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Neues aus dem Unternehmen

Juli 2004

EU-Zuckermarkt: Alle wollen ein Stück vom Kuchen Dr. Ulrich Nöhle kommentiert den aktuellen Stand der Diskussion

Aktuell

Rübe

Markt & Kunde

Im Osten viel Neues -

Veränderte Rüben-

Einmachen nach

Drei Fragen an

ströme 2004

Herzenslust – Neue

Jens Fokuhl

Gelierzuckerkampagne


I N H A LT I N H A LT

Auf ein Wort

3

Aktuell EU-Zuckermarkt: Alle wollen ein Stück vom Kuchen Aktuelle Schlagzeilen: Nicht alle verteufeln die ZMO Kommissionsmitteilung vom 14. Juli 2004 zur Reform der Zuckermarktordnung Pressemitteilung der EU-Kommission vom 14. Juli 2004

Rübentransporte – Anfuhrtarife bis 2005 unverändert

31-32

Landwirte-Portal bei Nordzucker – Nutzen für den Anwender

32-33

4-10

Markt und Kunde 11

12

13-14

Syral profitiert von steigender Nachfrage Nordzucker-Beteiligung esparma ist verkauft

34

Zucker unter Anklage – Mögliche Folgen der WHO-Initiative

35 36

Die Reform des EU-Zuckersektor – Erläuterungen von Franz Fischler

15-16

Einmachen nach Herzenslust

Zuckerwirtschaft lehnt die neuen Kommissionspläne entschieden ab

16-17

Treffpunkt Nordzucker

Termine Bilanz nach dem EU-Beitritt: Im Osten viel Neues Zufriedenheitsuntersuchung: Gute Noten für Nordzucker

17

18-20

33-34

Marktordnungsdebatte: Politiker informieren sich bei Nordzucker

37-39

24 Banken zu Besuch bei Nordzucker Neues Finanzierungskonzept umgesetzt

39-40

21-22

Neue Felder EU-Lebensmittelhygieneverordnung schon ab der Ernte 2006? Emissionshandel kommt Nordzucker teuer zu stehen Personalien Flüssigzuckerwerk Nordstemmen ist Sieger Ideenbörse Rübenverarbeitung in Ungarn auf zwei Standorte konzentriert Bioethanol – Die Unwägbarkeiten sind zu groß für ein 120-Millionen-Projekt

23

Strom und Wärme aus Biogas

2

25

42

Historisches Zuckerfabrik Watenstedt

42-43

26

Das süße Rezept 26

27

28

Nach der Schließung Schleswig: Veränderte Rübenströme für die Kampagne 2004

29-30

MIR System Nordzucker (Modulare Integrierte Rübenlogistik)

30-31

AKZENTE 2/2004

40-41

24-25

Rübe Rübenanbau 2004

Wärme aus Stroh und Korn

Bananen-, Amarettound Joghurt-Pfirsich-Eis

44

Impressum Herausgeber: Nordzucker AG Küchenstrasse 9 · 38100 Braunschweig Telefon 0531 / 24 11 - 0 Telefax 0531 / 24 11 - 103 E-Mail akzente@nordzucker.de Redaktion: Gerald Dohme, Christian Kionka, Susanne Dismer-Puls (sdp) verantwortlich Gestaltung und Realisation: adconcept. werbeagentur, Hannover Druck: Münstermann GmbH, Hannover, Aufl: 19.000


AUF EIN WORT AUF EIN WORT

Sehr geehrte Rübenanbauer und Aktionäre, wer versucht, der Medienberichterstattung zu zuckerpolitischen Themen zu folgen, hat seit einigen Monaten gut zu tun: EU-Agrarreform, WTO-Agrarverhandlungen, EU-Zuckermarktordnung, EU-Osterweiterung, die laufende Klage gegen die EU-Zuckerexporte, die EU-Mercosur-Verhandlungen, das Balkan-Abkommen, die Forderungen der am wenigsten entwickelten Länder, das neue EU-ZuckermarktreformPapier – Zucker ist überall dabei. Hier soll Zucker in die gemeinsame Agrarpolitik eingepasst werden. Da soll er – der Gerechtigkeit und des günstigeren Preises wegen - in den freien Markt "entlassen" werden. An anderer Stelle steht er für Entwicklungshilfe. Im Balkan soll er zur Befriedung der Region beitragen und in besonders großen Mengen wird er im Tausch gegen Hochtechnologie angeboten. Sorgfältige Analysen zu Hintergründen und Zusammenhängen all dieser Themen sind schwierig. Für alle, die an einer verantwortungsvollen, zukunftsgerichteten Neuregelung des EU-Zuckermarktes mitarbeiten, sind sie Pflicht. In Akzente finden Sie eine Art "kleines 1x1 für den Zuckermarkt". Wir haben darin knappe Info-Bausteine zu den – außer der

Marktordnung – geltenden Handelsabkommen und -bestimmungen für Zucker in der EU zusammengetragen. Im Anschluss finden Sie eine Übersicht über die wichtigsten Inhalte des Kommissionsvorschlags zur Reform des Zuckermarkts vom 14. Juli 2004 und die Erläuterungen von Agrarkommissar Fischler dazu. 2004 wird es in Sachen Zuckerpolitik keine Sommerpause geben. Deshalb bitten wir Sie: Nehmen Sie sich – trotz Getreideernte – Zeit zum Lesen und Diskutieren und geben Sie Akzente weiter: An Ihre politischen Vertreter, den Landtags- oder Bundestagsabgeordneten Ihrer Region oder einfach an Ihren Nachbarn. Bis zum endgültigen Reformvorschlag der EU-Kommission Anfang 2005 braucht der Rübenzucker "Mitwisser". Je mehr es sind, desto besser. Für den Sommer 2004 wünschen wir Ihnen eine erfolgreiche Getreideernte. Nordzucker AG Dr. Ulrich Nöhle Jens Fokuhl Günter Jakobiak

AKZENTE 2/2004

3


AKTUELL AKTUELL

EU-Zuckermarkt: Alle wollen ein Stück vom Kuchen Seit der Vorlage des Optionenpapiers der EU-Kommission vor neun Monaten haben alle am EU-Zuckermarkt Beteiligten ihre Positionen und Forderungen klar formuliert. Das Ergebnis: Wir sind einen kleinen Schritt weiter – die völlige Liberalisierung und die sogenannte reine Preissenkungsvariante sind vom Tisch – und haben ein neues Problem: Zur Diskussion steht nunmehr "Quoten für alle". Diese - bisher von der EU-Kommission nicht verfolgte - Variante hat alle am Weltzuckermarkt Beteiligten auf den Plan gerufen:

Jetzt wollen alle ein Stück vom EU-Kuchen. In Brüssel liegen die Anträge all derer, die neue Importquoten beantragen, bereits vorhandene ausbauen wollen oder das EU-Exportsystem in Frage stellen: AKP, LDC, Mercosur, Balkan, Brasilien, Thailand, Australien - in Summa Forderungen nach Importquoten und Exporteinschränkungen, die geringfügig unter dem EU-Jahresverbrauch an Zucker liegen.

Rübenaussaat 2004: Dr. Ulrich Nöhle und Harm Bleckwenn (re.), Landwirt in Oedelum

Deutlicher als je zuvor zeigt sich in der Diskussion um die Zuckerzukunft Europas deren eigentliche Antriebsfeder. Es ist nicht der durch angeblich überhöhte Zuckerpreise gebeutelte Endverbraucher, dessen Budget durch niedrigere Preise geschont werden muss. Es ist auch nicht der drei Dollar am Tag verdienende Plantagenarbeiter in den Rohrzucker produzierenden, ärmsten Ländern der Welt, dessen Wohl dieser Debatte die Richtung gibt. Leider sind es auch nicht bestimmte Qualitäts-, Sozial- oder Umweltstandards bei der Zuckerproduktion, die eben nicht zum Nulltarif zu haben sind. Nein, es sind die per se egoistischen Interessen einiger potenter Vertreter der Agroindustrie, die die Gunst der Stunde nutzen möchten, aus einer von der EU voreilig zur Disposition gestellten Zuckermarktordnung maximale Vorteile zu ziehen.

anzupassen sind. Für den Bereich Landwirtschaft betrifft das die Themen Exportsubventionen, inländische Beihilfen und den Marktzugang. Parallel zu den WTO-Agrarverhandlungen geht es um ein neues WTO-Rahmenabkommen für den Handel mit Industriegütern. Die laufende WTO-Verhandlungsrunde (Doha-Runde) wurde im November 2001 begonnen. Ergebnisse werden für Januar 2005 erwartet.

Weltzuckererzeugung und Verbrauch in Mio. t Rw Brasilien Indien EU China USA Thailand

Die Klägerparteien Australien

nicht AKP

Mexiko

nicht LDC

Pakistan

die weltgrößten „Überschuss”-Erzeuger

Kuba Südafrika Ukraine Russland

0

Rübenzucker

3

6

9

12

Rohrzucker

15

18

21

24

Zuckerverbrauch

Quelle: ISO sugar yearbook 2002

Den Stab führt die WTO Die Musik spielt anderswo: Den Stab führt die WTO. Die Vertreter der 147 Mitgliedstaaten verhandeln seit März 2004 das neue Rahmenabkommen über die weitere Liberalisierung der Landwirtschaft. Vorbereitet werden neue, für alle WTO-Mitglieder verbindliche Vorgaben für alle drei Bereiche der Agrarverhandlungen: Hier werden die übergeordneten Vorgaben getroffen, an die im Nachgang alle bilateralen Abkommen und einzelstaatlichen Regelungen

4

AKZENTE 2/2004

“Hochtechnologie aus der EU gegen landwirtschaftliche Güter aus Südamerika” Die Änderung der ZMO ist kein EU-Problem, sondern eine Frage der Ergebnisse der WTO-Verhandlungen. Wir tun uns keinen Gefallen, indem wir vorher unkritisch "Quoten für alle" verteilen. Auch das

“Auch das unkritische, bilaterate Verteilen von Zuckerquoten kann schnell zum Ende des Rübenanbaus in Europa führen.”


AKTUELL AKTUELL

dass die EU-Zuckermarktordnung zum Spielball aller Verhandlungspartner werden könnte – sei es nun im Rahmen von WTO-Verhandlungen oder im Rahmen von bilateralen Abkommen. Deshalb ist es wenig sinnvoll, eine Diskussion der ZMO auf drei Ebenen zu führen – innerhalb der EU, in bilateralen Verhandlungen wie Mercosur und zusätzlich auf der am Ende für alle maßgebenden WTO-Ebene. Nur eine möglichst "ganzheitliche" Diskussion mit allen Beteiligten und eine Reform "aus einem Guss" kann und muss zu einer gerechten und verträglichen Lösung für den EU-Zuckermarkt führen.

Rüben- und Rohrzuckererzeugung Weltzuckererzeugung 2003: 146 Mio. t.

aus Zuckerrüben aus Zuckerrohr

34,5 Mio. t.

111 Mio. t.

Quelle: WVZ

Zuckerabsatz auf dem Weltmarkt Weltzuckererzeugung 2002: 142 Mio. t. auf Binnenmärkten sowie im Rahmen von Warenabkommem abgesetzt

“Nur eine möglichst ganzheitliche Diskussion mit allen Beteiligten und eine Reform aus einem Guss kann und muss zu einer gerechten und verträglichen Lösung für den EU-Zuckermarkt führen.”

Unerwünschte Dominoeffekte Schon jetzt entstammen 76 Prozent (111 Millionen Tonnen) der Weltzuckerproduktion dem Zuckerrohr – seit 1990 beträgt der Zuwachs beim Rohrzuckeranteil 13 Prozent. Wir dürfen und wollen die übrigen knapp 24 Prozent Rübenzucker (34,5 Millionen Tonnen) an der Weltzuckererzeugung, die in langer Tradition etwa zur Hälfte in der EU von bäuerlichen Familienbetrieben erzeugt werden, nicht kurzsichtig anderen (agro-) industriellen Forderungen opfern. Eine sorgfältige Betrachtung der Zahlen, Hintergründe, Interessengruppen und langfristigen Auswirkungen ist deshalb dringend angezeigt.

33 Mio. t.

auf dem freien Weltmarkt abgesetzt

109 Mio. t.

Quelle: ISO sugar yearbook 2002

Zuckereinzelhandelspreis (Euro/Kilo) Japan Australien Schweiz Vietnam

Entwicklung der Weltmarktpreise

USA Kanada

400

Sudan

350

Deutschland Belgien

300

Türkei

250

Thailand Dom. Rep.

200

Südafrika

150

Marokko Mexiko

100

Ukraine

50

Indien Pakistan

0

0,2

0,4

0,6

0,8

1,0

1,2

1,4

1,6

Quelle: WVZ

unkritische, bilaterate Verteilen von Zuckerquoten kann schnell zum Ende des Rübenanbaus in Europa führen. Spätestens seit den intensiven Verhandlungen über ein bilaterales Freihandelsabkommen zwischen der EU und Mercosur, wo es letztlich ganz eindeutig um Zugeständnisse nach dem Prinzip “Hochtechnologie aus der EU gegen landwirtschaftliche Güter aus Südamerika” geht, wird jedem klar,

0 1994

1996

1998

Quelle: Weißzuckerbörse London

2000

2002

2004

Euro/t fob Dollar/t fob

Nicht ohne Grund ist Zucker eben ein "sensibles Produkt". Sensibel schon allein deshalb, weil vorschnelle Änderungen neben lokal vielleicht wünschenswerten Wirkungen global deutlich unerwünschte Domino-Effekte zur Folge haben. Fortsetzung auf Seite 6 Ω

AKZENTE 2/2004

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AKTUELL AKTUELL

Die EU-Kommissare Lamy und Fischler haben in Sachen Zucker die vielfältigsten Forderungen und Rechtsansprüche verschiedenster Organisationen und Ländergruppen mit dem ebenso gewünschten Hochtechnologie-Export der EU "unter einen Hut" zu bringen: Wettbewerb ja – zu vergleichbaren Bedingungen

EU-Zuckermarkt – Die neun wichtigsten Handelsabkommen und -bestimmungen Rund drei Viertel des weltweit erzeugten Zuckers werden wie der EU-Zucker im Rahmen von länderspezifischen Marktordnungen sowie multilateralen oder zwischenstaatlichen Abkommen produziert und gehandelt. Neben der EU-Zuckermarktordnung, die seit 1968 Produktionsquoten, Rübenmindestpreise, Außenschutzund Exportbestimmungen für Rübenanbauer und Zuckerindustrie

Jeder der Beteiligten kämpft hier an seiner Front, für seinen Vorteil und um seine Existenz. Wir werden nicht nachlassen, “Freier Wett- den Volksvertretern unsere bewerb ist gut berechtigten Bedenken und sinnvoll – und Forderungen nachwenn er vollziehbar und nachhaltig darzulegen. Freier Wettdenn unter bewerb ist gut und sinnvergleichbaren voll – wenn er denn unter Bedingungen vergleichbaren Bedingunausgetragen gen ausgetragen werden kann. Dazu brauchen wir werden kann.” gleiche Bedingungen für Produktion und Anbau bei Ω nationalen Auflagen und Rechtsvorschriften, Ω staatlichen Fördermaßnahmen, Ω Sozial- und Umweltschutz, Ω und der Nachhaltigkeit der Geschäftstätigkeit. Eine gerechte Lösung darf diese Punkte nicht außer acht lassen. Dr. Ulrich Nöhle

innerhalb der EU regelt, gelten in der EU eine Reihe von Regelungen sowie Zoll- und Freihandelsabkommen, die für den Zuckermarkt in der EU von Bedeutung sind. Die wichtigsten stellen wir hier – blau unterlegt - stichwortartig vor. Weitergehende Erläuterungen, Aufstellungen und Definitionen dazu finden Sie in den grünen Info-Bausteinen.

" GATT (General Agreement on Tariffs an Trade)

WTO (World Trade Organisation)-Verhandlungen

Das GATT ist ein multinationales Abkommen - zwischen derzeit 147 Ländern (darunter 22 von 25 EU-Ländern), das von der 1994 gegründeten Nachfolgeorganisation WTO verwaltet wird und in den laufenden WTO-Verhandlungen weiterentwickelt werden soll. Wichtigster Grundsatz des GATT ist das Prinzip der Meistbegünstigung (GATT- Artikel 1 General Most-Favoured-Nation Treatment), das heißt, Handelsvorteile, die eine Vertragspartei einer anderen gewährt, gelten auch für alle anderen Parteien. Ω Ausnahmen: Ω Freihandelszonen und Zollunionen müssen das Prinzip der Meistbegünstigung gegen Dritte nicht anwenden, Ω Industrieländer dürfen den LDCs einseitige Zollpräferenzen einräumen, und die LDCs bei der Liberalisierung ihres Handels langsamer vorgehen. Ω Bei Streitigkeiten in Handelsfragen sieht die WTO eine Streitschlichtung vor. Dazu sind zunächst Konsultationen zwischen den Parteien vorgesehen. Sind diese erfolglos, so können die Parteien ein Schiedsgericht (Panel) einberufen, das einen Schlichtungsspruch erlässt. Akzeptiert ein der Vertragsverletzung beschuldigtes Land die Entscheidung eines solchen Panels nicht, dann sind die Kläger zu Vergeltungsmaßnahmen berechtigt, z. B. zu sogenannten Retorsionszöllen in Höhe des erlittenen Schadens.

# AKP-(Afrika-Karibik-Pazifik-) Abkommen / Abkommen von Lomé

Seit 1975 ist das Abkommen von Lomé maßgeblich für die Beziehungen zwischen EU und AKP-Staaten. AKP-Staaten sind überwiegend frühere Kolonien von Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden, denen die EU die gleichen Handelspräferenzen wie ihren Mitgliedern gewährt hat. Grundlage des LoméAbkommens sind den AKP-Staaten von der EU einseitig eingeräumte Handelspräferenzen. Ω AKP-Länder dürfen danach Erzeugnisse, die nicht unter die EU- Agrarpolitik fallen, zollfrei und unbegrenzt in die EU einführen. Ω Die AKP-Länder müssen ihrerseits den EU-Ländern keine entsprechende Präferenzen einräumen. Sie sind lediglich verpflichtet, gegenüber den EULändern die Meistbegünstigungsklausel anzuwenden und sie gleich zu behandeln. Ω Für eine Reihe von Agrarprodukten, die sowohl für die EU- als auch für AKP-Länder von großer Bedeutung sind (Bananen, Reis, Zucker) gelten besondere Bestimmungen. Ω AKP-Staaten dürfen seit 1975 jährlich rd. 1,3 Mio. t Weiß- oder Rohzucker zollfrei und zu Garantiepreisen (Zuckerinterventionspreise) in die EU importieren.

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AKZENTE 2/2004


AKTUELL AKTUELL

#." Abkommen von Cotonou

% Sonderpräferenzzucker (SPS)

Das Abkommen von Cotonou löst das von Lomé ab. Es ist rückwirkend zum 1. März 2000 in Kraft getreten und hat eine Laufzeit von 20 Jahren. Ratifiziert wurde es am 1. April 2003. Zu diesem Zeitpunkt hatten zwei Drittel der Vertragsstaaten das Abkommen ratifiziert. Die einseitigen Handelspräferenzen aus dem Lomé- Abkommens gelten noch bis Dezember 2007. Ab 2008 sollen an ihre Stelle Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (WPA) treten.

Zur Sicherung des Versorgungsbedarfs der traditionellen EU-Zuckerraffinerien hat die EU den AKP-Staaten 1995 die Möglichkeit gegeben, über die garantierten Einfuhrquoten hinaus weitere Mengen an Rohzucker in die EU zu liefern.

Ω Ω

Ω Ω

Die EU will die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den AKPLändern auf Freihandels- abkommen umstellen, u. a. weil einseitig gewährte Präferenzen gegen das in Artikel 1 des GATT festgelegte Meistbegünstigungsprinzip verstoßen. Für die noch geltende Präferenzregelung hat die EU in der UruguayRunde eine bis 2007 befristete Ausnahmegenehmigung erhalten. Die betroffenen AKP-Länder wehren sich gegen den Verlust ihrer Zuckerpräferenzen. Sie befürchten durch Freihandelsabkommen von leistungsfähigeren Produzenten aus den EU-Märkten gedrängt zu werden. Die EU-Kommission hat diese Befürchtung in Ihrem Optionspapier (Sept. 2003) bestätigt. Einfuhrkontingente schützen wie Produktionsquoten die Schwachen vor der Konkurrenz der Starken. Vor diesem Hintergrund will die EU das aus dem Lomé- in das Cotonouabkommen übernommene AKP-Zuckerprotokoll bis 2007 überprüfen. Artikel 1 des AKP-Zuckerprotokolls (Protokoll Nr. 3 im Anhang des Abkommen von Cotonou) garantiert die zollfreie und preis garantierte Abnahme von jährlich rund 1,3 Mio. t Roh- oder Weißzucker durch die EU auf unbestimmte Zeit. Das AKP-Zuckerprotokoll hat einen eigenen Rechtscharakter und steht damit im Widerspruch zu den Zielen des Abkommens von Cotonou, das Handelspräferenzen durch Freihandelsabkommen ersetzen will.

