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2. Ausgabe 2009/10

NORD punkt


Editorial EDITORIAL NORDpunkt ALLTAG UND UNTERRICHT Annäherung an Kafka Der Gummifinger GESTALTEN UND SCHREIBEN Wie man dem Ton Flügel verleiht Lohnende Anstrengungen Aus Alt mach Neu AKTIVITÄTEN UND PROJEKTE Leas Verschwinden sorgt für viel Publikum Kunst im öffentlichen Raum Bello Ticino KONTAKTE UND MENSCHEN Verabschieden und begrüssen Kinder zogen mich immer magisch an Kindheit im Nationalsozialismus Ein Profi in Sachen Schule WO UND WAS Wettbewerb

IMPRESSUM HERAUSGEBERIN Schule Zürich Nord Max-Bill-Platz 11 8050 Zürich nordpunkt@schule-zuerich-nord.ch www.schule-zuerich-nord.ch REDAKTION Germaine Stucki, Regula Weber LEKTORAT Bruno Fuchs GESTALTUNG Regula Weber DRUCK ADAG COPY AG

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Die Rosinen im Teig – oder: Die Rosinen und der Teig Sie halten die zweite Ausgabe unserer Schulzeitung NORDpunkt in Ihren Händen. Es freut uns sehr, Ihnen mit dem vorliegenden Heft ein weiteres Mal einen Einblick in unsere Schule und ihre Entwicklung geben zu können. In diesem Semester war der Schulalltag unserer Schülerinnen und Schüler mit vielen Rosinen gespickt: Schreiben des Schulhausromans «Leas Verschwinden» und Buchvernissage mit Lesung, Schneetag auf dem Pizol, Besuch verschiedener Theateraufführungen, Tonwoche, Projekt Kunst im öffentlichen Raum, Schullager in Arcegno usw. Es sind diese Rosinen, die einem Schuljahr seinen einzigartigen Geschmack verleihen, und es sind auch die Rosinen, an die man sich oft noch Jahrzehnte später genau erinnern kann. Aber: Was wäre ein Kuchen, der nur aus Rosinen bestünde? Ein Kuchen ohne Teig? Das wäre kein Kuchen mehr, das wäre einfach ein Haufen Weintrauben, und von denen mögen wir nicht allzu viele aufs Mal essen. Genau so ist es in der Schule. Schule ohne Schulalltag, ohne die Sprachen, die Mathematik, die Geschichte, die Naturwissenschaften? Das wäre keine Schule, das wäre nur noch eine Anhäufung von Events. In diesem Heft erfahren Sie deshalb sowohl etwas über die Rosinen als auch etwas über den Teig, unseren Schulalltag. Ausserdem lernen Sie eine unserer Lehrerinnen näher kennen und erfahren, was eine Praktikantin an der Schule Zürich Nord für Erfahrungen gesammelt hat. Der schulische Alltag und die besonderen Ereignisse werden tagtäglich von unseren Lehrkräften professionell und mit viel Engagement erarbeitet und gestaltet. Dafür möchte ich ihnen an dieser Stelle ein grosses Dankeschön aussprechen. Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, unseren Schülerinnen und Schülern, allen Lehrerkräften und den Mitarbeitenden an der SZN zuerst einmal schöne und erholsame Ferien und anschliessend ein erfolgreiches, ereignisvolles Schuljahr. Beat Stucki, Schulleiter

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Alltag und Unterricht

Annäherung an Kafka

Nach diesem Schreibauftrag war die Neugier auf den Originaltext Kafkas geweckt. Die darauffolgende Lektüre ergab dann zahlreiche äusserst spannende Gespräche. Einen krönenden Abschluss der Unterrichtseinheit bot schliesslich der Besuch einer Theateraufführung im Schauspielhaus.

ten eine schwierige Aufgabe, sie mussten nämlich den fünfzig Seiten langen Text auswendig lernen. Zusammen mit der Deutschlehrerin haben wir vorher die Erzählung gelesen. Sie war keinesfalls einfach, nein, ganz im Gegenteil. Die Geschichte handelt vom reisenden Tuchwarenverkäufer Gregor Samsa, der eines Morgens als Käfer aufwacht. Er nimmt es gar nicht so ernst, wichtiger ist es ihm, zur Arbeit zu kommen, was er jedoch nicht schafft. Der Prokurist seines Geschäftes kommt vorbei, um zu schauen, warum Gregor nicht bei der Arbeit erscheint. Als er den jungen Samsa sieht, ist dieser seinen Job gleich los. Die einzelnen Familienmitglieder merken, dass sie wieder arbeiten gehen müssen und nicht einfach den Sohn bzw. den Bruder schicken können. Die Schwester, die zu Beginn Gregor noch füttert und sich um ihn kümmert, ist diejenige, die schlussendlich den Vorschlag bringt, ihn zu töten. Nach einigen Überlegungen und der Zustimmung der Eltern lassen sie Gregor einfach verhungern. Zurück zum Theater. Als die ganze zweite Sek. um halb neun in der Kammer sassen, begann die Vorstellung. Einigen Gesichtern konnte man eine kleine Enttäuschung ansehen, da es weder ein Bühnenbild noch eine richtige Verkleidung gab. Einige waren auch überrascht, als sie genau den gleichen Text nochmals hörten, den sie zuvor schon gelesen hatten. Doch die Schauspieler zeigten grosse Leistungen, sie sprachen sehr schnell und waren gut aufeinander abgestimmt. Nur einmal vermeinte ich einen Fehler gespürt zu haben, nämlich als der Vater etwa fünf Minuten reglos dastand und Gregor seinen Text übernommen hatte. Herr Stucki sagte uns jedoch nach dem Stück, dass dies absichtlich so gespielt worden sei. Die Geschichte «Die Verwandlung» ist typisch für Kafka, er schrieb oft Geschichten, die kein Happy End haben. Sein Schreibstil ist eher beängstigend und bedrückend. Ich meine, wer möchte schon morgens als Käfer aufwachen?

Wer möchte schon morgens als Käfer aufwachen? Von Robin, 2. Sek.

Kafka im Deutschunterricht - Ein Interview mit Merit, Niza und Jasmin, geführt von Adriano und Julia

Am Freitagabend, 26. März 2010, ging die zweite Sek. der SZN das Stück «Die Verwandlung» von Franz Kafka schauen. Die etwa eineinhalb Stunden dauernde Aufführung wurde von vier Schauspielern in der Kammer des Schauspielhauses gespielt. Sie hat-

Findet ihr es sinnvoll, mit einer 2. Sek. Franz Kafka zu lesen? Jasmin: Ich war zuerst einmal ziemlich beeindruckt, dass man uns das zutraut, und ehrlich gesagt bin ich froh, denn mir gefiel das Buch sehr. Ich habe

Von Schülerinnen und Schülern der 2. Sek. ZEICHNUNGen VON ANITA UND MERET, 3. SEK.

Während des ersten Quartals des Frühlingssemesters 2010 beschäftigte sich die 2. Sekundarklasse im Deutschunterricht mit Franz Kafka und dessen Erzählung «Die Verwandlung». Eine Exkursion ins Schiffbautheater bildete den Auftakt zu den verschiedenen Aktivitäten. Die Führung durch die Räume des Theaters bot einen spielerischen Einblick in die verschiedenen Arbeitsorte des Hauses. Ausserdem lernten die Schülerinnen und Schüler über mehrere kleinere Texte die besondere Erzählweise Kafkas kennen und wurden anhand einiger Aufgabenstellungen mit kafkaesken Situationen konfrontiert. Im Deutschunterricht erhielt die Klasse als Einstimmung in die Lektüre der «Verwandlung» die leicht abgeänderten ersten Sätze der Erzählung, die einen mit der überraschenden Feststellung des Protagonisten Gregor Samsa bekannt machen, dass er sich in einen Käfer verwandelt hat. Auftrag war es, eine kurze Fortsetzung aus der Ich-Perspektive Gregors zu schreiben. «Als ich eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand ich mich in meinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt. Ich lag auf meinem panzerartig harten Rücken und sah, wenn ich den Kopf ein wenig hob, dass ich sechs Beine hatte. Ich versuchte mich aufzustützen, aber auch beim zweiten Mal ging es nicht. Ich wollte schreien, aber ich brachte keinen einzigen Ton heraus. Dann hörte ich, wie die Türe aufgeschlagen wurde. Es war meine Mutter. Ich sah, dass auch sie sich in ein Ungeziefer verwandelt hatte. Was zur Hölle ging hier vor?» (von Selin)

