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3. Ausgabe 2010/11

NORD punkt


Editorial EDITORIAL NORDpunkt ALLTAG UND UNTERRICHT Erfolgsgeschichten Irgendwie, irgendwo, irgendwann «Ich korrigiere meine Blätter mit Rotstift» GESTALTEN UND SCHREIBEN Selbstporträts Aller Anfang ist schwer Metamorphosen AKTIVITÄTEN UND PROJEKTE Naturkundlicher Unterricht Ein freundliches Volk Plaudern, diskutieren, planen, handeln KONTAKTE UND MENSCHEN Frische Früchte vom Markt WO UND WAS Wettbewerb

IMPRESSUM HERAUSGEBERIN Schule Zürich Nord Max-Bill-Platz 11 8050 Zürich nordpunkt@schule-zuerich-nord.ch www.schule-zuerich-nord.ch REDAKTION Germaine Stucki, Regula Weber LEKTORAT Bruno Fuchs GESTALTUNG Regula Weber DRUCK ADAG COPY AG

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In der sechsten Klasse werden die Kinder von der Lehrperson nach ihren Erfolgen gefragt. Nach anfänglichem Zögern beginnen sie plötzlich zu sprudeln und beschreiben in den buntesten Farben, was ihnen alles gelungen ist. Ein Mädchen hat dank ihren Freundinnen die Höhenangst überwunden und den Turm im Oerliker-Park bestiegen, ein Knabe berichtet stolz, wie er das Tischtennisturnier der Primarschüler gewonnen hat. Wenn Schülerinnen und Schüler über Erfolge berichten, können sie ihren Stolz und ihr erlebtes Glücksempfinden nicht verbergen, ihre Gesichter strahlen Zufriedenheit über das Erreichte und die überwundenen Schwierigkeiten aus. Vergessen sind die Ängste und Unsicherheiten, und auch die Enttäuschungen über gescheiterte Versuche. Gerade dieses Wechselspiel von Erfolg und Scheitern kennzeichnet den Alltag der Schülerinnen und Schüler. Sie dabei zu begleiten, zu unterstützen, aufzumuntern, sie aber auch zu fordern und ihnen manchmal sogar «das Leben schwer zu machen», gehört zur anspruchsvollen Aufgabe, die unsere Lehrpersonen tagtäglich zu bewältigen haben. Einen Einblick in diesen Alltag gewähren wir Ihnen mit der vorliegenden Ausgabe des NORDpunkts, in der unsere jungen und älteren Journalistinnen und Journalisten von vielen spannenden Aktivitäten und Projekten berichten. Aus der grossen Vielfalt möchten wir Ihnen unter anderem den Bericht über den naturwissenschaftlichen Unterricht zur Lektüre empfehlen. Hier geht es nicht nur um ein Weltverständnis und das Verstehen von Zusammenhängen, sondern auch um eine Art, wie man zu diesem Wissen kommen kann, nämlich über das Aufstellen von Hypothesen und das Überprüfen derselben mittels Experiment. Am Anfang dieser – zugegebenermassen idealisierten – Arbeitsweise des Forschers steht immer das Interesse und der Wunsch, die Welt und das Leben zu erkunden. Diese Neugierde zu nähren und verschüttetes Interesse wiederzubeleben bedeutet auch Erfolgszuversicht zu vermitteln und den Glauben an die eigenen Kräfte zu stärken – nicht immer eine leichte Aufgabe! Umso mehr freuen wir uns, wenn sie gelingt! Ich hoffe, dass es mir mit diesen paar Hinweisen gelungen ist, Sie – liebe Leserin und lieber Leser – zur Lektüre unserer Zeitung anzuregen, und dass Sie dabei entspannte Minuten erleben können. Urs Hardegger, Schulleiter

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Alltag und Unterricht

Erfolgsgeschichten genen Rekord. Ich habe mich sehr gut gefühlt. Mein persönlicher Rekord liegt momentan bei 12,79 Sekunden für die Königsdisziplin. (Jann)

Von Schülerinnen und Schülern der 6. Klasse Was ist Erfolg? Wie kommt man dazu? Wie kann die Angst vor Höhe oder die Unlust zu lernen überwunden werden? Wie fühlt sich Erfolg an? Was empfindet ein Schüler, der dank hartem Üben ein selbst gesetztes Ziel erreicht? Welche Rolle spielen dabei die Freundinnen, die Trainer, die Lehrer und Lehrerinnen? Antworten auf diese Fragen geben die folgenden Erfolgsgeschichten unserer Schülerinnen und Schüler.

Als ich von der Grundschule in die Schule Zürich Nord wechselte, hatte ich einen langen Schulweg. Meine Eltern mussten mich immer hinfahren und abholen. Irgendwann kaufte mir meine Mutter ein Jahresabo und sagte, ich solle ab jetzt mit dem Zug gehen. Am Anfang begleitete sie mich, aber mit der Zeit wusste ich, wo ich hinlaufen musste. Nun fährt mich mein Vater immer zum Bahnhof und ich gehe dann selber mit dem Zug zur Schule. (Sebastian)

Als ich etwa acht Jahre alt war, fragte mich meine Grossmutter, ob ich gerne Tischtennis spielen würde. Ich wusste gar nicht richtig, was das ist, und sagte einfach ja. Danach holten wir die Schläger und dann zeigte mir meine Grossmutter, wie man diese hält. Natürlich konnte ich am Anfang noch nicht richtig spielen, aber mit der Zeit wurde ich besser. Als ich dann etwa mit zehn Jahren ein paar Mal gegen meine Grossmutter gewann, war ich sehr stolz und ich wollte noch besser werden. Und deshalb spiele ich jeden Tag. Ich bin sehr froh, dass ich es gelernt habe. Mein grösstes Erfolgserlebnis war, als ich in einem Turnier gegen Herrn Hardegger gewann. Das hat mich sehr gefreut. (Jesse)

