Produktfamilie: Brauner Würfelzucker und Miniwürfel in weiß und braun Zum Markenwechsel sorgen zwei neue SweetFamily-Produkte (Brauner Würfelzucker ab November und weiße und braune Miniwürfel im Februar) für weitere Bekanntheits- und Imageimpulse sowie zusätzliche Abverkäufe. π


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24 I Markt und Kunde I Akzente November 2004

Mehr Schlagkraft im Versand an Kunden im Lebensmitteleinzelhandel

Dr. Thomas Mörle Heynisch, Produktion und Technik im Werk Uelzen, leitete die Planung und den Bau des neuen

Neues Hochregallager in Uelzen in Betrieb Das Werk Uelzen hat sich in den letzten Jahren zu dem Standort entwickelt, der das Gros an Spezialsorten für die Kunden im Lebensmitteleinzelhandel der Nordzucker produziert. Das jetzt in Uelzen in Betrieb genommene Hochregallager trägt der gewachsenen Artikelvielfalt Rechnung und erhöht die Schlagkraft im Versand. Wachsender Artikelvielfalt Rechnung tragen Mit der Errichtung des Nordzucker Service Centers Ende der neunziger Jahre wurden die produktionstechnischen Voraussetzungen geschaffen, um den Herausforderungen des Marktes sicher begegnen zu können. Seitdem hat die Artikelvielfalt ständig zugenommen. Das hat in der Vergangenheit zu einem ständig steigenden Bedarf an Lagerkapazität für Fertigware geführt, der bisher durch den Betrieb von Außenlagern gedeckt wurde. Effiziente Abläufe sorgen für verminderte Logistikkosten 2002 wurde im Rahmen einer Vorstudie ein logistisches Konzept entwickelt, das

Hochregallagers

sicherstellt, dass die Abläufe sowohl in der Lagerwirtschaft und im Versand als auch in der Produktion, bis hin zur Verpackungsmittelbereitstellung, effizienter werden. Nach Realisierung des Konzepts werden sich die Logistikkosten je Palette erheblich reduzieren. Aus dem Paket von Maßnahmen wurde 2004 als erster Bauabschnitt ein Hochregallager mit rund 7000 Palettenstellplätzen errichtet. Während der Planung hat sich das automatisierte Kanallager mit so genannter Satellitentechnik in Silobauweise als optimale Lösung herauskristallisiert. Dabei trägt das in vier Segmente aufgeteilte Regal gleichzeitig die Fassade und das Dach. Zwei Regalbediengeräte lagern mit integrierten Transportwagen - den sogenannten Satelliten oder „Trucks“ die Paletten ein und aus. Eine Besonderheit besteht darin, dass sowohl Europaletten als auch halbe Paletten einzeln gehandhabt werden können. Das schon seit einigen Jahren existierende führerlose Transportsystem übergibt die palettierte Ware jetzt an die Fördertechnik des Hochregallagers. Ein ausgeklügeltes Lagerverwaltungssystem berücksichtigt die vielfältigen

Eigenschaften der eingelagerten Artikel. Dazu gehören unter anderem die Mindesthaltbarkeit und die Mindestverweildauer. Ein Bündel von logistischen Prozeduren sorgt für die Verfügbarkeit aller eingelagerten Artikel; dabei wird gleichzeitig auf die größtmögliche Auslastung der Kapazität geachtet. Bei Bedarf werden die Paletten von den Regalbediengeräten auftragsbezogen ausgelagert und bereitgestellt. Der frühzeitige Start der Planung, verbunden mit einer straffen Projektführung, ermöglichte es, dass das Lager wie vorgesehen im Oktober in Betrieb gehen konnte. Damit wurde der erste Teil der logistischen Veränderungen erfolgreich abgeschlossen. π

Schematische Darstellung der GesamtArbeiten an

Die Dacheindeckung

Bediengerät bei

anlage mit Einlagerung im Vordergrund

Dach und Fassade

ist fast fertiggestellt

Palettenübergabe

und der Auslagerungstechnik (Bildmitte)