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«Als ich eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand ich mich in meinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt. Ich lag auf meinem panzerartig harten Rücken und sah, wenn ich den Kopf ein wenig hob, meine sechs kleinen Beinchen und meinen gewölbten Bauch. Ich ging vor den Spiegel und bemerkte, dass sich in der Mitte meines Gesichts ein riesiges Horn befand und meine Augen stark nach aussen standen. Es sah sehr hässlich aus. Ich hatte auch vier rote Flügel mit schwarzen Punkten, zwei grosse und zwei kleine. Um sie zu testen, sprang ich aus dem Fenster. Es war schön zu fliegen, nur der Wind störte ein wenig, weil er mich immer ausser Kontrolle brachte. Ich flog in die Schule, wo ich feststellte, dass alle anderen ebenfalls zu Insekten geworden waren, so dass ich niemanden mehr erkennen konnte.» (von Marco)

noch nie so etwas Ähnliches gelesen. Je früher man solche Literatur kennen lernt, um so besser. Niza: Ich finde, dass jeder Mensch ein Gespür für gute Literatur bekommen und sich damit auseinandersetzen sollte. Es ist auch sehr wichtig, dass man gute Sachen liest und ab und zu ins Theater geht. Wie hat euch das Theater gefallen? Niza: Was mir am besten gefallen hat, waren die Bühne und die Schauspieler. Ich fand, dass die Schauspieler die Geschichte sehr gut rüber gebracht haben und dass es nicht wie bei einem normalen Theater eine hohe Bühne gab, sondern der Zuschauer ganz nah bei den Schauspielern war. Man hat auch gesehen, dass es – wie wir im Unterricht besprochen haben – gar nicht darum ging, ob Samsa wirklich ein Käfer geworden ist oder nicht. Wir haben intensiv über die Erzählung diskutiert, auch sehr psychologisch und philosophisch. Das Theater hat das gut wiedergegeben, was wir besprachen. Merit: Es war ganz anders, als ich es von anderen Theatern gewöhnt war. Das Bühnenbild war sehr karg, man hat es sich im Voraus ganz anders vorgestellt. Aber es ist eigentlich genau der springende Punkt: An der Kulisse hat man gut nachvollziehen können, wie trostlos die Situation der Familie Samsa ist. Mich hat am meisten beeindruckt, wie die Schauspieler die Emotionen rüber gebracht haben. Sie hatten auch nur wenige Requisiten, aber sie haben so gut gespielt, dass man wirklich gemerkt hat, wie Gregor und seine Familie sich fühlen. Werdet ihr später wieder einmal etwas von Kafka lesen? Merit: Ja, das könnte ich mir schon vorstellen. Ich fand die Geschichte spannend. Jasmin: Ja! Wir haben zu Hause viele Bücher und meine Mutter sagt, dass wir auch von Franz Kafka etwas haben. Sobald ich Zeit habe, werde ich es mir vornehmen. Niza: In der Freizeit vielleicht nicht, aber in der Schule fände ich es gut. Aber eine Theateraufführung von einem Kafka-Stück würde ich jederzeit wieder sehen gehen.

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Gestalten und Schreiben

Der Gummifinger Kurzkrimi – ein Produkt aus dem Schullager Von Valentin und Sven, 4. und 6. Klasse

An einem schönen Sommertag kaufte im Campo Pestalozzi ein kleines Mädchen namens Chicago am Kiosk eine Packung süsse Gummifinger. Als Chicago das Säckchen öffnete, bemerkte sie, dass sich zwischen den farbigen Gummifingern noch ein völlig anders aussehender Finger befand. Weil sie nicht wusste, was es genau war, rannte sie schnell zum Kiosk zurück und gab den komischen Finger dem Verkäufer. Dieser nahm ihn, bedankte sich bei Chicago und gab ihr dafür ein neues Päckchen. Chicago lief gemütlich wieder davon und dachte sich nicht viel dabei. Zwei Tage später kam Inspektor Baffumi mit einem Polizisten von der Kriminalpolizei Locarno. Sie suchten sorgfältig das Gelände ab und fragten alle Leute, ob sie etwas Merkwürdiges gesehen hätten. Herr Basconi, der Leiter des Kiosks, meinte nur: «Ich habe gar nichts bemerkt, ich weiss nichts.» Die Beamten verhörten auch alle Kinder und Lehrer, die im Campo im Klassenlager waren. Auch Chicago wurde befragt. Da erzählte sie dem Kriminalpolizisten: «Vor zwei Tagen habe ich am Kiosk Gummifinger gekauft. Sie waren sehr lecker, aber ein Finger war ganz anders, er war dunkel und so rot, wie wenn er blutig gewesen wäre. Ich habe ihn Herrn Basconi zurückgebracht, aber der meinte nur, das sei einfach eine andere Sorte. Er nahm den Finger ohne Probleme zurück und gab mir ein neues Päckchen.» Sofort gingen die Beamten noch einmal zum Kiosk. Weil dieser verschlossen war, klopften sie und riefen nach Herrn Basconi. Es kam aber niemand. Da raste plötzlich ein Auto mit sehr hoher Geschwindigkeit an ihnen vorbei. «Den kriegen wir problemlos!», sagte Inspektor Baffumi. Die Beamten rannten zu ihrem Wagen und gaben dort per Funk auf dem Polizeiposten die Nummer des Autos bekannt: TI 366666. Schon kurze Zeit später meldete ihnen die Zentrale: «Auto gestoppt, Fahrer verhaftet.» Es war der Kioskverkäufer Basconi. Inspektor Baffumi kehrte nun noch einmal zum Kiosk zurück und betrat das Haus, das gleich daneben lag. Dort fand er die halbe Leiche des Campobesitzers Raschumi! In den Verhören, die später mit dem Kioskleiter gemacht wurden, kam heraus, dass dieser Herrn Raschumi ermordet hatte. Herr Basconi hätte eigentlich gerne den Kiosk gekauft, aber der Campobesitzer wollte ihm das Geschäft nicht übergeben.

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Wie man dem Ton Flügel verleiht Ausserdem hatte er den Kioskleiter immer schikaniert und geplagt. Bei einem Streit hatte dann Herr Basconi plötzlich sein Messer gezückt und zugestochen. Anschliessend wollte er die Leiche verschwinden lassen, was aber schwierig war. Da entschloss er sich, sie zu zerstückeln und die einzelnen Körperteile den Kindern im Lager mit den Gummifingern und sonstigen Süssigkeiten zu verkaufen. Dank Chicagos Beobachtungen konnte er aber überführt und gefasst werden. Chicago war sehr froh, dass sie den «Gummifinger» nicht gegessen hatte und dass sie von allen als Heldin gefeiert wurde.

Texte Von Aaron, Badie, Laila und Tim Vor drei Jahren veranstalteten wir – die ganze Primarstufe – unsere erste gemeinsame Projektwoche im Rahmen des Werkunterrichts. Seitdem haben wir jedes Jahr eine solche Woche durchgeführt. Dieses Mal arbeiteten wir mit Ton. Es machte grossen Spass!

Am Montag hatten wir zuerst eine Einführung in die Tonwoche. Dort wurde uns erklärt, was wir in dieser Woche machen würden. Danach hat meine Gruppe bei Frau Schad experimentiert. Wir bekamen ein Stück Ton und mussten daraus einen Ball formen. Das ist mir recht gut gelungen. Der Würfel, den wir danach probierten zu formen, gelang mir weniger gut. Er sah eher wie ein Stück Käse aus. Es war nicht das Ergebnis, das ich erreichen wollte. Nach der Pause haben wir Daumenschalen gemacht. Dazu muss man die Daumentechnik anwenden, und die geht so: Zuerst macht man eine schöne Kugel, dann nimmt man sie in die eine Hand und mit der anderen bohrt man mit dem Daumen ein Loch hinein. Dann gibt man mit dem Daumen leicht Druck und dreht die Kugel immer etwas dabei. Mit der Zeit bilden sich Risse. Die gehen aber weg, wenn man mit ein wenig Wasser darüber streicht. Wenn man immer so weiter macht, bekommt man eine schöne kleine Schale. (Aaron, 6. Klasse)