Ω Ω

& EU-GATT-Einfuhrverpflichtungen Wegen einer finnischen GATT-Einfuhrverpflichtung, die beim EUBeitritt Finnlands von der EU übernommen wurde gibt es ein weiteres EU-Importkontingent für Rohzucker von jährlich 85.463 Tonnen. Ω Ω

' Zuckerlieferungen aus den überseeischen französischen Gebieten (D.O.M. -Départements d’outre-Mer)

Everything But Arms-Abkommen (EBA)

Seit dem 5. März 2001 dürfen die LDCs in ihren Ländern produzierte Güter mit Ausnahme von Waffen (EBA) ohne Mengenbegrenzung und zollfrei in die EU einführen. Für Bananen, Reis und Zucker gibt es noch Importkontingente. Ω Ein unbegrenzter, zollfreier Import von Weiß- und Rohzucker ist erst ab 1. Juli 2009 möglich. Ω Die Zollsenkung für diese freien Mengen beginnt am 1. Juli 2006. Ω Von 2001/02 bis 2008/09 erhalten neun LDCs eine EU-Einfuhrquote für Zucker, die sich ab 2001/02 jährlich um 15 Prozent erhöht. Ω Übersteigt der LDC- Zuckerimport die den Einfuhrquoten entsprechende Menge in einem Jahr um mehr als 25 % - was ab 2006/07 möglich wird - prüft die EU, ob Schutzmaßnahmen für die eigene Zuckerwirtschaft erforderlich sind.

( EU-Rohzuckereinfuhren zur Versorgung der EU-Zuckerraffinerien

Zur Sicherung einer kontinuierlichen Versorgung dürfen nur die traditionellen EU Zucker-Raffinerien, zollfrei importierten AKP- und LDC-Rohrrohzucker zu Weißzucker umarbeiten. Für diesen Zucker müssen sie - ausgenommen SPS - mind. den EU-Interventionspreis zahlen. Dabei gelten cif- Preise, das heißt die Raffinerien werden nicht mit Frachtkosten für AKP-und LDC Zucker belastet .

Importquoten (t Ww)

2001/02 2002/03 2003/04 2004/05 2005/06 2006/07 2007/08 2008/09 2009/10

74.185 85.313 98.110 112.826 129.750 149.213 *) 171.594 *) 197.334 *) (k. Begr.)

*) Extrapolation der Werte bis 2005/06 Quelle: Artikel 3 EU-VO-1381/2002

EU-Zollsenkung für unbegrenzte LDCZuckereinfuhren in die EU Termine 1. 1. 1. 1.

Juli Juli Juli Juli

2006 2007 2008 2009

Zollsenkung 20 % 50 % 80 % 100 %

Quelle: Artikel 9 EU-VO-2501/2001

D.O.M.-Rohzucker dürfen auch EU-Rübenzuckerfabriken zu Weißzucker umarbeiten z. B. die Zuckerfabrik Erstein im Elsass.

* D.O.M. (Französisch-Guyana, La Réunion, Guadeluope und Martinique

ZWJ Juli/Juni

Es setzt sich wie folgt zusammen: Kuba: 58.969 t, Brasilien: 23.930 t, andere Drittländer 2.563 t. Für diesen Zucker gibt es keinen Garantiepreis.

Zur Erfüllung des Höchstmengenbedarfs der EU-Raffinerien dient auch Rohzucker aus den D.O.M.*. Hier handelt es sich um EU-Quotenzucker. Die Menge beträgt etwa 260.000 Tonnen Weißzucker pro Jahr.

$ LDC-Zuckereinfuhren in die EU -

EU-Einfuhrkontingente für LDC-Zucker

Dafür wurden keine Quoten vereinbart. Die EU stellt jährlich jene Mengen fest, die zur Versorgung der Raffinerien zusätzlich benötigt werden und beschließt entsprechende Zollkontingente. Für diesen Zucker kann ein Sonderzollsatz erhoben werden, den die EU für die Zeit vom 1. März bis 1. Juli 2004 auf 0 festgesetzt hat. (EU-VO 362/2004). Die SPS-Kontingente lagen bis Beginn der Zuckerimporte aus den LDC bei rund 300.000 Tonnen pro Jahr Der Mindestkaufpreis, den Raffinerien dafür zahlen müssen beträgt 496,8 Euro pro Tonne

1995 setzte die EU den jährlichen Höchstmengenbedarf für die EU-Raffinerien auf 1,779 Millionen Tonnen fest. Dieser Zucker hat die gleiche Rechtsstellung wie EU-Zucker. Er darf der Interventionsstelle angeboten sowie mit Erstattungen exportiert werden und hat EU-Ursprungseigenschaften Der Höchstmengenbedarf beträgt 1.776.766 Millionen Tonnen pro Jahr. Durch den EU-Beitritt der Mittel- und osteuropäischen Länder erhöht sich diese Menge um 19.585 Millionen Tonnen für eine Raffinerie in Slowenien auf 1.796.351 Tonnen.

Höchstmengenbedarf Rohzucker in EU-Ländern nach Mai 2004 Länder Finnland Frankreich (Mutterland) Portugal (Mutterland) Groß-Britannien Slowenien

jährlicher Höchstmengenbedarf (t) 59.925 296.627 291.633 1.128.581 19.585 (EU-neu)

Quelle: EU-Kommission

AKZENTE 2/2004

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AKTUELL AKTUELL

Für den Fall, dass die Rohzuckermengen, aus AKP-Ländern, der EU sowie den DOM nicht ausreichen, den Höchstmengenbedarf der Raffinerien zu decken, dürfen die fehlenden Mengen als Sonderpräferenzzucker (SPS) im Rahmen einer Einfuhrregelung mit Sonderzoll in die oben genannten EU-Mitgliedstaaten eingeführt werden.

* EU-Liberalisierungsangebot an Mercosur (laufende Verhandlungen)

Schätzung der EU-Bilanz für Importrohzucker 2003/04 Rohzuckerbedarf der Raffinerien (t Ww)

Rohzuckerlieferungen (t Ww)

Frankreich Finnland Portugal Großbritannien

296.627 59.952 291.633 1.128.581

DOM AKP GATT LDC SPS

213.000 1.190.700 82.000 98.110 192.956

Summe

1.776.766

Summe

1.776.766

Mercosur (Mercado común del cono sur:"Gemeinsamer Markt des Südens") bezeichnet ein Zoll- und Freihandelsabkommen zwischen Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay, das am 26. März 1991 abgeschlossen wurde. Seit 1996 ist Chile, seit 1997 Bolivien assoziiertes Mitglied. Die Freihandelszone und Zollunion besteht seit dem 1.1.1995. Ω Seit dem 1.1. 2000 können alle Güter außer Zucker(!) und Kfz innerhalb des Mercosur zollfrei gehandelt werden. Ω Gemeinsame Außenzölle werden durch den Rat von Buenos Aires festgesetzt. Für Chile und Bolivien gelten noch besondere Regelungen. Ω

Quelle: EU-Kommission

) EU-Zuckerimporte aus den Westbalkanstaaten (ex Jugoslawien)

Seit dem 1. Oktober 2000, bzw. dem 23. November 2000 dürfen die aus dem ehemaligen Jugoslawien entstandenen Staaten unter anderem Zukker zollfrei und in unbegrenzten Mengen die EU einführen (Artikel 1 Abs. 1 EU-Rats-VO 2007/2000 ). Der EU-Ministerrat will durch einseitige Handelsliberalisierung der EU die geplanten Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit den Ländern des westlichen Balkans vorbereiten. Ω

Entsprechende Freihandelsabkommen hat die EU inzwischen mit Kroatien und Mazedonien geschlossen. Die EU hat die zollfreie Einfuhr von Zucker aus Serbien wegen mehrfacher Verstöße gegen Ursprungsregelungen zunächst bis August 2004 ausgesetzt. Das Exportpotential für Zucker dieser Länder wird auf rd. 900.000 Tonnen pro Jahr geschätzt.

zu

Ω Ω

Ω Mitarbeiter: 550 Ω Aufgaben: Ω Verwaltung der GATT-Regelungen (WTO trade agreements) Ω Forum für die WTO-Verhandlungen Ω Handhabung von Handelsstreitigkeiten

Ω Beobachtung der nationalen Handelspolitiken Ω Technische Hilfe und Ausbildung in Entwicklungsländern Ω Zusammenarbeit mit anderen internationalen Organisationen

#." Länder mit denen die EU das Abkommen von Cotonou geschlossen hat

48 Länder aus Afrika

Angola Äquatorialguinea Äthiopien Benin Botswana Burkina Faso Burundi Côte d' Ivoire Demokratische Republik Kongo Dschibuti Eritrea

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Derzeit gibt es Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit der EU. Im Agrarbereich konzentrieren sich die Gespräche auf die sogenannten sensiblen Produkte: Unter anderem Zucker, Getreide, Olivenöl, Milchprodukte, Fleisch, Tabak sowie einige verarbeitete Obst- und Gemüsesorten Für diese Waren hat die EU-Kommission folgendes Liberalisierungsangebot vorgestellt: Für Produkte, Ω der Kategorie I sollen der Zollsatz innerhalb von 10 Jahren verschwinden Ω der Kategorie II soll der Zollsatz um einen bestimmten Prozentsatz gesenkt werden Ω der Kategorie III werden Einfuhrquoten zu reduzierten Zollsätzen eingeführt Ω der Kategorie IV gibt es weder Einfuhrquoten noch Zollsenkungen Die EU hat noch nicht erklärt, in welcher Kategorie die Produkte eingeordnet werden sollen. Die unter der Kategorie III vereinbarten Einfuhrquoten sollen allerdings auf mögliche WTO-Zugeständnisse angerechnet werden, damit die EU nicht " zwei Mal" zahlen muss.

" WTO (World Trade Organisation)

Ω Sitz: Genf Ω Gegründet 1. Januar 1995 Ω Hervorgegangen aus den Verhandlungen der Urguay Runde (letzte GATT-Runde 1986 bis 1994) Ω Mitgliederzahl 147 Ω Budget: 154 Mio. Schweizer Franken für 2003

zu

CEFS hat der EU-Kommission für diese Länder die Einrichtung von Zucker-Exportkontingenten vorgeschlagen, unter anderem zur Vorbereitung auf deren EU-Mitgliedschaft.

AKZENTE 2/2004

Gabun Gambia Ghana Guinea Guinea-Bissau Kamerun Kap Verde Kenia Komoren Lesotho Liberia Madagaskar Malawi Mali

15 Länder aus der Karibik Mauretanien Mauritius Mosambik Namibia Niger Nigeria Republik Kongo Ruanda Sambia Sao Tomé und Principe Senegal Seychellen

Sierra Leone Simbabwe Somalia Sudan Südafrika Swasiland Tansania Tschad Togo Uganda Zentralafrikanische Republik

Antigua und Barbuda Bahamas Barbados Belize Dominica Dominikanische Republik Grenada Guyana

Haiti Jamaika St. Kitts-Nevis St. Lucia St. Vincent und die Grenadinen Suriname Trinidad und Tobago

14 Länder aus dem pazifischen Raum

Sonderstellung

Cookinseln Fidschi Kiribati Marshallinseln Mikronesien Nauru Niue Palau Papua Neuguinea, Salomonen Samoa Tonga Tuvalu Vanuatu

Kuba (Kuba hat das Abkommen nicht unterschrieben) Südafrika (mit Südafrika besteht bereits ein Freihandelsabkommen)


AKTUELL AKTUELL

zu

#." AKP-Staaten + Indien mit Zucker-

zu

importquoten: EU-VO 443/2004

AKP-Länder + Indien Barbados Belize Kongo *) Fidschi Guyana Indien Elfenbein-Küste Jamaika Kenia Madagaskar *) Malawi *) Mauritius St. Kitts u. Nevis Surinam Swasiland *) Tansania *) Trinidad u. Tobago Uganda Sambia Simbabwe

fuhren in die EU von 2001/02 bis 2008/09

In dieser Modellbetrachtung wird unterstellt, dass die Zuckereinfuhren ab 2006/07, dem Jahr in dem die Zollreduzierung beginnt, um jeweils 25 Prozent über den garantierten Importquoten liegen. Unter dieser Annahme erreichen die LDC-Zuckereinfuhren bis 2008/09 rd. 291.000 t. Diese Menge entspricht etwa jener, die jährlich als "Special Preferenz Sugar" ( SPS ) benötigt wird, um den Höchstmengenbedarf der traditionellen EU-Raffinerien zu decken.

Einfuhrkontingent (t/a) 50.641 38.977 10.186 161.123 153.799 10.000 10.186 118.695 0 18.815 20.564 484.278 8.804 0 111.298 10.189 42.054 0 0 29.799

Summe

$ Modellbetrachtung für LDC- Zuckerein-

ZWJ 2001/02

Importquoten (t) Ww

ÜberschussImporte (t)

Gesamt-Im- Zollsenporte (t) Ww kung %

2001/02 2002/03 2003/04 2004/05 2005/06 2006/07 2007/08 2008/09 2009/10

74.185 85.313 98.110 112.826 129.750 149.213 *) 171.594 *) 197.334 *) (k. Begrenz.)

0 0 0 0 0 37.303 61.550 94.097 ???

74.185 85.313 98.110 112.826 129.750 186.516 233.145 291.431 ???

Quelle: F. O. Licht International Sugar Journal Juli 2001

1.279.414

*) AKP + LDC Wegen der Deklassierung liegt das Einfuhrkontingent für 2003/04 unter dem Vertragswert von 1.304.700,00 t

zu

$Least-Developed Countries (LDCs)

Die Vereinten Nationen (UNO) bestimmen nach folgenden Kriterien, welches Land zu den LDCs gehört : Ω Niedriges Pro-Kopfeinkommen < 900 $ Ω Geringes Humankapital (Mischung aus GesundheitsErnährungs- und Erziehungsniveau) Ω Geringe wirtschaftliche Stabilität (Index, aus Indikatoren für instabile Agrarerzeugung und Export, unzureichende Diversifikation und wirtschaftliche Schwäche) Ω Ein Land wird als LDC eingestuft, sobald es diese Kriterien erfüllt und seine Einwohnerzahl nicht über 75 Mio. liegt. Derzeit gibt es 50 LDCs (Timor-Leste seit Mai 2004).

Anmerkungen: von den rd. 1,3 Mio. t AKP-Zucker stammen nur rd. 52.000 t aus Ländern die gleichzeitig LDCs sind. Gem. Artikel 1 GATT dürfte die EU, ohne die bis 2007 bestehende Ausnahmeregelung, nur diesen Ländern die Privilegien einer Zuckerimportquote gewähren. Die EU ist deshalb daran interessiert, die Einfuhrquoten für AKP-Zucker und alle weiteren Privilegien zu streichen und durch Freihandelsabkommen zu ersetzen. Diesen Bestrebungen steht aber das Zuckerprotokoll des Cotonou- Abkommens entgegen, das sich nur mit Zustimmung der Beteiligten verändern lässt, die aber an ihren EU-Zuckerpräferenzen festhalten.

zu

$ Lieferquoten der LDCs 2001/02 2002/03

Haiti

0 0 0 0 0 20 50 80 100

Mauretanien Senegal Kap Verde Zentralafrikanische Republik Gambia Niger Guinea Sierra Leone Liberia Burkina Faso Togo Benin Sao Toré/Principe Äquatonalguinea Dem. Rep. Kongo Sambia

2003/04

2004/05 2005/06

6.711 9.731 13.269 7.016 9.367 6.473 16.850 7.904 7.991

7.718 11.191 15.259 8.069 10.772 7.444 19.377 9.090 9.190

8.876 12.870 17.548 9.279 12.388 8.561 22.284 10.453 10.569

10.207 14.800 20.180 10.671 14.246 9.845 25.626 12.021 12.154

74.185 85.313 Summe Jemen Djibouti Quelle: LMC Somalia Äthiopien Uganda Salomonen Malediven Ruanda Burundi Tansania Komoren Vanuatu Timor-Leste

98.110

112.826

129.750

Afghanistan Eritrea

5.836 Bangladesh 8.462 Kongo (V. R.) 11.538 Äthiopien 6.101 Madagaskar 8.145 Malawi 5.629 Mozambique 14.652 Sudan 6.873 Tansania 6.949 Sambia

Kiribati Tuvalu Samoa

Madagaskar Malawi

Lesotho Mosambik

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AKTUELL AKTUELL

$ Die LDC-Länder-Interessenlage 2004

Nur LDC-Land

Auch AKP-Land

zu

zu

LDC NichtZuckererzeuger

LDC Zuckererzeuger bisher kein Export

LDC Zuckerexporteure 2004

Äquatorial-Guinea Dschibuti Eritrea Gambia Guinea-Bissau Kap-Verde Kiribati Komoren Lesotho Mauretanien Ruanda Salomonen Tuvalu Vanatu

Angola Benin Burkina Faso Burundi Guinea Haiti Liberia Niger Sierra Leone Togo Uganda

Äthiopien D.R. Kongo Madagaskar Malawi Mosambique Sambia Somalia Sudan Tansania

Afghanistan Bhutan Yemen Kambodscha Laos Malediven Samoa SaoToné und Principe Zentralafrik. Repub.

Bangladesch Mali Nepal Senegal Tschad

Ländergruppe Zucker exportierender LDCs 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9.

Angola Äthiopien Bangladesch Benin Burkina Faso Burundi DRC Kongo Guinea Haiti

10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18.

Kambodscha Laos Madagaskar Malawi Mosambik Nepal Ruanda Sambia Senegal

19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26.

Sierra Leone Somalia Sudan Tansania Togo Tschad Uganda Zentralafrikanische Republik

Am 03. März 2004 haben Vertreter von 17 dieser Länder *) die EUKommission - vertreten durch die Kommissare Dr. Fischler und Lamy - aufgefordert, den zollfreien und unbegrenzten EU-Zuckerimport aus ihren Ländern auf das ZWJ 2018/2019 zu verschieben.

Dafür sollen bis 2018/19 die preisgarantierten Einfuhrquoten von 197.334 t im Jahr 2008/09 auf 1.622.841 t Rohrrohzucker angehoben werden. Die LDCs wollen damit genügend Zeit gewinnen, um ihre Zuckerwirtschaft wettbewerbsfähig zu machen.

Myanmar

*) Bangladesch, Benin, Burkina Faso, Kongo V.R., Äthiopien, Guinea, Malawi, Mali, Madagaskar, Mosambik, Nepal, Senegal, Sierra Leone, Sudan, Tansania, Togo, Uganda, Sambia

blau: Mitglieder Brussels Sugar Group fett: gleichzeitig Teilnehmer an der Konferenz der LDC-Brussels Sugar Group am 3. März 2004

zu

$ Mitglieder der LDC-Brussels Sugar Group

$ Lieferquoten der LDCs zuckerimporte diesen Grenzwert nicht überschreiten. Zucker, den die LDCs im Rahmen ihrer Einfuhrkontingente liefern muss deshalb notwendiger Weise zu Lasten der SPS-Importe gehen, die ebenfalls nur als Rohzucker geliefert werden dürfen.

Im Unterschied zu den AKP-Ländern, die Rahmen ihrer Einfuhrquoten Roh- und/oder Weiß-zucker liefern, dürfen die LDCs ihre Einfuhrquoten nur mit Rohrrohzucker ( KN-Code 1701 11 10 ) erfüllen. Erst nach dem 1. Juli 2006 erhalten sie die Möglichkeit, jene Importe, für die es in der EU dann keine Mengenbeschränkung mehr gibt und die über den Mengen liegen, die sie im Rahmen ihrer Einfuhrquoten importieren, auch als Weißzucker liefern. Ω

Der Garantiepreis für den im Rahmen der LDC- Einfuhrquoten in die EU importierte Zucker beträgt 523,7 Euro pro Tonne. Das entspricht dem Interventionspreis für Rübenrohzucker

Bis zum Zuckerwirtschaftsjahr 2006 belasten deshalb die LDCZuckereinfuhren die EU-Bilanz nicht zusätzlich. Zunehmende LDC- Importe werden durch abnehmende SPS-Einfuhren kom pensiert. ("Nullsummenspiel")

Wenn die AKP-Länder ihre EU-Einfuhrkontingente mit Weißzucker erfüllen würden, könnten sie zur Erfüllung des Höchstmengenbedarfs der EU-Raffinerien zusätzlichen Rohzucker in die EU liefern.

Wegen des Höchstversorgungsbedarfs der traditionellen EURaffinerien von jährlich 1.796.351 Tonnen, dürfen die EU-Roh-

zu

$ Vorschlag der LDC Brussels Sugar Group zur Verlängerung und Aufstockung ihrer EU-Importquoten für Zucker (t/a)

1.800.000 1.600.000 1.400.000 1.200.000 1.000.000 800.000 600.000 400.000 200.000 9 /1

8 /1

18 20

7 /1

17 20

6 /1

16 20

5 /1

15 20

14

/1

4 20

3 13

/1

bestehende LDC-Einfuhrquoten (t/a)

20

2 /1

12 20

1 /1

11 20

0 /1

10 20

9 /0

09 20

08

/0

8 20

7 /0

07 20

6 /0

06 20

5 05

/0

Quelle: LDC-Brussels Sugar Group

20

4 /0

04 20

3 /0

03 20

02 20

20

01

/0

2

0

geforderte LDC-Einfuhrquoten (t/a)

Aus dem gleichen Grund wie die meisten AKP-Staaten wollen die LDCs ihre Quotenregelung behalten. Sie befürchten, dass die Zuckerpreise in der EU ohne Quotenregelung trotz Außenschutz auf Weltmarktniveau sinken, bei dem sie als Zuckererzeuger in der EU dann keine Chancen mehr hätten.