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Akzente November 2004 I Markt und Kunde I 25

Nordzucker verfügt in Polen über leistungsfähige Schnittstellen zum Kunden Neue Sieb- und Versandstation in Chelmza Markt und Kunde standen im Mittelpunkt eines zweijährigen Investitionsprogramms, das Nordzucker in ihren polnischen Werken Chelmza und Opalenica jetzt erfolgreich abgeschlossen hat. Nach Produktqualität, Produktion und Rübenaufbereitung stand in Polen der dritte und zugleich letzte große Modernisierungsschritt an: Die Schaffung leistungsfähiger Schnittstellen zum Kunden. Nach eineinhalb Jahren Bauzeit wurde die neue Sieb- und Versandstation und ein 60.000-TonnenSilo im Werk Chelmza sowie ein 40.000-Tonnen-Silo im Werk Opalenica pünktlich im Jahr des EU-Beitritts in Betrieb genommen.

Erstmals ganzjährig gesiebte Ware Nordzucker bietet damit erstmals auch in Polen gesiebte Ware an. Mit zehn Sortenbunkern und zwei Siebmaschinen wird gesiebter Zucker lose oder in 1000-Kilo-Big Bags ganzjährig entsprechend der Kundenspezifikationen abgegeben. Parallel dazu sorgen die neuen Weißzuckersilos in Chelmza und Opalenica für ausreichend Lagerkapazität, um ohne Zeitverlust auf Kundenwünsche reagieren zu können. Werner Küster, der das 16-Millionen-EuroProjekt als Verantwortlicher mit seinem Team und den polnischen Ingenieuren für Nordzucker geplant und abgewickelt hat, ist zufrieden mit dem Ergebnis.

Werner Küster, Produktion Geschäftsbereich International

Die Investition habe Nordzucker schon jetzt neue interessante Kunden beschert. „An mancher Stelle konnten wir damit wirklich ein sehr aufwändiges Handling ablösen“ schmunzelt er, wenn er die früher übliche Praxis mit 50-Kilo-Papiersäcken beschreibt. Die Zuckersäcke mussten mit viel Muskelkraft wieder aufgerissen und ausgeschüttet werden, wenn der nächste Kleinpackauftrag zu erledigen war. sdp

Vorstandsbesuch in den polnischen Nordzucker Werken: Dr. Ulrich Nöhle Das neue Silo und die Sieb- und Versandstation in Chelmza

informiert sich über Maßnahmen zur Kundenorientierung in Opalenica.


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26 I Treffpunkt Nordzucker I Akzente November 2004

Angela Merkel zu Besuch bei Nordzucker „Es gibt nationale Interessen, die wichtiger sind, als sich gegenseitig in den Rücken zu fallen.“ Hoher Besuch bei der Nordzucker AG. Dr. Angela Merkel, die Vorsitzende der CDU/CSU Bundestagsfraktion und Vorsitzende der CDU Deutschlands, war während ihrer Sommertour 2004 zu Gast bei Nordzucker in Braunschweig. In der Unternehmenszentrale traf sie mit den Vorständen und weiteren Vertretern aus Zuckerindustrie und Politik zusammen. Im kleinen Kreis, zu dem auch die Europaabgeordnete Dr. Godelieve Quisthoudt-Rowohl, der Bundestagsabgeordnete Heinrich-Wilhelm Ronsöhr sowie der Oberbürgermeister Braunschweigs, Dr. Gert Hoffmann gehörte, ging es um die bevorstehenden Änderungen der Zuckermarktordnung. Anschließend stand die CDU-Chefin Nordzucker-Mitarbeitern eine halbe Stunde lang Rede und Antwort.

um die ZMO, entscheidet sich die Zukunftsfähigkeit der norddeutschen und europäischen Zuckerwirtschaft.“ Angela Merkel sah das genauso. „Mit gutem Herzen hat es in der Vergangenheit bereits Eingriffe in der Landwirtschaft gegeben, die uns das Leben heute nicht leichter machen.“ Doch sei es wichtig, eine gewisse Unabhängigkeit zu bewahren und nicht zu beliebigen Sozial- und Umweltstandards abhängig von Dritten zu sein.