dicker geworden. Frau Horvath sagte, ich solle ihn trotzdem fertig machen, aber er wurde einfach nicht dünner. Leider ist er am Schluss nach innen gesackt und ich zerstörte ihn darum noch ganz. Ich habe mich aber trotzdem auf den nächsten Tag gefreut und einfach etwas Neues gemacht. (Laila, 5. Klasse) Bei der Wursttechnik brauchten wir ein Messer und jede Menge Ton. Wir wollten damit eine Figur formen, die aussehen sollte wie ein Vogel. Als erstes nahmen wir ein Stück Ton und formten daraus unseren Boden, indem wir einen Kreis ausschnitten. Als zweites brauchten wir nochmals ein Stück Ton, den wir zu einer Wurst formten. Diese legten wir auf unseren Boden, so dass es aussah wie eine Schüssel. Am Schluss verstrichen wir dann die Wurst und alle Risse und Lücken. Ich fühlte mich gut, denn ich hatte eine Wurst geformt und jetzt war es auch schon eine schöne Schüssel. Der Weg bis zum Vogel war zwar noch weit, aber ich hatte schon einen guten Anfang. Ein paar Tage später war ich fast fertig. Andere Schüler hatten weniger Glück, ihnen ist der Vogel zusammengebrochen. Das zeigt auch, dass der Dreck, den wir Ton nennen, sehr empfindlich sein kann. Auf jeden Fall gefiel mir die Tonwoche sehr. Es war spannend zu sehen, wie aus einem Klumpen Dreck ein Vogel wurde. (Tim, 6. Klasse)

Mir hat die Tonwoche sehr gut gefallen. Wir konnten zum Beispiel Türme bauen. Mit magerem Ton werden die Türme höher, mit fettem Ton ist das schwieriger. Es war lustig. Frau Schad hat uns auch die Tätscheltechnik mit der Holzschaufel gezeigt. Die ist sehr nützlich, um alles schön glatt zu machen und um hohle Kugeln zu bekommen. Die Daumentechnik braucht man, um eine Schale zu machen. Bei Frau Horvath lernten wir die Würstchentechnik kennen. Wir haben auch erfahren, dass man mit Schlicker den Ton zusammenkleben kann. Damit hält er besser. (Badie, 4. Klasse) Ich habe in dieser Woche gelernt, dass Ton ein Zerfallsprodukt ist. Wir arbeiteten an einem Tonvogel. Zuerst machten wir aus einem Haufen Ton eine runde Unterlage und dann legten wir die Tonschlangen darauf. Ich musste zwei Mal anfangen, weil mein erster Vogel eine Schüssel geworden ist. Aber leider ging auch der zweite nicht besser. Am Anfang war der Vogel ganz normal, aber dann ist er immer

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Lohnende Anstrengungen

Aus Alt mach Neu

Abschlussarbeiten der 3. Sek. Von Adrian Deubelbeis, Klassenlehrer 3. Sek. Die Schülerinnen und Schüler der 3. Sek. haben sich im Rahmen des Fachs «Projektunterricht» während dreier Monate mit einem selbst gewählten Thema beschäftigt und eine Abschlussarbeit erstellt. Ein Projekt selber zu planen, durchzuführen und zu präsentieren erfordert viel Eigenverantwortung und Selbständigkeit. Gelungene Arbeiten sind auch immer mit Erfolgserlebnissen verbunden.

Mit der Abschlussarbeit erhalten die Jugendlichen eine Möglichkeit, eigene Interessen zu vertiefen, ihre Begabungen zu zeigen und neue Fähigkeiten zu erwerben. Zu Beginn suchen die Schülerinnen und Schüler nach einem Thema, das sie bearbeiten möchten. Danach erstellen sie ein Konzept mit einer Fragestellung und einem Ablaufplan. Die Jugendlichen machen erste Erfahrungen mit der Planung und Durchführung einer eigenen grösseren Arbeit. Für das Projekt müssen bestimmte Bedingungen erfüllt werden. Diese sollen die Schülerinnen und Schüler unterstützen, die Abschlussarbeit erfolgreich anzugehen. Die einzelnen «Meilensteine» werden individuell festgelegt und regelmässig besprochen. Es gibt Jugendliche, die in ihrer Arbeit immer wieder stecken bleiben und deshalb mit kleinen Hilfestellungen unterstützt werden müssen. Es gibt aber auch solche, die sehr selbständig vorgehen und zielsicher auf den Abgabetermin hin arbeiten. Während der ganzen Abschlussarbeit führen die Schülerinnen und Schüler ein Arbeitsjournal, in dem sie alle wichtigen Schritte dokumentieren. Dies hilft ihnen, ihren Arbeitsprozess zu reflektieren und zu dokumentieren. Es sollten im Journal Ideen und Fragen, aber auch verworfene Pläne und unüberwindbare Schranken aufgeschrieben werden. Auch Erkenntnisse können darin formuliert sein, die wieder in die Arbeit einbezogen werden. Es kann sogar vorkommen, dass jemand das Thema wechseln muss, weil er erkennt, dass das gewählte Vorhaben nicht zu verwirklichen ist. Am Semesterende werden die Abschlussarbeiten dann präsentiert. Dazu sind die Eltern herzlich eingeladen. Die Ergebnisse werden von den 3.-Sek.Schülerinnen und Schülern auch in den verschiedenen Klassen der Schule Zürich Nord vorgestellt. So können die Jüngeren Anregungen für ihre eigenen künftigen Projekte erhalten.

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Wie meine Schüler, die zum ersten Mal eine Projektarbeit geschrieben haben, so habe auch ich das erste Mal Abschlussarbeiten betreut. Ich konnte feststellen, dass einige Jugendliche überfordert waren und viel Zeit ungenutzt verstreichen liessen. Anderen gelang es, ein Thema zu wählen, das sie sehr interessierte und packte. Deshalb sind auch die Produkte sehr unterschiedlich ausgefallen. Insgesamt aber finde ich, dass die Jugendlichen eine gute Arbeit geleistet haben. Die meisten Schülerinnen und Schüler profitieren von einer solchen Projektarbeit und finden sie eine wertvolle Erfahrung, obwohl oder vermutlich gerade weil sie viele Anstrengungen erbringen müssen. Sie stellen sich im Laufe dieser Arbeit Fragen über die Planung und den Verlauf des Projekts und darüber, wie sie dieses am Schluss präsentieren wollen. Sie lernen Verantwortung zu übernehmen und das Geleistete zu reflektieren. Und mit der Bewältigung all dieser Herausforderungen bereiten sie sich gleichzeitig auf ihre berufliche Zukunft vor.

Schlussworte der Jugendlichen: «Das Projekt hat mir gefallen, denn man lernt selbständig zu arbeiten. Man lernt auch etwas zu planen und sich an einen Zeitplan zu halten. Gut gefallen hat mir auch, dass man alles selbst bestimmen kann.» (Manuel)

Text und Fotos Von Gregory, 3. Sek.

Als uns Herr Deubelbeiss erzählte, dass wir ein drei bis vier Monate langes Projekt machen werden, habe ich gleich gedacht, dass ich ein altes Mofa neu aufbauen könnte. Da dies ein Hobby von mir ist, habe ich im Internet nach defekten Mofas gesucht und wurde auch tatsächlich fündig. Sofort begann ich mit der Arbeit. Immer wenn ich etwas am Mofa machte, habe ich es dokumentiert: Datum, benötigte Zeit, was ich genau gemacht habe usw. Ich nahm das ganze Mofa komplett auseinander, sogar den Motor. In den Ferien schliff ich den Rahmen ab und lackierte ihn neu (nicht mit Spraydosen)! Der Tank hatte viele Beulen, diese habe ich gespachtelt, so dass man sie praktisch nicht mehr sieht. Im Internet bestellte ich noch ein paar Ersatzteile. Dann begann ich das Mofa zusammenzubauen. Die Elektronik musste ich auch noch anschliessen, was etwas kompliziert war, da ich nicht genau wusste, was wohin gehört. Am Schluss war aber alles angeschlossen und funktionierte. Das Mofa ist jetzt fertig zusammengebaut. Leider läuft es aber noch nicht, da der Kolben noch kaputt ist. Die Arbeit an diesem Projekt hat mir sehr gut gefallen, weil ich selbständig arbeiten konnte! Hätte ich das Mofa ausserhalb des Projekts neu aufge-

baut, hätte ich keine Dokumentation darüber gemacht. Dank der Dokumentation gibt es jetzt aber einen Überblick über alles, was ich gemacht habe. So erfuhr ich auch Genaueres über Zweitaktmotoren, über die Leistung eines solchen Motors, wie er funktioniert und darüber, was man machen kann, damit der Motor mehr Leistung hat. Zum Beispiel spielt der Resonanzbereich des Auspuffs eine wichtige Rolle, aber auch die Einstellung des Vergasers, der Einlassventile und der Kolben. Alle Schülerinnen und Schüler, die noch eine Projektarbeit machen werden, können sich darauf freuen.