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Ich spiele Fussball und habe gelernt mit dem linken Fuss zu schiessen und zu passen. Bevor ich es konnte, spielte ich nicht so toll. Ich war noch in der Stufe Ed, das ist die schlechteste Stufe der Gruppe E. Dann habe ich mich aber sehr gesteigert. Nachdem ich viel trainiert und gut mitgemacht hatte, kam ich eine Stufe höher, und im zweiten Jahr bin ich in die Stufe Ea aufgestiegen. Ea ist die höchste Stufe. Der Trainer im Ea hat mir viel beigebracht, hier habe ich sehr viel gelernt und wir haben viel links geübt. Als ich dann mit dem linken Fuss spielen konnte, habe ich mich sehr gut gefühlt. (Stefan)

Ich wollte Pingpong spielen lernen. Bevor ich es konnte, war es grausam, ich vermasselte jeden Schuss und der Anschlag war auch nicht gut. Deshalb fragte ich Jesse, ob er mir das Pingpong-Spielen beibringen würde. Jesse sagte ja und zeigte mir, wie man den Schläger hält und wie man spielt. Dann habe ich jeden Tag geübt und geübt. Ich war motiviert und stolz und trainierte weiter, bis jetzt. Heute kann ich smashen, schneiden und einen guten Anschlag machen. Ich bin glücklich und versuche jetzt auch den anderen zu helfen. (Remo) Früher hatte ich in der Schule oft eine Drei oder gar keine Note, weil ich so schlecht war. Ich ging in der Freizeit jeden Tag nach draussen und habe nie gelernt oder Hausaufgaben gemacht. Als ich dann in die Schule Zürich Nord kam, wusste ich, dass lernen wichtig ist und dass ich, wenn ich in Zukunft nicht als Putzfrau enden will, besser lernen sollte. Und deshalb habe ich mich verändert. Nun schreibe ich auch bessere Noten und bin natürlich glücklich darüber. (Mahschid) Ich war eine Zeit lang in einem Basketballclub, wo ich nichts lernte. Als ich dann den Club wechselte und mit der linken Hand einen Korbleger machen musste (ich bin Rechtshänder), machte ich ihn mit der rechten. Dies machte ich sehr lange so, weil ich es nicht mit der linken Hand konnte. Ich wurde mit 10, 20 oder 30 Liegestützen bestraft. Inzwischen habe ich gelernt, den Korbleger mit links zu machen, weil meine Trainerin so streng ist. (Philipp) Ich habe vor etwa drei Jahren angefangen Flash cups zu spielen. Ich lernte das Spiel durch einen Kurs in der Schule kennen. Als ich das erste Mal die Zeit stoppte, war ich noch sehr langsam. Aber wenn man übt, wird man mit der Zeit schneller. Ohne Übung geht halt nichts. Man hat aber auch Tage, an denen man einfach nicht vorwärts kommt. Diese Tage sind die dümmsten, weil man denkt, dass man nie besser wird. Doch irgendwann erkannte ich, was ich für einen Fehler machte, und dann brach ich meinen ei-

wir lustig fanden. Auch Badie spielte mit. Weil ich zwei so gute Kollegen hatte, fühlte ich mich richtig gut. Amin ist jetzt in der 1. Sek., aber wir sind trotzdem Kollegen geblieben. (Kevin)

Auf die Plätze, fertig, los! Platsch! Dieses Gefühl, auf dem Bock zu stehen und ins kühle Nass zu springen, ist unbeschreiblich. Ich schwimme fürs Leben gerne. Ich trainiere fünf Mal in der Woche. Als ich das erste Mal 200 Meter schwimmen musste, dachte ich: Oje, oje, schaffe ich das? Mittlerweile bin ich richtig gut, letzte Saison war ich sogar die Nummer Eins von meiner Alterskategorie. Doch bis zu diesem Ziel ging es sehr lange. Jeden Samstag Morgen schleppte mich mein Vater zum Training. Dafür bin ich ihm mittlerweile sehr dankbar. Die vielen Trainings hatten Wirkung gezeigt! (Jill) Früher, in der 4. und 5. Klasse, wurde ich von den anderen immer heruntergemacht und geschlagen, einmal so fest, dass ich ins Krankenhaus musste. Es war eine sehr schwere Zeit für mich. Dann habe ich die Schule gewechselt. Ich hasse es, in eine neue Klasse zu kommen. Aber als ich in die Schule Zürich Nord kam, war ich überrascht, wie die Kinder mich aufgenommen haben. Ich finde es auch schön, dass ich jetzt mit dem Zug zur Schule fahren kann. (Davide)

Als ich neu in diese Schule kam, war ich total begeistert vom Oerlikerturm, habe mich aber gar nicht getraut, auf ihn hoch zu gehen. Mahschid, Aura und Ananda machten mir Mut, aber ich wollte einfach nicht auf diesen hohen Turm steigen. Das hat sogar manchmal zu Streit geführt. Eines Tages hatte ich dann doch den Mut, weil Aura, Mahschid und Ananda sagten: «Wir halten dich. Und es hat ja auch überall Gitter.» Als ich dann endlich oben war, hatte ich gar keine Angst mehr, und ich bin danach sogar alleine hoch gegangen. Wenn man Freunde hat, geht alles viel besser. (Laila)

Als Amin und ich uns das erste Mal begegneten, hatten wir bald schon Streit, und auch danach hatten wir viel Streit. Mit der Zeit fanden wir aber ein tolles Spiel heraus, das wir immer spielten und das

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Irgendwie, irgendwo, irgendwann

«Ich korrigiere meine Blätter mit dem Rotstift» Das selbständige Lernen mit Plänen

Von Merit und Nicole, 3. Sek.

Von Eric Mettler, Klassenlehrer 4./5. Klasse

«Liebe ist eine Komposition, bei der die Pausen genau so wichtig sind wie die Musik.» Senta Berger

Der grösste Teil des Unterrichts in der 4./5. Klasse findet bei uns im Klassenverband statt. Ein neues Thema wird immer gemeinsam eingeführt und erarbeitet, so dass auch sichergestellt ist, dass jedes Kind den Stoff versteht. Geht es aber ums Üben und Vertiefen eines Themas, zum Beispiel im Rechnen oder in der Grammatik, erhalten die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, selbstständig und entsprechend ihrem Leistungsstand vorzugehen.