„Gewisse Unabhängigkeit bewahren” Die Fragerunde leitete Dr. Ulrich Nöhle ein: „Wir haben uns sehr darüber gefreut, der CDU-Bundesvorsitzenden unsere Gedanken über eine sinnvolle Reform des europäischen Zuckermarkts vorstellen zu können, denn eine Reform um der Reform willen lehnen wir ab. Auf fünf parallel stattfindenden Schauplätzen, nämlich den WTO-Verhandlungen, dem WTO- Schiedsgerichtsverfahren, den Ansprüchen der AKP- und der am wenigsten entwickelten Ländern (LDC) sowie den laufenden Mercosur-Verhandlungen und der eigentlichen Reformdiskussion

150.000 Arbeitsplätze nicht ohne Not auf’s Spiel setzen Nöhle betonte, dass die von der EUKommission vorgeschlagenen Senkungen der Zuckerquote um 16 Prozent, des Rübenpreises um 37 Prozent sowie des Zuckerpreises um 33 Prozent nicht akzeptabel seien. „Die ZMO darf nur im Rahmen von WTO-Verhandlungen und unter Berücksichtigung des Ausgangs des WTO-Panels reformiert werden. Hierbei sind die Forderungen aller außereuropäischen Anspruchsteller

äußerst konservativ zu berücksichtigen, damit eine ausreichende Quote für die europäische Zuckerwirtschaft und damit ein substantieller Zuckerrübenanbau erhalten bleibt.” Erforderlich sei eine Reform „aus einem Guss“. Diesen Gedanken bestärkte Angela Merkel: Es habe keinen Sinn, im vorauseilenden Gehorsam auf EU-Ebene zu reagieren, ohne die Vorzeichen zu kennen. Nöhle hob hervor, dass im Interesse von Arbeitsplätzen, Lebensmittelsicherheit und Gentechnikfreiheit verhindert werden müsse, dass die Produktion landwirtschaftlich sensibler Produkte wie Zucker zunehmend von der Nord- auf die Südhalbkugel verlagert wird. Auch diesen Gedanken griff Merkel vor den Mitarbeitern mit Blick auf die entgegen gesetzte Interessenlage der Zucker verarbeitenden Industrie nochmals auf: „Es gibt nationale Interessen, die manchmal wichtiger sind, als sich gegenseitig in den Rücken zu fallen. Es gilt hier, konsistent zu arbeiten. Andere Länder machen das besser.“ Zudem war sich Merkel sicher: „Es gibt keinen Mehrwert, der es rechtfertigt, 150.000 Arbeitsplätze auf’s Spiel zu setzen.“ Sprachs, bedankte sich, beantwortete schnell noch Journalistenfragen … und entschwand zur nächsten Station ihrer Reise: der Kunsthalle in Emden. Tanja Schneider-Diehl


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Akzente November 2004 I Treffpunkt Nordzucker I 27

Neben der Landwirtschaft müssen auch die Zulieferunternehmen gestärkt werden Cornelia Pieper (FDP) besucht Nordzucker Zur Rübenkampagne besuchte die FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper im Rahmen einer landwirtschaftlich geprägten Informationsreise das Werk Klein Wanzleben. Dort traf sie mit dem Vorstandsvorsitzenden Dr. Ulrich Nöhle und weiteren Vertretern aus Zuckerindustrie und Politik zusammen. „Wenn Reformen des Zuckermarkts, dann aus einem Guss“, betonte der Vorstandsvorsitzende. „Reformen, die die Zukunftsfähigkeit der europäischen