«Das Projekt hat mir sehr gut gefallen. Ich lernte viel über die Kommunikation von Hunden. Die schriftliche Dokumentation fand ich sehr interessant, doch am besten gefiel mir das Zeichnen der Wölfe. Aber es lief nicht alles ganz reibungslos. Das Fotografieren der Hunde in der richtigen Haltung war sehr schwer. Schlussendlich kann ich aber sagen, dass es eine gute Arbeit war.» (Anita) «Anfangs gefiel mir das Projekt nicht, weil ich nicht vorwärts kam und die Motivation fehlte. Nach einer Weile aber fand ich einen guten Anfang und konnte fliessend weiterarbeiten. Ich müsste es mir zweimal überlegen, ob ich nochmals ein Projekt machen würde, weil es sehr aufwändig ist. Es kann auch sehr an den Nerven zehren und wenn man den Anschluss verliert, ist es schwierig, ihn wieder zu finden. Aber im Grossen und Ganzen war es doch eine gute und spannende Erfahrung. Ich bin eigentlich froh, dass wir dies gemacht haben.» (Stefanie)

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Aktivitäten und Projekte

«Leas Verschwinden» sorgt für viel Publikum

Kunst im öffentlichen Raum

VON REGULA WEBER (TEXT) UND SCHÜLERINNEN UND SCHÜLERN (SKIZZEN)

Von Merit, 2. Sek.

Kurz nach den Frühlingsferien stellen die Schülerinnen und Schüler den von ihnen im Rahmen des Unterrichts verfassten Schulhausroman vor. Rund zweihundert Gäste nehmen an der Vernissage des gedruckt vorliegenden Buches teil. «Grüezi, ich war auch schon bei Ihnen zu Hause». Diesen Satz hört man von allen Seiten, denn überall stellen Kinder den Eltern ihre Kolleginnen oder Kollegen vor. Auch unter den Eltern gibt es herzliche Begrüssungen. Aber nicht alle sind so entspannt, denn die Schülerinnen und Schüler, die auserwählt worden sind den Eltern oder Verwandten eine Kostprobe des Krimi-Romans vorzustellen, sind recht nervös und angespannt. Bevor aber die Lesungen anfangen, werden kurze Reden von Schulleitung und Lehrerinnen gehalten. Denn nicht alle Kinder haben ihren Eltern viel über den Krimi, an dem die Schule Zürich Nord das ganze Semester gearbeitet hat, erzählt, auch nicht, wie dieser Krimi genau entstand, wie man vorging und was schliesslich herauskam. Nach der Ansprache leeren sich die Gänge des Schulhauses aber schnell, denn jeder muss sich entscheiden, in welchem Klassenzimmer er die Kostprobe hören will. Von jeder Klasse ist ein Kind dabei, welches einen Abschnitt erzählt. Jeder, der vorliest, stellt sich zuerst kurz vor. Dann geht es auch schon los. Alle Zuhörer lauschen interessiert. Ich finde, man merkt den Schülerinnen und Schülern die anfängliche Nervosität gar nicht so an. Es ist spannend, dass jedes Kind, das vorliest, eine andere Stimme hat, das macht es sehr individuell. Nach dem Vorlesen kann man bei seinem Klassenlehrer ein Ex-

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emplar von «Leas Verschwinden» abholen sowie in der Eingangshalle die bestellten Exemplare kaufen. Langsam löst sich die Menschenmenge auf, viele gehen nach Hause. Auf dem Heimweg diskutiere ich mit meinem Grossvater über die Vernissage. Ihm hat es sehr gut gefallen, sowohl die Vorlesung als auch das Schulhaus und die Lehrerinnen und Lehrer.

Was ist Kunst? – Diese Frage wird meistens von Erwachsenen für Erwachsene definiert. Kinder und Jugendliche haben hier nicht viel mitzureden. Wir versuchten mit dem Projekt «Kunst im öffentlichen Raum» einen Gegenpunkt dazu zu setzen. In einem ersten Schritt schickten wir unsere Schülerinnen und Schüler in Vierergruppen ins Quartier. Sie wanderten mit offenen Augen durch Zürich Nord, diskutierten miteinander über Kunst und entschieden sich für ein Objekt, das für sie die Kriterien erfüllt, um als Kunstwerk zu gelten. Die Gruppenmitglieder zeichneten nun das gewählte Objekt, jedes aus einer anderen Perspektive, und zusammen verfassten sie eine Kurzbeschreibung zu ihrem Kunstwerk. Die Resultate dieser Skizzen und Notizen wurden danach in einer ansprechenden Broschüre zusammengestellt. Von den eigenen Kriterien «Was ist Kunst» zu einer allgemeineren Definition von Kunst war ein nächster Schritt. Die Kinder und Jugendlichen lernten per Internet die Museumslupe kennen, wo nicht nur verschiedene Schweizer Museen vorgestellt werden, sondern auch Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Zürich. Daraufhin schrieben die Schüler Beiträge zu verschiedenen Werken in Zürich Nord, produzierten Fotos und hoffen nun, dass das Museumslupe-Team der Stadt Zürich ihre Texte auf der Internetseite www.museumslupe.ch aufnimmt.

Im letzten Projektschritt geht es darum, dass sich die Kinder und Jugendlichen von einem Kunstwerk inspirieren lassen und in Gruppen einen Kurzfilm dazu gestalten. Da diese dritte Phase zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels noch nicht abgeschlossen ist, sind die Resultate noch nicht bekannt. Wir rechnen aber mit überraschenden Ergebnissen. Unser Projekt «Kunst im öffentlichen Raum in Zürich Nord» wurde begleitet von der Museumspädagogin Franziska Dürr und dem Filmemacher Kurt Reinhard. Für ihre anregende Unterstützung vor und während der einzelnen Schritte danken wir ihnen ganz herzlich. Und natürlich freuen wir uns an den attraktiven Resultaten unserer Schülerinnen und Schüler.

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Bello Ticino Ende Mai fuhr die ganze Schule Zürich Nord I– 66 Kinder und Jugendliche sowie 10 Lehrkräfte – für eine Woche ins Tessin. Das inmitten eines idyllischen Kastanienwaldes gelegene Campo Enrico Pestalozzi in Arcegno war ein idealer Ort für die geplanten Projekte und das gesellige Beisammensein. Die folgenden Berichte, die FAST alle von den Jungs der 6. Klasse verfasst wurden, bieten einen kleinen Einblick ins Lagerleben und in verschiedene Workshops, an denen sich die Schülerinnen und Schüler ihren Interessen entsprechend beteiligen konnten.

Der Aussichtspunkt (Nick) Am Tag der Ankunft gingen wir am Abend an einen schönen Ort – einen Aussichtspunkt. Man konnte hinunterschauen und sah über alle Bäume und Häuser. Es windete dort immer ein bisschen, das war mühsam, aber sonst war es sehr gemütlich. Von unserem Lagerhaus dauerte es etwa 15 bis 20 Minuten bis zum Aussichtspunkt. Am zweiten Tag hatte ich die Idee, nochmals dorthin zu gehen, aber dieses Mal nur mit meinen Kollegen. Der Aussichtspunkt war ein guter Ort zum Chillen, Reden und Spass haben. Wir fanden es so cool dort, dass wir – Denis, Jan, Jann, Francis, Philipp, Laila, Aura, Mahschid, Ananda und ich – am nächsten Tag wieder hin gingen. Es kamen immer dieselben Schüler und Schülerinnen mit. Ich fand es sehr cool dort. Am letzten Tag gingen wir dann alle gemeinsam nochmals zum Aussichtspunkt. Wir assen dort unseren Znüni. Dann mussten wir leider schon wieder gehen. Dieser Ort war mein Lieblingsort. Handyzeit (Sven) Im Klassenlager hatten wir von vier bis halb sieben Uhr unsere Handyzeit. Alle, die ein Handy hatten, nahmen es und hörten Musik. Wir haben uns gegenseitig Lieder geschickt. Die coolsten Lieder waren «Sexy Bitch», «Break your Heart», «Waving Flag» und «Best of Trance Mix». Mein Lieblingslied ist «Break your Heart». Manche hatten neue Handys, andere hatten alte. Die Regel war, dass man nur um diese Zeit das Handy benutzen durfte. Am Abend mussten wir das Handy für die Nacht abgeben. Sport in der Freizeit (Francis) Das Beste am Lager war die Freizeit. Wir konnten tun und lassen, was wir wollten. Am meisten wurde Sport getrieben. Mannschaftssportarten wie