Stühle werden verrückt, Ordner von den Pulten geholt und aufgeschlagen, überall wird durcheinandergeschwatzt. Und das fast zehn Minuten nach Stundenbeginn. Die ersten Töne des bekannten Liedes «Ich schänkä dir mis härz» schallen durch das Klassenzimmer. Aber ausser der Stimme von Kuno Lauener vernimmt man nicht viel. Herr Deubelbeiss begleitet den Song stimmungsvoll auf der Gitarre. Er versucht die Klasse in Singstimmung zu bringen, was ihm aber nicht so recht gelingen will. Die Schüler der «Züri Nord» haben den Musikstil der «Züri West» noch nicht wirklich in ihr Herz geschlossen. Nun versucht es Herr Deubelbeiss mit dem alten Klassiker «Lemon tree». Die trübe Stimmung ist noch nicht ganz abgeklungen, aber vereinzelte Stimmen hört man jetzt trotzdem. Herr Deubelbeiss will von uns wissen, was denn los sei und warum wir nicht besser mitsingen würden. Alle der Klasse antworten müde, es sei Freitag Nachmittag und da könne man mit ihnen einfach nichts mehr anfangen. Also probiert er es weiter mit einem rassigen Kanon, der von Adriano auf dem Cajón begleitet wird. Als der Song zu Ende ist, bekommen wir ein Kompliment von Herrn Deubelbeiss, dass wir den Takt gut gehalten hätten. Aber er sagt uns auch, dass wir zu leise singen würden. Also probieren wir es noch mit ein paar anderen Liedern. Die Pausen dazwischen werden jedes Mal mit Freude ausgenutzt, um eine angeregte Diskussion anzufangen. Immer wieder blicken vereinzelte Kinder auf die Uhr um zu schauen, wann wir endlich ins Wochenende gehen können. Man hört die flüsternden Worte «noch 15 Minuten» oder «noch 10 Minuten». Alle sind ganz kribbelig, können kaum mehr still sitzen und schauen Herrn Deubelbeiss erwartungsvoll an, in der Hoffnung, dass er uns ein paar Minuten früher gehen lässt. Aber er bleibt hart und sagt, dass dies auf gar keinen Fall gehe, da wir schon mit zehn Minuten Verspätung angefangen und wir ununterbrochen geredet hätten. Das stösst auf grosse Empörung und es wird von Neuem wild durcheinandergeschwatzt. Doch Herr Deubelbeiss setzt sich durch mit seiner Meinung, dass wir jetzt noch ein weiteres Lied singen, und «irgendwie irgendwo irgendwann» ist dann auch diese Stunde zu Ende.

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In der 4./5. Klasse arbeiten die Kinder oft mit Mathe- und Deutschplänen. Diese befassen sich mit einem speziellen Thema, das nach Möglichkeit in beiden Klassen das gleiche ist. Bisher waren dies im Deutsch die Themen Nomen und Verben und in der Mathematik Repetition von Bekanntem, Addition, Subtraktion und Dezimalzahlen. Aber die beiden Klassen arbeiten natürlich auf verschiedenen Niveaus. Das Kontrollblatt dient den Kindern dazu, einen Überblick über das gesamte Thema zu erhalten und zwischen obligatorischen, freiwilligen und herausfordernden Aufgaben zu unterscheiden. Zudem führen die Schülerinnen und Schüler auf dem Kontrollblatt Protokoll über die erledigten Arbeiten. Es dient ihnen selber und auch mir als Kontrolle. Zusatzblätter können die Kinder selber aus dem aktuellen Ordner nehmen. Dort finden sie auch Lösungen, damit sie ihre Resultate zum Teil selber korrigieren können. So lernen sie, ihre eigenen Arbeiten zu beurteilen und einzuschätzen, ob der jeweilige Lernschritt verstanden worden ist. Dank der Arbeit mit Plänen kann insbesondere in jahrgangsdurchmischten Klassen besser individualisiert werden. Jedes Kind wird dadurch innerhalb eines gewissen Minimalrahmens gemäss seinen Fähigkeiten gefördert und gefordert und erhält zudem die Möglichkeit, über die obligatorischen Grundanforderungen hinaus Wissen zu erwerben. Doch wie beurteilen die Kinder selber die Arbeit mit den Matheplänen? Ich bin froh, dass es Mathepläne gibt, so habe ich viel gelernt. Ich arbeite immer der Reihe nach, ausser Herr Mettler sagt, welche Blätter zuerst kommen. Ich denke, dass ich es eigentlich sehr gut mache, und finde, dass es mit der Aufgabenmenge noch geht. (Badie)

Ich gehe so vor: Ich schaue alle Blätter an und wähle dann aus. Eigentlich lerne ich bei allen etwas. Ich finde es gut, weil man auswählen kann. (Philipp Z.)

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Wenn ich einen neuen Matheplan bekomme, nehme ich zuerst das einfachste Blatt. Wenn wir korrigieren, dann korrigieren wir mit einem Lösungsblatt. Ich finde Matheplan cool. (Milan)

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Ich gehe der Reihenfolge nach. Wir haben einen Ordner mit Lösungen. Ich schaue darauf, ob alles richtig ist. Ich finde es gerade gut, so wie es ist. (Ruben) Zuerst löse ich die leichten Aufgaben. Ich achte beim Korrigieren darauf, dass ich sie nicht nochmals falsch mache. Ich finde Mathepläne nicht unbedingt nötig, lieber hätte ich einzelne Aufgaben. (Mareen)

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Ich mache es ganz einfach, beginne mit dem Einfachsten und gehe dann leider zum Schwierigen. Ich habe früher schon so gearbeitet. Es ist nichts Neues für mich. Es ist gut so. (Nik) Ich schaue zuerst alle Blätter an und dann wähle ich aus. Ich habe gelernt, sorgfältiger zu arbeiten. Es ist toll, dass ich so viel gelernt habe. (Sangita) Ich habe gelernt, mit mehreren grossen Zahlen schriftlich zu rechnen. Beim Matheplan mache ich alle obligatorischen Blätter. Auf Tests würde ich nicht üben. (Céline) Ich kann selber korrigieren und bin dabei ehrlich. Mir gefällt es, so zu arbeiten. (Lorenz) Ich gehe die Blätter nach Lust und Laune durch. Korrigieren tu ich sie mit dem Rotstift. Ich habe früher schon so gearbeitet. Ich hätte lieber keine Mathepläne, dafür mehr Arbeit im Rechnungsbuch. (Valentin) 5. K lass e