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AKTUELL AKTUELL

Aktuelle Schlagzeilen: Nicht alle verteufeln die ZMO, die LDCs wollen daran festhalten

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AKTUELL AKTUELL

Kernaussagen der EU-Kommission vom 14. Juli 2004 zur Reform der Zuckermarktordnung Nach der Vorlage des sogenannten Optionenpapiers am 23. September 2003 machten seit einigen Wochen neue Reformideen von Agrarkommissar Fischler die Runde. Offiziell vorgestellt wurden die neuen Vorschläge zur Reform der Zuckermarktordnung von der EU-Kommission am 14. Juli 2004. Das elfseitige Papier entspricht in den wesentlichen Punkten der vorher bekannt gewordenen Fassung. Die Kommission informiert damit Ministerrat und Europäisches Parlament über ihre weiteren Pläne zur Integration der Zuckermarktordnung in die Gemeinsame Agrarpolitik. Die Kernaussagen haben wir hier für Sie zusammengefasst. Erläuterungen dazu finden Sie in der offiziellen Pressemeldung der EUKommission und in der Rede von Agrarkommissar Franz Fischler, der die neuen Pläne zur Reform des Zuckersektors der Presse vorgestellt hat.

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Wichtig ist: Auch das jetzt vorgelegte Papier ist "nur" ein weiteres Diskussionspapier – es ist noch kein Legislativvorschlag, der in Kürze vom EU-Ministerrat zu verabschieden wäre. Der endgültige Kommissionsvorschlag zur Reform der Zuckermarktordnung und die Entscheidung darüber im EU-Ministerrat sind für das Frühjahr 2005 zu erwarten. sdp


AKTUELL AKTUELL

Zucker: Vorschlag der Kommission für stärkere Ausrichtung am Markt, mehr Verbraucherorientierung und bessere Handelsbedingungen IP/04/915 Brüssel, den 14. Juli 2004 Heute hat die Kommission eine radikale Neuordnung der EU-Zuckerregelung vorgeschlagen. Das derzeitige System wurde wegen schlechter Ressourcenallokation, Beeinträchtigung des Wettbewerbs, Benachteiligung der Entwicklungsländer, ungünstiger Bedingungen für die Verbraucher, hoher Kosten für die Steuerzahler und Belastung der Umwelt scharf kritisiert. Die Kommission schlägt vor, die Zuckerausfuhren und -ausfuhrerstattungen drastisch zu kürzen, Interventionsmaßnahmen abzuschaffen, die Erzeugung in der EU zu verringern und den Erzeugern von Zuckerrüben entkoppelte Zahlungen zu gewähren. Der Reformprozess soll im Juli 2005 beginnen. Damit alle Parteien genügend Zeit zur Umstellung haben, sollen die Änderungen über einen Zeitraum von vier Jahren durchgeführt werden. Angesichts der Unwägbarkeiten auf internationalem Gebiet soll die Regelung 2008 überprüft werden. Hierzu erklärte Franz Fischler, EU-Kommissar für Landwirtschaft: “Durch diese Reform erhält der Zuckersektor in der EU und in den Entwicklungsländern eine realistische Perspektive. Für unsere Verbraucher wird sich dies in einer wesentlich stärkeren Ausrichtung am Markt und für die Entwicklungsländer in einem erheblichen Abbau der Handelsverzerrungen bemerkbar machen.”

Auswirkungen der Reform Mit dieser Reform wird der Fortbestand der Zuckererzeugung in der EU auf nachhaltigem und wettbewerbsfähigem Niveau gesichert. Durch die entkoppelte Einkommensstützung erhalten die Erzeuger von Zuckerrüben in der EU einen teilweisen Ausgleich für die Einkommensverluste, die ihnen durch die vollständige Entkoppelung entstehen. Für die Verbraucher in der EU und für die zuckerverarbeitende Industrie werden sich die Maßnahmen in Preissenkungen niederschlagen. Mit dieser Reform werden auch bestimmte Umweltprobleme angegangen, die durch den Intensivanbau verursacht wurden.

Auswirkungen auf die Beschäftigung Die derzeitige Zuckerregelung trägt nicht zum Erhalt von Arbeitsplätzen bei. In den letzten zehn Jahren hat der Sektor etwa 17 000 Industriearbeitsplätze abgebaut. Von den 240 Raffinerien, die im Jahr 1990 gezählt wurden, sind 2001 nur noch 135 vorhanden, und diese Entwicklung wird sich fortsetzen. Die Reform wird auch zu Umstrukturierungen führen, wobei aber die verbleibende Erzeugung wettbewerbsfähig wird und die vorhandenen Arbeitsplätze langfristig erhalten bleiben. Fortsetzung Ω

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AKTUELL AKTUELL

Dabei erhält der Sektor genügend Zeit, um sich an die veränderten Bedingungen anzupassen. Zur Abfederung der sozioökonomischen Auswirkungen schlägt die Kommission für die Zuckerhersteller, die nicht mehr rentabel arbeiten, eine Regelung zur Umstellung vor.

Neue Mitgliedstaaten Da die geltende Zuckerregelung den neuen Mitgliedstaaten bereits in vollem Umfang zugute gekommen ist, schlägt die Kommission vor, ihnen auch den vollständigen Ausgleich zu gewähren. Diese Zahlungen unterliegen der Finanzdisziplin.

Aktionsplan für die AKP-Staaten Die EU steht auch weiterhin uneingeschränkt zu ihren Verpflichtungen gegenüber den AKP-Staaten und Indien. Diese Länder erhalten eine klare Perspektive, behalten ihre Präferenzbedingungen für die Einfuhr und verfügen auch weiterhin über attraktive Ausfuhrmärkte. Die EU wird mit den betreffenden Ländern einen Dialog auf Basis einer Maßnahme eröffnen, die noch 2004 vorgeschlagen werden soll, um geeignete Handels- und Entwicklungsmaßnahmen festzulegen. Die Kommission wird ein maßgeschneidertes Programm vorschlagen, um diesen Ländern bei der Anpassung an die neuen Marktbedingungen zu helfen, die Wettbewerbsfähigkeit der Zuckererzeugung dort, wo sie rentabel ist, zu verbessern oder die Diversifizierung zu fördern. Die 49 ärmsten Länder werden künftig mehr Zucker zollfrei in die EU einführen können.

Die wichtigsten Änderungen: • Senkung des institutionellen Stützungspreises von 632 EUR auf 421 EUR je Tonne in zwei Stufen über einen Zeitraum von drei Jahren. • Senkung des Mindestpreises für Zuckerrüben von 43,6 EUR auf 27,4 EUR je Tonne in zwei Stufen über einen Zeitraum von drei Jahren. • Abschaffung der Intervention und Ersetzung durch ein System der privaten Lagerhaltung • Senkung der EU-Erzeugungsquote um 2,8 Mio. Tonnen (von 17,4 Mio. Tonnen auf 14,6 Mio. Tonnen) über einen Zeitraum von vier Jahren • Verringerung der durch Ausfuhrerstattungen subventionierten Exporte um 2 Mio. Tonnen (von 2,4 Mio. auf 0,4 Mio. Tonnen) • Neue, entkoppelte Zahlung an die Erzeuger von Zuckerrüben zum teilweisen (60%igen) Ausgleich für Einkommensverluste • Die Erzeugungsquoten sind künftig auch zwischen Marktteilnehmern unterschiedlicher Mitgliedstaaten übertragbar • Umstellungsregelung, bei der Zuckerfabriken, die den Sektor verlassen, einen Förderbetrag von 250 EUR je Tonne erhalten können. Die Einzelheiten des Vorschlags finden sich unter folgender Internet-Adresse: http://europa.eu.int/comm/agriculture/capreform/index_de.htm Siehe auch MEMO/04/177

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AKTUELL AKTUELL

Die Reform des EU-Zuckersektor Erläuterungen von Dr. Franz Fischler, Mitglied der Europäischen Kommission, zuständig für Landwirtschaft, ländliche Entwicklung und Fischerei, anläßlich der Pressekonferenz am 14. Juli 200 in Brüssel Meine Damen und Herren, diese Reform bringt mehr konkrete Vorteile: Wir erhalten die Zuckerproduktion in Europa auf nachhaltigem Niveau, geben Rübenbauern eine faire Chance, der Industrie die Chance wettbewerbsfähiger zu werden und den Konsumenten die Aussicht auf niedrigere Zuckerpreise. Dieser Vorschlag sendet aber auch ein klares Signal an unsere internationalen Partner und die Entwicklungsländer. Europa meint es ernst mit seinen Agrarreformen. Die neue Politik wird wesentlich handelsfreundlicher sein. Ich glaube, dass die Botschaft in der dritten Welt laut und deutlich vernommen wird. Es ist völlig klar, dass der Status Quo zu halten ist. Das derzeitige System hat vier Jahrzehnte ohne Reform überstanden. Es fehlt der Wettbewerb, Konsumenten und die zuckerverbrauchende Industrie zahlen überhöhte Preise, die intensive Rübenproduktion führt in manchen Regionen zu Umweltproblemen und die subventionierten Exporte stehen stark in der internationalen Kritik, vor allem von den Entwicklungsländern. Auf der anderen Seite gibt es keine Zauberformel, um die völlig gegensätzlichen Interessen von Konsumenten, Zuckerrübenproduzenten, Industrie und Entwicklungsländern aufzulösen. Den EU Zuckermarkt einfach zu liberalisieren würde nicht nur die Zuckerproduktion in Europa auslöschen, es würde auch völlig gegen die Interessen der schwächeren Entwicklungsländer in Afrika oder der Karibik gehen, die nicht mit den starken Exportländern wie Brasilien konkurrieren können. Deshalb brauchen wir einen dritten Weg, der die Quadratur des Kreises auflöst, die konträren Interessen unter einen Hut und eine ausgewogene Lösung zustande bringt. Die Kommission schlägt vor, die Zuckerproduktion in vier Stufen um 2,8 Millionen Tonnen zu reduzieren, den internen Preis in zwei Stufen stark zurückzufahren und die Exporte und die Exporterstattungen massiv zu kürzen.

Mit anderen Worten: Von den 1,3 Milliarden Euro, die die EU derzeit für Exporterstattungen für Zucker ausgibt, wird nicht viel übrig bleiben. Es ist aber auch klar, dass diese Zahlen zwei Faktoren noch nicht berücksichtigen: Den Ausgang der Doha-Runde und die beiden WTOPanel gegen die EU-Zuckermarktordnung. Der Vorschlag gibt uns allerdings den Rahmen, um, wenn nötig, bei der Produktion oder den Exporterstattungen nachjustieren zu können. Gleichzeitig wollen wir den Rübenbauern ihre Einkommensverluste teilweise mit einer entkoppelten Direktzahlung ausgleichen. Das wird auch der Umwelt zugute kommen, weil die neue Prämie wie in allen anderen Sektoren auch an die Einhaltung von Umweltstandards gebunden wird. Wir schlagen vor 60 Prozent der Absenkung des Mindestrübenpreises auszugleichen und wir schlagen vor, die zehn neuen Mitgliedstaaten sofort zu 100 Prozent an diesen Ausgleichszahlen zu beteiligen. Ich denke, angesichts der Tatsache, dass diese seit 1.5.2004 bereits voll vom "alten" Zuckersystem profitieren, ist dieser Ansatz nur fair. Allerdings bedeuten gleiche Rechte auch gleiche Pflichten. Die entkoppelten Direktzahlen für die neuen Mitgliedsstaaten werden natürlich dann auch der gleichen finanziellen Disziplin unterworfen. Die Produktionsquoten sollen zwischen den Mitgliedsstaaten handelbar werden und wir wollen denjenigen Fabriken, die sich umorientieren wollen, ein EU finanziertes Umstrukturierungsprogramm anbieten. Wir haben keine Zeit zu verlieren. Deshalb wollen wir den Reformprozess am 1. Juli 2005 beginnen. Die Änderungen sollen aber schrittweise über vier Jahre eingeführt werden, um allen Beteiligten die notwendige Zeit zu geben, sich auf die neue Situation einzustellen. Es ist klar, dass wir voll und ganz zu unseren Verpflichtungen stehen, die die EU gegenüber den AKP Staaten im Zuckerprotokoll eingegangen ist. Diese Reform spricht die – unangenehme – Wahrheit für EU Produzenten und Entwicklungsländer offen aus, nämlich dass ein künstlicher Zuckerpreis in der EU, der drei Mal so hoch wie der Weltmarkt ist, Fortsetzung auf Seite 16 Ω

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AKTUELL AKTUELL

Fortsetzung: Die Reform des EU-Zuckersektor, Rede von Dr. Franz Fischler weder ökonomisch tragbar, noch entwicklungspolitisch sinnvoll ist. Es wird und muss daher eine Umstrukturierung geben. Mit der Reform werden wir den AKP Staaten früh genug eine klare Perspektive geben, und genug Zeit, sich an die neue Situation anzupassen. Die Kommission wird noch vor Ende 2004 einen Aktionsplan dazu vorlegen, um dafür zu sorgen, dass mit den betroffenen AKP-Ländern maßgeschneiderte, konkrete EU-finanzierte Entwicklungsprogramme vereinbart werden können. Es ist leider unvermeidbar, das diese Reform auch in der europäischen Zuckerwirtschaft eine Umstrukturierung nach sich ziehen wird. Wenn ich aber jetzt schon die Kassandrenrufe

der Zuckerlobby höre, wie viele tausend Arbeitsplätze diese Reform gefährdet, dann kann ich nur sagen: Die Fakten sprechen eine andere Sprache: Das bestehende Zuckersystem sichert nämlich keineswegs, wie manche behaupten, die Arbeitsplätze. Allein in den letzten zehn Jahren gingen 17.000 Jobs verloren, hunderte von Fabriken mussten schließen. Dieser Trend wird auch ohne Reform weitergehen, weil ein Teil der Produktion durch schrittweise Quotenreduzierung immer mehr an Wettbewerbsfähigkeit verlieren würde. Nur ohne Reform wird es bei fehlgeleiteten Resourcenallokationen bleiben und die künftige Produktionsstruktur zu einem Machtspiel, das allen Beteiligten großen Schaden zufügt. Vielen Dank.

EU-Zuckermarktreform: Zuckerwirtschaft lehnt die neuen Kommissionspläne entschieden ab Die Pläne der EU-Kommission zur Neugestaltung des europäischen Zuckersektors gehen weit über die tatsächlichen Notwendigkeiten für eine Anpassung des Systems hinaus und gefährden die Zukunft des Zuckerrübenanbaus und der Zuckererzeugung in vielen Regionen Europas. Die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ) bezeichnete die am 14. Juli von der Kommission verabschiedeten Reformvorschläge als nicht akzeptabel. Seit Mitte Juni, als die Überlegungen der Kommission erstmals bekannt geworden sind, befinden sich hundert Tausende von Landwirten in Sorge um die Zukunft ihrer Betriebe, sagte der Vorsitzende der WVZ Dr. Hans-Jörg Gebhard. Position nicht kampflos überlassen "Wenn die Kommission mit einem derartigen Vorschlag die Existenz unserer Betriebe und vieler Arbeitsplätze im ländlichen Raum in Frage stellt, muss sie mit unserem entschiedensten Widerstand rechnen. Wir sind nicht bereit, unsere Position als Produzenten eines hochwertigen, nachhaltig und umweltschonend hergestellten Lebensmittels kampflos solchen Wettbewerbern zu überlassen, die ihre dominierende Rolle auf dem Weltmarkt auf der Basis von Standards erreicht haben, die man sich für die europäischen Landwirtschaft auch aus Verbrauchersicht nicht wünschen sollte", so der WVZ-Vorsitzende.

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Vorschläge zerstören die Zuckerindustrie auch in den AKP-Staaten Kritik an der geplanten Reform übte auf der Pressekonferenz auch S. E. Mohurrlall Haton, Botschafter der Republik Mauritius in Deutschland: "Für Mauritius und andere AKP-Staaten hat der Zuckerexport nach Europa zu den garantierten EU-Preisen eine überragende wirtschaftliche Bedeutung. Im Abkommen von Cotonou hat sich die EU im Jahr 2000 verpflichtet, die Vorteile der Präferenzregelung zu erhalten. Andererseits hat Mauritius einen Reformprozess seiner Zuckerindustrie eingeleitet. Zum jetzigen Zeitpunkt befinden wir uns in einer Übergangsphase, doch der Vorschlag der Kommission, die Preise in zwei Jahren um 37 Prozent zu senken, wird die Industrie zerstören." Rübenanbau würde vielerorts unrentabel Die geplanten Senkungen der Rübenmindestpreise um insgesamt 37 Prozent werden trotz der vorgeschlagenen Ausgleichszahlungen


AKTUELL AKTUELL

von 60 Prozent dazu führen, dass der Zuckerrübenanbau auch in zahlreichen Regionen der EU unrentabel wird. Damit wird nicht nur vielen Betrieben die wichtigste Säule ihres Einkommens genommen, sondern gleichzeitig wird auch die Versorgung der Zuckerfabriken mit dem Rohstoff Zuckerrübe gefährdet. Völlig unzureichend sei auch die geplante Kompensationsregelung für die Rübenerzeuger in Europa. Tausende Landwirte würden ihre Existenz verlieren, zahlreiche Zuckerfabriken müssten schließen. Gerade die strukturschwachen ländlichen Gebiete in Europa würden empfindlich geschwächt. Vertrauensbruch Das von der Kommission vorgeschlagene Vorziehen der Reform auf den 1. Juli 2005 strafe zudem alle Unternehmen, die im Rahmen langfristiger Investitionen auf Vertragssicherheit gebaut haben. Die Zuckerwirtschaft sieht darin einen eklatanten Vertrauensbruch und lehnt ein Vorziehen strikt ab. Die viel zu kurze Laufzeit und der bereits für 2008 anvisierte nächste Review nähmen dem Sektor jegliche mittel- und längerfristige Planungssicherheit. Auch die Zuckerwirtschaft sehe die aus internationalen Abkommen resultierenden Notwendigkeiten für eine Weiterentwicklung der europäischen Zuckerpolitik. Doch kämen die EU-Pläne zum falschen Zeitpunkt und gingen "weit über die tatsächlichen Reformerfordernisse hinaus". Wenige große Anbauländer profitieren Nach Einschätzung der WVZ würden von der geplanten Reform einige wenige große Anbauländer profitieren, insbesondere Brasilien. Brasilien ist der mit Abstand weltgrößte Produzent und Exporteur von Zucker. Das Land hat seinen Weltmarktanteil (25 Prozent) seit Anfang der neunziger Jahre nahezu verzehnfacht. Es ist damit maßgeblich für die strukturellen Überschüsse und den fortgesetzten Preisverfall auf dem Weltzuckermarkt verantwortlich. Die EU hat ihren Marktanteil dagegen von 22 auf 17 Prozent reduziert und den Weltzuckermarkt stabilisiert.

Gebhard erneuerte die Bereitschaft seiner Branche zur Mitarbeit an einer Weiterentwicklung des Systems: "Wir sind bereit, unsere Produktion noch stärker auf den Eigenbedarf der EU auszurichten, wenn der dadurch gewonnene Spielraum dann dazu genutzt wird, nach dem Vorbild der AKP-Staaten die am wenigsten entwickelten Länder in das europäische Quotensystem einzubeziehen und mit ihnen feste Einfuhrgarantien zu für beide Seiten kostendeckenden Erlösen zu vereinbaren." Die deutsche Zuckerwirtschaft appelliert an den Ministerrat, dem Reformvorschlag der Kommission nicht zu folgen und eine wirtschaftlich verträgliche Lösung zum gegebenen Zeitpunkt herbeizuführen. WVZ

Termine Nordzucker - Hauptversammlungen 2004 06.09.2004 10.00 Uhr Union-Zucker Südhannover GmbH, Berghölzchen Hildesheim 07.09.2004 10.00 Uhr Zucker-AG Uelzen-Braunschweig, Stadthalle Braunschweig 08.09.2004 10.00 Uhr Nordzucker Holding AG, Stadthalle Braunschweig 09.09.2004 10.00 Uhr Nordharzer Zucker AG, Stadthalle Braunschweig 10.09.2004 10.00 Uhr Nordzucker AG, Stadthalle Braunschweig Süßer Sommer in Besenhausen Vom 13. August bis zum 26. September 2004 lädt das Rittergut Besenhausen zuckerinteressierte Besucher zum "Sommer in Besenhausen" bei Friedland ein. Am Standort einer der ersten deutschen Zuckerfabriken wird eine Rundumschau zum Stoff, der das Leben süßer macht gezeigt. Neben einer Ausstellung zur Geschichte des Zuckers, seiner Herstellung, seinen vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten und seinem "vernünftigen" Gebrauch laden ein Zuckerrüben-Schaugarten, Aktionen im Rübenfeld sowie Bonbon- oder Sirupkochen zu einem Ausflug nach Südniedersachsen ein. Ausstellung und Hofcafe sind von Mittwoch bis Sonntag ab 11.00 Uhr geöffnet. Weitere Infos: www.besenhausen.de Alles Zucker...!? vom Luxusgut zur Alltagsware ist der Titel einer Ausstellung, die noch bis zum 8. August 2004 im Kreismuseum Prinzeßhof in Itzehoe zu sehen ist. Der Prinzeßhof lockt mit einem Streifzug durch die Welt des Zuckers, Vorträgen, Zuckerartistik und süßen Aktionen für Kinder. Geöffnet ist täglich außer Montag von 10.00 – 12.00 Uhr und 15.00 – 17.30 Uhr. Infos: www.kreismuseum-prinzesshof.de

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AKTUELL AKTUELL

Bilanz nach dem Beitritt: Im Osten viel Neues – Zuckermarkt und Nordzucker-Töchter nach dem EU-Beitritt Europa wächst – Wir wachsen mit! Unter diesem Leitsatz hat Nordzucker ihr Kerngeschäft seit 1998 in mehreren Schritten nach Osten erweitert – mit Beteiligungen in den vier wichtigsten Zuckererzeuger-Ländern unter den neuen EU-Mitgliedern. Seit dem 1. Mai 2004 gehören Polen, die Slowakei, Ungarn und Tschechien zur EU. Ausgedehnt hat sich damit auch der Geltungsbereich der EU-Zuckermarktordnung, die nach einer Übergangsfrist am 1. Juli in vollem Umfang auch in den neuen EU-Ländern gilt. Zehn Wochen nach dem EU-Beitritt ist der Medienrummel abgeklungen. Wir fragen den Finanzvorstand der Nordzucker AG Jens Fokuhl nach ersten Einschätzungen der Marktentwicklung im neuen Osten der EU.