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Fussball oder Basketball waren ideal für viele Kinder. Fussball war der Favorit, man konnte sich so richtig austoben und herumrasen. Die Gruppen waren meistens fair, nämlich die Sekundarschüler spielten gegen die Mittelstufenschüler. Wir, die Mittelstufenschüler, erzielten viele Tore, die Sekundarschüler dummerweise ebenso. Ich glaube, das Fussballspielen hat gute Stimmung gemacht. Die Lagerämtli (Luca) Wir hatten natürlich auch ein Ämtli. Ich musste abtrocknen. Mir hat es sehr Spass gemacht, weil ich und Eric einen Abtrocknungsrekord aufgestellt haben. Wie lange wir hatten, weiss ich nicht mehr, aber wir waren sehr schnell. Weiter musste ich auch noch das Klo putzen, das hat mir nicht so viel Spass gemacht. Obwohl mir einige Ämtli gefallen haben, wäre ich lieber mit meinen Kollegen zusammengewesen. Der OL (Jan) Im Workshop OL haben wir am Morgen eine Einführung bekommen. Herr Deubelbeiss hat uns gezeigt, wie man Karten liest. Wir mussten ihn zu bestimmten Stellen führen. Dann ging es wieder ins Campo zurück, um zu essen und eine Mittagspause zu machen. Am Nachmittag fing der richtige OL an. Wir mussten Zweier- und Dreiergruppen machen. Ich entschied mich, mit Francis und Tobias zusammenzuarbeiten. Wir waren ein gutes Team. Die Gruppen starteten jeweils in fünf Minuten Abständen. Wir waren die vierte Gruppe und überholten alle Gruppen vor uns. Beim letzten Posten hatten wir aber Mühe. Ich führte unsere Gruppe in ein Dickicht. Dort hatte es zum Glück ein ausgetrocknetes Bachbett, in dem wir laufen konnten. Leider ging es plötzlich durch ein Gebüsch, dort verloren wir viel Zeit. Schlussendlich fanden wir aber den letzten Posten und gewannen dann sogar. Ich hatte noch nach dem Lager zerkratzte Beine vom Durch-den-WaldRennen.

Anton, Dennis, Kommissar Rohr und Kommissarin Katz. Eines Morgens wird Anton tot unter dem Balkon aufgefunden, die Polizei wird alarmiert. So geht unsere Geschichte los. Der Italienisch-Kurs (Eric) Im Camp besuchte ich den Italienisch-Workshop für Anfänger. Er fand am selben Ort statt, wo wir immer assen. Von halb zehn bis halb zwölf Uhr dauerte der Morgen, von halb zwei bis halb vier war der Nachmittagsteil. Wir waren insgesamt sieben Kinder: Philipp, Badie, Nik und Lorenz von den 4./5.-Klässlern, Steffi und Seline von der Oberstufe sowie ich selbst als einziger der 6. Klasse. Wir haben uns auf Italienisch begrüsst und ein bisschen gequatscht. Zudem haben wir gelernt auf 100 zu zählen. Wir machten lustige Sachen, wie zum Beispiel Kochen und Lotto spielen. Im Lotto wurde ich Zweiter von sieben. Die grosse Wanderung (Tim) Für die Wanderung sind wir alle früh aufgestanden. Wir assen unser Frühstück und holten den Lunch. Danach gingen wir zum Bus, der uns ins Maggiatal, zum Ausgangspunkt unserer Wanderung, fuhr. Dort angekommen marschierten wir sofort los. Es war eine schöne Landschaft, überall hörte man Vögel zwitschern, Bäche plätschern und Bäume rauschen. Auch wenn uns der Schweiss in Strömen das Gesicht herunterlief, fühlten wir uns in dieser Gegend wohl. Es war aber auch gefährlich. Überall fielen von Fehltritten ins Rollen gebrachte Steine herunter. Wenn man nur einen halben Meter vom Weg abgewichen

wäre, wäre man in eine tiefe Schlucht gefallen. Doch trotz allen Gefahren und Anstrengungen haben sich viele mutige Schüler auf diese anstrengende Wanderung eingelassen. Ein paar Schüler haben sich leider etwas schlecht darauf vorbereitet und zu wenig Getränk mitgenommen. Als wir etwa die Hälfte der Wanderung hinter uns hatten, assen wir unseren Lunch. Wir befanden uns auf einem Berg mit einer tollen Aussicht. Nach dem Lunch gingen wir noch an einen der schönsten Tessiner Plätze baden. Danach liefen wir zum Bahnhof, wo die Lehrer uns ein Eis spendierten. Müde fuhren wir nach Arcegno zurück. Dieser Tag hat sehr Spass gemacht. Workshop Fotografie (Regula Weber) Der Tessiner Wanderfotograf und Samenverkäufer Roberto Donetta (1865–1932) war für diesen Workshop mit seinen Fotografien Vorbild für die Schülerinnen und Schüler. In Zweierteams wählten die Jugendlichen einen Aspekt zu einer Fotografie aus. Die Wasserfallfotografie von Roberto Donetta (nächste Seite) weckte das Interesse von Marco und Lukas. Wie bewegen sich Sand, Holunderblüten und Blätter im freien Fall und in den richtigen Lichtverhältnissen? Mit grossen Plastiksäcken voll mit diesen Materialien stiegen die beiden 2.-Sek.-Schüler einen kleinen Fels hoch. Marco schüttete dann auf ein Zeichen von Lukas hin die Säcke vorsichtig den Felsvorsprung runter und Lukas war unten bereit mit der Kamera. Nicole und Leslie fotografierten verschiedene Materialen im Nahbereich, wie dies auf dem Bild bei Donetta zu sehen ist, und Francis und Benji arbeiteten mit dem Bild «ragazzo con dipinto».

Der Mini-Krimi (Aaron) Am Donnerstag ging ich in den von Herrn Stucki angebotenen Krimikurs. Dort erzählte uns Herr Stucki, wie ein Krimi aufgebaut ist und welche Arten es gibt. Er hat uns auch einen Mini-Krimi und ein paar Rätsel vorgelesen. Danach haben wir uns in Gruppen aufgeteilt. Ich war mit Selina zusammen in einem Team. Der Krimi, den wir geschrieben haben, handelt von

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links Roberto Donetta, paesaggio Lukas und Marco, Sand im freien Fall I Lukas und Marco, Holunderbl端ten Lukas und Marco, Sand im freien Fall II rechts Roberto Donetta, ragazzo con dipinto Francis, Benji mit Bilderrahmen Roberto Donetta, natura morta Leslie und Nicole, Gebiss

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

 ang 3. Juni 2010 1. Jahrg Campleben So verbrachten wir unseren zweiten Tag. Wir von Campo News besuchten die Workshops und s schrieben Interview und Berichte.

Wetter Mi R Do R Fr R In den folgenden ig Tagen wird es sonn bei mässig bis starkem Westwind und zu Temperaturen bis 26° Grad. Teilweise hat es am Morgen lnoch ein paar Quel wolken, die sich aber s im Laufe des Tage Adn. auflösen sollte

Rätsel und Witze Etwas Unterhaltung für Zwischendurch , oben Das Campo von r eine aussichtsreiche Abendspaziergang.