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Gestalten und Schreiben

Selbstporträts Von Stephan (Text) und allen Schülerinnen und Schülern der 3. Sek. (Bilder)

Unsere Aufgabe war es, im Bildnerischen Gestalten ein Selbstporträt in Öl im Malstil eines Künstlers zu malen. Aus einer grossen Auswahl an postkartengrossen Porträts fiel meine Wahl auf ein Bild von Julian Opie. Es faszinierte mich, wie der Künstler mit einem so minimalistischen Stil so gut die wesentlichen Gesichtszüge einer Person malen kann. Wie weit kann man vereinfachen, ohne dass die Individualität verloren geht? Ich wusste schon am Anfang meiner Arbeit, dass es sehr schwierig würde, in dieser Art zu malen. Doch am Schluss war ich mit meiner Arbeit zufrieden, weil ich finde, dass meine Gesichtszüge trotz des minimalistischen Stils zu erkennen sind.

links Julian Opie, Marco Ruppert, Julia Alberto Giacometti, Aroha Julian Opie, Stephan Richard Gerstl, Fabian rechts Egon Schiele, Merit Alex Katz, Nicole

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Aller Anfang ist schwer Von Schülerinnen und Schülern der 6. klasse

Wir haben in den Handarbeitsstunden bei Frau Horvath einen Footbag gehäkelt. Am Anfang war es noch schwer, aber dann ging es immer besser. Jeden Dienstag arbeiteten wir an unseren Bällen. Zuerst schnitten wir aus Leder zwei Kreise mit ca. 5 cm Durchmesser aus und lochten diese 16 Mal mit der Lochzange. Dann fingen wir mit Häkeln an. Wir durften die Farben des Garns selber aussuchen. Wir häkelten bei jedem Leder sechs Reihen. Zuerst braucht man eine Anfangsmasche, dann mit dem Häklein rein ins Loch, Faden holen, durch ziehen, Faden mit dem Häklein nehmen und durch das Mäschchen ziehen. Nachher näht man die beiden Hälften zusammen, bis nur noch ein ca. drei Zentimeter grosser Schlitz offen bleibt. Dort kommt das Granulat, abgefüllt in einen Strumpf, rein. Zusammennähen und fertig ist der Footbag! Frida Kahlo, Shayenne Alex Katz, Selin

«Ich fand den Teil mit dem Zusammennähen am schwierigsten und kniffligsten.»

«Paolo hat uns coole Sachen gezeigt!»

Frida Kahlo, Carmen Max Beckmann, Adriano Piet Mondrian, Christina Andy Warhol, Robin

Auf jedem Feld steht ein Spieler. Im Feld 4 steht der König, er hat den Ball immer als erster. Er wirft ihn in eines der anderen Felder. Die Person in diesem Feld versucht nun, den Ball mit den Füssen in ein anderes Feld zu spielen. Gelingt es, dass der Ball auf den Boden fällt, bekommt der König einen Punkt. Fällt der Ball auf Feld 4 auf den Boden, muss der König raus und alle rücken ein Feld nach. Es kann jeweils nur der König Punkte sammeln. Wir probierten das Spiel aus. Am Anfang war das noch sehr schwer, doch dann ist es immer besser und besser gegangen. Das Spiel war sehr lustig. Manchmal ging‘s ein bisschen schnell und plötzlich hatte man einen Ball im Feld.

«Das Häkeln dieser Bälle hat mir sehr Spass gemacht, auch wenn man am Anfang noch langsam war. Ich habe gleich zwei Bälle gehäkelt.»

«Es hat mega Spass gemacht!»

Egon Schiele, Jasmin

«Diese Arbeit fand ich sehr toll, weil ich häkeln gelernt habe. Ich machte meinen Ball mit höchster Sorgfalt und freue mich sehr darüber, dass er so schön geworden ist. Ich würde gerne wieder einmal so etwas Ähnliches machen.» An einem Freitagmorgen im Dezember kam dann Paolo zu uns. Paolo war vor ein paar Jahren Vize-Europameister im Footbag-Spielen. Er stellte sich uns vor. Danach verteilt er uns seine leicht abgenutzten Bälle und zeigte uns ein paar Tricks. Zuerst einen einfachen. Er machte ihn vor und wir probierten ihn nachzumachen. Man musste den Ball hochwerfen und mit dem angewinkelten Fuss wieder fangen. Für einige war das sehr schwer. Wenn man das konnte, übte man, den Ball von einem Fuss auf den anderen zu werfen. Paolo zeigte uns verschiedene Arten, wie man mit dem Footbag spielen kann. Eine davon ist Freestyle. Der Ball muss immer mit den Füssen gespielt werden, ohne dass er auf den Boden fällt. Das sieht spannend und interessant aus. Eine Variante heisst 4-Square. Das Spiel besteht aus vier Feldern. Sie sind etwa 1.5 auf 1.5 Meter gross.

Philipp zeigt, wie es geht.

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Metamorphosen Im Bildnerischen Gestalten entwerfen die Schülerinnen und Schüler der 1. Sek. eine Metamorphose der speziellen Art. In regelmässigen Schritten soll sich ein Gegenstand in einen anderen entwickeln und dabei eine Form- und Materialverwandlung durchlaufen. So wird eine graue Maus zum Auto mit glänzender Karosserie, ein Seepferdchen zur Frau in elegantem Abendkleid oder eine Patrone zur Schere. Dabei sind die Zwischenformen besonders interessant zu entwerfen, da sie ganz in der Fantasiewelt angesiedelt sind. Jonas hat zu seiner Gestalterischen Arbeit im anschluss eine geschichte verfasst.

schnell sie konnte, denn sie wusste, dass der Zauber nicht ewig halten würde. Sie bog in den Feldweg Richtung Bauernhof, auf dem die Katze zu Hause war. Nun würde sie sich rächen und die Katze überfahren! Doch als sie kurz vor der Katze war, gab es einen Sprung in die Scheibe. Liess die Wirkung des Zaubers schon nach? Es machte «plopp» und das Auto verwandelte sich mit einem Schlag wieder in eine Maus. Diese musste so schnell wie möglich von der Katze wegrennen und wieder in ihrem Bau ein normales Mauseleben führen. Tote bleiben tot, auch wenn man sie rächt.