Zuckerwirtschaft stärken, verschließen wir uns nicht, aber es muss ausgewogen und mit Bedacht geschehen.“ Die von der EU-Kommission vorgeschlagenen Einschnitte seien hingegen nicht akzeptabel. Cornelia Pieper bekräftigte, dass es sich hierbei um eine Existenzfrage für viele Rübenanbauer, aber auch für viele Unternehmen handele. „Wenn es so kommt, wie vorgeschlagen, ist das erschreckend und vernichtet zahlreiche

Wirtschaftskraft auch im ostdeutschen Raum. Das wichtigste scheint mir, dass im Ganzen über dieses Problem gesprochen wird. Es reicht nicht, einzelne Aspekte gesondert und losgelöst von den anderen zu betrachten.“ Tanja Schneider-Diehl

Maria Flachsbarth (CDU) im Werk Groß Munzel Dr. Maria Flachsbarth, MdB für die CDU, musste zugeben: „Wir haben das Problem erkannt. Der Ausgleich des Interessenskonflikts wird aber nicht einfach werden“. Thema ihres Besuchs im Werk Groß Munzel war die Entwicklung der Zuckermarktordnung nach 2006. Die Vorschläge der EU-Kommission seien so nicht durchsetzbar, unterstrich Axel Aumüller, Manager Produktion National der Nordzucker AG.

Flachsbarth erklärte, dass sie die Zuckerindustrie als Stütze der heimischen Landwirtschaft schätze. Dennoch sei es nicht einfach, eine Lösung im Interessenskonflikt zu finden. Zu Besuch im Werk Munzel waren neben der Bundestagsabgeordneten noch weitere Gäste aus der regionalen Politik.

von links: Walter Zieseniß, Rudolf Henze, BerndKonrad Bohrßen, Dr. Maria Flachsbarth, Axel

Tanja Schneider-Diehl

Aumüller, Karl-Heinz Neddermeier, Horst George

Hans-Jürgen Uhl (SPD): Zuckerrübenanbau in der EU erhalten „Jetzt muss eine Lösung gefunden werden, die den Interessen des deutschen Agrarsektors und der europäischen und weltweiten Zuckerproduzenten gerecht wird“, sagte der Bundestagsabgeordnete Hans-Jürgen Uhl während eines Hintergrundgesprächs mit dem Vorstandsvorsitzenden Dr. Ulrich Nöhle in der Braunschweiger Unternehmenszentrale. Nöhle betonte, dass die Änderung der Zuckermarktordnung kein Problem der EU sei, sondern eine Frage der Verhandlungen mit der Welthandelsorganisation (WTO). Nach Einschätzung von Uhl, dem zuständigen Berichterstatter der

SPD-Bundestagsfraktion für WTO-Fragen im Ausschuss für die Angelegenheiten der EU, wird die Kommission keine konkreten Vorschläge vorlegen, bevor das WTO-Schiedsgericht nicht über den Einspruch der EU gegen dieses Urteil entschieden hat. Das Ziel der Kommission, eine Reform bereits zum Juli kommenden Jahres wirksam werden zu lassen, sei unrealistisch. Spätestens ab 2006 würden aber neue Bestimmungen, und damit geringere Preisund Quotenregelungen in Kraft treten. Uhl untermauerte die Interessen der Landwirte und vor allem auch der Beschäftigten in der Zuckerindustrie.

von links: Siegfried Sander, Hans-Jürgen Uhl und Dr. Ulrich Nöhle

„Wir sprechen selbst bei einer moderaten Reform über einen europaweiten Abbau von 50.000 Arbeitsplätzen. Auf jeden Fall muss sichergestellt werden, dass der Rübenanbau in der EU substanziell erhalten bleibt.“ Tanja Schneider-Diehl


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28 I Treffpunkt Nordzucker I Akzente November 2004

FDP-Abgeordnete Lehmann und Oetjen bei Nordzucker Rund zwanzig Vertreter der FDP aus der Region Braunschweig und angrenzenden Landkreisen sprachen sich unter der Leitung von MdL Carsten Lehmann und dem MdL Jan-Christof Oetjen, agrarpolitischer Sprecher dafür aus, den Rübenanbau in Deutschland nicht durch ungebremste Liberalisierungsentwicklungen auf’s Spiel zu setzen.