Jens Fokuhl

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AKZENTE 2/2004

Herr Fokuhl, den 1. Mai hat die gesamte Zuckerbranche mit Spannung erwartet. Wie laufen die Geschäfte der NordzuckerGesellschaften in Polen, der Slowakei und Ungarn nach dem Beitritt? Machen sich die neuen Anbieter im Inlandsgeschäft und der "Alt-EU" bemerkbar?

nur teilweise eingetretene - Teuerung nach dem 1. Mai reagiert. In Polen sind die dort bislang drückenden Marktüberschüsse jetzt in den Vorratskammern der Verbraucher und den Silos der Lebensmittelhersteller verschwunden – das ist eine positive Entwicklung. Wir erwarten deshalb, dass die EU den einzelnen Ländern rückwirkend kaum zusätzliche C-Zucker-Exporte für Überbestände auferlegt. Entschieden wird diese Frage jedoch erst im Oktober. Für das wirtschaftliche Ergebnis unserer Fabriken ist diese EU-Entscheidung aber von Bedeutung. Es bleibt also spannend im Osten.

Nach den ersten Wochen können wir sagen, die Zuckerpreise entwickeln sich in den drei Ländern, in denen wir operativ tätig sind, positiv und die Auswirkungen auf die Zuckermärkte in der "Alt-EU" sind bisher geringer, als wir erwartet haben.

Aktuell verzeichnet Nordzucker in Polen eine positive Entwicklung der Zuckerpreise bei – bedingt durch die hohen Vorräte – zur Zeit geringen Verkäufen. In der Slowakei und Ungarn liegen die Zuckerpreise bei angestiegenen Verkäufen etwas höher als in Polen.

Für tragfähige Aussagen über die weitere Entwicklung ist es jetzt allerdings noch zu früh. Die Verbraucher in den Beitrittsländern - aber auch viele unserer osteuropäischen Industriekunden haben seit März mit Hamster- und Panikkäufen auf die befürchtete – bisher jedoch

Wo steht Nordzucker im Beitrittsjahr? Welche Aufgaben stehen jetzt in den osteuropäischen Gesellschaften an? Wir schließen unsere Hausaufgaben pünktlich im Beitrittsjahr ab. Mit je zwei Fabriken in


AKTUELL AKTUELL

Polen und Ungarn sowie – ab 2005 - einer Fabrik in der Slowakei sind wir in den wichtigsten neuen EU-Ländern gut aufgestellt. Darüber hinaus partizipieren wir über die Minderheitsbeteiligung an der tschechischen Cukrovary TTD a.s. am Markterfolg von Tereos (bisher Union SDA) in Tschechien.

die wir auf lange Sicht brauchen, um uns im Markt zu behaupten.

Am weitesten fortgeschritten sind unsere Arbeiten in Polen. Seit dem Start im Jahr 1999 haben wir die Rübenverarbeitung von sechs auf heute zwei Fabriken in Chelmza (Thorn) und Opalenica (Posen) konzentriert. Parallel dazu wurde die Zahl der Stamm-Mitarbeiter von rund 1600 auf heute 550 verringert. Thema ist hier nach wie vor die Erweiterung unseres Marktanteils von derzeit rund 9 auf von uns gewünschte 20 Prozent. Nur über einen signifikanten Marktanteil können wir Märkte sichern und Synergien mobilisieren,

Als jüngstes Engagement sind die ungarischen Nordzucker-Gesellschaften dabei, sich in unsere Strukturen zu integrieren. Zur Kampagne 2004 werden nur noch Szerencs und Szolnok Rüben verarbeiten. Hatvan, als dritter Standort, bleibt als marktnaher Sortenstandort ohne Rübenverarbeitung bestehen.

“Wir schließen unsere Hausaufgaben pünktlich im Beitrittsjahr ab.”

In der Slowakei sind wir Marktführer und derzeit mit dem Ausbau der Zuckerfabrik Tepla beschäftigt, die ab der Kampagne 2005 auch die bisher in Trnava verarbeiteten Rüben übernehmen wird.

Fortsetzung auf Seite 20 Ω

Nordzucker in einem polnischen Supermarkt

Die neuen EU-Länder - Zuckerrübenanbau und Zuckererzeugung im Vergleich ZR-Anbaufläche (ha)

ZR-Erträge (t/ha)

Zuckererträge (t/ha)

--

--

--

1.430.000

--

Lettland

15.000

38,0

5,00

2.500.000

0,60

Litauen

24.000

32,6

3,56

3.150.000

0,76

Malta

--

--

--

10.000

--

Polen

300.000

45,0

5,32

18.600.000

Estland

Slowakei

LN (ha)

Anteil ZR an LN (%)

Höchstquote (t)

Zuckererzeugung (t)

Verbrauch (kg/Kopf)

--

k.A.

1,4

66.505

83.363

k.A.

2,3

103.010

138.000

k.A.

3,5

--

--

k.A.

0,4

1,61

1.671.926

2.018.009

45,0

38,6

--

Bevölkerung (Mio.)

32.800

47,2

3,70

2.440.000

1,34

207.432

183.690

43,4

5,4

Slowenien

9.000

32,0

4,33

520.000

1,73

52.973

36.037

k.A.

2,0

Tschechien

75.000

50,0

7,45

4.730.000

1,59

454.862

547.960

43,7

10,2

Ungarn

55.000

42,8

7,39

6.100.000

0,90

401.684

341.000

37,8

10,1

Zypern

--

--

--

150.000

--

--

--

k.A.

0,7

Summe

510.800

--

--

39.630.000

--

2.958.392

3.348.059

k.A.

74,6

Quellen: Zuckerwirtschaftliches Taschenbuch 2004; Eurostat

AKZENTE 2/2004

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AKTUELL AKTUELL

Nordzucker-Werk Szerencs/Ungarn

Nordzucker hat seit 1998 in den Aufbau neuer Märkte im Osten investiert. Insbesondere in Polen sind nach den befriedigenden Anfangserfolgen seit zwei Jahren Verluste zu verkraften. Wann zahlen sich die Investitionen für Nordzucker aus? Wann kommt der Turnaround? Wenn sich die aktuelle Entwicklung bestätigt, haben wir die Wende bereits geschafft. In der Slowakei schreiben wir seit zwei Jahren schwarze Zahlen. In Polen schaffen wir die Wende 2004 – wie gut, das hängt – ich habe das schon erwähnt – von dem EU-Entscheid im Oktober ab. In Ungarn sind wir seit gut einem Jahr aktiv. Hier ist noch unklar, ob wir trotz der Belastungen aus der Werkschließung Hatvan schon 2004 oder erst 2005 Gewinne ausweisen können. Nordzucker hat von 1998 bis 2004 nicht ganz 200 Millionen Euro in Osteuropa investiert. Jede Investition birgt Chancen und Risiken. Zuckererzeugung ist unser Geschäft. Deshalb werden die Chancen für Nordzucker überwiegen. Die Investitionen in den mittel- und osteuropäischen Ländern dienen der Unternehmensentwicklung und der langfristigen Absicherung unseres wirtschaftlichen Erfolges. Gegenfrage: Wo ständen wir heute ohne dieses Engagement? Was hätten wir seitdem verloren, wenn wir dieses Geld gespart hätten? Welche Kunden hätten wir verloren; welche erst überhaupt nicht gewonnen. Mit einem "Achselzucken" in Osteuropa wären wir für bedeutende, international aufgestellte Kunden auch in unserem Stammgebiet kein Partner mehr. Unser Osteuropa-Engagement hat eine - zwar schwierig zu beziffernde - aber dennoch nicht zu unterschätzende Schutzfunktion für unsere angestammten Märkte. Nordzucker hat mit einer Quote von rund 370.000 t neue Märkte erschlossen und ist in dem ansonsten beschränkten europäischen Zuckermarkt um 30 Prozent gewachsen. Ohne dieses Engagement wären wir als Zuckeranbieter in Europa durch den Beitritt deutlich zurückgefallen, so haben wir gewonnen.

Akzente dankt Ihnen für dieses Gespräch, Herr Fokuhl.

Haushaltszucker im Supermarkt: Mehr als die Hälfte des pro-Kopf-Verbrauchs wird in den neuen EU-Ländern noch in privaten Haushalten verarbeitet.

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AKZENTE 2/2004


AKTUELL AKTUELL

Gute Noten für Nordzucker: Aktionäre und Rübenanbauer im Blickpunkt einer Zufriedenheitsuntersuchung Im Zusammenhang mit der Untersuchung von Kundenzufriedenheit gibt es seit langem Befragungen der Verbraucher und Kunden sowohl durch Unternehmen als auch durch Institute und Verbände. In Zusammenarbeit mit Nordzucker hat die Universität Göttingen, Institut für Agrarökonomie, erstmalig eine Befragung durchgeführt, die sich mit der Zufriedenheit der Aktionäre und Rübenlieferanten mit Nordzucker auseinandersetzt. Ziele der Nordzucker waren, die Kenntnisse über Rübenanbauer und Aktionäre auszubauen und eine neutrale Messgröße für das Nordzucker-Image in der Landwirtschaft zu gewinnen. Auf dieser Grundlage lässt sich der Kontakt und der Austausch mit den Rübenanbauern und Aktionären gezielt verbessern. Die Rübenanbauer unterhalten eine für die allgemeine Wirtschaft ungewöhnliche Geschäftsbeziehung zur Nordzucker AG, da die Landwirte in der Regel Rohstofflieferanten und Aktionäre zugleich sind. Befragt wurden nur Aktionäre, die gleichzeitig Rübenlieferanten sind und somit zwei Rollen innerhalb der Nordzucker haben. Im Winter 2003/04 befragten 50 Studenten des Göttinger Instituts 270 Landwirte in allen Rübenanbauregionen Norddeutschlands nach ihrer Zufriedenheit mit Nordzucker. Ergebnisse: Fragt man die Landwirte direkt nach ihrer Zufriedenheit mit dem Unternehmen, stimmen 73 Prozent der Befragten der Aussage "Mit dem Unternehmen Nordzucker bin ich insgesamt zufrieden" zu. Im Gegensatz dazu haben nur drei Prozent angegeben, unzufrieden zu sein. Unterteilt man diese Zufriedenheit in den Anbauer- und Aktionärsbereich, wird deutlich, dass die Zuckerrübenlieferbeziehung besonders positiv beurteilt wird. Hier haben 77 Prozent der befragten Landwirte angekreuzt, dass sie zufrieden sind.

Aus der Sicht des Anteilseigners haben 60 Prozent Zufriedenheit signalisiert. Wenn die Nordzucker AG anhand von Schulnoten bewertet werden soll, dann geben 40 Prozent die Note "gut", 45 Prozent haben sich für ein "befriedigend" entschieden. Demzufolge sind die Befragten gegenüber dem Unternehmen überwiegend positiv eingestellt. Neben dem positiven Gesamteindruck gibt es auch Bereiche, in denen die Nordzucker die Zufriedenheit der Rübenanbauer noch verbessern kann. Diese Potenziale können anhand des Vergleichs zwischen erwarteter Leistung der Landwirte und ihrer empfundenen Zufriedenheit mit einzelnen Aspekten der Geschäftsbeziehung ausgemacht werden. Dazu wurden die Rübenanbauer zunächst nach der Wichtigkeit einzelner Themen gefragt (Soll). Anschließend hatten sie zu beurteilen, wie zufrieden sie tatsächlich damit sind (Ist). Die Abweichung zwischen erwarteter Leistung und Erfüllung durch das Unternehmen wird durch die Lücke (vgl. Abb. 1 u. 2, S. 18), die sich zwischen den beiden Kurven befindet, angezeigt. In den Bereichen, in denen die Kurven besonders weit auseinander gehen, gibt es Verbesserungspotenzial.

Prof. Dr. Achim Spiller (Universität Göttingen)

Anbauberatung und Saatgutbestellung - top! Für den Bereich des Rübenanbaus werden die Ergebnisse in Abbildung 1 dargestellt. Besonders hervorzuheben ist, dass nahezu alle Werte über Null, d.h. im oberen Bereich liegen. Fortsetzung auf Seite 22 Ω

Im Vorfeld der Befragung informierten sich die Studenten über Nordzucker in der Zuckerfabrik Clauen.

AKZENTE 2/2004

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AKTUELL AKTUELL

Fortsetzung: Gute Noten für Nordzucker / Zufriedenheitsuntersuchung Auch daraus lässt sich auf eine hohe Zufriedenheit der Rübenanbauer und Aktionäre schließen.

Abb. 1 - Vergleich zwischen erwarteter Leistung und Erfüllung durch Nordzucker (Rübenanbauer) +2

Mittelwerte

+1 0 -1 Soll

Ist

Soll: Ist:

Höhe des Rübenentgeldes

Rechtzeitige Informationen bei Problemen in der Fabrik

Kooperatives Verhältnis zum Unternehmen

Möglichkeiten zu Beschwerden

Saatbestellung

Organisation der Rübenmiete

Anbauberatung

-2

-2 = sehr unwichtig; -1 = unwichtig; 0 = teils-teils; 1 = wichtig; 2 = sehr wichtig -2 = komplett enttäuschend; -1 = gerade noch akzeptabel; 0 = durchschnittlich; 1 = wie gewünscht, 2 = exzellent

Abb. 2 - Vergleich zwischen erwarteter Leistung und Erfüllung durch Nordzucker (Aktionäre) +2

Mittelwerte

+1 0 -1 Soll

Ist

Soll: Ist:

NordzuckerAktie als Möglichkeit der Geldanlage

Ausbau der Marke „Nordzucker”

Informationen zur Geschäftsentwicklung

Ehrliche Informationen in allen Bereichen

Dialog zwischen Aktionär und Unternehmen

Durchsetzung landw. Interessen

-2

-2 = sehr unwichtig; -1 = unwichtig; 0 = teils-teils; 1 = wichtig; 2 = sehr wichtig -2 = komplett enttäuschend; -1 = gerade noch akzeptabel; 0 = durchschnittlich; 1 = wie gewünscht, 2 = exzellent

Aus dem Vergleich der Kurven ist ersichtlich, dass die Abweichungen bei der Anbauberatung und der Saatgutbestellung minimal sind. Hier sind die Rübenanbauer also mit der Nordzucker AG voll zufrieden. Auch bei der Organisation der Rübenanfuhr sehen die Mehrzahl der Befragten (67 Prozent) wenig Verbesserungspotenzial. Schwächer fällt die Beurteilung der Möglichkeit zu Beschwerden aus, die 38 Prozent als "durchschnittlich" bewerten. Das kooperative Verhältnis zwischen den Rübenanbauern und dem Unternehmen kann ebenfalls verbessert werden, weil es 42 Prozent nur für "durchschnittlich" halten.

Schnelle Information ist wichtig Größer ist die Lücke bei der Informationsweitergabe im Fall von Problemen in der Fabrik. In diesem Bereich bekunden 20 Prozent der Befragten Unzufriedenheit. Die sehr drastische Lücke bei der Zufriedenheit mit der Höhe des Rübengeldes kann mit einem Augenzwinkern gesehen werden. Niemand behauptet, er würde genug Geld verdienen. Die gleiche Untersuchungsmethode wurde für den Aktionärsbereich angewendet (s. Abb. 2). Interessenvertretung stärken Die Landwirte sehen die Aktien der Nordzucker AG und ihrer Holdinggesellschaften eher nicht als Geldanlagemöglichkeit. Dies hängt auch mit der historischen Entwicklung des Unternehmens zusammen. Viele Aktien wurden von den jetzigen Aktionären nicht erworben, sondern von

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AKZENTE 2/2004

der vorherigen Generation geerbt. Bei der Betrachtung des Soll/Ist-Vergleiches zeigt sich die größte Lücke bei der Durchsetzung landwirtschaftlicher Interessen, die 57 Prozent als "sehr wichtig" beurteilen, mit der aber nur 19 Prozent zufrieden sind. Der Dialog zwischen Aktionären und Unternehmen wird von der Hälfte der Befragten als "durchschnittlich" bewertet, wobei dieser Bereich gleichzeitig als wichtig gilt, wie 90 Prozent meinen. Klare Kommunikation ausbauen Ebenso bedeutsam sind den Aktionären ehrliche Informationen vom Unternehmen, wobei nur 28 Prozent mit der derzeitigen Informationsvermittlung durch das Unternehmen zufrieden sind. Die Informationen, die das Unternehmen zur Geschäftsentwicklung vermittelt, stellen 52 Prozent zufrieden. Schließlich wurden die Aktionäre um eine Beurteilung des bisherigen Ausbaus der Marke "Nordzucker" gebeten. Die Lücke ist in diesem Bereich geringer, als bei den übrigen untersuchten Aspekten. Den Ausbau der Marke bewerten 85 Prozent als wichtig, 46 Prozent sind damit zufrieden. Zusammenfassend zeigt sich, dass die Nordzucker AG sehr positiv bewertet wird. In Teilbereichen, z. B. dem Dialog zum Aktionär, können allerdings noch Verbesserungen vorgenommen werden. Prof. Dr. Achim Spiller, Institut für Agrarökonomie, Universität Göttingen

Zur Verbesserung der Kommunikation mit der für uns wichtigsten Zielgruppe, den Aktionären und Rübenanbauern, sind wir mit der Uni Göttingen einen neuen Schritt gegangen. Die Ergebnisse dieser Befragung zeigen konkrete Verbesserungspotenziale und bieten gleichzeitig eine neutrale Messgröße für mögliche künftige Einsätze dieses "Stimmungsbarometers". Offenheit, Transparenz und verlässliche, zeitnahe Informationen sind Grundstein für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Die hier gefundenen Ansätze setzen wir ein, um unsere Kommunikation vom Vorstand über das Rübenmanagement zum Rübenanbauer und Aktionär weiter zu verbessern. Gerald Dohme


AKTUELL AKTUELL

EU-Lebensmittelhygieneverordnung – schon ab der Ernte 2006? Seit 1998 ist die nationale Lebensmittelhygieneverordnung in Kraft, die allgemeine Anforderungen an Lebensmittel herstellende Betriebe regelt. Diese wurde nun revidiert. Ziel der neuen Verordnung ist größere Sicherheit der Lebensmittel und somit ein höherer Schutz für menschliches Leben und Gesundheit. Zudem soll jeder Lebensmittelunternehmer in der gesamten Lebensmittelkette in die Verantwortung genommen werden. So finden sich in diesem Vorschlag erstmals hygienische Anforderungen an die Primärproduktion. Angefangen von Transport, Beförderung und Lagerung der Primärprodukte bis hin zum Verkauf ab Hof bzw. Transport zur weiterverarbeitenden Industrie. Die neue EU-Lebensmittelhygieneverordnung tritt am 01.01.06 in Kraft und ist damit unmittelbar in allen Mitgliedsstaaten der EU gültig. Maßnahmenkatalog mit umfangreichen Vorschriften Bis dahin müssen Lebensmittelunternehmer, die Pflanzenerzeugnisse herstellen oder ernten, die jeweils angemessenen Maßnahmen treffen: Ω Verhindern einer nachteiligen Beeinflussung der Produkte, dazu zählen Kontamination durch Luft, Wasser, Boden, Düngung und Einsatz von Pestiziden. Ω Korrektes Verwenden von Pflanzenschutzmitteln und Bioziden nach einschlägigen Vorschriften Ω Bei der Erzeugung von tierischen Lebensmitteln: Anforderungen hinsichtlich des Einsatzes von Tierarzneimitteln Ω Reinigen und gegebenenfalls Desinfizieren von Anlagen, Ausrüstungen, Behältern, Transportkisten und Fahrzeugen, die in Kontakt mit den Primärerzeugnissen kommen. Um eine nachteilige Beeinflussung zu vermeiden, sollte hier sauberes Wasser bzw. Trinkwasser verwendet werden. Ω Personal, das mit den Erzeugnissen in Kontakt kommt, muss gesund sein und in Sachen Gesundheitsrisiken geschult sein (Personalhygiene). DBV-Basisdokumentationssystem zur Orientierung Über alle getroffenen Maßnahmen ist Buch zu führen. Hilfreich hierfür ist das Basisdokumentationssystem des Deutschen Bauernverbands (DBV), in dem Schlagkarteien (Ackerschlagkartei), Lagerdokumentation (inkl. Produktsicherungsmaßnahmen, wie auch Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen) und die Transportdokumentation abgebildet sind.