Die Maus ist eines der kleinsten Säugetiere der Welt. Deshalb wird sie auch von allen gejagt, überfahren oder in Käfige gesteckt. Eine Kleinmäusefamilie, die ihren Bau in der Nähe einer Autobahn gegraben hatte, betrauerte wieder einmal eines ihrer Mitglieder, das Opfer einer Katze geworden war. Die ältere Maus hatte sich zu weit vom Bau entfernt und die Katze hatte zugeschlagen. Nun beschloss eine junge Maus, dies zu rächen und deshalb einen Zauberer aufzusuchen, der ihr helfen konnte. Der Zauberer war eine Statue auf einer Insel in der Bretagne. Die junge Maus machte sich also auf die mühsame Reise. Zuerst ging sie zu einem Hafen am Meer und wurde quasi zu einer Hafenmaus. So geriet sie auf einen grossen Frachter, der zu der bretonischen Insel fuhr. Doch darauf befand sich auch eine Katzenfamilie, die Hafenratten vom Schiff fernhalten sollte. Die Maus war aber nicht dumm. Sie versteckte sich gut und frass immer nur dann, wenn die Katzen ihr Futter schon bekommen hatten und nicht mehr jagdhungrig waren. Die Reise auf dem Schiff dauerte fünf Tage, die Maus wurde schon fast seekrank, doch endlich fuhr der Frachter in den Hafen ein. Die Maus kletterte einem Seil entlang an Land. Zum Glück lagen in Frankreich überall Brosamen von Baguetten herum und die Maus musste nicht verhungern. Als sie an ihrem Ziel angekommen war, wünschte sie sich von der Zauber-Statue, in ein Auto verwandelt zu werden. So wurde sie grösser und fetter, die Füsse wurden langsam zu Rädern, die Augen verwandelten sich in Fenster und das Fell wurde glatter und glänzender und wurde zu Metall. In dieser Gestalt fuhr sie zum Hafen zurück und mit der Fähre übers Meer. Auf der Autobahn raste sie so

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Aktivitäten und Projekte

Naturkundlicher Unterricht Das Minitechnorama

Von Germaine Stucki

Bin ich hier in ein Forschungslabor geraten? Es ist Mittwoch Morgen, halb acht Uhr, ich stehe vor dem Zimmer der 1. Sekundarklasse und blicke in einen Raum, der einen spannenden Morgen verheisst: Wasserbecken, Gläser, Heizplatte, Petflaschen, Ballone, Holzstäbe, Klebebänder, Scheren, Schnüre, Garne, Trinkhalme und manch andere Gegenstände liegen bzw. stehen – sorgfältig angeordnet – auf neun im Raum verteilten Tischen. Etwas unpassend zu all den Materialien, die eher auf handwerkliches Tun verweisen, liegt auf einem Tisch neben einem Brett und zwei mit Wasser gefüllten Becken auch ein Buch mit dem Titel «Die Rückseite des Spiegels». Was hat hier wohl die Literatur zu suchen? Die nach und nach immer zahlreicher eintreffenden Kinder werfen neugierige Blicke ins 1.-Sek.-Zimmer und stellen fest: «Da ist ja alles umgestellt!» und: «Ich möchte auch hier dabei sein!» Die Schülerinnen und Schüler der ersten und der zweiten Sek. wissen es schon: Heute findet in ihren Klassen ein Projektmorgen zum Thema «Experimente durchführen und beschreiben» statt. Sie versammeln sich alle im Zimmer der 2. Sek., welches für diesen Tag ebenfalls umfunktioniert worden ist: Während das andere Zimmer als Forschungslabor dient, ist dieser Raum für heute in eine Schreibstube verwandelt. Herr Eichenberger und Herr Schmid begrüssen die beiden Klassen und erklären den Ablauf des Projekts: Jeder Schüler hat den Auftrag, fünf der insgesamt neun Experimente durchzuführen – welche er wählt und die Reihenfolge sind ihm überlassen. Dabei gibt es vier Phasen: Anleitung lesen, Experiment durchführen, Beobachtungen machen und Beobachtetes skizzieren und beschreiben.

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Nach einer einführenden Übung kann es losgehen. Die Schülerinnen und Schüler begeben sich ins andere Zimmer und verteilen sich auf die verschiedenen Stationen. Auf jedem Tisch liegt eine ausführliche Anleitung, wie bei dem jeweiligen Experiment vorzugehen ist. Diese muss als erstes genau studiert werden. Zu zweit oder zu dritt beginnen die jungen Forscher und Forscherinnen nun mit der Durchführung der Experimente. Dabei ist es wichtig, dass sie die einzelnen Arbeitsschritte genau einhalten. Oft gelingt der Versuch nicht auf Anhieb und sie müssen geduldig herausfinden, wo das Problem liegt. Ah, da ist bei der Anleitung doch etwas überlesen worden! Oder die Heizplatte ist noch zu wenig warm, die Schnur nicht genug gespannt. Viele Aufgaben verlangen Ausdauer und ein sorgfältiges Vorgehen, oft braucht man eine ruhige Hand, manchmal auch etwas Fantasie. Da und dort ist Herrn Eichenbergers Unterstützung gefragt. Wenn der Versuch gelingt, ist es wichtig, ihn mehrmals zu wiederholen, denn nur so kann der Verlauf genau nachvollzogen werden. Immerhin gilt es, die Beobachtungen im Kopf zu behalten, damit sie anschliessend im Skizzenheft gezeichnet und in Worte gefasst werden können. Die Jugendlichen haben sichtlich Spass am Experimentieren. Flaschen werden gefüllt, Ballone aufgeblasen, Gläser gewärmt und wieder gekühlt, überall sind die jungen Forscher in Aktion. «So geil!», «Komm, wir machen es noch einmal!», «Verstehst du, was da passiert?», «Reicht es, wenn wir es siebenmal gemacht haben?», «Schau mal, wie lustig!» Die Schüler helfen einander: «Du musst mehr Wasser einfüllen, dann geht’s!», stellen Fragen: «Warum ist das wohl so?», geben auch schon erste Antworten: «Weil Wärme steigt.»