Vermischtes

Etwas Kulinarisches

3. Juni 20

Sport . Hart, aber erfolgreich So erlebte eine Grup lug pe den ersten Ausf an die Melezza. Ein heiss begehrter OL-Workshop

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Die Lagerzeitung Campo-News (Amine) In diesem Workshop hatten wir viel Spass. Frau Eichenberger hatte die Leitung, Frau Basler machte das Layout. Wenn man mochte, durfte man in Gruppen arbeiten. Luca, Kevin und ich machten Interviews. Sven arbeitete alleine, er schrieb die Rubrik «Tratsch». Jann machte Wettervorhersagen und schrieb mit Laila etwas über einen Streit. Ich berichtete über den Ausflug nach Arcegno und die Mädchen schrieben Witze. In der 1. Ausgabe von «Campo-News» stellt die Redaktion ihr Blatt wie folgt vor: «Die Zeitung zeigt einen Einblick in den Campo. Wir berichten über humorvolle Sachen wie zum Beispiel Witze oder Rätsel, aber auch über Skandale und das Wetter etc.» Der folgende Artikel aus der letzten Ausgabe und die beiden Bilder geben einen kleinen Einblick ins journalistische Schaffen der «CampoNews»-Redaktion. Umfrage: Wie gefällt dir das Lager? (Luca) Die Redaktion von «Campo-News» hat die Lagerteilnehmer befragt. Diese verteilten Noten für das gesamte Lager, erwähnten, was ihnen am besten gefiel und ob sie am liebsten noch eine Woche bleiben möchten oder ob sie vom Heimweh geplagt wurden. Eine der befragten Personen war unzufrieden mit dem Lager und gab ihm nur die Note 3. Die meisten jedoch fanden es gut (Note 5) oder sogar sehr gut (5,5 oder 6). Dies sind möglicherweise die Gleichen, welche nochmals eine Woche bleiben würden, wenn sie könnten. Trotzdem freuen sich die aller-

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meisten auf zu Hause. Drei Personen hatten sogar etwas Heimweh. Nur knapp die Hälfte der befragten Kinder erzählt den Eltern nicht alles, was passiert ist. Natürlich gefiel nicht allen alles. Die Präferenzen waren verschieden. Obwohl wir gut und ausreichend zu essen hatten, erwähnte niemand das Essen als das Schönste des Lagers. Dafür waren Freizeit- und Sportaktivitäten sowie die Workshops ein grosser Renner.

Verabschieden und begrüssen VON Urs HARDEGGER

Auf das Schuljahresende heisst es, von zwei Lehrerinnen Abschied nehmen, die mehrere Jahre lang mit viel Engagement am Aufbau der Schule Zürich Nord mitgearbeitet haben. Patti Basler, Sekundarlehrerin, Pädagogikstudentin und Sprachakrobatin (sie tritt regelmässig an Poetry-Slam-Veranstaltungen auf und ist nicht selten Siegerin) hat mit ihrer spontanen, kreativen und humorvollen Art viel zur Entwicklung und Atmosphäre an unserer Schule beigetragen. Sie verlässt uns diesen Sommer, weil sie ihre Kräfte ganz dem Abschluss ihres Studiums widmen möchte. Annett Schad hat sich in den vergangenen Jahren mit grossem Einsatz und viel Ausdauer den jüngsten Schülerinnen und Schülern der SZN angenommen, daneben aber auch einen wertvollen Beitrag in unserem Lehrerteam geleistet. Da sich ihr neues Traumhaus leider nicht in Oerlikon, sondern in Brugg befindet, verbindet sie ihren Umzug mit einem Stellenwechsel in den Kanton Aargau. Was bleibt, ist die Erinnerung an eine schöne Zeit mit diesen beiden Lehrerinnen, unser Dank für das grosse Engagement und unsere besten Wünsche für ihre Zukunft. Verlassen wird uns auch Michel Bochsler, der mit seinem immensen Wissen in Naturwissenschaften unsere Sekundarschüler begeistern konnte. Er hat an der Kantonsschule Limmattal eine Anstellung gefunden. Auch der aushilfsweise Einsatz von Miriam Nüesch, welche die 5. Klasse in Deutsch und Mathematik unterrichtete, läuft auf Ende Schuljahr aus. Unser herzliches Dankeschön gilt auch ihnen!

Neu an unserer Schule begrüssen wir ganz herzlich Eric Metter, der die gemischte 4./5. Primarklasse übernimmt, Marcel Eichenberger, er wird Klassenlehrer unserer neuen 1. Sek., und Florian Schmid, der verschiedene Fächer auf der Sekundarstufe unterrichten wird. Mit je fünf Aussagen stellen sich die drei neuen Lehrer hier kurz vor. Eric Mettler Mich freut es besonders, wenn Kinder mit Lernschwierigkeiten einen nachhaltigen Erfolg verbuchen können. Humor ist für mich das Salz in der Suppe des Wohlbefindens. Erholung ist für mich, ein ausgezeichnetes Menü zu kochen und dieses anschliessend mit guten Freunden zu geniessen. Meine Vorbilder sind Menschen, die ihre Ideale konsequent umzusetzen versuchen. In meiner Freizeit geniesse ich den Garten, ein gutes Buch, ein feines Essen mit passendem Getränk und das Zürcher Oberland auf dem Mountainbike. Marcel Eichenberger Mich freut es besonders, wenn kleine Dinge Grosses bewirken. Humor ist für mich tief schwarz. Erholung ist für mich «sbb»: suennele, bädele, bötlifahre! Mein Vorbild ist schöner, weiser und ärmer als Mike Shiva. In meiner Freizeit trainiere ich Gong Fu und fahre Motorrad. Florian Schmid Mich freut es besonders, wenn die Freude gegenseitig ist und lange anhält. Humor ist für mich, wenn ich nicht der Einzige bin, der lacht. Erholung ist für mich, auf einem Weidling den Rhein runter zu treiben. Mein Vorbild ist eine Mischung aus Olympiasieger Mike Schmid und Mahatma Gandhi. In meiner Freizeit hoffe ich auf Schnee und wachse meine Skier.

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Kinder zogen mich immer magisch an Silvia Horvath unterrichtet seit letztem Sommer die 6. Klasse und wird auch im kommenden Schuljahr die neuen Sechstklässler der Schule Zürich Nord übernehmen. Die «Rasenden Reporter» haben Sie zu beruflichen und privaten Angelegenheiten befragt.

Frau Horvath, von Frau Stucki wissen wir, dass es einen bekannten ungarischen Schriftsteller mit dem Namen Ödön von Horvath gibt. Sind Sie mit ihm verwandt? Nein, das bin ich nicht. Aber mein Vater stammt aus der ehemaligen Tschechoslowakei. Ich selber bin jedoch in der Schweiz aufgewachsen. Wie sind Sie denn aufgewachsen? Und wie leben Sie heute? Ganz klassisch: mit Vater, Mutter und meinem zwei Jahre älteren Bruder. Heute wohne ich mit meinem Freund zusammen, bin unverheiratet und habe auch noch keine Kinder. Wie sieht Ihre Freizeit aus? Diese hat sich etwas reduziert, seit ich als Lehrerin tätig bin. Gut erholen kann ich mich im Sport, beim Rennen, Schwimmen und im Winter im Fitnesscenter. Aber für den Ausgleich ist mir auch ganz wichtig, mich mit Freundinnen zu treffen. Ausserdem gehe ich gerne ins Theater und ins Kino oder besuche Museen. Wie war Ihre eigene Schulzeit? Waren Sie eine gute Schülerin? Ich bin als Kind gerne zur Schule gegangen. Ich war zwar «nur» eine Durchschnittsschülerin, aber das Lernen hat mir grossen Spass bereitet. Erst als ich in der Oberstufe meine erst 3-4 erhielt, liess meine Freude etwas nach. Haben Sie auch einmal gemogelt? Nur wenn es sich sozusagen angeboten hat... Nein, manchmal haben wir auch etwas auf den Massstab geschrieben und einander zugeschoben. Aber bald stand soviel darauf, dass es zu kompliziert wurde!

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Wollten Sie schon immer Lehrerin werden? Als Kind wollte ich lange Zeit Kindergärtnerin werden. Kinder haben mich stets magisch angezogen. Da meine Mutter Handarbeitslehrerin ist, habe ich die «Schulatmosphäre» schon sehr früh kennen gelernt. Meine Mutter nahm mich nämlich als Kleinkind jeweils einfach in den Unterricht mit – das konnte man damals noch! Auch in den Ferien ging ich sehr oft mit ihr in die Schule und half ihr beim Vorbereiten. Konkret habe ich für sie, sobald ich schreiben konnte, jedes Mal die Namenskärtchen der neuen Schülerinnen hergestellt, immer auch mit einer Zeichnung versehen. Was machten Sie, bevor Sie Lehrerin wurden? Nach der Sek. A absolvierte ich zuerst eine Lehre in einem Uhren- und Bijouteriegeschäft und arbeitete danach ein Jahr lang im gelernten Beruf. Das machte ich zwar sehr gerne, weil man dabei auch mit Menschen zu tun hat, aber dann wurde der Wunsch, noch mehr zu wissen, immer stärker. Deshalb entschied ich mich, an der Kantonalen Maturitätsschule für Erwachsene die Matur nachzuholen. Danach war ich etwas unschlüssig, habe zuerst ein Biologiestudium angefangen, doch schliesslich wurde mir klar: Ich wollte Primarlehrerin werden!