Laut Begründungstext des Verordnungsvorschlags soll auf die Einführung der HACCPGrundsätze (=Hazard analysis of critical control point, also eine Risikoanalyse aller kritischen Punkte) für die Primärproduktion hingewirkt werden, es besteht allerdings noch keine Verpflichtung diese umzusetzen. Marion Schaefer

Auszug aus der EG-Verordnung Nr. 852/2004 (Anhang I Primärproduktion) vom 29. April 2004 über Lebensmittelhygiene Lebensmittelunternehmer, die Pflanzenerzeugnisse erzeugen oder ernten, müssen die jeweils angemessenen Maßnahmen treffen, um a) die Anlagen, Ausrüstungen, Behälter, Transportkisten, Fahrzeuge und Schiffe zu reinigen und erforderlichenfalls nach der Reinigung in geeigneter Weise zu desinfizieren; b) erforderlichenfalls hygienische Produktions-, Transport- und Lagerbedingungen für die Pflanzenerzeugnisse sowie deren Sauberkeit sicherzustellen; c) erforderlichenfalls zur Vermeidung von Kontaminationen Trinkwasser oder sauberes Wasser zu verwenden; d) sicherzustellen, dass das an der Behandlung von Lebensmitteln beteiligte Personal gesund und in Bezug auf Gesundheitsrisiken geschult ist; e) Kontaminationen durch Tiere und Schädlinge so weit wie möglich zu verhindern; f) Abfälle und gefährliche Stoffe so zu lagern und so damit umzugehen, dass eine Kontamination verhindert wird; g) die Ergebnisse einschlägiger Analysen von Pflanzenmaterialproben oder sonstiger Proben, die für die menschliche Gesundheit von Belang sind, zu berücksichtigen und h) Pflanzenschutzmittel und Biozide nach den einschlägigen Vorschriften korrekt zu verwenden.

Standort Schleswig – Abwicklung läuft planmäßig Die Abwicklung des Standorts Schleswig läuft wie geplant ab. Im Zeitablauf sind die Demontage für Mitte 2005 und der Abbruch mit der Sanierung bis Ende 2006 vorgesehen. Die seit Juni 2003 laufenden Verkaufsverhandlungen mit dem möglichen Investor Rainer Blachetta führten zu keinem Ergebnis im Rahmen einer direkten Nachnutzung des Standortes Schleswig. In Abstimmung mit den zuständigen Behörden und dem Bürgermeister der Stadt Schleswig wird dieser Weg nun nicht mehr weiter verfolgt. Uve Bonneß

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AKTUELL AKTUELL

Deutscher Ehrgeiz in Sachen Kyoto-Protokoll Emissionshandel kommt Nordzucker teuer zu stehen Auf der Konferenz von Kyoto haben sich die Industrieländer 1997 weltweit verpflichtet, den Ausstoß an Treibhausgasen im Zeitraum bis 2012 um fünf Prozent zu senken und eine festgelegte Obergrenze nicht zu überschreiten. Abhängig von den Ergebnissen der Klimaforschung soll der weltweite Ausstoß in den folgenden Jahrzehnten weiter reduziert werden. Die Europäische Union hat das Protokoll von Kyoto am 31.05.2002 genehmigt. Um das Ziel zu erreichen, haben die Länder der Europäischen Union für den Zeitraum bis 2012 jeweils eigene Obergrenzen festgelegt.

Abb. 1 - Klimaschutz-Fahrplan

für das 21. Jahrhundert Prozent

100 50 0

Treibhausgas-Emissionsziel 1990

2000

2008-12

+/- 0 % in Industrieländern (lt. Konvention)

2020

2050

-8 % in EU -30 % in EU (laut EU-40 % in D Richtlinie) (Koalitions-5 % in vereinbarung Industrievon 2002) ländern -20 % in IL (lt. Kyoto) (WBGU 2003)

2100

Deshalb legte die EU 2001 einen neuen Richtlinienvorschlag zum Handeln mit Emissionen vor. Diese Richtlinie sieht die Bildung eines gemeinsamen Emissionsmarktes für den Handel mit Treibhausgasen innerhalb der EU vor, um in der Zukunft die Emissionsreduktionsrate zu sichern. Ziel ist es, die klimapolitischen Aktivitäten der EU zu intensivieren und damit die Zusagen des Kyoto-Protokolls abzusichern. Dabei sollen über das Instrument des Emissionshandels Minderungen dort erfolgen, wo die Vermeidungskosten am niedrigsten sind.

-60 % in EU (fordert u.a. brit. Regierung) -75 bis 80 % in Industrieländern -50 % weltweit (fordert u.a. frz. Regierung)

Abb. 2 - Obergrenzen der einzelnen Länder

(Burden Sharing) • Verpflichtung der EU zur gemeinsamen Zielerreichung • Innerhalb der EU wurde eine Einigung bezüglich der internen Lasten getroffen • Nach diesem sogenannten “burden sharing” soll Deutschland >3/4 der Netto Emissionsminderung der EU leisten; der Anteil an den CO2-Emissionen im Basisjahr 1990 betrug <1/3 der EU-Emission D

A

B

DK

E

F

I

NL

-21% -13% -7,5% -21% -15% 0% -6,5% -6%

S

GB

Bis 2012 sollen die Emissionen in Europa um acht Prozent reduziert werden (Abb. 1). Deutschland will wegen der Effekte, die aus der Vereinigung resultieren, den Löwenanteil übernehmen und sogar um 21 Prozent senken, während Spanien seine Emissionen um 15 Prozent erhöhen darf und die Emissionen in Frankreich unverändert bleiben können. Wenn man die tatsächlich eingetretenen Minderungen bis zum Jahr 2000 betrachtet, so haben bisher nur Deutschland, Frankreich, Schweden und Großbritannien die angestrebten Ziele erreicht (Abb. 2).

EU

-4% -12,5% -8%

Entwicklung der tatsächlichen Emmisionsminderungen der EU 1990-2000 -19,1% 2,7% 6,3% -1,7% -33,7% -1,7% 0,7% 2,6% -1,9% -12,6% -3,5% Nur D, S, F und GB erreichen die angestrebten Ziele.

Start in den Emissionshandel ab Januar 2005 Diese sogenannte Emissionshandelsrichtlinie wurde am 13.10.2003 in Brüssel verabschiedet. Sie beschreibt ein System für den Handel mit Treibhausgasemissionszertifikaten für alle Länder der EU. Die Vorbereitungen zum Start am 1. Januar 2005 laufen in allen Ländern auf Hochtouren.

Abb. 3 - Klimaschutzleistungen Zuckerindustrie incl. Trocknung Zuckerindustrie

Industrie (ET)

Energie

1

eigene Erhebung

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AKZENTE 2/2004

Jahr 1990 2001 Minderung: 41,8% 1990 2001 Minderung: 30,4% 1990 2001 Minderung: 15,9% 2

CO2-Emissionen 4,7 Mio. t/a1 2,7 Mio. t/a1 Nordzucker 43,5% 197 Mio. t/a2 137 Mio. t/a2 439 Mio. t/a2 369 Mio. t/a2

NAP Kabinettbeschluss vom 31.3.2004

Die Betreiber der betroffenen Anlagen erhalten ein festgelegtes Kontingent an Emissionszertifikaten und können dann entscheiden, ob sie die fehlenden Zertifikate zukaufen oder Emissionen mindern. Ein nationaler Zuteilungsplan (Allokationsplan) regelt jeweils die Verteilung der CO2-Zertifikate an die Unternehmen. Dieser Plan musste der Europäischen Union von der Bundesregierung spätestens bis zum 31.03.04 zur Genehmigung (Notifizierung) vorgelegt werden. Die


AKTUELL AKTUELL

nationalen Gesetze sollen im Juli verabschiedet werden.

ist die Übertragbarkeit von Zertifikaten innerhalb eines Unternehmens.

Gewerbe, Handel und Haushalte bleiben unberücksichtigt

Nordzucker stand und steht im Dialog mit den politischen Entscheidungsträgern, die unser Anliegen tatkräftig unterstützen. Wir werden auch weiterhin an einer guten Lösung mitarbeiten.

Vom Emissionshandel hauptsächlich betroffen sind die Bereiche Energieerzeugung und Industrie, die Sektoren Gewerbe und Handel und Haushalte bleiben weitgehend unberücksichtigt. Die Emissionen aus dem Verkehrssektor haben zugenommen. Abbildung 3 zeigt die Minderungsleistungen, die die betroffenen Bereiche bereits seit 1990 erbracht haben. Die Unternehmen der Zuckerindustrie, die als einzige Branche der Ernährungsindustrie erfolgreich an der Klimaschutzvereinbarung der deutschen Wirtschaft teilnehmen, haben durch eine Selbstverpflichtung zugesagt, ihre Emissionen von 1990 bis 2008/2012 um 41 Prozent zu senken. Trotz Übererfüllung muss Nordzucker Zertifikate zukaufen Nordzucker hat seit 1990 die internationale Forderung des Kyoto-Protokolls intensiv umgesetzt und als Vorreiter in der Zuckerindustrie dieses Ziel bereits heute deutlich überschritten. Nordzucker erreichte eine Minderung der CO2-Emissionen um 43,5 Prozent (deutsche Zuckerindustrie: 41,8). Diese Anstrengungen sind beispielhaft. Als wesentliche Grundlage für die Zuteilung der Zertifikate gelten die Ist-Emissionen der betroffenen Anlagen. Die für den Basiszeitraum 2000 bis 2002 ermittelten CO2-Mengen sollen dann wegen der ehrgeizigen Sparziele der Bundesregierung nicht vollständig, sondern nur zu 97 Prozent zugeteilt werden. Das heißt, obwohl Nordzucker das Minderungsziel bis 2012 bereits jetzt deutlich überschritten hat, sollen nicht alle für den derzeitigen Betrieb erforderlichen Zertifikate ausgegeben werden und Nordzucker wird die fehlenden Zertifikate zukaufen müssen. Umstritten – Anerkennung von Vorleistungen Fraglich ist auch, ob die in den letzten Jahren von der Zuckerindustrie ergriffenen frühen Maßnahmen (die sogenannten Early Actions) im Nationalen Allokationsplan (BMU) anerkannt werden. Zur Zeit sollen Vorleistungen vor 1994 unberücksichtigt bleiben. Diese "Early Actions" mit den frühen kapitalintensiven Umweltinvestitionen würden dann im nachhinein bestraft. Ein weiteres Problem

Dr. Ute Poltrock

Wechsel im Rübenmanagement Wilhelm Lammers (li.), Manager Rübenmanagement in Braunschweig, hat sich nach langjähriger, intensiver Arbeit für Nordzucker Anfang Juni 2004 aus dem aktiven Dienst verabschiedet. Der gelernte und studierte Landwirt wurde 1981, nach ersten Berufsjahren bei Landhandel und Genossenschaft Rübenbüroleiter der Zuckerfabrik Süderdithmarschen AG, St. Michaelisdonn. In Vorbereitung der Fusion zur Zuckerverbund Nord AG begann Lammers mit der Neustrukturierung von Abrechnung und Disposition für damals 21 Werke und Annahmestellen im ZVN-Gebiet. Als Abteilungsleiter für Rübenabrechnung und -disposition verantwortete er ab 1991 in Braunschweig den Aufbau neuer einheitlicher Systeme. Dort waren die zum Teil sehr unterschiedlichen Abrechnungssysteme der Altgesellschaften zu vereinheitlichen, die Rübenabrechnung zu modernisieren, Lieferverträge und Branchenvereinbarungen mitzugestalten und die Fusion zur Nordzucker AG 1997 aktiv zu begleiten. Kaum ein anderer hat in dieser Nähe die Fusion zur Nordzucker AG miterlebt und mitgestaltet. Lammers Nachfolge als Manager in Braunschweig tritt Claus Pommerehne (re.) an. 1994 als Mitarbeiter der Nordtransport Speditionsgesellschaft mbH eingestiegen, wechselte er nach kurzem Zwischenstopp als Anbauberater in Clauen 1999 als Rübenbüroleiter in das Werk Klein Wanzleben. Nach fünf Jahren erfolgreicher Arbeit, Umstrukturierung und Neuordnung der Rübentransporte, Entwicklung und Einführung des Systems MIR, ist der Wechsel als Manager nach Braunschweig für ihn eine neue Herausforderung. Gutes Gelingen können wir da nur wünschen. Mit dem Wechsel Claus Pommerehnes nach Braunschweig eröffnet sich für Axel Schönecker als früherem Mitarbeiter der Zuckerfabrik Altmark Haldensleben und jetzt Klein Wanzleben die Möglichkeit in die Nachfolge einzutreten. Viel Glück und ein gutes Händchen wünschen wir, zumal – und das wird eine große Aufgabe sein – als Manager in Klein Wanzleben das Büro, mit einem Mitarbeiter weniger, kundenfreundlich und umfassend zu organisieren ist. Jochen Steinhagen

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AKTUELL AKTUELL

Flüssigzuckerwerk Nordstemmen ist Sieger Ideenbörse Die Mitarbeiter im Flüssigzuckerwerk Nordstemmen sind Sieger des jährlichen Standortvergleichs. Mit einem Ideenbörsenindex von 95,2 Prozent (angenommene Vorschläge / 100 Mitarbeiter) haben sie die anderen Standorte auf die Plätze verwiesen. Die 42 Mitarbeiter haben in den vergangenen zwölf Monaten 56 Vorschläge eingereicht, von denen 40 angenommen werden konnten. Damit hat jeder Mitarbeiter 1,3 Vorschläge eingereicht. 93 Prozent der vorgeschlagenen Ideen sind heute Realität. Im Focus der angenommenen Vorschläge stand neben der Arbeitssicherheit Produktqualität und Wirtschaftlichkeit. Insgesamt konnten hier durch Optimierung von Produktions- und Instandhaltungsprozessen im Jahr 2003 ca. 54.000 Euro eingespart werden. Gute Ideen sparten 2003 insgesamt 339.000 Euro In 2003 wurden im gesamten Unternehmen 1109 Ideen eingereicht. Das entspricht einer Mitarbeiterbeteiligung von 72,2 Prozent (BSC-Ziel = 100 Prozent). 502 Vorschläge wurden von dem jeweiligen Vor-

gesetzten positiv beurteilt. Mit einem Ideenbörsenindex von 33,4 Prozent wurde das Ziel von 50 Prozent leider nicht erreicht. Bereits 69 Prozent dieser Vorschläge wurden umgesetzt und gehören heute zum Alltag im Unternehmen. Neben Verbesserungen im Rahmen der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes, der Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit wurden hauptsächlich Themen zur Optimierung von Produktions- und Instandhaltungsprozessen angesprochen. Allein das Jahr 2003 brachte dem Unternehmen eine Nettoersparnis von ca. 153.000 Euro. Das hier vereinbarte Ziel (150.000 Euro) wurde erreicht. Durch Vorschläge mit wiederkehrendem Nutzen aus den Jahren 2000, 2001 und 2002 wurden zusätzlich ca. 186.000 Euro eingespart (Summe 2003: 339.000 Euro). Anne-Kathrin Rohde

Keine Rüben mehr für Hatvan – Nordzucker konzentriert Rübenverarbeitung in Ungarn auf zwei Standorte Nach der Übernahme von drei Zuckerfabriken 2003 konzentriert Nordzucker die Rübenverarbeitung in Ungarn auf die Standorte Szerencs und Szolnok. Der Vorstand der Mátra Cukor Rt., Hatvan, an der Nordzucker rund 95 Prozent der Anteile hält, hat am 29. März 2004 beschlossen, die Zuckergewinnung in der Zuckerfabrik Hatvan mit sofortiger Wirkung einzustellen. Entsprechende Verhandlungen mit dem Betriebsrat und den beiden Gewerkschaften konnten am 24. März erfolgreich abgeschlossen werden. Die 60 Kilometer östlich von Budapest gelegene Fabrik Hatvan wird nach Angaben von Nordzucker-Manager Werner Küster künftig nur noch Zuckersorten und Kleinpackungen produzieren. Nordzucker erreicht damit eine deutlich verbesserte Auslastung der verbleibenden Fabriken. Für die bevorstehende erste EU-Kampagne in Ungarn 26

AKZENTE 2/2004

rechnet das Unternehmen mit einer Verarbeitungsdauer für A-Rüben von 88 Tagen. Bisher wurden in den ungarischen Nordzucker-Werken Kampagnelängen von 55 bis 65 Tagen erreicht. Durch die Einstellung der Rübenverarbeitung in Hatvan verlieren etwa 115 Mitarbeiter zum 01. Mai ihren Arbeitsplatz. Weitere Anpassungen des Personalbedarfs auch in Szerencs und Szolnok sind in den kommenden Monaten vorgesehen. sdp


AKTUELL AKTUELL

Bioethanol – Die Unwägbarkeiten sind zu groß für ein 120-Millionen-Projekt Die Diskussion um die Produktion von Biokraftstoffen beschäftigt die norddeutsche Zuckerindustrie seit fast 20 Jahren. Die Sinnhaftigkeit der kombinierten Produktion von Ethanol und Zucker an einem Standort wird in Brasilien und Frankreich bewiesen. Die Produktion auf Getreidebasis existiert in den USA, Schweden und Spanien. In Deutschland war die Produktion von Rapsmethylester der Einstieg in die Biokraftstoffproduktion. Hehre EU-Ziele für NaWaRo Die EU hat 1997 in Ihrem Weißbuch einen Anteil von 20 Prozent erneuerbarer Energie am Energieverbrauch bis zum Jahr 2020 gefordert. Deutschland hat sich im Kyotoprotokoll zu einer Reduktion des CO2-Ausstoßes um 170 Millionen Tonnen bis 2010 bekannt. Dazu müssen 2010 5,75 Prozent oder 2.750 Millionen Tonnen des Treibstoffes aus Nachwachsenden Rohstoffen (NaWaRo) stammen. Darüber hinaus sollen die Energieversorgungssicherheit und der Erhalt des ländlichen Raums in Europa gefördert werden. Um die Jahreswende 2004/05 werden im Markt erste in Deutschland produzierte Mengen beigemischt werden. Umfassende Potenzialanalyse Nordzucker hat die unternehmerischen Potenziale und politischen sowie wirtschaftlichen Risiken zwei Jahre lang intensiv untersucht und ein Konzept für eine parallele Produktion von Zucker und Bioethanol aus verschiedenen Rohstoffen – hauptsächlich Getreide – am Standort Klein Wanzleben mit der Vermarktung von 200.000 Tonnen Bioethanol pro Jahr erstellt. Nur der preiswerteste Rohstoff käme in Frage Als Rohstoffe für die Produktion von Bioethanol kommen stärkehaltige (Getreide) und zuckerhaltige (Zuckerrübe) Feldfrüchte in Betracht. Die Rohstoffkosten betragen 50 Prozent der Gesamtkosten der Produktion. Somit könnte eine Be-

zahlung nur nach dem Umwandlungspotential in Ethanol erfolgen. In Konkurrenz zu brasilianischem Alkohol müsste daher EU-weit der preiswerteste Rohstoff gewählt werden. Für Zuckerrüben bedeutet dies bei den derzeitigen Getreidepreisen einen Preis pro Tonne Zuckerrüben von weit unter 20 Euro je Tonne Rüben frei Fabrik. Konzentration aller Kräfte auf Kompetenz in Süße Günter Jakobiak

Der nicht erreichte Beimischungszwang für die Mineraloelindustrie, die Befristung der 100prozentigen Steuerbefreiung auf 2009 sowie die jährliche Überprüfung der Höhe durch das Bundesministerium für Finanzen, die laufenden Mercosur- und WTO-Verhandlungen (zusätzliche Importe aus Brasilien in Höhe von 1 Million Tonnen und mögliche Reduzierungen des jetzigen Einfuhrzolls von 19,2 Eurocent je Liter Ethanol) sowie die Diskussionen um die Verlängerung der Zuckermarktordnung bergen derzeit große Risiken für ein 120 MillionenEuro-Projekt. Für die Nordzucker ist die Konzentration aller Kräfte auf den Ausbau des Kerngeschäftes Kompetenz in Süße vorrangig. Vor dem Einstieg in den neuen Markt der biogenen Kraftstoffe müssen wir unser Know How und unsere Ressourcen auf den Bereich der Süßungsmittel konzentrieren. Hier ist Nordzucker mit Joint Ventures bei Syral und SweetGredients bereits erfolgreich gestartet. Weitere Produkte und Engagements werden folgen. Der Mark für kalorienarme und blutzuckerneutrale Süße sowie pro- und prebiotische Stoffe beginnt sich in USA, Asien und Europa gerade erst zu entwickeln. Hier wird Nordzucker seine Position ausbauen. Günter Jakobiak, Klaus-Holger Dunker

Klaus-Holger Dunker (u.li.): Die Fabrik Bioethanol Galicia gehört zur spanischen Unternehmensgruppe Abengoa. Verarbeitet wird Getreide. Bioethanol ist in Spanien steuerbefreit und der Absatz ist durch feste Verträge mit der Mineralölindustrie vereinbart. (u.re.):“US-Energy” Ethanolanlage in Russel, Kansas, USA. Rohstoff ist hier Mais und Sorgum. In den USA gibt es derzeit etwa 75 Ethanolfabriken, die staatlich gefördert etwa 10,5 Millionen m3 Ethanol produzieren.