Während im «Forschungslabor» lebhafter Betrieb herrscht, wird in der «Schreibstube» ruhig und konzentriert gearbeitet. Herr Schmid steht helfend zur Seite, denn die Aufgabe ist gar nicht so einfach: Wie kann ich das, was ich gesehen habe, möglichst verständlich in Sätze übertragen? Auch hier gilt es, die Anleitung zu befolgen: Bei der Beschreibung geht es darum, sich genau an die Fakten zu halten, keine Gefühle einfliessen zu lassen und keine Erklärungen abzugeben. Der Text muss also sachlich und sehr präzise formuliert sein. An diesem Morgen des 3. Novembers ging es nur ums Experimentieren, Beobachten und Beschreiben, nicht aber darum, die Phänomene zu deuten. Diesem nächsten – wichtigen – Schritt, dem der Auswertung des Wahrgenommenen, widmete sich ein zweiter Projektmorgen. Und bei einem Besuch des Technoramas in Winterthur hatten die Jugendlichen schliesslich Gelegenheit, noch zahlreiche weitere Experimente kennen zu lernen und sich mit der Welt der Wissenschaft vertraut zu machen. Übrigens: Das Buch «Die Rückseite des Spiegels» diente lediglich als Unterlage, um ein Brett in eine Schräge zu bringen und darauf ein Glas hinuntergleiten zu lassen. Für heute sollte das Wissen eben gerade einmal nicht aus der Lektüre, sondern ganz aus der Anschauung gewonnen werden. Von Marcel Eichenberger

Im naturwissenschaftlichen Unterricht setzen wir uns mit anspruchsvollen Themen der belebten und unbelebten Natur auseinander, wie beispielsweise dem Luftdruck, der Optik oder der Verbrennung. Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten sich, neben den grundlegenden Arbeitsweisen, ein naturwissenschaftliches Basisverständnis für die spätere Berufsausbildung bzw. für weiterführende Schulen. Wichtigstes Ziel dabei ist es, das oft noch unvollständige «Wissen» von Kindern und Jugendlichen aufzunehmen, zu ergänzen und nötigenfalls zu berichtigen. Viele Schülerinnen und Schüler glauben zum Beispiel, dass Luft «nichts» sei, da sie kein Gewicht habe und eigentlich nur dann vorhanden sei, wenn sie sich bewege, also wenn der Wind weht. Im naturwissenschaftlichen Unterricht werden solche Betrachtungen zuerst einmal erfragt, gesammelt und diskutiert. Nun überprüfen wir anhand einfacher Versuche, inwieweit die angestellten Vermutungen sich tatsächlich auch bewahrheiten, und so zeigt sich bei genauerem Hinsehen bald, dass

Luft eben nicht «nichts» ist, sondern Widerstand bietet, sich bei Erwärmung ausdehnt, einen Druck ausüben kann und sogar ein Gewicht hat. Häufig stehen dann solche Erkenntnisse im Gegensatz zu dem, was Kinder und Jugendliche glauben bzw. schon irgendwo einmal gehört oder aus Medien übernommen haben. Dann einzusehen, dass Bälle nicht springen, weil sich in ihnen Luft befindet, und zu erkennen, dass auch Holz- und Metallkugeln springen können, weil ihr Material elastisch ist und sich nach der Verformung wieder ausdehnt, ist nicht immer einfach, denn es kann bedeuten, sich von lieb gewonnenen, aber leider falschen Vorstellungen verabschieden zu müssen. Wir Lehrpersonen unterstützen die Schülerinnen und Schüler in diesem anspruchsvollen Umbauprozess des eigenen Wissens und bieten ihnen in verschiedenen Gebieten der Naturwissenschaft die Möglichkeit, die notwendigen Handlungserfahrungen zu machen. Dabei gewinnen die Jugendlichen bedeutsame Erkenntnisse, die sie nicht nur im konkreten Einzelfall, sondern in vielen anderen Bereichen aktiv und gewinnbringend einsetzen können.

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Ein freundliches Volk

Plaudern, diskutieren, planen, handeln

Lesung der Autorin Karin Gündisch Die Primarschulklassen haben sich einige Wochen lang mit dem Buch «Cosmin» der aus Siebenbürgen stammenden Schriftstellerin Karin Gündisch beschäftigt. Dabei ging es nicht nur ums Lesen und Verstehen der Geschichte, sondern vor allem auch um die Auseinandersetzung mit den darin angesprochenen Problemen. Krönender Abschluss der Lektüre bildete der Besuch von Frau Gündisch Ende November an der Schule Zürich Nord.

Zusammenfassung «Cosmin» ist ein Buch über einen 12-jährigen Jungen. Er ist Roma und lebt in Rumänien. Cosmin wohnt mit seiner Mutter und seinen zwei jüngeren Schwestern, Dorina und Adriana, in einer Hütte. Sein Vater kommt und geht, wie es ihm passt, meistens ist er abwesend. Wenn der Vater nicht da ist, dann ist Cosmin der Mann im Haus. Cosmin und seine Geschwister gehen nicht zur Schule, bis die Lehrerin ein Druckmittel findet: Strom für den Fernseher! Irgendwann beschliesst Cosmin sein Glück in der weiten Welt zu versuchen und verlässt klammheimlich sein Zuhause. (Jill und Sebastian) Kommentar zum Buch Am Anfang und gegen den Schluss ist die Geschichte sehr spannend, zwischendurch wird es etwas langweilig. Der Teil, als Cosmin mit dem Lastwagenfahrer mitgeht und dann zum ersten Mal ein sauberes Frottiertuch benutzt, ging mir richtig ins Herz. Das Ende hat mir nicht so gut gefallen, weil plötzlich alles so schnell geht und ohne richtigen Schluss aufhört. (Laila und Jill) Empfehlung Dieses Buch würde ich jemandem empfehlen, der gerne Bücher über verschiedene Religionen und Kulturen liest. (Jill) Aus dem Gespräch mit Karin Gündisch: Jann: Ist es anstrengend, ein Buch zu schreiben? Karin Gündisch: Es ist schon ein wenig anstrengend. Aber ich mache es gerne und freue mich, wenn es bei den Lesern gut ankommt. Ich hatte auch schon Probleme beim Schreiben. Aber dann habe ich recherchiert und Leute befragt, dann kamen mir wieder neue Ideen und ich konnte weiter schreiben. Stefan: Wie lange schreiben Sie an einem Buch? Frau Gündisch: Einmal habe ich ein Buch in neun Monaten geschrieben. Normalerweise arbeite ich