Dem Vortragenden Dr. U. Nöhle dankten die Anwesenden für dessen klare Ableitung der berechtigten Forderungen der norddeutschen Zuckerwirtschaft. Gemeinsam soll versucht werden, die Position der designierten EU-Agrarkommissarin Fischer-Boel deutlich zu machen. Gerald Dohme

von links: Carsten Lehmann, Dr. Ulrich Nöhle und Jan-Christof Oetjen

SPD-Landtagsabgeordnete Maren Kruse im Werk Uelzen „Das Wichtigste an der bevorstehenden Reform der Zuckermarktordnung scheint mir zu sein, dass wir das Mengenmanagement der Zuckerquoten intelligent in den Griff bekommen“, sagte die schleswig-holsteinische Landtagsabgeordnete Maren Kruse während eines Hintergrundgesprächs mit NordzuckerChef Dr. Ulrich Nöhle in Uelzen. Nöhle hatte zuvor die drohenden Veränderungen der europäischen Zuckermarktord-

von links: Werkleiter Joachim Rüger, Maren Kruse und Dr. Ulrich Nöhle

nung skizziert. Er warnte eindringlich davor, bilateral Quoten zu vergeben,

ohne das Gesamtszenario im Blick zu haben. „Das führt zum Aus für den Rübenanbau in Europa“. Maren Kruse versprach, als stellvertretende Vorsitzende des schleswig-holsteinischen Agrarausschusses diese Problematik in aller Deutlichkeit in den entsprechenden Gremien anzusprechen. Dabei wolle sie „die volle Mannschaft informieren und für das Thema sensibilisieren“. Tanja Schneider-Diehl

Minister Ehlen zum Informationsbesuch im Werk Schladen

von links: Frank Oesterhelweg, Günther Jakobiak, Hans-Heinrich Ehlen und Andreas Memmert

Am 20. Oktober 2004 besuchte der niedersächsische Minister für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Hans-Heinrich Ehlen, das Werk Schladen. Frank Oesterhelweg, MdL, hatte den Minister eingeladen und nutzte die Gelegenheit, um die Veränderungen der Zuckermarktordnung zu diskutieren. Günther Jakobiak stellte Nordzucker und den

aktuellen Stand der politischen Diskussion vor. Andreas Memmert, Samtgemeindebürgermeister Schladen, schilderte die Zusammenhänge zwischen Landwirtschaft, Zuckerindustrie und Gemeinde. Er machte deutlich, dass es sich bei der Reform der Zuckermarktordnung nicht nur um eine Veränderung auf dem Papier handle, sondern dass hierbei Menschen mit

ihren Familien direkt betroffen sind. Der Minister schilderte in der Diskussion die schwierige Lage auf Bundesebene und in der „Zusammenarbeit“ mit der Bundesministerin Künast in dieser Angelegenheit. Er lobte die Solidarität unter den Landwirten, die in Warberg bei der Demonstration zum Ausdruck kam. Hier waren nicht nur Rübenanbauer vertreten, sondern auch Landwirte aus Veredlungsgebieten, die keine Zuckerrüben anbauen. Er wies deutlich darauf hin, dass die Zeit bis zur Vorlage eines ersten Legislativvorschlages weiter intensiv genutzt werden müssen. Die Ausgestaltung der geplanten Veränderungen (zeitlicher Ablauf, Mengenfragen) sei noch in der Diskussion und könne noch beeinflusst werden. Matthias Schulte


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Akzente November 2004 I Neue Felder I 29

Strom und Wärme aus Biogas

Thomas Graf, Marktordnungsfragen,

Entscheidungskriterien für Investitionen EEG begünstigt Einführung von Biogasanlagen Die Novellierung des Energie Einspeisegesetz (EEG), die am 01.08.2004 in Kraft getreten ist, sieht gegenüber früher wesentlich günstigere Vergütungssätze für die Einspeisung von Strom aus Biogas vor. Für jetzt in Betrieb gehende Anlagen bietet diese Regelung ein Höchstmaß an Planungssicherheit von 20 Jahren. Andererseits sollten Investoren sich immer des Subventionscharakters des EEG bewusst sein.