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RÜBE RÜBE

Rübenanbau 2004 2003 hörte sich das – im nachhinein – so an: Gute Frostgare, ausreichend Bodenfeuchtigkeit, frühe Aussaat, zügiger Auflauf, gute Bestandsdichten, früher Reihenschluss ... aber die Trockenheit. Und dann wurde es dank rechtzeitiger Niederschläge und spätem Kampagnebeginn noch eine Rekordernte.

2004 wird, von Ausnahmen abgesehen, von einer insgesamt guten Frostgare berichtet. Die Bodenfeuchtigkeit aus dem Winter ist ebenfalls ausreichend und um die Monatswende März/April 2004 wurden etwa 70 Prozent der Rüben im Nordzucker-Einzugsgebiet gesät. Danach gab es noch einmal

ergiebige Niederschläge, so dass die Aussaat erst um den 20. April abgeschlossen werden konnte. Der Verlauf dieser Aussaat ist jedoch im Vergleich der Jahre als mittel bis früh zu verzeichnen. Regional gab es zwar einige Schäden durch Mäusefraß, sowie vereinzelt Probleme mit dem Feldaufgang durch Verschlämmung und Saatgutqualität. Durchschnittlich entwickelten sich jedoch Bestandesdichten von 80.000 90.000 Pflanzen pro Hektar. Unwetter Anfang Mai mit Niederschlägen bis zu 95 Millimeter in einer Nacht blieben regional begrenzt - auch unter diesen extremen Bedingungen zeigte sich die Vorteilhaftigkeit von Mulchsaaten. Frostschäden waren nicht zu verzeichnen. Durch die kühle Witterung im Mai wurde der Vegetationsvorsprung wieder ausgeglichen, der Reihenschluss zwischen 5. und 20. Juni ist als normal zu bezeichnen. Bislang also gute Voraussetzungen. Aber die Sommerwitterung... Christian Kionka

Kühle Witterung verzögerte das Rübenwachstum

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RÜBE RÜBE

Nach der Schließung Schleswig: Veränderte Rübenströme für die Kampagne 2004 Nach der Schließung des Werkes Schleswig war es nötig, die Rübenströme im Einzugsgebiet der Nordzucker AG für die Kampagne 2004 neu zu ordnen. Auf der Grundlage der frachtgünstigsten Entfernungen wurde entschieden, 120.000 Tonnen schleswig-holsteinische Rüben in Güstrow und 480.000 Tonnen in Uelzen zu verarbeiten. Durch das Ausscheiden von Schleswig reduziert sich die Verarbeitungskapazität innerhalb der Nordzucker AG von 96.900 Tonnen Rüben pro Kampagnetag im Jahr 2003 auf geplante 89.300 Tonnen in der Kampagne 2004. Wie nach allen vorangegangenen Werksschließungen ergeben sich daraus – außer den Änderungen der Rübenströme im betroffenen Gebiet auch Auswirkungen auf alle anderen Einzugsgebiete der Nordzucker-Werke. Insgesamt rechnen wir 2004 für alle Nordzucker-Werke mit einer um etwa sieben Tage längeren Kampagne.

Finanzierungsproblems bei der OHE. Aus wettbewerbsrechtlichen Gründen – das Land Niedersachsen hält eigene Anteile an der OHE – war es der Landesregierung nicht möglich, eine Bürgschaft oder eine Patronatserklärung für die OHE abzugeben. Aus diesem Grund konnte das Rübentransportkonzept mit der Bahn letztendlich nicht verwirklicht werden.

Bahntransport aus Schleswig-Holstein scheiterte an Finanzierung

Kampagne 2004 per LKW unter Einbindung der bisherigen Fuhrunternehmer und bäuerlicher Transportorganisationen sicherstellen.

Jedem Handelnden war bei der Entscheidung, das Werk Schleswig zum Abbau von Überkapazitäten und zur Einsparung von Fixkosten zu schließen, bewusst, dass die durchschnittliche Frachtentfernung für alle NordzuckerRüben steigen würde (wir erwarten eine Steigerung von Ø 39 auf 41 Km). Um den Straßenverkehr zu entlasten und das Nadelöhr Elbtunnel zu umgehen, hatte Nordzucker für den Rübentransport aus Schleswig-Holstein nach Uelzen gemeinsam mit der Osthannoverschen Eisenbahn (OHE) ein umweltbewusstes, zukunftsträchtiges und nachhaltiges Transportkonzept entwickelt. Vorgesehen war die Verlagerung eines wesentlichen Teils der Rübentransporte von der Straße auf die Schiene. Trotz der von der Nordzucker AG gegenüber der Osthannoverschen Eisenbahn abgegebenen Zusage für einen mindestens 5-jährigen Transport festgelegter Rübenmengen, konnte die Osthannoversche Eisenbahn, die sich überwiegend im Eigentum der öffentlichen Hand befindet, leider keinen Finanzierungspartner für dieses zukunftsweisende Transportkonzept finden. Auch direkte Bemühungen der Nordzucker AG bei der niedersächsischen Landesregierung führten leider nicht zu einer Lösung des

Die Nordzucker AG wird nach dieser bedauerlichen Entscheidung den Transport der Zuckerrüben aus Schleswig-Holstein ab der

Landwirte gründen neue Transportgenossenschaft

Im Container über Straße und Schiene ins Werk – das Bahntransportkonzept konnte leider nicht verwirklicht werden

Die vor der Kampagne 2003 mit dem Dachverband Norddeutscher Zuckerrübenanbauer neu abgeschlossene Transportrichtlinie zeigt Möglichkeiten für gewerbliche bäuerliche Fuhrunternehmer auf, wie nach einem vorgegebenem Rahmen, Rübentransporte übernommen werden können. Auf dieser Basis wurde am 14. April 2004 im östlichen Teil Schleswig-Holsteins die Transportgemeinschaft Östliches Hügelland e.G. gegründet. Über 80 Prozent aller Rübenanbauer aus diesem Einzugsgebiet haben ihr Interesse und den Willen bekundet, sich an dieser Transportgenossenschaft zu beteiligen. Die Genossenschaft agiert in einem Einzugsgebiet mit rund 340.000 Tonnen Rüben und wird zunächst in Zusammenarbeit mit den bisherigen Spediteuren die Transporte nach Güstrow und Uelzen übernehmen. An der Westküste von Schleswig-Holstein werden die Rübenanbauer ihre Rüben mit Mietfahrzeugen der Transportgemeinschaft St. Michaelisdonn selbst - wie bisher nach Schleswig – ab 2004 nach Uelzen transportieren. Fortsetzung auf Seite 30 Ω AKZENTE 2/2004

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Fortsetzung: Veränderte Rübenströme für die Kampagne 2004 Änderungen für alle Nicht nur in Schleswig-Holstein sind deutliche Änderungen in den Rübenströmen zu verzeichnen. So ist das Werk Nordstemmen zusätzlich mit Rüben aus den Randgebieten von Munzel, Clauen und Schladen zu versorgen. Klein Wanzleben erhält größere Mengen aus dem Bereich Salzwedel und Schladen. Schladen wird zusätzlich aus dem südlichen

Einzugsgebiet von Wierthe versorgt und Wierthe wiederum aus dem bisherigen südlichen Einzugsgebiet von Uelzen. Clauen erhält als Mengenausgleich Rüben aus dem Grenzbereich zu Wierthe und dem Gebiet um Hermannsburg, während Munzel zusätzlich aus dem Bremervörder Bereich und aus dem Bereich um Soltau versorgt wird. Wilhelm Lammers

MIR System Nordzucker (Modulare Integrierte Rübenlogistik) Auch für die Zuckerrübenproduktion und die damit verbundene Zuckerrübenlogistik steigt der Kostendruck. Die Optimierung in diesem Bereich ist zwingend notwendig. Mit EDV-technischen Hilfsmitteln und einer ausgefeilten Verfahrensweise kann die Organisation der Zuckerrübenlogistik deutlich verbessert und vereinfacht werden. "MIR System Nordzucker” ist ein System zur mobilen und zeitnahen Datenkommunikation zwischen allen Beteiligten an der Zuckerrübenernte- und Transportlogistik. Dieses sind im speziellen der Rübenanbauer, der Zuckerrübenroder, die Zuckerrüben-Liefergemeinschaft, die Rübenverladung und das Rübenbüro der Nordzucker AG.

Datenvernetzung aller Beteiligten an der Zuckerrübenlogistik durch MIR-System Nordzucker

Als Hardware für die Datenkommunikation wird ein PDA (Personal Digital Assistent) eingesetzt, der über Bluetooth die Peripheriegeräte wie Handy, Drucker, GPS-Antenne und Strichcodeleser verbindet. Das Nordzucker EDV-System "SAP" ist das zentrale Element.

Es steuert die Datenkommunikation zwischen den MIR-Beteiligten, die per Email erfolgt. Bereits im Frühjahr nach der Zuckerrübenaussaat wird die Mietenposition zwischen Rübenanbauer und Transporteur vereinbart. Diese Daten werden an Nordzucker gemailt, geprüft und dem Transporteur (Liefergemeinschaft) sowie dem Zuckerrübenroder zur Verfügung gestellt, um mit Hilfe von visualisierten Mietenpositionen in einer digitalen Karte die Kampagneplanung durchführen zu können. Dieses ist eine neue Dimension der geografischen Anfuhrplanung für die Zuckerrübenlogistik. Der Zuckerrübenroder erfasst mit dem Rodecomputer die gerodete Fläche und die Rodemenge und aktualisiert hiermit die Daten für die Rübenverladung. Auf der Lademaus ist ein Ladecomputer installiert, der zur Rübenmiete navigiert, die Rübenfuhre identifiziert und ein Identifikationspapier für das Transportfahrzeug ausdruckt. Für jede Rübenverladung wird die GPS-Koordinate erfasst, sodass die Herkunft der Zuckerrüben eindeutig dokumentiert ist. Spätestens drei Stunden nach dem Abtransport der Rüben kann der Rübenanbauer über den persönlichen Internetzugang bei Nordzucker per Internet seine Lieferdaten abrufen.

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Neue zeitnahe Auswertungsmöglichkeiten Im Nordzucker EDV-System ist "online" zu sehen, wann welcher Roder für welchen Landwirt, welche Rübenmenge gerodet hat. Auch für die äußere Qualität der Zuckerrüben kann vom Roder eine Information abgegeben werden, so dass sich die nachstehenden Prozesse wie Vorreinigung und Verladung sowie die Rübenannahme in der Fabrik darauf einstellen können. Wenn die Zuckerrüben-Rodung Mitte November abgeschlossen ist, kann eine sehr sichere Mengenermittlung der noch am Feldrand lagernden Rübenmengen vorgenommen werden. Sobald ein Schlag fertig verladen ist, meldet dieses der Ladecomputer an das Nordzucker EDV-System. Aufgrund dessen kann "online” eine Schlagauswertung der Erträge erfolgen. Diese zeitnahe Information hilft enorm bei der Einschätzung der tatsächlichen Erträge.

Rückverfolgbarkeit Für jede Rübenfuhre wird eine XY-Koordinate erfasst und dokumentiert. Wo welche Rübenfuhre tatsächlich herstammt, kann exakt durch eine visuelle Auswertung dargestellt werden. Hiermit wird die Lücke im Rahmen der Rückverfolgbarkeit zwischen Rübenschlag und Zuckerfabrik geschlossen. Durch "MIR System Nordzucker” werden die Prozesse Kampagneplanung, Rodung und der Rübentransport optimiert. Durch die zeitnahe und mobile Kommunikation der Beteiligten an der Zuckerrübenlogistik werden unerkannte Optimierungsmöglichkeiten freigesetzt. Wichtig hierbei ist, dass sich ein Kommunikationspartner wie die Nordzucker AG, zur Verfügung stellt, um die KommunikationsPlattform einzurichten und zu betreiben. Claus Pommerehne

Rübentransporte wirtschaftlich gestalten – Anfuhrtarife bis 2005 unverändert Die Tarife für Rübentransporte bleiben im Bereich bis 100 Kilometer für die Kampagnen 2004 und 2005 unverändert. In den entfernteren Regionen werden die Transporttarife gemäß einem kostenorientierten Tarifmodell angepasst, das Nordzucker und der Dachverband Norddeutscher Zuckerrübenanbauer (DNZ) als Grundlage für die Gestaltung von Rübentransporttarifen entwickelt haben. Zunehmender Kostendruck macht es erforderlich, dass Landwirte, Rübentransporteure und Nordzucker Kostensenkungspotenziale identifizieren. Im Bereich der Landwirtschaft ist der Prozess der strukturellen Anpassung seit Jahrzehnten bekannt, mit ständig steigender Geschwindigkeit. Der Strukturwandel im Gebiet der Nordzucker beträgt durchschnittlich vier Prozent pro Jahr. Eine Konzentration auf große Betriebseinheiten ist festzustellen, der Ausbildungsstand der Betriebsleiter steigt und es herrscht ein gegenüber früher neues Bewusstsein der Betriebsleiter. Das zeigt eine steigende Spezialisierung und die straffere Organisation der Betriebe. Überregionale Betriebsgemeinschaften legen Betriebszweige zusammen, die gemeinschaftliche Maschinennutzung ist für diese schon ein alter Hut. Auch beim Rübentransport eine Spezialisierung eingesetzt. Nicht einmal mehr 40 Prozent der Landwirte sind aktiv am Rübentransport beteiligt, sondern lassen diese Dienstleistung von gewerblichen (40 Prozent) oder landwirtschaftlichen (48 Prozent) Organisationen durchführen. In den vergangenen

Jahren hat sich auch die Fahrzeugstruktur verändert: 47 Prozent der Rüben werden durch Rückwärtskipper-Muldenauflieger, 49 Prozent durch selbstkippende Gliederzüge transportiert. Veränderte Rahmenbedingungen werden die Wirtschaftlichkeit der Rübentransporte weiter in den Vordergrund rücken. Die maximale Auslastung der Transportfahrzeuge, d.h. die transportierte Rübenmenge pro Kampagne ist der zentrale Schlüssel zum Erfolg. Folgende Parameter lassen diese Optimierung erreichen: Ω Hohe Ladungsgewichte Die modernste Version von Muldenfahrzeugen erlaubt Ladungsgewichte von rund 28 Tonnen unter Beachtung des zulässigen Gesamtgewichtes von 40 Tonnen. Berechnungen haben ergeben, dass diese Fahrzeuge in allen Entfernungsbereichen im Vorteil sind. Ω Anzahl der Umläufe Die Ausnutzung der Öffnungszeiten der Nordzucker-Rübenhöfe von 24 Stunden und neue Fortsetzung auf Seite 32 Ω AKZENTE 2/2004

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Fortsetzung: Rübentransporte wirtschaftlich gestalten Modelle des Fahrzeugeinsatzes unter Berücksichtigung mehrerer Fahrer ermöglichen Kostenreduzierungen. Dabei ist es im Prinzip unerheblich, ob es sich um landwirtschaftliche Fahrzeuge oder Lkw handelt. Je nach Entfernung spielt natürlich die Geschwindigkeit der Fahrzeuge eine zunehmende Rolle und die Mulden-Lkw sind im Vorteil. Ω Organisationsstruktur in arrondierten Gebieten Die durchschnittliche Menge je Liefergemeinschaft im Nordzucker-Gebiet betrug in der Kampagne 2003 ca. 95.000 Tonnen. Anzustreben sind Größenordnungen von mindestens 120.000 Tonnen. Die optimale Menge kann noch darüber liegen und muss im Einzelfall definiert werden. Sie hängt natürlich auch von der Anzahl der Annahmetage ab. Bei bisherigen Kampagnelängen von 85 - 90 Tagen sind 75 Annahmetage zu verzeichnen (ohne Sonntage). Eine Verlängerung um 10 Tage wird von Nordzucker angestrebt. Ω Optimale Logistik-Konzepte Die Rübendisposition nach dem Prinzip der "vollen Tageskapazitäten" wird bei Nordzucker schon seit einiger Zeit verfolgt. Dabei werden Liefergemeinschaften, Speditionen aber auch Selbstanlieferer mit Mengen aufgefordert, die sie an so wenig Liefertagen wie möglich transportieren. Damit wird ein gleichmäßigeres Anfuhrverhalten an den Liefertagen erreicht, die Abwicklung auf den Rübenhöfen funktioniert reibungsloser und der Rübentransport ist für Transporteure mit geringer Auslastung in einem kürzeren Zeitraum erledigt.

Die Rübenabfuhr mit Hilfe der Modularen Integrierten Rübenlogistik (MIR) ermöglicht die optimale Planung von Rübenabfuhr, Mietenabdeckung und Einsatz des Rübenroders durch genaue Kenntnis der Lage der Rübenschläge bzw. Rübenmieten mit Geo-Koordinaten. Am Bildschirm kann visualisiert werden, welche Rübenmengen an welchen Schlägen lagern und zur Abfuhr bereit sind. Das Auffinden der Rüben stellt für Fahrer mit unzureichender Ortskenntnis keine Schwierigkeit mehr dar und die Transportfahrzeuge lassen sich bedarfsgerecht dirigieren. Ω Geeignete Organisationsform Bei dem zu verzeichnenden Trend der Konzentration ist auch in den landwirtschaftlichen Transportorganisationen die geeignete Rechtsform zu diskutieren. Die Wahl der gewerblichen Organisationsform unter Nachweis eines Fachund Sachkundenachweises kann Erleichterungen bei der Transportabrechnung bringen und vermeidet den unbewussten Konflikt mit gesetzlich geregelten Ausnahmetatbeständen für landwirtschaftliche Rübentransporte. Nordzucker schafft mit der Annahmesituation auf den Rübenhöfen die Voraussetzung für die wirtschaftliche Rübenanfuhr. Die Wirtschaftlichkeit wird in allen Betriebszweigen der Landwirtschaft die entscheidende Frage sein, also auch beim Rübentransport. Die Kampagnen 2004 und 2005 sollten genutzt werden, Strukturen, Auslastungen und Kosten entsprechend anzupassen. Christian Kionka

Landwirte-Portal bei Nordzucker – Nutzen für den Anwender Ab 1.1. 2005 besteht die Pflicht zur Dokumentation der Handlungen, die der Landwirt bei der Produktion von Nahrungsmitteln auf seinem Acker vollzieht. Aber wie an alle Daten kommen und wie alle Abläufe dokumentieren? Nordzucker bietet den Rübenanbauern über das Landwirte-Portal im Internet für den Betriebszweig Zuckerrübenanbau gute Möglichkeiten, z.B. beim Saatgut. Der Online-Shop im Landwirte-Portal bietet die Möglichkeit, das Saatgut zu bestellen. Die Bestellung geht automatisch zum Züchter und wird über einen Paketdienst ausgeliefert. Jede Einheit ist mit einer Kenn-Nummer versehen: Damit kann die Herkunft des Saatgutes auf dem landwirtschaftlichen Betrieb eindeutig dokumentiert und nachvollzogen werden.