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aber im Minimum ein Jahr an einem Roman, manchmal geht es auch zwei bis drei Jahre. Davide: Warum haben Sie «Cosmin» geschrieben? Frau Gündisch: Viele Romakinder besuchen keine Schule. Ich wünsche mir, dass auch sie in die Schule gehen können, um nachher einen Beruf zu erlernen. Mit diesem Buch möchte ich zeigen, wie wichtig Bildung für das Leben ist. Kevin: Wieso wissen Sie so viel über die Romas? Karin Gündisch: In Rumänien, wo ich aufgewachsen bin, gibt es sehr viele Romas. Ich kenne viele persönlich. Ich habe sie befragt und mit ihnen gesprochen. Ich habe auch sehr viele Bücher darüber gelesen. Stefan: Haben Sie mit Romas freundschaftliche Kontakte gehabt? Karin Gündisch: Ja. Ich kenne mehrere Familien. Ich kenne die Puri und die Lehrerin. Die Puri hat mich auch schon in ihr Haus eingeladen. Es ist ein freundliches Volk, wenn man sie anständig behandelt. Mahschid: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, gerade eine Geschichte über Cosmin zu schreiben? Karin Gündisch: Ich kenne Cosmin und die anderen Figuren im Buch persönlich. Ich finde ihr Leben faszinierend und wollte darüber berichten. Philipp: Gibt es also Cosmin im wirklichen Leben? Karin Gündisch: Ja, Cosmin gibt es wirklich. Er ist in der Zwischenzeit etwa 22 Jahre alt und hat eine eigene Familie. Leider hat er den Schulabschluss nicht gemacht. Er arbeitet als Tagelöhner bei einem Bauern. Viele Geschichten im Buch sind so passiert, viele sind jedoch auch erfunden oder von mir ausgeschmückt worden. Mahschid: Leben die Romas wirklich in solchen Verhältnissen wie Cosmin? Karin Gündisch: Ja! Viele Romakinder können nicht zur Schule gehen, weil sie schon früh arbeiten müssen. Die Familien sind oft sehr arm und leben von der Hand in den Mund. Sie können sich häufig keinen Strom und kein warmes Wasser leisten. Philipp: In der Geschichte kommen McDonalds und Handys vor. Wann spielt die Geschichte? Karin Gündisch: Die Zeit in diesem Dorf ist stehen geblieben. Die Geschichte spielt vor ein paar Jahren, könnte aber genauso gut heute spielen. Laila: Der Schluss von «Cosmin» ist recht offen. Schreiben Sie noch weitere «Cosmin»-Geschichten? Karin Gündisch: Nein, das ist das einzige «Cosmin»Buch. Ich liess den Schluss absichtlich offen, damit sich die Leser selber einen Schluss vorstellen können. Zudem haben viele Romas schulisch wenig Glück, es hätte also kein Happyend gegeben.

Der kommunikative Wert der Sprache Von Germaine Stucki

Peter Bichsel hielt vor vielen Jahren in einer grossen Firma einen Vortrag über sprachphilosophische Betrachtungen. Ganz nebenbei erwähnte er, dass die Menschen vor allem sprechen, um zu sprechen, dass nur ein kleiner Prozentsatz des Sprechens wirkliche Informationen enthalte. Als ihn der Veranstalter verabschiedete, meinte er, man habe aus dem Vortrag lernen können, dass in ihrem Betrieb noch grosse Rationalisierungen möglich seien. Man werde künftig vermehrt darauf achten, dass man nur noch spreche, wenn wirkliche Informationen ausgetauscht werden müssen. Sofern die Firma dies wirklich durchgesetzt hat, existiert sie heute nicht mehr. Denn Sprache ist nicht nur ein Mittel, um etwas auszudrücken, sie ist auch Leben selbst. Wir sprechen, um miteinander in Kontakt zu sein und uns zu zeigen, dass wir uns mögen. Aber natürlich spielt der Austausch von Informationen oft – vor allem im schulischen Rahmen – eine grosse Rolle. So ging es am Anfang einer Unterrichtseinheit in der 3. Sek. zum Thema Kommunikation vorerst nur um die Vermittlung von wichtigem theoretischem Hintergrundwissen. Die Klasse lernte u. a. Kommunikationsmodelle kennen und übte sich in der Analyse von verschiedenen Gesprächsituationen. Der praktische Teil der Unterrichtseinheit bildete dann aber eine Reihe von Diskussionen, die die Schülerinnen und Schüler selbständig planten, einführten und leiteten. In sieben Lektionen wurde also diskutiert, debattiert und auch mal geplaudert über Abtreibung, Ausschaffungsinitiative, Sekten, Legalisierung von Drogen, Rechte der Frau, Sinn der Schule und über die Abholzung des Regenwaldes. Wie engagiert sich die Schülerinnen und Schüler auf die Auseinandersetzung mit diesen Themen einliessen, zeigt der folgende Beitrag. Kekse für die Rettung des Regenwalds Von Schülerinnen und Schülern der 3. Sek.

Als Adriano und Stephan ihre Diskussion über die Abholzung des Regenwalds leiteten, brachte unser Lehrer, Herr Deubelbeiss, ein Plakat des WWF mit. Daraus erfuhren wir, dass man mit 50 Franken ein Jahr lang einen Quadratkilometer Regenwald schützen kann. Da machten Nicole und Merit den Vorschlag, eine Sammelaktion zugunsten des brasilianischen Regenwalds zu starten. Dies fanden die