Neue Felder

auch für reine Ackerbaubetriebe. Mais kristallisiert sich als wichtigste Kulturpflanze für das „energy farming” auf besseren Böden in Norddeutschland heraus. Parallel wird zur Gewinnung der pflanzlichen Rohstoffe für Biogasanlagen das System der Zweikulturnutzung nach Scheffer im Feldversuch getestet. Dieses verfolgt die Maximierung des Biomasseertrags pro Hektar durch Nutzung von zwei Aufwüchsen in einem Jahr. Der Pflanzenertrag wird siliert, um die ganzjährige Verfügbarkeit sicherzustellen. Durch Nutzung einer

änderten Langtag-Lichtverhältnissen in Norddeutschland ein vermehrtes vegetatives Wachstum zeigen. Die gute Einpassung eines neuen Betriebszweigs Biogas in die ackerbauliche und arbeitswirtschaftliche Organisation eines landwirtschaftlichen Betriebs ist natürlich eine Voraussetzung für die Aufnahme von Investitionsüberlegungen. So wird wegen vermehrten Auftretens von Rhizoctonia davon abgeraten, Zuckerrüben nach Mais zu bauen. Ferner wird nach Maisanbau oft erhöhter Befallsdruck von Fusarium im nachfolgenden Weizen festgestellt. Wirtschaftlichkeit der Biogaserzeugung ist erreichbar

Biogas-Speicher

Biogas kann aus pflanzlicher Biomasse gewonnen werden Eine wesentliche Botschaft der Dokumentation ist: Die Erzeugung von Biogas auf Basis von Pflanzenmasse ist möglich! Bereits seit einigen Jahren ist die kombinierte Beschickung von Biogasanlagen sowohl mit Gülle als auch mit pflanzlicher Biomasse gängige Praxis und unter dem Namen Ko-Fermentation bekannt. Aktuell wird an mehreren Standorten bewiesen, dass – nach anfänglichem Einfahren der Anlage mit Gülle – eine ausschließliche Beschickung mit Silagen durchführbar ist und unter Bedingungen der EEG Novelle wirtschaftlich betrieben werden kann. Die Biogasherstellung ist damit eine Alternative

Vielfalt von Arten (auch in Mischungen) und unter Einsatz massereicher, z. T. alter Sorten wird darüber hinaus die Minimierung der Rohstoffkosten pro Energieeinheit verfolgt. Mittelfristiges Ziel ist es, die Rohstoffkosten von bisher rund 5 Cent/kWh auf 1 Cent/kWh zu senken. Als Lösungsansatz operieren die Züchter mit dem Einsatz von italienischen Maissorten, die unter den ver-

Bei der Erzeugung von Biogas aus pflanzlicher Biomasse müssen (im Vergleich zu Gülle) zusätzlich die Nutzungskosten der in Anspruch genommenen Ackerfläche gedeckt werden. Auf Basis der Einspeisevergütungen für den erzeugten Strom nach der am 01.08.2004 in Kraft getretenen EEG Novelle wird aufgezeigt, dass bei Bruttoerträgen oberhalb von 45 Tonnen pro Hektar Silomais Gewinne ausgewiesen werden können. Voraussetzungen sind jedoch gutes Management der Anlage und eine möglichst ganzjährige Ausnutzung der anfallenden Wärme. Die Kosten der Stromerzeugung aus Biogas sind umso niedriger, je größer die Anlage ist. Deswegen sollten (an Stelle kleiner Einzelprojekte) mehrere Landwirte