Matthias Schulte

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Die Erntedaten des Schlages werden durch "MIR", die Modulare Integrierte Rübenlogistik dokumentiert. Die Schlagdaten werden vor der

Ernte per GPS erfasst und bei der Anlieferung in der Kampagne mit den Rübenwerten (Gewicht, Gesamtabzug, Zuckergehalt, Inhaltsstoffe) zusammengeführt. Daraus ergibt sich die Möglichkeit einer schlagspezifischen Dokumentation. Die Werte können ca. drei Stunden nach Anlieferung im Werk im Portal abgerufen werden. Nachdem alle Rüben eines Schlages abgeliefert sind, kann eine schlagspezifische Auswertung erfolgen. Die Daten können zur weiteren Verarbeitung auf den eigenen PC heruntergeladen Ω


MARKT UND KUNDE MARKT UND KUNDE

werden und als Datei archiviert oder für eine Schlagkartei zur Verfügung gestellt werden. Dadurch ist eine erneute Datenerfassung nicht erforderlich. Das Portal bietet über das "Konteninfo" den Einblick in das Rübenkonto des Anbauers und der aktuelle Stand von Anteilen und Lieferrechten wird angezeigt. Dabei wird ein C-Vortrag ebenso berücksichtigt wie eine mögliche Deklassierung. Für eine Analyse der aktuellen Situation im Vergleich der Jahre sind die jeweiligen Jahresdaten des Betriebs ab 1998 in zusammengefasster Form archiviert. Meldungen aus dem regionalen Rübenmanagement geben nützliche und wichtige Hinweise zu aktuellen Themen. Es geht dabei um Fragen der Produktion, der Anbauberatung aber auch um organisatorische Angelegenheiten,

die bei der Optimierung des Betriebs ebenfalls hilfreich sein können. Nordzucker installiert ein umfassendes Landwirte Portal im Internet, das in das SAPSystem mit allen Daten integriert ist. Die Komplexität und damit die Möglichkeiten, die diese Vernetzung bietet, stellt natürlich hohe Ansprüche an die eingesetzte Hard- und Software. Hier ist das System mit den ersten 700 Anwendern schnell an seine Grenzen gestoßen, so dass manchmal etwas Geduld beim Aufrufen bzw. Herunterladen von Daten erforderlich ist. In nächster Zeit wird die Hardund Software weiter ausgebaut. Verbesserungen in der Bedienerfreundlichkeit, der Geschwindigkeit und der Verwaltung der User machen es dann möglich, weiteren Landwirten den Zutritt zum Landwirte-Portal bei Nordzucker anzubieten. Matthias Schulte

Syral profitiert von steigender Nachfrage nach Stärkeverzuckerungsprodukten Die Nordzucker AG hat im letzten Jahr Ihren Anteil an der französischen Glukosefabrik Syral S.A. auf 50 Prozent erhöht. Im Zuge dieser Erweiterung des Engagements im wachsenden Markt der Stärkeverzuckerungsprodukte übernahm Syral auch den bisher am Standort von Jungbunzlauer s.a. gehaltenen 50-prozentigen Anteil an der Maisstärkefabrik Staral S.A. Damit befinden sich beide Stärkefabriken (Mais und Weizen), die als Rohstofflieferant zur Herstellung von Glukosesirupen benötigt werden, in alleiniger Hand von Syral. Syral produziert heute Glukosesirupe in über 300 Rezepturen, durch Sprühtrocknung hergestellte Maltodextrine und trockene Glukose sowie Dextrose und Sorbit in fester und flüssiger Form. Außerdem werden Nebenprodukte aus Mais und Weizen, reich an Protein und Ölen, zur Verwendung in der Lebensmittelindustrie, wie in Kornmühlen und Bäckereien und in der Futtermittelindustrie verkauft. Syral hat seine Marktanteile in Europa in den vergangenen Jahren kräftig ausgebaut und ist heute mit einem Marktanteil von gut acht Prozent viertgrößter Glukosesiruphersteller in der EU. Ziel des Nordzucker-Engagements und der Aufstockung der Anteile ist es, NordzuckerKunden auch das umfangreiche Sortiment an Stärkeverzuckerungsprodukten anbieten zu können. Durch die enge Zusammenarbeit der

Syrals Position in Europa (EU15) (Glukose Sirup, Dextrose, Maltodextrin, Sorbit, ohne Isoglukose) 1.600.000 t 1.400.000 t 1.200.000 t 1.000.000 t 800.000 t 600.000 t

Dr. Albrecht Schaper, technischer Projektleiter Business Development, Nordzucker AG

400.000 t 200.000 t 0t Cargill Roquette Amylum

Syral

Chamtor Agrana

Quelle: Nordzucker

Entwicklungsabteilung von Syral mit dem Nordzucker InnoCenter können den Kunden Fortsetzung auf Seite 34 Ω AKZENTE 2/2004

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MARKT UND KUNDE MARKT UND KUNDE

Fortsetzung: Syral profitiert von steigender Nachfrage heute verbesserte Rezepturen und Lösungen in Kombination und Ergänzung von Zucker aus Rübe und den Produkten von Syral angeboten werden.

Absatzentwicklung Syral (vor 2003 inklusive Staral) 400.000 t 350.000 t

Die Süßwarenindustrie gehört zu den wichtigsten Kunden von Syral.

Die zukünftige Entwicklung von Syral wird davon geprägt sein, die Marktanteile zu halten und weiter auszubauen. Antworten müssen gefunden werden bzgl. der aufkommenden Diskussion über "Low Carbohydrate" Lebensmittel. Den ersten Schritt, den Markt mit entsprechenden Süßungsmitteln zu beliefern, hat Syral mit seinen Sorbitprodukten schon unter-

300.000 t 250.000 t 200.000 t 150.000 t 100.000 t 50.000 t 0 19971998

19981999

19992000

20002001

20012002

20022003

Quelle: Nordzucker

nommen. Die Diskussion um die Veränderungen in der Zuckermarktordnung verfolgt auch Syral mit großen Interesse, da sich je nach Option auch massive Änderungen für den Stärkemarkt ergeben. Seit 1993 wird am Standort Marckolsheim produziert. Den Anfang machten Rohstoffe für die Fermentationsindustrie. Heute kommen vor allem Glukosesirupe, maltodextrine, Dextrose und Sorbit aus Marckolsheim.

Dr. Albrecht Schaper

Nordzucker-Beteiligung esparma ist verkauft – Strategische Ausrichtung auf Kerngeschäft im Vordergrund Nordzucker AG und Industrie & Handelsunion Dr. Wolfgang Boettger GmbH & CO. KG trennten sich zum 1. Juni 2004 gemeinsam von ihrer Beteiligung am Generika-Unternehmen esparma GmbH in Osterweddingen. Die Hexal-Gruppe, Holzkirchen, übernimmt den Produktionsteil der esparma. Alle Vertriebsaktivitäten gehen an den viertgrößten indischen Pharmakonzern Wockhardt Ltd. Die Arbeitsplätze sind bis 2008 gesichert. Die Genehmigung der Behörden steht noch aus. "Mit den beiden Partnern sind wir sehr zufrieden", bekräftigt der Vorstandsvorsitzende Dr. Ulrich Nöhle. Das stark wachsende GenerikaUnternehmen Hexal betreibt einen Produktionsstandort in Magdeburg in räumlicher Nähe zur esparma und übernimmt 80 der 150 Mitarbeiter. Der indische Pharmakonzern Wockhard Ltd. betreibt den Einstieg in den europäischen Markt, habe sich bereits in anderen europäischen Ländern verstärkt und nutze nun die bestehende esparma-Vertriebsstruktur mit 70 Mitarbeitern. "Für eine positive Entwicklung ist gesorgt. Besser geht es nicht", so Nöhle. "Für Nordzucker ist der Verkauf der mittelbaren Tochtergesellschaft eine strategische 34

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Entscheidung", sagte Nöhle. "Wir setzen auf das Kerngeschäft Zucker und auf die Devise Alles Süße aus einer Hand. Das Süße-Geschäft kennen wir, hier wollen wir auch zukünftig erfolgreich sein". Bereits 1991 übernahmen Nordzucker und die Industrie- und Handelsunion Dr. W. Boettger über die gemeinsame Tochter Amino GmbH das Osterweddinger Unternehmen und modernisierten esparma in mehreren Schritten. Mit dem Firmenneubau 1999 "auf der grünen Wiese" und neuen Präparaten im Bereich Urologika, Neurologika und Antidiabetika ging eine Ausweitung des Vertriebsnetzes einher. Tanja Schneider-Diehl


MARKT UND KUNDE MARKT UND KUNDE

Alle Jahre wieder – Zucker unter Anklage – Mögliche Folgen der WHO-Initiative In den letzten Jahrzehnten ist Übergewicht zu einem der größten Gesundheitsprobleme in den entwickelten Ländern geworden. Der Anteil der übergewichtigen oder fettleibigen Bevölkerung hat sich z.B. in Deutschland in den letzten 15 Jahren verdoppelt. Zur Bekämpfung dieser Entwicklung hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine weltweite Strategie für Diät, körperliche Bewegung und Gesundheit entwickelt. Durch die WHO-Initiative soll der Verzehr von Fett, gesättigten Fettsäuren, Salz und freien Zukkern reduziert werden. Betroffen wäre hiervon nicht nur der Verzehr von Saccharose sondern auch von anderen Zuckerarten wie Fructose und Glucose, ja sogar von Fruchtsaft und Honig. Auch sollen in Schulen nur noch Produkte mit niedrigem Fett-, Salz- und Zukkergehalt angeboten werden. Die Strategie ist am 27. Mai 2004 verabschiedet worden und die Ernährungsempfehlungen sollen national umgesetzt werden. Dies kann z.B. durch Marketingmaßnahmen, Produktkennzeichnung und Werbeaussagen erfolgen, aber auch mittels Preis- und Besteuerungspolitik sowie durch Landwirtschaftspolitik. Eine rechtliche Verpflichtung zur Umsetzung besteht allerdings (noch) nicht.

wieder aufgreift und wenn ja, ob die Verordnung grundlegend überarbeitet wird. Diätwellen aus den USA verschärfen die Problematik Doch damit nicht genug: Aus den USA rollt erneut die Atkins- und low-carb-Diätwelle auf uns zu. Bei beiden Diäten sollen möglichst wenig Kohlenhydrate sowie Obst und Gemüse verzehrt werden, Fett und Eiweiß hingegen sind die Haupternährungsbestandteile. In den USA gibt es bereits die ersten Burger ohne Brötchen. Die Kohlenhydrat-Industrie (u.a. Kartoffelproduzenten aber auch Orangenanbauer) verzeichnen Verluste, Ei- und Fettproduzenten hingegen Gewinne in Millionenhöhe. Es bleibt abzuwarten, wie es weiter geht ...

Auch EU-Vorschläge zur Ernährung Marion Schaefer Parallel zur Entwicklung der WHO-Strategie hat die EU einen Verordnungsvorschlag über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben vorgelegt. Diese Verordnung soll verbieten, dass Lebensmittel, die einen gewissen Anteil an Zuckern (auch hier sind alle Zuckerarten betroffen), Fett, gesättigten Fettsäuren und Salz enthalten, nicht mehr mit nährwert- oder gesundheitsbezogenen Angaben ausgelobt werden dürfen. Das Problem ist, dass dieses sogenannte Nährwertprofil erst bis 18 Monate nach Inkrafttreten der Verordnung festgelegt werden muss und somit derzeit niemand weiß, welche Lebensmittel davon betroffen wären. Sicherlich dürfte man aber vitaminisierte Bonbons nicht mehr mit Aussagen wie "gesunde Vitamine naschen" oder "enthält Vitamin C" kennzeichnen oder bewerben. Die Folge dieser Verordnung wäre möglicherweise ein Verzicht auf die genannten Nährstoffe, also in diesem Fall eine Reduzierung von Zucker unter gleichzeitigem Einsatz von Süßungsmitteln, so dass das Bonbon dann nicht mehr dieser Verordnung unterliegt. Inzwischen hat die EU mitgeteilt, dass aufgrund der vielzähligen Änderungsanträge die weitere Beratung und Abstimmung dieser Verordnung für diese Legislaturperiode der EU eingestellt wird. Es bleibt also abzuwarten, ob die neue EU-Regierung dieses Thema

Weiterführenden Informationen über die WHOStrategie finden Sie unter: http://www.who.int/ gb/ebwha/pdf_files/WHA57/A57_9-en.pdf

WHO (World Health Organization / Weltgesundheitsorganisation) Ernährung: Ω Limitierung von Fettverzehr; weniger gesättigte Fettsäuren; weniger trans-Fettsäuren Ω Förderung der Aufnahme von Früchten, Gemüse, Vollkornprodukten und Nüssen Ω Limitierung der Aufnahme freier Zucker Ω Limitierung der Aufnahme von Kochsalz, Förderung von jodiertem Salz Ω Erreichung eines Energiegleichgewichts zur Gewichtsbeeinflussung Ω Maßnahmen in Bezug auf Marketing, Kennzeichnung und Werbeaussagen, Preis- und Besteuerungspolitik, Landwirtschaftspolitik Ω Schulpolitik: Einschränkung der Verfügbarkeit von Produkten mit hohem Fett-, Zucker- und Salzgehalt Privater Sektor: Ω Limitierung der Gehalte an gesättigten Fettsäuren (FS), trans-FS, Zucker und Salz in bestehenden Produkten Ω Förderung der Entwicklung „gesunderhaltender“ Alternativen Ω Review der Einführung dieser neuen Produkte Ω Adäquate Nährwertkennzeichnung Ω „Verantwortliches“ Marketing speziell für kleine Kinder Ω Nachvollziehbare Kennzeichnung speziell für Salz und die Art und den Gehalt an Fetten und Zucker

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MARKT UND KUNDE MARKT UND KUNDE

Einmachen nach Herzenslust Einmachen nach Herzenslust – unter diesem Motto startet die neue Gelierzuckerkampagne von Nordzucker pünktlich zum Saisonauftakt der Einmachzeit 2004.

Endverbraucher-Anzeige und SonderplazierungsDisplay 2004

Mit umfassenden Werbemaßnahmen, wie Großplakaten, Ladenfunk, Radiowerbung und Anzeigen in Zeitschriften werden die Verbraucher auf die einzigartige Vielfalt der Produktpalette mit dem Nordzucker Gelierzucker 1:1, 2:1, 3:1 sowie Bio-Gelierzucker 1:1 und Diät-Gelierfruchtzucker 3:1 aufmerksam gemacht.

Darüber hinaus ist auf Nachfrage aus dem Handel ein Etageren-Displaysystem entwickelt worden, welches eine individuelle Zusammenstellung der Gelierzuckersorten für den Händler ermöglicht. Abgerundet wird das Konzept durch ein Gewinnspiel für eine einwöchige Mittelmeerkreuzfahrt. Alle Maßnahmen stimmen auf den neuen Slogan "Für die süßen Augenblicke im Leben" der Marke Nordzucker ein. Unterstützend finden dieses Jahr wieder Live Marmelade kochen und Verkostungen in ausgesuchten Märkten statt. Dabei demonstrieren Promoterinnen vor Ort den Marktbesuchern, wie einfach und schnell leckere Marmeladen und Konfitüren mit dem Gelierzucker von Nordzucker selbst gemacht werden können. Besuchen können Sie uns in ausgewählten norddeutschen Real- und EdekaMärkten. Wir freuen uns auf Sie! Ilka Schweer

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TREFFPUNKT NORDZUCKER TREFFPUNKT NORDZUCKER

Marktordnungsdebatte: Auf dem richtigen Weg, aber noch längst nicht am Ziel Politiker informieren sich bei Nordzucker Das Credo des Nordzucker-Vorstandsvorsitzenden ist eindeutig: "Ein jeder kämpfe an seinem Platz, nur so werden wir mit Ausdauer und Überzeugungswillen zu einem guten Ergebnis für Landwirtschaft und Industrie gelangen." Worüber Ulrich Nöhle und seine Kollegen auf zahlreichen Veranstaltungen mit Politikern und Interessenvertretern sprechen, liegt auf der Hand: Mögliche Änderungen der Zuckermarktordnung treiben ihn und seine Vorstandskollegen um.

Seit der Vorlage der vier Optionen durch die Brüsseler EU-Kommission formuliert der Vorsitzende immer wieder neu und mit Nachdruck, worum es Nordzucker, den Aktionären und Rübenanbauern geht: Um den Erhalt des Zuckerrübenanbaus und der Zuckererzeugung in Europa, insbesondere in Norddeutschland. Nicht nur eine Sache des Geldes, sondern vor allem eine Sache des politischen Wollens. So sei die zunächst diskutierte Option "Liberalisierung der Marktordnung" mittlerweile vom Tisch. Sie hätte das Ende des Rübenanbaus in Europa bedeutet. "Das ist auch ein Erfolg guter Lobbyarbeit", stellt Nöhle fest. Die aktuelle Debatte konzentriert sich auf die Option "Quoten für alle" – Für alle europäischen Rübenanbauer aber auch für die LDC (Least Developed Countries, die ärmsten Länder der Welt) – und AKP (Afrikanisch-karibisch-pazifische) - Länder. Deren Interessenlage ist dabei eine besondere. Sie profitieren direkt vom Zuckerexport in die EU durch feste Quoten und garantierte Preise. Ihre Erlöse durch hohe europäische Zuckerpreise sind eine Art Entwicklungshilfe. Drastisch gesenkte Zuckerpreise würden auch in vielen dieser Länder die Zuckererzeugung schlicht unrentabel machen. Nöhle betont während zahlreicher Kontakte und Treffen mit Politikern aller Parteien immer wieder die Vorzüglichkeit der bestehenden Zuckermarktordnung (ZMO): "Die ZMO muss in ihrem Kern mit den Säulen Quotenregelung, Außenschutz und Mindestpreis erhalten bleiben, damit weiterhin eine regionale, europäische Rübenproduktion und Zuckererzeugung sichergestellt ist." Dennoch reiche eine rein europäische Neuregelung der ZMO nicht aus. Vielmehr sei Zucker im Rahmen der WTO-Verhandlungen als sensibles Produkt auf dem Weltmarkt zu behandeln. "Wir stehen für alle Diskussionen gern zur Verfügung und sprechen mit Politikern. Unser Ziel bleibt es, eine tragfähige Marktordnung in Europa zu erhalten, Rübenanbau zu sichern und Nordzucker weiterzuentwickeln", sagt Nöhle.

Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Wilhelm Schmidt, versprach bei seinem jüngsten Besuch in Braunschweig, sich zu kümmern. Er stellte in Aussicht, Kontakte zu weiteren Politikern seiner Fraktion zu vermitteln. "Handlungsbedarf ist angesagt, die Zeit für eine gute Lösung ist knapp". Der "alte Hase" der Europa-Politik, EVP-Vorsitzender Professor HansGert Pöttering, richtete sein Augenmerk auf die Europawahl: "Nach der Neukonstitution der EUKommission zum 1. November werden wir als Anwalt des ländlichen Raums die berechtigten Anliegen der Zuckerrübenanbauer und der Zuckerindustrie unterstützen." Ewa Klamt, EU-Abgeordnete für die CDU meinte, dass gut gemeinte Aktionen z.B. für die LDC´s nicht den eigenen Rübenanbau bedrohen dürften. "Wir sägen den Ast ab, auf dem wir sitzen", Niedersachsen müsse als Agrarland Nummer eins als Rübenstandort erhalten bleiben und seine Stimme im Sinne der Landwirte erheben. Die Hannoveraner Landesbischöfin, Dr. Margot Kässmann, zeigte eine klare Haltung: Die Landeskirche und hier besonders der kirchliche Dienst auf dem Land setze sich für den Erhalt der Zuckermarktordnung ein. Kirche sei für die Menschen zum Beispiel in Form des Notfalltelefons da. Für die Landwirtschaft werde die evangelische Kirche auch in Brüssel ihren Einfluss als eine starke Lobbygruppe geltend machen, Fortsetzung auf Seite 38 Ω

Wilhelm Schmidt

Prof. Hans-Gert Pöttering

Ewa Klamt

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TREFFPUNKT NORDZUCKER TREFFPUNKT NORDZUCKER

Fortsetzung: Marktordnungsdebatte: Politiker informieren sich bei Nordzucker

Karin Stief-Kreye und Uwe Bartels besuchten mit Parteikollegen das Werk Uelzen

Landesbischöfin Dr. Margot Kässmann mit Jens Fokuhl

damit die Zuckermarktordnung erhalten bleibe. Und mit einem Blick auf die Situation der Zuckerrohrindustrie in Brasilien sagte sie: "Das Kapital profitiert, aber nicht der Mensch".

Verteidigungsminister Dr. Peter Struck besuchte das Werk Uelzen

Dr. Peter Struck, Verteidigungsminister und Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Celle sagte zu, sich für den Erhalt des Rübenanbaus einzusetzen. "Ich werde mit meinen Kollegen über die stärkere Einbeziehung der Zuckerthematik in die WTO-Verhandlungen sprechen. Wir müssen auf europäischer Ebene eine einheitliche Position vertreten.” Abschließend unterstrich er die hohe Bedeutung des Zuckerrübenanbaus für die Region Uelzen.

Frank Oesterhelweg, Heinrich-Wilhelm Ronsöhr, Jens Fokuhl und Jochen-Konrad Fromme trafen sich in Braunschweig

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Ebenfalls einsetzen wollen sich die niedersächsischen Politiker Heinrich-Wilhelm Ronsöhr, Jochen-Konrad Fromme und Frank Oesterhelweg. Die Politiker sagten zu, sich auf allen zur Verfügung stehenden Ebenen für

Dr. Carola Reimann mit Dr. Ulrich Nöhle

den Erhalt des Rübenanbaus in Norddeutschland zu engagieren. Die Vorsitzende des SPD-Arbeitskreises Landwirtschaft im niedersächsischen Landtag, Karin Stief-Kreye, gab den Rat, die Diskussion um die Zuckermarktordnung noch mehr in die Breite zu streuen und versprach, im Herbst zur Rübenkampagne mit den SPD-Agrarspezialisten wieder zu kommen, um sich ein Bild einer Fabrik "unter Dampf" machen zu können. Der ehemalige niedersächsische Agrarminister, Uwe Bartels, beurteilte die Diskussion um die Reformoptionen als "richtig schwierige Gemengelage". Dennoch werde er sich bemühen, die Forderungen der niedersächsischen Zuckerindustrie in Brüssel in die Kommission zu tragen. Dr. Carola Reimann, SPD-Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Braunschweig, bekräftigte: "Die vorgelegten Optionen zur Reform des EU-Zuckermarkts sind noch nicht der Stein der Weisen". Reimann traf mit Ausschussmitgliedern des SPD-Unterbezirks Braunschweig den Vorstand der Nordzucker AG, "Rübenanbauer und Zuckerindustrie in Europa, Deutschland und in unserer Region müssen bei allem Wettbewerb eine faire Chance erhalten, um überleben zu können".


TREFFPUNKT NORDZUCKER TREFFPUNKT NORDZUCKER

Dr. Godelieve Quisthoudt-Rowohl (mitte) mit Dr. Ulrich Nöhle und Günter Jakobiak

Hubertus Heil und Dr. Wilhelm Priesmeyer informieren sich im Werk Clauen

Die Europaabgeordnete Dr. Godelieve Quisthoudt-Rowohl empfahl, die Auswirkungen des Weltzuckermarkts auf die europäische Situation noch stärker zu verdeutlichten. "Stellen Sie die Vorteile der jetzt geltenden europäischen Regelung für die Entwicklungsländer heraus, die nach den zurzeit diskutierten Vorschlägen der Kommission klare Verlierer wären". Die Europaabgeordnete teilt die Auffassung des Vorstands, eine abschließende Positionierung erst nach der Entscheidung des WTO-panels, das Brasilien, Australien und Thailand gegen die EU angestrengt haben, vorzunehmen.