meisten von uns gut und wir begannen sofort zu planen. Im Klassenrat diskutierten wir darüber, dass wir etwas verkaufen und den Erlös dem WWF spenden könnten. Jemand schlug vor, jeder von uns sollte für den Verkauf Weihnachtskekse backen. Damit uns die Leute auch glauben würden, forderte Adriano beim WWF Broschüren an, Christina schrieb einen Brief und Stephan erstellte ein Formular, auf dem sich die Leute eintragen konnten. Am 10. Dezember war es dann soweit: Es ist Freitag Morgen. In unserem Schulzimmer duftet es nach frischen Guetsli. Alle Schülerinnen und Schüler haben auf heute gebacken, 14 Sorten sind zusammengekommen: Spitzbuben, Mailänderli, Zimtsterne, Lebkuchen usw. Nach dem Mittagessen starten wir unser Projekt: Es werden etwa hundert durchsichtige Tüten mit je zehn bis vierzehn Guetsli gefüllt und mit einer roten oder weissen Schleife verschnürt. Danach teilen wir uns in mehrere Gruppen auf und gehen los. Um zwei Uhr stehen wir auf der Bahnhofstrasse und beginnen die Tüten für je fünf Franken zu verkaufen. Immer wieder sprechen wir die Leute an mit: «Entschuldigung, wänd Sie es Säckli Guetsli kaufe für den guete Zwäck?» Die meisten Passanten sagen nein oder schütteln nur den Kopf, sie sind in Eile und haben keine Zeit, uns zuzuhören. Es ist ein wenig frustrierend, aber wir lassen uns nicht unterkriegen. Und so stossen wir doch immer wieder auch auf Leute, die interessiert sind, die Fragen stellen und uns dann fünf Franken oder sogar mehr für eine Tüte Kekse bezahlen. Als wir uns schliesslich alle zusammen um 16 Uhr vor dem Globus treffen, können wir Herrn Deubelbeiss insgesamt rund 500 Franken abliefern. Das beweist, dass die Züricherinnen und Zürcher auch im grössten Weihnachtsstress gewissenhaft sind und Gutes tun wollen. Und uns selber hat die ganze Aktion grossen Spass gemacht. Als Adrianos Vater uns anbot, den Betrag noch zu verdoppeln, konnten wir dem WWF schliesslich 1000 Franken überweisen!

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Kontakte und Menschen

Frische Früchte vom Markt von Fabian, 3. Sek. Seit Mittwoch, dem 22. September 2010, gibt es bei uns jeden Mittwoch frische Früchte vom Markt. Wir bekommen sie von Herrn Werner Pfister aus Freienstein an die Schule geliefert. Im Herbst Bekamen wir Zwetschgen, Äpfel, Birnen und Trauben, Ab Dezember auch Mandarinen und Orangen. Wichtig ist, dass die Früchte saisonal und frisch sind. Am 25. Oktober interviewte ich herrn pfister auf seinem hof.

Herr Pfister ist auf einem Bauernhof aufgewachsen. Seine Eltern waren Bauern. Sein Vater lieferte die Kartoffeln dem Volg. Doch als er zweimal mit je vier Tonnen Kartoffeln nach Hause geschickt wurde, fing er an, selber auf den Markt zu fahren. Das war in den 70er Jahren. Herr Pfister machte eine Lehre als Mechaniker. Er war im letzten Lehrjahr, als sein Vater starb. Daraufhin führte seine Mutter den Hof und ging auf den Markt. Herr Pfister musste ihr oft helfen, und so entschied er sich, nicht mehr als Mechaniker in der Werkstatt zu arbeiten, sondern nur noch auf den Markt zu gehen. Schliesslich übernahm sein ältester Bruder den Hof.

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Herr Pfister, wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen? Als meine Mutter älter und es für sie zu anstrengend wurde, auf den Markt zu gehen, habe ich mich 1984 entschieden, meinen gelernten Beruf aufzugeben und bei meiner Mutter zu arbeiten. Im Jahr 1993 habe ich dann den Betrieb von meiner Mutter übernommen. So hat sich das ergeben, dass ich von meinem Bruder und von einem Nachbarn Land pachtete und darauf, wie meine Mutter schon, Gemüse und Blumen anpflanzte. Wie viele Hektaren Land für Blumen und Gemüse haben Sie? Insgesamt sind es 1,2 Hektaren, davon sind 40 Aren für Blumen und 80 Aren für spezielles Gemüse. Verdient man gut mit Blumen und Gemüse? Mit der Eigenproduktion in dieser Grössenordnung könnte ich meinen Unterhalt nicht bezahlen, aber da ich noch Früchte und Gemüse dazu kaufe und auf dem Markt verkaufe, kommen wir eigentlich gut durch. Mit den Blumen machen wir 30 Prozent und mit dem Gemüse ca. 5 Prozent des Gesamtumsatzes, den Rest machen die gehandelten Produkte aus. Haben Sie selber gar keine Früchte? Nein, aber mein Bruder baut auf ca. 130 Aren Kirschen und Zwetschgen an, von denen ich ihm natürlich soviel abnehme, wie ich brauchen kann, und den Rest kaufe ich im Zürcher Engrosmarkt ein. Mit was für Arbeitsmitteln arbeiten Sie? Wir haben einen kleinen Maschinenpark zur Bodenbearbeitung und Pflege der Kulturen, jedoch das Setzen und das Ernten machen wir von Hand. Wie schaffen Sie es, das alles unter einen Hut zu kriegen? Alleine würde ich das nicht schaffen, doch meine Frau hilft zu ca. 40 Prozent mit, daneben beschäftigen wir drei Festangestellte und dazu kommen noch rund zwei bis acht Verkäufer. Auch meine Tochter hilft mit. Wir fahren am Dienstag, Mittwoch, Freitag und Samstag auf den Markt. Montags und donnerstags sind wir den ganzen Tag im Garten am Aussähen, Setzen, Jäten, Pflegen oder Ernten und Rüsten der Produkte. Wir produzieren alle Setzlinge selber. Es ist etwas vom Schönsten, wenn man etwas aussähen, setzen, das Heranwachsen miterleben und schliesslich ernten kann. Ich danke Ihnen, dass Sie sich die Zeit genommen haben, mir einige Fragen zu beantworten.

WETTBEWERB: Wo ist Das? Wie gut kennst du Zürich Nord? Sende deine Lösung mit dem Betreff «NORDpunkt-Bilderrätsel» bis spätestens erster März an die Mailadresse nordpunkt@schule-zuerich-nord.ch. Bei mehreren richtigen Antworten bestimmt das Los den Sieger/die Siegerin. Gewinn: ein Kinogutschein. Aus dem letzten Wettbewerb ist die richtige Antwort von Alex eingegangen: Innenhof beim Max-BollingerWeg!

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NORDpunkt 3. Ausgabe 2011  

Der NORDpunkt ist die Schulzeitung der Schule Zürich Nord.

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