Wie sind Sie dazu gekommen, an der Schule Zürich Nord zu arbeiten? Die Pädagogische Hochschule teilte mich in meinem letzten Ausbildungsjahr für ein dreiwöchiges Lernvikariat der SZN zu, so lernte ich diese Schule kennen. In dieser Zeit fand auch gerade das Klassenlager in Wildhaus statt. Insgesamt hatte ich so viele positive Erfahrungen gemacht, dass ich mich entschloss, hier zu arbeiten. Sind Sie heute gerne Lehrerin? Sehr! Es gefällt mir, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten und dabei viel bewirken zu können. Träumen Sie manchmal auch von der Schule? Ja, es kann schon mal vorkommen. Nach dem Klassenlager habe ich zum Beispiel geträumt, dass ich ein Kind verloren hatte und es einfach nicht mehr finden konnte. Was ist für Sie eine schlimme und was eine perfekte Klasse? Und was halten Sie von Kindern, die andere Kinder mobben? Wo Menschen zusammen sind, gibt es auch Probleme, in diesem Sinne gibt es für mich weder eine schlimme noch eine perfekte Klasse. Dass man jemanden mobbt, kann ich jeweils kaum nachvollziehen. Oft sind es absolut harmlose Dinge, die ein Kind veranlassen, ein anderes Kind zu plagen. Wie fühlten Sie sich, als Sie Ihren ersten Schultag an der SZN hatten? Wie war der erste Eindruck Ihrer Klasse? Natürlich war ich vorher etwas nervös, aber ich habe mich auch sehr darauf gefreut. Und dann waren die Schüler den ganzen Tag so brav, dass ich danach überglücklich nach Hause fuhr! Wie wird es für Sie sein, wenn Ihre Klasse in die Oberstufe wechselt? Es ist meine erste Klasse, ich bin mich noch nicht gewohnt, mich zu verabschieden. Deshalb bin ich schon traurig. Wir haben zusammen so viel erreicht! Aber einige von ihnen werden ja die Oberstufe an

der SZN besuchen und so werde ich weiterhin miterleben können, wie sie sich entwickeln. Haben Sie Pläne für Ihre neue Klasse im nächsten Schuljahr? Ich habe in diesem ersten Jahr sehr viel gelernt und erfahren, so dass ich mit meiner nächsten Klasse einiges anders machen möchte. Es sind viele kleine Sachen, wie zum Beispiel das Erteilen von Hausaufgaben: Ich werde mehr darauf bestehen, dass die Schüler sie wirklich seriös erledigen. Oder im Sozialen möchte ich noch mehr erreichen. Mir ist bewusst geworden, dass die Kinder sehr genau angeleitet werden müssen, wie man miteinander spricht, und dass sie viel Übung brauchen, einander zuzuhören. Was war das Schönste, das Sie je erlebt haben? Die schönsten Momente in meinem Leben waren immer solche, wo ich etwas erreichte, für das ich viel investiert hatte. Das sind verschiedene Etappen – zu denen zum Beispiel die Matur und der Abschluss des Lehrerstudiums gehören –, bei denen ich viel geben musste und deren Erreichen mich bestätigten.

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Kindheit im Nationalsozialismus Einer der letzten Zeitzeugen zu Besuch Von Nicole und Niza, 2. Sek. Siegfried Göpper, der Grossvater einer Schülerin aus der 2. Sek., ist Ende Mai aus Deutschland nach Zürich gereist, um uns über seine Kindheit und Jugend zu erzählen. Durch seinen Bericht wurde uns vor Augen geführt, was es bedeutete, in der Zeit des Nationalsozialismus aufzuwachsen.

Als Herr Göpper am 9. Juni 1929 in Weisweil zur Welt kam, war Hitler noch nicht an der Macht. Doch an den Tag, als dieser am 30. Januar 1933 die Wahlen gewann, kann er sich noch gut erinnern. Die Leute versammelten sich damals auf dem Dorfplatz in Weisweil, ein grosser Lautsprecher war installiert, um die Rede Hitlers zu übertragen, alle lauschten gespannt. Siegfried Göppers Grosseltern besassen eine Wirtschaft mitten im Dorf. Der Dreieinhalbjährige stand auf dem Balkon der Wirtschaft und hörte der Rede zu, neben ihm Leute, die den Arm zum Hitlergruss erhoben hatten. Er wurde aufgefordert seinen Arm ebenfalls auszustrecken, um Hitler zu grüssen. Beim gemeinsamen Singen der Nationalhymne und des Horst-Wessel-Liedes musste der kleine Junge seinen Arm die ganze Zeit oben halten. Das fiel ihm schwer, doch jedes Mal, wenn er den Arm herunternahm, wurde er angestupst und gezwungen, ihn wieder auszustrecken. Eine andere Situation, an die sich Herr Göpper besonders gut erinnert, ereignete sich im Jahr 1938. Vom 9. auf den 10. November fand die so genannte „Kristallnacht“ statt. In dieser Nacht wurden von den Nationalsozialisten alle Einrichtungen jüdischer Bürger zerstört. Siegfried Göpper wohnte damals vorübergehend in Stuttgart. Als er und seine Freunde am Morgen des 10. Novembers wie schon so oft ihre Nasen ans Schaufenster eines Spielwarengeschäfts drücken wollten, um die herrlichen Spielsachen zu bewundern, mussten sie feststellen, dass die Scheibe zersplittert am Boden lag. Auch die schönen Sachen, die tags zuvor noch sorgfältig geordnet im Schaufenster gelegen hatten, waren jetzt am Boden zerstreut. So lag auch die Märklin-Lokomotive, die dem kleinen Siegfried immer besonders gefallen hatte, zwischen den Splittern. Als er sie gerade aufheben wollte, bekam er sofort einen Tritt in den Hintern und ein deutscher Soldat schrie ihn an: «Was einem Juden gehört, fasst man nicht an!» Dieses Ereignis erschütterte den neunjährigen Jungen sehr. Es war der Moment, in dem er begriff, dass

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alles nur noch schlimmer würde. Als er sein Erlebnis seiner Oma erzählte, die 1933 noch für Hitler gestimmt hatte, sagte sie traurig: «Büeble, das nimmt kei gut End.» Die Reaktion der Grossmutter zeigt, dass diese mit dem Vorgehen der Nazis nicht einverstanden war. Auch in anderen Situationen konnte Siegfried Göpper erkennen, dass sie insgeheim anders dachte als die Nazis. So verliess zum Beispiel kein Bettler, der bei ihnen anklopfte, das Haus ohne einen Batzen oder etwas zu Essen, und dies, obwohl die Nationalsozialisten sowohl das Betteln als auch Bettlern etwas zu geben verboten hatten. 1939 musste Siegfried Göpper zum «Jungvolk», der Vorstufe der «Hitlerjugend», und wurde dort «Jungvolkführer». Man hatte damals gar keine andere Wahl als mitzumachen. Wer sich im NS-System widersetzte, kam ins Gefängnis und wurde «umerzogen». Siegfried Göpper musste als Führer des «Jungvolks» die «Pimpfe», wie man die Mitglieder nannte, jeden Sonntag antreten lassen, und zwar genau zur gleichen Zeit, zu der jeweils auch die Sonntagsmesse anfing. Drei seiner Freunde, die streng christlich erzogen wurden und von ihren Eltern aus jeden Sonntag zur Kirche gehen mussten, liess er immer schon früher unbemerkt gehen. Das einschneidendste Erlebnis in Herrn Göppers Kindheit machte er kurz vor Kriegsende. Im März 1945, als er 15 Jahre alt war, also etwa in unserem Alter, erhielten er und zwei gleichaltrige Freunde einen Brief, in dem stand, dass sie ins Militär, also in den Krieg einrücken müssten. Da begegnete Siegfried Göpper aber einem Mann, der ihm im Vertrauen sagte: «Junge, wir haben den Krieg verloren.» Das dürfe er aber gar niemandem sagen. Damit war für Siegfried Göpper eigentlich klar, dass es keinen Sinn mehr machte, in den Krieg zu gehen. Er konnte sich dem Befehl jedoch nicht einfach widersetzen. Da die drei Jungen den Stellungsbefehl aber zu spät erhalten hatten und deshalb auch zu spät einrückten, bekamen sie keine Uniformen mehr. Nun entschlossen sie sich abzuhauen, doch schon kurz darauf wurden sie von der Militärpolizei aufgegriffen und nach Freiburg gebracht, um als fahnenflüchtige Soldaten angeklagt zu werden. Am 19. April 1945 i– knapp drei Wochen vor Kriegsende – standen die drei Jungs vor dem Standgericht. «Ich sollte aufgehängt werden für das Regime, für