....übrigens: "Lobbyarbeit" ist laut Nöhle nichts Anrüchiges, Ungerechtes oder etwas, was sich "im Dunkeln" oder an Kneipentischen abspielt. Lobbyarbeit ist das offene, konstruktive Analysieren, Interpretieren, Bewerten und letztlich das Vermitteln von komplexen Sachzusammenhängen zwischen verschiedenen Interessengruppen. Die Zuckermarktordnung ist das beste Beispiel: Für eine komplexe Materie, die nur noch wenige verstehen, über die aber viele abstimmen sollen, gilt es, dass Nordzucker als Zuckererzeuger berechtigte Ansprüche geltend macht. Wer seine Auffassung offen, integrativ und sinngebend vertritt, kann Menschen für sich gewinnen; wer seine Meinung nicht vertritt, hat schon verloren.

SPD-Bundestagsmitglied Dr. Wilhelm Priesmeyer forderte, auf Zugeständnisse von europäischer Seite im Rahmen der Diskussion um die Zuckermarktordnung zu verzichten, solange der weltweite Rahmen zwischen EU, Mercosur und WTO ungeklärt ist.

Tanja Schneider-Diehl

24 Banken zu Besuch bei Nordzucker – Neues Finanzierungskonzept umgesetzt Um‘s Geld und um die Kreditwürdigkeit ging es im Mai 2004, als sich Vertreter von 24 europäischen Banken in Nordstemmen zu einer Präsentation der Nordzucker trafen. Im Rahmen seines Vortrags erläuterte der Vorstandsvorsitzende Dr. Ulrich Nöhle die wirtschaftliche Situation des Unternehmens ebenso wie die Entwicklung der Zuckermarktordnung und die Strategie der Nordzucker. Die Präsentation war Bestandteil der BankenInformation im Zuge einer bei Nordzucker erstmalig durchgeführten, neuartigen Kreditvergabe. Dabei hat Nordzucker ihre bisherigen Kreditlinien – vergleichbar mit einem Dispositionskredit – in Höhe von 200 Millionen Euro auf einen sogenannten syndizierten Kredit umgestellt. Die Kreditausschreibung wurde unter Federführung der Deutschen Bank und der Commerzbank durchgeführt.

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NORDZUCKER NEUE FELDER NORDZUCKER NEUE FELDER

Jens Fokuhl im Gespräch mit Bankenvertretern

Vertreter 24 europäischer Banken informierten sich in Nordstemmen über Nordzucker.

Das Angebot von Nordzucker wurde von den Banken interessiert aufgegriffen. Die Ausschreibung in Höhe von 200 Millionen Euro war schließlich um 100 Prozent überzeichnet. Wie bei solchen Verfahren üblich, wurden die Gebote der einzelnen Banken anteilig auf insgesamt zusammen rund 200 Millionen Euro gekürzt. Mit der großen Resonanz würdige der Markt die einwandfreie Bonität der Nordzucker, urteilten Mark van den Arend und Christof Mürb von der Deutschen Bank, Frankfurt. Die hohe Überzeichnung resultiere aus den soliden finanziellen Verhältnissen aber auch aus guten Zukunftsaussichten der Nordzucker Gruppe. Eine entscheidende Rolle spielte der erwartete positive Effekt aus der EU-Erweiterung, die durch kontinuierliche Innovationen stetig erweiterte "Kompetenz in Süße" und zunehmende Kundenfokussierung der Nordzucker Gruppe. Der syndizierte Kredit ist eine Kreditform, die für Unternehmen in der Größenordnung der Nordzucker zunehmend wichtiger wird. Neben der aufgrund der Höhe notwendigen Verteilung des Kredites auf mehrere Bankinstitute besteht der Vorteil insbesondere darin, dass die Kreditlinie auf drei Jahre fest zugesagt wird, solange bestimmte Bedingungen – so genannte Financial Covenants – eingehalten werden. Gerald Dohme

Wärme aus Stroh und Korn Die technischen Potenziale der Strohverbrennung in der Europäischen Union (EU) liegen bei rund 800-970 Peta Joule/a (1 Billiarde 1015 J). Stroh hat bezogen auf das in der EU vorhandene Gesamtpotenzial an biogenen Festbrennstoffen einen Anteil von ca. 10-15 Prozent. Bezogen auf den fossilen Primärenergieverbrauch in der EU beträgt das Potenzial ca. zwei Prozent. Damit ist das technische Strohpotenzial im Kontext der Gegebenheiten im Energiesystem Europa durchaus energiewirtschaftlich relevant. Jedoch ist das gesamte technische Potenzial u. a. infolge einer konkurrierenden Nutzung nur eingeschränkt erschließbar. Die vergleichsweise geringe Nutzung von Stroh liegt u. a. an den gegenüber Holz teilweise ungünstigeren Brennstoffeigenschaften und an den starken Schwankungen der Verfügbarkeit in den einzelnen Ländern. Besonderheiten beim Getreideanbau mit Strohgewinnung Stroh von Weizen, Roggen und Triticale wird als geeigneter Brennstoff für den Betrieb von 40

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Heizwerken identifiziert. Vorwiegend erfolgt die Strohbergung nach separater Körnernutzung. Die alternative Gewinnung von Getreideganzpflanzen ist weniger häufig. Zigarrenbrenner vorherrschend Bei größeren Strohverbrennungsanlagen hat sich der Zigarrenbrenner als Feuerungssystem durchgesetzt. Dieses Verfahren bewältigt die praktischen Schwierigkeiten durch Verschmutzung, Verschlackung, Heizflächenkorrosion am besten, jedoch können die genannten Probleme nicht als gelöst betrachtet werden. Am Markt sind ebenfalls (kleinere) Anlagen zur Verbrennung von Korn (und anderer Biomasse) verfügbar. Investoren sollten sich in jedem Fall versierter Berater bedienen.


NORDZUCKER NEUE FELDER NORDZUCKER NEUE FELDER

Hindernis der Emissionsund Genehmigungsvorschriften Die feuerungstechnischen Eigenschaften von Stroh bedingen vergleichsweise hohe Emissionen. Die in Deutschland geltenden Emissionsund Genehmigungsvorschriften stellen sehr hohe Anforderungen, die bei der letzten Gesetzes-Novellierung sogar noch verschärft worden sind. Im Ergebnis ist für Feuerungsanlagen unter 1 MWth derzeit keine kostengünstige und damit wirtschaftliche Entstaubungstechnik vorhanden. Mittlere Anlagen ab einer Größe von 100 kWth werden wegen der resultierenden hohen zusätzlichen Investitionen und Nebenkosten im Betrieb weder von Betreibern neu angeschafft noch von Anlagenbauern weiter entwickelt. Da der Bereich von 100 kW bis 5 MW besonders für landwirtschaftliche Betriebe von Interesse ist, wird der Handlungsspielraum dadurch stark eingeschränkt. Eingeschränkte Zulässigkeit der Brennstoffe In kleinsten Anlagen bis 15 kWth ist der Einsatz von Stroh, Ganzpflanzen und Getreide überhaupt nicht zugelassen. Anlagen zwischen 15 kWth und 100 kWth sind nur für Stroh und Energiepflanzen wie Schilf, Miscanthus, Heu und Maisspindeln zugelassen. In Anlagen über 100 kWth ist nur Stroh als zugelassener Brennstoff explizit aufgeführt. Andere pflanzliche Stoffe werden nicht erwähnt. Wirtschaftlichkeit von großen Strohheizwerken nur bei Subventionierung Große Heizwerke arbeiten mit niedrigeren spezifischen Kosten als klein dimensionierte Anlagen. Wenn auch Stroh und halmgutartige Biomasse im Vergleich zu anderen biogenen Reststoffen relativ günstige Bereitstellungskosten aufweisen, so zeigt sich Stroh bei der Analyse der Stromgestehungskosten als nicht wettbewerbsfähig. Lediglich die Mitverbrennung von Stroh (und/oder Waldrestholz) in bestehenden großen Steinkohlekraftwerken wird für machbar gehalten. Jedoch ist der Einsatz von Stroh immer noch wesentlich teurer als eine Stromerzeugung ausschließlich über Steinkohle. Um Strohheiz(kraft)werke in die Zone der Wirtschaftlichkeit zu bringen, würden Subventionen benötigt. Organisation und Finanzierung von Biomasseheizwerken Bei Organisation und Finanzierung eines Heizwerks wird die Einbindung von Gebietskörperschaften, Versorgungsunternehmen und gege-

benenfalls der Energieverbraucher empfohlen. Nicht zuletzt ist zur Risikobegrenzung das Modell des Contracting für Strohheizwerke zu prüfen. Die Planung von Heizwerken sollte erfahrenen Ingenieurbüros übergeben werden, die Erfahrung in der Abarbeitung eines optimierten Termin- und Aufgabenplans vom Planungsbeginn bis zum reibungslosen Betrieb des Heiz(kraft)werks haben. Fördermöglichkeiten Als wesentliche Förderinstrumente für automatisch beschickte Biomasseheizanlagen stehen das Agrarinvestitionsförderprogramm (AFP) und das Marktanreizprogramm (MAP) zur Verfügung. Diese Förderinstrumente gehen als Basis in die Förderprogramme der jeweiligen Länder ein, die gegebenenfalls noch über spezielle regionale Programme oder Fördertöpfe ergänzt werden. Ob am Ende tatsächlich Fördermittel angeboten werden, ist fraglich, da in der Regel die Wirtschaftlichkeit nachgewiesen werden muss. Dies dürfte im Zusammenhang mit oben gemachten Aussagen zur Rentabilität von Strohheizwerken schwierig sein. Unsere für Nordzucker-Rübenanbauer und Aktionäre erstellte Dokumentation nennt zuständige Stellen für die Regionen in Norddeutschland. "Heizen mit Weizen" – Ethisch umstritten Die ethische Bewertung der Getreideverbrennung kommt in einzelnen Bundesländern zu unterschiedlichen Ergebnissen. Als Eckpunkte des Meinungsspektrums seien hier nur zwei Bundesländer herausgegriffen: Während in Niedersachsen der Beirat für nachwachsende Rohstoffe am Landwirtschaftsministerium zu einer grundsätzlich positiven Beurteilung des "Heizens mit Weizen" kommt, zeigt z. B. das Land Schleswig-Holstein eine zurückhaltende bis ablehnende Haltung gegenüber der Kornverbrennung. Gleichwohl werden auch in diesem Land Fördermaßnahmen nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Die Neue-Felder-Dokumentation “Wärme aus Stroh und Korn” enthält ferner Hinweise auf Informationsquellen im Zusammenhang mit Forschung, Beratung, Planung und Finanzierung sowie Marktinformationen über die energetische Verwertung von nachwachsenden Rohstoffen. Auch werden ausgewählte Betreiber und Lieferanten einschlägiger Technik aufgeführt. Die Dokumentation ist abrufbar unter Angabe der GP-Nummer im Landwirte-Portal oder unter e-mail: thomas.graf@nordzucker.de Thomas Graf

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Strom und Wärme aus Biogas Die Energiegewinnung durch Vergärung ist seit langem bekannt, doch erst seit Anfang der 90er Jahre wird Biogas in nennenswertem Umfang genutzt. In derzeit ca. 2.000 Anlagen in Deutschland werden ca. 250 MWel Strom produziert. Gemäß den Zielsetzungen der Politik wird die Einführung von Biogas unterstützt. Allerdings führte die Förderung in vielen Neubauprojekten zu einer Vernachlässigung der Rentabilität.

aus Biogas können in Strom umgesetzt werden. Die restliche Energie ist Wärme, die ebenfalls vermarktet werden sollte, um die Rentabilität zu verbessern.

Biogasproduktion löst sich von Viehhaltung

Die Langfassung der Dokumentation ist abrufbar unter Angabe der GP-Nummer im Landwirte-Portal oder unter e-mail: thomas.graf@nordzucker.de

Neben dem traditionell verwendeten Grundsubstrat Gülle werden zunehmend auch andere organische Stoffe aus der Pflanzenproduktion zu Biogas vergoren. Für diese sogenannte Ko-Fermentation kommen Biomasse von Stilllegungsflächen (z. B. Mais) oder landwirtschaftliche Reststoffe wie beispielsweise Grüngut, Rübenblatt, Kartoffelkraut, Hühnerkot etc. in Frage. Hervorzuheben ist, dass die Biogasproduktion sich damit zunehmend von der Viehhaltung löst und sich als Veredelungszweig für Ackerbaubetriebe anbietet. Strom und Wärme aus Biogas Seit Einführung des Stromeinspeisungsgesetzes hat die Erzeugung von Strom und Wärme (Kraftwärmekoppelung) in Blockheizkraftwerken (BHKW) die direkte Wärmeerzeugung im Heizkessel weitgehend verdrängt. BHKW bestehen aus einem mit Biogas betriebenen Verbrennungsmotor, der einen Generator zur Erzeugung von elektrischer Energie antreibt. Nur ca. 40 bis 45 Prozent der Bruttoenergie

Thomas Graf

Energie Einspeisegesetz (EEG) Die Novelle des EEG ist im April 2004 vom Deutschen Bundestag verabschiedet worden. Von der Behandlung im Vermittlungsausschuss werden keine für die Landwirtschaft wesentlichen Änderungen erwartet. Die Neuerungen wurden von der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe sowie von Fachleuten und Verbänden im Bereich Bioenergie sehr begrüßt, nachdem die Vergütungssätze für Biogas deutlich verbessert worden sind. (Einzelheiten unter www.fnr.de / Rubrik Aktuelles). Die ökonomischen Auswirkungen der neuen Beschlüsse auf den Betrieb von Biogasanlagen werden in der folgenden Ausgabe von Akzente diskutiert.

Die Zuckerfabrik Watenstedt Am 20. April 1864 trafen sich 50 Landwirte aus Watenstedt, Gevensleben, Barnstorf, Warle, Beierstedt und Winnigstedt im Weiheschen Gasthaus zu Gevensleben zur Gründung einer Zuckerfabrik. Die Wahl des Standorts fiel auf Watenstedt. Hier waren die besten Voraussetzungen für den Transport von Rüben und Kohle vorhanden und der Fluss Soltau sicherte die Versorgung der Fabrik mit dem notwendigen Produktionswasser. Watenstedt war zudem an das Eisenbahnnetz angebunden, so dass die geplante Zuckerfabrik per Bahn mit Kohlen aus den Gruben um Helmstedt versorgt werden konnte. Die 51 Gesellschafter einigten sich vorerst auf ein Grundkapital von 70.000 Thalern. Mit jeder Aktie war eine Rübenlieferungspflicht von fünf Morgen und mindestens 600 Zentner verbun42

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den. Den ersten Vorstand bildeten die Direktoren Georg von Hantelmann, Heinrich Meyer, Friedrich Hühne und Heinrich Engelbrecht. Der Bauablauf überschritt sowohl die geplanten Kosten als auch die Zeitpläne. Die Folge war, dass das Gründungskapital nicht ausreichte und der Vorstand sich gezwungen sah, ein Darlehen von 40.000 Thalern vor der ersten Kam-


HISTORISCHES HISTORISCHES

pagne aufzunehmen, die am 2. November 1865 anlief und in der 160.000 Zentner verarbeitet wurden. Schon 1872 erfolgten erste Umbaumaßnahmen. Die Fabrik wurde auf das modernere und effektivere Diffusionsverfahren zur Entzuckerung der Rübenschnitzel umgestellt. Diese Maßnahme zeigte Erfolg: In der Kampagne von 1874 wurden 208.000 Zentner verarbeitet. In den 1880er Jahren war der Zenit der Fabrikgründungen erreicht und die Zuckerpreise fielen mit dem steigenden Zuckerangebot. Seit der Fabrikgründung in Watenstedt war der Zuckerpreis um fast 50 Prozent gefallen, so dass es 1885 erstmals keine Dividende für die Aktionäre gab. Umsatz stützende Maßnahmen bestanden in einer ganzen Reihe von Modernisierungen. Zur Erhöhung der Tagesverarbeitung wurde 1891 das Zuckerhaus komplett erneuert. Das Dürrejahr 1911 führte zu katastrophalen Ernteausfällen. Wassernot und Rübenmangel beendeten die Kampagne bereits am 17. November nach einer Verarbeitung von nur 182.000 Zentnern. Bei der benachbarten Zuckerfabrik in Jerxheim mag dieser Kampagneausfall auch zur Schließung im Jahre 1913 beigetragen haben. Ihre Gesellschafter schlossen sich der Zuckerfabrik in Watenstedt an. Im schwierigen Jahr der Inflation 1923 schlossen sich die Watenstedter zu einer Interessengemeinschaft mit den Zuckerfabriken Söllingen und Aderstedt zusammen. Diese war jedoch nicht von Dauer.1932 kam es zu einem Werklohnvertrag mit der Süddeutschen Zuckeraktiengesellschaft, der sich zu einer jahrzehntelangen Geschäftsverbindung entwickelte. Diese Koalitionen waren notwendig geworden durch weltweite Zuckerüberproduktionen, die 1931 zur Kontingentierung der Zuckererzeugung für den Inlandsmarkt führte. Für Watenstedt bedeutete das eine Verringerung des Rübenanbaus um 25 Prozent, sorgte aber für eine allmähliche Stabilisierung des Zuckerpreises. Nach schwierigen Kriegsjahren besetzten amerikanische Truppen Watenstedt am 11. April 1945. Anschließend übernahm die britische Militärregierung die Verwaltung der Fabrik. Zur gegenseitigen Unterstützung und Überwindung des bei allen Fabriken herrschenden Rohstoff- und Ersatzstoffmangels gründete sich 1945 die "Arbeitsgemeinschaft Braunschweiger Zuckerfabriken". Mit der Herstellung eines Verbrauchsrohzuckers, der als Nahrungsmittel unraffiniert abgegeben wurde, startete die Watenstedter Fabrik in der ersten Nachkriegskampagne. Schon bald standen wieder Modernisierungsaufgaben wie die mechanische Rübenabladung 1947, die die Firma Fölsche aus Halle übernahm, im Vordergrund. Hinzu kam die An-

schaffung einer Dampfturbine im Jahr 1952, die den Grundstein für die allmähliche Elektrifizierung der Fabrik legte. 1957 beschlossen die Gesellschafter zusammen mit den Fabrikleitungen von Schöppenstedt und Königslutter die Übernahme der Geschäftsanteile der Söllinger Zuckerfabrik, nachdem diese den Betrieb eingestellt hatte. Verbunden damit war eine deutliche Verbesserung der Rübenversorgung für Watenstedt.

Die Zuckerfabrik Watenstedt 1971

Arbeiten an den Zentrifugen während einer Kampagne in den 1950er Jahren

1964 konnten die Watenstedter das 100-jährige Bestehen ihrer Fabrik feiern. Zu diesem Zeitpunkt ahnten die Jubilare noch nicht, dass zehn Jahre später verschärfte Konkurrenzbedingungen ihren Tribut fordern würden: Im Jahr 1974 schlossen sich die Tore der Fabrik für immer. Die Gesellschaftsanteile wurden von der Zuckerfabrik Königslutter übernommen. Heute erkennen nur noch Eingeweihte den Ort, wo sich 110 Jahre lang die Fabrikanlage ausdehnte. Manuela Obermeier Auf den Gründungsaktien ist die erste Fabrikanlage festgehalten

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Sommerzeit süße Eiszeit

Bananen-Eis Zutaten: 200g Bananen 80g Nordzucker Feinster Zucker 100ml Milch 100ml Sahne 1TL Zitronensaft Alle angegebenen Zutaten miteinander pürieren. Die Masse in eine Metallschüssel füllen und ca. zwei Stunden gefrieren lassen, dabei alle 15 Minuten gut durchrühren, bis das Eis fest ist. Eiskugeln formen.

Amaretto-Eis Zutaten: 120g Amaretti (Mandelmakronchen) 4 sehr frische Eigelb 150g Nordzucker Backträume Vanille 400g Milch 4cl Amarettolikör

Nordzucker AG, Küchenstraße 9, 38100 Braunschweig PSdg, H61179, Deutsche Post AG, Entgelt bezahlt

Die Amaretti zerreiben und mit allen anderen Zutaten vermixen. Die Masse in eine Metallschlüssel füllen und ca. zwei Stunden gefrieren lassen, dabei alle 15 Minuten gut durchrühren, bis das Eis fest ist. Eiskugeln formen.

Joghurt-Pfirsich-Eis Zutaten: 450g Vollmilchjoghurt 2TL Zitronensaft 40g Nordzucker Feinster Zucker 5 Pfirsiche Vollmilchjoghurt mit Zitronensaft und Feinstem Zucker verrühren, in eine Metallschüssel füllen, ca. eine Stunde gefrieren lassen, dabei alle 15 Minuten durchrühren. Pfirsiche mit kochendem Wasser überbrühen, häuten, halbieren und entsteinen. Zwei Hälften würfeln. Den Rest pürieren, mit den Pfirsichwürfeln unter das Eis rühren. Zwei Stunden gefrieren lassen, bis das Eis fest ist. Eiskugeln formen.

Nordzucker Für die süßen Augenblicke im Leben


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