Internet-Links Biogas: www.fachverband-biogas.de www.bioenergiehof.de www.bioferm.de www.schmack-biogas.de www.biogas-zentrum.de www.bio-energie.de www.ael-online.de

sehr informative Seite speziell zu Biogas Betreiber einer Anlage auf Basis pflanzlicher Biomasse Anbieter einer Trockenfermentationsanlage Anbieter von Nassfermentationsanlagen IBBK = Internationales Biogas-/ Bioenergiekompetenzzentrum Seite der FNR mit extra Sparte Biogas Berechnungshilfe f��r tatsächliche Stromvergütung


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Lesetipp Die rege Nachfrage nach unseren Dokumentationen zeigt das große Informationsbedürfnis zu allen Fragen rund um das Thema Biogas. Interessenten, die tiefer in die Materie einsteigen wollen, empfehlen wir ein neues detailliertes Kompendium, das die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe jetzt kostenlos anbietet: Unter dem Titel „Handreichung – Biogasgewinnung und -nutzung“ informieren anerkannte Fachleute auf 230 Seiten über • • • • Biogas-Fermenter und Hydrolysereaktor

gemeinsam in eine große Anlage investieren. Bestehende Risiken können durch Fördermittel für die Errichtung von Biogasanlagen aus Mitteln des Agrarinvestitionsförderprogramms und des Marktanreizprogramms zugunsten erneuerbarer Energien gemindert werden. Prognosen zu erneuerbaren Energie positiv Unter den regenerativen Energiequellen ist Biogas unter den Bedingungen der EEG Novelle im Bereich der Wirtschaft-

lichkeit. Fachleute erwarten bereits kurzfristig einen Investitionsschub für neue Anlagen. Mittel- und langfristig erwarten Wissenschaft und Verbände eine Ausdehnung der Energiegewinnung aus erneuerbaren Quellen.

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Grundlagen der anaeroben Fermentation Anlagentechnik zur Biogasbereitstellung Beschreibung ausgewählter Substrate Gasaufbereitung und Verwertungsmöglichkeiten Modellanlagen Rechtliche und administrative Rahmenbedingungen Qualität und Verwertung des Gärrrestes Betriebsform, Arbeitszeit, Steuern Grundsätze bei der Projektplanung Umsetzung eines Projekts Stellung und Bedeutung von Biogas als regenerativer Energieträger in Deutschland Beispielprojekte

Die Langfassung der Dokumentation „Biogas Teil 2“ ist im Landwirte Portal verfügbar oder für Nordzucker Landwirte unter Angabe der Geschäftspartner-Nummer (8-stellige GP-Nummer) abrufbar unter e-mail: π thomas.graf@nordzucker.de

Internet-Links Nachwachsende Rohstoffe: www.kws.de www.bfl-online.de www.fnr.de www.ktbl.de www.ben-online.de www.komnaro.de www.lwk-hannover.de www.energieagentur-sh.de www.erneuerbare-energien.de www.refuelnet.de www.carmen-ev.de www.nachwachsende-rohstoffe.info www.ienica.net www.dlg.org

Info zu Biomasse, u. a. mit Broschüre Energiemais Bauförderung der Landwirtschaft e. V. allgemeine Seite der FNR; Bestellmöglichkeit für Literatur; Seite des KTBL Portal für Bioenergie in Niedersachsen Netzwerk Landwirtschaftsministerium Niedersachsen Landwirtschaftskammer Homepage der Investitionsbank Schleswig-Holstein Infoseite des BMU mit extra Sparte Biomasse Infoseite des bmb+f speziell zu Kraftstoffen Portal von C.A.R.M.E.N., Bayern, über NawaRo allgemein News und teilweise kostenpflichtige Datenbank über nachwachsende Rohstoffe allgemein Interactive European Network for Industrial Crops and their Applications DLG - Deutsche Landwirtschafts Gesellschaft

Das Nachschlagewerk für "Profis" liefert ausführliche und praxisnahe Antworten auf Fragen der landwirtschaftlichen Biogaserzeugung. Die Veröffentlichung bestellen Interessenten per Mail oder Fax direkt über: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. Hofplatz 1, 18276 Gülzow, Fax 03843 69 30-102 e-mail: info@fnr.de internet: http/www.fnr.de