das ich immer da war», sagt Herr Göpper. Dass er heute noch lebt, verdankt er einem Feldwebel, der verhindert hat, dass die drei Jugendlichen zum Tode verurteilt wurden. Als der Krieg zu Ende war, war für die Göppers aber noch nicht alles vorbei. Zuerst einmal wurde ihr ganzes Vermögen beschlagnahmt und schliesslich kam Siegried Göppers Vater für zwei Jahre in Gefangenschaft, obwohl er selber nicht am Krieg teilgenommen hatte und auch zu den polnischen Gefangenen auf seinem Hof immer anständig gewesen war. Er selber war mit 18 Jahren im Ersten Weltkrieg «zum Krüppel» geschossen worden und hatte seither einen lahmen Arm. «Da kriegst du schon eine eigene Meinung zum Krieg. Mein Vater war kein Freund des Krieges», meint Herr Göpper. Von den vielen Beispielen, die uns Siegfried Göpper erzählte, haben wir nur ein paar Situationen herausgepickt, die zeigen, unter welchen Umständen er seine Kindheit verbringen musste. Wir haben den Eindruck, dass er, obwohl er so viel durchgemacht hat, eine starke Persönlichkeit ist und sich sehr für sich selber und für andere einsetzte. Er bringt auch zum Ausdruck, dass er froh darüber ist, dass die heutigen Kinder anders aufwachsen als er. Er freut sich für uns, dass wir unbeschwert spielen und so viele glückliche Momente erleben können. Uns fällt aber auch auf, dass Herr Göpper über seine eigenen Erinnerungen in einem sehr sachlichen Ton erzählt. Um gefühlsmässig zu erfassen, was dies alles bedeutete, müssen wir uns in seine Situation versetzen, doch das fällt uns nicht leicht, weil wir (noch) nie etwas Ähnliches erlebt haben. Stellen wir uns vor, wir müssten in unserem Alter in den Krieg einrücken, oder wir würden mit 15 gar zum Tode verurteilt! Kannten die Kinder damals, was für ein heutiges Kind so selbstverständlich ist: umarmt

zu werden, zu kuscheln, am Tisch miteinander ungezwungen zu reden, am Abend aus einem Buch vorgelesen zu bekommen...? Gab es überhaupt ein herzliches Familienleben, gab es ein wohliges Daheim, wie wir es heute kennen? Wie sah der Alltag des Kindes aus? Wie war es am Frühstückstisch? Worüber haben sie gesprochen? Hat sich jemand für die Noten des Kindes interessiert? Wie war es am Abend? Hatte man als Kind beim Einschlafen nicht oft auch Angst? Und wie war es mit den Tagträumen: Wie hat man sich als Jugendlicher seine eigene Zukunft vorgestellt? Wir hätten noch viele Fragen an Herrn Göpper gehabt. Schade, dass sein Besuch so kurz war!

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Ein Profi in Sachen Schule Als Praktikantin an der Schule Zürich Nord

Von Sarah Hartmann

Mittwoch Morgen. Mathematik. Doppelstunde. «Hallo» hier, «Hei, wie geht’s?» dort, sich setzen, Rucksack auspacken. Nein, ich sitze nicht in der Klasse, ich schaue nicht verträumt aus dem Fenster oder kritzle Smileys in die Agenda des Bankkameraden. Ich stehe vor der Klasse und beginne mit dem Unterricht. Doch, wer ist «ich»? Ich bin Sarah Hartmann, 19 Jahre alt, 13 davon drückte ich die Schulbank und bin nach der Matura ein Profi darin. Aber eben – noch ohne «profession». Die Berufswahl beschäftigt mich jetzt, im Zwischenjahr. An der Schule Zürich Nord versuche ich mich im pädagogischen Fach während eines dreimonatigen Praktikums, was für mich wie für die SZN ein Novum ist. Als Praktikantin ist es meine Aufgabe, die Lehrer und Lehrerinnen in verschiedenen Funktionen zu unterstützen, Fragen der Schüler zu beantworten, eine Gruppe selbst zu übernehmen und anzuleiten sowie mit Einzelnen individuell zu arbeiten. Ich bin in allen Klassen, von der 4. Primar- bis zur 3. Sekundarstufe, eingesetzt, und das in fast allen Fächern. Somit erlebe ich Schüler unterschiedlichsten Alters, wodurch ich herausfinden kann, was mir persönlich am meisten zusagt. Mich beschäftigen also die Organisation der Schule, der Umgang mit den Kindern und Jugendlichen, die Unterrichtsgestaltung, alters- und niveaugerechte Stoffvermittlung. Nach einer Einführung in den Schulbetrieb kann ich es kaum erwarten, selbst Aufträge zu übernehmen. Doch wie soll ich abschätzen, was man alles in einer Lektion machen kann, wie man sie abwechslungsreich und spannend gestaltet,

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genug Vokabular einbringt, die Grammatik nicht zu trocken vermittelt, damit die Schüler motiviert sind, Neues zu lernen? Wie gut ist es da, im Lehrerteam aufgenommen zu sein und von den Erfahrungen der erprobten Pädagogen profitieren zu können. Die fachliche Kompetenz hat mich beeindruckt, aber vielmehr noch berührte mich die menschliche, liebenswürdige Haltung. Ich lerne bald die Schüler und Schülerinnen sowie die Lehrpersonen kennen, und wenn es für mich anfangs noch sehr ungewohnt ist, plötzlich «Frau Hartmann» zu sein und im Lehrerzimmer ein- und auszugehen, lebe ich mich rasch in den Schulalltag ein. Eine besondere Herausforderung ist dabei, meine Rolle zu finden: Als kaum erfahrene Praktikantin und nur wenige Jahre älter als die ältesten Schüler nun als Lehrperson aufzutreten und sich den nötigen Respekt zu verschaffen, ist nicht einfach. Einerseits soll ich auf die Kinder und Jugendlichen eingehen und eine Beziehung aufbauen, andererseits soll dabei eine gewisse Distanz gewahrt bleiben. Wie also reagiere ich, wenn mich Schüler auszutricksen versuchen und mich auf persönlicher Ebene herausfordern (haben sich doch tatsächlich mal zwei Sek.-Schüler unter dem Pult versteckt…)? Offenheit, Spontaneität und Humor helfen in solchen Situationen, bestehen zu können. Ich bin froh, den Sprung ins kalte Wasser gewagt zu haben, denn ich hätte nie gedacht, dass ich selbst so spontan vor eine Klasse treten könnte, wie ich das hier einfach mache. Dabei schätze ich die grosse Spannweite und Vielfältigkeit meines Einsatzes. Durch das Praktikum erkenne ich, dass mir diese Arbeit wirklich sehr gefällt und ich mich mit Begeisterung dafür engagieren kann. Die positiven Erfahrungen an der Schule Zürich Nord und der entscheidende Perspektivenwechsel bestätigen mir, dass ich es mir zutrauen kann, selbst Lehrerin zu werden. Bis es soweit ist, wechsle ich aber nochmals auf die Schülerseite und beginne im Herbst mein Geographiestudium. Zum Schluss ein herzliches Dankeschön an die Schule Zürich Nord.

WETTBEWERB: Zürich Nord entdecken Wo ist das? Wie gut kennst du Zürich Nord? Sende deine Lösung mit dem Betreff «NORDpunkt-Bilderrätsel» bis spätestens 15. Juli an die Mailadresse nordpunkt@schule-zuerich-nord.ch. Bei mehreren richtigen Antworten bestimmt das Los den Sieger/die Siegerin. Gewinn: ein Kinogutschein. Da keine richtige Antwort aus dem letzten Wettbewerb hervor gegangen ist, sind diesmal zwei Gutscheine für das Kino zu gewinnen!

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NORDpunkt 2. Ausgabe 2010  

Der NORDpunkt ist die Schulzeitung der Schule Zürich Nord.

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