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Rübensirup – Die zähfließende, schwarz-braune Süße Zu Besuch in Reinholds Rübensaftfabrik in Wunstorf Wenn die Luft in der Stadt Wunstorf intensiv nach Zuckerrübe riecht, ist das nicht unbedingt auf die in acht Kilometer Luftlinie entfernt arbeitende Zuckerfabrik Groß Munzel zurückzuführen. Die Stadt Wunstorf ist Liebhabern des besonderen Zuckerrübensirups auch bekannt für die dortige Rübensirupfabrik. Bernd Hoyer hat den in dritter Generation erfolgreich arbeitenden Familienbetrieb für Akzente besucht.

tember mit der Kampagne begonnen werden kann, muss Rheinhold Anfang des Jahres die Rübenversorgung sicherstellen. Die Rüben dürfen nicht von zu schwerem Boden kommen. Verlangt wird gute Köpfarbeit und sauberes Roden, um kostenintensive manuelle Nacharbeit und einen nicht tolerablen Anfall von Rübenerde in der Wäsche zu vermeiden. Die langjährige, stark qualitätsbetonte und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den angestammten Rübenlieferanten zahlt sich für beide Seiten aus.

Bernd Hoyer, Marketing Service

Naturprodukts. Reinholds Rübensirup ist auch weit über den näheren Umkreis bekannt und als Brotaufstrich beliebt. Dass dies so bleibt, dafür sorgt eine an den Stammkunden ausgerichtete Produktionsplanung, vor allem aber das unbedingte Qualitätsstreben. Den erreichten Vorsprung zumindest zu halten, ist ein vorrangiges Ziel des sympathischen Geschäftsführers. Dass er zu rechnen versteht, darauf weist nicht nur seine Ausbildung als DiplomMathematiker hin.

Die Rübe liefert die typische Note

Stammkunden kaufen ihn eimerweise Reges Treiben herrscht im Ladengeschäft. In ihrer Mehrzahl sind es langjährige Stammkunden, die geduldig darauf warten, dass die teilweise mitgebrachten Blecheimer wieder mit der klebrigen, zähflüssigen schwarz-braunen Süße befüllt werden. Freundlich bittet uns Jürgen Rheinhold, jüngster Spross der Familie und Geschäftsführer des Unternehmens, in seine heiligen Hallen. Was hier zu sehen ist, kommt zuckertechnologisch Eingeweihten aus den Zuckerfabriken bekannt vor. Das beginnt mit der Knüppelwäsche und reicht über Elevator und Saftreinigung bis zur Kochstation. Natürlich alles in kleinerem Maßstab. Bevor Ende Sep-

Etwa zehn Tonnen Rüben werden täglich verarbeitet. Dazu wird die ganze, vorgereinigte Rübe gedämpft und anschließend zu Brei zerdrückt. Dabei wird der Dünnsaft herausgepresst. Als Filtrationsmittel dienen grobe Stofftücher, die anschließend in einer Industriewaschmaschine wieder gereinigt werden. Ein Reinigungsprozess dieses Rohsafts mittels gebranntem Kalk wie bei der Zuckerproduktion findet allerdings nicht statt – schließlich sollen ja alle Inhaltsstoffe der Rübe (Mineralstoffe, Eisen, Kalzium und Magnesium u. a.), die dem Rübensirup seine so typische aromatische Note verleihen, erhalten bleiben. Kochen im offenen Kessel Der besondere Kochprozess im offenen Kessel – ein wohlgehütetes Familiengeheimnis – sorgt für den besonderen karamelligen Geschmack des süßen

Übrigens: Unter www.ruebensaft.de erfahren Sie mehr über die schwarzbraune Spezialität. Nachschub gibt es im Ladengeschäft in Wunstorf , Am Hohen Holz 1. π


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Nordzucker AG, Küchenstraße 9, 38100 Braunschweig PSdg, H61179, Deutsche Post AG, Entgelt bezahlt


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